Momentaufnahme: Oktober 2023
Herr Silencer im Oktober 2023
“Heizung BLEIBT AUS!”
Wetter: Monatsbeginn auf Sardinien mit 15 bis 25 Grad sehr angenehme Verlängerung des Sommers. Ab Monatsmitte wird es in Deutschland eisekalt, die bis dahin auch hier sommerlichen Temperaturen fallen abrupt bis auf Null grad nachts und 8 Grad tagsüber. Das Monatsende wieder milder bei 10-13 Grad.
Lesen:

Annette Dittert: London Calling – Als Deutsche auf der Brexit-Insel [2017, Kindle]
Annette Dittert ist Auslandskorrespondentin der ARD und weltweit unterwegs. Als sie von New York nach London versetzt wird, hat sie sofort das Gefühl angekommen zu sein. London, da ist sie sich sicher, wird ihr neues Zuhause werden. Sie kauft ein marodes Hausboot und wohnt fortan in Little Venice, den kleinen Kanälen hinter dem Bahnhof Paddington. Doch dann kommt der Brexit, und Dittert zieht los, um zu verstehen, wie die Briten ticken – und stellt sich die Frage, ob London sie immer noch ruft, oder ob es an der Zeit ist, die Stadt zu verlassen.
Annette Dittert ist mir schon lange ein Begriff. Die Frau hat Witz und ist bekannt für richtig guten Journalismus, blitzgescheite Analysen und einen trockenen Humor. Genau so ist auch dieses Buch: Es erzählt kleine Geschichten rund um London und seine Einwohner:innen, wirft Blicke hinter die Kulissen der sich ständig wandelnden Stadt und erklärt nebenbei, wie das Leben auf einem Hausboot sein kann. Ich mochte besonders die Einblicke, die Dittert in Interviews sammelt, und die oft runde Erklärungen für britische Eigenarten liefern – wie zum Beispiel der Vorliebe britischer Männer, in Gegenwart von Frauen schmutzige Witze zu erzählen. Das ist schlicht ihrem Unvermögen zu flirten geschuldet. Wunderbares Buch, ich habe es verschlungen.
Hören:
–
Sehen:

Tyrannosaur [2011, Prime]
Ein heruntergekommener Vorort in England: Joseph ist am Ende. Der aggressive Mann sucht nur den nächsten Grund um auszurasten. Er erschlägt im Affekt seinen Hund, bedroht seine indischen Nachbarn, randaliert und verprügelt Kinder.
Als er der schüchternen Hannah begegnet, behandelt er sie wie Dreck. Dabei hat die ganz eigene Probleme: Hinter einer gutsituierten und bürgerlichen Fassade misshandelt ihr eifersüchtige Ehemann sie auf´s Übelste. Er uriniert auf sie, während sie schläft und vergewaltigt sie, wann ihm danach ist. Um nicht völlig irre zu werden, klammert sie sich an ihren Glauben. Als schließlich alles um Hannah zerfällt, wird ausgerechnet Joseph ihr letzter Halt.
Was für ein toller Film, was für ein schlimmer Film.
Toll ist die Inszenierung, die Schauspieler, die Kamera. Olivia Cole und Paul Mullan spielen ihre beschädigten Charaktere in feinen Nuancen, das ist wirklich große Schauspielkunst. Schlimm ist der Film, weil er auf´s Grausamste zeigt, was Menschen einander antun können. Der deutsche Untertitel “eine Liebesgeschichte” ist nachgerade gelogen, denn hier geht es nicht um Liebe oder Glück. Hier geht es um Sicherheit in einer grausamen Welt, die völlig ohne Hoffnung ist. Ein Film, der bei mir noch lange nachwirkte.

