Reisetagebuch Motorradtour Ost (7): Das Plastinarium

Freitag, 03. Juli 2020, „Fuchsbergklause“ Dresden

Früh und schnell frühstücke ich in der Fuchsbergklause in Klotzsche, dem unappetitlich klingenden Vorort von Dresden, dann bringe ich die V-Strom auf die Straße.

Es geht nach Norden, weg von Dresden und auf Bundes- und Landstraßen durch Waldgebiete. Das hier ist die Lausitz. Schilder weisen den Weg zu Orten wie Bautzen, Bischofswerda, Hoyerswerda oder Cottbus. Wenn diese Namen in den Nachrichten auftauchen, stehen die meist im  direkten Zusammenhang mit Rechtsradikalen, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus.

Eine tiefe Verbitterung und Abneigung gegen alles Fremde (und, wenn gerade nichts Fremdes da ist, dann gegeneinander), das scheint in den Menschen hier ganz tief verwurzelt zu sein.

 

Ich erinnere mich daran, dass ich 1987 einen Schüleraustausch mitgemacht habe, zwischen meinem Gymnasium in Bad Gandersheim und dem in Pirna, was direkt vor Dresden liegt. Ich weiß davon nicht mehr viel, die prägendsten Erinnerungen sind aber:

  1. Wie der Lehrer der Austauschklasse sich bei einer Wanderung in die Sächsische Schweiz auf einen riesigen Findling stellte, der bestimmt drei Meter hoch und fünf Meter breit war, und den durch bloße Gewichtsverlagerung ein wenig von der einen auf die andere Seite kippen lassen konnte. „Das ist der legendäre Wackelstein“, proklamierte der Lehrer, „Der ist überall bekannt, der liegt hier seit Tausenden von Jahren und  ist ein Spaß für jung und alt! Von weit kommen die Leute hier her um den  Stein zu wackeln“. Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da gab es ein lautes Knirschen und der riesige Felds brach in der Mitte durch. Der Lehrer guckte fassungslos und trieb uns schnell weiter. Das war das Ende des berühmten Wackelsteins.

     

  2. Wie toxisch sich die Menschen in Pirna verhielten. Ich kannte das Wort natürlich noch nicht, aber die vergiftete Atmosphäre in meiner Gastfamilie, im Ort Pirna und der Schule nahm ich durchaus wahr. Die Toxizität galt nicht mir, der Hass richtete sich an unmittelbare Nachbarn („faules Lumpenpack“), Mitarbeiter und Kollegen („verdammte Fidschis“) und gegen die Nachbarn hinter der Landesgrenze („dumme Polen und klauende Tschechen“). Pirna liegt dicht an der tschechischen und polnischen Grenze, und ich weiß noch, dass ich es völlig seltsam fand, dass der Gastvater erst die Märkte dort lobte, weil er – ganz der clevere Sachse – dort billige Zigaretten und illegales Feuerwerk kaufen konnte, und im nächsten Moment abgrundtiefe Verachtung für die Menschen dort rausrotzte.

Verachtung und vergiftetes Denken, das ist mir noch von Pirna im Jahr 1987 im Gedächtnis. Und es war verbreitet, kein Einzelfall. Als würden die Menschen hier vom Hass angetrieben, so wirkte das auf mich damals. 

Zur sächsischen Gemütshaltung gehört die permanente Vermutung, dass alle anderen einen nur belügen und betrügen, und um den zuvorzukommen, hält man alle anderen von sich weg. Natürlich fühlen sich Teile von Sachsen auch heute, 30 Jahre nach der Wende, benachteiligt. Vertreter der der Lausitz, bspw., gebärden sich gerade so, als würde der Energiewandel nur gemacht, um ihnen persönlich eines auszuwischen, weil Braunkohle hier eine große Rolle spielte. Reste des Tagebaus sind noch überall zu sehen. Aber anstatt sich über die zerstörte Landschaft zu ärgern, sind die Leute hier auch noch stolz darauf.

