Archiv des Autors: Silencer

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Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Reisetagebuch Japan (5): Your Name in Kamurocho

Reise durch Japan. Heute begebe ich mich an reale Orte aus fiktiven Geschichten, sinniere über Tankstellen und treibe mich in alten Bordellvierteln herum.

Dienstag, 05. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

An diesem Morgen verlasse ich um kurz nach acht alleine das Hostel. Modnerd und ich gehen heute getrennte Wege. Zwar kommen wir uns nicht groß in die Quere, wenn wir zu Zweit unterwegs sind, aber wenn ich für mich bin, habe ich das Gefühl mehr zu sehen und mehr mit zu bekommen, und das will ich heute.

Allein die Möglichkeit, jederzeit und in der eigenen Sprache mit jemandem reflektieren zu können was ich gerade sehe, lässt mich eine Reise weniger intensiv erleben. Vielleicht weil Gedanken, die mir beim Erkunden in den Sinn kommen, gleich durch den Mund wieder den Kopf verlassen. Wenn ich allein bin, bleiben die Gedanken im Kopf und kreisen darin, bis sie für mich kategorisiert und eingeordnet sind und dann irgendwann hier im Reisetagebuch stehen. Wenn ich allein bin, kommen Dinge näher an mich heran, ich tauche in die Welt ein. Bin ich mit anderen unterwegs, habe ich das Gefühl eine Blase um mich herum zu haben, durch die ich weniger mitbekomme. Wie auch immer: Ich mag Reisen mit Modnerd, aber heute freue ich mich darauf den Tag für mich zu haben.


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Kategorien: Reisen | 10 Kommentare

Momentaufnahme: April 2020 (2)

Herr Silencer im April 2020

Teil 2 des monatlichen Medienkonsums. Teil 1 war gestern.

Lesen:

Oskar Ludwig Possinger 5.000 km Urlaub und 390 Euro
Freundin weg, keine Kohle, aber das dringende Bedürfnis raus zu kommen: Oscar-L. Possinger setzt sich einen Rucksack auf, schwingt sich auf einen kleinen 50ccm Motorroller namens „Black Blunzie“ und fährt mit maximal 70 km/h von Österreich nach Griechenland, dreht dort eine Runde und kurvt dann über den Balkan wieder zurück. Unterwegs übernachtet er auf Feldwegen und an Stränden, begegnet skurrilen und netten Menschen und findet interessante Orte.

Ein Buch! Ein echtes, physisches Buch, verfasst von jemandem, den Leserinnen und Leser dieses Blogs vielleicht als Kommentator kennen! Und ich habe die Ehre und ein Exemplar aus einer Kleinauflage im Selbstverlag bekommen. Danke, Oskar-Ludwig Possinger!

Die beschriebene Reise ist skurril und absolut ungewöhnlich. Mit einem Kleinstroller, der für den Stadtverkehr gemacht ist, quer durch Europa zu fahren, praktisch ohne Budget – von sowas liest man nicht oft.

Eigentlich sind die Reiseerzählungen genau das, was ich verschlingen würde. Stattdessen habe ich das Buch in kleinen Teilen lesen müssen und dafür satte 4 Monate gebraucht.

Der Grund dafür ist die Sprache. Die kommt äußerst gestelzt daher und wird nicht verwendet um Dinge zu benennen, sondern um sie maximal kompliziert zu umschreiben – mit Referenzen, Anspielungen, Doppeldeutigkeiten, Fremdsprachen, Wortspielen oder in Bildern.

Beispiel: Es wird „der Körper dem salzigen H2O“ überantwortet statt einfach ins Meer gesprungen, statt einer Postkarte werden „Postversandgeeignete Bildprodukte“ erstanden, und das obwohl die „Hendimania“ verdächtig ist, Schuld daran zu sein, dass durch sie „täglich Milliarden digitaler Ein- und Ausdrücke, oft mit kabelgefaßter Lichtgeschwindigkeit punktgenau an die Empfänger persönlich zugestellt werden, ein Großteil der Menschen nicht eben im Begriff ist, das Schreiben auf physikalischen Stoffen zu verlernen“. Oder doch nicht?

Resultat: Bei nahezu jedem Satz muss ich erstmal darüber nachdenken, was mir der Autor eigentlich sagen will. Sowas kann man natürlich bewusst als Stilmittel einsetzen und sich dann einreden damit „Bonmots“ produziert zu haben – tatsächlich hat man damit aber lediglich einen schwer lesbaren Text zusammengeschraubt. Das manche Sätze zusätzlich an Verbandwurmung leiden und sich schon mal über eine halbe Seite ziehen, macht es nicht einfacher.

Die vielen Umschreibungen und Bilder erfordern zudem viel Hintergrundwissen, ohne das man den Sinn der Sätze manchmal schlicht nicht dekodieren kann. Mir fehlt dieses Wissen gelegentlich, denn wenn man nicht aus dem gleichen geographischen und kulturellen Raum und der gleichen Alterskohorte wie der Autor kommt, teilt man den Zeichenvorrat der Kommunikation nur zum Teil. In solchen Fällen liest man die Worte, kann den Sinn aber nicht verstehen.

Nicht falsch verstehen: Die Abenteuer in diesem Buch sind großartig, die Reise etwas ganz Besonderes und Ungewöhnliches und ich freue mich, eines der Bücher aus der kleinen Auflage im Selbstverlag geschenkt bekommen zu haben. Wer mit der Sperrigkeit des Schreibstils kein Problem hat, der kann beim Lesen an einem echten Abenteuer teilhaben. Ich mag das Buch, kann es aufgrund der beschriebenen Probleme allerdings nur in kleinen Dosen genießen. Aber vielleicht war das ja auch die Intention des Autors.


Hören:


Spielen:

The Last of Us [PS4, 2019]

Eine weltweite Pandemie hat die menschliche Gesellschaft zerstört. Die letzten Menschen vegetieren in Quarantänezonen vor sich hin, die Polizei exekutiert Menschen beim ersten Anzeichen einer Infektion auf offener Straße. In diese Welt wird der alternde Schmuggler Joel beauftragt, ein besonderes Paket an eine Miliz zu liefern. Das Paket entpuppt sich als 12jähriges Mädchen mit dem Namen Ellie, und sie ist als einziger Mensch immun gegen die Infektion. Widerwillig verlassen die beiden die Quarantänezone und beginnen eine Reise durch die Überreste der USA, die ein Jahr dauern wird.

Keine Hoffnung, nirgendwo. „The Last of Us“ schafft es mich zum Weinen zu bringen, noch bevor der Vorspann läuft. Die Welt des Spiels ist eine ohne Menschlichkeit. Menschen sind entweder aggressive Infizierte oder gnadenlose Plünderer. Was gut oder unschuldig ist, stirbt einen grausamen Tod.

Dabei ist diese Welt nicht ohne Schönheit: Nach zwanzig Jahren im Lockdown hat sich die Natur die Städte zurückerobert und bietet eine morbide Schönheit. Moosüberzogene Autowracks rosten vor sich hin, Straßen sind eingestürzt und zu Seen geworden, von Wolkenkratzern ist nicht viel übrig, Zootiere ziehen in Rudeln umher und die Sonne geht über sauberen Gewässern auf.

Das Besondere ist aber die Beziehung zwischen Joel und Ellie. Das Mädchen ist Joels Auftrag, und im Laufe des Spiels erringt sie zwar nicht seine Sympathie, aber zumindest seinen Respekt. Die Geschichte ist emotional sehr fordernd, und das Ende überrascht dann doppelt. Es gibt nämlich kein Happy End, im Gegenteil.

Der eigene Spielercharakter Joel nimmt der Welt die letzte Hoffnung mit einer so gigantischen Lüge, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Ein sehr mutiges Spiel, das an die eigene Substanz geht und Roger Eberts Verdikt, das Spiele „keine Kunst sind und niemals sein werden“ Lügen straft. „The Last of Us“ ist ein Meisterwerk, dass man gespielt haben muss.

Die remasterte PS4-Version ist geringfügig schöner als die PS3-Version von 2013, läuft durchgehend bei 60FPS und hat schärfere Texturen, riesig sind die Unterschiede aber nicht. Hier zu meiner ausführlicheren Originalrezension von 2013. Am 19.06. erscheint „The Last of Us – Part II“.

Gears of War 4 [XBOX One]
Irgendwas mit dicken Wummen und ekligen Außerirdischen.

Simple Ballerei. Seit zwei Jahren spiele ich an diesem Kram rum, weil er mich so langweilt, dass ich den nie lange am Stück ertragen habe. Nun bin ich endlich durch. „Gears 4“ ist durchaus abwechselungsreich und bietet neben Schauwerten auch hübsche Taktikelemente. Trotzdem finde ich das anspruchslose „Renne von A nach B und wemse alles um“-Prinzip ermüdend. Aber gut, Zielgruppe sind auch Teenies, und ich muss ja nicht alles gut finden.

