Archiv des Autors: Silencer

Über Silencer

Alles was Herr Silencer schreibt ist wichtig, wahr und schön.

Frühling 2022: Saisonstart!

Höret und preiset das Frühlingswiesel! Das Frühlingswiesel sorgt dafür, dass auch in diesem Jahr wieder Frühling ist! Hiermit verkündet es den Beginn der Motorradsaison! Der Winter war lang und kalt und dunkel, aber nun macht das Wiesel Frühling und gutes Wetter, dass es nur so kracht! Passt auf Eure morschen Knochen auf, fahrt vorsichtig und huldigt dem Frühlingswiesel!

Schnee und Eis gab es in diesem Winter nicht, aber es war – und ist! – teils bitterkalt. Am Wochenende war kalendarischer Frühlingsanfang, aber trotz strahlendem Sonnenschein konnte der noch nicht für´s Moppedfahren genutzt werden. Dazu war es zu stürmisch, und mit tags einstelligen Temperaturen und nachts um die Minus vier Grad war es schlicht zu unangenehm um durch meine Hood, das Weserbergland oder den Harz, zu düsen. Mal ganz abgesehen davon, dass die ZZR 600 „Renaissance“ sich bei kühleren Temperaturen auch als eine fürchterliche Diva gibt und nach der Winterpause nur schwer anspringt.

Aber nun, drei Tage später, ist es soweit. Die Temperaturen kletterten tags auf plus 18 Grad. Am Montag wurde die DL 650 „Barocca“ wiederbelebt, die beim ersten Druck auf den Starter sofort da war. Und heute dann die Renaissance, die dank der im vergangenen Jahr erneuerten Batterie nach einer halben Minute Georgel und moderatem Ziehen am Choke wieder zum Leben erwachte.

Beide Maschinen haben schon wieder Termine in der Werkstatt. Die ZZR kriegt einfach mal neues Öl und hat einen Schaden am Hinterreifen. Die V-Strom ist ja im Herbst aus der Inspektion gekommen, und ich musst mich jetzt entscheiden: Noch einmal ordentlich um die 2.000 Euro in die Investieren? Oder sie mit ihren 82.000 Kilometern so langsam in Richtung Rente schicken und ein neueres Möpp kaufen?

Schwierig. Nach reichlich abwägen und probesitzen würde eine neue Maschine vermutlich auch eine DL650 werden. Nur: An die muss wieder der ganze gute Kram angebaut werden, den ich nicht missen wollen würde – Heizgriffe, Kettenöler, Sturzbügel, Scheibe, Gepäcksystem, Maßsitzbank…

Den Aufwand und die Zeitinvestition scheue ich gerade. Mal abgesehen von der Tatsache, das vermutlich im Herbst ein Redesign der „Wee-Strom“ rauskommt. Die dann aber vermutlich entweder wegen Teilemangel nicht lieferbar ist. Oder es gibt kein Benzin mehr. Oder die Inflation hat meine Ersparnisse aus 4,50 Euro schrumpfen lassen. Ach wer weiß das schon.

Anyway, aufgrund meiner Unlust Rumzubasteln und mich mit einem neuen Möp rumzuschlagen, wo doch meine V-Strom gerade fast perfekt ist, fährt die Barocca einfach erst einmal weiter. Aber Anfang Mai dann mit neuen Reifen und neuer Kette und neuen Ölschläuchen.

Auch wenn der Krieg in Europa Planung gerade schwierig macht und niemand weiß, was in diesem Jahr noch auf uns zukommt: Ich habe mir ein paar Dinge vorgenommen. Dazu gehören auch Motorradtouren. Mal gucken, ob das was wird.

Jetzt muss ich mich erst einmal wieder auf Motorradfahren umstellen. Nach einem halben Jahr Pause muss man sich erst wieder an die völlig andere Fahrphysik und Handling gewöhnen, und das heißt in diesem Jahr für mich: Langsam und vorsichtig rantasten und wieder eingewöhnen und an Ostern ein ADAC-Training machen.

Das kann ich generell allen empfehlen, zusammen mit dem Tip: Nicht gleich wie geisteskrank am Hahn reissen und Augen auf die Straße, die Dosenfahrer leiden an Aufmerksamkeitsdefizit und ihr seid nicht fit.

Für Autofahrer heißt das: Augen doppelt offen halten. Zweiräder sind wieder unterwegs, und mit ihrem Fehlverhalten ist zu rechnen – die Schergen sind zum Teil noch so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass man doppelt aufpassen muss. Achja, und blinken, blinken ist auch gut. Das gilt für alle.

Ich wünsche allen eine unfallfreie Saison!

Ich starte mit folgenden Kilometerständen in ein Jahr, das hoffentlich nicht so seltsam weitergeht, wie es begonnen hat.

Kawasaki ZZR600 Renaissance: 93.8133
Suzuki DL650 V-Strom Barocca: 81.548

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Reisetagebuch Griechenland (17): Olympisches Wasserwerfen

Tagebuch einer Moppedtour durch Griechenland. Heute mit dem Sportteil, einem doppelten Lottchen und Nazis. Und ich muss die V-Strom blind fahren.

Samstag, 09. Oktober 2021, Kourouta
Kurz vor acht.
Wie ist wohl das Wetter? Regen? Sturm?

Hm. Sonnenschein! Ach, das ist ja mal eine gute Nachricht.

Die Sonne sollte ich besser ausnutzen. Auch wenn die Wetterapps meinen, dass das Wetter Nachmittags noch besser würde als morgens, so will ich doch jetzt gleich los. Packen muss ich nichts, ich komme nachher wieder und bleibe noch eine zweite Nacht in Kourouta.

Die V-Strom hat die Nacht überstanden, aber es war gut, dass ich die in der Nacht noch anders geparkt habe. An der Stelle, an der sie gestern Abend noch geparkt war, ist heute eine Seenlandschaft, die nur langsam wieder zurückgeht.

35 Kilometer von Amaliada liegt das antike Olympia. Als ich dort ankomme scheint die Sonne, es ist 25 Grad warm und die Luftfeuchtigkeit hoch.

Ich parke neben einer Schwestermaschine meiner V-Strom, auch einem schwarzen Modell L0 aus 2011. Ein Blick auf die Seriennummer zeigt, dass diese Maschine neunhundertfünzehn Fahrzeuge später als die Barocca vom gleichen Band gelaufen ist.

Die Barocca ist immer an der geileren Scheibe zu erkennen und daran, dass sie keinerlei Aufkleber trägt.

Olmypia ist heute ein sehr kleines Örtchen.

Schon die Mosaike in den Bürgersteigen und die Statuen am Wegesrand machen deutlich, wo man hier ist:


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Corona-Tagebuch (40): fReEdoM dAy!!!!11!!!!

Weltweit: 461.679.643 Infektionen, 6.051.521 Todesfälle, 10,7 Milliarden verabreichte Impfdosen
Deutschland: 17.732.275 Infektionen (Verdoppelung zum letzten Tagebucheintrag), 126.146 Todesfälle
739 Days Gone

Alle reden vom Krieg, Corona wird für beendet erklärt.

Wie sieht es eigentlich aus, wenn eine in Klientelpolitik verhaftete Minderheitenpartei ein Deutschland regiert? Das lässt sich aktuell gut besichtigen. Selbst die wohlwollensten Beobachter kommen nicht umhin festzustellen, dass die FDP gerade in der Ampelkoalition in allen relevanten Bereichen den Ton angibt – im Falle der Spritpreisbremse sogar in unabgesprochenen Alleingängen von Lindner – und so auch bei Corona.

Weil die Liberalen schon im Wahlkampf das Ende aller Lockerungen angekündigt hatten und in Kürze im starken FDP-Land NRW gewählt wird, hat sich die Partei der Besserverdienen und Erstwähler durchgesetzt und den 20. März 2022 als Enddatum für alle Coronamaßnahmen angekündigt. Das sind momentan, nur noch mal zur Erinnerung, in erster Linie die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Ganz viel mehr ist es nicht, der Rest ist Pipifax.

Nun naht also, auch wenn er nicht so heißen soll, der deutsche „Freiheitstag“ (in Anlehnung an den „Freedom Day“ in UK, der im vergangenen Jahr nach wenigen Wochen grandios an die Wand fuhr). Aber ist der denn gerechtfertigt?

Eher nicht.

Deutschland liegt gerade weltweit auf Platz 2 der meisten Ansteckungen, und zwar in absoluten Zahlen.

Von Omicron gibt es zwei neue Varianten. Omicron B ist nochmal ansteckender als Omicron Classic, und eine neue Mixvariante vereint gerade die Verbreitungsfähigkeit von Omicron B mit der Tödlichkeit von Delta. Deltacron, sozusagen. Um dem ganzen den Gipfel aufzusetzen, erwirbt man nach einer Infektion nicht mal Immunität – wer jetzt Omicron A bekommt, kann in wenigen Wochen Deltacron kriegen. Sowas gibt es sogar in meinem Bekanntenkreis. „Ich habe jetzt 5G“, wird gescherzt, „Impfung eins und 2, Booster, Delta und Omicron“.

Das macht sich in den Infektions- und sogar den Hospitalisierungszahlen bemerkbar, die sind so hoch wie noch nie zuvor. 200.000 Neuinfektionen Bundesweit, Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 1.585 – selbst bei uns hier auf dem Dorf ist die so hoch. Zum Vergleich: Wir hatten uns mal Sorgen gemacht und harte Schließungen vereinbart, wenn die Inzidenz über 50 geht. Echt jetzt.

Die Impfung schützt nicht mehr vor Ansteckung, wohl aber vor schlimmem Verlauf. Das ist mild tröstlich, aber auch ein „milder“ Verlauf kann wochenlange Krankheit und gravierende Langzeitschäden bedeuten.

In dieser Situation will die FDP „Freiheit“ feiern und alle Sorgen fahren lassen? Und kriegt dabei auch noch von einem guten Teil der Bevölkerung Jubel? Warum, weil endlich Corona per Dekret vorbei ist? Was wird das hier? Ein Lehrstück für den Mandela-Effekt? Mit diesem Begriff bezeichnen wir Sozialwissenschaftler kollektiv die falsche Wahrnehmung von oder Erinnerung an Ereignisse oder das verkehrte Verständnis von Fakten. Alle Fachleute jedenfalls sind sich einig: Das ist Quatsch. Der übrigens mit einem juristischen Kniff durchgesetzt wurde, denn nach Auslaufen der „epidemischen Notlage von nationaler Tragweite“ im November (was auch schon Quatsch war) ist eine Verlängerung von Maßnahmen juristisch schwierig.

