Momentaufnahme: Februar 2022

Herr Silencer im Februar 2022

Worte des Monats:

Wetter: Monatsanfang um den Gefrierpunkt und Dauerbedeckt, Monatsmitte um die 7 Grad und einige Tage Sonne, Monatsende noch einmal Frost mit Minustemperaturen um die -4.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

The Book of Boba Fett [2022, Disney+]
Boba Fett klettert aus dem Sarlacc und beschließt, er müsste jetzt mal der neue Verbrecherboss von Tatooine werden. Er heuert die Bande von Griff Tannen aus „Zurück in die Zukunft 2“ an und beleidigt Fischköppe. Es folgt: Ein ebenso absurdes wie langweiliges auf-der-Stelle-treten.

Argh, was war das denn? Da fällt Boba Fett als knallharter, wortkarger Kopfgeldjäger 1983 in die Grube des Sarlacc, und als er 2021 wieder daraus emporkrabbelt, ist er ein 60jähriger Opa mit Harmoniebedürfnis, der die Bevölkerung von Tatooine als Jabba-Nachfolger schützen will? Hä?

Seltsame Rückblenden, eine ziellos mäandernde Geschichte und Figuren, bei denen zu keiner Zeit die Motivation klar ist, machen „Book of Fett“ leider zu einer handwerklich schlechten Serie. Dazu kommen teils wirklich nicht gute Schauspieler, und das sich von den sieben Folgen zwischendurch auch noch zwei mit was ganz anderem beschäftigen legt den Witz nahe, dass selbst die Serienmacher keinen Bock auf dem Boba Fett sein Buch hatten.

Sehr seltsam, dass von den Schöpfern eines solchen Knallers wie „Mandalorian“ so ein Totalausfall kommt.

Ghostbusters: Afterlife [2021, BluRay]
Alleinerziehende Mutter zieht mit ihren Kindern auf´s Land, auf die heruntergekommene Farm des lang verschwundenen und jüngst verstorbenen Vaters. Schnell wird den Kids klar, das im gottverlassenen mittleren Westen irgend etwas nicht stimmt, und Opa absichtlich hier her gezogen ist, weil er 1984 ein Geisterjäger war und hier ein Epizentrum des Übersinnlichen liegt.

Oh wow! „Afterlife“ ist eine direkte Fortsetzung der Ghostbusterfilme aus den 80ern, und eine ganz wunderbare noch dazu. Im Kern ist das hier „Goonies meets Ghostbusters“ sowie die Geschichte von Egon Spengler. Der Figur des zwischenzeitlich verstorbenen Harold Ramis, an den dieser Film eine großartige Hommage ist. Was Jason Reitmann, der Sohn des gerade verstorbenen Ivan Reitmann, hier gemacht hat, funktioniert für eine neue Generation Zuschauer, zupft aber auch den Nostalgienerven der Altfans.

Super gemacht, und die Ereignisse der Filme von ´84 und ´89 sowie des dritten Teils (das Spiel von 2010!) passen genau zu dieser tollen Übergabe des Staffelstabs an eine junge Generation. Die ist übrigens so toll besetzt, dass ich gerne mehr von denen sehen würde.


Spielen:

Warten auf Aloy, deshalb zwischendurch erstmal ein paar kurze Remaster und eine angespielte Altlast:

Alan Wake Remastered [PS5, 2010, 2021]
Alan Wake ist ein Bestsellerschriftsteller und nach Veröffentlichung seines letzten Buchs kreativ völlig am Ende. Um den Kopf frei zu bekommen, fährt er mit seiner Frau nach Twin Peaks. Hier verschwindet das Ehegespons, es passieren Dinge, und am Ende stolpert Wake immer wieder Nachts durch dunkle Wälder.

„Alan Wake“ ist ein spielbarer Stephen-King-Roman im Twin-Peaks Setting – so kann man das Spiel vielleicht am einfachsten beschreiben. Der Ort der Handlung und die skurrilen Charaktere erinnern an jeder Ecke an die alte David-Lynch-Serie.

Das alles passt perfekt zu einer verwickelten und sehr dramatischen Geschichte, die hier in Episodenform erzählt wird. Wie bei einer Fernsehserie gibt es Unterbrechungen und Rückblicke. Diese Unterbrechungen passen perfekt auf die einzelnen Storybeats, wobei die einzelnen Episoden auch in sich ein sehr gutes Pacing mitbringen. Ruhige Dialog- und Erkundungsphasen wechseln sich ab mit Actionpassagen, in denen Alan Wake durch finstere Wälder stolpert und mit einer Taschenlampe die Dunkelheit bekämpft.

