Herr Silencer im April 2026
Wetter: Monatsanfang oszillieren die Temperaturen zwischen 0 Grad in der Nacht und 17 am Tag, dabei wechselhaft, überwiegend sonnig. Am 03.04. trage ich die Pflanzen raus, eine Woche später explodiert die Natur in sattes Grün. Bis Monatsende dann zwischen nachts 3 und tagsüber 17 Grad, wenig Regen, viel Sonne.
Lesen:

Terry Pratchett: The Shepherds Crown [2015, Kindle]
Esmé Wetterwachs geht mit IHM, und hinterlässt die Welt in einem besseren Zustand als sie sie vorgefunden hat – das können nicht viele von sich behaupten. Mit ihrem Tod verliert die Scheibenwelt ihre mächtigste Hexe und die Schwesternschaft der Hexen, die ja keine Anführerinnen kennt, ihre Anführerin. Als Nachfolgerin hatte Wetterwachs Tiffany Aching auserkoren.
Ohne Esmé Wetterwachs Schutz brechen auch die Elfen wieder durch die Barriere zwischen den Welten, rauben Kinder aus der Wiege, machen das Bier sauer und schlachten Menschen ab. Eine fordernde Situation für Tiffany Aching, die sich ohnehin zwischen ihrer Heimat im Kreideland und Wetterwachs´ altem Einzugsbereich aufreibt.
Das hier war Pratchetts letztes Buch, bevor er 2015 verstarb. Man kann es als Analogie lesen: Esmé Wetterwachs und Pratchett gehen gleichzeitig von der Welt. Zurück bleibt eine neue Generation, die die Welt verändert und nach vorne blickt, ohne zu vergessen vorher sie kommt und wer vor ihr da war. Das macht ihre Stärke aus, und letztlich besiegt der Wandel der Welt die alten Schrecken.
Das ist schön und bittersüß, auch wenn der Part der Elfen hingehuddelt wird. Aber, wie Rob Wilkins im Nachwort schreibt: Das Buch war nicht fertig poliert, als Pratchett starb. Vierzig Bücher beschreiben die Scheibenwelt, und “The Shephards Crown” bietet einen wundervollen Abschluss.
Hören:
Sehen:

The Quiet Earth [1985, BluRay]
Als Zac Hobson aufwacht, ist niemand mehr da.
Nicht in seinem Haus, nicht in der Straße, nicht in der Stadt.
Alle Menschen und Tiere sind verschwunden.
Zac ist alleine auf der, nun sehr stillen, Welt.
Nach einer Weile stellt sich raus: Es gab ein Ereignis, das alles Leben in einem Sekundenbruchteil hat verschwinden lassen. Zurückgeblieben sind nur Lebewesen, die exakt im Moment des Ereignisses gestorben sind.
Seitdem ich diesen Film Ende der 80er, im Alter von so 12, 13 Jahren im Fernsehen gesehen habe, ließ er mich nicht mehr los.
Schon damals hat er mich tief beindruckt.
Zac ist ganz allein auf der Welt.
Er ist der letzte Mensch.
WIE TOLL IST DAS DENN BITTE?!?
Er kann tun und lassen, was er will! Eine Welt ohne Menschen, aber mit intakter Infrastruktur, das ist ja quasi Idealzustand!
Seit Jahrzehnten denke ich immer wieder an diesen Film und darüber nach, was ICH wohl in Zacs Situation tun würde.
Was macht man als letzter Mensch auf der Welt? Genau dieses Gedankenspiel ist die Stärke des Films. In der ersten Hälft ergeht er sich in Darstellungen von Dingen, die jemand tut, der wirklich völlig allein auf der Welt ist: Erst die Versuche andere Menschen zu finden, dann Einkaufscenter und Baumärkte plündern, dann Luxusgüter in Beschlag nehmen, dann absurde Reden vor leeren Rängen halten und am Ende in Damenunterwäsche mit einer Schrotflinte auf Jesus schießen. Großartig! Parallel dazu über allem das Mysterium: Was genau ist passiert, dass alles Leben verschwunden ist?
Im letzten Drittel kippt das alles ein wenig, als tatsächlich zwei andere Menschen auftauchen. Die Darsteller sind keine guten Schauspieler, die Gruppendynamik fühlt sich Cringe an und die entstehenden Verwicklungen sind bestenfalls seltsam. Etwas hohl lässt einen das offene Ende zurück. Das ist zwar SciFi-technisch super, fühlt sich aber unbefriedigend an.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn Zac am Ende des Films am Strand aufwacht und über dem Meer der Saturn aufgeht.

