Momentaufnahme: Juni 2022

Herr Silencer im Juni 2022

Ding des Monats: Die PS-Vita

Wetter: Anfang bis des Monats wechselhaft: Sonne, aber auch mal kühlere Tage. Das schaukelt sich auf in einem Wechsel aus knalleheiß und richtig kühl, von Nachts 6 Grad bis tagsüber über 30. Am Monatsende dann Hitzewelle. Wenig bis gar kein Regen.


Lesen:


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Sehen:

Obi-Wan Kenobi [Disney+]
Geschichte knurk, Optik selten hui, McGregor holla, Vader staun!, restliche Schausteller hrmpf, Kinder nerv. Charaktere wackel und örgs, Pacing knack. Insgesamt: Ach.

 

The Batman [2022, BluRay]
Gotham City, Lederlappen, Schrecken der die Nacht durchflattert, usw.

Die Geschichte geht ungefähr so: Als alle noch dachten, das Zak Snyders DC-Universum ganz töfte würde, wollte Ben Affleck einen Batman-Film schreiben, produzieren, Regie führen und die Hauptrolle spielen. Als der Mann mit den Nazieulen dann aber den erwartbaren Müll ablieferte und das DC-Universe grandios gegen die Wand fuhr, fing Affleck vor Frust an zu saufen und das Studio bekam kalte Füße und wollte umfangreiche Änderungen. Mit jeder Drehbuchüberarbeitung hatte Affleck Dann weniger Bock – erst wollte er „seinen“ Batman nicht mehr verantworten, dann nicht mehr spielen, dann nicht mehr produzieren. Gut so, denn danach übernahm Matt Reeves, schmiss alles weg und konzipierte den hier vorliegenden Solo-Film.

Der möchte kein Action-, sondern ein Thriller und Detektiv-Film sein. Klingt nett, weil der Detektiv-Aspekt des „Mitternachtsdetektivs“ bislang in keinem Kinofilm beleuchtet wurde. In der Umsetzung beschränkt sich das aber darauf, dass Robert Pattison schlecht gelaunt an Tatorten rumsteht, sich irgendwas in den Bart brummelt und dann plötzlich die Lösung herausposaunt, ohne das man wirklich wüsste, wie er darauf gekommen ist – durch Detektivarbeit jedenfalls nicht. Actionsequenzen zur Auflockerung gibt es tatsächlich nur wenige, und die sind unspektakulär.

Reeves fokussiert auf Unterhaltungen zwischen den Charakteren. Da die Dialoge aber meist platt sind und die Figuren vornehmlich grimmig gucken und ihre Motive unklar sind und sich alle, allesamt, wie Arschgeigen benehmen, bleiben die Interaktionen sehr egal.

„Der Batman“ möchte kein Actionfilm sein, sondern ein Thriller im Stil von „Seven“ – das gelingt ihm aber nicht, zu unspannend und langatmig ist die Geschichte erzählt, und wenn man als Zuschauer über drei Viertel der Laufzeit von fast drei Stunden nicht mal weiß, um was es geht oder was auf dem Spiel steht, wird´s halt arg zäh.

Highlight ist Zoe Kravitz als Einbrecherin. Der Rest ist stylisch und düster, aber auch beliebig und letztlich Wurst. Eine düster dröhnende Wurst, aber eben Wurst und ganz sicher kein „Super-Noir-Thriller“ als den die Werbung den Streifen verkauft. Kann man angucken, ist kein Totalausfall, aber eben auch keine bleibende Erinnerung.

Nobody [BluRay, 2021]
Vorstadt, Frau, Kinder, immer der gleiche Alltag – Bob Odenkirk hat ein ruhiges Leben. Das ändert sich, als eines Nachts Einbrecher seine Familie bedrohen. In der konkreten Situation wirkt der Familienvater gefasst, aber hilflos. Kurz darauf stellt sich heraus, dass der Zwischenfall eine alte Sucht in ihm geweckt hat.

