Tech Air 5 Plasma (2026)

Tech Air 5 Plasma (2026)

Ich bin ja ein großer Freund von tragbaren Airbagsystemen für Motorradfahrer. Mein aktuelles Lieblingssystem ist das Alpine Stars Tech Air 5 von 2022. Das hat nun einen Nachfolger bekommen, das Tech Air 5 Plasma. Das neue System adressiert alle Kritikpunkte des Vorgängers. Warum ich es mir dennoch auf keinen Fall kaufen würde. (Alle Bilder: Alpine Stars)

Ich bin seit 2018 mit einem autonomen Airbag am Körper unterwegs. Erst mit einer Tech Air Street-Jacke, seit 2022 mit einer Tech Air 5 Weste, beide vom italienischen Hersteller Alpine Stars.

An beiden gab es Kritik, meistens von Personen, die noch nie mit einem solchen System gefahren sind. In erster Linie war das:

1. “öööh, was ist, wenn ich offroad fahre, dann löst das doch bestimmt aus Versehen aus” (Alternativ: “Was ist, wenn ich umfalle, dann löst das doch bestimmt auch aus, oder?”)

2. “öööh, das trägt zu dick auf und ist mir zu warm”

3. “öööh, nach einer Auslösung muss es zum Hersteller für eine neue Befüllung. Das willichnich, ich will das selbst machen können”

4. “öööh, der Hersteller schlägt einen Service alle zwei Jahre vor, der ist mit 99 Euro zu teuer”

Alle Kritikpunkte wurden laut und leidenschaftlich vorgetragen und vertreten, dabei sind sie eher theoretischer Natur.

Der Herstellerservice bspw. ist keine Pflicht, sondern ein Angebot, weil sich damit jedes Mal auch die Garantie um zwei Jahre verlängert.
“Zu warm” ist teils in der Natur der Sache, der Airbag ist nunmal ein Plastikbeutel, den man um den Wanst trägt.
Ich habe noch keine Fehlauslösungen erlebt, auch nicht in rauen Terrain und auch von noch keiner gehört oder gelesen.
Und wenn das Ding WIRKLICH auslöst, und es rettet mein Leben, dann schicke ich es mit Freude zum Hersteller und lasse es dort prüfen und neu befüllen.

Aber Alpine Stars hat sich des teilqualifizierten Gejammers angenommen und im Tech Air 5 Plasma berücksichtigt. Das neue System hat einen dedizierten Offroadmodus, zusätzlich zu den bereits im Vorgänger vorhandenen Modi Street und Race. Zwischen allen Modi kann man per App oder direkt an der Weste umschalten. Das geht übrigens kostenfrei, anders als bei Konkurrenzprodukten, wo man teils erst neue Abos abschließen muss. Der Schalter an der Weste bietet haptisches Feedback, hat (endlich wieder!) einen mechanischen Aus-Schalter und lädt (endlich!) über USB-C, und nicht mehr über das uralte Mikro-USB-mit-Magneteinsatz.

Das Plasma ist mit ungefähr 1,5 Kilogramm rund 25% leichter als der Vorgänger (1.900 Gramm), ultradünn und trägt praktisch nicht mehr auf. Im Bauchraum ist der Airbag weggelassen, so das von vorne leichter Luft an den Körper kommt. Auch der Rücken ist flach gebaut:

Nutzer können es nach Auslösung selbst neu befüllen, die Kartusche mit dem Treibgas ist hinter einer Klappe am Rücken zugänglich, Ersatz im Handel erhältlich. Das Plasma hat nur eine Kartusche, der Vorgänger hatte zwei, die zudem auch größer waren. Die konnten im Race-Modus zwei mal auslösen, im Street-Mode ein mal, dafür aber schneller und mit mehr Druck. Das Plasma löst weniger stark aus und füllt weniger Volumen.

Der (nicht verpflichtende) Service kostet mit 59,- Euro alle zwei Jahre jetzt deutlich weniger als vorher. Der Service beinhaltet auch eine Wäsche, wer möchte, kann das Plasma 5 aber auch selbst zerlegen und waschen.

Also rundum: Verbesserungen, Vereinfachungen, mehr Service UND Günstiger.

Warum ich das Tech Air 5 Plasma dennoch nicht kaufen würde?

Nun, wenn man mal direkt die Schutzfläche des neuen Systems….