La Riffa [1991, BluRay]
Das süditalienische Bari, Anfang der 90er: Monica Bellucci ist hauptberuflich schön und reich. Letzteres denkt sie zumindest, bis ihr Mann überraschend stirbt und klar wird: Sie war nie reich, und jetzt sitzt sie auf einem gigantischen Berg aus Schulden.
Nun muss die junge Frau, deren Leben bislang aus Shopping und dem Austausch von Klatsch mit anderen Damen der High-Society von Bari bestand, zusehen, wie sie sich einen Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter verdient. Zunächst versucht sie es mit dem Verkauf von Yacht und Autos, dann Schmuck und Kleidern, schließlich sogar mit – gasp!- ehrlicher Arbeit.
Bringt aber alles zu wenig Geld ein, und so kommt sie auf eine Idee: Eine Tombola, italienisch “Una Riffa”, soll es richten. Hauptgewinn: Sie selbst. Zwanzig Personen sollen teilnehmen können, gegen eine Zahlung von jeweils 100 Millionen Lire (ca. 50.000 heutige Euro). Dem Gewinner will sie für vier Jahre für alles zur Verfügung stehen, egal was.
Sofort machen Männer (und Frauen) aus ihrem Bekanntenkreis mit.
Monica Bellucci ist zwar auf Fotos eine der schönsten Frauen der Welt, mit Schauspielerei hatte sie es aber noch nie so. Später in ihrer Karriere erhob sie das zum Stilmittel und reduzierte ihre Mimik auf seltsam-gucken-mit-halb-geöffneten-Lippen und wurde damit zur erfolgreichsten Schauspielerin Italiens.
“La Riffa” von 1991 ist einer der ersten Filme von Bellucci, und hier versucht die damals 27jährige zumindest noch zu schauspielern. Mit mäßigem Erfolg, wobei das bei der wirren Erzählweise und dem sprunghaften Schnitt des Films kaum auffällt.
Das ist schaden, denn die Grundidee ist zwar mild absurd, böte aber von Sozialkritik bis zur Objektivierung von Frauen große Spielflächen. Die nutzt “La Riffa” leider gar nicht. Stattdessen wirkt der Film wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die dem Regisseur gerade eingefallen sind. Sinn ergibt das kaum, spannend ist es auch nicht – es gibt keinen Grund, sich diesen Streifen anzutun.
Außer natürlich, man guckt gerne Monica Bellucci an oder mag die Stadt Bari.
Keine Ahnung, warum der 35 Jahre alte Film jetzt nochmal auf einer (sehr gut gemasterten) BluRay erschien.
Vielleicht sind die Produzenten Fans von Bari.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Als eine Frau auf einer Party Monica Belluccis Cocktailkleid bewundert, und sie es daraufhin vor allen Leuten auszieht und der Frau verkauft.

The Others [2001, DVD]
1945, auf der Kanalinsel Jersey: Nicole Kidman hockt mit zwei kleinen Kinder in einem alten Herrenhaus. Abgeschnitten vom Rest der Welt leben die drei im Schein von Ölfunzeln, denn die Blagen sind allergisch gegen Sonnenlicht. Zu allem Ungemach wabert seit Wochen ein dichter Nebel ums Haus, die Dienstboten sind über Nacht abgehauen und eines der Kinder behauptet immer wieder, das ein Geisterjunge in ihrem Zimmer spukt.
Da klopft es an der Tür und ein alter Gärtner, eine Kinderfrau und eine Magd stehen davor. Alle drei haben schon vor Jahren auf dem Anwesen gearbeitet, und so stellt Kidman sie ein. Ab diesem Zeitpunkt häufen sich die seltsamen Vorfälle.
Aktuell kommt gerade die 4K-Restauration von “The Others” raus, und anlässlich dessen hatte ich die Szene mit dem Twist auf FilmTok gesehen und dann gedacht: Moment, Du hast doch die DVD, warum kennst Du den Film nicht?
Tja, keine Ahnung. Vermutlich fand ich den langweilig und habe ihn nach der Hälfte ausgemacht. Denn “The Others” ist kein Horror, sondern ganz klassischer und subtiler Grusel, der die Laufzeit braucht, um Spannung aufzubauen. Guckt man nicht richtig hin oder schaltet auf Durchzug, wirkt es so, als ob da lange Zeit nichts passiert, außer das die Kinder seltsam sind. So bekommt man den eigentlichen Reiz des Films nicht mit.
