Reisetagebuch (9): A Head Full of Skye

Sommertour mit der V-Strom durch Frankreich, England, Wales und Schottland. Heute mit Schafen.

Sonntag, 10. Juli 2022, Kyle bespoke Hotel, Kyle, Schottland

Was für ein schöner Morgen! Sonne blitzt durch die Vorhänge, und aus dem Augenwinkel kann ich durch das Dachfenster des Hotelzimmers einen blauen Himmel sehen. Heute ist Sonntag, und eigentlich wollte ich noch ausschlafen, aber jetzt hält mich nichts mehr im Bett.

Wie alles im „Kyle bespoke Hotel“ ist auch der Frühstücksraum vor allem eines: Alt. Aber nicht so 18. Jahrhundert gediegen alt, sondern eher so 60er und 70er alt. „Bespoke“, also „Maßgeschneidert“, ist das hier nur, wenn man ca. 1940 geboren wurde.

Sei´s drum. Das Frühstücksteam ist auf Zack, und als sich der Saal langsam füllt, bin ich schon mit einem kleinen Scottish Breakfast durch. Ein Scottish Breakfast ist genau das gleiche wie ein Englisches Frühstück, also Toast, Bohnen, Würstchen und Ei, darf hier aber so nicht heißen.

Während um mich herum die Zimmer mit den Gästen einer Hochzeitsgesellschaft langsam aufwachen, trage ich schon die Koffer durch die engen Gänge und über den abgewetzten Teppich zum Motorrad.

Die Barocca steht auf einem kleinen Parkplatz, der hinter dem Hotel in den Berg gebaut und mit dem Gebäude über eine Treppe verbunden ist. Seit gestern Abend sind weitere Motorräder hinzugekommen.

Ich prüfe sorgfältig die Suzuki und die Befestigung des Gepäcks, dann schwinge ich mich in den Sattel und starte den Motor.

Es dauert weniger als zwei Minuten, bis Anna uns auf eine ihrer berüchtigten Abkürzungen gelotst hat. Statt einfach die verdammte fcking Hauptstraße aus Kyle-of-Lochalsh hinauszufahren, zockeln wir durch ein Wohngebiet, fahren eine Single Track Road durch einen Wald, und dann eine Stichstraße hinab, die ein extremes Gefälle hat – und die an einem Gatter endet.

Ich fasse es nicht. Ein großes, zweiflügeliges Gatter, genau am Stadtrand! Ich stoppe die Suzuki gaaaaanz vorsichtig im Hang, stelle den Motor bei eingelegtem Gang ab und lasse die Maschine gaaaaanz vorsichtig auf den Seitenständer hinunter. Dann steige ich ab, laufe zum Tor, öffne es, klettere vorsichtig wieder in den Sattel, lasse das Motorrad hindurchrollen, steige wieder ab und schließe das Gatter, steige wieder auf und starte den Motor. MAN!

Aber dann brummt die Barocca endlich aus Kyle hinaus und über die große Brücke, die ich gestern schon aus der Ferne gesehen habe. Im folgenden Bild ist sie links neben der Straße zu sehen.

Das ist die Skyebridge. Die heißt nicht so, weil es kurz scheint, als ob man dem Himmel entgegenfährt…

…sondern sie verbindet das schottische Mainland mit der Isle of Skye, der größten Insel der Gruppe der inneren Hebriden.

Isle of Skye hat man vielleicht schon mal gehört, vermutlich in Schwärmereien von Leuten, die hier waren. Irgendwie bekommen die meisten ganz verträumte Blicke, wenn sie sich an ihren Besuch auf Skye erinnern und von zerklüfteter Landschaft, kleinen Fischerdörfern und rauem Wetter erzählen.
Die mild-verrückte-Nachbarin (die unter der schönen Nachbarin wohnt) war wochenlang hier und hat mir Tips gegeben, wie ich nach nur einem Tag Wanderung „Fairypools“ und ähnlich esoterische Dinge erreichen kann. Nun, ich werde nicht wochenlang hier sein, und ich werde auch nicht wandern, aber einen ganzen Tag habe ich mir für die Insel schon reserviert. Ganz planlos. Mal gucken, wo ich Lust habe anzuhalten. Vielleicht trinke ich sogar irgendwo einen Kaffee?

