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Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Corona-Tagebuch (23): Rezos Zerstörung der Idioten

Weltweit: 58.900.313 Infektionen, 1.392.213 Todesfälle
Deutschland: 944.984 Infektionen, 14.258 Todesfälle

Tag 255 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Der Lockdown Light bringt´s nicht, die Fallzahlen steigen weiter (obwohl weniger getestet wird), die Todeszahlen auch. Aber noch immer will niemand Schulen schließen. Stattdessen sollen private Kontakte weiter eingeschränkt werden, so ein Vorschlag der Länder. „Welche privaten Kontakte“, fragt da jetzt so mancher mit einem bitteren Unterton, denn die Allermeisten von uns haben sich seit März nicht mehr mit Freunden getroffen, sind Essen oder ins Theater gegangen.

Die Hauptgründe für die steigenden Fall- und Todeszahlen dürften zwei Dinge sein: Offene Schulen und Superspreaderevents, bei denen viele Menschen zusammen kommen und dort rasend schnell das Virus von einem zum anderen verbreiten. Moment mal, Großveranstaltungen? Die gibt´s doch gar nicht mehr?

Doch, in Form von Demos. Es gibt Menschen, die gegen den Corona-Virus auf die Straßen gehen. Das ist ein bunt gemischter Haufen: Manche beklagen die Grundrechtseingriffe, manche sind so in ihrer Existenz bedroht, das sie vor Angst auf die Straße gehen. So weit, so verständlich. Was dann weniger verständlich ist, ist, dass diese Menschen Demos zusammen mit Esoterikern und Verschwörungsgläubigen machen, die behaupten es gäbe Corona gar nicht, das sei eine Erfindung der Regierung, um einer „Elite“ zu ermöglichen bei Zwangsimpfungen 5G-Chips in die Hirne der Menschen zu spritzen, damit die BRD GmbH… Naja, undsoweiter.

Anfangs wurden diese Leute als „Covidioten“ tituliert, mittlerweile wird es aber gefährlich. Denn stramm rechte und Neonazis organisieren und vernetzen unter dem Titel „Querdenken“, melden Demos an und verbreiten die Märchen, dass man sich hier „im Widerstand“ gegen „das Regime“ befinde. Das treibt absonderliche Blüten, wie am Wochenende schön zu beobachten war. Da stellte sich „die Jana aus Kassel“ bei einer „Querdenken“-Demo am Wochenende in Hannover auf eine Bühne und verkündete, sie fühle sich wie Sophie Scholl, weil sie auch im Widerstand sei und Flugblätter verteilt.

An Jana aus Kassel sieht man zwei Dinge sehr schön:

  1. An Schulbildung sparen rächt sich gesamtgesellschaftlich, immer.

  2. Wie Gunnar Lott so schön schreibt: „Die Janas dieser Welt sind so wohlstandsverwahrlost, dass sie etwas brauchen, was nur Verschwörungstheoretiker und Nazis bieten, dieses einfache Absolution „Du kannst weiter egoistisch sein, musst Dicg um nichts kümmern, musst keine Solidarität zeigen, aber trotzdem sind alle anderen Schuld an allem. Es gibt keine christliche und auch keine linke Erzählung, die es dem Rezipienten ähnlich einfach macht. Religionen und humanistische Bewegungen fangen nämlich immer beim „Ich“ an, bei der Eigenverantwortung.“

So kommt es, das wohlstandverwahrloste (dieses Wort!) Janas Seite an Seite mit Nazis, Rechten, Spinnern und Leuten mit viel Angst zusammen und natürlich ohne Masken oder Abstand durch deutsche Innenstädte marodieren. Das Konzept der Polizei bislang: Hartes Vorgehen mit Wasserwerfern – aber nur gegen die Gegendemonstranten. Die Corona-Nazis haben nämlich Kinder als Schutzschilde dabei, während die Menschen, die gegen die Coronaleugner aufstehen, weggekärchert werden.

Warum DAS ein Problem ist und bedeutet, hat Rezo sehr schön in seinem neuestem Video aufgearbeitet. Das sind 18 Minuten die sich lohnen, und natürlich ist wieder jeder Satz mit Quellen belegt.

Zum Schluss noch was Lustiges: Das hier hatte ich heute im Briefkasten. Lustige Printpublikationen bringt die Pandemie hervor.

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Reisetagebuch Motorradtour (4): Die Knochenkirche

Dienstag, 30. Juni 2020, Jablonec

„Hallo?“
Ich tappe durch das Halbdunkel im Kellergeschoss der Pension in Jablonec.

„Halloooo?“, frage ich noch einmal vorsichtig. Ich sehe mich um. Das hier ist ein großer Raum, der für Hochzeiten und andere Feiern genutzt wird. Praktisch ein großes Restaurant, mit einer Ecke für Buffets und einem weiten Raum mit Vierertischen. Hier passen bestimmt 50 bis 60 Personen rein. Eine große Fensterfront bietet eine fantastische Aussicht über den ganzen Ort Gablonz.

„Hallo!“, kommt es aus einer Ecke hinter dem Tresen der Bar, dann taucht ein Kopf auf.

Petr hantiert an einer Kaffeemaschine herum, die er konzentriert anstarrt. Ich sehe ihm einen Augenblick dabei zu und komme mir irgendwie fehl am Platz vor. „Ich habe gut geschlafen“, sage ich dann, weil ich nicht weiß was ich sonst sagen soll.
„Freut mich“, sagt Petr ohne aufzusehen und hantiert weiter.

„Wo kann ich mich denn mal hinsetzen?“ frage ich. „Da“, sagt Petr und zeigt ohne hinzusehen in Richtung eines Tisches am Fenster, auf dem eine Kaffeetasse steht, aber sonst nichts.

Um den Tisch herum sind Buffettwagen, aber alle sind leer und abgedeckt. Ob´s wohl Frühstück gibt?

Ich blicke aus dem Fenster und genieße den Blick über Gablonz. Keine Spur mehr vom Regen, der die ganze Nacht gepladdert hat, stattdessen blauer Himmel und ein paar Schäfchenwölkchen. Am Hang vor dem Fenster guckt ein Reh aus den Büschen. Als ich die Kamera bereit habe, ist es aber schon wieder weg.

„So, bitte“, sagt Petr, stellt einen Krug voller Gestrüpp auf den Tisch und gießt heißes Wasser darüber. Ich schnuppere. „Frische Minze aus dem eigenen Garten?“, frage ich. „Genau!“, sagt Petr und verschwindet. Und kommt nicht mehr wieder. Ich höre ihn irgendwas schneiden und brutzeln, aber für mehr als 20 Minuten ward er nicht mehr gesehen.


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Corona-Tagebuch (22): Föderalismus, du dumme Nuss

Weltweit: 55.736.846 Infektionen, 1.390.900 Todesfälle
Deutschland: 843.757 Infektionen, 13.159 Todesfälle

Tag 251 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Ganz zu Beginn der Pandemie hörte ich im Radio die Ansage eines Epidemiologen, dass Schulen die Orte seien, die die Ausbreitung von Krankheiten massiv beschleunigen und vorantreiben. Das klingt logisch und kann jeder bestätigen, der selbst Kinder in Kitas oder Schule hat. Die Lütten sind immer alle kollektiv verrotzt, haben gemeinsam Läuse oder Magen-Darm. Deshalb war es auch Folgerichtig, dass im Frühjahr die Schulen geschlossen wurden, um the curve zu flatten.

Für diese effiziente Maßnahme haben einige Landespolitiker aber wohl so dermaßen Schelte bezogen, dass sie sich das nun nicht mehr trauen. Der „Lockdown Light“ heißt ja auch deshalb so, weil Schulen und Geschäfte weiterhin geöffnet sind.

Bringen tut er freilich wenig. Zwar sind die Rate der Neuansteckungen nicht mehr exponentiell, aber krass linear und die Intensivstationen fast voll. Der Bundeskanzler Frau Merkel drängt auf strengere Maßnahmen, aber die Landeschefs mauern, fühlen sich vom Kanzleramt überrumpelt und wollen lieber, äh, irgendwas anderes machen. Förderalismus is a bitch.

Das sind übrigens dieselben Bundesländer, die – so weiß ich aus dem eigenen Bekanntenkreis, in dem sich auch Schulleiter tummeln – alle Vorschläge für Hybridunterricht, Klassenteilungen und schichtweisen Unterricht, die die Schulen über den Sommer erarbeitet haben und im Herbst umsetzen wollten, schlicht abgelehnt haben. Weil: Lüften reicht ja. Arbeitsverweigerung bis zur Verantwortungslosigkeit.

Wie es weitergeht, sieht man schon in Österreich und der Schweiz. Horrende Todeszahlen, Triage, harter Lockdown. Also das, was uns in Deutschland in Kürze auch bevorsteht.

Good News, everyone!

Sieht aus, als wären nicht nur ein, sondern zwei wirksame Impfstoffe gefunden worden. Bis das bestätigt ist, ggf. der Kram ausreichend produziert und alle geimpft worden sind, wird es vermutlich Ende 2021. Aber immerhin.

