New Gear: Osprey Porter und TomToc Explorer Sling

New Gear: Osprey Porter und TomToc Explorer Sling

Ich mag es, mir Travel Gear anzusehen und gelegentlich, (“aber nur wenn es wirklich sinnvoll ist!”) meine Sammlung zu erweitern – vor allem um Taschen und Rucksäcke. Rollkoffer fallen da nicht drunter, die sind nicht meins. Ich erkenne an, dass die Dinger für ältere Menschen wichtig und gut sind. In der Praxis führen sie aber auch dazu, dass 14jährige Mädchen in Rollkoffern, die größer sind als sie selbst, den Inhalt ihres gesamten Kleiderschranks mit sich spazieren fahren und damit Bahnhöfe und Flughäfen verstopfen. Oder Leute ihre Rollkoffer in drei Meter Abstand hinter sich herziehen, während sie im Schneckentempo vor sich hinzuckeln.

Ich bin lieber schnell und leicht unterwegs und habe damit meinen bevorzugten Reisemodus schon lange gefunden: Mit leichtem Gepäck, das ich möglichst gut handhaben und bugsieren kann. Am Liebsten: Auf Reisen maximal ein Rucksack, der auch als Handgepäck durchgeht, darin zusätzlich ein Slingpack als Tagesrucksack für Ausflüge vor Ort. Bei (den seltenen) Flugreisen begleitet mich daher ein Cabin Maxx XL. Der ist leicht und in seine 44 Liter Inhalt passt alles rein, was ich für eine beliebig lange Reise brauche.

Es gibt aber immer wieder mal Reisen, bei denen leichtes Gepäck nicht ohne weiteres möglich ist. Bei einem Businesstrip müssen nun mal Anzug und Hemden mit, und vor Ort brauche ich dann eine größere Tasche für Notebook und Geschäftskram. Oder bei privaten Städtereisen mit der Bahn – da nehme ich zwar auf der Hinfahrt wenig mit, aber ich schleppe gerne bergeweise Einkäufe zurück nach Hause.

Für solche Gelegenheiten brauche ich ein großes Gepäckstück. In der Vergangenheit war das ein unförmiger No-Name-Wanderrucksack, 2012 für 20 Euro aus einem persischen Hier-gibts-alles-Laden, und der hat mich gut und lange begleitet und ist auch immer noch nicht kaputt.

Später kam etwas hinzu, dass ich wirklich mag, aber selten benutze: Der Osprey Sojourn 60 ist eine Reisetasche, die bei Bedarf wie ein Trolley nutzbar ist oder als Rucksack funktioniert. Das Ding ist aus unkaputtbaren und fantastisch wertigen Materialien. Darüber hatte ich HIER schon einmal geschrieben.

Das Problem mit dem Sojourn war und ist: Das Teil ist wegen seinem wertigen Bau und dem stabilen Schisslaweng richtig schwer. Fast vier Kilogramm bringt das Ding auf die Waage. Richtig gut handhabbar ist es eigentlich nur bei Touren mit dem Auto, wo man nicht weit zu Fuß unterwegs sein oder das Gepäck groß herumwuchten muss. Sehr schade, denn ich mag die ungewöhnliche Form, mit den beiden großen Flappen, die den Rucksack von Links und Rechts umgreifen. Sie schützen das Gepäck, wenn man es aufgeben muss, und man kann mit ihnen die Tasche in Form komprimieren. “Straight Jacket” nennt Osprey das. Aber ach, so sehr ich ihn mag, so selten nutze ich den Sojourn, eben wegen des hohen Gewichts und der Sperrigkeit.

Porter 65
Umso erfreuter war ich, als ich mitbekam, dass Hersteller Osprey nun eine Reisetasche im Angebot hat, die zwar das “Zwangsjacken”-Design beibehält, auf das schwere Trolley-Gestell verzichtet. Das neue Ding nennt sich “Porter” und ist ein… Tja. Wie nennt man das? Dufflebag? Also eine Tasche, die erstmal nur eine Tasche ist.

Gibt es in verschiedenen Größen (30, 46 und 65 Liter Volumen). Mein Porter fasst 65 Liter und damit 5 Liter mehr als der Sojourn, und das obwohl er kleiner und mit 1,8 Kilogramm über zwei Kilo leichter ist als der Trolleyhybrid. Hier links der Sojourn und rechts der Porter.

Der Porter ist aus Recycling-Material. Das ist kein glattes Ripstop-Cordura wie beim Sojourn, sondern ein dickes Gewebe, was sich ein wenig nach Baumwolle anfühlt, aber keine ist. Es ist äußerst stabil und imprägniert, aber in der Farbe “Abyss Black” zieht es Flecken geradezu an. Staub und Schmutz sind darauf deutlich sichtbar, und manchmal bleibt selbst Hautfett nach einer Berührung darauf zurück. Das ist ziemlich Banane.

Neben den Flappen gefällt mir die schlichte, äußere Form. Keine sichtbar herausstehenden Taschen, Netze oder Packriemen.

Was aber nicht heißt, das es die nicht gibt – sie sind nur gut verborgen. Neben einer von außen zugänglichen Tasche für Toiletries und Trinkflaschen gibt es eine Vortasche für Reisestuff, eine Schuhtasche, ein Laptopfach und eines für Reiseunterlagen. Alles so eingearbeitet, dass sie kaum sichtbar sind.