Holy Shit meine Güte WAS IST DAS?!

„Nobody“ ist mit Sicherheit einer der brutalsten Filme, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Aber was will man erwarten, wenn der Drehbuchautor von „John Wick“ ein Drehbuch schreibt, das vom Regisseur von „Hardcore Henry“ umgesetzt wird?

So überraschend wie die handgemachte Action ist auch die Besetzung. Bob „Better Call Saul“ Odenkirk hätte man den Actionhelden nie zugetraut, aber hier prügelt, schnetzelt, schießt und blutet er sich hier durch gefühlt Dutzende von Situationen. Jede Actionsequenz ist übrigens so gefilmt, dass man immer weiß wer wo steht und was gerade passiert – Schnittmassaker mit 25 Schnitten in 10 Sekunden, wie in jüngsten Actionfilmen aufgrund von Unvermögen passieren oder, wie im Fall der Liam Neeson-Streifen, um zu kaschieren das der Protagonist schon weit im Rentenalter ist, passieren hier nicht. Auch, weil Odenkirk wirklich fit ist. Der Rest vom Cast ist ebenfalls überraschend – ich habe ein wenig Schnappatmung bekommen, als ein alter Bekannter aus „Zurück in die Zukunft“ auftauchte.

Storytechnisch gibt es durchaus interessante Einfälle. Das die Motivation des „Helden“ mal nicht von Außen kommt, sondern intrinsisch ist und nicht auf dem Wunsch nach Rache oder Schutz der Familie basiert, ist schon spannend, das hat man so noch nicht gesehen.

Wer gute Actionfilme á la „John Wick“ oder „The Hunt“ mag, der muss „Nobody“ gesehen haben.

 

Titane [Amazon Video, 2021]
Alexia hat als kleines Mädchen einen Autounfall und bekommt deswegen eine Titanplatte in den Schädel gesetzt, worauf sie sich sexuell zu Fahrzeugen hingezogen fühlt. Nach einer Nacht in/mit einem Auto wird sie schwanger und Motoröl läuft aus ihren Brustwarzen und ihr Bauch droht von einer Titankugel gesprengt zu werden. Doof, das es ausgerechnet jetzt mit ihrem Hauptjob als Mörderin auch nicht so doll läuft, und so verändert sie ihr aussehen und gibt sich als Mann aus.

Bodyhorror ist eigentlich ein tolles Genre, Filme wie „Die Fliege“ gruseln bis heute. Aber warum sind die Geschichten oft so verquast? „Titane“ anzugucken ist Zeitverschwendung, weil die teils interessanten Szenen ab einem gewissen Punkt keinen Sinn mehr ergeben und nicht mehr sind als eine verwürfelte Nummernrevue von Ekligkeiten.

Kunstkritiker sind natürlich begeistert darüber, das sich hier ein hormongeschwängerter Boomermann die Bauchmuskeln anzündet und jodeln darüber als „Entzieht sich Interpretationen“, „Feministische Freiheit im Umgang mit dem Körper“, „Dekonstruiert Geschlechterrollen“ und „Radikale Erfindung der eigenen Identität“ und ich sehe auch die Punkte – aber ich erkenne halt auch schlechtes Storytelling und Beliebigkeit, und das Verzeihe ich nicht, nur um mich an meinem eigenen Kunstwissen zu berauschen oder zu behaupten Titane“ sei der nächste „Parasite“. Ist er nicht. „Titane“ hat genau eine nette Idee, aber die Macherin hat zu viel Cronenberg geguckt und ist im Schnitt versumpft.

Dr. Strange in the Multiverse of Madness [Disney+]
Sumthing sumthing Dr. Strange und irgendwas mit der Scarlett Witch.

Tja, ach. Nett gemacht, aber etwas ohne Vorwissen und Kontext unverständlich. Nett: Das hier zur Hälfte ist ein Sam Raimi-Film, inkl. „Army of Darkness“-Referenzen und Bruce Campbell. Das macht Spaß. Die andere Hälfte ist zu lange gekauter Kaugummi.


