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Archiv der Kategorie: Berufsleben

„Alle reden vom Wetter…“

„…wir nicht“, hieß es in der Werbung der Bahn. Früher. Und heute? Wird bei einem kleinen Sturm der gesamte Bahnbetrieb eingestellt. Wie kann das sein?“, fragen heute morgen gleich mehrere Zeitungen und das Radio, und der Fahrgastverband „Pro Bahn“ gießt gleich mal Öl ins Feuer: „Vorsicht ist natürlich immer eine gute Sache, aber man kann auch übervorsichtig sein. Gleich gar nichts zu tun, das erscheint uns doch etwas übertrieben.“

Ich steckte gestern mitten im Sturm, und deshalb kann ich sagen:

WAS GENAU IST MIT EUCH EIGENTLICH NICHT IN ORDNUNG, MEDIEN UND PRO BAHN?

Das war kein kleiner Wind, das war die fucking Orkanapokalypse! In Südniedersachsen flogen Dächer weg, Bäume stürzten um, im benachbarten Thüringen fiel der Strom flächendeckend aus. Auf dem Brocken gab es Windgeschwindigkeiten jenseits der 200 km/h, Goslar und einige andere Orte im Oberharz waren am Abend von der Außenwelt abgeschnitten – und blieben das für die Nacht auch, denn die Rettungsdienste gingen das Risiko nicht ein, im Dunkeln an den Strecken zu arbeiten.

Bei Orxhausen crashte kurz vor der Einstellung des Bahnverkehrs ein ICE in einen Baum auf der Strecke. Wer den Abschnitt kennt: Das ist ein Hochgeschwindigkeitsabschnitt, in dem die Trasse praktisch in die Landschaft hineingeschnitten ist. Da kommt man von den Seite mit Rettungsfahrzeugen nicht ran. Ein anderer Zug kam da aber auch zunächst nicht hin, weil kurz nach dem Crash ein zweiter Baum auf die Strecke stürzte, und zwar hinter dem Havaristen.

Als Maßstab für Sturmschände galt bislang „Kyrill“, der Orkan von 2007. „Friederike“ gestern war stärker. Das seien Stürme in einer Stärke, so ein Bahnsprecher, die man so früher nicht kannte. Schon gar nicht in den 80ern, als die „Alle reden vom Wetter…“-Werbung lief.

Ich war unterwegs in einer Stadt in Niedersachsen, mit 30 Leuten, von denen 25 mit der Bahn angereist waren – und die nun nicht mehr wegkamen. Auch die Abreise mit dem Auto gestaltete sich als schwierig: Auf der Autobahn lagen LKW herum, auf den Bundesstraßen Bäume, überall in der Landschaft sah man das Blaulicht von Feuerwehr und Rettungsdiensten. die wenigen freien Strecken waren total überlaufen. Am Ende dauerte die Juckelei doppelt so lange wie normal, aber die Fahrt endete unversehrt.

Von den Bahnreisenden, die die Nacht im Hotel verbrauchten, wurde ich darum beneidet – aber ganz ehrlich: Das war gestern scheißgefährlich, und die Einstellung des Bahnverkehrs genau die richtige Maßnahme. Alles andere wäre unverantwortlich gewesen – genauso unverantwortlich wie jetzt die Kritik an dieser Maßnahme. Wer die Bahn allen ernstes dafür an den Pranger stellen will, dass sie vorsichtig ist und nicht das Leben von Fahrgästen und Personal riskiert, hat nicht alle Latten am Zaun.

 
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Verfasst von - 19. Januar 2018 in Berufsleben

 

12

…und hier noch ein P und da ein D. Jetzt habe ich hier noch ein ALT GR, wo kommt das nochmal hin?

Die Zeit zwischen den Jahren. Eigentlich habe ich hölleviel zu tun, aber diesmal habe ich mir vorgenommen, mir auch die Zeit für längst überfällige Dinge zu nehmen.

Und wohin gehört das Pfeilchen? Pfeilchen… Pfeilchen… hm. Ist das ein Pfeilchen nach links oder nach rechts? Ach, guck an, wenn man es so rum hält ist das ein V!

Den Schreibtisch hier mal auf eine vernünftige Höhe einstellen, zum Beispiel. Hat jetzt nur 12 Jahre (!) und eine Ergonomieschulung gebraucht, bis ich das endlich mal angehe.

Wie rum gehört jetzt die 8? So oder so?

Dagegen sind die 12 Monate, die eine SSD hier rumlag, bis ich sie jetzt endlich eingebaut und den Rechner drauf migriert hatte, schon rekordverdächtig schnell. Jetzt ist der Arbeits-PC auch wieder benutzbar. Statt 3 Minuten braucht er jetzt 30 Sekunden zum Booten.

Ah! Wer hätte gedacht, dass das Ö neben das L kommt?!

Im Moment puzzle ich gerade die Tastatur wieder zusammen. Die hatte ich zuerst abgewischt, und oberflächlich sah die auch sauber aus. DANN habe ich einen Blick unter die Tasten geworfen:

Hautschuppen und Barthaare aus 12 Jahren. Also alle Tasten abgefriemelt und ins Schaumbad geschmissen, Gehäuse ausgesaugt und mit Mikrofasertuch alles abgeschrubbt.

Danach wieder richtig zusammenbauen….

