Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Es wird kalt, die Ausrüstung zieht gen Süden

Wenn es kalt wird in Deutschland, verlässt meine Motorradausrüstung ihr heimisches Gefilde und zieht gen Süden. Kein Witz.

Ein Teil meiner Sachen stammt von Familienbetrieben aus Italien, und die kümmern sich um die Sachen, die sie verkaufen. Im vorvergangenen Jahr ist mein N104-Helm gen Süden gereist, weil ich Doof einen Teil der Elektrik beschädigt hatte. Weniger Wochen später kam er zurück – kostenlos repariert.

Oder die TechAir-Jacke. Im letzten Jahr nach Asolo in Norditalien versendet, bekam sie da die Verbesserungen der aktuellen Generation verpasst – auch kostenlos. Weil der Firmensupport halt im Winter nicht viel zu tun hat und Zeit dafür war.

In diesem Jahr macht der Nolan Helm wieder einen Ausflug. Dieses Mal, weil im Sommer Sand in die Mechanik des Sonnenvisiers gekommen ist und es nicht mehr allein zurückspringt. In dem Zug bekommt der Helm gleich ein neues Visier, das ist beim Hersteller – wen wundert´s – günstiger als im Handel.

Auch das Innenleben der Airbagjacke geht wieder auf Reisen. Nach nun fast zwei Jahren im Einsatz wird die Weste gereinigt, die Dichtigkeit des Airbags und die Argonkartuschen und die Zünder geprüft und die Software auf Stand gebracht. Das kostet zwar 99,00 Euro, dafür verlängert sich aber die Herstellergarantie um weitere zwei Jahre.

Zuletzt geht noch die Sitzbank auf Reisen. Nicht nach Italien zwar, aber immerhin zum Sattlermeister Bernhard nach Hameln. Dort wird sie etwas verschlankt und in der Form verändert, damit sie besser zur höhergelegten V-Strom passt.

Ich will mal nur hoffen, dass bis zum Frühjahr alles den Weg zurück zu mir findet.

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Reisetagebuch Motorrad 2019 (1): Schmutziger Regen

Sommerreise mit dem Motorrad, einmal quer durch Europa. So zumindest der Plan. Heute soll es losgehen, aber ich stehe mir selbst im Weg. Mal wieder.

Donnerstag, 06. Juni 2019, Mumpfelhausen bei Götham

Ich sitze in langer Unterwäsche vor dem Rechner und mümmele Brötchen mit Erdbeerkonfitüre. Auf dem Bildschirm ist die aktuelle Stauprognose und das Reisewetter, denn heute soll es losgehen. Sommerreise 2019. Motorrad. Yay!

Deswegen trage ich auch schon den langen Merinozweiteiler. Ich bin kurz vor dem Abflug. Noch schnell die Kombi überwerfen, dann soll es losgehen.

Über dem Dorf stehen dunkle Wolken. Seltsam, gestern waren 32 Grad und Sonnenschein, und das war doch für heute auch angesagt? Egal, los jetzt.

Zwei Stimmen streiten, ach, in meinem Kopf, während der Rechner runterfährt und ich mich abreisefertig mache. Die eine Stimme will zum hundertsten Mal die Abreise verzögern, die andere will endlich los und Asphalt unter die Räder nehmen.

„Ist auch wirklich jedes Fenster zu?“

„Ja, hast Du doch schon kontrolliert.“

„Ich muss noch mal auf´s Klo!“

„Musst Du nicht, wir waren gerade. Da kommt kein Tropfen.“

„Sollen wir nicht nochmal nachgucken, ob der Herd auch aus ist?“

„Wie soll der denn an sein? Wir haben seit Wochen nichts gekocht, und außerdem sind die Sicherungen rausgedreht! Los, jetzt mach hin!“

Hilft ja alles nichts. Hose, Stiefel, Jacke, ein Blick zurück und…
Los geht´s.

In der Garage steht die Suzuki DL 650 V-Strom, Spitzname „Barocca“, schon fertig mit zwei Givi-Koffern und einem Topcase bepackt.

Ich kontrolliere nochmal die Halterungen der Koffer, dann lege ich ganz bewusst und Stück für Stück meine Schutzausrüstung an.

Eine leichte, aber etwas zu große Leder/Textilhose von Held trage ich bereits, darunter die lange Unterwäsche aus Merinowolle. An den Füßen sitzen schwere und brandneue Daytona-Stiefel, denen ich noch nicht ganz traue. Die sind ein wenig zu groß, zumindest im Moment. Aber die in einer Nummer kleiner haben mich neulich fast umgebracht, anscheinend schwellen meine Füße bei warmem Wetter mittlerweile heftig an. Seltsam, was der Körper sich so an Marotten ausdenkt, wenn er älter wird.

Sorgfältig klette ich die Jacke zu, deren Kalibrationslampen am Ärmel zu leuchten beginnen. Dann das Halstuch. Dann Gehörschutz. Dann der Helm. Er sitzt fester als sonst, hat letzten Winter ein neues Innenfutter bekommen. Fühlt sich seltsam an, als ich die Kinnlade herunterklappe. So, noch die Handschuhe, dann schiebe ich die V-Strom auf die Straße hinaus und schließe die Garage ab.

Ich schwinge mich in den Sattel und schalte die Elektrik ein. Sofort leuchtet das Display des Navigationsgeräts auf. Wie schön, das neue Relais für dessen Stromversorgung funktioniert. Ist gestern erst gekommen, war eine knappe Sache. Hätte das nicht geklappt, hätte ich das Garmin Zumo direkt an die Batterie anklemmen müssen.

Regentropfen fallen auf den Tank der V-Strom. Aber das wird sicher nur ein kurzes misseln sein, bestimmt gleich vorbei. Ich blicke auf den linken Unterarm, wo nun ein grünes Licht leuchtet. Das Airbagsystem meiner Jacke ist eingeschaltet und bereit.

Ich schalte den Helm ein. Die Notbremsleuchte am Hinterkopf blitzt kurz auf, dann sagt eine schleppende Stimme in meinem linken Ohr „Guten Morgen“. Mit ihrer Betonung klingt sie leicht doof, etwa so, wie man sich eine begriffsstutzige Sekretärin vorstellt. „Telefon verbunden“, sagt die Sekretärin und fügt nach kurzem Zögern hinzu „Anderes Gerät… verbunden“.

Dieses „andere Gerät“ ist das Garmin Zumo 590, das sich nun ebenfalls zu Wort meldet. Vom Tonfall her selbstbewusste Businesswoman. Mit einem „Guten Morgen“ oder ähnlichem Smalltalk hält sich das nicht auf. Ich höre mehrere Statustöne, als das Garmin beginnt sich mit dem Helm, den Sensoren am Motorrad und meinem Telefon zu vernetzen. Dann zieht es Informationen zu Wetter und Verkehrsmeldungen aus dem Netz und meldet schließlich Einsatzbereitschaft.

Wir Menschen neigen ohnehin dazu, Dinge oder Geräte mit antrophomorphen Charaktereigenschaften zu belegen. Die Bereitschaft zur Vermenschlichung steigt, je komplexer diese Geräte sind. Das Garmin ist sehr komplex, und durch seine Vernetzung mit Motorrad und Internet und seine begrenzte Fähigkeit, meine Vorlieben zu lernen, neige ich dazu es, es als rudenmentäre Künstliche Intelligenz zu betrachten. Deshalb nenne ich die Stimme in meinem Ohr Anna, nach dem Namen der Garmin-Sprachdatei. Anna ist meine virtuelle Copilotin und voraussichtlich die einzige deutsche Stimme, die ich in den kommenden Wochen hören werde.

„Guten Morgen, Anna. Wo fahren wir denn heute hin?“, frage ich in den Helm.

„Folgen sie der Straße bis zum Ende, dann biegen sie links ab“, höre ich im linken Ohr.

„Gut genug für mich“, sage ich und starte den Motor.

Ich gebe Gas, rolle die Dorfstraße herunter, biege links ab und bin weg.

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Kategorien: Reisen, Motorrad | 13 Kommentare

Momentaufnahme: November 2019

Herr Silencer im November 2019

Arigatooo-Gosaimaaaas

Wetter: Kein Plan, war den Monat nicht hier. Ende November ist es so mittelkalt, zwischen 2 und 10 Grad. Die Bäume sind kahl, das Wetter misselig.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Wie hoch oben?“

Faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes, der bewusst alles geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das Buch bietet Einblicke in Snowdens Motivationen, seine Arbeit für NSA und CIA und die Funktionsweise der Intelligence Community nach 9/11. Als Bonusmaterial gibt es die Tagebücher von Lindsey Mills, Snowdens großer Liebe, die er für das Whistleblowing aufgibt. Sehr Lesenswert, zumal im Buch deutlich wird, das Snowdens Opfer mehr gebracht hat, als wir im Alltag wahrnehmen.


Hören:


Sehen:
Zwei Mal 11 Stunden Flug und ein gut gefülltes Entertainment-System, da konnte ich endlich all den drittklassigen Ranz weggucken, für den ich immer zu geizig war Geld auszugeben.

One Upon a time in Hollywood [JAL Onboard]
Leonardo die Caprio ist ein drittklassiker Schauspieler im Hollywood der 70er Jahre. Ihm zur Seite steht stets sein ergebener Stuntman Brad Pitt. Zusammen und getrennt wird gefeiert, Fernsehantennen repariert, die Manson-Familie besucht und mit Nachbarin Sharon Tate geflirtet.

Der neunte Film von Quentin Tarantino. Anscheinend dreht der mittlerweile nur noch Szenen auf die er Bock hat, dass diese Miniaturen dann in eine konsistente oder sogar fesselnde Handlung eingebettet sind ist wohl eher Nebensache. So plätschert der Film vor sich hin, verlässt sich dabei ganz auf seine Darsteller und die Ausstattung, um dann unvermittelt in einem absurden Gewaltexess zu enden. Das ist alles sehr seltsam, allerdings funktioniert das Werk für mich – es ist ein Märchen über Hollywood vor langer Zeit, und nichts anderes verkündet ja der Titel.

Toy Story 4 [JAL Onboard]
Woody, Buzz und Andys andere Spielzeuge werden an ein kleines Mädchen vererbt. Das nutzt seine Fantasie, um aus Müll neue Spielzeuge zu basteln. Irritiert von einem suizidgefährdeten Frankenstein-Löffel macht sich Woody auf zu seiner letzten Reise als Spielzeug.

Braucht es einen vierten Toy Story-Film? Natürlich nicht. Aber trotzdem lässt er sich gut anschauen. Die Charaktere sind liebenswert wie immer, nerven aber nicht. Die Handlung bringt die „Toy Story“ zu einem sehr befriedigendem Ende.

I am Mother [JAL Onboard]
Die Menschheit ist ausgerottet, die Erde unbewohnbar. In einem Bunker unter der Oberfläche sind tausende von menschlichen Embryonen eingelagert. In dieser menschlichen Arche tut ein Roboter namens Mutter Dienst.

Mutter wählt einen der weiblichen Embryos aus und lässt ihn sich entwickeln, dann zieht sie „Tochter“ auf, bildet und trainiert sie. So vergehen Jahre. Mit 16 ist Tochter eine hochintelligente Frau, die in Philosophie genauso gebildet ist wie in Elektrotechnik. Nur außerhalb des Bunkers und Mutters Reichweite war sie noch nie, denn Mutter behauptet, die Erde sei toxisch und Leben wäre auf der Oberfläche nicht möglich. Umso irritierter ist Tochter, als plötzlich eine verletzte Frau in der Luftschleuse liegt, die behauptet, Droiden wie Mutter hätten die Menschheit getötet. Anscheinend hat Mutter etwas zu verbergen, und ist bereit ihr Geheimnis auch mit Gewalt zu verteidigen. Oder ist es am Ende die Fremde, die nicht die Wahrheit sagt?

Endlich mal wieder ein SciFi-Film, der mich sofort mitgerissen hat. Das liegt sowohl am tollen Design von Mutter (alles praktische Effekte, kein CGI!) und der faszinierenden Kameraarbeit, vor allem aber an der verwickelten Handlung. Ist Mutter wirklich böse? Oder ist es die Fremde, die etwas zu verbergen hat? Wer ist am Ende eine echte Mutter, und was ist wirklich auf der Erde passiert? Bis zum Ende sehr spannend, tonal zwischen Sci-Fi und Thriller, ganz klare Guckempfehlung!

X-Men: Dark Phoenix [JAL Onboard]
Ein außerirdisches Dings ergreift Besitz von dieser Rothaarigen aus Game of Thrones. Die wird dadurch sofort böse und schmeißt mit Sachen. Professor Glatze und seine Konsorten versuchen sich als Exorzisten.

Ich kenne die Comics nicht, weiß aber, dass die „Dark Phoenix“-Reihe unter Fans als eine ganz tolle Geschichte gelobt wird. Deren Verfilmung wurde schon mal versucht (damals mit Famke Janssen) und enttäuschte Fans und normale Kinogänger. Der neue Film ist leider nicht besser. Ich hatte von einer gebeutelten Produktion gelesen, aber das Endergebnis ist wirklich grauenvoll. „Dark Phoenix“ ergibt über weite Strecken keinen Sinn, die guten Schauspieler wie Jennifer Lawrence und James McAvoy haben erkennbar keinen Bock auf den Quatsch in dem sie da mitspielen und Sophie Turner kann leider immer noch nicht mehr als „Sansa Stark“-mäßig betroffen gucken. Dummerweise spielt sie die Hautprolle, schafft es aber nicht auch nur eine Sekunde glaubwürdig zu sein. Da macht es dann auch nichts mehr, dass alles in einem CGI-Effektsturm untergeht, der so hektisch geschnitten ist, dass er bei sensiblen Naturen epileptische Anfälle auslöst. Dieser Film ist Dreck.

Godzilla: King of Monsters [JAL Onboard]
Rund um die Welt werden riesige Viecher entdeckt: Eine Hausgroße Motte, ein dreiköpfiger Drache usw.
Die kloppen sich alle mit einem radioaktiven Knubbelsaurier namens Godzilla.

Achgottja Godzilla. Habe nie verstanden was der Reiz an riesigen Viechern ist, die sich die Fresse polieren. Im Japan der 60er Jahre mag das lustig gewesen sein, aber heute? Nee.

Shazam! [JAL Onboard]
Billy ist 14 und ein Arschlochkind. Trotzdem schenkt ihm ein alter Mann mit Bart eine Fähigkeit: Wenn Billy „Shazam“ ruft, wird er zu einem Muskelmann Mitte 30, der superstark und superschnell und ein Superarschloch ist. Das ist doof, weil er gegen die sieben Todsünden zu Felde ziehen soll.

Unerwartet unterhaltsam und handwerklich gut gemacht. Die Zielgruppe dieses DC-Films ist klar umrissen: 12- bis 14-jährige Jungen, und für die wird er funktionieren.

Maleficient 2: Mistress of Evil [Kino]
Der erste Film hat uns gelehrt: Maleficient, die dunkle Fee aus dem „Dornröschen“-Märchen, ist eigentlich eine Gute, sie hat nur ein schlechtes Image und kommt mit sozialen Konventionen nicht gut klar. Dummerweise haben das zum Beginn von „Mistress of Evil“ aber alle vergessen, die Menschen betrachten die Fee als böse Hexe. Kurz vor der Hochzeit von Maleficients Ziehtochter mit einem Menschenprinzen liegen die Nerven so blank, dass Michelle Pfeiffer gegen das Feenreich in den Krieg zieht.

Angelina Jolie gegen Michelle Pfeiffer – auf dem Papier eine interessante Idee. In der Praxis bleibt für den Konflikt aber kaum Zeit, stattdessen ist man damit beschäftigt CGI-Gemetzel zu zeigen, inkl. Märchenfiguren, die in einer Kirche eingesperrt und dort vergast werden. Ist aber egal, 5 Minuten später wird geheiratet und alle haben sich Lieb. WTF, Disney? Einen zweiten Maleficient-Film hätte es nicht gebraucht, und schon gar keinen, der das Thema Genozid aufmacht um es dann wegzuschweigen. Ganz, ganz übles Machwerk. Den ersten Film mag ich bis heute, der war überraschend toll und interessant. Diese Fortsetzung hier ist seelenloser Müll aus der CGI-Retorte.

