Momentaufnahme: November 2021

Herr Silencer im November 2021

Wort des Monats: Wurschtig.

Wetter: Neblig, diesig, kalt, trübe. Nachts 0-3 Grad, tags manchmal knapp an zweistellig. Am Monatsende Schnee.


Lesen:

Work in Progress


Hören:


Sehen:

300 – Rise of an Empire [2014, BluRay]
Der athenische General Themistokles tötet den Perserkönig Darius. Der gibt auf dem Sterbebett seinem Sohn Xerxes den Tip: „Lass bloß die Griechen in Ruhe, nur die Götter selbst können die bezwingen.“ Weil Xerxes nicht der Hellste ist, begreift er das als Anweisung zum Gott zu werden. Schwarzer Magie oder sowas sei Dank wird er tatsächlich übermächtig und greift Griechenland wieder an, was zu den Ereignissen in „300“ führt. Während Spartanerkönig Leonidas und seine 300 Männer versuchen die Thermophylen gegen die Perser zu halten, kämpft Darius Ziehtochter Artemisia auf See gegen die Athenische Flotte, und legt sich wieder mit Themistokles an.

„300 – Rise of an Empire“ ist eine 2014 erschienene Fortsetzung zum 2006er „300“, dem ästhetisch überwältigenden, aber auch fürchterlich doofen, Epos um weiße Männer mit aufgemalten Bauchmuskeln. Das Sequel schafft etwas, was wenige zweite Teile schaffen: Es erzählt eine eigenständige, interessante Geschichte und wertet durch größere Tiefe den ersten Teil auf.

„Rise“ ist, wie „300“, „Written by Zac Snyder“. Das ist erstemal kein gutes Zeichen, aber immerhin hat der Mann mit den Nazi-Eulen hier nicht selbst Regie geführt. Deshalb ist „Rise“ auch ansehbarer als der direkte Vorgänger und die Story, die vor, während und nach „300“ spielt, ist komplexer. Auch wenn es hier vordergründig wieder um fürchterlich bleiche Amerikaner, geht die Griechen mimen, so erzählt „Rise“ eigentlich die Geschichte der Heerführerin Artemisia (Eva Green, „Casino Royale“) und der Spartanerkönigin Gorgo (Lena Headey aus „Game Of Thrones“), und diese Geschichte ist interessant. Kann man sehr gut angucken, zumal die Bilder wieder an Schlachtengemälde erinnern.

11.22.1963 [Amazon Video]
Am 22.11.1963 wurde John F. Kennedy erschossen, und Englischlehrer Jake ist fest überzeugt, dass er dieses Attentat verhindern kann. Er hat nämlich ein Zeitloch entdeckt, was aus dem Jahr 2016 zurück nach 1960 führt. Jake lebt nun drei Jahre in den 60ern und versucht in dieser Zeit herauszufinden, wer hinter dem Attentat steckt. Die Russen? Lee Harvey Oswald? Die CIA? Dabei stößt Jake auf unerwartete Probleme, denn die die Zeit selbst wehrt sich dagegen, geändert zu werden.

Ich war ja von der Buchvorlage sehr angetan. Einen Zeitreiseplot hätte ich von Stephen King nicht erwartet, und die Geschichte war spannend, hatte aber auch ihre Längen. Die Verfilmung ist nun eine achtteilige Miniserie mit James Franco in der Hauptrolle, und wow, ist die gut gelungen! Ausstattung, Sets, exzellente Schauspieler bis in die Nebenrollen hinein – das Dinge atmet Production Value aus jeder Pore. Die Umsetzung als Miniserie gibt den Figuren und der Handlung genug Zeit, sich zu entfalten. Da stört es dann auch nicht, dass trotz Raffungen ein, zwei Längen des Originals erhalten geblieben sind, das Ergebnis ist stimmig und berührend.