Matrix Ressurections [BluRay]
Neo und Trinity sind wieder da, aber niemand hat eine Erinnerung an die vorhergehenden Ereignisse und überhaupt: Warum sind sie wieder da?

Ja, „warum nur“ habe ich mich ohnehin gefragt. Muss man „Matrix“ 25 Jahre nach dem ersten Film fortsetzen? Und falls ja: Wie setzt man eine Geschichte fort, die sich ins popkulturelle Gedächtnis bis auf Meme-Ebene eingebrannt hat? Dinge wie „Bullett Time“ oder „Agenten“ oder „ach guck zwei schwarze Katzen, das ist ein Fehler in der Matrix“ kennt jeder, und der Glauben, in einer Simulation zu leben wird ja selbst von Querdenkern oder Elon Musk vor sich hergetragen.

Dieser Film macht etwas Interessantes aus diesem Dilemme und reitet genau diese Memes und das Wissen um die Matrix auf einer Meta-Ebene, über die Keanu Reeves erstaunt guckend stolpert, während das Drehbuch die ganze Zeit den Zuschauern ein „Hier, kennste, kennste?“ zuzwinkert und sich wonnig in Selbstreferenzialität suhlt wie ein Schwein im Schlamm. Das wird viel zu lange gemacht – wenn es endlich losgeht und die Geschichte halbwegs an Fahrt gewinnt, ist bereits Minute 100 erreicht. Das Ende rettet diese unnötige Fortsetzung, insgesamt aber leider kein guter Film.

 

 


Rambo: First Blood [1982, Bluray]
Vietnamveteran John Rambo hat nach Ende des Kriegs kein Ziel mehr und streift durch die USA, um ehemalige Kollegen zu besuchen. In einer Kleinstadt wird er von der örtlichen Polizei erst drangsaliert, dann mißhandelt. Dadurch brechen bei Rambo alte Traumata aus der Kriegsgefangenschaft auf. Er flieht in die Wälder und liefert sich einen blutigen Kampf mit Polizei und Nationalgarde.

Ich kannte die Rambo-Filme nur als popkulturelles Bild, als Meme („blaues Licht“) und hatte immer gehört, das der erste Film gar nicht schlecht sei. Das stimmt tatsächlich: Handgemachte und oft für das Budget erstaunlich gute Action, und als unterliegendes Thema der Umgang der Zivilgesellschaft mit einer Generation von Männern, die alles für ihr Land gegeben haben, und nun nicht mehr gewollt sind.


Rambo: First Blood Part II [1985, Bluray]
Rambo soll Kriegsgefangene in Vietnam suchen, aber nicht befreien. Als er das doch tut und sich nebenbei mit Russen anlegt, sind die USA nicht erfreut.

Ganz, ganz schlimmer Scheiß, schlecht erzählt, mies gefilmt und geschnitten und Stallone spielt, als hätte er einen Schlaganfall gehabt. Jegliche tiefere Moral ist weg, hier geh es nur noch um Knall-Bumm.


Rambo III [1988, BluRay]
Irgendwas mit Afghanistan und blauem Licht.

Auch ganz, ganz schlimmer Scheiß, nicht ganz so handwerklich schlecht wie Teil 2, aber immer noch schlecht.


John Rambo [2008, BluRay]
Irgendwas mit Burma, und am Ende schießt Rambo alles weg.

Wirkt so als hätte jemand die Rambo-Parodie aus Hotshots nochmal in Ernst verfilmt. Nebenbei macht sich das Drehbuch über humanitäre Helfer lustig. Die unterliegende Botschaft des Films lautet: Wer an Frieden glaubt ist naiv, nur Waffengewalt ist eine Lösung. Schrecklich.

