Reisetagebuch (12): Philips (recht dummer) Gemüsegarten

Tour mit der V-Strom durch Frankreich, England, Wales und Schottland. Heute mit zwei Tagen zum Preis von einem!

Mittwoch, 13. Juli 2022, B&B Impala, Wick, Schottland

Der Frühstücksraum im „Impala“, dem Springbock B&B, ist frisch renoviert. Monteure sitzen mit miesgelaunten Gesichtern an den Tischen. Wenn ich es nicht eh´ schon wüsste, spätestens jetzt wäre klar, dass ich hier richtig bin. Monteure übernachten dort, wo die Betten gut, die Preise günstig und das Essen reichlich ist. Genau das, was ich auch von einer guten Unterkunft erwarte, und Ex-Nurse Julie und ihr Impala enttäuschen mich nicht.

Nach dem Frühstück schwinge ich mich auf die V-Strom und fahre von Wick aus die Ostküste der Highlands hinunter.

Bei Helmsdale biege ich ins Landesinnere ab und folge dem gleichnamigen Flusstal. Das führt wieder direkt in die Highlands hinein, und nach einer Stunde erreiche ich wieder den Ort Kinbrace. Dort kreuzen sich zwei Straßen, und genau dort ist eine Baustelle, an der ich gestern wieder umgedreht bin. Heute sehe ich die Absperrung von der anderen Seite und kann weiter nach Westen fahren.

Wieder zieht mich die Landschaft mit ihren weiten Grasflächen und den sanften Hügeln in ihren Bann.

Die Wappenpflanze von Schottland ist übrigens die Distel:

Es gibt hier wirklich nicht viele Straßen, weshalb ich nach kurzer Zeit wieder im Tal des Flusses Naver bin, mit dem Gedenkstein für die ethnischen Säuberungen der Highlands.

Die V-Strom folgt der Straße durch die Highlands, die bald durch dieses Tal führt und bald an jenem See entlang und dann um einen Berg und dann… kommen wir wieder an einem Ort heraus, den wir schon kennen: Ullapool, an der Westküste!

Wir sind echt von Ost nach West einmal durch kreuz und quer durch die Highlands gegurkt, und es ist nicht mal Mittag! Die legendären Highlands, sie sind nach motorisierten Maßstäben nicht groß.

Ich tanke noch einmal bei Jet, wo mich vorgestern der Postbote ange-OI!-t hat, dann nehme ich wieder Kurs auf die Ostküste.

Unterwegs beginnt es wieder zu stürmen und zu regnen und es wird verdammt kalt. Das erinnert mich daran, warum ich das Konzept „separate Regenklamotten“ so mag. Satteltasche auf, Regenhose und Jacke an, und schon bin ich vor dem Wetter geschützt und mir ist gleich viel wärmer. So lässt sich das dramatische Wetter doch gleich viel besser angucken, und der Dreck der Autos, die ich überhole, ist gleich viel weniger schlimm. Ja, der heutige Tag war nur zum Fahren durch die Highlands gedacht, und dieses Tagesziel habe ich erreicht.

Eigentlich hätte ich nun nahe Inverness übernachten wollen. Aber das Hotel hat leider abgesagt – wegen Covid. So fahre ich durch die Hauptstadt der Highlands nur durch.


Die nächste halbwegs bezahlbare Unterkunft mit einem Parkplatz habe ich in Inverurie gefunden, was fast vor Aberdeen liegt. Die letzten zwei Stunden bis dorthin sind langweilig zu fahren, weil es nur zwischen Feldern hindurch geht, und als ich nach fast zehn Stunden im Sattel und 467 Kilometern endlich im „Kintore Arms“-Hotel ankomme, bin ich schon rechtschaffend müde.

Auf dem Parkplatz hinter dem Hotel stehen Fahrzeuge von Monteuren. Hier bin ich richtig!

Dummerweise hat weder das Hotelrestaurant geöffnet noch die kleinen Läden entlang der Hauptstraße, so dass ich am Ende in einem Tescos ein Abendessen einkaufen muss. Wieder einmal erstaunt mich die gigantische Auswahl von Supermärkten im Ausland. Was es hier alles gibt! Dagegen kommen mir selbst die größten Lebensmittelmärkte in Deutschland vor wie Krämerläden. Und was es hier für Schweinkram gibt! Käsekuchen mit Toblerone! LECHZ!