Die Straße windet sich an Buchten entlang, in den Fischerboote liegen. So stelle ich mir eigentlich Norwegen vor, an seinen flachen Stellen.

Tolles Straßenschild: Achtung, Schaf!

Wirklich malerisch. Rechts das Meer, links Weiden und Wiesen und manchmal auch Berge und schroffe Felsen oder kleine Seen und Weiden.

Der bekannteste Felsen hier ist der Old Man of Storr, eine fast 50 Meter hohe Felsformation, die einfach senkrecht aus der Landschaft ragt und als DIE Sehenswürdigkeit hier gilt. Hier ein Bild von Wikimedia:

CC BY SA Nigel Homer

Besucher kommen von nah und fern, um des alten Mannes Penis anzugucken. Das ist auch heute Morgen so, der (kostenpflichtige) Parkplatz mit den Hinweisschilder ist schon fast voll, als ich dort ankomme.

Was mich dann wirklich davon abhält hier abzusteigen ist aber das Wetter. Der Old Man liegt auf fast 700 Metern Höhe. Da muss man erst einmal hochwandern, aber das würde aktuell auch nichts bringen, denn nur knapp oberhalb des Parkplatzes verschwindet die Welt in tiefhängenden Wolken. Selbst wenn ich mich da hochschleppe, mit meinen immer noch kaputten Füßen, würde ich vermutlich nichts sehen.

Also fahre ich lieber weiter, auch aus dem Sattel des Motorrads heraus gibt es hier genug zu entdecken. Kleine Dörfer, zum Beispiel, deren Häuser weit auseinanderstehen.


Vielleicht heißt die Isle of Skye auch deswegen so, weil der Himmel in steter Bewegung ist. Und manchmal auch mit der Landschaft kollidiert.

Schön sieht das aus, und ich kann schon verstehen, das die mild-verrückte-Nachbarin sagte: „Skye ist Sehnsucht. Einmal da gewesen, habe ich die nie mehr aus dem Kopf bekommen.“

Gerade zieht er sich immer weiter zu. Erst ist die Sonne weg, und eine dichte und sehr tiefe Wolkendecke steht über der Küste, dann beginnt es zu nieseln. Nicht viel und auch nicht stetig, aber doch genug, um unangenehm zu sein.

Weiter im Norden kommt zum Nieselregen eine steife Brise hinzu. Der Wind stürmt über die Küste und drückt das Gras an den Boden. Schafe drängen sich gegen Erdwälle und ducken sich hinter Mauern, um zumindest ein wenig Schutz vor dem Wind zu haben.

Immer wieder scheint zwischendurch die Sonne, dann nieselt es wieder. Genauso hatte ich mir Schottland vorgestellt, und ich bin im Nachhinein nochmal extra froh den neuen Fahreranzug gekauft zu haben – der hält Niesel und kleine Schauer auch so aus.

🤢🤮

Die Straße ist fast durchgehend gut, und da ich allein bin und mit gemächlichem Tempo zockeln kann, ist es fast ein wenig einlullend. Anhalten mag ich aber nirgendwo länger, und die Cafés und „Künstlerstuben mit Tearoom“, von denen ich mehrere sehe, haben noch nicht geöffnet. Künstler schlafen gerne lang.

Nach einer ausgiebigen Runde über die Insel komme ich wieder an der Skye Bridge an. Jetzt ist das Wetter wieder gut, und nun begegnen mir zahlreiche Motorradfahrer.
Gutes Timing, ich hatte die Insel fast für mich allein und konnte sie in meinem Tempo umrunden. Wenn jetzt die Massen einreiten, stört mich das nicht mehr.

