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Autor: Silencer

Merz beschneidet Bürgerrechte: Heimliches Aushöhlen von Auskunftsgesetz

Merz beschneidet Bürgerrechte: Heimliches Aushöhlen von Auskunftsgesetz

Als die zuständige Staatsanwältin ins Gesundheitsministerium einritt, um zu Jens Spahns dubiosen Maskendeals zu recherchieren, wartete eine Überraschung: Die zugehörigen Akten waren nicht mehr auffindbar. Alles weg, leider, leider. Die Vorgänge seien so leider nicht mehr nachvollziehbar.

Am Ende hat die Staatsanwältin die Akten doch bekommen. Die standen nämlich auf der Website fragdenstaat.de.
Wie die Ministeriumsakten dorthin kamen? Weil Bürger:innen sie “befreit” hatten. Nicht durch hacking, sondern durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz.

Dieses Gesetz, 2006 von SPD und Grünen gegen den Willen der CDU/CSU verabschiedet, erlaubt es Bürger:nnen und NGOs Anfragen an Behörden zu stellen, und die MÜSSEN antworten und Akten und interne Notizen herausgeben – oder SEHR gut begründen, warum sie das nicht wollen oder können.

Mehr als 300.000 Anfragen wurden seit 2006 gestellt. Sicher, für die Verwaltung ist das lästig – aber das Informationsfreiheitsgesetz ist ein extrem wichtiges Instrument der Demokratie geworden: Es ist das einklagbare Recht auf Informationen und Rechenschaft durch die Politik.

Die Maskendeals von Jens Spahn.
Philip Amthors Lobbybrief zu Augustus Intelligence.
Karl-Theodor zu Guttenbergs Beziehungen zu Wirecard.
Katharina Reiches Gekuschele mit Milliardären.
Ursula von der Leyens Beratermillionen.
Lukrative Nebenjobs von Abgeordneten.

All diese Informationen sind nur rausgekommen, weil es das Informationsfreiheitsgesetz gibt.
Und nun will die Regierung Merz dieses Gesetz “reformieren”.

Anfragen sollen künftig begründet werden müssen. Kann eine Behörde kein “berechtigtes Interesse” einer Person erkennen, muss sie die Anfrage nicht beantworten.
Die Kosten einer Antwort, bislang bei 500 Euro gedeckelt, sollen künftig nach dem “Verursacherprinzip” umgelegt werden und können so unkalkulierbare Höhen erreichen. Bei so einem Risiko werden es sich Privatpersonen acht Mal überlegen, ob sie so eine Anfrage überhaupt stellen – am Ende kann die Privatinsolvenz stehen.

Aber dann können die Bürger sich zusammenschließen, so etwas zusammen finanzieren und z.B. als Verein Anfragen stellen, oder?
Aber nicht doch, Monsieur. Nach der “Reform” sollen ausschließlich noch natürliche Personen antragsberechtigt sein – Nichtregierungsorganisationen, wie die von mir sehr geschätzte und unterstützte “Gesellschaft für Freiheitsrechte”, sowie Recherchenetzwerke, Firmen und Zeitungen sind damit raus.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ausgerechnet die Regierung, die schon wieder die anlasslose Totalüberwachung der eigenen Bevölkerung durchsetzen will, die Regierung, die mit der Chatkontrolle gerne jeden Messenger jeder Person in Europa mitlesen will, genau diese Regierung fordert einen Vertrauensvorschuss für sich selbst und versucht zu verschleiern, was sie hinter den Kulissen so treibt.

Oder anders: Während sich Deutschland über die Attestpflicht ab dem ersten Tag erregt, versuchen Merz und Konsorten die Demokratie zu schleifen – still und heimlich, versteckt in einem unübersichtlichen “Reformpaket” und verabschiedet während der Fußball WM.

Petition gegen die “Reform” hier.

Momentaufnahme: Juni 2026

Momentaufnahme: Juni 2026

Herr Silencer im Juni 2026

Wetter: Monatsanfang bei 9 bis 13 Grad und Regen. Dann kommt die (erste) Hitzewelle, Temperaturrekorde fallen wie die Fliegen, draußen sind es durchgehend über 30 Grad im Schatten, nachts kühlt es sich kaum ab. Erst am Monatsende kriegt sich das Wetter wieder ein.


Lesen:


Hören:

Spider Noir OST [iTunes]
Ausnahmeserie, Ausnahmsoundtrack: Neben orchestrale Gedöns finden sich hier verrauchte Jazz-Nachtclubversionen von “Saving Grace”, “Dream a little Dream (of me)” und “The Devil you Know”. Sehr toll, ich mag das.


Sehen:

Ladies First [2026, Netflix]
Sasha Cohen Baron (“Hugo”, “Borat”) ist Manager der Werbeabteilung der Brauerei Guinness. Er sieht sich bereits als neuer CEO des Konzerns, denn Dank seiner Seilschaften zum (rein männlichen) Vorstand hat er den Job so gut wie sicher. Frauen kommen in seiner Welt nur als Lustobjekte vor, die er zwar gut behandelt, aber nicht wirklich ernst nimmt.

Das ändert sich, als er plötzlich in einer Welt aufwacht, in der alle Geschlechterverhältnisse umgekehrt sind. Plötzlich wird er von der (rein weiblichen) Führungsriege nicht mehr ernst genommen und bekommt Dinge gesagt wie “Lächele doch mal” und muss sich gegen sexuelle Avancen von Rentnerinnen wehren. Der CEO-Job ist natürlich völlig außer Reichweite – eine langjährige, bestens mit dem (rein weiblichen) Vorstand vernetzte Managerin hat den bereits so gut wie in der Tasche, und überhaupt: Einen Mann als CEO hat es noch nie gegeben, das ist un-vor-stellbar.

Das Thema “Geschlechterumkehr” und “Mann versteht plötzlich Frauen” ist natürlich nicht neu, aber schon lange nicht mehr in Filmen behandelt worden, und schon gar nicht so. “Ladies First” zeigt uns erst ein typisches Werbagentur-Szenario a la “Mad Man in der Gegenwart”, bei dem wenig Würdigung für Frauen völlig normal ist. Das ist nicht mal dramatisch übertrieben, sondern zeigt einfach den aktuellen Stand der Gesellschaft und die alltägliche Realität von Frauen heutzutage.

DANN wird alles auf Links gedreht, und mit dem Genderswapping beginnt die Kunst dieses Films: Statt plakativ zu übertreiben, strotzen die Szenen vor kleinen, feinen Beobachtungen. Zum Beispiel, wenn sich Werbung nackter Männer bedient, wenn der Titel des Buch-Beststellers “Harriet Potter” ist, wenn sich in der U-Bahn Rentnerinnen “zufällig” an jungen Männern reiben oder wenn Frauen Vulva-Scherze reißen. Oder wenn Männer über Penisfiller und Nippelvergrößerungen nachdenken, um bessere Aufstiegschancen zu haben.

Solche Dinge passieren en passant oder im Hintergrund, provokativ im Vordergrund stehen wirklich bezeichnende Szenen. Kern ist die, in der eine reine Frauenrunde sich Gedanken darüber macht, was Männer in der Werbung wohl ansprechen wird, und die Diskussion (für jeden Mann) erkennbar in die völlig falsche Richtung abbiegt, aber der einzige Mann am Tisch nicht gehört wird. Die aufsteigende Panik von Cohen, der nicht gehört wird und trotz eindeutig besserer Qualifikation ignoriert und übergangen wird, verdeutlicht ohne jegliche strukturtheoretische Gesellschaftskritik und ohne misandrischen (das ist das Gegenstück zu “misogyn”, also frauenfeindlich) Feminismus die Probleme, mit der Frauen heute zu kämpfen haben.

