Momentaufnahme: Oktober 2020

Herr Silencer im Oktober 2020

Einmuckeln

Wetter: Herbst, halt. Nass, 10 Grad. Ab dem 20. schlagartig kalt (0-4 Grad nachts) und die schön gefärbten Bäume verlieren ihre Blätter praktisch von einem Tag auf den anderen im Zeitraffer.


Lesen:

Jasper Fforde: The constant Rabbit
Wales, 1965: Ein „Antromorphisierendes Ereignis“ sorgt dafür, das 9 Kaninchen, 3 Füchse, 6 Meerschweinchen und ein Dachs zu sprechenden, menschengroßen Wesen werden, wie aus einer Tierfabel.

40 Jahre später haben sich die Kaninchen vermehrt wie, nun, die Kaninchen, und versuchen sich in die britische Gesellschaft zu integrieren. Was zu Spannungen führt, zumal die Regierung die Füchse als Leiter der Kaninchenbehörde einsetzt. Ausgrenzungen und Anfeindungen durch Menschen gehören für die friedlichen Nager zum Alltag, von den Füchsen droht Todesgefahr. Wie kann so eine Gesellschaft funktionieren?

Seltsame Kreuzung aus „A Watership Down“ und „1984“, schrieb der Guardian. Im Prinzip eine Parabel auf Rassismus. Noch nicht zu Ende gelesen, aber es zeichnet sich schon wieder das Muster ab, das typisch für Jasper Fforde ist: Er hat eine hervorragende Grundidee, baut darum eine detailliert ausgedachte Welt und malt sich sehr genau aus, wie die Gesellschaft funktioniert – und dann setzt er völlig egale Charaktere hinein und lässt sich strunzlangweilige und unplausible Geschichten erleben. Das scheint beim „Constant Rabbit“ nicht so schlimm zu sein wie dem direkten Vorgänger, „Early Riser„, ärgerlich ist es aber schon. Mal gucken, ob er im letzten Drittel des Buchs noch die Kurve kriegt.


Hören:


Sehen:

Borat Subsequent Moviefilm: Delivery of Prodigious Bribe to American Regime for Make Benefit Once Glorious Nation of Kazakhstan [Prime]

Journalist Borat Sagdiyev sitzt nach den Ereignissen von „Borat“ schon seit 14 Jahren im Gulag, weil er der großen Nation von Kasachstan Schande bereitet hat. Dennoch wird er eines Tages überraschend freigelassen und erhält vom kasachischen Präsidenten den Auftrag, dem amerikanischen Präsidenten ein Geschenk zu überreichen. Borat reist also wieder in die USA, trifft dort auf seine Tochter und Figuren wie Rudy Giuliani und Mike Pence.

Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht! Der erste „Borat“ war eine Mockumentary: Die Kunstfigur Borat traf auf echte Interviewpartner. Das schockte, weil so Rassismus und Wahn in den USA unverhohlen darstellte. Dem radebrechenden Journalisten aus dem Ostblock erzählten die Amerikaner Dinge, die einem als zivilisierten Zuschauer die Kinnlade runterfallen ließen.

Seitdem ist viel passiert, die Grenzen des sagbaren sind weit, weit nach rechts verschoben. Zum Glück versucht „Borat 2“ gar nicht die Tricks von früher zu wiederholen. Stattdessen ist es dieses Mal sehr clever Borats Tochter oder sein Umgang mit ihr und die Reaktionen der echten Menschen darauf, die schocken. Aber trotz allem gibt es hier viel zu lachen, weil die Story intelligent gebaut ist und dank der Pandemie sogar ein irres Ende hat. Angucken!

Weathering with you [Amazon Prime]

Der fünfzehnjährige Hodaka reisst von zu Hause aus und taucht in Tokio unter. Neben der Einsamkeit in der großen Stadt macht ihm vor allem das Wetter zu schaffen, es regnet nämlich ohne Unterbrechung. Doch dann findet der Junge ein „Sonnenmädchen“, das die Gabe hat, mit ihrem Willen das Wetter zu beeinflussen. Aber das hat seinen Preis.

Vom gleichen Studio wie der großartige „Your Name“ ist auch „Weathering with you“ reine Poesie mit wunderschönen, so noch nicht gesehenen Bildern und einem verblüffenden „Das haben die jetzt nicht wirklich gemacht“-Twist kurz vor dem Ende. Wunderschön!

