Erste Schritte auf Mastodon: @silencer@chaos.social

Bild: Mastodon

Es gab mal eine Zeit, da zog man einmal im Jahr auf eine neue Social-Network-Plattform. Studi-VZ, MeinVZ, MiaPlaza, MySpace.
Dann kam Facebook und sog nahezu alles auf.

In seinem Schatten – und als Nachfolger-im-Geiste der seit 2008 toten Blogs – blühten Microdienste wie Tumblr oder Twitter, später auch Path oder Kezera Instagram oder Snapchat oder wasweißich.

Während andere Microdienste verkauft oder unsexy wurden, hielt sich Twitter erstaunlich konstant, trotz der Unfähigkeit der Macher. Die haben nämlich trotz bislang trotz 330 Millionen Nutzer:innen und einer hohen Medienrelevanz nicht rausgefunden, wie man mit Twitter Geld verdient.

Was die 4.000 festangestellten Mitarbeiter von Twitter den lieben langen Tag so machen weiß auch niemand. Und obwohl die algorithmisch sortierte Timeline mittlerweile vermuddelt und voller Werbung ist, obwohl es keinen Edit-Button gibt und obwohl die Twitter-App eine Frechheit ist, bleiben die Nutzer:innen bei der Stange.

Das mag auch an der Flexibilität von Twitter liegen. Twitter kann das sein, was man möchte. Bei mir ist es in erster Linie Nachrichtenticker, bei anderen Freundeskreis, bei wieder anderen Propagandaorgan oder Witzchenquelle.

Nun hat Elon Musk, der reichste Soziopath der Welt, Twitter gekauft oder steht zumindest kurz davor. Vorsorglich droht er schonmal damit die „Zensur zu beenden“ und „Meinungsfreiheit wieder herzustellen“- gemeint ist damit wohl zuvorderst, von Twitter verbannte rechtsradikale und Rassisten wie Donald Trump wieder zuzulassen. Kann man nur vermuten, aber die Vermutung liegt Nahe – Musks Weltbild entspricht dem des reinen Kapitalismus, bei der Regularien, zumal staatliche, nur stören. Kann in letzter Konsequenz übrigens sogar bedeuten, das Twitter in Europa dicht macht – weil es völlig unreguliert schlicht nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

So weit ist es noch lange nicht, und vielleicht ist das alles auch wieder nur Musk-Getöse und Eigen-PR und am Ende kauft er die Plattform doch nicht oder es ändert sich gar nicht viel.

Trotzdem hat die Tatsache, das hier ein superreicher Mensch mit einer rieisgen Klatsche an der Waffel einfach mal ein komplettes Medium weggekauft, für Unruhe gesorgt.

Der Gedanke von einem noch mehr mit Rechtssiff überzogenen erscheint vielen – auch mir! – als so unerträglich, dass wir uns Alternativen zu Twitter zumindest mal ansehen. Auch so ungeliebte wie Mastodon, dieses Nerd-Netzwerk, das mit seinen Föderationen und Instanzen und Whatknot kein Twitteruser je versteht.

Glücklicherweise ist das mittlerweile etwas einfacher handhabbar geworden. Mastodon ist, ganz simpel gesagt, ein Kurznachrichtendienst mit vielen, vielen Ähnlichkeiten zu Twitter. Man kann Leuten Folgen, Dinge posten und es gibt eine Zeichenbegrenzung. Es gibt Apps, die durchaus wirklich gut sind und Tweetbot auf iOS ähneln (Die App heißt schlicht „mastodon“). Wo auf Twitter „getweetet“ wird, wird auf Mastodoan „getrötet“ – allein das macht die Plattform schon putzig.

Vom Grundaufbau entspricht Mastodon nicht einer monolithischen Plattform, sondern aus vielen kleinen Inselplattformen, sogenannten Instanzen. Die haben so seltsame Namen wie „Mastodon.social“ oder „democracy.town“ oder „troeet.cafe“.

Betrieben werden diese Inseln von Freiwilligen, Vereinen, Verbänden oder Organisationen. Bibliotheken betreiben Mastodon-Inseln genauso wie die freiwillige Feuerwehr Augsburg.