Ich hatte ENORM viel Spaß mit diesem Film, der genauso gut funktioniert wie “Was Frauen wollen” aus dem Jahr 2000, und den ich auch nach wie vor sehr mag. Das liegt an den extrem gut spielenden Hauptdarstellern Sacha Baron Cohen und Rosamund Pike, vor allem aber an den mit viel Geschick geschriebenen und inszenierten Szenen.

Das einzig befremdliche: Wo “Was Frauen wollen” von Nike gesponsored und mit Product Placement vollgekleistert war, ist es hier Guiness. Das unpassend und maximal seltsam.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Cohen: “Dafür braucht man EIER!” Pike: “Hä? Eier? Diese kleinen Dinger in diesem Säckchen, das so empfindlich ist, das ihr beim geringsten Druck wimmernd zu Boden geht?” Cohen: “Hrmpf”

Spider Noir [2026 Prime]
New York, 1947: Nicolas Cage ist der knallharte, aber völlig abgebrannt Privatschnüffler. Da tritt eine Femme Fatale durch seine Bürotür und gibt ihm einen ungewöhnlichen Auftrag. So weit, so Film Noir. Was aber niemand weiß: Cage ist auch Spider Man, in dieser Eigenschaft allerdings außer Dienst.

Dafuq, was ist das denn? Kommt aus dem nichts, diese Serie, und macht ALLES richtig: Das Casting – großartig. Kostüme und Sets – fantastisch. Die Story – so Noir wir nur denkbar.
Ich bin baff.

Was man dazu sagen muss: Ich LIEBE die Filme der Noir-Bewegung, habe an der Uni Seminare dazu besucht und wissenschaftliche Arbeiten darüber verfasst. In meinem Regal steht alles Mögliche, von “The Maltese Falcon” über “Die Rechnung ging nicht auf” bis “Späte Sühne”. Film Noir war stilistisch geprägt vom deutschen Expressionismus a la “Nosferatu” und dauerte in Hollywood nur wenige Jahre, von 1941 bis 1944. Tatsächlich hat die Bewegung weitaus weniger Filme hervorgebracht, als man angesichts ihres kulturellen Impacts denken könnte – Film Noir hat mit seinen Tropes und seinem Stilrepertoire das Filmschaffen nachhaltig geprägt. Film Noir sind dunkler und roher, blicken in menschliche Abgründe und transportieren das auch visuell, z.B. durch das Spiel von Licht und Schatten.

Alle Stilmittel des Film Noir setzt “Spider Noir” meisterhaft ein und treibt den Stil auf die Spitze. Folgerichtig gibt es die Serie in Schwarz-Weiß (Zur Auswahl steht auch eine Farboption, aber… nee). Diese meisterhafte Filmkunst stellt und drapiert sie um einen Nicholas Cage herum, der in seinen besten Momenten tatsächlich an Bogart erinnert. Die Story ist spannend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Nick Cages bizarres overacting, wenn er sich vorstellt, er sei eine Spinne.

Clarksons Farm Season 5 [Amazon Prime]
Clarkson ist zurück, und dieses Mal holt er sich… Roboter zur Verstärkung. Farmhand Kaleb ist natürlich not amused über Dinge wie den “Agbot”, aber es gibt größere Probleme: Die britische Regierung treibt Gesetze voran, die es Farmern in Zukunft unmöglich machen, ihre Ländereien an die nächste Generation weiterzugeben. Und dann sind da noch sehr persönliche Sachen…

Ich halte “Clarksons Farm” ja für das beste Stück TV-Unterhaltung seit “Top Gear”, und auch Staffel 5 enttäuscht nicht. Wunderschön fotografiert sind wieder einzigartige Momente, etwa wenn Clarkson ein Kalb zur Welt bringt, eine Vogelexpertin zu Gast ist oder Aufmärsche in London dokumentiert werden. (Wie der Zufall so will, bekam ich 2025 die Proteste sogar live mit, verstand aber damals nicht, worum es ging).

Dabei ist nicht alles eitel Sonnenschein: Die Staffel endet so düster, dass sogar die Titelcards nur in Schwarz-Weiß und nicht mit Musik unterlegt sind.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den ultimativen Cliffhanger.


Spielen:

First Light [2026, PS5]
Über Island werden Helikopter der britischen Streitkräfte abgeschossen. Einziger Überlebender: Ein frischgebackener Junior-Airman der Royal Air Force, ein gewisser James Bond. Das ist nun in mehr als einer Hinsicht ein Problem, denn was niemand aus der Flug-Crew wusste: Das Ganze war eigentlich als Aktion des MI6 gedacht.

Bond schlägt sich durch und wird im Anschluss vom Auslandsgeheimdienst rekrutiert und ausgebildet. Dabei eckt er mehrfach mit seiner schnoddrigen und unkonventionellen Art an, deckt aber durch Zufall eine Intrige an der Schnittstelle zwischen KI und MI6 auf.

Hossa, was für ein feines Game. IO Interaktive hat ja bisher die “Hitman”-Spiele gemacht, bei denen man als heimlicher Attentäter in stundenlanger Kleinarbeit wieder und wieder verschachtelte Levels auswendig lernen muss, um Attentatsziele möglichst elegant zu beseitigen. Dazu hatte ich nie die Geduld und bedauerte mich deswegen sehr, denn die Hitman-Games sehen einfach wunderschön aus, und meine bevorzugte Charakterrolle ist der Rogue oder der Infiltrator – ich bin nur nicht geduldig und clever genug für “Hitman”.

“First Light” ist nun im Prinzip “Hitman” für Leute, die kein “Hitman” mögen oder zu doof dafür sind. Auch Bond muss viel schleichen und Gegenstände manipulieren und Wachen heimlich ausschalten. Wird er dabei aber erwischt, bedeutet das aber nicht automatisch Game Over – Bond kann sich auch mit einer geschmeidigen Ausrede aus der Affäre ziehen oder Gegner im Faustkampf niederboxen und damit Situationen wieder unter Kontrolle bekommen. Bond scheitert also beharrlich vorwärts.

Ich war einer Origin-Story gegenüber skeptisch, hatte dann aber unerwartet sehr viel Spaß. “First Light” ist wirklich toll geschrieben, hat hervorragende Schauspieler, ist abwechslungsreich und sieht wundervoll aus. Es gibt sogar eine Titlesequence mit einem eigens von Lana del Rey komponierten und eingesungenen Song:

Lediglich die (wenigen) Baller-Abschnitte waren echt frustrierend, die musste ich in der Schwierigkeit runterstellen. In diesen Sequenzen stürmen bis zu 30 Gegner mit Schusswaffen einen verschachtelten Raum, und Bond muss es mit allen gleichzeitig aufnehmen, stirbt aber selbst nach zwei Treffern.

VIELLEICHT wäre das auf normalem Schwierigkeitsgrad machbar, wenn nicht die Gegner unendlich Munition hätten, aber in jeder Waffe, die man ihnen klaut, nur noch 7 bis 15 Schuss sind. Auf normalem Schwierigkeitsgrad ist das völlig frustrierend, im einfachen bewegt man sich wie John Wick durch die Gegnerhorden und wechselt nahtlos zwischen Faustkampf und Schusswaffen. Das ist dann schon wieder cool – uncool ist, dass man den Schwierigkeitsgrad danach nicht wieder einfach hochstellen kann. Es geht, ist aber megakompliziert.

