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Kategorie: Allgemein

Momentaufnahme: April 2026

Momentaufnahme: April 2026

Herr Silencer im April 2026

Wetter: Monatsanfang oszillieren die Temperaturen zwischen 0 Grad in der Nacht und 17 am Tag, dabei wechselhaft, überwiegend sonnig. Am 03.04. trage ich die Pflanzen raus, eine Woche später explodiert die Natur in sattes Grün. Bis Monatsende dann zwischen nachts 3 und tagsüber 17 Grad, wenig Regen, viel Sonne.


Lesen:

Terry Pratchett: The Shepherds Crown [2015, Kindle]
Esmé Wetterwachs geht mit IHM, und hinterlässt die Welt in einem besseren Zustand als sie sie vorgefunden hat – das können nicht viele von sich behaupten. Mit ihrem Tod verliert die Scheibenwelt ihre mächtigste Hexe und die Schwesternschaft der Hexen, die ja keine Anführerinnen kennt, ihre Anführerin. Als Nachfolgerin hatte Wetterwachs Tiffany Aching auserkoren.

Ohne Esmé Wetterwachs Schutz brechen auch die Elfen wieder durch die Barriere zwischen den Welten, rauben Kinder aus der Wiege, machen das Bier sauer und schlachten Menschen ab. Eine fordernde Situation für Tiffany Aching, die sich ohnehin zwischen ihrer Heimat im Kreideland und Wetterwachs´ altem Einzugsbereich aufreibt.

Das hier war Pratchetts letztes Buch, bevor er 2015 verstarb. Man kann es als Analogie lesen: Esmé Wetterwachs und Pratchett gehen gleichzeitig von der Welt. Zurück bleibt eine neue Generation, die die Welt verändert und nach vorne blickt, ohne zu vergessen vorher sie kommt und wer vor ihr da war. Das macht ihre Stärke aus, und letztlich besiegt der Wandel der Welt die alten Schrecken.

Das ist schön und bittersüß, auch wenn der Part der Elfen hingehuddelt wird. Aber, wie Rob Wilkins im Nachwort schreibt: Das Buch war nicht fertig poliert, als Pratchett starb. Vierzig Bücher beschreiben die Scheibenwelt, und “The Shephards Crown” bietet einen wundervollen Abschluss.


Hören:


Sehen:

The Quiet Earth [1985, BluRay]
Als Zac Hobson aufwacht, ist niemand mehr da.
Nicht in seinem Haus, nicht in der Straße, nicht in der Stadt.
Alle Menschen und Tiere sind verschwunden.
Zac ist alleine auf der, nun sehr stillen, Welt.

Nach einer Weile stellt sich raus: Es gab ein Ereignis, das alles Leben in einem Sekundenbruchteil hat verschwinden lassen. Zurückgeblieben sind nur Lebewesen, die exakt im Moment des Ereignisses gestorben sind.

Seitdem ich diesen Film Ende der 80er, im Alter von so 12, 13 Jahren im Fernsehen gesehen habe, ließ er mich nicht mehr los.
Schon damals hat er mich tief beindruckt.

Zac ist ganz allein auf der Welt.
Er ist der letzte Mensch.

WIE TOLL IST DAS DENN BITTE?!?

Er kann tun und lassen, was er will! Eine Welt ohne Menschen, aber mit intakter Infrastruktur, das ist ja quasi Idealzustand!
Seit Jahrzehnten denke ich immer wieder an diesen Film und darüber nach, was ICH wohl in Zacs Situation tun würde.

Was macht man als letzter Mensch auf der Welt? Genau dieses Gedankenspiel ist die Stärke des Films. In der ersten Hälft ergeht er sich in Darstellungen von Dingen, die jemand tut, der wirklich völlig allein auf der Welt ist: Erst die Versuche andere Menschen zu finden, dann Einkaufscenter und Baumärkte plündern, dann Luxusgüter in Beschlag nehmen, dann absurde Reden vor leeren Rängen halten und am Ende in Damenunterwäsche mit einer Schrotflinte auf Jesus schießen. Großartig! Parallel dazu über allem das Mysterium: Was genau ist passiert, dass alles Leben verschwunden ist?

Im letzten Drittel kippt das alles ein wenig, als tatsächlich zwei andere Menschen auftauchen. Die Darsteller sind keine guten Schauspieler, die Gruppendynamik fühlt sich Cringe an und die entstehenden Verwicklungen sind bestenfalls seltsam. Etwas hohl lässt einen das offene Ende zurück. Das ist zwar SciFi-technisch super, fühlt sich aber unbefriedigend an.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn Zac am Ende des Films am Strand aufwacht und über dem Meer der Saturn aufgeht.

La Riffa [1991, BluRay]
Das süditalienische Bari, Anfang der 90er: Monica Bellucci ist hauptberuflich schön und reich. Letzteres denkt sie zumindest, bis ihr Mann überraschend stirbt und klar wird: Sie war nie reich, und jetzt sitzt sie auf einem gigantischen Berg aus Schulden.

Nun muss die junge Frau, deren Leben bislang aus Shopping und dem Austausch von Klatsch mit anderen Damen der High-Society von Bari bestand, zusehen, wie sie sich einen Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter verdient. Zunächst versucht sie es mit dem Verkauf von Yacht und Autos, dann Schmuck und Kleidern, schließlich sogar mit – gasp!- ehrlicher Arbeit.

Bringt aber alles zu wenig Geld ein, und so kommt sie auf eine Idee: Eine Tombola, italienisch “Una Riffa”, soll es richten. Hauptgewinn: Sie selbst. Zwanzig Personen sollen teilnehmen können, gegen eine Zahlung von jeweils 100 Millionen Lire (ca. 50.000 heutige Euro). Dem Gewinner will sie für vier Jahre für alles zur Verfügung stehen, egal was.

Sofort machen Männer (und Frauen) aus ihrem Bekanntenkreis mit.

Monica Bellucci ist zwar auf Fotos eine der schönsten Frauen der Welt, mit Schauspielerei hatte sie es aber noch nie so. Später in ihrer Karriere erhob sie das zum Stilmittel und reduzierte ihre Mimik auf seltsam-gucken-mit-halb-geöffneten-Lippen und wurde damit zur erfolgreichsten Schauspielerin Italiens.

“La Riffa” von 1991 ist einer der ersten Filme von Bellucci, und hier versucht die damals 27jährige zumindest noch zu schauspielern. Mit mäßigem Erfolg, wobei das bei der wirren Erzählweise und dem sprunghaften Schnitt des Films kaum auffällt.

Das ist schaden, denn die Grundidee ist zwar mild absurd, böte aber von Sozialkritik bis zur Objektivierung von Frauen große Spielflächen. Die nutzt “La Riffa” leider gar nicht. Stattdessen wirkt der Film wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die dem Regisseur gerade eingefallen sind. Sinn ergibt das kaum, spannend ist es auch nicht – es gibt keinen Grund, sich diesen Streifen anzutun.
Außer natürlich, man guckt gerne Monica Bellucci an oder mag die Stadt Bari.

Keine Ahnung, warum der 35 Jahre alte Film jetzt nochmal auf einer (sehr gut gemasterten) BluRay erschien.
Vielleicht sind die Produzenten Fans von Bari.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als eine Frau auf einer Party Monica Belluccis Cocktailkleid bewundert, und sie es daraufhin vor allen Leuten auszieht und der Frau verkauft.

The Others [2001, DVD]
1945, auf der Kanalinsel Jersey: Nicole Kidman hockt mit zwei kleinen Kinder in einem alten Herrenhaus. Abgeschnitten vom Rest der Welt leben die drei im Schein von Ölfunzeln, denn die Blagen sind allergisch gegen Sonnenlicht. Zu allem Ungemach wabert seit Wochen ein dichter Nebel ums Haus, die Dienstboten sind über Nacht abgehauen und eines der Kinder behauptet immer wieder, das ein Geisterjunge in ihrem Zimmer spukt.

Da klopft es an der Tür und ein alter Gärtner, eine Kinderfrau und eine Magd stehen davor. Alle drei haben schon vor Jahren auf dem Anwesen gearbeitet, und so stellt Kidman sie ein. Ab diesem Zeitpunkt häufen sich die seltsamen Vorfälle.

