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Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Generationen


Helme im Wandel der Zeit. Immer leichter, immer besser.

Von oben nach unten: 

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  • Nolan N90 (2012-2016)
  • Nexo Touring II (2010-2012)

Nicht im Bild:

  • Caberg Unlimited II (1996-2003)
  • Uvex noname (1993-1996)

 
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Verfasst von - 23. Juli 2017 in Motorrad

 

DHL nimmt keine Wickelmumien

Dieser Homunkulus von einem Paket kam neulich bei mir an.

Eine echte Wickelmumie, jeder Quadratzentimeter von Klebeband bedeckt. Ich habe es kurz geöffnet, den Inhalt gecheckt, dann sollte es wieder auf Reisen gehen. Aber da war Elizaveta davor.

„Mit dem Paket werden Sie aber nicht glücklich“, sagte die moldavische Chefin der hiesigen Postfiliale, als ich mit dem Klebebanddesaster ihren Laden betrat. „Das ist Sperrgut“.
„Was?“, entfuhr es mir.

„Ja, neulich war ein DHL-Berater hier, der hat mir gesagt, ich hätte schon 100 Euro Umsatzausfall gemacht, weil ich Sachen, die eigentlich Sperrgut waren, als normales Paket angenommen hätte. Jetzt gibt es härtere Regeln. Das hier hat er da gelassen.“

Sie schiebt mir einen Schnellhefter über den Tresen. „Woran erkenne ich Sperrgut“, steht auf dem ersten Blatt. Dahinter sind in Klarsichthüllen Bilder von seltsamsten Dingen abgebildet. Ein Benzinkanister, der mit Lappen umwickelt ist. Ein Stück Regenrinne, verpackt in einen Müllsack. Ein Gartengerät, vielleicht eine Harke, über die notdürftig Geschenkpapier gefrickelt ist. Und irgendwas Undefinierbares, von oben bis unten in Klebeband eingewickelt.

Auf das tippt die Postfrau. „Ihr Paket fällt in die Kategorie. Wenn das so umwickelt ist, ist es für DHL jetzt Sperrgut. Härtere Regeln. Sperrgut kostet 26 Euro, dazu kommt Porto.“ Sie sieht mich fragend an.

„Nee“, sage ich. „Ich gucke mal, ob ich einen neuen Karton finde.“

Ich würde mich jetzt über die härteren Regeln aufregen, wenn, ja wenn ich nicht wüsste, was Leute manchmal so verschicken.

Wir haben im Büro jemanden, der gelegentlich solche Lieferungen bekommt, und ich muss ganz ehrlich sagen: Meine Toleranzgrenze ist erreicht, wenn der Transportdienst hier fünf Liter-Kanister mit hochbrennbaren Reinigungsalkohol oder Industrieklebstoffen anschleppt, die überhaupt keine Verpackung haben und deren Gefahrenstoff-Aufkleber mit einer Paketmarke überklebt wurde. Von daher finde ich etwas härtere Regeln durchaus sinnvoll.

Nur: Sowohl meine Wickelmumie als auch die explosiven Kanister kamen nicht per DHL, sondern per GLS, und die sind verzweifelt genug so einen Kram auch zukünftig zu befördern.

Wer also, sagen wir mal, eine Gasflasche, eine Topfpflanze oder eine lebende Kuh versenden will: Einfach flächendeckend Klebeband drum rum, GLS nimmt das schon mit. Wenn DHL jetzt picky ist, wird GLS der neue Lieblingsversanddienst aller ebayer.

 
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Verfasst von - 22. Juli 2017 in Gnadenloses Leben

 

Bestseller Nr. 1 in Spiralförmige Rührstäbe

Manchmal läuft das autoamtische Kategorisierungssystem von großen Plattformen komplett Amok. Das trifft u.a. auch Netflix („Filme in der Kategorie dokumenarische Sci-Fi-Tragödien mit Adam Sandler“), aber Amazon produziert den schönsten Schrott:

 
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Verfasst von - 21. Juli 2017 in Ganz Kurz

 

Krawall im Luftkurort!

Ich gebe es zu, ich mag einige dieser seltsamen, deutschen Dörfchen die sich“Luftkurorte“ nennen. Das sind so Überbleibsel längst vergangener Zeiten, als Stadtmenschen noch auf´s Land geschickt wurden, um zumindest ein Mal im Jahr die Staublunge ein wenig auszulüften.

In manchen Orten gibt es noch skurrile Hinterlassenschaften, wie die Kurhalle auf einem Berg über Wernigerode. Da durften um 1900 Berliner AOK-Angestellte hin, setzen sich dann in diesen viktorianischen Glasbau, guckten auf den Ort runter und…. atmeten.

Oder Gradierwerke. Gradierwerke sind auch auf den ersten Blick seltsam. Riesige bauten, hölzerne Ungetüme, mit dicken Seitenwänden aus Reisigbündeln. Da hindurch rinnt Salzwasser. Kurgäste können nun durch das Innere des Gradierwerks spazieren und Salzluft einatmen. Als wenn man am Meer wäre.

Die wenigen, verbliebenen Bäder und Kurorte in Deutschland strahlen eine seltsame Ruhe und einen inneren Frieden aus. Bad Pyrmont, Bad Karlshafen, Bad Orb, Bad Gandersheim, um nur einige zu nennen, sind hübsche Orte mit einem fast morbiden Charme und schönen Parks, die zum Flanieren und Verweilen einladen, und aus jeder Ecke scheinen die Orte zu wispern „Sauge mich in Dich auf, ich helfe Dir Ruhe und Deine innere Mitte zu finden“.

Die ruhige Atmosphäre der Orte steht allerdings meist diametral der Krawalligkeit der Menschen entgegen die sich dort aufhalten. Die Rede ist nicht von „Jugendlichen“. Das ist ja ohnehin ein Begriff, der generationenübergreifend als Synonym von „Benimmt sich Scheiße“ benutzt wird. Dabei stimmt das nur noch begrenzt. „Jugendliche“ glotzen heute stumm auf ihre Smartphones und labern nur im Kino.

Nein, die Rede ist von einer Gruppe, die das genaue Gegenteil von jugendlich sind: Der Generation 70 Plus, und zwar die Exemplare, die einem durch ihre offensive Launigkeit echt die Stimmung vermiesen kann. Dazu gehört das Klatschaffentum, wie ich es neulich schon hier beschrieb. Keine Ahnung wie diese Indoktrination zustande kam, aber sobald irgendwo Musik ertönt, klatschen alle Senioren über 70 sofort mit. Die würden sogar noch in der Kirche mitklatschen. Hat denen mal jemand erzählt Mitklatschen wäre Pflicht?

Zumindest benehmen sie sich so, und auch ansonsten lassen sie keinen Zweifel daran, dass sie es mit ihrer guten Laune todernst meinen. Neulich erst wieder beobachtet: Mit heftiger Zielstrebigkeit wird ein Jägermeister nach dem nächsten verklappt wurde, denn lautstark gebollertes „mir nehm´noch ein, wir beede!“ steigert ja automatisch die Befindlichkeit. Dann werden Witze mit Verfallsdatum 1939 rausgeholt und übelst sexistischer und rassistischer Scheiß gelabert, ist ja nur ein Witz, wa? Irgendwann ist dann der Alkoholpegel so hoch, dass das Scheißelabern nicht mehr so klappt, dann wird das Smartphone rausgeholt.

Ohja, das Smartphone in Kombination mit einer Oma in einem Restaurant im Luftkurort, das ist die wahre Hölle auf Erden. Schon früh am Abend wird stundenlang wird an dem Kasten rumgedrückt und rumgefummelt, um dann verwackelte Videos von kleinen Bens, Fynns, Emilias oder Sofias am Tisch rumzuzeigen. Das ist die harmlose Phase.

Richtig abartig wird es, wenn der o.g. Füllstand erreicht ist. Ein Teil der Renternschaft guckt dann stier in die Blumenrabatte, um die sich der Rest der Welt gerade wie ein Karussell dreht, aber die Frohsinnspansen drehen jetzt richtig auf. Da gab es doch diese magische Funktion am Smartphone, die alles spielt was man will…. und schon quäkt „Griechischer Wein“ aus den Handylautsprechern.