…mit dem alten vergleicht…

wird SEHR deutlich, dass das Tech Air 5 Plasma sein geringeres Gewicht und seine bessere Lüftung mit einer deutlich geringeren Schutzfläche erkauft. Einer der Vorteile der Tech Air-Systeme war für mich immer, dass sie auch Brustkorb und Organe im Bauchraum schützen – exakt hier hat man den Schutz nun aber deutlich zurückgefahren.

Das wird auch in der Zertifizierung deutlich: Das originale Tech Air 5 ist als Level 2 Airbag für Rücken (nicht Brust) nach EN1621-4 zertifiziert. Das Tech Air 5 Plasma ist im Rücken noch lediglich nach Level 1 zertifiziert und das auch nur in Kombination mit dem passiven Rückenprotektor.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Das neue Tech Air 5 Plasma bietet nur den minimal nötigen Schutz im Rückenbereich, um sich gerade noch Schutzkleidung nennen zu dürfen, im Bereich von Schultern und Brust schützt es nicht, sondern bietet lediglich eine Polsterung und überhaupt keinen Schutz für den Bauchraum. Empfehlen kann man sowas niemandem. Das Ding ist ein Placebo.

Das hat dazu geführt, dass ich nach einem initialen “Oh mein Gott wie cool shut up and take my money”-Moment, in dem ich fast zum Händler gerannt wäre um mir die Nase am Schaufenster platt zu drücken, nun sagen muss: Nee. Das ist kein gelungenes Update.

Alpine Stars hat hier zwar ein rundum modernes, leicht zu tragendes Produkt rausgebracht, das die – teils berechtigten, teil mumpitziösen – Kritikpunkte am Vorgänger adressiert. Der verringerte Schutz ist in meinen Augen aber ein No-Go. Die mit Abstand häufigste Unfallart ist der Frontaleinschlag, zum Beispiel in ein Auto, das einem die Vorfahrt nimmt. Ein geschlossener Schutz von Brust- und Bauchbereich kann hier die schwersten Verletzungen verhindern. Das Tech Air 5 Plasma bietet aber genau dort überhaupt keinen Schutz mehr. Die 749 Euro Straßenpreis für das Ding kann man sich sparen, wenn man schon ein anderes Airbag System hat.

Protipp: Um alte Bestände des Vorgängers loszuwerden, gibt es das original Tech Air 5 gerade für 499,00 Euro zu kaufen – und DAS ist seinen Preis absolut wert.

11 Kommentare zu „Tech Air 5 Plasma (2026)

  1. Gute Punkte, wobei Schutz und Komfort natürlich immer ein Spagat sind.

    Pers. würde ich eher zur Plasma tendieren (nach Abverkauf der Air 5, der Preis ist echt ein Schnapper).
    Die bessere Belüftung trägt zur passiven Sicherheit bei und der Schutz des Bauchraums war bei allen meinen Unfällen kein Thema.
    Natürlich ist jeder Unfall anders!

    Schlüsselbein und Rippen sind immer stark gefährdet, da habe ich mir mehrfach Brüche zugezogen (seit ich mit Weste fahre, hatte keinen Unfall mehr, toitoitoi 😉 ).
    Bei meiner Brustwirbelzertrümmerung hätte allerdings auch kein Airbag geholfen, da habe ich mit der Stirn gebremst und ein Shoei hat mir das Leben gerettet …  😉

    Ich fahre nach heilte und InMotion/Held aktuell die Dainese D-Air Smart Air,
    der Straßenpreis liegt da auch bei 500 €.

    – Hauptkriterium für mich: die lässt sich drunter und drüber tragen und ich Wechsel gerne zwischen Leder- und Textilkleidung.
    – Level 2 vorne + hinten allerdings ohne seitlichen Schutz der Schultern.
    – Die Software enthält außerdem einen Modus für E-Motorräder (für mich wichtig), damit man auch z.B. an der Ampel stehend geschützt ist.
    – Der Offroad-Modus schaltet die Weste erst oberhalb von 20 km/h scharf.
    Darunter fällt man ja gerne mal im Gelände um 😉

      1. Wie gesagt – Schutz & Komfort sind ein Kompromiss und wie breit der Spagat ist muss jeder für sich entscheiden 😉

        Meine Tendenz ist (trotz meiner diversen Unfälle mit Knochenbrüchen) mehr Komfort, speziell an warmen Tagen.

        Jeder Airbag ist besser als keiner und Level 1 Protektion ist ja mehr als nur ein wenig Polsterung. Aber klar, Level 2 schafft deutlich mehr Schutz.