Aktuell kommt gerade die 4K-Restauration von “The Others” raus, und anlässlich dessen hatte ich die Szene mit dem Twist auf FilmTok gesehen und dann gedacht: Moment, Du hast doch die DVD, warum kennst Du den Film nicht?

Tja, keine Ahnung. Vermutlich fand ich den langweilig und habe ihn nach der Hälfte ausgemacht. Denn “The Others” ist kein Horror, sondern ganz klassischer und subtiler Grusel, der die Laufzeit braucht, um Spannung aufzubauen. Guckt man nicht richtig hin oder schaltet auf Durchzug, wirkt es so, als ob da lange Zeit nichts passiert, außer das die Kinder seltsam sind. So bekommt man den eigentlichen Reiz des Films nicht mit.

Was schade ist, denn hier passiert in jeder Szene etwas, und sei es in den Gesichtern der Schauspieler. Selbst Nicole Kidman schauspielert hier ganz großartig und stellenweise herzergreifend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn die große Enthüllung stattfindet und der Twist alles auf den Kopf stellt. Das ist stark gespielt und für den Zuschauer extremes Schuppen-von-den-Augen-falling, so dass man den Film gleich nochmal gucken möchte. Nicht ganz auf “Sixth Sense”-Niveau, aber nah dran.

The Flowers of War [2011, BluRay]
Zweiter Weltkrieg: 1937 überfällt Japan China und besetzt die Stadt Nanking. Eine Gruppe Schülerinnen sucht Zuflucht in einer christlichen Kathedrale, deren Pfarrer gerade verstorben ist. In dieselbe Kirche stolpert kurz darauf Christian Bale hinein, der den Priester bestatten soll, sowie eine Gruppe Prostituierte, die ebenfalls Zuflucht suchen.

Draußen fliegen die Kugeln, im Inneren der Kirche beäugen sich die drei Fraktionen misstrauisch (Schülerinnen gegenüber Bale/Prostituierte), lüstern (Bale/Prostituierte) und amüsiert (Prostituierte gegenüber Bale/Schülerinnen). Dann erobern die Japaner das Gebiet und begehen Massaker und Massenvergewaltigungen an der Zivilbevölkerung.

Den Besatzern gegenüber gibt sich Bale als Pfarrer aus, versteckt die Prostituierten und versucht die Schülerinnen zu schützen, aber ein japanischer Kommandant fordert die Mädchen. An ihrer Stelle gehen die Prostituierten.

“Treffen sich ein Bestatter, Prostitierte und ein Mädchenchor in einer Kirche” – was klingt wie der Beginn eines schlechtes Witzes, entwickelt sich nach kurzer Zeit zum handfesten Drama, das aber an vielen Stellen stark überzeichnet ist.

Schon die skurrile Ausgangssituation und die Handlungsbeschreibung macht deutlich, dass man es hier mit einer Romanhandlung zu tun hat. Und zwar mir einem Roman, der das Wohlwollen der Staatspartei Chinas hatte. Das ist auch sehr deutlich zu merken, wenn es um Nebenfiguren geht wie den feigen Kollaborateur, den irgendwann sein “Verrat” einholt und er seine gerechte Strafe erhält. Man kann den Film als Propagandalastig lesen.

Nicht desto trotz hat er einen wahren Hintergrund, die Massaker von Nanking sind wirklich geschehen, aber außerhalb Chinas wenig bekannt. Vor dieser Kulisse ist das Spiel der seltsamen und gegen ihren Willen verbundenen Fraktionen unterhaltsam und spannend bis zum Schluss, denn die Frage bleibt: Schafft es jemand aus dieser Hölle heraus? Die Ausstattung des Films ist opulent, die Schauspieler allesamt hervorragend und der Streifen insgesamt ein Anschautip.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Rosenfenster der Kirche unter Beschuss in Zeitlupe zersplittert und eine der Prostituierten in Panik gerät und wegrennt, genau in die Bahn von Scharfschützen.

Adèle und das Geheimnis des Pharaos [2010, BluRay]
Im Jahre 1912 ist die junge Adèle de Blanc-Sec Journalistin in Paris. Dummerweise hat sie versehentlich ihre Schwester lobotomisiert, die seitdem einen Nagel im Kopf hat und im Wachkoma vor sich hinsiecht. Adèle fasst einen naheliegenden und absolut logischen Plan: Sie will die Mumie des Leibarztes von Pharao Ramses II. wiederbeleben, damit der ihrer Schwester helfen kann.

Am Ende des Films bricht Adèle in den wohlverdienten Urlaub auf – an Bord der Titanic.

Frauen mit Nagel im Hirn, wiederbelebte Mumien, eine Journalistin, die auf einem Pterodaktylus reitet, Monty-Pythoneske Ausbruchsversuche aus einem Gefängnis, ein Großwildjäger, der in Montmartre einen Saurier jagt, dazu Polizisten direkt aus einem Louis-De-Funes-Film… was zum Geier habe ich da gerade gesehen?

Nun, einen Luc-Besson Film! Der hatte ja immer schon ein Fable für starke und seltsame Heldinnen (vergl. “Nikita”, “Anna”, “Lucy”, usw.), und Adèle macht da keine Ausnahme. Dass sich der Film an ein jüngeres Publikum richtet, ist schon an den übertriebenen Masken und den absurden Situationen zu merken. Dass es sich um einen europäischen Film handelt, ist an dem wohltuend normalen Umgang mit nackten Nippeln erkennbar, aber auch an den Schockelementen. Besson mutet seinem jungen Publikum lustige Szenen in Abwechselung zu Grusel zu, so wie er früher in Filmen wie “Goonies” oder “Gremlins” vorkam.

Der Film ist für das Budget erstaunlich. Sieht man von den wirklich schlechten Masken ab, gibt es hier viele Schauwerte. Das Paris des frühen 20. Jahrhunderts ist detailverliebt zum Leben erweckt, inkl. Gebäude, die es heute so nicht mehr gibt. Und Louise Bourgoin als Hauptdarstellerin spielt tough und gleichzeitig anrührend.

In Summe: Sehr unterhaltsam! Stellenweise arg vorhersehbar, dann aber wieder überraschend und letztlich auch spannend und rührend. Ich hatte viel Spaß mit diesem seltsamen, kleinen Film, und das nicht (nur) wegen der nackten Brüste.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Adèle ihre katatonische Schwester schminkt, der ein Nagel aus der Stirn ragt.

Clerks III [2022, BluRay]
Im Jahr 2022 hängen Danten und Randal immer noch und schon wieder im Quickstop in New Jersey ab. Hockeyspiele auf dem Dach und absurde Konversationen mit Jay und Silent Bob lassen es wirken, als habe sich seit 1994 nichts geändert.

Aber das täuscht: Alle sind älter geworden, und dass die Protagonisten keine 23 mehr sind, sondern auf die sechzig zugehen, wird ihnen in dem Moment schmerzhaft bewusst, als Randal mit einem Herzinfarkt aus den Latschen kippt.

Er überlebt das, und hat eine Idee: Er will die Geschichte des Quickstops verfilmen.

“Clerks” war 1994 für mich eine Offenbarung, wie später nur noch ganz wenige Filme. Die 2006er-Fortsetzung “Clerks II” hätte es für mich schon nicht gebraucht. Nun also mit “Clerks III” das Ende der Inconvenience-Store Triologie. Das ist arg selbstreferentiell und meta geraten.

Herzinfarkte, in Regisseur Kevin Smith eigenem Leben eine einschneidende Erfahrung, spielen eine große Rolle. Daneben ist der ganze Film vollgestopft mit Memberberries aus dem ViewAskew-Universum, hat aber abseits des Mühens um ein Ende aber wenig zu erzählen. Es gibt noch nette Dialoge, Generationsdefinierend ist das hier aber nicht mehr.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als beim Casting für die Rollen von Dante, Veronica und Randal plötzlich Promis vorsprechen wie Sarah Michelle Gellar, Freddie Prinze Jr., Bobby Moynihan, Melissa Benoist, Chris Wood, Anthony Michael Hall, Danny Trejo und Ben Affleck.


