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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Weg isse

So, Experiment „Neue Matratze“ ist beendet. Ich hatte mir ja eine neue Matratze gekauft und war nach einigen Tagen darauf nicht sicher, ob die wirklich zu mir passt. Nach einer Woche war ich es dann, denn wenn man keine Bewegung mehr machen kann ohne laut zu stöhnen, dann ist es nicht die richtige. Im Ernst, ich habe noch nie solche Rückenschmerzen gehabt wie in der vergangenen Woche. Die mittelharte Variante mit der Komfortauflage war irrsinnig bequem, aber schlicht zu weich. Ich biin super darauf eingeschlafen – aber schon in der Nacht wegen schmerzender Rippen aufgewacht.

Zum Glück bietet Matrazzo ja 100 Tage lang ein Rückgaberecht an. Das ist auch gut so… dass es auch anders geht beweisen gerade die recht kostspieligen Matratzen, die die Nachbarn versuchen loszuwerden. Gekauft im klassischen Bettenfachgeschäft stellten die sich nach einigen Tagen auch als Fehlkauf heraus, nun versuchen die Nachbarn sie zu verschenken. Da hatte ich es besser, wenn auch nicht ganz einfach. Betstellt man bei Matrazzo übers Internet, kommt bei Rückgabe eine Spedition und holt die Matratze wieder ab. Kauft man die aber im Geschäft in Duderstadt, muss man sie auch selbst dahin zurückbringen. Eine Matratze alleine zusammen zu rollen, zu verschnüren und wieder ins Auto zu stopfen ist gar nicht einfach.

Ich werde in Kürze nochmal die Matrazzo in Hart ausprobieren, denn Qualität und Material hat mich voll überzeugt. Aber bei aller Liebe zu dem kleinen Geschäft: Die werde ich übers Internet bestellen, denn von Matratzen Hin- und Hergejökel habe ich erstmal die Nase voll.

 
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Verfasst von - 21. November 2017 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch Motorrad 2017 (3): Ölspurensucher für ein Motorradgespenst

Im September 2017 ging es mit der V-Strom 650 auf Tour. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Geister, funkensprühende Aufsetzer, generelle Unlust und die Taufe eines bis dato namenlosen Motorrads.

Die Konferenzgäste stehen in kleinen Grüppchen in einem Wald und unterhalten sich. Es ist Nacht und dunkel, aber die Gäste scheinen gar nicht zu merken wie absurd das ist – warum sind die nicht in am Konferenzort? Ich laufe auf eine Gruppe Gäste zu um sie zum richtigen Ort zu geleiten, als es hinter mir knackt. Ich drehe mich um und sehe, wie etwas auf mich zugerast kommt. Ich renne los, weiche Bäumen aus und stolpere über Büsche. Dann schrecke ich hoch.
Nur ein Traum. Es rauscht. vermutlich hat die Nachbarin von oben wieder ein nächtliches Bad genommen und lässt gerade das Wasser ab. Wie lange noch, bis ich aufstehen und zur Arbeit muss?

Montag, 18. September 2017, Collagna, Italien

Wieder sickert nur ganz langsam die Erkenntnis in mein Bewusstsein: Ich muss heute gar nicht zu Arbeit. Und das hier ist auch nicht meine Wohnung. Ich bin nicht zu Hause, sondern 1.200 Kilometer entfernt in einer Blockhütte auf einer Forellenfarm. Das Rauschen ist das vom Wind in den Bäumen, nicht das Badewasser der Nachbarin.

Ich rutsche halb und falle mehr aus dem Bett und tappe ins Bad. Es ist erst kurz nach sechs. Offensichtlich fällt mir die Entspannung sehr schwer, anders ist das dauernde Träumen von der Arbeit und die kurzen Schlafphasen nicht zu erklären. Nach einem Tag wie gestern, an dem ich es bei schlimmsten Wetter über die Alpen geschafft habe, hätte ich erwartet, dass das Hirn andere Dinge zu sortieren hat. Stattdessen spielt es mir im Traum Gespräche mit Arbeitskollegen vor, über Dinge, die lange erledigt sind.

Ich lüpfe den Vorhang an der Tür. Ja, die V-Strom steht immer noch draußen und mit der Nase fast im Zimmer.

„Guten Tag, ich würde mit Ihnen gerne über Motorräder sprechen.“

Es regnet nicht, es stürmt nur. Der Wind reißt wir irre an den Bäumen. Ich lege mich nochmal ins Bett und mache die Augen zu, da höre ich, wie neben mir ein Schlüssel im Schloss gedreht wird und sich jemand räuspert. Ich bleibe still liegen und lausche ins Dunkel.

Ich bin nicht erschreckt, ich weiß, was das ist. Als ich am Vorabend gefragt hatte wo das Frühstück serviert wird, hatte Nicoletta auf eine Tür am Ende des Zimmers gedeutet und gesagt „einfach da durch“. Mein Blockhüttenzimmer ist keine richtige, alleinstehende Hütte, sondern hat eine Verbindung zum Haupthaus.

Gestern Abend hat keiner der drei Schlüssel, die sie mir gegeben hat, diese Tür geöffnet. Ich wette, jetzt ist das anders.

Trotzdem bleibe ich noch ein wenig liegen und genieße die Bettwärme, die sich wie ein Kokon um mich legt und das Rauschen des Sturms noch gemütlicher macht. Um kurz vor acht packe ich dann meine Sachen, ziehe mich an und probiere die Schlüssel. Jetzt lässt sich einer im Schloss drehen, die Tür geht auf und ich stehe in einem fantastischen Frühstückszimmer.

Sechs Tische für je vier Personen stehen darin, eine Wand wird von einem großen Panoramafenster eingenommen, dass auf die Berge hinausblick. Daneben ist das zweitgrößte Süßes-Frühstück-Buffet aufgebaut, dass ich je gesehen habe. Harte Kuchen mit Konfitüre in 5 Ausführungen, 10 Variationen Kekse, süßer Zwieback, mit Nutella garnierte Törtchen… ein Diabetiker würde allein beim Anblick dieses Tresens einen Zuckerschock bekommen.

Hinter dem Tresen steht eine mollige Frau unbestimmbaren Alters und guckt mich an wie eine Eule. Italien produziert ja einen nie versiegenden Strom an Eulenfrauen, und die hier ist ein Prachtexemplar. „Moin“, sage ich auf italienisch, dann mache ich große Augen und lobe die Auswahl des Süßtresens als fantastisch und so noch nie dargewesen. Die Dame atmet hörbar auf. Sie hilft hier nur aus, weil Nicoletta die Kinder zur Schule bringt, erklärt sie, und hatte befürchtet, dass sie mit mir englisch reden müsste. Nee, muss sie nicht. Das bricht das Eis, sie lächelt und fragt, was ich trinken möchte. Espresso, natürlich. Ich muss heute noch weit fahren und habe keine Zeit und keine Lust auf Pinkelpausen.

Aus dem Kariessortiment suche ich mir was aus von dem ich hoffe, dass es mit Pudding gefüllt ist. Italiener haben es drauf Sachen fluffig und locker aussehen zu lassen, aber meistens sind die Kuchen oder das Brot dann hart wie Stein. So mögen sie das, ich nicht. Jetzt lande ich aber einen Volltreffer, das Ding, das ich zum Tisch getragen habe, ist voller Vanillepudding. Geil.