Ausland

Alles erbärmlich: In den USA weigert sich der abgewählte Trump auch wirklich abzutreten und konzentriert alle Energie darauf, die Wahl juristisch zu kippen. Gegen die Pandemie macht seine Regierung genau nüscht und sagt das auch so. Der neu gewählte Präsident kann aber noch keine Planung für seine Anti-Corona-Maßnahmen aufstellen, weil Trump ihm Zugang zu Infos verweigert.

Derweil, in Europa, dachte die Leyen-Kommission allen Ernstes es sei voll clever, die Abstimmung über den Haushalt der kommenden sieben Jahre plus 1,8 Billionen Corona-Hilfen an die Einhaltung von rechtstaatlichen Grundregeln zu knüpfen. Ja, nee, sagen da Polen und Ungarn und nun sind alle fürchterlich überrascht und im Krisenmodus. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Diktator Orban und die traurige, alte Kartoffel Kacynski machen immer genau das, was sie vorher ansagen. Rechtsstaatlichkeit bedeutet freie Presse und unabhängige Justiz, und das können sie nicht brauchen. Das man ihnen dann nicht zutraut gegen Hilfen zu stimmen, von denen beide Länder massiv profitieren, ist naiv. Denn egal was die beiden tun: Sie profitieren immer davon, im Zweifel durch eine Opferhaltung und indem sie die EU als böse darstellen. Und während die Ost-Könige weiter ihre Demokratien zerstören, gehen die südeuropäischen Länder vor die Hunde, die die Hilfen dringend bräuchten.

Gelacht

Laut gelacht habe ich, als ich das hier im Edeka um die Ecke sah: Hamstern von Klopapier wird bestraft, die Einnahmen aus den Strafzahlungen an die Tafeln gespendet. Sehr gut!

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Reisetagebuch Motorradtour (3): Ich lohn´ mich einfach nicht

Montag, 29. Juni 2020
Pension Kapellenstein am Knochen, Sachsen

Noch im Halbschlaf packe ich die Koffer. Wie das geht und was wo hingehört damit am Ende alles perfekt ausbalanciert ist, darüber muss ich gar nicht nachdenken. Obwohl ich jetzt länger als ein Jahr nicht mehr auf Tour war, erinnert sich der Körper noch genau an jede Bewegung. Ich trete auf die Terrasse der Pension, zirkele mit den Koffern in den Händen um die Au0enbestuhlung und gehe die Stufen zum Motorrad hinunter.

Jeder Handgriff um die Koffer anzubringen und zu sichern sitzt noch, jeder prüfende Blick erfolgt automatisch. Es hat die ganze Nacht geregnet, die Maschine ist nass.

Mit einem kleinen Mikrofaserhandtuch aus dem Topcase reibe ich Sattel und Instrumente trocken. Uh, kühl ist es. 14 Grad ist für Juni mal nicht viel.

Ach, eine Sache mehr als sonst haben wir noch. In einer der vorderen Bremsscheiben der Suzuki steckt ein Bremsscheibenschloss. Das benutze ich sehr selten, aber gestern Abend erschien es mir für den Ort hier angemessen. Wie auch immer, es sollte besser ab, sonst fährt die Maschine keinen Meter.

Ich stecke den Schlüssel in das aufbohrsichere Schloss und drehe ihn herum. Einmal. Nochmal. Ich ziehe ihn wieder raus, gucke ihn verwundert an, stecke ihn wieder rein und drehe ihn wieder.

Keinerlei Widerstand.

Der Schlüssel greift nicht.

Ab diesem Moment bin ich hellwach, als ich begreife, dass ich mein Motorrad nicht von der Stelle bekommen werde. Der Schlüssel dreht leer im Zylinder, aber das Schloss geht nicht auf. Wieder ziehe ich ihn raus, stecke ihn wieder rein, wackele daran herum. Nichts. Er greift nicht. Ich sehe mich schon Frau Gastwirtin bitten, einen Handwerker mit einer Flex zu bestellen.

Ich benutze das Bremsscheibenschloss sonst nie, warum habe ich das gestern Abend überhaupt angebracht? Ist doch gottverlassen hier im Erzgebirge. Ich fluche und drehe und stochere und dann rutscht der Schlüssel noch einen Millimeter tiefer hinein und das Scheißding geht endlich auf. Meine Fresse. Das Teil werde ich nicht wieder benutzen.

Unter einem bleigrauen, regenschweren Himmel geht es durchs Erzgebirge. Die Suzuki rollt über schmale Landstraßen und pöttert durch kleine Dörfer, oft nicht mehr als eine handvoll Häuser, in denen das Leben anscheinend von Weihnachten geprägt ist: In jedem Ort gibt es mindestens einen Betrieb, der Räuchermännchen oder Schwibbögen herstellt. Wundert mich nicht, seitdem ich weiß das der Kram sogar auf echten, deutschen Weihnachtsmärkten in Japan verkauft wird. Von hier aus wird deutsches Weihnachten in die Welt exportiert! In manchen Dörfern duftet es sogar ganz intensiv nach Räucherkerzen.

Roadside attraction ist ein Räuchermännchenmuseum, vor dem der zweitgrößte Räucherkegel qualmt, den ich je gesehen habe.


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London ist…

„The way we see it, London is just one massive money-laundering scheme attached to an impressive public transport system and a few museums, of which even the most honest has more stolen goods than a lock-up garage in Worcester rented by a guy I know called Chalky.“

Schönes Zitat aus „The Constant Rabbit“ von Jasper Fforde. Mehr schöne Zitate auf der Seite oben unter „Zitate“.

(So wie wir das sehen ist London nur eine Große Geldwaschanlage mit angeschlossenem ÖPNV und einigen Museen, von denen selbst die ehrlichsten auf mehr gestohlener Ware sitzen als dieser eine Typ den ich kenne namens Chalky“ )

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Wie ich einst Englisch lernte

„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“
„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“

Beim Aufräumen hinter der ersten Reihe Bücher meine alten Musik-CDs gefunden. Jetzt sitze ich schon das ganze Wochenende daran, eine Scheibe nach der anderen in den letzten Rechner zu stopfen, der hier noch ein optisches Laufwerk hat.

Immer die gleichen Handgriffe. CD in die Lade, WushWush, Rechner holt sich Titelinformationen und rippt Brrrrrhhh, Programm meldet Vollzug Piong! und wieder von vorn.

Die Musik geht direkt in den Wohnzimmerserver, von wo aus sie dann überall – auch über das Internet – zur Verfügung steht. Willkommen in der Zukunft.

Der Großteil meiner CDs stammt aus den Neunzigern. Davor gab es für mich keine CDs, danach habe ich nicht mehr viel gekauft.

Beim Durchschauen musste ich schon manchmal sehr schmunzeln. In der Sammlung finden sich frühe Sampler-Perlen wie die „Teenage Mutant Ninja Turtles Power Hits“ oder „Max Headroom Dance Compilation“, Verirrungen wie Shanks & Bigfoots „Sweet like Chocolate“ oder Puff Daddys „Come withe me“, aber auch Raritäten wie das Duett von Bono und Frank Sinatra mit „Under my Skin“.

Der Anzahl der Alben nach bin ich Tori Amos, Alanis Morisette und Sheryl Crow lange Zeit treu geblieben, zumindest so lange bis die entweder verrückt oder langweilig geworden sind.

Einen besonderen Platz in meinem Herzen wird immer Roxette haben. Nicht nur, weil Marie Fredriksson das Rolemodel einer starken Frau und nebenbei das heißeste war, was die 80er zu bieten hatten, sondern auch, weil ich ausgerechnet mit den strunzdummen Texten von Per Gessle Englisch gelernt habe.

Hatte ich fast vergessen, aber zwischen zwei Piongs fiel das da oben aus einer CD-Hülle: Ein Liedzettel aus der Bravo. Und die Erinnerung kam wieder: Ich habe tatsächlich langweilige Erkdundestunden und Freizeit investiert, um die englischen Texte ins Deutsche zu übersetzen, um dann mit den Übersetzungen die die Bravo damals noch abdruckte zu vergleichen ob ich richtig lag. Darüber, und über englische Computerspiele, habe ich meinen Englischen Wortschatz aufgebaut.

Genutzt hat das in der Schule freilich erstmal recht wenig. Meine erste Englischlehrerin auf dem Gymnasium mochte mich so dermaßen nicht, dass sie mir in Klassenarbeiten Vokabeln, die nicht offiziell im Lehrmaterial vorkamen, als Fehler anstrich und mir so eine Unterwertung nach der nächsten reindonnerte. Oh, what a joyride. Piong!

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Reisetagebuch Motorradtour (2): Ostwärts


Statt langer Sommerreise in ferne Länder nur eine Fahrt durch den Osten. Immerhin wird es eine Woche durch Erz- und Riesengebirge gehen und haufenweise Leichen meinen Weg pflastern.

