Momentaufnahme: März 2026
Herr Silencer im März 2026
Wetter: Ab Monatsanfang bis Woche vier stets 0 bis 16 Grad, strahlender Sonnenschein, kein Regen. Am 18.03. wacht die Natur auf und zeigt erstes Grün. In meinem Arbeitszimmer blüht der Jasmin, aber das Wetter hat dann doch keine Lust auf richtigen Frühling – in der letzten Woche gibt es wieder Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen.
Lesen:

Terry Pratchett: I shall wear Midnight [2010, Kindle]
Der Baron des Kreidelands stirbt, im hohen Alter und an natürlichen Ursachen. Tiffany Aching hat ihn bis zum Ende gepflegt und muss nun dessen Sohn die traurige Nachricht überbringen. Das wird nicht dadurch einfacher, dass sie erst seit Kurzem von ihm getrennt ist, und mit seiner neuen Flamme die Großstadt unsicher macht. Die Neue ist eine echte Prinzessin, inklusive blonder Locken und mädchenhaftem Auftreten – alles Attribute, die auf Tiffany nicht zutreffen, und auf die sie etwas neidisch ist.
Zeit, darüber nachzusinnen hat Tiffany aber nicht, denn es gibt weiteren Fallout der Wintersmith-Episode: Der Geist eines lange verstorbenen Hexenjägers ist hinter ihr her, und dessen böses Gedankengut hetzt Menschen auf. Plötzlich muss sich Tiffany für den Tod des Barons verantworten und findet sich im Kerker wieder. Dabei sollte der doch nur noch als Ziegenstall genutzt werden!
Unterdessen treffen die Nac Mac Feegle in Ankh-Morpork auf etwas, das es gar nicht geben sollte und das die unbesiegbaren Krieger mit links erledigt: Einen Feegle-Polizisten!
Die Tiffany-Aching-Bände sind Pratchetts Spätwerk, und hier ist alles zu bestaunen, was der Meister in seiner langen Karriere an Können erworben hat: Auf den Punkt geschrieben Charaktere, tolle Entfaltung der Ereignisse und vor allem immer wieder tiefe, philosophische Erkenntnisse gepaart mit nachdenklich machender Metaphorik. Leider ist die Auflösung der großen Bedrohung am Ende wieder etwas viel “Deus Ex Machina”, aber der Weg dahin wirklich große Kunst. Schön und überraschend: Es wird ein Rückbezug geschlagen zum allerersten Discworld-Roman “Color of Magic” von 1983 inkl. eines spannenden Cameos.
Hören:
Sehen:

Verleugnung [2016, BluRay]
“Ich habe hier 1.000 Dollar, und ich bin bereit sie demjenigen auszuhändigen, der mir einen Beweis für den Holocaust vorlegt!”
Ein wahrer Fall: Was im Herbst 1994 als völlig absurder Zwischenruf während einer Holocaust-Vorlesung beginnt, wächst sich bald zu einem handfesten Problem für eine amerikanische Professorin aus. Der Rufer ist nämlich selbst Historiker und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, in denen er darlegt, dass Hitler eigentlich ein Freund aller Juden war, in Auschwitz lediglich Menschen an Gelbfieber gestorben sind und der Holocaust die Erfindung einer jüdischer Propagandamaschinerie ist.
Dieser Geschichtsleugner verklagt nun die Holocaustforscherin vor dem britischen High Court. Die begreift: Hier geht es um viel mehr als nur um Verleumdung eines eitlen Professors. Verliert sie den Prozess, wird es gesellschaftlich akzeptabel werden, den Holocaust nur als “Meinung” anzutun.
Tatsächlich ist der Beweis der Tötung von 6 Millionen Menschen 60 Jahre nach Kriegsende erstaunlich schwierig, und der Geschichtsrevisionist beherrscht die britische Presse mit druckfähigen Zitaten wie “auf der Rückbank von Edward Kennedys Auto in Chappaquiddick sind mehr Menschen gestorben als in Auschwitz“”. Der Prozess verläuft so absurd, dass die jüdische Gemeinde Großbritanniens auf einen Vergleich drängt, weil ein Sieg vor Gericht aussichtslos scheint.
“Verleugnung” – der Titel klingt wie ein weiteres Buch von Stieg Larsson (Verblendung/Verdammnis/Vergebung/Verschwörung/Verfolgung/Vernichtung, wissen schon…). “Denial”, so der englische Titel, ist kein Kriminalfall, aber genauso spannend wie ein Thriller. Ich hatte noch nie vom Fall Lipstädt vs. Irving gehört, denn die Geschichte ist tatsächlich so passiert.
