Momentaufnahme: Januar 2022

Herr Silencer im Januar 2022

Worte des Monats: Ist der Januar endlich vorbei? Bitte?

Wetter: Um Null, meistens nass. Gelegentlich Schnee, der aber nie lange liegen bleibt. Einfach nass und kalt und bah. Erst am 27.01. sehe ich um 11:30 Uhr für einen Augenblick einen Sonnenstrahl. Ehrlich, ich habe noch nie bewusst einen so langen und dunklen Januar wahrgenommen.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

Penny Dreadful [2021, BluRay]
Timothy Dalton und Eva Green treffen im viktorianischen London auf Mina Harker, Dr. Van Helsing, Dr. Frankenstein, Werwölfe, Jack the Ripper, Dorian Grey und andere seltsame Zeitgenossen. Das Green von der Dunkelheit verehrt wird und Dalton seine Tochter ausgerechnet an Dracula verloren hat, macht die Sache nicht einfacher.

„Penny Dreadful“ waren im England des 19. Jahrhunderts massenproduzierte und billige Bilderheftchen mit Gruselgeschichten. Gruselig möchte auch diese Serie sein, billig gemacht ist sie aber nicht. Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen hinein einfach nur fantastisch, aber geradezu magisch ist das Zusammenspiel aus Timothy „007“ Dalton und Eva Green. Dazu kommt der sichtbar hohe Production Value, das ist alles edel gemacht und auch so gefilmt.

Über alle 27 Folgen hat die Serie Probleme mit dem Pacing. In der zweiten Staffel verliert sie etwas ihren Fokus und tritt lange auf der Stelle, was dazu führt, dass sie sich in der finalen dritten Staffel sehr beeilen muss, um alle Handlungsfänden zusammenführen. Das wirkt etwas unzusammenhängend, kommt aber zu einem okayen Ende.

Jede der drei Staffeln der 2014er Serie besteht nur aus 9 Folgen, was sich angenehm wegschauen lässt.

Eternals [2020, Disney+]
Salma Hayek, Angelina Jolie, die Stark-Brüder aus Game of Thrones und generische Schauspieler 1 bis 8 halten sich seit x-tausend Jahren auf der Erde versteckt und werden erst aktiv, als der Planet von schlechtem CGI und hanebüchenen Drehbüchern bedroht wird.

Lassen wir mal die doofe Prämisse außer acht, hat „Eternals“ immer noch 99 Probleme, und alle davon sind hausgemacht. Der Film möchte gerne anders sein als andere Marvel-Filme und auf den Beziehungen der Charaktere zueinander aufbauen, macht sich aber nicht die Mühe, die Figuren einzuführen und Beziehungen wirklich zu etablieren. Ginge auch gar nicht, denn dafür ist der Cast viel zu groß.

Von der schieren Menge an Hintergrund, der hier erst einmal aufgebaut werden müsste, hätte ein Serienformat mit vier Staffeln besser gepasst als ein Film. Vergleicht man „Eternals“ mit dem bisherigen Marvel-Universum, ist es so, als hätte man versucht alle Filme der Phasen 1 bis 3, also vom ersten „Iron Man“-Film bis zu „Endgame“, in einen Film zu stopfen. Eternals schafft dabei ein erstaunliches Kunststück: Trotz der Menge an Erzählung ist der Film gähnend langweilig und so belanglos, dass man bereits während des Anschauens vergisst, worum es eigentlich geht.

Ist halt immer schon ein schlechtes Zeichen, wenn man nach der Hälfte des Films nicht mal die Namen der Protagonisten kennt. Im Fall von „Eternals“ hat man schon Probleme, sich deren Gesichter zu merken.


Spielen:

Scarlet Nexus [PS5, 2020]
Japanische Städte werden von Chimären aus menschlichen Körperteilen und Blumenvasen angegriffen. Ein Gruppe Psi-begabter Kids stellt sich dem entgegen. Am Ende retten alle die Welt durch das Aufsagen von Kalendersprüchen.

Action-Rollenspiel im Anime-Look, mit einer Mischung au Dialogen und Kämpfen mit Waffen und Macht-Kräften. Das macht eine zeitlang Spaß, dann wird es repetitiv und nervig.