Licht als Waffe einzusetzen ist originell und funktioniert meist sehr gut, weniger gelungen ist die Steuerung, die etwas indirekt und schwammig ist. Die Hauptfigur ist so unsportlich, dass sie mehr stolpert als läuft, nicht mehr als 20 Metern sprinten und nicht mehr als zwei Mal ausweichen kann. Neben diesen (gamedesigntechnisch gewollten) Restriktionen gibt es auch Limitationen bei der Spielengine, die Animationen nicht unterbrechen kann. So stirbt Alan Wake ein ums andere Mal, weil ihn während der langen „ich hebe einen Gegenstand auf“-Animation die Dunkelheit von hinten erwischt.

„Alan Wake“ ist gameplaytechnisch kein Meisterwerk, nie gewesen. Den Status des Klassikers hat sich das Game auf der vorletzten Konsolengeneration erworben, weil es ein atmosphärischer Hammer ist. Wenn Wake im Licht des Mondes seinen Weg durch die nebelverhangenen Wälder sucht, dazu düstere Bässe und unheilvolle Geigen aufspielen – dann stellen sich einem die Nackenhaare auf.

Das Remaster, das es nun für PS4/5 und die diversen Xboxen gibt, bringt neben allen DLCs auch hohe Auflösungen, bessere Texturen und neue Effekte mit, die „Alan Wake“ auf ein zeitgemäßes Niveau hieven. Lediglich bei den groben Gesichtsanimationen und der Charakterbeleuchtung merkt man, dass man es hier mit einem XBOX360-Game zu tun hat.

Ist aber egal: „Alan Wake“ ist ein Meilenstein der Spielegeschichte und ein Lehrstück, wie Geschichten im Medium Videospiele erzählt werden können, das sollte jede halbwegs interessierte Gamerin mal gesehen haben.

Alan Wake´s American Nightmare [XBOX 360]
Nach den Ereignissen des Hauptspiels wacht Alan Wake in einer Episode der TV-Serie „Twilight Zone“ auf. Schnell wird klar, das er immer noch in der Gewalt der dunklen Entität ist und nur ausbrechen kann, wenn er die Handlung der Folge zu Ende führen kann. Das ist aber gar nicht so einfach, denn stets kurz vor dem Ende wird die Handlung wieder an den Anfang zurück geskippt.

Kleine Weiterführung der Alan Wake-Reihe. Sollte wohl mal ein zweiter Teil werden, wurde dann aber zu Gunsten des nächsten Projekts beim Publisher eingestellt und die fertigen drei Levels durch den Kniff mit den Zeitschleifen zu einem eigenen Spiel hochgepumpt. Immer wieder die gleichen Szenen zu spielen nervt erstaunlich wenig, zumal sich Wake und die anderen Figuren den Wiederholungnen bewusst sind und versuchen, durch Variationen den Ausgang zu ändern. Da zudem nach knappen fünf Stunden alles vorbei ist, kann man das mal mitnehmen. Ist sogar im Microsoft Gamepass kostenlos enthalten.

Uncharted: A Thieves End [Remaster PS5 2016, 2021]
Wo sind eigentlich all die Piraten hin, als das goldene Zeitalter der Freibeuter endete? Die Geschichte lehrt uns, dass sie alle gejagt und letztlich gefangen und getötet wurden. Aber was, wenn die großen Piratenkapitäne ihren Tod nur vorgetäuscht und sich in Wahrheit gemeinsam und mit ihren Schätzen in einen versteckten Winkel der Welt zurückgezogen hätten? Nathan Drake und Victor Sullivan gehen der Sache nach.

Aaaaah, Uncharted 4.
Das perfekte Action-Adventure. Man stelle sich seinen Lieblingsabenteuerfilm vor, addiere das Lieblingsadventure dazu und nehme das mal zwei.

„A Thieves End“ ist so unfassbar gut geschrieben und umgesetzt, dass mir jedes Mal die Worte fehlen. Hier herrscht kein Leerlauf, die Charaktere fühlen sich wie echte Menschen an, alles strotzt vor Cleverness. Das zeigt sich besonders im environmental storytelling; die Umgebung selbst erzählt eine Geschichte, und es ist toll sich daraus zusammen zu reimen, was hier passiert ist.

So liebe ich bspw. die Szene, in der Drake das Bild eines Piratenkapitäns findet, dessen Flagge – einen Affen – er nicht erkennt (s.o.) – das ist natürlich eine Hommage an „Monkey Island“, und allein die IDEE, das Uncharted hier die Geschichte von Guybrush Threepwood zu Ende erzählt, der es am Ende wirklich geschafft hat ein mächtiger Pirat zu werden, lässt mein kleines Nerdherz vor Freude hüpfen.

Das Remaster für die Current Gen Konsole sieht genauso aus wie die PS4-Fassung, läuft aber flüssiger und bringt die Konsole vor lauter Grafikpracht nicht zum Glühen. Besitzer der PS4-Fassung von „Thieves End“ oder „Lost Legacy“ bekommen die „Legacy of Thieves“-Edition für die PS5 für 10 Euro.