Sonntag, 28. Juni 2020

Ich halte es nicht mehr aus.
Ich muss hier raus, ich muss hier weg. Mit dem Motorrad auf die Straße und weg, weg, weg, am Besten irgendwo hin wo alles anders ist als hier. Wind um die Nase, Asphalt unter den Reifen und was anderes sehen, aber bitte keine Menschen.

Die kurze Fahrt nach Weimar ist zwei Wochen her, aber zwei Tage in Thüringen und anschließend drei Tage Rumgammelei zu Hause, das reicht nicht, um den Stress des Jahres aus dem Kopf zu kriegen.

Das vergangene Jahr im Job war schon heftig, aber seit März ist die Arbeitsbelastung nochmal förmlich explodiert. Während fast alle Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice waren und dort versuchten Arbeit, Pandemie und Kinder irgendwie unter einen Hut zu kriegen, habe ich im Firmengebäude die Stellung gehalten.

Teils war ich tagelang alleine auf einer ganzen Etage in der Firma, außer mir nur ein bis zwei Personen im ganzen Haus. Das Telefon am Ohr bin ich durch die leeren Büros gewandert. Alles koordinieren, organisieren, den Laden irgendwie zusammenhalten, telefonieren, telefonieren, telefonieren, weil die Kollegen zu Hause halt nicht anrufbar waren. Teils alle 10 Minuten ein anderes Gespräch, andere Menschen, in anderen Notlagen, die Notwendigkeit anders auf die Leute einzugehen, eine endlose Abfolge von Zuhören, Erklären, Anweisen, Weitergeben.

Mein offizieller Rekord liegt jetzt bei 13 Stunden am Tag Dauersabbeln, zwischendurch war an solchen Marathontagen sogar der Akku des DECT-Telefons leer, genauso wie mein eigener. In den kommenden Wochen, das ist absehbar, wird die Arbeitslast NOCH größer. Wenn ich also noch eine Auszeit nehmen will, dann jetzt.

Deshalb mache ich noch eine Woche Urlaub und tue das, was mir dabei hilft, den Kopf frei zu kriegen: Wegfahren, was anderes sehen.

In der Garage steht die ZZR 600 startbereit, aber nach kurzer Rücksprache mit Leuten die wissen, wie im Osten die Straßen aktuell sind, nehme ich heute doch lieber die andere Maschine. Das Sportfahrwerk der Renaissance würde mir im Osten keine Freude machen.

Neben der Kawasaki steht die Barocca, die schwarze Suzuki DL 650 V-Strom, mein Motorrad für Fernreisen. Die Maschine ist perfekt durchgewartet und hat nagelneue Reifen drauf. Von denen ist nicht mal der Glitschmodder komplett runter, so wenig bin ich seit Oktober letzten Jahres gefahren.

Unsere große Reise dieses Jahr ist wegen Corona ausgefallen, nun geht es also gemeinsam auf eine kurze Tour. Die Suzuki trägt nur die kleinen Givi-Koffer. 36 Liter auf jeder Seite, dazu ein Topcase und einen Neuzugang: Eine kleine Tasche auf dem Soziasitz, in der die Regenkombi verstaut ist.

Ich schiebe die Maschine aus der Garage und verriegele das Tor, dann wuchte ich mich in den Sattel und versuche die V-Strom auf der abschüssige Straße vom Seitenständer zu heben. Scheiße, ist die hoch.

Für meine 1,70 Meter Körpergröße hatte ich die große Maschine 2017 tieferlegen lassen. Das hat allerdings die Fahreigenschaften so negativ beeinflusst, dass im vergangenen Herbst die Tieferlegung wieder ausgebaut wurde. Seitdem bin ich die Barocca praktisch nicht mehr gefahren und muss mich an die neue Höhe erst einmal gewöhnen.

Unter lautem Ächzen habe ich die Kiste dann irgendwann vom Seitenständer. Meine Fresse, was bin ich unfit. Coronabedingt zu wenig Bewegung, fühlt sich an, als ob ich kaum noch Muskeln habe. Egal, los jetzt.

Ich drücke den Starter, rolle die Straße runter und bin weg.

Kurz darauf fängt es ein wenig an zu regnen, aber das ist mir egal. Ich bin einfach nur glücklich, endlich wieder unterwegs sein zu können. Mein Gott, wie hat mir das gefehlt. Der Kurztrip neulich nach Weimar war nett, aber keine Erholung. Ständig habe ich an die Arbeit gedacht und Gedanken gewälzt. Ich bin anscheinend nicht der Typ für Balkonien, ich muss weg, damit der Kopf raus aus allem kommt. Nicht weit weg, aber weg, und am Besten im Sattel eines Motorrads.

Die V-Strom brummt über die Bundesstraße aus Göttingen raus, dann nach Duderstadt und hinein ins Eichsfeld. Die Menschen hier haben nicht viel Fantasie, und das merkt man an den Ortsnamen. Worbis. Breitenworbis. Kirchworbis.

Es geht nach Mühlhausen, dann nach Gotha, Ilmena, durch das ländliche Thüringen. Kornfelder, oft bis zum Horizont.

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Corona-Tagebuch (21): Lockdown Light vs. Primateninstinkte

Weltweit: 46.519.618 Infektionen, 1.200.471 Todesfälle
Deutschland: 522.060 Infektionen, 10.541 Todesfälle

Tag 234 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit heute ist es soweit, es gibt wieder verschärfte Maßnahmen, umgangssprachlich „zweiter Lockdown“, von der Politik „Lockdown Light“ genannt. Keine privaten Feiern, private Kontakte eingeschränkt, Freizeitbereich wie Fitnessstudios, Kinos und Restaurants wieder zu. Offen bleiben dagegen Schulen und Kitas und der komplette Einzelhandel. Ob das was bringt? Wir werden es sehen.

Nicht gebracht hat es das Konzept der Eigenverantwortung. Ja, viele Leute waren vernünftig, haben überall Maske getragen und unnötige Kontakte vermieden. Aber eine wesentlich größere Anzahl hat das eben nicht getan, und selbst kurz vor dem zweiten Lockdown wurden noch, so ist den Medien zu entnehmen, allerorts kleinere und größere Halloweenpartys gemacht.

Die zweite Welle war vorhersehbar, wenn man mal in die Geschichte schaut. Diese Grafik hier

bildet nicht etwa die aktuelle Situation ab. Die zeigt die Todeszahlen pro 1.000 Personen bei der Spanischen Grippe von 1918 in Großbritannien.

Und das hier sind die Infektionszahlen in Deutschland. Sieht ähnlich aus?

Was stimmt mit den Leuten nicht?, fragt man sich da, und tatsächlich sind die Mechanismen hinter dem Verhalten komplex UND interessant. Zwei der Wichtigsten:

1. Belohnung. „Ich habe doch so lange auf dies und das verzichtet, nun darf ich auch mal über die Stränge schlagen“ – kennt jeder, der nach dem Fitnessstudiobesuch mal eine Tafel Schokolade gefressen hat. Nur: Im Falle der Pandemie ist das wie „Ich habe so lange ein Kondom benutzt, jetzt darf ich auch mal ohne“.

2. Kaputte Freund-Feind-Erkennung Es ist in unseren Primatenhirnen tief verwurzelt, dass wir Freunde und Familie nicht als Gefahr ansehen. Deshalb neigen wir dazu, in Bezug auf Freunde unvorsichtig zu werden. „Ist doch nur Omma, die steckt uns schon nicht an, bei der brauche ich keine Maske“. Ja, nee. Dagegen hilft ein Trick: Man muss so tun, als sie man SELBST infiziert und müsste Omma schützen. Damit umgeht man seinen Primateninstinkt.

Fünfundsiebzig Prozent
Restaurants bekommen jetzt 75% des Umsatzes des Novembers des Vorjahres ausgezahlt. Von mir aus sollen sie, Hauptsache ich muss diese DeHoga-Tante nicht mehr sehen, der Geschäft über Menschenleben geht.

Ich frage mich nur zwei Dinge:

  1. Was hilft das neuen Restaurants, die noch kein Jahr am Markt sind? und

  2. ECHT JETZT? FÜNFUNDSIEBZIG PROZENT DES UMSATZES? GEHT ES NOCH? In der Gastronomie gibt es drei Hauptsäulen von Kosten: Miete, Personal, Rohmaterial. Klar, wenn die Miete weiterläuft bei Null Einnahmen ist das Doof. Aber was muss man genau NICHT kaufen wenn es keine Gäste gibt? Genau, Rohmaterial. Und was machen Gastronomiemenschen als erstes, wenn es nicht dolle läuft? Sie werfen das Personal raus, das in der Regel eh nur befristete Aushilfsverträge hat. Für viele Betriebe in der Gastronomie ist das hier also ein Geldregen: Kaum Kosten, aber 75 Prozent des Umsatzes UND den ganzen Tag Netflix gucken. Geilo.