Toblerone-Joghurt?! 😍


Mit einer Packung japanischer Gyozas kehre ich zurück in mein leicht skurriles Hotelzimmer.

Das hat rundherum keine Fenster, nur ein elektrisches Dachfenster. Sehr seltsam und gleichzeitig rundherum geschützt fühlt sich das an.

Tour des Tages: Vom Wick nach Helmsdale, von dort durch die Highlands bis Ullapool, dann nach Südosten bis Inverness und von dort nach Inverurie. Fast 10 Stunden und 467 Kilometer.


Donnerstag, 14. Juli 2022, Kintore Arms Hotel, Inverurie, Schottland

Der Speisesaal des Elgin Kintore Hotels ist alt-ehrwürdig und typisch britisch, so wie auch das Frühstück. Es gibt Porridge, mal wieder. Die in Milch und Wasser aufgekochten Haferflocken sind lecker und geben viel Energie. Es sind nur zu wenig Rosinen drin, genauer gesagt: Gar keine. Dabei weiß doch jeder, das ALLES mit Rosinen besser wird. Und was mit Rosinen nicht besser wird, wird besser mit Kapern. Rosinen oder Kapern machen alles besser.

„Und, wo geht´s hin?“ spricht mich auf dem Weg zum Parkplatz ein Paar auf deutsch an. Er trägt Hemd und Faltenhose, sie ein geblümtes Sommerkleid und dazu Schmuck – „Die haben sich fein gemacht“, würde man bei uns auf dem Dorf sagen.

„Vermutlich genau dorthin, wohin auch sie fahren“, sage ich. Dem ist auch so, als ich die V-Strom nach Westen aus Inverurie heraussteuere, ist der Mietwagen des Paares vor mir und bleibt das auch über viele Kilometer, bis ich ihn aus den Augen verliere.

Die Straße windet sich nach Westen und auf Berge zu. Das ist der Cairngorms Nationalpark.

In einem kleinen Tal zwischen zwei Bergrücken liegt der kleine Ort Ballater, und unmittelbar nach dem wird meine Geduld und die aller anderen auf eine harte Probe gestellt. Die Straße ist dick mit Rollsplit eingezuckert, und Schilder mit dem Hinweis „Skid Danger“ weisen auf die Gefahr hin und beschränken die Geschwindigkeit. Aber NUR für Motorräder und auf zehn-verdammte-Meilen pro Stunde. In echter Geschwindigkeit sind das 16 km/h – knapp über Schrittgeschwindigkeit.

SECH-ZEHN-KILOMETER-PRO-STUNDE? Und das soll ich fahren? Auf einer Landstraße, auf der alle anderen 80 fahren dürfen und die zwar zweispurig ist, die sich aber unübersichtlich und kurvig durch einen Wald zieht? Dummerweise habe ich keine große Wahl. Der Rollsplit IST gefährlich, und Schilder und Anna weisen darauf hin, dass hier geblitzt wird. Was für eine verdammte Scheiße.

Mit Tempo 30 eiere ich durch die Kurven, hinter mir eine lange Schlange aus PKW und LKW, die gelegentlich hupen. Natürlich gibt es hier keinen Seitenstreifen und keine Haltbuchten, sonst würde ich die armen Schweine hinter mit vorbeilassen. Aber so ist die Barocca Anführerin einer sehr langen und sehr langsamen Blechschlange, die sich durch den Wald und dann am Fluß Dee entlang bewegt.

Ich bin froh, als ich endlich von der Landstraße runter und auf einen Parkplatz abbiegen kann. Hier stelle ich die V-Strom ab. Der Parkplatz ist bewirtschaftet, aber völlig unklar ist, ob das Motorrad hier einen Parkschein benötigt. Ich ziehe zur Vorsicht einen, dann schließe ich den Helm weg und wandere über eine Brücke aus Stein und Stahl, die den Dee überspannt. (Anm.: den letzten Halbsatz muss man fast mehrfach lesen, oder?)

Ein Gedenkstein für Piloten der Royal Air Force steht am Wegesrand.

Die Straße führt auf ein großes Haus aus grauem Stein mit mehreren Türmchen und Anbauten zu.

Das ist nur das Eingangshäuschen zum Grundstück. Wessen Ländereien das hier sind, machen die Buchstaben in dem schmiedeeisernen Tor neben dem Haus klar: GR und MR stehen für George Rex und Mary Regina, King George V und Queen Mary.

