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N26 oder: Wenn die Bank auf´s Vertrauen pfeift

Man stelle sich einen privaten Postdienst vor. Dem übergibt man Briefe, denkt sich nicht weiter, und natürlich kommen die beim Empfänger an. Was für ein Gefühl ist es, wenn man Monate später feststellt, dass der Postdienst alle Briefe geöffnet, gelesen und den Inhalt kategorisiert hat? Und nicht nur dass, er hat über all seine Briefkunden hinweg eine Auszählung der Kategorien gemacht und veröffentlicht diese zu Werbezwecken: Hey, guckt her, wir haben soundsovieltausend Briefe befördert! 12 Prozent waren Liebesbriefe, 45 Prozent Rechnungen, 23 Prozent Mahnungen und in 10 Prozent aller Briefe wurde der Ex verflucht?

Undenkbar? Die junge Bank N26, formerly known as Number 26, macht genau das. Die Geschäfte des FinTech („Financial Tech“)-Startups konzentrieren sich auf das Banking mittels einer App. Mit der ist es auch möglich, anderen N26-Kunden in sekundenschnelle Geld zu überweisen. Die Bank nennt das „Moneybeam“. Bei jedem Geldstrahl lässt sich auch ein Betreff bzw. Kommentar beifügen, und genau diese Kommentare hat N26 nun ausgewertet, mit anderen Daten in Beziehung gesetzt und aggregierte Statistiken ins Netz gepackt.

Auf dieser Seite erfährt nun jeder interessierte, dass der Großteil der Leute sich anscheinend Auslagen für Mittag und Abendessen zurückerstattet, sind doch die am häufigsten verwendeten Kommentare „Essen“ oder „Lunch“, dicht gefolgt von „Pizza“. Auf weiteren Plätzen: „Bier“, „Burger“, „Döner“.

Auch die Zeit analysiert N26, und tatsächlich, zur Mittagszeit und am Abend wird das meiste Essen bezahlt. Aber auch zwischenmenschliches passiert in Moneybeams. „Ich liebe Dich“ und „Kuss“ sind nur einige der Schlagworte, die die Häufigkeitsauszählung anführen. Es gibt auch noch zwischenmenschlicheres, das… tiefer geht:

N26 wertet aus. So tief es geht.

N26 wertet aus. So tief es geht.

Mit der gibt sich N26 aber nicht zufrieden. Sie machen eine echte, sozialwissenschaftliche Analyse und Clustern Transferhäufigkeiten und Betreffe, um ihre Kunden dann in Profiltypen einzuteilen. Wie zum beispiel den „Sozialen“, der häufig Geld zwischen wechselnden Personen versendet und dabei überproportional häufig den Betreff „Drink“ verwendet.

Da passt es auch ins Bild, dass N26 nicht weiß, wie „Privacy Policy“ geschrieben wird.

"Privat Policy" (Sic!) Quelle: https://n26.com/moneybeam/

„Privat Policy“ (Sic!)
Quelle: https://n26.com/moneybeam/

Nach Orten ausgewertet führt Berlin. Aus all diesen Daten ergibt sich ein gutes Bild der N26-Nutzergruppe: Abgebrannte Berliner, die sich von Freunden und verwandten Geld schicken lassen, um das bei Döner und Bier auf den Kopf zu hauen.

Das die Statistiken diesmal anscheinden hauptsählich Hipsterlis getroffen hat, macht das alles aber nicht besser. Denn, mit Verlaub, das Verhalten von N26 ist creepy. Eine junge, aufstrebende Bank mit innovativen Ideen ist toll und hat mich selbst vor 6 Monaten zum Number 26-Kunden gemacht. Aber niemand kann es ernsthaft gut finden, wenn die Bank relativ kleinteilig seine Kunden analysiert und deren Daten NUR UM EINES LAUNIGEN BLOGPOST WILLENS INS NETZ STELLT. Wann wird wir häufig was von welchem Personencluster gekauft, das sind Daten, die auch aggregiert nicht in soziale Netzwerke gehört. Nicht jeder Kunde ist Anhänger der Spackeria.

Im Gegenteil. Für mich ist das ist wie ein Bruch des Briefgeheimnisses oder auf einer Stufe mit dem Vermieter, der heimlich durch die Wohnung schleicht und dann Statistiken über Hausbewohner ins Netz stellt. „26% all unserer Mietparteien trägt schwarze Socken“ lässt bei genügend großer Stichprobe keinen Rückschluss auf einzelne zu, aber dennoch: Sowas will man nicht. Sowas will ICH nicht. Gut, dass die Kündigungsfrist bei N26 kurz ist. Schade ist es dennoch, denn innovativ ist die Bank. Aber bei Stalkern lasse ich mein Geld nicht, egal wie erfindungsreich sie sind. Egal wie jung die Bank ist, um Geldgeschäfte zu machen braucht es Vertrauen.

 
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Verfasst von - 19. August 2016 in Betrachtung

 

Nicht nachgeben

Karsten ist ein Ende dreißig. Er arbeitet im öffentlichen Dienst in einer Hansestadt, verortet sich selbst eher links, aber bitte im konservativem Sinne. In seiner Freizeit backt er gerne selber Brot und postet Bilder davon auf Facebook. Ein sehr ruhiger Mensch, den ich seit Jahren kenne und schätze.

Um so erstaunlicher fand ich es, als sich Freitag Nacht zwischen Bildern von Minions und Fotos von „Kräuterbrot mit getrocknetem Schinken, Kapern, Kräutern der Provence und einer Füllung aus Rotwein und Zwiebeln“ plötzlich der Post auftauchte

Munich is on chaos, pray for those who are surviving this terror act. ‪#‎prayformunich‬

Und das war nur der Anfang. In schneller Folge tauchte auf

There can be only one answer to all those terrorists: Death Penalty #Prayformunich

und

Terroristes = Refugees, listen! We will defend our country at any cost! An eye for an eye!