Satte 32 Tage dauerte die Verhandlung in London, und lange war nicht klar, ob der Holocaustleugner und Geschichtsrevisionist Irving als Sieger dort rausgeht. Letztlich brauchte es ein großes Team aus Experten und Anwälten, um dem Richter überzeugend darzulegen, dass es den Holocaust wirklich gegeben hat. Am Ende gewannen Fakten gegen Lügen, aber das ist 30 Jahre her.
Der Film ist eine Wucht. In meinen Augen die gelegentliche Dramatisierung der Geschehnisse nicht gebraucht, ich hätte das auch als Doku geguckt. Gelungen ist er trotzdem. Atmosphärisch dicht und sehr stimmungsvoll wird hier das Gefühl der Verzweiflung der Protagonisten transportiert, als sie eine unumstößlich geglaubte Wahrheit plötzlich hart verteidigen müssen, und Betroffenheit dafür nicht mehr ausreicht.
Das der Film so gut funktioniert, ist den Darstellern zu verdanken. Bis in die Nebenrollen hinein ist er exzellent besetzt: Rachel Weisz (“Die Mumie”) als Professorin und Andrew Scott (Moriarty aus dem Cumberbatch-Sherlock) sowie Tom Wilkinson (der Secretary aus “Mission Impossible: Ghost Protocol”) als Anwälte sind schon wirklich richtig gut. Eine absolute Glanzleitung liefert aber Timothy Spall (Wurmschwanz aus “Harry Potter”) als eitler, cholerischer und dennoch durchtriebener Holocaustleugner. Sehr sehenswert.
Ein wichtiges und relevantes Thema. Ich gehe mal gucken, ob es auch eine Doku von dem Fall gibt.

Erik Peters: Africa Calling [2025, Bluray]
Der Motorradreisende Erik Peters macht sich zusammen mit Kumpel Alain auf eine Tour von Köln nach Südafrika. Nach einer Fahrt durch halb Europa machen die beiden einen kleinen Umweg von 10.000 Kilometern um Kriegsgebiete herum, bis sie dann in Africa durch Länder wie Uganda und Kenia kreuzen. Von Tiefsanddurchfahrten in Wüstengebieten bis hin zu Gorillabeobachtung in dichten Regenwaldgebieten ist alles mit dabei. Die Fahrt endet jäh, als Alain kurz vor dem Ziel stürzt und sich dabei die Knochen bricht.
“Africa Calling” ist Erik Peters bislang bester Film. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen, extrem coole Drohnenperspektiven, dazwischen Establishingshots und Interviewsequenzen – das ist alles wirklich gut geschnitten, und mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie man das alles ohne Filmteam hinbekommt. Im Ernst, “Africa Calling” ist sehr viel besser gefilmt und besser erzählt als die letzten beiden Staffeln von “A long Way”, und DIE haben ein ganzes Produktionsteam dabei.
Was man immer noch nicht mögen muss: Das Rumgekumpele und das ständige Abklatschen mit dem stets gudjelaunten kölsche Jung. Im Vorgängerfilm “Himalaya Calling” passierte das so häufig, dass es mich an den Flossen-Doc aus “Scrubs” erinnerte, aber hier ist es zumindest in den ersten 160 der insgesamt 190 Minuten Laufzeit erträglich, die letzten 30 Minuten sind dann sehr emotional.
Erik ist gerade in Südamerika unterwegs, und ich hoffe er bringt auch davon einen Film mit. Muss kein “Calling” mit Alain sein, ein Solo-“Let´s Ride” würde mir völlig reichen. (Nachtrag: Hab gerade gesehen, dass er mit Alain auf Tour ist. Klingt nach “Südamerika Calling”).

Churchill [2017, BluRay]
1944, kurz vor dem D-Day: Winston Churchill versucht die Alliierten zusammenzuhalten, wird geplagt von Selbstzweifeln und cholerischen Ausfällen.
Fun Fact: Schon in dieser Verfilmung sollte Gary Oldman den Churchill geben, lehnte die Rolle aber ab. Das ist gut so, denn Brian Cox ist auch ohne eine nahezu karikaturenhafte Maske, wie Oldman sie dann in “The Darkest Hour” trug, optisch viel näher am britischen Premier. Seine Performance ist echt ein absolutes Highlight. Körperhaltung, Blicke, Gesten – Beim flüchtigen Blick glaubt man, man habe wirklich Winston Chuchill vor sich.
Das hilft aber leider nicht. Die Story mäandert und ist inkonsistent erzählt, die Musik düdelig, die Kamera einfallslos und die Dialoge zum Augenrollen. Damit wird der Film der Dramatik der damaligen Ereignisse leider nicht gerecht.