Was schade ist, denn hier passiert in jeder Szene etwas, und sei es in den Gesichtern der Schauspieler. Selbst Nicole Kidman schauspielert hier ganz großartig und stellenweise herzergreifend.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn die große Enthüllung stattfindet und der Twist alles auf den Kopf stellt. Das ist stark gespielt und für den Zuschauer extremes Schuppen-von-den-Augen-falling, so dass man den Film gleich nochmal gucken möchte. Nicht ganz auf “Sixth Sense”-Niveau, aber nah dran.

The Flowers of War [2011, BluRay]
Zweiter Weltkrieg: 1937 überfällt Japan China und besetzt die Stadt Nanking. Eine Gruppe Schülerinnen sucht Zuflucht in einer christlichen Kathedrale, deren Pfarrer gerade verstorben ist. In dieselbe Kirche stolpert kurz darauf Christian Bale hinein, der den Priester bestatten soll, sowie eine Gruppe Prostituierte, die ebenfalls Zuflucht suchen.
Draußen fliegen die Kugeln, im Inneren der Kirche beäugen sich die drei Fraktionen misstrauisch (Schülerinnen gegenüber Bale/Prostituierte), lüstern (Bale/Prostituierte) und amüsiert (Prostituierte gegenüber Bale/Schülerinnen). Dann erobern die Japaner das Gebiet und begehen Massaker und Massenvergewaltigungen an der Zivilbevölkerung.
Den Besatzern gegenüber gibt sich Bale als Pfarrer aus, versteckt die Prostituierten und versucht die Schülerinnen zu schützen, aber ein japanischer Kommandant fordert die Mädchen. An ihrer Stelle gehen die Prostituierten.
“Treffen sich ein Bestatter, Prostitierte und ein Mädchenchor in einer Kirche” – was klingt wie der Beginn eines schlechtes Witzes, entwickelt sich nach kurzer Zeit zum handfesten Drama, das aber an vielen Stellen stark überzeichnet ist.
Schon die skurrile Ausgangssituation und die Handlungsbeschreibung macht deutlich, dass man es hier mit einer Romanhandlung zu tun hat. Und zwar mir einem Roman, der das Wohlwollen der Staatspartei Chinas hatte. Das ist auch sehr deutlich zu merken, wenn es um Nebenfiguren geht wie den feigen Kollaborateur, den irgendwann sein “Verrat” einholt und er seine gerechte Strafe erhält. Man kann den Film als Propagandalastig lesen.
Nicht desto trotz hat er einen wahren Hintergrund, die Massaker von Nanking sind wirklich geschehen, aber außerhalb Chinas wenig bekannt. Vor dieser Kulisse ist das Spiel der seltsamen und gegen ihren Willen verbundenen Fraktionen unterhaltsam und spannend bis zum Schluss, denn die Frage bleibt: Schafft es jemand aus dieser Hölle heraus? Die Ausstattung des Films ist opulent, die Schauspieler allesamt hervorragend und der Streifen insgesamt ein Anschautip.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Rosenfenster der Kirche unter Beschuss in Zeitlupe zersplittert und eine der Prostituierten in Panik gerät und wegrennt, genau in die Bahn von Scharfschützen.

Adèle und das Geheimnis des Pharaos [2010, BluRay]
Im Jahre 1912 ist die junge Adèle de Blanc-Sec Journalistin in Paris. Dummerweise hat sie versehentlich ihre Schwester lobotomisiert, die seitdem einen Nagel im Kopf hat und im Wachkoma vor sich hinsiecht. Adèle fasst einen naheliegenden und absolut logischen Plan: Sie will die Mumie des Leibarztes von Pharao Ramses II. wiederbeleben, damit der ihrer Schwester helfen kann.
Am Ende des Films bricht Adèle in den wohlverdienten Urlaub auf – an Bord der Titanic.
Frauen mit Nagel im Hirn, wiederbelebte Mumien, eine Journalistin, die auf einem Pterodaktylus reitet, Monty-Pythoneske Ausbruchsversuche aus einem Gefängnis, ein Großwildjäger, der in Montmartre einen Saurier jagt, dazu Polizisten direkt aus einem Louis-De-Funes-Film… was zum Geier habe ich da gerade gesehen?