Nun beugen sich andere Omas vor und fragen „Kann das Ding auch dieses Lied von dem Dings, was wir immer so gerne gehört haben?“. Dann nickt die Smartphonebesitzerin stolz, und die ganze nächste Stunde folgt Schlager auf Schlager auf Schlager, von „Schön war die Zeit“ mit Freddy Quinn über Andy Borgs „Fischer von San Juan“ bis hin zu Mike Krügers „Bode mit dem Bagger“. Zwischendurch kräht Costa Cordalis „Annnnitaaaaa!“ und Roberto Blanco beteuert, dass ein Bißchen Spass sein muss. Das sehen die Senioren genauso und klatschen, was das Zeug hält.

Es ist die HÖLLE, zumal diese Dummlieder auf voller Lautstärke auf einem scheppernden und quäkenden Handy angespielt werden, bis sich die Hirne der Umsitzenden langsam auflösen. Spotify, in den Händen betrunkener Senioren, verwandelt sich in eine tödliche Waffe. Und das ist der Grund, weshalb man in Luftkurorten nicht nach 21 Uhr essen sollte. Denn dann machen die Senioren Krawall, und zwar so richtig.

Es ist wirklich erstaunlich, aber es sind tatsächlich unsere ältesten Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich überhaupt nicht zu benehmen wissen und denen alle anderen Scheißegal sind. Hauptsache, SIE haben Spaß. Da Lob ich mir doch unsere Jugendlichen. Die klatschen wenigstens nicht zu ihrer Handymusik.

 
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Verfasst von - 18. Juli 2017 in Betrachtung, Satire

 

Saturday Night Fever (2017)

Alle Jahre wieder Gandersheimer Domfestspiele. Nach Evita und „Maria, ihm schmeckt´s nicht!“ (beide 2014), „Highway to Hellas“ (2016) verschlug es mich wieder ins Open-Air-Theater, diesmal zur Musicalversion von „Saturday Night Fever“.

Über SNF wusste ich bislang nur, das John Travolta in der Filmversion einen weißen Polyesteranzug trägt und zum Gequieke der BeeGees komisch tanzt. Deshalb hatte ich eigentlich eine locker-leichte-Feelgood-Geschichte erwarte und war ziemlich erstaunt, dass das Stück im Kern eigentlich sehr sozialkritisch ist:

Der gerade 19jährige Tony hat es nicht leicht. Die Arbeit in einem Farbengeschäft ist schlecht bezahlt, seine fromme Familie arm. Wenn er nicht arbeitet, hängt Tony mit seinen Kumpels ab, die immer wieder in Prügeleien mit Gangs aus der Nachbarschaft verwickelt werden. Nicht gerade das rosigste Leben. Aber ein Mal die Woche, Samstag Abends, ist Tony oben auf: Auf dem Tanzboden seiner Diskothek ist er der König. Als ein Tanzwettbewerb ausgeschrieben wird, wittert Tony eine Chance auf schnelles Geld. Leider geht auf dem Weg dahin alles den Bach runter: Das Mädchen, dass ihn anhimmelt, wird vergewaltigt, einer seiner Kumpels begeht Selbstmord, er verliert seinen Job und wird bei einer Schlägerei verletzt. Am Ende ist der Sieg beim Wettbewerb das Symbol für alles, was in seinem Leben schief läuft. Tony gibt des ersten Platz ab und verlässt die Stadt.

Ich muss sagen: So eine heftige Story hätte ich im Leben nicht erwartet. Dass der Film keinen Ruf als Sozialdrama hat, ist sicherlich auch der Tatsache zu verdanken, dass er in Europa nur in einer gekürzten Fassung in die Kinos kam – gerade die Vergewaltigungen und die Gangproblematik wurden schlicht herausgeschnitten.

In der Inszenierung der Domfestspiele sind diese Themen enthalten, wenn auch oft nur angedeutet. Dennoch mutig, dafür muss man die Macher genauso loben wie für die Besetzung. Das gesamte Ensemble singt und tanzt auf Profiniveau, da kann nicht mal seltsame Verhalten des älteren Publikums den zauber brechen, das darauf besteht zu jedem Song mit zu klatschen, den Zauber brechen. Wie die Klatschaffen!

Also: Saturday Night Fever ist Unbedingt empfehlenswert! Es gibt einige Restkarten und Zusatzzvorstellungen, alle Infos unter http://domfestspiele-gandersheim.de/

 
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Verfasst von - 13. Juli 2017 in Event

 

Wollt´s frech werden oder was?

Ich kämpfe ich immer noch mit den Kollateralschäden der ausgefallenen Urlaubsreise.

Heuer, wwÖs*, mit einem Hotel in Berwang, nahe der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Dort wollte ich auf der Rückfahrt der Dreieinhalbwochenreise übernachten. Als klar war, dass die Reise nichts wird, habe ich die Buchung storniert – und das Hotel gebeten, auf vereinbarte Stornierungsgebühren zu verzichten.

Nicht mißverstehen, bei kurzfristigen Absagen gönne ich Beherbergungsstätten die Stornogebühren. Aber meine war keine kurzfristige Absage, sondern mit drei Wochen Vorlauf, da standen die Zeichen mehr als gut, dass eine Neuvermietung gelingen würde. Obendrein, so versicherte ich, würde ich dann im Herbst oder im kommenden Jahr die Übernachtung nachholen, immerhin hatte ich echt Lust auf das Haus.

Hat die nicht interessiert, Mitte Juni haben sie Stornogebühren von meiner Kreditkarte abgebucht. Das ihr gutes Recht, leicht doof fand ich das trotzdem. Statt mir einen Gefallen zu tun und mich dafür als glücklichen Gast in der Zukunft begrüßen zu können, wollten die lieber das schnelle Geld mitnehmen. Übrigens als einzige von 11(!) gebuchten Herbergen. Etliche der anderen hätten Stornogebühren erheben können oder müssen, stattdessen schickten die liebe Grüße und überwiesen sogar Anzahlungen zurück. So geht es also auch.

Egal.

Die Stornokosten übernimmt die Versicherung meines Unfallgegners, aber dafür brauche ich eine Rechnung. Als zwei Wochen nach der Abbuchung noch keine Rechnung da war, mailte ich das Hotel „Bergluft“ mal an, und damit nahm das Drama seinen Lauf.

Ich:
„Liebes Team vom Bergluft,
wie am 03.06. mitgeteilt kann ich kann leider meine Übernachtung vom 24. auf den 25. nicht antreten, da ich auf dem Weg zu Ihnen einen Unfall hatte und deshalb stornieren musste. Gerne wäre ich später bei gleich zwei Gelegenheiten Ihr Gast gewesen, aber leider war wohl die Erhebung von Stornogebühren unumgänglich – und selbstverständlich auch Ihr gutes Recht.

Damit ich von der gegnerischen Versicherung die Gebühren ersetzt bekomme, benötige ich bitte eine Rechnung über die am 12.06. von meinem Kreditkartenkonto 4998********1234 abgebuchten Stornogebühren. Bitte lassen Sie mir die Rechnung als PDF per Mail an die Adresse silencer137@me.com zukommen. Vielen Dank.

Viele Grüße
Herr Silencer“

Die Antwort kam praktisch sofort:

„Sehr geehrter Herr Silencer,
das Zimmer hat man von einem Dreibettzimmer zum Doppelzimmer geändert.

Schöne Grüße aus Berwang
Horst Holzbaur“

Das stürzte mich erstmal in tiefe Verwirrung, weil ich kein Dreibettzimmer bestellt hatte. Ich versuchte es nochmal:


„Sehr geehrter Herr Holzbaur,

mit dieser Information kann ich nichts anfangen, weil ich nicht weiß was Sie meinen.
Nochmal mein Anliegen: Ich hatte für den 24. auf den 25.06. ein Einzelzimmer gebucht (über Booking.com, Buchungsnummer 20466012345)

Am 03.06. habe ich die Übernachtung storniert. Sie haben meiner Bitte nach Erlass der Stornogebühren nicht entsprochen (was, wie gesagt, ihr gutes Recht ist) und 38,00 Euro Stornierungsgebühr über meine Kreditkarte gebucht. Ich benötige über diese 38 Euro eine Rechnung.

Viele Grüße
Herr Silencer“

Die Antwort ließ eine Woche auf sich warten, dann kam ein Einzeiler, grußlos:

„Weil man Ihnen eine Person kostenfrei storniert hat, möchten Sie trotzdem eine Rechnung?“

Äh. Wassen das? Der Typ verwechselt mich offenbar, liest meine Mails nur zur Hälfte und schickt dann noch das Äquivalent zu „wollt´s frech werden oder was?“??