Spielen:

Yakuza Kiwami 3: Dark Ties [2025, PS5]
Yoshitaka Mine ist gerade als Geschäftsführer seiner eigenen Firma geschasst worden, als er in den Straßen von Kamurocho einen Anschlag auf einen Yakuza-Clanboss miterlebt. Ohne zu Zögern gehen dessen Leibwächter für ihn in den Tod. Mine ist fasziniert davon und versucht herauszufinden, was diese Art von Loyalität ausgelöst hat. Dazu schließt er sich selbst den Yakuza an und arbeitet sich in den Rängen nach oben.
Interessante Idee, dem Bösewicht aus “Yakuza 3” mehr Hintergrund zu geben und damit sein mild erratisches Verhalten im Hauptspiel zu erklären. Tatsächlich erfährt man einiges über Mine, und seine Entwicklung ist nicht gänzlich unglaubwürdig.
So okay die Story aber auch ist: Spieltechnisch hat man sich hier keinen Gefallen getan. Einen Großteil der Zeit erledigt man nämlich Fleißaufgaben, um die Reputation von Yakuza-Perversling Kanda zu steigern oder die eigene Kampfkraft in einem Roguelike-Dungeon zu trainieren.
Innerhalb dieses Rahmens gibt es auch einige okaye Story-Missionen, der Großteil sind aber entweder Brawler-Events oder Fetchquests und fühlen sich damit nach Füllmaterial an. Lässt man den optionalen Kram weg, ist man in rund 5 Stunden durch.
Als kostenlose Dreingabe ist “Dark Ties” in “Yakuza Kiwami 3” enthalten und geht damit absolut in Ordnung, trotz dieser Probleme.

Resident Evil Requiem [2026, PS5]
Verhuschte FBI Analytikerin wird entführt und muss sich aus einem alten Sanatorium herausschleichen. Doof: An jeder Ecke stehen Zombies rum. Gut: Superduperagent Leon S. Kennedy eilt zu ihrer Rettung. Wiederum Doof: Er verläuft sich dauernd, hat schlimme Männergrippe und schimmelt an den Rändern.
“Wie SPIELT man dieses Spiel??”, war meine Reaktion nach der ersten Stunde. Es ist wirklich mehr als gewöhnungsbedürftig, wie sehr sich die beiden Spielfiguren in “Requiem” unterscheiden.
Mit Leon ist es eine 3rd-Person Ballerbude, die farblose FBI-Analytikerin Grace spielt man dagegen aus der Egoperspektive und sie kann zunächst gar nichts. Zwar hat sie eine Waffe, aber stets zu wenig Munition, und viel Schaden macht sie auch nicht. Bleibt nur das Schleichen um die Gegner herum, aber das geht in engen Gängen nicht immer. Gegner weglocken funktioniert zu Anfang ebenfalls praktisch nicht. Selbst das Inventar ist so winzig, das es mit einer Topfpflanze schon voll ist.
Warum ist das so unterschiedlich? In den vergangenen Jahren erschienen zahlreiche Resi-Spiele. Neben den Hauptteilen sieben und acht von 2017 und 2021 kamen Remakes der Teile zwei bis vier. Problem dabei: Die Remakes sind actionlastige Ballerorgien, die neuen Hauptteile sind quasi Walking-Simulatoren mit Schleichsequenzen und Survivalhorror. Wie bekommt man nun die Fans beider Spielprinzipien unter einen Hut, ohne eine Gruppe völlig zu vergrätzen?
Die Antwort von Resident Evil 9 : Man klebt einfach zwei Spiele – Survivalhorror und Shooter – Rücken an Rücken aneinander, und in Kombination ergibt das ein rund 13 Stunden langes Horror/Actionerlebnis der wertigen Luxusklasse.
Die Grafik der RE-Engine, mit Ausnahme der weiblichen Figuren, ist nahezu fotorealistisch und der 3D-Sound geradezu beängstigend real. Der Standard-Schwierigkeitsgrad ist perfekt balanciert – man muss schon aufpassen und beißt gelegentlich in Gras, nervige Blockaden oder Sackgassen gibt es aber nicht.
Nach dem wirren Start, der mich echt desorientiert hat, kriegt sich das Spiel zum Glück nach den ersten Stunden ein und spielerisch die Kurve, fliegt aber noch manchmal aus dieser heraus. Im Mittelteil bekommt man es mit der faktisch wehrlosen Grace recht lang mit der Resident-Evil-typischen Verfolgerkreatur zu tun, die einen unablässig verfolgt und nicht zu verletzen ist – allerdings mit dem Twist, dass diese hier urplötzlich und gescripted in einem Jumpscare auch in Sackgassen oder im absoluten Dunkel auftauchen kann. Das ist genauso zäh und nervig wie eine stundenlange Suche mit Leon nach irgendwelchen McGuffins.