Die Frau guckt mich an und fragt „sind sie mit dem Motorrad unterwegs“? Ich nicke. „Dummes Wetter dafür“, sagt sie. Ich muss grinsen, denn sie vermeidet anscheinend echte Schimpfwörter. Ich finde das niedlich. Sie guckt aus dem Fenster, vor dem die Bäume vom Wind nach links und rechts gepeitscht werden. Sieht ein wenig aus als ob sie rumhampeln. Wie weiland der singende Busch in „Drei Amigos“: Beim Gedanken an die Szene muss ich grinsen. Vielleicht bringen die Bäume draußen ein Ständchen, und wir hören es nicht, weil das Fenster schalldicht ist?

„Der Sturm ist heftig“, sagt die Frau und wieder finde ich ihre Wortwahl niedlich, denn sie sagt wörtlich „Der Wind ist wütend“.
„Ja“, mümmele ich zwischen zwei Bissen, „Aber wenigstens regnet es nicht“.

In diesem Moment fängt es an zu regnen.
Als hätte jemand vor dem Panoramafenster eine Dusche angestellt.
Ich schließe die Augen und bin leicht genervt.

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Verfasst von - 18. November 2017 in Motorrad, Reisen

 

Weichgespült

In Polen marschieren 60.000 Nazis mit einem Fackelzug durch Warschau, fordern „Reines Blut“, ein „Weißes Europa“ und einen „Islamischen Holocaust“.

Das ZDF nennt das „eine Demonstration von Einwanderungsskeptikern“.

Rodrigo Duterte, der Präsdident der Philipinen, hat Mordkommandos aufgestellt, die durch die Städte patrouillieren und Drogendealer und Drogensüchtige abschlachten. Er selbst vergleicht sich gerne mit Hitler. Die Vereinten Nationen verurteilen das auf´s Schärfste, können aber nichts tun.

NDR Info nennt das: „Duterte wird gelegentlich für seine Drogenpolitik kritisiert“.

Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Man kann sie nutzen um Dinge auf den Punkt zu bringen. Man kann sie genauso verwenden um Dinge zu verharmlosen und zu verschleiern.
Wer letzteres tut, macht sich mitschuldig.

 
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Verfasst von - 13. November 2017 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch Motorradtour 2017 (2): Twin Peaks-Forellen

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Fahle Leichentücher, Fische an ungewöhnlichen Orten und Probleme mit… der Lichtmaschine?

Die Konferenz ist in vollem Gange. Gerade ist Kaffeepause. Ich sehe meine Kolleginnen und Kollegen unter den Gästen. Warum fällt niemandem auf, dass es keinen Kaffee gibt? Ich laufe durch die Lobby. Wo ist die Cateringcrew? Wo sind die Kellner? Ich sehe an mir herunter und erschrecke, als ich merke, dass ICH der Kellner bin. Stimmt ja! In meiner Hand ist plötzlich ein leeres Tablett. Es ist Kaffeepause, und ich habe vergessen Kaffee zu kochen. Zweihundert Leute werfen mir wütende Blicke zu an und schütteln tadelnd die Köpfe.

Ich wache mit klopfenden Herzen auf. Zum Glück nur ein Traum. Ich blicke auf die Armbanduhr. Kurz nach 6, viel zu früh. Bis ich zur Arbeit muss kann ich noch eine Stunde schlafen. Ich drehe mich um und lausche ins Dunkel.

Dann schrecke ich hoch. Was ist das für ein Geräusch? Das gehört hier nicht her, in meiner Wohnung gibt es nichts, was so ein Geräusch macht. Und dann fällt es mir wieder ein. Das hier ist nicht meine Wohnung. Ich bin unterwegs. Ich bin auf Motorradtour!

Sonntag, 17. September 2017, Sölden im Ötztal, Österreich

Ich schlafe tatsächlich nochmal ein, bis um 7:30 Uhr der Wecker quengelt. Im Bad glotzt mich wieder das müde Tränentier an. Man, muss ich fertig sein, wenn ich nach einem SO langen und aufregenden Reisetag wie gestern nicht davon, sondern von Konferenzen und Meetings und Arbeitssmalltalk träume. Irgendwie fehlte in diesem Jahr bislang die Zeit die natürliche Schutzschicht ums Hirn wieder zu erneuern. Wenn die Wände zu dünn werden, sickern Dinge in tiefe Regionen des eigenen Selbst, die da nicht hingehören.

Ich packe mein Kram zusammen und schmeiße mich schon in komplette Motorradmontur, dann trete ich auf den kleinen Balkon hinaus. Das Zimmer war gut beheizt, draußen ist es arschkalt, vielleicht drei Grad.

Ich gehe hinunter zum Frühstücksraum. Die Wirtin kommt herbeigewuselt, eine schlanke, sportliche Mittvierzigerin. „Ich hab ihnen da schon den Fernseher angestellt“, sagt sie. Tatsächlich, es läuft ein Lokalsender. Sölden-TV oder so, bringt nur Werbung lokaler Geschäfte und Infos über das Skigebiet. Oder, wie jetzt, das Timmelsjoch.

Gestern hatte Frau Wirtin noch gefragt wo ich hin wolle. Zum Brenner, hatte meine Antwort gelautet. „Sie wissen aber schon, dass hierherobn das Timmelsjoch ist, das sind´s viel schneller in Italien“. Klar weiß ich das. Deshalb hatte ich hier die Unterkunft gebucht. Morgens auf´s Motorrad und los geht´s, Berg hoch, übers Joch und schon in Meran. Wird nur nix draus, seit einer Woche steht das Wetter auf Schneefall, und heute Morgen schneit es wirklich. Sölden TV zeigt die Bilder der Webcams vor Ort und bestätigt, was die Wetter-App mir schon gesagt hat.

„Habens schon gesehen? Da herob´n geht heute nix, oder?“, sagt Frau Wirtin. „Nee, da geht nix“, sag ich und nehme noch einen Schluck Espresso. „Wollens´ nicht richtigen Kaffee?“, fragt sie. „Nein, danke, ich mag Espresso“, sag ich. Stimmt auch. Und der andere Vorteil von Espresso: Man muss danach nicht soviel auf´s Klo. Das ist wichtig heute.

Nach dem Frühstück bringe ich die Koffer zum Motorrad, dass die Nacht in der Garage neben dem Haus verbracht hat. Sicher steht die V-Strom da. Ich klippe die Koffer an, dann kehre ich zu meinem Zimmer zurück und lege sorgfältig mehrere Schichten Kleidung an. Die Merinounterwäsche und die Fahrerkombi trage ich ja schon, jetzt kommt darüber noch der Nierenprotektor und darüber die Regenkombi. Bis ich mich hineingewunden habe und alles sitzt bin ich schweißgebadet. Verschwitzt raus in die Kälte ist eigentlich nicht gut, aber ich mache mir keine Sorgen. Der Merinokram leitet Schweiß vom Körper weg, die restlichen Kleidungsschichten haben Membranen und sind atmungsaktiv. Die Gefahr sich zu verkühlen ist echt minimal.