Anyhow, das ist Jammern auf hohem Niveau. “First Light” ist ein sehr tolles, abwechselungsreiches und nicht zu langes Single Player Game UND ein guter Bond. Im Ernst, das könnte man einfach so verfilmen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn enthüllt wird, was der Titel bedeutet. Das war sehr rührend.

Remember Me [2013, XBOX 360]
Ähnlich wie die Bevölkerung heute süchtig nach Smartphones ist, ist sie es im Jahr 2084 in Paris nach “Sensens”. Das sind Schnittstellen, die direkt in den Körper implantiert sind, und über die Erinnerungen ausgetauscht, gelöscht oder verändert werden können. Das hat die komplette Gesellschaft verändert: Unangenehme oder traumatische Erinnerungen werden einfach gelöscht, schöne Erinnerungen gegen Geld gehandelt. Besonders arme Menschen verkaufen ihre wertvollen Erinnerungen, vom ersten Kuss bis zu gutem Sex, bis ihre Erinnerungen quasi weg sind.

In dieser Cyberpunk-Welt findet sich Nilin in einem Gefängnis wieder, in dem ihre Erinnerung komplett ausgelöscht werden soll. Der jungen Frau gelingt die Flucht , nachdem sie einen Teil ihres Gedächtnisses verloren hat. Nun muss sie nach und nach herausfinden, wer sie eigentlich ist und was sie getan hat. Schnell stellt sie fest, das sie besondere Fähigkeiten hat: Sie kann Erinnerungen anderer Menschen stehlen oder so manipulieren, dass sie die Persönlichkeit der Menschen ändert.

“Remember Me” war das erste Werk des französischen Studios Dontnod, das später mit “Life is Strange” bekannt wurden. Der Erstling ist aber ganz anders als das bekanntere, dialoglastige Coming-of-Age Spiel. “Remember Me” ist ein reinrassiges Actionadventure, das Elemente aus den damaligen Top-Titeln “Assassins Creed”, “Uncharted” und “Arkham Asylum” geschickt verbindet und mit eigenständigen Ideen und einem fantastischen World-Building bereichert.

So turnt und klettert Nilin im Parcours über die Dächer von Neo-Paris und verprügelt Gegner in FreeflowKämpfen. Die Kampfcombos dafür lassen sich selbst konfigurieren, in einem “Kombo-Lab” lässt sich festlegen, ob und wieviele Treffer welche Effekte auslösen. So können gezielte Fausthiebe nicht nur Schaden verursachen, sondern auch Lebensenergie zurückgewinnen oder den Cool-Down für Spezialangriffe reduzieren.

Dazu kommen die Sequenzen, in denen Nilin Erinnerungen manipuliert. Zuerst sieht man eine Erinnerung als ganzes, dann kann man darin vor und zurückspulen und an bestimmten Stellen Kleinigkeiten manipulieren und den Verlauf erneut beobachten. Tut man das erfolgreich, wacht die Zielperson mit einer anderen Erinnerung auf und verhält sich anders. So wird aus dem überheblichen Banker, der eben einen harmlosen Streit mit seiner Frau hatte, ein zitterndes Wrack, weil er sich daran erinnert, sie im Streit getötet zu haben.

Auch wenn die Erinnerungsschnittstelle so aussieht, als würden alle Figuren ein Spiegelei am Hinterkopf tragen (weiß und orange sind halt nicht die besten Farben für sowas): Diese Abschnitte sind faszinierend, auch wenn sie selten sind das Potential der extrem guten Ideen darin nicht voll ausgeschöpft wird. Das ist sicherlich dem Budget und der Größe des damals noch neuen Studios geschuldet. Dennoch: ich kann mich nicht daran erinnern, das ein anderes Spiel so etwas oder diese Combo-Lab-Sache vor oder nach “Remember me” gemacht hat.

Überhaupt ist das Game eine verkannte Perle – es erschien 2013 im Fahrwasser von “The Last of US” und ging schon deswegen total unter. Ebenfalls nicht vorteilhaft: Es kam noch ausschließlich für die alten Konsolen XBOX 360 und PS3 raus, und das in einer Phase, wo PS4 und XBONE schon in den Startlöchern standen. Außerdem versumpfte das Marketing (für das ein gewisser Paul Kautz, heute Retro-Podcaster und -Redakteur, zuständig war!), denn fast zum selben Zeitpunkt war ein Film mit Robert Pattinson und dem gleichen Namen erschienen, was das Game un-googlebar machte.

Das “Remember Me” so versackt ist, ist schade, denn das Game ist clever, toll inszeniert, grafisch eine Wucht, für die Kürze seiner Spielzeit von ca. 10 Stunden sehr abwechslungsreich, macht Spaß und hätte der Start für ein spannendes Franchise sein können.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Das Versteckspiel mit einem Helikopter auf den regennassen Dächern von Neo-Paris, vor der Kulisse des futuristisch beleuchteten Eiffelturms. Das ist Blade Runner Galore!


Machen:

  • Schwitzen
  • V-Strom durch die Inspektion schieben
  • Yaris durch die Inspektion schieben
  • Den Dorfflohmarkt genießen. Dorfflohmärkte sind so toll!
  • ENDLICH Mr. Transalp treffen und in kurzer Zeit viel lernen.
  • Daraufhin Schuhe kaufen. Ich HASSE Schuhe kaufen.

Neues Spielzeug:
Nix, war auch so ein teurer Monat.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Hundstage

Hundstage

Eigentlich sind die Hundstage, die heißesten Tage es Jahres, erst im August. Klimawandel und Super El Nino sei Dank, springen dieses Jahr bereits Ende Juni die Temperaturen in Höhen nah an der Grenze des Erträglichen.

Am 26.06.26 waren es in meinem Büro (Dachgeschoß, Glasflächen) bereits morgens um Acht schon mehr als 30 Grad, und das wurde im Verlauf des Tages nur noch mehr. Beim Feierabend hatte sich schon wieder ein wenig abgekühlt – auf 35 Grad.

Ich kann trockene Hitze gut ab, aber das hier war schon wieder Hitze mit Schuss: Ordentlich Luftfeuchtigkeit, und das macht mich mürbe.

Zu Hause war es besser. Würde ich in einem eigenen Haus wohnen, wäre das schon lange isoliert und begrünt und hätte Rolläden oder Fensterläden gegen die Hitze. Dooferweise wohne ich in einer Mietwohnung, da gibt es naturgemäß weniger Möglichkeiten.

Die Hütte hier ist ausnehmend schlecht isoliert, und die Fenster sind aus den 70ern. Heißt: Im Winter ist es frisch, im Sommer heizt es sich ordentlich auf. In beiden Jahreszeiten helfen Thermovorhänge vor Fenstern und Balkontür. Die halten zumindest einen Teil der Wärme draußen bzw. im Winter drinen.

Schon im letzten Herbst für solche Fälle wie jetzt angeschafft: Sonnensegel. Die sind über den Balkon gespannt und halten die direkte Sonne von Wohn- und Schlafzimmerfenstern ab. Und sie schützen jetzt die Pflanzen. An weniger heißen Tagen spenden Jasmin, Rotahorn und Blauregen Schatten, aber selbst die ließen jetzt schon die Fittiche hängen.

Was auch gut funktioniert, zumindest so lange wie es Nachts draußen noch ein klein wenig abkühlt (auf 23 Grad, aber immerhin), ist das Aufreißen von Fenstern und Türen. Dafür haben die großen Fenster allesamt Fliegengitter bekommen, und vor die Balkontür wurde eine Tür mit Insektenschutz gesetzt. Diese Dinger kommen als Bausatz, den man selbst zurechtsägen muss. Ziemlich abenteuerlich, aber wenn es fertig ist, ist es geil.