Besonders enttäuscht bin ich vom Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Zu Beginn der Pandemie in der Opposition, war er dort die mahnende und analysierende Stimme der Vernunft. Jetzt, in Regierungsverantwortung, lässt der sich von der FDP vorführen, legt sich mit dem RKI an und traut sich nicht mal, einen Gesetzesentwurf für eine Impfpflicht vorzuschlagen. Was tut er dann? Er analysiert und mahnt weiter über Twitter, ganz so, als wäre nicht ER derjenige, der maßgeblich die Richtung vorgeben könnte.

Die Impfpflicht ist praktisch tot, und mit einer bei 75Prozent stehengebliebenen Impfkampagne steht uns aller Wahrscheinlichkeit nach ein wenig guter Sommer und – vor allem – NOCH ein weiterer Coronawinter ins Haus. Es ist zum Kotzen, aber irgendwie – siehe letzter Eintrag – haben gefühlt alle resigniert, zucken mit den Schultern und sagen: „Ja Gott, wir kriegen es ja eh alle“.

Ich jedenfalls habe nicht aufgegeben. Ich habe weiterhin den Anspruch, ohne eine Infektion hier durchzukommen. Also werde weiterhin tun, was mich schützt: Maske tragen, Menschenansammlungen auf engem Raum meiden. COVID ist kein unausweichliches Schicksal, dem man sich ergeben muss.

Falls mich wer wegen einer Maske doof anquatscht, gibt es feine Antworten:

„Aber bei der Maske geht es doch nicht um mich [Husthust]“ ist der Klassiker. Schön auch:

„Nur weil die Politik es sagt, soll ich keine Maske mehr tragen? Was bin ich, ein systemtreues Schlafschaf?“

oder, auch gut:

Ältere Einträge im Corona-Tagebuch

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Reisetagebuch Griechenland (16): Saubere Sache

Tagebuch einer kleinen Motorradtour durch Griechenland. Heute wird es nass.

Freitag, 08. Oktober 2021, Pirgoi Edem
Wenn ich unterwegs bin, habe ich meist eine Reisebegleitung aus der Ferne. So wie Svendura von ihrer Claudia begleitet wird, habe ich – zumindest virtuell – Albrecht an meiner Seite. Der alte Haudegen, hier in den Kommentaren als „Ali“ bekannt, begleitet meine Fahrt per Whatsapp, von Zuhause aus. Er kommentiert, gibt Tips und gibt Bescheid, wenn er etwas Besonders auf meiner Reiseroute entdeckt. Manchmal will er mich auch einfach nur foppen.

Gestern Abend raunte „Das Wetterorakel von Niederburgtal“ von Weltuntergang:
„Regnet noch nicht? Das Regenband kommt. Keine Sorge. Wenn Du auf den Überblick gehst, siehst Du, wie das über Dir kreist. Schön Violett, hehe.“

„Wollte eigentlich die nächsten Tage im Meer baden, nicht im Sattel“, antwortete ich kurz vor dem Einschlafen.

Tatsächlich wache ich mitten in der Nacht auf. Ein Sturm heult um den steinernen Turm, in dem ich übernachte, und lässt die Fensterläden klappern.

Ich trete an die Tür und blicke hinaus. In der Dunkelheit sehen die Olivenbäume vor dem Haus aus, als wären sie lebendig. Der Sturm peitscht die Äste und gegen den grauen Himmel wirkt es, als ob eine Armee seltsamer Monster vor dem Turm aufmarschiert ist und wütend mit dürren Armen um sich schlägt. Regnen tut es aber nicht. Ich schließe die Tür, mummele mich wieder ins Bett und schlafe weiter.

Um kurz nach Sieben höre ich keinen Sturm mehr, dafür aber Regen. Draußen pladdert es jetzt. Das war zu erwarten gewesen, mal gucken wie schlimm es ist. Steht die Baugrube neben dem Steinturm schon unter Wasser?

Zu meiner Überraschung ist es gar nicht so wild. Ja, es hat viel geregnet, überall stehen jetzt Pfützen, aber im Moment nieselt es nur. Weltuntergang sieht anders aus.

Ich ziehe mir die Jacke der Stormchaser über und stapfe hinüber ins Haupthaus. Hier sitzt Gastwirtin Kalliope bereits beim Kaffee mit einer anderen Frau. Die ist mittelalt, hat fettiges Haar, ein verlebtes Gesicht und trägt einen Snoopy-Onesie. Hm. Erstaunlich, manchen Leuten ist halt alles egal.

Der Frühstücksraum ist, wie alles hier, aus Naturstein.

Es gibt frittierte Teigfladen, die man sowohl mit Käse als auch mit Konfitüre oder mit Honig essen kann. Nur mehr als einen kann ich davon nicht essen, bei so fettigem Kram mag mein Magen nicht mitspielen.

Draußen wird der Regen stärker. Ich checke ich die Wettervorhersage. Mit etwas Glück wird es in einer Stunde aufhören zu regnen, und ich frage Kalliope, ob ich noch etwas bleiben kann. Kein Problem, sagt sie.

Kurz darauf liege ich wieder in meinem Steinturmzimmer auf dem Bett und spiele verschiedene Route durch, die ich jetzt fahren könnte. Vor dem Zimmer, unter einem Vordach, sitzt die Onesie-Frau mit einer Freundin. Beide mit einem Buch in der linken und einer Zigarette in der rechten Hand.

Nach einer Stunde hört der Regen abrupt auf. Die Wetter-App meint zwar, wir seien noch mitten im Starkregengebiet, aber der blaue Himmel, der gerade durch die Wolken scheint, spricht eine andere Sprache. Eigentlich habe ich überhaupt keine Lust loszufahren, aber es hilft ja nichts.

Ich werfe mich in die Regenklamotten, was schon beim Anziehen eine Tortur ist. Es sind über 20 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist hoch, und ich trage am Ende drei Schichten Klamotten. Puh, heiß. Egal, los geht´s!
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Reisetagebuch Griechenland (15): Abgewrackt

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Tag 19 mit vielen Olivenbäumen, der wilden Mani, Kalliope und einem Wrack.

Donnerstag, 07. Oktober 2021, Mystras
Draußen dämmert der Tag herauf, im Inneren des Steinhauses in Mystras liege ich im Bett und lausche gebannt ins Halbdunkel.
Kein Regen zu hören.
Das ist gut, dann ist das angekündigte Unwetter noch nicht hier.

Schnell mache ich mich fertig. Frühstück bietet das Haus nicht an, ein Instantkaffee mit lauwarmem Wasser aus dem Badezimmer muss reichen.

Alle anderen Gäste im Haus schlafen noch, auch die Amerikanerin Rebecca. Die hatte ohnehin angekündigt noch bleiben zu wollen. Wenigstens so lange, bis sie sich einen Busfahrplan organisiert hat. Die Dame, die schon stark auf die 80 zugeht, ist mit Bus und Bahn unterwegs, was ich sehr lobenswert und machbar finde. Sie ist aber auch ohne Smartphone unterwegs, nutzt das Internet nicht und erledigt alles auf Papier und mit Telefonzellen – was ich für ignorant befinde.

Ob das keine Probleme gäbe, habe ich sie gestern Abend gefragt.
„Nein, das geht schon. Ich komme schon durch, irgendwie geht es immer noch oldschool. Heute hat ja jeder ein Smartphone, also außer mir, da kann ich ja jeden fragen.“ – Ok. Es geht also eigentlich doch nicht ohne Smartphone, sie lässt sich nur von anderen Leuten bedienen und verklärt das als „geht ja auch so“. Andererseits: Sie nutzt so die Gelegenheit, ins Gespräch mit Menschen zu kommen. Auch ein interessanter Ansatz. Einsamkeit auf Reisen, das kann ja auch ein Faktor sein. Ob das bei ihr der Fall sei, habe ich Rebecca gestern gefragt.

Daraufhin hat sie abgewunken. „Ach, allein unterwegs sein, das macht mir nichts. MEIN Problem ist, dass ich all diese Abenteuer erlebe, tolle Orte und wunderbare Menschen treffe und anschließend diese Erlebnisse mit niemandem teilen kann. Seit mein Mann tot ist, reise ich alleine, und zu Hause kann ich auch niemandem davon erzählen. DAS macht mir wirklich zu schaffen, ich fühle mich dann ganz einsam und elend, weil sich das alles so sinnlos anfühlt. All meine Erinnerungen werden verloren sein, wenn ich mal nicht mehr bin, und niemand weiß davon.“

Das fand ich wiederum hoch interessant, denn diese Problematik war mir bislang gänzlich unbekannt. Aber klar, ich habe nicht nur zu Hause Personen, denen ich was erzählen kann, ich habe vor allem auch dieses Blog hier. Alles was ich unterwegs erlebe, schreibe ich hier auf. Das Blog ist mittlerweile das Wertvollste, was ich besitze. Es ist meine Erinnerung, und ich teile sie mit der ganzen Welt. Also, vorausgesetzt die Welt hat Bock das hier zu lesen, aber das tun einige Hundert Leute ja durchaus regelmäßig. Aber das ist durchaus ein Faktor, den ich bislang kaum begriffen habe: Alles, was ich erlebe, teile ich mit vielen anderen Menschen, obwohl ich es im Endeffekt nur für mich aufschreibe. Aber allein die Gewissheit, dass ich es aufschreiben werde und es so nicht in Vergessenheit gerät, gibt jedem Moment eine Bedeutung im Strom der Zeit.

Ich packe meine Sachen und schleiche, um Rebecca und die anderen Gäste nicht zu wecken, leise mit den Koffern zur Haustür.

Elena und ihr Mann, der Marineoffizier a.D., sind bereits im Vorgarten und sitzen unter ihrem Orangenbaum. „Es gibt Regen“, sagt sie.
„Ich weiß“, sage ich und grinse schief.

Sie deutet in Richtung der Berge, wo auf Höhe der alten Ruinen dicke Regenwolken hängen. „Das sind Wolken die zeigen, dass sich das Wetter ändert. Das ist gut“.

Ihr Mann nickt und sagt „Θα βρέξει σύντομα. Κακό για τους μοτοσυκλετιστές“.

Ich zucke die Achseln, weil ich kein Wort verstehe. Er pflückt eine Orange vom Baum. Es ist die einzige, die zumindest zart orangefarben ist, alle anderen sind noch grün. Die Frucht ist bereits geplatzt, und der Captain zerdrückt sie mit zwei Finger. Die ist nicht mal richtig reif, aber schon total matschig und riecht vergoren.

„Η φύση χρειάζεται βροχή. Δεν έβρεξε για μήνα, οι καρποί σαπίζουν στα δέντρα“, sagt der Captain. Ich gucke fragend.