Das hier ist Balmoral, das Sommerhaus der Royals.

Ich habe mir vorab ein Onlineticket für genau heute, den 14.07.22 um 10:00 Uhr gebucht. Vorteile hat das aber keine, weder kann ich die kurze Wartschlange vor dem Eingangshaus überspringen noch komme ich um einen Besuch am Anmeldetresen herum. Dort wird das Ticket gescannt, dann bekomme ich eine Karte des Anwesens ausgehändigt und den Hinweis, das ich mir einen Audioguide auf´s Handy laden kann. Das habe ich vorab schon getan, die offizielle „Balmoral Castle“-App gibt es im App- und im Playstore.

Ich pfriemele meine Ohrhörer aus der Jackentasche und starte den Guide, dann wandere ich den vorgegebenen Weg entlang, weg vom Tor und hinein in einen Wald.

Der Sage nach fuhren um 1850 Königin Victoria und Prinz Albert hier vorbei. SIE machte eine Bemerkung wie nett sie das kleine Schlößchen bei Balmoral fand, und ER kaufte es ihr.

Romantisch, aber Ddas stimmt so nicht. Tatsächlich machten Queen Victoria und ihre Familie in den 1840er Jahren regelmäßig in Schottland Urlaub, und beklagten sich ebenso regelmäßig über das regnerische Wetter, das ihnen auf die Atemwege und in die Knochen schlug.

Der Leibarzt der Queen empfahl daraufhin die Berge um den heutigen Cairngorms Nationalpark als Urlaubsziel, da dort die Niederschlagsmengen geringer seien. Zufällig hatte ein befreundeter Adeliger just eine Liegenschaft in den Cairngorms gemietet, wollte da aber gar nicht hin.

Prinz Albert kaufte sich für einen Appel in die Restlaufzeit des Mietvertrags ein. Nachdem man zwei Jahre Urlaub in Balmoral machen konnte ohne jeden Tag quatschnass zu werden, kauften nach Ablauf der Mietzeit Victoria und Albert das Anwesen für schlappe 32.000 Pfund (was heute 3,6 Millionen Pfund wären).

Balmoral Castle ist damit eines der ganz wenigen Häuser, das wirklich Wohneigentum der Windsors ist und nicht der Krone gehört. Da Balmoral vererbt wurde, gehörte es nach Victoria zunächst Edward dem VII, dann George dem VI, dann Elizabeth II und heute König Charles dem viertelvorzwölften.

Prinz Albert mochte Balmoral, weil es ihn an die Landschaft seiner Heimat in Thüringen erinnerte. Victoria lobte das ursprüngliche Haus von Balmoral und verkündete, dass man nichts daran ändern wolle, es allenfalls behutsam restaurieren und vielleicht ein klein wenig zu erweitern, aber das schottische Erbe, voll wichtig, das sollte bewahrt werden.

Dieses Versprechen wurde dann recht schnell über Bord geworfen. Kaum hatten die Windsors den Kaufvertrag unterzeichnet, flogen sie Architekten ein und starteten massive Baumaßnahmen.

1851 organisierte Albert die Große Ausstellung, die allererste Weltausstellung, die dafür im eigens errichteten Kristallpalast abgehalten wurde. Das war eine schmiedeeiserne Konstruktion, die Albert so cool fand, dass er so etwas auf Balmoral als Ballsaal bauen ließen, worauf die Dinger total in Mode kamen. „Viktorianische Wintergärten“ mit ihren verschnörkelten Metallkonstruktionen? Die kommen exakt hier her.

1853 wurde begonnen ein neues Haupthaus zu bauen, und von wegen „behutsame Erweiterungen“ – gerade Albert tobte sich so richtig aus und fügte hier noch einen Anbau hinzu und machte dort die Decken höher und plante dort noch einen Erker und ergänzte hier noch drei Türmchen, bis das neue Haus fast aussah wie Neuschwanstein.

Während der Bauphase kam es zu Arbeitsniederlegungen, weil den Arbeitern nur ein Hungerlohn gezahlt wurde und sie in provisorischen und undichten Hütten wohnen mussten. „Die Arbeiter streiken, wie es heutzutage wohl Mode ist“, notierte Victoria mild amüsiert in ihrem Tagebuch. Nach der Fertigstellung wurde das alte Haus sofort abgerissen – schottisches Erbe, am Arsch.

