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Autor: Silencer

Momentaufnahme: August 2026

Momentaufnahme: August 2026

Herr Silencer im August 2026

Mir tun die Augen weh.

 

Wetter: Der Monatsanfang ist wie der Juni, mit 9 bis 13 Grad. Der Himmel ist es bedeckt, aber es regnet immer noch nicht. Blätter fallen von den Bäumen, das fühlt sich nach Herbst an. Dann kommt die nächste Hitzewelle, tagelang sind es zuverlässig über 30 Grad. Ab der Monatsmitte Wetterumschwung, nun wird es merklich kühler und fühlt sich urplötzlich nach Spätherbst an. Der Monat schleicht sich mit Morgens sechs Grad aus dem Sommer heraus.


Lesen:

Laurence Falconer: Top of the Morgen! The Misadventures of an Irishman in Germany [Kindle, 2026]
Laurence Falconer ist ein Ire, den die Liebe nach Baden Würtemberg verschlagen hat. Der Schauspieler, Musiker und Lebenskünstler schlägt sich mit Aushilfsjobs durch, bis er Social Media entdeckt und dort mit kurzen Skits über den Clash deutscher und irischer Kultur viral geht.

Ich mag die kurzen Witzvideos von Falconer und war gespannt, ob sein erstes Buch auch in Richtung “Fish out of Water” geht und ähnlich unterhaltsam ist wie das “Abroad in Japan” von Chris Broad.

Spoiler: Ist es nicht.

Anstatt sein Erfolgskonzept – Beobachtungen zu kulturellen Unterschieden zwischen Iren und Deutschen – in Buchform zu vertiefen, ist “Top of the Morgen” eine Übung in autobiografischem, assoziativen Schreiben – leider eine der schlechtesten Sorte. Der Autor will anhand von Ereignissen in seinem Leben von A nach B, nimmt aber den Umweg über X, Y und Z und hält zwischendurch in Ä an, vermutlich um einen Pub aufzusuchen.

Beispiel gefällig?

Die eigentlich simple Erzählung, wie er von einem Job zum anderen kommt, entgleitet in einen Exkurs über kurze Hosen, eine Liebeserklärung an kurze Turnhosen irischer Sportvereine und detaillierte Beschreibungen, wie man aus denen heraus pinkelt (Unterwäsche beiseite ziehen und aus einem Bein laufen lassen).

Ein andernmal versucht Falconer in der Baden-Württembergischen Provinz Gras zu kaufen, muss dafür bis nach Stuttgart und ergeht sich unterdessen in Beschreibungen von Bahnhöfen, Leuten und Wegbieren. Ja, der Autor ist schonungslos ehrlich, was Gras-, Bier- und sonstigen Drogenkonsum angeht, aber das ist weder originell noch interessant, sondern eine Demontage des Autors. Da helfen dann auch nicht die eingestreuten Abhandlungen über die Geschichte der Städte Dublin und Berlin, oder Tabellen mit altergmanischen Wortstämmen – das wirkt völlig wahllos in den Text geworfen, als hätten Seiten gefüllt werden müssen.

Am Schlimmsten: Nichts davon ist witzig oder hat eine Pointe. Alles ist lose zusammenassoziiert und in Summe, leider, schlicht fürchterlich langweilig.

Das Buch führt dazu, dass, wenn ich jetzt ein Video von Falconer sehe, nicht mehr denke: “Ach, genial”, sondern “Ach, der arme Kifferkopp, so witzig war das jetzt ja nicht”.


 
Hören:

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion [Apple Audiobook, 2026]
“Entweder man hasst et, oder man liebt et, und denn jibbet noch solche, denen ist dit völlig ejal, ne?”

Neues vom Kleinkünstler mit Doppelnamen und seinem anarchistischen Mitbewohner, dem sozialistischen Känguru.

Ich liebe die Känguru-Werke, und vor allem liebe ich sie als Hörbuch. Das kommt in Form von Lifeaufzeichnung vor Publikum daher, und ICH könnte dem stundenlang zuhören – andere hassen die Stimme des Kängurus.

Die “Rebellion” im Titel ist durchaus ernst gemeint. Gingen in früheren Känguru-Büchern das Beuteltier und der Kleinkünstler noch fiktiven Weltverschwörungen der Pinguine nach, geht es dieses Mal knallhart um Systemkritik.

Herzig verpackt bekommt man als Zuhörer Handlungsaufforderungen und Argumente gegen Rechts, gegen die AfD, gegen Klimaleugner, gegen Techmilliardäre und immer wieder gegen Jens Spahn geliefert.

Für den umfassend informierten Demokraten ist das manchmal platt und bietet wenig bis nichts Neues, für alle anderen schon. Stellen zum Schmunzeln oder laut Loslachen gibt es noch genug, deshalb: Schließt Euch der Rebellion an!

Heinz Strunk: Memories of Heidelberg [Apple Audiobook, 2026]
Das Oldenburger Ehepaar Bertram und Isolde muss zum Verwandtschaftsbesuch nach Heidelberg. Ungeplant bleiben sie in paar Tage länger und besuchen jeden Abend das selbe Restaurantschiff. Doch jedes mal wird die Behandlung durch das Personal kühler, bis eine offene Feindschaft ausbricht.

Ja, Heinz Strunk halt. “Memories” hat eigentlich keine wirkliche Story, sondern reiht Beobachtungen und Gedanken des Endfünfzigers Bertram aneinander. Die drehen sich um Körperfunktionen, Essen und häufig um das eigene Aussehen und den Vergleich des eigenen Körpers mit anderen. Das ist ein Thema, das sich in fast jedem Strunk-Buch wiederholt, so dass man sicher annehmen muss, dass der Autor selbst eine Wahrnehmungsstörung und fürchterliche Angst davor hat, selbst einmal dick zu werden.

Versöhnlich: Zwischen Schorf und Eiter entrutschen Strunk dann doch immer wieder poetische Bilder voller morbider Schönheit, so dass man in seinen besten Momenten an Bukowski erinnert wird.

Szenen, die ich nicht vergessen werde: Das Gefühl der Fremdscham bei den letzten Besuchen des Paares auf dem Restaurantschiff.

 


Sehen:

Gandersheimer Domfestspiele 2026
Juli und August sind die Zeit der Freilichtaufführungen der Gandersheimer Domfestspiele. Der Name ist an sich eine Mogelpackung, weder heißt der Ort Gandersheim (sondern BAD Gandersheim), und einen Dom gibt es da gar nicht, nur eine Stiftskirche. Deren Portal wird im Sommer zur Freilichtbühne, und drumrum ist simple, aber nice Gastronomie. Menschen aus den umliegenden Dörfern stehen mit einem Bier neben Touristen mit einem Aperol Spritz, anschließen hat man Spaß bei der Aufführung. Nett!

Auch wenn in diesem Jahr eine Aufführung zwei Mal unterbrochen werden musste, weil ein Renter partout nicht aufhören wollte, alles auf seinem Handy zu filmen. Wird immer schlimmer mit diesen Senioren, hängen nur noch am Handy!

Gandersheimer Domfestspiele: Hello, Dolly!
New York, 1850: Heiratskupplerin will sich selbst verkuppeln, an einen stinkstiefeligen Großhändler.

Dahinplätscherndes Verwirrspiel mit Gesangseinlagen. Toll gespielt, aber der 60er-Jahre-Stoff hätte mehr Straffung gebrauchen können.

Gandersheimer Domfestspiele: Acht Frauen
Frankreich, 1950: In einem eingeschneiten Herrenhaus wird der Herr des Hauses ermordet. Außerdem anwesend auf dem Anwesen: Acht Frauen. Aber welche hätte ein Motiv den Bruder/Onkel/Ehemann/Vater zu ermorden? Nach und nach tun sich Abgründe auf.

Spannendes Verwirrspiel nach dem gleichnamigen Film, der 2002 mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emanuelle Béart und anderen lief.
Cool gemacht. Das Beste Stück der Festspiele in diesem Jahr.

Gandersheimer Domfestspiele: The Beatles
Die Geschichte der Beatles, leicht gekürzt.

Wie zuvor schon bei Abba und Johnny Cash eine Nummernrevue, gerahmt von Erzählern. Kurzweilig und wirklich toll gespielt und gesungen!

Ride or Die [2026, Prime]
Die große, blonde Frau aus “Ted Lasso” ist Judith, eine extrem gute Auftragskillerin. Ihre beste Freundin ist Debbie. Debbie ist das genaue Gegenteil von Judith, nicht nur optisch, sondern auch charakterlich. Die frühere Rechtsanwältin ist sich selbst genug in der Rolle der Gattin und Buchclub-Besucherin. Das ändert sich, als Judith plötzlich selbst gejagt wird, während Debbie von der albanischen Mafia freundlich gefragt wird, wo denn wohl die Millionen seien, die ihr Mann veruntreut hat. Bei dem Versuch diesen beiden Dingen auf den Grund und Gefahr aus dem Weg zu gehen, fliehen Judith und Debbie quer durch Europa.

Die brillante Hannah Waddingham und Octavia Spencer – ganz viel gegensätzlicher kann man sich zwei Personen nicht vorstellen, weshalb sie in diesem Action-Comedy-Roadtrip auch so gut funktionieren. Beide sind extrem gute Schauspielerinnen, und ihre Rollen hier sind sehr gut ausgearbeitet. Dazu kommt das Begleitpersonal, Bill Nighy glänzt hier wieder mal als skrupelloser Strippenzieher, Ed Skrein ist ein guter zeitweiliger Reisebegleiter und Sylvia Hoeks gibt die energiegeladene und äußert clevere Jägerin.

Diese Figuren sind in einem cleveren Katz-und-Mausspiel unterwegs, das durchaus die Aufmerksamkeit der Zusehenden fordert.

Was die Erfinderin Tessa Coates sich mit “Ride or Die” ausgedacht und für Prime umgesetzt hat, ist einfach nur eine Freude beim Schauen. Waddingham und Spencer sind fantastisch, und die wechselnden Handlungsorte, von Spanien über Italien bis in die Türkei, sind erfrischend unverbraucht. Die Stunts knallen, die komödiantischen Momente kommen nicht zu kurz, und anders als andere Streaming-Serien fühlt sich das hier nicht durchgehend auf Second-Screen-Kompatibilität getrimmt und unnötig gestreckt an. Perfekte und feminine Sommerunterhaltung.

