Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Familiäre Dialoge -XIII-

Am Telefon, erstes Telefonat mit meinem Vater seit März 2020.

Vater: „Ich habe gerade mit Deiner Schwester telefoniert. Weißte was! Die haben das Deutsche Museum zugemacht! Das muss man sich mal vorstellen!“

Wirklich, unfassbare Nachrichten. Seit seinem Besuch dort im Jahr 1963 ist das Deutsche Museum für meinen Vater, den ehemaligen Maschinenbauingenieur, sowas wie ein mit heiligen Gralen und Bundesladen vollgestopftes Paradies auf Erden. Wie können „DIE“ es wagen das zu zumachen?!

Vater: „Ist bei euch auch alles zu?“

Ich: „Ja sicher. Überall ist alles zu. Wegen der Pandemie“

„Also, bei UNS hat der Rewe offen.“

„Ja, Lebensmittelgeschäfte haben geöffnet, aber alles was mit Kunst und Kultur zu tun hat ist geschlossen. Überall, auch bei uns“

„Ihr habt doch gar kein Deutsches Museum. Deine Schwester wohnt in einer richtigen Stadt. Du ja nicht, ne.“

„Aber wenn Göttingen ein Deutsches Museum hätte, dann wäre es jetzt genauso geschlossen wie das in München.“

„Der Aldi bei uns ist auch offen.“

„Jaha.“

„Aber das mit den Masken ist ja auch ein technischer Witz, die bringen ja gar nichts.“

„Hä?“

„Ja die schützen einen ja gar nicht. Du erstickst an deinem eigenen CO2 und gleichzeitig atmest Du den Mist von anderen ein. Völliger Quatsch.“

„Bist Du irgendwie an Schrödingers Maske gekommen oder was? So lange keiner unter die Maske guckt atmest Du Luft von Außen und erstickst dabei oder wie?“

„Was?“

„Warum bindest Du dir überhaupt noch diese Stofffetzen um den Rüssel? Warum hast Du Dir noch keine FFP2-Masken geholt?“

„Sohn, hör doch mal zu, die bringen doch nichts!“

Was erzählst Du denn da? FFP2-Masken haben im Inneren ein elektrostatisch geladenen Filz, der bindet Aerosole! Natürlich schützen die!“

Vater: (…)

Vater: „Das weiß ich natürlich. Ab weißt DU eigentlich, was diese Verbrecher da an Geld für haben wollen!?! Die sind sauteuer, dafür können die die behalten, die wollte ich nicht mal geschenkt!“

Geh in eine Apotheke, da kriegst Du drei Stück kostenlos.“

Vater (plötzlich interessiert): „Wieso ist das so?“

„Weil der Bund Rentnern drei Stück umsonst gibt. Und dann investier bitte nochmal 10 Euro und kauf Dir ein paar mehr, die bringen es echt“.

„Ich war neulich beim Arzt, da haben mir die das nicht angeboten!“

„Arzt und Apotheke sind auch zwei unterschiedliche Dinge. Und Deiner Ärztin kannst Du nicht vorwerfen, dass sie dir nicht den Hintern hinterher trägt. Jedes mal wenn Sie Dir was rät oder einen Vorschlag macht, drohst Du ihr mit einer Anzeige wegen Nötigung oder Körperverletzung oder wer weiß was dir noch gerade einfällt!

Vater: „…“

Vater (versucht das Thema zu wechseln): „Aber das mit der Impfung ist ja auch ein technischer Witz. Die bringt ja auch nichts.“

Ich: „Was?!“

„Ja, wenn Du Dich impfen lässt, bist Du immer noch nicht vor Ansteckung geschützt. Musst Du Dir mal vorstellen! Die spritzen dir diesen Mist und du kannst Dich immer noch anstecken! Ist doch Nonsens.“

„He?“

„Ich kenne auch gar keinen der sich hat Impfen lassen. Geht doch auch so. Vor Grippe lässt sich doch auch keiner Impfen.“

„VATER! Aktuell ist niemand geimpft den Du kennst, weil es schlicht zu wenig Impfstoff gibt! Ab Ende Januar geht´s für Leute über 80 außerhalb von Heimen los, dann für die über Siebzigjährigen, da bist Du gleich mit dabei.“

Vater (beleidigt): „Du bist ein technischer Witzbold, woher willst DU denn das wissen? Also mir hat keiner Bescheid gesagt.“

„Die schreiben Dich an. Also wenn Du demnächst einen Brief vom Land oder von der Gemeinde bekommst, mach den Mal zur Abwechselung mal auf und guck´ was drinsteht!“

„Du würdest Dich doch auch nicht impfen lassen, ne? Ne?!“

„Doch natürlich!! Ich würde mich sofort impfen lassen. Aber bis ich dran bin, wird es noch dauern. Ich stelle mich gerade darauf ein, dass ich erst im Herbst wieder ein normales Leben führen werde. So lange kann ich nicht groß raus.“

Vater (hämisch): „Oooooh, armes Hascherl!“

„WIE BITTE?“

„Hehe! Bis Herbst nicht raus? Hat der kleine Silencer Angst vor dem bösen Virus? Hast Du auch Angst vor der Grippe? Oder einer Erkältung?“

„Ja, ich nehme das Ernst! Ich bleibe schön zu Hause, nur noch alle paar Wochen gehe ich mal Einkaufen raus, ansonsten habe ich keinen Kontakt zu Menschen.“

Vater (heroisch): „Naja. Also, ICH fahre dann jetzt mal zu Rewe. Und danach zu Aldi.“

Rewe UND Aldi. Einfach, weil er es kann! Mein Vater, der furchtlose Held.

Aber mal ernsthaft: Mein Vater gehört zu den Menschen, die sich nur mit halbem Ohr über das Fernsehen informieren. Offensichtlich kommt in dem sich täglich ändernden Wirrwarr die Regelungen, die für das einzelne Bundesland und die einzelne Region gelten, bei dieser Gruppe Menschen gar nicht mehr das für sie relevante an.

Klar, so schnell wie sich alles ändert, ist eigentlich das Internet die wichtigste Quelle. Mein Vater hat zwar einen Glasfaseranschluss, auf den er sehr stolz ist und mir ständig unter die Nase reibt das ich keinen habe, aber er besitzt kein internetfähiges Gerät, weil er das für zu kompliziert hält und auch den Nutzen nicht erkennt. Andererseits bin ich da ganz froh drüber, dass mein Vater nicht im Netz ist. Bei ihm, dem alten Erich-von-Däniken-Fan, würde es kein zwei Minuten dauern, bis er sich durch unbeaufsichtigte Internetnutzung mit Reichsbürger-Chemtrail-Coronaleugner-Hohlerde-Kinderbluttrinker-Unfug radikalisiert hätte – er denkt ja ohnehin schon, das „die“, also irgendwelche Eliten, ihm nur Böses wollen. DIE machen ja sogar das Deutsche Museum zu! Muss man sich mal vorstellen! Kann sich aber keiner vorstellen! Ist nämlich unvorstellbar, sowas!

Frühere Dialoge:
Corona-Dialog
Weihnachtsdialog
Straßenverkehrsordnungsdialog
Kraftfahrzeugbundesamt-Wettererklärdialog
Kostenloskulturdialog
Poststornierungsdialog
Nötigungsdialog
Tantenmonolog
Mehr Dialog
Noch ein Dialog
Nächtlicher Dialog
Spontaner Dialog
Anderer Dialog
Noch ein anderer Dialog

Kategorien: Corona-Tagebuch, Familienbande | 10 Kommentare

Reisetagebuch Motorradherbst (4): Philipp Lahm aus dem Senegal

Tagebuch einer kleinen Motorradtour im Pandemieherbst 2020. Heute ohne Motorrad und ohne Abenteuer, dafür gibt es Sturm, Lasagne und Philipp Lahm.

Mittwoch, 23.09.2020
Ah, diese Ruhe auf I Papaveri.

Ich verschlafe den halben Vormittag und bin dann mild überrascht: Das Wetter ist ja doch ganz okay! Das ist nett, denn eigentlich sollte EXAKT an dem Zeitpunkt, als ich hier ankam der Weltuntergang beginnen. Dauerregen und Sturm, sagt die Wetterapp, und zwar genau so lange bis ich wieder abreise! Unfair!

Normalerweise ist der September in San Vincenzo noch ein Spätsommer (außer 2017, als ich hier war und das der kälteste September seit 40 Jahren war). Tatsächlich war die vergangenen Wochen hier jeden Tag Sonnenschein und Temperaturen um die 25 Grad, aber jetzt, wo ich hier bin, sieht es so aus: Jeden. Tag. Regen.

Heute habe ich aber Glück, der Regen zieht gerade im Norden und Süden an San Vincenzo vorbei. Ich packe ein Handtuch ein, kaufe im Chinaladen einen billigen Sonnenschirm und Badelatschen und fahre an den Strand.

Zwei Mal schaffe ich es ins Wasser zu springen, aber nach einer Stunde fallen dann doch die ersten Tropfen. Ich fahre zurück, lungere etwas im Appartment herum und hole Tagebuchschreiben von gestern nach. Was schön ist: Franca hat mir einen Schreibtisch in die Wohnung gestellt. „Du schreibst doch immer so viel“, hat sie per Whatsapp getextet, als ich mich dafür bedankt habe. „Aber nicht über uns schreiben!“ kam noch eine Nachricht hinterher. Nein, natürlich nicht.

Vor dem Fenster kann man Elba erkennen.


Weiterlesen

Kategorien: Motorrad, Reisen | 3 Kommentare

Reisetagebuch Motorradherbst (3): Unter dem Marmorberg

Tagebuch einer kleinen Motorradtour im September des ersten Pandemiejahres. Nur an Orte, deren Risiko einschätzbar ist. Heute warte ich den ganzen Tag auf schlechtes Wetter und verfahre mich unter einen Berg.

Dienstag, 22. September 2020
Trout Lodge, Collagna

Gestern Abend bin ich so schnell eingeschlafen als hätte mich jemand ausgeknockt, dafür bin ich nun um kurz nach 5 Uhr schon wieder wach. Ich gucke auf die Uhr, dann drehe ich mich nochmal um und genieße bettwarmen Halbschlaf. Habe ich echt schon wieder von der Arbeit geträumt? Man. Offensichtlich fällt es mir schwer die aus dem Kopf zu bekommen. Ein sicheres Zeichen dafür, wie tief die gerade noch in meinem Kopf steckt.

Ich dämmere noch einmal weg. Erst zwei Stunden später schwinge ich die Beine aus dem Bett und öffne die Tür der Hütte. Die Sonne schiebt sich gerade über Berge von Collagna, und die Barocca wird von den ersten Sonnenstrahlen umschmeichelt.

Tief atme ich die kühle Waldluft ein. Es hat heute Nacht geregnet, die Luft ist feucht und frisch.

Ich schiebe das Motorrad rückwärts unter dem Vordach der Hütte hervor, hänge die Koffer ein und bin damit schon abreisefertig.

Das Twin Peaks Zimmer hat in einer Ecke einen kleinen Anbau. Das ist ein Durchgang, dessen Tür aber abgeschlossen ist.

Einer der Schlüssel am Bund mit der Holzforelle passt zwar, lässt sich aber nicht drehen. Als ich jetzt versuche ihn ins Schloss zu stecken, höre ich eine weibliche Stimme hinter der Tür. „Nein, lass, das geht nur von dieser Seite!“, tönt es auf italienisch. Okay.

