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Autor: Silencer

Trailer: Motorradjahr 2025

Trailer: Motorradjahr 2025

Das war das Jahr 2025: Ich war sechs Wochen und über 13.000 Kilometer on the Road mit der Morrigan, der Suzuki V-Strom 800. Fast nur an Orten, die ich schon kannte – aber genau das brauchte ich in dem Jahr. Das Gefühl zu haben, alte Freunde wieder zu besuchen.

Motorradsommer 2025

Mit der V-Strom längs bis nach Süditalien, durch Kalabrien, Kampanien, die Basilicata und das Molise. 7.851 Kilometer in drei Wochen.

Motorradherbst2025

Nach Sardinien und in die Toskana, 5.420 Kilometer in drei Wochen.

Reisetagebuch Motorradherbst (8): Memento Mori

Reisetagebuch Motorradherbst (8): Memento Mori

Motorradherbst mit der Morrigan. Heute geht es nach Hause, aber vorher wird es traurig.

Donnerstag, 16. Oktober 2025
Ein letztes Mal steuere ich die V-Strom den verkorksten Weg hinab.
Das war es dann, mit den Ferien in der Toskana.
So schön es hier war, und so sehr sich langsam auch Routine eingestellt hat: Diesen Weg werde ich nicht vermissen.

Folgerichtig habe ich mich von der netten Wohnung in dem alten Bauernhaus auch mit den Worten “Tschüss, machs´ gut, wir werden uns nie wiedersehen” verabschiedet, und nun geht es schon hinaus auf die Landstraße und ab gen Norden.

Kurz vor Arezzo biege ich nach Osten ab und steuere die V-Strom in den Apennin. Es ist bewölkt und sehr herbstlich, und ein Gefühl von Traurigkeit macht sich in meiner Brust breit. Ein diffuses Gefühl von Verlust. Das Ende des Sommers lässt sich nun endgültig nicht mehr leugnen. Mit ihm geht auch diese Tour zu Ende, und ich werde mich wieder dem Alltag stellen, in dem nichts Erfreuliches wartet, sondern nur mehr Verlust, mehr Traurigkeit, mehr Anspannung. Ich trauere ein wenig um die vergangenen Wochen.

Von den ersten Ausläufern der Berge aus kann ich auf den Lago Montedoglio hinabblicken. Wie ein totes Ampelmännchen liegt der künstliche See in der Landschaft.


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Reisetagebuch Motorradherbst (7): Goldenes Inferno

Reisetagebuch Motorradherbst (7): Goldenes Inferno

Motorradherbst mit der Morrigan.

Dienstag, 14. Oktober 2025
So sehr ich AirBNB verachte, so sehr mag ich es, eine ganze Wohnung zur Verfügung zu haben. Für ein paar Tage genieße ich das Gefühl, in einem anderen Land zu leben.

Heute morgen mache ich mir in “meiner” Küche nur einen Kaffee und ein Stück Baguette mit frischer Mortadella, dann setze ich mich an den Tisch vor der Tür und frühstücke, während ich über die Landschaft des Val d´Orcia schaue.

Kurze Zeit später frickele ich mich über die verdrehte und kaputte Schotterstraße von dem Hügel runter, auf dem das Landhaus liegt. Der Weg ist echt nicht ohne, mit den tiefen Rillen. Anhalten möchte ich hier nicht, wenn ich das Bein auf den Boden stelle und dabei so eine Rille oder ein Schlagloch erwische, liegen wir auf der Seite.

Ich habe den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als von Vorne ein Auto kommt. Ja, war ja klar!

Die Morrigan rauscht über die Landstraßen der Toskana. Der Weg führt nach Siena, wo in der Via dei Mille schon das bunte Herbstlaub auf den Motorradparkplätzen liegt.

Auf dem Campo muss ich erstmal ein Mobbedzwerch-Gedächtniseis genießen. Das gehört dazu.


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Momentaufnahme: April 2026

Momentaufnahme: April 2026

Herr Silencer im April 2026

Wetter: Monatsanfang oszillieren die Temperaturen zwischen 0 Grad in der Nacht und 17 am Tag, dabei wechselhaft, überwiegend sonnig. Am 03.04. trage ich die Pflanzen raus, eine Woche später explodiert die Natur in sattes Grün. Bis Monatsende dann zwischen nachts 3 und tagsüber 17 Grad, wenig Regen, viel Sonne.


Lesen:

Terry Pratchett: The Shepherds Crown [2015, Kindle]
Esmé Wetterwachs geht mit IHM, und hinterlässt die Welt in einem besseren Zustand als sie sie vorgefunden hat – das können nicht viele von sich behaupten. Mit ihrem Tod verliert die Scheibenwelt ihre mächtigste Hexe und die Schwesternschaft der Hexen, die ja keine Anführerinnen kennt, ihre Anführerin. Als Nachfolgerin hatte Wetterwachs Tiffany Aching auserkoren.

Ohne Esmé Wetterwachs Schutz brechen auch die Elfen wieder durch die Barriere zwischen den Welten, rauben Kinder aus der Wiege, machen das Bier sauer und schlachten Menschen ab. Eine fordernde Situation für Tiffany Aching, die sich ohnehin zwischen ihrer Heimat im Kreideland und Wetterwachs´ altem Einzugsbereich aufreibt.

Das hier war Pratchetts letztes Buch, bevor er 2015 verstarb. Man kann es als Analogie lesen: Esmé Wetterwachs und Pratchett gehen gleichzeitig von der Welt. Zurück bleibt eine neue Generation, die die Welt verändert und nach vorne blickt, ohne zu vergessen vorher sie kommt und wer vor ihr da war. Das macht ihre Stärke aus, und letztlich besiegt der Wandel der Welt die alten Schrecken.

Das ist schön und bittersüß, auch wenn der Part der Elfen hingehuddelt wird. Aber, wie Rob Wilkins im Nachwort schreibt: Das Buch war nicht fertig poliert, als Pratchett starb. Vierzig Bücher beschreiben die Scheibenwelt, und “The Shephards Crown” bietet einen wundervollen Abschluss.


Hören:


Sehen:

The Quiet Earth [1985, BluRay]
Als Zac Hobson aufwacht, ist niemand mehr da.
Nicht in seinem Haus, nicht in der Straße, nicht in der Stadt.
Alle Menschen und Tiere sind verschwunden.
Zac ist alleine auf der, nun sehr stillen, Welt.

Nach einer Weile stellt sich raus: Es gab ein Ereignis, das alles Leben in einem Sekundenbruchteil hat verschwinden lassen. Zurückgeblieben sind nur Lebewesen, die exakt im Moment des Ereignisses gestorben sind.

Seitdem ich diesen Film Ende der 80er, im Alter von so 12, 13 Jahren im Fernsehen gesehen habe, ließ er mich nicht mehr los.
Schon damals hat er mich tief beindruckt.

Zac ist ganz allein auf der Welt.
Er ist der letzte Mensch.