Am Ende ergibt allerdings nicht nur alles einen Sinn, es gibt auch ein cooles Finale und “Requiem” stellt sich in der Gesamtschau als sehr befriedigende Spielerfahrung mit einem tollen Ende heraus.
Tolles Game, hatte ich viel Spaß mit.
Machen:
- V-Strom durch die HU schieben
- ZZR durch die 100.000er Inspektion
Neues Spielzeug:
Ich sag´s nicht gerne, aber: Ein iPad.
Basismodell, 128GB.
Über Jahre hatte ich für diese Gerätegattung keinen Anwendungsfall, meine Werkzeuge waren immer ein echtes Notebook und das Smartphone. Aber ein iPad ist nun auch gar kein Ding zum echten Arbeiten, auch wenn Apple gerne etwas anderes behauptet.
Es ist ein Gerät für Medienkonsum – nicht umsonst hat Steve Jobs die erste Präsentation davon auf einem Sofa gehalten.
Warum habe ich nun plötzlich doch eines?
Aus zwei Gründen: Ich lese ja ab und an ganz gerne Graphic Novels, auch ältere. Früher habe ich die gebraucht gekauft, aber das Angebot in bestimmten Nischen wird immer rarer. Kostete so ein Buch vor zehn Jahren im Handel neu 10 Euro und später gebraucht die Hälfte, werden manche Ausgaben heute für 35 oder 50 gehandelt, wenn sie überhaupt noch zu finden sind – man merkt halt, dass die Print-Auflagen bis heute signifikant immer kleiner werden. Als eBook gibt aber selbst längst vergriffene Ausgaben sofort, meist für schlappe 6,99. Nun macht es keinen Spaß, großformatige und bunte Bilderbücher auf dem Telefon oder einem kleinen eInk-Reader zu lesen.
Auf einem iPad geht das, und man kann sogar Zeitschriften und Zeitungen supergut darauf lesen! Sogar kostenlos, zum Beispiel mit der Kradblatt-App.
Grund Nummer zwei: Ab jetzt wird ALLES nur noch sehr viel teurer. Trump und seine Tech-Bros zerstören mit ihren Kriegen und dem Bau größenwahnsinniger KI-Architekturen ganze Lieferketten, Infrastrukturen und die Halbleiter-Märkte. Die Erkenntnis: Ob Autoreifen, ein Sofa oder ein technisches Gerät – wenn man mit irgendwas liebäugelt oder absehbar braucht, sollte man es JETZT kaufen, denn ALLES wird in Kürze sehr viel mehr kosten.
Darum kam der iPad-Kauf jetzt so plötzlich, zumal iPad-Preise gerade auf einem sechs-Monats-Tief sind.
Ich habe beim Lesen darauf viel Freude.
Und guckt mal, wie hybsch das Blau ist:
Ding des Monats:
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3 Kommentare zu „Momentaufnahme: März 2026“
Ich bin so gar kein Apple-Nutzer, hatte aber mal vor einigen Jahren ein iPad (R-Ware) gekauft, aber damit leider nicht lange Freude, weil es irgendwann kein neues iOS mehr bekam. Viele Apps waren dann nicht mehr nutzbar, weil sie Updates wollten, welche aber nicht möglich waren und dann den Betrieb einstellten. Es hätte sonst eigentlich noch gut funktioniert, . Ansonsten hängt in der Küche ein altes Android-Tablet mit Android One, das funktioniert für Rezepte usw noch ganz gut, ist aber mittlerweile sehr langsam.
Die $Beste hatte nach 2 Sony eBook Readern, lange Kindle genutzt, aber vor einer Weile auf Kobo gewechselt mit Farb-eInk, weil das zum Lesen einfach mehr Möglichkeiten bot und offener ist.
Farb-eInk hatte ich auch überlegt, trotz der blassen Farben, aber letztlich ist das Format dann doch zu klein für Comics und die Displays zu träge für ständigen Zoomen und Scrollen. Vom Kindle will ich auch grundsätzlich weg, hier ist das iPad dank ePub-Reader zumindest ein Zwischenschritt.
Bei Updates mache ich mir bei Apple wenig Sorgen, 5 Jahre Unterstützung sind eigentlich immer drin.
Ich mag das Blau, aber ich mag keine Apfel-Produkte. Aber ich kann es mir leicht machen, ich rede mir auch bislang erfolgreich ein, kein Tablet zu brauchen.
Den Job erledigt bei mir ein alter Acer Laptop mit Linux drauf. Der bläst auch schön warm zur Seite raus, genau das Richtige bei den aktuellen Temperaturen wenn man (also ich) auf dem Sofa sitzend surft. 😉