Ich versuchte es nochmal:

„Sehr geehrter Herr Holzbaur,

die Stornierung war leider nicht kostenfrei. Am 12.06. wurden von meiner Kreditkarte 38 Euro abgebucht. Hier ein Auszug der Kreditkartenrechnung:
Über diese 38 Euro brauche ich die Rechnung.


Viele Grüße
Herr Silencer“

Funkstille. Keine Antwort.
Seltsam. Das Hotel hat Spitzenbewertungen, insbesondere was die Freundlichkeit der Hoteliersfamilie angeht. Was ist denn da bloß los?

Da das Mail-Fu von Herrn Holzbaur so schwach war, beschloss ich anzurufen.

Freitag war von morgens bis Abends besetzt.
Sonntags war nur der Anrufbeantworter dran.
Montag klingelte es endlos, ohne das einer ranging.
Jeden Tag probierte ich es ca. ein Dutzend mal.
Dienstag knackte es in der Leitung, dann klingelte es. Und plötzlich ging jemand ran!

„Joa?“
Ich: „Herr Holzbaur?“
„Joa.“
Ich (mit meiner freundlichsten und harmlosesten Stimme: „Herr Silencer hier. Wir hatten schon Mailkontakt.“
„Joa!“
„Herr Holzbaur, ich brauche eine Rechnung über die Stornierungssgebühren von Ihnen. Ich mache das nicht um Sie zu ärgern, ich brauche das für einen Versicherungsfall“.
„Joa mei, mir ham do´das Dreibettzimma kostenfrei umgebucht in ein Zweibettzimma un´der Rest steht do auf der Rechnung pfürdi anneren Übernachtungen die wo wir ihnen mitgemma hab!“
„Herr Holzbaur, Sie verwechseln da was. Ich hatte nie ein Dreibettzimmer, die Buchung war ein Einzelzimmer. Und es waren auch keine anderen Leute da. Und die Stornierung war eben NICHT kostenfrei. Können Sie das bitte prüfen?“
„Joa.“

Stille.

„Können Sie das JETZT prüfen?“
„Na! Wie stellen´s sich das denn vor? I bin über hundert Kilometer vom Computer weg!“
„Können Sie das prüfen wenn Sie wieder zu Hause sind?“
„Grmbl.“
„Schreiben Sie mir dann eine Mail?“
„Passt scho.“
„Ok, dann freue ich mich auf ihre Mail.“

Dann passierte drei Tage… nichts.

Heute morgen nun kam eine Mail.
Daran ein Foto.
Ein auf dem Kopf stehendes Foto.

Darauf zu sehen: Ein Rechnungsausdruck. Ausgestellt auf „Familie Encer Sil“ und ein Dreibettzimmer für eine Übernachtung an einem ganz anderen Datum. Berechnet wurden 38 Euro für eine Übernachtung und „1 leckeres Frühstück mit Ei“. In der letzten Zeile erfolgt dann eine Gutschrift über den gleichen Betrag und der Vermerk „Rechnungsumme (SIC!) Null“.

Vollkommen unnütz, aber immerhin: Er hat sich bemüht.

Übernachten werde ich im „Hotel Bergbluft“ nun natürlich niemals, nach den Erlebnissen. Aber wenn ich mal in der Gegend bin, fahre ich da vorbei und gucke ich mir den Herrn Holzbaur mal an. Vielleicht verstehe ich ja dann, was genau da schief läuft.

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* wie wir Österreicher sagen

 
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Verfasst von - 5. Juli 2017 in Reisen

 

Bastelstunde

Die Reparatur der V-Strom zieht sich dahin. Ein ganzer Monat ist schon vergangen, seitdem ein Autofahrer die Stabilität der Suzuki getestet hat. Während die Motorradsaison langsam verstreicht, steht die Maschine doof in der Werkstatt rum. Zuerst gab es keine Freigabe von der gegnerischen Versicherung, schlicht weil der Unfallgegner den Unfall nicht gemeldet hat.

Mittlerweile danke ich jeden Tag der Tatsache, dass ich nicht meinem Vertrauen in die Menschheit nachgegeben habe, sondern darauf bestanden habe, dass der Unfall von der Polizei aufgenommen wird. Das machte das Ganze jetzt zumindest etwas einfacher, und nachdem die gegnerische Versicherung sowohl von meiner Werkstatt als auch meiner Anwältin Druck bekommen hat, liegt seit vergangener Woche zumindest die Reparaturfreigabe vor. Jetzt heißt es warten auf Ersatzteile, was nochmal zwei oder mehr Wochen dauern kann.

Mila, die Werkstatmechanikerin. Im Warten auf Ersatzteile ist sie sehr gut.

Die Zwischenzeit habe ich mir mit Basteleien vertrieben. Dank der weltbesten Vermieter kann ich jetzt eine Garage direkt unter dem Haus nutzen. Die wollte erstmal aufgeräumt werden, aber nun habe ich einen Platz wo ich ganz in Ruhe, ungestört und vor allem geschützt vor Wind und Wetter an Sachen rumbauen kann.

Ein akutes Projekt gab es nicht, also habe ich mich mal um die Beleuchtung der Renaissance gekümmert. Die Birnen der Blinker sind altersschwach und mussten eh mal getaucht werden, damit man sie noch ordentlich sieht. Am Liebsten hätte ich auf LED umgerüstet, aber solche Leuchtmittel sind in der EU nicht erlaubt.

Irgendwann im vergangenen Jahr hatte mich die fixe Idee ereilt, dass weiße Blinkergläser doch ganz witzig wären, weil man dann in der silbernen Verkleidung die Blinker kaum sehen würde. Dann fiel mir auf, dass zum schwarzen Windschild und dem schwarzen Motorschutz vielleicht schwarze Blinkergläser besser wären. Damit legte ich den Gedanken auch wieder beiseite, denn farbige Blinker – das ist prollig und unnütz, warum dafür teuer Geld ausgeben.

Dann begab es sich aber, dass ein ZZR-Fahrer einen Unfall hatte. Motorradfahrer sind heute nach Marke und Modell in Internetforen organisiert. Dort tauscht man sich aus, über Technik und Touren, Tips und Tricks und auch über Glück und Pech.

Der andere Fahrer hatte das Glück, dass ihm nichts passiert war. Aber auch das Pech, dass seine ZZR komplett hinüber war. Lediglich Blinker und Rücklicht, alles in schwarz, waren noch intakt, und über das Forum bot er sie sehr günstig an.

Ich kaufte die Teile auf und packte sie erstmal ins Regal, denn zum einen hatte die ZZR im vergangenen Sommer ganz andere Probleme, zum anderen muss man für den Anbau das ganze Heck auseinanderbauen. Das bedeutet im Fall der Renaissance: Das komplette Gepäcksystem, bis runter zu den Auspuffhalterungen, muss demontiert werden. Bislang fehlte mir dazu die Motivation. Aber da jetzt eh gerade schlechtes Wetter war, die Garage zum Basteln einlud und ich eh nichts besseres zu tun hatte, legte ich dann doch mal los.

Erstmal Gepäcksystem und Verkleidungen runter, bis die ZZR ganz nackt ist. Die Seitenverkleidungen sind ein wenig tricky, neben 4 Schrauben ist die Verkleidung vorne, am Tank, in eine Öse eingeknöpft und über dem Kennzeichen in eine Lasche eingeschoben. Mann muss sie also vorne anziehen und dann nach hinten rausschieben. Wusste ich nicht, als ich an der Autobahn stand und das erste mal da ran musste. Prompt hattee ich die hintere Halterung abgebrochen.

Einknöpfung vorne

Haltelasche hinten.

Dann die hinteren Blinker aus den Verschraubungen lösen und die neuen einsetzen.

Der Trick bei diesen Blinkern ist in der Tat, dass das Glas getönt und die Birne farbig ist. Das Glas ist so speziell, dass es das Licht der Birne problemlos durchlässt. Zugelassene Blinker tragen das „E“-Zeichen, und das nicht ohne Grund. In Foren sind immer wieder Komiker unterwegs die irre stolz drauf sind, dass sie ihre Blinkergläser selbst angemalt oder lasiert haben. Das ist nicht nur verboten, sondern auch dumm. Durch bemalte Blinker kommt weniger Licht, und im Falle eines Unfalls kann sich die Versicherung weigern zu zahlen.

Das Rücklicht ist mit drei Schrauben befestigt und lässt sich problemlos tauschen.