Mir fiel dazu nur ein, Karsten direkt mal per SMS zu fragen, ob jemand seinen Account gehackt hatte. Aber offensichtlich war es tatsächlich Karsten, der diese Postings verfasste, und sich in den Kommentaren noch weiter mit denen stritt, die zur Besonnenheit mahnten und ihn daraus hinwiesen, was er da gerade tat: Ohne Informationen über die Situation zu haben, ging er pauschal davon aus, dass islamistische Terroristen in München angriffen. Seine Reaktion: Hasspostings und die Forderung nach der Todesstrafe.

Am nächsten Tag waren die Postings verschwunden. Das könnte man als einen Fall von „Besoffen auf Facebook“ abtun, laut seufzen und sich beklagen, wie dünn der Firniss der Zivilisation ist.

Für mich ist das aber nur ein Beispiel von vielen das zeigt, wie Blank die Nerven mittlerweile bei vielen liegen. Es ist erschreckend, wenn selbst ans phlegmatische grenzende Charaktere wie Karsten sich in einfache, vermeintliche Lösungen flüchten.

In solchen Situationen wie in den letzten Tagen, mit Attentaten in Würzburg, München, Ansbach und Nizza, in denen sich alle nach Sicherheit und Stabilität sehnen, ist es besonders leicht, auf populistische Heilsversprechen reinzufallen. Das ist menschlich und verständlich, und doch dürfen wir diesem Verlangen jetzt nicht nachgeben.

Es gibt auf die gegenwärtigen Situationen keine einfachen Antworten. Ein Verbot von „Killerspielen“ und Einschränkungen des Internets helfen nicht dabei, das es einsamen, kranken Menschen wie dem (Selbst-)mörder von München besser geht. Eine Aufrüstung der Polizei und der Einsatz der Bundeswehr im Inneren helfen nicht dabei, dass traumatisierte und kranke Menschen wie der Mörder von Reutlingen Halt bekommen. Und die Internierung und Abschiebung von Flüchtlingen, wie sie die AfD fordert, tut einer riesigen Personengruppe Unrecht, die nach wie vor unsere Hilfe braucht – weil sie vor Problemen fliehen muss, die unser Land mit geschaffen hat.

Ich weiß, wie schön es wäre, wenn es im Angesicht der Gewaltwelle der vergangenen Tage einfache Antworten gäbe, die alle Probleme lösen könnten. Und vielleicht gibt es die sogar. Meine ganz einfache Antwort auf das alles lautet: Ich werde nicht nachgeben.Ich werde der Angst nicht nachgeben Ich werde nicht der Verlockung nachgeben, nach einfachen Lösungen zu suchen und und radikale Maßnahmen gegen andere zu fordern.

Ich werde weiterhin an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen, ich werde weiterhin mit Bussen und Bahnen fahren, und ich werde nicht aufhören Leute darauf hinzuweisen, dass die einzige Möglichkeit hier rauszukommen das gemeinsamer Finden komplexer und kleinteiliger Antworten ist. Ja, die Gewalttaten sind furchteinflößend. Aber wir dürfen jetzt nicht nachgeben, sondern müssen uns bewusst machen, dass wir menschlich und vernünftig Handeln müssen. Norwegen nach Breivick hat in seiner Trauer besonnen gehandelt. Das sollte uns ein Vorbild sein.

Jan Böhmermann brachte es auf den Punkt, als er schrieb: „Schock Gedanke! Was, wenn von Deutschland ausgehend ein Zeitalter der Vernunft anbräche?“

Wir haben jetzt die Chance zu zeigen, was in uns steckt. Wir haben die Chance zu zeigen, dass menschlicher Umgang miteinander der richtige Weg ist. Wir können anderen, allen voran den osteuropäischen Ländern, die momentan im Hass auf alles, was anders ist, erstarrt zu sein scheinen, zeigen, dass sie eben nicht recht hatten mit ihrer Isolationspolitik. Wir können ein Vorbild sein, jeder einzelne von uns in seinem Umfeld und wir alle zusammen als Land.

In dem wir auf andere zugehen. Auf die Kranken und Einsamen, auf die Flüchtlinge, auf Muslime. In dem wir uns gemeinsam darin üben, vernünftig und sachlich miteinander umzugehen und gemeinsam Probleme anzugehen, sei es die Depression eines Bekannten oder der Mithilfe bei Integrationsmaßnahmen. Und indem wir deutliche Zeichen setzen, dass wir nicht bereit sind, unsere Freiheit weiter einschränken zu lassen, um die gefühlte Sicherheit zu erhöhen. Härtere Gesetze verhindern keinen weiteren David S. Integration und Menschlichkeit im Umgang miteinander aber schon.

Es gibt so viel, was wir tun können.
Der eigenen Angst nachgeben gehört nicht dazu.

 
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Verfasst von - 25. Juli 2016 in Betrachtung

 

Gehärtet in den Flammen der Demokratie

Da stehen wir nun, im Jahr 2016, und statt auf fliegende Autos blicken wir erneut dem Faschismus ins Gesicht. Wer dieser Tage die politischen Entwicklungen verfolgt der ahnt nicht nur, der WEISS plötzlich wie die Nationalsozialisten an die Macht kamen, der VERSTEHT mit einem Mal, wie es zum Holocaust kommen konnte. Momentan werden allerorten die oft noch jungen Demokratien umgebaut in Autokratien. In der Türkei, in Ungarn und in Polen werden Presse und Justiz unter die Kontrolle der Politik gebracht und der politische Apparat in Richtung Präsidialsystem umgebaut, letztlich der Weg zur Diktatur.

In anderen Ländern sieht es nicht ganz so dramatisch aus. Noch nicht, möchte man sagen, weil hier noch keine radikalen Reformkräfte in Machtpositionen sind. Aber sie sind bereits auf dem Weg dahin. In Deutschland feiert die rechtspopulistische AfD einen Wahlerfolg nach dem anderen, in Österreich haben gerade fast 50 Prozent der aktiven Wähler/-innen einen rechtspopulistischen Kandidaten gewählt.