Gnadentod [Theater im OP]
Deutschland, 1933. Eugen Bitter ist Sozialdemokrat und Veteran des ersten Weltkriegs. Entsetzt verfolgt der Familienvater, wie die NSDAP langsam aufsteigt und den Staat aushöhlt. Einige Jahre später wird Familie Bittner während einer Progromnacht selbst Opfer von Nazigewalt. Dabei hat Eugen schon genug Probleme: Seit dem Krieg verursacht ein Granatsplitter in seiner Stirn starke Schmerzen. 1940 begibt er sich in eine Klinik für Psychiatrie, um den Splitter in einer Operation entfernen zu lassen. Wenige Tage später erreicht seine Familie ein Schreiben: Eugen Bittner sei an Herzproblemen in einer Klinik am anderen Ende des Landes verstorben.

Das Stück thematisiert die Aktion T4 der Nazis, Psychiatriepatienten mit geistigen oder psychischen Problemen als „lebensunwert“ systematisch zu ermorden. Mehr als 70.000 Menschen wurden in den Jahren 1940/41 umgebracht. Eugen Bittner, der Protagnoist des Stücks, war zur falschen Zeit am falschen Ort – ein „Fehler“ der Klinik, der aber nie aufgedeckt wird. Neben der Aktion T4 thematisiert das Stück den langsamen Aufstieg der Nazis und die Veränderungen, die das in der Familie Bittner mit sich bringt. Der Sohn tritt begeistert in die Hitlerjugend ein, die Tochter lehnt Nazis ab, verliebt sich aber dennoch in den netten Herrn Sturmbannführer, der seinerseits nicht glauben kann, dass seine Partei Menschen ermordet. Das Stück ist gut inszeniert, lässt sich aber zu viel Zeit mit Mischszenen und ist in der Summe zu lang. Hart nerven tun auch minutenlange, schrammelige Geigenstücke, die zwischen die Szenen eingestreut sind – das verursacht Zahnschmerzen.


Spielen:

Nichts. Dafür war nun wirklich keine Zeit.


Machen:

Eine Reise kreuz und quer durch Japans Hauptinsel Honshu.


Neues Spielzeug:

Boltune in Ears. Bluetooth-Kopfhörer mit Verbindungskabel, ganz ähnlich wie meine alten von Anker. Leider reichte deren Batteriekapazität nach 5 Jahren nur noch für 4 Stunden, und die Nachfolgemodelle sind aktuell nicht mit dem iPhone 11 kompatibel. Die Boltunes sind nach IPX7 wasserdicht, haben ordentlich Wumms, dichten nahezu alle Umgebungsgeräusche ab und halten 14 Stunden mit einer Akkuladung. Nimmt man sie aus den Ohren, klippen sie magnetisch zusammen und man kann sie um den Hals tragen ohne sie zu verlieren. Dafür schätze ich das Verbindungskabel. Sehr gute Dinger für meine Zwecke, und mit 25 Euro auch noch günstig.

iPhone 11 pro
Spacegrau, 512 GB Speicher. Diensthandy und Firmengerät, trotzdem: Beeindruckendes Teil. Als letztes hatte ich das 8er, was auch schon schön war, aber das 11er bläst mich völlig weg. Der OLED-Bildschirm ist knackscharf, der Akku hält mehrere Tage und diese markanten, aber etwas albern aussehenden drei Kameras auf der Rückseite machen Bilder, die meine normale Panasonic-Reisekamera völlig alt aussehen lassen. Selbst Nachtaufnahmen sind beeindruckend scharf.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

Beleidigt

Es begab sich einmal, vor vielen, VIELEN Jahren, dass ich in diesem Blog über eine Person A schrieb, die einer Person B sehr ähnlich sah.

Person A war in der Bezirkspolitik für die CSU tätig, Person B war eine Größe im Satiregeschäft. Im Wahlkampf 2008 fiel dann irgendjemandem auf, das Person A der B wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sah, und weil ich das lustig fand, machte ich einen Screenshot von der Wahlkampfwebsite von Person A und fragte in einem kurzen Blogeintrag „Unterwandert Komiker B die CSU?“.

Das war so mittellustig und würde ich heute auch so nicht mehr machen. Zum einen war damals das Blog Sammelstelle für alle möglichen Webfundstücke, und über die Jahre hat sich die Ausrichtung doch deutlich geändert. Bildchen mit Sprüchen oder so lustiger KLeinkram, das gibt es hier heute nicht mehr.

Zum anderen haben wir aktuell gerade ein Klima, in dem sich gewählte Volksvertreter oft übelsten Hasskampagnen ausgesetzt sehen. Solchen Entwicklungen will ich keinen Vorschub leisten, nicht mal mit lustig gemeinten und, wie im damaligen Fall passiert, als „Satire“ und „Fun“ gekennzeichneten Beiträgen.

Oktober 2008, das war eine andere Zeit. Das Internet war noch unbelastet von der Güllegrube des Hasses (aka Facebook), und nicht nur ich fand die Ähnlichkeit von A und B damals zum Schmunzeln: Noch heute gibt es rund 130 Beiträge im Netz, auf Seiten wie der Münchner Abendzeitung oder der Titanic, mit Titeln wie „schlecht geklont“ oder „die besten heimlichen Zwillinge“, auf denen Person A und B miteinander verglichen werden.

Um diese Beiträge heute noch zu finden muss man aber schon sehr gezielt nach Person A und B suchen, und anscheinend hat genau dieses die Person A nun gemacht. Owley hinterließ damals den letzten Kommentar, wo er sinngemäß schrieb „Sind die beiden schon mal in einem Raum gesehen worden? Müsste man mal fragen“.

Heute Nacht um 01:37 Uhr (SIC!) tauchte ein neuer Kommentar unter meinem 11 Jahre alten Artikel auf. Autor: Person A. Inhalt:

„Ich bin nicht Person B und ich beantworte keine Fragen. Ich habe diesen Schwachsinn satt!“

Echt jetzt? Elf Jahre später googelt jemand mitten in der Nacht seinen Namen und wird dann dünnhäutig? Zweifel an der Echtheit der Person habe ich übrigens nicht. Niemand außer konservativen Politikern, Rechtsanwälten und Handwerksbetrieben nutzt heute noch Mailadressen von AOL. (Ja, die gibt´s noch und ja, so habe ich auch geguckt).

Ich habe den Artikel offline genommen, weil: Siehe oben. Trotzdem bin ich einigermaßen überrascht, und zwar zuvorderst von der Instinktlosigkeit und der digitalen Inkompetenz, die es unter Politikern immer noch gibt. Jede Person, die irgendwie im öffentlichen Leben steht, sollte schon mal etwas vom Streisand-Effekt gehört haben. Der besagt, dass eine Sache nur noch größer wird, je mehr man versucht sie aus dem Netz zu bekommen.

Zum Zweiten: Die Faschisten von der AFD haben es allen Ernstes geschafft, in den letzten Wochen das Thema „Meinungsfreiheit“ auf sämtliche Agenden zu setzen. „Man darf in Deutschland ja nichts mehr sagen“, ist deren Behauptung. Das ist natürlich Quatsch, aber aus unerfindlichen Gründen haben alle großen Zeitungen diesen groben Unfug aufgegriffen. Und in diesem Klima nun geht ein Politiker rum und klopft beleidigt an Blogs an, weil ihm die, von der Meinungsfreiheit gedeckten, Beiträge über ihn nicht gefallen? Wirklich? Sollte die Person das eskalieren wollen, wäre das ein wahrhaft katastrophales Signal.

Ich will mal stark hoffen, dass der beleidigte Kommentar nicht die Vorstufe zu rechtlichen Schritten war. Ich habe keine Lust meine Zeit in eine Auseinandersetzung um einen 11 Jahre alten Satireartikel zu investieren. Was aber weitaus Schlimmer wäre: Ich müsste dann wirklich die Meinungsfreiheit gegen einen gewählten Politiker und eine Person des öffentlichen Lebens verteidigen. Das so eine Konstellation überhaupt möglich ist, noch dazu im aktuellen Klima, das hätte ich vor 11 Jahren nicht geglaubt und bis vergangene Nacht auch nicht.

Kategorien: Ganz Kurz, Meta | 5 Kommentare

Tipps für Japan

Drei Wochen war ich in Japan unterwegs. Das war faszinierend und anders. Bevor ich es vergesse, hier die wichtigsten Erkenntnisse und Tipps:

Sprache
Japaner haben 5 Jahre englisch in der Schule, aber: Nur in Schriftform. Deshalb spricht es kaum jemand, und die wenigsten Japaner verstehen mehr als einzelne Worte oder Dreiwortsätze. Das gilt selbst für Angestellte in Hotels oder Mietwagenfirmen, von denen man eigentlich erwarten würde, dass sie englisch sprechen! Ein Fallback ist hier der Google-Translator, aber der neigt dazu gerade in kritischen Situationen nicht zu funktionieren. Deshalb: Einfache Worte und Sätze sprechen, und das deutlich. „Ticket! One!“ oder „This – Good?“ versteht jeder.

Höflichkeit
Japaner sind überaus höflich, und das zeigt sich darin, das sie selbst kleinste Handlungen mit voller Konzentration auf ihr Gegenüber vollziehen. Wenn also die Kreditkarte mal wieder nicht funktioniert, werden sie einem die mit beiden Händen zurückgeben. Oder wenn man etwas anderes überreicht bekommt, dann in der Regel auch mit beiden Händen. Die Höflichkeit gebietet es dann, das Dargebotene auch mit beiden Händen entgegenzunehmen und Dinge ebenfalls mit beiden Händen zu überreichen und sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren. Die Kreditkarte einfach auf den Tresen zu werfen während man sich gleichzeitig wegdreht oder mit jemandem dritten unterhält sorgt für Irritation.

Kleidung
Japanerinnen und Japaner kleiden sich 2019 extrem konservativ. Er trägt lange Hosen und Hemden, oft auch Anzug. Sie trägt hochgeschlossene Blusen der Strickjacken zu knöchellangen Röcken. Mode wie in den frühen 80ern. No craziness, nirgendwo. Möchte man gerne auffallen, trägt man als Mann kurze Hosen oder T-Shirts, als Frau ein Tanktop oder einen kurzen Rock – Boom, sofort als Touristen erkennbar!

Essen und Trinken
Japaner vermeiden alles, was andere Menschen nerven könnte. Dazu gehört lautes Sprechen oder Telefonieren in der Öffentlichkeit, aber auch Essen oder Trinken im Gehen oder in der Bahn. Das macht man nicht. Sollte man sich als Besucher merken.

Trinkgeld
Bitte kein Trinkgeld geben. Niemals. Das ist gilt als beleidigend.

Müll
Es gibt keine Mülleimer in den Straßen, nirgendwo. Oft nicht mal neben Imbissbuden. Darauf sollte man sich einstellen. Nur in Conbinis gibt es ganz sicher Mülleimer.

Conbinis
Die Rettung aller Touristen. An wörtlich jeder Ecke (auch auf dem Land) gibt es ein 7-Eleven, ein Family Mart oder ein Lawsons. In den kleinen Supermärkten gibt es Geldautomaten, Toiletten, Mülleimer und fertiges Essen.

Toiletten
Japanische Toiletten sind entweder uralte Hocktoiletten oder moderne High-Tech-Klosetts, die einen beheizten Sitzring haben und über ein Tastenfeld bedient werden, das aussieht, als sei es aus der Raumfahrt. Hier sollte man sich dringend merken, was wofür ist: 小 bedeutet Spülen nach einem kleinen Geschäft, das hier 大 für´s große Geschäft.
Die High-Tech-Toiletten sind nicht auf den Gebrauch von Klopapier ausgelegt. Das merkt man auch am seidendünnen Papier, das einfach nicht taugt zum Po abputzen. Stattdessen lässt man sich nach dem Geschäft von einem starken, warmen Wasserstrahl die Rosette reinigen und tupft diese dann mit dem Klopapier nur noch trocken. Das erfordert anfangs etwas Übung hinsichtlich Position und Schließmuskelbeherrschung, funktioniert aber völlig großartig, wenn man es kann. Echt. Japanische Toiletten sind die besten von der Welt.

Kriminalität
Gibt es in Japan praktisch nicht. Gerade Tokyo ist die sicherste Stadt der Welt.

Bargeld
Japan ist eine Bargeldgesellschaft, mit Kreditkarten scheitert man sehr schnell, auch in den Städten. Bargeld bekommt man problemlos aus Geldautomaten in jedem Conbini (s.o.). Nachteil: Schon nach kurzer Zeit trägt man Kiloweise Münzen mit sich rum, die vom Nennwert so klein sind, das man nicht mehr los wird. Tipp: Entweder an einem Automaten das Kleingeld auf eine IC-Karte (s.unten) einzahlen oder am Flughafen in einen Pocketchange-Automaten (steht in Narita hinter dem Gästeinformationscenter) werfen und dafür einen Zalando-Gutschein bekommen oder UNICEF spenden.

IC-Karten
In Japan mag man zwar keine Kreditkarten, steht aber auf sog. IC-Karten. Das sind anonyme Plastikkarten, auf die man an Automaten (mittels Bargeld oder Kreditkarte) Geld einzahlen kann. Mit IC-Karten kann man an Automaten bezahlen und vor allem: U-Bahn und Busse nutzen. Beliebt ist die Suica-Karte, mit der kann man in jeder größeren Stadt Bahn fahren, praktisch hat das bei mir nur in Tokyo und Osaka funktioniert. Neben der Suica gibt es auch andere Karten wie die Pasmo oder ICOCA, aber die Suica ist wohl am breitesten akzeptiert und nur auf ihr ist ein Pinguin(!) (Icoca: Schnabeltier, KITACA: Flughörnchen).

Die IC-Karten bekommt man aus Automaten, die an jedem Bahnhof stehen. Oder man kann sie HIER vor der Reise bestellen und bekommt sie voraufgeladen nach Hause.
Die Suica kann man, wenn man in Japan ist (woanders auf der Welt wird die Option nicht angeboten, erst auf japanischen Boden kommt das iPhone damit an), auch im Apple-Wallet anlegen und direkt von ApplePay darauf Geld überweisen. Die Suica steckt dann im iphone oder der Apple Watch, damit kann man dann auch überall mit Handy oder Uhr bezahlen.

U-Bahn, Straßenbahn, Bus
…sind allesamt mit Einzeltickets nur schwer zu nutzen. In manchen Städten (Kyoto, Osaka) kostet eine Fahrt immer einen pauschalen Betrag, was ok ist. In Tokyo z.B. muss man aber vorher den Abstand der Start- und Zielstation zählen, woraus sich ein Betrag ergibt, den man an einem Automaten zahlen muss. Problem: Der Stationsplan ist auf japanisch. Lösung: Einfach mit der Suica-Karte in die Bahn marschieren, am Zielbahnhof damit wieder auschecken, der richtige Betrag wird immer automatisch abgebucht.

Um überhaupt zu wissen wo man hin muss und welche Bahn es zu nehmen gilt, ist Google Maps das Mittel der Wahl. Das Ding sagt einem präzise wo man ein- und aussteigen muss, wieviele Stationen man fahren soll und welchen Wagen man nehmen kann um schnell aus der U-Bahn weg zu kommen.

Bahn
Zwischen großen Städten verkehren Shinkansen-Schnellzüge und Linien der Japan Railway und andere Bahngesellschaften. Die Züge sind alle pünktlich, sauber – und ARSCHTEUER. Leichte Linderung verschafft der Japan Rail Pass, den man vor seinem Urlaub buchen kann. Er umfasst 7, 14 oder 21 Tage freie Nutzung fast aller Shinkansen und JR-Züge. Leider ist er auch teuer: 14 Tage kosten rund 390 Euro, drei Wochen 500. Günstiger kommt man in Japan aber nicht von Ort zu Ort. Den JR-Pass kann man NUR vor Reisebeginn beantragen, am einfachsten bei der-japan-rail-pass.de Um schnelle Verbindungen zu ermitteln, die mit dem JR-Railpass nutzbar sind, hat sich die App Japan-Direct bewährt.

