Hundstage

Hundstage

Eigentlich sind die Hundstage, die heißesten Tage es Jahres, erst im August. Klimawandel und Super El Nino sei Dank, springen dieses Jahr bereits Ende Juni die Temperaturen in Höhen nah an der Grenze des Erträglichen.

Am 26.06.26 waren es in meinem Büro (Dachgeschoß, Glasflächen) bereits morgens um Acht schon mehr als 30 Grad, und das wurde im Verlauf des Tages nur noch mehr. Beim Feierabend hatte sich schon wieder ein wenig abgekühlt – auf 35 Grad.

Ich kann trockene Hitze gut ab, aber das hier war schon wieder Hitze mit Schuss: Ordentlich Luftfeuchtigkeit, und das macht mich mürbe.

Zu Hause war es besser. Würde ich in einem eigenen Haus wohnen, wäre das schon lange isoliert und begrünt und hätte Rolläden oder Fensterläden gegen die Hitze. Dooferweise wohne ich in einer Mietwohnung, da gibt es naturgemäß weniger Möglichkeiten.

Die Hütte hier ist ausnehmend schlecht isoliert, und die Fenster sind aus den 70ern. Heißt: Im Winter ist es frisch, im Sommer heizt es sich ordentlich auf. In beiden Jahreszeiten helfen Thermovorhänge vor Fenstern und Balkontür. Die halten zumindest einen Teil der Wärme draußen bzw. im Winter drinen.

Schon im letzten Herbst für solche Fälle wie jetzt angeschafft: Sonnensegel. Die sind über den Balkon gespannt und halten die direkte Sonne von Wohn- und Schlafzimmerfenstern ab. Und sie schützen jetzt die Pflanzen. An weniger heißen Tagen spenden Jasmin, Rotahorn und Blauregen Schatten, aber selbst die ließen jetzt schon die Fittiche hängen.

Was auch gut funktioniert, zumindest so lange wie es Nachts draußen noch ein klein wenig abkühlt (auf 23 Grad, aber immerhin), ist das Aufreißen von Fenstern und Türen. Dafür haben die großen Fenster allesamt Fliegengitter bekommen, und vor die Balkontür wurde eine Tür mit Insektenschutz gesetzt. Diese Dinger kommen als Bausatz, den man selbst zurechtsägen muss. Ziemlich abenteuerlich, aber wenn es fertig ist, ist es geil.

Damit bin ich jetzt ganz gut durch diese (ersten) Hundestage gekommen, die Wohnung hat immer noch erträgliche 24 Grad, während draußen 34 Grad im Schatten sind. Aber das ist alles was für den hohlen Zahn, insgesamt ist die Lage wirklich bedrohlich.

Temperaturen wie diesen hatten Klimawissenschaftler Anfang des Jahrhunderts erst für die 2080er vorhergesagt. Vor zehn Jahren sah man sie dann im Jahr 2050. Es passiert viel schneller, als selbst die pessimistischsten Modelle prognostizierten.

Kommende Woche sollen die Temperaturen hier dann auf Morgens 10 Gad abstürzen.

“Wir haben Klimaschutz zu hoch priorisiert”, sagt Katharina Reiche.
“Klimaschutz wird überbewertet. Es ist eben nicht so, dass morgen die Welt untergeht“,sagt Friedrich Merz.

“Vergesst nicht, bei den hohen Temperaturen ein Schälchen Lack für die Klimawandelleugner rauszustellen”, sagt jemand auf Mastodon.

3 Kommentare zu „Hundstage

  1. Mir ging es ähnlich. Seminartag in einer bayerischen Fachschule, unklimatisiert. Ebenso das Hotel. Die Bettdecken hätten sie sich echt sparen können 😉

    Tipp: im Kopf cool bleiben, wenigstens. Nasse Handtücher, nasse Waschlappen (kommt nicht immer gut an, wenn man Referent ist), möglichst leichte Kleidung (Synthetik stinkt nicht beim Schwitzen). Wissen, dass es allen anderen ähnlich geht. Und damit Verständnis einfangen. Trotz allem gute Laune verbreiten (das ist Kunst!Jammern kann ja schließlich jeder).
    Ansonsten: eine lauwarme bis kalte Dusche wirkt Wunder.

    Funfact: ich war am Samstag im Baumarkt und habe nett gefragt, ob sie noch Ventilatoren haben? Schallendes Gelächter. Ich habe mitgelacht 😀

  2. Das Handtuch war natürlich kein Turban, sondern nur um den Hals gelegt 😀
    Am Freitag hat mein Auto In Rhein-Main42,5° gemessen. Der Samstag und Sonntag waren nicht wirklich besser. Mich hat die pure Hitze einfach geschafft, und ich hab mich einigermaßen erschöpft durch die Woche gequält. Heute dann: um 5:30 Uhr wach gewesen. Kein Bock, wach zu sein. Noch mal geschlafen. Um 8:00 Uhr wieder wach geworden. Aufstehen: ja, um neun arbeiten: nein. 1 Stunde Hanteltraining, dann eine kalte Dusche, ein kleines Frühstück, und die Krise war wie weggeblasen.

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