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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Die seltsame, aber ideale Actioncam für Motorradreisen

„Woher kommen die Aufnahmen?“
„Vorn am Mopped ist eine Actioncam angebracht“
„Ah, eine Gopro!“

Nee, eben nicht. Keine GoPro.

Auch wenn sich der Name mittlerweile als Synonym für eine ganze Geräteklasse in den Köpfen festgesetzt hat wie „Tesa“ für Klebeband und „Tempo“ für Taschentücher: Es gibt auch noch andere Actioncams.

Nichts gegen GoPro, das sind feine Allrounder. Aber für Motorradfahrer, oder spezifischer: Für Tourenfahrer, gibt es Kameras die besser geeignet sind. Eine davon ist die seltsame VIRB XE, ich mittlerweile seit zwei Jahren im Einsatz habe und über die ich erstaunlicherweise hier noch nie was geschrieben habe. Aus aktuellem Anlass und akuter Langeweile hole ich das hiermit nach.

Die VIRB XE ist ist für meinen Anwendungsfall einer klassischen Actioncam in zwei Bereichen überlegen:
1. durch die Bauform und
2. was Vernetzungsmöglichkeiten angeht.

Aber der Reihe nach.

Der „klassische“ Anwendungsfall für eine Actioncam ist die Aufzeichnung einer ziemlich genau definierten Situation. In den Werbevideos der Hersteller sieht man, was ich mit „Situation“ meine: Die Actioncam wird genutzt um eine Skiabfahrt aufzuzeichnen oder eine Fahrt im Kanu, oder sie klemmt am Helm eines Mountainbikers usw. usf.

All diesen Situationen ist gemein, dass sie zeitlich und Umständetechnisch relativ klar definiert sind und man sich beim Setup der Kamera darauf einstellen kann. Die Skiabfahrt dauert in der Regel nicht stundenlang und hat mehrfach Pausen drin, sondern geht nur bis zum Fuß des Bergs. Man kann die Kamera vor der Abfahrt manuell einschalten und hinterher wieder aus. Beim Kanufahren ist klar: Es wird nass, also kommt die Kamera in das zusätzliche, wasserdichte Gehäuse. Beim Motorradfahren auf kurzer Strecke ist es ähnlich: Man sich auf das Wetter einstellen, und für die Runde auf der Renne oder die zwei-Stunden-Tour durch den Harz lässt man die Kamera einfach so laufen.

Der Anwendungsfall beim Touren, zumindest bei mir, ist etwas anders: Ich stecke Morgens die Kamera an die Nase des Motorrads und belasse sie dort bis zum Abend. Wenn ich unterwegs was interessantes sehe oder die Strecke spaßig wird, schalte ich sie per Fernbedienung ein, ansonsten bleibt sie aus.

Den ganzen Tag über unterwegs zu sein heißt auch, in unterschiedlichste Klimazonen und Wetterlagen zu geraten. Man fährt einen Pass hoch, und es wird eisekalt. Auf der Abfahrt wird es wieder wärmer, dafür gerät man in einen Regenschauer. In Abgrenzung zu den klassischen Actioncamszenarien bedeutet das: Ich habe keine klar definierte Aufnahmesituaion, auf die ich mich austattungstechnisch einstellen könnte, und eine zeitliche Definition habe ich auch nicht – ich muss die Kamera also zuverlässig und spontan aus der Ferne ein- und ausschalten können.

Natürlich kann man nun fragen: Und? Wo ist das Problem? Man kann eine Kamera doch einfach immer im wasserdichten Gehäuse belassen, und Fernbedienungen bringen die meisten Actioncams auch mit.

Die Probleme dabei: Unterwassergehäuse sind schwer und vibrieren dadurch mehr. Gleichzeitig dämpfen sie durch die Bauform den Ton, und im schlimmsten Fall klappert die Kamera während der Fahrt darin herum. Außerdem Beschlagen sie bei kühlem Wetter, denn so eine Actioncam wird unter Umständen recht warm.

Bei der Fernbedienung liegen die Probleme an der Schludrigkeit der Hersteller, insbesondere, aber nicht nur, in unteren Preissegmenten. Die Dinger sind häufig nicht zuverlässig, und längst nicht alle sind wasserdicht. Mit Grauen erinnere mich an meine Rollei 3s, bei der die Fernbedienung nur an ungraden Wochentagen bei Südwind funktionierte, und die bei jedem Schauer ganz schnell abmontiert und eingepackt werden musste.

Genau diese beiden Punkte hat Garmin aber bei der VIRB XE gelöst, und dazu noch einige andere. Herausgekommen ist dabei eine Kamera, die ihresgleichen sucht – weil sie so seltsam ist.

Sie ist nämlich ein echtes Ingenieursstück. Ingenieursstücke sind, lt. Definition von Modnerd, jene Geräteserien, in deren Konstruktion die Ingenieure all ihre Liebe und ihr Können eingebracht haben, und die rauskommen bevor die BWLer den Rotstift ansetzen und alles billiger machen. Oder die Marketingfuzzis unbedingt irgendeinen Hypekram als Selbstzweck drinhaben wollen.

Nein, an der VIRB XE ist (fast) nichts billig, und sie kommt ohne Blockchain-Anbindung aus. Man merkt, dass hier Ingenieure zusammen saßen, die eine Liste von Problemen klassischer Actioncams lösen wollten. Das ist ihnen auch gelungen, aber das Ergebnis ist halt seltsam, weil es stark anders ist als das, was man von GoPros kennt.

Das fängt schon beim Äußeren an. Die VIRB XE ist von der Bauform her kein kleiner Würfel, sondern hat eine etwas in die Breite gezogene Form, die einige Besonderheiten aufweist.

