Airbag-Schutzkleidung: Stand der Dinge 2022

Seit Ende 2017 fahre ich mit einem Airbagsystem am Körper Motorrad. Vor fünf Jahren war diese Technik nicht überall erhältlich, teuer und schwer. Was hat sich in der Zwischenzeit getan, was hat sich geändert? Eine kleine Marktbeschau.

Als ich das 2017 das „Tech Air“-System des italienischen Herstellers Alpine Stars gekauft habe, gab es dazu wenig Konkurrenz. Zur Anschaffung musste ich mich überwinden: Das „Tech Air Street“ trägt ordentlich auf, ist relativ schwer (Zusammen mit der Jacke rund 5,5 Kilogramm) und nicht atmungsaktiv.

Vor allem war es vor 5 Jahren eines: Teuer. Rund 1.200 Euro kostete die Airbagweste. Die dazu passende und zwingend notwendige Spezialjacke schlug noch einmal mit 600 Euro zu buche, machte. zusammen also rund 1.800 Euro. Für diese Anschaffung waren mehrere Fahrten nach Hannover nötig, wo eine von bundesweit nur fünf Louis-Filialen war, die diese Sachen verkaufen durften. Weil nur dort ein (also wirklich: Anzahl: 1) Verkäufer arbeitete, der die dafür notwendige Ausbildung vom Hersteller hatte. Onlinekauf war nicht möglich.

Das Chassis, die eigentliche Weste mit Airbag und Computer.

Ich habe es trotz dieser Unannehmlichkeiten und trotz des hohen Preises gekauft. Zum einen, weil ich die Technik faszinierend fand und die Investition in persönliche Schutzausrüstung für sinnvoller erachtete als den Kauf des hundertsten Chromteils oder eines vergoldeten Tankdeckels für das Motorrad. Zum anderen aber auch, weil ich ein Zeichen setzen wollte: Liebe Hersteller, es gibt einen Markt für sowas, forscht bitte in diese Richtung weiter.

Das haben die getan, mit dem Ergebnis, dass es nun leichtere und günstigere Airbagsysteme am Markt gibt, aber auch spookigen Wildwuchs bei den Geschäftsmodellen.

Was sich recht schnell beim Blick auf den Markt im Jahr 2022 feststellen lässt: Es gibt jetzt weitaus mehr Hersteller und Modelle als noch vor einigen Jahren, und die Ausrüstung kann man mittlerweile ganz normal Online oder im Moppedladen nebenan kaufen.

Neben der besseren Verfügbarkeit geht der Trend zu maximaler Flexibilität. Nahezu jedes Modell, das neu rauskommt, funktioniert autonom und unabhängig von der sonstigen Bekleidung oder vom verwendeten Motorrad. Das bedeutet auch ein Nischensterben.

Nischensterben
Zu den besseren Ergebnissen der Marktentwicklung gehört, dass es kaum noch Systeme gibt, die nur mit bestimmter Oberbekleidung funktioniert oder bei denen am Motorrad eine Modifikation vorgenommen werden muss. Es gibt noch vereinzelt Kombinationen aus einem Sensor, der an der Motorradgabel angebracht wird und einer Airbagweste, die dann wirklich nur an dieser einen Maschine funktioniert. Diese Konstruktionsweise ist unflexibel und teuer und stirbt zu recht aus, Motorradsensoren sind jetzt höchstens noch eine zusätzliche Option.

Gefragt sind autonome Systeme, und die gibt es in zwei Ausprägungen: Mit mechanischer oder mit elektronischer Auslösung.

Mechanische Auslösung
Mechanische Systeme verfügen meist über eine Reißleine, die am Motorrad eingehakt wird und den Airbag auslöst, wenn sich die Fahrerin vom Ride trennt.

Diese Airbagwesten sehen aus wie Schwimmwesten und werden über der eigentlichen Motorradbeleidung getragen. Aktuell gibt es sieben Hersteller solcher Westen, neben dem Frühstarter Helite mit seiner beliebten „Turtle“ u.a. auch Held, Büse oder Spidi.

Helite Turtle 2. Bild: Helite.