Die weiteren Aussichten

Ich will jetzt keine schlechte Laune machen, aber die schweren Verläufe der jetzt neu Infizierten landen erst in 10 Tagen in den Intensivstationen der Krankenhäuser, die jetzt schon zur Hälfte belegt sind. In Schweiz musste bereits mit der Triage begonnen werden. Da wir in Deutschland dafür keine gesellschaftliche Vereinbarung haben, wie C. Drosten schön erklärte, muss die Entscheidung, wer beatmet wird und wer nicht, das medizinische Personal im Einzelfall treffen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was das mit den Menschen macht. In den USA zählt man einfach die „Years lost“, damit ist ein klares Selektionskriterium gegeben: Jüngere, mit einer noch höheren Lebenserwartung und mehr Lebensjahren, die sie verlieren könnten, werden eher betreut als Alte.

1918 ging es in Großbritannien übrigens so weiter. Mit einer dritten Welle im März.

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Reisetagebuch Motorradtour Ost (1): Die finstere Seite des Ettersbergs

Herr Silencer startet zu einer, äh, Motorradtour. Nur leider ohne Motorrad. Dabei stößt er auf sehr finstere Geschichten und gewinnt dadurch für seine Verhältnisse erstaunliche Erkenntnisse. Vorsicht, langer Text, der zudem noch schlechte Laune macht. Menschen, die von zu vielen Buchstaben getriggert werden, seien hiermit gewarnt.

15. Juni 2020
So richtig Urlaub mit mehrwöchiger Motorradreise fällt in diesem Jahr leider aus. Coronabedingt, warum auch sonst. Aber wenigstens eine kurze Tour in Deutschland will ich stattdessen machen. Ein Paar Tage mit der Kawasaki ZZR 600 nach Ostdeutschland, da kenne ich so viel noch nicht.

Das Motorrad steht schon gepackt unten in der Garage, aber ich sitze mit miesepetrigem Gesicht am Schreibtisch im Arbeitszimmer und starre aus dem Fenster.
Draußen reget es Bindfäden.

Wochenlang war es trocken und sonnig und JETZT, wo ich eine Woche Urlaub habe, da gibt es „ergiebigen Landregen, stellenweise auch Starkregen“ mit 50 Litern pro Quadratmeter, und das soll über Tage so gehen. Mir macht Wetter auf Motorradreisen nicht viel, aber diese Scheiße hier, eine Woche lang?

Ich überlege mehrere Stunden und starre dabei abwechselnd in den Regen und auf die Wettervorhersage, aber es wird nicht besser. Schließlich storniere ich einige der geplanten Unterkünfte und hinunter in die Garage, die in den Berg unter dem Haus eingelassen ist wie Höhle. Darin steht die silberglänzende ZZR neben der schwarzen V-Strom.

Beide Maschinen sind frisch gewartet, sauber geputzt und haben noch nagelneue Reifen, denn in diesem seltsamen Jahr waren sie bislang kaum ein paar Kilometer auf der Straße.

Mit der Hand fahre ich an der polierten Seite der Kawasaki entlang, blicke nach draußen in den pladdernden Regen und sage schließlich „Nicht heute“, als ich eine Entscheidung gefällt habe. Ich klinke die Seitenkoffer aus, trage sie ein Mal um die Ecke und wuchte sie in den Kofferraum des Autos. Statt also mit dem Motorrad mehrere Tage durch die Gegend zu kurven, fahre ich nun mit dem Auto von Göttingen aus 150 Kilometer nach Südwesten.

Der Weg führt bei Duderstadt über die ehemalige deutsch/deutsche Grenze, dann durch das erzkatholische Eichsfeld, und dann südlich vom Harz durch grüne Getreidefelder bis in eine Region, in der ganz geballt Orte mit bekannten Namen liegen wie Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar und Jena. Willkommen in Thüringen, dem Bundesland mit den wenigsten COVID-19-Infektionen.

Starkregen lässt sich im Auto, so die erste Erkenntnis der Fahrt, viel angenehmer ignorieren als auf dem Motorrad.

Auch 30 Jahre nach der Wende gibt es hier noch überall Straßen mit Kopfsteinpflaster. Das Kleine Gelbe AutoTM hat ein Sportfahrwerk, und ich werde erst ordentlich durchgeschüttelt und dann klappert irgendein Blech im Unterboden, dass sich abvibriert hat. Die Straßen sind für Trabbis gemacht, nicht für spanische Autos.

Mitten in Thüringen habe ich mir einen schönen Bauernhof gesucht, wo ich einer Knechtkate übernachte und mir zwei Tage lang Weimar angucken kann.

Weimar, das ist die Stadt von Bauhaus, der kantigen Architektur- und Designphilosophie. Deshalb gibt es hier auch ein großes Museum dafür, aber das hat natürlich gerade dann Ruhetag, wenn ich es besuchen will. Ruhetag am Dienstag ist eher ungewöhnlich.

Immerhin steht hier der zweitgrößte Stuhl, den ich je gesehen habe.

Weimar ist auch die Stadt dieser beiden Herren: Goethe und Schiller.

Die Beiden grüßen an jeder Ecke. Also, an WIRKLICH jeder Ecke.

Wirklich, Goethe und Schiller sind überall. Bis zum Erbrechen. In fast jeder der schmucken Gassen in der Innenstadt befindet sich irgendwas mit Goethe und/oder Schiller Bezug, und sei er noch so konstruiert. Aber egal, Weimars Altstadt ist wirklich hübsch.

Das Essen ist auch toll. Man isst hier, natürlich, Thüringer Bratwurst oder Thüringer Brät mit Bratkartoffeln.

Zum Nachtisch gibt es dann aber wieder Goethe und Schiller.

Wenn nicht gerade Goethe & Schiller vermarktet werden, dann geht es bestimmt um den Philosophen Herder. Ich muss gestehen: Das interessiert mich alles nicht die Bohne. Ich habe da keinen Bezug zu, wie zum gesamten klassischen Bildungskanon.

Die Sprache des „Dichterfürsten“ verstehe ich kaum, die Themen gehen mir ab. Ich gehöre nicht dem Bildungsbürgertum an, und von dem ist Weimar die Welthauptstadt.

Goethe, Schiller, Kulturstadt. Jaja, das stimmt ja auch. Vor ein paar hundert Jahren war Weimar die Kultur- und Bildungsstadt von Weltruf. Im 17. Jahrhhundert wirkten hier die Cranachs, im 18. Jahrhundert Bach, im 19. unter anderem Franz Liszt, Richard Strauß, oder Friedrich Nietzsche. Das Weimar eine Stadt der Hochkultur war, war auch der Grund, dass hier nach dem ersten Weltkrieg die Weimarer Republik ausgerufen wurde. Darauf ist man in Weimar heute noch stolz.

Weimars Geschichte hat aber noch eine andere Seite, und die ist sehr finster. Sie ist zugleich ein Lehrstück dafür, wie das Bürgertum mit Faschismus umgeht, ihn lebt und eher bereit ist, mit einer Lebenslüge zu leben, als sich damit auseinander zu setzen. Diese Geschichte kann uns viel über unsere eigene Gegenwart verraten.

Um mehr darüber zu erfahren, setze ich mich in das klappernde Kleine Gelbe AutoTM und fahre von Weimar aus zehn Kilometer nach Norden. Hier liegt der große Ettersberg, mit 480 Metern die höchste Erhebung im Thüringer Becken. Die Südseite ist dicht bewaldet, auf der Westseite schmiegen sich Felder an die Bergflanken. Mitte Juni sind die bedeckt sind mit grünem Getreide und manchmal mit schon gelben Feldern mit ganz viel Mohnblumen darin. Schön sieht das aus.


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Momentaufnahme: Oktober 2020

Herr Silencer im Oktober 2020

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Wetter: Herbst, halt. Nass, 10 Grad. Ab dem 20. schlagartig kalt (0-4 Grad nachts) und die schön gefärbten Bäume verlieren ihre Blätter praktisch von einem Tag auf den anderen im Zeitraffer.


Lesen:

Jasper Fforde: The constant Rabbit
Wales, 1965: Ein „Antromorphisierendes Ereignis“ sorgt dafür, das 9 Kaninchen, 3 Füchse, 6 Meerschweinchen und ein Dachs zu sprechenden, menschengroßen Wesen werden, wie aus einer Tierfabel.

40 Jahre später haben sich die Kaninchen vermehrt wie, nun, die Kaninchen, und versuchen sich in die britische Gesellschaft zu integrieren. Was zu Spannungen führt, zumal die Regierung die Füchse als Leiter der Kaninchenbehörde einsetzt. Ausgrenzungen und Anfeindungen durch Menschen gehören für die friedlichen Nager zum Alltag, von den Füchsen droht Todesgefahr. Wie kann so eine Gesellschaft funktionieren?