Autofahren
Auf der linken Straßenseite und NUR mit einer amtlichen Übersetzung des eigenen Führerscheins ins japanische. Japanische Polizisten können nämlich genauso gut Englisch wie japanische Angestellte in Mietwagenverleihen: Gar nicht. Die amtliche Übersetzung beantragt man mindestens 6 Wochen vorher bei Japan Experience. Das kostet 65 Euro und ist unkompliziert.

Ansonsten: Japaner fahren sehr langsam (innerorts 20-40, außerorts 60) und rücksichtsvoll. Auf der Hauptinsel Honshu stehen bei größeren Straßen auf jedem Schild die Orte auch auf englisch. Es gibt Zeichen, die es in Europa nicht gibt – das Stopschild bspw. ist ein auf dem Kopf stehendes Dreieck. Andere Zeichen wurden von Australiern oder den USA übernommen. Man sollte sich vorher mit einem Infoblatt der Japanischen Verkehrsbehörde vertraut machen, die findet sich unter https://english.jaf.or.jp/.

Es gibt nirgendwo Parkplätze (außer an Touristenattraktionen und auf dem Land), auch an Straßen darf man in der Regel nicht parken. An Tankstellen wird man von einem Tankwart bedient. Es gibt auch Automatentankstellen, die verweigern aber gerne mal die Bezahlung mit Kreditkarte.

SIM
Ohne Internet keine Orientierung und keine Übersetzung. Am Flughafen kann man SIMs aus Automaten ziehen, aber die sind stark limitiert (5 GB) und recht teuer. Am günstigsten ist es, vorher eine SIM bei Japanexperience zu kaufen. Für 40 Euro gibt es „unlimitiert“ viele Daten (und nur Daten!) für 8, 16 oder 31 Tage. „Unlimitiert“ heißt soviel wie: ab 20 Gigabyte Verbrauch wird man gedrosselt. Ich bin trotz intensiver Nutzung von Youtube, Google Maps und Twitter in drei Wochen nicht über 8 GB gekommen. Wer natürlich Fotos synct und Netflix in HD guckt, der erreicht die Grenze recht schnell. Die SIM kann man hier bestellen. Die Karte funktioniert angeblich nur in Telefon und iPads, nicht aber in Mifis. Ausprobiert habe ich das nicht. Alternativ kann man auf der Seite auch einen MiFi, einen tragbaren Router, buchen.

Strom
Bei Steckdosen hat Japan hat das amerikanische System mit zwei flachen Kontakten übernommen. Das hier ist der richtige Adapter:

Mancherorts liest man im Netz, das ein Stecker mit drei Kontakten der richtige sei. Das stimmt aber nicht.

Wichtig: In Japan kommen nur 100 Volt mit 50 Hz bis 60 HZ aus der Dose. Die meisten Ladegeräte und Notebooknetzteile funktionieren damit einfach so, allerdings laden sie ggf. langsamer als bei uns. Womit man aufpassen muss sind Geräte mit hoher Leistungsaufnahme wie Haartrockner oder Bügeleisen. Ein europäischer Föhn zieht so viel Strom, dass es passieren kann, dass eine japanische Stromleitung überhitzt und in der Wand anfängt zu brennen. Solche Geräte unbedingt zu Hause lassen, die kann man sich in jeder Unterbringung leihen.

Zeitverschiebung
Japan ist Deutschland zur Winterzeit acht Stunden voraus. Ist es hier 12:00 Uhr mittags, ist es dort bereits 20:00 Uhr.

Ausweis
Personalausweis reicht nicht, der Reisepass wird überall gebraucht. Für den besteht Mitführungspflicht, und tatsächlich wird er in Hotels und in der Bahn (im Zusammenspiel mit dem Railpass) ständig kontrolliert. Bei der Einreise nach Japan wird er ohnehin benötigt, dort werden auch biometrische Bilder von einem gemacht und die Fingerabdrücke genommen.

Flüge
Japan liegt am anderen Ende der Welt, rund 9.000 Km entfernt. Dementsprechend teuer sind die Flüge dorthin. Es ist von Vorteil, wenn man sich früh für einen Reisezeitraum entschieden hat, bei den konkreten Daten aber flexibel ist. Rund 10 Monate vorher waren in meinem Fall die Flüge nur halb so teuer wie normal. Gebucht wurde letztlich über FinnAir ein Flug der Japan Air Lines von Frankfurt nach Tokyo für rund 630 Euro Hin und Zurück. Das geht wohl noch etwas günstiger, wenn man zuerst nach Helsinki und von dort nach Tokyo fliegt.
Eine App wie „Hopper“ kann dabei helfen die Preisentwicklung im Auge zu behalten. Hopper versucht auch zu prognostizieren, wann Flüge am günstigsten sind, macht das aber nicht besonders gut.

Flughäfen
Tokyo hat derer zwei: Tokyo-Haneda wird allgemein sehr gelobt und liegt näher am Zentrum von Tokyo, von Tokyo-Narita wird oft abgeraten, weil es weiter draußen liegt. Ich habe für Ankunft und Abflug Narita benutzt und war begeistert: Groß, schnelle Abfertigung, und mit einem Expresszug ist man in 40 Minuten in Tokyo City. Kann man also gut machen.

Wohnen
AirBNB lehne ich aus moralischen Gründen ab. Hotels sind teuer, auf einem Preisniveau irgendwo zwischen Deutschland und den Niederlanden. Booking.com ist das Mittel der Wahl um gute und bezahlbare Unterkünfte zu finden. Japaner buchen in der Regel sehr früh (6 Monate im voraus), weshalb es von Vorteil ist, wenn man sich ebenfalls sehr früh um Unterkünfte kümmert. Besonders nett sind Ryokans, traditionelle japanische Gasthöfe mit Bädern, gespeist aus heißen Quellen.

Knowledge Base
Erstklassige Tipps und Anleitungen für fast jedes Ding und fast jede Situation gibt es im Blog „Wanderweib“ von Tessa: https://wanderweib.de/

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Momentaufnahme: Oktober 2019

Herr Silencer im Oktober 2019

keine Zeit keine Zeit keine Zeit

Wetter: Anfangs des Monates kühl, ab Beginn der zweiten Woche mit Nachts null Grad schon eisekalt. Am 07. Winterreifen aufgezogen. Am zweiten Wochenende wird´s mit tagsüber 23 und nachts 17 Grad nochmal spätsommerlich warm. In der dritten Woche wird das Wetter wieder normaler. Starkregen mit Temperaturen um die 10 Grad fühlt sich halt doch eher nach Herbst an. Die zweite Oktoberhälfte startet warm mit Temperaturen zwischen 8 und 16 Gad und relativ trocken. In den letzten Tagen kippt die Temperatur bis zum Gefrierpunkt.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Wie hoch oben?“
Starker Einstieg in die Geschichte des Mannes, dem eines Tages klar wird, dass er dabei geholfen hat, nach 9/11 eine Überwachungsmaschine hoch zu ziehen, die alle Daten aller Menschen für immer speichert. Ein Permanent Record, der beständig aus den Social Media-Plattformen gespeist wird. Die, so Snowden, das Internet kaputt gemacht haben.

Habe das Buch gerade erst angefangen, deshalb noch keine Meinung, aber Begeisterung beim Lesen.


Hören:


Sehen:

Vice [Amazon Prime Video]
Dick Cheney ist in den 50ern ein versoffener Tunichtgut. Erst als seine Frau ihm ins Gewissen redet und mit Trennung droht, rafft Cheney sich auf und macht ein Praktikum bei Donald Rumsfeld, einem jungen Politiker in Washington. Der stille Cheney hat endlich seine Berfung gefunden. Während er sich im Hintergrund hält, knüpft er Netzwerke und zieht Strippen. Als klar wird, dass er keine Chance hat Präsident der USA zu werden, steigt er aus der Politik aus und wird Chef der Ölfirma Halliburton.

Erst als der unerfahrene George W. Bush ihn darum bittet, kehrt Cheney in die in die Politik zurück. Als Vizepräsident neben einem schwachen Präsidenten baut er sein Amt zu nie gekannter Machtfülle aus. Bald kontrolliert Cheney Außenpolitik und Geheimdienste der USA, Bush ist kaum mehr als ein Frühstückspräsident.

Dann passieren die Anschläge vom 11. September, und Cheney wittert Chancen. Er lässt die USA in den Irak einmarschieren und gibt seiner Firma die Rechte an den dortigen Ölquellen, lässt sich weitere Vollmachten geben und unterläuft internationale Gesetze mit Erfindungen wie „Enemy Combatants“ und Guantanamo Bay.

Faszinierendes Portrait eines eiskalten und skrupellosen Machtmenschen. Cheney hat mindestens 600.000 Menschen auf dem Gewissen, aber als Mann im Hintergrund darf man ihn nicht mal Massenmörder nennen.

Der Film steht sich gelegentlich selbst auf den Füßen, wenn er versucht witzig zu sein – etwa durch einen falschen Abspann in der Filmmitte oder einen surrealen Restaurantbesuch, bei dem Cheney Gesetzesverstöße serviert bekommt. Das ist Quatsch und schlägt den völlig falschen Ton an.

Props dagegen an die Maske, die Sam Rockwell wirklich perfekt auf George W. Bush zurechtgemacht hat und natürlich an Christian Bale, der hier mal wieder in fett zu sehen ist.

Chernobyl [Bluray]

„Da muss ein Druckwasserbehälter explodiert sein. Ist der Kern gekühlt?“ „Der Kern existiert nicht mehr! Der Kern ist weg!“

In der Nacht zum 26. April 1986 gibt es eine Explosion in dem ukrainischen Kernkraftwerk. Was dort passiert ist, weiß zunächst niemand. Als deutlich wird, was da passiert ist, kann es kann es niemand fassen, dann versuchen die Verantwortlichen es zu vertuschen, dann wird klar: es ist nicht vorbei. Hat die initiale Explosion schon die halbe Ukraine verseucht, drohen nun durch verschiedene Faktoren noch viel schlimmere Folgen.

Ich bin ja etwas spät auf der Party, aber: Meine Fresse, was für eine Serie. Und das ausgerechnet von dem Typen, der bislang nur die klamaukigen „Hangover“-Filme geschrieben hat. Dem fiel 2014 ein, dass er mal was über lügende Staaten und die globale Wahrheit machen könnte. Dabei stieß er auf Tschernobyl – und war kurz darauf besessen davon. Ergebnis diese Besessenheit ist eine fünfteilige Miniserie von HBO. Die beginnt mit der Explosion und den anschließenden Versuchen der Vertuschung – erst von lokalen Beamten, die lange nicht wahr haben wollen, dass ihr Kraftwerk wirklich explodiert ist, dann von der Führung der Sowjetunion, die sich auf der Weltbühne keine Schwäche erlauben will.

Stück für Stück, teilweise Stunde für Stunde, werden die Vorgänge nachgezeichnet. Dabei wird die Lage der Handelnden Personen und ihre Hilflosigkeit immer wieder in Kleinigkeiten deutlich: Etwa, wenn die Leitstelle zunächst weitergibt, dass nur ein Strahlunganstieg um 3,6 Röntgen zu vermelden ist und alle beruhigt sind – bis jemandem auffällt, das 3,6 Röntgen genau der Höchstwert der ausgegebenen Dosimeter ist. „Aber das gute Dosimeter liegt im Schrank, und wir haben den Schlüssel nicht!“.

Solche Momente der Hilflosigkeit gibt es immer wieder, und sie machen die Katastrophe greifbar. Es sind aber auch diese Momente, die die Serie besonders erschütternd machen. Etwa, wenn die Bergleute, die einen Gang unter den Reaktor graben müssen, nackt arbeiten, weil die Hitze so groß sind. Oder wenn die Aufräumtrupps, die Reaktormaterial vom Dach räumen müssen, nur 90 Sekunden dort arbeiten dürfen. Oder Autos und Hubschrauber nach wenigen Tagen ausgemustert und vergraben werden müssen. Oder wie alle Haustiere im Umkreis von 200 Kilometern getötet werden müssen. Es ist faszinierend und beängstigend, unter welchen Opfern damals weitere Katastrophen verhindert wurden. Kernaussage der Serie, laut Macher: „Es geht nicht darum, dass Kernenergie gefährlich ist. Unsere Botschaft ist, dass lügen, Arroganz und die Unterdrückung von Kritikern gefährlich ist.“

„Chernobyl“ ist eine erschütternde Serie und eine der stärksten geschriebenen die ich je gesehen habe. Die Hälfte der Zeit war mir flau im Magen, denn 1986, da war ich 11 und habe die Reaktionen im Westen genau mitbekommen. Das die Serie manche Dinge in der letzten Episode überdramatisiert ist mir dabei egal. Der eigentliche Hergang ist unverfälscht wiedergegeben, und aus heutiger Sicht einen Blick auf die damaligen Vorgänge zu werfen ist gruselig.

Men in Black International [Amazon Video]
Tessa Thompson hat als Kind mal einen Einsatz der Men in Black mitbekommen. Seitdem ist sie besessen davon die Geheimorganisation, die sich um Außerirdische auf der Erde kümmert, aufzuspüren. Das gelingt ihr eines Tages, und sie wird sogar ins Ausbildungsprogramm aufgenommen. Schnell merkt sie aber: Irgendwas stimmt nicht. Der Eindruck trügt nicht, die Erde ist in Gefahr und die Men in Black unterwandert.

Ach, was habe ich den ersten „MIB“ geliebt, vor allem wegen Tommy Lee Jones wortkargem Agent K. Aber das ist auch schon 22 Jahre her, und die völlig unvermutet aufgetauchte vierte Filmfortsetzung kommt ohne den mittlerweile greisen Jones und den nervtötenden Will Smith aus. Stattdessen gibt es nun mit Thompson und Hemsworth eine neue Besetzung. Deren Chemie stimmt nachweislich (zu besichtigen in Thor: Ragnarök), und letztlich ist es das sympathische Spiel der beiden und die starken Frauenrollen, die den Film zusammenhalten. Neben der sympatisch-cleveren Tessa Thompson sind das vor allem Emma Thompson als Chefin O oder Rebecca Ferguson als Bösewichtin Riza. Die Damen haben richtig Spaß an dem Trash, in dem sie hier spielen.

Chris Hemsworth wirkt daneben dullig, und der müde Liam Neeson telefoniert seine Rolle auch nur nebenbei durch. Ansonsten bleibt von dem Film auch ohne Blitzdings nicht viel im Gedächtnis. Der Plot ist nämlich leider ziemlich egal. Das war er bei MIB-Filmen schon immer, aber heute kommt man damit nicht mehr so leicht durch wie Ende der 90er. „MIB International“ ist eine lose Aneinanderreihung von Actionpieces, die rund um den Globus stattfinden. Ein krachender Sommerblockbuster aus der zweiten oder dritten Liga, der über die Laufzeit unterhält, den man aber sofort wieder vergessen hat. Das ist nicht schlimm, aber eine verpasste Chance die MIB zeitgemäß zu rebooten.

Schattenseiten [Theater im OP]
New York in den 50ern: Andrew verliebt sich in Marusa und heiratet die Modezeichnerin, die vor Kurzem aus Osteuropa eingewandert ist. Doch die Ehe verläuft nicht gut, denn Marusa verweigert jegliche Körperlichkeiten. Grund: Sie glaubt, Erbin eines Fluchs zu sein der Männer tötet. Zusammen mit einem Eheberater und einer Freundin versucht Andrew seine Frau vom Glauben an den Fluch abzubringen.

Alter Schwede. Selten so ein spannendes Stück gesehen, trotz einiger sich ziehender Szenen. Die Faszination kommt vor allem durch das Bühnenbild. Im Hintergrund der Bühne, von der eigentlichen Handlung durch eine Gazewand abgetrennt, räkeln sich im Halbdunkeln Raubkatzen. Die stellen sowohl die Zookulisse dar als auch, das versteht man nach kurzer Zeit, das Seelenleben der Protagonistin. Ist die aufgeregt oder irritiert, sind die Raubkatzen das auch. Fühlt sich die Hauptdarstellerin bedroht, dann… sagen wir es so: An dem Fluch ist mehr dran, als Andrew glaubt.
Sehr schön und vor allem überraschend inszeniert von Klaus-Ingo Pißowotzki ist „Schattenseiten“ ein wirklich gelungenes und kurzweiliges Stück.