„Ein Anwärter auf Game of the Year“ und „Eine tolle neue IP“ jubelten die Kritiker und fantasierten von „wuchtigen Kämpfen“, „tollen Charakteren“ und „epischer Story“ – und ich sitze hier vor uns frage mich, ob diese „Journalisten“ dieses Machwerk eigentlich länger als die drei Stunden, die der Publisher als Preview erlaubt hat, gespielt haben. „Scarlett Nexus“ ist nämlich ein Ausflug in die Hölle des Gamedesigns. Ab dem zweiten Level wiederholen sich die leeren Landschaften und die teils ausgesprochen hässlichen Assets, der Plot ist völlig vorhersehbar, die Charaktere sind die üblichen Abziehbildchen. Spielmechanisch sind die PSI-Fähigkeiten nett, sind aber direkt ab Start verfügbar und erfahren keine Entwicklung. Genau wie die Gegner, die allen Ernstes mitleveln, D.h. über den Spielverlauf hat man nie das Gefühl, dass die eigene Spielfigur stärker wird, sondern eher immer wirkungsloser: Hat man ein Krokodil mit Blumen als Kopf (fragen sie nicht) zu Spielbeginn noch binnen 20 Sekunden umgehauen, braucht man dazu am Ende rund 3 Minuten – sowas steht nicht nur der Power-Fantasie entgegen, sowas nervt einfach nur kolossal, zumal wenn im letzten Drittel die Gamedesigner mangels kreativer Einfälle einfach die gleichen Gegner im Dutzend auftauchen lassen.

Dazu kommen Menüstrukturen aus den 90ern, nervige und bei jeder Gelegenheit aufpoppende Dialoge sowie bis zum Ende „Tips“-Einblendungen, die einem den Bildschirm zukleistern.

Ganz schlimm ist das Pacing, das wirklich völlig kaputt ist. Zwischen Segmenten, in denen man auf „Missionen“ unterwegs ist, die auch gelegentlich mal die Story vorantrieben, macht das Spiel immer wieder eine Vollbremsung bis zum absoluten Stillstand. Dann hocken alle Charaktere in einem pottenhässlichen Appartement rum und wollen einem entweder stundenlang ein Wurstbrot ans Ohr jammern oder erwarten Geschenke, die es zu besorgen gilt.

Auch übergreifend entwickelt das Spiel keinen Flow. Satte 10 Stunden passiert faktisch nichts außer wehleidigen und ausufernden Dialogen, dann erfolgt ein Exposition-Dump, dann folgen 7 Stunden Füllmaterial, in dem die designer sich nicht mal mehr die Mühe gemacht haben Levelassets zu bauen, sondern einfach die vorhandenen wild durcheinanderschmeissen. Dann kommen Bosskämpfe – gegen immer den gleichen Boss, aber immer dreimal hintereinander, und dann ist eine Kampagne endlich vorbei – und DANN soll man den ganzen Käse nochmal von vorne spielen, mit einem anderen Charakter, um die Lücken in der wirren Geschichte zu füllen.

Nein, Danke. Einmal ist weit mehr als genug. Zumal auch die Präsentation keine Augenweide ist. Die umfangreichen Dialogszenen sind nicht mal animiert, sondern werden nur mit Standbildern unterlegt. Die Umgebungen sind aus dem Baukasten zusammengefügt und meist hässlich. Das Gegnerdesign ist interessant, aber mehr als ein Dutzend Gegnertypen gibt es halt nicht, und die werden bis zum Erbrechen recycled.

Ich konnte schon mit dem ähnlich umjubelten „Nier: Automata“ nichts anfangen, und „Scarlet Nexus“ ist eine ähnlicher Fall: Von der Kritik gehyped, aber nachweisbar und objektiv ein schlechtes Spiel, das schlicht keinen Spaß macht.