Gefühlt binnen eines Jahres ist es salonfähig geworden rechte Meinungen zu äußern und offen gegen Ausländer, gegen die-da-oben, gegen Andersdenkende zu sein. Hauptsache dagegen, denn das ist die Zauberwaffe des Rechtspopulismus. Er verspricht, dass am eigenen Unglück irgend jemand anders schuld ist, eben die Ausländer, die-da-oben, die Andersdenkenden. Wenn man die bloss los wird und eine Mauer ums eigene Land baut, dann wird alles wieder gut.

Der Politik- und Sozialwissentschaftler in mir ist fasziniert und ein wenig neidisch auf die Kolleginnen und Kollegen in der Forschung, die gerade sehr viel zu tun haben dürften. Als Mensch wird mir Angst und Bange, wenn ich die Entwicklung so ansehe.

In den letzten Tagen sind schon viele kluge Artikel erschienen. Die Essenz:

Meine persönlich wichtigste Erkenntnis, auch aus einem der vielen Artikel: Rechtspopulismus ist deswegen gerade wieder so stark, weil dieses Lager das Kämpfen gelernt hat. Versprechungen und ja, Visionen, die mit markigen Worten vermittelt werden, kurz vor der Grenze zu Blut-und-Boden-Reden. Im Gegensatz dazu schweigt das Bürgertum, und das ist falsch.

Mittlerweile haben wir es mit einer neuen Sorte von Faschismus zu tun. Solchen Leuten, egal ob sie sich „besorgte Büger“ nennen oder „Alternative“ oder „Freiheitliche“ oder „ehemaliger Klassenkamerad“, solchen Leuten hört man nicht mal zu. Mit denen diskutiert man auch nicht, denn da ist keine Diskursbereitschaft vorhanden.

Solchen Leuten zeigt man Stärke, in dem man ebenfalls mit markigen Worten Demokratie, Europa und humanitäre Hilfe preist und dabei keinen Handbreit nachgibt. Das bedeutet nicht, dass der Status Quo zementiert werden soll. Es ist sehr deutlich, dass Handlungs- und Änderungsbedarf besteht, dass neue Antworten auf Probleme gefunden werden müssen. Diese Antworten müssen aber auf internationalem Zusammenhalt aufbauen, differenziert und human und demokratisch sein. Es müssen wieder Visionen sein.

Europa kann nahezu alles schaffen, wenn die Länder nur zusammenhalten. Europa ist aus Einzelstaaten geschmiedete Stärke in purer Form, gehärtet in den Feuern der Demokratie. Europa sollte man nicht verteidigen müssen. Europa muss offensiv gegen die größten Probleme der Welt eingesetzt werden, um das Leuchtfeuer der Demokratie in die Dunkelheit des Nationalismus zu tragen und den Faschismus mit der Flamme der Freiheit auszubrennen.

 
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Verfasst von - 25. Mai 2016 in Betrachtung, Politik

 

Präkariatsinternet

Disclaimer: Der folgende Artikel klingt vielleicht stellenweise seltsam arrogant. Das ist nicht beabsichtigt. Herr Silencers kann Eliten nicht leiden.

Warum eigentlich ist Facebook die Brutstätte von Nazis, warum wird auf Youtube rumgepöbelt und wieso geht es in den Kommentarkästen unter Artikeln zu wie in einer Grundschule? Wieso ist das Internet ein Ort des Hasses, und die Netzwerke darin bestenfalls asozial?

Interessante Fragen. Auf den ersten Blick bestätigen die Phänomene meine These aus frühen Jahren, dass ca. 80 Prozent aller Menschen schlicht einen an der Waffel haben, und das halt früher oder später aus ihnen herausbricht. Dieses leicht verschobene Menschenbild habe ich mittlerweile korrigiert. Interessant ist aber, wie ich dazu gekommen bin: Ich habe nämlich während des Studiums lange Jahre in der Systemgastronomie gearbeitet.

Wenn man ein Schnellrestaurant nachts und an Wochenenden leitet, dann bekommt man es mit der ganzen Bandbreite an menschlichen Absurditäten zu tun. Das reicht von lautstarken Keifereien einer überforderten Mutter, weil das Kleinkind die Nuggets verschmäht, über den Herren im Anzug, der mit dem Anwalt droht, weil sein Burger dauert, bis hin zu dem Typen, der in die Kinderecke kackt, aus Protest gegen das System oder das Wetter. Kein Wunder, dass das eigene Menschenbild zynisch wird, wenn man sich so einen Mist dauernd geben muss.

Interessanterweise besteht ein Zusammenhang zwischen der Dienstleistungshölle, der mir den Glauben in die Menschheit raubte, und dem Dummprogramm, das gerade im Internet gefahren wird. Denn sowohl das Systemrestaurant als auch das Internet haben ein Problem: Sie werden überdurchschnittlich häufig von bildungsfernen Schichten besucht. Eine Grafik, destilliert aus einer OECD-Studie, geisterte wohl schon im Januar durchs Netz, ist aber irgendwie an mir vorbeigegangen. Sie ist ohnehin nur eine (fehlerbehaftete) Abwandlung dieser Grafik hier:

2016-03-25 15_30_14-Government at a Glance 2015 _ OECD READ edition

Die Kernaussage: Während in anderen Ländern eher höher gebildete Menschen soziale Medien nutzen, ist das in Deutschland genau anders herum. Hierzulande stammt der größere Teil der Nutzerschaft sozialer Medien wie Youtube oder Facebook aus bildungsfernen Schichten, haben entweder keinen oder nur einen sehr niedrigen Schulabschluss.

Auch wenn ich die Studie methodisch an manchen Stellen zweifelhaft finde (die Bildungseinstufung und der Begriff „social media users“ wird nicht ordentlich definiert, oder ich habe die richtige Stelle nicht gefunden), ist sie doch interessant. Denn sie erklärt, was mich bislang wirklich gewundert hat: Warum das Hass- und Pöbelverhalten ein deutsches Phänomen zu sein scheint. In anderen Ländern gibt es solche Probleme nicht oder signifikant weniger, weil, so die Studie, dort die sozialen Medien eher von Menschen mit höherer Bildung genutzt werden. Das Deutschland aus der Reihe tanz hat m.E. zwei Ursachen:

1. Gehört der Internetzugang zu den Sozialleistungen. Auch Hartz-IV-Empfänger benötigen Internet und haben viel Zeit, die sie damit verbringen können. In anderen Ländern ist Zugang zum Internet schwerer oder nur über höhere Kosten möglich.