Catherine: Full Body [PS4]
Vincent Brooks ist ein verpeilter Großstadtslacker Anfang 30. Tagsüber macht er irgendwas mit Programmieren, abends sitzt er mit seinen Kumpels in einer Bar. Seit zig Jahren ist er mit Katherine (mit K!) zusammen, konnte sich aber bislang nicht mal überwinden, mit ihr in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Dass Katherine neuerdings andeutet, dass sie vielleicht gerne heiraten würde, ignoriert Vincent geflissentlich.

Eines Abends lernt Vincent in der Bar Catherine (mit C!) kennen. Die junge Frau ist atemberaubend schön und völlig unkompliziert, und einige Drinks und eine Nacht später wachen die beiden nackt nebeneinander auf. Ab diesem Moment ist Vincents normales Leben vorbei.

Fortan quälen ihn nachts fürchterliche Albträume, in denen er ein Schaf ist und mit anderen Schafen eine endlose Ansammlung von aufeinandergestapelten Blöcken erklimmen muss. Am Ende einer solchen Albtraumnacht wacht Vincent stets neben Catherine auf, während Katherine ihm gesteht, dass sie schwanger ist und mit ihm eine Familie gründen will. Und als ob das nicht reicht, gibt es in der Stadt eine Serie von Todesfällen: Junge Männer, die von Schafen geträumt haben, sind im Schlaf verstorben.

Ich liebe Videospiele wenn sie das tun, was nur Videospiele können: Geschichten erzählen, indem sie unterschiedliche Medien und Mechaniken zusammenbringen. „Catherine“ ist ein tolles Beispiel dafür. Während Vincents Albträumen spielt man einen komplexen Plattformpuzzler mit einfachen Regeln, ansonsten erlebt man die Handlung über einen Walkingsimulator, in dem man Vincent durch die Bar steuert und mit Personen sprechen lässt. Eingefasst werden diese unterschiedlichen Spielmechaniken durch Zeichentricksequenzen. Die sind manchmal langatmig, oft aber sehr gut und wendungsreich geschrieben.

So sieht das aus:

Es ist zudem schön, dass sich „Catherine“ erwachsenen Themen annimmt, wie z.B. der Frage des Erwachsenwerdens, wann man(n) Verantwortung übernehmen muss und welche Folgen das eigene Handeln für andere hat. Je nachdem wie man Vincent spielt, endet das Spiel gänzlich unterschiedlich – von der Familiengründung mit Kathrine über teufliche Orgien mit Catherine bis hin zum Blutbad ist alles drin.

Die „Full Body“-Version ist übrigens ein Remaster für die PS4 und den PC, das Original erschien schon 2011 für die PS3. Die Remasterversion bietet leichte Schwierigkeitsgrade und Hilfe bei den Puzzlesequenzen, was gerade in späteren Levels auch sehr willkommen ist, sowie eine neue Hauptfigur – mit „Qatherine“ wird aus dem Dreiecks- ein Vierecksspiel. Sehr unterhaltsam und gerne kaufen, wenn es einem für weniger als 20 Euro im Sale begegnet. Den Vollpreis ist es mir persönlich, der Puzzles nicht mag, nicht wert.


Machen:
Haferschleim. Und ich lerne gerade neue Skills.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 16 Kommentare

Momentaufnahme: April 2020 (1)

Herr Silencer im April 2020

We are in this together

Der monatliche Rückblick, aufgrund fortgesetzt hohen Medienkonsums wieder in zwei Teilen.

Wetter: Seit Mitte März schon wieder kein Regen. Anfang des Monats morgens -7 Grad, ab der zweiten Woche wieder mit 10-25 Grad eher vorsommerlich, dann 7 bis 25 Grad. Jeden Tag strahlender Sonnenschein und wolkenloser Himmel. Ein Elend. Seit Anfang März kein Regen mehr, Waldbrandgefahr, Dürre. Im April!


Sehen:

Picard [Amazon Prime]
Jean-Luc Picard, einst Captain des Raumschiffs Enterprise, ist mittlerweile Admiral außer Dienst. Der Achtzigjährige vertreibt sich seine Tage, in dem er grummelnd durch die Weinberge des Familienanwesens in Frankreich schlufft. Das ändert sich, als eine junge Frau auftaucht und ihn um Hilfe bittet. Picard bemüht sich, aber da er bei der Sternenflotte nicht mehr gerne gesehen ist, kann er die Frau nicht schützen. Im Nachgang zu einem Attentat stellt sich heraus, dass sie eine Androidin war – vielleicht sogar Datas Tochter? Androiden sind mittlerweile nach einem Angriff auf den Mars streng verboten, deshalb stellt sich die Frage: Wer hat diesen hergestellt? Und wer wollte unbedingt seine Zerstörung? Picard sucht nach Antworten.

Tja, hm. Was war das denn jetzt? Ich stand der Idee, den fast 80jährigen Patrick Stewart nochmal als Picard auf den Bildschirm zu holen, sehr skeptisch gegenüber. Tatsächlich ist er selbst aber noch fitter als seine deutsche Synchronstimme, die brüchig klingt und die Betonungen nicht mehr hinbekommt.

Dann wurde ich positiv überrascht: „Picard“ ist nicht der mittlerweile bräsig wirkende 80er-Jahre TNG-Star Trek. Den fand ich zu seiner Zeit super, aber „zu seiner Zeit“ war ich halt 11 Jahre alt. Die Geschichte von „Picard“ ist dagegen wendungsreich, hat schöne Ideen und behandelt spannende Themen wie den Umgang mit Flüchtlingen. Zudem lässt sie rätseln: Warum ist Picard bei der Sternenflotte und in der Öffentlichkeit in Ungnade gefallen? Woher kommt die Roboterfrau?

Dermaßen angefixt wartete ich auf Enthüllungen.
Und wartete.
Und wartete.

„Picard“ kommt nämlich einfach nicht aus dem Quark und walzt eine Handlung, die gerade mal für einen Spielfilm reicht, auf 10 Serienfolgen aus und tritt deshalb bei 7 davon auf der Stelle. Fast fürchtete ich, das der greise Patrick Stewart das Ende der ersten Staffel seiner eigenen Serie nicht mehr erlebt.

In der Summe: Interessant, aber zäh. Immerhin: Jeri Ryan macht als Seven of Nine-Borgqueen eine fantastische Figur.

Bild: NDR

Tatort: National Feminin
Eine rechte Youtuberin wird ermordet. Scully und die Frau aus Black Panther ermitteln im Göttinger Rechtenmilieu zwischen Identitären und Antifeministinnen.

Noch ein „Tatort“, der in meiner Wohnstadt Göttingen spielt. Anders als der enttäuschende und absurde „Krieg im Kopf“ im vergangenen Monat, der Cyber-Cyber auf Faxgeräten versuchte und Drehbuchtechnisch an Arbeitsverweigerung grenzte, ist „National Feminin“ ein krasses Stück.

Die Machenschaften der „Identitären“ und ihrer stramm rechten Ideologie aus krankem Patriotismus und „Frauen an den Herd“ werden hier tatsächlich so authentisch dargestellt, dass während der Ausstrahlung im linearen Fernsehen am Sonntag Abend den ganzen kleinen Nazis auf Twitter einer abging. Streckenweise wirkte der Film sogar wie ein Werbeclip für die neue Generation der Rechtsradikalen.

Man muss diesen Tatort aber als das sehen, was er sein will: Ein Aufklärungsstück, das den älteren Zuschauern des ARD-Krimis, die sich nicht im Internet bewegen und die weder Youtube noch Twitter kennen, zeigt, mit welchen Methoden und welchen Formen der Propaganda der neue Faschismus arbeite. Nicht auszuschließen, dass diese Ideen und Bildästhetik dann halt einige Zuschauer gut finden, aber das Risiko ist man hier eingegangen.

Ein mutiger, sehenswerter und nicht unspannender Film mit zwei anbetungswürdigen Frauen in den Hauptrollen, noch bis 26.10.20 in der ARD Mediathek zu sehen.

Bild: RBB

Die Getriebenen
Sommer 2015. Zehntausende Flüchtlinge machen sich auf den Weg nach Europa. Viktor Orban sieht eine Chance seine Macht auszubauen und treibt Deutschland und Österreich politisch vor sich her. In diesen Ländern sind es wiederum Rechtskonservative wie Sebastian Kern oder Markus Söder, die das Thema Flüchtlinge nutzen um die alten Eliten ihrer Parteien vor sich herzutreiben.

Der zweistündige Spielfilm basiert auf einem Buch von Robin Alexander und arbeitet die Ereignisse des Sommers 2015 minutiös auf. Mut zur Lücke gibt es dabei freilich nicht. Schauspieler, die teilweise dem Original sehr nahe kommen, spielen immer wieder in Szenen die plausibel sind, für deren Authentizität es aber keinen Beleg gibt.