Szenen, die ich nicht vergessen werde: Hannah Waddingham, die es zu Beginn der Serie schafft, in einem dicken Skianzug sexy zu sein. Hanna Waddingham, die sich nur wenige Szenen später in Stilettos und Lack und Leder durch eine Hotelküche prügelt. Und die “Thelma & Louise”-Referenz am Ende der Serie.

Magnum, P.I. [2018, Season 1, DVD]
Thomas Magnum ist Ex-Marine und lebt als Sicherheitsberater auf dem Anwesen von Beststeller-Autor Robin Masters auf Hawaii. Nebenbei arbeitet Magnum als Privatdetektiv. Immer mit dabei: Seine Marine-Kamerade Rick, TC und Nuzo sowie Juliette Higgins, die Managerin des Anwesens.

Das deutsche Publik liebte die alte “Magnum”-Serie mit Tom Selleck. Wenn man in einem Raum voller Ü-Vierziger leicht resigniert sagt “Ich weiß, was sie jetzt denken. Und sie haben recht” erntet man auch heute noch Lacher. Umso unerklärlicher ist es, das hierzulande die Neuauflage der Serie praktisch nicht stattfand, weil sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf Vox versendet wurde. Was schade ist, weil “Magnum” von 2018 modern und schnell ist, gute Geschichten und liebenswerte Figuren hat.

Zwar wirken gerade die Reibereien zwischen Jay Hernandez als Magnum und Perdita Weeks als Higgins in der Neuauflage sehr zahnlos im Vergleich zu den Auseinandersetzungen zwischen Tom Selleck und John Hillerman, bei denen immer wieder echte Abscheu aufflammte, aber dennoch machen alle Beteiligten einen guten Job.

Ebenfalls schade: In der neuen Serie besteht kein Zweifel daran, ob Robin Masters wirklich existiert – in der alten Serie wurde in den späteren Staffeln immer wieder angedeutet, dass Higgins möglicherweise selbst der brillante Autor ist.

Trotzdem: Sehr unterhaltsame Krimiserie, die den Charme des alten Magnum in die Neuzeit übertragen hat. Ich bin froh, dass ich die ganze Serie auf DVD in einem Sozialkaufhaus in England gefunden habe, auf Deutsch gibt es die leider nicht.

Szenen, die ich nicht vergessen werde: der Vorspann. Die Macher wussten schon, was sie verändern durften und was nicht. Das erklärt, warum der Ferrari, der Tchibo-Hubschrauber und der legendäre Titelsong mit an Bord sind:


Spielen:

Assassins Creed Black Flag Resynced [PS5, 2026]
Karibik, Siebzehnhundertirgendwas. Der Waliser Tunichtgut Edward findet eine Assassinenkutte, wenig später fällt ihm ein Schiff in den Schoß. Zack, feddich: Assassinenpirat.

Remake des Spiels von 2013. Sieht in der neuen Engine wunderschön aus, nervige Gameplayelemente wurden entschärft oder, wie die narrativ sinnlosen Gegenwartssequenzen, ganz entfernt. Das Spiel an sich macht viel Spaß, zwischendurch mal hier ein Schiff kapern und da jemanden meucheln, das ist spielmechanisch kurzweilig.

Die Story ist leider keinen Deut besser geworden, obwohl Ubisoft beteuert, sechs Stunden neues Material eingebaut zu haben. Das erschöpft sich in Fetchquests für einige neue NPC, die dem eigenen Schiff Fähigkeiten verleihen, die man im Original einfach so bekam, sowie einigen neuen Cutscenes, die die Motive der Figuren besser erklären sollen, das aber nicht wirklich gut hinbekommen.

Die neuen Sequenzen sind übrigens eindeutig zu erkennen. Wo die Originalszenen Motion-Captured waren, inkl. geschmeidiger Bewegungen und dynamischer Kamera, sind die neuen Szenen statische “Talking Head”-Formate aus der Anvilengine. Diese Art der Kosteneinsparung, automatisierte Abläufe aus der Engine statt Arbeit mit echten Schauspielern, sind der Grund, warum neuen Assassins-Creed-Teile leblos und wie Augsburger Puppenkiste wirken, während die 15 Jahre alten Games vor Leben sprühen.

Ich schrieb 2013: “Wenn die Welt von Assassins Creed eine Scheibe ist, dann segelt “Black Flag” mit voller Fahrt geradewegs über den Rand”.
Damit meinte ich, dass “Black Flag” einfach die ganze, bis dahin sorgefältig aufgebaute Lore um Assassinen weitgehend ignoriert.

Edward zieht sich eine Kapuze über und hat alle Fähigkeiten, für die andere Assassinen jahrelang trainieren und besondere Genetik brauchten. Von der eigentlich netten Geschichte, das Edward über Jahre hinweg zum berühmten Piraten wird, der sogar mit Blackbeard befreundet ist, und der am Ende aufgrund von Gier alles verliert, sieht man weiterhin nur Bruchstücke, die zwischen den vielen Open-World-Aktivitäten auch schon mal untergehen.

Immerhin ist die Open World kurzweilig. Hier mal einen Konvoi überfallen, da mal ein Warenhaus der Engländer ausräumen, dort einen korrupten Politiker meucheln und zwischendurch Tauchgänge zu gesunkenen Wracks unternehmen, Schatzkisten ausbuddeln oder Wale oder Landtiere zu gefährdeten Arten machen, das war schon 2013 ein robustes Gameplay und ist es hier wieder. Man merkt auch sehr deutlich, dass alles auf Spielspaß ausgelegt ist. Das ist in späteren Spielen anders, in denen die Spielzeit durch Grind und entsetzliche Sidequests teils auf 150 Stunden aufgepumpt wird. In Black Flag ergibt sich die Progression organisch durch die Aufrüstung des eigenen Schiffes, was aber nicht übertrieben wird und zwischen 20 Stunden für die Hauptstory und max. wohl 50 Stunden dauert, wenn man Spaß in der Welt haben will.

“Black Flag” gilt vielen als das beste Spiel der Reihe. Mir nicht. Ich sehe zwar den Spaß am Gameplay-Loop, aber die fragmentierte, sprunghafte und schlecht erzählte Hauptstory ist für mich nach wie vor der Downer. “Resynced” sieht hybsch aus, ist kurzweilig, aber kein Meisterwerk.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn Edward neben Anne Bonnie, die gerade ihr Kind begraben hat, zusammensinkt und er realisiert, dass es seine Vorstellung von Freiheit nicht gibt und seine Gier all seine Freunde ins Grab befördert hat.


Machen:

  • Den Yaris durch die HU bringen. Das kostet mittlerweile 164 Euro!
  • Sehr viel Arbeiten, es ist Tagungszeit.
  • Der V-Strom ein neues Navi verpassen.
  • Vorsorge: Prostata- und Hodenuntersuchung, dabei erstaunt sein, dass der Bluttest nicht von der Kasse übernommen wird. Danke, Merz!
  • FSME-Impfung, Part II

Neues Spielzeug:

Bosch GSA 18V-28
Eine Säbelsäge aus der Bosch-Professional-Reihe, eines der neuen BiTurbo-Brushless-Geräte. Jemand bei GoTools hat das Teil auch mal als Abrisssäge bezeichnet, und ich weiß jetzt auch warum: In Kombination mit einem Carbide-Sägeblatt sägt sich dieses Viech einfach durch alles durch. Holzbalken mit Nägeln oder Schrauben drin, Alu-Fensterrahmen, Wasserrohre, Mauerwerk, Wurzeln… vor diesem Monster ist nichts sicher. Nicht umsonst benutzt die Feuerwehr solche Sägen, um verunfallte Fahrzeuge zu zerteilen.

Bäume fällen und Holz machen kann man damit im Notfall auch (nicht schimpfen, Ali, ich weiß, dass man dafür eine Kettensäge benutzen sollte)

Millimetergenaue Präzisionsschnitte lassen sich damit nicht machen, aber ein Gartenschuppen ist damit in Nullkommanichts zerlegt. Liegt schwer in der Hand, ist aber so ergonomisch, dass auch Überkopf gearbeitet werden kann. Gab es in einer LBoxx 238 gerade sehr günstig. Braucht mindestens einen 5,5 Ah-Procore-Akku, mehr ist besser. Empfehlenswert sind die “Demolition Metal&Wood”-Sägeblätter der Expert-Linie.


Ding des Monats:

Thermosocken von Heat Holders. Der Hersteller fabuliert was von “japanischem Thermogarn, das in UK mit einem patentierten Verfahren zu einem Kissenflor verwoben wird”. Auf diese Weise würde man “den TOG, den Thermal Overall Grade für Wärmeisolierung, auf 1.04 bis 2,9 steigern”, wodurch Heat Holders Socken “bis zu acht mal so warm seien wie eine normale Baumwollsocke”.

Markinggequatsche hin oder her: Die Socken sind wirklich warm.
Und weich.

Als ich das erste mal in die Standardsocke (mit TOG 2.3) gestiegen bin, entfuhr mir ein wohliges Seufzen, weil sich das Bett der Socken so wohlig weich anfühlt. Darauf läuft man wie im Himmel, zumindest so lange die Dinger neu sind. Die dickeren Varianten (mit Merino, TOG 2,9) taugen nur für die Couch oder für Gummistiefel, die dünneren (TOG 1.0) gar nicht, aber die Standardsocke ist Sex für die Füße.
Kein Witz.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Reisemotorrad 2026: Suzuki V-Strom 800

Reisemotorrad 2026: Suzuki V-Strom 800

Nein, ich habe nicht schon wieder das Motorrad gewechselt. Seit der Anschaffung und Ausrüstung der V-Strom 800 im Februar 2024 haben wir schon 30.000 Kilometer gemeinsam auf der Straße verbracht. Genug Gelegenheit, um sich gegenseitig kennen zu lernen und zu bemerken, was hier und da noch feingetuned werden kann.

Ich fahre die Suzuki V-Strom 800, Codename Morrigan, in der SE Edition. “SE” heißt eigentlich “Street Explorer”, könnte aber auch “Silencer Edition” heißen (in manchen Ländern heißt sie auch “RE”, Road Edition… Ach, Suzuki).

