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Bundestagswahl 2021

Herr Silencer über die Bilanz der Ära Merkel und warum die Kanzlerkandidaten allesamt Lappen sind.

Die Bundestagswahl 2021 steht vor der Tür, und einfach wird die nicht. Das liegt aber weniger daran, dass die Kandidat:innen allesamt so gut sind, dass die Wahl zwischen ihnen schwer ist. Nein, diese Wahl ist eine schwere, weil sie die Altlasten der Merkel-Jahre schultern und gleichzeitig die Weichen für die Menschheit stellen muss.

Hört sich jetzt theatralisch an, ist aber wirklich so. Expert:innen sind sich einig, das die kommenden 10 Jahre entscheidend sind für Klima und Umwelt, und wie es danach mit der Menschheit weitergehen wird.

Das Klima ändert sich nicht dadurch, das die Ute sich neuerdings vegan ernährt oder der Manfred sich den dritten SUV kauft. Um unseren Lebensraum zu schützen braucht es klare politische Vorgaben und einen Sack an Veränderungen.

Veränderungen sind aber das, was mittlerweile in der Politik als ganz doll böse und unbedingt zu vermeiden gilt. Und das ist ein Erbe der Merkeljahre.

Zieht man eine Bilanz der Kanzlerinnenschaft, sieht man auch sehr deutlich, woher das kam. Als Angela Merkel als Bundeskanzlerin antrat, beschrieb sie ihr Verständnis dieser Rolle als „Gärtnerin, die aufpasst, dass der Garten gut eingezäunt ist und keine Schädlinge reinkommen“ – ansonsten, so Merkel, wollte sie möglichst wenig eingreifen.

Das sagte sie damals auch, um den alten Herren in der Politik ein wenig die Angst zu nehmen. Merkel brauchte Verbündete. Denn eigentlich wollte niemand in der CSU sie, die Frau aus dem Osten, nicht als Parteivorsitzende, und als Kanzlerin schon gar nicht. Sie wurde es letztlich, weil die Partei nach der Schwarzgeldaffäre und Kohls unrühmlichem und verbittertem Abgang in Scherben lag und Edmund Stoiber bereits eine Wahl verstolpert hatte.

Anders als Gestalten wie Schäuble und Merz konnte Merkel innerhalb der CDU nicht auf „Truppen“ zurückgreifen, also auf Personen in Schlüsselpositionen, die ihr bedingungslos zur Seite standen. Sie musste sich ihre Mehrheiten durch Konsens beschaffen, sonst hätte sie nicht regieren können. Diese Mehrheitbeschaffung bestand zu Anfang häufig darin stets den kleinsten gemeinsamen Nenner, das Minimum des Machbaren, zu vertreten.

Später und bis zum Ende schuf sie Koalitionen anhand von Umfragewerten. Merkel positionierte sich immer dort, wo der Wind ohnehin hinblies. Das ging so weit, dass sie auch Positionen vertrat, die klassisch von Parteien wie der SPD oder den Grünen eingenommen wurden – wodurch sie diese Parteien marginalisierte und gleichzeitig die Konservativen vor den Kopf stiess.

Eine volatile Politik ohne eigene Ideen, die das frühere Milieu der „Lager“ zu einem ununterscheidbarem Brei verkochte, dazu eine SPD, die ihre Rolle als Opposition aufgab und sich Merkel in der Großen Koalition unterordnete, das schuf das politische Klima, in dem wir leben. Der unidentifizierbare Einheitsbrei und das Fehlen einer ernsthaften Opposition beschädigte die Demokratie und führte links wie rechts zu Extremismus.

Nach Außen wirkte die Merkel-Politik geradezu sedierend, nach Innen schuf sie eine politische Kultur ohne Ambitionen und ohne Konsequenzen. Inzwischen kann man als Minister:in maximal unfähig sein oder offen korrupt, Verantwortung übernehmen und zurücktreten muss man dafür unter Merkel aber nicht. Das ist etwas, was man Merkel anlasten muss: Sie hat Politik nach Außen zu etwas uninteressantem gemacht, bei dem es für niemanden mehr Konsequenzen gibt und wo es legitim ist, statt ernsthaft zu arbeiten, sich irgendwie Durchzuwurschteln. Anders sind Gestalten wie Scheuer, Klöckner oder Karlicek wohl kaum erklärbar.

Aus dieser unglücklichen Ursuppe erheben sich nun die drei Kandidat:innen für die Kanzlerschaft, und sie sind Geschöpfe dieses politischen Klimas.

Armin Laschet wurde letztlich nur Kandidat, weil er gefestigte Seilschaften hat. Das dumme an Seilschaften ist, dass die Gefallen einfordern, sobald jemand installiert ist. Wie kaum jemand vor ihm steht Laschet für ein „weiter so“ in Kombination mit Hinterzimmerpolitik. Um davon abzulenken, versucht er sich gerade an einem Lagerwahlkampf – dabei gibt es sowas wie Angst vor roten Socken schon lange nicht mehr. Aber Laschet, der clownseke wie dünnhäutige Onkel aus dem Rheinland, ist eben zu sehr in der Vergangenheit verhaftet. Er hat Politik der letzten 30 Jahre schlicht nicht mitbekommen und fordert daher auch schon mal die Einführung der Vorratsdatensspeicherung (längst beschlossen) oder argumentiert mit Positionen aus den 90ern.

Olaf Scholz verkörpert Ideenlosigkeit und den Mangel an Perspektiven wie kaum ein anderer. Wirkten frühere SPD-Kanzlerkandidaten wie Filialleiter der örtlichen Sparkasse, so ist Scholz nur noch der Papp-Aufsteller eines Sparkassenleiters. Das perfekte Symbol für eine SPD in Trümmern, die sich in der Groko zerlegt hat und die keinen Mut zu sozialdemoktratischen Positionen mehr hat, obwohl Parteibasis und -führung(!) genau das wünschen.

Anna-Lena Bärbock leidet unter einer Kombination aus hausgemachten, handwerklichen Fehlern im Wahlkampf und der Tatsache, dass sie Veränderung propagiert – etwas, was halt aktuell, siehe oben, als schlecht wahrgenommen wird.

Nachdem ein geschönter Lebenslauf und falsch zitierte Ghostwriter-Passagen groß diskutiert wurden, hat sie damit den Ruf weg, es wahlweise „nicht zu können“ (Erstens weil Frau, zweitens weil Grüne, drittens weil hat sich beim Schummeln erwischen lassen) oder „Genauso Dreck am Stecken zu haben wie alle anderen auch“. Die Bild-Gucker und Boomer unter den Wählern fürchten dazu um ihren Geländewagen und das Schnitzel, das Bärbock ihnen vom Teller klauen wird, sobald sie gewählt ist.

Nein, diese Wahl ist keine leichte. Wer noch unentschlossen ist, guckt bitte mal beim Wahl-O-Mat vorbei. Dort kann man steile Thesen, die direkt aus den Wahlprogrammen der Parteien stammen, zustimmen oder die ablehnen. Am Ende sagt einem das Programm, welche Partei die eigene Position am Besten vertritt.

Falls das die AFD ist, überdenk bitte Dein Leben. Die AFD ist eine in Teilen faschistische und rechtsradikale Partei, die aktiv an der Zerstörung der Demokratie und unserer Gesellschaft arbeitet. In allen anderen Fällen: Geht bitte am 26.09. wählen.

Zum Wahl-O-Mat

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Momentaufnahme: August 2021

Herr Silencer im August 2021

Erkenntnis des Monats:Dieses Jahr dauert gleichzeitig ewig und rast vorbei wie nichts

Wetter: Kalt. Kalt und nass. Nachts teils einstellig, tagsüber selten an 20 Grad.


Lesen:


Hören:

Podcast-Schmodcast
Ich mag Etienne Gardé, der mal die Rocket Beans mitgegründet hat. Ich liebe Katjana Gerz, die in „Gute Arbeit Originals“ gezeigt hat, das sie eine begnadete und sehr lustige Schauspielerin ist. Nun machen die beiden mit „podcast-Schmodcast“ einen Impro-Podcast. Kein Thema, einfach nur loslabern und gucken wo die Reise hingeht.

Sowas funktioniert selten gut, und hier leider gar nicht. Zumindest die ersten zwei Episoden bestehen zur Hälfte aus Gestammel, in der anderen Hälfte lachen sich die beiden über sich selbst kaputt. Typischer Fall von „ist wohl nur lustig wenn man dabei war“.

Das kann noch besser werden, wenn die beiden von dieser zwangslustigen Impro-Nummer runterkommen, denn beide sind interessante Charaktere und haben durchaus was zu erzählen. Das blitzt bislang selten durch, ewa wenn Katjana erzählt, wie sie versehentlich in einer Superbowl-Werbung für Scientology gelandet ist. Bislang ist der Podcast durch ständiges Kichern und Prusten leider nahezu unhörbar.


Sehen:

Über Grenzen – Der Film einer langen Reise
Nordhessen: Rentnerin Margot hat zwar keinen Motorradführerschein und auch keine Erfahrung mit Moppeds, steigt aber dennoch mit 64 Jahren auf eine 125er und fährt einfach mal los gen Osten, bis nach China und wieder zurück.

Wow, mit 64 Jahren und als Frau ganz allein auf dem Motorrad um die halbe Welt, das klingt nach richtig großem Abenteuer! Ist es auch, aber anders, als man es sich vorstellt.

Als Zuschauer kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, wenn man der Protagonistin dabei zusieht, wie sie einfach mal beschliesst in die Welt hinauszufahren, und das scheinbar völlig ahnungslos tut. Vorher schon mal auf eine Motorradtour gemacht? Fehlanzeige. Motorradführerschein? Nicht vorherhanden, der alte graue Lappen reicht rechtlich ja aus. Körperliche Fitness für so eine Grenzerfahrung? Auch nicht vorhanden.

Kaum aus Nordhessen raus und noch in urbanem Gebiet beginnt das ganze mit einem ersten Sturz, der mit der überraschenden Erkenntnis endet: Kupplungshebel können abbrechen! Und was macht man dann? Hilflos mit den Ärmchen rudern und andere um Hilfe bitten. Diesem ersten Sturz folgen viele, viele weitere.

Irgendwann stösst Margots Enkel zu ihr und unterstützt sie mit einem Begleitfahrzeug. Ab diesem Moment gibt es dann auch andere als Aufnahmen als nur die Wackelfilmchen aus Margots Handy. Neben schönen Drohnenshots der Mongolei wird nun aber das ganze Elend sichtbar. Gefühlt alle paar Meter kippt die Rentnerin um und fällt aus dem Sattel, teils wegen des Geländes, teils vor Schwäche. Dabei verletzt sie sich auch schon mal nicht unerheblich, weiter geht es nur dank polnischen Moppedfahrern mit gut sortierter Bordapotheke und der Hilfe des Enkels und dessen Kumpel, die die Dame immer wieder in den Sattel heben.

Das klingt jetzt reichlich miesepetrig, aber dieser Reisefilm ist für mich stellenweise wirklich unangenehm anzusehen. Für das Publikum ist eine Heldenreise, bei der die Protagonisten Hindernisse überwinden müssen, immer interessant. Dachte ich. Bei diesem Film habe ich aber vor Fremdscham teilweise nicht mehr zuschauen können. Das liegt vor allem in der – zumindest scheinbaren – Naivität und Sturköpfigkeit der Protagonistin. Spätestens wenn Margot gegen den Rat von Einheimischen versucht, bei starkem Schneefall und Wind einen verschlammten Gebirgspass zu queren und praktisch nur noch im Matsch liegt, möchte man sich abwenden.