2. Internetaversion gehobenerer Bildungsschichten. Deutschland ist das Land der Internetverweigerer, und insb. Akademiker halten oft nichts vom Internet und schon gar nichts von sozialen Medien. Egal, was die Elitepartner-Werbung einem vorlügt.

Aspekt 1 arbeitet David Hain in seinem Erklärbärvideo „Youtube – eine BeSCHANDsaufnahme“ heraus, in dem er auch schön darstellt, warum das deutsche Youtube voller rotzedummen Doofcontent ist, der einen glauben lässt, „Idiocracy“ wäre bereits Wirklichkeit geworden.

Natürlich spielen noch viele andere Faktoren mit rein, die die sozialen zu asozialen Medien zu machen, aber dennoch ist die Studie und deren Implikation erst einmal beeindruckend. Sie zeigt auch, welchen Stellenwert Bildungspolitik haben sollte.

Leider ist die immer unbeliebt und wird auf der Agenda gerne so lange geschoben, bis sie hinten runterfällt. Wichtig wird sie im Aktionismusgetriebenen Tagesgeschäft des Politikbetriebs nur, wenn mal wieder eine PISA-Studie um die Ecke kommt. Ein Grund für die unsexyness von Bildungspolitik ist, dass ihre dramatischen Auswirkungen selten sofort, sondern manchmal erst eine Generation später sichtbar werden. So lange die verfehlte Bildungspolitik zu Hause auf dem Sofa sitzt und RTL2 guckt, stört sie nicht mal großartig, und ist nur eine Zahl im Sozialbudget. Wenn sie aber die Gelegenheit bekommt sich lautstark zu äußern, wird sie sichtbar.

Genau diesen Zustand haben wir länger schon erreicht, die häßliche Fratze der geringen Bildung stiert uns aus allen möglichen Kommentarkästen entgegen. Nun kommen die medienwissenschaftlichen Folgeeffekte hinzu, von der Schweigespirale (von der Mehrheit abweichende Meinungen werden nicht geäußert/nicht gehört) bis zum Kruger-Dunning-Effekt (Selbsterüberschätzung aufgrund von Unwissen). Die Resultate sind jetzt schon zu besichtigen und reichen von erschreckend bis belustigend. Zu den erschreckenderen Phänomenen gehört das Wiedererstarken des Nationalismus.

Zu den belustigenderen gehört die diesjährige Cebit. Auf der trieben sich erstaunlich viele Leute rum, die definitiv weder aus der IT noch aus der Wissenschaft oder dem Finanzbereich kamen. Es war auf den ersten Blick zu erkennen, dass diese Personen auf der Messe fehl am Platz waren. Nicht im Sinne von hochnäsigem „die haben da nichts zu suchen“, sondern im Sinne von „die haben sich aufgrund falscher Erwartungen die Cebit verlaufen und fühlen sich jetzt total fehl am Platz“. Diese Personengruppe war auf den ersten Blick erkennbar, u.a. an der Kleidung, am meisten aber an ihrem Verhalten.

In Zweier- oder Dreiergrüppchen trotteten sie an den Reihen der Hochglanzstände vorbei und beklagten lautstark wie öde das alles sei oder hingen rauchend vor den Hallen ab und äußerten dort ihren Unmut. Was die Leute überhaupt nach Hannover getrieben hatte? Zufällig bekam ich eine Unterhaltung von zwei Mittdreißigern mit. Es handelte sich um intensive Facebooknutzer, für die Facebook das Synonym für Internet, Digitalisierung und überhaupt IT ist und eine ganze Messe dazu, die wollten sie sich nicht entgehen lassen. So weit ist es schon. Leute, die Facebook benutzen können, halten sich in Kruger-Danningschem Größenwahn für prädestiniert, eine IT-Messe zu besuchen.

Für ihren Geschmack fand auf der Facebookmesse dann aber definitiv zu wenig Facebook statt. Zur Strafe klauten sie den vermeintlich langweiligen Wissenschaftlern der Hochschule Harz auch die Kulis, die keine Werbegeschenke waren.

 
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Verfasst von - 25. März 2016 in Betrachtung

 

Brexit

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Haha, die Briten wieder. Dem komischen Inselvolk geht die „Regelungswut“ der EU zu weit. Als ob die wüssten was das ist! Mich würde ja mal interessieren, was geschehen würde, wenn mal jemand hingeht und sagt:

„So, passt mal auf, Freunde. Wir sorgen jetzt mal dafür, dass diese Insel hier nicht bei jedem Pups einen Sonderweg geht. Ab nächstem Montag ist Schluss mit lebensgefährlicher Linksfahrerei, es wird gefälligst rechts gefahren. Der Quatsch mit den dreipoligen Monsterstromsteckern hört dann auch auf, ihr nehmt gefälligst die zweipoligen Stecker, wie der Rest der Welt.

Das metrische System wird flächendeckend eingeführt, dieser Unsinn mit Feet und Pint und Tuppence und whatknot ist dann offiziell vorbei. Außerdem bekommt ihre eine vernünftige Währung, den Euro. Der Rest der Welt hat nämlich die Schnauze voll von euren abzockerischen Wechselstuben.

Diese beiden Wasserhähne, aus denen entweder kochend heißes oder eiskaltes Wasser kommt, bekommen einen Preis für „dämlichste Idee ever“, dann werden sie demontiert und durch vernünftige Mischarmaturen ersetzt. Bettdecken werden nicht mehr rundrum am Bett festgetackert. Schuluniformen mit Miniröcken werden abgeschafft, das ist sexistische Kackscheiße die sich notgeile, alte Männer ausgedacht haben.

An Ampeln gibt es ein explizites grün, und nicht nur rot und orange, ihr habt doch ohnehin nie kapiert wann ihr fahren dürft. Außerdem gilt ab kommender Woche: Alles was kein Pudding ist, darf nicht als Pudding bezeichnet werden. Und die Zubereitung von Haggis wird als terroristischer Akt betrachtet!“

DAS wäre mal Regelungswut. Ich wette, mindestens die Hälfte der Briten würde bei so einer Proklamation sofort vor Empörung implodieren (normale Menschen würden vor Wut explodieren, aber in GB ist halt alles anders).