Shang Chi und die Legende der 10 Ringe [Disney+]
Vor 1.000 Jahren entdeckt der chinesische Soldat Xu Wenwu 10 metallene Ringe, die ihm ungeheure Kraft und Unsterblichkeit verleihen. Xu gründet die Bruderschaft der 10 Ringe und wirkt über Jahrhunderte im Verborgenen, beeinflusst aber immer wieder den Lauf der Geschichte. Irgendwann verliebt er sich aber in eine Frau und zeugt Shang-Chi. Als Sohnemann erwachsen ist und die 10-Ringe-Organisation übernehmen soll, hat er aber gar keinen Bock auf diesen mystischen Larifari und arbeitet lieber in San Francisco als Parkhilfe.

Ungewöhnlicher und erfrischender Marvel Film. Der Cast ist fast komplett chinesisch, die Story und die Bilder durchsetzt mit Versatzstücken aus der chinesischen Mythologie. Das sieht schon sehr cool aus und ist gelungen. Besonders schön: Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben es körperlich drauf, und die Martial Arts-Kampfszenen werden übersichtlich und in langen Einstellungen eingefangen. Das hat im Blockbusterkino gerade Seltenheitswert, normal sind gerade Schnittmassaker, bei denen in einer Sekunde zehn Schnitte gesetzt werden, bis das Publikum epileptische Anfälle bekommt.

Leider ist die Story völlig vorhersehbar und hat einige Längen. Ein weiteres Style over Substance-Opfer.

Red Notice [Netflix]
Irgendwer klaut Kleopatras drittes Ei(!) aus dem Castel Sant´Angelo in Rom, und dann irgendwas mit Dwayne Johnson.

Netflix teuerste Eigenproduktion! 200 Millionen Dollar!! – so tönt die Werbung. Ja, und wo sind die 200 Mios hin? Die Hälfte davon wanderte in die Tasche der Stars, für den Rest bekam man dann nicht mehr so richtig viel Gutes zustande. Regie und Schnitt machte ein Kumpel von Dwayne Johnson (kein Witz), die CGI-Effekte vermutlich der Praktikant bei WETA, und für ein ordentliches Skript bliebt auch kein Geld. Was dann herausgekommen ist: Ein Dwayne-Johnson-Vehikel, in dem Dwayne Johnson Dwayne Johnson spielt, Ryan Reynolds den Ryan Reynolds gibt und Gal Gadot alle 20 Minuten mal reinschaut und neckisch in die Kamera guckt.

Die drei stolpern über billige CGI-Sets, in denen sie wie ausgestanzt wirken. Wirklich: Keine Qualität, nirgends. In der Summe ist „Red Notice“ damit ein Oldschool-Actionfilm, der mit seiner billigen Machart, seinen Klischeefiguren, der Krachbumm-Action und unlustigen Onelinern seltsam aus der Zeit gefallen wirkt. Das heißt nicht, dass man damit keinen Spaß haben kann. Ich mag sowas an Freitag Abenden. Es ist halt nur billige Unterhaltung, von der man Null erwarten darf und die man gleich wieder vergessen hat.


Spielen:

Lost Judgment [PS5, 2021]
Privatdetektiv Takayuki Yagami erlebt einen seltsamen Moment: Seine Anwaltskollegin vertritt vor Gericht einen ehemaligen Polizisten wegen eines Bagatellsdelikts, als der unmittelbar nach der Urteilsverkündung aufsteht und verkündet, dass man jetzt, in dieser Minute, gerade den Leichnam eines Mannes in Yokohama entdecken wird. Dem ist auch so – aber wie konnte der Verurteilte das wissen, wo er doch seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt? Wer war der Tote, und warum wurde er förmlich hingerichtet? Yagami und sein bester Kumpel Kato reisen nach Yokohama und gehen der Sache nach.

Ist Rache jemals gerechtfertigt? Kann und darf eine Person das Recht in eigene Hände nehmen? „Lost Judgment“ geht diesen Fragen nach und beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Mobbing, Selbstmord, Selbstjustiz und deren Folgen für Hinterbliebene. Schwere Kost, aber sehr angemessen und ernst umgesetzt.

