Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Taktisches IFAK für´s Motorrad

Ich nehme Erste Hilfe sehr ernst. Umso mehr ärgert es mich, dass die meisten Erste-Hilfe-Sets auf dem Stand der Fünfziger Jahre hängen geblieben sind. Das geht besser, der klassische „Verbandskasten“ nach EN1357 gehört ordentlich aufgerüstet – mit taktischen Komponenten.

Es gibt Menschen, die im Angesicht von Unfällen, Feuern oder Verletzungen völlig handlungsunfähig werden. Sie erstarren oder verfallen in eine kopflose Panik. Andere dagegen behalten in Notsituationen einen kühlen Kopf und bleiben handlungsfähig – und zu denen gehöre ich. Ich bin nicht der Typ, der an Unfällen vorbeifährt und daher schon häufiger in Situationen gekommen, in denen ich Ersthelfer sein musste. Alle zwei Jahre nehme ich an Erste-Hilfe-Kursen teil, um auf dem Laufenden zu bleiben und um Abläufe in Notsituationen immer wieder zu üben.

Natürlich gibt es bei mir zu Hause und in jedem meiner Fahrzeuge Erste-Hilfe-Sets. Für Motorräder ist das nicht Pflicht, trotzdem habe ich in jeder Maschine so eines unter der Sitzbank.

Das ist so ein Standard-Erste-Hilfe-Set, wie man sie in jedem Motorradzubehörladen kaufen kann. Da ist im Prinzip das gleiche drin wie in einem Verbandskasten für´s Auto, nur in geringerer Stückzahl: Dreieckstücher. Mullbinden. Wundauflagen.

Das ärgert mich. Das ist echt so Zeug, wie man es seit den 50er Jahren oder noch länger verwendet, als hätte auf dem Gebiet null Entwicklung stattgefunden.

Ein Beispiel: Um einen Druckverband aus einem Standard-Verbandskasten herzustellen muss man:

  1. Ein Wundauflage aus einer Papierhülle fummeln
  2. Die irgendwie auf die Wunde bugsieren
  3. Eine Binde aus der Plastikverpackung friemeln,
  4. dabei auf´s Kleingedruckte achten ob das eine sterile Binde oder nur ein Verband ist.
  5. Anfangen die Binde um das Körperteil zu wickeln,
  6. nach einigen Umwicklungen aber etwas suchen und befestigen was Druck ausüben kann
  7. Weiterwickeln und am Ende
  8. irgendwie einen Knoten machen oder mit einer Sicherheitsnadel feststecken

Das ist nicht nur völlig antiquiert und umständlich, das muss man im Notfall und mit zitternden Fingern auch erstmal hinbekommen!

Nun hat aber auf dem Gebiet der ersten Hilfe durchaus Entwicklung stattgefunden, sie hat nur keinen Einzug gehalten in die klassischen Verbandskästen für 9,99 Euro aus dem Baumarkt. Die Entwicklungen stammen aus dem Zivilschutz- und dem Militärbereich, insbesondere aus Israel kommen spannende Innovationen. Deshalb gehören israelische IFAKs, „Individual First Aid Kits“, zu den besten Trauma-Sets überhaupt.

Wenn ich auf längeren Touren unterwegs bin, habe ich immer ein Topcase auf der Maschine, und in dem Topcase sind rundum mehre Taschen an Guten befestigt. Dazu gehört auch ein individuell zusammengestelltes IFAK.

Die Tasche selbst ist eine IFAK-Tasche von Gonex, die man leer für ungefähr 15 Euro bekommt. Sie ist auf einer Klettplatte befestigt, die über ein Molle-System zur Anbringung an Rucksäcken oder im Topcase verfügt. In Notfällen reißt man einfach die Tasche von dieser Halterung ab und braucht nicht mit Gurten rumfummeln. Das geht auch viel schneller als wenn man erst die Sitzbank abnehmen muss, um an das Erste Hilfe-Set im Inneren des Motorrades zu kommen.

Wenn der umlaufende Reißverschluss geöffnet wird, faltet sich das Set auseinander, und gibt den spannenden Inhalt frei:

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Corona-Tagebuch (29): Nicht nichts tun oder doch nicht

Weltweit: 154.386.183 Infektionen, 3.228.547 Todesfälle
Deutschland: 3.451.550 Infektionen, 83.876 Todesfälle

Tag 419 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit dem letzten Eintrag ins Corona-Tagebuch ist viel passiert. Nachdem die Inzidenzzahlen durch Decke gingen und trotzdem einzelne Ministerpräsidenten was von Öffnungen faselten, Lockerungen ankündigten und am Ende nicht mal mehr zur gemeinsamen Konferenz von Bund und Ländern kommen wollten (weil die vorbereitet werden müsste, und dafür habe ja niemand Zeit), setzte sich der Bundeskanzler Frau Merkel in eine Polittalkshow und sprach ganz besonnen die Worte „Ich werde mir das nicht noch zwei Wochen anschauen und nicht nichts tun“. Dahinter stand nicht weniger als die Drohung, den Ländern Kompetenzen wegzunehmen.

„Ich werde zwei Wochen nicht nichts tun“

Dann tat sie: Nichts. Drei Wochen lang.

Dann gab es endlose Debatten, dann war Mittag, dann Wochenende, dann gab es Diskussionen, und am Ende beschloss der Bundestag eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes, damit es nun bundesweit einheitliche Regelungen geben könne.

Auf den Weg gebracht wurden dann aber nicht Maximalinzidenzwerte von 35 oder so, wie von Epidemiologen empfohlen. Oder eine Homeofficeflicht. Oder die Schließung von Schulen und nicht systemrelevanten Betrieben. Nein, stattdessen eiert die „Notbremse“ um einen Wert von 100 herum, ab dem es dann nächtliche Ausgangssperren geben soll. Also weitere Einschränkungen der Grundrechte, aber keine für Betriebe. Schon krass, dass man selbst eine „Bundes-Notbremse“ (so wird das genannt) so verkacken kann. Zumal Intensivmediziner nicht nur Alarm schlagen, sondern mittlerweile Türen eintreten, weil es in den Krankenhäusern nicht fünf vor zwölf ist und auch nicht fünf nach, sondern Viertel nach. So krass ist das mittlerweile. Immerhin haben anscheinend viele Menschen außerhalb der Politik den Ruf gehört und setzen auf Selbstverzicht, denn die Infektionszahlen sinken aktuell.

Charite 43

Dabei war das Personal schon nach der zweiten Welle am Ende. Sehr eindrücklich wird das in der vierteiligen Doku „Intensiv Charite 43“ gezeigt, die von Dezember bis März das Sterben auf einer Berliner Intensivstation begleitet hat. Ausgelaugtes Personal, Auswirkungen von Long-Covid und eine Erklärung, was ECMO eigentlich ist inklusive. Kann und sollte man sich hier angucken: Mediathek.

Impffortschritt

Mit dem Impffortschritt geht es so langsam voran. 29 Prozent haben eine Impfung bekommen, 8 Prozent zwei. Man hört Gerücjte, dass ja angeblich unfassbare Impfstoffmengen kämen und bis Ende Juni alle Impfwilligen zumindest eine Dosis erhalten könnten. Glauben tue ich das erst, wenn ich selbst einen Termin habe.

Aktuell wird hart über die Rückgabe von Grundrechten für Geimpfte diskutiert. Ich bin in der Frage zwiegespalten. Natürlich muss die Ausübung der Grundrechte so schnell wie es geht wieder gestattet werden. Auf der anderen Seite wird eine fehlende gesellschaftliche Solidarität dazu führen, dass die Spannungen zunehmen werden. Menschen werden agressiv Impfungen einfordern, auch wenn sie noch nicht dran sind. Spätestens wenn der geimpfte Nachbar in den Sommerurlaub fliegt, während die ungeimpften weiter im Keller sitzen sollen, werden die Verwerfungslinien sichtbar. Da aktuell die „was kostet die Welt nach uns die Sintflut“-Generation der Boomer geimpft wird, ist mit freiwilliger Solidarität nicht zu rechnen. Und natürlich werden jetzt schon Impfpässe gefälscht, denn an eine fälschungssichere Dokumentation oder einen Nachweis der Impfung, auch daran hat niemand gedacht. Auch das wurde episch verkackt.

Wundert in der aktuellen Situation niemanden, aber was mich erstaunt ist, dass es anscheinend überhaupt keine Pläne für Pandemien gab. Weder Szenarien zur Frühwarnung noch Katastrophenschutz noch Austiegswege lagen als Pläne in der Schublade. Zum Vergleich: In manchen Asiatischen Ländern werden Impfzentren dauerhaft im Rahmen der Vorsorge vorgehalten. Passiert tatsächlich was, zieht man die Abdeckplanen von den medizinischen Geräten, wischt mal schnell Staub und setzt dann die vorbereiteten Pläne für Isolationsszenarien um. DAS ist Katastrophenschutz. Aber in Deutschland? Nüscht.

Wichtig: App

Genau wie die Kontaktnachverfolgung per App. Zwar kann das die offizielle Corona-App mittlerweile, viele setzen aber auch die proprietäre und kommerzielle LUCA-App, die nicht nur teuer, sondern auch ein Datenschutz- und Datensicherheitsalbtraum ist. MP Müller setzte sich breit grinsend hin und erläuterte, dass er von Technik ja keine Ahnung habe, aber diese App, die habe er für Berlin gekauft. Mal ehlrich Berlin, wo habt ihr diese Pfeife her?

Apropos App, wer geimpft ist, sollte bitte die SafeVac-App des Paul-Ehrlich-Instituts nutzen. Darin kann man Wirkungen und Nebenwirkungen erfassen, die werden anonym ausgewertet um von möglichen Nebeneffekten der Impfungen zu erfahren.

SafeVac für IOS

SafeVac für Android

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Kategorien: Corona-Tagebuch | Ein Kommentar

Momentaufnahme: April 2021

Herr Silencer im April 2021

Wort des Monats: Kurzfrustig

Wetter: Bis auf wenige Ausnahmen durchgehend kalt (-3 bis max. 11 Grad), ordentlich viel Schnee in der ersten Monatshälfte, wenig Regen in der zweiten. Die Talsperren im Harz sind so leer wie selten, trotz des Niederschlags im Januar und Februar.


Lesen:

Lucifer: The Wild Hunt / The Devil at Heart (Sandman Universe)
Bd. 3: Die Wilde Jagd, eine Ansammlung von anthropomorphen Personifizierungen von Angst, Mordlust usw. macht seit Äonen Jagd auf den Gott der Flucht. Nun wurde Lucifer prophezeit, dass er wieder die Herrschaft über die Hölle übernehmen wird, wenn die Jagd erfolgreich sein sollte. Da der Teufel auf Hölle so überhaupt keinen Bock hat setzt er alles daran, den Gott, der ohne Gedächtnis in einer mittelalten amerikanischen Hausfrau inkarniert ist, zu retten.

Bd. 4: Lucifer ist müde. Er sucht Destiny of the Endless auf und streicht sich selbst aus dem Buch des Schicksals. Die Folge: Es gibt nicht nur keinen Teufel mehr, es gab ihn auch nie. Die Folge: Die Menschheit hat sich ganz anders entwickelt, Gott hört auf zu existieren und Himmel und Hölle werden eins.

OK, diese Spin-off Serie des neuen Sandman-Universums vergessen wir mal ganz schnell wieder. Hinter jedem der vier Bände steckt genau EINE gute Idee, die wird aber unter endlos viel drum herum, langweiligem Gelaber und unverständlichen Szenen begraben. Das der Zeichenstil bis zum Ende unattraktiv schmuddelig und die Charaktere hässlich bleiben ist ein weiterer Grund, diesen Kram weiträumig zu umfahren.