Ich fahre die Suzuki rückwärts aus der Garage in den strömenden, kalten Regen und starte den Motor. Sofort röhrt der V-Twin auf, dann geht es hinaus auf die Straße.


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Verfasst von - 10. November 2017 in Motorrad, Reisen

 

Kein Matratzenkasper

Matratzen sind seltsame Dinger, das wusste schon Douglas Adams. Neben Globbern ist die bemerkenswerteste Eigenschaft von Matratzen ihre enorme Gewinnmarge. Die Dinger sind in der Herstellung meist supergünstig, im Geschäft aber sauteuer. Wer sich schon mal gefragt hat wie sich die verranzten „Concord“-Läden an jeder Ecke halten können: Das ist das Geheimnis.

Niedrige Herstellungskosten, hoher Verkaufspreis, damit ist das Matratzengeschäft wie gemacht für Start-Ups, die auf Disruption gebürstet sind. Eine amerikanische Firma geht dabei besonders aggressiv zu Werke. Der Name der Firma klingt für deutsche Ohren nach Puppentheater, dabei meinen die es bitter ernst. Anders ist es nicht zu erklären, das man der Werbung praktisch nicht entkommen kann. Jeder Influencer, von Podcastmachern bis zum Youtuber, durfte schon mal über die vermeintliche Revolution in der Matratzentechnologie berichten, und wenn das Review nicht so ausfiel wie gewünscht, gab es Gegenmaßnahmen – aber das ist eine andere Geschichte.

Beim Produkt des Start-Ups handelt es sich um eine Matratze aus unterschiedlichen Schaumlagen, der Werbung nach nicht zu kalt und nicht zu warm, nicht zu weich und nicht zu hart und dabei total günstig ist. Der disruptive Dienst: Man bestellt die Matratze per Internet, bekommt die sehr schnell per Paketbote, kann sie dann bis zu hundert Tagen ausprobieren und bei Nichtgefallen wird das Ding wieder abgeholt. Risikofreier, bequemer Kauf ohne einen verranzten Laden betreten zu müssen. Klar, dass das Erfolg hat.

Neu ist dabei allerdings wirklich nur die Bestellung übers Netz und der 100-Tage-Rückgabeservice. Ansonsten ist das Produkt der Amerikaner keineswegs revolutionär, denn Kaltschaummatratzen gibt es schon lange. Im Gegensatz zu den früher üblichen Federkernmatrazen sind sie leiser, haltbarer und stützen den Rücken besser. Auch meine letzte Matratze war eine Schaummatratze, für nen Hunni bei Aldi gekauft und gut drauf geschlafen. Jetzt, nach fast 10 Jahren, hat sie aber eine merkliche Kuhle und war deshalb reif für den Austausch.

Ich hatte auch schon mit der Internetmatratze geliebäugelt, denn um ehrlich zu sein: Ich finde das Konzept einer geringen Auswahl recht reizvoll. Eine Matratze fits all, keine Gedanken verschwenden ob man jetzt doch besser die Boxspring oder die 7-Zonen-Klima-Komfort-Latexkernversion nimmt. Allerdings war mir das Geschäftsgebahren der Amerikaner zuwider. Aber mittlerweile gibt es viele Nachahmer, die mit ähnlichem Service locken. Einer davon, stellte ich überrascht fest, sitzt hier bei mir um die Ecke. „Matrazzo“ ist in Duderstadt angesiedelt und unterhält dort ein Ladengeschäft, bietet aber ansonsten auch Bestellung übers Internet, 100 Tage Testen und kostenfreie Abholung bei Nichtgefallen.

Ein Besuch bei Matrazzo war der Hauptgrund, warum ich letzten Samstag in Dudeltown war.

Ladengeschäft in Duderstadt. Bild: Matrazzo.de

Der nett gemachte Laden bietet Testflächen, auf denen man die Matrazzo-Matratze probeliegen kann. Es gibt nämlich nur eine Bauform, die aber in hart, mittel und weich und jeweils in zwei Höhen, 18 und 22 cm. Die Matratze besteht aus zwei Schaumlagen, einem Stützschaum und einem Komfortschaum. In letzteren sinkt der Körper ein wenig ein, so werden Rücken und Hüften gestützt. Der Höhenunterschied in den Versionen 18 und 22 cm liegt in der Dicke der obersten Schaumschicht, in die hohe Variante sinkt man etwas tiefer. Die amerikanische Matratze wirbt mit vier Schaumschichten, aber das, so die Matrazzo-Leute, sei Schaumschlägerei. Je weniger Schichten, desto besser, denn dadurch wird weniger Kleber benötigt und die Matratze besser belüftet.

Bei Matrazzo muss man davon ausgehen dass sie wissen, wovon die sprechen, denn das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochterfirma der Otto-Bock-Kunststoff GmbH. Die machen seit über 60 Jahren erstklassige Matratzen aus Kaltschaum, haben die aber in der Vergangenheit nur als Zulieferer für Firmen wie Dunlopillo produziert. Halb Duderstadt schläft auf Otto-Bock-Matratzen, weil man bis vor Kurzem jemanden kennen musste der bei Otto Bock arbeitet, um eine kaufen zu können. Der Erfolg der Amerikaner hat den Konzern jetzt bewogen ebenfalls die Zwischenhändler auszuschalten und seine Matratzen direkt übers Netz zu verticken. Und guck an, auch ein Traditionskonzern kann eine ordentliche Website mit frischem Start-Up-Gefühl. Auf der Seite findet sich u.a. auch ein Härtegradrechner und launige Erklärvideos.

Aber welche Matratze ist nun die richtige für mich?

Generell, so erklärte mir das wirklich freundliche Fachpersonal, schlafen die Deutschen eigentlich auf zu harten Matratzen. Das ist mir in der Tat auch schon aufgefallen, und mit weicheren Matratzen im Ausland hatte ich auch schon gute Erfahrungen gemacht. Die benötigte Härte lässt sich zum Teil anhand des BMI berechnen, aber natürlich spielen auch Vorlieben und Alter eine Rolle. Ich lag in der Ausstellung intensiv Probe, und war beeindruckt: Bezugqualität, aber auch die Stützkraft der Matratze und der Liegekomfort sind in allen Varianten sehr gut. Am Ende wählte ich die die mittelharte Version, aber mit der hohen Komfortschaumvariante. In der normalen Höhe merkt man schneller die feste Stützschicht, und gerade wenn man Seitenschläfer ist kann es angenehmer sein, wenn Schulter und Becken etwas tiefer einsinken.

Mitnahme, genau wie Versand, ist denkbar einfach. Die Matratze kommt vakuumverpackt in einem handlichen Paket, das so hoch ist wie die Matratze breit. Passt selbst in der größten Variante, 140×200, bequem in den Kofferraum eines PKW. Schneidet man das vakuumierte Dings auf, saugt die Matratze schlagartig die Luft aus dem Schlafzimmer und rollt sich aus.

Kauft man im Ladengeschäft, zahlt man übrigens 10 Euro weniger und bekommt als frischgebackener Matrazzobesitzer wahlweise eine Flasche Sekt oder eine Tafel Schokolade dazu. An der Kasse stellt sich dann übrigens auch raus, dass die amerikanische Konkurrenz, anders als sie vehement behaupten, NICHT besonders günstig ist. Matrazzo unterbietet die Preise um rund ein Drittel.