Margot Flügel-Anhalt wird in der Moppedreiseszene viel herumgereicht und meist als Rolemodel und Heldin besprochen. Ich muss sagen: Ja, sie hat Mut bewiesen. Aber WAS sie da macht ist dann einfach so naiv und jenseits von Gut und Böse, dass es an Dummheit grenzt. Ihr zähes Festhalten kann man als „eisernen Willen“ begreifen, aber auch als „nordhessischen Dickschädel“. Ich finde es zudem leicht anmaßend darauf zu setzen, dass einem ständig jemand hilft. Im Film wirkt die Reise es stellenweise wie betreutes Fahren, bei dem sich jemand von einem hilfsbereiten Menschen zum nächsten auf seinem Mopped durch die Welt schieben oder tragen lässt.

Aus irgendeinem Grund gibt es den ganzen Film in zwei Teilen auch als Doku des SWR, hier auf YT:

Über Grenzen, Teil 1
Über Grenzen, Teil 2

Restoration Videos
Niemand spricht, man sieht nur zwei Hände, die ein altes, rostiges Blechspielzeug, oder eine Kaffeemühle, oder ein Käseschneidedings etc. demontieren, reinigen, reparieren, lackieren und wieder zusammensetzen.



Diese Art Video ist mittlerweile ein eigenes Genre auf Youtube. Ich verstehe auch warum: Es hat etwas seltsam beruhigendes dabei zuzusehen, wie alte Gegenstände Stück für Stück liebevoll restauriert werden. Vorsichtig werden an teils über 100 Jahre alten Gegenständen Schrauben gelöst, alte Farbschichten abgetragen, gesandstrahlt, pulverbeschichtet, und am Ende sieht der alte Gegenstand aus wie gerade frisch gekauft. Könnte ich stundenlang gucken.

Justice League [2021, BluRay]
Irgend ein Hoppepeter sucht leuchtende Schachteln, und wenn er drei davon hat geht die Welt kaputt, oder so. Batman gefällt das nicht und klöppelt sich ein eigenes Avengers-Team zusammen: Die Liga der Selbstgerechten.

„Justice League“ kam vor vier Jahren raus, damals befand ich ihn als „zusammenhanglose Aneinanderreihung von dummen Szenen“, die keinen Sinn ergaben (ganze Rezension hier).

Das lag auch an der Produktionsgeschichte: Zac Snyder, der Mann mit den Nazi-Eulen, der noch nie einen guten Film gemacht hat, stieg damals kurz vor Fertigstellung aus und „Avengers“-Regisseur Joss Whedon übernahm und ordnete Nachdrehs an. Das Ergebnis war eine Katastrophe, und in der Folge hieß es immer wieder, Snyders ursprüngliche Fassung hätte die bessere sein können. Nach genügend Rumquengelei durch die Fanbase investierte das Studio nun tatsächlich nochmal ein paar Millionen, um einen „Snyder Cut“ von Justice League fertig zu stellen – und das Ergebnis ist verblüffend.

Verblüffend zum einen, weil diese Fassung wenig mit der Kinoversion zu tun hat und tatsächlich der bessere Film ist. Das hätte ich Snyder nicht zugetraut, aber es ist so: Figuren werden gut eingeführt, entwickeln sich, die Story wird gut hergeleitet.

Verblüffend aber auch, weil dieser Film ein Testament des Irrsinns ist – er ist viereinhalb Stunden lang und in 4:3 Format. Das lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Snyder-Filme sind normalerweise auch deshalb so schlecht, weil er keine Ahnung hat, wieviel in einen 100 Minuten Film eigentlich reinpasst.

„Justice League“ ist auch im Snyder-Cut kein filmisches Meisterwerk, aber zumindest wird hier eine zusammenhängende Geschichte in teils wirklich großen Bildern erzählt.


Spielen:

Mass Effect 2 [PS5, 2021 Remaster]
Unmittelbar nach dem Ende von Mass Effect 1: Heldin (oder Held) Shepherd sucht nach Möglichkeiten, um zukünftige Attacken von Maschinenwesen und letztlich den Genozid an allem organischem Leben zu verhindern. Da kommt es eher ungelegen, das ihr Schiff bei einem Angriff zerschnitten wird und Shepherd stirbt.

Zwei Jahre ersteht sie wieder von den Toten auf, wiederbelebt von einer sinistren und xenophoben Geheimorganisation. In deren Auftrag zieht Shepherd los und stellt ein Team zusammen, das den Maschinenwesen etwas entgegensetzen soll.

Was für ein schockierender Moment zu Beginn des Spiels, wenn die aus Teil 1 liebgewonnene (und mitsamt Erfahrung und Aussehen von dort importierte) Figur stirbt – und was für eine dumme Idee, sie ausgerechnet für die Space Nazis aus Teil 1 arbeiten zu lassen. Aber auch wenn die Grundprämisse Banane ist, macht ME2 einfach viel richtig. Die vielen Einzelmissionen sind, wie die Figuren und Dialoge, meist richtig gut geschrieben, die Geschichte ist faszinierend und die Spielmechaniken funktionieren weitaus besser als in Teil 1.

Besonders gut: Das eigene Handeln hat Konsequenzen. Je nachdem, wie man mit den Charakteren umgeht und sich ihnen gegenüber verhält, ändert sich der Ausgang des Spiels. Sind alle Figuren motiviert und fühlen sich Shepherd verpflichtet, laufen sie zu Höchstleistungen auf und überstehen die „Suicide Mission“ am Ende der Handlung. Sind sie dagegen von Shepherd enttäuscht, werden einige oder sogar alle der liebgewonnenen Charaktere umkommen. Das Wissen um diese Konsequenzen verleihen den Dialogen zwischen den Actionsequenzen Bedeutung und Schwere.

Mass Effect 2 ist ein echter Spieleklassiker, der 2010 für die XBOX 360 erschien und der im Remaster nicht groß verändert wurde – leider! Gerade den Charaktermodellen und Gesichtern hätten besser überarbeitete Texturen gut gestanden. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, Mass Effect 2 ist einfach eine erzählerische Wucht, die auch in Actionpassagen gut funktioniert.


Machen:
Arbeit-Arbeit-Arbeit. Aber immerhin mit Moppedzwerch und Albrecht getroffen. Das war beides schön!


Neues Spielzeug:

Nüscht

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

Maximale Verwirrung

Gerade sind hier die Unterlagen für die Briefwahl in Stadt und Land eingegangen. Abgesehen davon, dass die quadratmetergroßen Wahlzettel vor Versand in kunstvollstem Origami gefaltet werden müssen, ist das Prozedere an sich nicht ganz unkomplex. Wahlzettel ausfüllen (jeder nur drei Kreuze!), kleinfalten, in einen Wahlumschlag stopfen, Stimmzettel ausfüllen, Unterschreiben und mit Wahlumschlag in einen Stimmumschlag und dann ab die Post.

Eigentlich einfach, aber wenn man vor dem Berg Papier steht und dann versucht das krasse Behördendeutsch des Stimmzettels zu verstehen, kommt man sich schon ein wenig überfordert vor. Immerhin, man will ja nichts falsch machen, jede Stimme zählt und so, wissen schon.

Weil die Wahlleitung weiß, wie geschraubt und unverständlich die Sprache ihrer Schreiben ist, hat sie eine bebilderte Anleitung in einfacher Sprache beigelegt:

Vorbildlich! Doof nur: Es gibt keinen roten oder blauen Umschlag, nur einen gelben und einen grünen. Vermutlich führt das bei einige Wählerinnen zu maximaler Verwirrung – und bei Schreibwarenläden vor Ort zu erhöhter Nachfrage nach roten und blauen Briefumschlägen….

Kategorien: Ganz Kurz, Gnadenloses Leben, Politik | 3 Kommentare

Stabilitätsprobleme bei Motorrädern und wie sie beseitigt werden können

Bild: Continental

Drüben im V-Strom-Forum berichtet ein Fahrer davon, wie bei Tempo 160 der Lenker seiner 2019er DL 650 plötzlich zu schlagen anfing und das ganze Motorrad binnen Sekunden so stark zu pendeln begann, dass er sie nicht mehr halten konnte und beide den Abflug machten. Der Fahrer hat´s offensichtlich und zum Glück überlebt, statt Ursachenforschung zu betreiben möchte er sich aber einfach einen Lenkungsdämpfer ans Motorrad tackern.

Lenkungsdämpfer? Sowas haben die meisten Motorräder nicht. Mit Absicht, weil eine schwergängigere Lenkung in den allermeisten Fällen mehr behindert als nützt. Ausnahmen bilden sehr starke Maschinen, aber die haben dann serienmäßig eine gedämpfte Lenkung.

Aber woher kam nur diese Pendelbewegung? Ausgerechnet der Reifenkonzern Conti hat ein lesenswertes Paper dazu veröffentlicht. Darin wird neben dem Shimmy, dem leichten Lenkerflattern in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen, das jeder Fahrer kennt, auch erklärt, was Kick Back und Hochgeschwindigkeitspendeln sind, was die Ursachen sein können und was man dagegen tun kann.

Ursachen für all diese Phänomene können verschlissene Reifen, falscher Reifendruck, kaputte oder falsch eingestellte Lager oder Dämpfer sein. Bei einer Reisemaschine neueren Datums würde ich das ausschließen, möglicherweise reichten für das Eingangs geschilderte Unglück aber tatsächlich die Dinge aus, vor deren Verlockung kein Tourenfahrer gefeit ist: Anbauteile!

Laut Conti kann nämlich die Fahrstabilität auch durch hohe Windschilder oder Gepäcksysteme beeinträchtigt werden. Für die meisten Fahrer von Reisemaschinen ein Schlag ins Kontor, denn Koffer brauchen wir nun mal, und viele von uns LIEBEN Topcases, in die eine Einbauküche passt, oder schrankwandgroße Scheiben. Vermutlich weil sie denken dahinter werden sie nicht nass oder sowas.

Ursache kann aber auch eine ungleichmäßige Beladung sein, und das habe ich bei meiner Maschine auch schon erlebt. Bedingt durch den Auspuff auf der rechten Seite der V-Strom stehen die Koffer ungleich weit von der Fahrzeugmitte ab, der rechte 10 Zentimeter weiter als der linke. Wenn ich den rechten Seitenkoffer nicht mit genau 1 Kilogramm weniger belade als den linken, beginnt auch die Barocca bei 140 das Pendeln. Als das zum ersten Mal auftrat, hat mich das wirklich erschreckt, aber zum Glück habe ich die Kiste wieder in den Griff bekommen bevor sie unkontrolliert zu keilen begann. Das ist der Grund, warum ich nun immer eine Gepäckwaage dabei habe und allen Ernstes vor jeder Fahrt die Seitenkoffer auswiege.

Das sehr lesenswerte und kurze Paper mit dem sperrigen Namen „Stabilitätsprobleme bei Motorrädern und wie sie beseitigt werden können“ findet sich HIER und ist Pflichtlektüre für alle Tourenfahrer:innen.

Der Fall und das Paper zeigen auch mal wieder sehr deutlich die Unterschiede zwischen Motorrad und Auto. An ein Mopped kann man nicht einfach alles dranschrauben was der Zubehörkatalog hergibt und fahren bis zur letzten Rille. Teile eines Motorrads müssen genau aufeinander und auf den Fahrer oder die Fahrerin abgestimmt sein, und der ganze Kram muss gut und vorbeugend gewartet sein. Sonst passieren… Dinge.

Kategorien: Motorrad, Reisen | 6 Kommentare

Corona-Tagebuch (35): Zurück in der Fußgängerzone

Weltweit: 210.073.348 Infektionen, 4.404.573 Todesfälle
Deutschland: 3.855.150 Infektionen, 96.104 Todesfälle
528 Days Gone

Delta on the rise, die Kurve steigt, und es sind vor allem junge Menschen, die sich jetzt infizieren.

Nach eineinhalb Jahre das erste Mal wieder in der Innenstadt und im stationären Einzelhandel gewesen, und ich sach mal so: Ich kann Menschen nicht mehr leiden.