Spielen:

The Saboteur [2009, XBOX360]
Shawn Devlin ist Ire und eigentlich Mechaniker in einem Rennteam. Wider Willen springt er beim großen Preis von Saarbrücken 1940 als Fahrer ein und legt sich dabei prompt mit dem deutschen Champion Klaus Dierker an.

Als der Devlin dem unsympathischen Dierker einen Streich spielen will, erschießt der Nationalsozialist kurzerhand Shawns besten Freund. Das ist aber bald das kleinste Problem, denn in der selben Nacht überfällt die Wehrmacht Frankreich. Devlin flüchtet nach Paris, versteckt sich in einem Nachtclub im Montmartre und schließt sich, ebenfalls wider Willen, der Resistance an.

Fortan legt er heimlich Bomben, befreit Widerstandskämpfer, verübt Attentate auf die Besatzer, schmuggelt Waren und Menschen, besorgt gefälschte Papiere, rettet Kunstschätze und rückt mit diesen Aktionen bald in den Fokus des Gauleiters – eben jenen Dierkers, mit dem Shawn ohnehin noch eine Rechnung offen hat.

Warum ich noch eine XBOX 360 habe? Weil die 20 Jahre alten Konsole als einzige noch die ganzen “Guitar Heroes” und “Rock Bands” abspielt, und weil es nur hier das grandiose “The Saboteur” gibt. Das gehört zu den ganz wenigen Spielen, die nie updatefähig gemacht oder für neuere Konsolen veröffentlicht wurden, denn das Entwicklungsstudio Pandemic wurde kurz vor dem Release im Jahr 2009 von EA geschlossen.

Das ist schade, denn “Saboteur” ist ein großartiges Game. Es stammt aus der Zeit, in der Double-A-Produktionen mit Mut zum Risiko boomten, und sich gleich mehrere Studios an der GTA-Formel versuchten, ohne das aufgeblasene Budget eines GTA zu haben. Das war auch die Zeit, in der ein gutes Spiel 8 bis 15 Stunden dauerte und nicht mit Mikrotransaktionen, DLCs oder Liveservices nervte.

“Saboteur” ist quasi ein kleines und gradliniges “GTA” im Frankreich der Vierziger Jahre, inklusive passendem Soundtrack. Paris samt Umland und das Küstenstädtchen Le Havre bieten eine wunderbar unverbrauchte Kulisse, wenn auch für eine leider recht generische Story. Neben der gibt es weitere Schwachpunkte: Faustkampf ist ein Glücksspiel, Stealth mit Verkleidungen funktioniert so gut wie nie und das Klettern an Gebäuden ist behäbig und nicht mal im Ansatz so geschmeidig wie in “Assassins Creed”, das schon zwei Jahre zuvor erschien. Auch das Perk-System ist kaum der Rede wert.

Warum “Saboteur” mir auch heute noch viel Spaß macht: Es hat spannende und extrem abwechslungsreiche Missionen, die man heimlich oder offensiv oder beides angehen kann. Im Free Roaming ist die Open World eine großartige Sandbox. Durch die Stadt (und die umliegenden Landstriche) zu wandern, Nazi-Posten in die Luft zu sprengen oder SS-Offizieren die Autos zu klauen, und zu gucken, wie die Systeme des Spiels darauf reagieren, das macht einfach einen Heidenspaß.
Ab einer gewissen Alarmstufe suchen die Nazis sogar mit Zeppelinen nach Shawn – wenn der dann aber eine Flugabwehrstellung infiltriert, ist der Himmel über Paris mehr als nur rot erleuchtet.

Der zweite Grund ist das Artwork. In dem Moment, in dem Shawns Kumpel stirbt, verliert die Welt die Farbe, sie wird düster und ist in einem dunklen schwarz-weiß gehalten, aus dem nur vereinzelt Primärfarben hervorstechen – blutrote Nazi-Banner, gelbe Straßenlichter oder gelegentlich ein Tupfer blau, bei Mitgliedern des Widerstands.

Hat Shawn genügend Anschläge und Missionen durchgeführt, kehrt die Farbe in einzelne Stadtviertel zurück, der Himmel klart auf und Menschen flanieren durch die Straßen. Das ist eine ganz wunderbare Art, die Hoffnungslosigkeit und Schwere unter der Besatzung und die Hoffnung und das Aufblühen durch den Widerstand zu symbolisieren.

“The Saboteur” sieht auch heute noch schick aus, bringt ein unverbrauchtes Szenario mit, ist ein toller Spielkasten und bietet kurzweiligen Spaß – schade, dass daraus nie, wie eigentlich geplant, ein Franchise geworden ist.

Die deutsche Fassung ist übrigens besser als die englische. Zwar durfte es in der hierzulande veröffentlichten Fassung keine Hakenkreuze auf Bannern und Fahnen geben, aber dafür ist die Synchro der NPCs und Nebenfiguren auf deutsch VIEL besser. In der englischen Fassung lesen Amerikaner deutsche Texte vor, die sie nicht verstehen – man kann sich denken, wie das klingt.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Bei Nacht von Montmartre aus auf die dunkle Stadt zu blicken und zu denken “Das ist mal ein Spielplatz”.

Sleeping Dogs [2012, XBOX360, Definitive Edition 2014 PS4/PS5]
Hongkong, 2012: Ein chinesischstämmiger Cop ermittelt undercover gegen die Triaden. Im Zuge dessen wandelt er nicht nur auf der Grenze zwischen Gesetz und Verbrechen, er muss sie auch ständig übertreten – und sich irgendwann fragen, auf welcher Seite er steht.

Schon vor zwölf Jahren hat mir ein Arbeitskollege dieses Game in den überschwänglichsten Tönen als GTA IV-Alternative empfohlen. Ich hatte es dann 2014 für die XBOX 360 gekauft, und seitdem legte ich es alle paar Jahre wieder ein, spielte eine Stunde und legte es dann wieder weg, wie die Savegames aus 2014, 2017, 2021 und 2022 beweisen. Keine Ahnung warum, irgendwie zündete das Open World-Krimidrama in Hongkong nie so richtig bei mir.

Das mag an der blockigen Steuerung gelegen haben, oder auch daran, dass Spiele aus der Zeit halt generell noch recht pixelig sind und nur in 720P und mit kräftigem Kantenflimmern laufen. Auf der XBOX Series läuft die 360er Version nämlich nicht, und eine angepasste Version gab es nie.

Was es aber gab war eine “Definitive Edition” für die PS4, und die habe ich nun auf dem Flohmarkt gefunden. Ich finde, damit sieht das Game durchaus besser aus, wenngleich auch Grafikfans von einem Downgrade bei Assets, Beleuchtung und Texturdetails sprechen. Die Definitive Edition verändert das Beleuchtungsmodell und fügt Jiggle-Physics und Nebeleffekte hinzu, zudem wurden alle DLCs integriert und Schwierigkeitsgrad und Missionsdesign anhand von Feedback angepasst.

Allein schon wegen des geringeren Kantenflimmerns (das ertrage ich gar nicht!) war ich motiviert, mir das mal länger als 15 Minuten anzusehen. Und dann war es um mich geschehen: Die Geschichte hat mich reingezogen.

“Sleeping Dogs” entfaltet sich langsam und stellt sich als wirklich ernsthafte Konkurrenz zu GTA dar, mit dem Unterschied das dieses Game in nur vier Jahren entstand. Genau wie GTA IV von 2008, das die Geschichte eines serbischen Kriegsflüchtlings in New York erzählt und ganz anders und viel ernster war als das überdrehte und nur noch quatschige GTA V, erzählt Sleeping Dogs eine Geschichte voller Dramatik und mit Charakteren, die zwar dünn bleiben, aber keine Karikaturen sind.

Man erahnt auch, wo die Geschichte hin will: Die anfangs noch lupenreinen Gesetzeshüter der Polizei entpuppen sich im Verlauf als ehrlose Gesellen, während die Mitglieder der Triaden durchaus Ehre haben. So wird die moralische Orientierung immer schwerer. Leider fühlt sich die Geschichte im letzten Akt so an, als seit Zeit und Budget ausgegangen. Da wurde dann ziemlich gehuddelt, was der vollen Entfaltung im Weg steht.