„Lost Judgment“ ist der zweite Teile eines Spin-offs der klassischen „Yakuzua“-Spiele. Anders als die Stammreihe, die mittlerweile ja ein rundenbasiertes Rollenspiel ist, bleibt „Judgment“ den Wurzeln der Serie treu und präsentiert sich als spannender Thriller, in dem in Actioneinlagen geprügelt wird. Das klappt nach wie vor hervorragend und vermeidet den endlosen Grind, der bei „Yakuza – Like a Dragon“ leider über lange Strecken nötig war, damit es in der Hauptstory weiterging.

Zumindest fast, denn zur Gänze entkommt auch „Judgement“ die unbalancierten Zeitfressern nicht. Um einen Kontrapunkt zur düsteren Haupthandlung zu setzen und alles etwas aufzulockern, gibt es absurde Nebenfälle und mit den „School Stories“ sogar eine ganze Nebenhandlung, die 10 teils skurrile, im Spiel versteckte Minispielchen (u.a. Tanzspielchen, Skateboardfahren, Boxen, Motorradrennen und Darts) mit einander verbindet. Um diese Handlung abzuschließen, muss man jeweils kleine Stories um die Minispielchen durchspielen. Hört sich super an und funktioniert auch bei den meisten prima, manche Disziplinen hat man in 10 Minuten durch. Aber mitten drin gibt es einen Showstopper: Ausgerechnet in drei extrem unspaßigen Kategorien verlangt das Spiel hohe Zeitinvestitionen in extremen Grind und extrem viel Skill. Will man also alles mitnehmen, ist man neben den 30 Stunden des Hauptspiels nochmal 30 Stunden mit den „School Stories“ beschäftigt.

Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen, denn den grindigen Nebeaufgabenkram kann man ignorieren. Die verzwickte und wendungsreiche Hauptgeschichte bewegt sich wieder auf dem Niveau eines sehr spannenden und exzellent geschriebenen Thrillers und hat, trotz stellenweise typisch japanischem Overexplaining, ein flottes Tempo. Sehr gutes Spiel.


Machen:

Pandemie, vierte Welle.


Neues Spielzeug:

Ein neuer Kindle Paperwhite. Elfte Generation des Kindle, 5. iteration des Paperwhite, 8GB, mit Werbung. Meine Kritikpunkte am Vorgänger wurden behoben. Anders als bei dem ist hier die Schrift (wieder) gestochen scharf, und die Farbtemperatur ist nicht mehr blau-weiß, was beim Lesen kurz vor dem Einschlafen doof ist, sondern lässt sich ins bernsteinfarbene verschieben – eine Funktion wie es die Konkurrenz schon lange hat. Der neue Paperwhite ist zudem wieder wasserdicht, der Akku hält Monate und das Display ist größer.

Also alles gut? Nicht wirklich. Amazon verpasst irgendwie immer den sweet Spot. Statt nur den breiten Rahmen des Vorgängers etwas schmaler zu machen, um das Display größer zu gestalten, wurde das ganze Gerät größer und damit auch 25 Gramm schwerer. Damit kann ich es nicht mehr so gut halten wie den 2018er Paperwhite, es liegt nicht mehr gut in der Hand. Eine automatische Helligkeitsregelung hätte ich mir gewünscht, aber die bleibt, ebenso wie drahtloses Laden und Werbefreiheit, der 190 Euro teuren „Signature Edition“ vorbehalten, die damit aber zu wenig Mehrwert bietet, um 85 Euro draufzulegen.

Immerhin praktisch: Amazon nimmt jetzt alte Geräte zurück. Für meinen 10 Jahre alten Original-Paperwhite, dessen Akku nur noch eine Stunde hielt, gab es noch 20 Euro als Gutschein plus 20 Prozent Nachlass auf den Neukauf.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Momentaufnahme: November 2021

  1. Ich habe auch einen Paperwhite seit irgendwann dieses Jahr oder Herbst letztes Jahr, jedenfalls war ich noch schwanger… Habe auch genutzt dass ich meinen uralten Kindle zurückgeben konnte 🙂

    11.22.63 werde ich mir ansehen, danke! (Irgendwann mal)

    Gefällt 1 Person

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