Dennoch ist es interessant all die Handlungsebenen, die man sich damals aus den Nachrichten zusammensuchen musste, zusammengefasst zu sehen. Merkels Versuche, die Sache auszusitzen und wie ihr das auf die Füße fällt. Orbans gnadenloses Spiel mit Menschenleben. Gabriels schmierlappige Schadenfreude. Seehofers Hilflosigkeit im Umgang mit der Situation und der Rückfall in alte Lösungsmuster, die so aber im 21. Jahrhundert nicht mehr funktionieren.

Funfact: Der Drehbuchautor für „die Getriebenen“ hat auch „National Feminin“ geschrieben.

Unbedingt sehenswert, noch bis 15.07.20 in der ARD-Mediathek

Aquaman
Kal Drogho ist der uneheliche Sohn von Jango Fett und Nicole Kidmann und damit Prinz von Atlantis. Damit hat sein arischer Halbbruder Probleme, das wiederum geht der rothaarigen Exfreundin von Johnny Depp gegen den Strich und schon knallt´s unter Wasser.

Endlich mal ein Film aus dem DC-Universe der wirklich in großem Maßstab funktioniert und eine Superheldengenese ordentlich durchdekliniert. Es passiert so viel auf der Leinwand, dass das Hirn gar nicht hinterherkommt und irgendwann nur noch staunt „oooooh, bunt!“.

Macht sehr viel Spaß, toll besetzt, prima Worldbuilding, funktioniert bis zum Schluss. Was wieder zeigt: Lässt man passionerte Filmemacher ran, und nicht Zac Snyder, den Mann mit den Nazieulen, dann funktionieren selbst alberne Comicfiguren wie Aquaman oder Wonder Woman.

Terminator SCC: The Sarah Connor Chronicles [BluRay]
Sarah Connor versucht ihren Sohn John aufzuziehen. Der wird irgendwann der Anführer der letzten Menschen im Krieg gegen die Maschinen sein, und deshalb bildet sie ihn geradezu versessen aus, während sie auf der Flucht vor immer neuen Terminatoren sind. Unterstützung erhält sie dabei von einem weiblichen Terminator und dem Schwippschager vom Bruder von Johns Vater, Kyle Reese.

Irgendwann kam jemand auf die Idee die Jahre zwischen T1 und T2 als Serie zu verfilmen. Schöne Einfälle wie ein Zeitsprung ins Jahr 2008 oder ein Terminator, der einen Schönheitschirurgen überfällt, damit der ihm wieder Fleisch auf´s Endoskelett züchtet, wechseln sich ab mit banalen Handlungsbögen um Schachcomputer mit KI oder campy Folgen um baletttanzende Terminateusen.

Da auch der Ton der Serie von bedrohlich-erwachsen in Richtung High-School-Coming-of-Age-Story kippte, war nach 31 Folgen in zwei Staffeln Schluss. Einzig wegen der Hauptdarstellerinnen ist das Ganze überhaupt erträglich. Lena Headey (Cersi Lannister aus Game of Thrones) gibt eine tolle Sarah Connor, und Summer Glau als Terminatrix macht ebenfalls viel Spaß.

The Mandalorian
Nach dem Ereignissen von “ Die Rückkehr der Jedi-Ritter“: Die neue Republik ist gerade um Aufbau, es gibt aber noch Widerstandsnester von Anhängern des untergegangenen Imperiums. In dieser aufregenden Zeit wird ein mandalorianischer Kopfgeldjäger angeheuert, um ein Paket abzuholen und an einen imperialen Offizier zu liefern. Das Paket entpuppt sich als machtbegabtes Kind, und der Kopfgeldjäger bringt es nicht übers Herz es auszuliefern. Dafür wird er von allen gejagt.

Sabber-Sabber-Sabber. „The Mandalorian“ ist das Star Wars, was ich mir als Kind immer gewünscht habe. Simple Geschichten, einsame Helden, böse Wichte als Gegenspieler. Das alles technisch und schauspielerisch (Werner Herzog! Nick Nolte! Emily Swallow!) toll umgesetzt. Die Episoden sind zu kurz um narrativ durchzuhängen und bieten dermaßen viel Schauwerte, dass gar nicht auffällt, wie dünn die Stories eigentlich sind.

„Mandalorian“ macht keinen Hehl daraus, dass sein Vorbild klassische Western sind. Die Serie stellt Szenen aus alten Westernfilmen teils Bild für Bild nach und bedient sich an den Strukturen von Abenteuerfilmen wie „Indiana Jones“.

Dabei zieht sie ihren Reiz aus neuen Figuren, über die man nicht viel erfährt. Das macht sie geheimnisvoll und frisch. Wer möchte nicht so sein wie der coole, namenlose Held, der aus jeder Situation rauskommt und nie die Nerven verliert? Das funktioniert mit dem gesichts- und namenlosen Helden in „Mandalorian“ viel besser als mit Boba Fett, über den man einfach schon zu viel weiß.

Ohnehin geht Showrunner John Favreau nie den ganz einfachen und offensichtlichen Weg, sondern häkelt immer Besonderheiten ein. Und er hat ein großes Herz für winzige Eastereggs, mit denen er im Nachgang Dinge aufwertet. Beispiel dafür ist die Eismaschine, mit der in „Empire“ während der Evakuierung von Bespin ein Arbeiter durch einen Gang rennt. Das war jahrelang ein Witz unter Fans: Rettet das Erdbeereis! In „Mandalorian“ kommt das Ding wieder vor, und jetzt sieht man, dass der Behälter ein Hochsicherheitssafe für ungewöhnlich wertvolle Dinge sein soll.

Selbst alberne Kenner-Spielzeuge aus den späten 70ern wie den Roboter IG-88 oder der imperiale „Truppentransporter“ werden durch ihre Darstellung im Mandalorian aufgewertet – verdammt, dass war das erste mal, das ich selbst vor den albernen AT-STs Respekt hatte!

Das alles lässt mein kleines Fanherz hüpfen. Wer also mit einsamen Gunslingern nichts am Hut hat, wird mit dieser Serie nichts anfangen können. Ich mag „Mandalorian“ sehr, aber ich habe in „Star Wars“ auch nie den Sinn des Lebens gesucht.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Corona (17): Esst mehr Trump!

Weltweit: 2.973.264 Infektionen (+ 315.202) 206.569 (+21.926 in den letzten vier Tagen) Todesfälle
Deutschland: 157.781 Infektionen (+6.759), 5.976 (+622 in den letzten vier Tagen) Todesfälle

Kein Zweifel, es ist „Back to Normal“. In Deutschland gibt es immer noch 2.000 Neuinfektionen und 200 Tote am Tag, aber die Länder: Volle Straßen und Geschäfte, Schlangen vor den Bäckereien. Immerhin gibt es bei unter 800qm eine Höchstzahl an Personen, die in einem Geschäft sein dürfen. Die wird in manche Geschäfte über abgezählte Einkaufskörbe oder -wagen geregelt, andere haben vor ihrem Lädchen Gummienten abgelegt, und nur wer eine Ente hat, darf in den Laden

Immerhin: Die Leute tragen alle Schutzmasken. „Aber die helfen doch gar nicht“ jammern jetzt einige. Das wurde uns tatsächlich auch wochenlang erzählt, zur großen Verwunderung der Asiaten. Denn was die wissen, wurde bei uns verkürzt dargestellt oder unterschlagen: Die Masken helfen nicht dabei sich selbst zu schützen. Sie schützen aber andere. Und wenn jeder eine trägt, sind alle geschützt.

Oder, für WhatsApp-Nutzer:

Quelle: Internet.

Da mittlerweile vermutet wird, dass der Virus nicht nur durch Husten oder Niesen, sondern schon durch sprechen übertragen werden kann, ist eine Maske natürlich sinnvoll.
Hier wird gezeigt, wie jemand im Licht eines Laser „Stay Healthy“ sagt, ein Mal ohne und einmal mit Maske. Der Unterschied ist deutlich.

Vor Ort

Mittlerweile habe ich ein wenig das Zeitgefühl verloren. Ist das die sechste oder schon die siebte Woche, die wir die Firma in Homeoffice haben? Keine Ahnung. Ich habe irrsinnig viel zu tun, lange Tage, lange Wochen, deshalb habe ich kaum Zeitgefühl. Was ich auch erst nicht bemerkt habe: Die Isolation macht unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zunehmend zu schaffen. Da bröckelt es gerade an manchen Stellen, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie sich das auffangen lässt.

Fuck yeah, America!

Trump hält jetzt jeden Tag ein „Corona Briefing“, das sind schamlose Wahlkampfveranstaltungen zur Prime Time im Fernsehen. Ende letzter Woche sagten medizinische Berater in der Trump-Show nochmal das Selbstverständliche an, nämlich das Desinfektionsmittel und UV-Licht den Virus töten.