Wohlgemerkt, der Tagebau SPIELTE eine Rolle, Vergangenheitsform. Schon heute arbeiten nur noch knapp 8.000 Personen in der Branche. Das ist nicht nichts, aber auch nicht so viel, dass es ein ganzes Bundesland in die Politikverdrossenheit führen sollte. Und doch passiert gerade genau das. Die AFD fuhr 2019 mit ihrem Gesellschaftszersetzenden Programm in Sachsen satte 28,4 Prozent ein, und an den Wochenende stehen hier an den Bundesstraßen Reichsbürger, schwenken Reichsflaggen und fordern das Ende der „Diktatur Merkel“. Wenn Deutschland einen „Rust Belt“ hat, dann ist das hier.

Möglicherweise haben die Leute hier alle tief sitzende und kollektive Neurosen. Auf solch einem Grund gedeiht Ausländerhass besonders gut, und das PeGiDA in Dresden seinen Ursprung hatte, wundert mich überhaupt nicht. Vielleicht entspringt dieses Verhalten einer tiefen Unsicherheit, denn diese Region wurden immer mal wieder von dem einen oder anderen Reich erobert. Erst „August der Starke“ gab den Sachsen hier ein wenig Selbstbewusstsein zurück, weshalb er bis heute auf eine fast kindliche Weise angehimmelt und verehrt wird.

In starkem Kontrast zu der Behauptung, von allen vergessen und immer benachteiligt zu sein steht der Zustand der nagelneu wirkenden Straßen und der schnieke herausgeputzten Dörfchen, durch die die v-Strom brummt. Nach gut einer Stunde komme ich in einer Stadt mit zwei Namen an. Mitten hindurch fliesst die Neiße und teilt den Ort in die polnische Hälfte Gubin und deutschen Ortsteil Guben.

Ich halte vor einem großen Fabrikgebäude aus Backstein und stelle die Barocca ab.

Guben war ab der Zeit der Industrialisierung bekannt für seine Tuchfabriken, und das hier ist eine davon. Genauer gesagt: Hier wurden Gubener Hüte produziert, garantiert wasserdichte Wollfilzhüte. „Gubener Hüte – weltbekannt durch ihre Güte“ war vor dem zweiten Weltkrieg ein bekannter Slogan. Im Krieg wurde die Stadt zu 90 Prozent zerstört, nach der Wende ging es wirtschaftlich bergab. Erst 2006 geriet Guben wieder in den Fokus, als ein Unternehmer hier einen Betrieb eröffnen wollte, den er zuvor in China aufgebaut hatte und dessen Ansiedlung ihm in Polen untersagt wurde – wegen Störung der Totenruhe und Leichenschändung.

 

(Achtung, nach dem Klick gibt es Bilder von Störung der Totenruhe, Leichenschändung und Käsekuchen.)

Ich betrete den Vorraum des Backsteinbaus. Desinfektionsspender auch hier. Goethe grüßt großformatig von einer Wand mit dem Spruch „Die anatomische Zergliederung eröffnet und die Tiefen der Natur mehr als jede andere Bemühung und Betrachtung.“ Ja Okay, das passt wirklich hier her.

An den Vorraum schließt sich ein großes Foyer an. Eine Plakette am Eingang verkündet, wo man sich hier befindet und wie die Schöpfer dieses Ortes sich selbst sehen:

„Willkommen im Plastinarium, dem Anatomischen Theater der Moderne, das an die mehrhundertjährige anatomische Tradition anschließt, die bis in die Renaissance des 16. Jahrhunderts zurückreicht“, schlagzeilt es von einer Wand. Und weiter: „Das Plastinarium ist weltweit einzigartig. Es vereint erstmals unter einem Dach die Anatomieausstellung Körperwelten mit der praktischen Darstellung des Plastinationsprozesses. Im Plastinarium wird die Demokratisierung der Anatomie ermöglicht, indem es jedem Besucher das Lernen und Lehren an echten Präparaten erlaubt“.