Ein stolzes Wappen mit.... zungerausstreckenden Einhörnern? WER SOLL EUCH DENN ERNST NEHMEN?

Ein stolzes Wappen mit…. zungerausstreckenden Einhörnern? WER SOLL EUCH DENN ERNST NEHMEN?

Dabei wäre ein solches Aufräumen ganz dringend nötig. England war zwar vor 150 Jahren die Speerspitze der industriellen Revolution, seitdem hat man sich aber komplett abgekoppelt und macht ALLES anders als im Rest der Welt. In Großbritanien ist jeden Tag Gegenteiltag. Dort isst man ja auch das Mittagessen zum Frühstück. Und nun wollen die also aus der EU, von der sie nie richtig Teil waren, ausscheren. Vielleicht. Aber warum? Und:Muss uns das kratzen?

David Cameron war lange Zeit der gefährlichste Mann in Europas (bis die Flüchtlingskrise kam und er den Titel an die Orbans und Kasczynskinskis dieser Union abgeben musste). Seine Innenpolitik beschränkte sich über weite Strecken darauf, ein diffuses „Wir“-Gefühl unter den Briten zu erzeugen, in dem man gegen „die“ war. Die, das war und ist die EU. Der drohte er mit dem „Brexit“, dem British Exit, der Ausstieg der Briten aus der EU, wenn diese nicht Zugeständnisse machen würde.

Was als kalkulierte Provokation und als Schmierentheater zur Stärkung der Innenpolitik begann, ist Camerons Kontrolle mittlerweile entglitten. Andere Politiker haben ihn rechts überholt und nutzen die, von Cameron angefachte, euroskeptische Stimmung um ihren eigenen Populismus an den Mann zu bringen. Cameron selbst findet sich ungewollter Weise in der Rolle der EU-Verteidiger wieder. Vermutlich verflucht er jeden Tag die Geister, die er rief.

Ich lehne mich da ja mal anz entspannt zurück, denn die Chancen für einen Ausstieg aus der EU sind verschwindend gering. Die Wirtschaft weiß, dass die UK ohne die EU nicht kann, nicht umsonst sprechen Londoner und Frankfurter Börse über eine Fusion. Lediglich EINE von einem Dutzend Studien kommt zu dem Ergebnis, dass die UK ohne die EU besser dran ist. Die Studie geht allerdings von der Prämisse aus, dass die EU komplett zerbricht und in Chaos versinkt und verliebene Investoren dann nach London flüchten. Die feuchten Träume der Londoner Banker.

Selbst WENN eine Mehrzahl der Briten beim Referendum am 23. Juni für einen Ausstieg stimmt und die Insel sich weiter abspaltet – so what? Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Wirtschaft so in sich zusammenbricht, dass der Urlaub in Great Britain billiger wird. Wahrscheinlicher ist aber: Die Integration Europas passiert nach einem Brexit schneller, weil keine Rücksicht mehr auf die Rückgratlosen Insellullis und ihre Marotten genommen werden muss. In diesem Sinne: Das Thema „Brexit“ kann man dieser Tage getrost ignorieren, gibt wichtigeres.

 
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Verfasst von - 25. Februar 2016 in Betrachtung, Meinung, Politik

 

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Nachtrag

Kleiner Nachtrag zum gestrigen Artikel: Der Mißbrauch der Geschehnisse in Paris zur Durchsetzung eigener Ziele ist nach wie vor in vollem Gange. Sogar der ewige Wiedergänger „Kriminologe“ Pfeiffer kommt aus seinem Loch gekrochen und nutzt die Attenate als Werbung für seine
„Expertisen“: Es sei denkbar, dass sich die Attentäter virtuell am Töten berauscht hätten. Und wo? Auch das weiß Pfeiffer: In World of Warcraft. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Ernstzunehmender sind die lautstarken Forderungen der Politik, die Überwachung der Bevölkerung zu verstärken und Verschlüsselung zu verbieten oder einzuschränken, denn sicherlich wurden nur dadruch die Anschläge möglich.

Und was stellt sich nun heraus? Die Attentäter von Paris nutzten weder Apples verschlüsseltes Nachrichtensystem noch kommunizierten sie über den Gamechat der PS4. Sie nutzten gar keine verschlüsselte Kommunikation.

Sie verwendeten SMS.

Ganz einfache, doofe, unverschlüsselte SMS. Die wird in Frankreich schon lange, und nun auch hierzulande inklusive der Inhalte, also im Volltext, von den Geheimdiensten abgegriffen. Vielleicht einfach mal im Hinterkopf behalten, wenn das nächste Mal die Aufstockung der Überwachungsmaßnahmen mit Paris begründet wird.

 
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Verfasst von - 19. November 2015 in Betrachtung

 

Paris Aftermath

Vor einem Jahr erlebte ich Paris als offene, unbeschwerte Stadt – ganz anders als London, wo man sich schon wie in einem Polizeistaat fühlt, weil die Sicherheitsmaßnahmen komplett überdreht sind und mit Ernsthaftigkeit am Rande zur Hysterie betrieben werden. Paris dagegen war angenehm locker und entspannt.

Das es damit vorbei sein würde, war mir schon im Januar klar, als erste Anschläge stattfanden. Spätestens jetzt, nach Bombenattentaten und Geiselnahmen mit 130 Toten, ist sicher, das Paris eine dunkle Zeit bevorsteht.

Ausgerechnet der französische Präsident Francois Hollande, bislag nicht als Hardliner aufgefallen, verhängte sofort den Ausnahmezustand, schloß die Außengrenzen und kündigte harte Reaktionen an. Als nächstes bringt er Gesetzentwürfe ein die den Ausnahmezustand praktisch unbegrenzt verlängern und fordert mehr Überwachung. Dazu verkündet Hollande, dass Frankreich im Krieg sei, und belässt es nicht nur bei dieser Rhetorik, sondern ruft den EU-Bündnisfall aus.