Dann kann alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut werden. Das Resultat gefällt mir ganz gut:

Die Blinker vorne sind in der Theorie einfacher zu tauschen, weil man nur eine Schraube lösen und dann Birne und Glas wechseln kann. In der Praxis ist es so leicht dann doch nicht, weil die schwarzen Gläser von Lights4All eine schlecht ausgeformte Halterung haben, die nur so lala oder gar nicht hält. Hier muss man ein wenig nachfeilen, dann hält das irgendwann auch.

Vorher.

Nachher.

So, fertig. Schöner Zeitvertrieb für einen verregneten Nachmittag. Ist das jetzt prollig? Vielleicht ein Bißchen, zumindest empfinde ich diese Art der Verschlimmschönerung von Moppeds so. Aber egal. Zum einen ist das noch MEILENWEIT entfernt von, sagen wir mal, giftgrün aufgedonnerten Kawasakis mit Schlangenlederoptik und Monster-Aufklebern, zum anderen gefällt es mir. Und nur darauf kommt es an.

 
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Verfasst von - 2. Juli 2017 in Motorrad

 

Momentaufnahme: Juni 2017

Herr Silencer im Juni 2017
„…“

Wetter: Das ist der erste Juni seit 5 Jahren den ich in Deutschland verbringe, und ich muss sagen: Hier ist er auch ganz nett. Nur ein wenig inkonsistent, was die Temperatur angeht. Es ist warm und sonnig bei Temperaturen zwischen 13 und über 30 Grad. An den Urlaubsorten, an denen ich gewesen wäre, herrschte dagegen das beste Wetter seit 5 Jahren. o_O

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Lesen:

Immer noch „American Gods“

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Hören:

Gamespodcast
Klassische Printmagazine zu Gamingthemen sterben seit 15 Jahren einen langsamen Tod, Webseiten ergehen sich im Abschreiben von Pressemeldungen. Das ist schade, denn Gaming ist ein schönes Hobby, dem Fachjournalisten für Hintergrundberichterstattung, Einordnungen und Interpretationen gut tun.

André Peschke und Jochen Gebauer sind zwei gamejournalistische Urgesteine, die aus Jux mit einem Podcast („Auf ein Bier“) zum Thema Videospiele anfingen. Der erfreute sich rasch großer Beliebtheit, und die beiden gingen einen mutigen Schritt: Sie kündigten ihre Redakteursposten bei Gamestar und starteten das Projekt „Weltherrschaft“. Das Ziel: Einen Podcast machen, für den Leute monatlich Geld und damit Einnahmen in einer Höhe generieren, dass die beiden davon leben können. Sowas ist in der deutschen Podcastszene verpönt und wurde vor einem Jahr belächelt. Heute können Peschke und Gebauer nicht nur vom Podcast leben, sie haben sogar schon zwei weitere Mitarbeiter eingestellt.

Gamespodcast.de bietet für 5 Dollar ca. 15 Sendungen pro Monat, mit den verschiedensten Formaten. Die „Wertschätzung“ ist die klassische Rezension, „10 Jahre Klüger“ nimmt sich Themen von vor 10 Jahren vor und schaut, wie die sich entwickelt haben (mit Christian Schmidt als Co-Host!). „Anekdoten“ ist genau das, „Walkthough“ beschäftigt sich mit Hintergründen aus der Industrie. Kolumnen, Interviews und Reportagen runden das ganze ab. Da alle Beteiligten mit großem Fachwissen aufwarten und unabhängig von Verlags- und Herstellerdruck agieren können, ist der Gamespodcast vielleicht das erste wirklich komplett unabhängige und professionelle Medium über Games, was wir in Deutschland haben und damit eigentlich ein Muss für alle Gamer. Für mich sind das die am besten angelegtesten 5 Dollar der letzten Jahre.

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Sehen:

Pirates of the Caribbean: Dead Man tell no Tales [Kino]
Johnny Depp macht irgendwas und dann Piraten.

Johnny Depp fuhr in letzter Zeit veritable Flops ein: „Alice im Wunderland 2“, „Mordecai“, ein obskurer Film mit dem Namen „Yoga Hosers“ – alle an der Kinokasse untergegangen. Er braucht dringend wieder einen Kassenerfolg, und damit braucht er die Figur des Captain Jack Sparrow genauso wie sie ihn.

Leider ist „Pirates 5“ kein guter Film geworden. Zwar sind neben Johnny Depp auch wieder große Actionpieces und viel Rum dabei, der Scope ist aber leider völlig flöten gegangen. Selbst wenn Großes gezeigt wird, den Regisseuren Joachim Rønning und Espen Sandberg gelingt es nicht, daraus große Bilder zu machen. Der Film wirkt klein-klein, was weder der Serie noch Jack Sparrows Ego angemessen ist. Dazu kommt die unkohärente Story und das Desinteresse für die eigentlich interessanten Figuren, aus denen kaum was gemacht wird. Einzig der heimliche Star der gesamten Reihe, Geoffry Rush als Captain Barbossa, brilliert wieder. Von daher: Pirates 5 ist kein Totalausfall, aber leider auch nicht gut.

The Mummy (2017) [Kino]
Tom Cruise (gespielt von Tom Cruise, der Tom Cruise spielt) stirbt nicht mehr, seitdem er eine Mumie ausgebuddelt hat. Die möchte ihn gerne heiraten. Dagegen hat Dr. Jekyll etwas, der eine geheime Anti-Mumien-Organisation leitet. Mr. Hyde gefällt das.

Seitdem Marvel mit filmübergreifenden Geschichten und Figuren so einen Erfolg hat, möchte jedes Studio ein eigenes „Cinematic Universe“. Die Universal Studios haben mit viel Tamm-Tamm ein eigenes „Dark Universe“ angekündigt, in dem sich Figuren wie Van Helsing, der Werwolf, Frankenstein und andere klassische Gruselmonster tummeln sollen. Was dabei übersehen wurde: Damit Marvel so einen Erfolg haben konnte, haben die erstmal ein halbes Dutzende gute Solofilme gemacht, in dem sie Welten und Figuren aufgebaut haben. „Die Mumie“ spart sich dieses Worldbuilding, und fällt damit auf die Nase. Der Film ist auf allen Ebenen einfach erschreckend schwach. Die Handlung ist Banane, die Bilder auf TV-Serienniveau und ein, in einem Keller herummoppernder, Russel Crowe bleibt auch nicht im Gedächtnis. Lediglich Sofia Boutella als Wüstenprinzessin liefert wieder mal eine tolle Performance ab, hat aber so wenig Screentime, dass sie den Film nicht tragen kann. Das müsste Tom Cruise machen, aber da kommt wieder nur Tom Cruise bei raus. Umbeantwortet bleibt auch in diesem Film wieder: Wieso altert Tom Cruise im echten Leben eigentlich nicht?

Wonder Woman [Kino]
Irgendwo, versteckt vor der Welt, liegt die Insel der Amazonen. Dort wächst die junge Diana auf, wird in der Kampfkunst ausgebildet und lernt die Geschichten des Weibsvolks. Eines Tage fällt ihr ein Mann vor die Füße. Der ist Pilot im ersten Weltkrieg. Diana zieht hinaus in die Welt, um diesen Krieg eigenhändig zu stoppen.

So naiv wie die Story klingt ist der Film zum Glück nicht. Nicht gerade einfach, denn immerhin ist die zugrundeliegende Comicfigur, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, eine Amazone mit einem Schwert und einem leuchtenden Lasso, die Shorts in Farben der amerikanischen Flagge und einen Metall-BH trägt, während sie mit ihren Armreifen Pistolenkugeln abwehrt. Damit spielt die Figur der „Wonder Woman“ in einer Peinlichkeitsliga wie „Superman“ und anderen Figuren aus den 1940er Jahren.

Umso erstaunlicher ist es, dass Regisseurin Pattey Jenkins und Hauptdarstellerin Gal Gadot hier Figuren und Geschichte liefern, in der der „Suspension of Disbelief“ funktioniert. Die Welt, die der Film erschafft, ist in sich glaubhaft und die Figuren sind sich nicht, wie in den anderen DC-Filmen, komplette Arschgeigen („Man of Steel“), erratische Weicheier („Batman v. Superman“) oder komplett egal („Suicide Squad“). Nein, „Wonder Woman“ berührt und bewegt und fasziniert mit tollen Charakteren vor einer unverbrauchten Kulisse. Vorwerfen kann man ihm allerdings die schwachen Bilder, deren potentielle Wucht immer wieder durch Fixierung auf Gal Gadots stets makelloses Gesicht stark gedämpft wird – man stelle sich in dem Zusammenhang „Im Westen nichts Neues“ vor, der komplett durch eine Selfiecam von einem Model gefilmt wird. Unschön zudem das unmutige Ende – WW hätte eine für Comicfilme bislang ungekannte philosophische Tiefe erreichen können, vergurkt es aber auf die letzten Meter zugunsten eines trivialen Bosskampfes.