Nun, einen Luc-Besson Film! Der hatte ja immer schon ein Fable für starke und seltsame Heldinnen (vergl. “Nikita”, “Anna”, “Lucy”, usw.), und Adèle macht da keine Ausnahme. Dass sich der Film an ein jüngeres Publikum richtet, ist schon an den übertriebenen Masken und den absurden Situationen zu merken. Dass es sich um einen europäischen Film handelt, ist an dem wohltuend normalen Umgang mit nackten Nippeln erkennbar, aber auch an den Schockelementen. Besson mutet seinem jungen Publikum lustige Szenen in Abwechselung zu Grusel zu, so wie er früher in Filmen wie “Goonies” oder “Gremlins” vorkam.
Der Film ist für das Budget erstaunlich. Sieht man von den wirklich schlechten Masken ab, gibt es hier viele Schauwerte. Das Paris des frühen 20. Jahrhunderts ist detailverliebt zum Leben erweckt, inkl. Gebäude, die es heute so nicht mehr gibt. Und Louise Bourgoin als Hauptdarstellerin spielt tough und gleichzeitig anrührend.
In Summe: Sehr unterhaltsam! Stellenweise arg vorhersehbar, dann aber wieder überraschend und letztlich auch spannend und rührend. Ich hatte viel Spaß mit diesem seltsamen, kleinen Film, und das nicht (nur) wegen der nackten Brüste.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Adèle ihre katatonische Schwester schminkt, der ein Nagel aus der Stirn ragt.

Clerks III [2022, BluRay]
Im Jahr 2022 hängen Danten und Randal immer noch und schon wieder im Quickstop in New Jersey ab. Hockeyspiele auf dem Dach und absurde Konversationen mit Jay und Silent Bob lassen es wirken, als habe sich seit 1994 nichts geändert.
Aber das täuscht: Alle sind älter geworden, und dass die Protagonisten keine 23 mehr sind, sondern auf die sechzig zugehen, wird ihnen in dem Moment schmerzhaft bewusst, als Randal mit einem Herzinfarkt aus den Latschen kippt.
Er überlebt das, und hat eine Idee: Er will die Geschichte des Quickstops verfilmen.
“Clerks” war 1994 für mich eine Offenbarung, wie später nur noch ganz wenige Filme. Die 2006er-Fortsetzung “Clerks II” hätte es für mich schon nicht gebraucht. Nun also mit “Clerks III” das Ende der Inconvenience-Store Triologie. Das ist arg selbstreferentiell und meta geraten.
Herzinfarkte, in Regisseur Kevin Smith eigenem Leben eine einschneidende Erfahrung, spielen eine große Rolle. Daneben ist der ganze Film vollgestopft mit Memberberries aus dem ViewAskew-Universum, hat aber abseits des Mühens um ein Ende aber wenig zu erzählen. Es gibt noch nette Dialoge, Generationsdefinierend ist das hier aber nicht mehr.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Als beim Casting für die Rollen von Dante, Veronica und Randal plötzlich Promis vorsprechen wie Sarah Michelle Gellar, Freddie Prinze Jr., Bobby Moynihan, Melissa Benoist, Chris Wood, Anthony Michael Hall, Danny Trejo und Ben Affleck.
Spielen:

The Saboteur [2009, XBOX360]
Shawn Devlin ist Ire und eigentlich Mechaniker in einem Rennteam. Wider Willen springt er beim großen Preis von Saarbrücken 1940 als Fahrer ein und legt sich dabei prompt mit dem deutschen Champion Klaus Dierker an.
Als der Devlin dem unsympathischen Dierker einen Streich spielen will, erschießt der Nationalsozialist kurzerhand Shawns besten Freund. Das ist aber bald das kleinste Problem, denn in der selben Nacht überfällt die Wehrmacht Frankreich. Devlin flüchtet nach Paris, versteckt sich in einem Nachtclub im Montmartre und schließt sich, ebenfalls wider Willen, der Resistance an.
Fortan legt er heimlich Bomben, befreit Widerstandskämpfer, verübt Attentate auf die Besatzer, schmuggelt Waren und Menschen, besorgt gefälschte Papiere, rettet Kunstschätze und rückt mit diesen Aktionen bald in den Fokus des Gauleiters – eben jenen Dierkers, mit dem Shawn ohnehin noch eine Rechnung offen hat.