Vorteil der Reißleinensysteme: Sie lassen sich über jeder Bekleidung tragen. Der entscheidende Nachteil: Sie sind langsam.

Laut ADAC dauert es bei einem typischen Unfall, bei dem einem Innerorts bei 50 km/h ein Auto die Vorfahrt nimmt, nur rund 120 Millisekunden, bis der Motorradfahrer in das Auto einschlägt. Die Auslösezeiten der besten Reißleinensysteme liegen mehr als doppelt so hoch, bei rund 240 bis 300 Millisekunden. Die helfen also nur noch beim Sekundäreinschlag, wenn man also vom gegnerischen Auto runterpurzelt und auf die Straße fällt. Oder wenn man in einer Kurve wegrutscht und über den Asphalt schliddert, auch dann funktionieren und schützen diese Art Airbags gut.

Elektronische Systeme
Systeme mit elektronischem Auslöser haben einen kleinen Computer verbaut. An dem hängen Sensoren, die ständig Messwerte zu Beschleunigung und Lage melden. Der Computer vergleicht diese Informationen permanent mit Referenzwerten von Unfallszenarien.

Bild: Alpine Stars.

Findet der Rechner eine ausreichende Übereinstimmung bei den Referenzdaten, nimmt er an, dass es einen Unfall gibt und löst mit einer kleinen Pyroladung den Airbag aus. Das passiert bei den Systemen von Dainese und Alpine Stars binnen 80 Millisekunden und damit in oben beschrieben Szenario noch vor dem Ersteinschlag – ein deutlich anderer und besserer Schutz als ihn die Reißleinensysteme bieten können.

Die Algorithmen, die ermitteln ob ein Unfall vorliegt oder nicht, sind der Kronschatz der Hersteller, entscheiden sie doch darüber, ob ein solches Produkt überhaupt funktioniert. Die Abstimmung muss wirklich fein sein, denn immerhin möchte man ja nicht, dass eine Airbagweste auslöst, wenn man mit ihr eine Treppe hinunterspringt oder jemand einem auf den Rücken schlägt.

Die Algorithmen für Straßennutzung und für die Rennstrecke sind stark unterschiedlich, weil die Unfallszenarien ganz andere sind. Manche Systeme lassen sich per App von Straßen- auf Rennstreckenbenutzung umstellen und haben dann sogar zwei Auslösungen statt nur einer.

Vor einigen Jahren dominierten die italienischen Firmen Dainese und Alpine Stars den Markt der autonomen elektronischen Systeme. Mittlerweile bieten auch Held und Helite solche Systeme an. Die kommen allesamt als Weste daher, die entweder unter der Motorradkleidung (Alpine Stars Tech Air 5, Held eVest), darüber (Helite E-Turtle) oder nach belieben drunter oder drüber (Dainese Smart Jacket, Alpine Stars Tech Air 3) getragen werden können. Manche bieten nette Zusatzfeatures. Die Weste von Held bspw. lässt sich nach eigenem Bedürfnis mit zusätzlichen Brust- und Rippenprotektoren nachrüsten. Trägt man eine Weste unter einer normalen Motorradjacke, sollte die mindestens 4 Zentimeter Platz bieten. Also die Jacke eine Nummer größer kaufen oder die Faustregel anwenden: Kann man zwischen Brustkorb und Jacke seine eigene Faust schieben, ist genug Platz für den Airbag.

Mit rund 1,3 bis 1,9 Kilo sind diese Westen recht leicht, rund ein halbes Kilo leichter als mein altes Tech Air Street. Sie sind auch weniger voluminös und atmungsaktiver, so das man in der Praxis gar nicht mehr bemerkt, was man da am Körper trägt. Zumal man sich bei allen einen separaten Rückenprotektor spart – mindestens ein Level-1-Protektor ist bei allen fest verbaut und schützt so auch ohne Airbag.

Die elektronischen Systeme bekommen gelegentlich Softwareupdates, die per App eingespielt werden können. Diese Updates erhöhen den Bestand an Referenzdaten oder steigern die Schnelligkeit von Kalibrierungen oder verbessern die Kommunikation mit anderen Geräten. Bei den meisten Herstellern gehören diese Updates zum Service. Aber nicht bei allen.