Ich finde die aktuellen Entwicklungen so unfassbar, dass ich aktuell mit hängender Kinnlade daneben stehe.

Wie kann es sein, dass der Präsident eines europäischen Landes so unbeherrscht reagiert? Es muss doch klar sein, dass gegen Gruppen wie den IS kein echter Krieg geführt werden kann. Es handelt sich dabei nicht um einen Staat oder ein Land, dass man bombardieren oder in das man Einmarschieren könnte. Das wissen sogar die USA, weshalb sie sich weigern, Bodentruppen in Syrien einzusetzen.

Der IS ist in allererster Linie eine Idee und eine Ideologie, und Ideen kommt man nicht mit Bomben und Schußwaffen bei. Das sollte die Lehre aus der Geschichte sein, in der noch nie ein Krieg gegen Guerillas gewonnen wurde. Das sollte aber auch die eigentliche Lehre aus den Attentaten sein. Versucht man die Ausbreitung einer Idee mit Bomben zu stoppen, wie Frankreich und die USA es seit einem Jahr in Syrien tun, bringt man auch unbeteiligte Menschen in eine so verzweifelte Lage, dass sie verzweifelte Taten begehen.

Militärische Kriegsführung gegen den IS ist keine Handlungsoption, und dass das überhaupt in Erwägung gezogen und als Lösung verkauft wird, ist erschreckend.

Mindestens ebenso erschreckend sind die Versuche, die Attentate für die eigene Agenda zu instrumentalisieren. In Großbritanninen versucht David Cameron, seine auf Gedankenpolizei hinauslaufenden Gesetze jetzt im Schnellverfahren durchzupeitschen, weil nach Paris ja besondere Dringlichkeit geboten ist. In den USA nutzt man die Gunst der Stunde, um die unliebsamen Techkonzerne als Helfer des Terrorismus darszustellen, und entblödet sich nicht mal,die Playstation als Werkzeug von Terroristen darzustellen.

Hierzulande stehen die konservativen Politiker dem in nichts nach. Es vergingen nur wenige Stunden, bis lautstarke Einzeltäter ihre eigenen Begehrlichkeiten an die Ereignisse knüpften, angefangen bei der Forderung zur Schließung der Grenzen bis hin zur Forderung nach mehr anlassloser Überwachung der Bevölkerung. Die zynische Schlußfolgerung: Wenn die Überwachung von Telefon und Internet, die in Frankreich umfangreicher erfolgt als in Deutschland, die Attentate nicht verhindern konnte, dann muss eben NOCH MEHR überwacht werden. Wie Schmeißfliegen, die ihre Eier in Kadaver ablegen, heften Politiker ihre eigenen Forderungen an die Toten von Paris. Widerlich.

Die Spirale dreht sich weiter. Militärisches Eingreifen wird weiter Attentate nach sich ziehen, und zur Steigerung der gefühlten Sicherheit werden Grundrechte weiter eingeschränkt. Ich kann nur hoffen, dass sich nach einem Abklingen der ersten Welle aus Trauer und Wut genügend aufrechte Menschen finden, die die Kriegsretorik als das entlarven, was sie ist: Ein Placebo. Aufrechte Menschen wie Jens Stoltenberg, den norwegischen Ministerpräsidentwn, der nach dem Attenat von Utoya sagte:

„Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.“

 
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Verfasst von - 18. November 2015 in Betrachtung, Politik

 

Lage der Welt, kurz kommentiert

Herr Silencer zur Lage der Welt:

VW hat betrogen. Millionen Dieselfahrzeuge produzieren viel mehr Schadstoffe als erlaubt. VW-Chef Winterkorn tritt zurück.
Merke: Wenn Ferdinand Piech jemanden weg haben will, dann kommt der auch weg.

Großkonzerne, die bescheißen? Wo gibt es denn sowas?
Ab einer gewissen Unternehmensgröße, -ausrichtung und Beförderungskultur wird Beschiss zum Bestandteil der Unternehmenskultur. Und Technologie ist selten so sauber, wie die Unternehmen gerne glauben machen. Bevor hier noch jemand überrascht ist: Das Fracking der Ölkonzerne vergiftet Grundwasser und löst Erdbeben aus. Lebensmittelkonzerne privatisieren Wasser und importieren es von Afrika nach Europa. Softwarekonzerne klauen Technologie und setzen sie ohne Rücksicht auf Endkunden ein. Das ist so, in der Welt.


Die Bundesregierung hat vom Abgasskandal gewusst.

Wenn schon diejenigen, die die Gesetze machen (VW) davon wussten, wieso nicht auch die Exekutive (Bundesregierung)? Die beiden liegen doch ohnhin im selben Bett, solche kleinen Geheimnisse flüstert man sich postkoital ins Ohr.

Donald Trump fährt bei den Wahlen in Amerika riesige Erfolge ein. Wird der polternde Wischmop jetzt Präsident?
Natürlich nicht. Das sind erst die Vorwahlen, die bestimmen, wer als Kandidat der Parteinbündnisse überhaupt zur Päsidentschaftswahl antreten darf. Auch, wenn Pöbel-Donald hier mediale Aufmerksamkeit erfährt: Präsidentschaftskandidaten werden in den USA von Lobbyorganisationen gemacht. Ohne deren Rückhalt kann man noch so viel Geld haben, man wird nicht Präsident. Geniesst die Trump-Show, der ist harmlos.

Aber wer wird denn dann Präsident der USA?
Das kann man auf zwei Personen eingrenzen: Hillary Clinton und Jeb Bush. Einer von beiden wird es, aber wer, lässt sich vorher nicht sagen. Anyway, Pest oder Cholera.

Flüchtlingskrise!
Ja, schlimm. Ich wusste, dass irgendwann Flüchtlingstreks von Afrika nach Europa ziehen werden. Dass das noch zu meinen Lebzeiten und aus diesen Gründen passiert, hätte ich nicht gedacht.


Woher kommt denn diese Krise?