Chorus [PS5, 2020]
Der Weltraum: Nara ist Jetpilotin im Dienst von Schmugglern. Sie hat ein Geheimnis: Als PSI-Medium und war sie früher eine lebende Waffe im Dienste eines radikalen Kults, vor dem sie sich nun versteckt. Als der Kult sich anschickt Naras Schmugglerfreunde zu versklaven, macht sie sich auf die Suche – nach ihren vergessenen Kräften und nach ihrem alten Jet, einem mächtigen Schiff mit einer sehr eigenen Persönlichkeit.

Nettes AA-Spiel des Hamburger Studios Fishlab. Toll vertont, nette Grafik, Spielprinzip ist irgendwo zwischen Wing Commander und Afterburner, also arkadige Dogfights mit handlungstransportierenden Zwischensequenzen. Nara ist eine interessante Protagonistin, und das ihr Schiff eine schmerzerfüllte Fusion aus einer Maschine und einem lebenden Bewusstsein darstellt, führt zu spannenden Konflikten. Ich mag sogar die ASMR-mäßig hingehauchte Vertonung von Naras inneren Monologen, das ist ein eigenständiges und cooles Element.

Leider kommen auf jede gute Idee zwei schlechte, „Chorus“ steht sich selbst permanent auf den Füßen. Die Gamemechaniken funktionieren gut und machen Spaß, aber das Missionsdesign ist aus der Grabbelkiste der Spielesünden. Hier werden permanent Aufgaben aufgefahren, die schon zu Zeiten von Wing Commander keinen Spaß machten, und die Gamesdesigner heute aus gutem Grund nicht mehr einsetzen – Eskortmissionen etwa, oder Aufgaben unter Zeitlimit. Wenn man als Casual-Gamer auch beim Dutzendsten Versuch an solchen Missionen scheitert und das Spiel keine Möglichkeit bietet das zu umgehen, dann ist das einfach schlechtes Gamedesign.

Es gibt immer wieder tolle Ideen, die aber teils nicht berauschend oder eben mit zu hohem Schwierigkeitsgrad umgesetzt sind. Ein driftendes Schiff? Super Idee! Den Spieler mit kompliziertesten und nicht überspringbaren Driftparkours nerven, die man – mit viel Glück! – im 58. Versuch besteht – nicht super.

„Chorus“ ist tatsächlich ein Spiel, wo ich beinahe nicht über die Tutorialmissionen hinausgekommen wäre – und ich fürchte, ich werde die an sich interessante Story nicht bis zum Ende erleben, weil das Game schlicht zu schwer ist.

Sakura Wars [2020, PS4]
Steampunk-Tokio in den 1920ern: Ein junger Marineoffizier wird abkommandiert, um ein altes Theater wieder auf Vordermann zu bringen. Was niemand weiß: Wenn die Darstellerinnen der „Tokyo Combat Revue“ nicht gerade auf der Bühne stehen, verteidigen sie die Stadt in Kampfrobotern gegen Dämonen.
Hä? Was?

Völlig abgedreht: Als Hauptfigur muss man tatsächlich dafür sorgen, dass das Theater stückchenweise renoviert wird, man eine Weltmeisterschaft gewinnt, alle Protagonistinnen Vertrauen fassen und zwischendurch Monster verhauen. Das spielt sich teils wie ein Adventure, teils wie eine Dating-Sim und teils wie ein Actionspiel.

Skurril. Leider oft etwas langatmig, aber die interessanten Charaktere und die letztlich doch interessante Story in Kombination mit dem tollen Zeichentrick-Look haben mich damit viel Spaß haben lassen. Auch die Musik ist der Hammer, selten einen so tollen, orchestralen und dabei irgendwie anders klingenden Score gehört.

Bayonetta [2010, PS4]
Hauptfigur ist eine Hexe, die mit ihren Haaren Dämonen beschwört, mit Handfeuerwaffen an Händen und Füßen Jagd auf Engel macht und bei Finishingmoves nackt ist. Noch Fragen?

Bayonettas Story ist einfach völlig over-the-top bonkers. Im Kontext der Welt ergibt das alles einen Sinn, aber erstmal wirkt alles völlig verrückt. Ist aber egal, denn die Brawler Gamemechanik knallt und das Design der Charaktere ist der Hammer. Selbst beim hundertsten Mal ist es noch befriedigend, die monströsen Engelsgestalten mit Schlägen, Tritten und Waffenkombos kaputt zu hauen. „Bayonetta“ ist ein orgiastisches Vergnügen.