Ich warte, dann höre ich einen Schlüssel im Schloss und die Tür springt auf. Direkt dahinter steht eine blonde Frau mit Mundschutz und sagt „Nicoletta hatte gestern fest abgeschlossen, weil sie noch Freunde da hatte. Ich bin Roberta. Komm rein! Verstehst Du meine Sprache?“ Ich nicke. „Gott sei´s gedankt! Englisch ist doch, naja, beh.“

Ich folge Roberta und stehe im Aufenthalts- und Frühstücksraum der Lodge. An einer Wand ist eine kleine Einbauküche eingelassen, davor ein Tresen, der in diesem Jahr wegen Corona von einer Plexiglasscheibe geschützt wird.

Er biegt sich förmlich unter all den leckeren Sachen, die darauf stehen:

  • Ein Teller mit Pizzastücken.
  • Eine Schale mit Croissants.
  • Apfelkuchen.
  • Pfirsichkuchen.
  • Kirschkuchen.
  • Eine undefinierbare, aber sehr bunte und hohe Torte mit Tonnen von Zuckerguss.
  • Mehrere Schalen mit verschiedenen Sorten Keksen.
  • Ein ganzes Blech mit unterschiedlichen Teilchen, Berlinern, Apfeltaschen und noch vielem mehr.

Ich kann mich daran erinnern, dass bei meinem ersten Besuch auch so krass viel aufgefahren war. Roberta bemerkt mein Gesicht angesichts dieser Auswahl und lacht „Hat alles Nicos Mama gebacken. Die steht den ganzen Tag in der Küche.“ „Äh, ok“, sag ich und nehme ein Teilchen, das mit Fiore di Latte, einer sämigen Milchcreme, gefüllt ist.

„Was trinkst Du?“, fragt Roberta, die viel redefreudiger ist als es irgendjemandem um diese Zeit gut tut. „Hättest Du einen…“, setze ich an. „Cappuccino! Klar, kommt sofort“, ruft Roberta. Man muss Roberta wohl schnell antworten, sonst übernimmt sie das Reden für einen gleich mit. „Nein!“, rufe ich „Caffé! Kein Cappuccino! Nur Caffé. Und Doppio, bitte“. Cappuccino, brr. „Junge, Kaffee ist kein Mixgetränk“, wie unser alter Hausmeister immer zu sagen pflegte.

Ich nehme an einem Tisch Platz und meine Maske ab. Roberta lehnt sich an den Türrahmen und sagt „Wir haben noch einen deutschen Gast“. Ah, stimmt. Ich habe gestern Abend jemanden auf deutsch telefonieren hören. „Ist der noch da?“, frage ich. „Ja, der schläft länger. Und er will draußen essen“, sagt Roberta, greift sich eine Tischdecke und Besteck, geht damit auf die kleine Terrasse vor die Lodge und deckt einen Tisch ein.

Als sie wieder reinkommt, fährt sie fort: „Ist schon auffällig: Gerade kommen nur Männer hier her, und alle reisen allein.“ Kann ich verstehen, gehöre ich auch zu. Das ist Roberta nicht entgangen. „Warum bist Du allein hier?“, fragt sie.

Tja. Gute Frage. Weil ich ohnehin am liebsten allein reise? Aber das ist nicht der alleinige Grund, der mich hierhin, an den Arsch der Welt, verschlagen hat.

Da ist noch etwas anderes. Einen guten Teil dieses Jahres fühlte ich mich, als würde ich die Last der Welt auf meinen Schultern tragen. Wenn ich ernsthaft im Stress stecke, merke ich das selbst meist sehr spät, wenn der Körper Beschwerden meldet oder andere sagen „Mensch, Du siehst aber nicht gut aus“. In diesem, sehr speziellen Jahr war selbst mir bewusst, dass alles ein Bisschen zu viel auf einmal war. Aber weniger tun ging nicht, ich trage Verantwortung, und die vernachlässigen kann ich nicht. Vieles kannst Du, will´s die Pflicht, wie der alte Poesiealbumspruch weiß.

Aber manchmal ist es so viel auf einmal, dass ich mich sehr einsam fühle. Eine Einsamkeit, die sich dumpf und hohl anfühlt und alle Energie verschlingt. Einsamkeit, die aber bitte nicht mit „allein sein“ verwechselt werden darf. Allein zu sein macht mir nichts, das kommt meiner Einzelgängernatur entgegen. Einsamkeit dagegen ist „allein sein“ plus Verzweiflung.

Unter starkem und langem Stress werde ich manchmal, ganz plötzlich und nur für einen kurzen Moment, von einer alles umfassenden Verzweiflung überrollt, die aus dem Nichts wie eine Welle über mir zusammenschlägt. In solchen Momenten fühlt sich einfach alles nach „zu viel“ an und ich mich ganz klein und einsam. Das sind Momente, in denen mir vor Verzweiflung die Tränen in die Augen steigen, weil ich nicht weiß, wie ich alles schaffen soll.

Diese Welle der Verzweiflung schlägt immer in ruhigen Momenten zu, etwa wenn ich nach einem langen Tag allein im Auto auf dem Weg nach Hause bin. Urplötzlich fühle ich mich dann leer, mut- und kraftlos, und ich muss mit den Tränen kämpfen. Das dauert nur einen kurzen Augenblick, und objektiv gibt es dafür keinen Grund, weil ich eben doch fast immer doch alles im Griff habe. Aber solche Momente gab es in den vergangenen Wochen sehr häufig, ein deutlich Zeichen, dass ich in sehr ungesundem Maß und über einen langen Zeitraum Stress hatte. Die natürliche Reaktion darauf ist ein Fluchtreflex: Ich wollte eigentlich nur noch, dass das alles aufhört, das die Welt mich in Ruhe lässt, und wenn das nicht geht, wollte ich wenigstens einfach weg und von niemandem gefunden werden.

Ja, das ist es: Ich bin hier, auf dieser Forellenfarm mitten im Nirgendwo, in Bergen, von denen noch nie jemand was gehört hat, weil ich mich vor der Welt verstecken will.

„Hey?! Warum bist Du hier, so alleine?“, fragt Roberta noch einmal und reißt mich aus meinen Gedanken. „Naja, weil das hier ein schöner Ort ist, mit netten Leuten“, sage ich, „Perfekt zum Entspannen. Und weil man wird hier…“ ich mache eine Armbewegung in Richtung des durchgebogenen Tresens „…so lecker umsorgt wird“.

Roberta grient unter ihrer Maske, das sieht man an ihren Augen. Was ich natürlich auch nicht sage: Das erste Mal war ich 2017 vor allem deswegen hier, weil hier eine Übernachtung inklusive dieses opulenten Frühstücks gerade mal 25 Euro kostet. Dieses Mal hätte ich mit Vergnügen auch deutlich mehr gezahlt, nur um noch einmal hier sein zu dürfen, aber die Preise sind nach wie vor so super fair.

„Habt ihr sonst eher Familien hier?“, frage ich. „Oh ja, dieses Jahr im Sommer ging es hier richtig ab“, sagt Roberta. „Juli und August, da waren hier so viele Gäste wie noch nie, vor allem Familien mit Kindern. Auch wegen COVID. An den Stränden liegt man ja eng gepackt, also sind jetzt viele in die Berge gefahren. Puh, wir hatten wirklich VIEL Arbeit.“

„Gut so“, sage ich. „Ihr macht hier einen tollen Job, ich wünsche Euch den Erfolg!“ „Nicht reden! Gute Bewertung bei Booking.com schreiben!“, sagt Roberta und lacht. „Mache ich“, sage ich im Aufstehen, dann sage ich noch schnell Nicoletta ´Tschüss und kurz darauf steuert die Barocca durch den kleinen Nadelwald zur Ausfahrt der Trout Lodge.


Weiterlesen

Kategorien: Motorrad, Reisen | 6 Kommentare

Reisetagebuch Motorradherbst (2): Von den Wolken zu den Fischen

Tagebuch einer kleinen Motorradtour im September des Pandemiejahres. Nur an Orte, deren Risiko einschätzbar ist. Heute geht es gleich zwei Mal in die Berge, Dick & Doof nerven, ich bekomme einen Wutanfall und brülle jemanden aus vollem Hals an, und am Ende wird´s fischig.

Montag, 21. September 2020, Pension Jaqueline, Sölden, Tirol, Österreich

Der Frühstücksraum ist perfekt, wie alles in der Pension Jaqueline. Frau Wilhelm, die Gastwirtin, werkelt mit einem Gesichtsschild am Buffet. Sie bemerkt trotz der FFP3-Maske, die ich trage, dass ich breit grinse. „Alles gut?“, fragt sie. „Ach, ich freu mich“, sage. „Seitdem ich das erste Mal hier war, wollte ich gerne wiederkommen, in dieses Haus, und es ist schön, dass das dieses Jahr noch geklappt hat. Tatsächlich mache ich nur Station in Sölden, um noch ein mal hier sein zu können“ Sie schaut ein wenig verwundert und fragt „Wieso?“.

„Naja, das mag sich jetzt doof anhören, aber: Zum einen, weil hier einfach alles so perfekt ist. Die Zimmer sind groß. Alles ist Motorradfahrerfreundlich. Aber der wahre Grund sind sie.“ „Ich?!“, fragt sie erstaunt. „Ja“, sage ich, „Man merkt ihnen an, dass sie entweder schon das halbe Leben in der Hotellerie sind oder es einfach im Blut haben. Wie auch immer, sie managen das hier so mühelos, da ist es eine Freude, Gast sein zu dürfen.“ Und das ist die Wahrheit. Bei meiner ersten Übernachtung hier, vor drei Jahren, hat mich die Professionalität dieser Frau einfach umgehauen. Das musste ich ihr einfach mal sagen. Ich war selbst Jahrelang in einem Gewerbe mit Gästen unterwegs und weiß, wie echtes Profitum aussieht, und diese Frau ist Profi durch und durch.

Sie freut sich sichtlich. Wir plaudern noch ein wenig, dann lässt sie mich in Ruhe Frühstücken.

Zahlen, Gepäck an´s Motorrad hängen, dann geht es raus in die kühle Bergluft. Sechs Grad, mehr sind es heute morgen nicht. Aber wenigstens regnet es nicht. Als ich 2017 im September hier war, war es bedeutend nasser. Und kälter. So kalt, dass nur ein wenig höher in den Bergen schon Schnee fiel. Die geplante Fahrt über das Timmelsjoch musste damals ausfallen, stattdessen bin ich zurück nach Innsbruck und dann über den Brenner gekurvt. Aber nicht heute, heute geht es in die Berge!

Es geht hinaus aus Sölden, vorbei an Bettenburgen und Skipalästen. Es ist sehr deutlich zu sehen, dass Sölden ein Wintersportmekka und ein Partyort ist, ein Ballermann der Alpen. Bereits nächste Woche, hat Frau Wilhelm gesagt, geht die Saison los und die ersten Übungs-Skigruppen und Partytouristen kommen in den Bergort. Ob das wirklich so eine gute Idee ist, so mitten in der Pandemie? Ich wage das zu bezweifeln.

Tatsächlich wird drei Tage nach meiner Abreise ganz Tirol zum Risikogebiet erklärt werden, und Mitte November hat Österreich dann praktisch die Kontrolle über die Pandemie verloren. Aber das weiß ich noch nicht, als ich jetzt, im September, die Straßen in die Alpen hinein schieße.

Der Himmel ist bedeckt und in den Tälern stehen noch die Schatten, Überbleibsel der Nacht. Die Sonne schiebt sich gerade erst über die Berggipfel des engen Tals.

Es ist schon gut was los an diesem Morgen, vor allem langsame SUVs und LKW mit Baumaterial sind auf der Straße und verhindern zügiges Fahren. Es macht einfach keinen Spaß, hinter einem mit Stahlteilen beladenen Lastwagen mit Tempo 20 her zu zockeln.

An einer Baustellenampel mogele ich mich nach vorne, vor alle PKW und LKW, und stehe hinter zwei Moppedfahrern. Beide hocken auf kleinen Sportmaschinen, eine mit einem Insbrucker Kennzeichen, eine aus Aalen.