Britische Motorradfahrer heben übrigens nicht die linke Hand zum Gruße, was man ja wegen Linksverkehr schlecht sehen würde, sondern klappen den Kopf ruckartig zu einer Schulter hin ab. Merkwürdig sieht das bei manchen aus, als hätten sie im Fahren eine Dachlatte an den Helm bekommen, oder einen Schlaganfall.

Nun habe ich ein Problem: Zeit.
Und zwar zu viel davon. Unglaublich, aber wahr.

Lediglich rund vier Stunden habe ich für die 250 Kilometer über die Isle of Skye gebraucht, und wider Erwarten habe ich keinen Ort gefunden, an dem ich mal absteigen und ihn genauer hätte erkunden wollen. Das lag natürlich vor allem am Wetter, wenn es stürmt und regnet lässt man nicht das Motorrad stehen und geht spazieren.

Aber nun ist es erst kurz nach 13 Uhr, und die heutige Unterkunft öffnet frühestens in drei Stunden.

Na gut, kann ich ja nochmal tanken, denke ich und steuere die 20 Kilometer entfernte Jet-Tankstelle an, wo ich auch gestern schon getankt habe. Statt des erhofften Benzins kommt aus der Zapfpistole aber – nüscht. Ein japanisches Ehepaar ist an der Nachbarsäule ebenso irritiert wie ich. Die Tankstelle hat wohl sonntags geschlossen, das steht nur nirgends. Sowas hatte ich ja gestern schon befürchtet und deshalb noch mal getankt, aber seitdem sind schon wieder über 300 Kilometer hinzugekommen.
Also zurück nach Kyle. Auch die dortige Gulf-Tankstelle hat geschlossen, aber immerhin nehmen die Automatenzapfsäulen Kreditkarten. Zumindest in der Theorie, in der Praxis mag die Säule meine VISA-Kreditkarte nicht und quittiert die mit einem „Invalid“.

Hm. Tolle Wurst. Und nu?

Vielleicht ist der Automat einfach kaputt, das kann natürlich sein. Abseits davon passiert es aber immer wieder, dass Kreditkarten nicht funktionieren. In kleinen Geschäften in Deutschland ist das häufig Absicht, weil die die Abgaben an die Kreditkartenunternehmen nicht zahlen wollen. In Südeuropa kommt es an Tankstellen oft vor, das nichts funktioniert, weil man dort auf landesspezifische Debitkarten ausgelegt ist (wie bei uns die Girocard, bekannt unter dem nie aussterbenden Namen „EC-Karte“). Und manchmal kommt es auch vor, dass nur bestimmte Kreditkarten funktionieren, andere aber schon. Amex und American Express can man in Europa praktisch vergessen, VISA und Mastercard ist dagegen gern gesehen, aber manchmal nur eine davon. Welchen Fall haben wir wohl hier?

Ich greife in meinen Stiefel und ziehe die Reservekarte hervor, die ich extra für Fälle wie diesen hier habe. Eine Mastercard. Endlos lange rödelt der Automat auf der Karte rum, verlangt dann die PIN, rödelt noch länger um die PIN zu prüfen, und dann, endlich, kommt die Freigabe: Für 100 Pfund habe ich Kredit, der goldene Saft beginnt in den Tank zu strömen. Erleichtert tanke ich die Suzuki voll, wenn auch nicht für 100 Pfund, dann lenke ich sie zurück auf die Straße und gen Norden.

Ich habe beschlossen: Es ist mir egal wenn ich zu früh dran bin, ich steuere jetzt die Unterkunft an. Ich bin ein wenig ungeduldig, denn ich will den Weg dahin hinter mich bringen. Der birgt noch ein wenig Spannung, denn die Unterkunft liegt in einem schwer zugänglichen Gebiet, in einer Bucht, die von hohen Bergen geschützt wird.