Neben der düsteren Story tut der hohe Gewaltgrad das seinige, damit dieses Game nichts für Kinder oder schwache Gemüter ist. Die USK18-Einstufung verdient es sich mit Drama, Intrigen, menschlichen Abgründe und nicht überragenden, aber gut geschriebenen Milieustudien.

Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zur XBOX360-Version gleich geblieben, und nach wie vor nicht ohne. Spiele vor 15 Jahren erforderten eine deutlich höhere Frustresistenz als heute, und es ist möglich, in einer Storymission hängen zu bleiben – und dann geht es einfach nicht weiter. Dann heißt es üben, üben, üben, bis man irgendwann im 10. Anlauf doch durchkommt.

In der Definitive Edition ist das deutlich fairer. Auf der XBOX 360 bin ich ums Verrecken nicht über den ersten, größeren Faustkampf hinausgekommen, einfach weil die Steuerung Arsch ist. Auf der PS4 ist der Kampf immer noch knackig, aber machbar. Zumindest im Hauptspiel, in den DLCs komme ich dann schon wieder nicht mehr weiter.

“Sleeping Dogs” ist kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes und kompetent gemachtes Spiel. Wer die düstere Geschichte um Niko Bellic in GTA IV mochte, hat auch hier echt seinen Spaß.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den lauten “Alter! WTF!”-Ausruf, als ich das erste mal einen Move ausgelöst habe, bei dem die Spielfigur im Kampf die Umgebung als Waffe einsetzt – und einfach mal einen Gegner mit dem Kopf in einen Ventilator drückt.


Machen:

  • In einem Hochseilgarten abhängen, 10 Meter über dem Boden, und da nicht mehr alleine wegkommen

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Dezember 2025

Momentaufnahme: Dezember 2025

Herr Silencer im Dezember 2025

Wetter: Monatsanfang bei -1 bis 6 Grad, dann wirds wieder mild und dümpelt zwei Wochen bei 7 bis 10 Grad rum. Zu Weihnachten dann Frost und bis zu -9 Grad, dann Eisregen und weiterhin -5 bis -2.


Lesen:

Andy Wilman: Mr. Wilman’s Motoring Adventure: Top Gear, Grand Tour and Twenty Years of Magic and Mayhem
Andy Wilman ist der vierte Mann des Trios Clarkson/Hammond/May. Er ging mit Clarkson zur Schule, war später der Miterfinder des neuen “Top Gear” und hob dann “Grand Tour” aus der Taufe, heute produziert er “Clarksons Farm”.

Das hier sind seine Memoiren. Die sind etwas umständlich geschrieben, stellenweise zu weit ausgeholt und sprachlich gespickt mit echt komplizierten britischen Idiomen und lokalem Slang, aber trotzdem unterhaltsam für alle, die Anekdoten um Top Gear und Grand Tour ihre Entstehung schätzen. Was aber nicht aufgeklärt wird: Was Clarkson seinerzeit mit dem Producer angestellt hat, weswegen er dann bei der BBC gefeuert wurde.


Sehen:

King Arthur [BluRay, 2017]
Der junge Arthur wird in einem Hurenhaus großgezogen. Zum kampferprobten Dieb aufgewachsen, zieht er versehentlich ein Schwert aus dem Stein und gerät so in den Fokus des bösen Jude Law. Gut, das Arthur eine Rebellengrupppe hat, mit der er Heists auf Camelot verübt.

Hä? Berghohe Kampfelefanten, Jude Law als Sauron, Magiertürme, gigantische Heere Riesenschlangen? Das sieht hier alles eher nach “Herr der Ringe” aus als nach der klassischen Artussage! Und dann ist das ganze auch noch von Guy Ritchie und im Stile seiner London-Gangster-Movies geschnitten? Was ist das denn?

Nun, in erster Linie bricht “Arthur” jegliche Erwartungshaltung und ist 2017 an den Kinokassen völlig baden gegangen. Ich fand´s aber extrem unterhaltsam, einen Verschnitt aus “Herr der Ringe” und Guy-Ritchie-Gangsterfilm zu sehen. Der Film ist gut geschrieben, schön gespielt und alles ist hier bis auf Anschlag hochgedreht: Camelot ist monströs groß, das mittelalterliche London mittelalterlicher als Mittelalterlich und die Kampfszenen sind episch. Nice!

Superman [2025, Bluray]
Der langweiligste Superheld aller Zeiten kämpft gegen Elon Musk und Social Media und es ist – unterhaltsam?

Ich war nie Team Strahlemann, ich war schon immer Team düster-dunkel-Batman. Von einem Superman-Film erwartete ich genau gar nichts, und diesen hier schaute ich nur, weil ich James Gunns Arbeit mag. Dessen Handschrift ist auch hier deutlich erkennbar: Vorbei sind die Zeiten des unsympathischen und grüblerischen Jack-Snyder-Superman, DIESER Superman hier ist wieder grundgut und leicht naiv, bunt und schließt direkt an die alten 70er-Jahre-Filme mit Christopher Reeve an.

Superman steht und fällt mit seinen Gegnern, und der hier ist extrem gut: Ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär manipuliert Medien, Politiker, um Superman fertig zu machen. Warum? Weil er denkt, er sei der einzige, der die Wahrheit kennt und jemand den Job tun muss, um die Welt zu retten. Ein echter Wichser vom Schlage eines Musk, Thiels oder Bezos, der in Szenarien herumrührt, die sogar recht deutlich den Krieg Israels gegen die Palästinenser spiegeln oder ihn unverhohlen rassistisch zeigen, ICE-Analogien inklusive. Der Film geht diese Themen frontal an und hat dazu eine Meinung, was dazu führt, das dieser Superman in den USA nun als woke gilt – dabei hat Superman schon immer Nazis verkloppt und Schwache beschützt.

Ein unterhaltsamer und, im Trumpzeitalter sogar mutiger und Hoffnung machender Film. Können wir ja alle brauchen.
Und angeblich steht das “S” auf Supermans Brust ja für Hoffnung. (Fragen sie nicht.)


Spielen:

Dispatch [2025, PS5]
Los Angeles, 20 Minuten in der Zukunft: Superhelden gehören zum Alltag. Einer von ihnen ist Robert Robertson, der als “Mecha Man” in einer Rüstung für Gerechtigkeit sorgt. Dummerweise bekommt diese Rüstung einen Totalschaden ab, und Robert muss sich aus dem Superheldendasein zurückziehen. Unerwartet erhält er ein Angebot vom SDN, dem “Superhero Dispatch Network”. Robert soll als Mentor eine Gruppe Superbösewichte anleiten und sie rehabilitieren, in dem er sie als Dispatcher zu Notfalleinsätzen schickt.

Ein Schreibtischjob, und das dirigieren der Ex(?)-Bösewichter ist wie ein Sack Flöhe hüten: Zusammenarbeit Null, versiebte Aufträge am laufenden Meter, Alleingänge sind Alltag und ab und an blitzt das Böse halt doch noch durch. Als ein echter Superbösewicht die Stadt angreift, muss die Rehab-Chaotentruppe überlegen, was ihnen wichtig ist.

“Dispatch” ist ein “Unter-dem-Radar”-Spiel, das durch Mundpropaganda langsam Fahrt aufnimmt. Da mache ich doch gerne mit!

Also:

“Dispatch” ist SO gut, dass ich es gleich zwei Mal hintereinander gespielt habe!

Das gab´s noch nie!

Das Game kommt von ehemaligen TellTale-Mitarbeitern. Telltale, das war das Studio, dass in den 2010er Jahren von sich reden gemacht hat, weil Games wie “The Walking Dead” oder die Fables-Adaption “The Wolf among Us” gemacht haben, genau wie die sehr guten Games zu “Game of Thrones”, “Back to the Future IV” oder “Tales from the Borderlands”.

Diese Spiele rückten immer die Story in den Vordergrund und glänzten durch deren filmische Inszenierung. Spielerisch gab es wenig zu tun, außer sich für Option A, B oder C zu entscheiden. Diese Entscheidungen hatten immer den Anschein von gravierenden Auswirkungen: Rette ich meine alte Freundin aus Kindheitstagen oder meine Lieblingsnachbarin? Beides geht nicht.

