Vertragswerkstätten
“9.000 Euro!”
Der Arbeitskollege war nachvollziehbar fassungslos. Neuntausend Euro, das ist die Summe, die die VW-Vertragswerkstatt für die Reparatur seines T5 haben möchte. Der Bus geht bergauf in den Notlaufbetrieb, keiner weiß warum. Die Vertragswerkstatt schlägt vor, ein paar Teile zu tauschen. Den Turbolader (2.500 Euro), Sensoren und noch ein wenig Kleinkram, Summasumarum 9.000 Euro.
Mit auf dem Kostenvoranschlag: Dinge wie “Batterie aufladen” (27 Euro) oder Ölwechsel (500 Euro).
“Meine Fresse, bin ich froh, dass ich nicht bei VW bin”, dachte ich da noch.
Tja.
Heute den Yaris aus der Jahresinspektion geholt. Die Inspektion lasse ich noch in der Vertragswerkstatt machen, weil der Wagen noch Garantie hat, und die verlängert sich auf bis zu 15 Jahre, wenn man eben die Inspektion jedes Jahr fein bei Toyota machen lässt.
Sollte eine kleine Inspektion sein, inkl. Pollenfilter- und Ölwechsel. Wieviel kann sowas kosten? 300 Euro?
Nun: Fast 700, stellt sich bei Abholung raus.
Dafür bekommen habe ich: Einen Pollenfilter und einen Ölwechsel, “Desinfektion um Pollenfilter”, “Auslesen des Fehlerspeichers (54,54 Euro, offensichtlich nicht Bestandteil der Jahresinspektion), “kostenlose Autowäsche und Innenraumreinigung” (beides nicht erfolgt) und Wischwasser für 4,50 Euro PLUS einen Fachberater, der mir fünf Minuten erklärt hat, dass er sehr beschäftigt ist und deshalb trotz Termins keine Zeit für die Fahrzeugannahme hat, eine unfreundliche Angestellte, die zwar die Annahme gemacht hat, mir aber schon bei der Begrüßung über den Mund fuhr und mich beim Sprechen nicht einmal angesehen hat und dabei eine Fresse zog, als wäre sie gerade in etwas sehr Ekliges getreten. Was ich nicht bekommen habe: Einen Werkstattersatzwagen. Also in Summe eineinhalb Stunden Jökelei mit dem Bus für Abgabe und Abholung.
Das war es dann mit der Toyota-Werkstatt.
Dieser Garantie-Kram ist vermutlich eh ein Scam, weil Toyota jedes Jahr mehr Dinge ausschließt, die da nicht mehr drunterfallen. Ab nächstem Jahr geht es dann auch für die Jahresinspektion in die freie Werkstatt, die jetzt schon die Reifen macht.
Die hat auch dafür gesorgt, dass ich das Legendäre Gelbe AutoTM noch länger fahren konnte, denn im Gegensatz zur SEAT Vertragswerkstatt, bei der jedes Mal mehr Dinge kaputt waren als vorher, hat die “freie” echt gute Arbeit geleistet UND nur die Hälfte gekostet.
Apropos: Das Gelbe Auto gibt es noch. Die SEAT-Werkstatt ist mittlerweile geschlossen, aber der Chef wohnt dort noch, und in seinem Hof steht Eleonore.
Wenige Meter von der Toyota-Werkstatt entfernt. Das hier ist ein Bild von Heute.
BTW der Kollege mit dem T5 ist jetzt auch bei einer freien Werkstatt. Statt 9.000 nun 2.800 Euro.
Immerhin.


2 Kommentare zu „Vertragswerkstätten“
“Das war es dann mit der Toyota-Werkstatt. ”
Joo, kann ich verstehn. Das katastrophale Preis-/Leistungsverhältnis der herstellerautorisierten Werkstätten – und zwar markenübergreifend – kann und will ich mir schlicht nicht mehr leisten. Ich hätte gedacht, dass es eigentlich vielen Leuten so gehen müsste, wo doch so viel übers Geld gejammert wird, wundere mich aber, wie voll trotzdem deren Terminkalender sind. Ein Jugendfreund arbeitet seit 30 Jahren als angestellter Meister bei Toyota. Er sagt, bei den Dingern geht eigentlich wenig kaputt. Trotzdem kommen sie in der Werkstatt mit der Arbeit kaum nach. Ich schätze, diese Kundenbindung durch Garantien funktioniert hinsichtlich der Auftragslage für Standard- und Servicearbeiten recht gut. Im Sinne der Betriebe zumindest.
Die freien Werkstätten sind meiner Erfahrung nach i.d.R. nicht unfitter, was das Know-How angeht, bei Diagnosen und Problemlösungsfindung häufig viel engagierter und dazu auch noch umgänglicher im Ton. Zum Ausgleich berechnen sie dann auch weniger 😉
Und manches kann man ja auch alleine: Seit Wochen nervten mich bei meiner 20 Jahre alten Brot-und-Butter Alltagsschüssel mit ‘nem Stern Fehlermeldungen, von denen ich nicht wusste, wie ernst ich den Hinweis im Bordbuch nehmen sollte: Suchen Sie die nächste Vertragswerkstatt auf. Klar war nur, dass ich genau das mit Sicherheit als allerletztes tun würde. Ich hab mir dann so’n kleines Gerät geholt, mit dem ich über die OBD-Buchse Fehlermeldungen auslesen, löschen und tlw. wohl auch irgendwelche anderen Dinge mache kann, die ich bis jetzt zum Glück nicht brauchte. Das Ding hat rund 30 EUR gekostet, ist nahezu idiotensicher zu bedienen, was ungeduldigen Charakteren wie meinem entgegenkommt und hat sich beim allerersten Einsatz schon amotisiert…
Jo, das ist auch auch meine Vermutung: Garantieverlockungen als ABM für Werkstätten.