Der Weg dahin führt über den Applecross-Pass. Das ist der höchste Pass Schottland, worauf mich vorgestern erst Suse hinwies, als ich vorgestern in den sozialen Medien über den Hardknott runheulte.

Applecross, so Suse, ist auch eine steile Single-Track-Road, die ihre erstaunliche Höhe fast komplett auf die letzten Kilometer gewinnt. Außerdem erzählte Suse von Wohnmobilen, die sich da als rollende Hindernisse hochkämpfen.

Boah, echt jetzt? Schon wieder so ein Gewürge wie am Hardknott? Und ich kann mir vorstellen, dass dieser Pass auf einen Sonntag äußerst beliebt ist. Also, bringen wir das Elend hinter uns.

Es geht an der Küste entlang, und das ist genauso schön anzusehen wie die Isle of Skye: Auf der einen Seite Meer, auf der anderen grüne Hügel. Die Küste hier ist total zerfrettelt, mehr als einmal denke ich, ich fahre im Landesinneren an einem See entlang, nur um dann festzustellen, dass es doch wieder ein Loch ist, das mit dem Meer verbunden ist.

Ein Loch ist entweder ein Süßwassersee, ein besonders breiter und langsam fließender Flußabschnitt oder ein Meereseinschnitt, der bis tief ins Land reichen und stellenweise wie ein Fjord aussieht. Schotten sind anscheinend faul effizient und nennen einfach jede größere Ansammlung von Wasser „Loch“.

„Loch“ sprechen die Schotten übrigen wirklich aus wie die Deutschen, und nicht – wie ich immer dachte – „Lock“. Aber anscheinend können wirklich nur Engländer kein „CH“ aussprechen, Schotten haben damit kein Problem.

Hinter Loch Carron und Loch Kishorn geht es auf Berge zu. Die sehen fast aus wie ein Canyon aus einem Westernfilm, aber sie sind nicht rot, sondern grün.

Die Bergkette ist ordentlich und es braucht nicht viel Fantasie um zu glauben, das hier der höchste Pass Schottlands liegt. Ein Schild am Fuß des Passes warnt vor Single Track und Hair Pin-Kurven, und dass der „Not suitable for beginners“, „nichts für Anfänger“ sei. Haha, schlimmer als der Hardknott kann es auch nicht werden. Also bringen wir es hinter uns, je eher desto besser.

Erstaunlicherweise ist die Straße fahrerisch dann völlig anspruchslos. Die Barocca legt sich in die moderaten Kurven, und ich habe immer ein Auge auf entgegenkommenden Verkehr und eines auf die Aussicht. Aus den Bergen kann man hinab auf kleine Orte mit Trockendocks für Schiffe schauen, und weit übers Meer.

Tiefer und tiefer geht es in die Berge. Wolken hängen an den Gipfeln, aber die Straße bleibt harmlos.

Zumindest so lange, bis ich – laut Anna – kurz vor dem Pass bin. Plötzlich erhebt sich, einem Bollwerk gleich, ein Felsmassiv. Wie eine senkrechte Wand steht das am Ende des Tals, und über mir kann ich sehen, wie sich die Straße in Haarnadelkurven im Zickzack daran entlangzieht. Diese Wand da in Game of Thrones, die die Black Watch verteidigt? Das könnte im Sommer diese Wand sein.

Da die Steigung der Straße entlang der steilen Wand aber nicht krass ist und die Fahrbahn recht breit, ist das kein Problem. Gerade im Vergleich zum Hardknott ist das hier ein Stück Kuchen.

Erst kurz vor dem Gipfel wird es tatsächlich haarig, weil von oben mehrere Autos kommen. Der Fahrer eines Range Rovers sieht mich und hält mitten in der Innenseite der Kehre an.