Elena übersetzt: „Es wird bald regnen, sagt er. Doof für Dich als Motorradfahrer, aber die Natur braucht das. Es hat hier seit April nicht mehr geregnet, und durch die Hitze verfaulen die Früchte in den Bäumen bevor sie reif sind. So etwas hat es hier noch nie gegeben. Bislang haben sich die Leute hier keine Sorgen wegen des Klimawandels gemacht. Jetzt schon.“

Betreten sehen wir uns an. Kein schönes Thema.
„Ich hätte eher kommen sollen“, sage ich und deute auf die Wolken, „Ich bin ein Regenbringer“.
Elena lacht, der Captain guckt fragend – jetzt hat er kein Wort verstanden.

Tatsache ist, das ich bislang verdammt Glück gehabt habe mit dem Wetter. Im Vorfeld sah es ja so aus als ob, egal wo ich hinkomme, dort immer Regen sei, und zwar für genau die Dauer, in der ich da bin. Nun, Regen gab es bislang so gut wir gar nicht – aber dafür war es kühl und stürmisch.

Aber nun scheint mich das Wetter gefunden zu haben, von Italien aus zieht ein Riesenschwung Regen und Unwetter über das Meer und wird heute ankommen. Zum Glück etwas später als befürchtet, was bedeutet: Meine heutige Tour kann ich noch wie geplant durchziehen.

Die heutige Tour, die führt von Sparta, das am Fuß der Berge liegt, in denen Mystras thront, gen Süden.


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Momentaufnahme: Februar 2022

Herr Silencer im Februar 2022

Worte des Monats:

Wetter: Monatsanfang um den Gefrierpunkt und Dauerbedeckt, Monatsmitte um die 7 Grad und einige Tage Sonne, Monatsende noch einmal Frost mit Minustemperaturen um die -4.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

The Book of Boba Fett [2022, Disney+]
Boba Fett klettert aus dem Sarlacc und beschließt, er müsste jetzt mal der neue Verbrecherboss von Tatooine werden. Er heuert die Bande von Griff Tannen aus „Zurück in die Zukunft 2“ an und beleidigt Fischköppe. Es folgt: Ein ebenso absurdes wie langweiliges auf-der-Stelle-treten.

Argh, was war das denn? Da fällt Boba Fett als knallharter, wortkarger Kopfgeldjäger 1983 in die Grube des Sarlacc, und als er 2021 wieder daraus emporkrabbelt, ist er ein 60jähriger Opa mit Harmoniebedürfnis, der die Bevölkerung von Tatooine als Jabba-Nachfolger schützen will? Hä?

Seltsame Rückblenden, eine ziellos mäandernde Geschichte und Figuren, bei denen zu keiner Zeit die Motivation klar ist, machen „Book of Fett“ leider zu einer handwerklich schlechten Serie. Dazu kommen teils wirklich nicht gute Schauspieler, und das sich von den sieben Folgen zwischendurch auch noch zwei mit was ganz anderem beschäftigen legt den Witz nahe, dass selbst die Serienmacher keinen Bock auf dem Boba Fett sein Buch hatten.

Sehr seltsam, dass von den Schöpfern eines solchen Knallers wie „Mandalorian“ so ein Totalausfall kommt.

Ghostbusters: Afterlife [2021, BluRay]
Alleinerziehende Mutter zieht mit ihren Kindern auf´s Land, auf die heruntergekommene Farm des lang verschwundenen und jüngst verstorbenen Vaters. Schnell wird den Kids klar, das im gottverlassenen mittleren Westen irgend etwas nicht stimmt, und Opa absichtlich hier her gezogen ist, weil er 1984 ein Geisterjäger war und hier ein Epizentrum des Übersinnlichen liegt.

Oh wow! „Afterlife“ ist eine direkte Fortsetzung der Ghostbusterfilme aus den 80ern, und eine ganz wunderbare noch dazu. Im Kern ist das hier „Goonies meets Ghostbusters“ sowie die Geschichte von Egon Spengler. Der Figur des zwischenzeitlich verstorbenen Harold Ramis, an den dieser Film eine großartige Hommage ist. Was Jason Reitmann, der Sohn des gerade verstorbenen Ivan Reitmann, hier gemacht hat, funktioniert für eine neue Generation Zuschauer, zupft aber auch den Nostalgienerven der Altfans.

Super gemacht, und die Ereignisse der Filme von ´84 und ´89 sowie des dritten Teils (das Spiel von 2010!) passen genau zu dieser tollen Übergabe des Staffelstabs an eine junge Generation. Die ist übrigens so toll besetzt, dass ich gerne mehr von denen sehen würde.


Spielen:

Warten auf Aloy, deshalb zwischendurch erstmal ein paar kurze Remaster und eine angespielte Altlast:

Alan Wake Remastered [PS5, 2010, 2021]
Alan Wake ist ein Bestsellerschriftsteller und nach Veröffentlichung seines letzten Buchs kreativ völlig am Ende. Um den Kopf frei zu bekommen, fährt er mit seiner Frau nach Twin Peaks. Hier verschwindet das Ehegespons, es passieren Dinge, und am Ende stolpert Wake immer wieder Nachts durch dunkle Wälder.

„Alan Wake“ ist ein spielbarer Stephen-King-Roman im Twin-Peaks Setting – so kann man das Spiel vielleicht am einfachsten beschreiben. Der Ort der Handlung und die skurrilen Charaktere erinnern an jeder Ecke an die alte David-Lynch-Serie.

Das alles passt perfekt zu einer verwickelten und sehr dramatischen Geschichte, die hier in Episodenform erzählt wird. Wie bei einer Fernsehserie gibt es Unterbrechungen und Rückblicke. Diese Unterbrechungen passen perfekt auf die einzelnen Storybeats, wobei die einzelnen Episoden auch in sich ein sehr gutes Pacing mitbringen. Ruhige Dialog- und Erkundungsphasen wechseln sich ab mit Actionpassagen, in denen Alan Wake durch finstere Wälder stolpert und mit einer Taschenlampe die Dunkelheit bekämpft.

Licht als Waffe einzusetzen ist originell und funktioniert meist sehr gut, weniger gelungen ist die Steuerung, die etwas indirekt und schwammig ist. Die Hauptfigur ist so unsportlich, dass sie mehr stolpert als läuft, nicht mehr als 20 Metern sprinten und nicht mehr als zwei Mal ausweichen kann. Neben diesen (gamedesigntechnisch gewollten) Restriktionen gibt es auch Limitationen bei der Spielengine, die Animationen nicht unterbrechen kann. So stirbt Alan Wake ein ums andere Mal, weil ihn während der langen „ich hebe einen Gegenstand auf“-Animation die Dunkelheit von hinten erwischt.

„Alan Wake“ ist gameplaytechnisch kein Meisterwerk, nie gewesen. Den Status des Klassikers hat sich das Game auf der vorletzten Konsolengeneration erworben, weil es ein atmosphärischer Hammer ist. Wenn Wake im Licht des Mondes seinen Weg durch die nebelverhangenen Wälder sucht, dazu düstere Bässe und unheilvolle Geigen aufspielen – dann stellen sich einem die Nackenhaare auf.

Das Remaster, das es nun für PS4/5 und die diversen Xboxen gibt, bringt neben allen DLCs auch hohe Auflösungen, bessere Texturen und neue Effekte mit, die „Alan Wake“ auf ein zeitgemäßes Niveau hieven. Lediglich bei den groben Gesichtsanimationen und der Charakterbeleuchtung merkt man, dass man es hier mit einem XBOX360-Game zu tun hat.

Ist aber egal: „Alan Wake“ ist ein Meilenstein der Spielegeschichte und ein Lehrstück, wie Geschichten im Medium Videospiele erzählt werden können, das sollte jede halbwegs interessierte Gamerin mal gesehen haben.

Alan Wake´s American Nightmare [XBOX 360]
Nach den Ereignissen des Hauptspiels wacht Alan Wake in einer Episode der TV-Serie „Twilight Zone“ auf. Schnell wird klar, das er immer noch in der Gewalt der dunklen Entität ist und nur ausbrechen kann, wenn er die Handlung der Folge zu Ende führen kann. Das ist aber gar nicht so einfach, denn stets kurz vor dem Ende wird die Handlung wieder an den Anfang zurück geskippt.

Kleine Weiterführung der Alan Wake-Reihe. Sollte wohl mal ein zweiter Teil werden, wurde dann aber zu Gunsten des nächsten Projekts beim Publisher eingestellt und die fertigen drei Levels durch den Kniff mit den Zeitschleifen zu einem eigenen Spiel hochgepumpt. Immer wieder die gleichen Szenen zu spielen nervt erstaunlich wenig, zumal sich Wake und die anderen Figuren den Wiederholungnen bewusst sind und versuchen, durch Variationen den Ausgang zu ändern. Da zudem nach knappen fünf Stunden alles vorbei ist, kann man das mal mitnehmen. Ist sogar im Microsoft Gamepass kostenlos enthalten.

Uncharted: A Thieves End [Remaster PS5 2016, 2021]
Wo sind eigentlich all die Piraten hin, als das goldene Zeitalter der Freibeuter endete? Die Geschichte lehrt uns, dass sie alle gejagt und letztlich gefangen und getötet wurden. Aber was, wenn die großen Piratenkapitäne ihren Tod nur vorgetäuscht und sich in Wahrheit gemeinsam und mit ihren Schätzen in einen versteckten Winkel der Welt zurückgezogen hätten? Nathan Drake und Victor Sullivan gehen der Sache nach.

Aaaaah, Uncharted 4.
Das perfekte Action-Adventure. Man stelle sich seinen Lieblingsabenteuerfilm vor, addiere das Lieblingsadventure dazu und nehme das mal zwei.

„A Thieves End“ ist so unfassbar gut geschrieben und umgesetzt, dass mir jedes Mal die Worte fehlen. Hier herrscht kein Leerlauf, die Charaktere fühlen sich wie echte Menschen an, alles strotzt vor Cleverness. Das zeigt sich besonders im environmental storytelling; die Umgebung selbst erzählt eine Geschichte, und es ist toll sich daraus zusammen zu reimen, was hier passiert ist.

So liebe ich bspw. die Szene, in der Drake das Bild eines Piratenkapitäns findet, dessen Flagge – einen Affen – er nicht erkennt (s.o.) – das ist natürlich eine Hommage an „Monkey Island“, und allein die IDEE, das Uncharted hier die Geschichte von Guybrush Threepwood zu Ende erzählt, der es am Ende wirklich geschafft hat ein mächtiger Pirat zu werden, lässt mein kleines Nerdherz vor Freude hüpfen.

Das Remaster für die Current Gen Konsole sieht genauso aus wie die PS4-Fassung, läuft aber flüssiger und bringt die Konsole vor lauter Grafikpracht nicht zum Glühen. Besitzer der PS4-Fassung von „Thieves End“ oder „Lost Legacy“ bekommen die „Legacy of Thieves“-Edition für die PS5 für 10 Euro.