WIE TOLL IST DAS DENN BITTE?!?

Er kann tun und lassen, was er will! Eine Welt ohne Menschen, aber mit intakter Infrastruktur, das ist ja quasi Idealzustand!
Seit Jahrzehnten denke ich immer wieder an diesen Film und darüber nach, was ICH wohl in Zacs Situation tun würde.

Was macht man als letzter Mensch auf der Welt? Genau dieses Gedankenspiel ist die Stärke des Films. In der ersten Hälft ergeht er sich in Darstellungen von Dingen, die jemand tut, der wirklich völlig allein auf der Welt ist: Erst die Versuche andere Menschen zu finden, dann Einkaufscenter und Baumärkte plündern, dann Luxusgüter in Beschlag nehmen, dann absurde Reden vor leeren Rängen halten und am Ende in Damenunterwäsche mit einer Schrotflinte auf Jesus schießen. Großartig! Parallel dazu über allem das Mysterium: Was genau ist passiert, dass alles Leben verschwunden ist?

Im letzten Drittel kippt das alles ein wenig, als tatsächlich zwei andere Menschen auftauchen. Die Darsteller sind keine guten Schauspieler, die Gruppendynamik fühlt sich Cringe an und die entstehenden Verwicklungen sind bestenfalls seltsam. Etwas hohl lässt einen das offene Ende zurück. Das ist zwar SciFi-technisch super, fühlt sich aber unbefriedigend an.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn Zac am Ende des Films am Strand aufwacht und über dem Meer der Saturn aufgeht.

La Riffa [1991, BluRay]
Das süditalienische Bari, Anfang der 90er: Monica Bellucci ist hauptberuflich schön und reich. Letzteres denkt sie zumindest, bis ihr Mann überraschend stirbt und klar wird: Sie war nie reich, und jetzt sitzt sie auf einem gigantischen Berg aus Schulden.

Nun muss die junge Frau, deren Leben bislang aus Shopping und dem Austausch von Klatsch mit anderen Damen der High-Society von Bari bestand, zusehen, wie sie sich einen Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter verdient. Zunächst versucht sie es mit dem Verkauf von Yacht und Autos, dann Schmuck und Kleidern, schließlich sogar mit – gasp!- ehrlicher Arbeit.

Bringt aber alles zu wenig Geld ein, und so kommt sie auf eine Idee: Eine Tombola, italienisch “Una Riffa”, soll es richten. Hauptgewinn: Sie selbst. Zwanzig Personen sollen teilnehmen können, gegen eine Zahlung von jeweils 100 Millionen Lire (ca. 50.000 heutige Euro). Dem Gewinner will sie für vier Jahre für alles zur Verfügung stehen, egal was.

Sofort machen Männer (und Frauen) aus ihrem Bekanntenkreis mit.

Monica Bellucci ist zwar auf Fotos eine der schönsten Frauen der Welt, mit Schauspielerei hatte sie es aber noch nie so. Später in ihrer Karriere erhob sie das zum Stilmittel und reduzierte ihre Mimik auf seltsam-gucken-mit-halb-geöffneten-Lippen und wurde damit zur erfolgreichsten Schauspielerin Italiens.

“La Riffa” von 1991 ist einer der ersten Filme von Bellucci, und hier versucht die damals 27jährige zumindest noch zu schauspielern. Mit mäßigem Erfolg, wobei das bei der wirren Erzählweise und dem sprunghaften Schnitt des Films kaum auffällt.

Das ist schaden, denn die Grundidee ist zwar mild absurd, böte aber von Sozialkritik bis zur Objektivierung von Frauen große Spielflächen. Die nutzt “La Riffa” leider gar nicht. Stattdessen wirkt der Film wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die dem Regisseur gerade eingefallen sind. Sinn ergibt das kaum, spannend ist es auch nicht – es gibt keinen Grund, sich diesen Streifen anzutun.
Außer natürlich, man guckt gerne Monica Bellucci an oder mag die Stadt Bari.

Keine Ahnung, warum der 35 Jahre alte Film jetzt nochmal auf einer (sehr gut gemasterten) BluRay erschien.
Vielleicht sind die Produzenten Fans von Bari.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als eine Frau auf einer Party Monica Belluccis Cocktailkleid bewundert, und sie es daraufhin vor allen Leuten auszieht und der Frau verkauft.

The Others [2001, DVD]
1945, auf der Kanalinsel Jersey: Nicole Kidman hockt mit zwei kleinen Kinder in einem alten Herrenhaus. Abgeschnitten vom Rest der Welt leben die drei im Schein von Ölfunzeln, denn die Blagen sind allergisch gegen Sonnenlicht. Zu allem Ungemach wabert seit Wochen ein dichter Nebel ums Haus, die Dienstboten sind über Nacht abgehauen und eines der Kinder behauptet immer wieder, das ein Geisterjunge in ihrem Zimmer spukt.

Da klopft es an der Tür und ein alter Gärtner, eine Kinderfrau und eine Magd stehen davor. Alle drei haben schon vor Jahren auf dem Anwesen gearbeitet, und so stellt Kidman sie ein. Ab diesem Zeitpunkt häufen sich die seltsamen Vorfälle.

Aktuell kommt gerade die 4K-Restauration von “The Others” raus, und anlässlich dessen hatte ich die Szene mit dem Twist auf FilmTok gesehen und dann gedacht: Moment, Du hast doch die DVD, warum kennst Du den Film nicht?

Tja, keine Ahnung. Vermutlich fand ich den langweilig und habe ihn nach der Hälfte ausgemacht. Denn “The Others” ist kein Horror, sondern ganz klassischer und subtiler Grusel, der die Laufzeit braucht, um Spannung aufzubauen. Guckt man nicht richtig hin oder schaltet auf Durchzug, wirkt es so, als ob da lange Zeit nichts passiert, außer das die Kinder seltsam sind. So bekommt man den eigentlichen Reiz des Films nicht mit.

Was schade ist, denn hier passiert in jeder Szene etwas, und sei es in den Gesichtern der Schauspieler. Selbst Nicole Kidman schauspielert hier ganz großartig und stellenweise herzergreifend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn die große Enthüllung stattfindet und der Twist alles auf den Kopf stellt. Das ist stark gespielt und für den Zuschauer extremes Schuppen-von-den-Augen-falling, so dass man den Film gleich nochmal gucken möchte. Nicht ganz auf “Sixth Sense”-Niveau, aber nah dran.

The Flowers of War [2011, BluRay]
Zweiter Weltkrieg: 1937 überfällt Japan China und besetzt die Stadt Nanking. Eine Gruppe Schülerinnen sucht Zuflucht in einer christlichen Kathedrale, deren Pfarrer gerade verstorben ist. In dieselbe Kirche stolpert kurz darauf Christian Bale hinein, der den Priester bestatten soll, sowie eine Gruppe Prostituierte, die ebenfalls Zuflucht suchen.