Genau so funktioniert auch “Dispatch”. Feuert man das Invisigal aus der Truppe, weil sie bei einem Alleingang Dinge geklaut hat und alle auf sie sauer sind? Oder belässt man sie im Team, weil man eine Romanze mit ihr starten möchte, zieht sich aber den Ärger aller anderen zu?

Am Ende des Tages haben die Entscheidungen nur Auswirkungen auf das Ende des Spiels, aber wenig Auswirkungen auf den Fortgang der Geschichte. Sie fühlen sich aber stets wichtig an, und da die Story extrem gut geschrieben und inszeniert ist, sind einem die Charaktere und was mit ihnen geschieht auch nie egal.

Im Gegenteil, im Laufe der acht, rund einstündigen Episoden, wächst einem die Chaotentruppe ans Herz, auch wenn sie sich benehmen wie die letzten Arschlöcher. Das spiegelt sich auch in der Umsetzung wieder: Hier wird geflucht, gesoffen, geprügelt, geblutet, nackte Haut und Sexszenen gezeigt, dass es eigentlich ein Wunder ist, das “Dispatch” eine Jugendfreigabe hat – das ist definitiv ein Spiel für Erwachsene.


“ARGH, she temporarily blinded me!!” “What do you mean temporarily? Bitch, u gonna be blind forevaaaaaa!”

Gameplaytechnisch ist mehr zu tun als bei den TellTale-Games, denn pro Episode muss man zwei Schichten als Dispatcher schieben und seine Antihelden zu Notfall-Einsätzen schicken. Deren Fähigkeiten müssen mit den Anforderungen des Jobs zusammenpassen, und man, das ist gar nicht mal einfach. Bis ich das System und seine störrische Steuerung verstanden hatte, waren schon drei Episoden rum und ich war einfach richtig, richtig schlecht darin.

Spielt aber auch kaum eine Rolle, irgendwann ist die Schicht rum, und das Spiel geht trotzdem weiter. Man sieht aber am Ende jeder Episode, wie man im Vergleich zu anderen Spielern abgeschnitten oder sich entschieden hat, und es sticht schon ein wenig, zu den schlechtesten 2 Prozent aller Spieler zu gehören.

Egal – “Dispatch” erzählt eine tolle Geschichte um Liebe, Verrat und Familie, bietet grandiose Charaktere und exzellentes Writing, gepaart mit einer sehr coolen und filmischen Präsentation und Dialogen, die im Gedächtnis bleiben. Hier sind absolute Könner am Werk gewesen. Das Game ist spannend, lustig und stellenweise rührt es zu Tränen. Alle der acht Episoden gibt es nun gesammelt für PC und PS5 für rund 30 Euro, und sie sind jeden davon wert.

Like a Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii [2025, PS5]
Ein Mann wacht an einem Strand auf. Ohne jegliche Erinnerung daran, wer er ist oder wie er hier hergekommen ist. Als Spieler der “Like a Dragon”-Reihe weiß man: Das ist Goro Majima, der legendär zwielichtige und meist völlig durchgeknallte Yakuza, der einem in der Vergangenheit immer wieder das Leben schwer machte.

Nun kommt Majima aus Gründen an ein unerklärtes Piratenschiff, und zack: Ein Yakuza-Pirat. Auf Schatzsuche. Auf den Inseln und Atollen um Hawaii.

Als ich vor einem Jahr in Japan die Ankündigungsposter zu “Pirate Yakuza in Hawaii” sah, war mein erster Gedanke: Jetzt sind die Leute bei Ryu Ga Gotoku völlig durchgeknallt. Das Game kam dann im Februar raus, gespielt habe ich es jetzt erst. Und, was soll ich sagen – es IST durchgeknallt, aber ich hatte eine Menge Spaß damit!

Natürlich ist die Story rund um den Yakuza-Piraten völlig kuckuck und wird im Verlauf auch immer nur noch irrer bis zu dem Punkt, dass ich erwartetet habe, dass Majima als nächstes auf einem Dinosaurier reitet oder am Ende alles nur ein Traum des kleinen Arschlochkinds ist, das Goro im Schlepptau hat. Auf jeden Fall ist das hier weit entfernt von den düsteren Hardboiled-Thrillern der alten Hauptreihe.

Aber das ist halt das Konzept: Zwischen den riesigen und meist ernsten Hauptspielen bringt das Entwicklungsstudio kleinere und etwas spinnerte Ableger heraus, wie vor zwei Jahren “The Man who Erased his Name”, bei dem Yakuza Katsuma plötzlich vom Geheimdienst rekrutiert wurde und in der Folge mit James-Bond-Gadgets rumlief. Oder halt jetzt dieses Piratending.

Anywho, anfangs war ich etwas genervt, weil “Pirate Yakuza” in ausgelutschten Szenarien der Vorgänger spielt und wieder recht lange braucht, um in den Schweiß zu kommen. Hier steckt wieder zu viel Nebenkram drin: Pflanzen ziehen, kochen, Dinge sammeln und verkaufen, schlafen, essen, Kampftechniken, Dutzende Nebenmissionen, Sammelaufgaben – dauernd wird man hier mit was neuem zugeballert. Zum Glück ist der meiste Kram optional, nichts davon muss man wirklich tun, um die Hauptgeschichte zu erleben. Nach einigen Stunden kommt das Ganze dann in einen schönen Flow, und besonders wenn es aus dem bekannten Honolulu-Szenario weg geht, wird “Pirate” richtig gut.

Gameplaytechnisch haben die Japaner hier Ubisoft den Finger gezeigt. Die Franzosen werkelten ja 10 Jahre an ihrer Piratensimulation “Skull & Bones” rum, und das Ergebnis war eine mittlere Katastrophe. Ryu Ga Gotoku hingegen hat hier einfach mal “Assassins Creed: Black Flag” in der Dragon-Engine nachprogrammiert, inklusive epischer Seeschlachten, Massenkloppereien und schlimmer Unwetter – und das macht auch noch Spaß! Dabei hat man sich als Hauptfigur eine ausgesucht, die genauso irre ist wie Captain Jack Sparrow, dabei aber viel gewalttätiger – und wer wollte nicht schon immer mal Captain Jack spielen!

Inseln von bösen Piratendudes befreien, Schätze finden, das eigene Schiff aufrüsten bis es alles platt macht, was da so rumschwimmt, dazu bei Lust und Laune durch Honolulu ziehen und Nebenaufgaben erledigen oder Crew rekrutieren – das macht einfach einen Heidenspaß. Die Hauptstory ist wirr, aber unterhaltsam und führt zu einem sehr schönen Ende.

Wer den Assassinenpiraten mochte und vermisst, wird mit dem Piratenyakuza sehr glücklich!


Hören:

Bershy: Radio

Aus dem “Dispatched”-Soundtrack, macht gute Laune. Und ich mag den Text:

I wake up exhausted, even in the morning
Like I’m made out of decaf, I’m barely running
Oh, and I hate parties
It’s just too many bodies
I don’t like small talk, I’m always leaving early

Das offizielle Video ist bestenfalls seltsam und ziemlich lame. Deshalb ist es kaum erstaunlich, das jeden Tag neue Fan-Videos auftauchen, geschnitten auf Szenen aus “Dispatch”. Und die sind richtig gut:


Machen:

  • Arrrrrrbeiten

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Eine richtig geile Trattoria-Pfanne von Tefal! Ich krebse hier ja immer noch mit dem IKEA-Starterset an Kochgeschirr herum (kleiner topf, mittlerer Topf, dünne Pfanne). Dank dieses Weihnachtsgeschenks habe ich nun eine richtig tolle Pfanne für Spaghettata Mezzanotte und anderen Schweinkram!


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Agathe 2025/26

Agathe 2025/26

Agathe geht´s voll gut, und deshalb blüht sie in diesem Jahr schon Mitte November.

Sie hat den Sommer auf dem Balkon verbracht, aktuell steht sie im Nordfenster des Arbeitszimmers.

Wir erinnern uns: Agathe, das war ein gigantischer Weihnachtskaktus, den der Vormieter hier in der Wohnung zurückgelassen hatte. Jahrelang sah Agathe das ganze Jahr über aus wie knotiges Gemüse aus dem Weltall, bis sie dann im November anfing, sich in einen rosafarbenen Wasserfall zu verwandeln.