Große Worte, die mit dem Zitat schließen

„Nichts ist uns so nahe wie unser Körper. Aber über nichts anderes, das uns so nah ist, wissen wir so wenig. Deshalb sollte die Kenntnis des menschlichen Körpers nicht einer kleinen Gruppe Privilegierter vorbehalten bleiben, sondern allen Menschen zugänglich sein.“

Das Zitat stammt von Gunther von Hagens, dem Erfinder der Plastination, einem Verfahren zur Haltbarmachung von tierischen und menschlichen Körpern.

Neben der Plakette schmücken Zeitungsausschnitte und Magazincover schmücken die Wände und zeigen, wie dieser Ort und sein Schöpfer über die Jahre gesehen wurden. Auf einem SPIEGEL-Cover von 2004 wird der Universitätsprofessor von Hagens als „Dr. Tod“ bezeichnet, gleich daneben tituliert ihn die BILD als „Leichenschnippler“. An den Wänden hängen weitere Zeitungsartikel, in denen von dem revolutionären Konservierungsverfahren berichtet wird, und von Prof. von Hagens Neigung, die Exponate möglichst originell zu gestalten und gegen Geld in Ausstellungen zu zeigen – den „Körperwelten“.

Von Hagens lässt anfangs die Exponate in China fertigen und schwärmt in frühen Zeitungsartikeln von der Akribie und Kunstfertigkeit der chinesischen Arbeiter. Damit ist es vorbei, als einige der chinesischen Angestellten die Geheimnisse des Verfahrens mitgehen lassen und sich damit selbstständig machen. Von Hagens ist aufgebracht und versucht die Produktion nach Europa zurück zu holen. Als Standort hat er sich einen Ort in Polen ausgesucht, aber kurz bevor dort alles starten kann, gibt es heftigen Widerstand aus der Bevölkerung und schließlich auch der Politik. Störung der Totenruhe und Leichenschändung, das sind noch die harmlosen Dinge, die der Fackeln und Mistgabeln tragende Mob ihm vorwirft.

2006 siedelt sich von Hagens seine Werkstätten in der alten Hutfabrik in Guben an und nennt sie „Plastinarium“.

Seine Arbeit ist vor allem für die Zeitungen ein Dauerthema, immer wieder und speziell in Nachrichtenarmen Zeiten tauchen wieder Artikel über „Doktor Tod“ auf, und das wieder irgendein Landespolitiker den Besuch der Ausstellung für Schulklassen zum Schutze der Armen Kinderseelen verbietet.

Nicht verbieten lassen sich den Besuch Promis. Bilder zeigen Jürgen Drews, Dustin Hoffman, André Agassi, Uwe Ochsenknecht, Tina Turner, Nick Nolte, Mario Adorf und viele andere. Daneben hängen Zitate von Besucherinnen wie Jenifer Aniston, Demi Moore oder Nicole Kidman. Alle sprechen von „Awe-Inspiring“ und „Speechless“.

 

Na, dann wollen wir mal gucken, was die Ausstellung so kann. Ich löse ein Ticket und betrete den ersten Ausstellungsraum. Zu meinem Erstaunen gibt es hier keine Körperteile, sondern erst einmal – Käsekuchen.

In den ersten Ausstellungsräumen wird erklärt, wie die „Plastination“ funktioniert, und Ausstellungsstücke wie der plastinierte Kuchen sind die Ergebnisse der ersten Versuche, die Gunther von Hagens in den 1970er Jahren in Heidelberg durchführte. Vereinfacht gesagt wird bei der Plastination das Wasser im Körper durch Kunststoffharze ersetzt. Das Verfahren bedingt den Einsatz von Vakuum, Kälte und Acetonbädern und ist recht komplex, beschrieben wird es HIER. Die dabei entstehenden Präparate riechen nicht, sehen genau so aus wie im Leben und sind praktisch unbegrenzt haltbar. Das macht die Plastination so besonders, denn das gelingt mit keinem anderen Verfahren.