Damit bin ich jetzt ganz gut durch diese (ersten) Hundestage gekommen, die Wohnung hat immer noch erträgliche 24 Grad, während draußen 34 Grad im Schatten sind. Aber das ist alles was für den hohlen Zahn, insgesamt ist die Lage wirklich bedrohlich.

Temperaturen wie diesen hatten Klimawissenschaftler Anfang des Jahrhunderts erst für die 2080er vorhergesagt. Vor zehn Jahren sah man sie dann im Jahr 2050. Es passiert viel schneller, als selbst die pessimistischsten Modelle prognostizierten.

Kommende Woche sollen die Temperaturen hier dann auf Morgens 10 Gad abstürzen.

“Wir haben Klimaschutz zu hoch priorisiert”, sagt Katharina Reiche.
“Klimaschutz wird überbewertet. Es ist eben nicht so, dass morgen die Welt untergeht“,sagt Friedrich Merz.

“Vergesst nicht, bei den hohen Temperaturen ein Schälchen Lack für die Klimawandelleugner rauszustellen”, sagt jemand auf Mastodon.

Vorbeugende Instandhaltung (Tip gegen Hitze!)

Vorbeugende Instandhaltung (Tip gegen Hitze!)

“Wenn ich eines im Leben bereue, dann, dass ich mir diese Impfung nicht geholt habe”, stöhnt Tom.

Ja, mein Freundeskreis kommt jetzt langsam in das Alter, wo wir anfangen zu stöhnen und von unseren Zipperlein zu erzählen, wenn wir nicht genau aufpassen. Immer wieder erinnern wir uns gegenseitig daran, dass nur alte Leute ihre Abende mit Wehklagen und Arztgeschichten füllen, und WIR sind ja noch nicht alt.
Nur ein Bißchen.
Vielleicht.
Aber dann rutschen wir doch immer mal wieder in diese Themen ab.

Tom erzählt gerade von einer Neuralgie, das sind extrem schmerzhafte Nervenschmerzen. Ist bei ihm jetzt chronisch geworden und beeinträchtigt seinen Alltag ganz erheblich. Der Auslöser war eine Gürtelrose. Was klingt wie ein lustig geblümter Hosenhalter ist eine, teils sehr schmerzhafte, Virusinfektion, mit der man unbedingt zum Arzt sollte.

Sven nickt und berichtet, das er Gürtelrose im Gesicht bekommen hat. Tatütata, Krankenhaus, eine Woche lang war nicht klar, ob sein linkes Auge zu retten war. War es, aber das war eine knappe Nummer.

Gürtelrose ist ein Herpes-Virus.
Und dagegen kann man sich impfen lassen?

Stellt sich raus: Ja, kann man, zahlt sogar die Kasse, wenn man über 50 ist. Na, das ist doch was für mich! Ich bin ja sehr für Prävention und vorbeugende Instandhaltung. Also Termin gemacht und los geht´s. Zwei Injektionen, im Abstand von zwei bis sechs Monaten.

“Der Impfstoff gegen Herpes Zoster wird aber schlecht vertragen”, warnte die Arzthelferin noch, als sie den Impfstoff anrührte und eine dicke Spritze aufzog.
Pöh, was soll schon passieren, dachte ich. Immerhin haben Grippe- und Covid-Impfungen bei mir auch nahezu null Nebeneffekte.

Tja.

Zwei Tage mit Kopf- und Gliederschmerzen, Schmerzen und Ausschlag an der Einstichstelle, Fieber und Schüttelfrost belehrten mich eines Besseren. Die Impfung IST heftig, aber immer noch besser als eine chronische Neuralgie. Protip: Wer unter der aktuellen Hitzewelle leidet, sollte sich die Impfung holen. Der Schüttelfrost bringt eine willkommene Abkühlung!

Naja, Scherz beiseite. Prävention ist einfach eine gute Sache.
Das ist auch der Grund, weshalb ich…

…schon eine Magenspiegelung hinter mir habe (war anlassbezogen)

…schon eine Darmspiegelung hinter mir habe (auch anlassbezogen)

…jährlich beim Augenarzt die Netzhaut kontrollieren lasse (hab´da ein Spezialrisiko)

…mindestens ein Mal jährlich Individualprophylaxe bei der Zahnärztin machen lasse (sollte jeder, das ist halt echt Standard)

…jährlich ein Hautkrebsscreening habe (auch Spezialrisiko)

…jährlich eine Covid-Impfung mitnehme

…jährlich eine Grippe-Impfung durchrauche

In diesem Jahr kamen dann noch dazu
– Impfung gegen Herpes Zoster
– Impfung gegen FSME
– Prostata-Vorsorge

Es gibt halt Dinge, die sollte man vermeiden, wenn sie sich vermeiden lassen.
Und wenn sie unvermeidbar sind, hilft es vielleicht, wenn sie früh erkannt werden.

Brand F*in´ New

Brand F*in´ New

Zurück von einer kleinen Tour durch Frankreich, Spanien und Italien hatte sich die V-Strom 800 nun eine Inspektion redlich verdient.
Aber wo?

Der alte Suzuki-Händler hat mit Ende Siebzig dann doch mal den Ruhestand ausgerufen. Im vergangenen Oktober war die Morrigan die letzte Maschine, die dort jemals gewartet wurde. Es musste also eine neue Werkstatt her.

Leider ist um Götham herum Motorradtechnisch das Bermuda-Dreieck. Außer einer Kawasaki-Werkstatt gibt es hier gar nichts.

Die nächste Suzuki-Werkstatt ist 40 Kilometer weg, in Ostdeutschland. Das ist aber genau die Händlerin, die Kunden behandelt als würden sie stören (die zahlreichen 1-Sterne-Bewertungen auf Google sprechen eine deutliche Sprache) und die für Probefahrten 50 Euro verlangt. Pro Probefahrt, wohlgemerkt – zwei Maschinen gefahren, 100 Euro weg. Ach ja, und: “Maximal 20 Minuten! 1.500 Euro Selbstbeteiligung!”. Als ich dann eine 800er bei Ihr kaufen, aber die vorher Probefahren wollte, hatte sie schlicht kein Interesse daran und meinte, ich solle so in 8 bis 10 Monaten wiederkommen. Ich kann gut mit der manchmal schroffen, Thüringischen Art, aber auf so ein Scheiß-Gebahren reagiere ich ja leicht allergisch. Dem Vernehmen nach hat diese Händlerin auch gerade keinen Werkstattmeister, hält wohl keiner lange dort aus.

Anyhow, die übernächstgelegene Werkstatt ist in Kassel, und siehe da: Die Werkstattleiter sind die ehemaligen Gesellen des alten Suzukihändlers. Also dorthin gefahren und direkt Autohaus-Vibes gehabt. Der Mann, dessen Schreibtisch direkt hinter der Eingangstür steht, erklärte sich für nicht zuständig, deutete auf einen Nebenraum und versuchte sich durch pure Willensenergie unsichtbar zu machen – der geborene Autoverkäufer bei BMW oder VW.

Im Nebenraum saß eine Frau hinter einer fleckigen Tastatur, löffelte Yoghurt und machte ein Gesicht, als sei sie gerade in etwas sehr Ekliges getreten.

Immerhin: Die Werkstattleiter waren nett, das Ambiente zum Warten auch.