Heiße Preise
Trotz des großen Nachteils der langsamen Auslösung sind die Reißleinensysteme noch beliebt, neben der Flexibilität beim Tragen vor allem aus Kostengründen. Bis vor Kurzem war der Anschaffungspreis von „nur“ 500 bis 700 Euro unschlagbar günstig, gerade im Vergleich mit den o.g. 1.800 Euro für ein elektronisches System. Dieser Preisvorteil ist aber mittlerweile dahin. Heute bekommt man die elektronischen und autonomen Systeme bereits für 650 bis 700 Euro.

Unterschiede bei den Kosten gibt es tatsächlich bei der Wiederinbetriebnahme nach einer Auslösung. Bei den Reißleinensysteme oder auch den Westen mit dem In&motion-System (siehe unten) kann nach einer Auslösung die CO2-Gaspatrone vom Besitzer selbst gewechselt werden. Die Ersatzkartusche kostet rund 100 Euro.

Die Westen von Dainese und Alpine Stars müssen nach dem Auslösen beim Hersteller geprüft und wiederbefüllt werden. Das hat zwei Gründe: 1. Haben diese Westen zwei Gaspatronen, die aus Platzgründen stark integriert sind. Für den Wechsel müssen die Systeme geöffnet und zerlegt werden. 2. Nutzen zumindest Alpine Stars und Dainese Argon statt CO2 als Gas um den Airbag zu füllen. Das tun sie, weil Argon im Gegensatz zu CO2 unter stärkerem Druck gelagert werden kann. Bedeutet: Kleinere Kartuschen und im Falle eines Unfalls eine schnellere Befüllung des Airbags, aber dafür dürfen Endanwender halt nicht dran rumfummeln. Die Überholung beim Hersteller kostet rund 300 Euro, beinhaltet aber dann auch eine komplette Prüfung des Systems.*

Abomodell
Einigermaßen erstaunt war ich über ein Abomodell, das sich in der Branche breit gemacht hat. Daraus gestoßen war ich bei Held. Die verkaufen ihre „eVest“-Airbagweste für konkurrenzlos günstige 350 Euro. Mit der allein kann man allerdings nicht viel anfangen, denn der Steuercomputer mit den nötigen Algorithmen fehlt, also genau das Teil, in dem bei den elektronischen Systemen die Magie stattfindet.

Die Algorithmen und die Referenzwerte für Unfallszenarien sind der eigentliche Schatz der Hersteller, und es kostet viel Zeit und Aufwand die Referenzdaten zu generieren und die Software abzustimmen. Das kann also nicht jeder, und stellt sich raus: Held auch nicht.

Die haben stattdessen Rechner und Algorithmen von der französischen Firma „In&motion Airbag“ zugekauft. Das ist jetzt per se nicht verwerflich, denn wie geschrieben: Die Technologie beherrscht nicht jeder. Zudem ist Technologiezukauf in fast jeder Branche völlig normal. In der Regel passiert das aber durch entsprechende Lizensierungen der Technik, damit ein Hersteller die Technologie eines anderen in seine Produkte integrieren kann.

Hier wird aber der Weg gegangen, den Kunden der Textilhersteller direkt ein Abomodell eines anderen Unternehmens anzubieten, ohne das dass gekaufte Produkt nicht funktioniert. Das ist mindestens ungewöhnlich.

Für 350 Euro bekommt man von den Textilherstellern eine Stoffweste mit einer Plastiktüte und Gaskartuschen drin. Das Steuerungsteil muss für 120 Euro von inmotion gemietet werden. Bedeutet: Kaufpreis plus Jahresmiete macht im ersten Jahr schon 470 Euro, in Jahr 2 zahlt man noch einmal 120 Euro, in Jahr drei hat man nach weiteren 120 Euro mit insgesamt 710 Euro schon mehr gezahlt als bei den anderen Herstellern, und in Jahr 4 darf man die Box dann für 99 Euro kaufen – macht zusammen über 800 Euro. Alternativ kann man die Box auch gleich für 400 Euro kaufen und liegt damit in Summe bei 750 Euro – und damit rund 100 Euro über den aktuellen Preispunkten der Konkurrenz. Falls man vorhat ins Gelände oder auf die Rennstrecke zu fahren, kostet das übrigens noch einmal extra – das Abo der dafür notwendigen Algorithmen kostet jeweils 8 Euro pro Monat oder 25 Euro im Jahr.