Letztlich habe ich es mir jetzt also einfach gemacht und sehr schnell eine Matratze gekauft. Weil sich das Ding gut anfühlte, und weil ich die Kombination aus geringer Auswahl und einem vertrauenswürdigen Unternehmen, das sagt: „Wir haben 60 Jahre Erfahrung, dass ist unser bestes Produkt“ unwiderstehlich fand.

Auf der Matrazzo schlafe ich jetzt die fünfte Nacht, und es ist… seltsam. Zunächst: Sie ist saubequem. Der Komfortschaum umschmiegt die Körperkonturen, die Stützschicht gibt nur wenig nach. Egal in welcher Lage: Ich schlafe supergut ein. Doof nur: Beim Aufwachen habe ich diffuse Rückenschmerzen. Also, eigentlich nicht richtig Schmerzen, aber mein Rücken fühlt sich anders an.

Das ist mir noch nie passiert. Ich kann normalerweise auf jeder x-beliebigen Hotelmatratze gut und ohne Nebeneffekte schlafen. Nun heißt es in der Matratzenliteratur, man müsse sich vielleicht erst dran gewöhnen, so zwei Wochen könne das schon dauern. Ich bin nun ein wenig ratlos, denn meine Rückenschmerzen können zwei Ursachen haben: Entweder, die Matratze ist nicht die richtige für mich, ich sinke zu weit ein und habe im Schlaf ein Hohlkreuz. Oder: Mein Rücken (der ohnehin wegen meiner ungesunden Körperhaltung belastet ist) wird zum allerersten Mal ordentlich gestützt und muss sich erst dran gewöhnen, weil er sowas Gesundes gar nicht kennt. Das halte ich nicht für unwahrscheinlich, denn ich habe wirklich das Gefühl mich tagsüber gerader zu halten, und mein Rücken fühlt sich etwas kräftiger an.

Man merkt mir vielleicht meine momentane Irritation an. Einerseits ist die Matratze super, andererseits schlafe ich darauf anders, und ich kann noch nicht sagen ob das gut ist. Wie auch immer es weitergeht: Es ist beruhigend zu wissen, dass in den nächsten 95 Tagen eine Mail reicht, und schon wird die Matrazzo wieder abgeholt und ich bekomme mein Geld wieder. Was ich auf jeden Fall behalte ist das zugehörige Kissen, denn das ist wirklich uneingeschränkt und ohne Gewöhnung super.

Ich werde weiter berichten.

 
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Verfasst von - 10. November 2017 in Ganz Kurz, Service

 

Vorauseilende Verharmlosung

Herr Heiler (rechts) sieht einem gewissen Hitler sehr ähnlich – nur das Bärtchen fehlt.

Wenn Videogames nicht als Kulturgut angesehen werden, verharmlost das Nazis und beschädigt die Erinnerungskultur.

Paragraph 86 des Strafgesetzbuches stellt die Verwendung verfassungswidriger Symbole unter Strafe. Mit Hakenkreuzfahne oder SS-Rune auf dem T-Shirt durch die Gegend zu marschieren ist eine Straftat, wer es dennoch tut, kann dafür bis zu drei Jahre in den Bau kommen. Und das ist auch gut so.

Denn eine der wenig gewürdigten Stärken der deutschen Gesellschaft ist unsere Erinnerungskultur. Wir haben uns mit den Kriegsverbrechen zum großen Teil auseinandergesetzt und sie aufgearbeitet. Ja, es gibt Große Lücken, und oft würde man sich mehr Details und größere und ernsthaftere Tiefe wünschen, aber die Gräuel sind Bestandteil des Schulunterrichts, und wir erinnern aktiv an die Schrecken des Krieges, während es Denkmäler, die z.B. die Nazigrößen verherrlichen, schlicht nicht gibt. Das Verbot der Nazisymbole ist auch ein Ausdruck dieser Erinnerungskultur. §86a StGB verhindert, dass diese Symbole im Alltag auftauchen, damit sie dadurch nicht wieder schrittweise normal werden.

Erlaubt sind solche Symbole lediglich in Kunst und Wissenschaft. Bei der Wissenschaft ist das logisch, denn eine historische Dokumentation mit Aufnahmen aus der NS-Zeit, bei der jedes Hakenkreuz ausgeblendet wird, funktioniert nicht. Bei der Kunst ist es schon komplizierter. Filme gelten als kulturelle Güter, weshalb z.B. in „Indiana Jones“ oder „Inglourious Basterds“ Hakenkreuze vorkommen dürfen.

Nicht als kulturelle Güter zählen Computerspiele, Nazisymbole dürfen darin nicht vorkommen. Das war in der Vergangenheit auch nur für absolute Fans von Originalen ein Problem, denn ob in einem Ballerspiel ohne Story ein Gegner nun eine Hakenkreuzbinde trägt oder nicht, ist dann auch echt mal egal.

Nicht egal ist es aber, wenn das Spiel eine Narration hat, und durch die Zensur Charaktere, Figuren und sogar die Erinnerungskultur selbst beschädigt wird. Genau mit diesem Fall müssen sich Medienwissenschaftler und Gesellschaft aktuell auseinandersetzen. Die Rede ist von „Wolfenstein: The New Colossus“. Das Spiel enthält sehr viel Handlung, allein die Zwischensequenzen (Filme!) gehen über eine Stunde. Die Handlung spielt in einer alternativen Zeitlinie in den 60er Jahren. Die Nazis haben den Krieg gewonnen und Amerika annektiert. Der weiße Mittelstand konnte sich mit der Naziideologie rasch anfreunden, nennenswerten Widerstand leisten nur die Verfolgten und Unterdrückten: Juden, Farbige, Behinderte, allesamt mit einem hohen Frauenanteil. Die Geschichte des Spiels ist die Geschichte dieser Figuren und wie sie langsam einen Widerstand aufbauen.

Hersteller Bethesda hat speziell für den deutschen Markt eine eigene Fassung von „Wolfenstein“ rausgebracht, auf der jeder Hinweis auf Nazis getilgt ist. Auf Bannern, Fahnen und Armbinden prangt nun ein Dreieck, andere Symbole sind durch Platzhalter ersetzt. Bei diesen optischen Änderungen bleibt es aber nicht, denn aus Angst vor der deutschen Rechtssprechung wurde wirklich JEDER Verweis auf die NS-Zeit entfernt.

Aus dem „mein Führer“ wurde der „mein Kanzler“, aus Hitler wurde „Herr Heiler“ (und ihm wurde der Bart entfernt), aus „Deutschen“ wurden „Germanen“ und aus „arisch“ „germanisch“. Kann man soweit machen, aber ab hier wird es seltsam: Aus „KZs“ werden simple „Gefängnisse“ und aus Menschen, die wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt werden, macht die deutsche Fassung statt „Juden“ schlicht „Verräter“, und eine jüdische Abstammung wird zu einer polnischen. Das ist nicht nur genau das Gegenteil der Erinnerungskultur, das ist auch beleidigend. Und es hat massive Auswirkungen auf´s Spiel, ist doch die Hauptfigur plötzlich kein Jude mehr, sondern einfach nur ein Pole mit einer Verräterin als Mutter. Bei den Nebenfiguren wird es nicht besser: Der Wissenschaftler Seth, der im original jiddisch spricht, wird der Akzent und seine jüdische Identität ganz weggenommen.