Was als erstes auffällt: Die gesamte Frontseite ist eine große Klappe, die mit einem seitlichen Riegel verschlossen wird. Die Klappe schützt das komplette Innenleben der Kamera und lässt sich austauschen wenn sie verkratzt ist. Sie ist wasserabweisend beschichtet, Regentropfen und Wasserschleier perlen einfach davon ab.

Die Klappe hat eine umlaufende Dichtung. Das Gehäuse der VIRB ist von sich aus wasserdicht bis zu 50 Metern, ein zusätzliches, wasserdichtes Gehäuse wird nicht benötigt. Das ist praktisch und löst das Problem mit den nicht definierten Wetterbedingungen: Die Kamera kann einfach immer am Motorrad bleiben, so wie sie ist. Dafür wiegt sie mit 150 Gramm etwas mehr als eine „nackte“ Actioncam, aber weniger als eine mit Unterwassergehäuse.

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Verfasst von - 19. Februar 2018 in Motorrad

 

Reisetagebuch London (3): Die seltsame Begegnung mit der Frau in der Nacht

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute geht es in den Park, das Wiesel boxt mit einem Schwan und lernt eine Bombe zu lieben und eine Frau will kein Eis von mir.

Dienstag, 09.02.2016
Wenn man vom Norfolk Square, wo ich gerade wohne, rechts um die Ecke geht, kommt man zum Bahnhof Paddington. Geht man links rum, landet man im Hydepark. Der ist riesig, zusammen mit dem anschließenden Kensington Garden ist die Grünfläche größer als Monaco.

Hyde Park. Ja, der ist ganz schön groß.

Hier wandere ich durch den Morgennebel und bin an allen Ecken überrascht von der Vielfalt der Flora und Fauna. Eichhörnchen hüppeln durch Gebüsch, überall hocken verschlafen aussehende Wasservögel. Das erklärt die Möwenschreie, die ich manchmal nachts höre. Das ist voll die Wildnis hier!

Berühmt ist der Hyde Park ja wegen der Speakers Corner. In der darf übrigens jeder zu jeder Zeit über FAST alles öffentlich reden. Was man hier nämlich nicht macht: Reden über die königliche Familie schwingen, die ist tabu.

Wildhund.

Hm, ja, mit dem Namen hat man es auch nicht leicht, oder?

Mitten im „Serpentine See“ baden alten Männer, bei Lufttemperaturen knapp über Null Grad. Das Wiesel versucht mit einem Schwan zu spielen, aber der ist nicht zu Scherzeken aufgelegt. Als ich weiter gehe, höre ich hinter mir die typischen Geräusche eines No-Nonsense Schwans, der zum Angriff übergeht.


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Verfasst von - 17. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London (2): The Full Monty

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute fällt Karneval aus, was aber niemand bemerkt, es gibt eine Tour durch Dungeons und Museen, und am Ende des Tages steht Nudelsalat.

Montag, 08. Februar 2016
Es stürmt das ganze Wochenende durch, und auch am Montag ist es windig. Aber nicht nur in London, auch auf dem kontinentalen Festland stürmt es. Die Natur verhindert damit in Deutschland eine von Menschenhand geschaffene Katastrophe: Den Karneval. Der fällt wegen des Wetters aus.

Aber das kümmert in London niemanden. London ist ohnehin Hauptstadt von Geh-mir-nicht-auf-den-Sack-Land. Bestes Beispiel: U-Bahn. Londoner unterhalten sich nicht in der Tube. Unterhalten tun sich nur Touristen. Der Londoner sitzt da und macht die Augen zu, liest Zeitung oder notiert handschriftlich Dinge in seinem, Leder gebundenen, Organizer. Mitreisende werden ignoriert und nicht mal angesehen.

Das macht sich auch in den U-Bahnhöfen bemerkbar: In keiner anderen Stadt kollidiere ich so oft mit Leuten. Der Trick ist nämlich, ganz deutlich in die Richtung zu gucken, in die man tatsächlich gehen will. Schaut man links oder rechts an ihnen vorbei, nehmen andere Menschen nehmen das unbewusst wahr und gehen aus dem Weg. Das ist ein ganz unbewusster Vorgang, eine zwischenmenschliche Kommunikation, die wir gar nicht bewusst mitbekommen- außer, wenn das System mal nicht funktioniert. Das ist z.B. dann der Fall, wenn wir uns versehentlich direkt angucken – zack, stehen wir plötzlich voreinander und trippeln anch links und rechts und sind verlegen. Das „Ich guck an Dir vorbei und du bemerkst das“ klappt eigentlich überall – nur in London nicht, weil die Leute hier einander nicht ins Gesicht sehen. Jeder ist ganz in seiner eigenen Welt. Es ist, als sei man von Geistern umgeben.

An der Haltestelle Embankment spuckt mich der Underground an die Oberfläche. Ein kurzer Spaziergang über die Golden Jubilee Brücke und vorbei am London Eye, dem Riesenrad, dann stehe ich vor der ehemaligen County Hall. Das riesige Gebäude direkt an der Westminster Bridge wird heute nicht mehr von der Verwaltung genutzt. Es beherbergt verschiedene Geschäfte, ein Aquarium und den London Dungeon.


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Verfasst von - 10. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London (1): Strike!

Samstag, 06.02.2016

Der Februar ist in diesem Jahr zwar trocken, aber auch kalt und grau. Ich sitze am Schreibtisch, blicke raus in das winterliche Zwielicht und muffele vor mich hin. Bis sich der Frühling blicken lässt, wird es noch mindestens zwei Monate dauern. Ich will diese grauen Suppe da draußen nicht mehr. Ich brauche Abwechselung. Es muss ja nicht Sonne und Wärme sein, aber Winter in Deutschland, das ist wie ein halbes Jahr lang Rauhfasertapete anstarren. Das macht auf die Dauer dullig im Kopf. Ich will Input, was zum Ansehen, wenn es gar nicht anders geht würde ich mir jetzt sogar Kultur angucken!