Eh voilà: Schneller Rechner, sauberes Tippbrett, guter Schreibtisch. Die Freuden des Büroarbeiters.

 
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Verfasst von - 28. Dezember 2017 in Berufsleben

 

Heutiger Desktop: Logitech verteilt Malware

Es gehört schon einiges dazu, in die Rechner der eigenen, zahlenden Kunden einzubrechen. Logitech besitzt diese Unverschämtheit und schmuggelt durch ein Update seiner aufgeblähten Treiber allen Ernstes eine Kundenumfrage auf meinen PC. Aber dann greift die Firmenphilosophie: Auf die letzten Meter wird nochmal herzhaft verkackt. Das hier ist ein Screenshot vom Desktop:

Einbruch gelungen, Kundenumfrage nutzlos.

Meine Meinung gibt´s hier kostenlos: Ey Logitech, ich bin NICHT zufrieden damit, dass ihr Malware über irgendwelche Hintertürchen und mit eurem Updater auf mein System packt. Werbeumfragen gehören für mich nämlich schon in die Kategorie, und wenn Euer Updater mal wer hijacked, dann ist es ganz vorbei.

 
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Verfasst von - 29. Juni 2017 in Berufsleben

 

Die Software (TM)

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„Goedendag, hier ist der Alf van de Meijden“, sie haben gerade Die SoftwareTM von uns geladen. Was kann ich für Sie tun, wofür benutzen sie die denn?“
Ich muss ja immer schmunzeln wenn ich Niederländer Deutsch sprechen höre, weil mich das so an Frau-Antja-bringt-Käse-aus-Holland erinnert. Aber in diesem Fall gucke ich den Telefonhörer für einen Moment mit entgleisten Gesichtszügen an. „Herr van der Meijden“, sage ich. „Ich habe Die SoftwareTM runtergeladen und die 30tägige Testphase aktiviert. Das war vor fünf Minuten. Was DENKEN SIE DENN WIE WEIT ICH MIT DEM TEST GEKOMMEN BIN?“

Ich fand schon die Registrierungsprozedur schlimm. Um Die SoftwareTM laden zu können, muss man Name, Vorname, Firma, Position, Mailadresse, Telefonnummer, Land und die Seele des Erstgeborenen an die Firma weitergeben. Unverschämtheit, sowas.

Aber immerhin ist Die SoftwareTM gut, und 30 Tage später beschliesse ich die zu kaufen. Bei anderen Programmen gibt es dafür direkt in der Nutzerobrfläche einen „Aktivieren“-Button. Den drückt man, gibt das Zahlungsmittel ein und gut ist. Ah, da ist eine Schaltfläche, auf der „Aktivieren“ steht. Angeklickt, und es passiert – nichts. Zumindest aktiviert sich nichts. Stattdessen beginnt ein Drama in drei Akten.

Akt 1: Der Preis.

Was kostet die Software jetzt eigentlich? Das verrät der Hersteller nicht. Das will er nur im persönlichen Dialog preisgeben, sagt die, mit Social Media Gedöns völlig überladene Website. Dafür poppt sofort ein Instantchat hoch, mit dem man mit einem Mitarbeiter chatten kann. Also, in der Theorie. In der Praxis ist die Seite so schlecht programmiert, dass sich jeder Browser außer Chrome weghängt. Mit Chrome geht es, aber leider sind im Chat nie Mitarbeiter verfügbar.

Aber man kann auch eine Preisanfrage über ein Mailformular stellen. Um das abschicken zu können, muss man lediglich Name, Vorname, Firma, Position, Mailadresse, Telefonnummer, Land und die Seele des Zweitgeborenen weitergeben. Dann passiert: Nichts. Das Mailformular funktioniert in Chrome nämlich nicht. Aber in Firefox. Man muss es nur ganz schnell anklicken, bevor der Chat hochpoppt und Firefox abstürzt. Wenn man in Firefox das Formular absendet, passiert erstmal: Nichts. Die Firma lässt sich nämlich drei Tage Zeit. Dann klingelt das Telefon, und Alf von der Meijden ist dran und fragt, was man denn wolle. Eine Lizenz für Die SoftwareTM? Nur eine? Ja, da könne er mir jetzt auch keinen Preis nennen. Dafür schickt er eine Mail. Grußlos, ohne Anrede, einfach nur drei Telefonnummern von Resellern. Denn an Endkunden will die Firma wohl nicht verkaufen.

Auch gut, denke ich mir, und google die Telefonnummern. Ah, die Computerklitsche aus Hamburg, die ich nicht ausstehen kann. Und hier die Consultingfirma, die arrogante Arschlöcher sind. Nee, da kaufe ich nicht. Aber vielleicht steht auf deren Seiten zumindest, was eine Lizenz überhaupt kostet? Nachgeguckt. „Wir machen Ihnen gerne ein persönliches Angebot. Bitte stellen Sie eine Preisanfrage in diesem Formular. Geben Sie hierfür bitte lediglich Name, Vorname, Firma, Position, Mailadresse, Telefonnummer, Land und die Seele ihres Hundes ein.“

Zweiter Akt: Der Kauf.
Bei einem netten Softwarereseller habe ich eine günstige Lizenz gefunden und online bestellt und gleich per Kreditkarte bezahlt. Ich erwarte nun eigentlich, dass ich einen Aktivierungskey per Mail bekomme. Stattdessen passiert: Nichts. Warum ist das so, will ich vom Reseller am Telefon wissen. „Ja, wissen Sie“, sagt der Key Account Heini, „wir leiten den Kauf an den Hersteller weiter. Und der… prüft ihre Daten und überlegt dann, ob sie eine Lizenz bekommen. Wenn ja, druckt der die und schickt sie uns per Post. Wir scannen die dann sofort ein und schicken Ihnen die per Mail.“ Es ist ihm hörbar unangenehm, dass er mir erzählen muss, dass ich warten soll ob ich würdig genug bin, die Gnade einer Softwarelizenz zu erfahren. Da hilft nur warten.