Dabei ist es es nicht mal so sehr die Masse an Menschen, die sich schon wieder dicht gedrängt durch die A-Lagen schiebt. Oder die eng zusammenhockenden Gruppen in den Restaurants, die offenbar beschlossen haben, dass die Pandemie vorbei ist. Sowas nervt mich auch, aber dem kann ich aus dem Weg gehen.

Am meisten gernervt haben mich tatsächlich die seltsamen Attitüden im Einzelhandel. Ich dachte eigentlich, dass der nach Monaten im Lockdown froh über Normalbetrieb ist. Aber weit gefehlt, anscheinend war Kurzarbeit so geil, das jetzt alle angenervt sind vom Kundenverkehr.

Im Schreibwarengeschäft war keine Bedienung zu finden, und die Dame an der Kasse schaffe es nicht, sich in diese einzuloggen.

Im Optikgeschäft stand eine Optikerin herum, die den Wunsch nach einer günstigen Sonnenbrille mit einem Kunststoffgestell mit der Vorführung von Luxus-Titanmodellen und der Auskunft beantwortete, Sonnenbrillen seien nicht unter 600 Euro zu bekommen.

Im Buchladen hatte die Verkäuferin es eilig. „Das brauchense nicht“, gewitterte sie, vermutlich weil es ihr zu lange dauerte, dass ich am Stehtisch im Eingang des Geschäfts den QR-Code der ungeliebten Luca-App scannen wollte.

Karstadt Sport gibt es nicht mehr, in dem Gebäude am Marktplatz ist nun anscheinend ein anderes Sportartikelgeschäft beheimatet. Wie gut deren Beratung ist weiß ich nicht, ich habe über einen Zeitraum von 45 Minuten über vier Etagen exakt nur einen Verkäufer gefunden, der natürlich völlig umlagert war.

Dafür standen vier Damen an der letzten verbliebenen Kasse im Erdgeschoss, unterhielten sich lautstark und angeregt und glotzten lediglich wie die Eulen, als ich einen Zahlungswunsch äußerte. „BEI MIR SICHER NICHT!“ gröhlte die erste Eule, während sich zwei andere sofort verpissten. Ja wo denn dann? „KOLLEGIN KOMMT GLEICH AUSSE PAUSE WIEDER“.

Ähnliches Bild im Galeria-Haupthaus. Immerhin fand ich dort eine Verkäuferin, aber nur, weil die mir im Vorbeigehen mit einem Sack Verpackungsmaterial einen Bodycheck verpasste und ohne ein Wort der Entschuldigung davonrumpelte. An den Kassen dann wieder: Geschnatter mit den Kolleginnen, aber kein „Guten Tag“, kein „Bitte“, kein „Danke“, kein „Auf Wiedersehen“. Nicht mal Blickkontakt.

Sowas nervt mich. Ich war selbst lange im Service tätig, ich weiß, wie man mit Kunden umgeht. Das man Seitengespräche einstellt, wenn man mit Kunden interagiert, ist sicher nicht zu viel verlangt.

Ich weiß nicht, ob es an mir liegt – der Tatsache das ich älter und ungeduldiger werde oder das Klamotten kaufen mich sowieso anstrengt – aber ehrlich gesagt ist Onlinekauf mittlerweile einfach die angenehmere Shoppingerfahrung. Einzelhandel, das sind Verkäuferinnen die besseres zu tun haben als sich um Kunden zu kümmern, das sind bestenfalls lachhafte Produktsortimente („Herrenbadehosen? Ham wa nur das was da hängt“ – und da hing Zeugs in Neorosa in Größe XXXL), das sind schmuddelige und kaputte Umkleidekabinen mit nicht schließenden Vorhängen und dreckigen Teppichen, das sind hohe Preise. Das sind auch nicht stattfindende Beratung, das sind Kräfte ohne Ahnung von dem was sie da tun, das sind Fachkräfte die nicht zuhören und nur ihren Stiefel machen.

DAS ist die Einkaufserfahrung, die der Einzelhandel so zu bieten bereit ist, und ich sach mal so: Die kann er gerne behalten.

Immerhin lustig: Der EinEuroShop hat jetzt die Preise erhöht. Alles im EinEuroShop kann man nun für EinEuroZehn kaufen.

Kategorien: Corona-Tagebuch | 10 Kommentare

Corona-Tagebuch (34): Falsch übersetzt

Weltweit: 205.611.815 Infektionen, 4.338.593 Todesfälle
Deutschland: 3.815.683 Infektionen, 91.863 Todesfälle
521 Days Gone

So viel Impfstoff, dass er an andere Länder abgetreten werden muss. Gleichzeitig die hoch ansteckende Delta-Variante, überall. Es gelten weiter Drostens Worte aus dem April: „In einem Jahr werden wir alle gegen Corona Immun sein. Die einen, weil sie geimpft sind, die anderen, weil sie COVID hatten.“

Delta verbreitet sich wie die Windpocken, hat es einer im Raum, haben es alle. 14 Prozent der ungeimpft Erkrankten entwickeln einen schweren Verlauf, 20 Prozent behalten durch Long Covid Beschwerden wie Demenz zurück. Trotzdem stagniert die Anzahl der Impfungen, auch wenn nun schon 63 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten haben. Warum ist das so?

Der echte Aufwand kann es nicht sein, selbst im örtlichen Real kann man sich mittlerweile im Vorbeigehen und ohne Termin impfen lassen. Nein, es ist vermutlich eher eine Mischung aus geistiger Bequemlichkeit der Marke „Was soll mir schon passieren?“.

Heute Runde bei Lieferanten gemacht. Acht Personen getroffen, drei davon nicht geimpft. Warum?

Eine Antwort: „Die Ansteckungszahlen sind so gering, da KANN mir gar nichts passieren, das wäre wie ein Sechser im Lotto, und den krieg ich ja auch nicht, haha“

Einmal kam die Antwort: „Die Inzidenzzahlen sind so niedrig, die Pandemie ist praktisch vorbei. Ich lass mich aber sofort impfen wenn die wieder drastisch steigen“.

Einmal kam die Antwort: „SIE SIND GEIMPFT??? Halten Sie bitte Abstand und tragen sie ihre Maske, ich habe auf Youtube gesehen das geimpfte MRA ausatmen, an dem werden alle im September sterben!!!!“

Tja. Darwin, der mit der Evolutionstheorie, wird ja gerne falsch übersetzt. Im Deutschen wird er häufigmit „Evolution bedeutet das Überleben des Stärkeren“ zitiert, tatsächlich hat er aber gesagt „Survival of the fittest“. „Fit“ kann auch bedeuten: Besonders gut angepasst an widrige Umstände, oder besonders Clever. Vielleicht sehen wir ja hier die Evolution bei der Arbeit, und diese ganz Impfverweigerer sind einfach mental nicht fit genug.

Nur so ein Gedanke.

Kategorien: Corona-Tagebuch | Ein Kommentar

Momentaufnahme: Juli 2021 (2)

Herr Silencer im Juli 2021
Erstaunlich viel Medienkonsum diesen Monat, deshalb dieses Mal in zwei Teilen. Das hier ist Teil 2, Teil 1 erschien vor zwei Wochen.

Wort des Monats: „Halssalz“

Wetter: Nass und kühl. Nach der Sintflut zur Monatsmitte nun zwar etwas trockener und wärmer, aber immer noch bedeckt/regnerisch und meist Temperaturen zwischen 14 ud 21 Grad.


Lesen:


Hören:

Cui Bono: WTF happend to Ken Jebsen? [ARD Mediathek oder sonst überall wo es Podcasts gibt]
Ken Jebsen war mal ein innovativer, frischer, geradezu avantgardistischer Radiomoderator, bis er sich in Verschwörungsgeschichten verstrickte. Als „KenFM“ erreichte er mit denen auf Youtube ein breites Publikum, bis er dort gesperrt wurde.

Von einem antisemitischen Verstolperer über erste Verschwörungsmythen und Werbeshows für Russland hin zum Coronoaleugner und selbsternannten Verfolgten, der die Demokratie in Deutschland brennen sehen will: Der Podcast zeichnet nicht nur Aufstieg und Abdriften Jebsens nach, er sucht auch nach Vorbildern in der US-Medienszene und verknüpft Jebsens Fall mit rechten Akteuren und Einflussnahme durch Russland.

Darüber hinaus geht er der Frage nach, was diese Verschwörungsmythen eigentlich für Auswirkungen auf unser aller Alltag haben – etwa, wenn ein Familienmitglied nach Jebsens Videos in Youbes Kaninchenbau fällt und als Impfverweigerer oder Reichsbürger wieder rauskommt.

Mir persönlich ist der Podcast zu verspielt und kumpelhaft, dabei hätte er Audiogimmicks gar nicht nötig und könnte sich rein auf Erzählung, Recherche und O-Töne verlassen. Aber gut, Zielgruppe sind auch deutlich jüngere Hörer als ich. In der Summe ist der sechsteilige Podcast mit seinen je ca. 40minütigen Folgen sehr informativ und kurzweilig. Klare Hörempfehlung für Podcast-Fans!


Sehen:

Black Widow [2020, Disney+]
Während der „Civil War“-Nachwehen und vor dem „Infinity War“: Scarlett Johannson taucht in Osteuropa unter und stolpert darüber, dass die „Black Widow“-Organisation, die junge Frauen entführt, missbraucht und zu Killerinnen indoktriniert, immer noch im Verborgenen existiert.

Hätte so schön sein können: Ein Marvel-Film mit einer weiblichen Heldin, der statt auf bombastischen Bumm-Bratz auf Thrillerspannung im Agentenmilieu setzt. Tatsächlich fühlt sich „Black Widow“ zu Beginn an wie ein „Bourne“-Film oder wie „Red Sparrow“: Kalt, schmutzig, brutal.

Statt dann aber wirklich den „Red Sparrow“ zu machen und auf eine clevere Story um Überbleibsel des KGB zu setzen oder ein Psychogramm der Protagonistin zu zeigen, versteigt sich der Film dann doch wieder in Krach-Bumm.

Das Scarlett Johannson offensichtlich keinen Bock hat und ihre Rolle nur durchtelefoniert, macht das nicht besser. Der Film ist so leer wie die Blicke der Protagonistin, während sie Oneliner aufsagt.

How to Sell Drugs online (fast), Staffel 3 [2021, Netflix]
Schüler Moritz hat Stress: Er steckt mitten im Abi, hat Knatsch mit seinem besten Freund, trauert seiner Verflossenen hinterher und hat einem Drogenring versprochen, einen sensationellen Onlineshop in neuer Version an den Start zu bringen. Leider will vue.JS nicht so wie er will, die Polizei ist ihm auf den Fersen und „die Holländer“ werden immer ungemütlicher. Moritz hat also allen Grund kleine Brötchen zu backen, dabei würde er doch so gerne mit seinem geheimen Doppelleben prahlen.

Dritte und vermutlich letzte Staffel über einen Schüler, der aus dem Kinderzimmer zum Drogenbaron Europas wird. In sechs Episoden kurzweilig und mit tollen Dialogen, die aus tollen Schauspieler fallen, zu einem runden Ende erzählt.


Spielen:

Metro Exodus [2018, PS4]
Im Jahr 2035: Drei Jahrzehnte nach einem Atomschlag über Russland verstecken sich die letzten Überlebenden in der Moskauer U-Bahn. Jede größere Metrostation hat eine eigene gesellschaftliche Ordnung, die einzelnen Linien bekriegen sich untereinander, alle zusammen wehren sich gegen mutierte Tiere. Die Oberfläche gilt als lebensfeindlich, der Rest der Welt als tot. Bis eines Tages der Soldat Artyom entdeckt, das dem nicht so ist. Gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe macht er sich in einer Dampflokomotive auf die Suche nach neuem Lebensraum.