Check-Check. [Joyn]
Klaas Heufer-Umlauf ist vor Jahren vom Dorf weg und nach Berlin gezogen. Dort plant er ein Start-Up nach dem nächsten, so recht klappen will es mit Burgern aus Algen (Algen sind das Grüne Gold! Wir machen Gold zu Geld!“) aber doch nicht. Als sein Vater an Demenz erkrankt, findet sich der Großstadtentrepreneur unvermittelt in der Provinz wieder. In seinem Heimtort trifft er auf alte Klassenkameraden, deren Lebensrealität so ganz anders ist als seine. Das Schlimmste aber: Er muss einen Job im örtlichen Provinzflughafen annehmen, an dem pro Tag nur ca. 3 Maschinen ankommen.

Die Serie wurde bei mir um die Ecke gedreht, im Provinzflughafen Kassel-Calden – der tatsächlich genauso leer steht, wie es in der Serie gezeigt wird. Die Geschichte ist mehr als ein simples „Großstadtmensch muss auf´s Dorf“-Trope. Klar, es gibt auch Slapstick und Fremdschämhumor, besonders bei den Szenen mit der Flughafencrew. Besonders wird das Ganze aber, wenn der Fokus auf Klaas Verhältnis zu seinem Vater gelenkt wird. Das ist geradezu herzerwärmend und gleichzeitig tief traurig mit anzusehen wie die Demenz den einst so selbstständigen Mann immer weiter demontiert – und er das auch merkt und trauert, weil ihm etwas abhanden gekommen ist, von dem er nicht mehr weiß was es ist.
Tolle Serie, gute Schauspieler, und alles von den Stromberg-Autoren auf Klaas Heufer-Umlauf maßgeschneidert. Sowas zu sehen ist ein Vergnügen und eine wohltuende Abwechselung zum Netflix-Einheitsbrei.


Spielen:

Yakuza Kiwami 2 [PS4]
2006: Die Welt der Yakuza von Tokio ist nach den Ereignissen des Vorjahres, die in Yakuza 1 erzählt werden, durcheinander. Das wird nicht dadurch besser, dass der Vorsitzende des Tojo-Clans von einer rivalisierenden Gang aus Osaka ermordet wird. Kazuma Kiryu wird gebeten, einen Frieden zwischen seinem Ex-Clan und Osaka auszuhandeln, und das ist der Punkt, wo alles südwärts rutscht. Nun muss Kiryu, der eigentlich gar kein Yakuza mehr ist, überlegen, wie er seinen alten Clan retten kann ohne das die Hälfte von Tokio in Flammen aufgeht. Dass er sich in Schutzhaft durch die Polizistin Sayama befindet, macht die Sache nicht einfacher. Und irgendwie beschleicht ihn der Verdacht, dass sowohl Yakuza als auch die Polizei nur Bauern in einem weitaus größeren Spiel sind.

Nach „Yakuza Zero“ und „Yakuza Kiwami“ nun der faktisch dritte Teil der Reihe. Im Original erschien das Spiel 2006 für die Playstation 2. Für die Neuauflage auf der PS4 kommt nun die allerneueste Engine aus Yakuza 6 zum Einsatz, mit einem umwerfenden Ergebnis: Tokio und Osaka sind nahezu fotorealistisch nachgebildet. Neonreklamen spiegeln sich in Wasserpfützen auf rauem Asphalt, in Geschäften stehen perfekte Nachbildungen von Waren und Personen und Gesichter sehen nahezu echt aus. Hier hat der Hersteller das Game komplett in neuer Technik nachgebaut, und das ist völlig großartig.

Das gilt nicht nur für die Grafik, auch das Gameplay ist auf neuestem Stand. Im Kern ist Yakuza Kiwami 2 nach wie vor ein Prügelspiel. Kiryu verhaut im Laufe der Geschichte rund 1.000 Gangster, und jeder Encounter macht Spaß. Wirklich bei der Stange hält dabei aber die Geschichte, die noch größer und verwickelter ist als im Vorgänger und die in langen Zwischensequenzen erzählt wird. Das Spiel ist wie ein 30 Stunden langer, spannender Gangsterfilm, der einen emotional mitnimmt und bei dem man selbst zwischendurch die Geschicke bestimmt. Yakuza Kiwami 2 zeigt, was das Medium Spiel zu leisten vermag.

Ghostbusters – The Video Game, remastered [PS4]
1991, vier Jahre nach den Ereignissen des zweiten Kinofilms: Die Geisterjäger werden an Orte ihrer ersten Einsätze gerufen. In der Stadtbibliothek und im Sedgewick-Hotel spukt es wieder, und zwar heftiger als vorher. Die Geisterjäger finden heraus, dass diese Invasion der Geister kein Zufall ist. Tatsächlich ist sie das Werk des irren Architekten Ivan Shandor, der 1920 weit mehr getan hat als nur das Hochhaus von Dana Barett in eine Geisterantenne zu verwandeln. Shandor und seine Mitverschwörer haben tief unter New York Kanäle angelegt, die nun Geisterenergie aufsaugen und verstärken, bis die ganze Stadt langsam in die Geisterdimension driftet.

Ach, das Ghostbusters Game. Im Original ist es 2009 für XBOX und PS3 rausgekommen, nun läuft es „Remastered“ auf der PS4. Was genau daran überarbeitet sein soll, bleibt aber das Geheimnis des Publishers.

Außer der höheren Auflösung (Full HD) konnte ich keine Unterschiede zu früher feststellen. Leider, denn das Spiel, das aus Kostengründen zum Teil in Russland programmiert wurde, war schon 2009 technisch veraltet und sah aus wie 2003 entstanden. Matschige Texturen, künstlich aussehende Charaktere, hölzerne Animationen, schlechtes Leveldesign, schlechte Tonabmischung, Soundfehler, übertriebener Schwierigkeitsgrad auf „normal“, der sich nach Spielstart nicht mehr umstellen lässt … das war genauso schon auf der XBOX 360 und findet leider auch in der 2019er Fassung. Sehr schade, hier wurde die Chance verpasst, das ganze nochmal ordentlich zu machen.

Das ist insbesondere deshalb schade, weil das Spiel durchaus seine Stärken hat. Die Spielmechanik ist z.B. äußerst gelungen. Es macht einen Heidenspaß, mit dem störrischen Protonenstrahl oder dem Schleimspritzer Geister erst zu schwächen, dann zu fangen und schließlich in eine Falle zu bugsieren.

Womit das Spiel aber vor allem glänzt ist die tolle Vertonung (mit den Originalschauspielern) und vor allem der von Harold Ramis und Dan Akroyd geschriebenen Geschichte. „Ghostbusters – The Video Game“ ist die direkte und werkgetreue Fortsetzung der Filme, praktisch wie ein dritter und abschließender Film, den es nie gab. Der Besuch bekannter Schauplätze als Einstieg weckt nostalgische Erinnerungen, und wenn die Geschichte erstmal Fahrt aufnimmt, ist sie spannend, lustig, überraschend und sogar ein wenig gruselig. Der perfekte Abschluss der Ghostbusters-Trilogie.

Trotz der altbackenen Präsentation: Wer die Ghostbusters-Filme mochte, macht hier nichts verkehrt, zumal das nur rund 8 Stunden lange Spiel schon zum Start zum Billigpreis verjubelt wird.


Machen:

Dinge winterfest machen. Immerhin ist das Jahr so gut wie rum.


Neues Spielzeug:

Ein Schutzgitter für den Kühler der V-Strom sowie Barkbusters Storm-Handprotektoren.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Alpine Stars Tech Air-System in der Praxis: Zwei Saisons-Update

Disclaimer: Ich habe den Tech-Air-Kram selbst und ganz regulär zum Ladenpreis gekauft. Ich habe keine Geschäftsbeziehungen zu Alpine Stars, und dies ist auch kein Kooperations- oder Werbartikel. Sowas verpöne ich.

Bereits erschienene Beiträge:

Das war nun die zweite Saison, die ich mit einem Airbagsystem am Körper Motorrad gefahren bin.

Funktionsweise
Zur Erinnerung: Das Tech Air von Alpine Stars besteht aus einer Weste mit einem Rückenpanzer. In diese Weste ist rundrum der Airbag eingearbeitet, im Rückenprotektor sitzen Gaspatronen, Akku, Sensoren und ein Rechner. Der wertet permanent die Daten von mehreren Sensoren im Rücken und an den Schultern aus. Stellt der Computer plötzliche Veränderungen von Lage und Beschleunigung fest, die dem Datenmodell eines Unfalls entsprechen, löst der Airbag aus und schützt den gesamten Oberkörper inkl. der Brust und dem Hals.

Das Chassis, die eigentliche Weste mit Airbag und Computer.

Die Weste kann nicht allein getragen werden, sondern muss in eine für das Tech-Air vorbereitete Jacke eingeknöpft werden. Es gibt verschiedene Modelle, von der Rennkombi bis hin zur Tourenjacke mit integriertem Trinksystem. Allen gemein ist, dass sie über Magnetschalter am Frontreissverschluss und drei LEDs am linken Ärmel verfügen. Der Magnetschalter teilt dem Rechner in der Airbagweste mit, dass die Jacke geschlossen ist und damit das System aktiviert werden kann. Die LED zeigen den Status des Systems (Aus/Kalibriert gerade/An/Störung) und den Batteriezustand an. Ich verwende das Tech Air in einer Valparaiso, das ist die leichte Tourenjacke von Alpine Stars. Hervorragend verarbeitet, Lederbesatz an sturzgefährdeten Stellen.

Im Gegensatz zu Airbagsystemen anderer Hersteller bietet das Tech Air einige Vorteile:

  • Keine Reißleine zum Motorrad (wie z.B. bei Helite), dadurch schnellere Auslösung bei Unfällen
  • Keine Sensoren am Motorrad (wie z.B. bei Dainese), mit einem Tech Air kann man jede Maschine fahren
  • Verschiedene Jackenmodelle verwendbar, je nach Geschmack und Einsatzzweck

Bei jede Start des Systems, also bei jedem Schließen der Jacke, prüft und kalibriert der Computer erst einmal alle Sensoren, dabei blinkt am linken Arm die grüne LED. Leuchtet sie dauerhaft, was in der Regel nach 15-45 Sekunden passiert, ist das System aktiviert. Der Akku hält rund 30 Stunden, selbst wenn man jeden Tag 8 Stunden fährt, muss er erst nach 3 Tagen ans Netz.

Soweit zur Funktionsweise, jetzt meine Erfahrungen mit dem Tech Air

Kilometer 0.000, Februar 2018: Anschaffung
Das Tech Air und ich hatten einen seltsamen Start. Erstmal habe ich ewig gebraucht, um die für mich passende Größe zu finden, denn die Jacken sind sehr körperbetont geschnitten und dementsprechend eng. Die Valparaiso hat zudem noch zwei Innenfutter (Membran und Thermofutter), die sie nochmal enger machen. Eine Nummer größer sieht dann aber gleich wieder aus wie ein Mehlsack, mit zu langen Armen und schlappernden Ärmeln. Das ganze Drama ist hier nachzulesen.

Kilometer 6.000, Juli 2018
Während der ersten Saison fiel das System nach rund 6.000 Kilometern aus. Der Rechner brach während der Kalibration ab, Grund dafür war ein ausgefallener Gyro-Sensor. Ärgerlich, aber eigentlich ein gutes Zeichen: Wenn das System sich nicht hundertprozentig sicher ist, dass alles funktioniert, dann startet es erst gar nicht.

Ich habe dann die Airbagweste bei Alpine Stars gelassen und bekam sie zwei Wochen später repariert und mit neuem Steuercomputer und verbesserter Software zurück.

Kilometer 8.000, Oktober 2018
Zum Saisonende 2018, auf meiner letzten Fahrt bevor die Motorräder eingewintert wurden, meldete wieder ein Sensor einen Fehler. Nur ein Mal, ansonsten funktionierte er. Ich fragte den Alpine Stars Tech Air Kundendienst, der superfix ist, nach seiner Meinung. Kein Grund zur Sorge, aber wenn ich Lust hätte, dann solle ich das Teil doch einschicken. Habe ich gemacht, mitsamt der Valparaiso Jacke.

Die bei Louis gekaufte Jacke nämlich noch von einer ersten Generation und hatte noch nicht den gelben Klettverschluss am Magnetschalter, der heute das Markenzeichen des Tech Air ist. Ohne den ist das Schließen des Magnetschalters aber eine ziemliche Fummelei.

Im Dezember 2018 kam ein Paket aus Italien zurück. Die Weste war überprüft worden. Fehler gab es keine, aber weil es mittlerweile eine bessere Akkuversion mit einem anderen Ausfallschutz gibt, hatte man mir den einfach mal eingebaut und die Software upgedatet. In die Valparaiso-Jacke hatte die Näherei von Alpine Stars einen Klettverschluss eingenäht. Alles kostenlos.

Kostenlos nachgerüstet: Klettverschluss über Magnetschalter.

Kilometer 15.000, Juni 2019
Es geht durch Regen. Es geht durch glühende Sonne bei Temperaturen über 40 Grad. Und dann geht es durchs Gelände und plötzlich so der Gedanke: Können heftige Stöße und Stürze bei niedrigen Geschwindigkeiten eigentlich den Airbag auslösen? Können sie nicht, bestätigt Alpine Stars später. Das System erkennt Geländefahrten und löst nicht bei Schlaglöchern aus, und auch Umfaller können haben keinen Effekt.

Kilometer 20.000, Oktober 2019
Das Tech Air hat die Saison 2019 ohne Probleme überstanden. Mit dabei: Eine Fernreise, die sowohl Regen bis auf die Haut als auch zwei Wochen Temperaturen weit über 30 Grad brachte. Jetzt geht die Weste zum Check, der alle zwei Jahre notwendig ist. Alpine Stars prüft dabei das gesamte System auf Dichtigkeit und Funktion und erneuert die Gaskartuschen. Das kostet 99 Euro bei denen, dafür verlängert sich dann die Herstellergarantie um zwei Jahre. Das geht maximal fünf mal, man hat also bei regelmäßigen Inspektionen 10 Jahre Herstellergarantie.

Meine Meinung nach zwei Saisons:
Das Alpine Stars Tech Air ist technisch auf einem guten Stand. Gerade für Gelegenheitsfahrer in Deutschland kann ich es uneingeschränkt empfehlen. Anfangs zieht man es an, guckt ob die Lampe grün ist und fährt los, später vergisst man sogar diesen Kontrollblick. Das ist sicherlich das Beste, was man über so eine Technik sagen kann: Man vergisst sie einfach. Das ist super.

Weniger super ist das System für Motorradreisende, gerade in warmen Gefilden. Die Weste wiegt zwei Kilo, die Jacke auch, mit ein wenig Geraffel in den Taschen hat man plötzlich 4,5 Kilo zusätzliches Gewicht, was man erstmal bewegen muss.

Beim Ausflug ins Eiscafe auf der Tagestour ist das nicht schlimm, wenn man damit aber im Hochsommer durch Städte wandert, dann merkt man das heftige Gewicht sehr deutlich.

Dazu kommt: Der Airbag staut wie eine Plastiktüte die Hitze in der Jacke. In Bewegung auf dem Motorrad ist das gerade noch erträglich, dank der guten Lüftung. Ist man aber zu Fuß unterwegs, stirbt man darin den Hitzetod.

Außerdem nimmt die Weste den Schweißgeruch an, der irgendwann auch nicht mehr rausgeht. Als Reisender stinkt man nach einigen Tagen wie eine Güllegrube. Klar, das kann auch bei anderen Jacken passieren, aber für den Preis möchte ich ein Innenfutter mit Antimüffelionen oder so.

Müffel-Müffel.

Von daher: Wer auf´s Geld achten muss oder Fernreisen unternimmt, für den ist das Tech Air nichts.

Für die normale Durchschnittsfahrerin oder den Durchschnittsfahrer ist das Tech air aber ein tolles Ding und vermutlich das am einfachsten zu nutzende System auf dem Markt. Der Anschaffungspreis ist hoch, dafür bekommt man aber erstklassige Qualität, Premiumerstellerservice und hohen Schutz.