Der Film ist also bei Weitem nicht so gut, wie ihn die Kritiker gerade hochjazzen. Daraus spricht vielleicht auch die Erleichterung, dass es DC gelungen ist, wenigstens EINEN Film zu machen, der nicht kompletter Müll ist. Immerhin ist er gut genug um zu unterhalten, man freut sich ja schon über Kleinigkeiten.

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Spielen:

Mass Effect: Andromeda [PS4]
Andromeda zum Dritten. Drei Monate habe ich gebraucht, um mich durch dieses Machwerk zu quälen. Am Ende wollte ich nur noch, dass es vorbei ist. Die Mischung an Unsinn, die das Spiel auffährt, ist wirklich schwer erträglich. Bis auf den Kroganer Drack sind alle Charaktere nervig und schlecht geschrieben, die Hauptstory versandet auf halbem Weg und kommt dann nicht mehr in den Quark, und die Nebenmissionen sind dumme Schnitzeljagden. Da wundert es nicht, dass das Ende eine Frechheit ist: Ein Zwischenbossgegner wird recycelt. Hat man den besiegt, läuft der Abspann. WTF? Die 53 investierten Stunden Lebenszeit bekomme ich nie wieder.

What Remains of Edith Finch? [PS4]
Die 17jährige Edith Finch kehrt in ihr Elternhaus zurück. Das große Anwesen liegt verlassen am Rand der Küste, seit dem Ereignis vor einigen Jahren. Aber was genau ist da passiert? Und was hat es mit dem Fluch der Finches auf sich, der ein Familienmitglied nach dem anderen getötet hat?

„What Remains…“ ist eine gerade mal 4 Stunden dauernde, schwer zu beschreibende Erfahrung. Formal ist es ein Walking Simulator, denn mit Edith geht man von Raum zu Raum in diesem Haus, dass viele besondere Räume beinhaltet. Dort erzählt Edith die Geschichte der ehemaligen Bewohner, und in die sind motorisch und visuell packende Minispiele eingearbeitet. Die sind nicht schwer, nur irre interessant.

Wenn sich in einer Geschichte ein Fließbandarbeiter in immer komplexer werdende Traumwelten flüchtet, dann ist das eine visuelle Pracht, die der Spieler direkt miterlebt: Mit einer Hand muss er Fließbandarbeit verrichten, mit der anderen eine Spielfigur in einer Fantasygeschichte steuern. Dabei sind die verhandelten Themen nicht ohne. Es geht um Erfahrungen wie Angst und Tod, und dabei wird auch vor heftigen Episoden, wie dem Verlust eines Kindes, nicht zurückgeschreckt. Das ist aber nie gruselig inszeniert, sondern als bereichernde Erfahrung. Am Ende entlässt einen das Spiel mit einem Gefühl, dass hier gerade das Leben sehr abgefeiert wurde – und dann muss man als Spieler für sich entscheiden: Was hat es denn nun auf sich, mit diesem Fluch? Und was bleibt von Edith Finch? Der Downloadtitel kostet auf XBOX, PS4 und PC 20 Euro. Das scheint viel, für netto 4 Stunden Spiel – aber die Spielerfahrung ist es wert, denn die beschäftigt einen noch Tage später.

Assassins Creed II [PS4 Remaster]
Italien, 1476. In Florenz wehren sich die Medici gegen die Pazzi-Verschwörung, in Rom will Rodrigo Borgia Papst werden, in Venedig träumt Leonardo da Vinci neue Stufen von Kunst und Wissenschaft herbei und in Forlì führt Catharina Sforza ein hartes Regiment. Mittendrin: Der junge Ezio Auditore. Der hat anfangs nur Weibergeschichten und Party im Kopf. Das ändert sich, als durch eine Intrige seine Familie ermordet wird. Ezio schwört Rache, stellt sich bei deren Umsetzung aber denkbar ungeschickt an. Zum Glück gibt es da Menschen, die ihn anleiten. Fast 30 Jahre kreuzt sich Ezios Geschichte mit denen der prominenten Figuren der Renaissance. Am Ende steht die Erkenntnis: Es gibt keine einfachen Wahrheiten.

Ach, spielerisch und vom Storytelling ist ACII immer noch eine Offenbarung. Die Orte sind wunderschön gestaltet, die erzählte Geschichte ist faszinierend und perfekt mit dem SciFi-Überbau und einer Story in der Gegenwart verwoben, Open World-Krempel ist sämtlichst optional und, bis auf der erklettern der Türme, keine Pflicht. Das perfekte Assassins Creed!

Der Remaster aus der „Ezio Collection“ für die aktuellen Konsolen ist leider weit weniger perfekt. Zwar wurde die Sichtweite erhöht, die Auflösung angepasst und für Gebäude und Kleidung höher aufgelöste Texturen verwendet, aber leider nichts an den Gesichtern gemacht. Die sehen, besonders bei den Nebenfiguren, gruselig aus. Spielt aber kaum eine Rolle: Wer nur ein einziges AC spielen will, sollte das hier nehmen.

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Machen:
Trauern. Eine Garage einrichten. Auf die Reparatur der V-Strom warten.

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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. Juni 2017 in Momentaufnahme

 

Heutiger Desktop: Logitech verteilt Malware

Es gehört schon einiges dazu, in die Rechner der eigenen, zahlenden Kunden einzubrechen. Logitech besitzt diese Unverschämtheit und schmuggelt durch ein Update seiner aufgeblähten Treiber allen Ernstes eine Kundenumfrage auf meinen PC. Aber dann greift die Firmenphilosophie: Auf die letzten Meter wird nochmal herzhaft verkackt. Das hier ist ein Screenshot vom Desktop:

Einbruch gelungen, Kundenumfrage nutzlos.

Meine Meinung gibt´s hier kostenlos: Ey Logitech, ich bin NICHT zufrieden damit, dass ihr Malware über irgendwelche Hintertürchen und mit eurem Updater auf mein System packt. Werbeumfragen gehören für mich nämlich schon in die Kategorie, und wenn Euer Updater mal wer hijacked, dann ist es ganz vorbei.

 
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Verfasst von - 29. Juni 2017 in Berufsleben

 

Reflexion auf Steroiden: Passivlichtsystem

Eine Joggerin, mitten in der Nacht, auf der unbeleuchteten Waldstraße. Zum Glück hat sie reflektierende Nähte an ihrer Laufhose, die sehe ich aus 300 Metern Entfernung. Als ich sie mit dem Auto überhole, plötzlich der Schreck: Da ist noch eine Läuferin! Ganz in schwarz, praktisch unsichtbar. Zum Glück läuft das Leuchtwunder außen, trotzdem habe ich einen mittleren Herzkasper.

Sichtbarkeit ist im Straßenverkehr ist ein extrem wichtiges Thema. Es gibt keine andere Möglichkeit, mit so wenig Mitteleinsatz die eigene und die Sicherheit von anderen so deutlich zu erhöhen. Reflektierende Elemente und Signalfarben an Kleidung und Fahrzeug kosten quasi nichts, erhöhen aber die Sichtbarkeit signifikant.

Auch als Motorradfahrer kann man so einiges tun, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Was sinnvoll ist, ich persönlich aber nicht trage, sind diese neongelben Warnwesten. Meine (schwarze) Textilkombi hat rundherum reflektierende Besätze, aber in so eine grellfarbene Weste bekommt mich keiner rein.

Was ich dagegen super finde ist mikroprismatisches Markierband. Das ist ein selbsttklebendes, reflektierendes Geweband. Wer bei dem Stichwort an die die Reflektoraufkleber denkt, die wir in den 80ern an Schulranzen hatten oder an Reflektoren, wie man sie von Fahrrädern kennt, der ist auf dem Holzweg. Mit diesen Funzeldingern hat mikroprismatisches Band nichts gemein. Zum einen ist es technisch anders aufgebaut, zum anderen reflektiert es um ein vielfaches stärker. Normale Reflektoren wirken gegen die Leuchtkraft von Mikroprismen wie Kerzen, die mit einem Flutlichtscheinwerfer verglichen werden. Das Zeug ist Reflexion auf Steroiden.