Hausgemachtes, aus dem Jahr 1953. England und den USA gefiel damals nicht, dass in der Region und besonders im heutigen Iran (korr.) moderne, aufgeschlossene und selbstbewusste Gesellschaften entstanden. Also ermordete der CIA den demokratisch gewählten Staatschef und installierte die Diktatur unter dem Schah. Seitdem geht es da drunter und drüber, und nach wie vor tun westliche Staaten alles dafür, die Region zu destabilisieren. Merke: Wo immer der Westen sich in die Entwicklung anderer Staaten eingemischt hat, kommen am Ende Katastrophen raus (Vgl. Irak, Afghanistan, …)

Durch die EU geht ein tiefer Riss, wie man mit den Flüchtlingen umgehen soll.
Oh, und nicht nur bei dieser Frage ist man gespalten. Daran zeigt sich, dass nach der schnellen Osterweiterung keine weitere Integrationspolitik gefahren wurde. Man hat die Oststaaten mit ihrem tiefen Mißtrauen gegen die Welt allein gelassen, das rächt sich nun in Form von Trollen wie Orban.

Der Zustand von Europa ist gerade…
…ziemlich angeschlagen. War er vorher auch schon, denn die aktuelle Politikergeneration hat aus irgend einem Grund Europa als Gegeben angesehen und deshalb darauf rumgetrampelt und dagegen opponiert, als wäre es eine Festung. Ist es nicht. Europa ist ein fragiles Gebilde und ein wunderbares Projekt, aber keineswegs selbstverständlich und unverwüstlich. Das haben die Staats- und Regierungschefs zum Glück GESTERN NACHT auch mitbekommen. Immerhin. Wenn die sich jetzt mal zusammenreißen, kann Europa stärker als zuvor aus der Krise hervorgehen.

 
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Verfasst von - 24. September 2015 in Betrachtung

 

Meine Geschichte mit Amazon: Kaufverhalten im Wandel

Amazon-einkaufe

Shopping im Netz hat einen Namen: Amazon.
Was es bei Amazon nicht gibt, kann man vermutlich nicht kaufen.
Bei Amazon gibt es die besten Preise und die schnellste Lieferung.
Es gibt überhaupt keinen Grund woanders hin zu gehen.

Ja, ich weiß was Sie jetzt denken. Und Sie haben recht.

Diese Sätze sind nicht nur Quatsch, wenn man sie hinterfragt, sie sind auch gefährlich. Denn mit ihnen geht das Geständnis einher das es im Onlinehandel ein Monopol gibt, was aktuell nicht zu schlagen ist. Tatsächlich ist aber genau das die Realität. Es ist nun mal eine Tatsache, das Amazon DER Versandhändler im Netz ist. Selbst andere Onlinehändler bieten über die Amazon-Plattform an – skurrilerweise teils zu besseren Konditionen als in ihren eigenen Shops.

Schleichend ist Amazon als der Onlinehändler in immer mehr Bereiche meines Lebens eingesickert und heute nicht mehr wegzudenken. Würde mein Kundenkonto gesperrt, es wäre eine Katastrophe. Denn längst ist Amazon nicht nur die ultimative Shoppingmaschine, auch meine Musik und meine Bücher liegen in der Amazon-Cloud. Ohne Kundenkonto könnte ich nicht mal meinen eReader benutzen.

Obwohl es für mich persönlich so wichtig ist, weiß ich erstaunlich wenig über Amazon. Über das Unternehmen selbst erfährt man ohnehin nicht viel, aber auch über die andere Seite, MEINE Seite, weiß ich erstaunlich wenig. Seit wann bin ich eigentlich Amazon-Kunde? Und: Wie viel Geld gebe ich da aus?

Während sich die erste Frage noch leicht über einen Blick auf „Meine Bestellungen“ im Kundenkonto beantworten lässt, rückt Amazon aggregierte Zahlen zur Anzahl von Bestellungen und ausgegebenen Summen nicht so einfach raus. Mit ein wenig Handarbeit am Browser und einem Skript, das sich die Infos aus Amazon zusammensammelt, kann man sich die Informationen aus Amazon zusammentragen lassen.

Ein Skript übernimmt den Browser und parst nacheinander alle alten Amazon-Bestelljahre durch. Anders bekommt man keine vollständige Bestellübersicht.

Ein Skript übernimmt den Browser und parst nacheinander alle alten Amazon-Bestelljahre durch. Anders bekommt man keine vollständige Bestellübersicht.

Das habe ich mal auf mich genommen, und am Ende hatte ich eine Liste mit einer kompletten Kundenhistorie in den Händen. Die Spurensuche darin fördert die Geschichte eines Konsumwandels zu Tage.

Mein Leben aus der Sicht von Amazon

Laut meiner Bestellübersicht bin ich seit 2001 Kunde bei Amazon. Am 5. Februar 2001 kaufte ich den Film „Dogma“, den UK-Importfilm „Wyrd Sisters“ und die Titelmusik der TV-Serie „Angel“ auf CD. Alles Dinge, die man im Einzelhandel nicht kaufen konnte.

Das erste Buch folgte kurz danach, eine englische Originalfassung. DamalsTM gab es im deutschen Buchhandel nahezu ausschließlich Übersetzungen zu kaufen. Bücher im Original mussten umständlich über spezielle Händler bestellt werden, und oft klappte die Bestellung gar nicht oder es dauerte Wochen, bis die Lieferungen ankamen.

Erstebestellung

Amazon war in den ersten Jahren primär meine Quelle für schwer erhältliche englische Bücher, sowohl für´s Vergnügen als auch für das Studium, sowie für DVDs, die nur im Ausland erschienen waren. Dabei blieb es dann auch erst einmal. Ich weiß, dass ich Anfang der 2000er Jahre sehr viele Bücher und Filme gekauft habe, aber anscheinend alle in Ladengeschäften. Amazon habe ich offensichtlich nur genutzt um Dinge zu kaufen, die in normalen Geschäften nicht oder nur schwer zu bekommen waren.

2003 stehen plötzlich medizinische Nachschlagewerke und Bücher über Homöpathie in der Bestellhistorie. Eine neue Frau mit Hang zur Esoterik ist in mein Leben getreten, und zu Weihnachten überrasche ich sie mit „Fachliteratur“. Mehr als 9 Bestellungen im ganzen Jahr sind es trotzdem nicht.