Wo kommen diese Algorithmen eigentlich her? Die Pioniere Dainese und Alpine Stars haben 20 Jahre und viele, viele Moto-GPs und Chrashtests gebraucht, bis sie genügend Daten und trainierte Algorithmen hatten, um ein Produkt für Endanwender auf der Straße rauszubringen.

in&motion dagegen wurde 2014 von drei jungen Ingenieuren als Startup gegründet und ging einen anderen Weg. Basierend auf einem vergleichsweise geringen Datenbestand von Skifahrern gaben sie 2017 500 Testwesten an Motorradfahrer aus und sammelten deren Daten sechs Monate lang. Diese Daten schickten sie in Machine Learning Modelle, die daraus versuchen Unfallzustände zu extrapolieren. Die daraus enstandenen Szenarien steckten die Firma in ein Produkt, dass sie in den Markt schoben – und das weiterhin beständig weiter Daten sammelt und bei jedem Ladevorgang an In&Motion schickt. Damit halten sie auch nicht hinter dem Berg, sondern hauen regelmäßig Mitteilungen dazu raus („Jetzt sind unsere Anwender schon 40 Millionen Kilometer gefahren! Wir erkennen nur 90 Prozent alle Unfälle! Bald werden es 100 sein!“).

Das hörte sich jetzt vielleicht sehr technisch an. Festzuhalten bleibt: Das Unternehmen hat ein Airbagsystem rausgebracht, das erst noch beständig lernt, was ein Unfall ist – und zwar durch die Nutzung und damit auch der Unfälle der eigenen Kundschaft. Überspitzt gesagt hat das einen Geschmack von „wir schieben ein unfertiges Produkt in den Markt, überwachen unsere Nutzer und werden mit jedem Unfall, den die haben, besser“.

Kann man machen, aus einer Ingenieurssicht. Persönlich finde ich es ein wenig gruselig, das hier ein Startup mit heute 20 Mitarbeitern den Aufwand von umfangreichen Crashtests quasi outsourced. Sicher, auch Dainese oder Alpinestars nutzen echte Unfalldaten zur Verbesserung ihrer Systeme – aber die haben halt mit einem, in der Rennpraxis bewährten, System und mit einem großen Datenbestand aus Tests und Rennen begonnen.

Ich möchte aber über die Datensammelei und auch über dieses Abomodell nicht urteilen. Falls die Technik funktioniert, ist sie das Geld wert – und die leichte Verfügbarkeit und die Integration in Produkte anderer Hersteller sorgen dafür, dass Airbagkleidung eine weitere Verbreitung erfährt, und dagegen kann nun niemand etwas haben. Die Technik und damit auch das Abomodell von In&motion steckt nicht nur in der Airbagweste von Held, sondern auch in den Produkten von Tuscano Urbani, Furygan, RST, Klim und Ixon.

Trends
Airbagsysteme sind günstiger und leichter geworden und besser verfügbar. Dieser Trend setzt sich fort, das fördert die Verbreitung. Trend Nummer zwei versucht Alpine Stars gerade zu setzen: Diversifizierung.

Ja, es ist nett, wenn ich ein Airbagsystem für die Straße auch auf der Rennstrecke nutzen kann, aber die Anforderungen unterscheiden sich dann doch je nach Nutzung des motorisierten Zweirads. Auf der Rennstrecke sind Unterleibsverletzungen wohl nicht ganz selten, während Systeme, die vor allen im Stadtverkehr bei 30-50 km/h auf dem täglichen Weg zu Arbeit getragen werden, vielleicht keinen perfekten Rundumschutz benötigen. Und wer gerne im Gelände unterwegs ist, der hat bis vor kurzem ganz in die Röhre geguckt, denn mehr als Schotterstrecken waren mit keinem System nutzbar (auch nicht mit In&Motions Zusatzverkauf).