Ich bin nicht der Meinung, dass man um der Authentizität Willen jeden Shooter mit Hakenkreuzen vollkleistern muss, aber hier liegt der Fall anders.
Da jeder WEISS, dass es sich bei den Bösen im Spiel, Symbolik hin oder her, um Nazis handelt, die Charakter und Figuren der Verfolgten in der Deutschen Version aber um ihre Identität und damit den Grund der Verfolgung beraubt werden, haben wir hier die seltsame Situation, dass durch die harte Überauslegung der Gesetzeslage eine Verharmlosung stattfindet. Juden in ein Vernichtungslager zu bringen ist ein Verbrechen, aber Verräter in ein Gefängnis zu stecken irgendwie nicht, oder? Das hat Auswirkungen auf das ganze Spiel: „Wolfenstein“ ist im Original zutiefst antifaschistisch, darf das aber in der deutschen Version nicht sein.

Der leichte Weg wäre es nun, dem Hersteller von „Wolfenstein“ vorauseilenden Gehorsam und eine Überauslegung der Gesetzeslage vorzuwerfen. Allein, wer kann es Bethesda verdenken? So ein Triple-AAA-Spiel kostet einen dreistelligen Millionenbetrag in der Produktion und der deutsche Markt ist wichtig. Ausserdem gibt es schlechte Vorerfahrungen: Die 2009er Fassung von Wolfenstein wurde komplett verboten, weil vergessen wurde, in einem Werbetrailer für das Spiel ein Hakenkreuz zu entfernen.

Nein, ich glaube das Problem geht tiefer. Wir haben hier den Fall, dass Gesetze, die das Gedenken an die Gräuel des Kriegs schützen sollen, dazu führen, dass eine Verharmlosung stattfindet. Das kann nicht richtig oder gut sein, und ich denke, dass sich im Jahr 2017 der Gesetzgeber langsam mal mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass Videospiele Teil unserer Kultur sind und als solche auch zur Persönlichkeitsformung und Bildung beitragen.

Videospiele sind Kulturgüter und müssen für sich das gleiche Recht in Anspruch nehmen dürfen das auch Filmen zusteht. Ansonsten sorgen die Gesetze, die das Erinnern bewahren sollen, für eine Verharmlosung der Vergangenheit. Damit berauben sie uns mittelfristig einer unserer gesellschaftlichen Stärken und beeinflussen langfristig Politik und Gesellschaft in eine Richtung, die wir nie wieder einschlagen wollen.

 
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Verfasst von - 9. November 2017 in Betrachtung

 

Impressionen eines Wochenendes (17-2): Dudeltown City

Duderstadt ist Eichsfeld, eine radikal-katholische Enklave mitten im protestantischen Südniedersachsen. Dank des Otto-Bock-Konzerns geht es der Stadt gut, und das sieht man: Die Innenstadt ist hübsch und gepflegt, und neue, von Hans-Georh Näder gesponsorte, Museumsbauten verbinden Mittelalter und Moderne. Wie das Schützenmuseum, das von einem mittelalterlichen Fachwerkhaus in ein goldblitzendes Metallobjekt übergeht, in dem man eher ein Guggenheim erwarten würde.

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Verfasst von - 7. November 2017 in Reisen

 

Impressionen eines Wochenendes (17): Kunsthalle HGN „Mit offenen Augen – Die Welt der 50er“

Duderstadt ist mitten im Eichsfeld, einer strukturschwachen, radikal-katholischen Enklave zwischen dem protestantischen Südniedersachsen und Thüringen. Duderstadt ist ein hübsches Städtchen mit einem mittelalterlichen Kern. Vor allem ist es eine Stadt mit einem Mäzen: Hans-Georg Näder ist Inhaber und Leiter des Otto-Bock-Konzerns, Milliardär und Kunstliebhaber. Ihm liegt Duderstadt am Herzen, weshalb er regelmäßig mit Bevölkerung und Politik Zukunftspläne erarbeitet und die – sofern sie tragfähig und nachhaltig sind – finanziert.

Näder lässt die Region gerne an dem teilhaben, was er besitzt. Er hat eine eigene Kunsthalle gebaut, die über Duderstadt blickt und in der regelmäßig Ausstellungen aus seinen Sammlungen gezeigt werden. Der Eintritt ist kostenlos. Im Vorgarten steht ein Chevrolet Bel Air, ein Traum in Mintgrün, und stimmt schon mal auf die USA in den 50er Jahren ein.


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Verfasst von - 6. November 2017 in Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour 2017 (1): Komm´, wir fahr´n ins Ötzi-Land!


Nachdem der Versuch einer Motorradreise im Juni spektakulär gescheitert ist, unternimmt Herr Silencer im September einen neuen Anlauf. Erstaunlicherweise fehlt die Lust auf Urlaub, und verreisen will er auch nicht. Das Schnee angesagt ist, ist nur einer der Gründe.

Samstag, 16. September 2017, Mumpfelhausen bei Göttingen.

Schon vor dem Weckerklingeln bin ich wach. Wieder schlecht geschlafen, wieder wirre Träume. So geht das schon seit Wochen. Kaum eine Nacht mehr als fünf, sechs Stunden Schlaf, dafür lange Arbeitstage und durchgearbeitete Wochenenden. Selbstausbeutung. Aber ich weiß wofür ich das tue und das es gut ist. Und ab heute ist Urlaub.

Ich tappe ins Bad und sehe mich im Spiegel an. Ein sehr weißes, verquollenes Etwas blickt zurück. Ich sehe müde aus. Die letzten Wochen haben ihren Tribut gezollt, und zu viele Essenstermine und wenig Zeit und Muße für Sport haben mehr als die normalen 5 Kilo zu viel auf den Rippen hinterlassen. Ich bin ziemlich am Ende mit der Bereifung, nervlich und körperlich. Ein Hustenanfall lässt die Wände wackeln. Werde ich jetzt auch noch krank? Die letzten Tage habe ich auf einer Konferenz mit Dutzenden von hustenden und schniefenden Leuten verbracht.

Ein Schwall kaltes Wasser ins Gesicht, dann eine halbe Tasse löslichen Kaffee und der Blick aufs Thermometer. Draußen sind gerade mal 5 Grad. Will ich wirklich daraus? Ich hab ein ganz ganz schlechtes Gefühl. Wann bin ich das letzte Mal gefahren, als es so kalt war? Früher, mit der Honda, da galt die Faustregel: Bis fünf Grad geht´s, alles darunter wird schmerzhaft. Nun, das ist 20 Jahre her. Seitdem ist die Schutzkleidung besser und wärmer geworden. Aber meine Knochen älter.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich gerade gar keine Lust weg zu fahren. Keine Lust auf Urlaub. Eine Motorradreise ist anstrengend und fordernd, und ich bin gerade einfach nur müde. Die Welt soll mich in Ruhe lassen, ich will mich einfach wieder in mein warmes Bett kuscheln. Der Gedanke ist verlockend: Einfach hier bleiben, drei Wochen lang die Raufasertapete angucken und bloß nicht aus dem Haus gehen. Wirklich verlockend.