Uncharted: The Lost Legacy [Remaster PS5 2017, 2021]
Chloe Frazer ist eine Diebin, und jetzt hat sie sich entschieden etwas sehr Wertvolles zu stehlen: Den Stoßzahn der indischen Gottheit Ganesha. Hinter der Reliquie ist auch eine indischer Nationalist her, und dooferweise hat der eine Armee im Gepäck. Zum Glück ist Chloe bei der Schnitzeljagd durch indische Großstädte und den Dschungel nicht allein: Sie hat die Söldnerin Nadine Ross engagiert. Das Muskelpaket, das zuletzt den Drake-Brüdern ordentlich einheizte, soll der Diebin den Rücken frei halten. Das tut sie auch – bis Chloe, ganz ihrer Natur entsprechend, alle verrät.

Zuletzt 2017 gespielt, aber immer noch gut, dieser kleine Ableger der Uncharted-Reihe. In knapp 8 Stunden ist man durch die (größtenteils vorhersehbare) Geschichte durch, aber die kommt ohne Hänger daher und ist spannend. Der charismatische Widersacher, das knackige Gameplay und das unglaubliche Polish machen diesen Titel zu einem Juwel. Dem konnte auch das PS5-„Remaster“ nichts hinzufügen. Läuft jetzt wohl auf 120 FPS bei 4K, was ich nicht prüfen kann, sieht aber ansonsten genauso brillant aus wie auf der PS4.

Cyberpunk 2077 1.5 [PS5, 2022]
Als „Cyberpunk 2077“ im Dezember 2020 erschien, war es ein verbuggter, glitchiger Haufen Müll. Das erste Dutzend Patches half diesem Wrack soweit auf die Füße das es einigermaßen spielbar war, allerdings fehlten weiterhin essentielle Features, es strotze weiterhin vor Fehlern und auf den Lastgen-Konsolen bekam man Augenkrebs ob der schlechten Grafik. Zudem wurden die NPCs in der Spielewelt so zurückgefahren, das sie tot und leblos wirkte, und die PS4-Fassung stürzte alle 30 Minuten ab. Ich brach deshalb meinen Spieldurchlauf nach wenigen Stunden ab und packte das Ding zur Seite.

Nun, nach 15 Monaten, also der große Patch. Aber der macht nicht alles gut, obwohl er sich auf PC, PS5 und XBOX Series konzentriert. Ich habe nur kurz reingespielt und praktisch sofort auf der PS5 Pop-Ins (zu spät ladende und urplötzlich ins Bild springende Objekte), Clippingprobleme und verrückte Physik gefunden. NPCs laufen mit unsichtbaren Gegenständen und in seltsamen Haltungen durch die Gegend und durch Wände, die Spielwelt ist nach wie vor ziemlich leblos und die Straßen leer. Die Grafik sieht jetzt besser aus und läuft flüssig, so lange man sich nicht zu schnell bewegt.

Was nach wie vor das Grauen: Das Nutzerinterface. Das Inventar ist zugeschissen mit Tausend Funktionen und Angaben, das HUD überfrachtet mit hunderten Infos in Winzigschrift und die Bedienung ist fummelig, überfrachtet und so wenig intuitiv, dass das Spiel ohne mehrjähriges Studium und Mausbedienung kaum handhabbar ist.

Was auch immer da in Zukunft noch kommt: Man sollte die Hoffnung aufgeben, das aus Cyberpunk2077 jemals ein gutes Spiel wird. Und die Fassung für die LastGen-Konsolen sollte man gänzlich abschreiben, die laufen immer noch schlecht, und da machen CD Projekt Red keinen Handschlag mehr.


Machen:


Neues Spielzeug:
Neue Handschuhe!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Reisetagebuch Griechenland (14): DAS! IST! POTTENHÄSSLICH!!

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Tag 18 mit den merkwürdigen Bauten seltsamer Einsiedler, einer überaus hässlichen Stadt und ikonischen Momenten.

Mittwoch, 06. Oktober 2021, Nafplio
Schnorchelgrhmwas schon Zeit zum Aufstehen? Noch im Halbschlaf zerre ich das Handy vor die Nase, dann schließe ich beruhigt noch einmal die Augen. Die Barocca steht noch dort, wo sie sein sollte.

Ich lasse die Kiste nicht gerne in städtischen Gebieten rumstehen. Zwar habe ich die V-Strom auch deswegen gewählt, weil sie nichts hermacht und kein profesioneller Dieb mit einem Funken Stolz das alte Modell klauen würde (die osteuropäischen Banden, die auf Bestellung im Mittelmeerraum stehlen, stehlen hauptsächlich neue BMW GS), aber man weiß ja nie.

Die Barocca verfügt über gleich zwei Trackingsysteme, deren Position sich per App abrufen lässt. In der Frontverkleidung steckt ein normaler GPS-Tracker, der die Position über das Mobilfunknetz sendet. Der ist präzise, braucht aber viel Strom. Die Batterie hält bestenfalls drei Tage, deshlab mache ich das Ding nur an, wenn ich wirklich mal an seltsamen Orten parke.

Am Rahmen verborgen ist ein Lora-Tracker, der das Low-Power-Internet of Things nutzt, um unauffällig und energiesparsam seine Position mitzuteilen. Der aktualisiert sich weniger häufig und braucht länger um seinen Standort zu bestimmen, dafür sendet er drei Monate am Stück.

Beide Systeme melden: Das Motorrad steht noch an der Straße unter dem Hotelfenster. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich, dass das stimmt. Nicht geklaut, und kein Auto hat es beim Ein- und Ausparken umgerammelt. Was auch zu sehen ist: Die mächtige Palamidis-Festung, die auf dem Berg über Nafplio in der Morgensonne leuchtet. Beides sehr schön.

Ich verlasse Nafplio in Richtung Westen. Erst bleiben die Gewerbegebiete zurück, dann die Felder, und schließlich geht es in die Berge auf einer der vielen Halbinseln Griechenlands.


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Kategorien: Motorrad, Reisen | 9 Kommentare

Reisetagebuch Griechenland (13): Wunderblumen

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Tag 17 mit nassen Füßen, Orangenhainen, verschwundenen Gräbern und einem ausgemachten Otto.

Dienstag, 05. Oktober 2021, Delfi
Es ist erst kurz vor Sieben, als ich im Halbdunkel und auf dem Bett sitzend die Socken anpfriemele, die Beine aus dem Bett schwinge und IEH! KALT UND NASS! WAS IST DAS DENN?

Ich knipse das Licht an und begutachte den Boden. Vor dem Bett steht eine Pfütze, und in der stehe ich jetzt, mit klitschnassen Socken. Wo kommt denn das Wasser her?!

Dann sehe ich es. Der Bungalow hat einen Kühlschrank, der gestern laut gebrummt und geklappert hat. Sowas kann ich nicht in dem Raum haben in dem ich schlafe, genauso wenig wie tickende Uhren. Also habe ich dem Kühlschrank den Stecker gezogen.

Dooferweise, und das habe ich übersehen, hat der ein Tiefkühlfach. Das habe ich offensichtlich fachmännisch abgetaut, und das Wasser hat sich über die Fugen der Bodenfliesen im ganzen Bungalow verteilt. Suuuper. Fluchend hole ich einen Lappen und beginne aufzuwischen.

Aus dem Wasserhahn im Badezimmer kommt kochend heißes Wasser, damit mache ich mir einen Instantkaffee. Mit dem dampfenden Becher in der Hand stehe ich auf der Terrasse vor dem Bungalow und blicke über die Ebene vor dem Golf von Korinth.

Das Morgenlicht ist hier fast genauso magisch wie das Abendlicht. Das Sonnenlicht ergießt sich in großen, deutlich sichtbaren Strahlen in die dunklen Ebene, in der die Autos noch mit Licht fahren.

Es wirkt, als habe das Licht Substanz. „Volumetrisches Licht“ heißen solche Lichtbalken in Computerspielen. Vermutlich kommt dieses Phänomen, dass die Lichtstrahlen hier Masse zu haben scheinen, einfach von dem Dunst über dem nahegelegenen Meer.

Ich finde eine andere Erklärung aber schöner. Terry Pratchett hat mal geschrieben, das Licht stark abgebremst wird, wenn es auf ein thaumaturgisches Feld trifft. Da Energie nicht verloren gehen kann, wandelt sich die Geschwindigkeit in Masse um. Das finde ich die schönere Erklärung: Dieser Ort hier ist magisch, und dadurch gewinnt das Licht an Substanz.

Ich sattele die V-Strom und manövriere vom Gelände des Campingplatzes. Zu meinem großen Erstaunen sind die Terrassen in den Berghängen, die zum Abstellen von Wohnmobilen gedacht sind, leer.

Die deutschen Camper, die hier gestern Abend standen, sind verschwunden. Oberanführer Rolf und seine Gruppe müssen also schon lange vor dem Sonnenaufgang das Feld geräumt haben. Und zwar generalsstabmäßig und so leise, das ich nichts davon mitbekommen habe. Selbst Revoluzzer Wolfgang ist weg. Cool. Rücksichtnahme von Deutschen im Ausland, das ist unerwartet.

Ich fahre über die Olivenbaumebene in Richtung des Golfs von Korinth, biege kurz vor dem Küstenort Itea nach Osten ab und scheuche die V-Strom über die Küstenstraße, die dicht am Wasser entlangführt.

Die Sonne schiebt sich hier gerade über die Berge und wirft diese Lichtbalken in die Landschaft, die auch von Nahem so dreidimensional wirken, als könne man sie anfassen.


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Familiäre Dialoge -XVI-

Telefon.

Ich: „„Ja hi, ich bins. Ich wollte nur mal fragen ob Du bei der zweiten Impfung warst und wie es Dir jetzt geht.“

Vater: „Was soll denn die dumme Frage, Du weißt doch genau, das es mir beschissen geht, mit dem Knie kann ich doch nicht auftreten, deshalb nehme ich doch dauernd die starken Schmerzmittel.“

Ich: „Nee, ich meinte wegen der Impfung. Beim Knie erwarte mal kein Mitleid, das hättest Du vor acht Jahren machen lassen können, mit dem anderen zusammen, dann wärst Du heute schmerzfrei. Dazu müsstest Du nur mal zum Arzt gehen.“

Vater: „Die haben doch am wenigsten Ahnung, die Ärzte! Aber zweite Impfung war ich. So eine Impfung, weißte, die geht ganz schnell. Man fährt nur zu dem Termin und dann warten die schon auf einen…“

….Was nicht so wirklich ein Wunder ist, mein Vater kommt zu jedem Termin mindestens eine Viertelstunde zu spät…

Vater: „…und schon ist man damit fertig. Ist ja hier auf dem Dorf auch nicht so einfach, mit Impfung! Kommste ja nicht ran, als Normalsterblicher. MIR hat niemand ein Impfangebot gemacht. (Stolz:) Aber ich sage ja immer: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Und ICH bin ja jetzt geimpft“

Heldenhaft. Ein Jahr hat er sich mit Händen und Füßen gewehrt, aber nun fühlt er sich wie der Ritter, der den Drachen erlegt hat. Belassen wir es dabei.