Im Januar 2022 stellt der Alpine Stars gleich drei neue Produkte vor. Neben dem Tech Air 5, das seit 2020 als Universalweste und für Tourenfahrer beworben wird, gibt es nun das Tech-Air 10. Das ist für die Rennstrecke gedacht und ein Airbag-Anzug, der auch Unterleib und Oberschenkel schützt. Es ist bereits erhältlich, kostet rund 1.000 Euro und lässt sich unter jeder Lederkombi tragen, die mindestens 4 Zentimeter Luft am Brustkorb und 2 Zentimeter am Unterbauch lässt.

Bild: Alpine Star

Das Tech Air Outdoor wurde als Reaktion auf die schlimmen Unfälle bei Rallyes entwickelt und hat deutlich mehr Körperpanzerung als die anderen Systeme.

Bild: Alpine Star

Das Tech Air 3 schließlich, der letzte Neuzugang für 2022, ist sehr leicht und hat keine Ärmel (wie auch nahezu alle Westen der Mitbewerber). Es soll vor allem urbane Pendler ansprechen, die z.b. mit einem Roller im Berufsverkehr unterwegs sind, und kann sowohl unter als auch über der normalen Kleidung getragen werden. Der Preis ist noch nicht bekannt, er dürfte sich aber unter dem des Tech Air 5 bewegen, das aktuell zum Straßenpreis von 650 Euro erhältlich ist.

Bild: Alpine Star

Zusammengefasst: Im Markt der Airbagschutzkleidung zum Motorradfahren hat sich in den letzten Jahren mächtig was getan. Die Technik ist kleiner, leichter und handhabbarer geworden, die Preise für die vollintegrierten, elektronischen Systeme sind extrem gefallen und die Verfügbarkeit hat sich massiv verbessert. Um neue Zielgruppen anszusprechen, beginnen erste Hersteller spezifisch auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Produkte anzubieten. Damit kommt Airbag-Kleidung hoffentlich raus aus der exotischen Nerd-Ecke, in der sie lange steckte.

Heute ist die Anschaffung einer Airbagweste, insbesondere einer autonomen, ein echter No-Brainer – für jedes Bedürfnis gibt es das passende Modell, und die Preise sind bezahlbar. Das ist super – in einigen Jahren werden Airbagklamotten damit hoffentlich so selbstverständlich sein wie das Tragen eines Helms. Wer eh ‚ eine neue Jacke braucht, sollte eine Airbagweste ernsthaft in Erwägung ziehen.


*) Ich bin der Meinung, dass das Einbeziehen dieser Art von „Folgekosten“ bei der Überlegung über eine Anschaffung einer Airbagweste keine Rolle spielen sollte. Der Gedanke „Hey, in das System kann ich selbst eine neue Gaspatrone reindrehen, ist so einfach wie der Wechsel einer Glühbirne“ halte ich für ein wenig abseitig. So ein Airbag wird nicht jede Woche ausgelöst, sondern im besten Fall nie. Und wenn er ausgelöst wird, dann geht damit eine mechanische Belastung einher, nach der man vielleicht doch das ganze System von Fachleuten geprüft haben möchte.

Kategorien: Betrachtung, Motorrad | 9 Kommentare

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9 Gedanken zu „Airbag-Schutzkleidung: Stand der Dinge 2022

  1. Schönen Abend, ich habe die Heldweste und damit das In&Motion System. Was mich in Sachen Sicherheit überzeug, ist leider in Sachen Tragekomfort eine Katastrophe. Tatsächlich habe ich das Ganze unter Held Textilkombis probiert, bin aber schlussendlich bei eine Heritagejacke gelandet. Die ist 2 Nummern größer als ich normal brauche und so sieht das dann auch aus.

    Aus meiner Sicht ist es eine interessante Zukunftstechnik die noch ziemlich viel technisches KnowHow braucht, um es tatsächlich in die Kleidung zu integrieren. Zumindest ist das mein Gedanke zu den Underwearsystemen. Die Überwearsysteme sind da praktischer, aber und da hakt es auch ich brauch immer noch ein weiteres Kleidungsstück.

    Daher bleibe ich lieber konventionell unterwegs und fühle mich im Stadlerkombi so noch schlechter geschützt.