Man konnte während der Sendung sehen, wie es in Trumps hohlem Kopf arbeitete, und dann trat er ans Rednerpult und verkündete einen genialen Einfall: Man sollte doch den Körper mit starken UV-Licht bestrahlen, das Licht in den Körper bringen und überlegen, sich Desinfektionsmittel zu spritzen. Keiner der „Medical Experts“ auf der Bühne widersprach sofort, und Trump verlangte, das seine „Idee“ wissenschaftlich untersucht werde. Später ruderte er dann zurück und behauptete, das sei ja alles „Sarkasmus“ gewesen.

Davon ließen sich aber einige Internet-Wissenschaftler nicht abhalten:

Quelle: Fake News.

Wer bis dahin noch dachte, Trump sei halbwegs bei Sinnen: Nein, ist er nicht. Aber die Leute hängen an seinen Lippen, und am Wochenende wurde kolportiert, dass die Zahl der Vergiftungen dramatisch gestiegen sei, weil Leute versuchten Desinfektionsmittel zu trinken oder Rohrreiniger zu essen oder ähnliche Späße. So lange es nur seine Anhänger betrifft: Sollen die man machen.

Der Darwin-Award 2020 geht an die USA als Ganzes.

Drinnen – im Internet sind alle gleich

ZDF Neo hat eine Corona-Serie im Angebot. Charlotte sitzt zu Hause vor dem Rechner und versucht in Videomeetings ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Das ist als fixe Einstellung aus der Sicht der Webcam gedreht und so authentisch, dass es zuerst fast langweilig ist – es bildet EXAKT die aktuelle Heimarbeit ab.

Das dreht dann aber langsam in richtig Dramedy. Sehr geil. Einmal mit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Pro Folge 9-12 Minuten, 15 Folgen gesamt. Kann man gut weggucken. Danke an Modnerd für den Tip!

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Reisetagebuch Japan (4): Teamlab Borderless & Skytree

Reise nach Japan. Heute mit einer Straßenbahn die übers Wasser fährt, einer digitalen Welt und Dunkelheit, die durch eine Stadt schwappt.

Montag, 04. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Nicht nur das Hostelzimmer müllt zu, auch meine Hosentaschen. Mit Kleingeld. Japan hat ein ähnliches Preisniveau wie die Schweiz, und alles unter 50 Yen (ca. 40 Cent) kann man eigentlich nicht wirklich nutzen. Warum es überhaupt noch 10, 5 und 1 Yen-Stücke (das sind 0,8 Eurocent!) gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. In Geschäften wird man den Kram nämlich nicht einfach so wieder los, und aufgrund der ganzen schiefen Preise sammeln sich die Minimünzen rasant an. Da ich die immer in den linken Hosentasche habe, gehe ich schon ganz schief – und lasse deshalb erstmal eine Handvoll davon zu Hause.

Überhaupt, Bezahlung! Japan, so dachte ich immer, ist ein supermodernes Land. Dem ist aber nicht so. Klar, Japaner sind technikbegeistert, und selbstverständlich gibt es überall Glasfaser und schnelles LTE, aber in Sachen Kartenzahlung ist man hier noch schlimmer als in Deutschland.

In der Großstadt Tokyo geht es noch halbwegs, hier kann man zumindest in Hotels, Restaurants und Conbinis mit Karte zahlen, nur an Automaten und in kleinen Geschäften wird die Zahlung per Kreditkarte abgelehnt. Auf dem Land ist das schlimmer, da heißt es in vielen Restaurants und Hotels: Nur Bares ist Wahres. Japan ist, genau wie Deutschland, eine Bargeldgesellschaft.

Um wenigstens ein wenig von den Münzen wegzukommen, gibt es lokale Debitkarten. Das sind Plastikkarten, auf die man per Kreditkarte oder Bargeld einen Betrag speichern kann. Die Debitkarten kann man dann zum Bezahlen in Verkehrsmitteln und an Automaten verwenden. Problem dabei: Es gibt haufenweise Kartensysteme, und die Karten werden meist nur jeweils in einer Regions anerkannt. In Tokyo sind die verbreitetsten Karten die von Suica oder Pasmo.

Zum Glück hat mir Huhu seine Suica-Karte geliehen.

Wer braucht schon eine Apple-Card, wenn er eine Pinguin-Karte haben kann?

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Corona (16): Leck´ rascher!


Weltweit: 2.658.062 Infektionen (+ 65.217) 184.643 (+4.918 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 151.022 Infektionen (+2.097), 5.354 (+252 seit gestern) Todesfälle

Zurück auf Normal

Ich bin kein Freund der Isolationslockerungen, da mache ich keinen Hehl draus. Ich finde es falsch, jetzt Geschäfte wieder zu eröffnen und befürchte, dass eine zweite Ansteckungswelle losrollt. Deutschland wird gerade weltweit dafür bewundert durch harte Maßnahmen das Schlimmste verhindert zu haben. Wir haben Ansteckungsrate und die Anzahl der Neuinfektionen so weit runterbekommen, dass nun die Nachverfolgung von Infektionsketten wieder möglich wäre. Dafür nötig wären aber breit durchgeführte Tests und Kontrollen. Das funktioniert, das haben wir u.a. in Südkorea gesehen.

Das wird aber bei uns nicht gemacht, stattdessen wird der erreichte Fortschritt leichtfertig verspielt. Die „Lockerung“ besagt in den meisten Bundesländern im Wesentlichen, dass man 1,50 Meter Abstand halten, sich die Hände waschen und einen Schal vor dem Gesicht tragen soll.

Ansonsten stehen die Zeichen auf Normal, denn auch wenn es „Lockerung“ genannt wird: In den Ohren der meisten Menschen kommt „es ist vorbei“ an. Anekdotisch kann ich das anhand der vollen Straßen belegen.

Leck´ rascher!

Kuriose Verordnungen allerorten. In Niedersachsen besonders schön: Man darf Eis an einer Eisdiele im außer-Haus-Verkauf erstehen, aber erst dran lecken, wenn man weiter als 50 Meter von der Eisdiele entfernt ist. Das Einhalten dieser Grenzen überwachen allen Ernstes Polizei und Ordnungsamt, wie Modnerd feststellen durfte. Er wurde am vergangenen Wochenende in Hannover angepfiffen, weil er den Radius nicht einhielt und innerhalb der 50-Meter-Zone seine Zunge ans Eis hier.

Nur: Was passiert, wenn das Eis schneller läuft als man selbst? Das Land Niedersachsen dazu: „Bei der Anwendung der Verordnung darf pragmatisch vorgegangen werden, als durch erstes rasches Lecken an einer Eiskugel während des zügigen Sichentfernens von der Eisdiele ein Heruntertropfen des Eises auf Kleidung oder Fußboden verhindert werden darf.“

Man darf also rasch lecken. Und jetzt bitte noch eine Geschwindigkeitsvorgabe, damit gemessen werden kann, ob das Lecken rasch genug geschah und der Verhinderung von Besudelung galt oder ob da doch Genuss im Spiel war.

Abitur des Todes 2020

Die Kultusminister haben sich schon vor Wochen darauf verständigt, das Abi 2020 durchzuziehen – anders als z.B. andere Schulabschlüsse. Das bringt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte, in eine schlimme Lage. Einerseits brauchen sie einen Abschluss, andererseits ist die Infektionsgefahr in Schulen hoch und ebenso die Gefahr, eine Infektion nach Hause zu schleppen, wo sie Familienangehörige töten kann. Die Kultusministerin von NRW, Frau Gebauer, weiß das und sagt an, dass ihr das egal ist: „Es wird, so traurig es ist, Schulgemeinschaften geben, die den Tod von Lehrkräften, Schulleitungen oder Familienangehörigen zu beklagen haben werden“.

Das bringt den Jungen mit den blauen Haaren auf die Palme. Rezo („Zerstörung der CDU“-Rezo, ja lol ey, wissen schon) hat wieder ein hervorragend belegtes Video gemacht. Er kommt zu einem Schluss, der den Kultuseumeln vielleicht gar nicht so klar war: Abiturienten sind über 18 und dürfen wählen. Und sie sollten keine Politiker wählen, denen ihr Leben und das ihrer Angehörigen scheißegal ist. Sehr sehenswert:

Yvonne „Todesengel“ Gebauer bei 06:53.

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Corona (15): Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen


Weltweit: 2.592.845 Infektionen (+ 91.689) 179.725 (+7.915 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 148.925 Infektionen (+1.332), 5.102 (+223 seit gestern) Todesfälle

Abgesagt!

Die Wies´n! Das größte Volksfest der Welt! Abgesagt! Na sowas.