An dem Tag machte die Werkstatt sogar eine Überstunde, damit ich auf die Morrigan warten konnte. Die rollte irgendwann mit neuen Reifen, neuem Öl und rundum gecheckt und geschmiert aus der Halle.

Die neuen Reifen, das sind wieder Metzler Tourance Next 2. Haben sich bei Regen unfassbar bewährt und hatten nun, nach 14.000 Kilometern (davon sehr viel Autobahn) eine spürbare, aber keine störende Kante und hinten noch 4 mm Profil (neu: 8,5mm) und vorne 3,0mm (neu: 4,5 mm).

14.000 Kilometer.

48 Kilometer.

Die Wartezeit habe ich mir u.a. mit Recherche um die Ohren geschlagen. Stellte sich raus: Heuer, wie wir Österreicher sagen, gibt es ENDLICH einen Kühlerschutz für die V-Strom 800 RE. ZWEI JAHRE nach Erscheinen der Maschine.

Warum das so lange gedauert hat? Nun, es gibt schlicht keine Anschlagpunkte für ein Schutzgitter an der RE. Und so ähnlich sich die Straßenversion 800 RE und ihre Pseudogeländeschwester 800 DE auch sehen: Der Kühlerschutz der DE passt nicht, auch wenn hundert Anbieter auf Ali Express was anderes behaupten. Das sind alles Kühler für die DE. Für die RE muss man sich als Hersteller schon was einfallen lassen.

Braucht man sowas überhaupt? Leider Gottes ja. Der Kühler der Morrigan hat schon etliche Einschlaglöcher von Steinchen und harten Insekten. Die Lamellen sind halt aus ganz feinem, leichten Aluminium, da braucht es nicht viel, um die zu beschädigen.

Nun gibt es also einen Kühlerschutz von Givi. Der wird einfach mit Klammern oben und unten direkt am Kühler befestigt. Damit nichts scheuert, gib es weiche Dämmung rundum und an den Klammern und einen Gummipröppel als Abstandshalter in der Mitte. Keine elegante Konstruktion, aber es tut.

Hässlich und simpel, aber er wird seinen Zweck erfüllen.

Wo wir gerade dabei waren und Polo 25 Prozent auf alles außer Tiernahrung gegeben hat, gab es noch ein neues Windschild. Das gleiche wie vorher, ein kurzes, stark getöntes Puig.

Warum das Windschild austauschen? Weil Windschilder, genau wie Motorradlacke von Suzuki, empfindlicher sind als das Ego eines GenZ-Azubi, und schon beim Angucken Kratzer bekommen. Die kriegen sie erst recht, wenn man spanische Insekten mit einem Taschentuch wegrubbelt und dabei etwas ungeduldig ist. Just like that sieht dann so ein Windschild aus wie Hund.

Damit wäre dann jetzt auch alles bereit für die nächste Fahrt.
Die leider noch lange hin ist.
93 Tage, um genau zu sein.

—-
Wegen des Titels: Hier aktueller Ohrwurm

Vertragswerkstätten

Vertragswerkstätten

“9.000 Euro!”

Der Arbeitskollege war nachvollziehbar fassungslos. Neuntausend Euro, das ist die Summe, die die VW-Vertragswerkstatt für die Reparatur seines T5 haben möchte. Der Bus geht bergauf in den Notlaufbetrieb, keiner weiß warum. Die Vertragswerkstatt schlägt vor, ein paar Teile zu tauschen. Den Turbolader (2.500 Euro), Sensoren und noch ein wenig Kleinkram, Summasumarum 9.000 Euro.

Mit auf dem Kostenvoranschlag: Dinge wie “Batterie aufladen” (27 Euro) oder Ölwechsel (500 Euro).

“Meine Fresse, bin ich froh, dass ich nicht bei VW bin”, dachte ich da noch.
Tja.

Heute den Yaris aus der Jahresinspektion geholt. Die Inspektion lasse ich noch in der Vertragswerkstatt machen, weil der Wagen noch Garantie hat, und die verlängert sich auf bis zu 15 Jahre, wenn man eben die Inspektion jedes Jahr fein bei Toyota machen lässt.

Sollte eine kleine Inspektion sein, inkl. Pollenfilter- und Ölwechsel. Wieviel kann sowas kosten? 300 Euro?

Nun: Fast 700, stellt sich bei Abholung raus.

Dafür bekommen habe ich: Einen Pollenfilter und einen Ölwechsel, “Desinfektion um Pollenfilter”, “Auslesen des Fehlerspeichers (54,54 Euro, offensichtlich nicht Bestandteil der Jahresinspektion), “kostenlose Autowäsche und Innenraumreinigung” (beides nicht erfolgt) und Wischwasser für 4,50 Euro PLUS einen Fachberater, der mir fünf Minuten erklärt hat, dass er sehr beschäftigt ist und deshalb trotz Termins keine Zeit für die Fahrzeugannahme hat, eine unfreundliche Angestellte, die zwar die Annahme gemacht hat, mir aber schon bei der Begrüßung über den Mund fuhr und mich beim Sprechen nicht einmal angesehen hat und dabei eine Fresse zog, als wäre sie gerade in etwas sehr Ekliges getreten. Was ich nicht bekommen habe: Einen Werkstattersatzwagen. Also in Summe eineinhalb Stunden Jökelei mit dem Bus für Abgabe und Abholung.

Das war es dann mit der Toyota-Werkstatt.

Dieser Garantie-Kram ist vermutlich eh ein Scam, weil Toyota jedes Jahr mehr Dinge ausschließt, die da nicht mehr drunterfallen. Ab nächstem Jahr geht es dann auch für die Jahresinspektion in die freie Werkstatt, die jetzt schon die Reifen macht.

Die hat auch dafür gesorgt, dass ich das Legendäre Gelbe AutoTM noch länger fahren konnte, denn im Gegensatz zur SEAT Vertragswerkstatt, bei der jedes Mal mehr Dinge kaputt waren als vorher, hat die “freie” echt gute Arbeit geleistet UND nur die Hälfte gekostet.

Apropos: Das Gelbe Auto gibt es noch. Die SEAT-Werkstatt ist mittlerweile geschlossen, aber der Chef wohnt dort noch, und in seinem Hof steht Eleonore.
Wenige Meter von der Toyota-Werkstatt entfernt. Das hier ist ein Bild von Heute.

BTW der Kollege mit dem T5 ist jetzt auch bei einer freien Werkstatt. Statt 9.000 nun 2.800 Euro.
Immerhin.

Tech Air 5 Plasma (2026)

Tech Air 5 Plasma (2026)

Ich bin ja ein großer Freund von tragbaren Airbagsystemen für Motorradfahrer. Mein aktuelles Lieblingssystem ist das Alpine Stars Tech Air 5 von 2022. Das hat nun einen Nachfolger bekommen, das Tech Air 5 Plasma. Das neue System adressiert alle Kritikpunkte des Vorgängers. Warum ich es mir dennoch auf keinen Fall kaufen würde. (Alle Bilder: Alpine Stars)

Ich bin seit 2018 mit einem autonomen Airbag am Körper unterwegs. Erst mit einer Tech Air Street-Jacke, seit 2022 mit einer Tech Air 5 Weste, beide vom italienischen Hersteller Alpine Stars.

An beiden gab es Kritik, meistens von Personen, die noch nie mit einem solchen System gefahren sind. In erster Linie war das:

1. “öööh, was ist, wenn ich offroad fahre, dann löst das doch bestimmt aus Versehen aus” (Alternativ: “Was ist, wenn ich umfalle, dann löst das doch bestimmt auch aus, oder?”)