Draußen fliegen die Kugeln, im Inneren der Kirche beäugen sich die drei Fraktionen misstrauisch (Schülerinnen gegenüber Bale/Prostituierte), lüstern (Bale/Prostituierte) und amüsiert (Prostituierte gegenüber Bale/Schülerinnen). Dann erobern die Japaner das Gebiet und begehen Massaker und Massenvergewaltigungen an der Zivilbevölkerung.

Den Besatzern gegenüber gibt sich Bale als Pfarrer aus, versteckt die Prostituierten und versucht die Schülerinnen zu schützen, aber ein japanischer Kommandant fordert die Mädchen. An ihrer Stelle gehen die Prostituierten.

“Treffen sich ein Bestatter, Prostitierte und ein Mädchenchor in einer Kirche” – was klingt wie der Beginn eines schlechtes Witzes, entwickelt sich nach kurzer Zeit zum handfesten Drama, das aber an vielen Stellen stark überzeichnet ist.

Schon die skurrile Ausgangssituation und die Handlungsbeschreibung macht deutlich, dass man es hier mit einer Romanhandlung zu tun hat. Und zwar mir einem Roman, der das Wohlwollen der Staatspartei Chinas hatte. Das ist auch sehr deutlich zu merken, wenn es um Nebenfiguren geht wie den feigen Kollaborateur, den irgendwann sein “Verrat” einholt und er seine gerechte Strafe erhält. Man kann den Film als Propagandalastig lesen.

Nicht desto trotz hat er einen wahren Hintergrund, die Massaker von Nanking sind wirklich geschehen, aber außerhalb Chinas wenig bekannt. Vor dieser Kulisse ist das Spiel der seltsamen und gegen ihren Willen verbundenen Fraktionen unterhaltsam und spannend bis zum Schluss, denn die Frage bleibt: Schafft es jemand aus dieser Hölle heraus? Die Ausstattung des Films ist opulent, die Schauspieler allesamt hervorragend und der Streifen insgesamt ein Anschautip.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Rosenfenster der Kirche unter Beschuss in Zeitlupe zersplittert und eine der Prostituierten in Panik gerät und wegrennt, genau in die Bahn von Scharfschützen.

Adèle und das Geheimnis des Pharaos [2010, BluRay]
Im Jahre 1912 ist die junge Adèle de Blanc-Sec Journalistin in Paris. Dummerweise hat sie versehentlich ihre Schwester lobotomisiert, die seitdem einen Nagel im Kopf hat und im Wachkoma vor sich hinsiecht. Adèle fasst einen naheliegenden und absolut logischen Plan: Sie will die Mumie des Leibarztes von Pharao Ramses II. wiederbeleben, damit der ihrer Schwester helfen kann.

Am Ende des Films bricht Adèle in den wohlverdienten Urlaub auf – an Bord der Titanic.

Frauen mit Nagel im Hirn, wiederbelebte Mumien, eine Journalistin, die auf einem Pterodaktylus reitet, Monty-Pythoneske Ausbruchsversuche aus einem Gefängnis, ein Großwildjäger, der in Montmartre einen Saurier jagt, dazu Polizisten direkt aus einem Louis-De-Funes-Film… was zum Geier habe ich da gerade gesehen?

Nun, einen Luc-Besson Film! Der hatte ja immer schon ein Fable für starke und seltsame Heldinnen (vergl. “Nikita”, “Anna”, “Lucy”, usw.), und Adèle macht da keine Ausnahme. Dass sich der Film an ein jüngeres Publikum richtet, ist schon an den übertriebenen Masken und den absurden Situationen zu merken. Dass es sich um einen europäischen Film handelt, ist an dem wohltuend normalen Umgang mit nackten Nippeln erkennbar, aber auch an den Schockelementen. Besson mutet seinem jungen Publikum lustige Szenen in Abwechselung zu Grusel zu, so wie er früher in Filmen wie “Goonies” oder “Gremlins” vorkam.

Der Film ist für das Budget erstaunlich. Sieht man von den wirklich schlechten Masken ab, gibt es hier viele Schauwerte. Das Paris des frühen 20. Jahrhunderts ist detailverliebt zum Leben erweckt, inkl. Gebäude, die es heute so nicht mehr gibt. Und Louise Bourgoin als Hauptdarstellerin spielt tough und gleichzeitig anrührend.

In Summe: Sehr unterhaltsam! Stellenweise arg vorhersehbar, dann aber wieder überraschend und letztlich auch spannend und rührend. Ich hatte viel Spaß mit diesem seltsamen, kleinen Film, und das nicht (nur) wegen der nackten Brüste.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Adèle ihre katatonische Schwester schminkt, der ein Nagel aus der Stirn ragt.

Clerks III [2022, BluRay]
Im Jahr 2022 hängen Danten und Randal immer noch und schon wieder im Quickstop in New Jersey ab. Hockeyspiele auf dem Dach und absurde Konversationen mit Jay und Silent Bob lassen es wirken, als habe sich seit 1994 nichts geändert.

Aber das täuscht: Alle sind älter geworden, und dass die Protagonisten keine 23 mehr sind, sondern auf die sechzig zugehen, wird ihnen in dem Moment schmerzhaft bewusst, als Randal mit einem Herzinfarkt aus den Latschen kippt.

Er überlebt das, und hat eine Idee: Er will die Geschichte des Quickstops verfilmen.

“Clerks” war 1994 für mich eine Offenbarung, wie später nur noch ganz wenige Filme. Die 2006er-Fortsetzung “Clerks II” hätte es für mich schon nicht gebraucht. Nun also mit “Clerks III” das Ende der Inconvenience-Store Triologie. Das ist arg selbstreferentiell und meta geraten.

Herzinfarkte, in Regisseur Kevin Smith eigenem Leben eine einschneidende Erfahrung, spielen eine große Rolle. Daneben ist der ganze Film vollgestopft mit Memberberries aus dem ViewAskew-Universum, hat aber abseits des Mühens um ein Ende aber wenig zu erzählen. Es gibt noch nette Dialoge, Generationsdefinierend ist das hier aber nicht mehr.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als beim Casting für die Rollen von Dante, Veronica und Randal plötzlich Promis vorsprechen wie Sarah Michelle Gellar, Freddie Prinze Jr., Bobby Moynihan, Melissa Benoist, Chris Wood, Anthony Michael Hall, Danny Trejo und Ben Affleck.


Spielen:

The Saboteur [2009, XBOX360]
Shawn Devlin ist Ire und eigentlich Mechaniker in einem Rennteam. Wider Willen springt er beim großen Preis von Saarbrücken 1940 als Fahrer ein und legt sich dabei prompt mit dem deutschen Champion Klaus Dierker an.

Als der Devlin dem unsympathischen Dierker einen Streich spielen will, erschießt der Nationalsozialist kurzerhand Shawns besten Freund. Das ist aber bald das kleinste Problem, denn in der selben Nacht überfällt die Wehrmacht Frankreich. Devlin flüchtet nach Paris, versteckt sich in einem Nachtclub im Montmartre und schließt sich, ebenfalls wider Willen, der Resistance an.