Spielerisch hat sich in der 2020er „Jubiläumsedition“ nichts geändert im Vergleich zum 2010er Original, lediglich die Auflösung ist zeitgemäß.

Vanquish [2007, PS4]
Böse Russen greifen die Erde an, Wissenschaftler im Raketenanzug wird auf einer Raumstation abgesetzt um mit einer Horde Marines von A nach B zu rennen.

„Vanquish“ ist auch von Platinum Games, genau wie Bayonetta, und war ein ziemlich offensichtlicher Versuch, 2008 ein eigenes „Gears of War“ mit Einsprengseln von „Halo“ auf der Playstation zu etablieren.

Story ist Banane, das Design ist so lala, aber die Shooter-Gamemechanik funktioniert ordentlich. Manches ist nett gelöst und eigenständig, wie die Bullettime-Mechanik oder der Raketenanzug, anderes seltsam, wie das grau-in-grau Design, wieder anderes einfach nur ärgerlich, wie Munitionsknappheit oder der hohe Schwierigkeitsgrad. Muss man nicht gespielt haben, mit 6 Stunden ist die Kampagne aber auch nicht lang genug um wirklich zu nerven.

Psychonauts 2 [PS5]
„Psychonauten“ sind eine Elitegruppe übersinnlich begabter Personen. Denen möchte sich der junge Razputin gerne anschließen und ist überglücklich, als Auszubildender aufgenommen zu werden. Die Freude dauert aber nicht lange, denn Raz muss unversehens die Welt retten, als alte Sünden aus ihren Anfangstagen die Psychonauten einholen.

Der erste Teil war 2005 eines der innovativsten Spiele, das ich je gespielt habe – und an dem ich kurz vor Ende gescheitert bin, weil es zu schwer war. „Psychonauts 2“ gibt sich da fairer und bringt mehrere Schwierigkeitsgrade und Hilfen mit, ansonsten ist es aber nach wie vor eine Mischung von Spiel, die es nicht geben sollte: Ein Jump-and-Run-Puzzle-Plattform-Adventure-Dings, das in Kombination völlig abgedreht ist.

Diese Abgedrehtheit macht es großartig. So kann Raz in die Gedankenwelten anderer Leute springen und dort bspw. Schlüssel für „emotional Baggage“ finden – emotionale Altlasten, verdrängte Erinnerungen. Das diese Schlüssel dann wirklich zu Koffern passen, die sich herzallerliebst freuen, wenn jemand sie öffnet, ist nur eine von vielen, tollen Ideen.

Was schön ist: Mit P2 hat Writer/Director Tim Schaefer eine Hommage an seine bisherige Arbeit abgeliefert. So tauchen Motive aus „Monkey Island“ wieder auf, aber auch der Postraum oder das Gewächshaus aus „Grim Fandango“. Mich würde schon interessieren, was Schaefer da eigentlich für Ballast mit sich rumschleppt. Zusammengefasst: Eine Wundertüte an Spiel, tolle Handlung, sehr lustig, okaye Gamemechanik.


Machen:

Schlafen.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Momentaufnahme: Januar 2022

  1. Was du alles so spielst, WOW 😳
    Ich warte geduldig auf BOTW2 für die Switch und gucke derweil meiner Freundin bei Animal Crossing NH zu 😂 Ok, Mario Kart auf dem iPad geht auch noch 😉

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  2. Dafür habe ich den Monat sonst nicht viel gelesen/geschaut 😁 Bayonetta 2 und BOTW sind tatsächlich die Gründe, weshalb ich immer mal wieder mit einer Switch liebäugele 🤗

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  3. Oh ich warte auch auf breath of the wild 2 – habe das erste noch nicht durch, aber naja, die Mutterschutz Zeit vor dem Kleinen hat einfach nicht gereicht 😀
    Leider komme ich zu gar nichts mehr, keine Spiele, keine Bücher, sehr sehr wenige Filme 😦
    Naja. Aber ich lese sehr gerne bei dir mit, Herr Silencer!

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