Drei Wochen unter der Kuscheldecke, das wär´s jetzt.

Während ich diesen Gedanken nachhänge gucke ich aus dem Küchenfenster in den grau-kalten Morgen, der sich mehr nach November als nach September anfühlt.
Hier bleiben. Nichts tun.
Das sollte ich machen.

In genau diesem Moment kommt die Sonne raus. Gleich wirkt die Welt etwas energiereicher. Ich horche tief in mich hinein, aber da ist immer noch keine Urlaubslust. Kein Reisefieber. Keine Vorfreude auf neue Orte und Menschen. Da ist nichts, was mich antreiben würde. Ich spüre nur Leere.

Lediglich ein fernes Echo deutet eine Vermutung von Fernweh an. Ich konzentriere mich auf dieses Echo, aber es wird nicht stärker. Ich habe in den letzten Monaten alles gegeben, und jetzt ist nichts mehr in mir. Hier bleiben. Nichts machen.
Einfach ins Bett legen und drei Wochen pennen.

Dann bricht eine meiner weniger guten Charaktereigenschaften durch. Ich werde ungeduldig, mit mir selbst. Ich verliere die Geduld mit dieser waschlappigen Rumjammerei, die mich gerade befallen hat. Selbst wenn dieses ferne Echo nur eine Vermutung von Fernweh ist, warum gehst Du dem nicht nach? Und zwar JETZT. Was sollen diese Gedanken an ein Absagen der Reise? Du wirst ohnehin fahren, früher oder später, also krieg den Hintern hoch und mach Dich auf den Weg! Jetzt!

Ich ziehe langsam die Motorradklamotten an und mache die Wohnung abreisefertig.

In der Garage unter dem Haus steht die V-Strom, vollgetankt und mit gepackten Koffern. Seit Tagen schon.


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Verfasst von - 4. November 2017 in Motorrad, Reisen

 

Unboxing: Assassins Creed Origins Dawn of the Creed Edition

So sicher wie sonst wenig auf der Welt kommt im Herbst ein neuer Ableger der „Assassins Creed“-Videospielserie. Gut, bis auf letztes Jahr, da hatten ausnahmsweise mal alle die Nase voll. Denn eines lässt sich nicht leugnen: „Assassins Creed“ steigt spielerisch immer weiter ab. Ihren Höhepunkt hatte die Serie 2009/2010, alles was danach kam war erzählerisch schlechter. Hersteller Ubisoft hat schlicht keine Ahnung, was sie mit einer einst so großartigen Geschichte anfangen sollen. Diese Richtungslosigkeit hat vor drei Jahren den Spielen, und in diesem Jahr dem Kinofilm das Genick gebrochen. Im Game wird nun versucht Geschichten durch eine offene Welt zu ersetzen, was ich sehr ermüdend finde.

Deshalb bin ich auch nicht wirklich begeistert von „Assassins Creed Origins“. Aber nun, ich habe in diesem Jahr aus lauter Tradition noch einmal die Sammleredition „Dawn of the Creed-Edition“ bestellt. Die Kiste, die der Postbote gestern anschleppte, ist serientypisch groß – die Verpackung von „Black Flag“ dient bei mir noch als Couchtisch. Da „Origins“ in Ägypten um Viertel vor Jesus spielt, glotzt einen überall ein Auge des Ankh an.

Beim Öffnen fällt zunächst auf, dass Spiel und einige Goodies nicht in der eigentlichen Spielverpackung sind sondern oben drauf liegen. Ich hatte erst gedacht sie hätten das Spiel ganz vergessen, dabei hatte ich nur den Karton verkehrt rum aufgemacht. Ähem. Dabei verbirgt sich so noch so viel mehr Mumpitz in der Verpackung.

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Verfasst von - 2. November 2017 in Assassins Creed

 

Teaser

Frühere Teaser:

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Verfasst von - 1. November 2017 in Motorrad, Reisen, video

 

Momentaufnahme: Oktober 2017

Herr Silencer im Oktober 2017
„Ist da gerade ein Huhn am Fenster vorbeigeweht?!“

Wetter: Am Monatsanfang einstellig kalt und Orkan, aber dann steigen die Temperaturen wieder in Nicht-Heizungsbereich um die 15 Grad. Das zweite Wochenende ist sommerlich, mit 4 Tagen Sonne und Temperaturen um die 24 Grad. Nach diesem letzten Aufbäumen des Spätsommers schleicht das gute Wetter langsam davon in einstellige Temperaturbereiche und Nebel. Am Monatsende gibt es den zweiten, ordentlichen Herbstorkan, dann wird’s niedrig einstellig.

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Lesen:

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Hören:

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Sehen:

Kong: Skull Island [PS Network]
In den 70ern entdeckt die brandneue Satellitentechnologie „Landsat“ eine Insel, die vollkommen abgeschieden von der Außenwelt liegt. Eine Expedition macht sich auf nach „Skull Island“.

King Kong? Echt jetzt? Dazu genervtes Augenrollen. – So ungefähr war meine Reaktion auf diese Neuverfilmung des Stoffes. Zum Glück setzten die Macher auf Style over Substance: Die Geschichte ist gar nicht so wichtig, der titelgebende Affe wird zum Glück schon nach 2 Minuten eingeführt. Wichtig sind die markigen Bilder und tollen Effekte, durch die teure Schauspieler toben. Tom Hiddleston hat merklich Spaß an der Rolle des Actionhelden, und auch die anderen sind gut aufgelegt. Unerwartet unterhaltsam.

Kingsman: The golden Circle [Kino]
Kingsman wird attackiert. Eben noch ein unabhängiger Geheimdienst in der Tarnung eines britischen Schneidergeschäfts, nun ein rauchendes Loch in der Erde. Einzige Überlebendes: Der junge, aber mittlerweile sein Potential ausschöpfende Agent Galahad und Merlin, der Techniker. Gemeinsam entdecken sie eine bis dahin unbekannte Schwesterorganisation: Statesman, ein Kingsman-Pendant in den USA. Zusammen mit den Cowboys versuchen sie raus zu bekommen wer hinter dem Anschlag auf Kingsman steckt – und treffen neben einem neuen Feind auch mit alten Bekannten zu tun.

„Kingsman“ kam vor drei Jahren aus dem Nichts und überraschte mit großartigen Schauspielern, Over-the-Top-Bondstory, völlig abgefahrenen Figuren und ebenso innovativen wie irren Actionszenen. „Golden Circle“ ist die konsequente Fortführung all dieser Aspekte, ein gigantischer Spaß, den man auch Colin Firth, Jeff Bridges, Channing Tatum, Halle Berry, Mark Strong und Julianne Moore ansieht.

Bent [ThOP – Theater im OP]
Max kostet das Leben in der Großstadt richtig aus: Wechselnde Liebhaber, Drogen, Alkohol. Aus Problemen quatscht er sich mit „Deals“ heraus. Das ändert sich abrupt, als Schwule vom Naziregime zu Volksfeinden erklärt werden. Max kommt ins KZ, wo er Erfahrungen macht, aus denen ihn kein Deal der Welt mehr befreit.