House of Whispers: The Power Divided (Sandman Universe)
Eine alte Voodoo-Göttin wird aus der Welt gerissen und strandet mit ihrem Hausboot an der Küste ihres Bayou. Allerdings fließt der Fluß plötzlich nicht mehr in Louisiana, sondern durch das Traumreich The Dreaming. Währenddessen greift in der wachen Welt eine Pandemie um sich: Infizierte Menschen verlieren ihre Seele und spüren, dass sie tot sind, leben aber weiter. Dafür ist vermutlich ein irrer Voodoo-Gott verantwortlich, aber gestrandet in der Traumwelt und abgeschnitten von ihren Gläubigen ist die Göttin zu schwach, um ihn in die Schranken zu weisen.

„House of Whispers“ ist wieder ein Spin-Off vom Sandman Universum, und wieder ist die Handschrift Neil Gaimans deutlich zu spüren. Alte Götter und ihre Probleme mit Gläubigen und anderen Göttern sind seine Spezialität, und nach der nordischen und amerikanischen Mythologie widmet er sich nun weniger bekannten Pantheons. Das die afrikanische Mythologie der Dahomey oder die Figuren nicht erklärt werden, macht den Einstieg schwer und das Lesen anspruchsvoll.

Wer nicht zumindest von Voodoo und Loas schon mal ganz grob etwas gehört hat oder The Dreaming nicht kennt, wird hier null verstehen. Und selbst wenn man die Vorkenntnisse hat, bleibt der Band bis zur Mitte völlig rätselhaft – man versteht schlicht kaum, wer die Handelnden sind und was da passiert. Ein wenig mehr Exposition wäre da schon nett gewesen. Wer sich durch die erste Hälfte quält, wird danach aber mit einer spannenden und sehr großen Geschichte belohnt. Nicht für jeden, aber ziemlich gut.


Hören:


Sehen:

Beforeigners [ARD Mediathek, leider nur bis 12.04.21]
2016: Überall auf der Welt tauchen Menschen aus vergangenen Epochen auf, von der Steinzeit bis zum 19. Jahrhundert.

Fünf Jahre später: Die moderne Gesellschaft versucht die Integration der Neuankömmlinge, die nun „Beforeigners“ (Mischung aus „before“ und „foreigners“, „Zeitausländer“) genannt werden. Das führt von Spannungen bis zu offenem Beforeigner-Hass. Ein Integrationprojekt ist die Aufnahme einer Wikingerin in die Norwegische Polizei. Was niemand weiß: Sie war früher eine Schildmaid, eine Kriegerin, und hat mit einigen Vorfahren in der Jetztzeit noch das ein oder andere Hühnchen zu rupfen.

Superinteressante Idee, die diese HBO-Nordic Serie da mitbringt. Leider wird stellenweise zu wenig daraus gemacht. So nachvollziehbar es ist, dass es zu Spannungen führt, wenn im Stadtparkt plötzlich Höhlenmenschen in den Bäumen hocken oder Nachbarn aus dem Mittelalter im Hochhaus Ziegen züchten, so dumm und sinnlos sind manchmal die Ideen der Drehbuchschreiber, wenn es um die Protagonistin geht. Das sie sich Moos in den Schritt stopft wenn sie ihre Tage hat oder schlecht mit einer Pistole hantiert wäre sicher nachvollziehbar wenn sie gerade erst in der Jetztzeit angekommen wäre, aber nicht, wenn sie schon jahrelang die Polizeiakademie besucht hat. Sowas passiert leider sehr häufig, zwischen hanebüchenem Blödsinn und versiebten Ideen gibt es aber immer wieder Geistesblitze und Cliffhanger, die dazu führen, dass man immer wissen möchte, wie es weitergeht. Und zack, sind die sechs Folgen der ersten Staffel auch schon weggeguckt, auch wenn es am Ende völlig unnötig in den Fantasysbereich abrutscht. Danke an FrauZimt für den Tip!


Spielen:

Days Gone [PS4, 2019]
Eine globale Pandemie tötet drei Viertel der Menschen, fast der gesamte Rest wird zu reißenden, bösartigen Bestien. Zwei Jahre später streift Deacon St. John mit seinem Motorrad durch die Wälder Oregons und versucht zu überleben und herauszufinden, wie seine Frau gestorben ist.

„The Last of Us“ mit Motorrädern? Count me in!

Beim Release vor zwei Jahren erhielt Days Gone viel Kritik, vor allem, weil es von technischen Problemen geplagt wurde. Nach drei großen Patches ist der Titel nun aber in einem sehr guten Zustand, selbst auf der Standard-PS4 läuft er meistens flüssig, es gibt kaum noch Ton- oder Grafikfehler.

Besonders beeindruckend ist die offene Welt. Das virtuelle Oregon mit seinen Bergen und Wäldern ist wunderschön und lebendig in Szene gesetzt. Mal regnet es, mal schneit es, mal scheint die Sonne. Das sieht einfach nur großartig aus, genau wie die Charaktermodelle in den Zwischensequenzen. Hautporen, kleinste Augenbewegungen – alles perfekt eingefangen und sehr glaubwürdig.

Schön auch, dass diese Welt nicht zugemüllt ist mit hunderten von Markern mit typischem Open-World-Gedöns wie Sammelaufgaben und Challenges. Stattdessen IST die Welt die Herausforderung, denn so schön sie ist, so gefährlich ist sie auch. Wilde Tiere, Banditen, Zombies – gerade zum Einstieg ist allein das Überleben in der Post-Pandemie-Welt frustrierend schwer. Das Systeme nicht ordentlich erklärt werden tut sein übriges zum Frustlevel, wobei der Schwierigkeitsgrad gar nicht mal besonders hoch ist.

In der Welt gibt es ein geradezu geniales Storysystem, was geschickt verschiedene Handlungsstränge verknüpft. Die Geschichten an sich ist leider etwas inkonsequent erzählt: Teilweise gibt es sehr emotionale und packende Szenen, teils fizzeln ganze Handlungsstränge einfach aus oder kommen gar nicht zu einem Abschluss.

Dazu kommt: Viele Aufgaben sind repetitiv und manches einfach schlecht balanciert. In einer Welt, in der permanent Ressourcenknappheit herrscht und jede Kugel zählt ist es nachgerade ärgerlich, wenn unbekleidete Gegner ein halbes Dutzend Kopfschüsse aushalten. Völlig enervierend auch, dass das eigene Motorrad zu Anfang nicht mal 3 Minuten fährt, bevor man es nachtanken muss.

Macht Days Gone trotzdem Spaß? Durchaus. Man muss sich aber auf ein sehr entschleunigtes Spielerlebnis einstellen, schnelles und actionsreiches Vorgehen funktioniert selten. Hat man sich darin eingewöhnt – was bei mir rund 10 Stunden gedauert hat – wird man mit einem interessanten Hauptcharakter belohnt, bei dem zumindest ich immer wissen will, wie es mit ihm und seiner Geschichte weiter geht.


Machen:
Warten, auf das Ende der Pandemie.


Neues Spielzeug:

Ein schweizer Taschenmesser mit dem Namen „Huntsman“ von Victorinox, allerdings nicht in diesem billigen Plastiklook, sondern in Nussbaumholz. Das ist zwar auch keine Schönheit, fasst sich aber besser als die glatten und irgendwie billig wirkenden Kunststoffschalen. 3mm schlanker als die Plastikvariante, dafür muss man auf Zahnstocher und Pinzette verzichten.

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Corona-Tagebuch (28): Ich verstehe es nicht mehr


Weltweit: 132.456.676 Infektionen, 2.873.821 Todesfälle
Deutschland: 2.909.902 Infektionen, 77.401 Todesfälle

Tag 390 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Ich verstehe es nicht mehr. Ich verstehe nicht mehr, was hier passiert.

Da warnen Wissenschaftler:innen seit Anfang des Jahres vor einer dritten Welle und sagen das Szenario ganz exakt voraus: Sobald die Alten geimpft sind, besteht die Gefahr und die Verlockung leichtsinnig zu werden, vorschnell Öffnungen voran zu treiben und DANN werden die Fallzahlen durch die Decke gehen und die medizinischen Kapazitäten überlastet sein. Genau in dieser Phase sind wir gerade, das ist die dritte Welle, weiter angefeuert durch immer ansteckendere Virusmutanten.

Aber was machen die Landespolitiker? Beschließen keine härteren Maßnahmen. Keine Homeoffice-Pflicht. Keine Mobilitätseinschränkungen. Stattdessen stellen die sich hin und handeln exakt entgegen aller Empfehlungen. Faseln trotz steigender Fallzahlen von Öffnungen und richten Modellregionen ein. Man brauche nur genug testen, dann könnte man alles wieder aufmachen. Klappt nur nicht, auch in den Modellregionen gehen die Fallzahlen hoch, stärker noch als anderswo. Ich verstehe es nicht.

Angesicht steigender Fallzahlen rudern Gestalten wie Armin Laschet nun mit den Ärmchen, machen dicke Backen und verkünden, dass mit einer dritten Welle ja niemand rechnen konnte, keiner konnte das wissen! Alle sind ja so überrascht! Und wenn ihm jetzt mal einer sagen könnte was man noch tun kann um die Pandemie einzudämmen, dann würde er, Armin Laschet, CDU-Chef und Ministerpräsident von NRW, vielleicht drüber nachdenken.

Das sorgte unter dem Hashtag #Laschetdenktnach für feinen Spott auf Twitter. Rausgekommen ist bei dem Nachdenken ohne hin nur ein neues Wort, das wohl Laschets PR-Berater erfunden haben: Brücken-Lockdown. So wie ein normaler Lockdown, nur, öhm, anders benannt. Darüber wolle er auf einer Ministerpräsidentenkonferenz sprechen, die er – MAN HALTE SICH FEST! – in Präsenz abhalten will, weil „online nicht funktioniert“. Ich verstehe es nicht.

Es ist zum Heulen. Was wir bräuchten ist ein echter Lockdown, bei dem auch Büros und Betriebe zugemacht werden, bei dem es Ausgangssperren auch tagsüber gibt. Damit könnte man die Fallzahlen runterbekommen. Dreiviertel der Bevölkerung befürworten dieses Vorgehen. Und was machen die Bundesländer? Das Saarland öffnet komplett. Niedersachsen macht nüscht. Alle anderen irrlichtern irgendwo dazwischen rum. Ich verstehe es nicht.

Über die Osterfeiertage wurde wenig getestet und vielerorts die Testzahlen nicht weitergeleitet, weil in den zuständigen Stellen niemand gearbeitet hat. Was machen Städte wie München? „Oh, die Fallzahlen sind ja voll niedrig, gleich mal Öffnungen einleiten“. Ich verstehe es nicht.

An den Wochenenden fahren immer die gleichen Esoteriker, Neonazis und Spinner mit Bussen in immer andere Städte, marodieren unter dem Deckmäntelchen einer „Querdenker-Demo“ ohne Masken und Abstand herum und die Polizei ist jedes Mal überfordert, weicht zurück, zeigt Sympathien. Die Lokalpolitik gibt anschliessend zu Protokoll, dass ja NIEMAND damit rechnen konnte, dass die Infektionsschutzauflagen verletzt oder Journalisten bedroht wurden. Ich verstehe es nicht, denn diese demoktatiezersetzenden Quatschdemos muss man nicht stattfinden lassen. Ja, Versammlungsfreiheit ist ein Grundrecht und ein hohes Gut, aber es kann eingeschränkt werden – wenn die Maßnahmen erforderlich und angemessen sind, und das geben die Infektionsschutzgesetze her. Das man die nicht einsetzt sondern JEDE WOCHE WIEDER überrascht ist wie gewalttätig diese Superspreaderevents sind – ich verstehe es nicht.