Ich war schon in vielen Einrichtungen, die sich mit Anatomie beschäftigen, und habe gesehen, wie sich die Anatomielehre über die Jahrhunderte verändert hat. Von Mumifizierung über Präparate in Formaldehyd bis hin zu Moulagen, den Wachsmodellen, wie Sie z.B. an der Universität von Florenz oder Pisa vorgehalten werden. Keine andere Art der Präparation komm dem, was mit der Plastination erreicht werden kann, auch nur im Ansatz nahe. Und erst durch die Plastination wurde etwas wie die „Körperwelten“-Ausstellungen möglich, die Anatomie für Menschen auf der ganzen Welt zugänglich machte. Da sei es ihrem Erfinder auch erlaubt, ein wenig eitel zu sein.

Im Vorraum gibt es noch eine kleine Abteilung, die sich mit dem Tod im Alltag und Anatomie in der Popkultur beschäftigt. Letzteres ist wohl nur eine Ausrede, um ein lebensgroßes Endoskelett aus den „Terminator“-Filmen hier rumstehen zu haben. Tod im Alltag wiederum beschränkt sich auf Figuren, wie man sie vom mexikanischen Dio de los Muertos kennt, dem Tag der Toten. Und erstaunlicherweise steht eine Plastikfigur eines Marilyn-Monroe-Skeletts herum.

Dann geht es richtig los. Präparate von Organen werden in langen Schautischen ausgestellt. Spannend sind immer die, bei denen etwas nicht mehr ganz in Ordnung ist. So lassen sich aus nächster Nähe Aterienverstopfung, Fettlebern oder Teer in Lungen begutachten und geben diesen Phänomen, von denen man ja eher auf abstrakter Ebene weiß, eine begreifbare Dimension.

An die ersten Ausstellungsräume schließt sich ein Flügel an, in dem Präparatorinnen und Präparatoren arbeiten. Sie bereiten Plastinate und Skelette für Universitäten und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt vor.

Gleich am Eingang steht ein Mitarbeiter, der sorgfältig Schädel reinigt und dann mit Erbsen füllt und in Wasser legt. Die Erbsen quellen auf und drücken die einzelnen Schädelknochen auseinander. Mit Draht wird dann ein „Sprengschädel“ gebaut. Ich stehe staunend vor einem fertigen Exemplar. Das ein Schädel aus 22 Knochen besteht, das wusste ich nicht.

Reihe um Reihe komme ich an Seziertischen vorbei. Gruselig fühlt sich das nicht an, selbst wenn ich mir ganz bewusst mache, dass das dort Leichenteile auf den Tischen sind und das Muskelmodell dort ein echter Mensch war, der nun gehäutet an eine Wand geschraubt ist.

In Vakuumanlagen blubbert Aceton vor sich hin, das darin eigelegten Organen das Wasser entzieht.

An Nachschub an Körperspendern mangelt es dem Plastinarium übrigens nicht. Tausende haben ihren Körper testamentarisch der Wissenschaft vermacht, und das Plastinarium hat einen eigenen Überführungsservice, der Verstorbene abholt und nach Guben bringt.

Nicht nur Menschen sind in Guben ausgestellt, es gibt auch Körperpräparate von Tieren. Bei manchen sind die Muskel freigelegt. Wer hätte gedacht, dass eine Kuh so ein Muskelpaket ist?

Bei anderen Präparaten sind nur bestimmte System vorhanden, z.B. das Nervensystem oder die Blutbahnen, alles andere ist sorgfältig entfernt worden.