Three Thousand Years of Longing [2022, BluRay]
Tilda Swinton findet in Istanbul eine Flasche, aus der Idris Elba entsteigt. Der Dschinn gewährt drei Wünsche, aber als Professorin für Geschichten weiß Swinton um die Haken, die Dschinn-Wünsche haben können und weigert sich, sich mehr zu wünschen als einen Schluck Tee. Der Dschinn muss allerdings drei Herzenswünsche erfüllen, um seine Freiheit zu erlangen. Um Vertrauen aufzubauen, beginnt er, Episoden aus seiner Lebensgeschichte zu erzählen. Drei Jahrtausende Liebe, Verlangen und das Leid, was daraus folgen kann.
Der Trailer ist irreführend und versucht einen ganz anderen Film zu verkaufen als “Three Thousand Years” ist, deshalb hier ein Clip mit einem Ausschnitt aus dem Streit zwischen Dschinn und Professorin:
Was für ein bezaubernder, kleiner Film. Istanbul als Kulisse ist unverbraucht, und die episodenhaften und wehmütigen Erzählungen des Dschinns sind von George Miller (“Mad Max Fury Road”) schön inszeniert und gefilmt. Wirklich zauberhaft wird die Geschichte durch die Leistungen von Swinton und Elba, die sind halt einfach großartige Schauspieler.
Was mir nicht gefallen hat ist das Ende. Eigentlich ist der Film nach 90 Minuten vorbei, die Geschichte kommt dann zu einem seltsamen und abrupten, aber stimmigen und befriedigendem Ende. DANN aber ist noch ein zweites Ende drangeflanscht, das sich wie ein Epilog anfühlt und weder Sinn ergibt noch zum Rest der Geschichte passt. Das wirkt, als hätte man es nach Publikumsbefragungen noch fix nachgedreht. Also, wenn man mich fragt: Feiner Film, aber die letzten 20 Minuten einfach nicht gucken.

Diabolik [2021, BluRay]
Italien in den 1960ern: Die Polizei jagt einen Mann in einer Maske, der spektakuläre Einbrüche begeht und so skrupellos ist, das er auch vor Mord nicht zurückschreckt. “Diabolik”, wie er sich selbst nennt, ist seinen Häschern immer einen Schritt voraus – doch dann verliebt er sich in sein nächstes Opfer. Wird die Femme Fatale sein Untergang – oder seine Komplizin?
“Diabolik” wurde 1962 von zwei Schwestern erfunden und ist in Italien bis heute so bekannt wie Micky Maus. Seit 61 Jahren erscheint monatlich ein Comicheft mit Geschichten um den eiskalten Meisterverbrecher, die denen um “Fantomas” sehr ähnlich sind. (BTW Wann immer ich kann, kaufe ich mir so ein Heft und lerne damit Italienisch).
Die moderne Verfilmung hier hatte ein Budget von nur 8,5 Millionen Euro, transportiert aber ganz exakt die Stimmung und den Style der Comichefte. Wirklich, was die Macher mit dem wenigen Geld angestellt haben, ist unglaublich – der Film sieht ähnlich gediegen und wertig aus wie “UNCLE” vor ein paar Jahren, und atmet Stil und Style aus jeder Pore. Die Geschichte enthält Drama, Heists, Spannung und lässt einen immer wieder mitfiebern, wie Diabolik wohl nun wieder entkommen wird. Spannender Film für einen Krimiabend.

The Proposal [2009, Disney+]
Sandra Bullock ist ubertoughe Bossfrau in New York und der Albtraum ihrer Angestellten. Fehler werden nicht verziehen – aber dann macht sie selbst einen, und plötzlich droht der gebürtigen Kanadierin die Abschiebung aus den USA. Daraufhin stellt sie ihren Assistenten Ryan Reynolds vor die Wahl: Entweder er heiratet sie, oder sie ruiniert seine Karriere. Reynolds spielt mit, aber die Sache mit der geplanten Spontanhochzeit glaubt die US-Einwanderungsbehörde nicht. Der Glaubwürdigkeit helfen soll ein Besuch bei Ryans Familie in Alaska, aber auch das klappt nicht.
Die Story von “Selbst ist die Braut – Sie müssen die Chefin jetzt küssen” (ein deutscher Titel aus der 80er-Jahre-Hölle) ist natürlich hanebüchener Romantikunfug – die Vorstellung, das eine soziopathische Persönlichkeit 3 Minuten vor Filmende vielleicht doch Gefühle oder ein Gewissen entwickelt, ist etwas weit hergeholt. Wegen Ryan Reynolds braucht man das hier auch nicht gucken, der spielt wieder nur Ryan Reynolds, diesmal mit seinem “geprügelter Dackel”-Blick.
Nein, der Grund warum ich (als Romantikfilm-Verächter) viel Spaß mit dem Streifen hatte, waren die irrwitzigen und wirklich guten Dialoge und der große Spaß, den Sandra Bullock und die großartige Betty White offensichtlich am Set hatten. Bullock hat so viel Freude daran, richtig fies zu sein, das sie das eiskalte Biest mit so viel Verve spielt, als hätte sie nach den vielen Everybodys-Darling-Rollen was nachzuholen, und White als spitzbübische Großmutter ist einfach… Knuffig bis zum Umfallen! Sehr netter Film für verregnete Sonntagnachmittage, hoher WAF, keine reine Romantikkotze.
Spielen:

Assassins Creed Mirage [2023, PS5]
Straßendieb Basim wird im Bagdad des Jahres 960 in die Bruderschaft der “Hidden Ones” aufgenommen und legt sich mit einem Orden an, der die hohen Gesellschaftskreise infiltriert hat und schon wieder außerirdische Artefakte ausbuddelt.
Die letzten Teile von Assassins Creed waren riesige, langweilige Open Worlds, in denen man über hundert Stunden herumgrinden musste, ohne das eine halbwegs ordentliche Geschichte das Ganze zusammenhielt. “Mirage” ist viel kleiner und hat eine Geschichte – also eigentlich gut, oder?
Leider nur so Mittel, denn die Story von Mirage passt auf einen Bierdeckel, verliert sich im Mittelteil und ist wirklich schlecht inszeniert. Konflikte werden nicht erzählt, sondern nur behauptet, und sind dann entweder egal oder führen zu seltsamen Momenten. Die Beweggründe der Figuren und woher sie Dinge wissen, sind unklar. Und selbst die Spielfigur bleibt erstaunlich egal. Es geht hier wieder mal um nichts. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass “Mirage” ursprünglich “nur” ein DLC zum krebsartig verwucherten “Valhalla” war.
Schade eigentlich, denn die eine originelle Grundidee der Story ist gut und der Name “Mirage” ergibt am Ende wirklich Sinn, mit einer besseren Inszenierung hätte die weitaus mehr Wucht gehabt. So meuchelt man sich rund 25 Stunden durch die Hauptgeschichte, um Bagdad von sinisteren Gestalten zu befreien und Basims Geschichte zu erfahren, aber die kommt erst in der letzten Spielstunde in Fahrt.
Was nicht heißt, das “Mirage” ein schlechtes Spiel ist – im Gegenteil. Aller überflüssiger Speck von Valhalla wurde entfernt, verschwunden sind Loot-Fluten, tausende von Waffen und 300teilige Skillbäume. Basim ist auch kein Wikinger, er hält nichts aus und muss heimlich vorgehen. Dementsprechend gibt es hier keine Hau-Drauf-Kämpfe, sondern heimliche Attentate und viel Schleicherei. Die ist sehr einfach gehalten, aber das ist Okay, damit komme ich zurecht – Stealth á la “Metal Gear Solid” ist mir zu schwer, aber hier hatte ich Spaß.
In Summe hat mir dieser Ausflug nach Bagdad mehr Spaß gemacht als die 150stündige Wikingersaga, die irgendwann nur noch Content war, der Zeit verbrannt hat. Doll war es trotzdem nicht, aber an “Assassins Creed” habe ich auch keine Erwartungen mehr.
Machen:
Bis Monatsmitte noch Motorradherbst auf Sardinien und in Italien, dann hat mich die Arbeitswelt in vollem Umfang wieder verschlungen.
Neues Spielzeug:

Wera kraftform Micro Big Pack 1
Jahrelang habe ich mich über die billigen Uhrmacherschraubendreher aus dem Baumarkt geärgert, deren Köpfe sofort nach dem Auspacken rund sind und die Schrauben nicht lösen, sondern nur nur kaputtmachen. Dieses Set besteht nun aus 25 feinen und sehr guten Mikrowerkzeugen und macht mich sehr glücklich.