Dann kam ich auf die grandiose Idee, sie nach über 10 Jahren mal von ihrem Mitbewohner, dem teuflichen Drachenbaum, zu befreien. Das ging so gründlich schief, das nur kleine Teile von Agathe zu retten waren. Diese mickrigen Reste bekamen dann auch noch Nachtfrost ab, und mehr tot als lebendig vegetierte Agathe in einem Topf mit einem japanischen Maulbeerbaum dahin. Die beiden hatten ganz unterschiedliche Ideen, wie gute Versorgung auszusehen hat, und Agathe krepelte rum.

In einem eigenen Topf ging es ihr besser, im letzten Dezember blühte sie zaghaft.

Nun, bis Sie ihre frühere Form erreicht…

…dauert es noch ein paar Jahre, aber sie ist auf einem guten Weg.

Frühere Agathes:
Agathe 2024/25
Agathe Adele 2023/24
Die dicke Agathe 2022/23
Die dicke Agathe 2021
Die dicke Agathe 2020
Die dicke Agathe 2019
Die dicke Agathe 2018
Die dicke Agathe 2017

Reisetagebuch Japan (16): Eintausend Kraniche

Reisetagebuch Japan (16): Eintausend Kraniche

Viereinhalb Wochen Japan. Heute mit brüllenden Frauen, nuschelnden Kellnern und stummen Zeugen.

Sonntag, 20. Oktober 2024, Taragi, B&B Toyonoakari
“!!!!!” brüllt es draußen vor meinem Fenster. Ich schrecke aus dem Schlaf hoch und stehe senkrecht im Bett. Eine Frauenstimme brüllt draußen vor dem Haus, sehr streng und sehr schnell und SEHR laut.

Allerdings steht die Frau nicht vor meinem Fenster. Das ginge auch gar nicht, mein Schlafzimmer im B&B liegt im ersten Stock. Nein, die Stimme der Frau schallt über die gesamte Landschaft draußen. Lautsprecher, offensichtlich. Die müssen draußen auf den Reisfeldern und zwischen den vereinzelten Häusern stehen.

“!!!!!!!” geht es weiter.
Ich verstehe kein Wort.
Ist das eine Erdbebenwarnung? Aber dann würden zuerst Sirenen ertönen, habe ich gelesen.

Ich presse die Brille auf die Nase und schaue aufs Handy. Nein, auch die Erdbebenwarn-App schweigt. Was immer die strenge Frau will, es ist offensichtlich nicht ganz akut. Ich bleibe vorsichtshalber im Bett liegen. Nur zur Sicherheit. Und weil es erst 7:00 Uhr ist. An einem Sonntag.

Eine Stunde später sitze ich mit Katsushi und Takako beim Frühstück. Also, ich sitze und die beiden stehen in ihrer Restaurantgroßen Küche und bereiten Dinge zu, die sie dann auffahren. Gemüsebällchen. Gebratener Fisch. Dazu Reis und eingelegte Gürkchen und Kiwischeiben. Alles ist wahnsinnig lecker und wieder wunderschön angerichtet.

“Was war denn das für eine Durchsage?”, will ich wissen, während ich am grünen Tee schlürfe.
“Durchsage?”, fragt Katsushi.
“Ja, klang wie Lautsprecher. Draußen. Überall”, sage ich.
“Ach, das! Die Lautsprecher sind eigentlich vom Katastrophenschutz, vor allem für Erdbebenwarnungen”, sagt Katsushi.
Ich nicke, das hatte ich mir schon gedacht.
“Um die Funktion im Ernstfall sicher zu stellen, müssen die regelmäßig getestet werden. Und irgendwann hat die Bürgermeisterin angefangen, Veranstaltungshinweise über die Anlage vorlesen zu lassen.”
“Hä?”, mache ich.
Katsushi lächelt “Ja, so kann man sicher sein, das alles funktioniert und ist gleichzeitig informiert, was los ist. Heute wurde durchgesagt, dass im Nachbardorf ein Herbstfest stattfindet”.

Er nimmt einen Flyer von einem Sideboard und legt ihn mit hin. Auf der Außenseite ist ein Bild wie von einem Erntedankfest, im Inneren sieht man Bogenschützen in traditioneller Tracht. “Wenn Du möchtest kann Du da vorbeifahren, da kann man Bogenschießen und einem Umzug zugucken und….”

Ich hebe lachend die Hände. Ich musste gerade an diese alte Fernsehserie denken, M.A.S.H. Da wurden auch immer irgendwelche unsinnigen Lautsprecherdurchsagen gemacht. “Sorry, keine Zeit”, sage ich dann, “Ich muss zurück nach Nagasaki.”
“Wann?”, fragt Takako.
“Heute”, sage ich und Katsushi rollt mit den Augen und sagt “Das ist aber weit!”

Hm. Ist es eigentlich gar nicht. Eigentlich sind das nur 200 Kilometer, aber das Navi rechnet schon runde sechs Stunden, vermutlich werden es am Ende eher acht.

Also ich mich vor dem Haus verabschiede, bitten Takako und Katsushi um ein Foto. Sie wollen sich an ihre Gäste erinnern und fotografieren darum alle, die sie beherbergen und auch das Essen, das sie servieren. Gerne tue ich ihnen den Gefallen.

Kurz darauf brummt der Yaris über die Ebene und hinein in eine Bergkette. Das ist teilweise eine ganz schöne Kurverei, aber auch schön zu fahren und hat einige tolle Aussichten. Die Straße führt durch grüne Täler, entlang an sprudelnden Bächen und gelegentlich über träge Flüsse.


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Reisetagebuch Japan (14): Aravanadi

Reisetagebuch Japan (14): Aravanadi

Das Reisetagebuch in Japan. Heute mit einem neuen Yaris, einer Vulkaninsel und Elektroschocks.

18. Oktober 2024, Nagasaki
Um kurz nach sieben rolle ich aus dem Bett. Mittlerweile ist das meine Standard-Aufstehzeit. Was ist eigentlich aus “lange ausschlafen und relaxen” im Urlaub geworden?, denke ich und muss grinsen. Hey, immerhin ich habe das hier so gewollt – dieser Urlaub dient dazu möglichst viel zu sehen, Land und Leute zu erkunden und vor allem: Zu lernen. Keine Ahnung was, aber wenn man im Bett liegen bleibt, lernt man halt wenig.

Übrigens: Der Albtraum ist weg. Ich habe ja immer wieder geträumt, dass ich in Japan ein Kind anfahre. Das hat mich wochenlang gequält, aber seitdem ich hier wirklich selbst Auto gefahren bin, habe ich davon nie wieder geträumt. Jetzt freue ich mich auch richtig auf´s Autofahren, und heute ist es wieder soweit!

Die Sachen sind schnell gepackt, dann sitze ich noch ein wenig herum. In einem Anfall von geistiger Umnachtung habe ich das Auto erst für 9:00 Uhr gebucht, obwohl die Verleihstation schon um acht aufmacht und ich heute einen sehr sehr langen Weg habe. Zu lang, wie ich jetzt realisiere. Auf die Zeitangaben von Google Maps Routenplanung kann man sich leider in Japan nicht unbedingt verlassen, weil es am Ende doch immer noch langsamer vorangeht, als man ohnehin schon vermutet hat.

Ich werde nicht darum herum kommen die Autobahn zu nehmen. Wenn ich ganz normal Landstraße fahre, werde ich erst nach Sonnenuntergang am Ziel ankommen, und das möchte ich nicht.

Das Frühstück kommt heute mal wieder aus dem Conbini und ist Spam. Nein wirklich, es gibt “Spam Sandwiches”, bei der das prozessierte Frühstücksfleisch mit einer Unterlage aus Reis verbacken ist, und das schmeckt erstaunlicherweise ziemlich gut.

Um 8:30 Uhr nehme ich den Bus, den ich schon nach vier Stationen wieder verlasse. Jetzt bin ich am Bahnhof, und es sind nur noch wenige Schritte bis zur Vermietstation.