Das ist an sich bescheuert, aber so hätte ich wenigstens genug Platz um um den Geländewagen herumzufahren. Wenn, ja wenn nicht der Schlaubi-Schlumpf hinter dem Geländewagen sich offensichtlich denken würde: „Ach, der Wagen vor mir hält an. Der will offensichtlich hier parken, na dann fahre ich mal außen um ihn rum.“ So erwischt er mich fast, als ich um die Kehre fahre.

Um den herum komme ich nicht, und um aus Schlaubis Bahn zu kommen, muss ich in der Kurve geradeaus fahren. Das geht, weil an der Außenseite der Kehre ein Feldweg beginnt.
Der Range Rover hupt Schlaubi wütend an, und als beide Autos weg sind, lasse ich die V-Strom aus dem Feldweg zurück auf die Straße rollen und nehme wieder Kurs auf den Gipfel. Mein Puls hat sich um keinen Schlag erhöht, ich wundere mich nur etwas über die Gesamtdoofheit der Situation.

Ansonsten ist der Applecross easy zu fahren. Das liegt vor allem daran, dass die Kehren gut einsehbar sind. Anders als am Hardknott kann man sehen, ob von oben etwas kommt, und muss nicht im Blindflug durch die einspurigen Kehren fahren.

Im Höhenprofil des Tages sieht man sehr schön, wie schnell die Passstraße ansteigt.

Oben auf dem Pass stoppe ich die Suzuki. „Bealach na Ba“ heißt der Pass eigentlich, aber ich finde Applecross schöner, schon allein, weil ich das aussprechen kann.

Leider ist aufgrund von Wolken nicht viel von der Landschaft zu sehen, also muss ich das Motorrad fotografieren.

Die Straße führt auf einem Bergkamm entlang und dann hinab in ein dreieckiges Tal.

Das wird von zwei Seiten von den hohen Bergen eingerahmt, und die dritte Seite vom Meer.

In dem Tal ist nicht viel – einige Häuser, und zum Talende hin ein Wäldchen. Dort fahre ich hin und finde nach einiger Zeit die Einfahrt zu Hartfield House, einer alten Schule, die jetzt ein Hostel ist.

Die V-Strom darf ich direkt vor dem Eingang parken. Sehr gut!

Wie bei Ali zu Hause…

Gemeinschaftsklo, Gemeinschaftsdusche, Gemeinschaftswohnzimmer, Gemeinschaftsküche. Eigentlich kann ich das nicht ausstehen, aber immerhin kostet das hier nur rund 50 Euro und damit ein Drittel von dem, was andere Unterkünfte auf der anderen Seite der Berge verlangen. Und zumindest das Wohnzimmer ist auch ganz gemütlich.

Die Küche und der Speisesaal versprühen dagegen den Charme einer Behördenkantine.

Originell ist das „nachhaltige“ Klopapier der Marke „Who gives a Crap“ – „wen kümmert´s“ trifft es als Übersetzung nicht wirklich.

Ich bin einer der ersten Gäste heute und kann deshalb ganz allein die Gemeinschaftsdusche nutzen und dann in Ruhe das Sandwich zu Abend essen, das ich auf dem Herweg im Coop von Kyle gekauft habe.

Autos fahren vor, Motorräder knattern heran. Die Gemeinschaftsräume füllen sich langsam mit anderen Reisenden, und ich gehe stiften und wandere ein wenig das Tal von Applecross hinauf.

Woah, ist das schön hier. Ich wühle im Rucksack, und kurz darauf hebt die Pica, die kleine Mavic Air, ab und surrt davon in den blauen Himmel. Sie macht einige wirklich schöne Bilder. Teils mit der Isle of Skye im Hintergrund, die sich schon wieder halb in den Wolken versteckt.