Der Einheimische ist dünn, von Kopf bis Fuß in knallbunter und unbenutzt aussehende Rennkombi gekleidet und hampelt an der Ampel so auf seiner Karre rum, dass er fast umfällt. Der Deutsche trägt anscheinend einen Hoodie und… Jogginghose? Sieht zumindest so aus, und außerdem hängt links und rechts von der kleinen Rennmaschine eine fette Arschbacke herunter. Fast wirkt es, als hätte sich ein Zirkusmensch ein Minimotorrad in die Poritze geklemmt.


Weiterlesen

Kategorien: Motorrad, Reisen | 5 Kommentare

Das war das Jahr, das war (2020)

Am Jahresende traditionell die Rückschau. Dieses Mal recht umfangreich. Der Text ist irgendwie gewuchert, bildet aber immer noch nur einen Teil dieses irren Jahres ab.

Lage der Welt:
Es war das Jahr der Pandemie. Mitte März kam die Welt knirschend zum Stillstand. Ich hätte nicht für möglich gehalten, aber es passierte wirklich. Keine Flug- oder Bahnreisen, starke Verzögerungen in globalen Produktions- und Lieferketten, vor Ort geschlossene Geschäfte, die Straßen nahezu menschenleer. In Kombination mit Knappheit bei manchen Medikamenten, nicht-Verfügbarkeit von Masken und Desinfektionsmitteln und Lieferzeiten von 10 Tagen bei Onlinehändlern fühlt sich das fast apokalyptisch an.

Apokalyptisch auch die Szenen aus den USA. Bewaffnete Milizen und hoch gerüstete Polizeikräfte machten Jagd auf friedliche Demonstranten, maskierte Uniformierte ohne Abzeichen verschleppten Menschen und marschierten am Washington Memorial auf. Die USA in Jahr 4 unter Trump produzierten die Bilder eines faschistischen Regimes. Die Republikanische Partei steht geschlossen hinter ihrem Führer, auch wenn es für jeden sichtbar ist, dass er lügt und die Demokratie schädigt. Die GOP versucht aktuell immer noch mit allen Mitteln den Auswahl der Präsidentenwahlen zu manipulieren. Soviel also zur Theorie der „Einhegung“, dass Trump ruhiger würde, wenn er in der Politik ankommt. Das Gegenteil ist der Fall.

Immerhin wurde Trump abgewählt, auch wenn er sich immer noch weigert das anzuerkennen. Aber machen wir uns nichts vor, binnen 4 Jahren wurde fast eine demokratische Weltmacht in eine faschistische Diktatur umgebaut, mit vielen, vielen Helfern auf allen Ebenen, und am Ende ist das Land nur knapp am Bürgerkrieg vorbeigeschliddert.

Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht wie das weitergehen soll, wenn sich in einem Zweiparteiensystem eine Partei von den demokratischen Grundwerten verabschiedet – und das tun die Republikaner seit Jahren, schon vor Trump.

USA und Corona, mehr Themen fanden dieses Jahr kaum medial statt. An ihren Außengrenzen verletzt die EU nach wie vor Menschenrechte, und Polen und Ungarn werden weiter unbeeindruckt in Diktaturen umgebaut. Die EU zeigt sich schwach, nicht mal ein Bekenntnis zu demokratischen Grundrechten kann sie gegenüber den angehenden Diktaturen durchsetzen, und selbst beim Brexit knickt sie ein. Für den gibt es Weihnachten(!) erst eine Lösung, auf die letzte Sekunde, genau wie Boris Johnson gepokert hat. Erbärmlich, ich hätte den Briten nach vier Jahren Lügen, Nichtstun und Vertragsbruch einen harten Brexit mit all seinen negativen Folgen mehr als gewünscht.

Am Ende des Jahres dann endlich Hoffnung: Gleich mehrere Impfstoffe sind entwickelt, zwar nur gegen COVID-19 und nicht gegen Faschismus, aber immerhin.


Lage der Nation:
Corona ist natürlich das beherrschende Thema. Es spaltet die Gesellschaft in zwei Lager: Die, die dem Thema mit angemessenem Ernst und großer Disziplin begegnen und denen, die COVID-19 nur für eine Art Grippe halten und so tun, als würde das Tragen einer Maske sie in ihrem Persönlichkeitsrecht einschränken. Das Lager der Corona-Leugner radikalisiert sich in Teilen und bringt Verschwörungsgeschichten ein, nach denen der Virus wahlweise eine Maßnahme zur Umvolkung/Bevölkerungsreduktion/Gedankenkontrolle/Währungstausch ist. Seite an Seite und ungeschützt marschieren Rechtsextreme mit Reichsflaggen, Impfverweigerer:innen, Aluhutträger:innen, besorgte Mütter und bongospielende Esoteriker:innen zu Zehntausenden durch die Städte. Organisiert wird das von Rechten und von skrupellosen Geschäftemachern, die daran ordentlich verdienen.

Die Politik guckt dem Treiben größtenteils tatenlos zu und bezieht lange keine Stellung, weil Coronaleugner zwar eine Minderheit sind, aber eine sehr laute – mit denen will man sich nicht anlegen. Auch deshalb wird nur zögerlich gehandelt, die Maßnahmen in Deutschland sind lascher als in anderen Ländern. Erstaunlicherweise kommt das Land dennoch ganz gut durch die erste Welle. Mensch des Jahres ist der Virologe Christian Drosten, der täglich in einem Podcast die Lage erklärt, ganz ruhig und unaufgeregt.

Im Herbst läuft, wie von Drosten vorhergesagt und in jedem Geschichtsbuch über die Spanische Grippe nachzulesen, die zweite Welle los. Aber anstatt das jetzt entschieden gehandelt wird, eiern die Bundesländer wochenlang herum. Anscheinend hat kein Schwein über den Sommer Pläne gemacht.

Immerhin: Ein-Themen-Parteien, wie FDP oder AFD, finden plötzlich medial nicht mehr statt. Die AFD versucht sich erst in der Rolle der Beschützerin und fordert härtere Regelungen zur Eindämmung der Infektionen, dann schlagen sich weite Teile der Rechtsextremen plötzlich auf die Seite der Coronaleugner. Intern hat die Partei Angst vor der überfälligen Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Apropos Verfassungsschutz: Dessen Ex-Chef ist nach seiner Entlassung tief im rechten Sumpf versunken, der Nachfolger erkennt Rechtsterrorismus wenigstens als Problem an.

Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer etwas sagt oder entscheidet, kann man sicher sein, dass so gut wie immer das Gegenteil richtig oder sinnvoll ist. Nachdem sie sich auch innerhalb ihrer eigenen Partei überhaupt nicht mehr durchsetzen kann, verzichtet die zuvor als nächste Kanzlerin gehandelte CDU-Vorsitzende ab 2021 auf ihren Posten. Um ihre Nachfolge bewerben sich: Armin Laschet, der aussieht wie ein älterer Vertriebler von Faxgeräten und der als Ministerpräsident von NRW in der Pandemie clowneske Entscheidungen fällt, Norbert Röttgen, von dem niemand weiß wofür er eigentlich steht, und eine Gestalt aus dem Gruselkabinett der 90er Jahre: Friedrich Merz.

Der von der „Titanic“ einst wegen seiner Frisur „Fotzenfritz“ getaufte Black Rock-Vorstand wird von alten Herren in der Partei, die immer unter Merkels sozialdemokratischer Politik gelitten haben, ins Boot geholt. Merz, der sich politisch nie bewiesen hat, dient fortan als Projektionsfläche für die feuchten Träume alter weißer Männer. Der rechtskonservative Backlash in der CDU, er heißt Merz und sieht aus wie Mr. Burns. Dank der Pandemie findet auch dieses Gruselkabinett kaum medial statt, aber man muss sich schon fragen: DAS ist das beste, was die CDU anzubieten hat?

Immerhin sorgt die SPD noch für Lacher. Die fast in die Einstelligkeit abgestürzte Umfaller-Partei wird sogar von Nervtröten wie Nahles oder Gabriel verlassen, ist aber trotzdem der Meinung, einen Kanzlerkandidaten küren zu müssen. Dafür nimmt sie allen Ernstes einen Mann, der einen Charakter wie Wellpappe hat und einen ähnlichen Unterhaltungswert besitzt: Olaf Scholz. Buahahaha! Aber auch von dem hört man nix, zum einen muss er den Wirecard-Skandal aussitzen, zum anderen Pandemie, wissen schon.

Während der sozialromantische Teil der SPD noch vor sich hin träumt, hilft ihr Law-and-Order-Flügel dabei, den Bürger:innen die Grundrechte wegzunehmen. Trojanereinsatz, anlasslose Massenüberwachung, Uploadfilter – all das bringt die Große Koalition auf den weg. Es ist zum Kotzen, und gegen diesen ECHTEN Verlust von Grundrechten geht niemand auf die Straße. Aber wegen einer Maskenpflicht. Jaja.

Für Deutschland ist die Pandemie sogar auf manchen Gebieten ein Gewinn. Digitalisierung und Medienkompetenz werden aus purer Notwendigkeit mit Macht nach vorne geschubst, die Bedeutung von schnellem Internet auch auf dem Dorf endlich begriffen. Homeoffice wird von Unternehmen als Arbeitsform nicht nur skeptisch beäugt, sondern ist vielerorts als Arbeitsform plötzlich alternativlos. Schulen sind endlich gezwungen sich mit digitaler Lehre zu beschäftigen.

Digitale Infrastrukturen, die es sei Jahren gebraucht hätte, entstehen innerhalb kürzester Zeit. Andere Mobilitätskonzepte werden nicht nur denkbar, sondern lassen sich sogar begutachten – und manchen gefallen weniger dichter Straßenverkehr und autofreie Städte, nicht jeder vermisst tagelange Dienstreisen, die sich auch durch ein paar Videokonferenzen substituieren lassen. Der Einzelhandel erkennt die Wichtigkeit eines Onlinestandbeins.

Ich hoffe stark, dass die ein oder andere Erkenntnis, dass andere Wege in Sachen Wirtschaft, Mobilität und Work/Life nicht nur Fantasien, sondern machbar sind, ein wenig erhalten bleibt.


Ich Ich Ich
2019 war zermürbend? Hold my beer. Nach zwei beruflich wirklich richtig anstrengenden Jahre wollte ich 2020 endlich mal kürzer treten. Tatsächlich fing das Jahr entschleunigt an, wenn auch nicht ganz freiwillig: Ich musste meinen Führerschein abgeben.

Neben mehr Bewegung dank zu Fuß Gehens an der frischen Luft bedeutete das auch: Pünktlich Feierabend machen, um noch den Bus zu bekommen. Das hat mir sogar ganz gut gefallen, und der Januar 2020 war der erste Monat seit 15 Jahren, in dem ich nur eine einzige Überstunde gemacht habe. Aber dann. Am 07. März war ich das letzte Mal auf einer Dienstreise und einer Tagung. Schon mit schlechtem Gefühl, weil vor einem neuen Virus gewarnt wurde, aber Händewaschen sollte ja als Schutz ausreichen.

Bei der Arbeit nahmen wir das ganze wesentlich ernster. Ab der zweiten Märzwoche waren nahezu alle Mitarbeiter:innen im Homeoffice, und sind das teils bis heute. Ich war und bin einer der letzten, die im Firmengebäude arbeiten. Teilweise bin ich wochenlang allein auf einer ganzen Etage gewesen und telefonierend durch die leeren Büros gewandert. Organisieren, Telefonanrufe weitergeben, Kunden betreuen, neue Kunden gewinnen, Lösungen ausdenken, daneben Desinfektionsmittel und Masken besorgen und zusehen, dass die zu unseren Leuten kommen. Über 7-Tage-Wochen und hohe Stundenzahlen will ich nicht klagen. Ich kann froh sein, dass das Geschäft nicht durch die Pandemie gelitten hat und es den Mitarbeiter:innen den Umständen entsprechend gut geht.