Hier nochmal zusammengesammelt, welche Teile in Summe die Morrigan bilden:

  • Rahmenunterzug (Suzuki)
  • Skidplate und Motorschutz (SW-Motech)
  • Crashbars (Suzuki)
  • Koffer- und Topcaseträger (SW-Motech)
  • Zusatzscheinwerfer (SW-Motech)
  • Heizgriffe (CLS)
  • Kettenöler (CLS)
  • Handschutz (Barkbusters/SW-Motech)
  • Reifen (Metzler Tourance Next II)

Seit 2024 neu hinzugekommen sind:

  • Navigation (Garmin)
  • Sportscheibe (Puig)
  • Reifendruckkontrolle (TPMS, eigentlich NonName)
  • Kühlerschutz (Givi)
  • Scheinwerferschutz (SW-Motech)
  • Kleinkram

Sieht nach viel Bastelei aus, ergibt aber total Sinn, wenn man sich klar macht, dass Suzuki mit der V-Strom 800 SE ein zuverlässiges, aber auf das Wesentliche reduzierte Motorrad ohne große Ausstattung für verhältnismäßig wenig Geld verkauft wird. Der Einsatzzweck der vielseitigen 800er reicht von “Spaßgerät, für ein Mal im Monat eine Runde zu Eisdiele fahren” über “Arbeitstier, wird jeden Tag für den Weg zur Arbeit benutzt” bis hin zu “wir gehen jetzt auf Weltreise”.

Das Konzept ist klar: Das Motorrad ist die günstige Plattform, der Käufer muss es dann selbst auf seinen jeweiligen Einsatzzweck um- und ausrüsten. Meine V-Strom 800 “Morrigan” ist also nicht “verbastelt”, sie ist auf ihren Einsatzzweck hin konfiguriert: Wochenlange Touren, in allen Bedingungen und in Gegenden, wo nicht in 13 Minuten der Rettungsdienst und nach einer Stunde der ADAC vor Ort ist.

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Serena (Silencers Blog feat. …)

Serena (Silencers Blog feat. …)

Der Regen rauscht mit ungeheurer Wucht und Lautstärke vom Himmel herab.
Es ist Ende Mai, aber davon ist nichts zu bemerken.
Die sommerliche Wärme der vergangenen Tage ist einer klammen Kühle gewichen.
Der plötzliche Wetterwechsel hat einige Überraschungen im Gepäck: Eben hat es gehagelt, jetzt rauscht der Starkregen.

Giulietta trägt eine Teddy-Jacke, die so weit ist, als hätte sie sich in eine Sofadecke eingewickelt.
Wir sitzen dicht zusammen unter dem kleinen Vordach von Annamarias Eisstand, teilen die Teddywärme und schauen dabei zu, wie sich die Gästeterrasse und der Weg davor in eine Seenlandschaft verwandeln.

“Ist es Dir schwer gefallen? Loszulassen?”, frage ich.

“Um Himmels Willen NEIN!”, sagt Giulie, entschlossen und ohne eine Sekunde zu zögern.
“Ich habe 15 Jahre lang jeden Tag, jedes Wochenende gearbeitet. Ich habe mir mein Leben VERDIENT, und ich will es JETZT. ORA è il momento del cambiamento”.
JETZT ist die Zeit des Wandels.

Für einen Moment sehen wir schweigend hinaus in den Regen, der donnert und rauscht.

Ich suche nach Worten.
“Es tut Dir gut”, sage ich dann. “Vergangenes Jahr warst Du müde. Erschöpft. Hektisch. Manchmal wütend. Ma ora sembri… piú soddisfatto?”, kämpfe ich mit der Sprache. Jetzt wirkst Du zufriedener, will ich sagen.

“Serena”, korrigiert Giulie und lacht.
Serena – gelassener.
“Jetzt bin ich frei. Jetzt muss ich nur noch für mich da sein. Ich kann kann tun was ich möchte. Jetzt kann ich mich ganz auf meine Kunst konzentrieren”, sagt sie.

Ihre Kunst: Gesang und Akustikgitarre.
2012 hat sie sich damit in eine Casting-Show ins italienische Fernsehen gewagt und wurde von der Jury so zerlegt, dass sie jahrelang nicht mehr vor anderen singen mochte.

Jetzt hängt sie sich da wieder voll rein.
Letzte Nacht habe ich sie üben hören, drüben, im Haupthaus der Farm. Der Wind hat den Gesang bis zur Hütte getragen.

Der Regen rauscht.

“Ich liebe… Deine Stimme”, sage ich.

“Grazie”, sagt Giulie und schlägt die Augen nieder, nur um dann, schlecht getarnt in einem gekünstelten Huster, “ruffiano!” hervorzustoßen.
“Ich bin kein Schmeichler”, protestiere ich. “È la verita!”

Hier ist der Beweis.

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Hier stinkt was nicht

Hier stinkt was nicht

“Das stimmt was nicht, mit den Motorwerten”, sagt der schlaksige Dekra-Mann. Er sieht aus wie gerade dem Teenageralter entwachsen, hat strohige, blonde Haare, die nach allen Richtungen abstehen und einen blühenden Pickel am Kinn.

Er sitzt in meinem Yaris, den ich tatsächlich jetzt schon zwei Jahre habe und der deshalb jetzt das erste Mal unter meiner Ägide zur Hauptuntersuchung muss. Beherzt orgelt der Schlaks auf dem Gas rum und guckt dabei auf einen Monitor neben der Bühne.

“Guck mal ob die Sonde rausgefallen ist”, ruft er. Ein zweiter Mitarbeiter geht zum Heck und fummelt an dem Meßfühler rum, der tief im Hintern des Toyotas steckt. Aber die Sonde sitzt richtig, das sehe ich von hier.

“Nee, Sonde sitzt richtig!”, ruft der zweite Dekra Mann.
“Dann ist der Motor kaputt!”, ruft der Schlacks, “Die Werte hier sind nicht gesund!”

Alter WAS REDET der denn da? Das ist ein forking Toyota, der geht nicht kaputt. Oder ist am Ende dieses Klingeln, dass das Aggregat von sich gibt wenn es warm ist, doch Sympton von was ganz Schlimmen? Ich sage der Vertragswerkstat jetzt schon seit zwei Jahren, dass dieses Geräusch da ist, aber außer mir scheint das niemand zu hören. Oder ist am Ende mein Yaris doch Opfer des Serienfehlers, bei dem sich die Abgasrückführung wegen schlechter Beschichtung in den Kühlkreislauf fressen kann? Diesen Fehler hat Toyota nie offiziell zugegeben, sondern sich immer rausgeredet mit “bedauerliche Einzelfälle aufgrund von, äh, agressivem Benzin”. Ist mein Yaris am Ende jetzt schon kaputt?? Man, bitte nicht. Die Kiste ist mein Traumauto. Andererseits, wenn er kaputt ist, könnte ich mir ein e-Auto...

“Man, Hinnerk!”, ruft der zweite Dekra-Mann dem Strohpickel zu, “Wenn du die Messsonde für Diesel in einen Benziner steckst, kann da nichts Vernünftiges bei rauskommen!”

Achso.
Na dann. Nee, man gut, dass sich der Yaris nicht über Nacht in einen Diesel verwandelt hat.


Nachtrag: Sie haben mich mit abgelaufenem Verbandskasten erwischt. Fünf Monate drüber. Und das, wo ich erste Hilfe doch für so wichtig halte, dass ich vor 4 Tagen erst wieder den Ersthelferlehrgang gemacht habe.
Schande-Schande-Schande.

Momentaufnahme: Juli 2026

Momentaufnahme: Juli 2026

Herr Silencer im Juli 2026

Warum gibt es keine ruhigen Zeiten mehr im Jahr?

Wetter: Monatsanfang wie der Juni, mit 9 bis 13 Grad und Regen. Tagelang ist es bedeckt, Blätter fallen von den Bäumen – das fühlt sich nach Herbst an. Monatsmitte nochmal kühler, mit grauen Tagen von 8 bis 14 Grad. Regnen tut es so gut wie nicht, nirgens. In Deutschland trocknen Flüsse und Seen aus, in Italien läuft Meerwasser in die Po-Ebene und in Frankreich und Spanien brennen ganze Landstriche. In den letzten Julitagen kommt die neue Hitzewelle auch in Deutschland an, wieder sind es 36 Grad im Schatten.


Lesen:

Terry Pratchett: Lords and Ladies [1992, Kindle]
Unmittelbar nach “Witches abroad”: Nanny Ogg, Magrat Knoblauch und Esmé Wetterwachs sind wieder zu Hause in den Spitzhornbergen. Auf Magrat wartet ein Jobwechsel, von der Hexe zur Königin von Lancre. Esmé Wetterwachs wird von rebellischen Junghexen herausgefordert. Nanny Ogg bereitet ein Bad vor.

Während jede der Hexen mit ihren eigenen Problemen beschäftigt ist, formiert sich über Lancre eine lebensbedrohliche Gefahr: Nach Jahrhunderten machen Elfen Anstalten, durch die dünner werdenden Mauern der Realität zu brechen. Und anders, als alle denken, sind Elfen nicht schön und nett, sondern bezaubernd schön – und grausame Massenmörder.

Man merkt an der Sprache, dass das Buch in den 90ern entstanden ist. Aber anders als in den ganz frühen Pratchett-Werken gibt es hier schon keinen Slapstick mehr, sondern eine ordentliche Geschichte und gut ausgeformte Figuren mit ordentlich Tiefe und einer Entwicklung.

In Vielerlei Hinsicht legt “Lords and Ladies” die Grundsteine für die Weiterentwicklung der Scheibenwelt, und sogar für deren Abschluss. “The Shepherds Crown”, das 23 Jahre später erschienene, letzte Buch von Pratchett, greift Handlungsstränge, Figuren und Begebenheiten von “Lords and Ladies” wieder auf und führt sie zu einem Ende.

Interessant, heute diese Zirkelschlüsse zu sehen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Esmé Weatherwax ein blutrünstiges und halb wahnsinniges Einhorn bändigt.