Während des Neubaus wurde auch das Grundstück umgestaltet. Ein Ziergarten wurde genauso angelegt wie ein Wald mit Koniferen, Platanen und Eichen.

Durch diesen, etwas untypischen Wald laufe ich nun, auf einem breiten und asphaltierten Weg. Der Audioguide weiß, dass Albert nach Fertigstellung von Balmoral nicht besonders viel Spaß an der Jagd hatte und auch kein guter Jäger war, aber dennoch eisern immer wieder in den Wald marschierte um Schrot in die Luft zu ballern – teils, weil er als Königingemahl sonst nicht viel zu tun hatte, teils, weil seine Victoria meinte, ein Royal müsse nun mal jagen können.

Erlegtes Game kam in den Deer Larder, ein kreisrundes Kühlhaus, rundherum mit Geweihen geschmückt.

Ich komme an einen Gemüsegarten – und muss lachen. Nicht nur wegen der Besucherincentive, die allen Ernstes „Corgi-Challenge“ heißt…

…sondern weil die Geschichte, wie dieser Garten hier entstanden ist, wirklich absurd ist.

Der Audioguide verrät, das Prinz Philip, der Mann von Elizabeth II, für den verantwortlich ist. Er beklagte sich ständig darüber, das er auf Balmoral nur schlaffes Gemüse bekam, das konnte er nicht ausstehen.

Dass das Gemüse leicht welk war, wenn es auf seinem Teller lag, hatte seine Ursache schlicht darin, dass es in den königlichen Gärten gezogen und wurde, im 170 Kilometer entfernten Edinburgh, und dann nach Balmoral transportiert wurde.

Das hielt Philip für dämlich und verlangte, das Gemüse vor Ort angebaut wurde. Eigentlich sinnvoll.

Nun war der gute Mann aber ebenso raubatzig wie weltfremd. Statt jemanden zu fragen, der sich damit auskennt, und dann evtl. Gewächshäuser zu bauen oder einen Garten neu anlegen zu lassen, polterte er los, das man ja einen Gemüsegarten habe, der sei nur am verkehrten Ort, und die Lösung sei ja ganz logisch: Man müsse ja nur den Garten in Edinburgh ausbuddeln und hier wieder eingraben! Dem Duke of Edinburgh wagte niemand zu widersprechen, und so geschah es, das eine Legion Gärtner alle Pflanzen in Edinburgh aus- und auf Balmoral wieder eingrub.

Philipp ließ sich für seine Idee feiern, und über die Tatsache, dass auch wenn es in der Folge signifikant weniger Gemüseauswahl gab, wurde nicht gesprochen.

Der Grund dafür: Der Gemüsegarten ist an einer Stelle angelegt worden, wo Berge und Wälder viel Schatten werfen. Und: In den Cairngorms ist der August der einzige Monat, der garantiert frostfrei ist, in jedem anderen Monat kann der Boden und damit das Gemüse einfrieren. Wir fassen zusammen: Die Aktion war in Summe ultradämlich, machte sau viel Arbeit, hinterliess einen Krater in Edinburgh und funktionierte als Gemüsegarten in Balmoral ziemlich genau gar nicht. Aber das sind so Details, mit denen befasst sich eine königliche Hoheit halt nicht. Philip, a stable Genius.

Hinter dem Gemüsegarten schließt sich ein Gewächshaus mit Orchideen an, danach eine Rasenfläche. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Gebäude.

In einem Bogen führt der Weg auf das Haupthaus zu, vorbei an Cottages der Jagdaufseher und entlang Orte, an denen Fotos der Windsors angebracht sind. Hier saßen sie mal auf einer Picknickdecke, dort stehen noch morsche Balken, wo Anne und Charles früher eine Schaukel hatten.

Das Haupthaus ist aus grauem Granit gebaut. Über dem Dach weht die Flagge der schottischen Krone, ein roter Löwe auf gelbem Grund. Das bedeutet: Die Queen ist gerade nicht hier. Lange kann es bis zu ihrem Eintreffen aber nicht mehr dauern, jedes Jahr gegen Mitte Juli kommt sie nach Balmoral, um hier den Sommer zu verbringen.

In einer Ecke des Hauses ist eine Garage eingelassen. Darin steht ein Vierspänner.

