Gelb ist nicht gleich Gelb

Komme nach zwei Wochen Fahrt quer durch Europa nach Hause, stelle das Motorrad ab, steige ins Kleine Gelbe AutoTM um einkaufen zu fahren – BAM knallt mir an der nächsten Kreuzung einer hinten rein.

Ich habe noch im Rückspiegel das erschreckte Gesicht des anderen Fahrers gesehen, als sein Wagen mit quietschenden Reifen auf mich zurutschte, dann war es schon zu spät. Er donnerte mit seiner linken Seite bei meinem Wagen rechts ins Heck. Angeblich hätte der Wagen nicht vernünftig gebremst, und tatsächlich ist auf dem Asphalt zwar eine lange Bremsspur zu sehen, aber nur auf einer Seite.

Dafür, dass es den anderen Wagen vorne völlig zerlegt hat und der ein Totalschaden ist…

…sah mein Wagen noch ganz gut aus. Lediglich ein Loch im Stossfänger und eine Delle im darunterliegenden Träger.

Gutachten bestätigte dann auch: Nichts anderes kaputt, nichts verzogen. Und weil der Seat Leon M1 20VT 1.8 Top Sport so ein seltenes und gefragtes Auto ist, hatte der sogar noch einen relevanten Restwert, und deshlab bewilligte die gegnerische Versicherung die Reparatur anstatt einen „wirtschafltichen Totalschaden“ abzuschreiben.

Problem war nur: Der Wagen ist 21 Jahre alt und halt speziell, für den gibt es keine Ersatzteile mehr, zumindest keinen Stoßfänger.

Die Vertragswerkstatt bot dann an das Loch zu flicken und den Stoßfänger „in Originalwagenfarbe“ zu lackieren, dann „sieht man nichts mehr, wird wie neu“. Jaja. Klar. Die gleich Werkstatt die schon mal das Schweinerferwaschsystem kaputt gemacht, den Lack vom Dach gerissen, eine Scheibe verkehrt eingeklebt und die Schweller eingerollt hat, DIE will was reparieren, was dann „wie neu“ ist? Sicher.

Und „in Wagenfarbe“? Das ist VW-Lack, der ist in der Sonne so ausgeblichen, das er viel viel heller ist als das Original. Als es neu war, war das Auto satt Sonnengelb, jetzt ist es nur noch eine fahle Zitrone. Aber egal, auf Optik kommt es mir nicht an. Aber ich erwartete das Schlimmste, während ich mit einem WErkstattersatzwagen unterwegs war. Einem Ibiza. In Bananengelb. Fand die Werkstatt irre lustig („hier, nehmse den Roten. Ach Moment! Wir haben auch einen Gelben! Höhöhö, dann brauchsne sich nicht umzugewöhnen, wa? Nicht, dasse sonst ihr Auto suchen! Höhöhö!“).

Tja. Stellt sich raus: Der alte Lagerist, der einzige Mitarbeiter, der schon Jahrzehnte in der Firma ist, hat sich der Sache persönlich angenommen. Das ist, als ob Yoda nach 300 Jahren nochmal kurz aus dem Ruhestand kommt. Er hat geschnitten, geklebt, gespachtelt und dann lackiert. In einem Gelb, das er vorher am alten Lack ausgemessen hat und das einer fahlen Zitrone gleicht. Und, was soll ich sagen… Selbst wenn man WEiSS, wo der Schaden war – man sieht es nicht mehr.

Selbst die Spaltmaße stimmen wieder. Ich freu mich. Jetzt auf Gebrauchtwagensuche zu gehen, da hätte ich echt keine Lust zu gehabt.

Kategorien: kleines gelbes Auto | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Gelb ist nicht gleich Gelb

  1. 21 Jahre schon – scheiße, sind wir alt.
    Die Kiste kommt einem doch so vertraut vor 😉

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  2. Da sachste was!

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  3. suse

    Hach… was für ein zitronenfahlleuchtender Lichtblick im Dschungel des aktuellen Vertrauensverlustes, auch in die WerkstättendesunerschütterlichenVertrauens… (ich warte gerade 6 Wochen auf einen Servicetermin) :-O vielleicht kann der Meister einfach nicht überall gleichzeitig sein…
    Es gibt also noch Hoffnung?

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