Ich will und kann jetzt gar nicht viele Bilder zeigen*. Das Fotografieren ist in den Räumlichkeiten des Plastinariums zwar zu Privatzwecken erlaubt, und das hier IST ein nichtkommerzielles und privates Blog, aber die „Körperwelten“ leben auch von den Besuchen, und ich möchte hiermit nachdrücklich ermuntern, entweder das Stammhaus hier in Guben oder eine der festen Ausstellungen wie in Heidelberg oder London oder Berlin oder auch mal eine der kleineren Wanderausstellungen zu besuchen, die immer mal wieder in mittelinteressanten Städten wie Kassel oder Hannover auftauchen.

Was man dort zu sehen bekommt ist absolut faszinierend, denn nicht nur lernt man hier sehr viel über Anatomie und, so ganz nebenbei und dank der vielen guten Erklärungen, auch etwas über gesunde Ernährung, das Altern, Prothesentechnik und die Tierwelt im Allgemeinen. Nein, die Ganzköperpräparate befinden sich oft auch in besonderen Posen, und werden dadurch zu wahren Kunstwerken. Hier rettet ein Feuerwehrmann eine Frau und trägt sie auf seinen Armen, dort trägt ein Mensch seine Haut wie einen Mantel über den Arm gelegt, da drüben sind zwei Eiskunstläufer mitten in einer komplizierten Schleuderfigur eingefroren und man sieht die gespannten Muskeln und die gestreckten Knochen.

Manchmal sind die Körper in Posen, die einem Text tieferen Sinn geben. Ist die Liebe jemals schöner in Szene gesetzt worden? Die Frage, ob das hier Kunst ist, kann ich für mich klar mit „JA“ beantworten. 

 

Diese Beiden sehen aus wie Liebende, aber die Ausstellung in Kassel geht noch eine Ebene tiefer. Text hierzu: „Trenne Dich nie von Deinen Illusionen und Träumen. Wenn Sie verschwunden sind, wirst Du weiterleben, aber aufgehört haben zu existieren“ – Mark Twain.

Ich war tatsächlich schon in London und Kassel in unterschiedlich großen „Körperwelten“-Ausdtellungen, aber Guben übertrifft die normalen Ausstellungen durch seine schiere Größe und natürlich durch den Blick in die Werkstätten und die tollen Erklärungen.

Rund zwei Stunden verbringe ich in der Ausstellung und bin fasziniert von den Körper- und den Scheibenpräparaten. Bis auf ganz wenige andere Besucher bin ich alleine in der Ausstellung und kann mir Zeit nehmen und alles aus jedem Blickwinkel ansehen, selbst die riesigen Präparate von Tieren wie Elefanten und Giraffen.

Dann verlasse ich den Backsteinbau. Der Ausgang ist genau dort, wo das Motorrad steht.

Noch einmal schnell getankt, dann rollt die V-Strom aus Guben heraus und nach Norden, immer an der Neiße entlang und damit an der deutsch-polnischen Grenze. Die Straße führt durch Eisenhüttenstadt und dann nach Frankfurt an der Oder. Die knuffige kleine Stadt kenne ich mittlerweile sehr gut, und es juckt mich in den Fingern den polnischen Markt in Slubice zu besuchen, aber es ist bereits nach Mittag, und irgendwann muss ich auch zu Hause ankommen. Deshalb fahre ich bei Frankfurt auf die Autobahn gen Westen.

Es geht wirklich exakt nach Westen, stundenlang. Dabei komme ich an Orten vorbei, die ich nur vom Namen kenne und bislang nicht wusste, wo die lagen. Bei Fürstenwalde an der Spree ist schon klar, dass das bei Berlin liegen muss, aber Königs Wusterhausen?

Als der Speckgürtel von Berlin langsam im Rückspiegel verschwindet, führt die Autobahn durchs Havelland und dann weiter nachdurch Sachsen-Anhalt. Hier gibt es Truppenübungsplätze, so riesig, man glaubt es kaum. Der von Altmark hat allein eine Schießbahn die 30 Kilometer lang ist.

Mir ist langweilig. Unter dem Helm singe ich laut „I am bored in the house, I´m in the house bored“, während die V-Strom vor sich hinpöttert.