Hören:


Sehen:

Shogun [2024, Disney+]
Im Jahre 1600 strandet nach wochenlanger Irrfahrt ein englisches Schiff an der Küste Japans, nur wenige Seeleute überleben. Navigator Blackthorne wird in die Machtkämpfe der Fürstenhäuser hineingezogen. Der neue Kaiser ist noch ein Kind, und mehre Fürsten wären gerne Shogun, des Kaisers Stellvertreter und damit Herrscher über Japan.

Eine Neuauflage der 80er-Jahre-Serie. Damals fokussierte alles auf Richard Chamberlain, der als Blackthorne ziemlich spicy Affären mit japanischen Hofdamen hatte und später zum Samurai unter Fürst Toranaga wurde. Das war damals schon erstaunlich aufwendig produziert, aber nichts gegen den Aufwand, den FX hier betrieben hat.

“Shogun 2024” erweckt Japan bildgewaltig und sehr atmosphärisch zum Leben.

Anders als beim Chamberlain-Vehikel fokussiert die Neuauflage nicht die ganze Zeit auf die Figur des Blackthorne, sondern gibt den japanischen Charakteren Raum und zeigt viel von japanischer Kultur und Gepflogenheiten. Das fühlt sich wundervoll und fremdartig an, was noch dadruch gesteigert wird, dass hier fast ausschließlich japanisch gesprochen wird – manchmal ohne Untertitel, so dass die Zuschauer, genau wie Blackthorne, nicht genau verstehen, was hier passiert. Sehr cooler Kniff, der das ganze authentisch macht.

Das Blackthorne nicht ständig im Mittelpunkt steht ist auch gut so, denn der Schauspieler, der den englischen Navigator verkörpert, ist ein fürchterlicher Lappen. Cosmo Jarvis ist eigentlich Musiker, und das merkt man deutlich. Seine schauspielerischen Fähigkeiten beschränken sich auf zwei Gesichtsausdrücke: Wehleidig und traurig. Im Ernst, der guckt immer so, als sei gerade sein Lieblingshund gestorben. Oder als hätte er ganz doll Zahnschmerzen. Oder als sei ihm etwas auf den Fuß gefallen. Auf jeden Fall, als würde er gleich in Tränen ausbrechen.

Null Charisma, keine Präsenz – keine Ahnung, warum der gecastet wurde. Zumal der von Schauspiellegenden wie dem Amerikaner Hiroyuki Sanada als Toranaga oder Anna Sawai als Mariko in jeder Szene völlig an die Wand gespielt wird.

Neben dem Lappen gibt es nur einen Grund zur Klage: Manche Szenen sind wieder dunkel wie ein Bärenrarsch, auf nicht-HDR-Geräten zweifelt man über weite Strecken am eigenen Augenlicht.

Sei´s drum, die Serie ist eine Wucht.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie der Rat im Kaiserpalast in Kyoto tagt. Da bin ich selbst schon gewesen!

Quantum Leap [2022, Joyn]
Nachdem er die Theorie aufgestellt hatte, dass man innerhalb seiner eigenen Lebenszeit Zeitreisen könne, stieg Dr. Ben Song in den Quantensprungzeitbeschleuniger und… verschwand.

Wait, what? War das nicht Dr. Sam Beckett, der Zurück in die Vergangenheit sprang und mit Hologramm Al Dinge im Leben von Personen zum Guten wenden musste?

Ja, war es. Leider wurde die Serie 1993 überraschend abgesetzt, und den Produzenten fiel nichts Besseres ein, als in der letzten Szene eine Texttafel in die Kamera zu halten, auf der der Name des Helden auch noch verkehrt geschrieben war: “Dr. Sam Becket (SIC!) kehrte nie nach Hause zurück”.

“Quantum Leap” von 2022 ist nun ein, als Fortsetzung getarntes, Remake dieser Geschichte.

Ein neues Team nimmt sich vor, Sam Beckett in der Vergangenheit zu finden, staubt dafür den alten Quantensprungzeitbeschleuniger ab und reaktiviert die etwas eigensinnige KI Ziggy. Beim Rumtüfteln macht es plötzlich ZAPP, und der Wissenschaftler Ben Song ist weg. Er findet sich nun seinerseits in der Vergangenheit wieder und muss mit Hilfe Des Quantum Leap-Teams Dinge richten.

“Quantum Leap” greift das alte Motiv von “Zurück in die Vergangenheit” auf: Einzelkämpfer springt jede Woche in eine neue Figur und an verschiedene Zeiten und Orte und wird dabei von einem Hologramm begleitet.

Die Suche nach Sam Beckett tritt dabei leider schnell in den Hintergrund, stattdessen konzentriert man sich auf den Versuch, den neuen Zeitreisenden Ben Song wieder nach Hause zu holen. Das macht die Serie dann faktisch doch weniger zu einer Fortsetzung, als vielmehr zu einem Remake von “Zurück in die Vergangenheit”. Dabei versucht die neue Serie weniger Campy zu sein als das Original und mehr Dramatik reinzubringen, was mir sehr gut gefällt.

Zugleich wird das Bild weiter aufgezogen. Es gibt nun handlungsübergreifende Erzählstränge und Zeitreise-Mysterien, die wirklich spannend sind. So gibt es z.B. Sprünge, die zusammen zu hängen scheinen, und die auf ein bestimmtes Ziel in der Zeit ausgerichtet sind, dem sich Ben Song immer weiter nähert. Ab Staffel zwei kreuzen sich diese Zielsprünge immer wieder mit dem Leben einer bestimmten Person, und führen teils 300 Jahre in die Vergangenheit oder in ganz andere Länder.

Das neue “Quantum Leap” nimmt mehr Freiheiten, was die eignen Zeitreiseregeln angeht. Sam Beckett konnte nur innerhalb seiner eigenen Lebenszeit reisen, Ben Song verschlägt es auch mal ins Jahr 1692 oder nach 2050.

Das alte “Zurück in die Vergangenheit” war zudem stets knausrig damit, uns die Gegenwart zu zeigen. Über den ganzen Serienlauf von fünf Jahren spielten gerade mal fünf Minuten in den Laboren der Zeitmaschine in der Gegenwart. Die neue Serie geht da anders ran und bietet parallel zur Vergangenheit immer auch eine Gegenwartshandlung, wobei das ganze Team hinter Projekt Quantensprung eine wichtige Rolle spielt.

Dieses Team ist eine Wucht, sowohl von den Figuren als auch von den Schauspielern. Es ist sehr divers aufgestellt: Jason Alexander Park (“Desire” aus “Sandman”) spielt den genderfluiden Quantenspezialisten Ian Wright, die Newcomerinnen Nanrisa Lee und Caitlin Bassett sind als toughe Sicherheitschefin und als Projektbegleiterin unterwegs. Der größte Besetzungscoup ist allerdings Ernie Hudson (Winston Zeddemore aus “Ghostbusters”), der den Projektleiter Herbert “Magic” Johnson mimt.

Jede dieser Figuren ist toll gespielt und gut geschrieben, jede bringt eigene Hintergrundgeschichten mit, die immer wieder geschickt in die Zeitreiseabenteuer eingewoben sind. In der Vergangenheit steht dann der Zeitreisende Ben Song im Vordergrund, nur leider ist ausgerechnet Raymond Lee in dieser Rolle nicht unbedingt brillant, um nicht zu sagen: Fehlbesetzt.

Aber nun, irgendwas ist immer, und ich freue mich, dass hier eine meiner Lieblingsserien aus den 90ern sehr liebevoll remaked wurde. Figuren, Stories, Setting – hier passt sehr viel. Für mich zumindest, für Produzent NBC leider nicht – die Serie wurde 2024 nach nur zwei Staffeln und 31 Episoden wieder eingestellt. Wie das Original mit einer sehr guten Doppelfolge… und einem Cliffhanger, der nie aufgelöst werden wird.
Schade drum.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Team herausfindet, was und wer hinter den Zielsprüngen steckt.


Spielen:

South of Midnight [2026, PS5]
In den Südstaaten der USA reisst ein Hurricane ein Haus weg. Dummerweise war darin die Mama der Teenagerin Hazel.

Hazel macht sich auf die Suche nach Haus und Mutter. Dabei wird die Realität immer dünner, und sie gerät in zunehmend verwirrendere Situationen. Bald verfolgen sie berggroße Alligatoren, sie findet baumgewordene Menschen und trifft einen sprechenden Wels. Der Wels ist es auch, der Hazel erklärt, dass sie eine Weberin sei. Ihr Erbe ist es, dass sie das Gewebe von Raum und Zeit beeinflussen kann.

“Southern Gothic” nennt man Gruselgeschichten aus den Südstaaten, und in “Sout of Midnight” werden sie allesamt wahr.

Umgesetzt wird die Alice-im-Wunderland-Story mit viel Liebe zur Story, vor allem aber einem wundervollen Artstyle. Die Grafik wirkt wie Stop-Motion, und das Intro ist sogar mit echten Figuren und in Stop Motion erstellt und wirklich herzallerliebst:

Die absolute Bombe ist aber der Sound. Ambientsounds wurden direkt in den Sümpfen Louisianas aufgenommen, und so platscht, zirpt und knarrt es wunderbar räumlich aus den Boxen.

Dazu kommt die Musik: Durch jeden neuen Level schweben zu Beginn nur lose zusammenhängende Noten oder Akkorde und einzelne Textzeilen. Im Verlauf des Levels werden die immer dichter werden und verweben sich ineinander, bis daraus zum Ende ein kraftvoller Song wird, der die Figuren oder die Geschichte beschreibt. Eingespielt sind diese Stücke von einem echten Orchester, Gospelchören und wirklich guten Sängerinnen und Sängern.

Im krassen Gegensatz zu der wunderschönen Präsentation steht das fade Gameplay. Die Erkundungs- und Puzzlesequenzen sind interessant und okay, werden aber durch Arena-Kämpfe unterbrochen. Die brechen den Spielfluss, sind repetitiv, und da es nur wenige Gegnertypen gibt, sind sie auch nicht besonders interessant. Leicht sind sie dennoch nicht, die Fließbandgegner können im Verlauf immer mehr ab und werden immer zahlreicher, was an sich schon ein billiger Kniff ist. Das Kampfsystem ist aber auch einfach nicht gut, weil es animationsbasiert ist. Holt ein Gegner zum Schlag aus, gibt es keinen richtigen Konter – selbst wenn man ihn während seiner Schlaganimation kaputtboxt, führt er den noch zu Ende.