Im Netz macht der Witz die Runde, dass der Armin Laschet angeboten hat, das Oktoberfest in Düsseldorf stattfinden zu lassen. Laschet ist Ministerpräsident von NRW und würde gerne im nächsten Jahr Kanzlerkandidatin der CDU werden, weswegen er dafür gesorgt hat, das sein Bundesland schon jetzt wieder so offen ist wie sein eigener Hintern.

Im Netz macht ebenfalls die Vermutung die Runde, dass Laschet in wenigen Wochen keinerlei politisches Amt mehr bekleiden wird.

Intensivkapazitäten

Ich bin ein großer Fan von Datenjournalismus, und ZEIT ONLINE ist da oft vorne mit dabei. Die haben jetzt auch eine interaktive Karte mit aktuellen Infos zu Intensivkapazitäten und deren Auslastung. Erschreckend: Selbst in unserem Riesenklinikum vor Ort gibt es nicht mehr als 60 Intensivbetten, und die sind zu einem Drittel schon belegt. Zur Karte.

Dürre

Meine Beobachtung war richtig: Es hat wirklich seit Anfang März nicht mehr geregnet. Noch dazu waren März und April viel zu warm, und nach den Dürrejahren 2018 und 2019 hatten sich die Böden in tieferen Schichten noch nicht wieder erholt. Das Resultat ist das hier:

Bild: Dürremonitor des Helmholtz-Instituts.

Die roten Flächen sind „außergewöhnliche Dürre“, und das ist die letzte Eskalationsstufe und steht über „extremer Dürre“ und „schwerer Dürre“. In NIedersachsen haben wir schon wieder Wald- und Moorbrände, Flugzeuge der Feuerwehr kreisen über den Landesforsten und die Waldbrandzentralen sind voll besetzt. Corona ist nicht dran schuld, das ist der Klimwandel. Nur um mal dran zu erinnern: Im Vergleich zu den Folgen des Klimawandels ist dieser Corona-Kram hier Kasperltheater.

Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen

Kennt jemand diese chinesischen Winkekatzen und hat sich auch schon mal gefragt wozu die gut sind? Neben meinem Arbeitsstuhl steht so eine Winkekatz. Warum? Für Videokonferenzen!

Wenn die Katze nicht mehr winkt, ist der Stream eingefroren. Wenn ich mich nicht mehr bewege, aber die Katz noch vor sich hindaddelt, denke ich entweder scharf nach – oder bin vor Langeweile geistig auf Wanderschaft gegangen.

Nächster Schritt: Ich trainiere die Katze gerade darauf, mich in Videomeetings komplett zu ersetzen. Über Fortschritte werde ich berichten.

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Corona (14): Darf´s noch Geld dazu sein?


Weltweit: 2.501.156 Infektionen (+ 80.717) 171.810 (+5.605 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 147.593 Infektionen (+1.850), 4.869 (+227 seit gestern) Todesfälle

Freidrehender Kapitalismus

Der Ölpreis ist aufgrund von Spekulationen ins Negative gedreht. Das bedeutet: Kauft man Öl, bekommt man noch Geld dazu. WTF? Oder, wie Sixtus es ausdrückt:

An der Tankstelle nach dem Volltanken ein Bündel Geld ausgehändigt bekommen – das möchte ich bitte auch!

Fuck you, Lockerung

Geschäfte unter 800qm durften in Niedersachsen gestern wieder öffnen, und „der Andrang war unerwartet stark“, wie ein Ladeninhaber dem Lokalblatt zu Protokoll gibt. Unerwartet, my Ass.

In unserer Firma bleibt der Lockdown bestehen, wir verweigern uns Lockerungsmaßnahmen. Ich habe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf eingeschworen durchzuhalten, denn wir werden die Heimarbeit auf unbestimmte Zeit und vermutlich noch Monate in dieser Form fortsetzen. Zum Glück sind alle hier vernünftig und gehen auch außerhalb des Homeoffice keine überflüssigen Risiken ein. Außerdem hatten heute alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Päckchen in der Post, mit handgenähten Masken für sich und alle Familienmitglieder.

Fuck you II

Der Bundeskanzler Frau Merkel sagt, sie möchte keine „Öffnungsdiskussionsorgien“. Das ist vernünftig. Was nicht vernünftig ist: FAZ, WELT und Blätter wie die „Volksstimme“ aus Magdeburg jaulen kollektiv auf und schimpfen über „Bevormundung“, und die Bild schiebt gleich noch hinterher: Die Menschen hätten einen Anspruch auf die Wahrheit. Ja Fuck you, ihr Deppen, möchte man rufen. Die Wahrheit ist: Der harte Lockdown müsste noch viel länger dauern. Wir bräuchten Durchhalteparolen statt Lockerungsdiskussionen. Aber diese Wahrheit gefällt euch nicht, oder?

Der große Experten-Expertenvergleich

Die holde Mai vergleicht drei Virologen und ihr Kommunikationsverhalten. Neben dem sachlichen („what?“) auch deren Bedeutung für den Einzelnen („So What“). Ergebnis: Drosten ist der Sachlichste, Kekule hat seid Jahren keinen Beitrag mehr zur Forschung geleistet aber eine politische Agenda und Streek leistet sich zwar eine professionelle Werbeagentur für seine Kommunikation, vermischt aber Ebenen. Sehr sehenswert!

Alle Folgen des Corona-Tagebuchs

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Corona (13): Es funktioniert, also weg damit!

Weltweit: 2.420.439 Infektionen (+ 33.470) 166.205 (+27.718 in 3 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 145.743 Infektionen (+10.990), 4.642 (+838 in den letzten 3 Tagen) Todesfälle

Der harte Lockdown mit Kontaktverbot funktioniert, also lockern wir ihn. Das ist gerade das Motto in Deutschland. In den meisten Bundesländern dürfen ab heute Geschäfte wieder öffnen, Gottesdienste wieder stattfinden. Das erweckt den Eindruck wir hätten alles im Griff, die Sache sei beherrschbar. In Sachsen herrscht Maskentragepflicht, aber es gibt keine Masken vom Land. Da reicht es dann, wenn man sich das T-Shirt hochzieht.

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Es gab bei der spanischen Grippe 1918 an manchen Orten genau diese Entwicklung. Beispiel Denver: Lockdown im Oktober, Maßnahmen griffen, Fallzahlen sanken. Die Maßnahmen wurden aufgehoben, damit rollte die zweite Infektionswelle los.

Die war schlimmer als die erste, denn die Leute holten sofort alles nach, was sie in den Wochen zuvor verpasst hatten. Noch schlimmer: Den Versuch eines zweiten Lockdown machte keiner mehr mit, weil „Wir haben genug gemacht, reicht jetzt auch mal“. Kommt einem bekannt vor.

A Firenze

Von anderen europäischen Ländern kriegen wir in Deutschland nicht viel mit. In der Region Florenz herrscht jetzt wohl Maskentragepflicht. Anders als in Sachsen haben die Behörden es aber geschafft, jeder Person mit festen Wohnsitz vorab Masken per Post zu schicken.

So schlimm ist COVID-19 wirklich

OK, wie schlimm genau kann man noch nicht sagen. Aber es gibt Berichte über junge Leute mit leichtem Verlauf und ohne Vorerkrankungen, deren Lungen nach Abklingen der Symptome stark verändert waren, vielleicht sogar dauerhaft. Seriös klingen Meldungen aus dem Spital in Innsbruck über sechs Taucher mit leichtem Verlauf, die sich zu Hause auskurierten und deren Lungen jetzt so stark geschädigt sind, dass sie ihr Hobby aufgeben müssen.

Ich bin da zwiegespalten: Einerseits finde ich es gut, wenn das in den Medien nicht gepusht wird und so keine Panik entsteht. Andererseits wäre es gut, unaufgeregt und breit über solche potentiellen Risiken zu informieren, damit alle die Gefahr weiterhin ernst nehmen. Das findet meiner Wahrnehmung nach zu wenig statt, stattdessen dürfen Lobbyistenarschgeigen und Reiseveranstalter rausposaunen, dass man jetzt aber wirklich mal wieder alle Maßnahmen aufheben sollte.

Trump zerlegt die USA, Teil 9.758

In den USA, wir erinnern uns, gibt es keinen von der Bundesregierung verordneten Lockdown. Das regeln die Einzelstaaten, und die haben mancherorts die Verantwortung auf die Counties abgewälzt und deshalb stehen bei denen jetzt Trump-Anhänger mit Fackeln und Mistgabeln vor der Tür und fordern das Ende von Maßnahmen.