Mikroprismatisches Band reflektiert Licht in mehreren Ebenen und aus unterschiedlichsten Winkeln, wie ein Prisma eben. Die reflektierenden Flächen sind, anders als bei normalen Reflektoren, fast spiegelnd und daher viel heller. Selbst schwaches Streulicht wird von diesem Band eingefangen und so zurückgeworfen, das es wirkt, als wäre es selbst eine Lichtquelle. Diese Art von Band wird zur Markierung von LKW-Silhouetten gedacht, kommt aber nicht bei flächendeckend zum Einsatz. Was vermutlich an den Kosten liegt. Das Kram ist teuer. Auf Ebay kostet der laufende Meter zwischen 6 und 10 Euro, das ist mal nicht ohne.

Ich habe dieses Band vor Jahren entdeckt, als ich mich über meine GIVI-Koffer geärgert habe. Der italienische Hersteller geht normalerweise immer die Extrameile bei seinen Produkten, aber bei den Koffern hatte man statt echter Reflektoren nur silberfarbene Aufkleber verwendet. Sollen sowas? Diese Fake-Reflektoren sind auch an den neuen Koffern dran, die ich neulich erst erstanden habe:

Da reflektiert genau gar nichts. Das geht deutlich besser, also Scotch 3M Diamondgrade Konturmarkierung nach ECE 104 bestellt.

Das Band ist schwer zu verarbeiten. Gemacht ist es halt, um auf LKW-Planen und Aufbauten zu kleben, also auf einem flexiblen, Wind- und Wetter ausgesetzten Untergrund. Dementsprechend stark ist die Klebeseite. Als ich vor 4 Jahren zum ersten Mal mit dem Band arbeitete, habe ich eine Schere verwendet. Die musste alle 20 Zentimeter mit Aceton gereinigt werden, so dermaßen klebt das. Dieses Mal war ich schlauer und hatte vorab ein Skalpell und ein Metalllineal besorgt.

Mit diesem Werkzeug heißt es dann: Messen, anzeichnen, schneiden. Messen, anzeichnen, schneiden. Immer und immer wieder.

Das Band ist 55 Milimeter breit. Die äußeren Ränder sind für mich auf einer Breite von 1mm nicht zu gebrauchen, vom Mittelteil brauche ich Streifen zu 23mm Für den kleinen Koffer und 35mm für den großen. Jede Kofferbeklebung besteht aus 7 Teilen, die Milimetergenau passen müssen. Ich habe nicht auf die Uhr gesehen, aber allein diese Mess- und Schneidarbeiten werden so um die 8 Stunden gedauert haben.

Ergebnis Zwischenstand.

Die Reflektoren-Fakes habe ich auf den Koffern gelassen, die bekommt man nicht ab. Ich habe allerdings Lufteinschlüssen und Falten aus denen rausgeschnitten.

Dann wird alles gründlich mit Alkohol gereinigt.

Danach kommt die Fummelarbeit. Das Aufkleben des Bandes muss absolut präzise passieren, und weil der Klebstoff so stark ist, lässt es sich von Sekunde 1 an nicht mehr korrigieren. Versucht man es doch, bricht das Band. Ist mir mehr als einmal passiert, zum Glück war der Verschnitt eingeplant.

Auch die schmalen Zierstreifen an den Seiten der Koffer werden entfernt und durch Reflexband ersetzt.

Nach insgesamt ca. 10 Stunden und lauten Fluchorgien ist alles fertig beklebt, allerdings sehen die Stoßkanten unschön aus.

Um die zu kaschieren und das Ganze etwas edler zu machen, wird scharzes Ducttape auf einen Reststreifen Markierband geklebt.

Daraus werden schmale Streifen geschnitten…

…die dann auf die Übergänge gesetzt werden:

Fertig! Die nach hinten gerichteten Flächen sind rot, die vorderen und die Zierstreifen an den Seiten sind weiß.

So, und was bringt das Ganze nun? Wie eingangs beschrieben: Das mikroprismatische Band fängt selbst schwächstes Streulicht ein und wirft das so zurück, als würde es selbst von innen leuchten. Meine so veredelten Koffer haben also quasi ein Passivlichtsystem. Auf Fotos lässt sich das nur sehr schwer einfangen, aber hier der Versuch mit dem Unterschied vorher/nachher. Ist ein wenig plakativ, weil halt doch ein Blitz verwendet wurde, aber auch der macht die Wirkung deutlich:

Vorher:

Foto mit Blitz.

Nachher:

Die Arbeit war nervig und hat keinen Spaß gemacht, aber das Ergebnis spricht für sich: Wie breit das Motorrad mit den Koffern ist, lässt sich so viel besser erkennen – und die Sichtbarkeit insgesamt wird auch deutlich erhöht.

 
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Verfasst von - 23. Juni 2017 in Motorrad

 

Zweite Version

„Wie kommt es denn, das ihr Kennzeichen so kaputt ist?“, fragt die Frau auf der anderen Seite der Scheibe. Die Scheibe ist albern, das wirkt so, als müsste man die Bedienstete der KFZ-Zulassungstelle hinter Glas halten. Dabei ist das bei der netten Frau bestimmt nicht nötig. Sie ist Anfang dreißig, ein wenig korpulent und trägt ein Sommerkleid mit Blumendruck und eine Pagenfrisur, die sie ein wenig mädchenhaft scheinen lässt. Das passt alles zu ihrem strahlenden Lächeln und ihren freundlichen Augen.

Ich winke ab. „Ist ne lange Geschichte“, sage ich. Sie lacht und fragt „Wollen Sie wissen, was meinem Sohn passiert ist?“. „Klar“, sage ich.

„Der kam letzten Freitag jubelnd nach Hause, der hatte seinen Führerschein für die 125 bestanden. Das Mopped stand schon seit einem halben Jahr bei uns zu Hause. Jetzt durfte er es offiziell fahren“.

Sie nimmt Plaketten von einem Stapel und dreht die so, dass sie die richtige Position haben, dann zieht sie die Schutzfolien ab. „Zwei Stunden hat die Freude gehalten. In einer Kurve lag wohl Dreck oder sowas, darauf ist er weggerutscht, Motorrad Totalschaden.“ Sie klebt die Plaketten auf, dann nimmt sie einen Spachtel. „Ihm ist zum Glück nichts passiert. Wir sind dann auch noch zur Werkstatt gefahren, weil wir nicht gesehen hatten, dass die Gabel vorne gebrochen war. Ist nichtmehr zu reparieren, und 125er sind richtig teuer.“

„Das tut mir leid“, sage ich. Sie nickt und kratzt mit dem Spachtel auf dem Siegel am alten Schild herum. Ich sage: „Aber wenn es sie tröstet: JEDER Motorradanfänger baut im Übermut einen Abflug oder einen Unfall, früher oder später. Und ALLE benutzen die die Ausrede „da lag Dreck/Rollsplit/Kuhscheiße“, oder die Straße war naß oder sonstwas war Schuld. Dabei war es ein derber Fahrfehler, meistens im Übermut zu doll am Hahn gerissen. Ihr Sohn hat diese Lektion jetzt sehr schnell hinter sich gebracht, aber wenigstens ist er OK. Zukünftig wird er vorsichtiger sein.“

„Echt? Jeder Anfänger?“, fragt sie und reicht mir die Schilder durch das Ausgabefenster. Ich nehme das alte und das neue Kennzeichen der V-Strom entgegen und sage „Ja, jeder. Der erste Unfall ist unvermeidlich, die Frage ist nur, wie er ausgeht.“

„So habe ich das noch gar nicht gesehen“, sagt sie und wünscht mir noch einen guten Tag.

In Göttingen ist die KFZ-Zulassung echt gut. Auch ohne Termin und inklusive Wartezeit hat die ganze Aktion „Ersatzkennzeichen“ nur 15 Minuten und 4,10 Euro an Verwaltungegbühren gekostet. Plus 10 Euro für das Blech, aber nun. Wollen wir mal hoffen, dass Version 2.0 des Kennzeichens länger hält als drei Monate.

Version 1.0:

Version 1.1:

Version 2.0:

 
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Verfasst von - 22. Juni 2017 in Motorrad

 

Garmin Zumo 590: Akkuprobleme beheben – und warum überhaupt noch ein echtes Navi?

Motorradnavigation ist ein Thema für sich. Navigationsgeräte für Moppeds sind auch im Jahr 2017 groß, schwer, langsam und teuer. Nur mal als Beispiel: Mein Garmin Zumo 590 wiegt 400 Gramm, kostet 700 Euro und braucht für die Berechnung einer Route von hier bis Italien über Österreich ohne Mautgebühren und Vignette satte 8 Minuten.