Dritter Akt: Die Schlüssel.

10 Tage später bekomme ich die Mail mit einer Lizenznummer. Juhuu, ich war würdig! Aber die Freude währt nicht lang. Als ich in Der SoftwareTM auf „Aktivieren“ klicke, verlangt die neben der Lizenznummer auch einen Aktivierungscode. Wo bekommt man den her? Ah, steht im Kleingedruckten. Die muss man sich auf der Website der Firma rechnen lassen. Die Website mit dem Chat. Damit das geht, muss man ein Benutzerkonto auf der Seite anlegen. Dazu muss man nur Name, Vorname, Firma, Position, Mailadresse, Telefonnummer, Land und die eigene Seele übermitteln. Dann passiert: Nichts. Denn der Mailserver der Seite braucht eine Stunde, um zu prüfen, ob man würdig ist eine Mail mit einem Passwortlink zu bekommen.

Ich habe wieder Glück, bin würdig eine Mail zu erhalten und darf auf den Link klicken. Es öffnet sich eine Seite, auf der ich ein Passwort eingeben soll. Es muss mindestens acht Zeichen lang sein, einen Großbuchstaben, eine Zahl, ein Sonderzeichen und das Blut eines Einhorns enthalten. Mein Passwort will die Seite aber nicht, denn das Sonderzeichen „*“ kann sie nicht. Das sagt sie mir aber nicht. Das muss ich selbst rausfinden. Als ich endlich mein Passwort habe, kann ich mich einloggen und auf „Produktaktivierung“ klicken. Jay!

Ich werde aufgefordert die Seriennummer Der SoftwareTM anzugeben. Wo die zu finden ist, steht da nicht. Aber hier gibt es auch noch ein Feld für meine License Number. Mittlerweile spricht die Seite übrigens nur noch englisch. Mit der License Number generiert die Seite einen Product Key, und darunter tauchen neue Felder für License Keys auf, die ich eintragen soll, die aber was anderes sind als die License Number. Wir halten fest: Ich habe eine License Number gekauft, brauche aber einen Activierungscode. Stattdessen will die Seite nicht existierende Seriennummern haben, berechnet Product Keys, von denen keiner weiß, wozu sie gut sind, rückt aber die Aktivierungsnummer nicht raus.

Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende half nur ausprobieren. Stellte sich raus, dass das, was auf der Website die Product Number war, in der deutsch lokalisierten Software „Lizenznummer“ heißt, und das, was in der Software „Aktvierungscode“ benannt ist, am Ende der „Product Key“ war.

Das Ganze hat jetzt nur 14 Tage und etliche Nerven gekostet, aber jetzt läuft Die SoftwareTM. Mir graut allerdings vor dem Tag, an dem die Lizenz verlängert werden muss.

 
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Verfasst von - 13. Dezember 2016 in Berufsleben

 

Motiviert!

Natürlich bin ich auch unmittelbar vor Weihnachten und zwischen den Jahren absolut motiviert. Hier eine Aufnahme von mir von heute morgen, wie ich voller Elan auf dem Weg zur Arbeit bin.

 
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Verfasst von - 23. Dezember 2015 in Berufsleben

 

´aggich

Zum hundertsten Mal gucke ich das Plakat mit der Wurstwerbung an. Viel mehr gibt es nicht zu sehen, an diesem Bahnsteig in der hessischen Provinz. Es ist früher Morgen und eisekalt, heute Nacht gab es die ersten Minusgrade und Schnee.

Der Regionalexpress lässt auf sich warten. Ab und an gehe ich ein paar Schritte, gucke das Wurstplakat an und gehe dann zurück zur Bahnsteigkante. Dort steht eine alte, gebeugte Frau in einem dicken Wintermantel und wartet ebenfalls auf den  Zug.

Als sich unsere Blicke zufällig begegnen, bricht aus der kleinen Oma heraus: „Ich mach mich schön naggich, heut´ Nacht“.

Ich blicke sie entgeistert an. Mein Hirn hat gerade einen Aussetzer. Aber die Ohren bestätigen auch nach mehrfacher Rückfrage, dass sie das gerade wirklich gehört haben.
Was?!, denke ich entsetzt. „Was?!“, sage ich entsetzt.

Sie sieht mich über ihre dicke Brille hinweg an und sagt „Ich sagte: Ganz schön knaggich, heut´ Nacht“.
„Ach, die Temperaturen meinen Sie?“, frage ich. Sie sieht mich merkwürdig an.

Ich muss wie ein Trottel auf sie wirken – schwerhörig, begriffstutzig und jetzt grinse ich auch noch wie ein Idiot. Das Grinsen ist Teil der Erleichterung, dass meine Ohren einfach noch nicht auf´s hessische kalibriert sind.