Eine Krankheit verhandelt nicht. Was sagt der regierende Bürgermeister von Berlin, auf die Frage warum er sich angesichts durch die Decke knallender Infektionszahlen weigert, die zuvor verabredeten Maßnahmen umzusetzen? Er fände es nicht gut, die in den letzten Wochen so hart erkämpften Freiheiten jetzt wieder zurück zu nehmen. Ich verstehe es nicht.

Die Politik, vor allem die Konservative, scheint überall genau das Gegenteil von dem zu tun, das die Wissenschaft sagt und die Mehrheit der Bevölkerung unterstützen würden. Warum ist das so?

Vielleicht wird tatsächlich nur ein Schuh draus, wenn man sieht, mit welcher Intensität und Lautstärke Wirtschaftsverbände in den Nachrichten vorkommen und Geld/Öffnungen/keine Maßnahmen fordern. Allein die Unverschämtheit, mit der die Vorsitzende des Gaststättenverbandes Forderungen und Drohungen ausstösst, würde jede Schuldeneintreiber rot werden lassen. Wirklich, wenn ich die Frau sehe, denke ich immer nur: Die geht über Leichen, für die sind ihre Klientel wichtiger als Menschenleben.

Man neigt dazu, schnell in den Bereich der Verschwörungstheorien abzukippen, aber angesichts der Tatsache, dass sich die Politikfamilienclans, von den Kohls über die Straußs bis hin zu den Gauweilers alle an der Krise bereichert haben, liegt die Vermutung nahe, dass der Einfluss der Wirtschaft für die Politik einen viel höheren Stellenwert hat als Menschenleben. Vielleicht ist das wirklich die Erklärung.

Achso, Impftechnisch geht es gefühlt auch nicht voran. Immerhin dürften jetzt Hausärzt:innen impfen, wenn sie Impfstoff bekämen. Das ist gut, Hausärzt:innen kennen ihre Patienten und können die Reihenfolge selbst am Besten festlegen. Da passt es ja voll supi, dass meine Hausärztin vorvergangene Woche beschlossen hat, dass es genau jetzt ein guter Zeitpunkt wäre in Rente zu gehen. Ich verstehe es nicht.

Zu Abschluss Rezo. Nicht in einem seiner legendären Recherchevideos, sondern im offenen Talk:

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Momentaufnahme: März 2021

Herr Silencer im März 2021

Clownesk!

Wetter: Anfang des Monats zwischen Null und 8 Grad schwankend und trocken. Monatsmitte mehrere Tage schwere Stürme und Dauerregen, dann wieder Temperaturen um die Null bis -5 Grad, dabei Regen und Schnee, dann bei 0 bis 5 Grad bis zum Monatsende. Die letzten paar Tage sonnig und bis 20 Grad.


Lesen:

Lucifer: The Infernal Comedy / The Divine Tragedy
Bd. 1: Lucifer findet sich an einem Ort zwischen den Welten wieder. Ein Gefängnisort, entsprungen einem Fiebertaum. Schwach, ohne Gedächtnis und misshandelt von Mitgefangenen sucht er nach einem Ausweg. Bd. 2: Lucifers Sohn Caliban ist auf der Suche nach seinem Vater, findet aber keinen Zugang zur Hölle – von der Lucifer feststellt, dass er dort nicht mehr das Sagen und auch keine Anhänger mehr hat.

Schwer erträglich, diese Geschichte aus dem neuen und erweiterten „Sandman“-Universum. Das liegt an der Story, die langatmig, langweilig und völlig wirr erzählt wird, das liegt aber auch am schmutzigen Look der Zeichnungen und am Charakterdesign, das ich persönlich grottenhässlich finde.

Die originale „Lucifer“-Serie war ein Spin-Off von „Sandman“ und lief von 2000 bis 2006. Sie drehte sich darum, das der Fürst der Hölle eben selbige verlässt und in Rente geht. Anders als in der gleichnamigen TV-Serie macht er dann aber keinen auf Privatdetektiv, sondern versucht Gott und der Schöpfung zu entkommen. Das war eine fantastische Geschichte und Lucifer ein eleganter und undurchsichtiger Charakter. In der neuen Serie wirkt er wie ein androgynes Laufstegmodel mit permanent schlechter Laune.

Neil Gaiman: The Books of Magic
Einem 12jährigen Jungen mit einer großen Brille wird eines Nachts eröffnet, dass er der weltgrößte Zauberer werden kann. Er bekommt eine Eule und wird vor eine Entscheidung gestellt: Will Magie in sein Leben lassen? Oder lieber ein normales Leben führen?

Klingt nach Harry Potter, und tatsächlich gibt es heftige Parallelen bei Alter und Aussehen der Protagonisten. Damit enden aber die Gemeinsamkeiten, denn während Harry Potter nach Hogwarts kommt, geht Tim Hunter, die Hauptperson dieser Geschichte, auf eine Reise mit vier mysteriösen Trenchcoatträgern. Die zeigen ihm unterschiedliche Aspekte der Magie und machen deutlich, dass deren Nutzung äußerst gefährlich sein kann. Tim kann sogar zum Zerstörer der Welt werden, sein Weg ist nicht vorgezeichnet.

Das die Hauptperson mal kein „guter Auserwählter“ ist, sondern nur irre mächtig, wenn er es denn will, und damit möglicherweise auch böse und gefährlich – das ist erfrischend anders und fühlt sich spannend an, zumal auch die Trenchcoatträger nicht unbedingt nur wohlgesonnen sind – einer versucht sogar den Jungen am Ende der Zeit zu begraben, wo es dann ein Crossover mit den „Sandman“-Geschichten gibt und Tim auf die „Endless“ trifft. Ein fantastisches Abenteuer.

Die Grafic Novel ist toll gezeichnet, schön erzählt und macht Lust auf mehr – wird sich Tim am Ende für die Magie entscheiden? Oder davon absehen, um nicht zum Vernichter von Welten zu werden? BTW: Die „Bücher der Magie“ wurden schon 1994 veröffentlicht, wenn überhaupt hat sich also J.K. Rowlings inspirieren lassen.

Petra Reski: Als ich einmal in den Canale Grande fiel: Vom Leben in Venedig
Venedig. Eine Stadt, an deren Untergang nicht nur das Meer arbeitet. Petra Reski lebt seit 30 Jahren in Venedig und berichtet hier von ihrem Leben in der Stadt. Von kleinen Anekdoten, ihrer tiefen Liebe zu dieser unwirklichen Stadt, aber auch von den Folgen der jährlich 30 Millionen Touristen, Korruption, Kreuzfahrtschiffen, was mit einer Stadt passiert, wenn Wohnungen nur noch als Air BNB vermietet werden und wie Corona die Stadt verändert.

Petra Reski ist eine der bewundernswertesten Journalistinnen, die zu lesen ich das Vergnügen habe. Bewundernswert, weil sie nie aufzugeben scheint – trotz aller Ungerechtigkeiten schreibt und kämpft sie immer weiter, auch wenn Sie für ihre Mafiarecherchen schon mal von deutschen Geschäftsleuten verklagt und dabei von Jakob Augstein im Regen stehen gelassen wird.

Ich lese Petra Reskis Blog schon lange und kenne deshalb ihren berechtigten wie bitteren Abgesang auf die Stadt. Der Tenor ist: Die Stadt stirbt seit den Neunzigern, weil einfach jeder daran verdient. Die Politiker, die die Immobilien der Stadt an die Benettons oder an die Chinesen verkaufen. Die Wohnungsbesitzer, die mit AirBNB Kohle machen. Die Gemüsehändler, die plötzlich lieber Plastikgondeln an Touristen als Tomaten an Einwohner verkaufen. Selbst die Gondoliere, die dank des Massentourismus locker 1.000 Euro am Tag(!) machen.

Im Blog ist das alles sehr konzentriert und deshalb schwer erträglich, weil es wütend und traurig macht. Das vorliegende Buch funktioniert aber anders, weil es die permanente Ungerechtigkeit in dieser Stadt vermischt mit Reskis großer Liebe zu Venedig und den Einheimischen, für die sie unnachgiebig kämpft – zuletzt hat sie sich sogar im Wahlkampf aufstellen lassen.

Das Buch ist eine leichter zu ertragende Mischung als das Blog. Es ist eine bittere Liebeserklärung an eine wunderbare Stadt, die täglich mißhandelt wird und die es so schon bald nicht mehr geben wird.


Hören:


Sehen:

Raees [2017, BluRay]
In den 70ern lernt der kleine Raees den Alkoholschmuggel in der Prohibition in einem indischen Bundesstaat. Als Erwachsener wird er selbst zum Chef einer Schmugglerorganisation und dabei von korrupten Polizisten und Politikern unterstützt. Mit seinen Profiten hilft Raees immer wieder der armen Bevölkerung – aber dann bekommt er es mit einem unbestechlichen Polizisten zu tun.

Toll ausgestattet und inszeniert, aber auch sehr düster. Sha Rhuk Khan spielt intensiv, der Rest des Casts bleibt dagegen eher blass. Gute, aber grimmige Gangsterunterhaltung

Wandavision [2020, Disney+]
Marvel-Cinematic Universe, nach „Endgame“: Wanda und Vision leben in einer Sitcom, die in den 50ern beginnt und von Folge zu Folge ein Jahrzehnt nach vorne springt. Anfangs noch in Schwarz-weiß, ab den späten 60ern dann in Farbe. In den 70ern wird Wanda unvermittelt schwanger. Maximale Verwirrung.

Hä? Ist Vision nicht gestorben? Was soll das mit den Sitcoms? Wieso das alles? „Wandavision“ zieht seinen großen Reiz aus dem Geheimnis, das nach 9 Folgen befriedigend aufgelöst wird. Gute Miniserie, schöner Einstieg in MCU Phase 4. Aber: Ohne Vorkenntnisse keine Chance zu verstehen was da abgeht.

Der Prinz aus Zamunda II [2021, Prime]
Akeem ist König von Zamunda und hat drei clevere Töchter, Thronfolger soll aber sein unehelicher Sohn aus New York werden.

Lang, nur begrenzt witzig. Braucht es „Zamunda 2“, satte 33 Jahre nach dem Original? Nein, natürlich nicht. Mochte ich ihn trotzdem? Zum Teil. Das liegt an der Nostalgie. Meine Generation feiert den ersten Teil total ab, alleine „McDowells“ ist in meinem Bekanntenkreis ein immer noch benutzter Insidergag. Genau solche Nostalgiker hat der Film im Fokus und überschüttet sie mit Tonnen von Reminiszenzen, die er dann unerträglich lang auswalzt. Dazu kommt eine Nummernrevue alter Bands wie En Vogue, Salt´n´Pepa oder Glady Knight. Das ist alles ein wenig zu viel und wird nicht durch eine Story getragen, die den Namen auch nur im Ansatz verdient. Kein guter Film, kurz Schmunzeln musste ich trotzdem.

Das Hausboot [2020, Netflix]
Olli Schulz und Fynn Kliemann kaufen das alte Hausboot von Gunther Gabriel, um daraus eine schwimmende Party- und Musiklocation zu machen. Was als „Och ja, bisschen Farbe und Rest bleibt so“ beginnt, wächst sich schnell zu einem Mammutunternehmen aus, denn der Kahn ist bis auf die Grundplatten verrottet und muss komplett neu gebaut werden. Am Ende arbeitet das Team zwei Jahre an der Kiste herum und muss diese Doku für Netflix drehen, um die Finanzierung stemmen zu können.