Rambo: Last Blood [2018, BluRay]
Rambo lebt auf der alten Farm seines Vaters in Arizona. In unterirdischen Tunnels sprengt er mexikanische Menschenhändler weg.

Dieser Film ist unnötig brutal, offen rassistisch und gefährlich dumm. Damit traf der Streifen vermutlich den Nerv der Trump-Jahre, und zwar so sehr, das einem als normaler Mensch schlecht wird. Mexikaner werden nahezu durchgehend als Diebe, Verräter und Verbrecher dargestellt, die amerikanische Frauen rauben.

Vom Story-Konstrukt fangen wir lieber nicht an. Allein die Idee, das Rambo unter seiner Farm ein kilometerlanges Tunnellabyrinth buddelt, weil er ja in Vietnam in Tunnels traumatisiert wurde, ist so dämlich, dass man sich jeglichen Kommentar sparen kann.


Spielen:

Persona 5 Golden [PS Vita]
Japan, ein kleiner Ort auf dem Land: TV-Geräte, die auf keinen Sender eingestellt sind, zeigen nur verrauschten Schnee. Aber in nebeligen Nächten, genau um Mitternacht, sind in diesem statischen Rauschen die schemenhaften Umrisse von Personen zu sehen. In den folgenden Nächten werden die Umrisse deutlicher erkennbar, und kurze Zeit später werden die Personen, die im „Mitternachtskanal“ aufgetaucht sind, tot aufgefunden.

Eine Gruppe Highschool-Kids entdeckt das sie die Fähigkeit haben, von der realen Welt durch Fernsehgeräte in die TV-Welt zu wechseln, in der sie über Zauberkräfte verfügen. Gemeinsam machen sie sich daran die Personen zu retten, deren Tod der Nebel ankündigt.

Bizarres Szenario, aber toll gemacht. „Persona“ ist ein rundenbasiertes Action-Rollenspiel, bei dem es nur sinnvoll weiter geht, wenn neben den Kampfeinlagen in der TV-Welt soziale Beziehungen in der realen Welt aufgebaut und gepflegt werden und der Schulalltag gemeistert wird. Zeit mit Freunden, Arbeit und Studium zu verbringen ist genauso wichtig wie Monster verhauen und Menschen retten, und beides in Kombination macht einen irren Spaß – zumal hier stets die Motivationen klar sind und (nie unfaire) Zeitlimits dafür sorgen, dass hier keine Beliebigkeit entsteht. Die Grafik ist selbst auf der PS Vita super und der Soundtrack einfach mitreissend.

Persona 4 kam 2008 für die Playstation 2 raus, die „Golden“-Version erschien 2012 für die Playstation Vita und 2021 für den PC. Sie glänzt durch mehr Charaktere, einen neuen Epilog und besseres Gameplay – und ja, das macht auch nach den über 110 Stunden noch Spaß, die ich in die spannende Story versenkt habe.


Machen:


Neues Spielzeug:

Ein ASUS Zenbook mit dem kryptischen Namen UM425UAZ-KI023T. Mit 14 Zoll und 1,2 Kilo ein wenig größer als es mir für ein Reisenetbook lieb ist, hier hatte das lüfterlose Asus X205 mit 11,6 Zoll und 900 Gramm Maßstäbe gesetzt. Das Zenbook löst in Teilen das Medion-Netbook ab, dessen Tastatur wegen zu kleiner, runder und rutschiger Tasten einfach nicht vernünftig nutzbar ist.

Die neue Kiste bringt eine ordentliche und beleuchtete Tastatur mit, dazu ein gutes Display, gute Lautsprecher, 16 GB RAM, 1 TB Speicher, Windows 11 und eine Laufzeit von 14 Stunden. Alles „nach Militärstandards zertifiziert“ in Hinblick auf Temperatur, Feuchtigkeit und Schlagfestigkeit. Nicht hundertprozentig ideal für Reisen, war aber gerade um 500 Euro runtergesetzt und ist gut für den Moment.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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