2. “öööh, das trägt zu dick auf und ist mir zu warm”

3. “öööh, nach einer Auslösung muss es zum Hersteller für eine neue Befüllung. Das willichnich, ich will das selbst machen können”

4. “öööh, der Hersteller schlägt einen Service alle zwei Jahre vor, der ist mit 99 Euro zu teuer”

Alle Kritikpunkte wurden laut und leidenschaftlich vorgetragen und vertreten, dabei sind sie eher theoretischer Natur.

Der Herstellerservice bspw. ist keine Pflicht, sondern ein Angebot, weil sich damit jedes Mal auch die Garantie um zwei Jahre verlängert.
“Zu warm” ist teils in der Natur der Sache, der Airbag ist nunmal ein Plastikbeutel, den man um den Wanst trägt.
Ich habe noch keine Fehlauslösungen erlebt, auch nicht in rauen Terrain und auch von noch keiner gehört oder gelesen.
Und wenn das Ding WIRKLICH auslöst, und es rettet mein Leben, dann schicke ich es mit Freude zum Hersteller und lasse es dort prüfen und neu befüllen.

Aber Alpine Stars hat sich des teilqualifizierten Gejammers angenommen und im Tech Air 5 Plasma berücksichtigt. Das neue System hat einen dedizierten Offroadmodus, zusätzlich zu den bereits im Vorgänger vorhandenen Modi Street und Race. Zwischen allen Modi kann man per App oder direkt an der Weste umschalten. Das geht übrigens kostenfrei, anders als bei Konkurrenzprodukten, wo man teils erst neue Abos abschließen muss. Der Schalter an der Weste bietet haptisches Feedback, hat (endlich wieder!) einen mechanischen Aus-Schalter und lädt (endlich!) über USB-C, und nicht mehr über das uralte Mikro-USB-mit-Magneteinsatz.

Das Plasma ist mit ungefähr 1,5 Kilogramm rund 25% leichter als der Vorgänger (1.900 Gramm), ultradünn und trägt praktisch nicht mehr auf. Im Bauchraum ist der Airbag weggelassen, so das von vorne leichter Luft an den Körper kommt. Auch der Rücken ist flach gebaut:

Nutzer können es nach Auslösung selbst neu befüllen, die Kartusche mit dem Treibgas ist hinter einer Klappe am Rücken zugänglich, Ersatz im Handel erhältlich. Das Plasma hat nur eine Kartusche, der Vorgänger hatte zwei, die zudem auch größer waren. Die konnten im Race-Modus zwei mal auslösen, im Street-Mode ein mal, dafür aber schneller und mit mehr Druck. Das Plasma löst weniger stark aus und füllt weniger Volumen.

Der (nicht verpflichtende) Service kostet mit 59,- Euro alle zwei Jahre jetzt deutlich weniger als vorher. Der Service beinhaltet auch eine Wäsche, wer möchte, kann das Plasma 5 aber auch selbst zerlegen und waschen.

Also rundum: Verbesserungen, Vereinfachungen, mehr Service UND Günstiger.

Warum ich das Tech Air 5 Plasma dennoch nicht kaufen würde?

Nun, wenn man mal direkt die Schutzfläche des neuen Systems….

…mit dem alten vergleicht…

wird SEHR deutlich, dass das Tech Air 5 Plasma sein geringeres Gewicht und seine bessere Lüftung mit einer deutlich geringeren Schutzfläche erkauft. Einer der Vorteile der Tech Air-Systeme war für mich immer, dass sie auch Brustkorb und Organe im Bauchraum schützen – exakt hier hat man den Schutz nun aber deutlich zurückgefahren.

Das wird auch in der Zertifizierung deutlich: Das originale Tech Air 5 ist als Level 2 Airbag für Rücken (nicht Brust) nach EN1621-4 zertifiziert. Das Tech Air 5 Plasma ist im Rücken noch lediglich nach Level 1 zertifiziert und das auch nur in Kombination mit dem passiven Rückenprotektor.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Das neue Tech Air 5 Plasma bietet nur den minimal nötigen Schutz im Rückenbereich, um sich gerade noch Schutzkleidung nennen zu dürfen, im Bereich von Schultern und Brust schützt es nicht, sondern bietet lediglich eine Polsterung und überhaupt keinen Schutz für den Bauchraum. Empfehlen kann man sowas niemandem. Das Ding ist ein Placebo.

Das hat dazu geführt, dass ich nach einem initialen “Oh mein Gott wie cool shut up and take my money”-Moment, in dem ich fast zum Händler gerannt wäre um mir die Nase am Schaufenster platt zu drücken, nun sagen muss: Nee. Das ist kein gelungenes Update.

Alpine Stars hat hier zwar ein rundum modernes, leicht zu tragendes Produkt rausgebracht, das die – teils berechtigten, teil mumpitziösen – Kritikpunkte am Vorgänger adressiert. Der verringerte Schutz ist in meinen Augen aber ein No-Go. Die mit Abstand häufigste Unfallart ist der Frontaleinschlag, zum Beispiel in ein Auto, das einem die Vorfahrt nimmt. Ein geschlossener Schutz von Brust- und Bauchbereich kann hier die schwersten Verletzungen verhindern. Das Tech Air 5 Plasma bietet aber genau dort überhaupt keinen Schutz mehr. Die 749 Euro Straßenpreis für das Ding kann man sich sparen, wenn man schon ein anderes Airbag System hat.

Protipp: Um alte Bestände des Vorgängers loszuwerden, gibt es das original Tech Air 5 gerade für 499,00 Euro zu kaufen – und DAS ist seinen Preis absolut wert.

6.431

6.431

Güdn Tach, ich wäre dann auch wieder da.

Drei Wochen war ich mit der Suzuki V-Strom 800, der Morrigan, unterwegs.

Nicht jeden Tag woanders, aber auch nicht gänzlich unambitioniert:

6.431,5 Kilometer im Sattel sind dabei am Ende zusammengekommen.

Die Krökeligkeit dieser Tour erklärt sich aus der Entstehungsgeschichte. Irgendwann im vergangenen Winter guckte ich auf ein Bild eines der fantastischsten Gebäude, die es auf diesem Planeten gibt: Das Guggenheim Museum in Bilbao.

Immer wenn ich das Ding angucke, gibt es ein komisches Geräusch, und dann sehe ich mich irritiert um und merke: Ach, das Geräusch habe ich ja gemacht! Ein tiefes Seufzen, die Verkörperung von “Das würde ich ja mal gerne in Echt sehen”.

Tja, und dann platzte der trotzige Gedanke rein: Wenn Du das so gut findest, warum fährst Du da da nicht einfach mal hin?
Nun, weil es gute Gründe dagegen gibt.

Spanien ist einfach forking weit weg, man braucht mit dem Mopped allein drei Tage, um dort hinzukommen. Schlimmer aber: Zwischen Deutschland und Spanien liegt -ausgerechnet!- Frankreich.

FRÜHER fuhr der Autozug von Hildesheim, was bei mir um die Ecke liegt, nach Narbonne an der spanischen Grenze. DAS war super – es hat Reifen und Motor geschont, man war in 13 Stunden im Süden und man musste sich nicht mehr mit Frankreich abgeben als unbedingt nötig.

Dementsprechend beliebt war der Autoreisezug: Ausgebucht mindestens 12 Monate im voraus, obwohl die Tickets arschteuer (bis zu vierstellig) waren. Ist klar, was passiert ist, oder? Richtig: Die Bahn hat das Angebot eingestellt. Offizielle Begründung “mangelnde Rentabilität”, ich denke: Alexander Dobrindt. Der war zu dem Zeitpunkt Verkehrsminister und hat neben der episch verkackten Autobahnmaut auch die Bahn so unattraktiv wie möglich gemacht.