Der Innenraum selbst nimmt am meisten Platz ein. Er öffnet über die gesamte Länge der Tasche, d.h. man muss nicht – wie bei klassischen Rucksäcken – nach Dingen wühlen, die “unten” liegen, sondern kommt an alles ran, was man eingepackt hat. Neben zwei Haltegurten gibt es links und rechts Netztaschen, z.B. für Schmutzwäsche oder Ladekabel oder sowas.

Der Porter hat oben und seitlich Handgriffe und unten eine Halteschlaufe, damit kann man ihn sehr gut handlen und z.B. in Gepäckablagen wuchten. Das gilt nur für Züge, auf Flugreisen geht der ob seiner Größe von L62xB38xT25 nicht mehr als Handgepäck durch.

Verborgen im Material sind Laschen, in die sich bei Bedarf herausziehen lassen und in die ein Tragegurt eingehakt werden kann, um den Porter als Schultertasche zu tragen:

Interessanter ist aber Option 2, denn im Boden des Duffles verbirgt sich ein Rucksack-System:

Die Tragegurte sind sehr bequem, allerdings liegt das Rückenteil glatt am Körper, ist nicht aus atmungsaktiven Material und der Hüftgurt ist schmal und wenig gepolstert. Auch wenn Osprey das anders bewirbt: Der Porter ist kein Hiking-Rucksack. Der taugt nicht zum Wandern. Aber um ihn vom Bahnhof ins Hotel auf dem Rücken zu tragen, dafür reicht das völlig aus, und dafür werde ich ihn nutzen: Für Städtereisen.

Da ich nach wie vor keine Werbung für Taschenhersteller laufe, ist mein Porter 65 schon debranded. Statt dem Herstellerlogo prangt die N7-Klassifikation für “Erstklassige Ausrüstung” auf der Außenseite. Ein Gag für Nerds, aber der Porter hat die Auszeichnung verdient.

TomToc Sling Explorer A54
Gerade bei Städtreisen ist ein kleiner Tagesrucksack unersetzlich. Wasserflasche, Notebook und Zeugs müssen ja irgendwo hin. Idealerweise wird das Daypack in oder am normalen Gepäck befördert. Der Porter hat unter den seitlichen Flappen ein System, mit dem sich Tagesrucksäcke der eigenen Marke geschützt und auf der Außenseite befestigen lassen. Eine Kombination mit einem Osprey-Rucksack liegt also nahe.

Ich bin allerdings ein großer Fan von Sling Packs, also Rucksäcken mit nur einem Tragegurt. Die werden quer über den Rücken getragen und haben den großen Vorteil, dass man sie für Zugriff auf den Inhalt oder beim Hinsetzen in der U-Bahn nicht absetzen muss, sondern nur am Gurt vom Rücken nach vorne auf die Brust zu ziehen braucht.

Nachdem mein China-Billig-Sling auseinanderfällt, musste auch hier was neues her. Doof: Die meisten Slings sind klein, um die 7 Liter, und dazu asymetrisch, meist in Dreiecksform. Das ist ergonomisch, macht es aber schwierig, ein 14 Zoll-Notebook unterzubringen.

Auftritt Tomtoc. Die Firma macht seit einiger Zeit mit sehr gut verarbeiteten Gamertaschen aus exzellenten Materialien auf sich aufmerksam, und das “Explorer Sling” ist in Sachen Wertigkeit der Materialien und guter Verarbeitung keine Ausnahme. Der rechteckige (und schon debrandete) Sling ist aus gummiertem und wasserfestem Recycling-Material.

Auch die Reissverschlüsse sind wasserfest.

Die Rückenseite ist dick gepolstert, genau wie der breite Schultergurt. Der lässt sich sowohl links als auch rechts befestigen und hält die Tasche beim Laufen gut und sicher am Rücken. Zum Fahrradfahren taugt das nicht, da es keinen Hüftgurt gibt, rutscht der Explorer schnell von der Schulter.

Im Rückenpolster eingearbeitet ist eine versteckte Tasche für ein Portemonnaie oder Telefon.

Der Explorer fasst nur 9 Liter. Für ein Sling ist er damit groß, für einen Rucksack winzig. Regenjacke und Pulli oder die Einkäufe passen da also nicht rein, aber Zeug für einen Tag in der Stadt findet ausreichend Platz. Schön sind vor allen Dingen die beiden, rundrum dick gegen Stöße gepolsterten, Fächer für ein 14-Zoll-Notebook und einen eReader oder ein iPad.

In Netztaschen finden Powerbank, Ladekabel, Taschentücher und Krimskrams Platz, und es bleibt noch genug Raum für einen Regenschirm und eine 1-Liter-Wasserflasche. Eine separate Vortasche bringt eine Schlüsselkette mit einem Karabiner mit.

Ein Raumwunder ist der Tomtoc-Sling also nicht, aber das soll er auch nicht sein. Ich möchte eine simple, robuste Tasche, die das Notebook schützt und meine Sachen eng am Körper hält, die sich bei der Beförderung im Hauptgepäck aber flach und klein macht – und das bekommt das Ding in der Praxis sehr gut hin.

Auch, wenn der Cabin Maxx mein unangefochtener Favorit bleibt – ab und an mal neues Travel Gear zu shoppen fühlt sich schon deshalb befriedigend an, weil man sich damit selbst das Versprechen gibt, wieder auf Reisen zu gehen.

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