Anders dagegen die Bosskämpfe. Die sind alle interessant, aber letztlich auch nach Schema F und zudem so schwer, das der fein einstellbare Schwierigkeitsgrad ein Segen ist.

Trotz der spielerischen Schwächen: “South of Midnight” ist ein echtes Kleinod, ein wunderschönes und einzigartiges Märchen. Leider wird es das einzige seiner Art bleiben. Das kleine Studio “Compulsion Games”, das dahintersteckt, wurde von Microsoft gekauft, “South of Midnight” XBOX-exklusiv im Gamepass an Abonnenten verschenkt und das Studio im Anschluss wegen zu geringer Verkaufszahlen(!) geschlossen.
Bastarde.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Hazel erkennt, was es mit der Riesenspinne auf sich hat. Ein berührender Twist.

Nachtrag: Compulsion Games wurde jetzt doch erlaubt sich zu überlegen, ob sie mitsamt der Marke einen neuen Investor finden möchten.


Machen:

  • Urlaubsvertretung
  • Erste-Hilfe-Kurs, endlich mal wieder
  • Gewisse Dinge ziemlich beschissen finden
  • Mich mit dem Gedanken anfreunden, Anna in Rente schicken zu müssen

Neues Spielzeug:

Sidi Adventure 2 GTX
Feste Stiefel von Sidi, eine Mischung aus Touren- und Endurostiefel.
Mehr dazu hier.


Ding des Monats:

Besteck.
Endlich mal vernünftiges Besteck.

Bislang hatte ich, neben einem Sammelsurium von Einzelstücken aus diversen WGs, ein recht okayes “Auenthaler”-Besteck in kleiner Zahl. Ich hatte keine Ahnung mehr woher ich das hatte -ich dachte, das wäre recht gutes. Stellt sich aber raus: “Auenthaler” war mal eine Eigenmarke von Aldi.

Es hat 20 Jahre gute Dienste geleistet, wird aber nun abgelöst von WMF Verona. Sehr klassische Form, ein wenig Art Deco-Style. Angenehm schwer, aber nicht zu schwer. Eignet sich für den Alltag genauso wie für die festliche Tafel. Nur die Dessertlöffel sind für meinen Geschmack zu kurz.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Ich hasse Schuhe kaufen

Ich hasse Schuhe kaufen

Ich hasse es Klamotten zu kaufen, aber der absolute Endgegner sind für mich: Schuhe.

Schuhe kaufen war schon immer eine Qual, hänge ich doch meistens zwischen zwei Größen. Dass sich im Laufe der Zeit meine Füße verändert haben und jetzt unterschiedlich breit sind, macht die Sache nicht einfacher.

Im weitesten Sinne sind auch Motorradstiefel Schuhe, und DIE kaufen zu müssen hasse ich ganz, ganz besonders.

Schon beim letzten Mal war das ein Drama. Früher hatte ich Web GTX-Stiefel von Alpine Stars. Die waren toll zum Fahren und leicht wie Turnschuhe, daher taugten sie auch für ausgedehnte Spaziergänge bei Städtetouren.

Leider bekam Alpine Stars massive Qualitätsprobleme. Mit voller Schnauze wegen bröselnden Sohlen und undichten Goretex-Layern sah ich mich nach anderen Marken um und landete beim deutschen Hersteller Daytona.

Hier begann wieder das Schuhe-kaufen-Drama: Daytona Road Stars in Größe 41 saßen vorne zu eng, in 42 waren sie aber so groß, dass ich schlappte und mir die Füße blutig lief. Am Ende bin ich bei den 41ern geblieben. Die sind mit der Zeit ein wenig weiter geworden und sitzen jetzt gut, blutige Fersen gibt es in denen aber nun auch – längere Spaziergänge sind schlicht nicht möglich, für Städtetouren nehme ich jetzt immer ein Paar Trekkingschuhe mit.

Ansonsten sind die Dinger super, auch nach sieben Jahren sind die Daytonas top.
Eigentlich.

Mittlerweile habe ich halt keine Angst mehr vor Schotter- oder Geröllwegen, wo ich auch mal ganze Passagen im Stehen fahre. Genau dafür taugen weiche Tourenstiefel wie die Daytonas nicht wirklich, dafür trägt man Endurostiefel bzw. Motocross-Stiefel: Klobige Riesendinger, groß wie Skistiefel, die bis unters Knie gehen und die über der Hose getragen werden. Sie sollen Fuß und Knöchel vor dem Verdrehen und der Wucht der Maschine schützen, wenn das Mopped auf das Bein fällt. So ein Stiefel ist weder einer in dem man herumläuft, noch taugt der für lange Motorradreisen.
Also nichts für mich.
Dachte ich.

Bis zu einem Gespräch mit Mr. Transalp.

In dem ging es um, urgh, 180 Grad verdrehte Füße und abgerissene Bänder. Vor sowas schützt einen, wenn es richtig blöd läuft, auch ein guter Endurostiefel nicht.
Aber ein Weichstiefel schon mal gar nicht.

Nach dem Gespräch mit Mr. Transalp habe ich abends meine Daytonas in die Hand genommen, sie geknautscht und verdreht und gemerkt: Die Roadstars sind überhaupt nicht gegen Verdrehungen des Fußes oder Einschläge am Unterschenkel gewappnet, und zudem sind sie nach sieben Jahren weich wie Lappen gut eingelaufen.

Nun gibt es tatsächlich eine Klasse von Stiefeln, die zwischen den Extremen – Motocross auf der einen Seite und Lappen auf der anderen – angesiedelt ist: Adventure Boots.

“Adventure” meint im Moppedbereich immer ein Zwischending aus “Geeignet für Straße UND Gelände”, in der Regel aber mehr Straße als Offroad. Die V-Strom, zum Beispiel, ist ein Adventure-Motorrad. Damit ist sie perfekt für mich, ich fahre hauptsächlich Asphalt und nur selten abseits davon, aber wenn es sein muss, ist es halt möglich.

Nach kurzer Recherche habe dann mal diese Stiefel hier bestellt: Sidi Adventure 2 GTX.

Die Sidis sind nach EN 13634:2017 Level 2 zertifiziert, sehr fest und wirklich eine Mischung aus Touren- und Endurostiefel. Sie sind krass gut verarbeitet, haben eine sehr gute Sohle mit ordentlichem Profil und sollten Dank Goretex (dafür steht das GTX) auch wasserdicht sein. Eine umlaufende Kunststofforthese mit einem Scharnier auf Höhe des Knöchels soll für Schutz sorgen. Einfach mit der Hand verdrehen und falten oder stauchen kann man den Stiefel jedenfalls nicht.

Zwei Schnallen, eine über den Spann und eine über dem Knöchel, verhindern, dass sich der Stiefel im Falle ungewollter Rutschmanöver über den Erdboden vom Fuß trennt. Wesentlich schwerer als die Daytonas mit ihrer Stahlplatte in der Sohle sind sie nicht.

Anders als echte Endurostiefel verzichten die Sidis auf eine weitere Klammer und eine Hartschale im Bereich unter dem Knie. Hier bringen sie nur einen großflächigen Klettverschluss mit, sowie eine einzelne Kunststoffplatte direkt auf dem Schienbein.

Der Schienbeinschutz ist fest, aber nicht so voluminös wie bei den echten Offroadern. Damit passen die Sidis auch unter Tourenhosen und unter Jeans.

Hatte ich erwähnt, dass ich Schuhe kaufen hasse? Nun, Motorradstiefel sind Schuhe, und das hier war keine Ausnahme. Das erste Paar kam in meiner normale Größe, in 41, was laut Herstellerangaben und minutiösem Ausmessens meiner Füße auch hätte passen sollen.

Spoiler: Tut es nicht.

Es stimmt, was alle Rezensionen im Netz sagen: Die Sidis sind von der Länge her eine Nummer zu kurz und von der Breite zwei Nummern zu schmal. Um das rauszufinden, musste ich aber insgesamt drei Größen ordern und ausprobieren. Normalerweise trage ich halt 41, bei Sidi muss es aber 42 sein, und das quetscht den Fuß seitlich immer noch ein wenig. Bei 43 passt zwar die Breite, dafür kann ich dann hinten eine ganze Hand zusätzlich reinschieben.

Drei Paar Stiefel im Gesamtwert von über 1.000 Euro im Haus zu haben und mich für eine Größe entscheiden zu müssen, sowas nervt mich kolossal – ich kann Schuhe kaufen schon im Geschäft nicht leiden, und Anprobe zu Hause ist nur minimal weniger schlimm.

Pro-Tip und Notiz an mich selbst für das nächste Mal: Fußbett aus den Stiefeln nehmen und Fuß draufstellen, dann sieht man direkt, was passt und was nicht.

Nun bin ich mit den Adventure 2 also in 42 unterwegs. Dafür musste an den Motorrädern auch nicht viel umgestellt werden. Die Sidis sind nur unwesentlich höher als meine alten Stiefel, die Fußhebel passten deshalb bzw. brauchte nur eine minimale Verstellung. Hätte ich nicht gedacht, denn sie wirken massiv größer als meine alten:

Alpine Stars Web GTX gegen Sidi 2 Adventure GTX

Anfangs waren die Stiefel extrem steif, und sie quietschten bei jedem Schritt. Nach der großzügigen Behandlung der Orthese mit Silikonspray, einigen Fahrten und mehreren Nachmittagen des Herumlaufens bessert sich das beides so langsam, auch wenn der Stiefel immer noch ein wenig zu schmal ist und bei langem Tragen und insbesondere Abends und bei heißem Wetter Schmerzen verursacht. Mal gucken, ob sich das noch ändert und ich die dauerhaft fahren möchte, oder es doch ein breiteres Modell eines anderen Herstellers werden muss.

Einen Effekt haben die Dinger auf jeden Fall schon. Bei längeren Strecken als nur reinen Stadtfahrten greife ich mir eher die Adventure-Boots, auch wenn sicher ist, dass es auf keinen Fall ins Gelände geht. Das ist eine reine Kopfsache: Die Sidis versprechen mehr Halt und mehr Sicherheit, und neben denen fühlen sich die Daytonas an wie ausgelatschte Hausschuhe.