Anyhow, ich bin also auf die altmodische Art nach Spanien gefahren, und das war kein Spaß: Los ging es bei Temperaturen von drei Grad und im strömenden Regen, der dann auch bis Spanien nicht mehr aufhören wollte. Im Gegenteil, auf meiner Strecke war sogar Schnee angesagt. Mitte Mai! Wenn man im Helm die eigenen Zähne laut klappern hört, ist das Spaßpotential beschränkt.

Vor lauter Erleichterung, es trotzdem bis nach Spanien geschafft zu haben, ließ ich die Suzuki dann erstmal stehen und fuhr Zug…

…und schaffte es zum Objekt der Begierde:

Und ich ging zu Fuß. An sehr coole (6 Grad) Orte, an denen es (manchmal) auch nicht geregnet hat.

Ein als mondän angepriesener Badeort entpuppte sich dann als 360 Grad-Familienabzockparadies inkl. knallbunter Eisbuden wo “Gelatti” (SIC!) verkauft wurde, mit angeschlossenem Dauerrummelplatz und Touristenfressmeile.
Schauderhaft.
War natürlich in Frankreich.

Die nächste Idee war dann: Wenn schon Frankreich, warum dann nicht die Route de grandes Alpes mit dem höchsten Straßenpass Europas fahren?

Die Idee an sich war super, scheiterte aber an den Franzosen. “Nononon, Monsieur, wir ma´hen den Colle d´Isserain noch nöcht auf, es ist noch nicht der zweite Samstag im Juni um 10:00 ´Ühr”.
Na, dann halt nicht.

Überhaupt, die Franzosen: Beziehen viel Öl aus dem nahen Osten, deckeln aber die Benzinpreise der staatlichen Tankstellen auf 1,99 Euro pro Liter für alles außer Tiernahrung. Die Folge: Niemand spart Sprit, alle fahren weiter als wäre nichts. In manchen Regionen gab es an bis zu einem Viertel der Tankstellen Engpässe. Meist war Diesel ausverkauft, manchmal gab´s aber auch kein Benzin. Und manchmal gab´s einfach keine Tankstelle, auch das passiert in diesem bemerkenswert schlecht organisierten Land.

Immerhin bin ich auf den Mont Ventoux gekommen. Der hat auch ne hybsche Aussicht.

Immer nice ist auch die Gorge du Verdon.


Auch Clèmentines “Große Scheune” steht noch, ein gigantisches Bauwerk, in das im Inneren Plattformen und kleine Zimmer, wie Kästen, hineingebaut sind.

Weil ich dann gerade ohnehin in der Nähe war, habe ich noch auf einer anderen Farm vorbeigeschaut. In Italien.
Was man im Mai eigentlich nicht tun sollte, denn in der Region Emilia-Romagna gab es in den vergangenen Jahren immer wieder heftige Fälle von Grandine.
Das ist Hagel, aber auf Steroiden. Auf Grund des wärmeren Meereswasser fallen im Mai gerne von Rimini bis in die Berge südlich von Mailand tennisballgroße Eisklumpen aus dem Himmel.

DAS ist mein Superalbtraum – mit dem Mopped unterwegs sein, und plötzlich passiert sowas. Regen? Kann ich. Aber Meteore aus Eis?

Nun, ich WAR mit dem Mopped unterwegs, als es mich nun tatsächlich erwischt hat.

(Nicht meine Hand)

Glücklicherweise aber auf einer gewissen Farm, und ich konnte die Morrigan schnell unter eine Tetta, ein Vordach, schieben, so dass sie keinen Schaden nahm.

Das erzählte ich wenig später stolz einer gewissen Farmerin, die mich dann lachend darüber aufklärte, dass ich die Suzuki wohl hoffentlich unter ein “Tetto” verbracht hätte. Eine “Tetta” ist nämlich ein weibliches sekundäres Geschlechtsmerkmal, und eine Tetta von der Größe, dass ein ganzes Motorrad darunter passt, das wäre, nun, beeindruckend.
Ach, ich und Sprachen.

Wie auch immer, der Regen kam und ging erstmal nicht wieder weg. Giulie erklärte daraufhin spontan Regen-Watching und Schneckchen sammeln (und in Sicherheit tragen) zu offiziellen Sportarten, und die Leutchen im Ort freuten sich darüber, dass ihr Dorf nun auch am Meer lag. Nebenbei wurde ich häufig gefragt, wann ich wohl wieder abreisen würde.

Der Rückweg nach Deutschland war dann durchaus interessant, denn ausgerechnet an dem Tag, an dem ich ENDLICH Varatweety von maedchenmotorrad.de hätte treffen wollen, wurde der Brenner gesperrt.

Tiefes Verständnis für die Anwohnenden des Wipptals, die unter Lärm und Feinstaub leiden und dagegen demonstrierten. Ihr Protest ist mehr als berechtigt, führt aber dazu, dass das Treffen mit Varatweety wieder nicht klappte, denn sie lebt hinter dem Reschenpass, der als Ausweichroute zum Brenner völlig überrannt wurde. Ganz Tirol erwog Einreiseverbote, und selbst die Tauernautobahn warnte vor Stau durch Überlastung.

Ich schlich mich dann tatsächlich über eine Kopfsteinstraße über die Alpen: Die Tremola, die alte Gotthard-Passtraße. Dort war ich quasi alleine.

Es gab nur ein weiteres Problem: Rund um den Gotthard herum ist die Schweiz. Wirft man der nicht sein Betriebsvermögen oder Spendernieren in den Rachen, darf man weder Autobahnen fahren noch menschenwürdig übernachten.

Mit den superstrengen Tempolimits von meist 80 km/h habe ich keine Schmerzen, aber das tatsächliche Durchschnittstempo von 25 km/h ist unerträglich und sorgt vermutlich im Nachgang für einen oder mehrere Strafzettel.

Das ist aber nichts gegen die unfassbare Wurstigkeit schweizer Hoteliers! Für eine ordentliche dreistellige Eurosumme gibt´s halt nur das unisolierte Dachzimmer mit besenschrankgroßem Gemeinschaftsklo. Während in der Etage drunter selbst die Flure klimatisiert waren, bin ich vor Hitze in dieser Sauna fast gestorben. Schlafen war da nicht drin, zumal die Leuchtreklame vom Dach taghell durchs Fenster strahlte.

Dagegen ist Deutscheautobahn fast entspannend gewesen, auch wenn – natürlich! Zehn Kilometer vor zu Hause das hier passierte:

Und ja, ich bin da mitten reingeraten, in Starkregen und Sturm. Aber die Morrigan segelt durch so ein Wetter einfach elegant hindurch und ist auf ihren zwei Rädern viel souveräner und sicherer unterwegs als die meisten Autofahrer.
Die V-Strom und ich, wir haben halt mehr Übung mit Regenfahrten.

Apropos: Die Reifen. Die haben jetzt rund 14.000 Kilometer runter, bestimmt die Hälfte davon Autobahn und ansonsten Pyrenäen- und Alpenasphalt. Trotzdem haben sie noch Klebekraft bei Regen und das Profil ist mit 4mm hinten und 3,5 vorne (Neu: Hinten 8,5mm, vorn 5mm) noch bemerkenswert gut. Kann ich nur empfehlen, die Metzler Tourance Next 2.