Ein versenkter italienischer Garten ist unter dem Schlafzimmerfenster der Queen eingelassen. Das Konzept, Gärten quasi zu verbuddeln, habe ich nie verstanden.

Um eine Ecke herum geht es dann ins Haus, und hier werden Besucher sehr eingeschränkt. So weit man auch über die Ländereien wandern kann, vom Inneren von Balmoral Castle darf man nur einen Ballsaal besuchen. Hier rein, da raus, Fotos machen verboten. Gut, dazwischen kann man ein wenig die Deko bewundern. der Ballsaal ist zwei Stockwerke hoch, von der Grundfläche im Verhältnis aber recht klein. An einem Sims knapp unter der Decke hängen Geweihe. Ein Schild informiert, das Zwölfender „royal“ genannt werden, und die seltenen achtzehnender „imperial“.

Im Saal sind verschiedene Kleider der Queen ausgestellt. In einer Ecke steht der „Bond“-Aston-Martin aus „Goldfinger“ im Maßstab 1:4. Den haben Ingenieure und Meister von Aston Martin handgebaut, als Geschenk für Charles. Ein Schild informiert, dass der Wagen elektrisch mit bis zu 25 km/ fährt, und das die Geheimausstattung inkl. ausklappender Maschinengewehrattrappen wirklich funktioniert, Charles aber nie Lust darauf hatte, mit diesem Meisterwerk zu spielen.

Verlässt man den Ballsaal auf dem Besucherweg, steht man schon wieder im Freien. Hier verlaufe ich mich erst einmal, finde dann aber doch den Weg zu den königlichen Garagen. Extra für die Royals gebaute Wagen stehen hier, wie der Range Rover „Jumbo“, der nur gebaut wurde um mit eine ganze Familie samt Dienern bequem über die Ländereien zu schaukeln.

Oder ein Picknickanhänger, der links und rechts über ausziehbare Tische und Fächer verfügt.

Oder Feuerwehrgerät:

Der Audioguide verrät noch, dass das Personal auf Balmoral das ganze Jahr zu tun hat – so wertvolle Arbeiten wie Bilder abnehmen und Einpacken, sobald die Royals wieder weg sind, Besteck polieren usw. usf.

Am Besucherausgang, der eigentlich das Haupttor und damit der Eingang für die Prominenz ist, gibt es einen Geschenkshop.

Merchandise mit dem Wappen von Balmoral, Plüsch-Corgies und allerlei sehr, sehr teuren Tand. Überall hängen schon Plakate, dass auf das 70jährige Thronjubiläum der Queen hinweisen. Noch weiß niemand, dass sie in knapp ziemlich genau zwei Monaten sterben wird – hier, auf Balmoral. Von der diesjährigen Sommerreise wird sie nicht wieder zurückkommen.

Ich wandere durch den Wald am Dee entlang und wieder zurück zum Motorrad. Wir haben heute noch eine weite Strecke vor uns.

Aber erstmal geht es laaaaaaangsaaaaaam von Balmoral wieder weg, weil auch dem Weg in die andere Richtung „Skid Danger“ ist und ich nur 16 km/h fahren darf. Das ist Höchststrafe!

Ich fahre deutlich schneller, komme mir aber echt vor wie vorgeführt. Als die Geschwindigkeitsbegrenzung für Motorräder endlich aufgehoben wird, gebe ich Gas und genieße die Straße. Die führt mitten durch den Cairngorms Nationalpark, und das ist noch einmal Schottland vom Feinsten. Die Straße führt zwischen baumlosen Bergen hindurch, und ich bin wieder mal völlig fasziniert von dieser Landschaft.

Auf Höhe von Dundee geht es aus den Bergen hinaus und dann an der Berglinie entlang, die den Beginn der Highlands markiert. Die Straße schwenkt nach Osten, Richtung Firth of Forth, und an dessen Westende liegt Falkirk.

Hier mache ich einen Abstecher zu den „Kelpies“. Das sind zwei dreißig Meter hohen Skulpturen aus rostfreiem Stahl, die sich aufbäumende Pferde zeigen. Also, eigentlich nur ihre Köpfe, aber die erstaunlich Lebensecht. Kelpies sind schottische Seepferdchen, denn der Sage nach leben diese Pferde unter Wasser. Das erklärt, weshalb die Skulpturen aus Wasserbecken emporragen, in dem heute sogar Leute baden.