Warum ich noch eine XBOX 360 habe? Weil die 20 Jahre alten Konsole als einzige noch die ganzen “Guitar Heroes” und “Rock Bands” abspielt, und weil es nur hier das grandiose “The Saboteur” gibt. Das gehört zu den ganz wenigen Spielen, die nie updatefähig gemacht oder für neuere Konsolen veröffentlicht wurden, denn das Entwicklungsstudio Pandemic wurde kurz vor dem Release im Jahr 2009 von EA geschlossen.
Das ist schade, denn “Saboteur” ist ein großartiges Game. Es stammt aus der Zeit, in der Double-A-Produktionen mit Mut zum Risiko boomten, und sich gleich mehrere Studios an der GTA-Formel versuchten, ohne das aufgeblasene Budget eines GTA zu haben. Das war auch die Zeit, in der ein gutes Spiel 8 bis 15 Stunden dauerte und nicht mit Mikrotransaktionen, DLCs oder Liveservices nervte.
“Saboteur” ist quasi ein kleines und gradliniges “GTA” im Frankreich der Vierziger Jahre, inklusive passendem Soundtrack. Paris samt Umland und das Küstenstädtchen Le Havre bieten eine wunderbar unverbrauchte Kulisse, wenn auch für eine leider recht generische Story. Neben der gibt es weitere Schwachpunkte: Faustkampf ist ein Glücksspiel, Stealth mit Verkleidungen funktioniert so gut wie nie und das Klettern an Gebäuden ist behäbig und nicht mal im Ansatz so geschmeidig wie in “Assassins Creed”, das schon zwei Jahre zuvor erschien. Auch das Perk-System ist kaum der Rede wert.
Warum “Saboteur” mir auch heute noch viel Spaß macht: Es hat spannende und extrem abwechslungsreiche Missionen, die man heimlich oder offensiv oder beides angehen kann. Im Free Roaming ist die Open World eine großartige Sandbox. Durch die Stadt (und die umliegenden Landstriche) zu wandern, Nazi-Posten in die Luft zu sprengen oder SS-Offizieren die Autos zu klauen, und zu gucken, wie die Systeme des Spiels darauf reagieren, das macht einfach einen Heidenspaß.
Ab einer gewissen Alarmstufe suchen die Nazis sogar mit Zeppelinen nach Shawn – wenn der dann aber eine Flugabwehrstellung infiltriert, ist der Himmel über Paris mehr als nur rot erleuchtet.
Der zweite Grund ist das Artwork. In dem Moment, in dem Shawns Kumpel stirbt, verliert die Welt die Farbe, sie wird düster und ist in einem dunklen schwarz-weiß gehalten, aus dem nur vereinzelt Primärfarben hervorstechen – blutrote Nazi-Banner, gelbe Straßenlichter oder gelegentlich ein Tupfer blau, bei Mitgliedern des Widerstands.
Hat Shawn genügend Anschläge und Missionen durchgeführt, kehrt die Farbe in einzelne Stadtviertel zurück, der Himmel klart auf und Menschen flanieren durch die Straßen. Das ist eine ganz wunderbare Art, die Hoffnungslosigkeit und Schwere unter der Besatzung und die Hoffnung und das Aufblühen durch den Widerstand zu symbolisieren.
“The Saboteur” sieht auch heute noch schick aus, bringt ein unverbrauchtes Szenario mit, ist ein toller Spielkasten und bietet kurzweiligen Spaß – schade, dass daraus nie, wie eigentlich geplant, ein Franchise geworden ist.
Die deutsche Fassung ist übrigens besser als die englische. Zwar durfte es in der hierzulande veröffentlichten Fassung keine Hakenkreuze auf Bannern und Fahnen geben, aber dafür ist die Synchro der NPCs und Nebenfiguren auf deutsch VIEL besser. In der englischen Fassung lesen Amerikaner deutsche Texte vor, die sie nicht verstehen – man kann sich denken, wie das klingt.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Bei Nacht von Montmartre aus auf die dunkle Stadt zu blicken und zu denken “Das ist mal ein Spielplatz”.

Sleeping Dogs [2012, XBOX360, Definitive Edition 2014 PS4/PS5]
Hongkong, 2012: Ein chinesischstämmiger Cop ermittelt undercover gegen die Triaden. Im Zuge dessen wandelt er nicht nur auf der Grenze zwischen Gesetz und Verbrechen, er muss sie auch ständig übertreten – und sich irgendwann fragen, auf welcher Seite er steht.