———————————–
[naggich (adj.) = hess. f. nackt]
[knaggich (adj.) = hess. f. knackig i.S.v. sehr]

 
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Verfasst von - 26. November 2015 in Berufsleben, Gnadenloses Leben

 

Gardine

Uhm, vielleicht habe ich die Gardine gewaschen, die seit Jahrzehnten in der Firma hing und so aussah, als ob sie nur noch durch Staub und Flecken zusammengehalten würde. Vielleicht war genau das der Fall.

  

 
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Verfasst von - 6. September 2015 in Berufsleben, Ganz Kurz

 

Stand der Dinge

Tag 42.

Ich werde porös. Echt jetzt. Es geht mir gerade an die Substanz. Ich bin unkonzentriert und schlecht gelaunt, fahrig und habe Kopfschmerzen. Außerdem tut mittlerweile der Fuß weh.

Das hat, zumindest zum Teil, vor allem eine Ursache: Frühes Aufstehen. Jeder Mensch hat seinen Biorhythmus. Ich bin normalerweise eine Nachteule, die sich zu gewöhnlichen Zeiten ins Büro quält. Nicht so superfrüh, 08.30 Uhr ist aber eine OKaye Zeit.

Nun haben wir in der Firms Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit, d.h. jeder kann kommen und gehen wann er will (also, außer mir, jetzt). Unter unseren Leuten ist nur EIN absoluter Frühaufsteher, und das ist auch der Kolllege, der mich mit zur Arbeit nimmt. Normalerweise fängt er spätestens um 6 Uhr an zu arbeiten. Für die Zeit, in die er mich mitnimmt, hatten wir uns auf 7 Uhr als Kompromiss geeinigt. Auch schon doof früh, ging aber gerade noch.

Seit dieser Woche ist ihm das allerdings zu spät – was dazu führt, dass mein Wecker nun jeden Morgen um 5.45 Uhr klingelt. Wäre ja nicht so schlimm, aber gerade bekomme ich es einfach nicht hin um 22 Uhr einzuschlafen. Oder um 23 Uhr. Oder um 0 Uhr.

Früher habe ich auch Frühschichten mit Aufstehen um 4.30 Uhr gearbeitet, da bin ich dann halt abends um 20 Uhr ins Bett gegangen. Alles eine Sache der Gewöhnung. Nur: Der Übergang fällt mir gerade schwer, und das ich gefühlt einen halben Werktag verpasse, weil ja 14.30 Uhr schon wieder Feierabend ist, macht die Sache nicht besser. Das um 14.30 Uhr noch viel vom Tag übrig ist, ist übrigens eine Illusion. Mehr als fertig durch die Gegend stolpern und kaum aus den Augen gucken können kriege ich nicht wirklich hin, weil: Zu müde. Und abends dann zu müde zum Schlafen. Doof.

Von daher: So dankbar ich dem Kollegen für den Fahrdienst bin, Drei Kreuze, wenn ich wieder ein wenig später los kann. Wenn alles klappt, bin ich ab Montag wieder mobil. Und damit selbstbestimmt.

 
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Verfasst von - 27. August 2015 in Berufsleben, Gnadenloses Leben

 

HighTech aus den 60ern

Da arbeite ich seit 10 Jahren in diesem Büro und dachte immer, dass dieses Kästchen am Türrahmen ein Lautsprecher ist.

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Ein Überbleibsel aus den 60ern. Damals war hier alles so gediegen eingerichtet wie bei „Mad Man“, und ich habe mir immer vorgestellt, wie über diese Lautsprecheranlage die Sekretärin zum Diktat bestellt wurde.

Umso erstaunter war ich, als ich neulich einen neuen Mitarbeiter dabei erwischte, wie er vor dem vermeintlichen Lautsprecher stand und mit ausladenden Bewegungen winkte.

Seit 10 Jahren gehe ich täglich durch die Tür, und erst dem neuen Mitarbeiter fällt auf, dass das Kästchen knackt, wenn man daran vorbeigeht. Ich hatte immer gedacht, das Knacken wäre ein Heizungsrohr im Fußboden, aber tatsächlich kommt es aus dem Kästchen. Ein Grund, dass mal aufzuschrauben.

Tatsächlich hätte ich nie erwartet, was sich darin befindet:

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Verfasst von - 24. August 2015 in Berufsleben

 

Cebit 2015

Wie jedes Jahr gab´s auch heuer, wie wir Österreicher sagen, wieder eine CeBit. Die war in diesem Jahr ganz besonders, aus mehreren Gründen. Zum einen: Das Wetter. Es gibt einen feststehenden Ausdruck für depressionsauslösenden Grauhimmel in Tateinheit mir scharfen Wind, der einen Nieselregen in jede Ritze drückt: CeBitwetter. In diesem Jahr war kein Cebitwetter, sondern… Sonnenschein? Das Messegelände in Hannover, das sonst den rauen Charme eines sibirischen Gulags verströmt, glich plötzlich einem relaxten Campus. Seltsam.

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Der zweite Grund: Vor einigen Jahren lag die CeBIT am Boden und zuckte nur noch, jetzt war die gefühlte Stimmung unter den Ausstellern wesentlich besser. Die Dichte der jovialen Anzugsträger mit Guttenberg-Gedächtnis-Gesicht war extrem hoch, ein Zeichen, dass die Branche wieder dicke Eier vor sich her trägt. Wie das kommt? Nun, vor zwei Jahren gab es ja diese Snowden-Enthüllung, dass wir alle durch die Geheimdienste über das Internet überwacht werden.