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  2. Das ist eine interessante Erfahrung. Ich habe, nach dem integrierten TechAir, jetzt seit einiger Zeit ein System zum drunter ziehen im Einsatz (kein in&motion), dazu schreibe ich in Kürze mal was. Nur so viel: der Tragekomfort ist hervorragend, da merkt man wirklich das es vorwärts geht.

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  3. @Torsten: ich fahre seit Anfang der Saison 2021 nach einer Helite die eVest von Held und kann deine Erfahrung bezüglich Tragekomfort nicht teilen. Neben einer Held Lederkombi fahre ich die eVest unter einer Blackwild Textiljacke. Das Einzige was etwas stört ist, dass der Controller zum Laden herausgenommen werden muss. Dank iWatch / iPhone reicht aber ein Blick um zu sehen, wie es um die Ladung bestellt ist.
    Letztendlich macht aber jeder seine eigene Erfahrung. Mir hätte ein früherer Einsatz von AirBag-Westen sicher beim dem einen oder anderen Unfall ein paar Knochenbrüche erspart 😜

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  4. Noch zwei Gedanken zum in&motion, das ich ja aktuell fahre:

    1. Du schreibst, die ersten möglichen Unfalldaten wurden durch Interpolation errechnet, kritisierst dann aber, dass das System (anschließend) aus Unfalldaten lernt.
    Ist es nicht eher so, dass aus vielen weiteren Nicht-Unfall-Kilometern die Interpolation von Unfällen präziser wird? Die paar Unfälle die ergänzend einfließen, dürften da eher das „Sahnehäubchen“ sein.
    „Meine“ Fahrdaten kommen also nicht nur der Firma zugute, die natürlich damit Geld verdient, sondern allen Motorradfahrenden.

    2. Vorteil des Abomodells bei monatlicher statt jährlicher Zahlung: Wenignutzer oder reine Saison-/Urlaubsfahrer (ja, die gibt es tatsächlich) können Schutz nach Bedarf buchen und sparen evtl. dadurch. Muss man halt durchrechnen. Nach 3 Jahren >kann< man die Box für 99,- kaufen oder, sofern verfügbar, auf die nächste Generation updaten und weiter abonnieren.

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  5. Man muss sich das so ein wenig vorstellen wie die Suche nach Goldnuggets im Flussbett. Da ist es natürlich total gut, wenn Du weißt, wie Sand aussieht. Aber Sand ist jetzt auch nicht so superspannend und Sandkörner variieren auch nicht so stark, das man jedes einzelne Katalogisieren müsste.

    Wenn Du aber was großes, festes findest, dann ist es schon wichtig zu wissen, ob Du da jetzt einen Kiesel oder ein Goldnugget hast.

    Von daher: Ja, dem System 40 Millionen Sandkörner zu zeigen hilft sicherlich – aber auf einem Niveau, das vielleicht eher vernachlässigbar ist und dessen Überbetonung („Zeig uns Sandkörner! Jedes Sandkorn das wir sehen hilft anderen Goldgräbern Sandkörner zu erkennen!“) vielleicht schon eher PR sein kann.

    Aber zeig der KI einen Kiesel oder ein Goldnugget, und Du hast viel mehr geholfen! (Wie Kiesel in der Analogie aussehen kann man schön hier sehen:
    https://www.youtube.com/watch?v=hl5YH3h5czg Da löst ein Tech Air 5 aus, weil die Gyros Daten melden, die als Unfall interpretiert werden – dabei hat sich der Mann nur mit Schwung umgedreht, während er vom Bike stieg)-

    Zu zwei: In der Theorie, sicher. In der Praxis bezweifele ich, dass das viele Leute machen. Kennt man ja vom Disney+-Account, den man ja eigentlich kündigen wollte, aber ach, vielleicht kommt ja nächsten Monat wieder was spannendes? Das Preismodell ermöglicht bei typischen Saisonfahrern auch nur eine Preisredutkion um 40 Euro. Lohnt dafür der Hassel mit dem Deaktivieren, vielleicht zu dem Preis, dass ich nicht zwischendurch spontan mal losfahren kann? Und wie ist das mit Tourenfahrern? die brauchen eigentlich zwingend das Zusatzabo für Schotterwege. Deren monatliche Gebühr liegt dann in Summe wieder bei 20 Euro und bei nur sechs Monaten Fahren im Jahr bei 120.