In der Rückschau wurde sogar Großes geleistet, aber die Mehrarbeit, das kann ich ohne Jammern zu wollen sagen, war über jegliche Grenze hinaus. Meine Resilienz ist hoch, war aber an manchen Tagen völlig zerbröselt, und am Ende des Jahres stehen doch wieder dreihundert Überstunden auf der Uhr. Ich hatte das Gefühl für alle anderen stark sein zu müssen, und nun bin ich sehr müde. Das ging jetzt nicht nur an die Substanz, das hat Substanz vernichtet.

Auch wenn ich zur Arbeit gefahren bin, das „Draußen“ habe ich so gut es ging gemieden. Dazu gehörte es, erst in der Nacht, kurz vor Ladenschluss, einkaufen zu gehen und praktisch alles andere zu meiden. Damit ging und geht es mir durchaus gut – ich bin gerne allein, und auf die Einladungen zu sozialen Aktivitäten, die in die Kategorie „ungeliebt“ fallen, mit einem „Sorry, wir können und nicht treffen, Pandemie, wissen schon“ reagieren zu können ist der Traum jedes Introverts. Ansonsten waren das aber alles keine Einschränkungen, die mir zu schaffen gemacht hätten. Im Gegenteil, mal nirgends hin zu müssen weil man nirgends hin kann, das war auch entschleunigend und ein Ausgleich zum Stress bei der Arbeit.

Das Jahr fühlte sich seltsamer Weise endlos an, und ging dann doch ganz schnell vorbei.

Vermisst habe ich ein wenig das Reisen, eine geplante lange Fahrt Ende Mai, Anfang Juni musste ausfallen. Aber das ist ein Luxusproblem und wurde außerdem durch gleich zwei längere Moppedfahrten im Juli und September kompensiert. Letztere führte nur in bekannte Gefilde, weil ich da das Risiko bewerten konnte, aber befreiend war es trotzdem.

In der Summe war das also für mich kein schlechtes Jahr, es war nur wahnsinnig anstrengend.


Und sonst noch? Hier die immer weiter mutierende Form des Bloggerdorf-Fragebogens.

Wort des Jahres: Da gibt es gleich drei. Auf Platz 1: „Wohlstandsverwahrlost“, Platz 2: „Doomscrolling“, Platz 3: „Inzidenzwert“.

Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen.

Mehr ausgegeben oder weniger? Weniger.

Am meisten ausgegeben für… Campingkram.

Die teuerste Anschaffung? Eine neue Matratze. Endlich! Das war aber auch eine Odyssee, davon erzähle ich später mal.

Mehr bewegt oder weniger? Weniger, zwangsweise.

Die hirnrissigste Unternehmung? Die Matratzenkaufgeschichte.

Ort des Jahres? Roccafinadamo.

Das leckerste Essen? Annas Salsicce in „La Vecchia Fontana“.

2020 zum ersten Mal getan? Um meinen Wohnort herum spazieren gegangen. Erkenntnis: Voll schön hier. Und: Einen Monat auf´s Auto verzichtet.

2020 endlich getan? Mal hinter den Schrank geguckt ob da Schimmel ist. Ist nicht. Gut so.

Gesundheit? Ist in Ordnung. Unfit, aber bis auf Blutdruck alles OK.

Ein Ding, auf das ich gut hätte verzichten mögen? Todesfälle im Kollegen- und Bekanntenkreis.

Gereist? Oh ja. Im Juli durch den Osten und im September in den Süden.

Film des Jahres: 1917 – Handlung nicht die dollste, aber mit Filmen ohne Schnitt kriegt man mich immer.

Theaterstück des Jahres: Entfällt

Musical des Jahres: Entfällt

Spiel des Jahres: Das schwer erträgliche „The Last of Us II“ zeigt mal eben im Alleingang, wie hoch emotionales Erzählen in Videospielen aussehen kann. Es teilt sich den Thron mit meinem persönlichen Highlight: „Persona 5“, so cooles Gameplay habe ich selten gesehen.

Serie des Jahres: The Mandalorian. Bestes Star Wars seit „Imperium schlägt zurück“

Buch des Jahres: Nicht viel Bücher gelesen dieses Jahr, und was ich gelesen habe sind keine großen Kunstwerke und nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Beim politischen Sachbuch war „Rage“ von Bob Woodward.

Ding des Jahres: Nuud.

Spielzeug des Jahres: Ein Gerber Concertina Wirecutter zum Schneiden von Nato-Draht. Fragen sie nicht.

Enttäuschung des Jahres: „Cyberpunk 2077“, nach 8 Jahren Entwicklungszeit unfertig und bis zu Unspielbarkeit verbuggt.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Ohne Menschen zu sein.

Vorherrschendes Gefühl 2020? Ich werde um diese Welt trauern.

Erkenntnis(se) des Jahres: Deutschland hat einen Rust-Belt (Lausitz) und drei Bible-Belts (Erzgebirge, Eichsfeld und Schwaben)

In diesem Sinne: Ich wünsche einen guten Start in ein tolles 2021! Ihr seid eine tolle Leser:innenschaft und ich bin immer wieder sehr froh und stolz darauf, wer sich hier so tummelt. Ich lerne viel von Euch, und das ist super.

Nekrolog:

Weiterlesen

Kategorien: Betrachtung, Momentaufnahme | 5 Kommentare

Corona-Tagebuch (25): An die Kette und die Sache mit der Solidarität

Weltweit: 82.022.480 Infektionen, 1.791.243 Todesfälle
Deutschland: 1.695.364 Infektionen, 32.267 Todesfälle

Tag 292 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Hat man in Göttingen und Umgebung ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen EIC vor sich, gehen sofort die Alarmglocken an und der Sicherheitsabstand wird auf das dreifache vergrößert. EIC steht für Eichsfeld, einem sehr ländlich geprägten Landkreis im nordwestlichen Thüringen, was direkt an Südniedersachsen angrenzt. Eichsfelder verhalten sich im Straßenverkehr völlig erratisch und machen Dinge wie extremes Langsamfahren (vermutlich weil ihnen sonst das Telefonbuch vom Schoß fällt), nach links blinken/nach rechts abbiegen, Vollbremsung ohne erkennbaren Grund oder Parken auf Abbiegespuren. Außerdem ist das Eichsfeld für drei Dinge bekannt:

  1. Als erzkatholische Exklave inmitten eines protestantischen Landstrichs, inkl. Papstbesuch und Kruzifixen
  2. Eichsfelder Stracke, eine Wurst
  3. Eigenwilligkeit

Punkt 3 bemerkt man in Göttingen an der Fahrweise und besonders dann, wenn dank Punkt 1 die Eichsfelder einen katholischen Feiertag begehen, den wir im protestantischen Niedersachsen nicht kennen. Dann steht die ganze Stadt voller EICs, Stau Galore, nichts geht mehr.

Im Eichsfeld haben sich auch rechtsextreme Strukturen stärker verfestigt als anderswo, da leben reihenweise Nazis. Auch rechtsextreme Prominenz, wie Bernd Höcke oder Thorsten Heise. Die fühlen sich da vielleicht auch deshalb so wohl, weil ihre Ansichten im Eichsfeld auf einen guten Nährboden fallen: Hier wird oft eher simples Denken kombiniert mit einem „Interessiert uns nicht was andere sagen, diedaohm belügen uns sowieso“. Und damit schließe ich den weiten Bogen mal und komme zum Punkt:

Gläubig, simpel, rechts, das ist die ideale Kombination für Corona-Leugnung, das haben wir in Sachsen auch schon gesehen. Schon seit einiger Zeit regen sich im Netz diverse Göttinger Gruppen (no pun intended) darüber auf, dass Eichsfelder ohne Abstand und Masken und in Gruppen durch die Stadt marodieren.

Doof verhalten kann sich ja jeder, aber wenn Eichsfelder das machen, dann tun sie es gleich richtig. Jetzt haben sie ihre eigenen Inzidenzzahlen so dermaßen überrissen, dass es erst ein Maskentragegebot auch für draußen gab (mit der erwartbaren Reaktion: „Interessiert uns nicht was andere sagen, diedaohm belügen uns sowieso“) und nun ein echtes Ausgangsverbot.

Der Landkreis Eichsfeld hat also jetzt als erste Region in Deutschland überhaupt einen echten Lockdown. Raus auf die Straße darf nur noch, wer Lebensmittel oder Medikamente braucht, medizinische Not- oder Pflegefälle hat, zur Arbeit oder dem Lebenspartner muss oder Tiere oder Angehörige zu versorgen hat. Wischiwaschi-Gründe wie körperliche Ertüchtigung oder innere Unruhe zählen nicht mehr.

Die Eichsfelder an der Kette. Ich finde: Richtig so, würde mir auch wünschen dass das kontrolliert und Verstöße hart sanktioniert werden.

Schnelle Reaktion

In Österreichs Skigebieten ist teils Business as Usual. Hotels ignorieren, dass sie eigentlich keine Touristen beherbergen dürfen („Naa, I hab mi nett g´wundert, dass der Herr G´schäftsreisende Brettl dabeigehoabt het“) und vor den Skiliften bilden sich Menschentrauben ohne Abstand und teils ohne Masken. Große Empörung von nicht-Wintersportlern. Immerhin, dieser Bergbahnbetreiber hat sofort reagiert.

UND SEINE WEBCAM EINFACH ANDERS AUSGERICHTET, DAMIT DAS ELEND NICHT MEHR JEDER SIEHT.

Warum haben die Seilbahnen überhaupt noch offen? Das der oberste Vertreter der Seilbahnwirtschaft für die ÖVP im Nationalrat sitzt, hat nichts damit zu tun, oder? Na, dann ist ja gut.

BTW: In Deutschland sieht es nicht besser aus, das Winterberg im Sauerland oder der Harz waren auch völlig überlaufen. Wir haben in Deutschland nur weniger Skilifte.

Scheindebatten

Zwischen den Jahren führt man in Deutschland Scheindebatten. Sollen bereits geimpfte Personen Sonderrechte erhalten? Antwort: Geht von staatlicher Seite aus überhaupt nicht, Grundgesetz und so, wissen schon. Im privatwirtschaftlichen Bereich wird es der Markt schon regeln. Wer will denn einer Fluglinie verbieten, den Nachweis einer Impfung sehen zu wollen, bevor sie Leute an Bord lässt?

Hätte man für Deutschland mehr Impfstoff bestellen können? Sollte Deutschland vom guten, deutschen Impfstoff nicht mehr bekommen? Nein, das nicht die reichsten Länder in Europa den Impfstoff schneller und mehr davon bekommen ist Teil der europäischen Solidarität. Sollen Hausärzte impfen dürfen, wie die FDP fordert? Ja, natürlich. Sobald ein Impfstoff zugelassen ist, der nicht supertiefgekühlt bei minus 70 Grad aufbewahrt wird. Das ist auch völlig unstrittig. Aber die FDP macht halt symbolische Klientelpolitik, und zu der Klientel gehören auch niedergelassene Ärzte. Oder, wie @Sixtus so schön schreibt: „Würden zur Klientel der FDP Clowns gehören, Lindner würde Impfungen auf Kindergeburtstagen fordern“.

Solidarität

2021 wird das Jahr der Verteilungkämpfe oder zumindest der Verteilungsneiderei, das ist absehbar. Zur gesellschaftlichen Solidarität gehört es nun auch, dass man wartet, bis man an der Reihe ist.

Das wird zu weiten Teilen auch gar kein Problem sein. Trotz der krassen Einzelfälle: In der deutschen Bevölkerung ist viel Solidarität vorhanden. Sie wird nur überhaupt nicht genutzt.