Seltsame Kreuzung aus „A Watership Down“ und „1984“, schrieb der Guardian. Im Prinzip eine Parabel auf Rassismus. Noch nicht zu Ende gelesen, aber es zeichnet sich schon wieder das Muster ab, das typisch für Jasper Fforde ist: Er hat eine hervorragende Grundidee, baut darum eine detailliert ausgedachte Welt und malt sich sehr genau aus, wie die Gesellschaft funktioniert – und dann setzt er völlig egale Charaktere hinein und lässt sich strunzlangweilige und unplausible Geschichten erleben. Das scheint beim „Constant Rabbit“ nicht so schlimm zu sein wie dem direkten Vorgänger, „Early Riser„, ärgerlich ist es aber schon. Mal gucken, ob er im letzten Drittel des Buchs noch die Kurve kriegt.


Hören:


Sehen:

Borat Subsequent Moviefilm: Delivery of Prodigious Bribe to American Regime for Make Benefit Once Glorious Nation of Kazakhstan [Prime]

Journalist Borat Sagdiyev sitzt nach den Ereignissen von „Borat“ schon seit 14 Jahren im Gulag, weil er der großen Nation von Kasachstan Schande bereitet hat. Dennoch wird er eines Tages überraschend freigelassen und erhält vom kasachischen Präsidenten den Auftrag, dem amerikanischen Präsidenten ein Geschenk zu überreichen. Borat reist also wieder in die USA, trifft dort auf seine Tochter und Figuren wie Rudy Giuliani und Mike Pence.

Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht! Der erste „Borat“ war eine Mockumentary: Die Kunstfigur Borat traf auf echte Interviewpartner. Das schockte, weil so Rassismus und Wahn in den USA unverhohlen darstellte. Dem radebrechenden Journalisten aus dem Ostblock erzählten die Amerikaner Dinge, die einem als zivilisierten Zuschauer die Kinnlade runterfallen ließen.

Seitdem ist viel passiert, die Grenzen des sagbaren sind weit, weit nach rechts verschoben. Zum Glück versucht „Borat 2“ gar nicht die Tricks von früher zu wiederholen. Stattdessen ist es dieses Mal sehr clever Borats Tochter oder sein Umgang mit ihr und die Reaktionen der echten Menschen darauf, die schocken. Aber trotz allem gibt es hier viel zu lachen, weil die Story intelligent gebaut ist und dank der Pandemie sogar ein irres Ende hat. Angucken!

Weathering with you [Amazon Prime]

Der fünfzehnjährige Hodaka reisst von zu Hause aus und taucht in Tokio unter. Neben der Einsamkeit in der großen Stadt macht ihm vor allem das Wetter zu schaffen, es regnet nämlich ohne Unterbrechung. Doch dann findet der Junge ein „Sonnenmädchen“, das die Gabe hat, mit ihrem Willen das Wetter zu beeinflussen. Aber das hat seinen Preis.

Vom gleichen Studio wie der großartige „Your Name“ ist auch „Weathering with you“ reine Poesie mit wunderschönen, so noch nicht gesehenen Bildern und einem verblüffenden „Das haben die jetzt nicht wirklich gemacht“-Twist kurz vor dem Ende. Wunderschön!

The Boys, Staffel 2 [2020, Prime]

Superhelden werden nicht geboren, sie werden von einem Konzern mittels Drogen geschaffen – das ist die Enthüllung, mit der Staffel 2 der bitter-makabren Superheldenfarce startet. Noch geheim bleibt, dass der selbstverliebte Superman-Klon „Homelander“ mittels der Drogen „Superterroristen“ erschaffen hat, die nun angeblich Amerika bedrohen, weswegen seine Superheldentruppe dringend Regierungserlaubnisse braucht. Die „Boys“ kommen nicht darum herum, dagegen in den Kampf zu ziehen – und decken noch viel schlimmere Geheimnisse auf.

Wie bitterböse diese Serie ist! Die vermeintlichen Superwesen sind allesamt ranzblöde Arschkrampen, die entweder Narzissten, Psychopathen oder Rassisten sind, und alle Nase lang wird es extrem blutig. Kurz: Das Unterhaltsamste, was Amazon Originals zu bieten hat.

Long Way Up [Apple TV+]
2004 fuhren Charley Boorman und Ewan McGregor auf Motorrädern ein Mal um die Welt („Long Way Round“), 2007 einmal von Europa längs durch Afrika bis Kapstadt („Long Way Down“). Nun geht es auf dem amerikanischen Kontinent von Feuerland aus nach Norden, bis Kalifornien, und für den „Long Way Up“ haben sich die beiden elektrische Motorräder und Begleitfahrzeuge ausgesucht.

Es ist zu merken, dass der Fokus bei „Up“ ein anderer ist. In den beiden Vorgängern stand die Erfahrung körperlicher Grenzen sehr im Vordergrund. Charly Boorman ging dabei so weit, dass ich ihn als „verrückt“ einordnete, weil er aus meiner Sicht der Show wegen völlig unnötige Risiken bei Motorradfahren einging und bei einer Gelegenheit sogar fast den Kameramann getötet hätte. In den Jahren zwischen den Staffeln hat Boorman die Quittung dafür bekommen. Zahlreiche Unfälle mit schweren Verletzungen und Knochenbrüchen haben dafür gesorgt, das er heute kaum noch selbst auf sein Bike kommt und dicht an der Abwrackprämie entlang schrammt.

Folgerichtig haben die Herausforderungen in „A long way up“ weniger mit körperlicher Kraft zu tun, sondern liegen eher in der Kategorie „Wer wird Höhenkrank“ oder „Schaffen wir es mit 3 Prozent Akku noch bis zu nächsten Ladestation“ oder „Was tun, wenn die Software des Motorrads sich weghängt und die Kiste nicht mehr vom Fleck kommt?“ Das ist auch nicht unvergnüglich inszeniert, die Reisevorbereitungen sind spannend, und die ganze Fahrt selbst von Kameraman Claudio von Plata wieder wunderschön eingefangen worden. Allein die Drohnenaufnahmen der Wüsten und Gebirge Südamerikas sind eine Schau!

Apple TV+ kostet übrigens 4,99 im Monat. Apple ist aber so dankbar über jeden einzelnen Zuschauer, das zumindest ich nach 4 Wochen drei Monate lang jeden Monat eine Gutschrift über 4,99 bekomme, warum auch immer. Damit lässt sich „Long Way Up“ kostenneutral schauen.

Spielen:

Yakuza 4 [PS4]

Kamurocho, Tokyo: Ein ungewöhnlicher Finanzdienstleister trifft eine außergewöhnliche Frau. Ein zum Tode Verurteilter bricht aus dem Gefängnis aus. Ein Straßenpolizist ist auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Irgendwo eiert Kiryu Kazuma rum. Und alles hängt mit einem Ereignis im Jahr 1985 zusammen.

Die letzten Spielstunden führen die Handlungsstränge zusammen und führen Sie zu einem okayen Ende, bis zum Schluss macht aber das Kampfsystem mit seiner schwammigen, ungenauen Steuerung und den ärgerlich langen Animationen überhaupt keinen Spaß. Dazu kommen langweilige Missionen und eine ärgerlich designte Spielwelt: Mit einem unterirdischen Kaufhaus und Tiefgaragen gibt es jetzt eine Ebene von Kamurocho unter der Erde, dazu eine eine Ebene über den Dächern, beide als Labyrinth gebaut. Das macht die Spielwelt ZU groß, zumal die Ebenen nur für langweilige Füllmissionen genutzt werden. Nein, das war Quälerei, selbst auf die skurrilen Nebenaufgaben hatte ich keine Lust.


The Complex [PS4]

Ein Konzern forscht an Nanozellen. Dummerweise will eine Terrorgruppe die klauen, und so findet sich die Chefwissenschaftlerin unversehens eingeschlossen in einem Hochsicherheitslabor, dem namensgebenden Complex, belagert von Fieslingen. Und nicht nur das, anscheinend hat die Konzernleitung auch Interessen, dass die gefährliche Nanotechnologie in die Hand von Diktatoren gelangt.

„The Complex“ ist ein interaktiver Film mit echten Schauspielerinnen, den man sich anschaut und nur an gewissen Stellen „A oder B“-Entscheidungen fällt. Das ist leidlich spannend, weil das Skript etwas verquast und die Handlung simpel und unspannend ist. Die Leistung der Schauspieler ist aber durchgehend gut, und es gibt krass unterschiedliche Enden. Was es nicht gibt: Die Option, an einer gewissen Stelle der Handlung neu zu starten und dann andere Entscheidungen auszuprobieren. Das senkt den Wiederspielwert, denn einen vollen Spieldurchgang – der rund 100 Minuten entspricht – will man nicht jedes mal machen, zumal sich viele Szenen immer wiederholen.


Machen:

Motorradherbst!


Neues Spielzeug:

Teurer Monat: Das Kleine Gelbe AutoTM hat neue Winterreifen bekommen, Conti Winter Contact TS860. Die Barocca hat eine Wartung und neue Reifen gebraucht. Und das Synology NAS wurde aufgerüstet, statt 2×4GBTB stecken nun 2×12GBTB WD Red Pro und weitere 4GB Hauptspeicher im zunehmend wichtiger werdenden Wohnzimmerserver.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 8 Kommentare

Ungeschickte Betrüger

Was mir gerade passiert ist:

Ich habe etwas über eine Marketplace bestellt. Nach einigen Tagen erinnerte die Plattform daran, dass der Verkäufer die Ware noch nicht versendet habe und ich ihn doch mal fragen solle wo die bleibt.