Das man damit durchkommen kann ohne Folgen befürchten zu müssen, beflügelt auf der CeBIT einen Großteil der Aussteller, nach dem Motto: Wenn man DAMIT durchkommt, dann kann man die Leute mit allem verarschen! Und so sah die CeBIT 2015 dann auch aus.

Hier kann man das Handwerk  lernen: Vom Meister himself, the one and only Karsten Maschmeyer, ...Versicherungsverkäufer.

Hier kann man das Handwerk lernen: Vom Meister himself, the one and only Karsten Maschmeyer, …Versicherungsverkäufer.

Um richtiger IT-Manager zu werden, kann man sich ein Stück weiter das letzte Bißchen Hirn kauterisieren und den passenden Anzug verpassen lassen.

Um richtiger IT-Manager zu werden, kann man sich ein Stück weiter das letzte Bißchen Hirn kauterisieren und den passenden Anzug verpassen lassen.

SAP verhöhnt alle, die schonmal mit seiner Software zu tun hatten - wenn die Software wirklich simpel wäre, würden keine SAP-Berater mit fünfstelligen Tageshonoraren benötigt. Und vielleicht gäbe es Quelle noch.

SAP verhöhnt alle, die schonmal mit seiner Software zu tun hatten – wenn die Software wirklich simpel wäre, würden keine SAP-Berater mit fünfstelligen Tageshonoraren benötigt. Und vielleicht gäbe es Quelle noch.

Davon träumt die Branche: Alle Daten, von jedem, immer und überall, BIIIIG DATA!!!! Man kann die Erektion mancher Firmen förmlich spüren.

Davon träumt die Branche: Alle Daten, von jedem, immer und überall, BIIIIG DATA!!!! Man kann die Erektion mancher Firmen förmlich spüren.

BIG.... DATA... SCANNER... manche Firmen klingen wie  Zombie... HIIIIRN...

BIG…. DATA… SCANNER…
manche Firmen klingen wie
Zombie… HIIIIRN…

Das Customer-Briefing Center der Telekom: Hier wird Kunden gesagt, was sie denken und kaufen sollen.

Das Customer-Briefing Center der Telekom: Hier wird Kunden gesagt, was sie denken und kaufen sollen.

Was kann Deutschland nicht? Internet. Was kann Deutschland? Industrie. Nur Folgerichtig hat sich unsere Bundesregierung den Bullshit von der „Industrie 4.0“ aus dem Hinten gezogen, das Wort in den Raum geworfen und guckt nun, was die Firmen daraus machen. Die üblichen Verdächtigen stürzten sich darauf wie Hunde auf den Knochen. Ganz vorn dabei: Prof. Scheer, der in diesem Jahr sogar behauptet, Industrie 4.0 quasi erfunden zu haben. Das aktuelle Prospekt schleudert dann auch wieder eine Unmenge Buzzwords in den Raum und guckt mal, was kleben bleibt.

Adaptive Logistics & Supply Chains mit Smart Analytics und Agile Planning dank collaborative Product & service Engineering. Die Worte lassen sich in beliebiger Reihenfolge mixen.

Adaptive Logistics & Supply Chains mit Smart Analytics und Agile Planning dank collaborative Product & service Engineering. Die Worte lassen sich in beliebiger Reihenfolge mixen.

Manche Leute übertreiben es beim Buzzwordmixen auch, das fällt aber in der euphorischen Goldgräberstimmung kaum auf. Oder was soll „Smartes Wasser“ sein?

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Bei Bullshit immer mit dabei: Telekom, SAP und Fraunhofer. Gemeinsam machen sie das „Digitale Wirtschaftswunder“ mit „Industrie 4.0“. Wie das aussieht weiß die Marketingabteilung noch nicht, aber die Farbe steht bestimmt schon fest.

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Gegen Regenwetter aus der Cloud: Wirtschaftswunderregenschirme.

Gegen Regenwetter aus der Cloud: Wirtschaftswunderregenschirme.

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Natürlich ist Sicherheit ein Riesenthema, und weil die Geheimdienste alle super verarschen und die Politik so fein mitmacht, lässt sich auch die Wirtschaft nicht lumpen und lügt allen ins Gesicht. Man kann das eigentlich nur noch ironisch interpretieren und lauschen, ob man hinter den Kulissen der Stände Gelächter hört.

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Damit liegen sie auf einer Linie mit den Bundes- und Landesbehörden. DIE schützen! Und produzieren Sicherheit! Und Vertrauen!

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Und wie machen Sie das? Na, durch schärfere Kontrollen und stärkere Überwachung natürlich!

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Der Niedersächsische Verfassungsschutz wirbt mit Zeilen, die wie Hohn klingen. Oder warum setzen die den Satz „Uns liegt ihr Know-How-Schutz am Herzen“ in Anführungszeichen? Egal, darunter präsentieren sie die Palette ihrer Dienstleistungen, u.a. Wirtschaftsspionage:

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Natürlich will die Landespolizei dabei mitmachen und hat schonmal Dienstwagen bestellt, damit sie auf Streetview Cyberpatrouille fahren können:

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Natürlich gab es auch die kleinen und großen Facepalms. In der Reihenfolge der Schlimmigkeit:

Klassische Facepalms:
Kleine und mittlere Aussteller, die viel Aufwand in Standbau und Anreise gesteckt haben, und dann wie die Affen hinter ihren Smartphones oder Notebooks hocken oder die Messehostessen angraben, aber sich keinen Deut um das Publikum kümmern.