Wera Joker 6004 Selbstjustierendes Maulschlüsselset
Wie der Name schon sagt: Universal-Maulschlüssel, die sich selbst auf die erforderliche Größe einstellen und eine Ratschen-Funktion haben. Damit bekommt man selbst in Ecken mit wenig Platz Muttern los, ohne ständig neu ansetzen zu müssen. Die vier Schlüssel decken eine Spannbreite von 7 bis 19 mm ab und ersetzen damit 12 herkömmliche Maulschlüssel.
Ding des Monats:

Corsori Airfryer 5,5L
Ja, ich weiß, bin late to the party. Gefühlt die ganze Welt, zumindest mein halber Bekanntenkreis und meine Twitter-Timeline, entdeckten während der Pandemie (neben dem Backen von Bananenbrot) Heißluftfritteusen für sich. Das sind eigentlich Umluftbacköfen, die aber in einem geschlossenen Kreislauf bis zu 200 Grad heiße Luft auf Speisen pusten und sie damit quasi frittieren – ohne Öl.
Seitdem bin ich da drum rumgeschlichen… ich bin Küchengeräten gegenüber misstrauisch. Nur weil etwas praktisch scheint, heißt das noch nicht, dass man es auch im Alltag wirklich nutzt. Reiskocher mögen zwar praktisch sein, aber meine Güte, ein Topf auf dem Herd kann auch Reis kochen. Dazu kommt: Meine Küche ist nicht riesig, die kann ich nicht mit Quatsch vollstopfen. Und ich bin nicht der Typ für Küchengeräte. Echt, Dinge wie ein Thermomix wären an mich völlig verschwendet.
Andererseits wäre es schon geil, gelegentlich mal Pommes machen zu können. Oder Kroketten. Oder Fischstäbchen, ohne das hinterher alles drei Tage riecht. Oder Jalapeno-Poppers! Oder Frühlingsrollen!! Oder… ach, Brötchen und Pizza kann so eine Heißluftfriteuse auch?!
Kurze Rede: Ich habe beim letzten Primeday die Impulskontrolle verloren, und nun steht jetzt hier also so ein “Speiseföhn” ((C) Kiki) in der 5.5L-Version (weil die das Bedienfeld vorn hat und die Stellfläche mit der 4,7-Liter-Version identisch ist) und macht mir viel Spaß. Ich probiere gerade jeden Tag, was man da noch alles reinwerfen kann und entdecke, was die bisher ignorierten Fächer in der Tiefkühlabteilung noch alles hergeben.
Ebenfalls entdeckt: Vegane Lebensmittel sind nicht zwangsläufig auch gesund. Dieser ganze vegane Kram aus dem Supermarkt enthält UN-FASS-BAR viel Fette und Zucker, das hätte ich so auch nicht gedacht. Der Speiseföhn bringt es an den Tag.
4 Gedanken zu „Momentaufnahme: Oktober 2023“
Jetzt muss ich mir wohl auch einen Speiseföhn kaufen…….
“Jetzt muss ich mir wohl auch einen Speiseföhn kaufen…….”
Habe ich vor ‘ner halben Stunde auch so gedacht. Insbesondere vor dem Hintergrund, mit von Silencers Erfahrungen seiner vorgestellten “Dinge” jeglicher Art (von ActionCam bis zu Büchern) sehr zufrieden gefahren zu sein. Dann bei amazon die negativen Bewertungen angesehen, ob die monierten Punkte realistisch und vor allem relevant für mich wären. Leider eindeutig: Ja! Wird also bei uns zuhause nicht einziehen…
Hirnwirr: Aber nicht wegen mir 🙂
Jay: Ich hoffe Du meinst nicht die Bewertungen, wo die Leute erkennbar vergessen haben die Transportpolsterung rauszunehmen und die abgefackelt haben und dann von “beißendem Chemiegeruch” und “monatelangem Plastikgestank” schreiben 🙂
Die Bewertungen, wo die Leute den Korb bis zum Anschlag füllen und sich dann wundern, dass nichts gar wird, würde ich auch ignorieren.
Bei meinem Gerät stinkt nichts, es klappert nichts, und bei den Füllmengen in meinem Haushalt wird alles. Ein relevanter Punkt ist tatsächlich der Stromverbrauch. Ich weiß noch nicht genau, ob der sich bei mir bemerkbar macht; aber das ein Gerät, dass Dinge HEISS macht, viel Strom zieht, ist jetzt eine Erkenntnis, die mich zumindest nicht überrascht 🙂
Es verbraucht aber meines Wissens weniger Strom als wenn du für dieselben Dinge in denselben kleinen Mengen extra den Backofen anheizen würdest. Das hat für mich letztendlich den Ausschlag gegeben.