Trump befeuert das: Er hat einen „Plan“ vorgestellt um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Kurzform: Geht arbeiten. Die Umsetzung obliegt freilich den Bundesstaaten, und das ist eine perfide Zwickmühle, die Trump allen gebaut hat: Bleiben Bundesstaaten bei ihren Maßnahmen (wenn sie welche haben) und es geht der Wirtschaft schlecht oder die Todeszahlen gehen hoch, sind die Gouverneure schuld. Geht es der Wirtschaft gut oder sind die Fallzahlen niedrig, ist das Trumps Verdienst. Gleichzeitig ruft er seine Anhänger in demokratisch regierten Bundesstaaten auf, ihre Staaten zu „befreien“ und erinnert sie an ihr Recht zum Tragen von Schußwaffen. Um es klar zu sagen: Der Präsident der USA ruft zur Rebellion mit Waffengewalt gegen Gesundheitsmaßnahmen auf.

Am Wochenende gab es direkt Demonstrationen wütender MAGA-Anhänger, teilweise mit Schilder wie „My Body. My Decision (not to wear masks). Die Gründe reichten von „Corona ist nur eine Erfindung der Medien, Medien sind Krebs“ über „Wir lassen uns nicht verbieten zu Arbeiten um unsere Familien zu schützen“ bis hin zu „Ja klar ist die Gefahr real, aber wir vertrauen darauf, dass Gott uns schützt. Dafür hat er uns ja Trump gesandt“.
Dummheit tötet.

Bienen & Natur

Es sind gefühlt mehr Insekten unterwegs als in den Vorjahren. Das ist gut. Bei uns sind überall Eichhörnchen unterwegs, in den Blumenrabatten der Fußgängerzone nisten (sehr dumme) Vögel. Gleichzeitig hat es seit Mitte März nicht mehr richtig geregnet, jeden Tag haben wir strahlenden Sonnenschein. Ist in den Nachrichten aber kein Thema, weil: Corona.

Ich Ich Ich

Sommerreise endgültig abgesagt, alle Unterkünfte storniert. Ich wusste es ja schon lange, aber die jetzige Gewissheit macht mich doch ein wenig melancholisch. Losgegangen wäre es am 21.05., aber das hat echt keinen Sinn.

Alle Folgen des Corona-Tagebuchs.

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Reisetagebuch Japan (3): Baumkuchen, Brüste und Igel

Reise nach Japan. Heute probiere ich japanischen Baumkuchen, amüsiere mich über deutsche Worte und stolpere in Kunstinstallationen.

VORBEMERKUNG: Japans konservative Gesellschaft ist patriarchal geprägt und hat ein großes Problem mit Sexismus und ein riesiges Problem was Frauenrechte angeht. Beides halte ich für hoch problematisch.

Ich versuche mit meinen Reisen und diesem Tagebuch zu entdecken und zu verstehen, wie andere Gesellschaften ticken. Da sexualisierte Darstellungen im Jahr 2019 fester und allgegenwärtiger Bestandteil der japanischen Kultur sind, komme ich um deren Beobachtung nicht herum. Das soll kein Selbstzweck sein, sondern wird vom Versuch begleitet, durch Beobachtungen auf gesellschaftliche Phänomene zu schließen. Das nur als Grund, weshalb es im Folgenden durchaus (Comic-)Brüste geben wird.


Sonntag, 03. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Beim Frühstück muss ich kurz das Gesicht verziehen. Meine Zunge gibt sich empört, weil Sie vermutet, ich hätte sich in Waschmittel gesteckt.

Nein, Zunge, das ist kein Waschmittel. Hier schmeckt nur einiges etwas anders, als wir es gewohnt sind. Der Joghurt zum Beispiel hat eine etwas andere, geradezu wässrige Konsistenz und schmeckt nicht nach den Aromen, die wir so kennen. Er schmeckt künstlich und so, wie manche Waschmittel riechen, und das empört meine Zunge.

Ich probiere ja gerne neue Sachen, aber in Maßen. So lange es sich vermeiden lässt, trinke ich keinen Grünen Tee zum Frühstück und esse dazu Fisch. Deshalb gibt es auch heute morgen für mich Rosinenbrioche und Instantkaffee, während sich Modnerd an Reisbällchen mit Fisch in Kombination mit einem seltsam rosafarbenen Getränk versucht.

Der Wohnbereich unseres Zimmers hat mittlerweile, nach einem Abendessen und zwei Mal Frühstück, Gemütlichkeit absorbiert. Oder anders ausgedrückt: Es müllt langsam aber sicher voll.

Seit zwei Tagen versorgen wir uns aus „Conbinis“, den kleinen Convenience-Stores, in denen es Fertignahrung gibt. Das ist bequem und vergleichsweise billig, produziert aber leider unglaublich viel Müll. Zumal man es in Japan mit Plastikverpackungen eh hat. Es ist unglaublich, aber ALLES gibt es hier in Wegwerfvarianten und eingepackt in Unmengen an Kunststoff. Sogar hartgekochte Eier werden geschält und dann in Plastik verpackt zum Kauf angeboten:

Völlig ungläubig haben wir gestern Abend eine Packung Kekse angestarrt, die sich Modnerd aus einem Conbini mitgebracht hatte. Drum herum war eine große, feste Plastikverpackung, innen drin war eine Halterung aus Kunststoff für die Kekse und JEDER EINZELNE KEKS war auch nochmal in Plastik verpackt. Völliger Wahnsinn, der sich beim Einkauf auch fortsetzt.

So bekommt man beim Einkauf in Conbinis zu allem Besteck dazu. Zu einem Fertigsalat eine Plastikgabel, verpackt in Plastik. Zu einem Joghurt gibt es einen Plastiklöffel, verpackt in Plastik. Dazu Servietten, natürlich verpackt in Plastik. Und man bekommt immer und überall Plastiktüten für seine Einkäufe.

Am Ausgang der Conbinis stehen sogar Mülleimer, in die man die frisch gekauften Plastiktüten gleich wieder entsorgen kann, wenn man sie nicht braucht. Aber mitnehmen muss man sie. Über diese Konvention setze ich mich jedes Mal hinweg. Ich habe meinen kleinen Tagesrucksack dabei und sogar eine Einkaufstasche aus Stoff und sehe es überhaupt nicht ein, die Plastebeutel mitzunehmen. Jedes mal wenn ich sage „Nonono“, wenn der Kassierer zum Plastikbeutel greift, werde ich erst ungläubig angesehen, dann folgt seltsames Gemurmel, und manchmal wird dann jeder einzelner Artikel mit farbigem Klebeband als „bezahlt“ markiert.

Die Ernährung auf Conbinis ist natürlich nicht gesund. Zwar gibt es auch fertig abgepackte Reisgerichte und Salate, aber die meisten Fertiggerichte sind zu süß und zu fettig. Interessant ist es natürlich schon mal zu probieren, wie japanischer Baumkuchen eigentlich schmeckt.

Auflösung: Nicht nach Baumkuchen. Das ist auch kein echter Baumkuchen, sondern lediglich ein profaner Rührkuchen, auf den mit Lebensmittelfarbe Ringe aufgemalt wurden.

Modnerd und ich fahren mit der Metro in den Stadtteil Akihabara.

Auf den Bahnsteigen ist auf dem Boden markiert, wie man in zwei Schlangen rechts und links vor einer dicken Markierung warten soll. An der dicken Markierung kommen exakt die Türen der Züge an. Manchmal sind die Markierungen gelb, manchmal grün. Keine Ahnung was das bedeutet. Was ich aber weiß: Wenn die Markierungen schreiend pink sind, dann darf ich dort nicht einsteigen.

Pink bedeutet, dass dort ein Wagen hält, in den nur Frauen einsteigen dürfen. Japan hat so gut wie keine Kriminalität, aber „Groping“, das Befummeln und Betatschen von Frauen in vollen Bussen und Bahnen, ist ein echtes und verbreitetes Problem. Die Wagen nur für Frauen gibt es auf den Hauptlinien der Tokioter Metro und sind ein etwas verzweifelt scheinender Versuch, Frauen zu schützen.

In Akihabara angekommen stellen wir fest, dass der Bahnhof zwitschert. Wirklich, wir hören Vogelgezwitscher aus den Lautsprechern. Damit wird blinden Menschen der Weg zu den Ausgängen gewiesen, unmittelbar vor Treppen zwitschert es am Lautesten. Jeder Bahnhof hat einen anderen Vogelruf.

Außerdem hat jede Haltestelle der Metro in Tokyo eine eigene Melodie, die immer beim Einfahren eines Zuges erklingt. Modnerd, der sehr auf Akustik steht, zeichnet die Bahnhofsgeräusche mit einem kleinen Soundrecorder auf. Was er da so aufnimmt, kann man in seinem Podcast unter schoene-ecken.de nachhören, dort wird diese Reise in drei Folgen besprochen.

Beim Verlassen des Bahnhofs wird sofort klar, wo wir hier sind. Akihabara ist bekannt für zwei Dinge: Erstens für Comics und Comicfiguren und zweitens für Unterhaltungselektronik. Was es in diesen Bereichen gibt oder jemals gegeben, kann man hier kaufen, egal wie absurd es ist.