Um den winterleeren Kopf wieder zu füllen bietet sich eine Städetreise an, zumal einer der großen Vorteile meines Wohnortes die Verkehrsanbindung ist. Hier kommt man schnell weg, was durchaus ein taktischer Vorteil ist. Ich brauche hier nur in den Bus zu steigen, der vor meiner Haustür abfährt, und nach maximal drei Mal umsteigen bin ich in Paris, Mailand oder… London.
Hm.
London.

Warum eigentlich nicht? Da war ich zwar schon mal, aber die Stadt ist groß. Und da ist es wärmer als hier UND es gibt mehr zum Ansehen. Geringfügig zumindest.

So kommt es, dass ich an einem Samstag Morgen das verschlafene Wiesel in den großen Rucksack setze, dann in den Bus steige und es mir dann in einen ICE gemütlich mache.

Es ist 2016, und am Frankfurter Bahnhof sind gerade Schilder zur Begrüßung von Flüchtlingen aufgestellt worden. Wird auch Zeit.

Kurzer Aufenthalt in Frankfurt bietet Gelegenheit für einen Kaffee. Beim Bäcker beugen sich Indiana Jones und eine Hexe über die Auslage. Klar, ist ja bald Karneval! Ganz vergessen. Kenne ich ja praktisch nicht, in Südniedersachsen bemerkt man Karneval nur daran, dass man im Rest der Republik niemanden erreicht.
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Verfasst von - 3. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Momentaufnahme: Januar 2018

Herr Silencer im Januar 2018
„…“

Wetter: Anfang des Monats irrsinnig warm, in der ersten Woche pendeln die Temperaturen zwischen 6 und 16 Grad. Dazu Regen, Regen, Regen. Dann kommt am 18. Orkan Friederike und legt Norddeutschland lahm, kurz drauf pendelt das Thermometer um Null Grad, dazu Schnee, Schnee, Schnee, der aber immer gleich wieder taut. Ab der dritten Woche klettern die Temperaturen wieder auf plus 5 bis 10 Grad.

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Lesen:

Michael Wolff: Fire and Fury – Inside the Trump White House
Dieses Buch ist vermutlich bald das auflagenstärkste nach der Bibel, und das ist verständlich – jeder würde gerne bei Trump Fliege an der Wand spielen, und nach eigenem Bekunden hat der Autor genau das getan: Er lungerte im Weißen Haus rum, wurde größtenteils ignoriert und hat zugehört. Dazu noch ein paar Interviews mit Staffern und Bannon, ordentlich atmosphärische Beschreibungen dazu und fertig ist das Erfolgsbuch.

Ich bin mir sehr sicher, das Wolff auch eine Prise Fantasie in den Details hat einfließen lassen – und warum auch nicht, wenn es der Lesbarkeit dient und die wichtigen Dinge stimmen.

Ob das so ist, kann niemand außerhalb des Weißen Hauses prüfen, aber fest steht: Wolffs Schilderungen erklären eine Menge Phänomene, die man von Außen beobachten kann. Damit meine ich nicht die Cheeseburger-im-Bett-Stories, auf die das Buch in den Medien reduziert wird, sondern die Schilderung der Machtzirkel um Trump herum.

Das Ziehen und Zerren von Jared Kushner und Ivanka Trump auf der einen Seite, Bannon auf der anderen und Reince Priebus irgendwo dazwischen. Die Schilderungen der Aktionen dieser Gruppen sind der Kern des Buchs. Beim Lesen insbesondere der Schilderungen von Bannons Doktrin bin ich doppelt dankbar, das der Kerl bei Trump in Ungnade gefallen ist – der hätte sonst noch richtig gefährlich werden können. Empfehlenswerte Lektüre, spannend zu lesen!

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Hören:

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Sehen:

The Good Place (Season 2) [Amazon Video]
Eleanor (Kristen Bell, „Veronica Mars“, „Assassins Creed II“) stirbt bei einem Unfall und wacht im „Good Place“ auf. So erklärt es ihr zumindest Michael (Ted Danson, „Cheers“, „CSI“), aber am Ende von Staffel 1 erfahren wir: Alles gelogen, in Wirklichkeit ist die Dauergrinsende-Glücklich-Nachbarschaft ein Versuch des Bad Place. Die Dämonen wollen mehr Freizeit und versuchen deshalb eine Konstellation schaffen, in der Menschen sich gegenseitig die Hölle bereiten. Nur: Das funktioniert nicht so wie geplant, und nach 816 Neustarts des „Good“ Place muss Michael sich auf einen Deal mit Eleanor einlassen.

Bright [Netflix]
Los Angeles in der Gegenwart, aber einer alternativen Welt: Menschen sind nicht die einzigen Humanoiden, und schon gar nicht die herrschende Spezies. Die Welt wird beherrscht von den schönen und reichen Elfen, die Menschen stehen gesellschaftlich knapp über den in Gangs organisierten Orks. Um deren Inklusionsfähigkeit zu testen, wird ein Ork versuchsweise zum Polizeioffizier gemacht und geht mit Will Smith auf Streife. Das klappt überhaupt nicht und eskaliert, als die beiden Cops in ein magisches Drogenhaus gerufen werden.

Fängt langsam und leicht langweilig an, entfaltet dann einen unheimlichen Sog und lässt einen nicht mehr los: Bright ist ein Film, der voller netter Ideen steckt. Problem dabei ist, dass er sich nicht so ganz entscheiden kann wo er hinwill. Actionthriller? Copmovie? Sozialkritische Dystopie? Am Ende macht er von allem etwas. Die dabei entstehende Mischung ist etwas unfokussiert, aber nett anzuschauen. Dazu tragen auch die wirklich guten Schauspieler bei. Und das Noomi Rapace hier als Ivank-Trump-Lookalike so richtig böse sein darf, ist eine sehr charmante Idee.