Hinter dem Tresen steht eine Angestellte in der Uniform der Vermietung, weiße Bluse und dunkle Anzughose, dazu eine schwarze Weste und eine FFP-Maske. “Nou” steht auf ihrem Namenschild.

“Speak English?”, frage ich und Frau Nou guckt traurig und schüttelt den Kopf. Zum Glück, sowohl für sie als auch für mich, kenne ich mittlerweile den Ablauf der Vermietung und überreiche nacheinander meinen Voucher von Sunnycars, den Reisepass, den Führerschein und dessen amtliche Übersetzung, dafür zeigt sie mir auf Bildchen wie die Stoppschilder aussehen.

Dann legt sie mir verschiedene Formulare vor und fragt einzelne Worte.
“Insurance?”
Ich schüttelte den Kopf und sage “いいえ”, Īe, das heißt nein. Um zu bestätigen, dass sie mich richtig verstanden hat, verschränkt Nou-San die Unterarme vor dem Kopf, das mächtige Zeichen für “Nein”, und legt den Kopf schief. Ich nicke.

Das ganze Prozedere dauert recht lang, viel länger als in Sapporo. Eigentlich hatte ich den Wagen ja erst für 9:00 Uhr bestellt, war aber schon um 8:40 Uhr hier. Und das ist auch gut so, wie sich herausstellt. Es haben nämlich noch mehr Leute für Punkt neun ein Auto bestellt, und auch in Japan ist man fünf Minuten vor der Zeit da. Also ist um 8:55 Uhr der Laden voll, aber da sind Nou-san und ich schon fast durch durch.

Mit wachsender Nervosität sehe ich, wie draußen ein Citroën fertig gemacht wird. Wie kommt man auf die Idee, französische Autos als Mietwagen einzusetzen? Mietwagen müssen doch zuverlässig sein!

“Könnte ich bitte einen Yaris bekommen?”, frage ich. Nou-San schaut in irgendwelchen Akten nach und sagt dann “Eulope Cal”.
“Nein nein nein”, sage ich und das klingt wie “Iie Iie Iie”, also ungefähr wie der Motor eines Citroën, und dazu verkreuze ich die Unterarme vor dem Gesicht und schüttele zur Verstärkung noch den Kopf. “No Europe Car! Yōroppa-sha wa nashi! Yarisu o kudasai”, suche ich meine wenigen Brocken Japanisch zusammen. Nou-San blättert in einem großen Buch, nickt und sagt dann “Yaris”. “Arigatō gozaimasu!”, rufe ich.

Ach, ich brauche ja noch was. “Cardo ETC?”, frage ich.
“ETC!”, ruft sie.
“ETC”, nicke ich. Sie tippt Zahlen in einen Taschenrechner ein und legt mir den vor. 330 steht im Display. Okay, anscheinend kostet die Ausleihe der ETC Karte 330¥.

Nou-San bittet mich mitzukommen, und vor der Vermietstation steht jetzt schon ein weißer Yaris mit laufendem Motor. Wir inspizieren das Auto, finden aber trotz intensiver Suche keinen einzigen Kratzer. Die Kiste ist quasi fabrikneu, gerade mal 5.900 Kilometer hat der runter.

Ich nehme hinter dem Lenkrad Platz und bitte Nou-San, mir den Wagen auf Englisch einzustellen. Sie tut wie gewünscht und schiebt dann noch die ETC-Karte in das Lesegerät neben meinem rechten Knie.

Ein Yaris! Ach, das wird ein Spaß! Ich verabschiede mich von Nou und fahre vorsichtig aus der Mietstation heraus und in den Stadtverkehr von Nagasaki.

Der ist geprägt von roten Ampeln.
VIELEN roten Ampeln.
Vielen roten Ampeln die tatsächlich auch Eeeeeeeeeeeeeewigkeiten rot bleiben. Kein Witz, die Umlaufzeiten liegen hier bei vier bis fünf Minuten. Heidewitzka. Immerhin: Ein guter Teil der Strecke führt unter der Stadt hindurch.

Als der Toyota endlich aus dem Stadtgebiet raus ist und auf die Autobahn fädelt, die ETC-Mautkarte piept und ich sicher bin, in die richtige Richtung zu fahren, will ich dem Yaris das Fahren überlassen und den Tempomaten einstellen – und drücke ins Leere. Ungläubig starre ich auf´s Lenkrad. Dort, wo bei meinem Yaris und dem letzten Mietwagen einen Tempomat und die adaptive Fahrregelung saßen, sind bei diesem Fahrzeug nur Blenden angebracht. Sehr schade, dann können wir uns das Fahren nicht teilen.

Es geht über Land vorbei an grünen Wäldern, die teils an steilen Feldbergen wachsen.

Die Autobahn zieht sich über große Städten weg, in Kilometer langen Tunnels durch Berge und dann sehr gerade nach Süden, quer über die Insel Kyushu. Das hier ist der Kiyushu-Highway, auf dem heute gefühlt jeder zweite Tunnel auf Sicherheit überprüft wird und deshalb auf eine Spur in jede Richtung verengt und die Geschwindigkeit auf Tempo 50 reduziert ist. Da die Tunnels bis zu fünf Kilometer lang sind, zieht sich das.

So langsam zu fahren macht keinen Spaß, zumal die Japaner das Tempolimit größtenteils ignorieren und auf der Autobahn heizen wie die besenkten Säue. Also nicht im Sinne von “200 Km/h schnell”, aber an das Tempolimit in den Tunnels und im Freien an das generelle Limit von 120 hält sich praktisch niemand.

Besonders schlimm sind LKWs. Wenn man mit 50 km/h oder 60 km/h durch so einen Tunnel fährt und einem ein LKW bis auf drei Zentimeter auf die Pelle und der chromblitzende Kühlergrill die ganze Heckscheibe ausfüllt, dann macht das überhaupt keinen Spaß und fühlt sich sehr nach Italien an. Mit dem Unterschied, dass in Italien in Tunnels nicht geblitzt wird. Von Japan weiß ich das nicht.


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Review: Ein Jahr mit der Suzuki V-Strom 800

Review: Ein Jahr mit der Suzuki V-Strom 800

Dieser Text erschien zuerst in Kradblatt 03/2025 Die komplette Online-Ausgabe gibt es HIER. Lest das Kradblatt, es ist sehr gut!

“Darauf habe ich also sieben Jahre lang gewartet?”, frage ich mich, als ich die V-Strom 800 über die Bergstraßen der Abruzzen treibe. Nein, stelle für mich fest: Die neue Straßenversion von Suzukis Reiseenduroreihe ist nicht das, was ich erwartet habe.

Sieben Jahre sind eine lange Zeit.
Vor sieben Jahren, im Februar 2017, kaufte ich eine gebrauchte Suzuki V-Strom DL 650. Ich war sofort begeistert: Eine große, ergonomische Maschine, für lange Reisen genauso geeignet wir für den täglichen Weg zur Arbeit. Ein unkaputtbares und sparsames Arbeitstier. Eine unauffällige, uneitele und zuverlässige Begleiterin.

Als ich sie kaufte ging ich davon aus, dass ich die 650er ungefähr fünf Jahre fahren würde. Bis dahin, so mein Kalkül, würde Suzuki eine neue Version der V-Strom rausgebracht haben. Im einfachsten Fall mit moderner Technik, denn so ausgereift und zuverlässig die 650er auch war: Sie wurde Anfang der 2000er Jahre konstruiert und seitdem kaum verändert, und das war zu merken. Ich war gerne mit ihr unterwegs, für eine Nachfolgerin wünschte ich mir aber dringend eine ordentliche Federung, eine moderne Beleuchtung und griffigere Bremsen. Im allerbesten Fall, so stellte ich mir vor, würde Suzuki eine V-Strom mit ein wenig mehr Hubraum rausbringen. Eine 800er wäre meine Traum – die perfekte Größe zwischen der handlichen und wendigen 650er und der durchzugsstarken, aber behäbigen 1.000er.

Die Jahre zogen vorüber. Von Suzuki kam: Nichts.

Die Japaner polierten im Rahmen der Modellfplege die 650er ein wenig auf, unter dem neuen Plastikkleid blieb die Technik aber weiterhin unverändert. So behielt ich meine alte 650er und reiste mit ihr kreuz und quer durch Europa.