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Corona (12): Wie man es hinbekommt, dass die Brille trotz Mundschutz nicht beschlägt


Weltweit: 2.081.969 Infektionen (+ 146.323) 138.487 (+17.573 in 2 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 134.753 Infektionen (+4.0370), 3.804 (+589 in den letzten 2 Tagen) Todesfälle

Den Journalistinnen und Journalisten wird wohl langweilig, anders ist die Lust an der Katastrophe nicht zu erklären, die man gerade herbeischreibt und -sendet. In langen Interviews dürfen so unsägliche Menschen wie ein 80jähriger Rechtsphilosoph oder die Cheflobbyistin des Hotelverbands darüber schwadronieren, wie unerträglich ja diese Corona-Maßnahmen seien, das die Menschen das nicht länger mitmachen würden und wir praktisch kurz vor Aufständen stünden.

Fünf bis zehn Minuten lässt NDR Info solche Leute schwafeln, und beim Zuhören steigt mein Blutdruck. Als der Rechtsphiloph abschließend erklärt, es sei nun wirklich nicht mehr vermittelbar, dass Gottesdienste ausfallen müssten und die Lobbyfrau fordert, dass es nach 10 Rekordjahren im Hotelgewerbe eben nicht ausreiche, nur den weggefallenen Umsatz abzufedern (sondern, unausgesprochen, auch den Gewinn!), bin ich richtig wütend.

Das ist in anderen Nachrichtenformaten ähnlich, überall wird geraunt, dass es so nicht mehr lange weitergeht und jetzt wirklich mal genug sei.

Ich halte es für unverantwortlich, dass in der Berichterstattung völlig irrelevanten Menschen Raum gegeben wird, die entweder sowieso die letzten 50 Jahre nicht aus ihrem Elfenbeinturm rausgekommen sind oder die den Arsch voll Geld gepumpt kriegen um ihrer Klientel Vergünstigungen zu sichern und deren Verluste zu vergemeinschaften.

Zumal die Realität gerade noch anders aussieht. Die Zustimmungswerte für die Eindämmungsmaßnahmen lagen vor einigen Tagen bei 90 Prozent. 90 Prozent! Wann erfährt Politik mal so viel Zustimmung?

Das ist erstaunlich und man sollte froh und dankbar über diese Disziplin in der deutschen Bevölkerung sein, und dass nicht rechte Brüllaffen vor den Rathäusern randalieren, wie gerade in den USA. Nun in den Medien auf Repeat-One die Platte „Wir halten das nicht mehr aus“ laufen zu lassen, ist aber der beste Weg zu genau solchen Zuständen.

Es sind immer die anderen

Apropos USA: Trump übernimmt nie für irgendwas Verantwortung. Das in den USA nun die Leute sterben wie die Fliegen ist in erster Linie seinem langen Zaudern zu schulden, und seinen Versuchen Schlangenöl (Malariamittel) als Wundermittel zu verkaufen. Jetzt braucht er einen Sündenbock, und das ist ausgerechnet die World Health Organisation. Zu spät hätten sie ihm Bescheid gesagt,und sich zu sehr auf China fokussiert. Alles gelogen, aber Trump stellt die Zahlungen der USA an die WHO ein.

Dafür lässt er seinen Namen auf alle Schecks drucken, die die Amerikaner jetzt als Beihilfe bekommen. Das ist eigentlich verboten und durch den Namensdruck verzögert sich die Ausstellung, wodurch mehr Menschen sterben, aber hey, der Tump, ne. Weil er gerade einen Lauf hat, will er auch das Parlament in Pause schicken und mal durchregieren. Hat ja in Ungarn und England auch geklappt. Maßnahmen zur Isolation? Nein, unwichtig.

Flatten the Curve!

Der Bundeskanzler Frau Merkel verkündete gestern, dass es zwar einen Erfolg gäbe, der aber fragil sei. Die Curve ist geflattet, die Ansteckungsrate sei jetzt bei 1,0 (1 Infizierter steckt einen neuen an). Aber der Erfolg sei fragil. Werden jetzt die Maßnahmen gelockert und die Rate steigt auf 1,1, seien wir im Oktober wieder am Rande der Kapazität unseres Gesundheitssystems. Steigt sie auf 1,3, ist dieser Punkt um Juni erreicht. Die Kontaktsperre wird deshalb zwei Wochen fortgesetzt, bis Anfang Mai. Dann sehen wir weiter.

Beschlagen

Ich gehe ja nur noch mit Mundschutz raus und kannte das Problem auch: Trägt man zum Mundschutz eine Brille, geht die Atemluft direkt hinter die Gläser und die Sehhilfe beschlägt.

In diesem Video verrät uns ein japanischer Channel, wie man dem vorbeugt: Einfach die Maske oben ein Mal falten oder ein Taschentuch zwischen Maske und Nase legen. Das funktioniert! (Es sei denn, es ist draußen sehr kalt).

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Impressionen eines Wochenendes (31): Dorfromantik

Das Dorf liegt in einem sanften Tal, zu einer Seite umgeben von Wald, zu der anderen von Feldern. Da wohne ich jetzt seit 10 Jahren, habe mir aber nie die Zeit genommen, mal eine Runde über die Berge direkt vor meiner Haustür zu drehen. Das ist echt eine Schande, denn die Bergseite mit dem Wald liegt 100 Meter von meinem Haus weg, die andere Seite mit den Feldern 10 Minuten zu Fuß.

Es brauchte also erst eine Pandemie, damit ich vor die Tür gehe. Das Dorf selbst ist ja ohnehin knuffig. Es besteht zum Großteil aus liebevoll gepflegten Fachwerkhäusern. Lediglich an einem Hügel am Ortsrand haben sich völlig überzogenene 80er-Jahre Villen breitgemacht, mit klotzigen Glasfronten und schrägen Dächern. Aber die prägen das Ortsbild nicht. Aktuell prägt eher kitschige Deko das Dorfbild.


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Corona (12): Ostern im Lockdown

Weltweit: 1.935.646 Infektionen (+ 431.746) 120.914 (+30.983.460 in 5 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 130.383 Infektionen (+17.087), 3.215 (+866 in den letzten 5 Tagen) Todesfälle

Vorerst gilt der Lockdown in Deutschland nur bis Anfang kommender Woche. Heute bespricht sich die Bundesregierung dazu ob er verlängert wird, morgen Bund und Länder. Einige Landesfürsten, unter anderem Armin Laschet aus NRW, sind ganz jibberig darauf Schulen wieder zu öffnen und die Beschränkungen in der Wirtschaft zu lockern.

Das wissenschaftliche Feigenblatt dafür hat ihnen jetzt die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina aus Halle geliefert, in einer Stellungsnahme, in der solche Szenarien für möglich gehalten werden. Das Papier tragen nun konservative Politiker und Wirtschaftsliberale mit „jetzt ist aber mal genug, die Wirtschaft muss wieder anfahren und hier ist unser Persilschein“-Attitüde durch die Gegend.

Nur: Anscheinend haben die alle das Dokument nicht wirklich gelesen. Das gibt nämlich mitnichten konkrete Empfehlungen für ab sofort, sondern fabuliert mit „sobald wie vertretbar“ und entlässt daher nicht die Politik aus der Verantwortung.

Mit dem Dokument selbst habe ich auch so meine Probleme. M.E. sind die realen Bedingungen an Schulen und die Praktikabilität der skizzierten Maßnahmen nicht in die Betrachtung eingeflossen. Wie kann sichergestellt werden, dass die Schülerinnen und Schüler ständig Masken tragen, sich die Hände waschen und auch auf dem Schulhof Abstand halten? Das ist wohl, insb. in der Grundschule, unrealistisch. Und woher sollen Räume kommen, die groß genug sind, um max. 15 SchülerInnen auf einmal zu unterrichten?

Auch sonst sind liest sich das Leopoldina-Dokument wie eine Ansammlung von hätte-würde-könnte-sollte, klingt stellenweise etwas weltfremd oder geht von Annahmen aus, die ich für realitätsfern halte. Außerdem stimmt mich nachdenklich, dass auf der Expertenliste zu dem Papier exakt zwei Virologen und eine Infektionsforscherin stehen, aber 10 Sozialwissenschaftler, Juristen, Historiker und Theologen. WTF.

Aber egal, die verkürzten Aussagen aus dem Paper sind Wasser auf die Mühlen derer, denen Wirtschaft vor Menschenleben geht.

In der Bundesregierung weiß man das, und deren Kommunikationsstrategie ist gar nicht mal schlecht. Der Bundeskanzler Frau Merkel macht immer mal wieder so Andeutungen, damit man sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden kann, dann trifft es einen nicht mehr ganz so hart. An dem, was sie vorsichtig schwurbelt, kann man also ablesen wie es weiter geht. Vor Ostern waren das Sätze wie „Naja, so Schulen und Kitas, die werden sicher nicht das erste sein, was wir wieder öffnen können“.