Ein schönes Beispiel: Wie in der ersten Welle Nachbarn füreinander einkaufen gegangen sind. Über den Sommer ist das eingeschlafen, und das liegt auch daran, dass Solidarität von der Politik gar nicht genutzt wurde. Das ist schade, denn durch Aktivierung der Solidarität hätte man manche Dinge einfacher machen UND den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken UND den Menschen das Gefühl der Selbstwirksamkeit geben können.

Ein denkbares Beispiel: Die Verteilung von FFP2-Masken an Rentner:innen. Anfang Dezember wurde angekündigt, dass Alte und Angehörige von Risikogruppen pro Person 3 Masken in irgendeiner Apotheke abholen könnten. War eine Hauruck-Aktion und ging sofort schief. Wenn eine Apotheke überhaupt was von der Aktion wusste, waren die Masken praktisch binnen zwei Minuten vergriffen, und vor den völlig überrannten Apotheken standen sich die Alten die Beine in den Bauch.

Was aber wäre gewesen, hätten die Lokalpolitiker einen Aufruf verbreitet nach dem Motto „Wir suchen Freiwillige, die von Haus zu Haus gehen und Masken an Bedürftige verteilen?“ Ich wette es hätten sich SOFORT in mehr als ausreichender Menge Leute gefunden die das machen, und sei es nur, dass sie endlich das Gefühl bekommen, doch was gegen die Pandemie tun zu können und nicht völlig hilf- und tatenlos zu sein. Lokalpolitiker, baut auf Solidarität! (und ja, ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich das mal sage).

Krankenwagen

So viele Krankenwagen. Gefühlt an jeder Ecke kommen mir Krankenwagen entgegen, und schon morgens auf dem Weg zur Arbeit sehe ich den Rettungshubschrauber über dem Klinikum. Immer hoffe ich, dass das nur Leute sind, die sich an Weihnachtsplätzchen überfressen haben.

Ältere Einträge des Corona-Tagebuchs

Kategorien: Corona-Tagebuch | 2 Kommentare

Momentaufnahme: Dezember 2020

Herr Silencer im Dezember 2020

Echt, das Jahr ist rum?

Wetter: Der Jahreszeit entsprechend kühl bei 0-6 Grad und oft Regen bis Monatsmitte. Kurz vor Weihnachten kommt warme Luft und es regnet bei 10 Grad, dann stürmt es und die Temperaturen sinken wieder auf den Gefrierpunkt.


Lesen:

Marc-Uwe Kling: Qualityland 2.0
20 Minuten in der Zukunft: Das der dritte Weltkrieg von Maschinen in nur 8 Minuten ausgefochten wurde und keine ernsthaften Konsequenzen hatte, erfahren die Menschen nur aus den Medien. Peter Arbeitsloser ist einer von denen. Der Protagonist des ersten Buchs ist nun Roboterpsychologe und behandelt Drohnen mit Flugangst und Knuddelbären mit Berührungsängsten. Unversehens kommt er mit Jeff Bezos in Kontakt. Der will gerne Präsident werden, und ein „Mann aus dem Volk“ soll ihn beraten. Leider hat Peter gerade ganz andere Probleme.

Das erste „Qualityland“-Buch war banal und etwas naiv. Es war sich genug damit, den jetzt-Zustand der Digitalisierung mit einem Schuss „Black Mirror“ zu mixen und dann zu rufen „Hier! Algorithmen! Staunt!“ – als jemand, der nur halbwegs versteht wie Internetplattformen funktionieren, war das alles banal und wenig eigenständig. Klings naiver Schreibstil, der so gut in den Känguru-Geschichten funktioniert, wirkte dabei seltsam deplatziert.

Teil zwei ist immer noch kein literarisches Meisterwerk, bringt aber zumindest interessante und lustige eigene Ideen mit und hat vor allem eine Geschichte zu erzählen. Damit sind die Romanfiguren nicht mehr ausschließlich dazu da, eine digitalisierte Welt ungelenk zu erklären, sondern die Welt ist Kulisse und Stichwortgeber für die Handlungen der Figuren. Das ist wesentlich besser lesbar und kurzweilig, leider endet die Geschichte mittendrin mit einem Cliffhanger.


Hören:


Sehen:

Willkommen in Marwen [Prime]
Der belgische Ort Marwen im zweiten Weltkrieg: Böse Nazis sind hinter Captain Hoagie her, aber der wird zum Glück von den Frauen von Marwen, schwer bewaffneten Resistance-Kämpferinnen, verteidigt. Der Gag daran: Marwen ist nur ein Miniatur-Puppendorf, in dem Fotograf Steve Carrell seine Geschichten um Captain Hoagie mit Versatzstücken aus der Realität in Szene setzt. Er tut das, um mit seinen Ängsten fertig zu werden – seitdem er von Hooligans halb tot geprügelt wurde, lebt Carell in der Fantasiewelt von Marwen und mit und durch seine Puppengeschichten.

Bezaubernder und beeindruckender Film von Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft, Forrest Gump). Technisch ist der Film irre, so etwas wie die Marwenpuppen hat man noch nicht gesehen. Die Geschichte ist so berührend wie schön erzählt, und das sie wahr ist, verleiht dem Ganzen eine besondere Bitterkeit. Der Film hat zwischendurch leider immer wieder kleine Längen, aber über die hilft das intensive Spiel der DarstellerInnen hinweg. Ist gerade bei Amazon Prime enthalten, anschauen lohnt sich.


The Mandalorian Season 2
Der Mandalorianer ist immer noch mit dem Kind unterwegs und sucht Jedi, denen er es aufdrücken kann. Dabei trifft er auf alte Verbündete und neue Feinde.

„Es ist unmöglich, Star Wars-Fans der alten Fanbase zufrieden zu stellen und gleichzeitig ein neues Publikum zu erreichen“, sagte JJ Abrams mal. Und dann kamen Dave Filoni und Jon Favreau und schufen mit „Mandalorian“ etwas, das alle, von fünfjährigen Mädchen bis zu Männern im Rentenalter, total begeistert.

Hier stimmt einfach alles, von den Figuren über die Effekte bis hin zu den Geschichten. Meinen Hut ziehe ich vor den Autoren, denn die Geschichten sind nach allen Regeln der narrativen Künste gebaut und teils genial clever. Teils hat jede Dialogzeile, jeder Seitenblick und jede Figur eine Bedeutung und ist ein Baustein im Gesamtkunstwerk. Die Produktionsqualität ist dabei auf Kinoniveau, damit ist Staffel 2 ein 8 Stunden langer und sehr gute Film.

Abseits vom Handwerklichen: Ich liebe diese Serie aus vielen Gründen, aber vor allem weil sie ihre Charaktere respektiert und ihnen Bedeutung verleiht. Damit werden retrograd die Filme, die Serien wie Clone Wars und Rebels, Spiele wie „Jedi Knight“ und sogar altes Star Wars-Spielzeug aus den 80ern aufwertet. Endlich sehen wir Dinge, die sich Star Wars-Fans bislang nur vorgestellt haben: Wie bad-ass Mandalorianer drauf sind, wie Gesellschaften in Star Wars funktionieren, wie gefährlich Strumtruppen wirklich sind, wenn man gerade kein Jedi ist. Dazu kommen feinere Nuancen, etwa wenn am Rand beschrieben wird, welche Auswirkungen die Zerstörung von Alderaan auf Hinterbliebenen hatte.

„Mandalorian“ ist die beste Serie seit der ersten Staffel „Game of Thrones“ und ist beste Stück Star Wars seit „Empire“. Wer Star War früher mal mochte, dann aber seit den Prequels die Freude dran verloren hat, sollte das anschauen. Und alle anderen auch.


TENET [BluRay]
Kenneth Branagh ist böse und macht, das sich Dinge rückwärts durch die Zeit bewegen. So ein Typ und dieser Robert Pattison aus den Vampirfilmen finden das nicht so dufte.

Christopher Nolan ist einer der größten Regisseure unserer Zeit, und TENET ist Nolan in Reinform – mit all seinen Stärken und Schwächen: Superkomplexe Grundidee, große Bilder, tolle Actionsequenzen, hervorragende Schauspieler, treibender Score. Gleichzeitig bedeutet das aber auch eine Erzählung, die komplizierter inszeniert ist als nötig, dürftig verborgene Plotholes, keine Emotionen und null Interesse an den Charakteren. Das geht dieses Mal sogar so weit, dass der zentrale Charakter nicht mal einen Namen hat, was bewirkt, dass der Film trotz seiner Größe leer und seelenlos wirkt.

TENET ein hirnverbiegendes Puzzle und unterhält auch dann noch, wenn man nicht alles versteht. Die Grundidee selbst ist brillant und erschließt sich erst ganz, wenn man im Nachgang noch ein wenig darüber nachdenkt. Das ist ein Kompliment für den Film, aber man muss dafür bereit sein, die ungeteilte Aufmerksamkeit für 150 Minuten zu investieren.

Seltsam ist Nolans lautstarkes Wutgeheul, er mache seine Filme nur für´s Kino. „TENET“ wirkt auch auf Heimkinoanlagen, und ich würde mal behaupten, auch auf großen Fernsehern. Und, ganz ehrlich, ungeteilte Aufmerksamkeit, die bekommen Filme auch im Kino schon lange nicht mehr – man sehe sich in Multiplexkinos einfach mal an, wieviele Leute am Handy hängen statt auf die Leinwand zu achten.


Spielen:

Cyberpunk 2077 [PS4]

Kennt jemand den Begriff „Belohnungsaufschub“ aus der Psychologie? Das bedeutet den kurzfristigen Verzicht auf eine kleine Belohnung, um langfristig eine umso größere einzustreichen. Also quasi der Fachbegriff für „Wenn Du das Überraschungsei jetzt nicht sofort auffrisst, sondern 15 Minuten wartest, bekommst Du ein zweites“. „Cyberpunk 2077“ ist der ultimative Belohnungsaufschubs-Test für Erwachsene.

Mit „The Witcher 3“ hat das polnische Studio CD Projekt Red in 2012 einen echten Knaller hingelegt. Schöne Spielwelt, tolle Geschichten, faire DLC-Politik. Das Studio wurde so zum Liebling der Gamer, und vom Witcher-Nachfolgertitel erwartete man Großes. Nach acht Jahren Entwicklungszeit und etlichen Verschiebungen ist nun „Cyberpunk 2077“ erschienen, und es ist leider kein Knaller. Es ist nicht mal mittelmäßig. Es ist eine Katastrophe, und das unabhängig von der Plattform.

Ich hatte mich von den Kaufwarnungen vor der PS4-Version nicht beeindrucken lassen, ab und an einbrechende Frameraten oder aufploppende Texturen stören mich nicht so. Aber Cyberpunk ist wirklich nicht spielbar. Auf der PS4 mit Patchstand 1.03 stürzt das Spiel alle 10 Minuten ab, die Performance ist schwach und grafisch ist das ganze nett, aber kein Knaller. Gut, rein technische Probleme lassen sich mit Patches, die aktuell alle drei Tage erscheinen, in den Griff bekommen.

„Cyberpunk“ versagt aber auch in anderen Disziplinen, und das lässt sich nicht so einfach nachträglich fixen. Das Gameplay aus der Egoperspektive ist an vielen Stellen fummelig und ungenau, das Inventar unübersichtlich und kaum benutzbar, die Interfaces sind allesamt aus der Hölle und Spielsysteme sind überkomplex, untererklärt und greifen nicht ineinander. Manchmal fehlen selbst basale Funktionen, wie ein Navi, das bei schneller Fahrt rauszoomt. Narrativ hängen manche Geschichten einfach in der Luft, und dem Vernehmen nach fehlt am Ende ein Großteil des dritten Akts.