In Zeiten von Google Maps fragt man sich da „WTF???“ und kommt natürlich sofort auf den Gedanken: Wäre es nicht viel effizienter, einfach das Smartphone ans Zweirad zu klemmen? Wasserdichte Halterung, USB-Anschluss, fertig ist die Laube?

Leider ist es nicht so einfach. Die Lösung mit dem Smartphone am Lenker funktioniert genau so lange gut, wie man bei norddeutschen Temperaturen mit einem kleinen Android-Handy und nicht allzu lange unterwegs ist. Denn so verlockend die Navigation mit dem Handy auch ist: Dafür ist es nicht gemacht, und das merkt man.

Zunächst: Das Handy muss wasser- und staubdicht eingepackt werden, in eine wasserfeste Tasche, eine Halterung oder das transparente Fach eines Tankrucksacks. Darin bekommt es aber keine Luft, und wenn die Sonne drauf scheint wird das Handy schnell zu heiß. Meint: Die innere Temperatur bewegt sich in Regionen, in denen sich bessere Geräte abschalten und nicht ganz so tolle schlicht schmelzen. Kein Witz.

Kälte tut den Dingern aber auch nicht gut: Iphones bis zum 6s gehen auch gerne mal aus, wenn ihnen nur ein Bißchen zu kühl ist, und das kann im Regen und bei Fahrtwind schnell passieren.

Auch die Stromversorgung ist ein Problem. GPS verbraucht viel Strom, nur auf Batterie kommt man nicht weit. Kleine Android-Geräte lassen sich gerade noch über eine Bordsteckdose mit Strom versorgen, aber schon ein normales iPhone zieht mehr Saft als die Steckdose der meisten Moppeds liefert und lädt deshalb nicht.

Schließlich ist die Bedienung umständlich: Man kann Handys in wasserdichten Hüllen meist nicht oder nur umständlich bedienen. Und zum Schluss: Was die stetigen und oft heftigen Vibrationen mit den Telefonen machen, will ich lieber gar nicht wissen.

Also: Für kurze Strecken bei gemäßigtem Wetter kann man schon mal auf ein Smartphone als Navi zurückgreifen, für echte Reisen taugt das aber nicht. Alles Gründe, die für ein dediziertes Navigationsgerät sprechen – und gleichzeitig erklären, warum die Dinger groß und schwer sind: Sie sind wasserdicht, halten Vibrationen, Hitze und Kälte aus und lassen sich auch mit Handschuhen bedienen. Normalerweise.

Hersteller TomTom hat es tatsächlich geschafft, Motorradnavigation seiner 4er-Serie mit einem kapazitiven Touchscreen zu kreuzen, wie er in Handys verbaut ist. Das hört sich erstmal gut an, aber das Ergebnis ist ein Navi für Schönwetterfahrer. Die fizzeligen Iconslassen sich schlecht treffen und Wischgesten sind mit Handschuhen auch unpräzise zu machen. Viel schlimmer aber: Wenn Regentropfen über das Display rollen, lösen die es aus!

Das waren für mich die auschlaggebenden Gründe um vor zwei Jahren zu Garmin zu wechseln, zumal deren ZUMO-Reihe auch als Bordrechner dient und sich Kameras und Reifendruckkontrollsystem anschließen lassen, ein Tank- und Servicebuch drin ist und das Ding so ganz nebenbei noch als Hub und Medienzentrale zwischen Smartphone und Helm funktioniert.

Mein ZUMO 590 hatte allerdings von Anfang an das Problem, dass der Akku kaum 30 Minuten durchhielt. Nun ist das 590 explizit auf den Anschluss ans Bordnetz ausgelegt, aber dafür, dass Garmin eine Akkulaufzeit von 4 Stunden versprach, war das doch ein Bißchen wenig.

Jetzt, zwei Jahre nach dem Kauf, funktionierte der Akku praktisch gar nicht mehr. Ein neuer kostet um die 50 Euro, weshalb ich die Anschaffung vor mir hergeschoben habe. Nun bin ich durch Zufall im V-Strom-Forum über eine wichtige Info gestolpert: Die Akkus der Generation 2015 waren angeblich OK, nur die Stecker waren fehlerhaft. Die fehlerhaften 2015er Akkus sind übrigens weiß (s. Bild) und aus Korea. Später kamen die ZUMO-Akkus aus Japan, die sind grau und haben das Problem nicht.

Mangelnder Kontakt führt dazu, dass das Navi die Kapzität des Akkus verkehrt berechnet und ihn nicht nutzt. Das lässt sich aber leicht beheben, einfach in dem mann die Steckkontakte nachbiegt.

1. Navi öffnen: Einfach den D-Ring auf der Rückseite drehen und den Deckel abheben.

2. Den Stecker hier zusammendrücken und nach oben abziehen.

3. Mit einem sehr kleinen Schraubendreher oder einer Nadel die Kontakte des Steckers vorsichtig von oben nachbiegen:

4. Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge.

Mein Akku hält nun mehrere Stunden durch, was er vorher noch nie geschafft hat. Einen Versuch ist es also allemal wert!

Übrigens: Wenn man das Batterieicon in der Statusleist am oberen Bildschrimrand drei Sekunden lang drückt, bekommt man Diagnoseanzeigen. Unter anderem zum Batteriestatus:

oder auch einen psychedlischen Screentest:

und wenn man auf das Empfangsbalkenicon drei Sekunden drückt, bekommt man GPS-Ortungsdaten angezeigt.

Aber das nur als Skurrilität am Rande. Wichtig ist: Besitzer eines ZUMO 590 LM mit Akkuproblemen sollten den Trick mit dem Nachbiegen der Steckerkontakte probieren!

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Mit Dank an AlterSchwede aus dem V-Stromforum, der auf ein niederländisches Youtube-Video zum Thema aufmerksam gemacht hat.

 
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Verfasst von - 21. Juni 2017 in Motorrad

 

Ich packe meine Koffer….

Die Überschrift ist irreführend. Ich packe meine Koffer leider nicht, zumindest nicht im Moment. Zwar bringt mich das Fernweh gerade um, und in der Freizeit dreht sich jeder zweite Gedanke um „wo wäre ich jetzt gerade, wenn nicht…“ aber die Sucht nach Orten in der Ferne muss gerade noch ein wenig zurückstehen. Jetzt ist nicht die Zeit um weg zu fahren. Zum einen sind meine bevorzugten Ziele in den kommenden Wochen schon lange ausgebucht, zum anderen beginnt die Ferienzeit, und damit ist mir zu viel los auf den Straßen.

Außerdem lässt die Reparatur der V-Strom auf sich warten, denn bis zum heutigen Tag – fast drei Wochen später – hat mein Unfallgegner seiner Versicherung den Schaden noch nicht gemeldet, und ohne kann die Werkstatt nicht anfangen. Die Versicherung hat den Typen schon versucht anzurufen und zu -schreiben, aber der rappelt sich nicht und stellt sich tot.
Was für ein Arsch.

Wenn er sich weiterhin nicht rührt, nimmt seine Versicherung übrigens an, dass meine Ansprüche berechtigt sind und holt sich dann die Polizeiakte, um den Mann final anzuzeigen. Mein Recht bekomme ich auf jeden Fall, aber sowas daaaauert. Würde ich auf die Strom angewiesen sein, ich würde mich schwarzärgern.

Gut, dass ich hier eine Bürgemeinschaft mit der besten Verkehrsanwältin der Stadt habe. Tip von der ist übrigens: Unfälle, an denen man keine Schuld trägt, NICHT der EIGENEN Versicherung melden. Denn sonst würde man prophylaktisch hochgestuft. Interessant, oder?

***

Aber es gibt Hoffnung. Im September, wenn die Ferienzeit durch ist und es wieder ruhiger wird, wollte ich eigentlich für einige Tage Sardinien angucken. Ich merke aber gerade wie sehr mir die Reise mit dem Motorrad fehlt, und deshalb werde ich die Flugtickets verfallen lassen und mit der, dann hoffentlich wieder reparierten, V-Strom losfahren.

Bis dahin freue ich mich, dass ich jetzt überhaupt wieder Koffer zum zukünftigen Packen habe. Wir erinnern uns: Beim Auffahrunfall war die V-Strom auf der Seite und damit auf dem linken Seitenkoffer gelandet. Der unverwüstliche Givi E45 hat das zwar überlebt, ist aber nun zerschrammt, und wer weiß, ob nicht die Monokey-Halterung was abbekommen hat.