Fortan legt er heimlich Bomben, befreit Widerstandskämpfer, verübt Attentate auf die Besatzer, schmuggelt Waren und Menschen, besorgt gefälschte Papiere, rettet Kunstschätze und rückt mit diesen Aktionen bald in den Fokus des Gauleiters – eben jenen Dierkers, mit dem Shawn ohnehin noch eine Rechnung offen hat.

Warum ich noch eine XBOX 360 habe? Weil die 20 Jahre alten Konsole als einzige noch die ganzen “Guitar Heroes” und “Rock Bands” abspielt, und weil es nur hier das grandiose “The Saboteur” gibt. Das gehört zu den ganz wenigen Spielen, die nie updatefähig gemacht oder für neuere Konsolen veröffentlicht wurden, denn das Entwicklungsstudio Pandemic wurde kurz vor dem Release im Jahr 2009 von EA geschlossen.

Das ist schade, denn “Saboteur” ist ein großartiges Game. Es stammt aus der Zeit, in der Double-A-Produktionen mit Mut zum Risiko boomten, und sich gleich mehrere Studios an der GTA-Formel versuchten, ohne das aufgeblasene Budget eines GTA zu haben. Das war auch die Zeit, in der ein gutes Spiel 8 bis 15 Stunden dauerte und nicht mit Mikrotransaktionen, DLCs oder Liveservices nervte.

“Saboteur” ist quasi ein kleines und gradliniges “GTA” im Frankreich der Vierziger Jahre, inklusive passendem Soundtrack. Paris samt Umland und das Küstenstädtchen Le Havre bieten eine wunderbar unverbrauchte Kulisse, wenn auch für eine leider recht generische Story. Neben der gibt es weitere Schwachpunkte: Faustkampf ist ein Glücksspiel, Stealth mit Verkleidungen funktioniert so gut wie nie und das Klettern an Gebäuden ist behäbig und nicht mal im Ansatz so geschmeidig wie in “Assassins Creed”, das schon zwei Jahre zuvor erschien. Auch das Perk-System ist kaum der Rede wert.

Warum “Saboteur” mir auch heute noch viel Spaß macht: Es hat spannende und extrem abwechslungsreiche Missionen, die man heimlich oder offensiv oder beides angehen kann. Im Free Roaming ist die Open World eine großartige Sandbox. Durch die Stadt (und die umliegenden Landstriche) zu wandern, Nazi-Posten in die Luft zu sprengen oder SS-Offizieren die Autos zu klauen, und zu gucken, wie die Systeme des Spiels darauf reagieren, das macht einfach einen Heidenspaß.
Ab einer gewissen Alarmstufe suchen die Nazis sogar mit Zeppelinen nach Shawn – wenn der dann aber eine Flugabwehrstellung infiltriert, ist der Himmel über Paris mehr als nur rot erleuchtet.

Der zweite Grund ist das Artwork. In dem Moment, in dem Shawns Kumpel stirbt, verliert die Welt die Farbe, sie wird düster und ist in einem dunklen schwarz-weiß gehalten, aus dem nur vereinzelt Primärfarben hervorstechen – blutrote Nazi-Banner, gelbe Straßenlichter oder gelegentlich ein Tupfer blau, bei Mitgliedern des Widerstands.

Hat Shawn genügend Anschläge und Missionen durchgeführt, kehrt die Farbe in einzelne Stadtviertel zurück, der Himmel klart auf und Menschen flanieren durch die Straßen. Das ist eine ganz wunderbare Art, die Hoffnungslosigkeit und Schwere unter der Besatzung und die Hoffnung und das Aufblühen durch den Widerstand zu symbolisieren.

“The Saboteur” sieht auch heute noch schick aus, bringt ein unverbrauchtes Szenario mit, ist ein toller Spielkasten und bietet kurzweiligen Spaß – schade, dass daraus nie, wie eigentlich geplant, ein Franchise geworden ist.

Die deutsche Fassung ist übrigens besser als die englische. Zwar durfte es in der hierzulande veröffentlichten Fassung keine Hakenkreuze auf Bannern und Fahnen geben, aber dafür ist die Synchro der NPCs und Nebenfiguren auf deutsch VIEL besser. In der englischen Fassung lesen Amerikaner deutsche Texte vor, die sie nicht verstehen – man kann sich denken, wie das klingt.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Bei Nacht von Montmartre aus auf die dunkle Stadt zu blicken und zu denken “Das ist mal ein Spielplatz”.

Sleeping Dogs [2012, XBOX360, Definitive Edition 2014 PS4/PS5]
Hongkong, 2012: Ein chinesischstämmiger Cop ermittelt undercover gegen die Triaden. Im Zuge dessen wandelt er nicht nur auf der Grenze zwischen Gesetz und Verbrechen, er muss sie auch ständig übertreten – und sich irgendwann fragen, auf welcher Seite er steht.

Schon vor zwölf Jahren hat mir ein Arbeitskollege dieses Game in den überschwänglichsten Tönen als GTA IV-Alternative empfohlen. Ich hatte es dann 2014 für die XBOX 360 gekauft, und seitdem legte ich es alle paar Jahre wieder ein, spielte eine Stunde und legte es dann wieder weg, wie die Savegames aus 2014, 2017, 2021 und 2022 beweisen. Keine Ahnung warum, irgendwie zündete das Open World-Krimidrama in Hongkong nie so richtig bei mir.

Das mag an der blockigen Steuerung gelegen haben, oder auch daran, dass Spiele aus der Zeit halt generell noch recht pixelig sind und nur in 720P und mit kräftigem Kantenflimmern laufen. Auf der XBOX Series läuft die 360er Version nämlich nicht, und eine angepasste Version gab es nie.

Was es aber gab war eine “Definitive Edition” für die PS4, und die habe ich nun auf dem Flohmarkt gefunden. Ich finde, damit sieht das Game durchaus besser aus, wenngleich auch Grafikfans von einem Downgrade bei Assets, Beleuchtung und Texturdetails sprechen. Die Definitive Edition verändert das Beleuchtungsmodell und fügt Jiggle-Physics und Nebeleffekte hinzu, zudem wurden alle DLCs integriert und Schwierigkeitsgrad und Missionsdesign anhand von Feedback angepasst.

Allein schon wegen des geringeren Kantenflimmerns (das ertrage ich gar nicht!) war ich motiviert, mir das mal länger als 15 Minuten anzusehen. Und dann war es um mich geschehen: Die Geschichte hat mich reingezogen.