Bei Magdeburg, der Hauptstadt Sachsen-Anhalts, grüßen Windräder.

Jetzt geht es über kleinere Autobahnen nach Südwesten. Bei Quedlinburg fahre ich ab und mache eine kleine Pause. Das sommerliche Harzvorland sieht schön aus, und trocken, fast wie in einem Western. Große Disteln stehen wie Kakteen am Wegesrand.

Die letzte Etappe vor zu Hause: Der Harz. Bei Wernigerode fahre ich ins Mittelgebirge und ärgere mich quasi sofort, denn es sind Sommerferien, es ist Freitag und NATÜRLICH krauchen jetzt hier Rentner in Opel Astras oder Wohnmobile mit Lehrerehepaar drinnen im Schneckentempo über über die Landstraßen. Ich leide stumm und freue mich über die kurzen Stücke, die ich mal freie Fahrt habe.

Durch den Wald geht es, dann über Elend nach Braunlage. Von dort ist es ein Katzensprung bis Bad Lauterberg, und damit bin ich auch schon wieder raus aus dem Harz.

 

Zwischen Harzrand und Göttingen liegen nur 25 Minuten, und um kurz vor 18:00 Uhr bin ich wieder zu Hause.

So, dass waren also sechs Tage auf Osttour. Nicht viel, nicht weit, aber trotzdem nett. Immerhin 2.200 Kilometer sind zusammengekommen, aber als ich die Barocca in der Garage einparke merke ich, dass ich trotz des schmerzenden Hinterns  keine Lust habe jetzt aufzuhören. Ich würde am liebsten weiterfahren, noch eine Woche oder zwei oder drei oder einen Monat oder mehr. Ich weiß, dass wird jetzt nichts, aber ich merke deutlich: Ich bin noch nicht wieder zu Hause, da zieht es mich schon wieder fort von hier. Aber die Woche Urlaub ist ja noch nicht ganz vorbei, ich kann ja morgen noch eine schöne Tour machen.

Das hier ist das Gesamtkunstwerk „Osttour“. Jeder Tag hat eine andere Farbe, 6 Tage, 2.200 Kilometer.

* Und falls das hier schon zu viele Bilder sind und das Plastinarium damit ein Problem hat: Schreibt mir an silencer137@posteo.de und ich nehme die sofort raus.

Kategorien: Motorrad, Reisen | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Reisetagebuch Motorradtour Ost (7): Das Plastinarium

  1. Vor, ich glaube, zwei Jahren war eine Wanderausstellung der Körperwelten in Graz, die wir besucht haben. Ich fand es sehr faszinierend, und schon damals hat sich mir die Entwicklung eines Kindes an meisten eingeprägt. 🙂 wie früh der kleine Alien dann doch nach Mensch aussieht.

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  2. Suse

    Sehr interessante Tour! Schöner Reisebericht und ich bin dankbar für den Guben-Tipp, den muss ich in meine nächste QuerdurchDeutschlandTour einbauen… jedes Jahr entdecke ich da was Neues… Ich wünsch Dir eine gute Zeit bis zur nächsten Tour 🙂
    Sonnige Grüße
    Suse

    Gefällt 1 Person

  3. Kalesco: Die Wanderausstellungen sind meist nicht so groß, haben aber die spektakuläreren Exponate. Graz ist schon ein guter Wohnort für Kultur 🙂

    Danke, Dir auch Suse!

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  4. Danke für den gruseligen Einblick!
    Der Teil D’lands ist mir bislang völlig fremd, aber die Sächsische Schweiz steht schon lange recht oben auf der Liste. Ich liiiebe Stein-Formationen! 😉
    Guben werde ich mir aber vermutlich klemmen: so viel Grusel iss nix für mich…

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  5. Susy: Der Landstrich lohnt sic auch ohne Besuch in Guben 😉

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  6. Mein Kopf macht Sachen. Jetzt habe ich „Landstrich“ zunächst so wie „Straßenstrich“ gelesen …

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