Habe ich nicht gemacht, und wenige Tage später wurde die Bestellung vom Verkäufer storniert und der Kaufbetrag erstattet.

Und jetzt kommt es: Die Ware wurde trotzdem verschickt. Also, wenn das eine Betrugsmasche ist, dann vermutlich die dümmste der Welt. Oder so schlau, dass ich den Kniff nicht verstehe.

Kategorien: Ganz Kurz | 10 Kommentare

Herbst! Saisonende 2020

Eigentlich ist das jetzt die Stelle an der jedes Jahr das Herbstwiesel verkündet, dass nun der offizielle Teil der Motorradsaison rum ist und sich ab jetzt niemand mehr dafür schämen muss auf dem Sofa rumzuliegen und Netflix zu gucken. Nur: In 2020 ist auf der Couch rumlümmeln, die Wohnung nicht verlassen und zusehen das es einem gut geht eigentlich alles, was man überhaupt sinnvoll tun sollte. Von daher sparen wir uns jetzt die Ode an das Herbstwiesel und gehen gleich zur persönlichen Rückschau auf das Moppedjahr 2020 über.

Das Pandemiejahr 1 hatte natürlich auch auf die Motorradsaison Auswirkungen. Die begann eigentlich recht früh, was vor allem daran lag, dass es keinen richtigen Winter gab.

So freute ich mich schon im Februar darauf, endlich wieder auf ein Mopped zu steigen, zumal die Ausrüstung wieder in 1A-Zustand war: Die Maschinen waren ohnehin komplett gewartet in den Winterschlaf gegangen, die Airbag-Jacke hatte im Dezember in Italien eine Wartung erfahren und selbst der früher ungeliebte N104 Nolan-Helm ist mir so an s Herz gewachsen, dass er über den Winter im Werk mit einer neuen Sonnenblende und einem neuen Federmechanismus ausgestattet worden ist.

Damit hält der N104 hoffentlich noch ein wenig, denn der Nachfolger, der Nolan N100-5, ist, mit Verlaub, Dreck aus der Hölle.

Aus Zeitgründen kam ich trotzdem erst Mitte März dazu, zumindest die nachtschwarze Suzuki DL 650 V-Strom, Rufname „Barocca“, mal wieder auf die Straße zu bringen.

Als dann aber klar wurde das COVID-19 eine echte Pandemie wird, mottete ich im April die Motorräder wieder ein. Ich hielt es nämlich für keine gute Idee, einem nicht ungefährlichen Hobby ausgerechnet zu dem Zeitpunkt nachzugehen, an dem die Intensivstationen mit COVID-Patienten völlig überlastet waren.

Schweren Herzens sagte ich denn Ende April auch den geplanten Urlaub ab. Die vierwöchige Fahrt mit der V-Strom hätte nämlich eine Schiffspassage bedingt, und mehrere Tage zusammengepfercht mit Hunderten anderen Menschen auf einem Schiff unterwegs zu sein, das konnte ich mir beim Besten Willen nicht vorstellen.

Als sich im Juli die Lage wieder etwas entspannte und auch die innereuropäischen Grenzen wieder geöffnet wurden, holte ich die Barocca und die Kawasaki ZZR 600 Renaissance aus dem Dornröschenschlaf.

Eine kurze Tour mit der V-Strom führte nach Tschechien und Polen. Das war sehr cool, denn damit erfüllte ich mir gleich mehrere, lang gehegte Wünsche: Ich kam ins Erzgebirge, ins Riesengebirge, nach Kutna Hora und Guben und ich lernte NachtPhil in Dresden endlich mal persönlich kennen. Das war super.

Mit der ZZR und gab es lediglich einige Tagesausflüge an Orte, an denen nicht viel los oder viiiiel Raum zum Abstandhalten war. Einer davon war Bergen-Belsen, genauer: Die dortige KZ-Gedenkstätte.

Das zog eine längere Beschäftigung mit der Geschichte von Anne Frank nach sich, und währenddessen kam die Idee auf, einen Ausflug nach Osteuropa zu machen und neben Auschwitz in Polen auch einen Ort zu besichtigen, den ich von Herzen gern in meinem Leben sehen würde: Den Transfăgărășan-Pass in Rumänien.

Quelle: Internet.

Also voller Vorfreude eine dreiwöchige Reise im Herbst bis ans Schwarze Meer geplant. Doch wie alles in diesem Jahr kam auch das hier anders. Kaum war ich Anfang September mit der Planung fertig, wurde Rumänien zum Risikogebiet erklärt. Ich wäre schon noch da hingekommen, aber nicht mehr aus dem Land raus – Ungarn, Österreich und Deutschland hatten Quarantäne für Personen aus Rumänien eingeführt.

Also wieder alles abgeblasen. Stattdessen einfach ein wenig mit der Renaissance um Götham herumgefahren. Lächerliche 700 Kilometer. Eine Schande für die wunderschöne ZZR, die schon halb Europa gesehen hat.

Ende September hielt ich es dann aber endgültig nicht mehr aus. Ich wäre irre geworden, hätte ich nicht eine längere Pause von der Arbeit eingelegt. Ich musste raus, und so sattelte ich die Barocca und fuhr gen Süden und an Orte die ich kannte und von denen ich wusste, dass ich dort alleine war, fernab von Menschen.

So ging es noch einmal nach Italien, was stellenweise auch etwas abenteuerlich war. Ich sage nur: Sieben Stunden im Dauerregen, teils im Gebirge und bei null Grad.

Dort erwischte mich dann, was statistisch gesehen irgendwann passieren musste: Eine Reifenpanne, verursacht durch einen geschenkwilligen Hund.

Davor lief auch alles nicht ganz so supi, das Motorrad machte erst einen unfreiwilligen Ausflug und kippte dabei um, dann zog es sich bei einem weiteren Umfaller Schäden an der Bremse und am ABS zu. Die Folge war ein Ausflug mit einem unfähigen Abschlepper in eine Werkstatt, die keinen Bock hatte zu helfen, worauf hin ich eine Irrfahrt mit plattem Reifen in den Stadtverkehr einer italienischen Großstadt machte.

Die Barocca hat zum Glück nur dort minimalst gelitten, und nur dort wo sie im Vorjahr zusätzlich verstärkt wurde. Die Handschützer und der Motorschutzkäfig haben ihre Funktion erfüllt, wie die Einschläge zeigen.

Am Ende habe ich es doch wieder unbeschadet nach Hause geschafft, und das ist es ja, was letztlich zählt.

Außerdem die Erkenntnis: Seit dem Moment, als ich Ende 2016 das erste Mal beim Händler auf der damals schon 5 Jahre alten V-Strom saß, bin ich in sie verliebt. Sie ist eigentlich zu groß für mich, sicher keine Schönheit, ihr Motor rappelt wie ein Traktor und ihre 70 PS ziehen keine Wurst vom Teller, aber ich liebe sie, weil sie so perfekt für Reisen ist.

Mit der V-Strom habe ich dieses Jahr zumindest 9.000 Kilometer zurückgelegt, was die Werkstatt gar nicht glauben wollte – „Du hast doch zwischendurch die Reifen gewechselt!“ nee, habe ich nicht.

Die Metzeler Tourance Next haben tatsächlich 9.000 Kilometer mitgemacht, davon 3.500 Autobahn, und hatten trotzdem noch 4 bzw. hinten 6 mmm Profil – das bedeutet, dass sie gerade mal etwa 2 mm Profil verloren haben.

Dabei sind das keine extrem harten Reifen, im Gegenteil – gerade auf nasser Fahrbahn haften die hervorragend. 9.000 km und eigentlich noch mehr als gut – trotzdem wurden die Reifen jetzt gewechselt. Die nächste Tour wird hoffentlich wieder genauso lang, und 18.000 Kilometer mit nur einem Satz Reifen – nein, das will ich nicht.

Was mir dieses Jahr viel Freude gemacht hat ist eine kleine Tasche von Enduristan (Danke Olpo für den Tip!). Auf den Soziaplatz geschnallt, fahre ich darin die Regenkombi spazieren – und man, hat sich das in diesem Jahr bewährt! Klein, wasserdicht, einfach super.

Sehr gut – wie immer – auch die Arbeit von Sattler Bernhard.

Die V-Strom liegt ja nun wieder normal hoch, nachdem die Tieferlegung in den vergangenen Jahren nur Probleme gemacht hat: Aufsetzen in den Kurven, kein Hauptständer möglich, Funkenschlag am Motorschutz, you name it. Also raus damit.

Eigentlich sollte die Barocca nur drei Zentimeter höher liegen, tatsächlich sind es aber satte fünf Zentimeter ohne die Tieferlegung. Das hört sich nach nicht viel an, sind aber in Sachen Handling Welten. Bei Motorrädern entscheidet manchmal schon ein Zentimeter darüber, ob einem die Hände einschlafen, die Knie lange Fahrten mitmachen oder ob der Fahrer die Maschine noch einparken kann oder schlicht im Stand umfällt.

