Reisetagebuch Motorradherbst (2): Weg

Reisetagebuch Motorradherbst (2): Weg

30. September bis 07. Oktober 2025
Ich bin weg.
Weg vom Radar, verschwunden von der Bildfläche, einfach weg.

Ich bin weg.
Ich bin ab jetzt für nichts verantwortlich außer dafür, dass es mir gut geht.
Ich muss an nichts denken.
Ich muss nichts machen.
Ich habe genug getan.
Ich kann eine Pause genießen.
Ich kann tun und lassen, was ich will und wann ich es will.

Sage ich mir immer wieder. Ich muss mir diese “erlaubnisgebenden Gedanken” immer wieder bewusst machen, wenn ich lange ausschlafe oder einfach lesend irgendwo sitze und sich dann das schlechte Gewissen anschleicht und sagt “Du machst ja gar nichts!”.

Das ganze Jahr über, und in den vergangenen Monaten ganz besonders, war ich immer im Alarm-Modus. Immer auf dem Sprung, immer in Bereitschaft. Wenn benötigt habe ich Leistung gebracht, wenn nicht, habe ich mich sofort zurückgezogen und Kraft getankt und auf den nächsten Einsatz gewartet.
Der Körper war immer angespannt. Dauernd erschöpft, aber nie richtig müde und nach fünf Stunden Schlaf pro Nacht sofort wieder wach und ruhelos. Das frisst Substanz.

Jetzt nicht mehr. Ich bin nicht erreichbar und ohnehin viel zu weit entfernt, um auf Probleme zu Hause reagieren zu können. Nicht müssen und auch gar nicht können, das ist gut.

Die Anspannung fällt von mir ab, und hier, in diesem etwas heruntergekommenen Appartement bei Castelsardo, habe ich den Freiraum nichts zu tun.

In den ersten Tagen hole ich viel Schlaf nach und gehe nur ab und zu mal spazieren. Aber eigentlich mache ich: Nichts. Und das tut sehr, sehr gut, und genau das mache ich.

In den kleinen Küstenorten und an den Stränden von Nordsardinien sind noch so etliche Touristen, was mich erstaunt. Eigentlich sollte die Saison schon zu Ende sein. Ich schaffe es aber, denen aus dem Weg zu gehen und finde immer wieder ruhige Ecken, in denen ich am Strand liegen und lesen oder im Meer baden kann. Ich habe wieder meine ultraleichte Strandmuschel dabei, in der lässt es sich sonnen- und windgeschützt aushalten.


Ich genieße einfach meine Zeit hier, in dem kleinen Kaff bei Castelsardo. Bewundere Pflanzen und genieße die Abende auf dem Balkon.

Weiß jemand was das hier ist? Ist das Kaffee?

Ein paar mal fahre mit der Morrigan durch die staubige Wüstenlandschaft Nordsardiniens. Aber nie lange, darauf habe ich gerade keine Lust.

Seht doch mal im Rüssel nach!

Am fünften Tag auf der Insel packe ich meine Sachen und fahre von Castelsardo an der Nordküste nach Bari Sardo an der Südostküste.

Unterwegs mache ich Halt in Pattada, dem Dorf der Messermacher. Kaufen will ich da nichts, die handgemachten, sardischen Messer sind zwar wunderschön, aber unfassbar teuer. Nur ansehen will ich die.
Aber auch das wird nichts, denn: Es gibt keine Schaufenster.
Und keine Läden.

Man geht in das Haus des Messermachers und steht direkt in seiner Werkstatt. Dort spricht man dann mit seiner Frau und bestellt ein Messer und bekommt das dann später zugeschickt, so sechs Monate bis zwei Jahre nach dem Kauf.

Die Fahrt dauert nur einige Stunden, Sardinen ist nicht groß. Aber es ist abwechselungsreich, die Landschaft ändert sich manchmal innerhaob von Minuten von staubig zu waldbedeckt bis felsig und von flach und weit zu bergig mit tiefen Felseinschnitten.

In Bari Sardo habe ich einen kleinen Bungalow gemietet. Unter Eukalyptusbäumen, ganz in der Nähe des Strandes. Hier gibt es auch ein Wiedersehen mit Suse, die mit der Multistrada V4 angereist ist.

Die erste Nacht ist einstellig kalt, und ich friere im unbeheizten Holzhäusschen so sehr, dass ich mich in eine Rettungsdecke wickeln muss. Zum Glück wird es danach wieder wärmer.

Die Tage vergehen, und ich bin entspannt. Auch mal schön.

Tour des Tages: 373 Kilometer.

Im nächsten Teil: Unentspannt!!!

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2 Kommentare zu „Reisetagebuch Motorradherbst (2): Weg

  1. Der Kaffee sind wilde Datteln, rötlich und kleiner als die gelben, die man auch hierzulande kaufen kann (zumindest zu Ramadanzeiten). Schmecken SEHR gut, sobald sie GERADE reif sind. Also noch nicht weich und glasig. Die Qualität überreifer Datteln ist vergleichbar überreifer (schwarzer) Bananen.

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