Vater: „Zum meinem Achtzigsten habe ich übrigens von der Gemeinde einen Gutschein über 10 Euro bekommen. Muss man sich mal vorstellen, 10 Euro, was soll man sich denn dafür kaufen?“

Ich: „Was hast Du denn erwartet?“

Vater: „Wer nicht frech. Ich kauf mir da jetzt Lübecker Marzipan für. Das ist das Beste. Kann man ja auch kaum was anderes mit anfangen, mit 10 Euro.“

Ich: „Ja, nee. Und Marzipan als Geldanlage, das ist schon gut. Aber denk an Dein Diabetes.“

Vater: „Ach Diabetes, so ein Quatsch. Da hat die Ärztin auch keine Ahnung.“

Ich: „Deine Diabetesberaterin, die beruflich nichts anderes macht als Diabetes, die hat keine Ahnung?“

Vater: „Die erzählt nur Quatsch! Ich soll morgens 49 und abends 29 Einheiten nehmen, das ist doch Blödsinn. Ich ess´ meine Schokolade und mein Marzipan und dann messe ich und dann schlag ich noch was drauf und das nehme ich dann.“

Ich: „Genial! Auf diese Weise kannst Du Süßigkeiten essen bis Dir schlecht wird!“

Vater: „Genau! Aber in dieses Tagebuch, ne, was ich ihr immer vorzeigen muss, da trage ich immer genau die Werte ein, die sie sehen will. “

Ich: „Die eigene Diabetesberaterin betuppen. Na, Du bist ja ein Fuchs.“

Vater: „Ja, was will ich denn sonst machen? So freut sie sich wenigstens.“

Ich: „…“

Vater: „Warum rufst Du eigentlich heute erst an? Die zweite Impfung war vor einer Woche!“

Ich: „Oh ich HABE angerufen, jeden Tag, zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Du bist nur nicht ans Telefon gegangen. Ich habe mir schon Sorgen gemacht.“

Vater: „Ja nun, das Telefon steht in der kleinen Stube und wenn Fernsehen an ist höre ich das nicht. Tragbares Telefon habe ich ja nicht.“

Ich: „Hast Du schon, das haben wir Dir vor drei Jahren zu Weihnachten geschenkt. Du warst nur zu bequem es anzuschließen, und als ich das machen wollte meintest Du, ich hätte keine Ahnung davon und sollte die Finger davon lassen.“

Vater: „Braucht ja auch kein Mensch, sowas. Genauso wie Handy. Sind auch nicht zu gebrauchen, die Dinger. Die muss man jede Woche aufladen! JEDE WOCHE! Muss man sich mal vorstellen! Ich glaub´ mein Schwein pfeift!“

Immerhin hat er ein Handy. Hat lange genug gedauert ihm das aufzudrängen, damit er in Notfällen wenigstens ein Telefon in Griffweite hat.

Ich: „Ja nun. Sei froh, dass Deines eine Woche durchhält. Ich muss meins jeden zweiten Tag aufladen.“

Vater: „Was? Was ist das denn für eine Schrottkiste?!.“

Ich: „iPhone 13 Pro.“

Vater: „Das würde ich zurückbringen, das muss ja kaputt sein. Kauf Dir mal was Vernünftiges! Nokia oder so. Hatte ich ja auch.“

Ich: „Wieso „Hatte“?!“

Vater: „Ist kaputt. Aber ist ja egal, ich brauche das eh nicht.“

Ich: „Und wenn Du mal stürzt mit Deinem kaputten Knie und nicht mehr hochkommst? Wie holst Du dann Hilfe? Das kriegt ja nicht mal jemand mit wenn Du da rumliegst.“

Vater: „Ach ich telefonier doch jeden Abend mit der Dingens. Wenn ich nicht ans Telefon gehe kann die sich schon denken, das was nicht stimmt. “

Ich: „Oder das Du fern guckst.“

Vater: „Hehehe, ja genau, ne.“

Ach Ach Ach. Ich rege mich ja gar nicht mehr drüber auf.

Frühere Dialoge:

Dialog zum 80sten
Impfdialog
Hämischer Dialog
Corona-Dialog
Weihnachtsdialog
Straßenverkehrsordnungsdialog
Kraftfahrzeugbundesamt-Wettererklärdialog
Kostenloskulturdialog
Poststornierungsdialog
Nötigungsdialog
Tantenmonolog
Mehr Dialog
Noch ein Dialog
Nächtlicher Dialog
Spontaner Dialog
Anderer Dialog
Noch ein anderer Dialog

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Reisetagebuch Griechenland (12): Strauchwatte & Donnerfurz*

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Heute mit einer Elster, Ziegenregen, bildungsfernen Amerikanern und den Verschwörungen deutscher Impfgegner im Ausland. Und es passiert Magie.

04. Oktober 2021, Volos
So doof der gestrige Tag mit dem Scheißberg auch war, der heutige schickt sich schon früh an für die Quälerei zu entschädigen. Gleich nach dem kleinen Frühstück geht es wieder in den Sattel des Motorrads und dann los, raus aus Volos, die Morgensonne im Rücken.

Sobald die Barocca den Speckgürtel der Hafenstadt hinter sich lässt, wird alles sehr ländlich. Felder, soweit das Auge reicht. Bereits umgepflügte Getreidefelder, aber auch immer wieder Baumwollfelder. Die finde ich ja völlig faszinierend und muss anhalten, um die angemessen zu bestaunen. Die V-Strom bleibt an der Straße stehen, während ich neben den Pflanzen knie, um sie zu betrachten.

Bike for Scale

Der Name „Baumwolle“ ist eigentlich gelogen. Baumwolle, zumindest in der Form in der sie hier wächst, ist gar kein Baum. Es ist nicht mal ein hüfthoher Busch, wie ich das aus Filmen in Erinnerung habe. Nein, das hier ist nur ein kniehoher Strauch. Die Wolle selbst fühlt sich an und sieht aus wie Watte. Aber der Name „Strauchwatte“ hat sich wohl nicht durchgesetzt.

Ich pflücke ein wenig Baumwolle. Fühlt sich echt exakt an wie die Watte, die man in der Drogerie kaufen kann. Ob die natürliche Baumwolle hier wohl schimmelt, wenn man sie nicht behandelt? Ich beschließe Wissenschaft zu machen und stecke aus Erkenntnisinteresse den Wattebausch in eine Tasche der Motorradkombi. Mal gucken, ob der in ein paar Tagen zu gammeligem Matsch wird.

Es geht nach Nordwesten, und dieses Mal versuche ich nicht clever zu sein und die Route auf kleinste Nebenstraßen zu zwingen. Ich folge Annas Berechnungen und genieße es, über die breiten und doch kurvigen Straßen zu cruisen. Hier ist superwenig los, man kann kilometerweit über die Felder schauen, und ich habe echt das Gefühl allein auf der Welt zu sein.

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Handschuhe 2022

Alle Klamottenhersteller arbeiten mit Referenzmodellen für Körpergrößen und -Formen. Ist bei den Herstellern von Handschuhen, insbesondere zum Motorradfahren, nicht anders. Allerdings sind die Referenzmodelle der Moppedausrüster extrem seltsam, was Handschuhe kaufen zur Qual bzw. zum Glückspiel macht.

Held bspw. arbeitet mit Referenzmaßen, die sie von einem Alien aus der Area 51 abgenommen haben – anders ist es nicht zu erklären das der Daumen länger ist als der Zeigefinger.

Die Designabteilung von Alpine-Stars ist mit der Maus auf dem Skalieren-Button ausgerutscht und produziert alles vier Nummern kleiner als normal, eine Größe L bei denen passt gerade mal für XS-Hände. Bei Dainese ist es nicht ganz so schlimm, hier sind aber die Handteller meist damenhaft schmal.

FLM ist wie eine Schachtel Pralinen, da weiß man nie wo das Logo gerade draufklebt. Louis ist bei seinen Eigenmarken Probiker und Vanucci nur eine Nummer in der Größenskala verrutscht und der Mittelfinger ist zu kurz (ausgerechnet! Den braucht man doch beim Moppedfahren am Häufigsten!), aber ansonsten passen mir die besser als alles andere, was man so kaufen kann.

Ich würde ja gerne mal höherwertige Handschuhe anschaffen, habe aber leider Vanucci-Hände. Die Eigenmarke von Louis ist im Mittelpreissegment angesiedelt und bietet gute Materialien und gute Verarbeitung zu guten Preisen, nicht mehr und nicht weniger. Da bekommt man keine 400 Euro-Handschuhe aus Känguruleder, die unbeschadet eine Rutschpartei über die Rennstrecke aushalten. Aber die Vanucci-Dinger fallen auch nicht beim ersten Angucken auseinander.

Ich bin bislang immer mit zwei Paar Handschuhen unterwegs. Einmal mit einem gut gefütterten und wasserdichten Modell der „V-Tech“-Reihe für den Temperaturbereich von 5 bis 20 Grad, für höhere Temperaturen kommen ungefütterte Sommerhandschuhe der „Summer Touring“-Linie mit leichtem Meshgewebe an den Fingern dazu.

Diese beiden Paare decken meinen Bedarf bislang komplett ab. Zwischenzeitlich hatte ich mal mit ungefütterten Sommerhandschuhen mit Membran experimentiert, aber das war Banane – im Sommer funktioniert eine Membran nicht gut, weil sie eine Temperaturdifferenz braucht um zu arbeiten. Ergebnis waren schweißnasse Hände.

2018 war zuletzt ein Neukauf angesagt. Weil sich bei meinen alten VC-1 nach 5 Jahren langsam das einlaminierte Innenfutter in einem Finger zu lösen beginnt und das Leder der Summer Touring III nach vier schweißtreibenden Saisons anfängt mürbe zu werden, gab es jetzt eine Neuanschaffung.

Ich notiere das hier nur für mich selbst, weil ich in einigen Jahren wieder nachschauen werde, was ich heuer (wwös) eigentlich beschafft habe.

Vanucci VCT Special
Größe 9, gelabelt als „Für die kältere Jahreszeit“, mctex Membran, Superfabric Keramikbesatz, 3M Thinsulate Futter.

Besser als beim VC-1: Vermutlich das Innenfutter (der alte hatte Primaloft) und die Finger, die nun fast komplett aus Leder und mit Protektoren besetzt sind. Der kleine Finger ist wieder doppelt gepolstert. Der alte Handschuh hatte an der Fingeroberseite lediglich Stoff, was wenig vertrauenserweckend war. Der neue hat eine bessere Form des Handtellers.