Hört sich alles erst einmal super interessant an, ist es aber nicht. Fynn macht halt sein übliches Ding, wie man es von Youtube kennt, Olli Schulz hat Recht früh keinen Bock mehr. Ab einem Punkt X übernimmt dann ein junger Bootsbauer, der sich bis zur Erschöpfung selbst ausbeutet, während Schulz und Kliemann nur ab und an vorbeigucken um in die Kamera zu sabbeln.

Das gibt kein gutes Bild ab, spiegelt aber vermutlich ganz gut die Realität wieder: Kliemann ist halt mittlerweile großer Medienunternehmer mit zig parallelen Projekten, Olli Schulz ein cholerischer und schnell beleidigter Mensch. Die Miniserie hat zum Glück nur vier Teile, und selbst die sind zu lang.

Das wandelnde Schloss [2004, Netflix]
Eine junge Hutmacherin wird von einer bösen Hexe verflucht und zu einer 90 Jahre alten Frau. Sie flieht aus ihrer Stadt und sucht mit Hilfe einer magischen Vogelscheuche Zuflucht im Haus eines Kriegsmagiers, wo sie sich mit einem Feuerdämon anfreundet.

Was für ein grandioser Quatsch! Jede Szene wird nur immer noch absurder, da ist ein Haus auf Beinen echt noch das normalste. Überbordende Fantasie quillt hier aus jeder zauberhaften Ecke. Ein Film zum Träumen, gleichzeitig spannend und mitreissend – ganz große Kunst vom japanischen Studio Ghibli.


Spielen:

Persona 5 Strikers [2020, PS4]
Ein halbes Jahr nach den Ereignissen von Persona 5 kommen Joker, Ann, Makoto, Riyuji, Mona, Futaba und die beiden Unwichtigen wieder zusammen. Der Plan: Gemeinsam die Sommerferien verleben. Klappt leider nicht, eine Künstliche Intelligenz und die kognitive Welt kommen dazwischen, und die Gruppe muss noch einmal als „Phantom Thieves“ losziehen und die Welt retten.

„Persona 5, Teil 2“ könnte „Strikers“ auch benannt sein. Das hat man sich wohl nicht getraut, weil die Gamemechanik komplett ausgetauscht wurde. Es gibt keine zeitgetaktete Lebenssimulation mehr, und auch die rundenbasierten Kämpfe finden nicht mehr statt. Stattdessen gibt es Echtzeithauereien mit teils Dutzenden von Gegnern gleichzeitig. Das ist anders, aber durchaus launig – und sehr, sehr schwer. Denn in den Gegnermassen stecken immer wieder Zwischenbosse, denen in endlos langen Gefechten nur mit speziellen Fähigkeiten beizukommen ist, und deren Nutzung ist gerade am Anfang stark limitiert.

Für mich war das gerade zu Beginn auf Schwierigkeitsgrad „Normal“ tatsächlich frustrierend und teils zu schwer, „Einfach“ aber keine wirkliche Herausforderung mehr – das Kampfsystem erfordert also Einarbeitung und Können. Immerhin, Story und Artwork sind hundertprozentig Persona 5 und damit schön und spannend.


Machen:

HU für die V-Strom, sonst: Nüscht. Die Pandemie gibt halt nochmal richtig Gas gerade, das ist nicht die Zeit um was zu machen.


Neues Spielzeug:

Bild: Bosch

Eine „Easy pump“ von Bosch. 430 Gramm leicht, leise, akkubetrieben, reicht für 4 Autoreifen. Einfach Zielluftdruck einstellen, ansetzen, Knöppsche drücken, fertig. Wird über USB geladen.

Hört sich super an, aber ich weiß aber noch nicht, ob ich die behalte – bin eigentlich kein Freund von diesen Lithium-Ionen-betriebenen Spielzeugen ohne wechselbaren Akku. Die sind nicht nachhaltig und werden nur toll gefunden, weil sie so bequem sind – typische Boomerspielzeuge.

Andererseits… ist halt nett, Auto-, Fahrrad- und Moppedreifen mal schnell aufpumpen zu können, ohne jedes mal die Fußpumpe rauszuholen. Und im vergangenen Jahr, bei der Reifenpanne, war die Fußluftpumpe auch einfach zu langsam… Ach, auch ich bin vor Faulheit nicht gefeit.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Gnadenloses Leben, Momentaufnahme | 8 Kommentare

Reisetagebuch Motorradherbst (14): Beim Moto GP

Tagebuch einer kleine Motorradtour im Pandemieherbst 2020. Die Barocca liegt mit einem platten Reifen in Florenz. Fortsetzung von dieser Misere hier.

Immer noch Mittwoch, der 7. Oktober 2020, Reifenwerkstatt Pecchioli, Via Petraca, Florenz

Die Via Petrarca führt genau an der Stadtmauer des alten Florenz entlang. Ein Stück die Straße hoch liegen die Boboli-Gärten, und auch der Ponte Vecchio ist nur einen Steinwurf entfernt.

Das hier ist nicht das Touristen-Florenz, das hier ist das Florenz auf der anderen Seite des Arno, südwestlich der Sehenswürdigkeiten, das den Florentiner:innen gehört. Grafittibesprühte Läden, große Stadthäuser mit kleinen Wohnungen, dichter Stadtverkehr, Abgase.

In einem der Wohnhäuser an der Via Petrarca ist ein Tor, gerade mal groß genug für einen PKW. Dahinter öffnet sich eine weite und verschachtelte Reifenwerkstatt. Sie nimmt das ganze Erdgeschoss des Hauses ein und wirkt wie eine Höhle.

Auf dem Gehweg vor der Werkstatt steht die Barocca mit plattem Hinterreifen. Im Eingang zur Reifenhöhle stehe ich mit einem schlaksigen Werkstattmechaniker in einem schwarzen Overall und sage „Ich bin auf Reisen und habe eine Reifenpanne. Können Sie mit helfen?“. Der Mann guckt ernst durch seine randlose Brille und sagt dann „Das ist ein Motorrad“.

Den Satz habe ich heute schon zu oft gehört, jedes mal gefolgt von einem „Motorräder machen wir nicht“. Wenn das hier jetzt auch so ist, dann weiß ich nicht mehr weiter.

Ich atme tief ein und zähle innerlich bis drei. Immerhin, direkt neben der Werkstatt gibt es ein B&B mit freien Zimmern. Wenn die Werkstatt nicht helfen will oder kann oder der Reifen nicht reparabel ist, dann übernachte ich einfach hier und mache mir eine schöne Zeit in Florenz.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf sage sehr ruhig: „Das ist korrekt.“

„Motorräder mache ich nicht“, sagt der Mann. Ich kann spüren, wie in diesem Moment mein Herz auf den Boden fällt.

„Die macht bei uns nur ein Kollege, aber der ist gerade nicht da. Wenn er kommt, sage ich Bescheid“, sagt der Mann, dreht sich auf dem Absatz um und marschiert davon. Okay, immerhin.

Ich gehe zurück nach draußen, lehne mich an die V-Strom und warte, innerlich auf weitere Stunden eingestellt. Zumindest hat der Mechaniker nicht einfach „Machen wir nicht“ gesagt. Aber trotzdem, an der schroffen Art sowohl von dem Typen hier, als auch von diesem Matteo von vorhin merkt man, dass das hier Großstadt ist.

Ein alter Mann tapst gebeugt den Gehweg entlang. Neugierig beäugt er die V-Strom, dann spricht er mich an.
„Du bist aber nicht von hier, oder?“, fragt er mit diesem florentinischen Akzent, den ich nur schwer verstehen kann.
„Hm“, murmele ich. Der Alte beugt sich vor und inspiziert das Kennzeichen der V-Strom.
„Aus Deutschland? Bist Du auf Reisen?“, fragt er neugierig, dann mustert er die Maschine rundrum.
„Gerade nicht so einfach, was? Dein Reifen ist ja ganz platt“, sagt das Männlein und keckert.

Ich besehe mir den Witzbold genauer. Er ist bestimmt fast 70, einen Kopf kleiner als ich klein und gebeugt. Die schütteren, weißen Haare sind zerzaust und so seltsam um seinem Kopf drapiert, als hätte ein Vogel versucht ein Nest zu bauen und nach kurzer Zeit aufgegeben. Er trägt eine OP-Maske schief im Gesicht, so das eine Hälfte von Mund und Nase bedeckt sind und aus der anderen eine selbstgedrehte Zigarette heraushängt. Irgendwie wirkt der Mann ein wenig wie Yoda.

„Na, hast ja Glück, das Du vor einer Reifenwerkstatt liegen geblieben bist, was?“, sagt der Mann und keckert noch ein wenig lauter über seinen eigenen Witz. Normalerweise würde ich spätestens jetzt wütend werden, aber irgendwie ist das Kerlchen so skurril, dass ich gar nicht dazu komme.

„Na, allerdings musste da jetzt mal reinfahren, sonst wird das nix“, sagt der Mann jetzt ernst.
„Gehören sie zur Werkstatt?“, sage ich. Das Männlein nickt und schnippt die Kippe weg.
„Können Sie mir helfen? Also, machen Sie Motorräder?“, frage ich.
Yoda mustert mich und sagt dann „Junge, ich war beim Moto GP, NATÜRLICH mache ich Motorräder!“
„Heute noch?!“ frage ich aufgeregt.
„Bring die Kiste rein, in 20 Minuten habe ich Dich wieder auf der Straße“, sagt der Mann.

Ich greife nach dem Lenker des Motorrads und kicke den Seitenständer weg.
„Nein! So kannst Du die doch keinen Zentimeter bewegen! Warte!“, sagt das Männlein und schlufft davon. Als er wiederkommt, trägt er einen schwarz-gelben Mechanikeroverall und hat einen batteriebetriebenen Kompressor dabei. Mit dem pumpt er den Hinterreifen der V-Strom auf, dann sagt er zufrieden „Vai!“ – los.

Ich starte den Motor und fahre die Barocca in die Tiefe der Reifenhöhle, nehme das Gepäck ab und bocke sie auf den Hauptständer. Yoda kommt hinter mir her getappst. Er macht sich am Heck zu schaffen, macht gefühlt drei Handbewegungen und hat schon das Hinterrad der V-Strom in der Hand.

Er bemerkt meinen verblüfften Blick und sagt „Ja nun, ich war beim Moto GP. Mein Name ist Alessandro“.
„Piacere“, sage ich automatisch, angenehm. So ohne Hinterrad sieht die V-Strom ziemlich traurig aus.


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Reisetagebuch Epilog: Motorradherbst 2020 in 3:28 Minuten

Die kleine Tour im Herbst 2020 ist vorbei. Im Schatten der Pandemie waren die vorherrschende Gefühle dieser Reise vor allem das Alleinsein, das Stehen im Abseits, weit ab von Menschen und Leben und Eindrücken, die zu Sammeln sich sonst angeboten hätte. Dazu mischte sich ein wenig Traurigkeit über den Zustand der Welt, den allgegenwärtigen Zerfall und die Frage, wie das Leben nach der Pandemie aussehen wird.

Wenn ich später mal gefragt werde, welche Erinnerungen und Eindrücke mir von dieser Tour geblieben sind (neben meiner ersten Reifenpanne), dann wäre das wie in diesem kleinen Filmchen: Eine weitgehend menschenleere Welt, nur ich und das Motorrad und die Straße – und ein diffuses Gefühl von Einsamkeit und Verlust und Trauer um eine Welt, die es so nicht mehr geben wird, trotz aller Anstrengungen.