Wer Geld in sein Hobby stecken kann, dem sei gesagt: Bevor Du Dir das dritte Paar LED-Scheinwerfer oder irgendwelchen Killefitt an Deine GS schraubst, denk doch mal über eine Investition in ein Tech Air nach.

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Texte, die nach Sperma riechen

„Ich bin ein Schriftsteller, ich komme von Tolstoi, ich komme von Homer, ich komme von Cervantes. Lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen.“
(Peter Handke, Oktober 2019)

Solche Fragen sind nämlich unter der Würde eines Peter Handke. Fragen wie die, was er von denjenigen hält, die die Verleihung des Literaturnobelpreis an Peter Handke kritisieren. Da reagiert ein Peter Handke dann schon mal beleidigt. Das passt zu jemandem, der sich völlig ironiefrei auf eine Stufe mit den Größten Schriftstellern der Geschichte stellt.

Handke ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als er in der taz verarscht wurde. Irgendeiner der Autoren der Satireseite „Die Wahrheit“ hatte Handkes Stil nachgeahmt, und ich dachte nur: Das gibt´s doch nicht, das jemand so schreibt. Gibt´s aber doch. Handke schreibt endlose Bandwurmsätze über Trivialitäten.

Beispiel gefällig? Hier. Herr Handke steht, warum auch immer, im Garten und guckt, ob am Baum noch eine Quitte hängt. Das ist alles. In Handkes Sprache wird daraus:

„Jetzt werde ich sie entdecken, die eine, bisher übersehene Frucht im scheinbar Fruchtleeren Baum“ – noch eine Steigerung, Schritt für Schritt um den Quittenbaum herumgehend, innehaltend, den Kopf hebend, äugend, vor und zurück gehend, und so fort, steigerte sich mein Vorsatz, zu erblicken, zu einem wilden Willen, mit nichts als den eigenen Augen die fehlende Frucht in die Leere über mir hineinzuschauen, alleine Kraft meines Blicks dort oben aus all den zugespitzten Blätterlanzetten in einem, und wenn auch noch so kleinem Zwischenräumchen „diejenige Welche“ hervor ans Licht zu treten, sich jetzt, jetzt vorwölben und rund zu machen. Und für den Bruchteil eines Augenblicks schien der Zauber zu gelingen, Da hing sie, die Frucht, so schwer wie duftig.

Das ist keine sinnstiftende Literatur, dass ist Zeitverschwendung im grauen Raum der eigenen Tristesse. Handkes Texte sind wortverkleisterte Allgemeinheiten, die sich eigentlich immer nur um eines drehen: Um ihn selbst.

Peter Handke schreibt stets über Peter Handke. Die Welt um ihn herum ist ein Spiegel, den er nur für eines nutzt: Sich selbst darin zu betrachten.

Das ist eine besonders klebrige Form von literarischer Onanie, die sich oben drauf noch einer unangenehm manierierten Schreibweise bedient. Jeder triviale Scheiss wird zu einer dem Autor huldigenden Erektion aufgeblasen, deren Lusttröpfchen in jede Ritze suppen bis der ganze Text nach kaltem Peter-Handke-Sperma riecht.

Natürlich nimmt sich Peter Handke überaus ernst, immerhin ist er der wichtigste Mensch in der Welt, ach was, des Universums! des Peter Handke.

In den 80ern und 90ern machte der Peter Handke einige Pauschalreisen, pinselte seine Beobachtungen in ein Reisetagebuch und nannte das dann – nein, nicht „Peter Handkes Reisetagebuch“, sondern „Das Gewicht der Welt“. Darunter macht ein Peter Handke es nicht.

Die Beobachtungen eines Peter Handkes über andere Ländern sind dann aber hauptsächlich Beobachtungen über Peter Handke selbst. Aber auch die sind wieder trivial, vom Kaliber:

„Die Welt im Gehen, Schauen, Bedenken, Betrachten stellt sich anders dar als die Welt in den Zeitungen“

„Nein!“ – „Doch! – „OH!“

Ich kenne nicht viele „großen, wichtigen“ Autoren des absurd selbstreferentiellen Literaturbetriebs, und die meisten von denen, die ich kenne – wie den unvermeidbaren Günther Grass – finde ich schwer erträglich. Es ist viel zu oft eitle Altmännerlitertur aus einer vergangenen Epoche, aber Handke, Handke ist mit dem was er schreibt und wie er es schreibt wirklich herausragend unerträglich.

Vollends eklig wurde Handke, nachdem er Mitte der 90er zwei Kurztrips nach Serbien gemacht hatte. In „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ von Peter Handke verharmlost Peter Handke serbische Kriegsverbrechen.

Handke guckte in die serbische Landschaft, sah das Leben der einfachen Leute und beschieht, dass Menschen, die Barfuß laufen, keine Kriegsverbrechen begangen haben können. Der Mutlifunktionskünstler Wiglaf Droste beschieht Handke dafür einen veritablen Dachschaden, aber erstaunlicherweise lasen einige Leute immer noch seine schwiemligen Texte. Zumindest im Feuilleton, auch wenn die „Zeit“ sich zwischenzeitlich leicht enttäuscht zeigte:

„Man erfährt, dass Peter Handke in Serbien ein gern gesehener Gast ist – er darf umsonst tanken, man reicht ihm dort bei Bombenalarm bereitwillig Äpfel, und einfache Zimmermädchen sagen ihm Dank, „für das Wort, das ich meinerseits für sie und ihr Land, für ihr Land, für sie, eingelegt habe“

In einem Land, in dem einem Peter Handke so gehuldigt wurde, hatte Peter Handle seine Bestimmung gefunden. Während ihn in seinem Heimatland niemand mehr wollte, verstand er sich fortan als „Freund des serbischen Volkes“. Er kumpelte mit Slobodan Milošević herum, den Handke im Gefängnis besuchte, öffentlich verteidigte und dessen Völkermord er bis heute leugnet. Handke tingelte durch die Welt und machte Werbung für einen Völkermörder, gab Tips wen die Serben bei Wahlen wählen sollten, trat der Serbisch-orthodoxen Kirche bei und reagierte beleidigt, als das nicht alle im Literaturbetrieb so töfte fanden.

2014 war er immer noch so eingeschnappt, dass er anregte „Den Literaturnobelpreis sollte man endlich abschaffen“. Die diesjährige Entscheidung des Nobelpreiskommitees, ausgerechnet Peter Handke auszuzeichnen, ist für alle Menschen außer Peter Handke völlig unverständlich.

Verständlich ist hingegen, das Peter Handke den Preis, den er unbedingt abschaffen wollte, in dem Moment wieder toll findet, wo er ihn verliehen bekommt. Peter Handke nimmt den Preis an und streicht das Preisgeld ein. Kritik an seiner Geschwiemel wischt er mit dem Verweis, dass er in der Tradition der größten Schriftsteller der Geschichte steht, einfach weg – als wäre das, selbst wenn es stimmen würde, eine Erklärung für dünnhäutige Wutausbrüche.

Das passt genau in das Muster einer eingebildeten, eitlen Wurst, wie Peter Handke eine ist.

Kategorien: Meinung, Satire | 9 Kommentare

Barkbusters und Co: Im nächsten Jahr ist mein Motorrad ein Panzer

Motorräder lassen sich relativ einfach anpassen, sowohl an persönliche Vorlieben als auch an unterschiedliche Einsatzgebiete oder Anforderungen. Fahreigenschaften, Optik, Sound – das lässt sich alles fast beliebig und mit überschaubarem Aufwand ändern. Hier ein Gepäcksystem nachgerüstet, da andere Reifen drauf, dazu noch ein anderes Windschild – keine Maschine, die einige Jahre auf dem Buckel hat, ist noch so, wie sie einst aus der Fabrik gekommen ist.

Meine Barocca, die Suzuki V-Strom DL 650, ist ein 2010er Modelljahr. Als ich die 2017 gebraucht gekauft habe, war schon die Nachfolgerin draußen. Ich habe mich aber ganz bewusst für das alte Modell entschieden. Zum einen, weil sich Diebe nicht für alte Suzukis interessieren, zum anderen wollte ich die alte, weil dieses Modell von 2004 bis 2010 gebaut und in großen Stückzahlen verkauft wurde. Ersatzteile für die Kiste hat jeder Dorfschmied im Regal liegen.

Die Barocca ist außerdem aus dem letzten Modelljahr ihrer Generation, und das bedeutet: Die Kinderkrankheiten der Modellreihe, wie absaufende Zündkerzen, Kupplungskörbe mit Selbstzerstörung oder Lichtmaschinen, aus denen die Magneten fallen, sind allesamt behoben. Und: Es gibt eine GIGANTISCHE Auswahl an „Aftermarket“-Teilen von Drittanbietern, also Dinge zum Nach-, Auf- und Umrüsten.

Von denen hat die Barocca schon einige verbaut bekommen, vom Gepäckträger über einen verstellbaren Scheibenhalter (von einem Ingenieur aus den USA) mit einer Spezialscheibe (aus einer kleinen Manufaktur in England) bis hin zum Kettenölsystem (von einem schwäbischen Tüftler). Damit ist die V-Strom für mich zur Reisemaschine geworden.

Eine Reisemaschine zunächst für die Einsatzgebiete, wie ich sie mit der Vorgängerin, der Sporttourerin ZZR600, für mich erschlossen hatte. Das heißt: Weite Fahrten, aber ausschließlich auf befestigten Straßen.

Nun hat die V-Strom schon durch ihre Bauform meine Nutzung verändert. Ich fahre mittlerweile nicht mehr nur auf asphaltierten Wegen. In den letzten beiden Jahren ging es über weite Strecken über Schotter, Asphaltbrösel und Waldwege. Nicht richtig Offroad, so mit Schlamm, Sand und Felsen, dafür sind weder die V-Strom noch ich gemacht, aber schon raueres Terrain als echte Straße.

Jetzt, am Ende der Saison, habe ich etwas verwundert die Folgen dieser Ausflüge bemerkt. Der Kühler der Maschine weist zahlreiche Einschußlöcher auf, genau in der Einflugschneise zwischen Kotflügel und oberer Verkleidung. Da müssen Steine von vorausfahrenden Fahrzeugen eingeschlagen sein, stellenweise sind sogar die Lamellen beschädigt und bröseln weg.

Interessant. Und ich dachte immer, dass Schutzgitter für den Kühler Unfug sind, den sich nur GS-Fahrer aufschwatzen lassen, die nach dem Einbau des dritten Paares Zusatzscheinwerfer Langeweile haben.

Kurz überlegt, dann ist mir klar geworden: Bei dem, was 2020 auf dem Programm steht, wird es noch wesentlich rauer werden. Für das kommende Jahr möchte ich daher, dass mein Motorrad ein Panzer wird. Also, nicht wirklich, aber die Maschine sollte schon ein wenig geschützt sein.

Den ersten Schutz hat sie schon bekommen. Normalerweise ist der Motor der V-Strom ungeschützt, besonders der Ölfilter ist exponiert. Im Bezug auf Steinchenflug von Vorne ist das nicht schlimm, zumal eine Kotflügelverlängerung verhindert, dass das Vorderrad Dreck und Steine direkt auf den Motor ballert. Doof ist das aber, wenn man mit der Maschine über Kanten und Steine hoppelt.

FKK: Kühler und Ölfilter baumeln nackig im Wind.

Nachdem nun die Tieferlegung draußen ist, passt wieder ein Motorschutz unter die Maschine. Der wurde in einer tschechischen Schmiede gefertigt. Nicht schön und auch nicht so schlank wie die Version von SW-Motech, dafür passt er aber an die Sturzbügel von Givi und ist wirklich massiv.

Damit sind Ölwanne, Krümmer und Ölfilter geschützt.

Für den Kühler gibt es zahlreiche Angebote für günstige Schutzgitter. Teilweise sehr schöne gemacht, verchromt und lasergeschnitten mit tollen Mustern, Bildern und Schriftzügen. Diese Dinger sind mehr Schmuck als Schutz, und die meisten haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind untauglich als Kühlerschutz. Entweder sind die gelaserten Muster und Bilder so groß, dass kleine Steinchen da wieder problemlos durchfliegen können. Oder die Teile bestehen aus einem flächigen Blech mit Löchern. Sowas schützt fraglos, aber ich würde ernsthaft in Frage stellen, ob dadurch noch genug Luft an den Kühler kommt.

Ich habe mich deshalb für einen Kühlerschutz der deutschen Firma SW-Motech entschieden. Der ist zwar im Vergleich zu den chinesischen 13,95 Euro-Angeboten auf Ali Express fünf mal so teuer, dafür taugt er aber. Das Schutzgitter ist engmaschig, lässt aber viel Luft durch und liegt nicht direkt auf dem Kühler auf. An der oberen Kante gibt es Schutzpolster, die verhindern, dass der Kühler durchgescheuert wird. Die Passform ist exzellent und nutzt die drei vorhanden Schrauben der Kühlerbefestigung, so dass das Teil in 10 Minuten montiert ist.

Wegen mir hätte es den doofen „DL 650“-Schriftzug jetzt nicht gebraucht. Immerhin weiß ich, was ich fahre, aber nun.

Ein anderer Punkt, der mir im Sommer aufgefallen ist: Die Original-Handprotektoren der V-Strom schützen ganz gut gegen Wind und Wetter und auch bei Ablegern mit geringer Geschwindigkeit.

Allerdings ist die Schutzwirkung eher Glückssache als Garantie, denn die Dinger sind nicht die stabilsten. Das Material, dicker und halbflexibler Kunststoff, ist zwar ok, aber die Befestigung ist ein Witz: Genau eine kleine Schraube hält den Schutz an der Lenkerinnenseite, außen sind die nur zwischen Lenkergewichte und Lenker geklemmt. Besser als nichts, aber trauen tue ich den Dingern nicht.

Maß der Dinge bei Handprotektoren sind die Produkte der Firma Barkbusters. Die australische Manufaktur baut seit Jahrzehnten sowas in Handarbeit, zuerst für Rallyefahrer, mittlerweile für den Massenmarkt. Pavel hat die Firma während seines Australienurlaubs besucht und ein Video darüber gemacht. Das zeigt deutlich: Den Leuten liegt was an dem , was sie machen.

In Deutschland vertreibt SW-Motech motorradspezifische Barkbusters-Kits unter Eigennamen. Die Barkbusters-Protektoren sind wirklich massiv: Alubügel bilden den Unterbau, auf den dann verschiedene Griffschalen aus Kunsstoff aufgesetzt werden können. Je nach Vorlieben können die schlank, sportlich oder klobig sein und mit Extra-Windabweisern oder LED-Blinkern versehen werden.

Ich habe mich für die größten Schalen entschieden, die „Storm“. Die sind zwar eine ästhetische Zumutung im Vergleich zu den stromlinienförmigen Sportversionen, bieten aber den besten Wetterschutz. Die Trennung von Schale und Schutzbau finde ich super, weil nach kleinen Crashs einfach die Schale für einen 10er pro Stück getauscht werden kann. Die massiven Bügel schützen nicht nur die Hände sondern auch die Hebel. Abgrebrochene Kupplungs- und Bremshebel sollten damit der Vergangeneheit angehören.

Zur Montage müssen die alten Lenkergewichte raus. Das kann schon mal schwierig werden, weil tief im Lenker Gummihülsen stecken, die man mit rausziehen muss. Das heisst: Schraube am Lenkerende drei, vier Umdrehungen rausdrehen – NICHT weiter, weil sonst die Mutter im Lenkerinneren abfällt und verschütt geht! – dann am Besten Kriechöl reinsprühen, einwirken lassen, dann das ganze Lenkergewicht rausziehen:

Bei mir brauchte es nicht mal Kriechöl, die Gewichte waren total locker im Lenker und wurden letztlich nur von den Protektoren gehalten, die eigentlich von den Gewichten gehalten werden sollten. Was hält da was?

Die Barkbusters bringen eigene Lenkergewichte und Distanzhülsen mit. An denen wird der Metallbügel verschraubt.

Das andere Ende kommt an eine massive Halterung am Lenker. Ist ein wenig Gewurschtel mit den Zügen und Kabeln, ging aber eigentlich recht gut.