Du bissja nen lecker Mäddsche, ne?

Du bissja nen lecker Mäddsche, ne?

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Mittelgroße Facepalms

1. Unternehmen, die ernsthaft fragen (und vermutlich machen) was ihre Kunden wollen:

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2. Blackberry: Zuckt noch ein wenig. Kann sich nur noch einen halben Gemeinschaftsstand leisten, umklammert aber in seinen fast erkalteten Fingern störrisch das Schild mit der Aufschrift „Ich binne nicht tot“

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Riesenfacepalms:

1. Das Bundesministerium für Transport, Bewegung und Verkehrssicherheit (oder so ähnlich) kann so viel mit IT anfangen, dass sie in ihrer Verzweiflung eine alte Lara Croft Figur aufgestellt haben, die sie hinterm GameStop aus dem Sperrmüll gefischt haben. Inhaltlicher Bezug? Nicht gegeben.

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2. Der Stand des Landes Niedersachsen. Da arbeiten wir Niedersachsen JAHRELANG an der Behauptung, mehr zu können als nur Schafe zu ficken, und DANN DAS!

Der Stand des Landes Niedersachsen: Alles VOLLER SCHAFE die nichtmal von elektrischen Androiden träumen.

Der Stand des Landes Niedersachsen: Mein Gott, er ist voller Schafe. Alles VOLLER SCHAFE, die nichtmal von elektrischen Androiden träumen.

3. Hippies, die in der Workshophalle Holz beiteln, Stoff batiken und Ikonen malen. Und warum? UM DIE WIRTSCHAFT ZU RETTEN. Am Rand der Halle stehen SAP-Berater und lachen sie aus.

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Nein, das sind mit die Russen lieber. Die präsentieren ganz offen und ehrlich was sie im Programm haben: DROGEN.

Man sollte zuerst den Stand der Russischen Föderation in Hall 9 aufsuchen. Eine kurze Probe der angebotenen Waren macht den Rest des Besuchs erträglicher.

Man sollte zuerst den Stand der Russischen Föderation in Hall 9 aufsuchen. Eine kurze Probe der angebotenen Waren macht den Rest des Besuchs erträglicher.

Für gute Stimmung sorgt auch die Nachricht, dass wieder ein paar Chinesen verhaftet wurden, die gute, europäische Produkte plagiiert haben und dafür von der Cyberpolizei verhaftet und von Netzwerkausrüstern mit neunschwänzigen Kabelpeitschen gefoltert wurden. Geschieht denen Recht, das geistige Eigentum will respektiert werden! Ideen anderer klauen, das würde die CeBIT NIE MACHEN!!

Alles was zählt: Saufen bis die Lutzi qualmt.

Alles was zählt: Saufen bis die Lutzi qualmt.

Na, egal. Ich kann sowieso nicht auf die Standparties. Für mich war das ein langer und aufschlußreicher Cebit-Tag, aber jetzt geht es nach Hause. Warum springt das Auto nicht an? Oh scheiße, jemand hat den Motor geklaut.

Seitdem Booth-Babes politisch nicht mehr korrekt sind, ist das hier das meistfotografierte Model der Messe: Tesla Model S.

Seitdem Booth-Babes politisch nicht mehr korrekt sind, ist das hier das meistfotografierte Model der Messe: Tesla Model S.

 
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Verfasst von - 20. März 2015 in Berufsleben, Satire

 

Innovation in den Grenzen von ´89

Zu welcher Branche gehört Ihr Unternehmen? Die Beantwortung dieser Frage ist notwendig, um mit der Befragung zum Innovationsmanagement fortzufahren.

  • Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln
  • Herstellung von Textilien und Bekleidung
  • Herstellung von Holz-/Flecht-/Korb- und Korkwaren
  • Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus
  • Herstellung von Druckerzeugnissen, Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild-, Datenträgern
  • Kokerei und Mineralölverarbeitung
  • Herstellung von chemischen Erzeugnissen
  • Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren
  • Herstellung von Glas- und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steine und Erden
  • Metallerzeugung und -verarbeitung
  • Herstellung von Metallerzeugnissen
  • Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen
  • Herstellung von elektrischen Ausrüstungen
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen
  • Sonstiger Fahrzeugbau
  • Herstellung von Möbeln
  • Herstellung von sonstigen Waren
  • Medizin-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik
    Recycling
  • Energie- und Wasserversorgung

In dieser Aufstellung des Bundesministeriums für Wirtschaft findet sich fast jeder wieder, vom VW-Konzern über den Müllmann bis hin zum Korbflechter. Was sich hier nicht wiederfindet: Alles, was irgendwie mit Internet und „neuen Medien“ (man entschuldige diesen 90er-Jahre-Ausdruck) zu tun hat, sei es Softwareentwicklung, Dienstleistung oder Beratung. „Digital“ findet halt in Deutschland nicht statt, aber irgendwas mit dicken Maschinen, das können wir. Innovation heisst im Deutschland des Jahres 2014: Ja gerne, aber nur in den Grenzen von 1989. Wir sollten alle Korbflechter werden. >:-(

 
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Verfasst von - 13. November 2014 in Berufsleben

 

Betreff: Re: WG: AW: AW: Re: WG: Re: Antwort: Re: Antwort: Re: WG:

…woran liegt es wohl, dass man auf den ersten Blick erkennen kann, ob jemand Outlook nutzt?