Hübsch ist dagegen die Architektur der Stadt und generell dieses Cyberpunk-Design, wie man sich das in den 80ern halt vorstellte. Aber mehr als Stadt bauen und Assets designen scheint das Studio die letzten 8 Jahre nicht gemacht zu haben.

Cyberpunk Stand jetzt ist unfertig und definitiv zu früh rausgekommen, und zwar nicht ein paar Monate, sondern ein bis zwei Jahre. CD Projekt Red wird nun über einen langen Zeitraum am Spiel herumpatchen. Das hat bei diesem Studio Tradition, auch der „Witcher“ bekam erst per Patch ein brauchbares Inventar.

Damit sind wir wieder beim Anfang: Cyberpunk kann noch ein sehr gutes Spiel werden, so in ein oder zwei Jahren, als Game of the Year Edition und dann vielleicht auf einer NextGen-Konsole. Wer es schafft, so lange zu warten, wird reich belohnt werden. Wer das Überraschungsei jetzt frisst, wird keine Freude haben.


1979 Revolution: Black Friday [PS4]
Iran, 1980: Der junge Fotograf Reza sitzt in einem Gefängnis des iranischen Geheimdiensts und wird gefoltert. Sein Peiniger will wissen, welche Rolle Reza in den Protesten gegen den Sha im Herbst 1979 spielte. Reza erinnert sich in spielbaren Sequenzen an die Demonstrationen, die friedlich begannen und in einem Blutbad endeten.

Sieht aus wie ein Dontnod-Titel, spielt sich auch so ähnlich: Entscheidungen in Dialogen müssen unter Zeitdruck getroffen werden, je nach Entscheidung ändert sich geringfügig die Story. Das spielt sich trivial, ist aber so intendiert, immerhin sollen so auch nicht-Gamer an die Materie herangeführt werden. Die Materie ist selbst ist dann tatsächlich ein dickes Brett: Die Revolution im Iran nicht als Hintergrund für eine Handlung zu nehmen, sondern die quasi in den Mittelpunkt zu stellen, ist schon eine gewagte Designentscheidung, die auch nicht immer funktioniert.

Durch Rezas Augen sieht man den Iran als dem Westen gegenüber offenes und durchaus modernes Land, das aber unter dem allmächtigen Sha leidet und arm gehalten wird. Dem gegenüber die Protestgruppen aus Modernisierern, Mudschaheddin und religiösen Führern. Das soll verdeutlichen, an welchem Scheideweg der Iran sich 1979 befand und wie explosiv die Lage war.

Hinter den kurzen Spielsequenzen liegen jeweils Tonnen an zusätzlichen Infos in Form von Fotos und Texten, aus denen man wirklich interessantes lernen kann. Wer hätte gewusst, das Ende der 70er revolutionäre Botschaften über heimlich verteilte Toncassetten verbreitet wurden? Wer wirklich ernsthaft in das Thema einsteigen will, findet hier einen guten Einstieg. Alle anderen werden keine Freude an dem grafisch und spielerisch schlichten Titel haben, der sich über Teile seiner drei Stunden Laufzeit auch noch wie Propaganda anfühlt.


Assassins Creed Valhalla (2/2) [PS4]
Norwegen ist karg und langweilig, also macht sich Wikingerin Eivor im 9. Jahrhundert auf und erobert England. Dabei trifft sie natürlich auf den Order of the Ancient, den Vorläufer der Templer, aber der interessiert die Kriegerin nicht. Sie kümmert sich um den Aufbau einer Siedlung für ihren Stamm und geht eher der Frage nach, was ihre Visionen über Asgard, den Lebensbaum und über Odin und Loki bedeuten.

Derweil erlebt im Jahr 2020 ein Assassinenteam die Erinnerungen von Eivor nach um eine drohende Katastrophe zu verhindern. Als Eivors Geheimnis entschlüsselt ist, führt der Weg nach Norwegen – wo sich die Zukunft für immer verändert.

Tja, so kann man sich täuschen. Als ich die ersten 5 Stunden von AC:V gespielt hatte, war ich genervt. Schon wieder eine riesige und schön gestaltete Welt, die vollgestopft ist bis zum Abwinken mit langweiligen und repetitiven Aufgaben. Das sah mehr nach Arbeit als nach Spaß aus. Das stimmt aber nur zum Teil. England ist aufgeteilt in einzelne Shires, die es zu erobern gilt. Anstatt das über immer gleiche Aktivitäten zu tun, wie in „Syndicate“, sind es hier aber Storymissionen, die zum Erfolg führen. Die sind meist gut geschrieben und unterhaltsam, so dass man sie gerne erlebt. Längst nicht alle Elemente funktionieren wie intendiert – zu meiner Siedlung und ihren Bewohnerinnen habe ich nie ein inniges Verhältnis aufgebaut, und auch die Romanzen sind auch ein Witz.

Umgehauen hat mich dann aber das Ende. Die letzten Stunden vermischen sich Vergangenheits- und Gegenwartsstory auf eine Weise, wie ich es seit „Revelations“ nicht mehr gesehen habe, und der Aha-Effekt entspricht in etwa dem am Ende von AC II. Echt, bislang hatte ich keine gute Meinung über Lead-Writer Darby McDevitt, aber was hier an Story aufgefahren wird, lässt einem die Kinnlade offen stehen und ergibt absolut Sinn.

Dumm nur, das die Hälfte der wirklich guten Geschichte in einem optionalen Nebenstrang versteckt ist, und die Auflösung der drängendsten Frage in freiwilligen Rätseln. Und: Bis man an den Punkt kommt wo es cool wird, muss man geschlagene 85 Stunden Gedöhns machen. Gutes Gedöhns, aber halt 85 Stunden davon und damit mindestens 40 zu viel. Wenn man AC: Valhalla also etwas vorwerfen kann, dann das gleiche wie schon dem Vorgänger „Odyssey“: Es ist zu lang und schleppt zu viel Open-World-Ballast mit sich rum.

Immerhin bin ich endlich mal wieder gespannt wie es mit Assassins Creeds lange vernachlässigter Gegenwartsstory weitergeht. Ich hoffe, Ubisoft hat dieses mal einen Plan wo sie mit der Serie hin wollen, und fahren sie nicht wieder so an die Wand wie 2012 in ACIII.

Machen:

Weihnachten auf der Couch.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

Dankeschön!

Blogpinguin Huhu und das Wiesel haben kurz vor Weihnachten jede Menge Fanpost bekommen, dafür soll ich stellvertretend „Dankeschön“ sagen. Huhu freut sich über Pinguinkarten, eine Pinguinlampe, singende Kristallpinguine und geht jetzt mit seinem Pinguinbadezusatz in die Wanne, und das Wiesel hat sich schon an die Arbeit gemacht um die insgesamt 1,5 Kilo(!) Sternchenkekse zu vernichten, die hier aufgeschlagen sind. Liebe Leserschaft: Ihr seid leider verrückt, aber sehr lieb.

Kategorien: Ganz Kurz | Ein Kommentar

Reisetagebuch Motorradherbst (1): Südwärts

Samstag, 19.09.2020
Gerade nochmal ein wenig Hand an die Motorräder gelegt. Die ZZR ist jetzt abgedeckt und die Vergaser abgelassen, die macht schon Winterschlaf. Die V-Strom dagegen hat noch was vor sich, sie steht mit gepackten Koffern und startbereit da.

Ich wische mit einem Lappen an meinen Händen rum, verteile damit das Öl aber nur noch sorgfältiger. Gott, was freue ich mich, endlich rauszukommen. Die kleine Rundfahrt durch den Osten ist schon wieder drei Monate her, und auch wenn 2020 insgesamt kein Spaziergang ist, waren die letzten Wochen ganz besonders fordernd. Zehn bis zwölf-Stunden Tage, sieben Tage die Woche, keine Verschnaufpause, keine Ruhe.

Es war alles ein Bißchen viel auf einmal: Ein Trauerfall, Beerdigung, Vorstellungsgespräche, Jahresabschluss im Unternehmen, Neuerfinden einer Tagung, das alles neben der normalen Arbeit, und dann natürlich noch die Pandemie – wie hält man einen Laden zusammen, wenn die Mitarbeiter:innen sich alle nicht sehen dürfen und Homeoffice angesagt ist?

Besonders die letzte Woche habe ich viel zu wenig geschlafen, was in ziemlicher Dünnhäutigkeit resultierte. Immerhin, 5 Kilo weniger auf den Rippen, auch gut. Ich habe schlicht an manchen Tagen vergessen was zu essen, an anderen hatte ich einfach keinen Appetit. Ja, es war viel auf einmal.

Die Reise steht unter keinem guten Stern. Seit gestern ist der Stress eigentlich vorbei, und natürlich habe ich seit gestern eine zuhe Nase und huste dauernd. Die oberen Atemwege kribbeln, sicheres Zeichen für eine Infektion. Covid-19? Hoffentlich nicht. Die Fallzahlen gehen gerade wieder überall durch die Decke. Wo vor vier Wochen zwei- bis dreihundert Neuinfektionen pro Tag normal waren, sind es gerade zehn mal so viele, schon über 2.200*. 

Gestern Abend hat sich eine Herberge aus Österreich gemeldet, in die ich will. „Wir werden mit Sicherheit Sonntag oder Montag zum Risikogebiet. Wenn sie dann herkommen, werden die bei der Rückfahrt in Quarantäne müssen“, schrieb die Gastwirtin.

Ich will nicht darüber Nachdenken, ob ich den Coronavirus habe. Vielleicht kommt das Kribbeln in den Bronchien ja einfach davon, dass ich die letzten Tage viel geredet habe, und das in sehr trockenen Räumen. Ja genau, das muss es sein. Und es spielt keine Rolle, ob Tirol Risikogebiet wird. Ich will da ja nicht Ski fahren. Dann  gehe ich halt einfach nicht unter Menschen. So einfach ist das. Positiv denken, und nicht zu weit nach vorne. Ich mache das jetzt einfach, ich muss nämlich hier raus. Dringend. 

Sonntag, 20.09.2020
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker viel zu früh. „Oi Siri, Außentemperatur“, nuschele ich unter der Decke hervor. „Es sind 5 Grad“, entgegnet das iphone. Ich stöhne gequält auf. wo sind die 17 Grad hin, die wir gestern morgen hatten?

Immerhin scheint die Sonne, stelle ich fest, als ich fröstelnd mit einem Becher Kaffee in der Hand auf dem Balkon stehe. Es wird langsam Herbst. Der Apfelbaum hängt schon voller Früchte, aber noch hat er grüne Blätter.

Ich mache mich abreisebereit und brauche dafür genau eine Stunde, dann knipse ich die Sicherungen der Wohnung raus und ziehe die Tür zu. Weg hier!

Trotz 5 Kilo weniger auf den Hüften habe ich Mühe, die ohnehin körperbetont geschnittene Motorradjacke über die Fleecejacke zu bekommen, aber irgendwann habe ich mich hineingewunden und alle Reißverschlüsse zugezogen.

„Wo geht´s hin, Anna?“, frage ich, als ich das Geräusch im Helm vernehme, das bestätigt, dass das Garmin Zumo 590 jetzt mit Motorrad und mir verbunden ist. „Biegen Sie links ab und folgen sie de Straßenverlauf für 660 Kilometer“, sagt meine virtuelle Copilotin. „Das bekomme ich hin“, sage ich, lasse den Motor an und die V-Strom aus der Garage rollen. Karten lesen und dieses Abbiegen nach links oder rechts überfordern mich manchmal, aber einfach nur dem Straßenverlauf folgen, das kriege ich hin. 

Weiterlesen

Kategorien: Motorrad, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar

Weihnachten in der Pandemie

Muss man Weihnachten mit der Familie, oder schlimmer noch, mit Familienbesuchstouren verbringen?