Hier eine Übersicht über alle Einträge in diesem Kapitel des Reisetagebuchs:

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Corona-Tagebuch (27): Ich habe um Verzeihung gebeten!

Weltweit: 124.795.168 Infektionen, 2.744.102 Todesfälle
Deutschland: 2.713.180 Infektionen, 75.440 Todesfälle

Tag 378 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

In der Welt erholen sich die USA unter Biden im Turbotempo. Impfungen gibt es mittlerweile in Drive-Thrus und Schreibwarengeschäften, der Impffortschritt ist gewaltig, bis Ende April sollen alle impfwilligen Amerikaner:innen über 18 ein Vakzin erhalten haben. Und es sieht so aus, als schafften sie das.

In Kassel protestierten am vergangenen Wochenende 20.000 Menschen gegen Coronamaßnahmen und Impfungen. Ohne Maske, ohne Abstand, ohne Anstand, dafür aber in drollige Herzchen- oder Alfkostüme gewandet, mit Judensternen mit der Aufschrift „Ungeimpft“ am Revers und/oder mit Reichsflaggen. Das Ganze weitgehend unbehelligt von der Polizei, obwohl zuvor über alle Social-Media-Kanäle die Ankündigung und auch Verhaltensanweisungen rauschten. Darunter auch sowas wie „Frauen mit Babys nach vorne, das gibt geile Bilder, wenn die Polizei die angreift“.

Guckt man sich die Filme von der Demo an, fällt schnell auf: Diese Menschen sehen sich als Bewahrer der Demokratie, als Verteidiger der Gesundheit, als Widerstand gegen einen oppressiven Staat.

Was außerdem auffällt: Keiner von denen hat noch alle Latten am Zaun. Egal ob das die älteren AFD-Herren sind, die offensichtlich Bücher aus dem Kopp-Verlag lesen oder Verschwörungsvideos gucken, die Esoteriker-Mamas und Omas, die keifen und schreien und spucken und schlagen, während sie Pace-Flaggen und Herzchenluftballons hinter sich herziehen, oder die Neonazis, die Gegendemonstranten zusammentreten: Diese Coronademos ziehen den Bodensatz der Gesellschaft an, auch wenn der sich als bürgerlich verkleidet.

Der Polizei muss man den Vorwurf machen SCHON WIEDER kein ordentliches Konzept gehabt zu haben, obwohl der Querdenker-Demo in Kassel welche in Dresden und Berlin vorangegangen sind und klar war, was passieren wird. Allerdings: Die Wirksamkeit der Polizei beruht auf der gesellschaftlichen Konvention, dass die Polizei respektiert wird. Das tun diese Leute aber nicht, und damit ist die Polizei immer in der Unterzahl und kann nur begrenzt durchgreifen.

Auf den Balearen toben die Deutschen rum. Die Inseln wurden zum Niedrigrisikogebiet erklärt, am nächsten Tag setzten die Airlines zusätzliche Flieger aufs Programm. Dem Vernehmen nach alle voll besetzt, Tausende von Deutschen fliegen in den Osterurlaub nach Malle. Das ist völlig unverständlich, zumal selbst Spanier keinen Urlaub in Spanien machen dürfen.

In Deutschland regiert… ja, wer eigentlich? Der letzte Tagebucheintrag schloss mit „erbärmlich“ in Bezug auf das Handeln der Bundesregierung, und seitdem ist es nicht besser geworden.

Höhe- oder besser vorläufiger Tiefpunkt war dann am Mittwoch dieser Woche erreicht. Zuvor hatten die Runde aus Bund und Ministerpräsidenten 13 Stunden und bis Nachts um drei Uhr über das weitere Vorgehen verhandelt. Die Gemengelage war wohl unübersichtlich, angesichts der Mallorca-Geschichten wollten einige MPs wohl Urlaub im eigenen Bundesland ermöglichen. Angesichts der Ausbreitung der ansteckenderen und tödlicheren Virusvariante B1.1.7 keine gute Idee, eigentlich müssten die Maßnahmen verschärft werden. Da man aber den Leuten seit Monaten erzählt, sie seien ja schon in einem „Lockdown“ hatte man wohl Angst tatsächlich Büros zu schließen oder Ausgangssperren zu verhängen.

Irgendwann um drei Uhr Nachts hielt es die Runde dann kollektiv für eine gute Idee, einen „harten Lockdown“ in einer „erweiterten Ruhezeit“ zu machen, sprich: Den Gründonnerstag in der kommenden Woche wie einen Feiertag zu behandeln und damit 5 Tage alles geschlossen zu halten. Also, bis auf die Supermärkte am Samstag.

Kaum wurde die Entscheidung verkündet, gab es große Verwirrung – wie soll das gehen, wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?? Dann gab es noch einen Auto-Gipfel im Kanzleramt und einen Tag später stand Merkel vor der Presse und warf sich in die Schußlinie vor die Ministerpräsidentenbagage um davon zu fabulieren, dass man den Kurz-Hard-Lockdown nun doch nicht machen würde, dass sei allein ihr Fehler gewesen das vorzuschlagen und sie bitte um Verzeihung. Auf Nachfragen reagiert sie patzig, weil: Sie hat doch schon um Verzeihung gebeten, und damit muss auch mal gut sein.

Wie es weitergeht weiß offiziell niemand. Von der letzten MPK-Runde bleibt jetzt nur die „Bitte zu Hause zu bleiben“ – keine Maßnahmen, keine Büroschließungen, nichts.

Aber es wird noch besser: Merkels Entschuldigung führt dazu, dass einige Bundesländer nun machen, was sie wollen. Das Saarland bspw. plant, nach Ostern Einzelhandel, Fitnessstudios und Hotels, also: ALLES wieder komplett zu öffnen. Das halte ich, gelinde gesagt, für Wahnsinn. Wir sind in der B1.1.7 induzierten dritten Welle, die Fallzahlen steigen exponentiell, und wovon noch niemand spricht ist P.1, eine brasilianische Mutante – noch ansteckender, noch tödlicher und: Anscheinend helfen die bisherigen Impfungen dagegen nicht.

Da zeichnet sich eine echte Katastrophe ab, die Intensivbetten werden jetzt schon knapp. Die „Zeit“ und Armin Laschet stellen sogar schon Fragen in den Raum wie „muss wirklich jeder 90jährige mit normaler Lungenentzündung auf die Intensiv“. Dahinter steckt nicht weniger als eine Vordiskussion um den bisherigen gesellschaftlichen Konsens, das jedes Leben gleich zählt, zu kippen. Aber gut, für alles andere hätte man rechtzeitig Regeln und Kriterien definieren müssen, und auch das hat die Politik verschlafen.

Da unter anderem auch versäumt wurde verbindliche Triage-Kriterien zu definieren, kann ich es keinem Intensivmediziner verübeln, wenn er demnächst nicht mehr zum Dienst geht – einfach weil er nicht entscheiden kann oder will wer leben darf und wer sterben muss. Im Schlimmsten Fall müssen Ärzte bei sowas sogar noch mit einer Anzeige wegen Totschlags rechnen.

Ganz persönlich: Ich hatte angenommen, dass ich mir bis zum Herbst diesen Jahres, in dem ich hoffentlich geimpft werden kann, nichts vorzunehmen brauche und bis dahin ohne soziale Kontakte herumhocken werde. Von daher bin ich jetzt von all diesem hin und her nicht überrascht, ich sitze hier einfach meine Zeit ab und bin darüber mal froh und mal nicht so froh und tue mir ein wenig selbst Leid wegen der hohen Arbeitsbelastung. Ich bin der letzte, der noch in der Firma arbeitet und hier neben meinem eigenen Kram für alle Kolleg:innen im Homeoffice sogar die Anrufe annehmen muss, weil Rufumleitungen nicht möglich sind(!) Das wird noch ein halbes Jahr so weitergehen, mindestens, ich mache mir da keine Illusionen.

Ich kann aber die Leute verstehen, die nicht so abgefeimt sind und immer noch Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zum normalen Leben an die hohlen Worte knüpfen, die von Lockerungen fabulieren. Diese Menschen werden wieder und wieder enttäuscht und müssen über alle Maßen frustriert sein.

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Reisetagebuch Motorradherbst (13): Knochensplitter

Tagebuch einer kleine Motorradtour im Pandemieherbst 2020. Heute wird es echt stressig und die Barocca leidet.

7. Oktober 2020, Siena

Schon wieder steht das Wasser auf den Instrumenten. Letzte Nacht hat es wieder ordentlich geschüttet, und heute morgen ist alles nass und kalt. Die Wettervorhersage sieht auch nicht gut aus. Ach, Oktober in Italien hätte ich mir etwas sonniger gewünscht.

Nachdem die Koffer am Motorrad hängen und ich mich von Cecilia verbschiedet habe, reibe ich das Cockpit und den Sattel der Barocca sorgfältig trocken, klippe Anna in ihre Halterung, stelle den Helm an und checke die Anzeigen. Alles im Grünen Bereich, es kann losgehen. Der Motor pöttert gut gelaunt vor sich hin, als ich die V-Strom aus der kleinen Straße, in der die Villa Allegria liegt, herausbugsiere.

Die Fahrt geht von Carpineto aus nach Norden, Richtung Siena, und kurz vor der Stadt auf die Westumgehung. Die Sonne kommt raus und bringt Wärme mit. Was für ein schöner Morgen!

Ich bleibe erst einmal auf der Autobahn, die Siena mit Florenz verbindet. Die vierspurig ausgebaute Straße ist zwar nicht schön, aber die Alternative wären Landstraßen, die hier durch so viele kleine Dörfer führen, dass man praktisch nicht von der Stelle kommt. Da ich heute über 400 Kilometer vor mir habe, werde ich bis kurz hinter Florenz die langweilige Autostrada fahren und dann erst den schönen Teil der Strecke auf kleineren Routen angehen.

Die Barocca gleitet über den Asphalt. Es ist nicht besonders viel los, nur die üblichen Lastwagen und einige wenige PKW. Die Strecke führt an Monteriggioni und an San Gimignano vorbei, aber von den Orten sieht man nichts hinter, denn entlang der Autobahn sind links und rechts dichte Bäume gepflanzt. Bei Poggibonsi fängt DIE Baustelle an. Ich denke davon ganz bewusst als DIE Baustelle, weil es die schon ewig gibt oder zumindest so lange, wie ich in dieser Region schon unterwegs bin. Eine Fahrbahnerneuerung, Kilometerlang, und gefühlt kommen die Bauarbeiten von Jahr zu Jahr nur wenige Meter weiter.

Die Barocca fädelt in die Baustelle ein. Die Fahrbahn ist schmal, Warnbarken schießen links und rechts vorbei, ab hier gibt es keinen Nothaltestreifen mehr und nur noch eine Fahrspur pro Richtung.

„Bing“ meldet sich Anna plötzlich in meinem Helm und sagt „Warnung“. Ich muss Grinsen. Vermutlich sagt sie gleich „Achtung, Baustelle voraus“, weil ihr jetzt erst aufgefallen ist, dass eine Fahrbahnverengung ansteht. Noch nicht ganz wach heute morgen, die Gute, was?

Ich senke dennoch den Blick und schaue kurz auf´s Display. Das orangefarbene Reifensymbol wird angezeigt. „Na, ist Ihnen der Hinterradsensor mal wieder abhanden gekommen?“, frage ich hämisch. In den letzten Tagen ist dauernd der Kontakt zwischen Navi und Hinterradsensor abgerissen, das produziert genau so ein Warnbild.