Schlechter als beim Vorgänger: Stulpe ist einen Tucken zu lang, außerdem ist an der ein seltsamer Plastikbömsel befestigt, der beim Anziehen stört. Kein Visierwischer mehr am linken Zeigefinger!! (Sollen ditte?!). Reflektoren eingespart bzw. an Stellen platziert, wo sie völlig unnütz sind (Ende der Stulpe statt auf den Fingerknöcheln). Statt Outdry nun McTex-Membran.

Vanucci Summer Touring IV
Direkter Nachfolger des Summer Touring III, aber schon wieder Auslaufmodell und damit Restposten und um 50% reduziert. Größe L/09, Unterhand aus Allcura-Ziege, Rest Nappaleder vom Rind.

Besser als beim Vorgänger: Grobes Meshgewebe in den Fingerzwischenräume, dadurch vermutlich bessere Lüftung. Anti-Rutschmaterial an der Daumenwurzel. Unnütze Lüftungsnupsies auf den Finger sind entfallen. Daumen und Zeigefinger sind besser geschützt, beim alten was die Oberseite des kleinen Fingers fast komplett aus Mesh, beim neuen ist sie geschlossen und aus Leder. Nähte sind gedoppelt und wesentlich besser verarbeitet.

Schlechter als beim Vorgänger: Unnütze Plastiklogos an der Stulpe und enges Handgelenk erschweren das Anziehen. Keramik auf der Oberseite wurde durch Stoff ersetzt, wirkt billiger.

Hm. Tja. Licht und Schatten. Aber irgendwas ist ja immer.

Eine weitere Ergänzung gibt es, da bin ich gespannt wie die sich macht:

Regenhandschuhe Virus 4.0 von IXS.
Nur dünnes Polyamid, Fingerinnenseite mit rutschhemmenden Silikon, statt einem Fäustling ein zwei-mal-zwei-plus-Daumen-Schnitt.

Bild: IXS

Gibt es in verschiedenen Größen und sitzt damit besser als die One-Size-fits-Nobody-Versionen von Reusch oder DXR, die immer Hände wie Mülltüten machen. Fallen sehr groß aus, mit meinen Vanuccis in Größe L/09 ist bei IXS vermutlich M das richtige.

Ratgeber: Tips zum Handschuhkauf

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Reisetagebuch Griechenland (11): Der Scheißberg

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Tag 15 fängt entspannt an, aber das muss ja nicht so bleiben.

Sonntag, 03. Oktober 2021, Litochoro
Die Nacht war unruhig. Nachdem ich nach dem Abendessen wie ausgeschaltet eingeschlafen war, kamen kurz vor Mitternacht gut hörbar die Zimmernachbarn nach Hause, während auf dem nahegelegenen Parkplatz – wo die Barocca stand – eine lautstarke Auseinandersetzung unter Jugendlichen begann, begleitet von der ein oder anderen Rangelei. Als endlich alles still war, bin ich nochmal aus dem Zimmer und habe nach der Suzuki gesehen. Alles Ok. Aber man weiß ja nie. Wie auch immer, heute morgen bin ich noch ziemlich verpennt.

„Gut geschlafen?“, fragt die kleine Frau im Eingangsbereich des kleinen Familienhotels. Durch die FFP2-Maske, die sie trägt, halte ich sie im ersten Moment für Ioanna. In diesem Moment guckt Ioanna um die Ecke und winkt. Ich bin wohl sichtlich irritiert es mit zwei identischen, mittelgroßen, schlanken, schwarzhaarigen und sogar ähnlich gekleideten Frauen zu tun zu haben, weshalb die zweite Ioanna fröhlich sagt: „Darf ich vorstellen: Meine Mama!“.

Verblüffend. Die Mutter sieht exakt wie ein Duplikat von Ioanna aus, gleiche Größe, gleiche Figur, nur etwas älter. Aber das sieht man durch die Gesichtsmaske halt nicht.

Die Frau winkt kurz, dann kommt sie ohne Umschweife zur Sache. „Also, ich habe Apfelkuchen gebacken und das hier“, sie deutet auf ein kleines Buffet, „sind griechische Törtchen, Bätterteig mit feta drin, hier frisch gebackene Croissants und das da sind frisch belegte Sandwiches und außerdem haben wir jede Menge Obst und ich könnte noch Eier….“
„Nein, danke, reicht“, wehre ich lachend ab. „Den Apfelkuchen bitte“.

Der Frühstücksraum des Enipeas ist gleichzeitig auch der Eingang und Windfang zu dem kleinen Hotel. Seltsame Bauform, aber der Ausblick durch die rundum laufenden Fenster ist fantastisch. Die Sonne geht gerade auf und taucht die Berggipfel links und rechts der Enipeas-Schlucht in warmes Licht.

Ioannas Mutter setzt sich an einen Tisch mir gegenüber. „Ich bin Stavroula“, sagt sie auf englisch.
„Ich bin…“, setze ich an.
„Ich weiß“, sagt sie, „ich lese die Formulare von den Menschen, die bei mir übernachten. Gefällt dir das Haus?“ „Fantastisch“, sage ich. Naja, bis auf die Schalldämmung. Man hört ALLES von den Nachbarzimmern. Also, WIRKLICH alles.

Sie nickt. „Haben wir alles neu renoviert. Familiengeführtes Haus.“
„Sowas liebe ich“, sage ich und meine es auch so. „Familienhäuser sind meist viel besser als andere Hotels, weil den Betreibern etwas an dem liegt, was sie tun. Und es gibt Leuten wie mir, die allein unterwegs sind, die Gelegenheit sich zu unterhalten und etwas zu lernen.“

Stavroula zieht die Augenbrauen hoch und sagt „Ist das nicht fein, wir ergänzen uns. Ich begreife unsere Aufgabe nämlich so, dass wir unseren Gästen immer auch etwas über unsere Kultur beibringen. Der Apfelkuchen, den Du gerade isst… der ist mit Nüssen und nach einem ganz traditionellen Rezept. Ich bin um 5 Uhr aufgestanden um den zu backen.“

„Großartig“ nuschele ich mit vollem Mund.
„Ich kann Dir sagen, so ein Hotel ist viel Arbeit. Viele Gäste sind seltsam, aber man kann denen ja nicht in den Kopf gucken. Aber ich habe Hilfe. Vier Kinder, alle helfen. Ioanna hier hat Erziehungswissenschaften studiert. Nur ihr englisch… Du hast sie gestern verkehrt verstanden, du hättest Dein Motorrad genau vor dem Zimmer parken können.“
Ach. Das hätte einiges an Aufregung vermieden.

Nach der Verabschiedung belade ich das Motorrad und lasse es rückwärts aus dem Parkplatz rollen, wende und starte dann den Motor.

Die sechs Grad Außentemperatur, die Anna vermeldet, sind recht kühl, aber die Sonne scheint und ich atme die Morgenluft tief ein und genieße sie. Den Rest des Jahres habe ich in staubigen Büros verbracht, da ist so frische, klare Luft etwas, was ich bewusst wahrnehme und schätze.

Vom Bergmassiv geht es hinab zum Meer, bis mir im Rückspiegel auffällt, dass heute keine Wolken da sind. Ich wende und fahre den Berg wieder hinauf und mache ein Foto vom unverschleierten Olymp in der Morgensonne.


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Momentaufnahme: Januar 2022

Herr Silencer im Januar 2022

Worte des Monats: Ist der Januar endlich vorbei? Bitte?

Wetter: Um Null, meistens nass. Gelegentlich Schnee, der aber nie lange liegen bleibt. Einfach nass und kalt und bah. Erst am 27.01. sehe ich um 11:30 Uhr für einen Augenblick einen Sonnenstrahl. Ehrlich, ich habe noch nie bewusst einen so langen und dunklen Januar wahrgenommen.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

Penny Dreadful [2021, BluRay]
Timothy Dalton und Eva Green treffen im viktorianischen London auf Mina Harker, Dr. Van Helsing, Dr. Frankenstein, Werwölfe, Jack the Ripper, Dorian Grey und andere seltsame Zeitgenossen. Das Green von der Dunkelheit verehrt wird und Dalton seine Tochter ausgerechnet an Dracula verloren hat, macht die Sache nicht einfacher.

„Penny Dreadful“ waren im England des 19. Jahrhunderts massenproduzierte und billige Bilderheftchen mit Gruselgeschichten. Gruselig möchte auch diese Serie sein, billig gemacht ist sie aber nicht. Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen hinein einfach nur fantastisch, aber geradezu magisch ist das Zusammenspiel aus Timothy „007“ Dalton und Eva Green. Dazu kommt der sichtbar hohe Production Value, das ist alles edel gemacht und auch so gefilmt.

Über alle 27 Folgen hat die Serie Probleme mit dem Pacing. In der zweiten Staffel verliert sie etwas ihren Fokus und tritt lange auf der Stelle, was dazu führt, dass sie sich in der finalen dritten Staffel sehr beeilen muss, um alle Handlungsfänden zusammenführen. Das wirkt etwas unzusammenhängend, kommt aber zu einem okayen Ende.

Jede der drei Staffeln der 2014er Serie besteht nur aus 9 Folgen, was sich angenehm wegschauen lässt.

Eternals [2020, Disney+]
Salma Hayek, Angelina Jolie, die Stark-Brüder aus Game of Thrones und generische Schauspieler 1 bis 8 halten sich seit x-tausend Jahren auf der Erde versteckt und werden erst aktiv, als der Planet von schlechtem CGI und hanebüchenen Drehbüchern bedroht wird.

Lassen wir mal die doofe Prämisse außer acht, hat „Eternals“ immer noch 99 Probleme, und alle davon sind hausgemacht. Der Film möchte gerne anders sein als andere Marvel-Filme und auf den Beziehungen der Charaktere zueinander aufbauen, macht sich aber nicht die Mühe, die Figuren einzuführen und Beziehungen wirklich zu etablieren. Ginge auch gar nicht, denn dafür ist der Cast viel zu groß.

Von der schieren Menge an Hintergrund, der hier erst einmal aufgebaut werden müsste, hätte ein Serienformat mit vier Staffeln besser gepasst als ein Film. Vergleicht man „Eternals“ mit dem bisherigen Marvel-Universum, ist es so, als hätte man versucht alle Filme der Phasen 1 bis 3, also vom ersten „Iron Man“-Film bis zu „Endgame“, in einen Film zu stopfen. Eternals schafft dabei ein erstaunliches Kunststück: Trotz der Menge an Erzählung ist der Film gähnend langweilig und so belanglos, dass man bereits während des Anschauens vergisst, worum es eigentlich geht.

Ist halt immer schon ein schlechtes Zeichen, wenn man nach der Hälfte des Films nicht mal die Namen der Protagonisten kennt. Im Fall von „Eternals“ hat man schon Probleme, sich deren Gesichter zu merken.