Oder ist was dran an der Behauptung, dass das hier das „Schlimmste Weihnachten seit dem zweiten Weltkrieg“ sei? Viele Menschen scheinen sich es sich gar nicht vorstellen zu können, Weihnachten allein oder nur im Kreis der eigenen Kernfamilie zu verbringen.

Für mich persönlich habe ich diese Frage schon vor langer Zeit entscheiden. Ich verbringe Weihnachten schon seit Jahren in ganz kleinem Kreis, und mindestens der zweite Weihnachtsfeiertag gehört nur mir.

Ich bin aber auch in einer besonderen Situation, habe selbst keine Kinder, die meisten Verwandten sind tot oder seltsam oder weit weg, und dazu kommt, dass ich gerne alleine bin.

Das heißt nicht, dass dieses Jahr nicht doch anders ist. Den einen Besuch am heiligen Abend, der mir wichtig ist, habe ich schweren Herzens abgesagt, weil ich kurz vor dem Fest noch auf´s Amt und damit in eine schlecht gelüftete Großraum-Amtsstube voller mies gelaunter und keine Masken tragender Schreibtischtäter musste. Da gehe ich jetzt lieber auf Nummer sicher und bleibe mit meinem Hintern zu Hause.

„Aber der Oppa wünscht es sich doch so, seine Enkel zu sehen! Und der ist doch schon so klapprig“ Deshalb fahren wir hin, aber nur zum Kaffeetrinken“, höre ich aus dem Bekanntenkreis. Ja, nee. Ein Kaffeetrinken in der Muffelbude reicht für eine Ansteckung, gerade bei kleineren Kindern ist die Vermeidung von Körperkontakt eine Illusion. Und ganz ehrlich, was Oppa will wäre für mich völlig unerheblich. Der realisiert ja vielleicht nicht mal den Ernst der Lage.

Ich habe mir zu der Frage „Andere Leute besuchen ja oder nein“ schon im März Gedanken gemacht und bin zu dem Schluss gekommen: Ich kann sehr gut damit leben, meine Freunde und Verwandte mal nicht zu sehen. Ich könnte aber nur sehr schwer damit leben, wenn ich es wäre, der ihnen eine tödliche Infektion beigebracht hat.

Ich musste mich früh damit auseinandersetzen, weil ich bis Januar jede Woche meine alte Vermieterin besucht habe. Zweiundneunzig Jahre war sie mittlerweile, lebte im Altersheim und war völlig tüddelig. Sie war schwach und abgemagert, und das Gedächtnis war völlig hinüber, aber sie erkannte mich immer noch und freute sich, wenn ich ihr Klatsch- und Tratschzeitschriften vorbeibrachte.

Die Wahl war nun: Sie weiterhin besuchen, damit sie sich ein wenig freut, dabei aber Infektionen riskieren? Oder sie allein im Heim lassen bis nach der Pandemie, in dem Bewusstsein, dass vielleicht der Besuch im Januar der letzte war? Ich musste darüber nicht lange nachdenken. Wir haben uns nicht wieder gesehen, im Oktober ist sie an Altersschwäche gestorben.

Keine anstrengenden Besuchstouren an Weihnachten zu machen heißt ja nicht, dass man sich nicht sehen kann. Mittlerweile hat ja jede Omma mindestens ein iPad zu Hause, damit kann man wunderbar Facetimen oder Skypen oder Zoomen oder was das Jahr sonst noch an seltsamen Verben hervorgebracht hat. Und wenn ich mir hier allein die Menge an Päckchen und Briefen ansehe, die in den letzten Tagen eingetroffen sind, dann weiß ich, dass ihr an mich denkt.

Nun verbringe ich also Weihnachten im ganz engen Kreis. Blogpinguin Huhu geht eh nicht freiwillig raus, ´von dem droht also keine Ansteckungsgefahr, und das Wiesel konnte leider einen negativen PCR-Test vorlegen.

Na, dann in diesem Sinne: Frohe Weihnachten, bleibt zu Hause und gesund!

Oder, wie Robert Downey Jr. sagt:

Kategorien: Gnadenloses Leben, Huhu, Wiesel | 4 Kommentare

The True Size of…

„Es kommt doch nicht auf die Größe an, Schatz“ ist eine weit verbreitete Lüge. Es kommt immer auf die Größe an, und daher ist es schon gut die zu kennen.

Wer gerade Langeweile hat, kann mal 5 Minuten mit „The True Size of“ verbringen. Das ist ein Tool, das die Verzerrung von Ländergrößen durch die Mercator-Projektion aufhebt. Mercator-Projektion? Ja genau, das ist das Verfahren, nachdem die Weltkarte meist gestaltet ist.

So sieht die aus, kennen wir alle:

Die Mercator-Projektion ist u.a. deshalb so beliebt, weil sie die Winkeltreue und damit die Form von Dingen erhält. Mit anderen Worten: Egal wie klein oder groß etwas dargestellt wird, es hat immer die exakt gleiche Form. Die Mercatorprojektion ist aber nicht flächengetreu, und damit kommt der lustige Teil: Länder auf einer Mercator-Karte haben einen anderen Größenmaßstab, je nachdem wie weit sie am Rand der Karte sind.

Die Seite thetruesize.com erlaubt es nun, einzelne Länder über ein Suchmaske auszuwählen. Hier zum Beispiel Grönland.

Grönland ist ja riesig, oder? Naja, geht so. Wenn man sich jetzt Grönland mit der Maus greift und über die Weltkarte zieht, gleicht Truesize die Größenverhältnisse an. Im Vergleich zu Europa ist Grönland dann gerade noch so groß:

Und so sieht Grönland im Vergleich zu Afrika aus. Ein Zwerg!

Aber gut, im Vergleich zu Afrika ist ALLES kein. Hier Russland in Afrika:

Oder mal umgekehrt: Das hier ist die Demokratische Republik Kongo im Vergleich zu Europa.

Kann man schon mal ein paar Minuten Zeit mit verbringen. Hier klicken: The True Size Of…

Verpassen Sie nicht in Teil 2 (nur für Fortgeschrittene): Die traversale Mercator-Projektion für den Nullmeridian.

Quelle: RokerHRO, Wikimedia, CC BY SA 3.0

Kategorien: Linktip, Service | 2 Kommentare

Corona-Tagebuch (24): Verzweiflung und Hoffnung liegen dicht beieinander

Weltweit: 77.517.453 Infektionen, 1.705.654 Todesfälle
Deutschland: 1.542.570 Infektionen, 27.156 Todesfälle

Tag 255 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Der letzte Corona-Eintrag ist einen Monat her, und man, ist seitdem viel passiert. In Deutschland haben sich binnen vier Wochen eine halbe Million Menschen neu infiziert, die Zahl der Todesfälle hat sich verdoppelt.

Verzweiflung.

So emotional habe ich Angela Merkel noch nie erlebt. Ihre Stimme überschlägt sich und die Verzweiflung ist ihr anzumerken, als sie im Bundestag an die Abgeordneten und an die Ministerpräsidenten der Länder appelliert endlich zu handeln. Der „Lockdown Light“ hat zwar den exponentiellen Anstieg der Neuinfektionen gestoppt, aber die haben sich auf einem Niveau von 20.000 am Tag eingependelt. Viel zu viel.

Die Inzidenz sollte am Besten weit unter 50 Neuansteckungen die Woche auf 100.000 Einwohner liegen, aktuell ist sie regional bei fast 700. Die Landesoberhäupter haben versucht sich darum rumzuwurschteln, und Ausgangssperren ab 22 Uhr verhängt und so einen Quatsch, als ob im Dezember und bei geschlossener Gastronomie noch jemand freiwillig um diese Zeit unterwegs wäre. Die Schulen dagegen, die Infektionsmultiplikatoren schlechthin, sind bis zum letzten Tag offen geblieben, und auch das ach so wichtige Weihnachtsgeschäft sollte noch mitgenommen werden.

Erst als die Wissenschaftsakademie Leopoldina einen Brandbrief an die Politik schrieb und die Zahl der Neuinfektionen immer weiter stieg, hatten die Landesfürsten ein Einsehen und machten den Einzelhandel zu. Das war zu bräsig und zu langsam, jetzt haben wir aktuell 600 Tote am Tag, die Krankenhäuser sind am Limit und die wirkliche Welle steht uns nach den Feiertagen noch bevor. Das war alles absehbar und mit Ansage, schon im April hat Christian Drosten exakt diese Situation vorhergesagt. Aber klar, man kann das alles ignorieren, sich von lautstarken Corona-Leugnern treiben lassen und sich dann, wie Sachsens Ministerpäsident Kretschmer, hinstellen und sagen „Wir alle haben dieses Virus unterschätzt“. Nee, nicht „wir alle“.

Mittlerweile ist es so schlimm, dass sich selbst Menschen infizieren, die seit dem Frühjahr praktisch keinen Kontakt mehr mit anderen haben und nur mit FFP2-Maske und nur zum Einkaufen rausgehen. Derweil wurde in England eine Virusmutation gefunden, die um 70 Prozent ansteckender sein soll und zeitgleich tanzen noch „Protestierende“ ohne Masken durch Geschäfte im Prenzlauer Berg und singen „Ein Bißchen SARS muss sein“. Kannste an der Menschheit verzweifeln, ob solcher Nachrichten.

Hoffnung.

Immerhin, es gibt auch gute Nachrichten. Die Impfstoffe sind gefunden und wirksamer als gehofft. Großbritannien impft schon, die EU noch nicht. Grund: Man hat sich zwei Wochen Zeit genommen und genauer geprüft und dann dem Biontech-Impfstoff eine bedingte Zulassung erteilt, während auf der Brexit-Insel per Notzulassung geimpft wird. Hört sich nach Wortklauberei an, hat aber entscheidende Unterschiede. Bei einer Notzulassung haftet der Hersteller nämlich für nichts, bei der bedingten Zulassung dagegen sehr wohl. Damit ist für die Konzerne eine starke Motivation geschaffen den Impfstoff ordentlich zu produzieren. Gute EU!

Verzweiflung.

In Deutschland sind die Impfzentren vielerorts fertig eingerichtet, bei uns in Götham in einem alten Asybewerberheim. Sobald am 27.12. der Impfstoff ausgeliefert wird, können die Impfungen starten. Zuerst die alten und Risikogruppen, dann besondere Berufsgruppen, dann der Rest. Bis Herbst 2021 sollten dann hoffentlich alle durch sein. Das ist noch eine Ewigkeit hin.

Aber vielleicht geht das mit den Impfungen auch schneller. Aktuell ist der Anteil der Impfwilligen gering, je nach Umfrage sagen nur 30-60 Prozent, dass sie sich impfen lassen wollen. Das reicht nicht für eine Herdenimmunität.

Hoffnung.

Was es jetzt braucht ist eine ordentliche Marketingkampagne für die Impfung. So wie in Italien. Da läuft eine breit angelegte Werbekampagne für die Impfung. Das Motto ist „L´Italia rinasce con un fiore Vaccinazione“, „Italien wird wiederbelebt mit einer (Impf-)blume“. Das Logo ist eine Blume, und die Impfzentren sind auch wie eine Blume designt. Zumindest als Mockup im Werbspot der Kampagne. Viel positiver und hoffnungsvoller geht es kaum.

Ältere Einträge des Corona-Tagebuchs

Kategorien: Corona-Tagebuch | 4 Kommentare

Die dicke Agathe 2020

Da staunt der Huhu: Selbst im Corona-Jahr verwandelt sich die dicke Agathe, die den Rest des Jahres aussieht wie ein Haufen Küchenabfälle, in einen pinken Wasserfall aus Blüten. Und das auch noch pünktlich zu Weihnachten. Ein sehr pflichtbewusster Weihnachtskaktus.