Wieder höre ich den Warnton im Helm. Ok, das passiert normalerweise nicht. „Achtung, Luftdruck am Hinterreifen zu niedrig“. Ich rufe mit zwei Tippern auf dem Display das Schema des Motorrads auf. Der Vorderreifen ist grün und zeigt 2,5 Bar an, was in Ordnung ist, aber der Hinterreifen leuchtet knallrot und hängt bei 2,7 Bar. Das ist ein kleines Bißchen weniger als Normal und unter der Grenze, ab der Anna warnen soll, und das tut sie gerade.

Meine Gedanken rasen. Es ist kalt heute morgen, ist der Luftdruck deshalb zu niedrig? Nein, das kann nicht sein. Die Reifen sind schon warm gefahren, wir sind bereits eine halbe Stunde unterwegs. Ein Messfehler? Unwahrscheinlich. Die Garmin-Reifendrucksensoren sind äußerst zuverlässig, wenn sie einmal funktionieren.
Im Display fällt der Reifendruck auf 2,6, dann auf 2,5, weniger als eine halbe Minute später auf 2,4.

Mein Hirn sucht verzweifelt nach anderen Ideen was passiert sein kann, schließt aber eine Möglichkeit nach der anderen aus und kommt am Ende nicht um die einzig übrig bleibende Schlussfolgerung herum: Wir haben einen Reifenschaden.

Ich müsste jetzt dringend anhalten und den Hinterreifen unter die Lupe nehmen, aber wir befinden uns ja mitten in DER Baustelle. Ich behalte mit einem Auge die Druckanzeige im Blick, die schon auf [2,0] gefallen ist, und suche nach einem Platz zum Anhalten.

In der Baustelle gibt es weder einen Seitenstreifen [1,9] noch Nothaltebuchten, wie es sie sonst alle 1.000 Meter gibt. Kilometer um Kilometer zieht sich DIE BAUSTELLE, und alle dreißig Sekunden fällt der Druck um 0,1 Bar [1,8].

[1,7]… Ok, so langsam wird das hier unheimlich und ich nervös. Ah, endlich sind wir um Poggibonsi rum, dann muss ja gleich die Abfahrt dafür kommen! Bei [1,3] habe ich die Abfahrt erreicht und stelle fest, das sie wegen DER BAUSTELLE geschlossen ist. Verdammter Mist! [1,1]


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Prioritäten

Ab und zu stöbere ich durch Shops, die gebrauchte Armeeware verhökern. Das Zeug, was da so verkauft wird, ist meist so 20, 30 Jahre alt und ausgemustert worden. Manchmal finden sich da Sachen, die sich für den eigenen Garten oder Camping nutzen lassen – Falthocker, Kocher, Schlafsackhüllen, sowas.

Manche dieser Shops haben sich auf die Armee eines Landes spezialisiert, andere bieten Gebrauchtzeug aus mehreren Ländern an, und DIE finde ich lustig, zumindest wenn ich mir vorstelle, dass die Angebote die Prioritäten der jeweiligen Nationen widerspiegeln.

Deutschland ist relativ langweilig, die mustern hauptsächlich Anoraks und komische Hüte aus.

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Die Schweizer dagegen sind schon ganz lustig, die bieten neben den unvermeidlichen Schweizer-Armee-Taschenmessern auch alte Gefechts-Velos an. Man stelle sich vor, wie die Schweizer Armee in den Verteidigungsfall radelt, und dafür ewig braucht, weil sie die Berge nicht hochkommen…

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Ausserdem legen die Schweizer VIEL Wert auf gepflegtes Schuhwerk. Wo andere Armeen eine kleine Segeltuchtasche mit drei Bürsten ausgeben, ist das Schweizer Schuhputzzeug in einer Rolltasche mit neun Fächern, 5 Bürsten und zwei Zusatzhüllen untergebracht. Das Ganze ist selbst so groß wie ein kleiner Rucksack. Sehr ordentlich!

Den Vogel schießen aber die Italiener ab. Guckt man durch deren B-Ware, springt einen das hier auf Seite 1 an:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Parmesandöschen der Luftwaffe! Espressotässchen! Fischgabeln! Glaskaraffen! Auf Seite zwei ein ähnliches Bild:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Teetassen! Kaffeelöffel! Weiche Merinounterwäsche! Rasierspiegel! Und so geht das weiter: Gewürzsets! Kännchen für Aceto Balsamico! Und so weiter.

Abgesehen davon, das Krieg immer schlecht und keine Lösung ist: Die Prioritäten der Italienischen Armee, so man sie denn an den Surplus-Shops festmachen will, gefallen mir.

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Reisetagebuch Motorradherbst (12): Città morte

Tagebuch einer kleinen Moppedtour im Pandemieherbst 2020. Heute in tote Städte.

Montag, 05. Oktober 2020, Carpineto, Siena
Das Wetter ist nicht der Hammer, aber immerhin regnet es nicht. Ich schwinge mich auf die V-Strom und fahre los – etwas anderes als das ist in der Pandemie ohnehin kaum möglich. Alle Dinge, die ich sonst auf Reisen gerne mache – Burgen besichtigen, Museen angucken, an irgendwelchen Kursen teilnehmen – fallen jetzt flach, einfach weil Kontakte mit anderen Menschen zu gefährlich ist. Abgesehen davon: Zu etwas anderem als Motorradfahren habe ich auch gerade keine Lust. Nur die V-Strom und ich, und gemeinsam möglichst viel Straßen unter die Reifen nehmen, das ist es, wonach mich heute gelüstet.

Aus der Peripherie von Siena geht es gen Süden, durch das malerische Val d´Orcia, vorbei an Bagno Vignoni und durch die fast unbewohnte Crete Senesi.

Hier ein Häuschen besitzen, das wär´s. Tatsächlich stehen hier und da unbewohnte, pittoreske Steinhäuschen auf den Hügeln herum. Wobei „pittoresk“ in diesem Zusammenhang synonym ist für „fällt zusammen wenn man es scharf anguckt“.

Ich folge der Strada Regionale 2 durch einen Tunnel unter einer Bergkette am südlichen Ende der Crete, und dann weiter nach Süden, von der Toskana bis ins Latium, das ist die Region um Rom herum.

Neunzig Kilometer nördlich der italienischen Hauptstadt liegt der Bolsena See, aber den lasse ich links liegen und fahre nach Osten, auf die Berge des Apennin zu. Das Motorrad rollt durch die Gassen des Örtchens Bagnoregio und kommt kurz darauf auf einem Parkplatz zu stehen.

So schlechte Motorradparkplätze sieht man auch selten. Parkt man vorwärts ein, wie eigentlich gedacht, muss man das Motorrad beim Ausparken rückwärts gegen eine Steigung schieben. Aber egal wie rum ich hier parke, für die Barocca sind die aufgemalten Boxen zu klein. Vermutlich sind die nur für Vespas gedacht. Egal. Heute ist hier nichts los, außer der V-Strom steht hier nur ein anderes Mopped rum.

Ich schließe den Helm ein und gehe in Richtung Belvedere, der „Schönen Aussicht“. Wenn ich nicht schon wüsste was mich hier erwartet, beim Anblick der Aussicht würde mir der Mund offen stehen bleiben. Aus zwei Gründen: Zum einen ist die Landschaft hier selbst schon ein Hingucker. Jahrhundertlange Erosion haben den harten Ton unter dem Mutterboden von Hügelketten und Berghängen freigelegt. Zurückgeblieben sind Strukturen, die woanders „Erdpyramiden“ genannt werden.

Der zweite Hingucker ist aber Bagnoregio, und zwar der alte Ort. Da wo ich vorhin durchgefahren bin, das war Bagnoregion in der neuen Version 2.0.
Das Original, Civita di Bagnoregio, scheint vor mir über der bizarren Landschaft zu schweben.

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Reisetagebuch Motorradherbst (11): Unter Menschen 😬

Tagebuch einer kleinen Moppedtour im Pandemieherbst 2020. Nur an Orte, die ich schon kenne und die möglichst weit weg von Menschen sind. Klappt nur heute nicht, was genauso Schnappatmung verursacht wie ein Ausflug in einen Steinbruch. Schon wieder.

Sonntag, 04. Oktober 2020, Villa Allegria, Carpineto, Siena

Eine Nacht und einen ganzen Tag und noch eine Nacht hat es geregnet. Ich habe im Pyjama im Sessel an den bodentiefen Fenstern im Wohnzimmer gesessen und gelesen und gefaulenzt, genau wie ich es mir vorgenommen habe.

Nun hat sich das Wetter offensichtlich genügend ausgekotzt, und der Himmel über der Villa Allegria ist strahlend blau. Ich habe Lust darauf einfach ein wenig herum zu fahren, und deshalb mache ich das auch.

Schnell ist die V-Strom gesattelt und pöttert aus Carpineto heraus und hinein in die Crete Senesi, das Hügelland südlich von Siena. Ich bin schon so tiefenentspannt, dass ich den GPS-Recorder vergessen habe, stelle ich fest. Ach, egal. Dafür fahre ich jetzt nicht nochmal zurück.

Anna hat noch eine schöne Rundtour über kleine Landstraßen gespeichert, und nach 40 Minuten fährt die Barocca über eine Bergkette und kommt im Dorf Murlo an.

Murlo ist eines dieser typischen Bergdörfchen. Der Ort liegt auf einer Anhöhe, ist kreisrund und geradezu winzig, gerade mal 95 Meter im Durchmesser.

Im Kreis ducken sich die Häuschen um eine Kirche herum. Die Gassen sind geradezu malerisch, auch wenn heute morgen Radrennfahrer darin herumfahren und ich teils lange für ein Foto warten muss, damit ich keinen von den quietschbunt gekleideten Altherren mit auf dem Bild habe. Radrennfahren, gefühlt der Norditaliener liebster Freizeitsport.


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Corona-Tagebuch (27): Was die Leude woll´n


Weltweit: 115.199.608 Infektionen, 2.560.287 Todesfälle
Deutschland: 2.242.913 Infektionen, 71.289 Todesfälle

Tag 356 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Öffnungen!

Öffnungen! Yay! Gerade waren wir noch im „Lockdown“ (ohne inländische Mobilitätsbeschränkungen, Lebensmittelhandel geöffnet, etc. – also weit von einem echten Lockdown entfernt), nun gibt es Lockerungen. Schulen auf! Buchhandlungen auf! Gartencenter auf! Supi!

Problem ist nur: Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Begründung. Im Gegenteil. Die ansteckenden Virusmutationen breiten sich rasant aus, Ansteckungszahlen sind erst auf hohem Niveau verharrt, jetzt steigen sie wieder.

Der angepeilte Inzidenzwert von 35, den der Bund vorgeschlagen hat, kann nicht erreicht werden, nicht mal der Wert von 50 aus dem ersten Lockdown ist in Sichtweite. Wir baumeln so um die 64, Tendenz steigend.

Aber jetzt gibt es Lockerungen. Und warum ist das so?

Was die Leude woll´n

„Das ist das, was die Leute von uns erwarten“ sagt Hamburgs Bürgermeister Tschentscher. Mit anderen Worten: Wir wissen dass das alles jetzt Mumpitz ist und viele Menschen das Leben kosten wird. Aber wir haben Druck und deshalb lockern wir jetzt.