Das ich die Barocca noch im Stand manövrieren kann, liegt neben mehr Geschick meinerseits auch an der Sitzbank, die Bernhard, der Mann, der die „Hallo, Spencer!“-Puppen gebaut hat, an den Seiten schlanker und einen Zentimeter weniger hoch gestaltet hat. Damit ist sie immer noch bequem genug für 12 Stunden fahren am Stück, trotzdem falle ich mit der Riesenkiste an der Ampel nicht um.

2020 war auch das Jahr, in dem beide Maschinen erstmals Tuningteile ohne jeglichen Nutzwert bekamen: Metallringe um die Anzeigen, handgefertigt in einer kleinen Manufaktur in Polen.

Hier die Renaissance ohne Verzierung:

Und hier mit polierten Aluringen im Cockpit:

Sieht doch fast aus wie der Klassiker, der sie nun mal ist!

Ebenso die Barocca im Orginalzustand:

Und mit gebürsteten Aluringen um Drehzahlmesser und Tacho:

Wie gesagt, kein Nutzwert, nur Optik. Ich persönlich finde die aber so toll, dass ich gleich noch ein paar verschenkt habe.

Nun ist es wieder Zeit für Statistik, einfach mal die Daten der Maschinen angucken und wirken lassen.

Die Detailaufstellungen folgen nach dem Klick. Wer sich Einzelheiten angucken möchte, findet die Daten beider Maschinen online:

ZZR 600 Renaissance bei Spritmonitor.de
DL 650 Barocca bei Spritmonitor.de
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Kategorien: Motorrad | 6 Kommentare

Corona-Tagebuch (20): Die zweite Welle ist da

Weltweit: 40.485.384 Infektionen, 1.119.545 Todesfälle
Deutschland: 377.068 Infektionen, 9.844 Todesfälle

Tag 222 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Das Problem an vorbeugenden Schutzmaßnahmen: Wenn sie wirksam sind, wird im Nachgang gerne so getan als wären Sie überflüssig gewesen. So auch hier und jetzt, mitten in der Pandemie. Über den Sommer hat sich in vielen Köpfen festgesetzt das es einen „Lockdown“ gegeben habe und der übertrieben gewesen sein muss, weil: Wir leben ja noch und guck, alles wieder offen.

Nun gab es zum einen aber gar keinen „Lockdown“, und zum anderen: Wer auch nur den Wikipediaartikel zur Spanischen Grippe von 1918 gelesen hat, konnte ganz sicher sein, dass im Herbst eine zweite Welle kommen würde. Und nun ist sie da:

Von weniger als 300 Neuinfektionen pro Tag im Juli auf 8.500 jetzt. Muss man auch erstmal hinkriegen, wobei es besonders die ganz Jungen und die Älteren sind, die das Risiko nach wie vor nicht ernst nehmen. Ich musste am Freitag mein Auto von einer Werkstatt abholen und habe dafür spät am Abend den Nachtbus genommen, um möglichst wenig Leuten zu begegnen. Obwohl Bus und Stadt eigentlich leer waren: Wo Menschen unterwegs waren, klumpten die dicht zusammen und hatten keine Masken auf.

Wobei Deutschland im europäischen Vergleich noch gut da steht, andernorts sind die Infektionszahlen viel höher. Wer einmal eine französische Schulklasse auf Klassenausflug gesehen hat, ahnt auch, woher das kommt. Sport der Kids war es, sich von Angesicht zu Angesicht aufzustellen und sich gegenseitig in den offenen Mund zu spucken oder zu husten. E-kel-haft.

Non sole mio

Nun komme ich gerade aus Italien zurück. Die Menschen dort haben ihre Lektion auf die harte Tour gelernt, Italien hatte nämlich wirklich einen Lockdown. Vier Monate durften die Menschen ihre Wohnungen nicht verlassen. In den Straßen patrouillierte Polizei und Militär, und wer ohne Grund außerhalb seiner vier Wände unterwegs war, bekam eine Anzeige und wanderte im Wiederholungsfall oder bei „Coronaleugnung“ schlicht in den Bau.

Resultat: In Italien trägt jeder Einwohner seine Maske, vom Kind bis zum Greis, über Mund UND Nase, und selbstverständlich auch draußen und in den Straßen. Das wird gar nicht diskutiert, Maskenverweigerer sieht man nicht. Nur deutsche und britische Touristen erkennt man sofort. Die Deutschen tragen gar keine Maske und die Briten tragen Masken als Einstecktuch oder am Revers spazieren oder setzen sie sich – LUSTIG LUSTIG – auf den Kopf. Als ob Corona im Urlaub Pause hätte.

U-S-A!

In den USA melden Kliniken jetzt nicht mehr die Fallzahlen an das Gesundheitszentrum, sondern an das Weiße Haus. Das „bereinigt“ dann die Daten veröffentlicht sie erst dann. Prompt sanken seitdem die Infektionszahlen, aber seitdem es Trump selbst und mit ihm das halbe Weiße Haus erwischte, steigen selbst die gelogenen Zahlen wieder. Trump spinnt daraus aber eine Heilandserzählung: Er habe überlebt und an ihm wurden neue Medikamente getestet, die er nun dem Volk schenkt. Krass, wie schlimm das gerade alles entgleist.

„Nicht ausreichend“

Nochmal zurück nach Deutschland: Während die Länderchefs sich im Klein-Klein verlieren und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband reihenweise Schutzmaßnahmen wegklagt, weil Umsatz wichtiger ist als Menschenleben, warnt der Bundeskanzler Frau Merkel davor, dass die verabredeten Maßnahmen „nicht ausreichend seien um Unheil abzuwenden“ und das alles „zu keinem guten Ende führe“.

Konservative Kommentatoren, die in gerade in Deutschland an einer ähnlichen Spaltung der Gesellschaft arbeiten wie in den USA, verspotten sie dafür als „Schreckgespenst“ (Nikolaus Blome auf Spiegel Online).

Vernünftigen Menschen fällt dagegen jetzt noch einmal verstärkt auf, wie schlimm Merkel mit Sprache umgeht, und das sie nie agiert als habe sie Macht und Gestaltungsspielraum. Stattdessen richtet sie ihre Politik immer nach Umfragen und Zahlen aus, und die Zahlen sagen gerade: Was noch kommt wird richtig Scheiße.

Der Bundeskanzler Frau Merkel weiß das. Die Altherrenrunde der Kanzlerkandidaten ignoriert es und tut so, als könnten sie Covid-19 mit bloßen Händen besiegen. Deppen.

Deppen

Apropos Deppen: Die Deutschen hamstern schon wieder. Vielerorts sind die Klopapierregale erschreckend leer.

Ältere Einträge des Corona-Tagebuchs

Kategorien: Corona-Tagebuch | 4 Kommentare

5.575

Ich habe es Ende September nicht mehr ausgehalten, bin einfach auf´s Motorrad gestiegen und losgefahren. Dorthin, wo mehr Schafe, Bären und Wölfe leben als Menschen: In die Abruzzen. Und noch ein wenig in die Toskana. Und die Marken.

Ich weiß, das mag inkonsequent klingen, weil ich doch vergangenes Jahr lang und breit erklärt habe, das ich Italien nun durchgespielt hätte und es 2020 woanders hingehen sollte. Aber dann kam die Pandemie, und als ich jetzt spontan weg wollte, kamen als Reiseziele nur Orte in Betracht, für die ich das Infektionsrisiko sehr genau abwägen konnte. Also doch nochmal auf den Stiefel und an Orte, von denen ich weiß, dass dort wenig Menschen unterwegs sind und ich dort meine Ruhe habe.

Das war durchaus nicht unabenteuerlich: Neben unfreiwilligen Ausflügen unter einen Berg und in einen Graben hat mich endlich auch das erwischt, was statistisch gesehen früher oder später kommen musste: Eine Reifenpanne. Dazu habe ich, trotz aller Menschenvermeidungsversuche, nette und interessante Personen kennengelernt, von denen sich schön skurril erzählen lässt.

Dazu demnächst mehr. Jetzt erst mal wieder zu Hause ankommen.

Image

Fünftausendfünfhundert Kilometer, das ist eine nette Tour – wenn auch eine der kürzesten der vergangenen Jahre.

2019: 8.124
2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

Kategorien: Motorrad | 6 Kommentare

Momentaufnahme: September 2020

Herr Silencer im September 2020

Einen Monat keinen Blogeintrag? Gibt es auch selten.

Wetter: Als hätte jemand mit dem Finger geschnippt ist sofort am 01. September der Sommer vorbei. Mit morgens 9 Grad, Frühnebel und tagsüber 17 Grad fühlt sich alles nach Herbst an. Eben noch Hochsommer, jetzt fast Winter. Mitte des Monats wird es dann kreislaufstressig: Morgens nur 9 Grad, Nachmittags plötzlich über 30. Aber auch diese Hitzewelle geht vorbei, und dann kommt der Hebst wirklich.