Uncharted: The Lost Legacy [Remaster PS5 2017, 2021]
Chloe Frazer ist eine Diebin, und jetzt hat sie sich entschieden etwas sehr Wertvolles zu stehlen: Den Stoßzahn der indischen Gottheit Ganesha. Hinter der Reliquie ist auch eine indischer Nationalist her, und dooferweise hat der eine Armee im Gepäck. Zum Glück ist Chloe bei der Schnitzeljagd durch indische Großstädte und den Dschungel nicht allein: Sie hat die Söldnerin Nadine Ross engagiert. Das Muskelpaket, das zuletzt den Drake-Brüdern ordentlich einheizte, soll der Diebin den Rücken frei halten. Das tut sie auch – bis Chloe, ganz ihrer Natur entsprechend, alle verrät.

Zuletzt 2017 gespielt, aber immer noch gut, dieser kleine Ableger der Uncharted-Reihe. In knapp 8 Stunden ist man durch die (größtenteils vorhersehbare) Geschichte durch, aber die kommt ohne Hänger daher und ist spannend. Der charismatische Widersacher, das knackige Gameplay und das unglaubliche Polish machen diesen Titel zu einem Juwel. Dem konnte auch das PS5-„Remaster“ nichts hinzufügen. Läuft jetzt wohl auf 120 FPS bei 4K, was ich nicht prüfen kann, sieht aber ansonsten genauso brillant aus wie auf der PS4.

Cyberpunk 2077 1.5 [PS5, 2022]
Als „Cyberpunk 2077“ im Dezember 2020 erschien, war es ein verbuggter, glitchiger Haufen Müll. Das erste Dutzend Patches half diesem Wrack soweit auf die Füße das es einigermaßen spielbar war, allerdings fehlten weiterhin essentielle Features, es strotze weiterhin vor Fehlern und auf den Lastgen-Konsolen bekam man Augenkrebs ob der schlechten Grafik. Zudem wurden die NPCs in der Spielewelt so zurückgefahren, das sie tot und leblos wirkte, und die PS4-Fassung stürzte alle 30 Minuten ab. Ich brach deshalb meinen Spieldurchlauf nach wenigen Stunden ab und packte das Ding zur Seite.

Nun, nach 15 Monaten, also der große Patch. Aber der macht nicht alles gut, obwohl er sich auf PC, PS5 und XBOX Series konzentriert. Ich habe nur kurz reingespielt und praktisch sofort auf der PS5 Pop-Ins (zu spät ladende und urplötzlich ins Bild springende Objekte), Clippingprobleme und verrückte Physik gefunden. NPCs laufen mit unsichtbaren Gegenständen und in seltsamen Haltungen durch die Gegend und durch Wände, die Spielwelt ist nach wie vor ziemlich leblos und die Straßen leer. Die Grafik sieht jetzt besser aus und läuft flüssig, so lange man sich nicht zu schnell bewegt.

Was nach wie vor das Grauen: Das Nutzerinterface. Das Inventar ist zugeschissen mit Tausend Funktionen und Angaben, das HUD überfrachtet mit hunderten Infos in Winzigschrift und die Bedienung ist fummelig, überfrachtet und so wenig intuitiv, dass das Spiel ohne mehrjähriges Studium und Mausbedienung kaum handhabbar ist.

Was auch immer da in Zukunft noch kommt: Man sollte die Hoffnung aufgeben, das aus Cyberpunk2077 jemals ein gutes Spiel wird. Und die Fassung für die LastGen-Konsolen sollte man gänzlich abschreiben, die laufen immer noch schlecht, und da machen CD Projekt Red keinen Handschlag mehr.


Machen:


Neues Spielzeug:
Neue Handschuhe!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Momentaufnahme: Februar 2022

  1. Da fühle ich mich doch gleich direkt angesprochen – lauter tolle adventures in diesem Monat 🙂
    Uncharted wäre ja genau meins, aber eine PS hatte ich leider nie. Alan Wake habe ich vor Jahren mal angespielt.
    Das mit dem Spielen an der Konsole wird wohl noch etwas auf sich warten lassen bei mir – aber Nintendo lässt sich ja auch Zeit mit dem nächsten Zelda. Uncharted würde sicher auch gut auf der Switch funktionieren, aber nunja, passt halt auch nicht ins Nintendo lineup, auch wenn es kein exklusiv Titel wäre. Schade.

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  2. Matthias

    Unabhängig vom konkreten Beitrag wollte ich mich mal bedanken, die Momentaufnahmen haben mir schon ein paar gute Bücher beschert 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Kalesco: Sehr gut verständlich, dass Deine Prioritäten gerade anders liegen – aber vielleicht, irgendwann, hat auch der Nachwuchs Spass an sowas. Ansonsten habe ich hier noch eine PS4, die nur noch selten gebraucht wird 😉

    Matthias: Danke für die Rückmeldung, das freut mich sehr!

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