Spielen:

Scarlet Nexus [PS5, 2020]
Japanische Städte werden von Chimären aus menschlichen Körperteilen und Blumenvasen angegriffen. Ein Gruppe Psi-begabter Kids stellt sich dem entgegen. Am Ende retten alle die Welt durch das Aufsagen von Kalendersprüchen.

Action-Rollenspiel im Anime-Look, mit einer Mischung au Dialogen und Kämpfen mit Waffen und Macht-Kräften. Das macht eine zeitlang Spaß, dann wird es repetitiv und nervig.

„Ein Anwärter auf Game of the Year“ und „Eine tolle neue IP“ jubelten die Kritiker und fantasierten von „wuchtigen Kämpfen“, „tollen Charakteren“ und „epischer Story“ – und ich sitze hier vor uns frage mich, ob diese „Journalisten“ dieses Machwerk eigentlich länger als die drei Stunden, die der Publisher als Preview erlaubt hat, gespielt haben. „Scarlett Nexus“ ist nämlich ein Ausflug in die Hölle des Gamedesigns. Ab dem zweiten Level wiederholen sich die leeren Landschaften und die teils ausgesprochen hässlichen Assets, der Plot ist völlig vorhersehbar, die Charaktere sind die üblichen Abziehbildchen. Spielmechanisch sind die PSI-Fähigkeiten nett, sind aber direkt ab Start verfügbar und erfahren keine Entwicklung. Genau wie die Gegner, die allen Ernstes mitleveln, D.h. über den Spielverlauf hat man nie das Gefühl, dass die eigene Spielfigur stärker wird, sondern eher immer wirkungsloser: Hat man ein Krokodil mit Blumen als Kopf (fragen sie nicht) zu Spielbeginn noch binnen 20 Sekunden umgehauen, braucht man dazu am Ende rund 3 Minuten – sowas steht nicht nur der Power-Fantasie entgegen, sowas nervt einfach nur kolossal, zumal wenn im letzten Drittel die Gamedesigner mangels kreativer Einfälle einfach die gleichen Gegner im Dutzend auftauchen lassen.

Dazu kommen Menüstrukturen aus den 90ern, nervige und bei jeder Gelegenheit aufpoppende Dialoge sowie bis zum Ende „Tips“-Einblendungen, die einem den Bildschirm zukleistern.

Ganz schlimm ist das Pacing, das wirklich völlig kaputt ist. Zwischen Segmenten, in denen man auf „Missionen“ unterwegs ist, die auch gelegentlich mal die Story vorantrieben, macht das Spiel immer wieder eine Vollbremsung bis zum absoluten Stillstand. Dann hocken alle Charaktere in einem pottenhässlichen Appartement rum und wollen einem entweder stundenlang ein Wurstbrot ans Ohr jammern oder erwarten Geschenke, die es zu besorgen gilt.

Auch übergreifend entwickelt das Spiel keinen Flow. Satte 10 Stunden passiert faktisch nichts außer wehleidigen und ausufernden Dialogen, dann erfolgt ein Exposition-Dump, dann folgen 7 Stunden Füllmaterial, in dem die designer sich nicht mal mehr die Mühe gemacht haben Levelassets zu bauen, sondern einfach die vorhandenen wild durcheinanderschmeissen. Dann kommen Bosskämpfe – gegen immer den gleichen Boss, aber immer dreimal hintereinander, und dann ist eine Kampagne endlich vorbei – und DANN soll man den ganzen Käse nochmal von vorne spielen, mit einem anderen Charakter, um die Lücken in der wirren Geschichte zu füllen.

Nein, Danke. Einmal ist weit mehr als genug. Zumal auch die Präsentation keine Augenweide ist. Die umfangreichen Dialogszenen sind nicht mal animiert, sondern werden nur mit Standbildern unterlegt. Die Umgebungen sind aus dem Baukasten zusammengefügt und meist hässlich. Das Gegnerdesign ist interessant, aber mehr als ein Dutzend Gegnertypen gibt es halt nicht, und die werden bis zum Erbrechen recycled.

Ich konnte schon mit dem ähnlich umjubelten „Nier: Automata“ nichts anfangen, und „Scarlet Nexus“ ist eine ähnlicher Fall: Von der Kritik gehyped, aber nachweisbar und objektiv ein schlechtes Spiel, das schlicht keinen Spaß macht.

Chorus [PS5, 2020]
Der Weltraum: Nara ist Jetpilotin im Dienst von Schmugglern. Sie hat ein Geheimnis: Als PSI-Medium und war sie früher eine lebende Waffe im Dienste eines radikalen Kults, vor dem sie sich nun versteckt. Als der Kult sich anschickt Naras Schmugglerfreunde zu versklaven, macht sie sich auf die Suche – nach ihren vergessenen Kräften und nach ihrem alten Jet, einem mächtigen Schiff mit einer sehr eigenen Persönlichkeit.

Nettes AA-Spiel des Hamburger Studios Fishlab. Toll vertont, nette Grafik, Spielprinzip ist irgendwo zwischen Wing Commander und Afterburner, also arkadige Dogfights mit handlungstransportierenden Zwischensequenzen. Nara ist eine interessante Protagonistin, und das ihr Schiff eine schmerzerfüllte Fusion aus einer Maschine und einem lebenden Bewusstsein darstellt, führt zu spannenden Konflikten. Ich mag sogar die ASMR-mäßig hingehauchte Vertonung von Naras inneren Monologen, das ist ein eigenständiges und cooles Element.

Leider kommen auf jede gute Idee zwei schlechte, „Chorus“ steht sich selbst permanent auf den Füßen. Die Gamemechaniken funktionieren gut und machen Spaß, aber das Missionsdesign ist aus der Grabbelkiste der Spielesünden. Hier werden permanent Aufgaben aufgefahren, die schon zu Zeiten von Wing Commander keinen Spaß machten, und die Gamesdesigner heute aus gutem Grund nicht mehr einsetzen – Eskortmissionen etwa, oder Aufgaben unter Zeitlimit. Wenn man als Casual-Gamer auch beim Dutzendsten Versuch an solchen Missionen scheitert und das Spiel keine Möglichkeit bietet das zu umgehen, dann ist das einfach schlechtes Gamedesign.

Es gibt immer wieder tolle Ideen, die aber teils nicht berauschend oder eben mit zu hohem Schwierigkeitsgrad umgesetzt sind. Ein driftendes Schiff? Super Idee! Den Spieler mit kompliziertesten und nicht überspringbaren Driftparkours nerven, die man – mit viel Glück! – im 58. Versuch besteht – nicht super.

„Chorus“ ist tatsächlich ein Spiel, wo ich beinahe nicht über die Tutorialmissionen hinausgekommen wäre – und ich fürchte, ich werde die an sich interessante Story nicht bis zum Ende erleben, weil das Game schlicht zu schwer ist.

Sakura Wars [2020, PS4]
Steampunk-Tokio in den 1920ern: Ein junger Marineoffizier wird abkommandiert, um ein altes Theater wieder auf Vordermann zu bringen. Was niemand weiß: Wenn die Darstellerinnen der „Tokyo Combat Revue“ nicht gerade auf der Bühne stehen, verteidigen sie die Stadt in Kampfrobotern gegen Dämonen.
Hä? Was?

Völlig abgedreht: Als Hauptfigur muss man tatsächlich dafür sorgen, dass das Theater stückchenweise renoviert wird, man eine Weltmeisterschaft gewinnt, alle Protagonistinnen Vertrauen fassen und zwischendurch Monster verhauen. Das spielt sich teils wie ein Adventure, teils wie eine Dating-Sim und teils wie ein Actionspiel.

Skurril. Leider oft etwas langatmig, aber die interessanten Charaktere und die letztlich doch interessante Story in Kombination mit dem tollen Zeichentrick-Look haben mich damit viel Spaß haben lassen. Auch die Musik ist der Hammer, selten einen so tollen, orchestralen und dabei irgendwie anders klingenden Score gehört.

Bayonetta [2010, PS4]
Hauptfigur ist eine Hexe, die mit ihren Haaren Dämonen beschwört, mit Handfeuerwaffen an Händen und Füßen Jagd auf Engel macht und bei Finishingmoves nackt ist. Noch Fragen?

Bayonettas Story ist einfach völlig over-the-top bonkers. Im Kontext der Welt ergibt das alles einen Sinn, aber erstmal wirkt alles völlig verrückt. Ist aber egal, denn die Brawler Gamemechanik knallt und das Design der Charaktere ist der Hammer. Selbst beim hundertsten Mal ist es noch befriedigend, die monströsen Engelsgestalten mit Schlägen, Tritten und Waffenkombos kaputt zu hauen. „Bayonetta“ ist ein orgiastisches Vergnügen.

Spielerisch hat sich in der 2020er „Jubiläumsedition“ nichts geändert im Vergleich zum 2010er Original, lediglich die Auflösung ist zeitgemäß.

Vanquish [2007, PS4]
Böse Russen greifen die Erde an, Wissenschaftler im Raketenanzug wird auf einer Raumstation abgesetzt um mit einer Horde Marines von A nach B zu rennen.

„Vanquish“ ist auch von Platinum Games, genau wie Bayonetta, und war ein ziemlich offensichtlicher Versuch, 2008 ein eigenes „Gears of War“ mit Einsprengseln von „Halo“ auf der Playstation zu etablieren.

Story ist Banane, das Design ist so lala, aber die Shooter-Gamemechanik funktioniert ordentlich. Manches ist nett gelöst und eigenständig, wie die Bullettime-Mechanik oder der Raketenanzug, anderes seltsam, wie das grau-in-grau Design, wieder anderes einfach nur ärgerlich, wie Munitionsknappheit oder der hohe Schwierigkeitsgrad. Muss man nicht gespielt haben, mit 6 Stunden ist die Kampagne aber auch nicht lang genug um wirklich zu nerven.

Psychonauts 2 [PS5]
„Psychonauten“ sind eine Elitegruppe übersinnlich begabter Personen. Denen möchte sich der junge Razputin gerne anschließen und ist überglücklich, als Auszubildender aufgenommen zu werden. Die Freude dauert aber nicht lange, denn Raz muss unversehens die Welt retten, als alte Sünden aus ihren Anfangstagen die Psychonauten einholen.

Der erste Teil war 2005 eines der innovativsten Spiele, das ich je gespielt habe – und an dem ich kurz vor Ende gescheitert bin, weil es zu schwer war. „Psychonauts 2“ gibt sich da fairer und bringt mehrere Schwierigkeitsgrade und Hilfen mit, ansonsten ist es aber nach wie vor eine Mischung von Spiel, die es nicht geben sollte: Ein Jump-and-Run-Puzzle-Plattform-Adventure-Dings, das in Kombination völlig abgedreht ist.

