Corona-Tagebuch (29): Nicht nichts tun oder doch nicht

Weltweit: 154.386.183 Infektionen, 3.228.547 Todesfälle
Deutschland: 3.451.550 Infektionen, 83.876 Todesfälle

Tag 419 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit dem letzten Eintrag ins Corona-Tagebuch ist viel passiert. Nachdem die Inzidenzzahlen durch Decke gingen und trotzdem einzelne Ministerpräsidenten was von Öffnungen faselten, Lockerungen ankündigten und am Ende nicht mal mehr zur gemeinsamen Konferenz von Bund und Ländern kommen wollten (weil die vorbereitet werden müsste, und dafür habe ja niemand Zeit), setzte sich der Bundeskanzler Frau Merkel in eine Polittalkshow und sprach ganz besonnen die Worte „Ich werde mir das nicht noch zwei Wochen anschauen und nicht nichts tun“. Dahinter stand nicht weniger als die Drohung, den Ländern Kompetenzen wegzunehmen.

„Ich werde zwei Wochen nicht nichts tun“

Dann tat sie: Nichts. Drei Wochen lang.

Dann gab es endlose Debatten, dann war Mittag, dann Wochenende, dann gab es Diskussionen, und am Ende beschloss der Bundestag eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes, damit es nun bundesweit einheitliche Regelungen geben könne.

Auf den Weg gebracht wurden dann aber nicht Maximalinzidenzwerte von 35 oder so, wie von Epidemiologen empfohlen. Oder eine Homeofficeflicht. Oder die Schließung von Schulen und nicht systemrelevanten Betrieben. Nein, stattdessen eiert die „Notbremse“ um einen Wert von 100 herum, ab dem es dann nächtliche Ausgangssperren geben soll. Also weitere Einschränkungen der Grundrechte, aber keine für Betriebe. Schon krass, dass man selbst eine „Bundes-Notbremse“ (so wird das genannt) so verkacken kann. Zumal Intensivmediziner nicht nur Alarm schlagen, sondern mittlerweile Türen eintreten, weil es in den Krankenhäusern nicht fünf vor zwölf ist und auch nicht fünf nach, sondern Viertel nach. So krass ist das mittlerweile. Immerhin haben anscheinend viele Menschen außerhalb der Politik den Ruf gehört und setzen auf Selbstverzicht, denn die Infektionszahlen sinken aktuell.

Charite 43

Dabei war das Personal schon nach der zweiten Welle am Ende. Sehr eindrücklich wird das in der vierteiligen Doku „Intensiv Charite 43“ gezeigt, die von Dezember bis März das Sterben auf einer Berliner Intensivstation begleitet hat. Ausgelaugtes Personal, Auswirkungen von Long-Covid und eine Erklärung, was ECMO eigentlich ist inklusive. Kann und sollte man sich hier angucken: Mediathek.

Impffortschritt

Mit dem Impffortschritt geht es so langsam voran. 29 Prozent haben eine Impfung bekommen, 8 Prozent zwei. Man hört Gerücjte, dass ja angeblich unfassbare Impfstoffmengen kämen und bis Ende Juni alle Impfwilligen zumindest eine Dosis erhalten könnten. Glauben tue ich das erst, wenn ich selbst einen Termin habe.

Aktuell wird hart über die Rückgabe von Grundrechten für Geimpfte diskutiert. Ich bin in der Frage zwiegespalten. Natürlich muss die Ausübung der Grundrechte so schnell wie es geht wieder gestattet werden. Auf der anderen Seite wird eine fehlende gesellschaftliche Solidarität dazu führen, dass die Spannungen zunehmen werden. Menschen werden agressiv Impfungen einfordern, auch wenn sie noch nicht dran sind. Spätestens wenn der geimpfte Nachbar in den Sommerurlaub fliegt, während die ungeimpften weiter im Keller sitzen sollen, werden die Verwerfungslinien sichtbar. Da aktuell die „was kostet die Welt nach uns die Sintflut“-Generation der Boomer geimpft wird, ist mit freiwilliger Solidarität nicht zu rechnen. Und natürlich werden jetzt schon Impfpässe gefälscht, denn an eine fälschungssichere Dokumentation oder einen Nachweis der Impfung, auch daran hat niemand gedacht. Auch das wurde episch verkackt.

Wundert in der aktuellen Situation niemanden, aber was mich erstaunt ist, dass es anscheinend überhaupt keine Pläne für Pandemien gab. Weder Szenarien zur Frühwarnung noch Katastrophenschutz noch Austiegswege lagen als Pläne in der Schublade. Zum Vergleich: In manchen Asiatischen Ländern werden Impfzentren dauerhaft im Rahmen der Vorsorge vorgehalten. Passiert tatsächlich was, zieht man die Abdeckplanen von den medizinischen Geräten, wischt mal schnell Staub und setzt dann die vorbereiteten Pläne für Isolationsszenarien um. DAS ist Katastrophenschutz. Aber in Deutschland? Nüscht.

Wichtig: App

Genau wie die Kontaktnachverfolgung per App. Zwar kann das die offizielle Corona-App mittlerweile, viele setzen aber auch die proprietäre und kommerzielle LUCA-App, die nicht nur teuer, sondern auch ein Datenschutz- und Datensicherheitsalbtraum ist. MP Müller setzte sich breit grinsend hin und erläuterte, dass er von Technik ja keine Ahnung habe, aber diese App, die habe er für Berlin gekauft. Mal ehlrich Berlin, wo habt ihr diese Pfeife her?

Apropos App, wer geimpft ist, sollte bitte die SafeVac-App des Paul-Ehrlich-Instituts nutzen. Darin kann man Wirkungen und Nebenwirkungen erfassen, die werden anonym ausgewertet um von möglichen Nebeneffekten der Impfungen zu erfahren.

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Kategorien: Corona-Tagebuch | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Corona-Tagebuch (29): Nicht nichts tun oder doch nicht

  1. Danke für den Tipp mit der SaveVac App.

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