Birdman [BluRay]
Riggan Thomas war in den 90ern mal ein Star. In Superheldenfilmen spielte er den „Birdman“, dann ging es mit seiner Karriere bergab. Heute versucht er sich an einer Off-Broadwayinszenierung eines selbstverfassten Theaterstücks. Kurz vor der Premiere geht alles drunter und drüber: Der Hauptdarsteller wird von einem Scheinwerfer erschlagen, der Ersatz ist offensichtlich verrückt, Riggan geht das Geld aus und eine Kritikerin schwört, ihn zu vernichten – weil Leute die Figuren wie „Birdman“ spielen keine Schauspieler seien, sondern lediglich unbegabte Promis. Während Riggan unter dem Druck anfängt zu bröckeln, wird Birdman immer stärker.

Der Film wirkt, als wäre er komplett in einer Einstellung gedreht. Das ist aber schon der eine Trick des Ponys, der Rest ist so Artsy-Fartsy (inkl. Jazzuntermalung!!) das es nervt.

A Kurdish Movie [Vimeo]
Claudio von Planta ist der Kameramann, dem wir „A long Way Round“ und „A long way South“ zu verdanken haben. Dank einer Corwodfundingaktion fährt er jetzt mit einem knorrigen Iren auf Moppeds durch Nordsyrien. Die Reise hat durchaus bewegende Momente, etwa wenn die beiden von einem Polizeipräfekten alte Hondas geschenkt bekommen, oder wenn sie in Frontnähe durch verlassene Geisterorte fahren, an denen man noch sieht, wie viel die syrischen Flüchtlinge zuückgelassen haben.

Was mir nicht gefällt ist der Mangel an Narration. Von Planta hält einfach drauf und schneidet einzelne Szenen zusammenhanglos aneinander. Es gibt kein Voiceover, keine Erklärungen, nicht mal eine Übersichtkarte. Und nach 45 Minuten ist der Film einfach abrupt vorbei. Daran sieht man, dass ein Kameramann noch keinen guten Film macht. Für die 2,95 Euro Leihgebühr, die Vimeo dafür haben möchte, kann man sich das aber durchaus angucken.

Foto: Britta Korkowsky (http://www.thop.uni-goettingen.de)

Shirley Valentine [Theater im OP]
Shirley Bradshaw leert eine Flasche Wein und redet mit der Wand, während sie das Abendessen zubereitet. Donnerstags muss es immer Hackbraten geben, und der muss genau in dem Moment auf dem Tisch stehen, wenn ihr Mann nach Hause kommt. Das ist eigentlich schon alles, was man über das Leben der englischen Unterschichtenhausfrau wissen muss, alles andere kann man sich vorstellen.

Mit Mitte 40 ist sie zu alt für Neues, die Kinder sind aus dem Haus – Shirley Bradshaw wird nur noch für den Hackbraten gebraucht. Da bietet sich plötzlich eine Gelegenheit, dem Stumpfsinn für zwei Wochen zu entfliehen. Eine Freundin bietet Shirley an, sie 14 Tage nach Griechenland zu begleiten. Sie zaudert, aber dann erinnert sie sich an eine Zeit vor der Ehe, als sie noch Shirley Valentine hieß. Am Ende findet sie nicht nur die Kraft, ohne ihren Mann zu verreisen – sie kehrt auch nie in ihr Hackbratenleben zurück.

Das ThoP startet mit einer kleinen, aber sehr feinen Produktion ins neue Jahr. „Shirley Valentine“ ist ein tragkomisches Einpersonenstück, das die Darstellerin Birthe Schulz-Kolling tatsächlich ganz allein stemmt und zwei Stunden lang trägt. Der Stoff überrascht – denkt man nach dem ersten Akt man wüsste, wie alles weitergehen wird, ist die Freude um so größer, wenn Shirley den Ausbruch aus ihrem selbstgemachten Käfigleben schafft.

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Spielen:

Dishonored: Death of the Outsider [PS4]
Billie Lurk, die Kapitänin der „Dreadful Whale“ aus Dishonored II, bekommt von ihrem alten Mentor Daud einen letzten Auftrag: Sie soll für ihn den Outsider töten, jenes allmächtige Wesen, das den „Dishonored“-Protagonisten stets ihre Kräfte gibt. Nur: Wie tötet man einen Gott?

Schön: Dieser Stand-Alone DLC beantwortet Kernfragen der beiden „Dishonored“-Spiele und erklärt, was der Outsider ist und woher er kommt. Serientypisch geschieht das über eine locker in Zwischensequenzen erzählte Geschichte, zwischen der Level voller Schleichen und Erkunden eingeschoben sind. Was zunächst nach billiger McGuffin-Jagd aussieht, entpuppt sich als Stealth-Adventure mit vielen Details und Nebenmissionen.

Unschön: Auch im DLC ist man mehr mit Quicksave und Quickload beschäftigt als mit Spielen. Immersion gibt´s nicht, hier läuft alles auf Trial& Error hinaus, was Geduld erfordert. Dazu kommen Glitches und Designschwächen: NPCs können teilweise durch Wände gucken, was zumindest teilweise mit einer absurden Über-powerung des Spielercharakters ausgeglichen wird.

Netter letzter Teil, reicht jetzt aber auch. Mehr muss nicht.

Außerdem als Wiederholung: Horizon: Zero Dawn Hauptspiel, Assassins Creed Syndicate

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Machen:
Müde sein. Ich freue mich morgens beim Aufstehen schon darauf, abends wieder früh ins Bett zu gehen. Da passt es eigentlich nicht, dass das Dschungelcamp so spät kommt.
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Neues Spielzeug:
Ein weiterer Sensor für Anna. Gebraucht gekauft, ist aber leider in der Post verschütt gegangen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Januar 2018 in Momentaufnahme

 

Teaser

Eigentlich sollte es ja dazu gar kein Blogserie dazu geben. Aber nachdem mehrfach Anfragen dazu kamen… warum eigentlich nicht? Es wird auch das erste Reisetagebuch sein, in dem der neue Quantensprungzeitbeschleuniger zum Einsatz kommt.