Lesen:

Stephen King: If it bleeds
Vier Kurzgeschichten, die vierte davon ist „Rat“. Eine klassische Pakt-mit-dem-Teufel-Geschichte, aber in diesem Band die atmosphärisch dichteste Story. King beobachtet hier genau das Innere eines Schriftstellers, der so gerne einen Roman schreiben möchte, aber daran schon mehrfach gescheitert ist und Angst hat, dass sich das wiederholt – obwohl er doch dieses Mal so eine tolle Story im Kopf hat. Wenn da nicht die vielen Wörter wären!

Bob Woodward: Rage
"Fear" war Woodwards letztes Buch, und an dem verweigerte Trump die Mitarbeit. Das hat er wohl später bereut, weshalb er Anfang des Jahres dauernd bei Woodward anrief und ihn Stundenlang zutextete. Eine er Erkenntnisse: Trump wusste schon im Januar, dass COVID-19 über die Luft übertragbar ist, und er hat auch verstanden was das bedeutet – er hatte nur schlicht keinen Bock, sich damit zu beschäftigen.

Zwei Fragen: Wie schafft es Watergate-Urgestein Woodward immer wieder, intime Einblicke ins Weiße Haus zu bekommen und darüber brisante Bücher zu verfassen? Und: Wie schafft Trump es Kraft seines Willens, eine Paralelrealität zu erschaffen, in der er wirklich machen und sagen was er will und es ist egal? Darauf liefert auch dieses Buch keine Antwort.


Hören:


Sehen:

The good Liar [2019, Prime]

Ian McKellen ist ein Gentleman-Trickbetrüger, der auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt. Sein letzter großer Coup soll die Witwe Helen Mirren werden. Er umgarnt sie, erst auf Datingportalen, dann im echten Leben, und ehe man sich versieht wohnt er in ihrem langweiligen Londoner Reihenhaus und schlägt vor, ein gemeinsames Konto zur Alterssicherung anzulegen. Aber dann.

Am Ende fragt man sich, was man da gerade gesehen hat. Der im Deutschen mit „Das alte böse“ passend, aber ungelenk betitelte Film beginnt wie ein Gentlemen-Heist-Movie, überrascht zwischendurch mit krass grausamen Szenen und wird in seinem letzten Drittel so dunkel und bitter, dass man als Zuschauer ob der emotionalen Gemengelage leicht verwirrt zurückbleibt. Durch seine seltsame Kombination und die Art, wie die beiden Protagonisten in Szene gesetzt werden, wirkt der Film unfokussiert und als wüsste er nicht, was er sein möchte. Außerdem hätte aus geschichtlichen Gründen die Geschichte in den frühen 2000ern spielen müssen. So verkörpert die 71 jährige Helen Mirren und der 81jährige Ian McKellen Charaktere, die beide über 90 sein müssten, was nicht funktioniert. Immerhin sind die beiden Schauspieler, die hier erstmals gemeinsam vor der Kamera stehen, absolut großartig, genau sowie die Aufnahmen von London.

They Shall not Grow Old [Prime]
Sie zogen in den ersten weltweiten Krieg, der für die meisten an der Frontlinie zwischen Frankreich und Deutschland in blutigem Brei endete. 1918 gab es schon Filmaufnahmen, und nun hat Peter Jackson die genommen, colorieren und auf HD-Qualität mit 25 Frames pro Sekunde umrechnen lassen. Nun sieht man junge Männer, britische Freiwillige, die aussehen wie die Dorfdeppen von nebenan, die unbefangen und nichtsahnend in den Krieg ziehen, sicher, dass man binnen zwei Wochen wieder zu Hause sei. Dann gehen sie durch die Hölle, und die, die wiederkommen, sind Wracks und finden nicht mehr ins Leben zurück.

Die Originalbilder mit dem Voiceover der Veteranen hat erstaunlich wenig Impact bei mir gehabt. Aber gut, zum einen habe ich mich mit dem Thema schon lang und breit beschäftigt, zum anderen erkenne ich halt, wenn zum Dritten Mal die gleiche Sequenz in anderer Skalierung verwendet wird, weil sie so gut zur Erzählung passt. Technisch beeindruckend, sonst aber nicht.

Das letzte Wort [Netflix]
Gerade noch singt Anke Engelke „Ich kenn´Dich besser als Du Dich selbst“ auf der Geburtstagsfeier Ihres Mannes, da liegt der auch schon tot am Boden – und es stellt sich raus, das sie ihn gar nicht kannte. Nicht nur, das er ein Doppelleben führte, die Familie ist auch faktisch pleite. Engelke versucht sich daraufhin als Trauerrednerin bei einem Bestatter, der aber selbst Probleme hat.

Ja, hm. Einerseits nett gemacht und gut gespielt mit schönen Szenen, andererseits weiß die Serie nicht, wo sie in den ersten 5 Folgen, aus der die Staffel besteht eigentlich hin will. Ist das alles nur Setup für Staffel zwei? Oder hat hier wirklich einfach jemand „Six Feet Under“ und das „Bestatterweblog“ in den Mixer geworfen und hatte keinen Plan was ihn erwartet? Das Ergebnis ist auf jeden Fall weichgespült und belanglos, kein Faden wird zu einem Ende geführt. Es wird deutlich, dass die Hauptfiguren alle ihre Arten von Trauer entdecken, aber dann versackt alles. Staffel zwei sollte dringend ein Ziel haben – und Anke Engelke bitte Augenbrauen, ohne sieht sie extrem seltsam aus. Wunsch Nummer drei: Schluss mit der verdammten Quarzerei. Ich haben mal nachgezählt, bis auf den minderjährigen Sohn rauchen praktisch alle Hauptcharaktere und zahlreiche Nebenfiguren. Das geht nicht.

Der Spion von Nebenan [Prime]
Dave Bautista ist sein Leben lang Soldat gewesen, nun arbeitet er für die CIA – und ist richtig schlecht in seinem Job. Darum wird er zur Überwachung einer langweiligen Sache abgeschoben, doch auch die kriegt er nicht hin. Und dann wird er noch von der achtjährigen Tochter des Zielobjekts erpresst.

Lockerer Spaßfilm, der mich ein paar Mal sehr zum Lachen gebracht hat. Das liegt vor allen an den Hauptdarstellern. Dem Hünen Bautista nimmt man den grimmen Soldaten genauso ab wie dem Kind seine Cleverness, und zwar ohne das es nervt.

Bad Boys for Life [Prime]
Irgendwas mit Will Smith, war nicht gut und hat mich auch nicht wirklich interessiert.

Dr. Doolittle [Prime]
Dr. Doolittle und seine Tiere müssen die englische Königin retten und dafür eine Frucht finden die nur an einem Baum auf einer weit entfernten Insel wächst.

Zu wenig Pinguine (Lies: Gar Keine!) – das geht gar nicht! Immerhin, der Eisbär ist niedlich. Und die Geschichte fantasievoll, aber definitiv für kleine Kinder. Die haben ihren Spass dran, alle anderen sind genervt von den ADHS-Viechern.


Spielen:

Yakuza 4 [PS4]

Kamurocho, Tokyo: Ein ungewöhnlicher Finanzdienstleister trifft eine außergewöhnliche Frau. Ein zum Tode Verurteilter bricht aus dem Gefängnis aus. Ein Straßenpolizist ist auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Irgendwo eiert Kiryu Kazuma rum. Und alles hängt mit einem Ereignis im Jahr 1985 zusammen.

Der Remaster von Yakuza-Teil 4, der im Original für die PS3 im Jahr 2009 erschien. Sieht nicht so fürchterlich Grütze aus wie Teil 3. Die Story ist elaboriert und dreht sich zum Glück nicht mehr darum, hinter Arschlochkindern auf Okinawa herzulaufen. Stattdessen gibt es wieder eine düstere Erzählung in den Straßen Tokios.

Ich sehe, was die Macher hier versucht haben, als sie mit gleich vier Protagonisten rumjonglierten. Allein: Die Technik gab das damals nicht her, und der Remaster ändert daran leider nichts. Außer 1080P-Auflösung gibt es hier nichts Neues, im Untergrund werkelt die alte, kaputte Engine. Das ist schade, denn so machen die Spielsequenzen schlicht keinen Spaß. Was nützen die schönsten Zwischensequenzen, wenn sich die Spielfiguren in den Kampfsequenzen allesamt steuern wie Tanker, auf Eingaben nicht oder zu spät reagieren und streckenweise einfach unspielbar lahm sind? Dass diese fiesen Schnitzer im Remaster nicht behoben wurden ist eine Schande. Bislang zu zwei Dritteln durch, mal sehen, wie das endet.


Machen:

ArbeitArbeitArbeit, nebenbei Maßstäbe in Sachen Online-Kongresse gesetzt und zum Streaming-Experten geworden, dann: Motorradherbst!


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

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