“Sleeping Dogs” entfaltet sich langsam und stellt sich als wirklich ernsthafte Konkurrenz zu GTA dar, mit dem Unterschied das dieses Game in nur vier Jahren entstand. Genau wie GTA IV von 2008, das die Geschichte eines serbischen Kriegsflüchtlings in New York erzählt und ganz anders und viel ernster war als das überdrehte und nur noch quatschige GTA V, erzählt Sleeping Dogs eine Geschichte voller Dramatik und mit Charakteren, die zwar dünn bleiben, aber keine Karikaturen sind.

Man erahnt auch, wo die Geschichte hin will: Die anfangs noch lupenreinen Gesetzeshüter der Polizei entpuppen sich im Verlauf als ehrlose Gesellen, während die Mitglieder der Triaden durchaus Ehre haben. So wird die moralische Orientierung immer schwerer. Leider fühlt sich die Geschichte im letzten Akt so an, als seit Zeit und Budget ausgegangen. Da wurde dann ziemlich gehuddelt, was der vollen Entfaltung im Weg steht.

Neben der düsteren Story tut der hohe Gewaltgrad das seinige, damit dieses Game nichts für Kinder oder schwache Gemüter ist. Die USK18-Einstufung verdient es sich mit Drama, Intrigen, menschlichen Abgründe und nicht überragenden, aber gut geschriebenen Milieustudien.

Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zur XBOX360-Version gleich geblieben, und nach wie vor nicht ohne. Spiele vor 15 Jahren erforderten eine deutlich höhere Frustresistenz als heute, und es ist möglich, in einer Storymission hängen zu bleiben – und dann geht es einfach nicht weiter. Dann heißt es üben, üben, üben, bis man irgendwann im 10. Anlauf doch durchkommt.

In der Definitive Edition ist das deutlich fairer. Auf der XBOX 360 bin ich ums Verrecken nicht über den ersten, größeren Faustkampf hinausgekommen, einfach weil die Steuerung Arsch ist. Auf der PS4 ist der Kampf immer noch knackig, aber machbar. Zumindest im Hauptspiel, in den DLCs komme ich dann schon wieder nicht mehr weiter.

“Sleeping Dogs” ist kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes und kompetent gemachtes Spiel. Wer die düstere Geschichte um Niko Bellic in GTA IV mochte, hat auch hier echt seinen Spaß.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den lauten “Alter! WTF!”-Ausruf, als ich das erste mal einen Move ausgelöst habe, bei dem die Spielfigur im Kampf die Umgebung als Waffe einsetzt – und einfach mal einen Gegner mit dem Kopf in einen Ventilator drückt.


Machen:

  • In einem Hochseilgarten abhängen, 10 Meter über dem Boden, und da nicht mehr alleine wegkommen

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Reisetagebuch Motorradherbst (6): Zum Träumen

Reisetagebuch Motorradherbst (6): Zum Träumen

13. Oktober 2025
“Ancora un Caffè?”, fragt Annamaria. “Certo”, sage ich und gucke wieder aus dem Fenster und auf das Bergpanorama. Sie schwankt mit ihrer kaputten Hüfte zu der hausgroßen Kaffeemaschine und schraubt mit routinierten Handgriffen einen doppelten Espresso daraus hervor, dann setzt sie sich zu mir an den Tisch in der kleinen Bar.

“Keine Ahnung was sie aufhält, sie wollte schon vor einer Stunde wieder da sein”, sagt Annamaria und meint damit Giulietta, die heute morgen aufgebrochen ist, um jemanden aus dem Dorf zum Bahnhof in der Stadt vor den Bergen zu bringen.

Ich muss heute schon wieder los und sitze abreisebereit in kompletten Motorradklamotten am Tisch.

“Sie arbeitet viel zu viel. Jetzt geht´s so langsam wieder, aber im Sommer? Von fünf Uhr am Morgen bis Mitternacht, manchmal länger. Über Wochen. Das geht doch nicht! Wo bleibt da das Leben!”

Ich nicke wieder. Da hat sie recht, die Mamma Annamaria. Giulie ist halt extrem pflichtbewusst.
Kommt mir bekannt vor. Wir sind ja gleich alt, in meiner Generation ist das halt so. Erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Im Gegensatz zu mir macht Giulietta aber nie Urlaub, zumindest nicht länger als einen oder zwei Tage, weshalb sie auch nicht mit nach Sardinien wollte.

Wir plaudern noch ein wenig, dann verabschieden wir uns. Ich kann nicht länger warten, ich habe heute noch einiges an Strecke vor mir.
Kurz darauf pöttert die V-Strom aus der Einfahrt der Farm und folgt der Landstraße in die Berge des Apennin.

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Reisetagebuch Motorradherbst (5): Es wird Herbst

Reisetagebuch Motorradherbst (5): Es wird Herbst

12. Oktober 2025
Wieder einmal biegen sich sich die Tische unter der Last von Annamarias Backkünsten.
Topfkuchen.
Orange-Marzipan-Kuchen.
Heidelbeerkuchen.
Kirschkuchen.
Nußtorte.
Erdbeerkuchen.
Nougatplätzchen.
Selbstgemachte Croissants.
Streuselkuchen.

Und, extra für mich: Apfelkuchen mit Nüssen drin. Hmmmm, Apfelkuchen!

Während ich noch diesen Wahnsinn bewundere, wabern vor dem Fenster Nebelfetzen durch die Wälder.

Wenig später taucht die V-Strom durch genau diesen Nebel. Der stellt sich als sehr gehaltvoll heraus. Es dauert keine Minute, und ich bin klatschnass. Aus dem Nebel tauchen unvermittelt Geisterbüsche und Geisterkühe links und rechts der kleinen Straße in den Bergen hinter der Fischfarm auf und sind ebenso schnell wieder verschwunden.

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Reisetagebuch Motorradherbst (4): Who can say where the road goes?

Reisetagebuch Motorradherbst (4): Who can say where the road goes?

Herbsttour mit der Morrigan. Heute mit Verführungen und schlecht gelaunten Penissen.

Donnerstag 09. Oktober 2025

Die V-Strom brummt über die SS125, die sich durch die Berge des Gennartu-Gebirges im Osten Sardiniens zieht.

Sonnig ist es, und in den Bergen sind die Tempeaturen überaus angenehm. Das ändert sich, als ich das Motorrad die Serpentinen hinab in den Küstenort Cala Cognone steuere. Auf Meeresniveau ist es auch jetzt im Oktober immer noch heiß, und es sind noch jede Menge Touristen unterwegs.

“Diese Saison endet nicht”, hatte schon Mariella geseufzt, und ich glaube, sie hat recht. Als ich das letzte Mal hier war, im Oktober vor zwei Jahren, war Sardinien überhaupt nichts mehr los. Die Geschäfte und Lokale in Küstennähe geschlossen, die Fenster waren mit Brettern vernagelt und die Einheimischen hatten ihre Ruhe. Aber in diesem Jahr? Alles voller Camper, die Strände noch voll mit Familien aus der Schweiz und Frankreich, und natürlich die unvermeidlichen Altherren-Gruppen auf GSen.