Jetzt muss ich erstmal eine neue Suzuki-Werkstatt finden, denn die Morrigan hat sich neue Reifen und eine Durchsicht redlich verdient. In den vergangenen 26 Monaten haben wir 30.000 Kilometer abgerissen – und das ohne Panne, ohne Unfall. (Über die Sache mit dem Bremsscheibenschloss sprechen wir nicht).
Das ist auch schonmal was.

Ausführlich gibt es diese Stories dann natürlich im Reisetagebuch, aber das dauert noch bis zum Spätherbst – jetzt hat mich erstmal der Alltag wieder mit seinen großen Sorgen und den vielen Dingen, die Aufmerksamkeit erfordern.

2025: 5.420
2025: 7.851
2023: 6.142
2023: 5.853
2022: 5.679
2022: 6.338
2021: 7.306
2020: 5.575
2019: 8.124
2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

Momentaufnahme: Mai 2026

Momentaufnahme: Mai 2026

Herr Silencer im Mai 2026

Das Wetter will mich doch verarschen!

Wetter: Regen. Bei 2 bis 10 Grad. Dann Sonne. Bei 33 Grad. WTF?


Lesen:

Terry Pratchett: Witches Abroad [1991, Kindle]
Magrat Knoblauch, eine nah am Wasser gebaute Junghexe mit Hang zur Esoterik, erbt einen Zauberstab – und ist damit von jetzt auf gleich eine gute Fee. Teil des Erbes ist auch, dass sie eine arme Magd auf dem Weg zur Prinzessin begleiten muss. In der fernen Stadt Genua. Und Granny Wetterwachs und Nanny Ogg, die verschrobendsten Hexen der Spitzhornberge, dürfen auf keinen Fall mitkommen. Klar, dass sie wenig später zu Dritt auf Reisen gehen – und dabei entdecken, dass irgendjemand Geschichten manipuliert.

“Witches Abroad” ist eines der ersten Bücher über die Hexen der Scheibenwelt. Das ist deutlich zu merken – der große, wegen seiner Klugheit und Hintergründigkeit beeindruckende Stil der späteren Jahre von Pratchetts Schaffen findet sich hier noch nicht.

Hier gibt´s die billigen Lacher a la “Per Anhalter durch die Galaxis”, wenn die Hexen in Fish-out-of-Water-Manier durch bekannte Sagen und Märchen stolpern und die in Ordnung bringen, was bis hin zu durch Feminismus verhinderten Märchenhochzeiten reicht. Das ist lustig und immer noch toll lesbar – und ein kurzlebige Aufheiterung ist ja nichts Falsches.

Anette Dittert: Dear Britain [2026, Kindle]
Annette Dittert ist nicht mehr für die ARD tätig (leider), aber arbeitet weiterhin. Eines der Ergebnisse ist “Dear Britain”, quasi der Nachfolger des von mir sehr gemochten “London Calling”.

An dessen Qualität kommt das neue Buch für mich leider nicht ran. In “London Calling” schätzte ich sehr die vielen, kleinen Einsichten aus Gesprächssituationen, die dabei halfen, Großbritannien und seine Insassen besser zu verstehen. Solche kleinen “Aha”-Momente fand ich in “Dear Britain” wenig. Das Buch versucht sich an größeren Zusammenhängen – Fremdenfeindlichkeit, die Rolle des Haus of Lords, das Verhältnis der vier Länder zueinander usw. Zwischen diesen Kapiteln finden sich immer wieder welche, die sich mit kleineren Dingen wie Gartengestaltung befassen. Das liest sich alles nicht so interessant weg wie im Vorgänger, den ich in wenigen Tagen verschlungen habe – und das liegt nicht daran, dass die Themen in “Dear Britain” zu schwer sind.

Ich bin nicht sicher, was mich am Ende genau an dem Buch gestört hat. Vielleicht ist es die Vermengung zu vieler Ebenen – Themen werden anhand von Gesprächssituationen behandelt, die viel Atmo mitbringen, und über allem liegt die Suche nach der Identität Großbritanniens und dem Platz der Autorin darin. Vielleicht geht da ein wenig zu viel durcheinander für meinen Geschmack.

Zur Ordnung trägt auch nicht bei, dass das Buch merkwürdig aufgebaut ist – immer wieder werden gewisse Dinge wiederholt, wie z.B, die Erklärung, wer oder was Emilia eigentlich ist. Gerade so, als wäre das Buch darauf angelegt, dass man es Kapitelweise, aber ohne Reihenfolge liest. Oder als würde es aus einer Sammlung von Kolumnen bestehen. Ein wenig besseres Lektorat hätte vielleicht geholfen, aus einem netten ein hervorragendes Buch zu machen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Ditterts Erkenntnis, dass das House of Lords wichtige Expertenarbeit leistet. Das hat mir vor Jahren ein Guide dort erzählt und ich dachte, der flunkert.


Hören:


Sehen:

Australia [2008, BluRay]
Australien, in den 1930ern: Die britische Adlige Nicole Kidman reist ihrem Mann nach Australien hinterher. Dort angekommen entdeckt sie, dass ihr Mann ermordet wurde – vermutlich, weil jemand die 30.000 Quadratkilometer große Rinderfarm haben will. Kurzentschlossen übernimmt Kidman selbst das Anwesen und versucht sich mit Hugh Jackman am Viehtrieb. Dann passieren Dinge. VIELE Dinge.

“Australia” ist ein Baz Luhrmann-Film. Das muss man wissen um zu begreifen, mit was man es hier zu tun hat und warum der Film wirkt, als sei er das uneheliche Kind von “Moulin Rouge” und “Vom Winde verweht”. Denn exakt das ist der Fall!

Von “Moulin Rouge” stammt die überdrehte Optik, die visuelle Wundertüte an Bildern und die skurrilen Kameraeinstellungen, wie in “Vom Winde verweht” wird hier eine epische Geschichte erzählt, die einfach nicht aufhören will. Damit tut der Film sich keinen Gefallen, weder mit der Optik noch mit der Länge der Geschichte.
Wenn Kidman und Jackman endlich die Rinder durch Wüsten und Unwetter bis zum Hafen gebracht haben, sich in de Armen liegen und das kleine Aborigines-Kind glücklich grinst, dann könnte der Film eigentlich gefühlt vorbei sein – aber zu diesem Zeitpunkt hat man die Hälfte der fast drei Stunden Laufzeit noch vor sich!

Ähnlich wie einst Tara muss auch “Faraway Down”, so der Name der Farm, erst noch brennen, die Japaner Australien angreifen und das Kind erschossen werden und und und… Das ist alles in einer Sekunde hoch dramatisch und in der nächsten Sekunde wieder total cheesy gefilmt und wirkt deshalb tonal all over the place. Schade, denn der Film möchte gerne eine ernsthafte Message rüberbringen. Schon im Titeltext verweist er auf die “gestohlenen Generationen” von Aborigines, aber dann kann Lurhmann nicht anders als Luhrmann-Sachen zu machen und dadurch ständig neue Dinge auzuhäufen, ohne die Kernstory wirklich aus zu erzählen.

Kunterbunt, entgleist tonal dauernd, viel zu lang.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Die bizarre Anreise von Kidman inklusive Känguruballerei.


Spielen:


Machen:

  • Im Regen bei 3 Grad Mopped fahren
  • In glühender Hitze Mopped fahren
  • Mopped fahren!

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Raten Sie mal…

Raten Sie mal…

…wer am 30.05. über die Alpen fahren muss.

Ernsthaft, da muss ich ein Mal im Jahr durch Südtirol – und an genau diesem Tag wird da der Notstand aufgrund der Brennersperrung ausgerufen.

Wie ich das nur immer hinkriege!