Frühere Agathes:

Die dicke Agathe 2019

Die dicke Agathe 2018

Die dicke Agathe 2017

Kategorien: Ganz Kurz | 4 Kommentare

Reisetagebuch Motorradtour (8): Das wohlbekannte Conz

Sonntag, 12. Juli 2020, Mumpfelhausen bei Götham

Letzter Urlaubstag!
Das ich zu Hause übernachtet habe ist genauso ungewöhnlich wie die Uhrzeit. Kurz nach 06:30 Uhr ist eigentlich nicht so meine Zeit, aber hilft ja nix. Es ist Corona-Pandemie, und wenn ich überhaupt etwas unternehme, dann nur zu Randzeiten, wenn möglichst wenig andere Menschen unterwegs sind. Mein Ziel ist dreieinhalb Stunden entfernt und öffnet um 10:00 Uhr. Ab 11:30 Uhr wird es da voll, dann bin ich schon hoffentlich schon wieder weg.

Ich sattele die V-Strom. Es ist ein sonniger Sommertag, Regenkombi kann zu Hause bleiben. Einzig das Topcase wird mit einer Wasserflasche bestückt und in den Heckträger geschoben, und kurze Zeit später dödelt die Suzuki über Land- und Bundesstraßen Richtung Norden.

Meine Fresse, ist das Leinetal schön. Als ich hier aufgewachsen bin und nichts von der Welt kannte, war mir das nicht bewusst, aber jetzt nehme ich das Harzvorland mit seinen hohen Hügeln (Berge sind das ganz knapp noch nicht) und seinen weiten Überschwemmungsflächen wie das Auenland wahr.

Einmal die Bierstadt Einbeck umrundet, dann weiter über kleine Orte am Harzrand und zwischen Hildesheim im Westen und Salzgitter/Wolfenbüttel/Braunschweig im Osten vorbei. Das ist langweilig zu fahren, weil es wirklich nur auf der praktisch leeren Bundesstraße nur geradeaus und zwischen Feldern übers platte Land geht. Null Schauwerte, aber immerhin gutes Wetter und frische Luft.

Auf Peine folgt Celle, beides nicht so die Schönheiten vor dem Herrn, und schließlich geht es hinter Winsen (das an der Aller!) noch durch ein großes Waldstück bis Anna signalisiert, dass wir nun angekommen sind. Es ist zwei Minuten vor zehn, passt ja perfekt.

Ich stelle die Barocca auf einem Parkplatz ab, schließe den Helm im Topcase ein und lege eine FFP3-Maske an. Anscheinend bin ich wirklich noch fast allein hier, außer dem Motorrad stehen nur ein Wohnmobil und ein einzelnes Auto auf dem Parkplatz. Nicht weit entfernt ist ein Gebäude, das stark nach Verwaltung aussieht, daneben ein großer, gekiester Platz mit einigen Bäumen und einem großen Tor. Das wird gerade geöffnet, und dahinter liegt ein langgezogener Betonbau wie man ihn in solcher Brutalität selten sieht, die aber diesem Ort durchaus angemessen ist.

Der Eingangsbereich ist fast schon beklemmend, mit hohen Betonwänden zu beiden Seiten. Hoch darüber wölbt ein Band blauen Himmels. Die Betonwände wirken wie ein Gefängnis, der Himmel wie ein Stück Freiheit, das völlig außer Reichweite ist.

Im Inneren des Betonklotzes ist ein großer Empfangsraum, von dem Toiletten und ein Restaurant abgehen. Es gibt einen Kassentresen, an dem man aber gar kein Geld will, was in Kombination mit coronabeschränkter Kommunikation zu einem seltsamen Missverständnis führt.

Die Dame am Empfangstresen versteht meinen Wunsch nach einer Eintrittskarte erst akustisch nicht, bedingt durch meine Nuschelei durch die Maske und die Dämpfung durch eine Plexiglasscheibe, dann versteht sie inhaltlich nur Bahnhof. „Eintrittskarte? Brauchen Sie nicht. Aber hier, nehmen sie doch Prospekte mit!“ „Danke, sage ich leicht verwirrt und stopfe verschiedene Faltblätter in mein Slingbag.

Der Empfangsraum dient wirklich nur dem Ankommen, unmittelbar hinter dem Empfangstresen und neben einem Buchshop verlässt man den Eingangsbereich gleich wieder, um dann durch einen weiteren langen Gang Eingang im Betonklotz den Hauptraum zu betreten. Der ist langgestreckt und schummrig beleuchtet.

Am Eingang befinden sich Kabinen mit Bänken, in denen man Platz nehmen und sich einen Einführungsfilm ansehen kann. Ich ignoriere die erstmal und begebe mich in die Ausstellung. An den Wänden sind Fotos und Texte auf Leuchtwände aufgezogen.

Eines zeigt ein Schild, das vor 75 Jahren an dieser Stelle stand. Auf dem ist zu lesen:

„Das ist das wohlbekannte Conz. (Lager) Bergen-Belsen“.


Weiterlesen

Kategorien: Motorrad | 8 Kommentare

Reisetagebuch Motorradtour Ost (7): Das Plastinarium

Freitag, 03. Juli 2020, „Fuchsbergklause“ Dresden

Früh und schnell frühstücke ich in der Fuchsbergklause in Klotzsche, dem unappetitlich klingenden Vorort von Dresden, dann bringe ich die V-Strom auf die Straße.

Es geht nach Norden, weg von Dresden und auf Bundes- und Landstraßen durch Waldgebiete. Das hier ist die Lausitz. Schilder weisen den Weg zu Orten wie Bautzen, Bischofswerda, Hoyerswerda oder Cottbus. Wenn diese Namen in den Nachrichten auftauchen, stehen die meist im  direkten Zusammenhang mit Rechtsradikalen, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus.

Eine tiefe Verbitterung und Abneigung gegen alles Fremde (und, wenn gerade nichts Fremdes da ist, dann gegeneinander), das scheint in den Menschen hier ganz tief verwurzelt zu sein.

 

Ich erinnere mich daran, dass ich 1987 einen Schüleraustausch mitgemacht habe, zwischen meinem Gymnasium in Bad Gandersheim und dem in Pirna, was direkt vor Dresden liegt. Ich weiß davon nicht mehr viel, die prägendsten Erinnerungen sind aber:

  1. Wie der Lehrer der Austauschklasse sich bei einer Wanderung in die Sächsische Schweiz auf einen riesigen Findling stellte, der bestimmt drei Meter hoch und fünf Meter breit war, und den durch bloße Gewichtsverlagerung ein wenig von der einen auf die andere Seite kippen lassen konnte. „Das ist der legendäre Wackelstein“, proklamierte der Lehrer, „Der ist überall bekannt, der liegt hier seit Tausenden von Jahren und  ist ein Spaß für jung und alt! Von weit kommen die Leute hier her um den  Stein zu wackeln“. Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da gab es ein lautes Knirschen und der riesige Felds brach in der Mitte durch. Der Lehrer guckte fassungslos und trieb uns schnell weiter. Das war das Ende des berühmten Wackelsteins.

     

  2. Wie toxisch sich die Menschen in Pirna verhielten. Ich kannte das Wort natürlich noch nicht, aber die vergiftete Atmosphäre in meiner Gastfamilie, im Ort Pirna und der Schule nahm ich durchaus wahr. Die Toxizität galt nicht mir, der Hass richtete sich an unmittelbare Nachbarn („faules Lumpenpack“), Mitarbeiter und Kollegen („verdammte Fidschis“) und gegen die Nachbarn hinter der Landesgrenze („dumme Polen und klauende Tschechen“). Pirna liegt dicht an der tschechischen und polnischen Grenze, und ich weiß noch, dass ich es völlig seltsam fand, dass der Gastvater erst die Märkte dort lobte, weil er – ganz der clevere Sachse – dort billige Zigaretten und illegales Feuerwerk kaufen konnte, und im nächsten Moment abgrundtiefe Verachtung für die Menschen dort rausrotzte.

Verachtung und vergiftetes Denken, das ist mir noch von Pirna im Jahr 1987 im Gedächtnis. Und es war verbreitet, kein Einzelfall. Als würden die Menschen hier vom Hass angetrieben, so wirkte das auf mich damals. 

Zur sächsischen Gemütshaltung gehört die permanente Vermutung, dass alle anderen einen nur belügen und betrügen, und um den zuvorzukommen, hält man alle anderen von sich weg. Natürlich fühlen sich Teile von Sachsen auch heute, 30 Jahre nach der Wende, benachteiligt. Vertreter der der Lausitz, bspw., gebärden sich gerade so, als würde der Energiewandel nur gemacht, um ihnen persönlich eines auszuwischen, weil Braunkohle hier eine große Rolle spielte. Reste des Tagebaus sind noch überall zu sehen. Aber anstatt sich über die zerstörte Landschaft zu ärgern, sind die Leute hier auch noch stolz darauf.

Wohlgemerkt, der Tagebau SPIELTE eine Rolle, Vergangenheitsform. Schon heute arbeiten nur noch knapp 8.000 Personen in der Branche. Das ist nicht nichts, aber auch nicht so viel, dass es ein ganzes Bundesland in die Politikverdrossenheit führen sollte. Und doch passiert gerade genau das. Die AFD fuhr 2019 mit ihrem Gesellschaftszersetzenden Programm in Sachsen satte 28,4 Prozent ein, und an den Wochenende stehen hier an den Bundesstraßen Reichsbürger, schwenken Reichsflaggen und fordern das Ende der „Diktatur Merkel“. Wenn Deutschland einen „Rust Belt“ hat, dann ist das hier.

Möglicherweise haben die Leute hier alle tief sitzende und kollektive Neurosen. Auf solch einem Grund gedeiht Ausländerhass besonders gut, und das PeGiDA in Dresden seinen Ursprung hatte, wundert mich überhaupt nicht. Vielleicht entspringt dieses Verhalten einer tiefen Unsicherheit, denn diese Region wurden immer mal wieder von dem einen oder anderen Reich erobert. Erst „August der Starke“ gab den Sachsen hier ein wenig Selbstbewusstsein zurück, weshalb er bis heute auf eine fast kindliche Weise angehimmelt und verehrt wird.

In starkem Kontrast zu der Behauptung, von allen vergessen und immer benachteiligt zu sein steht der Zustand der nagelneu wirkenden Straßen und der schnieke herausgeputzten Dörfchen, durch die die v-Strom brummt. Nach gut einer Stunde komme ich in einer Stadt mit zwei Namen an. Mitten hindurch fliesst die Neiße und teilt den Ort in die polnische Hälfte Gubin und deutschen Ortsteil Guben.

Ich halte vor einem großen Fabrikgebäude aus Backstein und stelle die Barocca ab.

Guben war ab der Zeit der Industrialisierung bekannt für seine Tuchfabriken, und das hier ist eine davon. Genauer gesagt: Hier wurden Gubener Hüte produziert, garantiert wasserdichte Wollfilzhüte. „Gubener Hüte – weltbekannt durch ihre Güte“ war vor dem zweiten Weltkrieg ein bekannter Slogan. Im Krieg wurde die Stadt zu 90 Prozent zerstört, nach der Wende ging es wirtschaftlich bergab. Erst 2006 geriet Guben wieder in den Fokus, als ein Unternehmer hier einen Betrieb eröffnen wollte, den er zuvor in China aufgebaut hatte und dessen Ansiedlung ihm in Polen untersagt wurde – wegen Störung der Totenruhe und Leichenschändung.

 

(Achtung, nach dem Klick gibt es Bilder von Störung der Totenruhe, Leichenschändung und Käsekuchen.)

Weiterlesen

Kategorien: Motorrad, Reisen | 6 Kommentare

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: