Das war das Jahr, das war (2021)

Am Jahresende traditionell die Rückschau und eine Auswahl der besten Bilder.

Lage der Welt:
Es war das Jahr 2 der COVID-Pandemie. Es zog sich ewwwwig, war aber dennoch rasend schnell vorbei.

Was es evenfalls war: Ein Fenster mit Blick in ein seltsames Paralleluniversum, in dem Menschen gegen Wissenschaft protestieren, für das Recht auf schwere Krankheit auf die Straße gehen und sich damit im „Widerstand“ gegen eine „Diktatur“ wähnen.

Es war kein gutes Jahr für die Rechtstaatlichkeit. In Polen, Slowenien und Ungarn wird weiter die Zeit zurückgedreht bis es knackt, aber eine EU-Kommission unter von der Leyen tut nicht mehr, als nach vorne raus große Reden für die Demokratie schwingen und hintenrum nichts zu machen. Wehen Nichtstun wurde die Kommissionspräsidentin sogar verklagt.

An der Grenze zur Ukraine marschieren die Russen auf, die die Krim nie aufgeben könnten und die sich angeblich vom Beitrittswunsch des Landes zur NATO bedroht sehen – ein Szenario, das ich als Student der Politikwissenschaft so schon vor 20 Jahren gehört habe.

Die Welt überlässt Afghanistan sich selbst. China ist stark wie nie. Brasiliens Präsident freut sich, dass die Regenwälder abgeholzt werden. Griechenland brennt über Wochen. Die Gletscher in der Arktis schmelzen, Permafrostböden tauen auf. Die Welt trifft sich in Glasgow und tut so, als wolle man was tun. In Großbritannien wird langsam sichtbar, dass die Probleme des Landes nicht nur an der Pandemie liegen können. Boris Johnson tut aber alles, um davon abzulenken, dass es am Brexit liegen könnte.

In den USA erzählt Trump die „big Lie“ von der gestohlenen Wahl und lässt von seinem Faschisten-Mob das Capitol stürmen. Biden wird trotzdem Präsident, weil aber in seinen eigenen Reihen Leute gekauft sind, bekommt er trotz Mehrheit in beiden Kammern innenpolitisch keinen Fuß auf den Boden. Stattdessen bauen die Republikaner, jetzt vollständig dem Faschismus verfallen, die Wahlgesetze in den Bundesstaaten so um, dass die nächste Präsidentschaftswahl Trump gewinnen wird – egal, ob er gewählt wird oder nicht. Der hat seine Kandidatur nur deswegen noch nicht erklärt, weil er sonst keine Finanzierung von Stiftungen mehr bekommen würde, aber er wird wieder antreten. Der Countdown läuft, in drei Jahren wird die Demokratie in den USA untergehen, und danach werden wir es mit einer faschistischen Macht von nie gekannter Größe zu tun haben.


Lage der Nation:
Olaf Scholz als Kanzlerin*, wer hätte das gedacht. Eigentlich hatten alle damit gerechnet, dass die CDU mit einem inhaltsleeren „Weiter So“ die Bundeswahl gewinnen wird, aber der clowneske Armin Laschet war dann doch so deutlich erkennbar der Falsche, das ihn in seiner Hanswurstigkeit nicht mal die CDU-Wähler wollten. Die Grünen verloren im Wahlkampf zwischenzeitlich die Nerven und den Mut, während Scholz sich als Nachfolger von Mutti Merkel präsentierte und damit knapp und unverdient, aber allen Ernstes gewann.

Was die Ampel bringt, muss sich noch zeigen. Immerhin ist dort der Wille zur Veränderung zu spüren, und das ist schon mal erfrischend. Den zementierten Stillstand der Merkeljahre will auch die CDU überwinden, aber da deren Basis aus alten Männern bestehen, versucht sie das mit Rezepten und Personal aus den 1950ern und wählt folgerichtig Friedrich Merz. Der ist nun endlich am Ziel seiner feuchten Träume, allerdings ist er König eines Reichs in Schutt und Asche und damit eher Trümmerfrau als Monarch.

Schlimm ist das weitere Erstarken des Rechtsextremismus, gut ist aber, dass sich dessen gesellschaftliche Wahrnehmung in diesem Jahr geändert hat. Er wird nicht mehr ignoriert, sondern selbst die Innenminister der Länder müssen zugeben, dass wir in Deutschland ein Problem mit Rechtsextremen und Demokratiefeinden haben, und das wird thematisiert und über den Umgang damit nachgedacht. Seitdem Fackelmärsche vor Politikerhäusern stattfinden, gucken Politik und Behörden etwas genauer nach Rechts und bekommen mit, dass auch diese ganzen „Coronaproteste“ von Nazis oder zumindest Rechten orchestriert werden. Und ja, auch von der AFD. Am Schlimmsten ist es in Sachsen, und das belegen nicht nur die Wahlergebnisse dort, sondern auch die Impfquote und die Infektionsszahlen.

Pandemietechnisch war Durchwurstelei, dokumentiert im Corona-Tagebuch hier im Blog. Erst kein Impfstoff, ab Februar dann nur die Alten, erst im Sommer dann keine Priorisierung mehr aber auch dann zu wenig Impfstoff. Im Spätsommer und Herbst ließ man dann alle Vorsicht fahren, weil: Wahlkampf. Dazu kommen Querdenker und faule Säcke, die sich auch nicht impfen lassen. Das rächt sich in einer vierten Welle mit Delta, und dahinter türmt sich eine Wand auf: Die Omikron-Variante wird im November entdeckt, ist noch viel ansteckender und umgeht die Impfung. Beschissene Aussichten. Immerhin: Mit den Schreihälsen und Demokratiefeinden geht dem Rest der Welt nach 20 Monaten Pandemie langsam die Geduld aus, die Erkenntnis, das Impfverweigerer dumme und unsolidiarische Kackbratzen sind, setzt sich durch.

*) Ich bin dagegen Berufe zu gendern, nur weil Männer zunehmend Frauenberufe ergreifen.


Ich Ich Ich
Beruflich weniger Stress als zuvor, aber mehr ging auch nachweislich nicht. Ich habe weiterhin meinen Wohnort für mich entdeckt und die Schönheit, die dem Dorfleben inne wohnt. Vom umglaublichen Schneefall im Februar über einen wirklich schönen Frühling bis hin zum Sommer auf dem Balkon: Die Pandemie ist für mich auch die Zeit, in der ich mit wirklich regelmäßigen Spaziergängen unterwegs war und bewusst wargenommen habe, wie schön ich eigentlich hier wohne. Dass dann zwischen den Pandemiewellen eine vierwöchige Moppedtour möglich war, war natürlich auch schön.

In der Summe ist der Großteil des Jahrs aber ziemlich ohne Highlights einfach so durchgerauscht, und ich bin immer wieder erstaunt, dass es schon vorbei ist.


Und sonst noch?

Wort des Jahres: Geboostert.

Zugenommen oder abgenommen? Beides.

Die teuerste Anschaffung? Ein PS5-Bundle. Aber Nachfrage bestimmt den Preis, und das Ding ist sonst praktisch nicht zu bekommen.

Mehr bewegt oder weniger? Mehr. Ich tobe jetzt regelmäßig durch die Feldmark.

Die hirnrissigste Unternehmung? „Ich fahre ein mal um den Pilion herum, wie lang kann das schon dauern“

Ort des Jahres? Mein Wohnort.

Zufallspromi des Jahres: Eva Green. Warum auch immer, die begegnet mir neuerdings ständig in Filmen und Serien, und ales was sie macht, ist toll.

Nervende Person des Jahres: Klaus Brinkbäumer. Hört sich soooo gerne selbst reden, sprechen, parlieren. Schweift ständig ab, nimmt Umwege, macht Einschübe, schulmeistert, maßregelt und belehrt seine Co-Host im Podcast „OK, America?“, beginnt nahezu jeden Satz und jede Erklärung, auch über Personen und Ereignisse mit „ich“ und seinen Befindlichkeiten oder Schwänken aus seinem Leben, bildet endlose Bandwurmsätze und, um richtig schlau zu wirken, gibt zu Schlüsselwörtern immer drei Synome, Bedeutungen, alternative Ausdrücke an. Da jemand wie Klaus Brinbäumer so eitel, selbstverliebt, narzisstisch ist „Klaus Brinkbäumer“ zu googeln und das hier vielleicht liest: DAS ÄRGERT, FÜHRT ZU ÜBERDRUSS, NERVT.

Das seltsamste Essen? Pizza „Sea Horse“ in Volos.

2021 zum ersten Mal getan? Restaurationsvideos geguckt.

2021 das erste mal seit langer Zeit wieder getan? Richtig viel Schnee geschippt.

Gesundheit? Geht so. Herzklabastern und Magenprobleme, kaum noch Muskeln – Bewegung tut Not.

Ein Ding, auf das ich gut hätte verzichten mögen? Krankheit und Sterbefälle im Bekanntenkreis.

Gereist? Ja, Motorradtour nach Griechenland.

Film des Jahres: „The Hunt“ ist brutal, politisch und gesellschaftskritisch nach links wie rechts und hat mich sehr überrascht.

Theaterstück des Jahres: Entfällt

Musical des Jahres: Entfällt

Spiel des Jahres: „Days Gone“. Das ist schon älter, habe ich aber in 2021 erst gespielt. Eines der Top-3-Spiele für die PS4, bringt die zweitschönste Spielwelt mit. Das „Einsamer Biker am Ende einer Pandemie“-Setting passt in die Zeit, und die starke Geschichte zieht einen schon sehr in den Bann. „Lost Judgment“ ist wieder kurzweilig und toll, Sonderpreise gehen an „Guardians of the Galaxy“ für lustige Dialoge und an „Resident Evil Village“, das mit der Lady Alcina Dimitrescu die attraktivste Vampir-MILF ever aufgefahren hat. Ansonsten gab es wenig gute Neuerscheinungen, deshalb arbeite ich mich durch japanische Games wie „13 Sentinels“ und bin erstaunt, was da für Meisterwerke zu finden sind.