Daytone Road Star GTX gegen Sidi 2 Adventure GTX

Illusionen mache ich mir übrigens keine.
Ich weiß, dass auch diese Art Stiefel keine hundertprozentige Sicherheit garantieren kann. Kein Stiefel kann das, und sowohl Mr. Transalp sowie der namenslose Dummfahrer neulich bei Kanyar hatten ordentliche Stiefel an, und sich trotzdem die Gräten verdreht – direkt am Knie.

Quelle: Kanyarofficial, YT

Gegen solche schlimmen Verdreher gibt es mittlerweile Knieorthesen für Motorradfahrer, aber das ist dann für meine Zwecke ein Bißchen zu sehr drüber.

Zumindest dürfte so ein fester Stiefel den Knöchel vor Umknicken und Verdrehung schützen, evtl. auch vor Verletzungen, wenn das Motorrad auf den Fuß fällt. Das kann selbst bei eigentlich trivial aussehenden Unfällen und niedriger Geschwindigkeit schlecht ausgehen, wie Ruthi hier ab 1:50 schön zeigt. Der kleine Umfaller zog wochenlange Schmerzen nach sich, weil der Fuß nicht nur verdreht wurde, sondern auch so gequetscht, dass mehrere Zehenknochen angebrochen waren. Bei dem Vorfall trägt er exakt meine Daytonas:

Zusammengefasst: Ich glaube, ich habe mit der Kategorie “Adventure Stiefel” etwas für mich gefunden. Ob es die Sidi Adventure 2 GTX sind, bleibt abzuwarten.


BTW: Falls sich jemand bemüßigt fühlt die Überschrift korrigieren zu wollen in “Ich hasse es, Schuhe zu kaufen”: Nein.
In Südniedersachsen ist “Schuhe kaufen” ein Kompositionsverb. Wir schreiben das hier eigentlich auch klein und zusammen, “schuhekaufn”. Verwendung unter anderem: “Ich muss schuhekaufn gehn”. Die einzig passende Erwiderung darauf lautet übrigens “Beileid”.

Das Sterben der Motorradwerkstätten (2026)

Das Sterben der Motorradwerkstätten (2026)

Ich bin traurig, schrieb ich vor ziemlich genau einem Jahr, denn der geniale Suzukihändler schließt, weil es keine Nachfolge gibt.

Der Händler selbst war 72 und so langsam bereit für den Ruhestand. Trotz jahrelanger Suche wollte niemand den schmucken Laden und die Werkstatt übernehmen. Eigentlich war geplant, das der junge Werkstattmeister das Geschäft weiterführt. Aber Selbstständigkeit ist Risiko, und am Ende war der Sirenengesang eines Rüstungskonzerns, der mit dick Geld und 9-17-Job lockte, attraktiver.

Sehr schade. Nichts mehr mit kleiner Werkstatt, Kaffee und nettem Klönschnack. Um meine Suzuki warten zu lassen, muss ich jetzt über eine Stunde bis nach Hessen fahren und bin da dann Kundennummer 35.824 in einem großen Autohaus mit angeschlossener Motorradwerkstatt.

Lichtblick war die Werkstatt hier vor Ort. Die letzte Motorradwerkstatt in der ganzen Stadt, die immerhin 125.000 Einwohner zählt. Ich kenne diese Werkstatt seit mindestens 20 Jahren. Preislich nicht billig, aber exzellente Arbeit, Kaffee und Klönschnack inklusive.

Der beruhigende Gedanke war immer: Klar, um die Suzuki-Herstellergarantie zu halten und für Computerkram, muss ich mit der V-Strom in die weit entfernte Markenwerkstatt. Aber Reifen, Kettensatz und andere mechanische Sachen – das kann auch meine Werkstatt hier vor Ort erledigen.

Zumal dort ordentlich in die nächste Generation investiert wurde. Der Inhaber hat die Siebzig auch schon überschritten. Seit rund 10 Jahren hat er sich um eine Nachfolge gekümmert. Einen jungen Mann ausgebildet, ihm seinen Meister ermöglicht und ihm dann noch die Weiterbildung zum Betriebswirt finanziert. Das Ziel war klar: Der junge Mann sollte das Unternehmen übernehmen.

Dazu kommt es jetzt nicht mehr.
Die Werkstatt wird zum Jahresende schließen.

Stellt sich nämlich raus: Wenn man erst Mitte zwanzig ist und wenig Eigenmittel mitbringt, dann wollen einem Banken nicht unbedingt Geld geben. Auch, wenn das für ein gut laufendes Unternehmen gedacht ist – der Neumaschinenverkauf lief in den letzten zwei Jahren schneller als der Hersteller liefern konnte, und die Kundschaft war so zahlreich, das Fremdfabrikate nicht mehr angenommen werden konnten. Zudem wurden die Kunden im Ansatz wieder jünger. Aber: Man weiß ja auch gar nicht, wie das mit diesen Motorrädern generell so weitergeht.

Dazu kommt: Für ordentlich Umsatz braucht es Werkstattstunden, und die muss jemand machen. In der Branche gibt es wenig Nachwuchs. Auszubildene springen häufig nach kurzer Zeit ab – der letzte in der Werkstatt kam nach Tag 3 nicht mehr, weil: “Burnout”. Dabei macht dort niemand mehr eine Überstunde – work-life-balance hat auch bei Schraubern einen Stellenwert. Als der alte Händler seinen Laden aufgebaut hat oder wenn Zeiten kritisch waren, dann hat der auch 16 Stunden am Tag gearbeitet, aber diese Zeiten sind vorbei. Trotzdem: Der Markt der Moppedschrauber ist leergefegt, und ohne jemanden in der Werkstatt gibt´s halt keinen Umsatz.

Dazu kommt die Wirtschaftslage, gerade hier vor Ort. Südniedersachsen ist pleite, gerade hat die Stadt wieder die Gewerbesteuer erhöht. Da bleibt immer weniger in der Kasse, Selbstständigkeit wird immer unattraktiver.

Was machen eigentlich die Hersteller, wenn es keine Werkstätten mehr gibt? Müssten die nicht jungen Leuten auch Starthilfe geben, um ihr Händlernetz zu halten? Klingt logisch, aber daran scheint kein Interesse zu bestehen. Im Gegenteil, die Motorradhersteller machen es den Händlern nicht leicht. Ab diesem Jahr sind bei dieser Marke neue Fliesen und bestimmte Möbel für den Showroom vorgeschrieben, Investitionskosten: Mindestens dick fünfstellig.

Das alles hat den designierten Nachfolger so frustriert und verunsichert, dass er nun etwas ganz anderes machen möchte. Mit 76 Jahren und allein kann der bisherige Inhaber das Ganze natürlich nicht weiterführen, und so wird Ende des Jahres die letzte und beste Motorradwerkstatt im Umkreis von 50 Kilometern schließen.

Wie schrieb ich vor einem Jahr? “Händler, die in den 80ern angefangen haben und damit zur Boomer-Generation gehören, brechen nun weg und werden nicht ersetzt bzw. die Nachfolge völlig unattraktiv gemacht.”

Ich bin traurig.

Merz beschneidet Bürgerrechte: Heimliches Aushöhlen von Auskunftsgesetz

Merz beschneidet Bürgerrechte: Heimliches Aushöhlen von Auskunftsgesetz

Als die zuständige Staatsanwältin ins Gesundheitsministerium einritt, um zu Jens Spahns dubiosen Maskendeals zu recherchieren, wartete eine Überraschung: Die zugehörigen Akten waren nicht mehr auffindbar. Alles weg, leider, leider. Die Vorgänge seien so leider nicht mehr nachvollziehbar.

Am Ende hat die Staatsanwältin die Akten doch bekommen. Die standen nämlich auf der Website fragdenstaat.de.
Wie die Ministeriumsakten dorthin kamen? Weil Bürger:innen sie “befreit” hatten. Nicht durch hacking, sondern durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz.

Dieses Gesetz, 2006 von SPD und Grünen gegen den Willen der CDU/CSU verabschiedet, erlaubt es Bürger:nnen und NGOs Anfragen an Behörden zu stellen, und die MÜSSEN antworten und Akten und interne Notizen herausgeben – oder SEHR gut begründen, warum sie das nicht wollen oder können.

Mehr als 300.000 Anfragen wurden seit 2006 gestellt. Sicher, für die Verwaltung ist das lästig – aber das Informationsfreiheitsgesetz ist ein extrem wichtiges Instrument der Demokratie geworden: Es ist das einklagbare Recht auf Informationen und Rechenschaft durch die Politik.

Die Maskendeals von Jens Spahn.
Philip Amthors Lobbybrief zu Augustus Intelligence.
Karl-Theodor zu Guttenbergs Beziehungen zu Wirecard.
Katharina Reiches Gekuschele mit Milliardären.
Ursula von der Leyens Beratermillionen.
Lukrative Nebenjobs von Abgeordneten.

All diese Informationen sind nur rausgekommen, weil es das Informationsfreiheitsgesetz gibt.
Und nun will die Regierung Merz dieses Gesetz “reformieren”.

Anfragen sollen künftig begründet werden müssen. Kann eine Behörde kein “berechtigtes Interesse” einer Person erkennen, muss sie die Anfrage nicht beantworten.
Die Kosten einer Antwort, bislang bei 500 Euro gedeckelt, sollen künftig nach dem “Verursacherprinzip” umgelegt werden und können so unkalkulierbare Höhen erreichen. Bei so einem Risiko werden es sich Privatpersonen acht Mal überlegen, ob sie so eine Anfrage überhaupt stellen – am Ende kann die Privatinsolvenz stehen.

Aber dann können die Bürger sich zusammenschließen, so etwas zusammen finanzieren und z.B. als Verein Anfragen stellen, oder?
Aber nicht doch, Monsieur. Nach der “Reform” sollen ausschließlich noch natürliche Personen antragsberechtigt sein – Nichtregierungsorganisationen, wie die von mir sehr geschätzte und unterstützte “Gesellschaft für Freiheitsrechte”, sowie Recherchenetzwerke, Firmen und Zeitungen sind damit raus.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ausgerechnet die Regierung, die schon wieder die anlasslose Totalüberwachung der eigenen Bevölkerung durchsetzen will, die Regierung, die mit der Chatkontrolle gerne jeden Messenger jeder Person in Europa mitlesen will, genau diese Regierung fordert einen Vertrauensvorschuss für sich selbst und versucht zu verschleiern, was sie hinter den Kulissen so treibt.