Man muss sich nur an einer dieser Inseln registrienen. Ich habe mit z.B. auf der Instanz chaos.social den Namen „Silencer“ ausgesucht. Versucht man mich jetzt im Mastodon-Netzwerk zu finden, gibt sucht man nach „Silencer“ oder nach meinem vollständigen Nutzernamen: „@silencer@chaos.social“

Eine Liste der Instanzen zum Rregistrieren findet man hier: https://joinmastodon.org/communities

Dadurch, dass ein reger Austausch („Föderation“) zwischen den Inselchen besteht und man einen Account samit Followern sogar von einer Instanz zur nächsten transferieren kann (sollte mal eine Insel zumachen, weil die Augsburger Feuerwehr keinen Bock mehr hat oder so) sollte es letztlich völlig egal sein, was man da auswählt.

Mein erster Eindruck: Ach, guck an. Das funktioniert ja schonmal ganz fein, und sogar eine ziemlich großer Teil meiner persönlichen deutschen Kontakte sind schon da sowie deutsche Medien. Letztere Hauptsächlich über Bots, aber nun.

Natürlich gibt es auf Mastodon auch nach wie vor Hardcore-Nerds („Ich habe hier einen Geigerzähler auf dem Balkon der über einen Rasperry Pie die Meßwerte ins Netz stellt, wer will die Daten haben??“), aber es gibt bereits jetzt erstaunlich viele normale Konversationen, Witzchen und Katzenbilder. Mastodon erinnert damit gerade noch etwas an die unbeschwerten Zeiten, als es auf Twitter um Wortwitz und Esprit ging, bevor Trolle die Plattform in eine Jauchegrube der Miysogenie verwandelten.

Was schwieriger ist: Die Vernetzung. Persönliches Adressbuch hochladen gibt es nicht (zum Glück!), Personenvorschläge auch nicht, und man sieht die Follower von Personen anderer Instanzen nicht. Es erfordert also etwas Handarbeit und Suchen, um sein Netzwerk bei Mastodon aufzubauen.

Was mir am meisten fehlt: Ich konsumiere halt viele Nachrichten über Twitter, insbesondere ausländische, und die gibt es bei Mastodon mit seinem deutschen Fokus halt bislang nicht.

Ansonsten:

Braucht man das? – Vermutlich nicht. Ist aber gut, dass es das gibt – und mit einer dezentralen Struktur, die kein Elon Musk einfach kaufen kann.

Muss man auf Mastodon sein? – Nein, natürlich nicht. Muss man auf Twitter aber auch nicht.

Gibt es einen Failwhale? – Nein, sollte es aber geben. Aktuell sind viele Instanzen nämlich überlastet durch den riesigen Ansturm an neuen Nutzern. Einige haben deshalb vorläufig ihre Registrierung abgeklemmt oder auf Einladungen umgestellt, um erstmal in Ruhe Hardware nachlegen zu können.

Was sind die ersten Schritte?

  • App runterladen (ich kenne nur iOS Mastodon, aber die ist super), dort Account anlegen bei irgendeiner Instanz.
  • Oder auf https://joinmastodon.org/communities im Netz registrieren und anmelden.
  • Nach @silencer@chaos.social suchen und mir folgen.

TRÖÖÖÖT!

Kategorien: Internet, Service | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Erste Schritte auf Mastodon: @silencer@chaos.social

  1. Bla

    Also kann man über Instanzen hinweg sein Netzwerk aufbauen? Ich dachte bisher, das ginge nur innerhalb einer Instanz.

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  2. Ja genau. Die meisten Instanzen sind in einer Föderation und man kann sich quer über alle vernetzen. Es gibt allerdings Instanzen, die sich völlig isoliert haben, da klappt das nicht. Und es gibt auch Instanzen die von anderen isoliert worden sind, zum Beispiel weil Nazis

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  3. Marco

    Hallo Silencer, auf der Suche nach einer Registrierung auf chaos.social bin ich auf deinen Blog Post gestoßen. Da man sich leider nicht direkt registrieren kann und man von jemand eingeladen werden muss, daher die Frage ob Du mich auf chaos.social einladen kannst?

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  4. Du hast Post

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  5. Oder anders: Du HÄTTEST Post wenn Du eine gültige Mailadresse angegeben hättest. Schreib mir die an silencer137@posteo.de

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