Das ist erbärmlich. Politik soll nicht machen, was sie denkt was die Leute erwarten, sondern was die Menschen brauchen. Ich will jetzt aber nicht schon über diese Politikergeneration schimpfen, die denkt, dass ihr Job darin besteht Symbolpolitik zu machen und diese an Umfrageergebnissen auszurichten. Das haben die halt in den Merkeljahrzehnten nicht anders gelernt. Keine Visionen, keine Führungsstärke, nur Machterhalt. Nein, ich würde mir gerne mal angucken wollen woher die Zahlen kommen, nach denen Leute wie Tschentscher ihre Politik glauben ausrichten zu müssen.

Dreiviertelmehrheit

Interessant ist nämlich: Nach aktuellen Umfragen denken zwischen 71 und 79 Prozent der Befragten, die Maßnahmen seien angemessen oder noch nicht stark genug und das erst gelockert werden sollte, wenn die Fallzahlen nicht zu stark steigen.

Der Wert erodiert langsam, aber gut, wir sind alle Pandemiemüde. Aber: Lediglich 24 bis 27 Prozent gehen die Maßnahmen zu weit. Und wie verteilen sich diese Maßnahmen auf Parteipräferenzen?

Guck mal an. Die Rufe, dass jetzt unbedingt gelockert werden muss, kommen am lautesten aus der AFD und der FDP und aus der Linken. Also Rechtsextremen, die aus Prinzip gegen alles sind, Esoterikern und Vertretern der Clientelwirtschaft, die ihre Nasen tief im Hintern der Hotellobby haben. Das sind übrigens die gleichen Leute die es super finden, das aktuell der Buchhändler Thalia, Gartenmärkte und Elektrohändler gegen die Coronamaßnahmen klagen. Moment, Buchhändler? Sind das nicht die, die wieder öffnen dürfen?

Könnte es sein, dass die Ministerpräsident:innen der Länder ihre Politik nicht an der Mehrheit dessen, was „die Leude“ wollen ausrichten, sondern nur an denen, die am lautesten schreien und die dickste Lobby haben?

Es geht nicht voran

Angeblich stehen in manchen Regionen Ladungen an Impfstoff unverimpft herum, weil manche Sorten einen schlechten Ruf haben oder die Orga nicht in die Pötte kommt. In anderen Regionen stehen die Impfzentren leer, weil es keinen Impfstoff gibt. Aktuell werden angeblich die über 80jährigen außerhalb von Heimen geimpft, aber im Schneckentempo.

Während die USA zuversichtlich sind bis Ende Mai die Impfwilligen unter ihren 332 Millionen Einwohner durchgeimpft zu haben, wird es bei uns in diesem Tempo bis ins nächste Jahr rein dauern. Oder, wie jemand auf Twitter so schön schrieb: Nach den Erfolgsgeschichten von BER und Elbphilharmonie nimmt sich Deutschland jetzt mit gleicher Kompetenz dem Großprojekt Massenimpfung an.

Und während die 1918 die Spanische Grippe nur drei Wellen hatte (die dritte genau jetzt, im März/April), können wir uns auf weitere Ausschläge im Herbst freuen.

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Zeitreise im Bücherregal

Herr Silencer ekelt sich vor Büchern und taucht ab in eine Zeitreise.

Neulich stand ich so in meiner Bibliothek sinnierend vor den langen Regalen mit Büchern und dachte nur „Oh nein, nicht HIER AUCH NOCH“. Ähnlich wie in der hauseigenen Videothek konnte ich nämlich auch hier Memory spielen: „DA steht das Buch und DA NOCH EINMAL“ und in zwei besonders schweren Fällen war das Werk sogar in drei Ausgaben vorhanden.

Hattrick mit Neil Gaimans „Sternwanderer“.

Sowas nervt mich kolossal, weil diese Doppel- und Dreifachlagerhaltung nicht nur Platz verschwendet, sie bedeutet auch, das ich den Überblick verloren habe. Dazu kommt: Bücher auf Papier mag ich ohnehin nicht mehr. Ich habe seit Jahren nur noch Papierbücher gelesen, wenn ich sie geschenkt bekommen habe.

Eigentlich ist der eReader das eine Ding, was mich überall hin begleitet und auch auf meinem Nachtschrank liegt. The Book to end all books. Platzsparend, hintergrundbeleuchtet, sauber – ein krasser Gegensatz zu den schmuddeligen und speckigen Taschenbüchern, die ich während des Memory-Spiels mit spitzen Fingern aus dem Regal gezogen habe.

Das Hauptargument der Anhänger:innen von Papierbüchern ist ja immer „Aber-aber-Aber ein ECHTES BUCH auf totem Baum das duftet doch und man fühlt es an den Fingerspitzen und ach, das kann ein eReader doch gar nicht“ – ja, genau, und das WILL ich auch gar nicht. Denn: Was können billige Bücher altern!

Gerade englische oder amerikanische Taschenbücher sind oft mit säurehaltiger Tinte auf billigstem Papier gedruckt. Nach knapp 30 Jahren ist dieses Papier nikotingelb und die Tinte verlaufen und das Schriftbild unscharf und das Buch STINKT nach Staub und Verfall. E-kel-haft.

Bei aller Romantik, wenn ich heute noch mal ein altes (Taschen-)Buch lesen will, kaufe ich mir das eher für ein paar Euro nochmal auf dem eReader als das ich das wellige, gelbsüchtige Staubding aus dem Regal und in die Hand nehme. Ohne Witz. Solche Schmuddelbücher anzufassen finde ich mittlerweile richtig widerlich.

Zeit für eine Ausmistaktion und eine Inventur. Da ich bei der Bestanderfassung von Filmen und Serien schon gute Erfahrungen mit einer App gemacht hatte („my movies“) wollte ich das für die Bücher auch. Die Idee dabei: Man lädt sich die App auf´s Smartphone, scannt mit der Kamera den ISBN-Code der Bücher, die App holt sich Titel- und Autoreninfos aus dem Netz und dann hat man eine digitale Bibliothek, die man idealerweise durchsuchen und als CSV nach Excel exportieren kann.

Apps dieser Art gibt es mehrere, meine Wahl fiel auf „Bookbuddy“. Die Benutzeroberfläche der App ist übersichtlich, die Datenbank umfangreich und vor allem gibt es einen ordentlichen Export.

Damit bin ich ein Wochenende durch die Bücherregale gegangen, habe alles inventarisiert und gleichzeitig ausgemistet. Das war, zugegebenermaßen, nicht ganz einfach – an vielen Büchern hängen dann doch Erinnerungen. Durch den Bücherbestand zu gehen ist auch ein wenig eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit.

Seit 24 Jahren ungelesen liegt hier Robert Jordans „Eye of the World“ aus der Reihe „The Wheel of Time“ herum.

Werde ich vermutlich auch nicht mehr lesen, wegwerfen würde ich das trotzdem nie. Warum? Weil ich es von Katrin geschenkt bekommen habe.

Katrin war eine der schönsten Frauen, die mir je begegnet ist. Wir hatten eine kurze, leidenschaftliche Affäre, aber nun würde ich den Job wechseln und das war der Moment, da waren wir uns einig, um getrennte Wege zu gehen.

So saßen wir an Heiligabend 1997 nach dem Schlussdienst im leeren Restaurant und sahen den Kollegen bei den letzten Arbeiten und dem Schnee beim Schneien zu. Zum Abschied lächelte sie traurig und schenkte mir dieses Buch.

Eine Erziehungsmaßnahme, weil sie wusste, dass ich mit Fantasy nichts anfangen kann.

Ich habe Katrins Nachnamen vergessen, aber ich werde mich immer an ihr Lachen erinnern und an ihre traurigen Augen und ihre leuchtend roten Haare und an ihre Vorliebe für Motorräder, Lederklamotten und Fantasy.

Ebenfalls aus nostalgischen Gründen kann ich das hier nicht wegwerfen. Ein Dutzend Mal gelesen, zerfleddert, eine haptische Zumutung… und trotzdem.

Keine Ahnung warum, aber meine ganze Generation giggelt heute noch wie Schuljungen, wenn man nur „42“ sagt – auch wenn das Buch objektiv einfach nicht gut ist.

Sehr schön auch die „Artemis Fowl“-Sonderausgaben mit Hologrammcovern, die sie wie Geräte aus der Feen-Welt aussehen lassen sollen.

Die habe ich Anfang der 2000er Jahre zusammen mit den ersten „Harry Potter“-Bänden in der englischen Fassung aus London rübergeschleppt. Ich hatte damals eine ganze Reisetasche voll Bücher in einer Buchhandlung am Marble Arch gekauft, so schwer, dass die Rollen abbrachen.

„Aber warum??“, wurde ich neulich gefragt, „Auch damals gab es schon englische Bücher in Deutschland zu kaufen!“. Das ist richtig. Aber zum einen konnte man nicht alle englischen Bücher bestellen, sondern nur, worauf der Importeur Lust hatte es anzubieten. Zum anderen musste man nach einer Bestellung im Besten Fall nur einige Wochen warten, um dann solche Preise hier zu bezahlen:

Drei-und-Fünfzig-D-Mark! Das sind inflationsbereinigt über 40 Euro! Für ein Buch, dass in England keine 10 Pfund gekostet hat, was damals etwa 20 Mark waren.

Als dann endlich Amazon kam und dieser Wegelagerei den Gar aus machte, begann ich mit dem Sammeln von Graphic Novels. In meiner Bibliothek finden sich die umfangreichsten Sammlungen von Göttingen an Neil Gaimans „Sandman“-Bänden und Mike Careys „Fables“-Geschichten.

„Sandman“ habe ich 2006 entdeckt und dann binnen zwei Wochen alle Bände gekauft und die 2.000 Seiten-Geschichte verschlungen. Seitdem jage ich die seltenen Spin-Offs der Hauptreihe, von denen ich auch die seltensten fast vollständig besitze.

Sehr schön auch die kiloschweren Bildbände. Highlights meiner Sammlung sind großformatige Bücher aus dem „Taschen“-Verlag, wie der wunderschöne National Geographics „Infographics“-Band oder Helmut Newtons „Sumo“, der selbst im Nachdruck so groß ist, dass das Buch ein eigenes Begleitbuch und einen Ständer mitbringt. Der originale „Sumo“ hat mich über Jahre fasziniert, kostet aber in einer limitierten Originalversion zwischen 2.500 Euro für eine zerfledderte Ausgabe bis 10.000 für gut erhaltene Stücke. Als 2009 der unlimitierte Nachdruck für nur einen dreistelligen Betrag erschien, musste ich den haben – und er bereitet mir bis heute Freude.

Genau wie die backsteinschweren Schuber mit Sammelbänden von „Alita Battle Angel“ und „Calvin & Hobbes“. Das ist Grafikkunst, sowas kann man nicht auf eReader übertragen. Solche Bücher, Bildbände und Grafikwerke mag ich noch auf Papier.

Nur wegen der Optik dürfen noch die gebundenen und englischen Ausgaben von Pratchett bleiben.

Selbiges gilt auch für die „Dunkle Turm“-Reihe von Stephen King mit den metallisierten Rücken, die ich um 1998 von einer Studentin gebraucht und komplett als Regalmeter am Stück gekauft habe und dann nach Anlesen als ähnlich unfassbar langweilig eingeordnet habe wie Tolkiens „Herr der Ringe“. Seitdem stehen die hier unangetastet herum. Die werde ich lesen wenn ich in Rente bin. Oder auch nicht.

Was dagegen niemand braucht sind schlecht übersetzte Bücher. Im Zuge der Ausmistaktion flogen jetzt alle deutschen Ausgaben von Terry Pratchetts Werken weg. Die leben vom Wortwitz, und der damalige Übersetzer hatte entweder keinen Bock oder keine Zeit die zu übertragen, oder, noch schlimmer, er hat die Gags selbst nicht verstanden. Ganze Passagen der deutschen Ausgaben ergeben dadurch schlicht keinen Sinn, und ja, es macht einen Unterschied ob jemand bei einem Sexunfall mit einer „Concubine“ oder einer „Cucumber“ gestorben ist!