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Reisetagebuch Motorradherbst (3): Keyless Go (oder: A Night to Remember)

Reisetagebuch Motorradherbst (3): Keyless Go (oder: A Night to Remember)

Dienstag, 07. Oktober 2025

Die V-Strom saust über die Straßen in den Bergen hinter Bari Sardo, immer bemüht am Hinterreifen von Suses Multistrada zu bleiben. Das gelingt auch einigermaßen, aber nur, weil Suse gerade gnädig ist. Wenn sie wollte, könnte sie mich jederzeit abhängen. Das mag daran liegen, dass die Multistrada V4 einfach mal doppelt so viele Zylinder und PS hat wie meine V-Strom, es KÖNNTE aber auch damit zu tun haben, dass Suse einfach eine sehr viel bessere Fahrerin ist als ich und zudem die Strecke kennt.

Wie auch immer, die rote Ducati und die schwarze Suzuki donnern durch das sardische Hinterland. Hier windet sich die Straße mit ihrem perfekten Asphalt in perfekten Kurven Hänge hinauf, an Bergrücken entlang und wieder hinab in enge Felstäler und dann wieder hinauf in kahle Höhen.

Immer wieder komme ich mir vor, als ob wir durch Canyons im wilden Westen fahren.

An einer unscheinbaren Abfahrt zieht Suse von der Landstraße. Der Weg ist immer noch asphaltiert, liegt allerdings voller Ziegenköttel. Dann sehe ich, wohin sie steuert: auf dem kleinen Berggipfel stehen Antennenanlagen.


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Momentaufnahme: März 2026

Momentaufnahme: März 2026

Herr Silencer im März 2026

Wetter: Ab Monatsanfang bis Woche vier stets 0 bis 16 Grad, strahlender Sonnenschein, kein Regen. Am 18.03. wacht die Natur auf und zeigt erstes Grün. In meinem Arbeitszimmer blüht der Jasmin, aber das Wetter hat dann doch keine Lust auf richtigen Frühling – in der letzten Woche gibt es wieder Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen.


Lesen:

Terry Pratchett: I shall wear Midnight [2010, Kindle]
Der Baron des Kreidelands stirbt, im hohen Alter und an natürlichen Ursachen. Tiffany Aching hat ihn bis zum Ende gepflegt und muss nun dessen Sohn die traurige Nachricht überbringen. Das wird nicht dadurch einfacher, dass sie erst seit Kurzem von ihm getrennt ist, und mit seiner neuen Flamme die Großstadt unsicher macht. Die Neue ist eine echte Prinzessin, inklusive blonder Locken und mädchenhaftem Auftreten – alles Attribute, die auf Tiffany nicht zutreffen, und auf die sie etwas neidisch ist.

Zeit, darüber nachzusinnen hat Tiffany aber nicht, denn es gibt weiteren Fallout der Wintersmith-Episode: Der Geist eines lange verstorbenen Hexenjägers ist hinter ihr her, und dessen böses Gedankengut hetzt Menschen auf. Plötzlich muss sich Tiffany für den Tod des Barons verantworten und findet sich im Kerker wieder. Dabei sollte der doch nur noch als Ziegenstall genutzt werden!

Unterdessen treffen die Nac Mac Feegle in Ankh-Morpork auf etwas, das es gar nicht geben sollte und das die unbesiegbaren Krieger mit links erledigt: Einen Feegle-Polizisten!

Die Tiffany-Aching-Bände sind Pratchetts Spätwerk, und hier ist alles zu bestaunen, was der Meister in seiner langen Karriere an Können erworben hat: Auf den Punkt geschrieben Charaktere, tolle Entfaltung der Ereignisse und vor allem immer wieder tiefe, philosophische Erkenntnisse gepaart mit nachdenklich machender Metaphorik. Leider ist die Auflösung der großen Bedrohung am Ende wieder etwas viel “Deus Ex Machina”, aber der Weg dahin wirklich große Kunst. Schön und überraschend: Es wird ein Rückbezug geschlagen zum allerersten Discworld-Roman “Color of Magic” von 1983 inkl. eines spannenden Cameos.


Hören:


Sehen:

Verleugnung [2016, BluRay]
“Ich habe hier 1.000 Dollar, und ich bin bereit sie demjenigen auszuhändigen, der mir einen Beweis für den Holocaust vorlegt!”

Ein wahrer Fall: Was im Herbst 1994 als völlig absurder Zwischenruf während einer Holocaust-Vorlesung beginnt, wächst sich bald zu einem handfesten Problem für eine amerikanische Professorin aus. Der Rufer ist nämlich selbst Historiker und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, in denen er darlegt, dass Hitler eigentlich ein Freund aller Juden war, in Auschwitz lediglich Menschen an Gelbfieber gestorben sind und der Holocaust die Erfindung einer jüdischer Propagandamaschinerie ist.

Dieser Geschichtsleugner verklagt nun die Holocaustforscherin vor dem britischen High Court. Die begreift: Hier geht es um viel mehr als nur um Verleumdung eines eitlen Professors. Verliert sie den Prozess, wird es gesellschaftlich akzeptabel werden, den Holocaust nur als “Meinung” anzutun.

Tatsächlich ist der Beweis der Tötung von 6 Millionen Menschen 60 Jahre nach Kriegsende erstaunlich schwierig, und der Geschichtsrevisionist beherrscht die britische Presse mit druckfähigen Zitaten wie “auf der Rückbank von Edward Kennedys Auto in Chappaquiddick sind mehr Menschen gestorben als in Auschwitz“”. Der Prozess verläuft so absurd, dass die jüdische Gemeinde Großbritanniens auf einen Vergleich drängt, weil ein Sieg vor Gericht aussichtslos scheint.

“Verleugnung” – der Titel klingt wie ein weiteres Buch von Stieg Larsson (Verblendung/Verdammnis/Vergebung/Verschwörung/Verfolgung/Vernichtung, wissen schon…). “Denial”, so der englische Titel, ist kein Kriminalfall, aber genauso spannend wie ein Thriller. Ich hatte noch nie vom Fall Lipstädt vs. Irving gehört, denn die Geschichte ist tatsächlich so passiert.

Satte 32 Tage dauerte die Verhandlung in London, und lange war nicht klar, ob der Holocaustleugner und Geschichtsrevisionist Irving als Sieger dort rausgeht. Letztlich brauchte es ein großes Team aus Experten und Anwälten, um dem Richter überzeugend darzulegen, dass es den Holocaust wirklich gegeben hat. Am Ende gewannen Fakten gegen Lügen, aber das ist 30 Jahre her.

Der Film ist eine Wucht. In meinen Augen die gelegentliche Dramatisierung der Geschehnisse nicht gebraucht, ich hätte das auch als Doku geguckt. Gelungen ist er trotzdem. Atmosphärisch dicht und sehr stimmungsvoll wird hier das Gefühl der Verzweiflung der Protagonisten transportiert, als sie eine unumstößlich geglaubte Wahrheit plötzlich hart verteidigen müssen, und Betroffenheit dafür nicht mehr ausreicht.