Sind die Bügel montiert, ist die Hauptarbeit getan.

Jetzt fehlen nur noch die Schalen. Die werden mit drei Schrauben auf dem Schutzbügel befestigt.

So sieht dann das Ergebnis aus.

So. Damit ist die V-Strom zwar nicht wirklich ein Panzer (sowas will dann halt doch niemand) aber zumindest ein wenig besser gerüstet für die raueren Passagen im kommenden Jahr.
Wenn das nur nicht noch so lange hin wäre!

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Herbst! Saisonende 2019

Also höret und lobet das Herbstwiesel,
das Euch wissen lässt,
dass nun die Zeit für lange Abende bei Netflix und guten Büchern und Heißgetränken der eigenen Wahl angebrochen ist!

Auf das alles kuschelig sein möge und gemütliches Einmuckeln zelebriert werde!
Auf der Couch rumliegen und Videospiele spielen ist nun keine Sünde mehr,
denn die Zeit des Motorrads ist für dieses Jahr vorbei!
Preiset das Herbstwiesel, das die Blätter bunt anmalt und alles gemütlich werden lässt!

Die Motorradsaison 2019 ist mit dieser Proklamation offiziell beendet.
Wer jetzt nicht mehr fährt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Der Segen des Herbstwiesels entbindet Euch vom Drang nochmal auf´s Mopped zu müssen.

Ja, der Herbst schreitet voran, die Motorradzeit endet langsam. Letzte Nacht waren es hier Null Grad, die Autoscheiben voller Eis. Gut, dass ich das vergangene Wochenende schon genutzt habe um beide Motorräder, sowohl die Kawasaki ZZR 600 als auch die Suzuki V-Strom DL 650, ordentlich sauberzumachen, zu pflegen und einzuwintern.

Die ZZR so richtig, inklusive Ablassen der Vergaser und Entfernung der Batterie, die V-Strom nur so halb. Vielleicht hat der Herbst noch ein paar sonnige und warme Tage in petto, wenn ich dann zufällig Zeit habe, wird die Barocca noch mal bewegt. Falls nicht – auch OK, dann träumt sie jetzt dem nächsten Frühling entgegen.

Überhaupt, Zeit. Die fehlte mir in diesem Jahr. Keine Zeit, um geplante Wochenendtrips in den Thüringer Wald oder nach Franken anzutreten, keine Zeit um am ZZR-Herbsttreffen im Harz teilzunehmen. Zu viel Arbeit, um nebenbei oder im Alltag mal zu fahren. Das ist schade und erklärt die niedrige Laufleistung der ZZR in diesem Jahr. Denn die ist mittlerweile meine Kurzstrecken- und Ausflugsmaschine, während die V-Strom das Motorrad der Wahl für Fernreisen ist.

Immerhin habe ich Anfang der Saison ein ADAC-Training mitgemacht (und dabei den Umfall produziert), Dora besucht und zwischendurch noch eine Runde mit Freunden durch den Spessart gedreht. Das war es aber auch schon, sieht man von der Sommerreise ab. Mit über 8.000 Kilometern eine gute Tour. Drei Wochen nur das Motorrad und ich. Das war schön.

Beide Moppeds haben in diesem Jahr anstandslos die Hauptuntersuchung überstanden und die eitergelbe Plakette bekommen. Die ZZR ist durch eine kleine Inspektion gegangen, die V-Strom hat richtig reingehauen inkl. neuer Kette, Reifen, Radlager und whatknot. Außerdem wurde die Tieferlegung ausgebaut. Ich bin mittlerweile doch oft so unterwegs, dass die mehr störte als nützte. Jetzt habe ich zwar Probleme mit den Füßen an den Boden zu kommen, aber die V-Strom hat wieder Bodenfreiheit, einen Hauptständer und einen Motorschutz.

Ausrüstungstechnisch gab es wenig Neues. Der im Herbst 2018 gekaufte NOLAN N100-5 wurde erstmals ausführlich gefahren, mit dem Fazit: Ein schöner, aber kein guter Helm. Deshalb nutze ich den Vorgänger, den N104 weiter. Der ist nicht schön, aber gut. Vielleicht kriegt Nolan es beim N106 dann mal hin, einen schönen UND guten Helm zu machen.

Bei Stiefeln bin ich umgestiegen Alpine Stars Web Goretex auf Daytona Roadstar GTX. Leider in der verkehrten Größe, was für einige Komplikationen sorgte. (Braucht noch wer Roadstars in 42? Ich habe hier welche zu verkaufen.)

Trotz ihrer Spärlichkeit war es eine gute Motorradsaison, weil: Kein Unfall (auch wenn es knapp war), keine Panne. Ein Umfall, dummerweise, der erste mit der V-Strom. Und ein Ticket wegen Geschwindigkeitsübertretung, aber das fällt halt unter Betriebskosten. War außerdem ein deutsches Ticket, kostet also praktisch nichts. Die neuen Blitzer, die in Italien jetzt im versteckten Einsatz sind und die ich erst zu spät als solche begriffen habe, haben mich anscheinend nicht erwischt. Zum Glück. Das wäre teuer geworden.

War also in der Summe ein gutes Motorradjahr. Damit wäre jetzt mal wieder Zeit, die Daten der Maschinen anzugucken und ein wenig Statistik zu betreiben.

Vorab das Management Summary: Die Saisondauer war länger als in den Vorjahren. Sie begann schon Ende Februar, endete dann aber erwartungsgemäß Mitte Oktober. Mit beiden Maschinen habe ich ziemlich genau die gleichen Kilometer wie in den Vorjahren zurückgelegt, etwas über 11.000.

Mit der V-Strom war ich auf Fernreise, mit der ZZR fast nur im Stadtverkehr und auf kurzen Ausflügen unterwegs. Das macht sich bemerkbar, der Verbrauch der ZZR ist leicht höher als in den Vorjahren. Bei Spritmonitor.de ist sie aber über die Lebenszeit immer noch Sparsamkeitskönigin.

Wartungs- und Reparaturarbeiten standen bei der V-Strom im großen Stil an, weil da quasi drei Inspektionen in eine zusammengefasst wurden. Auch die ZZR brauchte, zum ersten Mal seit 2016, wieder etwas Liebe durch die Werkstatt.

Die Detailaufstellungen folgen nach dem Klick. Wer sich Einzelheiten angucken möchte, findet die Daten beider Maschinen online:

ZZR 600 Renaissance bei Spritmonitor.de
DL 650 Barocca bei Spritmonitor.de
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Assassin´s Creed Symphony

Das erste Mal hörte ich von der Existenz einer Assassins Creed Symphonie im Sommer 2018. Ich war mit dem Motorrad an der ligurischen Küste unterwegs und machte Pause am Tresen einer Kaffeebar. Neben mir unterhielten sich zwei Männer darüber, dass im Teatro Civico, dem kleinen Opernhaus von La Spezia, das Tuscany Symphony Orchestra gerade etwas Großes, Geheimes probte, die Symphonie des Credos der Assassinen.

Ich dachte erst ich hätte mich verhört, aber im November 2018 machte Ubisoft das Projekt offiziell und betonte dessen Exklusivität, denn die Assassins Creed Symphony sollte weltweit nur 15 mal aufgeführt werden, und nur fünf Mal davon in Europa (später rückte man davon ab, es gibt nun mehr Termine).

Dementsprechend elektrisiert war ich, als im Janur 2019 die Karten endlich in den Verkauf kamen. Als europäische Spielorte wurden genannt: Paris, Mailand, London, Zürich, Barcelona und – Düsseldorf. Hä? Düsseldorf? Egal. schnell Karte geklickt, und neun Monate später machte ich mich nun auf den Weg, um am 04.10.19 in der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt die Assassins Creed Symphony anzuhören.

Das Teatro Civico in La Spezia an der Küste Liguriens. Bild: Google Streetview 2018.

„Assassin´s Creed“ ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ein multimediales Phänomen. Alles begann 2009 mit einem Videospiel. Das basierte auf der Idee, dass man die Erinnerungen seiner Vorfahren nacherleben könnte, wenn man die nur mir geeigneter Technologie aus der eigenen DNA extrahieren würde. Ist wissenschaftlich natürlich Mumpitz, als Storyvehikel aber genial: Der DNA-Mumpitz eröffnet einen Rahmen, in dem eine kohärente Erzählung und Zeitreisen möglich sind.

Die kohärente Erzählung ging im Verlauf der vergangenen 10 Jahre leider verloren. Das lag unter anderem auch daran, dass Assassins Creed eben multimedial wurde und in andere Medien diffundierte. Es gab Facebook-Games, Bücher, eigenständige Comicreihen, Kurzfilme und sogar einen Kinofilm mit Michael Fassbender in der Hauptrolle. Kern des Franchises blieben aber die Spiele, die äußerst aufwendig produziert werden. An jedem Serienteil sitzen jahrelang bis zu 1.000 Personen in Studios rund um die Welt.

Zu einer Triple-A-Produktion gehört natürlich auch ein angemessener Soundtrack, und dafür wurde bei Assassins Creed von Anfang an geklotzt. Der Komponist Jesper Kyd definierte als erster die Grundlagen und Ausrichtung des Soundtracks. Er suchte historische Instrumente, die zur im Spiel dargestellten historischen Epoche und den Orten passten. Mit denen interpretierte er situationsabhängig Themen und Melodien und setzte, wo passend, Orchesterklänge und Choräle zur Verstärkung oder als Kontrast ein. Das gelang ihm im Falle von „Assassins Creed II“, das im Florenz der Renaissance spielt, so gut, das heutzutage Stücke aus dem Soundtrack bei Mittelalter- und Stadtfesten überall in der Toskana zu hören sind.

Kyd widmete sich nach drei Teilen (AC, AC II, AC Brotherhood) anderen Aufgaben, ihm folgte der Hans-Zimmer-Schüler Lorne Balfe. Der führte endlich das ein, was den Soundtracks von Kyd immer fehlte: Ordentliche Themen. Dabei griff er auf die Arbeiten seines Vorgängers zurück und machte aus Kyds Stück „Ezios Family“ das „Assassins Creed Theme“.

Auf Balfe, der für „Revelations“ und, zusammen mit Brian Tyler, für „AC III“ verantwortlich zeichnete, folgte Sarah Schachner. Die vervollkommnete die Assassins Creed Formel durch den Einsatz von starken, aber zur historischen Epoche passenden Themen, interpretiert von historischen Instrumenten und angereichert mit Verzerrungseffekten und Begleitung durch moderne Instrumentierung. Seit „Black Flag“ bis zum 2018er „Odyssey“ arbeitet Schachner exklusiv an Assassin Creed.

10 Spiele, drei Hautpkomponisten, das ergibt 10 Soundtracks mit je zwei Alben und Hunderten Stunden Material. Genug, um daraus eine eigene Symphonie zu bauen und aufführen zu lassen, dachte sich Spielehersteller Ubisoft.

Nun also: Düsseldorf.

Hier steht die „Mitsubishi Electric Halle“, und von Weitem sieht der hässliche Zweckbau, der Außen mit Werbung bepflastert ist, tatsächlich erstmal aus wie ein Autohaus. Ich war 15 Minuten nach Saalöffnung da, und erstmal bass erstaunt: Hunderte Menschen standen bereits in Schlangen über Vor- und Parkplatz.

Ich reihte mich ein und stand die nächste halbe Stunde erstmal am selben Fleck, denn was auch immer das Personal da angestellt hat: Der Einlass ging nur sehr langsam voran. Keine Ahnung warum, denn -typisch Deutschland- Sicherheitskontrollen von Taschen gab es nicht wirklich. Das Personal suchte nicht nach Waffen oder Sprengstoff, sondern achtete nur darauf, das niemand ein eigenes Getränk mitbrachte.

Im Inneren des Foyers wurde mir auch sofort klar, warum. Popcorntheken, Brezelstände, Bars. Im Inneren der Halle dann klingelnde Laugenstangen- und Eisverkäufer. Der Veranstalter macht offensichtlich gute Geschäfte mit Fressalienverkauf. Merch der Assassins Creed Symphony gab´s auch. Allerdings nur ein (uninspiriertes) Motiv, und so langweilige Dnige wie T-Shirts, Caps und Hoodies. Nee, nix für mich, 30 Euro sind für ein langweiliges T-Shirt dann doch arg viel.

Die Mitsubishi Halle selbst ist von der Sorte, wie ich sie inbrünstig hasse. So eine widerliche Mehrzweckhalle, die außer zu Sportevents zu nichts wirklich zu gebrauchen ist. Gebaut wie eine Arena, ringsum Tribünen und für Konzerte in der Mitte eng bestuhlt. Warum dieses Parkett die teuersten Premiumplätze sind wird sich mir nie erschließen, immerhin sitzt man da platt hintereinander und sieht ab Reihe 5 nur noch die Köpfe der Vorderleute.

War mir egal, ich hatte einen Platz in Reihe 3, direkt vor der Bühne. Neben mir saßen zwei Frauen Mitte Zwanzig, dem Gespräch nach Powergamerinnen, die von Assassins Creed bis Destiny alles spielen was die Playstation 4 zu bieten hat. Die beiden waren keine Ausnahme – mehr als ein Drittel der Personen in der Halle waren Frauen. So viel also zu dem Vorurteil, Videospiele seien nur was für männliche Nerds. Meine Nachbarinnen waren überaus angenehme Gesellschaft – während des Konzerts fummelten Sie nicht mit Smartphones rum und quatschten nicht. Super!

Durch den Platz so weit vorne sah ich nur die erste Reihe der Streichinstrumente und den Dirigenten, hatte aber immerhin freie Sicht auf die Videoprojektion. Das war Okay, auch wenn die Bühne ECHT KACKE war. Der Chor stand z.B. nicht auf einer Erhöhung, wie bei solchen Konzerten üblich, sondern IN EINEM GRABEN hinter dem Orchester. Dis 20 Sängerinnen und Sänger waren deshalb kaum bis gar nicht zu sehen. Überhaupt hat sich das Venuemanagement wenig Mühe gegeben, und das eingesetzte Personal machte auch keinen tollen Job. Zwischendurch flackerten Scheinwerfer, es wurden (gefühlt) falsche Beleuchtungen gefahren, der Projektor fiel zwischendurch zwei Mal aus und NICHT MAL DIE VERDAMMTE PROJEKTIONSFLÄCHE HING KNITTERFREI. Liebloser geht es nicht. Diese Mitsubishihalle in Düsseldorf, das ist ein Ort ohne Liebe.

Liebe brachten die Leute selber mit, und die hing deutlich spürbar im Saal und verband alle Personen im Publikum miteinander: Die Liebe zu den Spielen, die allen Anwesenden so viele, besondere Stunden geschenkt haben. Der Beginn des Konzerts zögerte sich durch den schleppenden Einlass immer weiter raus, und in der Zwischenzeit diskutierten die Leute ihre Lieblingsmomente aus den Spielen, tauschten sich über Charaktere aus und vertieften sich in einzelne Stories.

Als es endlich losging, liefen auf der Leinwand hinter dem Orchester Videos mit Spielszenen, passend zur Musik. Zur Ouvertüre war das ein Zusammenschnitt aus allen Spielen, eine Art Best-off oder, wie man im Videobereich sagen würde, eine Sizzle-Reel. Dazu spielte das insgesamt 84-köpfige Orchester kurze Anrisse bekannter Themen, die elegant ineinander übergingen.

Nach der Eröffnung folgte die Musik der Chronologie der Spiele, begann also mit Stücken aus „Assassins Creed“ von 2009 und arbeitete sich vor bis zum 2018er „Odyssey“. Schön: Auch die „kleinen“ Serienteile wie der PS Vita Ableger „Liberation“ mit seinen langen Spinettpassagen oder das etwas untergegangene, irisch angehauchte „Rogue“ wurden gewürdigt. Ein Fleißsternchen gibt es dafür, dass sich das Orchester durch „Syndicate“ kämpfte, mit seinem amelodischen Geschrammel aus der Zeit der Industrialisierung.