    Also, wie ich es drehe und wende, ich krieg mir das In&Motion-Modell nicht attraktiv gedacht.

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  6. thomtiger

    Meine Frau und ich haben uns jetzt im Winter bewusst für die Helite Turtle mit Reißleine entschieden. Ausschlaggebend war, dass ich keine Weste mit Abomodell unterstützen möchte. Ich finde die ganze Aborisierung pervers. Man kauft ein Produkt und muss noch bezahlen, um es benutzen zu können. Geht die Firma pleite oder stellt ihr Geschäftsmodell um, fahre ich mit wertlosem Plunder durch die Gegend. Weiteres Argument war für uns, dass wir die Westen über jede Jacke tragen können. Wir sind nicht an eine Jacke gebunden und können individuell nach Witterung die Jacke auswählen. Auch die Folgekosten waren für mich ausschlaggebend, da ich nicht jedes Jahr meine Airbagjacke einschicken möchte um die Garantie zu behalten. Und auch die einfache Wiederinbetriebnahme durch einen Kartuschenwechsel, kostet bei Helite 22 Euro!, war ein Kriterium. Es gibt auch Unfälle, nach denen man nicht wochenlang im Krankenhaus liegt. Was mache ich dann ohne Airbagjacke, wenn die wochenlang beim Hersteller zur Überprüfung ist? Ohne fahren? Auch das lästige aufladen wollte ich umgehen. Ein Nichtauslösen, weil das, aus welchen Gründen auch immer, mit dem Aufladen nicht geklappt hat, wäre der Horror.
    Nachteil der Helite ist ganz klar das zusätzliche Gewicht und als Weste ein zusätzliches Kleidungsstück. Ein weiterer Nachteil ist, man muss daran denken, sich anzuschnallen. Noch passiert es mir, dass ich das mal vergesse.

    Aber welches Airbagsystem auch immer, es ist besser als keines!

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  7. Aber welches Airbagsystem auch immer, es ist besser als keines!

    Darauf können wir anstoßen!

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  8. Thomas

    Einige Jahre lang bin ich mit der Helite Turtle gefahren, bevor ich ich letztes Jahr für ein System von In&Motion entschieden habe. Dafür gibt es mehrer Gründe: gerade im Sommer wurde von der Turtle sehr viel Luft – Flow durch die Textilklamotten unterbunden, da das System darüber gerade an Brust und Rücken die Lüftungsschlitze verdeckt. Hier ist ein integriertes System sehr viel besser und angenehmer zu fahren. Auch genieße ich die Freiheit von einer Reißleine, da die immer einen Kompromiss zwischen Auslösewiderstand und ich fahre im stehen oder will etwas mehr Bewegungsfreiheit im Sattel darstellt.
    Und auch in einem anderen Punkt will ich Dir – zumindest teilweise – widersprechen: bei meiner Frau kam es einmal zum auslösen der Helite – Weste, da sie aus dem Stand mit dem Moped umgefallen umgefallen ist (passiert), und ihr dann gleich zwei Passanten die Maschine wieder aufrichteten (sehr nett), bevor sie sich losgeschnallt hatte… Der Airbag löste aus, und in einer solchen Situation wäre es äußerst ärgerlich, die Klamotte einschicken zu müssen. So einfach die alte Kartusche raus- und die neue reingedacht und weiter ging die Tour entsprechend geschützt!

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  9. Thomas: Besten Dank für Deine Anmerkung. Die Situation mit dem Umfaller ist natürlich total dumm gelaufen! Du widersprichst mir übrigens nicht – ein autonomes System, ob mit Herstellerservice oder Wechselpatronen, hätte hier mit sehr großer Sicherheit nicht ausgelöst. Aber ich verstehe Deinen Punkt, auch wenn ich jetzt mal spekuliere, dass die allerwenigsten Besitzer einer Weste mit Wechselkartusche so etwas antizipieren und Ersatz dabei haben werden.

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