        Andererseits fahre ich im Sommer auch gerne mit Jethelm – auch so ein Kompromiss … 😉

        1. Jethelm??? IEEEEK 🙂

          Wie gesagt, Level 1 nur am Rücken und nur in Verbindung mit dem Hartprotektor, der für sich schon Level 1 hat.

          Dem vernehmen nach ist die Lüftung am Bauch tatsächlich nicht signifkant besser – sagen die Leute von Bennetts.co.uk, die verschiedenste Systeme testen. In UK ist das Plasma schon seit vergangenem Jahr erhältlich.

          Also deutlich weniger Schutz, kaum bessere Lüftung.

  2. Laut einem Forschungsbricht der des Gesamtverbands der Versicherer litten 95% aller untersuchten und verstorbenen Motorradfahrer an starken Verletzungen im Thorax Raum (Brust):
    https://www.udv.de/resource/blob/79146/63a40cb3e9d3ed3664776c57c9e8354f/68-optimierte-schutzkleidung-fuer-motorradfahrer-data.pdf
    Seite 26.

    Schultern und Arme sind komplett zu vernachlässigen, schmerzhaft aber nicht lebensgefährlich.

    Wenn es also ums überleben geht hat der Schutz von Brust und Bauchraum allerhöchste Priorität. Danach kommt der Halsbereich.

    Leider hat der Tech Air 5 auch keinen zertifizierten Schutz von Brust und Bauch, siehe hier Seite 29ff:
    https://cdn.shopify.com/s/files/1/0258/9160/2490/files/Tech-Air_5_Airbag_System_Manual_v1.5_G5_0000D_FOR_WEB_1.pdf?v=1717498365

    Das steht leider falsch in deinem Text.
    Bei Alpinestars hat soweit ich weiß nur der Tech Air 3 einen zertifizierten Schutz der Brust.
    Dafür schützt der Tech Air 5 die Halswirbelsäule vor Überdehnung, auch ein wichtiger Punkt.

    Aktuell tendiere ich zur Dainese Smart Air, hat vorne und hinten Level 2, dafür keinen nennswerten Schutz der Halswirbelsäule und nur 12h Akkulaufzeit. Dafür leicht, luftig und USB-C.

    Auf Platz Zwei ist der Tech Air 5, schützt den Rücken und Halswirbelsäule. Brust, Bauch und Schultern ein bisschen (ziemlich sicher unter Level 1) hat dafür ne gute Akkulaufzeit aber den völlig veralteten Micro-USB.

    Der Plasma ist ein Airbag für Leute die eigentlich keinen Airbag wollen, nimmt denen die Ausreden aber auch den Schutz. Ich würde den nicht kaufen.

    Grüße Alexander

    1. Mit der Akkulaufzeit der Smart Air hatte ich auch bei Ganztagestouren bisher keine Probleme.
      Mehr als 12 Stunden reine Fahrzeit wären ja auch eher ungewöhnlich, da kann man sie in einer Pause dann auch mal kurz an die Bordsteckdose oder eine Powerbank hängen. Aber wer fährt so häufig einen IronButt? 🙂

      Und nach einer Tour (speziell im Winter) muss heutzutage eh das halbe Equipment an die Steckdose 😉

      1. Bei mir hatte sie in einem ersten Test nach 2h Fahrt noch 75%, das wären dann nur 8h. Der Akku wird mit der Zeit ja auch nicht besser.
        Ich hab oft 8 Stunden reine Fahrzeit, ob dazwischen bei jeder Trinkpause und Tankstopp die Weste deaktiviert wird ist eine andere Frage.
        Für mich ist da das Risiko zu groß irgendwann ungeschützt zu fahren, bekommt man ja vielleicht nicht mal mit dass der Saft dann leer ist.
        Auch immer drauf achten zu müssen dass die Weste voll geladen ist beim los fahren nervt.
        Finde das nervig und eine unnötige Schwachstelle, vor allem da die Smart Jacket einen doppelt so großen Akku hatte.

        Gruß Alexander

        1. Das stimmt, das ist nervig und braucht niemand. Beim originalen Tech Air 5 muss der Akku erst gegen Ende von Tag 3 (bei 8-10 Stunden Fahrzeit/Tag) ans Netz. Wenn ich auf Tour bin kommt es einfach jeden zweiten Abend ans Netz, und es ist sehr befreiend, sich zwischendurch überhaupt keine Gedanken darüber machen zu müssen.

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