The Boys, Staffel 2 [2020, Prime]

Superhelden werden nicht geboren, sie werden von einem Konzern mittels Drogen geschaffen – das ist die Enthüllung, mit der Staffel 2 der bitter-makabren Superheldenfarce startet. Noch geheim bleibt, dass der selbstverliebte Superman-Klon „Homelander“ mittels der Drogen „Superterroristen“ erschaffen hat, die nun angeblich Amerika bedrohen, weswegen seine Superheldentruppe dringend Regierungserlaubnisse braucht. Die „Boys“ kommen nicht darum herum, dagegen in den Kampf zu ziehen – und decken noch viel schlimmere Geheimnisse auf.

Wie bitterböse diese Serie ist! Die vermeintlichen Superwesen sind allesamt ranzblöde Arschkrampen, die entweder Narzissten, Psychopathen oder Rassisten sind, und alle Nase lang wird es extrem blutig. Kurz: Das Unterhaltsamste, was Amazon Originals zu bieten hat.

Long Way Up [Apple TV+]
2004 fuhren Charley Boorman und Ewan McGregor auf Motorrädern ein Mal um die Welt („Long Way Round“), 2007 einmal von Europa längs durch Afrika bis Kapstadt („Long Way Down“). Nun geht es auf dem amerikanischen Kontinent von Feuerland aus nach Norden, bis Kalifornien, und für den „Long Way Up“ haben sich die beiden elektrische Motorräder und Begleitfahrzeuge ausgesucht.

Es ist zu merken, dass der Fokus bei „Up“ ein anderer ist. In den beiden Vorgängern stand die Erfahrung körperlicher Grenzen sehr im Vordergrund. Charly Boorman ging dabei so weit, dass ich ihn als „verrückt“ einordnete, weil er aus meiner Sicht der Show wegen völlig unnötige Risiken bei Motorradfahren einging und bei einer Gelegenheit sogar fast den Kameramann getötet hätte. In den Jahren zwischen den Staffeln hat Boorman die Quittung dafür bekommen. Zahlreiche Unfälle mit schweren Verletzungen und Knochenbrüchen haben dafür gesorgt, das er heute kaum noch selbst auf sein Bike kommt und dicht an der Abwrackprämie entlang schrammt.

Folgerichtig haben die Herausforderungen in „A long way up“ weniger mit körperlicher Kraft zu tun, sondern liegen eher in der Kategorie „Wer wird Höhenkrank“ oder „Schaffen wir es mit 3 Prozent Akku noch bis zu nächsten Ladestation“ oder „Was tun, wenn die Software des Motorrads sich weghängt und die Kiste nicht mehr vom Fleck kommt?“ Das ist auch nicht unvergnüglich inszeniert, die Reisevorbereitungen sind spannend, und die ganze Fahrt selbst von Kameraman Claudio von Plata wieder wunderschön eingefangen worden. Allein die Drohnenaufnahmen der Wüsten und Gebirge Südamerikas sind eine Schau!

Apple TV+ kostet übrigens 4,99 im Monat. Apple ist aber so dankbar über jeden einzelnen Zuschauer, das zumindest ich nach 4 Wochen drei Monate lang jeden Monat eine Gutschrift über 4,99 bekomme, warum auch immer. Damit lässt sich „Long Way Up“ kostenneutral schauen.

Spielen:

Yakuza 4 [PS4]

Kamurocho, Tokyo: Ein ungewöhnlicher Finanzdienstleister trifft eine außergewöhnliche Frau. Ein zum Tode Verurteilter bricht aus dem Gefängnis aus. Ein Straßenpolizist ist auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Irgendwo eiert Kiryu Kazuma rum. Und alles hängt mit einem Ereignis im Jahr 1985 zusammen.

Die letzten Spielstunden führen die Handlungsstränge zusammen und führen Sie zu einem okayen Ende, bis zum Schluss macht aber das Kampfsystem mit seiner schwammigen, ungenauen Steuerung und den ärgerlich langen Animationen überhaupt keinen Spaß. Dazu kommen langweilige Missionen und eine ärgerlich designte Spielwelt: Mit einem unterirdischen Kaufhaus und Tiefgaragen gibt es jetzt eine Ebene von Kamurocho unter der Erde, dazu eine eine Ebene über den Dächern, beide als Labyrinth gebaut. Das macht die Spielwelt ZU groß, zumal die Ebenen nur für langweilige Füllmissionen genutzt werden. Nein, das war Quälerei, selbst auf die skurrilen Nebenaufgaben hatte ich keine Lust.


The Complex [PS4]

Ein Konzern forscht an Nanozellen. Dummerweise will eine Terrorgruppe die klauen, und so findet sich die Chefwissenschaftlerin unversehens eingeschlossen in einem Hochsicherheitslabor, dem namensgebenden Complex, belagert von Fieslingen. Und nicht nur das, anscheinend hat die Konzernleitung auch Interessen, dass die gefährliche Nanotechnologie in die Hand von Diktatoren gelangt.