„Bent“ wurde erstmals 1979 mit Ian McKellen in der Hauptrolle aufgeführt. Die Inszenierung am Theater im OP ist die Deutsche Uraufführung. Das Stück beeindruckt mit einem faszinierenden Bühnenbild: Anfangs ist alles mit bunten Laken verhüllt, deren Farben auch in den „Winkeln“ vorkommen, die KZ-Insassen tragen mussten. Rosa stand für Schwul, ein gelber Doppelwinkel für Jude, grün für Wiederholungstäter, braun für Sinti usw. Jede Szene spielt in einer Farbecke, danach wird das Laken weggeräumt. Stück für Stück wird so eine Bahnstrecke aufgedeckt, die am Ende als Steinbruch dient.

In diesem schleppen die Darsteller stundenlang Steine – das ist eine ebenso beeindruckende Leistung wie ermüdend für das Publikum, etwas Straffung hätte hier gut getan, ohne das die Wirkung verloren gegangen wäre. Auf jeden Fall Respekt an Bühnenbau, Regie und Darsteller!
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Spielen:

Nur altes Kram – als Vorbereitung auf „New Colossus“ noch einmal „Wolfenstein“ und „The Old Blood“.
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Machen:
Den Oktober genießen. Dann wird die V-Strom durchgewartet und die Renaissance durchgepustet, und dann alles eingewintert.

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Neues Spielzeug:
Neues Telefon von der Firma bekommen. Das iPhone 8 ist boring as hell, aber total zuverlässig – auf das iPhone X mit seiner experimentellen Gesichtserkennung und dem Bildschirm mit unbekannter Qualität wollte ich nicht warten.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. Oktober 2017 in Momentaufnahme

 

Oktoberliebe 2017

Früher bekannt als TOaZ (Tollster Oktober aller Zeiten), mittlerweile die Oktoberliebe: Der 10. Monat des Jahres ist eine tolle Zeit, aus der man nochmal so richtig Energie schöpfen kann bevor der deprimierende November um die Ecke geschlichen kommt.

In Göttingen findet zum Beispiel im Oktober der Literaturherbst statt. Zwei Wochen lang kommen Größen aus Wissenschaft und Literatur in die Stadt und lesen aus ihren neuesten Werken oder machen andere, komische Sachen. So wie Susanne Fischer, Thomas Gsella und noch ein paar Nasen, die man aus der taz „Wahrheit“ kennt. Die versuchten sich an einer Séance für Harry Rowohlt, was so mittelgut funktionierte. Der Großteil der Herrschaften scheint in den Neunzigern hängengeblieben zu sein, und schon damals fand ich ihre Sonette, Dramolette und Gedichte total verstaubt und überhaupt nicht komisch. Aber die Anekdoten zu Harry Rowohlt, die waren gut!

Marc-Uwe Kling war auch da um aus seinem neuen Buch „Qualityland“ vorzulesen. Das Buch selbst ist ziemlich meh, aber die Bühnenperformance zusammen mit Boris the Beast machte das wett.

In Einbeck fand das Eulenfest statt. Der Flohmarkt war in diesem Jahr mickrig, gebackene Eulen gab´s auch nicht, aber immerhin habe ich Senfschnitzel probiert und ein tolles Buch für die gerade eingeschulte Tochter des Cousins gefunden.

Dann gab es die letzte Fahrt mit der Renaissance durch einen goldenen Solling, bevor die Kiste für dieses Jahr eingewintert wurde.

Alles in allem: Ein echt schöner Oktober. Jetzt kann der Winter kommen.

 
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Verfasst von - 29. Oktober 2017 in Ganz Kurz

 

Der 4.000 DMark-Laptop

Damals, in den Neunzigern: Als Student wollte ich unbedingt einen Laptop haben. Das Problem dabei: Die Dinger waren unanständig teuer. Bei Vobis oder Compaq musste man mindestens 3.000 D-Mark lassen, was nach heutigem Stand etwa 3.000 Euro entspricht. Dafür bekam man aber keinen Luxusartikel, sondern schlecht verarbeitete, knarzende und klappernde Einstiegsmodelle, meist mit hoffnungslos veralteten 486er-Prozessoren und Plasmabildschirmen oder Schwarz-Weiß-Displays. Alternativ gab es knarzende und klappernde Kisten mit Desktopprozessoren der Pentium-Klasse. Die Dinger rauchten den Akku weg wie nichts Gutes und wurden zum Teil sofort so heiß, dass an Arbeit auf dem Schoß nicht zu denken war. Das war ähnlich wie beim Kochen: Nach 5 Minuten die Eier hartgekocht, nach 8 Minuten das Würstchen geplatzt. Laptops, das waren Geräte, die das Versprechen, das sie in ihren Namen trugen, nicht erfüllten. Also blieb ein tragbarer Rechner ein unerfüllter Traum.

Erst im Jahr 2000 war es soweit: Ich hatte in Nachtschichten bei McDonalds genug Geld zusammengearbeitet um mir ein Laptop leisten zu können, UND es gab endlich ein attraktives Angebot: Ein Gericom „Webboy“. 14,1 Zoll Farbbildschirm, Celeron 800 Prozessor, 128 MB Ram, Diskettenlaufwerk, eingebautes Modem und – ein DVD-Laufwerk!! Eines der ersten seiner Art in so einem Gerät! Den dabeiliegenden Film („Der Sturm“ mit dem Clooney George) konnte man vergessen, aber hey, DVD! Das war die Zukunft!

Wochenlang strich ich in den örtlichen Karstadt-Filiale um das Gerät herum, das dort in einer Vitrine ausgestellt war. Und dann hielt ich es nicht mehr aus, hob drei Mal hintereinander Geld ab und zahlte dann die 3.999,00 Mark in Bar. Was für ein seltsames Gefühl das war – ich hatte mir gerade einen Traum erfüllt, aber quasi ein schlechtes Gewissen, weil ich alle Ersparnisse auf ein Mal auf den Kopf gehauen hatte.

Die Freude über das neue Gerät bekam dann auch schnell Dämpfer. Natürlich knarzte und klapperte auch das Gericom, aber das hatte ich erwartet. Was mich nervte: Alles sah so aus als wäre es schonmal ausgepackt gewesen, und die Treiber-CD war handgebrannt und mit Filzstift beschriftet. Ich hatte die Karstadt-Verkäufer im Verdacht das Gerät mal übers Wochenende „ausgeliehen“ zu haben um eine DVD gucken zu können. Erst Jahre später fand ich raus, dass die österreichische Firma Gericom ihre Geräte (die sie aus Taiwan bezogen und in Österreich nur umlabelten) tatsächlich so schlampig verpackte.

Egal. Ich hatte ein Laptop. Mit allem Drum und Dran:

Diskettenlaufwerk und Infrarot-Port! Auf der anderen Seite war das DVD-Laufwerk und ein PCMCIA-Slot.

Sogar mit Touchpad! Aus heutiger Sicht natürlich winzig, aber besser als die damals übliche Steuerung per Joynuppel.