Hier finden sich frühere Teaser.

 
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Verfasst von - 30. Januar 2018 in Reisen, video

 

Siri ist tot

Akt 1
Siri ist tot. Also, fast. Sie zuckt noch ein wenig, wenn man sie anspricht oder den Homebutton drückt, geht dann aber gleich wieder aus. Das diktieren von Text funktioniert auch nicht mehr. Ich tippe auf ein defektes Frontmikro.

Akt 2
Ich latsche zum autorsierten Apple-Reparaturdealer in der Stadt. Der guckt dullig auf´s iPhone und sagt „Da müssense zur Technik. Das könnwa nur in der Technik prüfen.“ Und wo ist diese Technik? „In Rotzdorf, wa.“ Rosdorf ist 5 Kilometer entfernt.

Stattdessen mache ich einen Termin beim Apple Store in Hannover. Da muss ich sowieso die Tage hin, und die reparieren wenigstens sofort. Die ham nämlich die Technik im Haus, wa.

Zuhause stecke ich ein Headset an. Siri bleibt tot. Jetzt wird es interessant, denn am Frontmikro kann es nicht liegen. Na, mal gucken was der Apple Store sagt.
Als Vorbereitung auf den Termin mache ich ein Backup. Ist sowieso dran, alle 14 Tage ziehe ich eines. Verschlüsselt, natürlich. Mal gucken ob das Passwort tut. Oh, da liegt ein altes, unsicheres drauf. Gleich mal gegen ein besseres Passwort tauschen. Mit Sonderzeichen drin.

Akt 3
Hm. Backup ist durch. Wenn es ein Softwarefehler ist, vielleicht hilft das Löschen des Telefons und einspielen aller Daten aus dem Backup? Bei Apple funktioniert das reibungslos. Gesagt, getan: Ich klicke auf „Wiederherstellen“ und iTunes löscht das Telefon, dann beginnt es mit Wiedereinspielen der Daten. Das läuft aber nicht lange.

„Auf dieses iPhone kann nicht geschrieben werden“, sagt iTunes. WTF?! Was ist denn nun los? Ich probiere ein älteres Backup. Ich nehme die Verschlüsselung raus. Immer das gleiche: Das Einspielen beginnt, dann stürzt das Telefon ab und kommt in jungfräulichen Zustand wieder. Ich verdächtige Windows hier Unfug zu treiben und schalte sämtliche Securitydinge ab. Nichts. Kurz überlege ich, ob ich das Backup auf einen Mac übertragen und von dort aus einspielen kann. Nee, geht nicht, habe kein passendes USB-C-Kabel.

Ich stochere im Netz nach Lösungen, finde aber nicht mal das Problem. Am Ende gebe ich auf.

Akt 4
Ich richte das Telefon frisch ein. Kalender, Kontakt und Mails kommen aus der Applewolke, Apps aus dem Appstore, Fotos vom NAS. Was ich verloren habe: Daten in langlaufenden Apps, sowas wie „Wann habe ich aufgehört zu rauchen“. Verschmerzbar.

Was richtig schmerzt: In jeder App muss ich mich mit dem jeweiligen Account neu anmelden. Obwohl ich nur die wichtigsten Apps neu installiert habe, sind das 54 Anmeldevorgänge.

Am schmerzhaftesten ist aber: JEDE App und seine Mudder nervt jetzt mit „Du benutz mich zum ersten Mal, guck mal, was ich tolles kann“, fast jede App schickt Begrüßungsmails. Das nervt. So sehr, dass es fast unerheblich ist, dass Siri wieder lebt.

Spät in der Nacht gucke ich mir das Backupverzeichnis von iTunes an und lösche da über 30 GB an kaputten Backup raus, die alleine an dem langen Abend entstanden sind. Was auch immer da schief gelaufen ist: Braucht kein Mensch, sowas.

Und die Lehre daraus? Gibt es nicht. Selbst gute Systeme fallen mal aus, selbst Backup schützen nicht vor Verlust. Manchmal sind Dinge einfach kaputt, und dann hat man Arbeit.

 
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Verfasst von - 30. Januar 2018 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch (13): Das Ende einer Reise

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute geht es nach Hause, aber natürlich nicht ohne Hindernisse. Es treten auf: Nebelsuppe, ein Glühwürmchenwald, Berge – und ich mache Bekanstschaft mit einem gewissen Xavier.

Donnerstag, 5. Oktober, San Biagio di Callalta

Ich habe keine Lust mehr und will nur noch nach Hause.
Von diesem Plan hät mich auch das schlechte Wetter nicht ab. Es ist nebelig, und zwar auf die superheftige Art. Als ich die Treppe von den Gästezimmern herunterkomme, bleibe ich im Durchgang zum Frühstücksraum stehen und blicke durch das Eingangsportal der Offiziersvilla. Draußen ist es so nebelig, dass ich kaum bis zum Ende des Weges sehen kann. Nach wenigen Metern verliert die Welt alle Farben und löst sich in ein geisterhaft graues Nichts auf.

Das bleibt tatsächlich auch so während ich frühstücke und mich fertig mache. Kein Wind vertreibt den Nebel, keine Sonne brennt ihn weg. Nachdem ich mich von Sara und Francesco verabschiedet habe, steige ich auf die V-Strom und steuere in das weiße Nichts.