Was mich überraschte: Hier wurden nicht einfach nur die Stücke der Soundtracks mit der Wucht eines Orchesters nachgespielt. Stattdessen wurden bekannte Themen neu interpretiert, und das sehr häufig mit erstaunlicher Zurückhaltung oder auf unerwartete Weise. So wurde Beispielsweise der Prolog von „Revelations“, der sich für eine Symphonie geradezu aufdrängt, nicht orchestral ausgespielt, sondern sehr rockig und mit E-Gitarren umgesetzt. Das blieb aber der einzige Ausflug in die Neuzeit, ansonsten bewegten sich die Interpretationen eher im klassischen Bereich. Das klang in den besten Momenten nach ganz großer Oper, in den schwächsten immerhin noch nach Rondo Veneziano. Hier hat sich jemand wirklich richtig Mühe gegeben, aus dem vorhandenen Material etwas neues zu machen, und so die AC Symphony zu etwas ganz eigenständigem werden zu lassen.

Die Besetzung des Orchesters war großartig. Geigen, Cellos, Bässe, drei Percussioneinheiten inkl. Schlagzeug, eine Harfe, ein Flügel, ein Spinett, eine recht ordentlich Bläserabteilung mit Trompeten und Hörnern, mindestens eine E-Gitarre und ein ordentlicher Chor, da steckte schon Power drin.

Der Effekt war umwerfend: Auf der großen Leinwand die Schlüsselszenen aus den Spielen, dazu Musik, die bekannt, aber doch neu war. Ein sehr einzigartiges Erlebnis, das Erinnerungen frei setzte. Erinnerungen an das, was das Medium Spiel in seinen besten Momenten auf einzigartige Weise zu leisten versteht: Tiefe Immersion, Bindungen an Charaktere, Emotionen. Diesen Trip die Straße der eigenen Erinnerungen entlang erlebte nicht nur ich. Schon beim zweiten Stück des Hauptteils schniefte und schluchzte es überall um mich herum – die Musik setzte so starke Erinnerungen frei, das die Tränen nur so kullerten.

Wer wissen möchte warum, höre sich einfach mal „Ezios Family“ in der Interpretation des Danish National Orchestras an. Selbst wenn einen nichts mit den Spielen verbindet, so kann man doch ahnen, wie kraftvoll diese Musik ist.

Der emotionale Aspekt wird mir immer in Erinnerung bleiben, genau wie die Überraschung über den Bruch meiner Erwartungen. Nicht nur wurde Bekanntes neu interpretiert wurde, es fehlten auch Dinge, von denen ich annahm, dass sie auf jeden Fall zur Aufführung kämen. Das tat der Freude aber keinen Abbruch: Der Abend war schon echt was besonderes. Er endete mit Lachern, denn die Zugabe war… ausgerechnet einer der ruppeligen Seefahrerchanties aus „Black Flag“, die der Männerchor A Capella sang. Das Publikum lag am Boden vor Lachen, und der Dirigent (der verdächtig nach Jason Isaacs aussah) triumphierte und war sichtlich stolz auf die Leistung des Orchesters.

Hier noch eine Kurzfeaturette:

Proben in La Spezia, Teil 1: AC II und Brotherhood

Proben, Teil 2: Black Flag

Teil 3: Origins und Odyssey

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Momentaufnahme: September 2019

Herr Silencer im September 2019

Etwas weniger Druck wäre auch mal ganz schön.

Wetter: Es wird Herbst, das lässt sich nicht mehr leugnen. Anfang des Monats ist es nebelkühl, dann kalt – Nachts sinken die Temperaturen bis auf drei Grad, tagsüber kommen sie kaum noch über 15. Der Himmel ist oft bedeckt, regnen tut es aber so gut wie nicht. Das vorletzte Wochenende ist mit 26 Grad und Sonnenschein nochmal hochsommerlich warm und sonnig.Die letzte Woche bleibt nachts und tags mit 13-19 Grad warm, dafür regnet es häufig. Die Blätter werden jetzt schlagartig bunt und fallen. An den letzten Septembertagen ziehen die Herbststürme übers Land.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Auf welcher Position?“
Starker Einstieg in die Geschichte des Mannes, dem eines Tages klar wird, dass er dabei geholfen hat, nach 9/11 eine Überwachungsmaschine hoch zu ziehen, die alle Daten aller Menschen für immer speichert. Ein Permanent Record, der beständig aus den Social Media-Plattformen gespeist wird. Die, so Snowden, das Internet kaputt gemacht haben.

Habe das Buch gerade erst angefangen, deshalb noch keine Meinung, aber Begeisterung beim Lesen.


Hören:


Sehen:

Green Book [Amazon Video]
1962 ist die Rassentrennung in den Südstaaten der USA allgegenwärtig. Farbige dürfen nur bestimmte Restaurants betreten, müssen im Bus in einem gesonderten Abteil stehen, können nicht alle Toiletten benutzen und dürfen nur in wenigen Hotels übernachten. Orte, die für Farbige zugelassen sind, sind in einem speziellen Reiseführer aufgelistet. Das „Green Book“ ist benannt nach seinem Autor, dem schwarzen Postboten Victor H. Green. Mit diesem „Negro Motorist Guide“ auf dem Beifahrersitz lässt sich der fabrige Klaviervirtuose Dr. Don Shirley von dem pöbeligen Italiener Tony Vallelonga von Konzert zu Konzert kutschieren. Mit dem derben Tony und dem feingeistigen Don treffen Welten aufeinander. Die beide müssen sich aber zusammenraufen, gegen die Anfeindungen und den allgegenwärtigen Rassismus.

Viele komische Situationen, dabei aber mehr Drama als Komödie. Hervorragende Darsteller, insb. Viggo „Aragorn“ Mortensen als übergewichtiger und ungebildeter Tony. Es gibt so Filme, denen sieht man an, dass sie mit dem Blick auf die Oscars gemacht wurden. „Green Book“ gehört dazu, nervt aber selten und ist trotzdem sehenswert.

Bohemian Rapsody [Amazon Video]
Freddy Mercury schließt sich einer Band an, der Rest sind Geschichten.

Schön gefilmt, sehr tolle Darsteller. Leider kann sich der Film nicht entscheiden, was er sein will: Biopic? Oder doch Fiktion? Auch wenn die Geschichte der Band erzählt wird und das alles nach Dokumentation aussieht: Der Großteil ist einfah gelogen. Das Zusammentreffen der späteren Bandkollegen hat in der gezeigten Form genauso wenig stattgefunden wie das Zusammentreffen mit Freddys Freundin, die Auseinandersetzungen mit einem Plattenproduzenten, die Trennung der Band oder den dramatischen Ereignissen vor dem Life-Aid-Konzert. Alles erfunden. Ich verstehe das nicht. Warum werden hier Ereignisse nicht durchgehend korrekt wiedergegeben, sondern eine Legende aus Märchen gestrickt?

So weiß ich nie, was ich überhaupt glauben kann. Das macht mir keinen Spaß, und für einen Film, der keinen Spaß macht, ist „Bohemian“ deutlich zu lang. Bestenfalls kann man ihn als ein JukeBox-Musical mit einer Best-Of-Auswahl von Queen-Songs nett finden, aber dafür ist der Anteil an Spielszenen wiederum zu hoch. Nee, nix für mich.

Glass [Amazon Video]
Drei Personen werden eingefangen und weggesperrt in eine „Therapie“. Eine Psychologin will sie von der Vorstellung heilen, sie seien Superhelden. Während Samuel L. Jackson katatonisch tut und Bruce Willis böse guckt, grimassiert sich James McAvoy mit seinen multiplen Persönlichkeiten die Seele aus dem Schauspielleib.

Achgott ja, M. Night Shyamalan-Filme. Der einstige Regiestar hat eigentlich seit „Sixth Sense“ nichts Gutes mehr zustandegebracht. Umso erstaunter war ich, als 2016 ein Sequel zu „Unbreakable“ erschien, dem mediokren, aber im Feuilleton abgefeierten „Superhelden-oder-doch-nicht“-Wischiwaschi-Film aus dem Jahr 2000. Dieses Sequel wollte und brauchte niemand. Nun also die Fortsetzung zu dem Sequel, das niemand braucht und wollte, und diesen dritten Teil wollte tatsächlich nicht mal mehr ein Studio produzieren, weshalb Shyamalan das aus eigener Tasche bezahlte.

Herausgekommen ist wieder erwartbar traniger Quatsch, der hinten und vorne keinen Sinn ergibt und über weite Strecken einfach nervt. Das beginnt schon bei den Opening Titles, die einfach Müll aus der After-Effects-Restekiste sind, und endet noch lange nicht beim „Twist“ am Ende. Der allerdings keiner ist. Niemand wird die „Enthüllung“ am Ende als Überraschung sehen und sagen „uiuiui, der Film hat mich überrascht“. Im Gegenteil, die meisten werden mit den Achseln zucken, kein Stück überrascht sein, aber denken: „DAFÜR habe ich hier zwei Stunden rumgesessen?!“ Alles Murks, und ich sage mal so: Der Film lahmt so sehr, wäre er ein Pferd, er wäre schon lange von seinem Leid erlöst worden. Von Herrn Shyamalalalamanamanadingdong möchte ich bitte nichts mehr sehen.

Holmes und Watson [Amazon Prime Video]
Holmes und Watson jagen Professor Moriarty.

Manchmal kann ich Will-Farrell-Schmarrn wie „Anchorman“ was abgewinnen, aber „Holmes und Watson“ ist unerträglich. Die Geschichte ergibt vermutlich nur dann Sinn, wenn man völlig bedröhnt ist. Die improvisierten Dialoge bewegen sich allesamt auf dem Niveau von Geschlechtsverkehranbahnungsgesprächen in deutschen Pornofilmen, nur dass bei Pornos im Anschluss meist was Interessantes passiert. Hier nicht. Holmes und Watson ist unkomischer, langweiliger Müll.

Andorra [Theater im OP]
Aus latenter Judendiskriminierung in der Bevölkerung Andorras wird mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs und deutscher Besatzung offener Hass auf einen „Judenjungen“ im Ort, der am Ende tote fordert. Die Schuld dafür findet jeder der Beteiligten beim Opfer selbst oder bei anderen, aber nicht bei sich.

Vielschichtiges Stück um Vorurteile, Diskriminierung und den Weg, der dadurch bis zum Mord geebnet wird. Stark von Barbara Korte inszeniert und super gespielt.


Spielen:

„Control“, das neue Werk von Remedy, ist zwar schon installiert, nervt mich mit seinem uncoolem Gameplay, herben technischen Problemen und Story-Unfug aber hart an. Also beiseite gelegt, stattdessen gab es diesen Monat ein wenig leichte Genrekost aus Japan.

Yakuza 0 [PS4]
1985: Die Wirtschaft Japans boomt, jeder hat Geld oder will zumindest auf großem Fuß leben. Der junge Kazuma Kiryu hat seinen Traum wahr gemacht und ist den Yakuza der Dojima-Familie beigetreten. Als Frischling muss er Geld von säumigen Schuldnern eintreiben. Als einer von Kiryus „Kunden“ nach seinem Besuch tot aufgefunden wird, gerät er in Schwierigkeiten. Nicht nur, dass „die Familie“ keine Aufmerksamkeit wünscht, der Tote liegt auch ausgerechnet auf einem winzigen, unbebauten Grundstück mitten in Tokios Vergnügungsviertel Kamurocho, und dieses Grundstück spielt in den Plänen der Mafia eine wichtige Rolle.

In Japan sind die Abenteuer rund um den wortkargen Kazuma Kiryu eine Legende, und ich weiß jetzt auch warum. Zwar ist das Coregameplay ein simpler Brawler, bei dem Kiryu Leute verhaut, aber das Drumherum ist der Hammer. Da wäre als erstes die Kulisse: Die Vergnügungsviertel in Tokio und Osaka, nur wenige Straßenzüge groß, sind toll und lebendig in Szene gesetzt. Man hat förmlich das Gefühl durch eine nächtliche Stadt zu laufen.

Dann ist da die Story: Verwickelt, kompliziert, wendungsreich, filmisch inszeniert. Manche Zwischensequenzen sind 10 Minuten lang. Man sieht also einen 20 Stunden langen, guten und spannenden Mafiafilm, bei dem man sich gelegentlich mal haut. Bei den 20 Stunden bliebt es freilich nur, wenn man ausschließlich der Hauptstory folgt. Dann entgehen einem aber alle möglichen Sideaktivitäten, wie Spielhallenbesuche, Rennen mit ferngesteuerten Autos oder eine von 99 wirklich coolen und interessanten Sidequests. Wer will, kann sogar in absurden Metagames Nachtclubs Mikromanagen oder Immobilienspekulationen machen und so Stück für Stück Kamurocho übernehmen. Laut howlongtobeat.com kann man dann locker über 100 Stunden in Tokio und Osaka verbringen.

Abgefahrenes, riesiges Game. Viel Spaß gehabt, trotz eines nervigen Speichersystems. Als spät erschienenes Prequel zu Yakuza 1-6 ist es für den Einstieg in die „Yakuza“-Serie geeignet, auch wenn Kenner der Nachfolger sicher mehr rausziehen können. Gibt es übrigens nur in japanisch mit englischen Untertiteln, was bei der schieren Textmenge nicht überrascht.

Yakuza Kiwami [PS4]
1995: 10 Jahre nach den Ereignissen von „Yakuza 0“ übernimmt Kazuma Kiryu die Verantwortung für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Dafür wandert er in den Bau und wird von den Yakuza verstoßen. Als er 2005 wieder rauskommt, hat sich die Welt verändert. Der Ex-Knacki/-Yakuza versucht sich einzufinden, aber schon diese neumodischen „Mobiltelefone“, mit denen plötzlich jeder rumläuft, sind eine Herausforderung. Auf der Suche nach seiner alten Liebe gerät Kiryu in seltsame Machenschaften, bei denen er nicht nur den Polizisten Date kennenlernt, sondern plötzlich auch noch ein Kind am Bein hat. Aber auch das steht der wortkarge Anzugträger durch, während er Dutzende von Gangstern verprügelt oder Kamurochos Nachtleben genießt.

Ein Remake des ersten „Yakuza“, das 2005 für die PS2 erschien. Grafiken und Engine sind alle neu, Dialoge für die Untertitel wurden neu ins Englische übersetzt. Sehr schön: Die Story von Yakuza 0 bildet die Grundlage für viele Personen und Ereignisse in „Kiwami“ und wertet den Nachfolger dadurch auf. Wieder ist die Story das treibende Element, auch wenn die nicht so over-the-top ist wie in „Zero“. Leider hat sich Kamurocho über die Jahrzehnte wenig verändert: „Yakuza Kiwami“ recycelt nicht nur alle Systeme von „Yakuza 0“, sondern auch viele von dessen Assets. Schade, ich hätte gerne gesehen, wie sich Tokio zwischen 1985 und 2005 verändert hat.


Machen:
Einige Tagesausflüge, ansonsten sehr viel Arbeiten. Also, SEHR viel.
(Deshalb leider auch auf absehbare Zeit kein Reisetagebuch. Ja, ich vermisse das auch.)


Neues Spielzeug:

Ein Schutzgitter für den Kühler der V-Strom sowie Barkbuster Storm-Handprotektoren.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Impressionen eines Wochenendes (30): Wenn der Clown vom Hochseil fällt

Sonntag/Sonne/warm.
ZZR/Eichsfeldhighway/Harz.

Kurz vor Braunlage meldet sich Anna in meinem Ohr. „Jetzt abbiegen“, sagt das Navi. Ich soll von der Bundesstraße 27 links abbiegen auf den Zubringer zur B4. Nichts leichter als das.

Aus der Gegenrichtung kommt ein Skoda. Er blinkt rechts, will also auch auf den Zubringer. Fahre ich zuerst, muss er dann im Kreuzungsbereich warten. Einfach.

Ich komme aus Südwesten und will links rum. Der Skoda kommt aus Nordosten und will rechts rum.

Die Kreuzung ist groß und übersichtlich und außer uns beiden kein anderes Fahrzeug in Sicht. Ich fahre also links rum und behalte während des Abbiegens den Skoda aus den Augenwinkeln im Blick. Ja, der wird langsamer. Huch, da schießt ein Motorrad am Skoda vorbei. Wo kam das her?