Hartmut Mehdorn, der ehemalige Bahn-Chef, hatte ja den Tick überall gequält aussehende Metallpferde mit Zahnrädern im Körper aufzustellen. Aber keines der Mehdorn-Pferde ist auch nur annähernd so groß wie die Kelpies.

Der Ort ist seltsam gewählt, die Kelpies stehen neben einer Autobahn und am Ende eines Gewerbegebiets. Aber die Leute kommen hier her, flanieren über das Gelände und baden sogar im See zu Füßen der Kelpies, als sei das hier ein Naherholungsgebiet. Eigentlich ist das hier sogar ziemlich überlaufen, und das an einem Wochentag. Schräg.

Ich steige wieder auf´s Motorrad und fahre weiter. Erst parallel zum Wasser am Firth of Forth entlang, dann südlich auf Schnellstraßen um Edinburgh herum, und dann wieder auf eine Landstraße ins Hinterland südlich der Großstadt.

Hier ist wieder alles total ländlich. Mit Trockenmauern und Hecken umrandete Wiesen, kleine Wälder, viele kleine Dörfer.

Der größte Ort hier ist Jedburgh, aber bevor ich den erreiche, führt Anna uns in die totale Pampa. Kleine Dorfstraßen quälen sich Hügel hoch, Hügel runter, an kleinen Bergen entlang und über einspurige Brücken. Nur noch ganz langsam voran. Zehn Stunden bin ich schon unterwegs. Reicht langsam, aber ich bin ja auch gleich am Ziel.

Ah, hier ist schon der Ort Bonchester Bridge. Und da isser schon wieder weg. Verdammt, ich bin echt an meinem Ziel vorbeigerauscht.

Ich stoppe die V-Strom, schaue nach links und rechts, wende und fahre dann auf der rechten Straßenseite zurück. Hm. Irgendwas ist seltsam.

Ah, da ist ja schon der Inn, in dem ich übernachten will.

Irgendwas ist seltsam, aber was… FALSCHE STRAßENSEITE!! Bevor ich reagieren kann, kommt ein Auto um die Ecke vor mir.

Ich greife in die Bremsen, und suche nach einem Weg um das Auto rum. Zum Glück reagiert der Fahrer supergut und legt eine Vollbremsung hin und hupt erst danach. Meine Landsleute machen das ja gerne mal anders herum.

Gefühlt eine Ewigkeit, in Wahrheit aber nur wenige Sekunden, stehen sich Auto und Motorrad gegenüber, dann kurbelt der Wagen um mich herum und ich schwenke wieder auf die richtige Fahrspur. IDIOT IDIOT IDIOT schelte ich mich selbst. Das hätte echt schief gehen können. Und warum? Weil ich zu entspannt und unkonzentriert war. Verdammt, sowas darf nicht passieren – und das war jetzt schon das zweite Mal auf dieser Tour, dass ich in den Gegenverkehr geraten bin! FUCK!

Ich stelle die Barocca auf den Parkplatz des Inns, dann checke ich im „Horse & Hound“ ein.

Auch hier wieder: Alles hochprofessionell, Zimmer gut und groß, und das Beste: Es gibt sehr gutes Abendessen im Haus.

Also: Wenn in UK übernachten, dann in Inns.

Tour des Tages: Von Inverurie nach Balmoral, dann zu den Kelpies nach Falkirk und schließlich nach Bonchester Bridge. 399 Kilometer.

Zurück zu Teil 11: Smooooooooooooo

Nächste Woche in Teil 13: Die Road of Bones in den Borderlands

Kategorien: Motorrad, Reisen | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Reisetagebuch (12): Philips (recht dummer) Gemüsegarten

  1. Sehr schöne Story! Danke und frohes neues Jahr!

    Gefällt 1 Person

  2. Thom

    Du besichtigst ja schon sehr interessante Orte. Schade dass du das Falkirk Wheel direkt in der Nähe der Kelpies übersehen hast. https://de.wikipedia.org/wiki/Falkirk_Wheel

    Gefällt 1 Person

  3. Danke, Lupo, und Dir auch ein guz Nois!

    Thom: Oooooohm, verdammt, das ist mir in der Tats durch die Lappen gegangen! Das hätte ich sonst noch mitnehmen können.

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  4. Eine solch schöne Strecke, danke fürs Mitnehmen;)

    Gute Fahrt

    Tillmann

    Gefällt 1 Person

  5. Dangge!

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