Die erste Herausforderung besteht schon darin, überhaupt als Linksabbieger auf die Regionalstraße zu kommen. Der Verkehr ist in beiden Richtungen dicht, der Nebel spuckt Auto um Auto aus, ein endloser Strom von Fahrzeugen, die aus dem Nebel auftauchen, an mir vorbeischießen und sofort wieder im Grau verschwunden sind. Ob eine Lücke im Strom wirklich eine Lücke ist oder sich gleich das nächste Auto materialisiert, lässt sich nur raten. Gefühlt warte ich minutenlang, dann wage ich es und gebe Gas.

Steine spritzen unter dem Hinterreifen weg, als die V-Strom aus der Einfahrt der Villa herausröhrt, auf die Straße schießt und hart am Mittelstreifen entlang weiter beschleunigt. Der Schnellstart war nötig, im Rückspiegel sehe ich schon wieder einen Fiat, der urplötzlich aus der Nebelwand aufgetaucht ist und mir jetzt auf zwei Zentimetern am Heck hängt. Zum Glück war er nicht superschnell unterwegs. Wäre er es gewesen, hätte er dadurch, dass ich hart an der Straßenmitte fahre, noch rechts an mir vorbeiziehen können.

Bah, in der Nebelsuppe sieht man echt gar nichts, nach vielleicht dreißig Metern ist alles nur noch weiß. Zwar reicht die Distanz gerade noch als Sicherheitsabstand, aber ich fahre gerne etwas vorausschauender als nur bis zu den Rücklichtern des Vordermanns.

Die nächste Herausforderung ist der Berufsverkehr im Veneto. Es geht erstmal über einige kleinere Orte, und obwohl die Pendler hier routiniert das Reissverschlussystem anwenden, steht der Verkehr an den Kreuzungen mehr als das er fließt. Ich bin froh, als Anna uns auf die Autobahn lotst. Der Nebel bleibt zwar, aber auf der Autobahn parallel zur Küste ist der Verkehr viel weniger dicht. Unangenehm ist es aber schon, denn die klamme Nässe kühlt den Körper im Fahrtwind ganz schön aus.

Nach einer Stunde geht es gen Norden. Das merke ich aber nur daran, weil sich der elektronische Kompass auf dem Display des Garmin dreht. In der Nebelsuppe habe ich überhaupt keine Ahnung wo ich bin und fahre nur nach Navi. Als ein Schild für die Abfahrt „Udine“ auftaucht, kann ich zumindest grob verorten wo ich bin. Bald müssen die Berge kommen, die zwischen Italien und Österreich liegen. Und tatsächlich, da sind sie schon.

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Verfasst von - 27. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Private Knöllchen

Parkscheiben sind ein aussterbendes Relikt vergangener Zeiten. Dachte ich zumindest. Dabei erlebt die Parkscheibe gerade ein erstaunliches Revival, denn man braucht sie jetzt praktisch bei jedem Supermarktbesuch. Wait, what?

Ja, da staunt der Endkunde: Supermärkte, insbesondere in Innenstadtnähe, setzen neuerdings externe Firmen zur Bewirtschaftung ihrer Parkflächen ein. Das heißt im Klartext: Parkt jemand falsch, kriegt er von einer Firma ein Knöllchen.

Ich finde es ja total super, wenn innenstadtnahe Supermärkte was gegen Dauerparker auf ihren Stellflächen tun. Noch superer ist es, dass BMW-Fahrer, die ihren M6 schräg über drei Behinderten- und zwei Muter-und-Kind-Parkplätze parken, sofort eine reingewürgt bekommen. Viel weniger super ist allerdings, dass als „Nicht den Einstellbedingungen entsprechend“ schon bedeutet, dass man ein Köllchen bekommt, sobald man die Parkscheibe vergisst.

Ja, richtig gehört: Man stellt sein Auto auf den Supermarktplatz, geht einkaufen und bei der Rückkehr hat man ein Ticket über 25 bis 40 Euro am Fahrzeug. Weil man die Parkscheibe vergessen hat. Dabei ist es vollkommen unerheblich, dass der Angestellte der Parkfirma sogar gesehen hat, dass man nur kurz in den Supermarkt gegangen ist. Keine Scheibe heißt Knöllchen. Das ist rechtens, wenn die Einstellbedingungen groß aushängen – und das tun sie meistens. Hat man einmal ein solches Ticket bekommen, hilft eventuell noch die Vorlage des Kassenbons, um zu beweisen das man wirklich einkaufen war. Dabei ist man allerdings auf die „Kulanz“ des Parkraumunternehmens angewiesen.

Das Phänomen privater Parkraumbewirtschafter auf Supermarktparkplätzen ist relativ neu, zumindest in meinen Breitengeraden, aber es greift um sich. Binnen kürzester Zeit haben hier in Göttingen je ein REWE, ein LIDL und ein Penny die Hilfssheriffs engagiert. Ist für mich glatt ein Grund da nicht mehr hin zu fahren, denn mit Parkscheiben habe ich es nicht so.

 
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Verfasst von - 26. Januar 2018 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch (12): Alles neu

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute geht es nach Norden, wo alles neu ist, und dann knackt es auch noch.

Dienstag, 03. Oktober 2017, Carpineto, Siena

Die vier Tage in Siena und Umgebung sind wie im Flug vergangen. Ich habe es genossen, die V-Strom auf Schotterwegen und Feldern auszuprobieren und sie in der Crete Senesi über die Straßen zu schicken, von denen ich mittlerweile als „meiner Hausstrecke“ denke. Das soll keine Angeberei sein. Die Gegend ist nur so dünn besiedelt und es gibt so wenige Straßen, dass ich mich hier wirklich schon gut auskenne und eine Lieblingsrunde habe.