Das der Film so gut funktioniert, ist den Darstellern zu verdanken. Bis in die Nebenrollen hinein ist er exzellent besetzt: Rachel Weisz (“Die Mumie”) als Professorin und Andrew Scott (Moriarty aus dem Cumberbatch-Sherlock) sowie Tom Wilkinson (der Secretary aus “Mission Impossible: Ghost Protocol”) als Anwälte sind schon wirklich richtig gut. Eine absolute Glanzleitung liefert aber Timothy Spall (Wurmschwanz aus “Harry Potter”) als eitler, cholerischer und dennoch durchtriebener Holocaustleugner. Sehr sehenswert.

Ein wichtiges und relevantes Thema. Ich gehe mal gucken, ob es auch eine Doku von dem Fall gibt.

Erik Peters: Africa Calling [2025, Bluray]
Der Motorradreisende Erik Peters macht sich zusammen mit Kumpel Alain auf eine Tour von Köln nach Südafrika. Nach einer Fahrt durch halb Europa machen die beiden einen kleinen Umweg von 10.000 Kilometern um Kriegsgebiete herum, bis sie dann in Africa durch Länder wie Uganda und Kenia kreuzen. Von Tiefsanddurchfahrten in Wüstengebieten bis hin zu Gorillabeobachtung in dichten Regenwaldgebieten ist alles mit dabei. Die Fahrt endet jäh, als Alain kurz vor dem Ziel stürzt und sich dabei die Knochen bricht.

“Africa Calling” ist Erik Peters bislang bester Film. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen, extrem coole Drohnenperspektiven, dazwischen Establishingshots und Interviewsequenzen – das ist alles wirklich gut geschnitten, und mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie man das alles ohne Filmteam hinbekommt. Im Ernst, “Africa Calling” ist sehr viel besser gefilmt und besser erzählt als die letzten beiden Staffeln von “A long Way”, und DIE haben ein ganzes Produktionsteam dabei.

Was man immer noch nicht mögen muss: Das Rumgekumpele und das ständige Abklatschen mit dem stets gudjelaunten kölsche Jung. Im Vorgängerfilm “Himalaya Calling” passierte das so häufig, dass es mich an den Flossen-Doc aus “Scrubs” erinnerte, aber hier ist es zumindest in den ersten 160 der insgesamt 190 Minuten Laufzeit erträglich, die letzten 30 Minuten sind dann sehr emotional.

Erik ist gerade in Südamerika unterwegs, und ich hoffe er bringt auch davon einen Film mit. Muss kein “Calling” mit Alain sein, ein Solo-“Let´s Ride” würde mir völlig reichen. (Nachtrag: Hab gerade gesehen, dass er mit Alain auf Tour ist. Klingt nach “Südamerika Calling”).

Churchill [2017, BluRay]
1944, kurz vor dem D-Day: Winston Churchill versucht die Alliierten zusammenzuhalten, wird geplagt von Selbstzweifeln und cholerischen Ausfällen.

Fun Fact: Schon in dieser Verfilmung sollte Gary Oldman den Churchill geben, lehnte die Rolle aber ab. Das ist gut so, denn Brian Cox ist auch ohne eine nahezu karikaturenhafte Maske, wie Oldman sie dann in “The Darkest Hour” trug, optisch viel näher am britischen Premier. Seine Performance ist echt ein absolutes Highlight. Körperhaltung, Blicke, Gesten – Beim flüchtigen Blick glaubt man, man habe wirklich Winston Chuchill vor sich.

Das hilft aber leider nicht. Die Story mäandert und ist inkonsistent erzählt, die Musik düdelig, die Kamera einfallslos und die Dialoge zum Augenrollen. Damit wird der Film der Dramatik der damaligen Ereignisse leider nicht gerecht.


Spielen:

Yakuza Kiwami 3: Dark Ties [2025, PS5]
Yoshitaka Mine ist gerade als Geschäftsführer seiner eigenen Firma geschasst worden, als er in den Straßen von Kamurocho einen Anschlag auf einen Yakuza-Clanboss miterlebt. Ohne zu Zögern gehen dessen Leibwächter für ihn in den Tod. Mine ist fasziniert davon und versucht herauszufinden, was diese Art von Loyalität ausgelöst hat. Dazu schließt er sich selbst den Yakuza an und arbeitet sich in den Rängen nach oben.

Interessante Idee, dem Bösewicht aus “Yakuza 3” mehr Hintergrund zu geben und damit sein mild erratisches Verhalten im Hauptspiel zu erklären. Tatsächlich erfährt man einiges über Mine, und seine Entwicklung ist nicht gänzlich unglaubwürdig.

So okay die Story aber auch ist: Spieltechnisch hat man sich hier keinen Gefallen getan. Einen Großteil der Zeit erledigt man nämlich Fleißaufgaben, um die Reputation von Yakuza-Perversling Kanda zu steigern oder die eigene Kampfkraft in einem Roguelike-Dungeon zu trainieren.

Innerhalb dieses Rahmens gibt es auch einige okaye Story-Missionen, der Großteil sind aber entweder Brawler-Events oder Fetchquests und fühlen sich damit nach Füllmaterial an. Lässt man den optionalen Kram weg, ist man in rund 5 Stunden durch.

Als kostenlose Dreingabe ist “Dark Ties” in “Yakuza Kiwami 3” enthalten und geht damit absolut in Ordnung, trotz dieser Probleme.

Resident Evil Requiem [2026, PS5]
Verhuschte FBI Analytikerin wird entführt und muss sich aus einem alten Sanatorium herausschleichen. Doof: An jeder Ecke stehen Zombies rum. Gut: Superduperagent Leon S. Kennedy eilt zu ihrer Rettung. Wiederum Doof: Er verläuft sich dauernd, hat schlimme Männergrippe und schimmelt an den Rändern.

“Wie SPIELT man dieses Spiel??”, war meine Reaktion nach der ersten Stunde. Es ist wirklich mehr als gewöhnungsbedürftig, wie sehr sich die beiden Spielfiguren in “Requiem” unterscheiden.

Mit Leon ist es eine 3rd-Person Ballerbude, die farblose FBI-Analytikerin Grace spielt man dagegen aus der Egoperspektive und sie kann zunächst gar nichts. Zwar hat sie eine Waffe, aber stets zu wenig Munition, und viel Schaden macht sie auch nicht. Bleibt nur das Schleichen um die Gegner herum, aber das geht in engen Gängen nicht immer. Gegner weglocken funktioniert zu Anfang ebenfalls praktisch nicht. Selbst das Inventar ist so winzig, das es mit einer Topfpflanze schon voll ist.