 
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Verfasst von - 3. November 2014 in Berufsleben

 

Kirchsteuer ganz einfach!

Schon mal was vom BZSt gehört? Das ist das Bundeszentralamt für Steuern. Dessen Arbeitsbereich Kirchensteuer betritt jetzt „Neuland“ (Merkel, Oettinger) und macht auch was mit Internet. Als Unternehmen muss man das Internetportal nutzen, und zwar ab sofort und verpflichtend. Tut man´s nicht, gibt droht der Entzug von Gottes Liebe und weltliche Strafe.

Aber wie kommt man nun in dieses Internetportal? Das Verfahren ist ganz einfach und SICHER.

1. Man registriert sich auf einer Website
so mit Nutzernamen und Passwort und Sicherheitsfrage. Kennt man ja. Aber: Man registriert sich damit NICHT für das Portal, Gott bewahre, das wäre ja viel zu unsicher. Nein, man registriert sich zur Interessensbekundung, dass man Interesse hat das Portal zu nutzen. Dann passiert: Nichts. Man bekommt ein „Danke für Ihre Mühe“ an den Kopf geworfen, ab da wird man aus der Website gekickt. Gut, vermutlich geht es per Mail weiter. Kennt man ja, Bestätigungslink anklicken und so. Und tatsächlich: man bekommt eine…

2. Mail
In der ist die BZSt-Nummer. Mit der kann man aber nichts anfangen, denn: Man braucht noch ein Geheimnis! Aber nicht ein eigenes, schmutziges Geheimnis, sondern eines, das einem das BZSt verrät. Das tut es per

3. Briefpost
Der Geheimnisverrat passiert per Briefpost, das dauert ungefähr 10 Tage. Mit BZSt-Nummer und dem Geheimnis kann man jetzt die Registrierung beginnen. Dazu geht man auf die…

4. Website für die Registrierung
Hier gibt man BZSt, Geheimnis und Firmenname ein, und dann – geht es nicht weiter. Die Website meldet, sie habe ein Portalkonto erstellt, aber drauf zugreifen darf man nicht. Wegen der Sicherheit und so. Stattdessen bekommt man eine…

5. Mail
In einer Mail, die nach wenigen Stunden eintrudelt, ist aber auch kein Zugang zum Portalkonto drin. Das ist nämlich noch inaktiv. Deshalb bekommt man nun eine NEUNZEHNSTELLIGE Aktivierungs-ID. Damit lässt sich aber das Konto nicht aktivieren, vermutlich wegen der Sicherheit. Stattdessen muss sman jetzt 10 Tage warten, auf…

6. Briefpost
Tatsächlich bekommt man noch einmal Post, diesmal mit einem vierzehnstelligen Aktivierungscode. Damit geht man wieder auf die

7. Website zur Registrierung
Auf der Website, auf der man sich schon persönlich als Interessent registriert hat und wo ein schlummerndes Portalkonto liegt, tippt man nun den neunzehnstelligen Aktivierungscode und die vierzehnstellige Aktivierungs-ID ein. Dann passiert nichts. Zumindest sieht es so aus, das Portalkonto ist jetzt zwar aktiv, aber zugreifen kann man darauf nicht, vermutlich wegen der Sicherheit. Stattdessen wird man aufgefordert etwas einzugeben, und zwar eine…

8. PIN
PIN? Persönliche Identifikationsnummer? Wo war die noch gleich… Alle Mails und Briefe durchforstet – Steuernummer, BZSt-Nummer, Code, Aktivierungs-ID, Nutzername, Aktivierungscode, Passwort… aber keine PIN. Wo zum Geier bekommt man die her? Nach langem Überlegen habe ich dann herausgefunden, dass man hier irgendwas eingeben kann, Hauptsache keine Sonderzeichen und sechstellig. Die Eingabe der PIN ermöglicht den

9. Zertifikatsdownload
Man bekommt eine Datei mit einem Zertifikat an den Kopf geworfen, aber nicht verraten was man damit tun soll. Vermutlich aus Gründen der Sicherheit. Dabei ist es so einfach! Mit dem Zertifikat kann man sich nämlich endlich in das aktivierte Portalkonto einloggen.

10. LogIn
Dafür muss man nur die Zertifikatsdatei auf der Website wieder hochladen und die PIN eingeben, die man sich in Schritt 8 aus den Fingern gesogen hat, und schon ist man eingeloggt!

Zehn simple Schritte befolgen und drei Wochen Zeit, mehr braucht es nicht, um Zugriff auf das Portal der Kirchensteuerleute im Bundeszentralamt für Steuern zu erlangen. Was man dann in diesem Portal tun kann, das weiß ich noch nicht. Die Anweisungen kommen bestimm demnächst per Post. Wegen der Sicherheit.