Nach wenigen Wochen fing der Lüfter an mahlende Geräusche zu machen. Aber nun, hört man ja nur wenn man nicht laute Musik hört.
Und als ich dann endlich einen USB-Stick hatte, stellte ich fest, dass der USB-Port einen Wackelkontackt hatte. Aber nun, wer nutzt schon USB? Alle gängigen Peripheriegeräte kamen an den parallelen oder seriellen Port.

Reichhaltige Anschlüsse, bis hin zum Modem. USB brauchte dagegen niemand, gab es kein Zubehör für.

Besonders doof war aber, dass das Gerät mit Windows me, also der Milleniumsversion, ausgeliefert wurde. Das war die anerkannt schlechteste Version von Windows die es jemals gab, man konnte keine drei Klicks machen ohne das alles mit einem Bluescreen abstürzte. Das wusste auch Microsoft, und wenige Monate später, Anfang 2001, kam Windows XP raus. Ein rocksolid Betriebssystem, aber da das Webboy leider für Windows me designed und mit 128 MB zu wenig Hauptspeicher hatte, lief XP darauf nur im Schneckentempo – zumal der Speicher noch aufgeteilt werden musste. Im BIOS konnte man in den Shared Memory aufteilen in „was darf das Betriebssystem haben“ und „was darf die Grafikkarte nutzen“. Mit dem Aufstieg von Windows XP verfiel der Preis des Webboys. Drei Monate nachdem ich es gekauft hatte, kostete es 1.000 D-Mark weniger.

In der Rückschau hört sich das nicht nach einer Erfolgsgeschichte an, und doch hat mich das Webboy sechs Jahre begleitet. Es war kein gutes Gerät, aber in vielen Bereichen besser und günstiger als alles, was man damals kaufen konnte. Die Verarbeitungsqualität, das Zusammenspiel der Komponenten – das war damals generell alles unterirdisch, tragbare Rechner für Consumer waren ein Nischenmarkt. Das Webboy öffnete den ein wenig und bot ordentliche Leitung für, im Vergleich, wenig Geld. Ich habe es nie geliebt, aber ich habe es oft genossen es zu benutzen – weil es sich so nach Zukunft anfühlte. Es war sogar eines der ersten Geräte, die an der Uni mit einer PCMCIA-Karte (das damals gängige Format für Laptop-Peripherie) in das erste, experimentelle WLAN durfte. Von den WLAN-Karten hatte das Rechenzentrum nur wenige, und ich durfte 12 Wochen eine Orinoco Gold ausleihen! In der Bibliothek sitzen und Kabellos ins Internet, DAS war so hip, dass es keiner verstand. Und unterwegs kam ich auch überall ins Netz, denn das Gericom liess sich an jeden Telefonanschluss anstöpseln. Tatsächlich war es mit knapp 5 Kilo so leicht, dass ich es überall mit hinnehmen konnte. Per Infrarot liess sich sogar ein Mobiltelefon andocken und als Modem nutzen, aber aufgrund der horrenden Verbindungskosten habe ich das nie wirklich genutzt.

Bis 2006 nutzte ich das Gericom, dann wurde es von dienstlichen MacBook Pro abgelöst. Ab da wurde es nur noch von der Freundin zum schauen von DVDs geguckt, und das tat funktionierte zuverlässig bis 2008. Dann verschwand das Gericom erst im Schrank, dann aus der Wohnung, dann aus dem Sinn.

Heute nun habe ich das Webboy im Keller wiedergefunden. Der Akku wurde schon vor langer Zeit entsorgt, das Gerät selbst lagerte aber noch in einer Notebooktasche. Eingestöpselt, angeschaltet, und schon ertönte das mahlende Geräusch der Lüfter.

Nach dem Einstellen der BIOS-Uhr startete erst ein Bootloader mit der Auswahl zwischen Windows me und XP. Letzteres meldet prompt, nach 11 Jahren inaktivität: „Es befinden sich Datein auf dem Desktop, die sie lange nicht mehr verwendet haben“. Ja, wohl wahr.

Anscheinend habe ich zuletzt Grim Fandango auf dem Gerät gespielt.

Hatte ich ebenso vergessen wie die Tatsache, dass das Webboy mit seinem einen, kaputten USB-Port nahezu jeden Datenräger beim zweiten Kopiervorgang zerstört…

…und dann abstürzt.

Schade. Da ist noch meine erste, selbstgeschriebene HTML-Seite drauf. Mit möglichst vielen animierten GIFs und grünem Text auf schwarzem Grund, wie man das damals so machte. Aber das ist eine andere Geschichte.

 
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Verfasst von - 27. Oktober 2017 in Historisches

 

Picadilly Report: Die Schnüffeltafel

Jeder erinnert sich noch an bestimmte Szenen aus dem Film „Minority Report“. Zum Beispiel wie Tom Cruise mit seinen Handschuhen in der Luft rumfuchtelt um ein Videobild zu durchsuchen. Oder wie er durch die Stadt läuft, und Werbetafeln ihn identifizieren um auf ihn zugeschnittene Werbung anzuzeigen. Letzteres passiert in London nun tatsächlich.

Die berühmte Anzeigetafel am Picadilly Circus war neun Monate lang dunkel. Das ist ungewöhnlich, denn das Ding ist ein Londoner Wahrzeichen und läuft seit dem zweiten Weltkrieg nahezu durchgehend, auch wenn immer mal wieder einzelne Teile der fast 4 Tennisplätze großen Werbefläche ausgetauscht wurden. In den letzten 72 Jahren gab es nur zwei geplante Unterbrechungen an denen die Werbetafel tatsächlich komplett schwarz blieb: Während den Beisetzungen von Winston Churchill und Lady Diana.

Und nun also ein neun Monate dauernder Ausfall? Was machen die da so lange?, fragten sich nicht nur die Londoner. Nun stellt sich raus: Es wurden nicht nur die alten LED-Bildschirme gegen neue, gebogene HD-Panels ausgetauscht, es wurde auch massive Überwachungstechnik in die Werbetafel integriert.

Versteckte Kameras in den Bildschirmen betreiben Gesichtserkennung bei Passanten und identifizieren die Marken vorbeifahrender Fahrzeuge. Basierend auf erkanntem Geschlecht, Alter und Stimmung der Passanten und Marken der Autos soll dann demografisch passende Werbung angezeigt werden. Das ist noch nicht ganz so krass wie im eingangs erwähnten Science Fiction Film von 2002, in dem die Werbetafeln die Netzhäute jeder Person scannten und ganz personalisierte Werbung zeigten. Aber es ist krass genug damit ich mich unwohl fühle. Wie gut das System funktioniert, bei der schieren Masse an Personen und Fahrzeugen die an diesem Knotenpunkt vorbeikommen, wird sich zeigen.

Die Schnüffeltafel noch einen zweiten Pfeil im Köcher, der im Zweifel viel effektiver ist: Sie erzeugt ein offenes WLAN. Was sich nach nettem Service für Touris anhört, ist eine wahre Informationsgoldmine: Über jedes eingewählte Gerät und seine Nutzung werden Informationen abgegriffen.

Und das ist erst der Anfang.

 
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Verfasst von - 26. Oktober 2017 in Skurril

 
 
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