Schon vor zwölf Jahren hat mir ein Arbeitskollege dieses Game in den überschwänglichsten Tönen als GTA IV-Alternative empfohlen. Ich hatte es dann 2014 für die XBOX 360 gekauft, und seitdem legte ich es alle paar Jahre wieder ein, spielte eine Stunde und legte es dann wieder weg, wie die Savegames aus 2014, 2017, 2021 und 2022 beweisen. Keine Ahnung warum, irgendwie zündete das Open World-Krimidrama in Hongkong nie so richtig bei mir.
Das mag an der blockigen Steuerung gelegen haben, oder auch daran, dass Spiele aus der Zeit halt generell noch recht pixelig sind und nur in 720P und mit kräftigem Kantenflimmern laufen. Auf der XBOX Series läuft die 360er Version nämlich nicht, und eine angepasste Version gab es nie.
Was es aber gab war eine “Definitive Edition” für die PS4, und die habe ich nun auf dem Flohmarkt gefunden. Ich finde, damit sieht das Game durchaus besser aus, wenngleich auch Grafikfans von einem Downgrade bei Assets, Beleuchtung und Texturdetails sprechen. Die Definitive Edition verändert das Beleuchtungsmodell und fügt Jiggle-Physics und Nebeleffekte hinzu, zudem wurden alle DLCs integriert und Schwierigkeitsgrad und Missionsdesign anhand von Feedback angepasst.
Allein schon wegen des geringeren Kantenflimmerns (das ertrage ich gar nicht!) war ich motiviert, mir das mal länger als 15 Minuten anzusehen. Und dann war es um mich geschehen: Die Geschichte hat mich reingezogen.
“Sleeping Dogs” entfaltet sich langsam und stellt sich als wirklich ernsthafte Konkurrenz zu GTA dar, mit dem Unterschied das dieses Game in nur vier Jahren entstand. Genau wie GTA IV von 2008, das die Geschichte eines serbischen Kriegsflüchtlings in New York erzählt und ganz anders und viel ernster war als das überdrehte und nur noch quatschige GTA V, erzählt Sleeping Dogs eine Geschichte voller Dramatik und mit Charakteren, die zwar dünn bleiben, aber keine Karikaturen sind.
Man erahnt auch, wo die Geschichte hin will: Die anfangs noch lupenreinen Gesetzeshüter der Polizei entpuppen sich im Verlauf als ehrlose Gesellen, während die Mitglieder der Triaden durchaus Ehre haben. So wird die moralische Orientierung immer schwerer. Leider fühlt sich die Geschichte im letzten Akt so an, als seit Zeit und Budget ausgegangen. Da wurde dann ziemlich gehuddelt, was der vollen Entfaltung im Weg steht.
Neben der düsteren Story tut der hohe Gewaltgrad das seinige, damit dieses Game nichts für Kinder oder schwache Gemüter ist. Die USK18-Einstufung verdient es sich mit Drama, Intrigen, menschlichen Abgründe und nicht überragenden, aber gut geschriebenen Milieustudien.
Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zur XBOX360-Version gleich geblieben, und nach wie vor nicht ohne. Spiele vor 15 Jahren erforderten eine deutlich höhere Frustresistenz als heute, und es ist möglich, in einer Storymission hängen zu bleiben – und dann geht es einfach nicht weiter. Dann heißt es üben, üben, üben, bis man irgendwann im 10. Anlauf doch durchkommt.
In der Definitive Edition ist das deutlich fairer. Auf der XBOX 360 bin ich ums Verrecken nicht über den ersten, größeren Faustkampf hinausgekommen, einfach weil die Steuerung Arsch ist. Auf der PS4 ist der Kampf immer noch knackig, aber machbar. Zumindest im Hauptspiel, in den DLCs komme ich dann schon wieder nicht mehr weiter.
“Sleeping Dogs” ist kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes und kompetent gemachtes Spiel. Wer die düstere Geschichte um Niko Bellic in GTA IV mochte, hat auch hier echt seinen Spaß.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Den lauten “Alter! WTF!”-Ausruf, als ich das erste mal einen Move ausgelöst habe, bei dem die Spielfigur im Kampf die Umgebung als Waffe einsetzt – und einfach mal einen Gegner mit dem Kopf in einen Ventilator drückt.
Machen:
- In einem Hochseilgarten abhängen, 10 Meter über dem Boden, und da nicht mehr alleine wegkommen
Neues Spielzeug:
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Ding des Monats:
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Archiv Momentaufnahmen ab 2008