Oder anders: Während sich Deutschland über die Attestpflicht ab dem ersten Tag erregt, versuchen Merz und Konsorten die Demokratie zu schleifen – still und heimlich, versteckt in einem unübersichtlichen “Reformpaket” und verabschiedet während der Fußball WM.

Petition gegen die “Reform” hier.

Momentaufnahme: Juni 2026

Momentaufnahme: Juni 2026

Herr Silencer im Juni 2026

Wetter: Monatsanfang bei 9 bis 13 Grad und Regen. Dann kommt die (erste) Hitzewelle, Temperaturrekorde fallen wie die Fliegen, draußen sind es durchgehend über 30 Grad im Schatten, nachts kühlt es sich kaum ab. Erst am Monatsende kriegt sich das Wetter wieder ein.


Lesen:


Hören:

Spider Noir OST [iTunes]
Ausnahmeserie, Ausnahmsoundtrack: Neben orchestrale Gedöns finden sich hier verrauchte Jazz-Nachtclubversionen von “Saving Grace”, “Dream a little Dream (of me)” und “The Devil you Know”. Sehr toll, ich mag das.


Sehen:

Ladies First [2026, Netflix]
Sasha Cohen Baron (“Hugo”, “Borat”) ist Manager der Werbeabteilung der Brauerei Guinness. Er sieht sich bereits als neuer CEO des Konzerns, denn Dank seiner Seilschaften zum (rein männlichen) Vorstand hat er den Job so gut wie sicher. Frauen kommen in seiner Welt nur als Lustobjekte vor, die er zwar gut behandelt, aber nicht wirklich ernst nimmt.

Das ändert sich, als er plötzlich in einer Welt aufwacht, in der alle Geschlechterverhältnisse umgekehrt sind. Plötzlich wird er von der (rein weiblichen) Führungsriege nicht mehr ernst genommen und bekommt Dinge gesagt wie “Lächele doch mal” und muss sich gegen sexuelle Avancen von Rentnerinnen wehren. Der CEO-Job ist natürlich völlig außer Reichweite – eine langjährige, bestens mit dem (rein weiblichen) Vorstand vernetzte Managerin hat den bereits so gut wie in der Tasche, und überhaupt: Einen Mann als CEO hat es noch nie gegeben, das ist un-vor-stellbar.

Das Thema “Geschlechterumkehr” und “Mann versteht plötzlich Frauen” ist natürlich nicht neu, aber schon lange nicht mehr in Filmen behandelt worden, und schon gar nicht so. “Ladies First” zeigt uns erst ein typisches Werbagentur-Szenario a la “Mad Man in der Gegenwart”, bei dem wenig Würdigung für Frauen völlig normal ist. Das ist nicht mal dramatisch übertrieben, sondern zeigt einfach den aktuellen Stand der Gesellschaft und die alltägliche Realität von Frauen heutzutage.

DANN wird alles auf Links gedreht, und mit dem Genderswapping beginnt die Kunst dieses Films: Statt plakativ zu übertreiben, strotzen die Szenen vor kleinen, feinen Beobachtungen. Zum Beispiel, wenn sich Werbung nackter Männer bedient, wenn der Titel des Buch-Beststellers “Harriet Potter” ist, wenn sich in der U-Bahn Rentnerinnen “zufällig” an jungen Männern reiben oder wenn Frauen Vulva-Scherze reißen. Oder wenn Männer über Penisfiller und Nippelvergrößerungen nachdenken, um bessere Aufstiegschancen zu haben.

Solche Dinge passieren en passant oder im Hintergrund, provokativ im Vordergrund stehen wirklich bezeichnende Szenen. Kern ist die, in der eine reine Frauenrunde sich Gedanken darüber macht, was Männer in der Werbung wohl ansprechen wird, und die Diskussion (für jeden Mann) erkennbar in die völlig falsche Richtung abbiegt, aber der einzige Mann am Tisch nicht gehört wird. Die aufsteigende Panik von Cohen, der nicht gehört wird und trotz eindeutig besserer Qualifikation ignoriert und übergangen wird, verdeutlicht ohne jegliche strukturtheoretische Gesellschaftskritik und ohne misandrischen (das ist das Gegenstück zu “misogyn”, also frauenfeindlich) Feminismus die Probleme, mit der Frauen heute zu kämpfen haben.

Ich hatte ENORM viel Spaß mit diesem Film, der genauso gut funktioniert wie “Was Frauen wollen” aus dem Jahr 2000, und den ich auch nach wie vor sehr mag. Das liegt an den extrem gut spielenden Hauptdarstellern Sacha Baron Cohen und Rosamund Pike, vor allem aber an den mit viel Geschick geschriebenen und inszenierten Szenen.

Das einzig befremdliche: Wo “Was Frauen wollen” von Nike gesponsored und mit Product Placement vollgekleistert war, ist es hier Guiness. Das unpassend und maximal seltsam.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Cohen: “Dafür braucht man EIER!” Pike: “Hä? Eier? Diese kleinen Dinger in diesem Säckchen, das so empfindlich ist, das ihr beim geringsten Druck wimmernd zu Boden geht?” Cohen: “Hrmpf”

Spider Noir [2026 Prime]
New York, 1947: Nicolas Cage ist der knallharte, aber völlig abgebrannt Privatschnüffler. Da tritt eine Femme Fatale durch seine Bürotür und gibt ihm einen ungewöhnlichen Auftrag. So weit, so Film Noir. Was aber niemand weiß: Cage ist auch Spider Man, in dieser Eigenschaft allerdings außer Dienst.

Dafuq, was ist das denn? Kommt aus dem nichts, diese Serie, und macht ALLES richtig: Das Casting – großartig. Kostüme und Sets – fantastisch. Die Story – so Noir wir nur denkbar.
Ich bin baff.

Was man dazu sagen muss: Ich LIEBE die Filme der Noir-Bewegung, habe an der Uni Seminare dazu besucht und wissenschaftliche Arbeiten darüber verfasst. In meinem Regal steht alles Mögliche, von “The Maltese Falcon” über “Die Rechnung ging nicht auf” bis “Späte Sühne”. Film Noir war stilistisch geprägt vom deutschen Expressionismus a la “Nosferatu” und dauerte in Hollywood nur wenige Jahre, von 1941 bis 1944. Tatsächlich hat die Bewegung weitaus weniger Filme hervorgebracht, als man angesichts ihres kulturellen Impacts denken könnte – Film Noir hat mit seinen Tropes und seinem Stilrepertoire das Filmschaffen nachhaltig geprägt. Film Noir sind dunkler und roher, blicken in menschliche Abgründe und transportieren das auch visuell, z.B. durch das Spiel von Licht und Schatten.

Alle Stilmittel des Film Noir setzt “Spider Noir” meisterhaft ein und treibt den Stil auf die Spitze. Folgerichtig gibt es die Serie in Schwarz-Weiß (Zur Auswahl steht auch eine Farboption, aber… nee). Diese meisterhafte Filmkunst stellt und drapiert sie um einen Nicholas Cage herum, der in seinen besten Momenten tatsächlich an Bogart erinnert. Die Story ist spannend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Nick Cages bizarres overacting, wenn er sich vorstellt, er sei eine Spinne.

Clarksons Farm Season 5 [Amazon Prime]
Clarkson ist zurück, und dieses Mal holt er sich… Roboter zur Verstärkung. Farmhand Kaleb ist natürlich not amused über Dinge wie den “Agbot”, aber es gibt größere Probleme: Die britische Regierung treibt Gesetze voran, die es Farmern in Zukunft unmöglich machen, ihre Ländereien an die nächste Generation weiterzugeben. Und dann sind da noch sehr persönliche Sachen…

Ich halte “Clarksons Farm” ja für das beste Stück TV-Unterhaltung seit “Top Gear”, und auch Staffel 5 enttäuscht nicht. Wunderschön fotografiert sind wieder einzigartige Momente, etwa wenn Clarkson ein Kalb zur Welt bringt, eine Vogelexpertin zu Gast ist oder Aufmärsche in London dokumentiert werden. (Wie der Zufall so will, bekam ich 2025 die Proteste sogar live mit, verstand aber damals nicht, worum es ging).

Dabei ist nicht alles eitel Sonnenschein: Die Staffel endet so düster, dass sogar die Titelcards nur in Schwarz-Weiß und nicht mit Musik unterlegt sind.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den ultimativen Cliffhanger.


Spielen:

First Light [2026, PS5]
Über Island werden Helikopter der britischen Streitkräfte abgeschossen. Einziger Überlebender: Ein frischgebackener Junior-Airman der Royal Air Force, ein gewisser James Bond. Das ist nun in mehr als einer Hinsicht ein Problem, denn was niemand aus der Flug-Crew wusste: Das Ganze war eigentlich als Aktion des MI6 gedacht.

Bond schlägt sich durch und wird im Anschluss vom Auslandsgeheimdienst rekrutiert und ausgebildet. Dabei eckt er mehrfach mit seiner schnoddrigen und unkonventionellen Art an, deckt aber durch Zufall eine Intrige an der Schnittstelle zwischen KI und MI6 auf.

Hossa, was für ein feines Game. IO Interaktive hat ja bisher die “Hitman”-Spiele gemacht, bei denen man als heimlicher Attentäter in stundenlanger Kleinarbeit wieder und wieder verschachtelte Levels auswendig lernen muss, um Attentatsziele möglichst elegant zu beseitigen. Dazu hatte ich nie die Geduld und bedauerte mich deswegen sehr, denn die Hitman-Games sehen einfach wunderschön aus, und meine bevorzugte Charakterrolle ist der Rogue oder der Infiltrator – ich bin nur nicht geduldig und clever genug für “Hitman”.

“First Light” ist nun im Prinzip “Hitman” für Leute, die kein “Hitman” mögen oder zu doof dafür sind. Auch Bond muss viel schleichen und Gegenstände manipulieren und Wachen heimlich ausschalten. Wird er dabei aber erwischt, bedeutet das aber nicht automatisch Game Over – Bond kann sich auch mit einer geschmeidigen Ausrede aus der Affäre ziehen oder Gegner im Faustkampf niederboxen und damit Situationen wieder unter Kontrolle bekommen. Bond scheitert also beharrlich vorwärts.