Warum ist das so unterschiedlich? In den vergangenen Jahren erschienen zahlreiche Resi-Spiele. Neben den Hauptteilen sieben und acht von 2017 und 2021 kamen Remakes der Teile zwei bis vier. Problem dabei: Die Remakes sind actionlastige Ballerorgien, die neuen Hauptteile sind quasi Walking-Simulatoren mit Schleichsequenzen und Survivalhorror. Wie bekommt man nun die Fans beider Spielprinzipien unter einen Hut, ohne eine Gruppe völlig zu vergrätzen?

Die Antwort von Resident Evil 9 : Man klebt einfach zwei Spiele – Survivalhorror und Shooter – Rücken an Rücken aneinander, und in Kombination ergibt das ein rund 13 Stunden langes Horror/Actionerlebnis der wertigen Luxusklasse.

Die Grafik der RE-Engine, mit Ausnahme der weiblichen Figuren, ist nahezu fotorealistisch und der 3D-Sound geradezu beängstigend real. Der Standard-Schwierigkeitsgrad ist perfekt balanciert – man muss schon aufpassen und beißt gelegentlich in Gras, nervige Blockaden oder Sackgassen gibt es aber nicht.

Nach dem wirren Start, der mich echt desorientiert hat, kriegt sich das Spiel zum Glück nach den ersten Stunden ein und spielerisch die Kurve, fliegt aber noch manchmal aus dieser heraus. Im Mittelteil bekommt man es mit der faktisch wehrlosen Grace recht lang mit der Resident-Evil-typischen Verfolgerkreatur zu tun, die einen unablässig verfolgt und nicht zu verletzen ist – allerdings mit dem Twist, dass diese hier urplötzlich und gescripted in einem Jumpscare auch in Sackgassen oder im absoluten Dunkel auftauchen kann. Das ist genauso zäh und nervig wie eine stundenlange Suche mit Leon nach irgendwelchen McGuffins.

Am Ende ergibt allerdings nicht nur alles einen Sinn, es gibt auch ein cooles Finale und “Requiem” stellt sich in der Gesamtschau als sehr befriedigende Spielerfahrung mit einem tollen Ende heraus.

Tolles Game, hatte ich viel Spaß mit.


Machen:

  • V-Strom durch die HU schieben
  • ZZR durch die 100.000er Inspektion

Neues Spielzeug:

Ich sag´s nicht gerne, aber: Ein iPad.
Basismodell, 128GB.

Über Jahre hatte ich für diese Gerätegattung keinen Anwendungsfall, meine Werkzeuge waren immer ein echtes Notebook und das Smartphone. Aber ein iPad ist nun auch gar kein Ding zum echten Arbeiten, auch wenn Apple gerne etwas anderes behauptet.
Es ist ein Gerät für Medienkonsum – nicht umsonst hat Steve Jobs die erste Präsentation davon auf einem Sofa gehalten.

Warum habe ich nun plötzlich doch eines?
Aus zwei Gründen: Ich lese ja ab und an ganz gerne Graphic Novels, auch ältere. Früher habe ich die gebraucht gekauft, aber das Angebot in bestimmten Nischen wird immer rarer. Kostete so ein Buch vor zehn Jahren im Handel neu 10 Euro und später gebraucht die Hälfte, werden manche Ausgaben heute für 35 oder 50 gehandelt, wenn sie überhaupt noch zu finden sind – man merkt halt, dass die Print-Auflagen bis heute signifikant immer kleiner werden. Als eBook gibt aber selbst längst vergriffene Ausgaben sofort, meist für schlappe 6,99. Nun macht es keinen Spaß, großformatige und bunte Bilderbücher auf dem Telefon oder einem kleinen eInk-Reader zu lesen.

Auf einem iPad geht das, und man kann sogar Zeitschriften und Zeitungen supergut darauf lesen! Sogar kostenlos, zum Beispiel mit der Kradblatt-App.

Grund Nummer zwei: Ab jetzt wird ALLES nur noch sehr viel teurer. Trump und seine Tech-Bros zerstören mit ihren Kriegen und dem Bau größenwahnsinniger KI-Architekturen ganze Lieferketten, Infrastrukturen und die Halbleiter-Märkte. Die Erkenntnis: Ob Autoreifen, ein Sofa oder ein technisches Gerät – wenn man mit irgendwas liebäugelt oder absehbar braucht, sollte man es JETZT kaufen, denn ALLES wird in Kürze sehr viel mehr kosten.

Darum kam der iPad-Kauf jetzt so plötzlich, zumal iPad-Preise gerade auf einem sechs-Monats-Tief sind.
Ich habe beim Lesen darauf viel Freude.

Und guckt mal, wie hybsch das Blau ist:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Reisetagebuch Motorradherbst (2): Weg

Reisetagebuch Motorradherbst (2): Weg

30. September bis 07. Oktober 2025
Ich bin weg.
Weg vom Radar, verschwunden von der Bildfläche, einfach weg.

Ich bin weg.
Ich bin ab jetzt für nichts verantwortlich außer dafür, dass es mir gut geht.
Ich muss an nichts denken.
Ich muss nichts machen.
Ich habe genug getan.
Ich kann eine Pause genießen.
Ich kann tun und lassen, was ich will und wann ich es will.

Sage ich mir immer wieder. Ich muss mir diese “erlaubnisgebenden Gedanken” immer wieder bewusst machen, wenn ich lange ausschlafe oder einfach lesend irgendwo sitze und sich dann das schlechte Gewissen anschleicht und sagt “Du machst ja gar nichts!”.

Das ganze Jahr über, und in den vergangenen Monaten ganz besonders, war ich immer im Alarm-Modus. Immer auf dem Sprung, immer in Bereitschaft. Wenn benötigt habe ich Leistung gebracht, wenn nicht, habe ich mich sofort zurückgezogen und Kraft getankt und auf den nächsten Einsatz gewartet.
Der Körper war immer angespannt. Dauernd erschöpft, aber nie richtig müde und nach fünf Stunden Schlaf pro Nacht sofort wieder wach und ruhelos. Das frisst Substanz.

Jetzt nicht mehr. Ich bin nicht erreichbar und ohnehin viel zu weit entfernt, um auf Probleme zu Hause reagieren zu können. Nicht müssen und auch gar nicht können, das ist gut.

Die Anspannung fällt von mir ab, und hier, in diesem etwas heruntergekommenen Appartement bei Castelsardo, habe ich den Freiraum nichts zu tun.

In den ersten Tagen hole ich viel Schlaf nach und gehe nur ab und zu mal spazieren. Aber eigentlich mache ich: Nichts. Und das tut sehr, sehr gut, und genau das mache ich.

In den kleinen Küstenorten und an den Stränden von Nordsardinien sind noch so etliche Touristen, was mich erstaunt. Eigentlich sollte die Saison schon zu Ende sein. Ich schaffe es aber, denen aus dem Weg zu gehen und finde immer wieder ruhige Ecken, in denen ich am Strand liegen und lesen oder im Meer baden kann. Ich habe wieder meine ultraleichte Strandmuschel dabei, in der lässt es sich sonnen- und windgeschützt aushalten.


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