Erst 2023 und damit geschlagene sechs Jahre, nachdem ich die V-Strom zu schätzen gelernt hatte, kam die Meldung: Es gibt eine Neue! Die V-Strom 800 DE war eine von Grund auf neu entwickelte V-Strom, mit 800 Kubikzentimeter, einem Parallel- statt einem V-Twin-Motor und getrimmt auf Geländetauglichkeit. Daher auch das Kürzel: “DE” für “Dual Explorer”, gleichermaßen tauglich für Straße und Gelände. Ich stand an Tag eins bei der Händlerin und fuhr die V-Strom 800 DE Probe. Mit dem Ergebnis: Feines Motorrad, aber nicht MEIN Motorrad. Die “Geländeversion” war nichts für mich. Zu hoch, dabei zu schwer und mit einer Ausstattung, die nicht zu meinen Bedarfen passte.

Zum Glück wurde im Herbst 2023 dann die Straßenversion vorgestellt, die V-Strom 800. In Deutschland trägt sie kein weiteres Kürzel, in anderen Ländern wird sie als 800 RE oder SE bezeichnet. Durch Glückes Geschick war ich einer der ersten, der in Deutschland eine der neue 800er bekam. Das bedeutete auch: Abschied von der 650er, die zu dem Zeitpunkt satte 108.000 Kilometern auf der Uhr hatte.

Seit Februar 2024 bin ich nun mit der V-Strom 800 unterwegs und habe mittlerweile fast 10.000 Kilometer auf europäischen Straßen abgerissen. Zeit für einen kleinen Erfahrungsbericht – und einen Vergleich mit der Vorgängerin, denn die Frage ist ja: Konnte Suzuki mit der komplett neu konstruierten V-Strom 800 an die Tugenden der alten V-Stroms anknüpfen? Hat die neue 800er trotz der zahlreichen Änderungen und modernerer Technik noch V-Strom DNA?

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Reisetagebuch Japan (6): Hokkaido ist mehr als ein Kürbis

Reisetagebuch Japan (6): Hokkaido ist mehr als ein Kürbis

Reisetagebuch Japan. Heute geht es in den hohen, aber nicht den höchsten, Norden, ich will kein Upgrade und entdecke einen blauen Teich.

Dienstag, 08. Oktober 2024, Akihabara, Tokyo
Ich höre noch das dumpfe Geräusch, mit dem das Köpfchen des Kindes gegen das Auto prallt, dann schrecke aus dem Schlaf hoch.

Schon wieder dieser Albtraum! Noch leicht geschockt reibe ich mir den Schlaf aus den Augen. Es war nur ein Traum, mache ich mir bewusst, keine Erinnerung an eine mögliche Zukunft! Ich schwinge die Beine aus dem Bett. Die beste Methode um schlechte Dinge zu verdrängen ist, sich ganz auf etwas anderes zu konzentrieren.

Es ist erst 06:45, aber heute habe ich viel vor. “Es sind 21 Grad”, sagt Siri und fügt hinzu “Du solltest vielleicht einen Schirm mitnehmen”. Die Info ist sinnvoll, immerhin sehe ich aus meinem Zimmerfenster nur eine Betonwand und die Leitungen von Klimaanlagen, da ist nicht zu sehen ob es draußen regnet oder nicht.

Schnell habe ich meine Sachen zusammengepackt und schwinge mir den Cabin Max über die Schulter. Ein letzter Blick zurück in das kleine Zimmer, das jetzt für fünf Tage mein Zuhause war, dann ziehe ich die Verrätertür mit dem Düdel-Schloss hinter mir zu und eile die Stufen des Hotels hinab.

Es regnet tatsächlich, und zwar ganz widerlich. Die tropische, schwüle Wärme mit 90 Prozent Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass man durch und durch feucht wird – von Innen vom Schwitzen und von Außen durch den Regen.

Ich laufe gen Osten, weg von Akihabara und Richtung Asakusa. Amüsieren muss ich mich über den Yaris, der perfekt quer in einer Einfahrt parkt. “Hallo? Ja, ich bins. Ja, ich parke in der Einfahrt, wie Sie es mir gesagt haben. Ach, das ist jetzt auch nicht richtig??”

Auf halbem Weg wird mir klar, dass ich den transparenten Stockschirm, den ich vor einigen Tagen in einer Drogerie gekauft habe, nicht werde mitnehmen können. Mangels Mülleimern werde ich ihn aber auch nicht einfach entsorgen können. Und nun? Ah, ein Haufen Sperrmüll. Da stelle ich ihn einfach dazu. Mach´s gut, Schirm, tut mir leid, dass ich Dich aussetzen muss.

Von der Metrostation Asakusabashi fährt eine U- und S-Bahn direkt bis zum Flughafen Haneda, sagt zumindest Google Maps. Ich finde den richtigen Bahnsteig und steige zu. Es ist Berufsverkehr, und die Wagen sind so proppenvoll, dass ich kaum den Rucksack in die Ablage bugsiert bekomme. Wieder bin ich froh, hier nicht mit einem schrankgroßen Rollkoffer unterwegs sein zu müssen.


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Agathe 2024/25

Agathe 2024/25


Agathe ist wieder da! Immer noch als Mini-Version, aber immerhin: Das, was da keck aus dem Blumentopf lugt, sieht schon wieder mehr wie die alte Agathe aus und nicht wie die mickrige Adele im vergangenen Jahr.

Wir erinnern uns: Agathe, das war ein gigantischer Weihnachtskaktus, den der Vormieter hier in der Wohnung zurückgelassen hatte. Jahrelang sah Agathe das ganze Jahr über aus wie knotiges Gemüse aus dem Weltall, bis sie dann im November anfing, sich in einen rosafarbenen Wasserfall zu verwandeln.

Dann kam ich auf die grandiose Idee, sie nach über 10 Jahren mal von ihrem Mitbewohner, dem teuflichen Drachenbaum, zu befreien. Das ging so gründlich schief, das nur kleine Teile von Agathe zu retten waren. Diese mickrigen Reste bekamen dann auch noch Nachtfrost ab, und mehr tot als lebendig siechte Agathe in einem Topf mit einem japanischen Maulbeerbaum dahin:

Diese WG war keine gute Idee. Anders als in der Beschreibung angegeben braucht der Maulbeerbaum enorme Mengen Wasser. Agathe nicht. Deshalb nahm ich sie im Sommer aus dem großen Bodentopf und steckte sie in einen eigenen. Den mag sie, seitdem wächst sie wieder ordentlich und blüht jetzt auch wieder schön:


(Pinguin for Size)

Gut, sie blüht gerade nur auf einer Seite, aber irgendwas ist ja immer.

Bis Agathe so groß ist wie früher…

…wird es noch etwas dauern, aber sie ist auf dem richtigen Weg.

Frühere Agathes:
Agathe Adele 2023/24
Die dicke Agathe 2022/23
Die dicke Agathe 2021
Die dicke Agathe 2020
Die dicke Agathe 2019
Die dicke Agathe 2018
Die dicke Agathe 2017

Digitale Bettelei

Digitale Bettelei

Bevor es auf einen eigenen Server umgezogen ist, lag dieses Blog 16 Jahre lang bei WordPress.com, der gehosteten Version der Firma Automattic. Nach dem Umzug auf einen eigenen Server ließ ich die Automattic Version noch am Leben, kündigte aber den Premium-Tarif und alle Speichererweiterungen. Und was macht Automattic nun? Das hier!

Ja echt! Die betteln ALLEN ERNSTES zufällige Besucher an, ob die nicht die Tarifverlängerung an meiner Stelle bezahlen wollen! WAS ERLAUBE WORDPRESS.COM?!

So nicht. Silencer137.wordpress.com sieht ab jetzt so aus:

Man. Wo kommen wir denn da hin.

Nachtrag:
Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Anscheinend sind in vielen alten Artikeln noch absolute Pfade auf das Bilderverzeichnis im alten Blog gesetzt. Die wären alle kaputt, stünde das alte Blog jetzt weiterhin auf privat. Seufz. Da brauche ich wohl mal professionelle Hilfe.