Getrübt wurde die Er-Fahrung immer wieder durch die ruckelnde Kette, aber sei´s drum. Ich habe mich entschieden sie nicht tauschen lassen. Für den Weg nach Hause hält die noch, sagen alle Mechaniker. Sobald ich zurück in Deutschland bin kommt dann meine Wunschkette drauf. Bis dahin heißt es: Zähne zusammenbeißen und nicht dran denken, Ruckelei hin oder her. Ich halte das jetzt schon so lange aus, das geht jetzt auch noch drei Tage länger.

Ablenkung gab es genug. Das Wetter hat einigermaßen mitgespielt, es war bedeckt und kühl, aber richtig geregnet hat es nur wenig. Bei Abstechern nach Monteriggioni und Greve in Chianti bin ich in lustige Dorffeste geraten und habe mir Aufführungen von örtlichen Vereinen angeguckt, unter anderem dieses herzerwärmende Re-Enacting von Spielbergs „Unheimlicher Begegnung der dritten Art“. Man beachte die kleinen Wissenschaftler an der Orgel und das Pedalgetriebene UFO:

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Verfasst von - 20. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

„Alle reden vom Wetter…“

„…wir nicht“, hieß es in der Werbung der Bahn. Früher. Und heute? Wird bei einem kleinen Sturm der gesamte Bahnbetrieb eingestellt. Wie kann das sein?“, fragen heute morgen gleich mehrere Zeitungen und das Radio, und der Fahrgastverband „Pro Bahn“ gießt gleich mal Öl ins Feuer: „Vorsicht ist natürlich immer eine gute Sache, aber man kann auch übervorsichtig sein. Gleich gar nichts zu tun, das erscheint uns doch etwas übertrieben.“

Ich steckte gestern mitten im Sturm, und deshalb kann ich sagen:

WAS GENAU IST MIT EUCH EIGENTLICH NICHT IN ORDNUNG, MEDIEN UND PRO BAHN?

Das war kein kleiner Wind, das war die fucking Orkanapokalypse! In Südniedersachsen flogen Dächer weg, Bäume stürzten um, im benachbarten Thüringen fiel der Strom flächendeckend aus. Auf dem Brocken gab es Windgeschwindigkeiten jenseits der 200 km/h, Goslar und einige andere Orte im Oberharz waren am Abend von der Außenwelt abgeschnitten – und blieben das für die Nacht auch, denn die Rettungsdienste gingen das Risiko nicht ein, im Dunkeln an den Strecken zu arbeiten.

Bei Orxhausen crashte kurz vor der Einstellung des Bahnverkehrs ein ICE in einen Baum auf der Strecke. Wer den Abschnitt kennt: Das ist ein Hochgeschwindigkeitsabschnitt, in dem die Trasse praktisch in die Landschaft hineingeschnitten ist. Da kommt man von den Seite mit Rettungsfahrzeugen nicht ran. Ein anderer Zug kam da aber auch zunächst nicht hin, weil kurz nach dem Crash ein zweiter Baum auf die Strecke stürzte, und zwar hinter dem Havaristen.

Als Maßstab für Sturmschände galt bislang „Kyrill“, der Orkan von 2007. „Friederike“ gestern war stärker. Das seien Stürme in einer Stärke, so ein Bahnsprecher, die man so früher nicht kannte. Schon gar nicht in den 80ern, als die „Alle reden vom Wetter…“-Werbung lief.

Ich war unterwegs in einer Stadt in Niedersachsen, mit 30 Leuten, von denen 25 mit der Bahn angereist waren – und die nun nicht mehr wegkamen. Auch die Abreise mit dem Auto gestaltete sich als schwierig: Auf der Autobahn lagen LKW herum, auf den Bundesstraßen Bäume, überall in der Landschaft sah man das Blaulicht von Feuerwehr und Rettungsdiensten. die wenigen freien Strecken waren total überlaufen. Am Ende dauerte die Juckelei doppelt so lange wie normal, aber die Fahrt endete unversehrt.

Von den Bahnreisenden, die die Nacht im Hotel verbrauchten, wurde ich darum beneidet – aber ganz ehrlich: Das war gestern scheißgefährlich, und die Einstellung des Bahnverkehrs genau die richtige Maßnahme. Alles andere wäre unverantwortlich gewesen – genauso unverantwortlich wie jetzt die Kritik an dieser Maßnahme. Wer die Bahn allen ernstes dafür an den Pranger stellen will, dass sie vorsichtig ist und nicht das Leben von Fahrgästen und Personal riskiert, hat nicht alle Latten am Zaun.

 
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Verfasst von - 19. Januar 2018 in Berufsleben

 

Reisetagebuch (11): Gefangen im Kloster

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Dieses mal gibt es neue Entdeckungen in einem bekannten Gebiet, dann werde ich meiner Freiheit beraubt und HA-Chr-Chr-Chr.

Samstag, 30. September 2017, Carpineto, Siena

Schlaftrunken tappe ich in das Wohnzimmer des großen Appartements. Durch die große Glasfront kann man auf die dahinterliegenden Gärten schauen. Ich blinzele. Was ist das denn? Ist der Tisch auf der Terrasse ist gedeckt? Schnell ziehe ich mir was an, dann gehe ich nach draußen. Tatsächlich! Eine Kanne mit dampfend heißem Kaffee, Saft, Zwieback, Joghurt – ein komplettes Frühstück hat Cecilia mir hier hingestellt!

Es ist kühl, aber ich genieße das Frühstücken an der frischen Luft. Dann schmeiße ich eine Maschine Wäsche an und nutze die Zwischenzeit, um mal alle Daten und Videos, die das Motorrad in den letzten zwei Wochen gesammelt hat, auf eine kleine USB-Platte zu sichern. Nebenbei mümmele ich ortsansässiges Obst weg.

Traube mit einem Lebendgewicht von 3 Kilo.