Entertainment-Doku des Jahres: „Clarksons Farm“. Super dabei zuzusehen, wie Brummelkopf Jeremy Clarkson etwas über Landwirtschaft lernt.

Serie des Jahres: „Veronica Mars: Spring Break Forever“ – hätte ich ja nicht gedacht, das man Veronica Mars noch mal zeitgemäß wiederbeleben kann, aber ich freue mich, wenn ich mich in solchen Dingen irre. „Spring Break Forever“ ist das innovativste Stück Krimiserie, das ich dieses Jahr gesehen habe.

Buch des Jahres: „Hail Mary“ von Andy Weir. Wunderbare Science-Fiction in der Reinbedeutung dieses Wortes: Fantastische Fiktion, geerdet in Wissenschaft.

Ding des Jahres: Werkzeug! Ich habe mit endlich richtig gutes Werkzeug von wera und Knippex zugelegt.

Spielzeug des Jahres: Die PS5.

Enttäuschung des Jahres: Die neue Fortsetzung der „Lucifer“-Geschichte im Sandman Universe. Verquaster, schlimm gezeichneter Blödsinn. Jeder der 6 Bände hat genau EINE gute Idee, der Rest drum rum ist Quatsch, führt nirgendwo hin und ist pottenhässlich illustriert.

Unbeachtetes Event des Jahres: Die Olympischen Spiele 2020 (SIC!) in Tokyo. Ja, die waren wirklich! Und bis auf das Bild der verzweifelt ihr Pferd peitschenden Fünfkämpferin weiß davon niemand mehr etwas!

Die schönste Zeit verbracht damit…? Auf dem Motorrad durch andere Länder zu fahren.

Vorherrschendes Gefühl 2021? Es wird besser.

Erkenntnis(se) des Jahres: Wenn es schlecht läuft, stehen wir vor einem neuen Mittelalter.

In diesem Sinne: Ich wünsche einen guten Start in ein hoffentlich nur wenig schlimmes 2022.

Nekrolog:

Tanya Roberts (65)
Michael Apted (79)
Mira Furlan (65)
Christopher Plummer (91)
Yaphet Kotto (81)
Sabine Schmitz (51)
DMX (50)
Willi Herren (45)
Thomas Fritsch (77)
Ned Beatty (83)
Richard Donner (91)
Markie Post (70) („Ein Colt für alle Fälle“)
Heide Keller (81)
Jean-Paul Belmondo (88)
Volker Lechtenbrink (77)
Mirco Nontschew (55)
Dean Stockwell (85) (Al aus „zurück in die Vergangenheit“)
Anne Rice (80)
Colin Powell (84)
Charlie Watts (80)
Donald Rumsfeld (89)
Prinz Philip (99)
Larry King (87)
Phil Spector (81)
Siegfried Fischbauer (81)
Julie Strain (58)
Steve Bronski (61)
Mainhardt Graf von Nayhauß (94)
Larry Flynt (78)
Gordon Liddy (90)
June Newton (97)
Milva (81)
Olympia Dukakis (89)
Nick Kamen (59)
Bill Ramsey (90)
Gerd Siemoneit-Barum (90)
Alfred Biolek (87)
Martin Perscheid (55)
Kurt Biedenkopf (91)
Desmond Tutu (90)

Das war das Jahr, das war (2020)
Das war das Jahr, das war (2019)
Das war das Jahr, das war (2018)
Das war das Jahr, das war (2017)
Das war das Jahr, das war (2016)
Das war das Jahr, das war (2015)
Das war das Jahr, das war (2014)
Das war das Jahr, das war (2013)

Kategorien: Momentaufnahme | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Das war das Jahr, das war (2021)

  1. *) Ich bin dagegen Berufe zu gendern, nur weil Männer zunehmend Frauenberufe ergreifen.

    Der Spruch ist cool!!! Muss ich mir merken.

    Guten Rutsch, Silencer!

    Gefällt 1 Person

  2. Stephan

    Ich freue mich immer sehr, von dir zu hören.Wenn nur ein paar mehr Menschen diese Einsicht hätten….Einen guten Rutsch !
    Viele Grüße aus Berlin

    Gefällt 1 Person

  3. zwerch

    Du „tobst“ durch die Feldmark…
    Es sei mir verziehen, aber das kann ich mir so gar nicht vorstellen 😀

    Rutsch gut rein!

    Gefällt 2 Personen

  4. Ali

    Auch ein gutes neues Jahr.
    Sooo viel fand ich gar nicht schlecht was gelaufen ist. Bei Allem der Coronaarien, der Politikverirrten u.a. ist das Schicksal der Geflüchteten ( und Derer, die kommen) sehr in den Hintergrund geraten.
    Was persönlich bleibt (oder auch nicht) ist die Gesundheit um auch ’22 gut zu erleben.

    Gefällt 1 Person

  5. Lupo: Leider nicht von mir, aber ich hab vergessen wo ich den gelesen habe 🙂

    Stephan: Kein Problem, das Blog bleibt noch ein wenig 🙂

    Zwerch: Doch, glaub´s ruhig.

    Ali: Hast Du recht. Der Umgang mit Geflüchteten ist ein Verbrechen.

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