Egal, denke ich und ziehe um die Kurve und nehme wieder den Skoda ins Visier, den ich wegen des Motorrads für einen Moment aus den Augen gelassen habe. Normalerweise lasse ich nicht den Blick von Autos an Einmündungen. Entsetzt sehe ich, dass der viel näher ist als er sein dürfte, nur wenige Meter von mir entfernt, – und er beschleunigt, genau auf mich zu!

„Der hat mich nicht gesehen“, begreife ich schlagartig, als die Motorhaube des Wagens schon so nah ist, dass ich sie gefühlt mit ausgestrecktem Arm berühren kann. Der Zusammenstoß ist unvermeidlich, der Skoda wird die ZZR in einem 45 Grad Winkel treffen. Wir haben sicher beide so um die 30, 40 km/h drauf. Genug für ernste Konsequenzen.

Ich greife in die Vorderradbremse und latsche gleichzeitig auf das Bremspedal für das Hinterrad. Ausweichen ist nicht mehr, ich gucke nur noch stur nach vorn und konzentriere mich auf´s Bremsen. Die ZZR federt vorne tief ein, aber es ist zu spät: Ich kann den Wagen weniger als einen Meter entfernt von mir sehen. Gleich kracht es. Oder hat es schon gekracht?

Dann passiert etwas ganz Seltsames.

Das Hinterrad ist beim harten Bremsen blockiert und rutscht nun weg. In der Rutschbewegung legt sich die ZZR leicht auf die Seite und dreht sich dabei nach rechts und damit aus der Bahn des Skodas heraus, bis sie parallel zur Bewegungsrichtung des Wagens ist.

In dem Moment mache ich die Hinterradbremse wieder auf. Das Hinterrad bekommt wieder Haftung und die Maschine richtet sich auf, als es „Wummp“ macht und ich die Berührung des Autos spüre. Aber es ist kein harter Einschlag, auf den ich jetzt eingestellt bin. Stattdessen spüre ich die leichteste aller Berührungen an meinem rechten Fuß. Geradezu zart, als wenn ganz kurz mit der Hand die Außenseite meines Stiefels berührt, so fühlt sich das an.

Dann ist der Moment vorüber, der Skoda zieht an mir vorbei. Ich fange das Motorrad ab und stehe pumpend mitten auf der auf der Zufahrt. Der Skoda fährt Schlangenlinien, dann hält er an. Ich fahre hinter das Auto und stelle den Motor ab. Ein weißhaariger Mann von bestimmt 80 Jahren steigt aus, dann eine kleine Frau im selben Alter. „Haben sie mich nicht gesehen?“, frage ich.

„Erst zu spät“, sagt der Mann sichtlich zerknirscht, „Ist Ihnen was passiert?“. Ich gucke meinen Fuß an. Er ist noch dran. Es war wirklich nur eine sanfte Berührung.

Dann gucke ich das Motorrad an. Sieht aus wie immer.

Alles wie immer.

„Ich habe sie nicht mal gesehen, ich habe nur gerade den Wumms gehört und die Berührung gemerkt“, sagt er. Ich inspiziere die ZZR ganz genau. Aber da ist… nichts. Tatsächlich fällt mir jetzt erst auf, dass die Fußraste das exponierteste Teil des Fahrzeugs ist. Nur mit deren Äußerster Spitze und meinem Fuß habe ich das Auto touchiert, dabei war der Vollcrash schon so gut wie sicher. Unglaublich.

Die alte Frau erholt sich derweil von dem Schreck und plappert drauf los. „Sie waren wie ein Schatten, plötzlich da. Wir kommen gerade aus Thale. Da ist es sehr schön. Ich habe gerade noch zu meinem Mann gesagt „Jetzt weiß ich, warum Heinrich Heine das hier so schön fand“. Wir kommen ja aus dem Erzgebirge, da ist es nicht so schön. Quedlinburg ist auch schön, und bei dem Wetter ist das aber auch ein schöner Tag, heute.“ Ihr Ehemann unterbricht den Redeschwall mit einer eleganten Überleitung. „Und jetzt ist er noch schöner, weil ihnen nichts passiert ist“, sagt er. Ich nicke.

Wir tauschen Adressen aus, nur für den Fall das doch was ist, dann fährt das alte Ehepaar weiter.

Ich gucke mir nochmal die gebogene Bremsspur an, die die ZZR auf dem Asphalt hinterlassen hat und lasse das ganze Revue passieren. Alter Schwede. Mehr Glück als Verstand. Das war kein fahrerisches Können, das war Zufall, dass es mich hier nicht erwischt hat. Oder gehörte Können am Ende doch dazu? Fühlt sich gerade nicht so an.

Was wäre wohl gewesen, hätte die ZZR ABS? Wäre ich dann gar nicht erst in die Situation gekommen, weil ich eher gestanden hätte? Oder hätte es mich erwischt, weil das Hinterrad nicht weggerutscht und sich die Maschine so aus der Bahn gedreht hätte? Vermutlich Letzteres.

Ich steige auf die Renaissance und fahre weiter.

„Wenn der Clown vom Hochseil fällt, dann erzähle den Artikel über den Zirkusbesuch um Himmels Willen bloß nicht chronologisch!“, so lautet eine Regel im Journalismus.

Da der Clown, der heute vom Hochseil gefallen ist, jetzt abgefrühstückt ist: Ja, der Rest des Tages war wirklich nett. Bis zu diesem Zwischenfall und danach auch wieder.

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Burned Hand

„Burned Hand teaches Best“ sagen die Engländer, „die verbrannte Hand lehrt am Besten“. In meinem Fall ist das umgekehrt.

Neulich, an einem Samstag Abend: Ich bin mit der Renaissance auf dem Weg ins Theater. Das Motorrad summt durch die warme Abendluft, als ich plötzlich denke: Ich müsste mal in der Firma vorbeigucken. Da hat eine neue Kollegin angefangen. Heute ist Samstag, und sie war das erste Mal ganz alleine. Sie müsste jetzt schon Feierabend gemacht haben, aber vielleicht sollte ich mal gucken ob alles OK ist?

Kurz an die Jackentasche gefasst: Kein Schlüssel für die Arbeit dabei. Ach egal, denke ich mir, wird schon alles OK sein. Theater fängt immerhin in 45 Minuten an.

Doch der Gedanke lässt mir keine Ruhe. Ist wohl wirklich alles OK? Kurz vor dem Ziel halte ich die ZZR an, wende und flitze 10 Kilometer zurück nach Hause, hole die Schlüssel zur Firma und fahre dort vorbei.

Sieht alles OK aus, die neue Kollegin ist schon weg, aber alles ist in Ordnung. Im Rausgehen komme ich an der Kaffeeküche vorbei. Da drin steht so eine kleine Pantryküche, wie man sie aus Studentenbuden kennt. So ein altes Ding, eine Kombination aus oben Spüle und zwei Kochplatten und unten Kühlschrank und Putzmittelschrank. Was ist das denn? Glimmt da ein kleines Licht auf der Vorderseite? Ist das immer an?

Ich gehe näher ran und schirme die Leuchte mit der Hand ab. Doch, die glimmt. Tut sie das immer, wenn der Kühlschrank läuft? Habe ich noch nie drauf geachtet. Oder ist eine der Kochplatten an? Beide Platten werden nie benutzt und sind mit Edelstahlabdeckungen versehen. Sieht alles normal aus, zumindest glüht da nichts oder so. Ich sehe mir die Regler der Kochplatten auf der Vorderseite des Herds an. Beide stehen auf Null.

Mit einer schnellen Bewegung berühre ich mit einer Fingerspitze die Vordere der beiden Platten und ziehe dann sofort die Hand zurück zurück. Heiß ist die Platte nicht. Ich berühre sie schnell mit zwei Fingern, dann lege ich die ganze Handfläche auf. Nein, die ist nur Lauwarm. Das kann vom laufenden Kühlschrank kommen. Vermutlich ist das bei der hinteren Platte auch so, denke ich und lege die Handfläche auf die größere der beiden Herdplatten.

Noch bevor die Nerven den Schmerz ans Hirn weitergemeldet haben, hören die Ohren das Zischen, das die Handfläche auf der heißen Herdplatte verursacht. Dann kommt der Schmerz. Ich höre mich selbst laut schreien, unkontrolliert und tief, wie ein Tier, dann reiße ich die Hand zurück und torkele vom Herd weg. Ich begreife, was da gerade geschehen ist, springe zum Wasserhahn und drehe das kalte Wasser auf.

Die Handfläche, die ich in den Wasserstrahl halte, ist knallrot. Sofort fliessendes Wasser ist wichtig, denn sonst verbrennt die Haut im Inneren weiter, auch wenn sie schon von der Hitzequelle getrennt ist. Jetzt stellt sich ein pulsierender Schmerz ein. Noch kann ich klar denken. Ich fummele das Handy aus der Tasche, lasse die Sprachassistentin meine Abendverabredung anrufen und sage den Theaterbesuch ab.

Dann besehe ich mir die Drehregler am Herd. Der von der hinteren Platte ist ganz locker und fällt ab, als ich dagegenstupse. Anscheinend ist der schon mal abgefallen, und jemand hat ihn verkehrt wieder aufgesetzt. Und zwar so, dass er um 180 Grad versetzt war. Er stand auf null, die Herdplatte lief aber auf drei. Vorsichtig schütte ich Wasser auf die Edelstahlbdeckung. Es zischt, als das Wasser augenblicklich verdampft. Ich drehe am Reger herum, bis die kleine Lampe ausgeht. Dann stehe ich eine weitere Minute an der Spüle und kühle die schmerzende Hand, bis ich das Wasser abdrehe und zum Motorrad laufe. Vielleicht bleibt nicht viel Zeit bis der Schock einsetzt, dann will ich lieber zu Hause sein.

Den Handschuh wieder anzubekommen ist kein Problem, Gas geben aber schon. Jeder Dreh am Gasgriff tut höllisch weh. Zum Glück muss ich nur 10 Minuten fahren. Zu Hause stelle ich die ZZR in die Garage und laufe in meine Wohnung. Dort angekommen, versuche ich so vorsichtig wie möglich den Motorradhandschuh wieder auszuziehen. Die Hand ist schon stark angeschwollen, und vor Schmerzen steigen mir die Tränen in die Augen, während ich langsam den Handschuh abziehe. Hautfetzen bleiben am Leder zurück. Dann halte ich die Hand so schnell wie möglich wieder unter fließendes Wasser und ziehe mir einen Küchenstuhl heran, während ich auf das Einsetzen des Schocks warte.

Der bleibt weitgehend aus, nur ganz kurz wird mir jetzt ein wenig schwindelig. So, und nun? Jetzt stehe ich hier, die Hand tut wie irre weh, sobald ich sie unter dem fließenden Wasser weg nehme. Soll ich ins Krankenhaus fahren? Vorsichtig besehe ich mir die Handfläche. Die ist in voller Fläche verbrannt und knallrot, bis auf da, wo sich bereits Blasen bilden. Das ist gut. Blasen sind gut.

Ich habe 10 Jahre in der Systemgastronomie gearbeitet und alle Arten von Verbrennungen gesehen. Blasen sind gut, denn dann ist noch Haut da, die Blasen werfen kann. Ernsthaft. Verletzungen durch Friteusenfett, bspw, sind viel schlimmer, denn dann wird die Haut nicht verbrannt, sie verschmort einfach. Da ist dann nichts mehr was Blasen werfen oder später heilen könnte. Da hta man dann einfach ein Loch im Körper. Gerade weil ich schon so viel gesehen habe, Verbrennungen, Verschmorungen und Verätzungen, kann ich auch sehen, dass das hier viel schlimmer aussieht, als es ist.

Die Verbrennung ist großflächig, ja, aber nicht tief. Krankenhausbesuch lohnt nicht. Alles, was ein Arzt jetzt machen könnte, wäre das Kühlen mit fließendem Wasser zu empfehlen. Fließend übrigens deswegen, weil das Bewegungsgefühl die Nerven beruhigt. Gefühlt schreit nämlich gerade jeder Nerv vor Schmerz, und nur die Ablenkung durch kühles, bewegtes Wasser hilft dabei, ihn fast auf Null zu bringen. Eiskalt darf das Wasser übrigens auch nicht sein, weil man sonst Gefahr läuft, die Körpertemperatur zu stark zu senken. Und Eiswürfel wären ganz falsch, weil man sich damit zusätzlich zu Verbrennungen auch noch Erfrierungen einhandeln könnte.

Irgendwann schlafe ich vor Erschöpfung auf dem Küchenstuhl ein, die verbrannte Hand immer noch in der Spüle.


Die folgende Woche ist die Hölle. Erst ist die ganze Handfläche und alle Fingerspitzen eine einzige Ansammlung von Blasen, dann hinterlasse ich überall abgefallene Hautfetzen. Aber immerhin hatte ich recht, es war nur die oberste Hautschicht. Die Schmerzen sind schon am nächsten Tag nicht mehr schlimm und schon nach wenigen Tagen ganz weg.

Trotzdem: Scheißspiel. 10 Jahre Systemgastronomie, in denen ich an und in 180 Grad heißen Friteusen und riesigen Clamshell-Grills rumhantiert habe. 10 Jahre, in denen ich Leute an diesen Geräten und deren Reinigung ausgebildet habe. Unburned hand teached best. Und seit 25 Jahren bügele ich Hemden. NIE habe ich mich so riesig verbrannt, und jetzt, in einem Moment der Unachtsamkeit, habe ich quasi diese eine Szene da aus Indiana Jones nachgespielt. Schön Blöd.

Trotzdem, so eine verbrannte Hand ist ein geringer Preis im Gegensatz zu dem, was die laufende Herdplatte noch hätte anrichten können.

Kategorien: Ganz Kurz | 9 Kommentare

Impressionen eines Wochenendes (29): Wikingerkirche

Viel zu tun gehabt die letzten Wochen, und eigentlich müsste ich auch an diesem Sonntag arbeiten. Als um 07:30 Uhr der Wecker klingelt, gucke ich kurz auf´s Thermometer. Draußen sind 5 Grad. Nee, so nicht. Nochmal kurz umgedreht, Zack, ist´s halb eins. Woah, brauchte ich den Schlaf so nötig? Mist, halber Tag vorbei. Dafür mit 20 Grad warm, und die Sonne scheint.

Ach, komm, was soll´s. Ein Tag Ruhe wird nicht schaden. Also Arbeit Arbeit sein lassen und rauf auf´s Motorrad. Einfach mal so in den Harz gebritzt. Der ist natürlich voller Touristen, aber was soll´s.

Bei Hahnenklee steht eine Stabkirche.

Außen aus norwegischer Lärche, innen aus einheimischer Fichte. Hübsch anzusehen, als hätten die Wikinger sie hier vergessen.

Die kleinen Harzstraßen sind tückisch. Der Straßenbelag ist schlecht, und Kehren tauchen völlig unvermittelt und unausgeschildert auf.

Die Talsperren führen noch Wasser, aber sehr wenig. Bis die wieder mal richtig voll sind, braucht es sicher einige Winter mit ordentlich Schnee.

Beim Torfhaus sieht man, was der Borkenkäfer so angestellt hat. Ganze Täler sind voller toter Bäume. Das bleibt so, weil das hier Naturpark ist. Die Parkverantwortlichen weisen darauf hin, dass der Harz vor 200 Jahren schon einmal komplett kahl war. Damals hat man dann überall diese Fichten-Monokulturen angepflanzt. Nun sterben die Fichten, aber der Wald wird in neuer Form wiederkommen. In hundert Jahren oder so.

Das ärgert jetzt natürlich Waldbesitzer, die ihre Wälder in der Nähe des Borkenkäferschutzparks haben. Und die Einheimischen, die hier vom Tourismus leben. Mit am Lautesten protestiert die Bürgermeisterin von Schierke, aber die hat auch mehrere Ferienwohnungen.

Egal. Goldener September, frische Luft. Osterode, Clausthal-Zellerfeld, Wildemann, Hahnenklee, Goslar, Okertalsperre, Altenburg, Torfhaus, Sankt Andreasberg, Silberhütte, Herzberg. 194 Kilometer. Nette Runde.

Kategorien: Impressionen | 10 Kommentare

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