Das ukrainische Entwicklungsstudio 4A Games hat aus den russischen „Metro“-Romanen einen Shooter gemacht und den in eine faszinierende, morbid-schöne Welt gepflanzt. Grafikassets, Artdesign, Lichtstimmungen, das steht alles westlichen Triple-A-Großproduktionen in nichts nach und schafft eine faszinierende Atmosphäre. Dazu kommt die interessante Idee mit dem Dampfzug, der Episoden in unterschiedlichen Gegenden möglich macht und als social Hub dient, um die anderen Figuren kennen zu lernen.

Hört sich super an, das Problem ist nur: Das macht alles überhaupt keinen Spaß. Die Story ist schlecht erzählt, überhastet und voller Lücken. Die Orientierung ist durch das Fehlen von Markern schwierig. Die Munition ist ständig aus. Die Shootermechaniken sind quirky. Stealth funktioniert schlecht.

Und: Die Charaktere labern einem bei jeder Gelegenheit ein Wurstbrot ans Ohr. „Metro“ ist das erste Spiel, von dem ich sagen würde, das es „overwritten“ ist. Schön, das man sich zu jedem Nebencharakter eine Backgroundstory ausgedacht hat. Aber warum müssen die mir das als Expositionsdump alles auf einmal und denkbar ungeschickt an den Kopf kotzen?

Beispiel: Wenn in einem Feuergefecht ein NPC ruft „Spring in das Auto“ und dann erstmal nostalgisch wird und anfängt verträumt zu erzählen, dass sein Großvater, damals, in Smolansk, auch so ein Auto hatte, mit dem er jeden Samstag auf den Markt gefahren ist um Birnen für Tante Marta zu kaufen und wie die Sitze im Sommer dufteten, dann ist das so unpassend, dass es die Immersion bricht.

Und so geht das bei jeder Kleinigkeit, alles ist overwritten und leidet unter schlechtem Pacing. Selbst über ein simples Feuerzeug erzählen die Charaktere einen Roman von Tolstoi. Dafür braucht man sie nicht mal ansprechen, manchmal quasseln NPCs auch von sich aus los und erzählen ungefragt ihre halbe Lebensgeschichte, gerne auch während eines Feuergefechts, bis man nur noch „Halt´s Maul“ schreien möchte.

Dealbreaker ist aber das schlecht balancierte uns lökerige Gameplay. Schon auf normalem Schwierigkeitsgrad steht man permanent ohne Munition da. Die liegt nämlich selten einfach in der Landschaft rum, jede Patrone will an einer Werkbank von Hand gefertigt werden. Da Rohmaterial knapp, die Tragekapazität begrenzt, die Werkbänke sehr selten und manche Gegner Bullettsponges sind, die auch mal mehrere Kopfschüsse einfach wegstecken, ist man häufig „out of ammo“ und stürzt sich mit den Fäusten in den Kampf.

Das geht so weit, dass man selbst in gescripteten Gefechten neben seinen dauerfeuernden Computerkollegen steht und praktisch nicht mitspielen kann, sondern nur traurig Klick-Klick macht und zuguckt.

Ich verstehe schon, was das Spiel möchte: Es will signalisieren, das Überleben ein Kampf ist gewaltfreies und heimliches Vorgehen belohnen, was in der Theorie auch nett ist, in der Praxis aber auch dort scheitert. Denn Schleichen ist kaum möglich, wenn einen Gegner auch im Dunkeln aus 100 Metern Entfernung ausmachen oder gescriptet Rudel mutierter Tiere oder Bossgegner auftauchen. Gerade auf letztere bereitet einen das Spiel nicht vor und sorgt nicht dafür, dass man eine Chance hat – und wenn man einmal ohne Munition einem mutierten Killerbären gegenübersteht, geht´s nicht mehr weiter.

Dass man mangels Missionsmarkern oft gar nicht weiß, wo man hin muss oder was man tun soll, macht das Ganze nicht besser.

Dem Spielspaß abträglich sind zudem die Ladezeiten. Bis die Welt initial geladen ist, dauert es auf der Standard PS4 fünfeinhalb(!) Minuten, das Laden eines Spielstands dann jedes mal rund zwei Minuten. Sowas geht nicht. (Auf der PS5 sind es initial 2 Minuten und beim Reload 30 Sekunden, immer noch viel aber erträglich).

So stolpert man planlos durch dunkle Levels und wird dabei von Monstern angegriffen, gegen die man sich nicht wehren kann, während gleichzeitig über Funk ein NPC gerade wieder von seinem schönsten Ferienerlebnis erzählt. Nach nach ständigem, plötzlichem und sehr schnellem Ableben wartet man dann minutenlang bis es weitergeht.

„Metro: Exodus“ ist atmosphärisch eine Wucht, aber es ist leider vom Gameplay so schlecht und narrativ so dumm, dass das in Summe eine Sperrigkeit ergibt, mit der ich nichts anfangen kann. Sicherlich können sich geduldigere Gamer damit anfreunden, denn wenn man das Spiel als Stealth mit ständigem Backtracking spielt und viel Zeit in Erkundung und das auswendig lernen der Macken investiert – dann ist „Metro“ sicher nett. Aber wenn man so viel Zeit in der Hand eines quirky Games verbringt, entwickelt man auch eine Art von Stockholm-Syndrom, und ich möchte mit einem simplen Game nicht so viel Zeit verbringen wie mit „Krieg und Frieden“.

Spider-Man: Miles Morales [2020, PS5]
Peter Parker macht Ferien, aber das bedeutet nicht, das New York ohne Spider-Man ist: Auch der Teenager Miles Morales wurde von einer Spinne gebissen und hat jetzt Superfähigkeiten. Die sind auch dringend nötig, denn ein sinisterer Energiekonzern und eine High-Tech-Anarcho-Gang bekriegen sich in den Straßen der Großstadt.

Das 2018er „Spider-Man“ für die PS4 war wegen seiner Gameplay-Mechaniken herausragend: Stealth und Freeflow-Combat funktionierten fast auf dem Niveau der „Arkham“-Spiele, und die Fortbewegung per Spinnennetz durch die Straßenschluchten machte auch nach dutzenden Spielstunden noch einen Heidenspaß. Diese Mechaniken sowie die Großstadt und viele andere Assets werden hier 1:1 recycled, weshalb sich „Miles Morales“ eher wie ein sehr großer DLC als ein eigenes Spiel anfühlt.

Eigenständige Ideen sucht man hier vergebens, aber immerhin ist die Umsetzung wieder schön gemacht, die Charaktere sind OK und die Story gewinnt zwar keinen Literaturpreis, geht aber in Ordnung. Auf der PS5 fällt auf, das es praktisch keine Ladezeiten gibt, die Stadt viel detaillierter ist und dank Raytracing auch hübscher aussieht als auf der alten Konsole.

Mass Effect [2007, PS5]
Die Menschheit fliegt zum Mars und findet dort ein seltsam Ding, das mittels eines „Masseneffekts“ überlichtschnelles Reisen ermöglicht. Fünfundzwanzig Jahre später haben die Menschen Kontakt zu einer Allianz aus dutzenden Spezies aufgenommen, die ebenfalls dank der überall verstreuten und uralten Artefakte das All erobert haben.

Die Menschen sind die „Neuen“ in diesem Weltenbund, müssen sich erst noch beweisen und werden auf skeptischer Distanz gehalten. Da ist es nicht verwunderlich, das erstmal kollektiv mit den Augen und Sehstielen gerollt wird, als ausgerechnet ein Mensch mit schier unglaublichen Nachrichten kommt: Innerhalb der Allianz soll es eine Verschwörung geben, die eine 50.000 Jahre alte Maschinenrasse wiederbeleben will. Beweise gibt es für diese ungeheuerliche Behauptung nicht, und so macht sich der Mensch allein auf die Suche nach den Hintergründen.

„Mass Effect“ als dreiteiliges Gesamtwerk ist ein Meilenstein der Erzählkunst, der immer wegen seines vergurkten Endes in schlechter Erinnerung bleiben wird. Aber bis zu diesem Ende zog sich eine fantastische Geschichte über drei Spiele hin, die ursprünglich für die XBOX 360 erschienenen sind. Nun liegt die Reihe in einer remasterten Version für aktuelle Konsolen und PCs vor, und der Überarbeiteten Version hätte zumindest in Bezug auf Teil 1 mehr Liebe gut getan.

Zwar gibt es signifikante Verbesserungen in der Optik und kleinere im Gameplay, aber richtig schlimme Dinge wurden nur kosmetisch behandelt und nicht grundlegend überarbeitet. So ist das Inventar immer noch ähnlich fummelig wie 2007, Physik und Steuerung des Bodenfahrzeugs „Mako“ sind nach wie vor ein ärgerlicher Witz und die automatische Deckung funktioniert nach wie vor eher selten – was für ein Spiel, das in seinen Actionsequenzen ein Deckungsshooter sein möchte, ziemlich schlecht ist.

Wäre nicht schlimm, denn groß ist „Mass Effect“ immer dann, wenn es um die Geschichte und Charaktere geht. Letztere sind zwar immer noch blockig animiert, sehen aber mit höher aufgelösten Texturen in den Gesprächssequenzen wenigstens besser aus. Nur: Auf der PS5 gibt es einen Bug, durch den, wenn die Konsole per HDMI an einem AV-Receiver mit 5.1/7.1-Lautsprechersetup hängt, Gesprächsdialoge aus den hinteren Boxen kommen. Das macht das Spiel unerträglich, und manche Gamer werden auch das Ende nie sehen.

Es gibt nämlich nach wie vor einen Bug, durch den sich das Game mitten im Endkampf (ich hasse Bosskämpfe!) reproduzierbar weghängt. Absturz! Auf einer Konsole! Durch einen Gamestopper-Bug, der SEIT VIERZEHN JAHREN BEKANNT IST!

So gut Mass Effect 1 also als große Sci-Fi-Geschichte immer noch ist, die remasterte Version ist lieblos und bestenfalls halb gar.


Machen:
Planen, für einen Moppedherbst.


Neues Spielzeug:
Eine Regenkombi. Wieder eine Stormchaser von FLM, aber dieses Mal als Einteiler.

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Momentaufnahme: Juli 2021 (1)

Herr Silencer im Juli 2021
Erstaunlich viel Medienkonsum dank schlechtem Wetter und neuem Spielzeug, deshalb der Rückblick auf den Monat in zwei Teilen. Das hier ist Teil 1.

Sprachbild des Monats:„Das war ein Feigenblatt, aus dem sich manche Leute Lorbeerkränze geflochten haben“

Wetter: Erstaunlich viel Regen, Temperaturen bis Monatsmitte Nachts 15, tags um 20 Grad. Mitte des Monats Sintflut in Westdeutschland.


Lesen:

Mitzi Irsaj: Nix mit Amore [2019, Kindle]
Wahre Geschichte: Ehrgeizige Studentin zieht zu ihrem Freund nach Italien. Dort angekommen zerbricht die Beziehung, und sie muss sich entscheiden: Allein Fuß fassen in dem fremden Land, oder zurück zu den Eltern? Sie entscheidet sich zu bleiben, und verzweifelt bald an der Sprache, italienischen Behörden, Parkgewohnheiten und Wohnungen ohne Fenster.

Originelle und erfrischender Bericht einer Auswandererin, der humorvoll die Hindernisse und Schwierigkeiten beim Aufbau eines neuen Lebens in einem anderen Land beschreibt. Locker zu lesende 128 Seiten Kulturclash, sehr kurzweilig.


Hören:


Sehen:

Veronica Mars: Spring Break Forever [2019, Joyn]
Veronica Mars arbeitet wieder als Privatdetektivin in der Küstenstadt Neptune, Kalifornien. Neben Fällen für reiche Klientinnen kümmert sie sich um ihren Vater, der fürchtet Demenzkrank zu sein. Als während der Spring Break-Partys Bombenexplosionen und mexikanische Killerkommandos für Chaos sorgen, ist es mit der Ruhe vorbei.