Ich war einer Origin-Story gegenüber skeptisch, hatte dann aber unerwartet sehr viel Spaß. “First Light” ist wirklich toll geschrieben, hat hervorragende Schauspieler, ist abwechslungsreich und sieht wundervoll aus. Es gibt sogar eine Titlesequence mit einem eigens von Lana del Rey komponierten und eingesungenen Song:

Lediglich die (wenigen) Baller-Abschnitte waren echt frustrierend, die musste ich in der Schwierigkeit runterstellen. In diesen Sequenzen stürmen bis zu 30 Gegner mit Schusswaffen einen verschachtelten Raum, und Bond muss es mit allen gleichzeitig aufnehmen, stirbt aber selbst nach zwei Treffern.

VIELLEICHT wäre das auf normalem Schwierigkeitsgrad machbar, wenn nicht die Gegner unendlich Munition hätten, aber in jeder Waffe, die man ihnen klaut, nur noch 7 bis 15 Schuss sind. Auf normalem Schwierigkeitsgrad ist das völlig frustrierend, im einfachen bewegt man sich wie John Wick durch die Gegnerhorden und wechselt nahtlos zwischen Faustkampf und Schusswaffen. Das ist dann schon wieder cool – uncool ist, dass man den Schwierigkeitsgrad danach nicht wieder einfach hochstellen kann. Es geht, ist aber megakompliziert.

Anyhow, das ist Jammern auf hohem Niveau. “First Light” ist ein sehr tolles, abwechselungsreiches und nicht zu langes Single Player Game UND ein guter Bond. Im Ernst, das könnte man einfach so verfilmen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn enthüllt wird, was der Titel bedeutet. Das war sehr rührend.

Remember Me [2013, XBOX 360]
Ähnlich wie die Bevölkerung heute süchtig nach Smartphones ist, ist sie es im Jahr 2084 in Paris nach “Sensens”. Das sind Schnittstellen, die direkt in den Körper implantiert sind, und über die Erinnerungen ausgetauscht, gelöscht oder verändert werden können. Das hat die komplette Gesellschaft verändert: Unangenehme oder traumatische Erinnerungen werden einfach gelöscht, schöne Erinnerungen gegen Geld gehandelt. Besonders arme Menschen verkaufen ihre wertvollen Erinnerungen, vom ersten Kuss bis zu gutem Sex, bis ihre Erinnerungen quasi weg sind.

In dieser Cyberpunk-Welt findet sich Nilin in einem Gefängnis wieder, in dem ihre Erinnerung komplett ausgelöscht werden soll. Der jungen Frau gelingt die Flucht , nachdem sie einen Teil ihres Gedächtnisses verloren hat. Nun muss sie nach und nach herausfinden, wer sie eigentlich ist und was sie getan hat. Schnell stellt sie fest, das sie besondere Fähigkeiten hat: Sie kann Erinnerungen anderer Menschen stehlen oder so manipulieren, dass sie die Persönlichkeit der Menschen ändert.

“Remember Me” war das erste Werk des französischen Studios Dontnod, das später mit “Life is Strange” bekannt wurden. Der Erstling ist aber ganz anders als das bekanntere, dialoglastige Coming-of-Age Spiel. “Remember Me” ist ein reinrassiges Actionadventure, das Elemente aus den damaligen Top-Titeln “Assassins Creed”, “Uncharted” und “Arkham Asylum” geschickt verbindet und mit eigenständigen Ideen und einem fantastischen World-Building bereichert.

So turnt und klettert Nilin im Parcours über die Dächer von Neo-Paris und verprügelt Gegner in FreeflowKämpfen. Die Kampfcombos dafür lassen sich selbst konfigurieren, in einem “Kombo-Lab” lässt sich festlegen, ob und wieviele Treffer welche Effekte auslösen. So können gezielte Fausthiebe nicht nur Schaden verursachen, sondern auch Lebensenergie zurückgewinnen oder den Cool-Down für Spezialangriffe reduzieren.

Dazu kommen die Sequenzen, in denen Nilin Erinnerungen manipuliert. Zuerst sieht man eine Erinnerung als ganzes, dann kann man darin vor und zurückspulen und an bestimmten Stellen Kleinigkeiten manipulieren und den Verlauf erneut beobachten. Tut man das erfolgreich, wacht die Zielperson mit einer anderen Erinnerung auf und verhält sich anders. So wird aus dem überheblichen Banker, der eben einen harmlosen Streit mit seiner Frau hatte, ein zitterndes Wrack, weil er sich daran erinnert, sie im Streit getötet zu haben.

Auch wenn die Erinnerungsschnittstelle so aussieht, als würden alle Figuren ein Spiegelei am Hinterkopf tragen (weiß und orange sind halt nicht die besten Farben für sowas): Diese Abschnitte sind faszinierend, auch wenn sie selten sind das Potential der extrem guten Ideen darin nicht voll ausgeschöpft wird. Das ist sicherlich dem Budget und der Größe des damals noch neuen Studios geschuldet. Dennoch: ich kann mich nicht daran erinnern, das ein anderes Spiel so etwas oder diese Combo-Lab-Sache vor oder nach “Remember me” gemacht hat.

Überhaupt ist das Game eine verkannte Perle – es erschien 2013 im Fahrwasser von “The Last of US” und ging schon deswegen total unter. Ebenfalls nicht vorteilhaft: Es kam noch ausschließlich für die alten Konsolen XBOX 360 und PS3 raus, und das in einer Phase, wo PS4 und XBONE schon in den Startlöchern standen. Außerdem versumpfte das Marketing (für das ein gewisser Paul Kautz, heute Retro-Podcaster und -Redakteur, zuständig war!), denn fast zum selben Zeitpunkt war ein Film mit Robert Pattinson und dem gleichen Namen erschienen, was das Game un-googlebar machte.

Das “Remember Me” so versackt ist, ist schade, denn das Game ist clever, toll inszeniert, grafisch eine Wucht, für die Kürze seiner Spielzeit von ca. 10 Stunden sehr abwechslungsreich, macht Spaß und hätte der Start für ein spannendes Franchise sein können.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Das Versteckspiel mit einem Helikopter auf den regennassen Dächern von Neo-Paris, vor der Kulisse des futuristisch beleuchteten Eiffelturms. Das ist Blade Runner Galore!


Machen:

  • Schwitzen
  • V-Strom durch die Inspektion schieben
  • Yaris durch die Inspektion schieben
  • Den Dorfflohmarkt genießen. Dorfflohmärkte sind so toll!
  • ENDLICH Mr. Transalp treffen und in kurzer Zeit viel lernen.
  • Daraufhin Schuhe kaufen. Ich HASSE Schuhe kaufen.

Neues Spielzeug:
Nix, war auch so ein teurer Monat.


Ding des Monats:


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Hundstage

Hundstage

Eigentlich sind die Hundstage, die heißesten Tage es Jahres, erst im August. Klimawandel und Super El Nino sei Dank, springen dieses Jahr bereits Ende Juni die Temperaturen in Höhen nah an der Grenze des Erträglichen.

Am 26.06.26 waren es in meinem Büro (Dachgeschoß, Glasflächen) bereits morgens um Acht schon mehr als 30 Grad, und das wurde im Verlauf des Tages nur noch mehr. Beim Feierabend hatte sich schon wieder ein wenig abgekühlt – auf 35 Grad.

Ich kann trockene Hitze gut ab, aber das hier war schon wieder Hitze mit Schuss: Ordentlich Luftfeuchtigkeit, und das macht mich mürbe.

Zu Hause war es besser. Würde ich in einem eigenen Haus wohnen, wäre das schon lange isoliert und begrünt und hätte Rolläden oder Fensterläden gegen die Hitze. Dooferweise wohne ich in einer Mietwohnung, da gibt es naturgemäß weniger Möglichkeiten.

Die Hütte hier ist ausnehmend schlecht isoliert, und die Fenster sind aus den 70ern. Heißt: Im Winter ist es frisch, im Sommer heizt es sich ordentlich auf. In beiden Jahreszeiten helfen Thermovorhänge vor Fenstern und Balkontür. Die halten zumindest einen Teil der Wärme draußen bzw. im Winter drinen.

Schon im letzten Herbst für solche Fälle wie jetzt angeschafft: Sonnensegel. Die sind über den Balkon gespannt und halten die direkte Sonne von Wohn- und Schlafzimmerfenstern ab. Und sie schützen jetzt die Pflanzen. An weniger heißen Tagen spenden Jasmin, Rotahorn und Blauregen Schatten, aber selbst die ließen jetzt schon die Fittiche hängen.

Was auch gut funktioniert, zumindest so lange wie es Nachts draußen noch ein klein wenig abkühlt (auf 23 Grad, aber immerhin), ist das Aufreißen von Fenstern und Türen. Dafür haben die großen Fenster allesamt Fliegengitter bekommen, und vor die Balkontür wurde eine Tür mit Insektenschutz gesetzt. Diese Dinger kommen als Bausatz, den man selbst zurechtsägen muss. Ziemlich abenteuerlich, aber wenn es fertig ist, ist es geil.

Damit bin ich jetzt ganz gut durch diese (ersten) Hundestage gekommen, die Wohnung hat immer noch erträgliche 24 Grad, während draußen 34 Grad im Schatten sind. Aber das ist alles was für den hohlen Zahn, insgesamt ist die Lage wirklich bedrohlich.

Temperaturen wie diesen hatten Klimawissenschaftler Anfang des Jahrhunderts erst für die 2080er vorhergesagt. Vor zehn Jahren sah man sie dann im Jahr 2050. Es passiert viel schneller, als selbst die pessimistischsten Modelle prognostizierten.

Kommende Woche sollen die Temperaturen hier dann auf Morgens 10 Gad abstürzen.

“Wir haben Klimaschutz zu hoch priorisiert”, sagt Katharina Reiche.
“Klimaschutz wird überbewertet. Es ist eben nicht so, dass morgen die Welt untergeht“,sagt Friedrich Merz.

“Vergesst nicht, bei den hohen Temperaturen ein Schälchen Lack für die Klimawandelleugner rauszustellen”, sagt jemand auf Mastodon.