 
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Verfasst von - 1. Oktober 2014 in Berufsleben

 

Zauberei: SSD Fusiondrive selber bauen

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Eines meiner Arbeitsgeräte ist ein MacBook Pro aus dem Jahr 2010. Ein feines Gerät, dient im Büro als Desktopersatz. Leistungstechnisch ist es immer noch mehr als ausreichend, dennoch war das Arbeiten damit zuletzt eine Qual. Jeder Mausklick löste nicht sofort eine Aktion, sondern sekundenlanges Gerödel auf der Festplatte aus. Tastatureingaben erschienen bei manchen Programmen nur noch mit Verzögerung. Der Start großer Programme dauerte eine halbe bis zwei Minuten. Alles war quälend langsam.

Das kann evtl. daran liegen, das Apple nicht mehr für die Nutzung mit Festplatten entwickelt und die Programme nicht optimiert sind – das würde das behäbige Verhalten von iPhoto erklären, mit seinem zwei Minuten dauernden Start. Es kann auch daran liegen, dass ich seit 2010 und damit über vier Betriebssystemversionen nie eine saubere Neuinstallation gemacht habe. Woran auch immer es lag: Der Rechner war zur Arbeit kaum noch zu gebrauchen, ich war genervt, aber eine Neuanschaffung für einen ansonsten top funktionierenden Rechner nicht einsehbar.

Deshalb folgte ich Modnerds Tip zur Lebensverlängerung alter Rechner und beschloss eine SSD einzubauen. Das sind Festplatten aus Flashspeicher, d.h. keine mechanischen Teile und irre schnell. Das Problem: SSDs waren (und sind es noch) im Vergleich zu Festplatten und in Relation zur Größe deutlich teurer. Es ist daher sinnvoll, das Betriebssystem auf einer (kleinen) SSD zu installieren und zusätzlich eine traditionelle Festplatte im Rechner zu haben, auf der dann Terabyteweise Daten liegen können. Auf diese Weise hat man hohe Fluppdizität bei gleichzeitig hoher Speicherkapazität. Bei Apple gibt es sogar die Möglichkeit einen sog. Fusiondrive zu bauen. Dabei werden Festplatte und SSD zu einem logischen Laufwerk zusamengefasst, und das Betriebssystem kümmert sich selbstständig darum, wichtige Daten und oft benötigte Programme in die schnellen SSD-Bereiche zu verschieben.

Standardmäßig bringen neue Macs sowas schon mit, bei alten Modellen kann man das selbst bauen – wenn man sich traut. Wobei sich direkt das nächste Problem auftut: In ein MacBook Pro passt kein zusätzliches Laufwerk. Die Lösung: Man wirft einfach das DVD-Laufwerk raus! Da die meisten Daten heute eh über das Netz oder per USB kommen, ist ein DVD-Benner im Notebook eh überflüssiger Ballast.

Um Anstelle der alten Festplatte eine SSD einzubauen und die Festplatte an die Stelle des DVD-Laufwerks
zu verpflanzen braucht es einen Adapter. Die Firma Hardwrk liefert für 49,- Euro ein Komplettset, in dem eine Adapterhalterung, eine SEHR gute Anleitung, alles benötigte Werkzeug und ein externes DVD-Gehäuse enthalten sind. Jetzt braucht es nur noch eine SSD, in meinem Fall eine Samsung 840 Evo Pro, dann wird ein Backup auf eine externe Festplatte mittels Time Machine gemacht, und schon kann die Bastelei losgehen!

Fantastische Arbeit der Firma Hardwrk: Sehr gute, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Entfernung des DVD-Laufwerks und dem Einbau einer SSD.

Fantastische Arbeit der Firma Hardwrk: Sehr gute, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Entfernung des DVD-Laufwerks und dem Einbau einer SSD.

Im Set ist alles enthalten was zum Tausch gebraucht wird. Nur die SSD muss noch zusätzlich gekauft werden.

Im Set ist alles enthalten was zum Tausch gebraucht wird. Nur die SSD muss noch zusätzlich gekauft werden.

Die Anleitung ist super bebildert und ermöglicht auch Laien den Do-it-yourself Austausch. Ich muss allerdings gestehen, dass mir schon ein wenig komisch war, als ich das MacBook offen hatte. An PCs Rumschrauben ist unaufregend, aber in so einem hochintegrierten Gerät wie einem Notebook rumwurschteln, das ist schon spannend. Nur ein Folienkabel beschädigt, und das Gerät ist kaputt. Dem entsprechend vorsichtig sollte man zu Werke gehen. Zudem gab es an den MacBook-Innereien immer mal Veränderungen, so dass die Anleitung vermutlich in den seltensten Fällen zu 100% passt. Bei mir habe ich z.B. nie rausgefunden, wie man den Akku abklemmen kann – weil der Stecker ganz woanders sitzt als beschrieben und die Entfernung Spezialwerkzeug erfordert.

Spuren im Staub: Nach 4 Jahren ist das Innere des MacBook Pro noch erstaunlich sauber, lediglich im Deckel über den Lüftern hat sich etwas Staub angesammelt.

Spuren im Staub: Nach 4 Jahren ist das Innere des MacBook Pro noch erstaunlich sauber, lediglich im Deckel über den Lüftern hat sich etwas Staub angesammelt.

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3 Kommentare

Verfasst von - 18. August 2014 in Berufsleben

 

Mausetot

Oh, na sowas. Da lag doch tatsächlich im Kabelgewirr hinter dem Schreibtisch eine tote Maus.

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6 Kommentare

Verfasst von - 24. April 2014 in Berufsleben

 
 
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