Am Abend kehre ich zum Hartfield House zurück. Familien sind hier mittlerweile eingekehrt. Amerikanerinnen kochen lautstark in der Gemeinschaftsküche und ich höre im Vorbeigehen, wie sie allen anderen die Welt erklären. „And now you want to…“

Ich sehe noch einmal nach der V-Strom, als mich eine junge Frau anspricht. „Got Oil? Engine lamp flared. Rental advised to add oil“, sagt sie und zieht nervös an einer Zigarette.

„Nee“, sage ich, „Ich hab kein Öl.“ Das ist zwar gelogen, aber der halbe Liter 10W-40 würde ihr auch nicht helfen. Ihr Mietwagen hat was ernsthaftes, dem ist mit meinem Reserveöl auch nicht geholfen, die soll sie mal lieber den Service rufen. Das mit dem Service sage ich ihr auch. „No Signal“, sagt sie. Das stimmt. Ist hier völlig isoliert. Aber morgen kann die Crew des Hostels helfen.

Später kann ich lange nicht einschlafen. Das liegt aber weniger an innerer Unruhe als vielmehr an den beiden Amerikanerinnen, die im Raum nebenan lautstark telefonieren und die durch die dünnen Wände trotz Ohrenstöpsel zu hören sind, und denen auch Klopfen oder ein herzlich gebrülltes „SHUT THE FUCK UP!“ nichts sagt. Ich weiß schon, warum ich Hostels nicht so dolle mag.

Tour des Tages: Von Kyle of Lochalsh eine herzförmige Tour über die Isle of Skye, dann einen Abstecher nach Südosten zu einer (geschlossenen) Tankstelle, dann zurück nach Kyle und von dort am Meer entlang, über den Applecross-Pass bis Hartfield House. 340 Kilometer.

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Kategorien: Motorrad, Reisen | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Reisetagebuch (9): A Head Full of Skye

  1. Geile Ecke! Muss ich mal hin! Danke für Deine Mühen!

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  2. Gut zu wissen, dass eine Runde über die Isle of Skye nicht lange braucht. Die Gegend steht nächstes Jahr auch auf dem Plan, aber habe es auch nur als Abstecher ohne Zwischenhalt einbezogen. Wanderungen bleiben auch eher aus, wegen Begleitung. 😉

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  3. Nach einer Woche in 2016 auf Skye und zahlreichen Youtube-Videos über Skye später, brauche ich vermutlich 4 Wochen statt 4 Stunden beim nächsten Besuch 😀

    Gefällt 1 Person

  4. Warum gehst du in einem Fall wie bei den nervtötenden Amis nicht einfach rüber und bittest darum, dass sie leiser sind. Dafür muss man sich nicht mal sonderlich ankleiden, Unterhose und Shirt und genervt-leidender Gesichtsausdruck reicht. Bei Bedarf mit dem Hinweis, dass ihr alle Gäste seid und es in Europa üblich ist, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen als in den Staaten… 😎

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  5. Ali

    „wie bei Ali“ trifft es, weil das Wohl der Nachkommen von den Flugsauren mir sehr am Herzen liegt.
    Biete reichlich Futter und eine kostenlose Bleibe gegen Schädlingsbekämpfung und Gesang.

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  6. Max: Durchflug geht ganz gut 😉 Auch wenn wochenlang wandern dort bestimmt auch voll schön ist, da kann ich
    Stefan Offermann (@st3fan_de) schon verstehen.

    @Marcus: Kennst Du diese Stimmen, wo Du ganz genau weißt: Wenn ich die Person jetzt anspreche, dann wird das kein kurzer Austausch, sondern eine lange Diskussion um Lautstärken, Wandstärken, Uhrzeiten und generelles „Stellen Sie sich nicht so an, sie sind nicht allein auf der Welt“? Diese Karens? (Beiderlei Geschlechts) – das war so eine. Und mit Wut und hohem Blutdruck lässt sich dann noch weniger einschlafen. Nicht rüberzugehen war Selbstschutz.

    Ali: Deine Untermieter wohnen auch immer noch im Briefkasten?

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