„The Complex“ ist ein interaktiver Film mit echten Schauspielerinnen, den man sich anschaut und nur an gewissen Stellen „A oder B“-Entscheidungen fällt. Das ist leidlich spannend, weil das Skript etwas verquast und die Handlung simpel und unspannend ist. Die Leistung der Schauspieler ist aber durchgehend gut, und es gibt krass unterschiedliche Enden. Was es nicht gibt: Die Option, an einer gewissen Stelle der Handlung neu zu starten und dann andere Entscheidungen auszuprobieren. Das senkt den Wiederspielwert, denn einen vollen Spieldurchgang – der rund 100 Minuten entspricht – will man nicht jedes mal machen, zumal sich viele Szenen immer wiederholen.


Machen:

Motorradherbst!


Neues Spielzeug:

Teurer Monat: Das Kleine Gelbe AutoTM hat neue Winterreifen bekommen, Conti Winter Contact TS860. Die Barocca hat eine Wartung und neue Reifen gebraucht. Und das Synology NAS wurde aufgerüstet, statt 2×4GBTB stecken nun 2×12GBTB WD Red Pro und weitere 4GB Hauptspeicher im zunehmend wichtiger werdenden Wohnzimmerserver.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Momentaufnahme: Oktober 2020

  1. Oh, long way up ist an mir vorüber gegangen… Mal schauen wie ich dazu komme. Klingt nicht als würde sich ein DVD Kauf auszahlen (falls es das überhaupt noch gäbe).
    Auf Jasper Fforde bin ich noch immer wegen Dings, Farbenwelt und so, beleidigt. :-/

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  2. Ja, ich auch! Das ist auch so ein Ding: Er endet mit Cliffhangern und dann hat er keinen Bock weiter zu schreiben, weil ihm die Idee für eine neue, tolle Welt kommt. Kreativer Chaot, völlig undiszipliniert.

    „Long Way up“ lohnt sich, aber Scheibe wird es wohl nicht geben – ist ein Apple Original.

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  3. Elektrisch: Ich hatte die Hoffnung sie fahren mit Triumph. Jetzt ist es HD geworden… Nicht nur vom Videoformat her sondern auch vom Hersteller. Hm… Da ich generell ein Problem mit Äpfeln habe und lieber grüne Androiden mag -> geht das wohl erst mal auch an mir vorbei.

    Gummiartig: »4x 205/60R16 92H Winterreifen CONTIWINTERCONTACT TS 850 P« gab es für mein Gefährt am 31. Juli 2020. Die Alus dazu ebenfalls im Sommer gekauft – und selbst vor ein paar Wochenenden am turbogeladenen 1.4er montiert. Die 860er gab es damals nicht. Macht aber nichts, bei 9°C waren sie heute bei 211 (laut Tacho, also vermutlich 195 bis 200 km/h real) gut zu fahren. Wobei ich mich hinterher gefragt habe was ich es so eilig hatte – man kann ja sowieso nichts machen außer daheim zu sitzen… Na, vielleicht wird’s ja morgen noch mal schön und die Tiger darf noch mal raus…

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  4. Winterreifen mit Alufelgen? Auch interessant 🙂

    AppleTV+ läuft bei mir auch nur im Browser – auf einem Medion-Netbook 🙂

    WÄREN sie doch nur auf Triumph gefahren. In Folge 8 bricht eine Harley komplett zusammen – und kann nicht repariert werden. Keine tolle WErbung, auch wenn immer betont wird, dass das ja Prototypen seien.

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  5. Winterfest: »BORBET BS5 Metal Grey 7×16 ET40 5×105«. Dunkel passt nicht nur zur Wagenfarbe sondern ist auch beim Dreck schön unproblematisch. Und ich mag das Design. 😉

    Totalausfall: Man unkt ja noch immer das dies der Grund war wieso BMW und nicht KTM die anderen beiden Touren hat unterstützen wollen. 😀

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  6. In der Tat, sehr schön! Oh ja, die Szene Wo in Staffel eins KTM anruft und sagt, dass sie es ihm nicht zutrauen, ist eine der besten überhaupt. Ich frage mich manchmal, ob sich heute noch bei KTM ein Werbemensch in den Hintern beißt.

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  7. ruediger

    NAS: 12TB sind noch recht teuer. Aber 12TB in einer Platte sind eine Ansage. 😉

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  8. Gigabyte. 12 Gigabyte. Tera wäre doch zu teuer.

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