Als die Hausarbeit erledig ist, packe ich die üblichen Sachen ins Topcase, werfe mich in die Motorradmontur und sattele die V-Strom. Wo wollen wir denn mal hin? Siena? Nein, nicht jetzt. Ah, hier, Anna hat noch eine Tour vom letzten Jahr im Speicher. „La Scarzuola“, ein altes Kloster in Umbrien, rund 80 Kilometer von hier. Das klingt doch gut!

Bevor es nach Süden geht, suche ich aber erst die Tankstelle von Fausto, dem alten Benzinaio, der mir was über italienische Sprache beigebracht hat, auf. Im vergangenen Jahr was sie geschlossen, und ich freue mich, dass sie nun wieder geöffnet ist.

Allerdings ist Fausto nicht da. Der Mann, der jetzt an den Zapfsäulen arbeitet, ist wesentlich jünger, vielleicht in den 40ern. Er hat die gleichen schiefen Zähne wie Fausto. Das muss Faustos Sohn sein, aber anders als sein Vater macht er seinen Job nicht mit Liebe, sondern hat offenkundig überhaupt keinen Bock.

Erst ignoriert er mich fast eine Minute lang und plaudert mit einer Kundin, dann kommt er rüber und haut die Zapfpistole so unsanft in den Tank der Suzuki, dass der Rüssel auf den Tankboden schlägt. Arschloch, denke ich.

Die Kunst eines Benzinaos ist es, ein Fahrzeug zuvorkommend und perfekt zu betanken, dass heißt: Möglichst voll, trotzdem auf einen runden Betrag. Hat Sohnemann wohl nicht verstanden, nach 17 Euro will er nicht mehr, obwohl der Tank nicht mal ansatzweise voll ist. „Ancora,“ sage ich, „pieno!“ – Volltanken, da geht noch was rein. „Nee, ist gut so“, sagt er, dreht sich um und geht einfach weg. Arschloch! Da hätten mindestens noch zwei Liter reingepasst, was 50 Kilometer mehr Reichweite bedeutet hätte. Erbost starte ich den Motor und fahre weiter. Diese Tankstelle hat mich das letzte Mal gesehen, so lange der Typ hier arbeitet.

Ich fahre nach Süden. Die Sonne scheint und er Himmel ist blau, aber es ist nicht das gleiche Licht wie im Sommer. Es ist fahler, weniger kraftvoll. Die Felder rechts und links der Strada Statale sind bereits alle umgepflügt und der Boden ist grau, was zu dem fahlen Eindruck der Landschaft beiträgt. Leichter Dunst liegt über allem, und die Toskana wirkt… ausgeblichen. Das ist ein Zeichen des Herbstes, der hier erst langsam beginnt. An den Pflanzen hätte ich das nicht gemerkt, die sind bis auf wenige Ausnahmen immer noch satt grün.

Am meisten gefällt mir an der Landschaft, wie weit man sie überblicken kann. Dieses Gefühl von Weite, bei dem ich zu spüren meine wie sich der eigene Geist wieder öffnet, nachdem er den Rest des Jahres in zu beengten Verhältnissen eingesperrt war.

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Verfasst von - 13. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Definitionssache

Der Böhmermann bringt es mal wieder auf den Punkt:

 
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Verfasst von - 11. Januar 2018 in Ganz Kurz

 

Palermo bei Nacht

Oh, dieser Beitrag hatte sich in der letzten Ecke des Entwurfordners versteckt. Ist ja schon wieder 14 Monate her, dass ich auf Sizilien war.

Die Nächte in Palermo waren sehr warm. Mitte Oktober lagen die Temperaturen auch nach Sonnenuntergang noch um die 20 Grad. Die Luft stand in den Gassen der Altstadt. Restaurants und Bars waren die belebten Lichtinseln, in denen die Menschen sich nach Feierabend auf einen Aperitivo oder einen Snack trafen. Bei Nacht wirkten die barocken Gebäude gleich noch imposanter, und die Gassen gleich noch verwinkelter. Nur in einer Nacht war außer den Touristen niemand zu sehen. In der fegte der Scirocco durch die Straßen, der warme Wind aus Afrika, der den Sand der Sahara mit sich brachte. Der brannte in den Augen und setzte sich überall rein, weshalb in der Nacht keine Bilder entstanden.

Geknipst mit der Lumix TZ61.

Andere Teile aus der Reihe „Städte bei Nacht“:
Istanbul bei Nacht
Athen bei Nacht
Turin bei Nacht
Genua bei Nacht
Mailand bei Nacht
Paris bei Nacht
Rom bei Nacht
Florenz bei Nacht
Venedig bei Nacht
London bei Nacht
Prag bei Nacht
Würzburg bei Nacht
Bremen bei Nacht

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Verfasst von - 9. Januar 2018 in Reisen

 

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Huhu Ruthe

Huhu, der Pinguin, der hier im Blog hinter dem Kommentarkasten wohnt, ist ja ein ganz artiger. Meistens. Deshalb bringt der Weihnachtsmann ihm auch Geschenke. Wie dieses Buch vom Herrn Ruthe.

Da starrt er seit Tagen, quasi schon seit Weihnachten, rein. Ich schreibe bewusst „starren“, denn Huhu liest eigentlich gerne, viel und dementsprechend schnell. Aber nicht dieses Büchlein, hier guckt er seit Tagen nur eine Seite an. Das fand ich komisch, weshalb ich mir das mal genauer ansehen musste.

Jetzt weiß, warum er nur eine Seite anguckt. Da hat ihm doch tatsächlich der Ralf Ruthe persönlich was reingemalt! Ein Portrait von Huhu, wie er sich in die Lüfte erhebt:

Ob Huhu jetzt ganz still davor sitzt, weil er baff vor Freude ist oder weil gerade überlegt, was er wohl Verrücktes anstellen kann, kann ich gerade nicht sagen.

 
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Verfasst von - 7. Januar 2018 in Huhu

 
 
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