15 Jahre nach der dritten Staffel und 5 Jahre nach dem crowdfinanzierten und eher mittelmäßigem Kinofilm nun noch eine neue Staffel Veronic Mars – kann das gut gehen? Braucht es das?

Um es kurz zu machen: JA! Ich bin völlig begeistert von dieser Eigenproduktion des Streamingkanals Hulu. Die acht Episoden sind straff durchinszeniert und schaffen das, was der Kinofilm nicht hin bekam: Genau den richtigen Ton zu treffen, um den alten „Veronice Mars“-Zauber zurückzubringen und eine neue Geschichte spannend zu erzählen. Es ist eine Freude, der stoischen und oft einsilbigen, aber immer kompetenten Veronica beim Lösen der komplexen Fälle zuzusehen. Das die Serie eine deutlich feministische Botschaft hat, macht sie nur besser – das hier ist eine zeitgemäße und sehr spannende Krimiserie.

„Veronica Mars“ hat eine treue Fangemeinde, die mit der Serie erwachsen geworden sind. Das wissen die Macher und nutzen das auch. Die Serie war schon immer ernst und sogar düster, aber die neue Staffel bedient sogar Sehgewohnheiten, die von Serien wie „Breaking Bad“ oder „Sherlock“ oder Filmen wie „Saw“ abgehärtet sind.

Das Ergebnis ist überaus erwachsen, spannend, unterhaltsam, überraschend und emotional. Wer Ms. Mars früher schon mal gut fand, sollte hier auf jeden Fall reingucken.

Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes und Die Rückkehr des Dr. Phibes [1971/1972, DVD]
London, 1921: Mehrere Ärzte kommem unter seltsamen Umständen ums Leben. Einer wird in seinem Schlafzimmer von Fledermäusen ausgesaugt, ein anderer von einer todbringenden Froschmaske zerquetscht, wieder ein anderer wird inmitten seines Blutes gefunden – hübsch abgefüllt in Flaschen.

Tatsächlich ist es ein Rachefeldzug des genialen wie skrupellosen Dr. Phibes, der neun Ärzten die Schuld am Tod seiner Frau gibt und diese nun nach den alttestamentarischen Motiven der 10 Plagen ermordet. Scotland Yard kommt hinter das Geheimnis, kann Phibes aber nicht stoppen.

Fünf Jahre später reist Phibes nach Ägypten, um dort in einem Pharaonengrab seine geliebte Frau wieder zu beleben. Dabei kommt ihm eine Gruppe Briten in die Quere, die wiederum auf originelle Arten aus dem Leben scheiden.

Uh, was habe ich mich als Kind vor Dr. Phibes gegruselt! Aber wie befriedigend war es damals schon, auf welche geniale Weise er seine Pläne umsetzt! Retrospektiv sind die Filme immer noch der Wahnsinn. Das Art Deco-Design und die surreale Inszenierung haben nicht von ihrer verstörenden Kraft verloren.

So wird in den ersten 10 Minuten des ersten Filmes kein Wort gesprochen, minutenlange Tanz- und Orgeleinlagen schaffen eine morbide Atmosphäre und Vincent Price spielt teils nur über seine Augen – großartig! Das sich die Filme dabei nicht zu ernst nehmen, macht sie fast zeitlos. Das merkt man auch daran, dass sie Vorbild für spätere, erfolgreiche Filme waren. Mindestens „Sieben“ und alle „Saw“-Filme, aber auch die „Final Destination“-Filme sind deutlich durch „Phibes“ inspiriert.


Sörensen hat Angst [2020, ARD, Netflix]
Polizist Bjarne Mädel hat eine Angststörung. Um seine Ruhe zu haben, lässt er sich in ein Kaff nach Friesland versetzen. Da hat er aber sofort einen Mord am Hals.

Ich mag Bjarne Mädels irritiertes und irritierendes Spiel (Tatortreiniger, Stromberg) ja sehr, und da er diesen Film mit produziert und die Regie geführt hat, kommt das voll zum Tragen. Zusammen mit unprätentiös norddeutschem Flair in mild absurden Situationen hat der Film ab Minute eins einen spröden wie erfrischenden Charme.


Neues Spielzeug:
Eine PS5! Ein kleines Einzelhandelsgeschäft bei Passau hat das geschafft, was die großen Handelsketten nicht hinbekommen: Eine Warteliste für die rare Konsole zu führen. Über die konnte ich nun eine der wenigen ausgelieferten Konsolen bekommen. Leider nur als riesiges Bundle mit allen möglichen uninteressanten Spielen und Headset, aber der überflüssige Kram ist schon wieder auf Ebay verkauft.

Erster Eindruck: Die Konsole ist RIESIG, über 40 cm hoch, und wenn man sie horizontal aufstellt, sieht sie aus wie ein gelandetes Raumschiff. Außer HDMI und LAN gibt es keine Anschlüsse mehr. Betriebsgeräusche produziert sie praktisch keine. Die Benutzeroberfläche ist komplizierter als beim Vorgängermodell, nahezu jede Aktion benötigt mehr Klicks als auf der PS4. Liebgewonnene Funktionen wie Ordner, Medienserver und Webbrowser fehlen (noch).

Performance und Ladezeiten sind toll, und davon profitieren dank Abwärtskompatibilität auch PS4-Titel – „Metro Exodus“ lädt hier statt fünfeinhalb nur zwei Minuten.

Der Controller mit seinem haptischen Feedback ist der Wahnsinn. Was nervt: Die Lightshow von Steuer- und Statusanzeigen an Konsole und Controller, die sehr hell sind und sich nicht abschalten lassen.

Nicht gut ist das 3D-Pulse Headset, das wirkt billig und der 3D-Sound ist zwar präzise im Raum verortbar, aber mangels Bass wenig druckvoll.


Spielen:

Astros Playroom [2020 PS5]
Ein knuddeliger Roboter hüpft und springt durch das Innere der PS5 und sammelt Artefakte aus früheren Playstation-Zeiten.

„Astro“ liegt jeder PS5 bei und ist eigentlich ein Showcase für die Fähigkeiten des neuen Controllers. Der kann Dank Motoren den Widerstand der Triggertasten anpassen und taktiles Feedback geben, und zwar wesentlich genauer als die „vibriert oder vibriert nicht“-Funktionen früherer Generationen. Die Wirkung ist wirklich erstaunlich, man meint tatsächlich in der Hand die Beschaffenheit der Untergründe zu spüren, über die Astro läuft, von Metall bis hin zu Gras.

Das Game selbst ist ein knapp drei Stunden kurzes und sehr gelungenes 3D-Hüpfspiel, das liebevoll und niedlich inszeniert ist und einen zum Schmunzeln und Staunen bringt.

Ratchet & Clank: Rift Apart [2020, PS5]
Roboter Clank baut ein Gerät, mit dem man Risse in andere Dimensionen öffnen kann. Doof nur, dass das fast augenblicklich vom bösen Dr. Nefarious geklaut wird. Der stellt damit Unfug an und lässt die Dimensionen zersplittern. Clank und sein Kumpel, der Weltraumfuchs Ratchett, müssen versuchen den Schaden rückgängig zu machen.

Knallbunter 3D-Shooter, richtet sich an eine kindliche/jugendliche Zielgruppe. Hier sind die Bösen noch böse und sehen auch so aus, und da Armin Shimermann (Quark aus Deeps Space 9) die spricht, hören sie sich auch so an.

Technisch kracht es auf der PS5 so richtig, sowohl der neue Controller mit seinem taktilen Feedback als auch Grafik und das Speichermanagement werden gut eingesetzt. So wechselt man ohne Ladezeiten durch Dimensionsrisse von einem Level in den nächsten, und in großen Schlachten sind so viele detaillierte Objekte und Effekte auf dem Bildschirm, dass man fast die Übersicht verliert. Dabei läuft alles stets butterweich und ohne ins Stocken zu kommen. Ein schöner Launchtitel, der zeigt, wo bei der neuen Konsolengeneration die Reise hingeht.

Das Gameplay ist ok, nervig ist nur die ständige Munitionsknappheit. Klar, die soll dazu führen, dass man mit dem gesamten, skurrilen Waffenarsenal experimentieren muss – in dem sich so seltsame Dinge befinden wie eine Bombe, die Gegner in blühende Büsche verwandelt. Trotzdem nervt es, wenn man zum Ende hin mit einem Schraubenschlüssel auf den Bossgegner einschlagen muss, weil alle Kniften leer sind.


Machen:
Zweite Impfung, und planen für einen Moppedherbst.


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Corona-Tagebuch (33): Delta Force

Weltweit: 188.504.500 Infektionen, 4.060.516 Todesfälle
Deutschland: 3.747.072 Infektionen, 91.326 Todesfälle

492 Days Gone.

Ich lag falsch, und ich freue mich darüber.

Seit dem letzten Eintrag im Coronatagebuch sind schon wieder sechs Wochen vergangen. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan.

Die schlimmen Nachrichten zuerst: Durch exponentielle Ausbreitung ist die hoch ansteckende Deltavariante zur vorherrschenden Art geworden. Das Zeug ist so ansteckend, das es schon ausreicht, an einem Infizierten vorbei zu gehen um, sich anzustecken. Auch Geimpfte können sich infizieren – zwar gibt es weniger schwere Verläufe, aber andere Schädigungen können trotzdem auftreten… bis hin zu den Hirnschäden, die sog. Long-Covid-Symptome hervorrufen.

Da will es nicht so recht passen, dass Gastronomie und Innenstädte wieder proppenvoll sind und bei der EM bis zu 60.000 Zuschauer in einem Stadion hocken. Und tatsächlich prallen hier Ansteckungsraten der neuen Virusvariante und das Gefühl von „Pandemie muss vorbei sein“ so aufeinander, dass Inzidenzzahlen und R-Wert hochgehen, während gleichzeitig weiter gelockert werden soll.

Die Politik macht, wenn man so will, die gleichen Fehler wie im vergangenen Jahr. Und während andernorts schon wieder Länder zu Risikoregionen deklariert und alles geschlossen wird, fabuliert man in Deutschland noch von weiteren Öffnungen.

Impfstand und Durchseuchung

Immerhin, jetzt sind 47 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal geimpft. Das bedeutet: 42,6% der Bevölkerung haben zwei Impfungen erhalten, 15,9 Prozent eine Impfung, 41,5 Prozent sind nicht geimpft.

Unter den nicht Geimpften sind viele Kinder, für die die Impfung von der Stiko nicht empfohlen wird. Allerdings fordern Politiker, nach dem Sommerferien die Schulen regulär zu öffnen. Das kommt bei der Übertragungsrate von Delta einer gezielten Durchseuchung gleich. Geht man davon aus, dass 5 Prozent der infizierten Kinder langfristige und bleibende LongCovid-Schäden davonträgt und wir 10 Millionen Kinder unter 12 Jahre haben, dann sind das rund 500.000 Kinder, die man vorsätzlich schädigt.

Syptome

Die Symptome von Covid haben sich geändert, bei Delta sind die anders als beim Wildtyp. Der WDR hat das mal schön als Schaubild aufbereitet:

Wer also Symptome einer Erkältung an sich entdeckt, auch als geimpfter Mensch, sollte mal einen Test machen.

Ich lag falsch

Die Priorisierung ist weggefallen, und es gab keine Verteilungskämpfe. Im Gegenteil, es wird überall vermeldet es gäbe Impfstoff im Überfluss. Da lag ich falsch, und das ist gut. Es hat freilich nicht dazu geführt, dass man über das Impfportal des Lande im Impfzentrum der Stadt Göttingen schneller Termine bekommt. Das dauert nach wie vor sehr lange. Aber immerhin gibt es Impfstoff für die Zweitimpfung.