Diese Abgedrehtheit macht es großartig. So kann Raz in die Gedankenwelten anderer Leute springen und dort bspw. Schlüssel für „emotional Baggage“ finden – emotionale Altlasten, verdrängte Erinnerungen. Das diese Schlüssel dann wirklich zu Koffern passen, die sich herzallerliebst freuen, wenn jemand sie öffnet, ist nur eine von vielen, tollen Ideen.

Was schön ist: Mit P2 hat Writer/Director Tim Schaefer eine Hommage an seine bisherige Arbeit abgeliefert. So tauchen Motive aus „Monkey Island“ wieder auf, aber auch der Postraum oder das Gewächshaus aus „Grim Fandango“. Mich würde schon interessieren, was Schaefer da eigentlich für Ballast mit sich rumschleppt. Zusammengefasst: Eine Wundertüte an Spiel, tolle Handlung, sehr lustig, okaye Gamemechanik.


Machen:

Schlafen.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Reisetagebuch Griechenland (10): Enipeas

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Tag 14 mit einem schlafenden Fluss, einer magnetischen Straße und zwei Schwestern in Bayern.

Samstag, 02. Oktober 2021, Vourvourou
Etwas missmutig packe ich meine Sachen zusammen. Heute heißt es Abschied nehmen von dem kleinen, etwas verranzten Häuschen am Strand. Nicht, dass ich von dem viel gehabt hätte.

Die letzten fünf Tage hat es ständig gestürmt oder geregnet, und die Luft war richtig kühl. Die Einheimischen feiern das, denn in den Wochen und Monaten zuvor hat es in Griechenland kaum geregnet, eine Hitzeglocke lag über dem Land und überall tobten Waldbrände.

Von der Hitze hätte ich mir nur ein kleines Bisschen gewünscht und vielleicht ein, zwei richtig sonnige Tage, um mal am hauseigenen Strand zu baden. Allein, es hat nicht sollen sein. Nunja. Auf dieser Reise habe ich noch zwei Mal die Chance auf ein Bad im Meer. Das klappt schon noch. Genauso wie Gyros essen. Das hat bislang nämlich auch nicht sollen sein.

Immerhin bin ich durch das erzwungene Nichtstun ausgeruht und entspannt. Das waren die ersten richtig ruhigen Tage seit Herbst letzten Jahres. Mir geht´s körperlich besser, ich träume nicht mehr von der Arbeit, und mein Magen hat sich auch eingekriegt – das allerdings schon kurz nach der Abfahrt von zu Hause, der monatelange Dünnpfiff war von jetzt auf gleich verschwunden.
Ja, mal rauszukommen ist gesund.

Ich trage die Koffer zur V-Strom. Die Maschine ist mit einem Salzschleier überzogen. Kein Wunder, das Motorrad stand auf der Sandwiese vor dem Haus, die ist nur rund 100 Meter vom Meer entfernt.

Mehrfach checke ich die Räume des Appartements und gucke überall nach, ob ich auch ja nichts vergessen habe. Dabei finde ich in der Ritze zwischen Sofa und Wand den Riegel der Moskitotür wieder, der bei der doofen Aktion am ersten Tag abgerissen und in hohem Bogen weggeflogen ist. Hatte mich schon gefragt wo der hin ist.

Schließlich stecke ich den Schlüssel von Innen an die Tür und texte meinem unbekannten Gastwirt „Leaving. Everything ok, key is in door. Had a relaxed time here, thank you.“

Relaxed stimmt auch, aber anders als gedacht. Fünf Tage im Bett und auf der Couch rumliegen, dafür fährt man eigentlich nicht nach Griechenland. Ich hatte zwischendurch sogar überlegt zu arbeiten. Arbeiten am Netbook, im Strandhaus, mit Blick auf´s Meer! Ich konnte mich dann gerade noch beherrschen, aber die Idee mal als Digitalnomade von Sonstwo auf der Welt zu arbeiten, das ist schon verlockend. Gut, geht in meinem Job nicht wirklich gut, aber wenn es ginge, würde ich es probieren.

Die DL650 springt auch nach den fünf Tagen in Salz und Regen sofort an. Ich steuere sie auf die Straße hinaus und gen Norden, runter von der ChaldiKidi…. Chalkididi.. Chalkidiki-Halbinsel und Richtung Thessaloniki. Statt von vornherein die mehrspurige Schnellstraße zur Stadt zu nehmen, steuere ich die Barocca erst einmal in die Berge östlich und nördlich von Thessaloniki.

Hier geht es auf einer Landstraße durch Weinberge und kleine Orte, das ist viel schöner zu fahre, wenn auch nicht spektakulär. Was es aber ist: Kalt. 13 Grad an der Küste, sagt Anna, und die Berge gehen teils auf 600 Meter hoch – mehr als sieben oder acht Grad dürften das hier oben nicht sein. Mir wird kalt in den Sommerhandschuhen, und starker Wind reißt an der Maschine herum.

Schließlich trifft die Landstraße doch wieder auf die Schnellstraße. Dieses Mal begehe ich nicht den Fehler und versuche mich durch Thessaloniki zu kämpfen, sondern nehme gleich die „Ring Road“, die Schnellstraße um die Stadt herum und über sie hinweg. Allerdings ist heute selbst die Ring Road fürchterlich. Der Samstag wird anscheinend genutzt um Wartungsarbeiten und Reparaturen an der Asphaltdecke sowie Baumschnitt durchzuführen, und das alles gleichzeitig. Mehrfach stehe ich im Stau und freue mich, als ich endlich aus der Stadt raus bin und die Landstraße erreiche, die wieder rechts und links voller weißer Flocken liegt und über die Traktoren mit frisch geernteter Baumwolle zockeln.


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Kategorien: Motorrad, Reisen | 2 Kommentare

Corona-Tagebuch (39): Resignation


Weltweit: 355.027.209 Infektionen, 5.605.074 Todesfälle, 9,8 Milliarden verabreichte Impfdosen
Deutschland: 8.909.503 Infektionen, 116.967 Todesfälle
689 Days Gone

„Alle anderen Varianten des Virus verursachten Kurven bei den Infektionszahlen, Omikron ist eine Wand.“

So war es vorhergesagt, und so kam es. Die Infektionszahlen sind schlagartig in die Höhe geschossen, nachdem die Erfassung nach den Winterferien wieder halbwegs normal lief. Omikron ist tatsächlich noch einmal viel, viel ansteckender als alles zuvor Dagewesene, und es infiziert auch Geimpfte. Und es wird noch besser kommen, eine weitere Omikron-Mutante wird von PCR-Tests nicht mehr ordentlich erkannt.

Erstaunlicherweise wird darauf nicht mit Lockdowns oder harten Beschränkungen reagiert. Im Gegenteil. Die Schulen bleiben geöffnet und machen Präsenzunterricht, Einzelhandel und Gastronomie bleiben offen. Menschen mit einem Booster brauchen das Plus in „2G+“ (Geimpft oder genesen und ein negativer Test) nicht zu beachten.

Ist vielleicht auch gut so, denn die bislang zuverlässigen PCR-Tests bzw. die Testkapazitäten werden in Deutschland knapp und deswegen bald rationiert und priorisiert. Die Quarantäne- und Isolationszeiten sind verkürzt worden, und Kontaktpersonen müssen unter bestimmten Umständen gar nicht mehr in Isolation.

Der Grund dafür: Omikron ist zwar viel ansteckender, macht aber angeblich nicht ganz so schlimm krank wie die vorherigen Versionen, zumindest nicht wenn man geimpft und geboostert ist. Geimpfte Infizierte kommen weniger häufig ins Krankenhaus und bleiben kürzer. Nur: Es gibt viel, VIEL mehr Infizierte und in der Summe sieht das alles nach Resignation der politisch Verantwortlichen aus. Eine Kapitulation vor einer Virusmutante, die die Gesellschaft durchseucht – „warum sich der noch entgegenstellen, wieso sorgen wir nicht dafür, dass es schnell vorbei ist“, das scheint gerade die Stoßrichtung der Politik zu sein.

Vielleicht sagt es nur niemand laut, und diese politische Richtung ist Ausdruck der Verzweiflung. Ein Rückzugsgefecht, das sich letztlich nur darum müht die Gesellschaft irgendwie am Laufen zu halten, damit durch die hohen Infektionszahlen nicht alles zusammenbricht und es zu Versorgungsengpässen und Panikreaktionen kommt.

Dabei reicht das hausgemachte Chaos schon völlig aus. Impfgegner werden jetzt liebevoll „Wichswichtel“ genannt und laufen mittlerweile jeden Abend auf den Straßen der Städte rum. Angeführt von Rechtsradikalen „gehen sie nur spazieren“, um sich dann Straßenschlachten mit der Polizei zu liefern. Vor allem in Ostdeutschland, aber am Wochenende auch in Brüssel – unter Anwesenheit deutscher Rechtsradikalenprominenz.

Diese Menschen wähnen sich, zumindest zum Teil, im „Widerstand“ gegen eine herbeifantasierte „Diktatur“ und gegen eine Impfpflicht, die es noch gar nicht gibt und die so auch nicht kommen wird. Anders als in Österreich, wo eine Impfpflicht beschlossen wurde (und es ausreichend PCR-Tests gibt), hat die neue deutsche Bundesregierung keinen Bock auch nur einen Gesetzesvorschlag vorzulegen und tut generell so wenig, dass Merkels von-links-nach-rechts-Verwalten retrospektiv wie Leistungssport aussieht. Aus deren CDU, jetzt in der Opposition, kommt aber auch kein konstruktiver Vorschlag zur Impfpflicht.

Während der Bund langsam vor sich hin erodiert, ist man in den Bundesländern teils schon weiter. Hier stellt sich hier ein Vizelandrat der CDU auf Wichswichtelkundgebungen hin und kündigen an, Gesundheitsmaßnahmen des Bundes nicht umsetzen zu wollen. Unter dem Gejohle des Mobs tut man so, als ob man den „Widerstand gegen die da oben“ unterstützt. Das ist natürlich in Sachsen, wo sonst. Die Radikalisierung der Konservativen, die auf eine Abschaffung der Demokratie hinausläuft, ist ein Phänomen was weltweit zu beobachten ist, insbesondere in den USA. Für Deutschland beginnt sie in den ostdeutschen Bundesländern.

Ich bin einfach nur noch sehr, sehr müde. Ich kann mich über die Wichswichtel schon gar nicht mehr aufregen. Ich diskutiere nicht mehr mit „Impfskeptikern“. Sollen sie doch alle machen was sie wollen. Ist mir egal.

Ich will mal hoffen, dass ist nur Wintermüdigkeit und nur bei mir… denn wenn sich die Resignation auf breiter Front durchsetzt, ist das ein weiterer Schritt in das neue Mittelalter.

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Kategorien: Corona-Tagebuch | 8 Kommentare

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