Allein diese Titel! Die verursachen doch körperliche Schmerzen! Geht doch gar nicht sowas! 🤢

Der schlechte Übersetzer versuchte sich auch selbst als Sci-Fi-Autor und hat Mitte der 80er ein gar nicht mal so schlechtes Kinderbuch verfasst.

Dieses seltene Exemplar ist eine der Skurrilitäten, die aus irgendeinem Grund in meinem Regal stehen und von denen ich mich nicht trennen kann. Genauso wenig wie von den 1989er Bukowski-Ausgaben. Man, was bin ich mit diesen Büchern gewachsen. Mit Bukowski tat sich mir eine ganz neue Welt auf. Nicht nur literarisch, er hat tatsächlich mein Bild von Menschen beeinflusst.

Sehr schön auch ein Buch, dessen Entstehung ich mitfinanziert habe: Eine handsignierte Ausgabe des „Bestatterweblog“, aus einer Zeit, wo niemand wusste wer der Autor wirklich ist. Auch schon wieder von 2008. Meine Güte, wie die Zeit vergeht.

In den Müll wanderte auch diese Opus Magnum: „Schlösser knacken für Pinguine“.

Nein, Huhu, das werfen wir weg. Auch wenn Du damit ein großes Abenteuer verbindest (Hier und dann einige Male auf „Neuere Beiträge“ klicken).

Schwer trennen kann ich mich von Skurrilitäten wie den Wing Commander Büchern. Die gibt es nicht für eReader, und manche von denen haben wirklich, wirklich clevere Stories. Gut, andere sind strunzdumm, aber ich weiß leider nicht mehr welche welche sind.

Ebenfalls bleiben dürfen Bücher, mit denen ich lesen gelernt habe: „Reise um die halbe Welt mit A dem Affen und B dem Bären“ aus der Reihe Göttinger Schreibschriftbücher, das schön fotografierte „Mein Esel Benjamin“ oder auch das versöhnliche „Neues aus dem Spielzeugland“. Das sind immer noch sehr gute Bücher.

Lediglich „Pasteten im Schnee“ vermisse ich, das ist wohl mit dem Elternhaus untergegangen.

So, und das war es dann. Eine Zeitreise durch das eigene Leben mittels eines Bücherregals. Jetzt verstehe ich auch, wie die Idee zu „Interstellar“ entstanden ist, wo ja am Ende der Zeit auch der Typ hinter einem Bücherregal hockt und Klopfzeichen gibt.

Naja, Wurscht. Am Ende sind rund drei Regalmeter aussortiert worden. Das entspricht drei Umzugskisten oder einem Kofferraum voll mit Altpapier. Mangels Zeit und Lust und weil man ja sowieso nichts mehr für bekommt, wandern die einfach in den Container.

Gefühlt ist es in den Bücherregalen nicht viel weniger geworden, auch wenn die App sagt, dass ich jetzt nur noch 450 Bücher besitze von ursprünglich sicher mal 1.500 Anfang der 2000er. Aber wie gesagt, die Zeit des gedruckten Papierbuchs ist für mich echt vorüber.

Kategorien: Gnadenloses Leben | 9 Kommentare

Momentaufnahme: Februar 2021

Herr Silencer im Februar 2021

Der erste ernsthafte Winter seit 10 Jahren!

Wetter: Anfang des Monats Temperaturen von -20 Grad und ein halber Meter Schnee, ab der dritten Woche frühlingshafte +20 Grad. Krasse Steigerung.


Lesen:


Terry Pratchett: Night Watch
Commander Vimes verfolgt einen Mörder durch die Straßen Ankh-Morporks, als ein Unfall passiert und beide 30 Jahre in die Vergangenheit transportiert. Hier steht die Stadt kurz vor einer Revolution, die die Geschichte verändern wird. Vimes muss sich nun überlegen, ob er die Rolle spielen will, die ihm die Geschichtsbücher vorschreiben – oder ob er alles verändert und damit die Zukunft, so wie er sie kennt, verliert.

Die meisten kennen die „Scheibenwelt“-Bücher von Terry Pratchett nur als „Per Anhalter durch die Galaxis im Fantasygenre“. Das trifft aber nur auf die ersten Bücher zu, die noch in den 80ern enstanden sind. Das hier ist der ältere, weisere Pratchett, der eigenständige Geschichten ohne Slapstick erzählt.

„Night Watch“ handelt davon, wie sich ein Mann entscheidet, der ganz auf sich zurückgeworfen ist und der weiß, wie seine Zukunft aussehen kann. Das ist nicht witzig, aber spannend, unterhaltsam und gespickt mit Erkenntnissen über menschliche Handlungsweisen. Definitiv das Beste Buch der „Stadtwachen“-Serie.


The Dreaming: Pathways and Emanations / Empty Shells / One Magical Movement
Dream of the Endless ist die Personifizierung aller Träume und Geschichten im Universum. Jetzt ist Dream verschwunden, und das hat Konsequenzen: Die Menschen werden wahnsinnig, weil sie im Schlaf nicht mehr richtig träumen, und die Märchenwesen und ihre Geschichten lösen sich auf und das Traumreich „the Dreaming“ zerfällt. Aber warum ist das so?

War mir bislang durchgerutscht, aber es gibt tatsächlich seit einigen Jahren eine Fortsetzung von Neil Gaimans „Sandman“-Epos. Die originale Reihe entstand zwischen 1988 und 1996 und erzählt auf 2.000 Grafikseiten die Geschichte von Dream und seinen Geschwistern Destiny, Death, Delirirum, Destruction, Desire und Despair. Dieses Werk ist so umfangreich und fantastisch, dass es bis zu „Mouse“ die einzige Graphic Novel war, die es je in die Beststellerlisten geschafft hat. Danach gab es einige Spin-Offs, von denen aber nur „Lucifer“ wirklich Erfolg hatte.

Zum 30jährigen Bestehen hat DC Black, der Nachfolger des geschätzten Vertigo-Labels, gleich mehrere Reihen gestartet, die die Geschichte des Sandman-Universums fortsetzen. An jeder Reihe arbeitet ein handverlesenes Team unter der Aufsicht von Neil Gaiman, und das ist zu merken. „The Dreaming“ ist vermutlich die dramatischste der neuen Reihen und startet tatsächlich als Sequel zu den Ereignissen in 1996. Mit dabei sind bekannte Charaktere wie Rose Walker, Lucien, Kürbis Merv und Raben Matthew, aber auch neuen Figuren wie der geheimnisvollen Dora, die selbst nicht weiß was sie ist oder wieso sie zwischen Dimensionen springen kann.

Aus der Ausgangssituation „Traum ist verschwunden“ ergibt sich eine verwickelte und überaus intelligente Geschichte, die auch für Neueinsteiger geeignet ist und die einem bis zum Ende immer wieder den Mund offen stehen lässt. Das wird dramatisch und wirklich innovativ erzählt, und damit ist das neue „The Dreaming“ genauso gut wie die Originalreihe. Sie ist allerdings schöner gezeichnet, den unsauberen Look der 80er kann man ja heute nur noch schwer ertragen.


Hören:

Tom Petty: The Best of Everything 1976-2016

Einfach mal wieder Lust drauf gehabt. Muss man nicht viel zu sagen: Tom Petty


Sehen:

Erik Peters: Abenteuer Südostasien [BluRay]
Fantastisch fotografierter Trip. Peters verschweigt dabei nicht die Probleme mit Visum und Zoll bei der Einreise. Schön anzusehen und kurzweilig, und was mir halt an Peters gefällt: Er ist immer neugierig und akzeptiert, dass es in der Ferne anders ist als in Köln.

Erik Peters: Vamos Cuba [2017, BluRay]
Ein Motorrad auf Kuba mieten? Unmöglich. Also verschifft Peters sein Bike auf die Insel und erlebt dort drei Monate auf den Spuren Fidel Castros. Ebenfalls sehr wunderbare Momente und tolle Bilder. Leider mit nur 84 Minuten zu kurz.


Spielen:

Yakuza: Like a Dragon [2019, PS4]

Einige Jahre nach den Ereignissen von Yakuza 6: Der Tojo-Clan existiert nicht mehr, die rivalisierende Omi-Allianz hat das Tokioter Vergnügungsviertel Kamurocho übernommen. Das haut Ichiban aus den Socken, als er nach 19 Jahre aus dem Gefängnis frei kommt und nun in eine Welt ohne Yakuza, aber mit Smartphones stolpert. Noch verwirrender ist, dass sein Tojo-Patriarch und Ziehvater nun bei den Omi ist und ihn bei Sichtkontakt niederschießt. Ichiban versteckt sich in Yokohama und versucht mit Hilfe eines Obdachlosen, einer Hostess und eines alten Beamten herauszufinden, was genau in den vergangenen Jahren passiert ist. Gemeinsam kommen sie einer gigantischen Verschwörung auf die Spur.

Neues Spiel, neuer Hauptcharakter und neues Spielsystem. Vorbei sind die Zeiten von Kiryu Kazuma und seinen Prügeleien. Neben Ichiban befehligt man bis zu drei andere Spielfiguren in rundenbasierten Kämpfen a la Persona. Das funktioniert erstaunlich gut mit dem Yakuza-Konzept und in der bewährten Dragon-Engine, spielt sich aber weniger crisp als „Persona 5“, das hier deutlich Vorbild war. Zusätzlich ist ein Rollenspielsystem mit Charakterklassen integriert. Das ist zwar originell, bedingt aber langen Grind. Ohne den geht es eh nicht, in der Mitte sagt das Spiel einfach mal: „Verdiene 3 Millionen Geld, dann gehts weiter“ – zu einem Zeitpunkt, an dem man froh ist 10.000 Geld zu haben. Sobald man die Kohle dann zusammen hat, macht das Spiel ein neues Areal auf und überschüttet einen mit Geld. Das ist ärgerlich, passiert aber gleich noch einmal: Das Spiel setzt einem einen Boss-Gegner vor die Nase, der übermächtig stark ist und für den man wieder das eigene Level hochgrinden muss, was zu dem Zeitpunkt nur sehr langsam möglich ist. Hat man es einmal geschafft, gibt es neue Areale und man wird mit Leveln überschüttet. Was soll sowas? Das macht keinen guten Eindruck und ist langweilig.

Letztlich reissen es Story und Charaktere wieder raus. Die Geschichte ist Yakuza-typisch episch, verworren und filmisch erzählt, braucht aber lange um in Fahrt zu kommen enthält wieder ausufernde und häufige Zwischensequenzen.

Dass das seltsame Gemisch aus Rollenspiel, Rundenkampf und Yakuza-Geschichte nicht zwischendurch absäuft ist hohe Erzählkunst und auch dem neuen Charakter geschuldet: Ichiban ist liebenswert und durchgeknallt und damit genau das Gegenteil des wortkargen Desperados Kiryu. Ein guter Neustart der Reihe, wenn das Spiel auch viel mehr Längen hat als nötig. Für Haupt- und einige Nebenquests habe ich 57 Stunden gebraucht, 40 hätten mehr als gereicht.


Machen:

Bücherregale entrümpeln.


Neues Spielzeug:
Mehr gutes Werkzeug!

Und ein Schlafsack, ein Carinthian Tropen.
Vermutlich Kompensationskauf wegen Fernwehs.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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