IchIchIch

Vergangene Woche hatte ich meine zweite Impfung mit Cominarty, dem Impfstoff von Biontech. Das Impfzentrum war quasi leer, was mich sehr gewundert hat – eigentlich hätten all diejenigen hier wieder auflaufen müssen, die mit mir zusammen die Erstimpfung bekommen haben. Damals stand die Schlange einmal um den Block, dieses Mal… nüscht. Sind die alle lieber in Urlaub gefahren als sich zum zweiten Mal impfen zu lassen?

Aufgeregt war ich auch dieses Mal wieder, ich denke ja immer ich hätte mich im Datum vertan oder ein Dokument vergessen oder sowas. Tatsächlich hatte ich alles dabei, nur waren zwischenzeitlich neuere Formulare ausgegeben worden, die es dann handschriftlich auszufüllen galt. Wer meine Handschrift kennt, kann sich den Spaß vorstellen.

Die zweite Impfung soll ja heftiger sein, deshalb hatte ich mir für den Tag danach nichts vorgenommen und war auf Kopfschmerzen und Müdigkeit eingestellt. Stattdessen: Wohnung aufgeräumt und geputzt, Aktenordner ausgemistet, Blogbeitrag verfasst, Beamerlampe gewechselt, Blumen beschnitten, Garage aufgeräumt. WAS SIND DENN DAS BITTE FÜR NEBENWIRKUNGEN?

Und auch im weiteren Verlauf: Keine unerwünschten Nebeneffekte.

Nach der Impfung war die Erstellung der Zertifikate über das Impfportal sehr einfach. An der Seite anmelden, Chargennummer und Name und Geburtsdatum eingeben, schon bekommt man einen QR Code, den man ausdrucken und im Handy in der Corona-Warn-App oder der App „CovPass“ speichern kann. Damit kommt man durch Kontrollen und vermeidet (noch) Quarantäne, wenn man das vorzeigen kann.

Wer beim Hausarzt geimpft wurde, kann u.U. nicht das Impfportal nutzen, aber zur Erstellung eines Zertifikats einfach mit dem Impfpass in eine Apotheke gehen und sich dort ein Zertifikat machen lassen.

Und nun?

„Vollständer Impfschutz in 10 Tagen“ sagt die App, und das ist gut. Wenn ich vollständig geimpft bin, werde ich das tun, von dem ich schon seit 18 Monaten fantasiere: Einen dicken Dönerteller essen.

Ansonsten werde ich mich weiterhin vorsichtig verhalten. Massenveranstaltungen, Dienstreisen, Bahnfahren oder große Treffen kommen weiterhin nicht in Frage, und auch Abstand halten und das Tragen der Maske werde ich weiterhin praktizieren.

Die Impfung bedeutet leider nicht das Ende der Pandemie, auch wenn ich mir das immer so vorgestellt hatte.

Ältere Einträge des Corona-Tagebuchs

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Frischluftlaternen

Eine der besseren Auswirkungen des pandemiebedingt eingeschränkten Soziallebens: Viele Leute haben angefangen sich Hobbies zu suchen, probieren Dinge aus oder interessieren sich einfach mal für Neues. Nicht selten führte das zu großen Mengen Bananenbrot, bei mir zu Petroleumlampen.

Keine Ahnung wann genau, aber irgendwann während der dritten Welle begann ich, Petroleumlampen schick zu finden. Ich meine diese klassischen Blechlaternen, die in meiner frühen Kindheit allgegenwärtig waren. Auf dem Dorf hatte JEDER so welche zu Hause, und teils wurden sie sogar noch bis Anfang der 80er als Baustellenbeleuchtung benutzt. Ich habe mich immer gewundert, warum in meiner Kindheit die Lampen an Baustellen nur schwach glommen, und das ist die Erklärung: Weil darin entweder ein Teelicht brannte oder ein Petroleumbrenner auf Sparflamme lief! Ernsthaft!

Petroleumlampen sehen fast alle aus wie oben auf dem Bild, und das ist das Modell 276 Baby Special des Herstellers Feuerhand. Die saßen ursprünglich mal seit 1880 als „Firma Nier“ im dunklen Erzgebirge und schraubten dort von ihnen erfundene Sturmlaternen zusammen.

Die Bauform war so erfolgreich, dass sie trotz Patents praktisch von jedem Hersteller kopiert wurde und bis heute hergestellt wird. Zum Millionenfachen Einsatz kommen diese Laternen noch überall dort, wo es keine oder nur eine lökerige Stromversorgung gibt – in großen Teilen Afrikas, etwa.

In Deutschland dienten die Laternen bis in die 80er Jahre neben der Baustellensicherung auch als Bestandteil der Katstrophenvorsorge. Die Bundeswehr hatte große Mengen davon in der „Beleuchtungskiste Standard“ eingelagert. Heute nimmt man Petroleumlaternen eigentlich nur noch als Notfall- oder als Gartenbeleuchtung. Genau für letzteren Zweck wollte ich so eine Latüchte haben, weil ich das warme, flackerfreie Licht mag.

So fing an mich damit zu beschäftigen, und stieß neben der Geschichte der Firma Feuerhand auch darauf, dass diese Lampen viel cleverer sind, als es auf den ersten Blick wirkt.

Eigentlich ist es ganz einfach: Unten ist ein Tank, in dem ist Petroleum. Kein Lampenduftöl oder sowas, sondern hochwertiges Petroleum, am Besten Paraffinöl. Das ist so rein, dass es kaum riecht, nicht rußt und der Docht nicht verschleißt.

In den Tank hängt ein Docht aus Baumwolle, der durch eine Halterung – den Brenner – in das hochhebelbare Lampenglas geführt ist. Dort ist er vor Wind geschützt und lässt sich über ein Rädchen in der Höhe verstellen. Je weiter der Docht rausgedreht ist, desto höher die Flamme und desto heller das Licht – je nach Einstellung zwischen 5 und 30 mal heller als eine Kerze.

Und nun kommt das Clevere: Damit trotz des Rundum-Schutzes Sauerstoff zur Verbrennung in das Glas kommt, gibt es eine Luftleitung, die von der Kappe an der Spitze über die seitlichen Ärmchen in den Tank und von dort in den Brenner führt. Gefördert wird das Ansaugen von Luft durch die aufsteigende warme Luft von der Flamme. Die Laterne saugt also oben Luft durch den Kamineffekt an und leitet sie nach unten, um die Verbrennung am Laufen zu halten. Durch dieses Zuführen frischer Luft heißen die Dinger auch „Frischluftlaternen“ oder „Kaltluftlaternen“.

Das wusste ich bis dahin nicht – ich hatte angenommen, die Ärmchen seien halt Deko oder so.

Der Tank einer normalen 276 Baby Special fasst etwas mehr als 300 ml Petroleum, das reicht für rund 20 Stunden Licht. Das ist recht lang, reichte aber z.B. nicht, um eine Baustellenbeleuchtung über ein Wochenende am Laufen zu halten. Aus diesem Grund gab es Sonderformen mit größeren Tanks, die für 70 oder sogar 120 Stunden Brenndauer reichten.

Das ist so eine „STK 70“, eine 276 mit einem zusätzlichen Windschutz („Sturmkappe“ oder eben abgekürzt STK) oben an der Luftzuführung und einem Tank für 1,1 Liter Petroleum. Ein Ebay-Kauf.

Doof nur: Als sie hier ankam, brannte sie nicht ordentlich und ging dauernd aus. Also mal auseinandergebaut, was schnell und ohne Werkzeug geht…

…und da haben wir den Übeltäter. Der Docht war nicht nur uralt und hart, er war auch abgebrannt und viel zu kurz.

Normalerweise verschleißen Dochte nicht, wenn ordentlicher Brennstoff verwendet wird, aber das hier ist auch definitiv nicht der richtige für eine STK 70.

Wegen des großen Tankinhalt muss der Docht länger sein, damit er bis zum Boden reicht. Zum Glück gibt es das Zeug als Meterware:

Das allein reicht aber nicht. Das Öl zieht ja durch den Kappilareffekt den Docht hoch, und das geht nur bis zu einer gewissen Höhe.

Damit die großen Sturmlaternen ihren Tank auch wirklich leerrüsseln können, braucht der Docht eine Saughilfe. Das kann einfach ein Streifen Filz sein, der an den Docht getackert wird und dabei hilft, die letzten Petroleumreste aufzusaugen und den Docht zu versorgen.

So, besser. Damit brennt die 276 wieder ordentlich und 70 Stunden lang.

Noch ein Reflektor oben druff, den Schmiedin Linda in ihrer kleinen Edelstahlmanufaktur gefertigt hat…

…und fertig ist das Gartenlicht, dass sich so hell stellen lässt, dass ich dabei sogar im Dunkeln lesen kann.

Ich freu mich über diese Antiquität. Definitiv besser als Bananenbrot.

Kategorien: Skurril, Spielzeug | 3 Kommentare

Ruby No. 5

Kurze Notiz mich selbst: Ab jetzt ist Ruby-Lampe Nr. 5 im Einsatz. Die letzte hat 21 Monate gehalten und in der Zeit 2.216 Betriebsstunden angesammelt.

Ja, der Röhrenfernseher steht immer noch hier rum. So kurz vor seinem 25. Geburtstag kann ich den einfach nicht wegwerfen…

Kategorien: Ganz Kurz | 2 Kommentare

Ich will nicht mehr duften

Neulich, vor der Pandemie: Ich sitze im ICE, neben mir eine junge Frau. Durch den Gang gockelt eine Teenagerin und zieht eine Spur aus Vanille-Gurken-Geruch hinter sich her, der in der Nase beißt. Vermutlich der Duft „Donut“ von irgendeiner Influencerin. Meine Sitznachbarin verzieht das Gesicht und meint: „Das war wohl früher nicht so heftig.“ Ich muss lächeln und denke: Du hast ja KEINE AHNUNG. Früher war die olfaktorische Belästigung schlimmer. VIEL schlimmer.

Bis Mitte der 80er stanken die Straßen stanken vor Abgasen, außerdem wurde überall geraucht – in Restaurants, Kneipen, zu Hause, im Zug. Um all diese Stinkerei zu überdecken, und weil es Mode war, benutzten die Frauen neben einem Deo auch Eau de Toilette oder Parfüm, die Männer Deo plus mindestes After Shave. Letzteres gerne mit Moschus, dass sind schwere, alles erstickende Gerüche.

Ich weiß noch, dass mein erstes Deo „City Man“ war, ein „Axe“-Abklatsch, weil ich die Verpackung toll fand. Als dann nicht nur die Schweißdrüsen, sondern auch der Bartwuchs seine Arbeit aufnahm, wurde „Tabac“ mein bevorzugtes After Shave.

Zum Glück ist der massenhafte Gebrauch von so vielen Düften stark zurückgegangen. Gerade als Mann noch Eau de Cologne oder After Shave oder gar Parfüm zu benutzen, das verbietet sich im Alltag. Das macht man einfach nicht mehr. Tatsächlich riecht man heute so wenig, dass es Ausreisser extrem auffallen – wie etwa der Teenager, der getan hat, was ihm die Werbung beigebracht hat: Dass man sich Deo MINUTENLANG unter jede Achsel sprühen muss, aus einem Meter Entfernung.

Mittlerweile will ich gar nicht mehr „duften“.

Wie bei so vielen Dingen war auch meine Entscheidung, nicht mehr nach künstlichen Düften riechen zu wollen, keine bewusste, sondern ein schleichender Prozess. Erst verzichtete ich auf After Shave, einfach weil es nicht mehr zeitgemäß war und ich den Duft eh´ über hatte. Dann wurden die Deos immer dezenter, weg vom krassen Billigdeo á la Axe und Konsorten, hin zu sanfteren Nivea Roll-Ons.

Auch die dezenten Düfte wurden mir irgendwann zu viel, also bin ich zu etwas gewechselt, das ich aus meiner Veganer-Studienzeit kannte: Deokristalle. Sie bestehen aus Aluminiumsalz und werden wie ein Roll-On verwendet.