In Frankreich ist Amtskollege Emanuel Macron anderes drauf. Er verkündete gestern ohne Umschweife, dass der Lockdown weiter gilt bis Mitte Mai, und das man sich keine Illusionen machen solle – auch die Öffnung der Grenzen in Europa sieht er nicht vor September.

Also Vorsichtig sein im Umgang mit diesem Leopoldina-Papier. Aber dafür müsste man es, wie gesagt, lesen. Das dümmste Riff in der aktuellen Regierung, ausgerechnet unsere Wissenschaftsministerin, hat das natürlich nicht und findet es eine „erstklassige Beratungsgrundlage“. Ihr Kollege Scheuer liest ohnehin nur Zahlen auf Geldscheinen und lässt sich jetzt gerade dafür feiern, dass er mit Anrufen bei der Lufthansa half, einem befreundeten Händler aus seinem Wahlkreis Passau Millionen von Schutzmasken aus irgendwelchen grauen Quellen nach Deutschland zu bringen – der die nun mit ordentlich Profit verkaufen dürfte.

Immerhin, die harten Maßnahmen und die Grundrechtseinschränkungen zeigen Wirkung. Zu Beginn der Maßnahmen steckte ein Infizierter 4 bis 5 andere Personen an, jetzt liegen wir bei ungefähr einer Neuinfektion pro Infiziertem. Das ist nicht schlecht, aber noch nicht wieder im Bereich wie zum Beginn der Pandemie, wo Infektionsketten wieder nachverfolgbar sind und wirklich über Lockerungen nachgedacht werden kann, sind wir noch entfernt.

Ich Ich Ich

Der Lockdown macht sich auch bei der Medikamentenversorgung bemerkbar. Am Wochenende lag ein Brief von Doc Morris im Kasten. „Zu unserer Entlastung senden wir Ihnen Ihr Originalrezept zurück“. Warum? Weil die Bestellung nicht ausführbar war, mein Blutdrucksenker Candesartan ist momentan schwer erhältlich. Nun sind Blutdrucksenker wichtig, aber nicht gleich Lebensnotwendig. Nur: „Jeden Tag geht was anderes aus“, wie die Apothekerin heute morgen sagte. Es komme dann zwar immer wieder Nachschub an diesem oder jenem, aber sofortige Verfügbarkeit bei verbreiteten Medikamenten ist nicht gegeben. Immerhin, ich hatte Glück, in der dritten Apotheke die ich abgeklappert habe, lag noch eine letzte Packung Candesartan rum – was selbst die PTA dort wunderte.

Ostern im Lockdown

„Was machst Du so über Ostern? Verreist Du?“, fragte mein Vater, der immer noch ignoriert, was eigentlich los ist. „Sohn, ist doch nicht schlimmer als eine Grippe“, posaunte er fröhlich am Telefon und hörte schon wieder nicht mehr zu, als ich dem Herrn Ingenieur den Unterschied zwischen linearem und exponentiellen Wachstum erklären wollte.

Bewegungsdaten der Handyprovider zeigen, dass mein alter Herr nicht der einzige ist, der nicht zuhause bleiben kann. Die Reiseaktivität hat zugenommen, anscheinend wollten sich viele den Osterbesuch bei den Familien nicht nehmen lassen.

Hier bei mir was man vernünftig. Auf meinem Dorf gab es keine Osterfeuer, keine Familiengartenfeste. In meinem Haus blieben alle unter sich, machten aber trotzdem was Schönes. Zum einen fand ich vor meiner Haustür ein Osternest, so wie Osternester in der Zeit von Corona aussehen:

Im Treppenhaus materialisierten sich plötzlich Dinge wie frisch gebackener Käsekuchen oder Zwiebelkuchen, was per SMS und Whatsapp kommuniziert wurde. Jede und jeder konnte sich bedienen. Ein Schönes Symbol für „Ihr seid vielleicht allein in Eurer Wohnung, aber nicht in Euren Herzen“. Bah, Kitschig. Aber auch lecker!

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Reisetagebuch Japan (2): Irgendwas mit Architektur

Reise nach Japan. Heute erprobe ich japanische Toiletten, nähere mich Tokyo und warte darauf, dass mein Reisegefährte Modnerd verhaftet wird.

Samstag, 02.11.2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Als ich die Augen aufschlage, sehe ich den Boden eines Etagenbetts über mir. Ich weiß sofort wo ich bin: In Japan! Die gestrige Reise ein Mal um die Welt war kein Traum!

Ich habe wie ein Stein geschlafen, stelle ich fest, und jetzt bin ich putzmunter. Es ist es kurz vor 08:00 Uhr, zuhause in Deutschland wäre jetzt erst Mitternacht. Cool, keinerlei Jetlag!

Kurz darauf und etwas später sitzen Modnerd und ich in der Wohnecke des 4-Bettzimmers, das wir für uns allein haben. Das ist purer Luxus, immerhin sind wir hier in einem Hostel. Nebenan schlafen acht Leute in einem Raum der nur halb so groß ist und in dem jeder hat nur eine Schlafkoje mit einem Vorhang hat. Und wir haben hier sogar eine Sitzecke und einen Balkon.

Was wir nicht haben: Eine normale Zimmerdecke. Aus irgendeinem Grund ist unser Zimmer nach oben offen. Man kann ins nächste Stockwerk durchgucken, das aus einem kleinen Raum besteht, der wie ein Turm oben aus dem Haus raussteht.

Im Supermarkt habe ich mir gestern Instant-Kaffee und einen Rosinenbrioche gekauft. Modnerd ist ein wenig exotischer drauf und hat zum Frühstück giftgünen Instant-Tee und ein Brötchen mit süßer Pasta. Er kauft perverseste Dinge, unter dem Vorwand sich an lokale Geschmäcker anzupassen. Ich beäuge seine Frühstücksauswahl betont mißtrauisch. „Schmeckt gut“, behauptet Modnerd demonstrativ.

Frühstück für Helden? Frühstück für Wikinger sieht in Japan verdächtig nach Karies aus:

Was unsere Luxussuite neben einer Zimmerdecke auch nicht hat: Ein Badezimmer. Im Erdgeschoss des Hostels, neben dem Gemeinschaftsraum, sind ein paar Duschen, und im Gang vor unserem Zimmer sind Waschbecken und Toiletten, die wir gemeinsam mit Backpackern aus aller Welt nutzen.

Die Toiletten sind natürlich das Besondere. Japanische Toiletten sind Hightech-Produkte, die äußerst sparsam mit Wasser umgehen, sich selbst desinfizieren und so beschichtet sind, dass nichts am Becken kleben bleiben kann – eine Klobürste ist unnötig.

In der Regel ist die Klobrille beheizt, und gespült wird über ein Kontrollfeld an der Wand oder direkt neben der Toilette. Allerdings sollte man sich vorher mit den Symbolen auf dem Tastenfeld vertraut machen, sonst kann man seltsame Überraschungen bis hin zum ungewollten Einlauf erleben.

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Corona (11): Die leere Welt

Weltweit: 1.503.900 Infektionen (+56.434.086) 89.931 (+6.460) Todesfälle
Deutschland: 113.296 Infektionen (+5.633), 2.349 (+333) Todesfälle seit gestern

Die nächsten 18 Monate, so las ich vor einiger Zeit, seien für das Klima unseres Planeten entscheidend. Würde sich nichts Gravierendes ändern, so hieß es, erreichen wir einen kritischen Tippingpoint, und ab dem wäre es das dann mit der Erderwärmung. Kein Zurückdrehen mehr möglich. Nur was, dachte ich damals (vor sechs Wochen), sollte sich in 18 Monaten schon ändern?

Nun, gravierendere Änderungen als durch die Pandemie kann man sich kaum vorstellen. Automobiler Individualverkehr ist um 75 Prozent gesunken, Flugverkehr um 85 Prozent. Wie man sich das vorstellen muss, zeigt dieser Film von Eurocontrol mit einem Vergleich von Flugbewegungen Ende März von jetzt und vor einem Jahr:

Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung.

Weil niemand weit weg kann, sind hier auf dem Land sind die Wald- und Feldwege voller Menschen. Quasi im Gänsemarsch schieben sich die Stadtbewohner durch Flur- und Feldmark, aber die Städte sind leer. Nicht nur hier, sondern rund um die Welt.

Ich habe gerade Fernweh und sehe durch die Augen von Webcams Orte, die ich schon in echt besucht habe und die stets völlig überlaufen waren. Normalerweise tobt hier das Leben, nun sind sie leer und verwaist. Eine Auswahl.

Mailand, Dom.

Verona, Arena. Bild: Skycams.

Verona, Piazza delle Erbe. Bild: Skycams.

London, Westminster Bridge und Uhrenturm von Big Ben.

London, Westminster Bridge

Orvieto, Dom.

Lecce, Piazza delle Orgodingsbums.

Recco, Strand.


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