Doof nur: Die Dinger gibt es nicht mehr neu zu kaufen, und WAS es neu zu kaufen gibt, ist in allen Belangen schlechter. Vielleicht bezahlt mir die Versicherung des Unfallgegners brandneue Abenteuerkoffer. Die will ich aber gar nicht. Ich hätte gerne wieder einen E45, aber was man da so gebraucht zu kaufen bekommt, ist nicht nur sauteuer, sondern sieht meistens erbärmlich aus: Ausgeblichen, zerkratzt, verbastelt.

Bild: Nutzer Constantin auf Ebay-Kleinanzeigen.

Selten hat man Glück und bekommt gebrauchte E45s in gutem Zustand. Und dieses Glück hatte ich nun! Ein junger Mann hatte drei GIVI-Koffer von seinem Vater geerbt, der die praktisch nie benutzt hatte. Bei einer der ersten Fahrten hatte der junge Mann dann einen Unfall, dabei wurde einer der Koffer zerstört. Die beiden restlichen stellte der Mann in den Keller. Dort standen sie jahrelang, geschützt vor Witterung und Verfall. Bis jetzt.

Der junge Mann war sich sicher, dass kaum jemand die Koffer haben wollte, denn das übriggebliebene Duo ist asymmetrisch: Einer der Koffer ist ein E45, der andere ist schmaler und fasst nur 36 Liter. Genau DIESE Kombination passt aber perfekt an die Vrau Strom, die selbst auch asymmetrisch ist. Auf die Seite mit dem Auspuff kommt der kleinere Koffer, und zack, ist die Maschine auf beiden Seiten (fast) gleich breit. Das beide Koffer das gleiche Schließsystem haben und ein Schlüssel beide öffnet, ist ein sehr willkommener Bonus.

Ironie des Schicksals: Die Koffer mussten im Odenwald abgeholt werden, was bis auf 50 Kilometer genau dort ist, wo mich der Autofahrer aus dem Sattel geschossen hat. Also bin ich am vergangenen Samstag um 6 Uhr aufgestanden und SCHON WIEDER 300 Kilometer A7 und A45 gefahren, habe die Koffer eingeladen und bin die gleiche Strecke 300 Kilometer zurückgedüst. Damit habe ich den Weg innerhalb von zwei Wochen 6 Mal zurückgelegt. Kleine Abwechselung dieses Mal war ein Kaffee bei IKEA in Hanau.

Die langweilige Fahrt hat sich aber gelohnt, denn nun stehen sie hier: Zwei praktisch neue GIVIs, ein E45 und ein E36.

Die beiden sind so gut erhalten, dass sogar noch die Original-Gepäckgummis drin sind, die normalerweise nach der zweiten Benutzung reissen:

Ich freue mich wie Bolle. Hitzschutzbleche werden die beiden nicht verpasst bekommen, weil die an der V-Strom, anders als an der ZZR, nicht nötig sind. Aber ein Passivlichtsystem kommt auf alle Fälle dran, denn die silbernen Aufkleber, die Givi statt echter Reflektoren da dran geklebt hat, sind eine unreflektierende Frechheit:

„Die im Dunkeln sieht man nicht“:

Die Bastelei mit dem LKW-Markierungsband wird zwar wieder Pain in the Ass-ige Fleißarbeit, aber ohne fahre ich keine schwarzen Koffer mehr. Außerdem hilft die Bastelarbeit die Zeit bis zur Herbstreise zu überbrücken.

Lange Rede, folgender Sinn: Ich habe gerade Fernschmerz, ganz heftig, und nutze die Zeit bis zur nächsten Fahrt um mich über neue Koffer zu freuen.

 
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Verfasst von - 20. Juni 2017 in Motorrad

 

Vorüber

Die beste physikalische Gesetzmäßigkeit in unserem Teil des Universum, gleich nach der Schwerkraft, ist der lineare Ablauf der Zeit. Sie tickt unaufhaltsam vor sich hin, und auch wenn es uns manchmal vorkommt als ob sie verfliegt oder sich ewig zieht: In jedem Moment wird aus Zukunft Gegenwart, aus Gegenwart Vergangenheit.

Der Nachteil dieses Konzepts: Schöne Momente lassen sich nicht anhalten und ewig bewahren. Der nicht zu unterschätzende Vorteil: Alles hat einmal ein Ende, alles geht irgendwann vorüber. Ein Leben genauso wie die schwersten aller Tage, denen man voller Angst und Sorge entgegensieht. Alles kommt und geht und dann ist es irgendwann vorüber. 

Die Abschiednahme von einem geliebten Menschen fällt auch in diese Kategorie. Ich habe noch nie jemanden verloren der mir so nahestand, und ich wusste nicht, was der Tag der Beisetzung mit mir machen würde. Der Tag dräute in der Zukunft, düster und schwarz, dann kam er, und nun ist er Vergangenheit. Die Lücken, die in Leben hinterlassen wurden, werden erst kommende Jahre füllen, aber dieser eine Tag, der ist vorüber.

Gedankt sei dem linearen Zeitablauf.

 
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Verfasst von - 19. Juni 2017 in Ganz Kurz

 

Noch zu retten

Wow, ich bin gerade ein wenig überwältigt. Ganz dicken Dank für die vielen lieben und aufmunternden Kommentare und die Anteilnahme in Mails und Tweets! Die haben mich wirklich gefreut und aufgebaut. Im Moment geht es mir ganz okay – traurig, aber okay.

Mittlerweile gibt es auch gute Nachrichten zu vermelden. Ich hatte zwei Tage nach dem Unfall mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Fühlte sich an wie Muskelkater. Fand ich erstmal nicht unlogisch, immerhin hatte ich beim Aufprall nicht nur einen Schlag in den Nacken bekommen, sondern das vollbepackte Motorrad auch alleine hochgewuchtet. Das kann die Muskeln schon mal strapazieren. Als nach 4 Tagen aber Kopfschmerzen dazukamen, suchte ich mal Tante Doktor auf – die mich prompt in die chirurgische Notaufnahme des örtlichen Klinikums verwies.

Dort habe ich dann den Freitag Vormittag verbracht. Nach mehrfachem Röntgen dann aber die Entwarnung: Alles OK, nur eine leichte Prellung an der Schädelbasis.

Die zweite gute Nachricht: Nach einer Woche des bangen Wartens kam ein Anruf von der Werkstatt. Die V-Strom wurde dort zerlegt und vermessen, mit dem Ergebnis: Weder Rahmen noch Schwinge, Achse oder Hinterrad sind verzogen. Anscheinend hat das Auto die Frau Strom genau so erwischt, dass zwar möglichst viel eingedrückt wurde (hinterer Kotflügel und Kennzeichen hatten sich ein Mal um die Strebe des Kofferhalters gewickelt und klebten oben auf dem Hinterrad), aber dadurch, dass der Treffer in den „Weichteilen“ landete, wurde die Energie des Aufpralls nicht direkt über das Hinterrad in das Fahrwerk geleitet. Glück im Unglück, könnte man sagen. Die Strom ist kein Totalverlust, sie wird wieder fahren.

Der Unfallgegner war niedlicherweise der Überzeugung, dass er „das verbogene Metallding“ (die Strebe des Kofferträgers) aus eigener Tasche bezahlen würde. Nun, mit dem Metallding ist es nicht getan. Der ganze Kofferhalter ist verzogen und muss komplett getauscht werden, ebenso Sturzbügel, Lenker und Handprotektoren. Hinzu kommen Stornokosten für Hotels und Kosten für die Rückholung meines Gepäcks aus dem Odenwald. Alles in allem wird der kleine Bumser über 2.200 Euro kosten. Was ich mit dem beschädigten Koffer mache weiß ich noch gar nicht, denn die guten Givi E45 gibt es gar nicht mehr neu zu kaufen, und andere will ich nicht.

Aber das wird sich finden. Jetzt warte ich erstmal darauf, dass die gegnerische Versicherung sich meldet. Das dauert, sagt die Werkstatt, gerne mal zwei bis drei Wochen. Dann werden die einen Gutachter schicken wollen, weil der Schaden größer als 1.000 Euro ist. Bis dann die Freigabe zur Reparatur kommt, wird es Mitte/Ende Juli sein.
Aber egal, ich will gerade eh nirgendwo hin.

Und so habe ich wenigstens genug Zeit, um das Andenken hier gegen ein gültiges Kennzeichen auszutauschen: Read the rest of this entry »

 
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Verfasst von - 12. Juni 2017 in Motorrad

 
 
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