Die Bezeichnung „Deo“ ist eigentlich falsch, die Kristalle sind Anti-transpiranzien und unterscheiden sich damit von normalen Deos, die den Köpergeruch durch Duftstoffe überdecken. Stinken tut ja nicht der Schweiß, sondern die Ausscheidungen der Bakterien auf unserer Haut, die den Schweiß verdauen.

Diese Bakterienpupse kann man nun entweder versuchen mit Duftstoffen zu überdecken, was die klassischen Deos tun, oder man verwendet ein Antitranspiranz, um das Schwitzen zu vermindern. Das tun diese Kristalle, die aus Alaun bestehen, das sind Aluminiumsalze in Kristallform. Dieses Aluminiumsalz verstopft, vereinfacht ausgedrückt, die Schweißporen. Kein Schweiß = Keine Baktierenpupse = Kein Schweißgeruch. Das funktioniert supergut, zumindest bei mir, und duftet halt überhaupt nicht.

Nun stand Aluminium zwischenzeitlich in dem Verdacht sich im Körper anzusammeln und Hirnschäden zu verursachen. Das wurde mitlerweile von höchster Stelle widerlegt, trotzdem habe ich eine Zeitlang auf Deokristalle verzichtet – zumal Schwitzen ja auch natürlich und notwendig ist und es vielleicht nicht so die ganz supergute Idee ist, die eigenen Schweißdrüsen dauerhaft lahm zu legen.

MaxED09 hatte mich auf ein Mittel aufmerksam gemacht, das ebenfalls keine Duftstoffe enthält, aber anders funktioniert. „Nuud“ ist eine Art Paste, die auf der Hautoberfläche ansetzt und dort die Ausbreitung der Schweißfressenden und pupsenden Bakterien verhindert. Das tut es mit einer Mischung aus Mandel- und Kokosöl und Silberpartikeln. Die Silberpartikel sind antibakteriell und nicht groß genug um in den Körper zu gelangen oder Poren zu verstopfen. Die Öle sorgen dafür, dass das Silber wirklich dort bleibt wo es wirken soll und auch mehrere Duschen übersteht.

Die Dosierung und der Wirkzeitraum ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei mir ist die Wirkzeit recht lang, ich muss pro Achsel nur ca. alle drei Tage eine linsengroße Menge auftragen. Der geringe Verbrauch ist auch gut so, denn eine kleine Tube von dem Zeugs kostet satte 13 Euro. Die hält bei mir zwar 7 Monate, aber so ein Nivea-Rollon für 3,99 Euro hält halt auch 9 Monate, und ein Deokristall für 10 Euro fällt eher runter und zerbricht, als das er aufgebraucht ist.

Abgesehen vom Preis ist der einzige Nachteil von „Nuud“ tatsächlich der Marketingbullshit. Vom unerträglich fröhlichen Newsletter über knallige Nullnummern Website inkl. esoterischer FAQ ist alles dabei, was in Agenturkreisen gerade hip ist.

Für völligen Quatsch halte ich die Info aus der FAQ, dass zu Beginn der Nuud-Benutzung der Körper „entgiften“ muss und man deshalb am Anfang der Nuud-Benutzung erstmal andere riecht als sonst. Richtig ist, dass – falls man vorher ein Deo mit Duftstoffen genutzt hat – man sich erst an deren Abwesenheit gewöhnen muss. Das die Nuud-Website dagegen davon fabuliert, dass erst die Poren des Körpers befreit werden und darin angestaute Giftstoffe in den ersten Wochen für einen stärkeren Körpergeruch sorgen, das halte ich schlicht für eine Erfindung. So funktioniert der menschliche Körper nicht.

Sei´s drum. Lange Rede, kurzer Sinn: Man muss heutzutage nicht mehr nach Parfüm, After Shave oder Deo duften, das sich die Nasen von Personen in der Nähe zusammenrollen. Man muss gar nicht mehr duften, ohne das man stinken muss. Und das ist ein großer Fortschritt, denn früher war eben nicht alles besser.

Kategorien: Meinung, Service | 19 Kommentare

Wahre Größe

Wie groß ist eigentlich… Griechenland? Dieses weitläufige, zerklüftete Sehnsuchtsland mit seinen endlosen Küsten?

Stellt sich raus: Lässt man mal die ganzen Inseln weg und zählt das Wasser zwischen denen nicht mit, ist die Festlandfläche von Griechenland mit 107.000 Quadratkilometern gerade mal so groß wie Niedersachsen (47.709), Mecklenburg-Vorpommern (23.295) und Nordrhein-Westfalen (34.112) zusammen.

Quelle: Truesizeof.com

Übertragen auf eine Deutschlandkarte wie oben ist eine Reise durch ganz Griechenland also nicht mehr als eine Fahrt von Nürtingen über Castrop-Rauxel nach Achim, von dort nach Rostock und zurück über Neustadt am Rübenberge nach Schwäbisch Hall. Ernüchternd.

Kategorien: Ganz Kurz, Motorrad, Reisen | 4 Kommentare

Momentaufnahme: Juni 2021

Herr Silencer im Juni 2021

Gefühl des Monats: Delta? ECHT JETZT? Hört das nie auf?!

Wetter: Monatsanfang Nachts immer noch einstellige Temperaturen, aber immerhin tagsüber Sonne und an 20 Grad. Ab der ersten Woche plötzlich schlagartig Temperaturen von 25 bis 35 Grad – vom Herbst direkt in den Hochsommer, was recht erschöpfend ist. Ab der vierten Woche dann plötzlich über Nacht wieder nur noch 12 bis 14 Grad und Wolken.


Lesen:

Erik Peters: Oman – Island
Erik Peters mag es zu reisen, und einige Jahre nach seiner ersten großen, aber motorradtechnisch gescheiterten, Reise von Köln nach Shanghai soll es nun von Oman am persischen Golf bis nach Island gehen.

Mit Kumpel Carsten reist Peters auf die arabische Halbinsel, aber dort nimmt das Ungemach schon seinen Lauf: Motorradpannen und Temperaturen um die 50 Grad machen die Reise zur Qual, Visaprobleme sorgen für tagelangen Arrest in Dubai und unwillige Fährschiffer verkrüppeln die Bikes. Später wird es nicht besser, zu technischen Problemen, vergessenen Papieren und einem Diebstahl kommen persönliche Dinge, die dazu führen, das Carsten irgendwann völlig derangiert ist und fast ums Leben kommt. Dass die beiden es dennoch bis nach Island schaffen, zeugt von einer enormen Zähigkeit.

Trotz all dieser Widrigkeiten beschreibt Erik Peters seine Reise als etwas, das vor kleinen, glücksseligen Momenten strotzt – etwa, wenn er im Iran einen leidenschaftlichen Moppedschrauber trifft, es in der Türkei ein kaltes Bier gibt oder wenn er auf den Azoren Papageientaucher entdeckt. Ein sehr spannendes, gut geschriebenes und nur stellenweise adjektivüberladenes Buch, das die Licht- und Schattenseiten einer Motorradfernreise genau beschreibt, dabei aber immer – anders als bei anderen Motorradreiseberichten – einen positiven Grundton beibehält.


Hören:


Sehen:

Clarksons Farm [Amazon Prime]
Jeremy Clarkson, der pöbelnde, ungehobelte, erzkonservative ehemalige Moderator von „Top Gear“ und „Grand Tour“, kauft sich eine Farm in den Cotswolds, im Südwesten Englands. Die will er selbst bewirtschaften. Das Problem ist nur: Der bekennende „Petrolhead“ hat zwar von Supersportwagen Ahnung, aber nicht von Landwirtschaft.

Man kann ja vieles über Jeremy Clarkson sagen, aber nicht, das er kein Gespür für Timing hat. Benzintriefende und Abgaslastige Automagazine im TV sind nicht mehr zeitgemäß, und Clarkson hat genau im richtigen Moment den Absprung geschafft. Nun steht er also in Gummistiefeln auf seiner Farm und versucht als Stadtmensch mit dem Landleben klarzukommen.

Ein Jahr lang begleitet ihn dabei die Kamera, von den ersten Versuchen Traktor zu fahren im Oktober 2019 bis zum Erntedankfest im September 2020. Dabei herausgekommen sind 8 kurze Episoden, in denen Clarkson sich unterschiedlichsten Herausforderungen gegenüber sieht – mal versinken Maschinen im Regen, mal versucht er Schafe mit einer Drohne zu hüten, mal vernichten Dürre und Käfer ganze Felder.

Anders als bei Clarksons Kollegen Richard Hammond, der in seiner Solo-Serie auf Amazon Prime nur dummen, geskripteten Quatsch macht, ist „Clarksons Farm“ auf berührende Weise authentisch. Es ist immer zu merken, dass Clarkson es Ernst meint mit diesem Projekt, und er sich wirklich Mühe gibt. The Struggle is real, und wird unterhaltsam durch die auftauchenden Nebencharaktere, bei denen Clarkson Hilfe sucht und die schon ziemliche Originale sind. Der unverständlich brabbelnde Gerald, der respektlose Traktorist Kaleb, die starke Schäferin Ellen und Clarkson Freundin Lisa sind die eigentlichen Stars der Show.

Besonders faszinierend ist aber, Clarkson bei einer Veränderung zu beobachten. Der großmäulige Egomane wird im Laufe des Jahres durch die harte Arbeit nicht nur dünner, sondern auch – demütig. Wenn Clarkson den Klimawandel auf dem eigenen Boden erlebt und begreift was das bedeutet, wenn er sich über Kleinigkeiten wie bunte Hühnerställe freut oder traurig ist, wenn ein Lamm stirbt, dem er auf die Welt geholfen hat – dann wirkt das echt, und der Clarkson am Ende der Serie ist ein bescheidenerer Mensch, dem man abnimmt, dass er begriffen hat, dass sich die Welt nicht nur um ihn dreht. Fast schon rührend das Fazit: „Es war das härteste Jahr meines Lebens, aber nie war ich glücklicher als hier“.

Zusammengefasst: Clarksons Farm ist das beste Stück TV-Unterhaltung, was sich seit sehr langer Zeit gesehen habe.

Luca [Disney+]
Italien in den 50er Jahren: Vor der ligurischen Küsten, tief im Meer, verstecken sich humanoide Meerwesen vor den Menschen an Land. Eines Tages gelangt der Meeresjunge Luca aus Versehen an Land und stellt fest, das er dort wie ein normaler Mensch aussieht – so lange er nicht mit Wasser in Berührung kommt. Die Welt der Landbewohner ist so faszinierend, das Luca von zu Hause ausreisst und sich mit dem an Land lebenden Meerjungen Alberto und dem Menschenmädchen Giulia anfreundet. Ihr größter Traum: Ein Mal eine Vespa fahren!

Feiner, unspektakulärer Coming-of-Age Film. „Unspektakulär“ ist hier aber positiv gemeint, denn Zeichentrickproduktionen neigen gelegentlich zu solcher Überdrehtheit, dass man ihnen Ritalin verpassen möchte. Das passiert hier nicht, „Luca“ hat ein sehr angenehmes Erzähltempo und lässt seinen Charakteren Raum, um sich zu entfalten. Außerdem ist „Luca“ ein überlanger Werbesport für Piaggio – ich hoffe, die haben das gut bezahlt.


Spielen:

Resident Evil 5 [PS4]
Irgendein weißer Muckimann wird in einem Kaff in Afrika abgesetzt, schlurft mit einer Knarre in der Hand durch die Gegend und knallt die schwarze Bevölkerung ab.

Das Spiel ist 2009 für die PS3 erschienen und wurde damals als sehr gutes Spiel bejubelt. Aus heutiger Sicht ist es erzählerisch und spielerisch eine Katastrophe. Es bedient die kulturell tief verwurzelte Xenophobie vieler Japaner auf denkbar unangenehmste Weise: Jeder Farbige im Spiel ist automatisch böse (bzw. mit einem Virus infiziert) und kann sofort erschossen werden. Das ist rundheraus rassistisch.

