Brand F*in´ New
Zurück von einer kleinen Tour durch Frankreich, Spanien und Italien hatte sich die V-Strom 800 nun eine Inspektion redlich verdient.
Aber wo?
Der alte Suzuki-Händler hat mit Ende Siebzig dann doch mal den Ruhestand ausgerufen. Im vergangenen Oktober war die Morrigan die letzte Maschine, die dort jemals gewartet wurde. Es musste also eine neue Werkstatt her.
Leider ist um Götham herum Motorradtechnisch das Bermuda-Dreieck. Außer einer Kawasaki-Werkstatt gibt es hier gar nichts.
Die nächste Suzuki-Werkstatt ist 40 Kilometer weg, in Ostdeutschland. Das ist aber genau die Händlerin, die Kunden behandelt als würden sie stören (die zahlreichen 1-Sterne-Bewertungen auf Google sprechen eine deutliche Sprache) und die für Probefahrten 50 Euro verlangt. Pro Probefahrt, wohlgemerkt – zwei Maschinen gefahren, 100 Euro weg. Ach ja, und: “Maximal 20 Minuten! 1.500 Euro Selbstbeteiligung!”. Als ich dann eine 800er bei Ihr kaufen, aber die vorher Probefahren wollte, hatte sie schlicht kein Interesse daran und meinte, ich solle so in 8 bis 10 Monaten wiederkommen. Ich kann gut mit der manchmal schroffen, Thüringischen Art, aber auf so ein Scheiß-Gebahren reagiere ich ja leicht allergisch. Dem Vernehmen nach hat diese Händlerin auch gerade keinen Werkstattmeister, hält wohl keiner lange dort aus.
Anyhow, die übernächstgelegene Werkstatt ist in Kassel, und siehe da: Die Werkstattleiter sind die ehemaligen Gesellen des alten Suzukihändlers. Also dorthin gefahren und direkt Autohaus-Vibes gehabt. Der Mann, dessen Schreibtisch direkt hinter der Eingangstür steht, erklärte sich für nicht zuständig, deutete auf einen Nebenraum und versuchte sich durch pure Willensenergie unsichtbar zu machen – der geborene Autoverkäufer bei BMW oder VW.
Im Nebenraum saß eine Frau hinter einer fleckigen Tastatur, löffelte Yoghurt und machte ein Gesicht, als sei sie gerade in etwas sehr Ekliges getreten.
Immerhin: Die Werkstattleiter waren nett, das Ambiente zum Warten auch.
An dem Tag machte die Werkstatt sogar eine Überstunde, damit ich auf die Morrigan warten konnte. Die rollte irgendwann mit neuen Reifen, neuem Öl und rundum gecheckt und geschmiert aus der Halle.
Die neuen Reifen, das sind wieder Metzler Tourance Next 2. Haben sich bei Regen unfassbar bewährt und hatten nun, nach 14.000 Kilometern (davon sehr viel Autobahn) eine spürbare, aber keine störende Kante und hinten noch 4 mm Profil (neu: 8,5mm) und vorne 3,0mm (neu: 4,5 mm).


Die Wartezeit habe ich mir u.a. mit Recherche um die Ohren geschlagen. Stellte sich raus: Heuer, wie wir Österreicher sagen, gibt es ENDLICH einen Kühlerschutz für die V-Strom 800 RE. ZWEI JAHRE nach Erscheinen der Maschine.
Warum das so lange gedauert hat? Nun, es gibt schlicht keine Anschlagpunkte für ein Schutzgitter an der RE. Und so ähnlich sich die Straßenversion 800 RE und ihre Pseudogeländeschwester 800 DE auch sehen: Der Kühlerschutz der DE passt nicht, auch wenn hundert Anbieter auf Ali Express was anderes behaupten. Das sind alles Kühler für die DE. Für die RE muss man sich als Hersteller schon was einfallen lassen.
Braucht man sowas überhaupt? Leider Gottes ja. Der Kühler der Morrigan hat schon etliche Einschlaglöcher von Steinchen und harten Insekten. Die Lamellen sind halt aus ganz feinem, leichten Aluminium, da braucht es nicht viel, um die zu beschädigen.
Nun gibt es also einen Kühlerschutz von Givi. Der wird einfach mit Klammern oben und unten direkt am Kühler befestigt. Damit nichts scheuert, gib es weiche Dämmung rundum und an den Klammern und einen Gummipröppel als Abstandshalter in der Mitte. Keine elegante Konstruktion, aber es tut.
Hässlich und simpel, aber er wird seinen Zweck erfüllen.
Wo wir gerade dabei waren und Polo 25 Prozent auf alles außer Tiernahrung gegeben hat, gab es noch ein neues Windschild. Das gleiche wie vorher, ein kurzes, stark getöntes Puig.
Warum das Windschild austauschen? Weil Windschilder, genau wie Motorradlacke von Suzuki, empfindlicher sind als das Ego eines GenZ-Azubi, und schon beim Angucken Kratzer bekommen. Die kriegen sie erst recht, wenn man spanische Insekten mit einem Taschentuch wegrubbelt und dabei etwas ungeduldig ist. Just like that sieht dann so ein Windschild aus wie Hund.
Damit wäre dann jetzt auch alles bereit für die nächste Fahrt.
Die leider noch lange hin ist.
93 Tage, um genau zu sein.
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Wegen des Titels: Hier aktueller Ohrwurm