Spielerisch ist RE5 eine Katastrophe, weil hier eine Engine genommen wird, die ursprünglich für enge Räume und langsame Schleichbewegungen gemacht wurde, die aber hier für einen 3rd-Person-Shooter eingesetzt wird. Resultat: Die eigene Spielfigur steuert sich so lahm, als hätte sie Betonbrocken an den Füßen. Selbst in hektischen Bosskämpfen bewegt sich der angebliche Held gerade mal so schnell wie der Auszubildende beim Fliesenleger und schlufft gemütlich um das Monster herum.

Dazu kommt anderes Gedöns, das den Spielspaß verleidet: Zum Waffenwechsel muss man dann ins Inventar, was so fummelig ist, dass man während des Waffenwechsels tausend mal stirbt. Nachladen und gleichzeitig laufen ist undenkbar. Texturen sind matschig, die Grafik hässlich, Animationen blockig und das seltsame Buddy-System ist für zwei Spieler vielleicht interessant, für Solo-Abenteurer aber maximal irritierend. In der Summe: Resident Evil 5 ist Grütze aus der Hölle, die heute niemand mehr braucht.

Resident Evil 6 [PS4]
Der Muckimann aus Afrika kann jetzt etwas schneller laufen und strolcht erst durch diverse Schauplätze. Dann kommt ein egaler Lockenträger, der an exakt den gleichen Schauplätzen rumstrolcht und teils sogar den Muckimann beobachtet. Dann kommt eine Frau mit einem egalen Glatzkopf, die an den exakt gleichen Schauplätzen rumstrolchen und den Muckimann und den Lockenträger treffen. Dann komme eine egale Frau die…usw.

Kein Scherz: Resident Evil 6, das sind 4 Spiele, die die gleiche Story aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Immer wieder kreuzen sich die Handlungsstränge und die insgesamt 7 Spielcharaktere begegnen einander, helfen sich oder machen sich das Leben schwer. Mit jedem Handlungsstrang werden Lücken in der Geschichte geschlossen, und erst nach der 4. Kampagne ergibt alles einen Sinn. Das klingt erzählerisch superinteressant, dem entgegen steht leider eine unterkomplexe Geschichte, die diese Strukturen nicht zu tragen vermag.

Spielerisch ist das ermüdend, weil halt immer die gleichen Schauplätze vorkommen und Bosskämpfe (ich HASSE Bosskämpfe!) teils mehrfach bestanden werden müssen. Zumindest ist das Gameplay besser, anscheinend kommt eine Engine zum Einsatz, die nicht für langsame Bewegungen konzipiert war. Das macht es aber nicht besser, denn RE6 dreht alle Regler auf 11. Statt Horror- oder Gruselstimmung möchte das Game ein Shooter im Stile der frühen „Medal of Honor“ sein und verkommt darüber zu Actionschießbude. Dauernd explodieren Dinge, es gibt Verfolgungsjagden mit Autos, Motorrädern, Helikoptern und Flugzeugen, Die Monster sind gigantisch und die Helden fallen dauernd irgendwo runter, so das man kaum noch weiß wo oben und unten ist. Dazu kommen nervig-doofe Passagen, die man auch bis zu vier Mal spielen muss. Schön gemachte, aber seelenlose, inhaltsarme und repetitive Blockbusteraction mit einem schrägen Storykonzept.


Machen:
Warten, auf das Ende der Pandemie.


Neues Spielzeug:

Eine Lampe, eine Feuerhand Baby Special 276 STK 70 von 1965. Macht mit einer Tankfüllung 70 Stunden flackerfreies Licht, das wärmer und schöner ist als das von LEDs. Als ich gaaaanz klein war, hingen Lampen von Feuerhand, befeuert mit Öl oder Kerzen(!), noch als Beleuchtung an Baustellen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Corona-Tagebuch (32): Plötzlich ging´s doch ganz schnell

Weltweit: 172.226.125 Infektionen, 3.703.470 Todesfälle
Deutschland: 3.703.468 Infektionen, 89.026 Todesfälle

449 Days Gone.

Lage der Welt

Nicht so supi. In Afrika, Indien und UK drehen neuen Varianten wild und sorgen für mehr Infektionen. In Südamerika geht in den Kliniken der Sauerstoff aus.

Für die Mutanten gibt es jetzt Codenamen nach dem griechischen Alphabet, was sich leichter merken lässt als die kryptischen Zahlenkürzel und keine Diskrimierung auslöst, wenn die Mutante nach dem Land des ersten Auftauchen benannt wird. Die Namen sind nun:

  • Alpha: B.1.1.7, früher „britische Variante“, bekannt seit September 2020.
  • Beta: B.1.351, früher „südafrikanische Mutante“, bekannt seit Mai 2020.
  • Gamma: P.1, früher „brasilianische Variante“, bekannt seit November 2020.
  • Delta: B.1.617.2, früher „indische Variante“, bekannt seit Oktober 2020.

In Vietnam wurde gerade eine neue Variante entdeckt, die eine Mischung aus Alpha und Delta ist, die hat noch keinen Namen.

 

Lage der Nation

Das Bundesministerium handelt zunehmend populistisch und untergräbt damit ganz klar die Stellung der Ständigen Impfkommission und der wissenschaftlichen Berater:innen. So ist bspw. bekannt, dass Astra umso besser wirkt, je größer der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung ist. Empfohlen werden 12 Wochen. Das BMG verkürzt nun auf sechs Wochen, weil Jens Spahn der Meinung ist, die Leute wollten ja gerne in Urlaub fahren.

Zeitgleich wird verkündet, dass nun jeder und seine Mudder impfen dürften, also auch Betriebsärztinnen usw., und das ab dem 07.06.21 die Priorisierung fällt – dann darf jede und jeder ab 16 Jahren sich auf die Warteliste der Impfwilligen setzen lassen.

Ist ja generell alles nicht verkehrt, nur: Es gibt halt immer noch nicht in ausreichender Menge Impfstoff. Da nützt es nichts, wenn Betriebsärztinnen impfen dürfen, aber nicht können. Und die Wartelisten selbst sind gigantisch, mit beruflicher Indikation und im März angemeldet bedeutet, dass man in Niedersachsen jetzt so langsam für Mitte/Ende Juni einen Termin bekommt.

Aber hey, das kommt vermutlich bei den Leuten nicht an. Zumindest bei einem Teil der Leute kommt die als gute Nachrichten verpackte heiße Luft aus dem Hals von Jens Spahn als „Die Pandemie ist vorbei!!“ an. Anders sind die nächtlichen Massenparties in Innenstädten oder die Öffnung von Schulen oder Unis nicht zu erklären.

Immerhin, die Inzidenz sinkt immer weiter. Spahn gibt sich darüber völlig erstaunt, dabei haben genau das die Vertreter:innen von Zero-Covid bei einem R-Wert kleiner 0,7 vorhergesagt, und mit ein wenig politischen Willen hätte man genau diese niedrigen Ansteckungs- und Todesraten schon vor Wochen haben können. Aber das wollte man ja nicht. Weil: Wirtschaft.

Verteilungskampf

Der Wegfall der Priorisierung wird absehbar eine hausgemachte Denial of Service-Attacke auf die Impfportale auslösen. Und dann? Nehmen die internetaffinen Jüngeren den Älteren die Impfplätze weg? Werden Junge neidisch auf Ältere werden? Wohl kaum. Ältere stehen meist schon auf Wartelisten, die sind aber kilometerlang. Und der Neid wird vermutlich nicht in erster Linie zwischen Alterskohorten ausgetragen, sondern innerhalb einer Kohorte. Warum gibt es bereits jetzt geimpfte 16jährige, die nun mit Mama und Papa in Urlaub fliegen, fragen sich verblüffte Mitschüler:innen und sind zu Recht sauer auf das wirkende Vitamin B, wie die Vorsitzende der Schulsprechervereinigung im Radiointerview zu Protokoll gab.

IchIchIch

Vergangene Woche hatte ich mich an dieser Stelle noch über das unfassbar komplizierte Prozedere beklagt, das man in Niedersachsen jedes mal durchlaufen muss um überhaupt nur zu erfahren, ob es freie Termin im Impfzentrum gibt. Am selben Tag geschah das Wunder: Eine Kollegin gab mir Bescheid, dass in einem privaten(!) Onlineportal gerade freie Plätze für das Göttinger Impfzentrum angezeigt wurden – und ich konnte einen davon ergattern! Und zwar nicht für irgendwann im August, sondern für Übermorgen!

Am vergangenen Samstag bin ich also zum Impfzentrum getöffelt, das hier mitten in einem Industriegebiet liegt. Ich bin eineinhalb Stunden vorher losgefahren – den wichtigsten Termin meines Lebens wollte ich nicht wegen eines zickigen Autos oder überlanger Parkplatzsuche verpassen. Das ich dann eine Stunde vor Termin da war, stellte sich als perfektes Timing heraus – die Warteschlange stand nämlich einmal um den Block herum, und es dauerte schon eine Stunde, bis ich überhaupt einen Fuß in die heiligen Hallen setzen konnte.

Dort war dann alles perfekt organisiert, alle sehr freundlich und der Ablauf zügig. Weil ich alle nötigen Dokumente, wie Einwilligungserklärung und Anamnsebogen, schon ausgefüllt mitgebracht hatte, war ich schon 30 Minuten später dran und eine Beobachtungsviertelstunde später konnte ich das Impfzentrum wieder verlassen. Ich habe tatsächlich eine Injektion mit Comirnaty zugeteilt bekommen, dem Impfstoff von BionTech/Pfizer, aber es gab auch Astra Zeneca und Moderna.

Ungewünschte Effekte gab es bei mir keine, sieht man von Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle am ersten Tag und gelegentlich ultrakurz aufblitzenden, stechenden Kopfschmerzen am 5. Tag ab (aber die können auch vom schwülen Wetter gekommen sein).

Übrigens stellte sich im Nachgang raus: Statt der üblichen maximal 900 Impfungen pro Tag hatte das Impfzentrum an diesem Samstag fast doppelt so viele durchgeführt, weil gerade eine dicke Lieferung Impfstoff gekommen war – ein weiterer Beleg dafür, dass die Infrastruktur zur Verimpfung durchaus vorhanden ist, es fehlt nur an Material.

Umfeld

Diese Woche haben tatsächlich alle meine Kolleg:innen einen Termin für eine Impfung bekommen. Aber: So gut wie nie auf einem regulären Weg. Vorgedrängelt haben wir uns aber auch nicht.

Drei von uns haben über das private Portal „Impfsuche.de“ von freien Plätzen in unserer Nähe erfahren und dank der vorher im Firmenchat kommunizierten Anleitung und Druck der Kolleg:innen einen Platz bekommen. Zwei hatten das Glück bei einem Hausarzt zu sein, der unerwartet viel Stoff bekommen hat, aber auf Fortbildung musste. Der hat dann einfach jeden geimpft der zur Tür rein kam. Und der Rest kam tatsächlich bei Hausärztinnen regulär unter oder stand aufgrund besonderer Indikation schon seit drei Monaten auf Prioritätslisten und hat nun Termine für Mitte/Ende Juni bekommen.

Meine Leute haben damit sicher ihre Termine, und das erleichtert mich ungemein und eröffnet Perspektiven. Auch, wenn der Ausnahmezustand erst in drei Monaten so langsam ausschleicht.

So kann´s gehen. Eben dachte ich noch, es bewegt sich gar nichts, und nun ist binnen einer Woche alles anders. Positive Überraschungen sind zur Abwechslung auch mal etwas schönes.

Ältere Einträge des Corona-Tagebuchs

Kategorien: Corona-Tagebuch | 3 Kommentare

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