2005 sind es schon 20 Bestellungen, ein Drittel davon sind Weihnachtsgeschenke, ein Drittel Fachbücher zu BWL, Buchführung, Marketing – Einarbeitung in einen neuen Job. Privat entdecke den Schriftsteller Jasper Fforde und arbeite mich durch seine bisher erschienenen Bücher, schaue „Star Wars – The Clone Wars“ und kaufe das Buch „Endlich Nichtraucher“. Bis ich es lese, werden weitere fünf Jahre vergehen.

2006 bestelle ich am Stück 12 Bände von Neil Gaimans „Sandman“, 2007 wird die erste, gebrauchte Plastikgitarre für „Guitar Hero“ angeschafft. Amazon versorgt mich primär mit Unterhaltung: Filme, Comics, Bücher, das ein oder andere Elektrozubehör, z.B. Kabel. Pro Jahr jeweils 20-30 Bestellungen.

Das ändert sich 2009, da schnellt die Anzahl auf 56 hoch. Das ist im Schnitt mehr als eine Bestellung pro Woche. Grund: Musikspiele, vor allem „Band Hero“ und „Rock Band“. Ich begeistere den Bekanntenkreis dafür und organisiere Plastic Rock Parties, bei Amazon bestelle ich Erweiterungen und das nötige Zubehör.

Außerdem kaufe ich 2009 erstmals Musik als Downloads bei Amazon, auch das zählt als Bestellung. Im Juni 2009 habe offensichtlich „Endlich Nichtraucher“ gelesen, denn ich bestelle den Folgeband „Für immer Nichtraucher“. Weil das mit dem Rauchen aufhören so gut geklappt hat, ordere ich noch ein halbes Dutzend anderer Ratgeberbücher, die aber bis heute ungelesen im Regal stehen.

Im nächsten Jahr, 2010, sind es schon wieder 50% mehr Bestellungen, jetzt schon 79. Zum ersten Mal bestelle ich Dinge des Alltags bei Amazon, vom Duschvorhang bis zum Sexspielzeug, auch Kleinmöbel sind dabei. Technik kaufe ich mittlerweile nur noch online, nachdem mich der örtliche Mediamarkt zum Boykott getrieben hat. Vom Speicherstick über eine Handyhalterung und PC-Bauteile bis hin zur Spielekonsole kommt jetzt alles von Amazon. Mein Kaufprofil lässt plötzlich sehr detaillierte Rückschlüsse auf meine Lebensumstände zu. Es braucht keinen superschlauen Algorithmus, ein Blick in meine Bestellungen des Jahres verraten fast alles über mich.

Das Profil wird immer detaillierter. 2011 sind es 119 Bestellungen, im Schnitt also mehr als zwei pro Woche. Die Lebensumstände ändern sich in dem Jahr gleich mehrfach Mal radikal. Ich ziehe zwei Mal um und entdecke den Spaß am Reisen. Die Bestellliste trägt dem Rechnung: Neben Herzschmerzmusik, Lampen und Möbeln stehen viele Reisebücher auf dem Bestellzettel. Außerdem das größte und schwerste Item, dass Amazon mir bis dato liefert: Eine Waschmaschine. Der Umsatz geht dadurch durch die Decke, erstmals lasse ich mehr als 3.700 Euro/Jahr bei Amazon.

2012 schlägt sich ein altes, neues Hobby im Kaufprofil nieder: Plötzlich steht Motorradkram und -literatur und jede Menge Reisezubehör in der in der Bestellliste. Auch Kleidung bestelle ich jetzt zum ersten Mal online, zunächst nur Shirts, ab 2013 dann auch Jacken, denn zu dem Zeitpunkt versagt der lokale Einzelhandel auch in der Beziehung.

Seither findet sich alles Mögliche in den Bestellungen: Bilder, Bücher, Filme, Musik, Klebstoff, Uhren, Kabel, alle Arten von Geräten, Bastel- und Baumaterial, Kleidung, Schuhe Dinge des täglichen Bedarfs… bis auf Nahrungsmittel habe ich schon so gut wie alles bei Amazon bestellt, und es wird jedes Jahr mehr.

2014 waren es 204 Bestellungen, im Schnitt also 4 pro Woche. Das muss man sich mal vergegenwärtigen: Von zwei Bestellungen mit 4 Items in 2001, sind es nun, 15 Jahre später, über 200 Bestellungen mit 240 Produkten. Der Durchschnittswert eines Produkts hat sich dabei wenig geändert, er zirkelt seit 2001 so um die 20 Euro.

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Was sich natürlich dementsprechend verändert hat ist der Umsatz, den Amazon mit mir macht. Von 89 Euro in 2001 auf fast 3.700 Euro in 2014.

Bildschirmfoto 2015-08-18 um 19.34.08

Insgesamt, und das hat mich wirklich erstaunt, habe ich in 15 Jahren fast 27.000 Euro bei Amazon gelassen, in 980 Bestellungen und für 1.280 Produkte. Schon interessant, dass mal so schwarz auf Weiß zu sehen. Ich hatte im Vorfeld überlegt, wie viel Geld ich im Laufe der Jahre bei und über Amazon wohl ausgegeben habe, und hatte weder eine Idee noch auch nur ein grobes Gefühl dafür.

Die Zahlen zeigen einen grundlegenden Wandel im Kaufverhalten auf. Ich gebe nicht unbedingt mehr Geld aus als früher. Gut, vielleicht ein wenig, aufgrund größerer Auswahl. Aber Ich gebe es jetzt vor allem woanders aus. Anfang der 2000er war das Ladengeschäft durch nichts zu ersetzen. Der Onlinehandel füllte lediglich die Lücken, die der Einzelhandel nicht füllen wollte oder konnte.

Aus diesen Nischen heraus wucherte das Onlinegeschäft in andere Bereiche hinein und war dort erfolgreich, weil es Mehrwert bot: Größere Auswahl, besserer Service, schnellere Lieferung, und oft auch bessere Preise – obwohl die bei mir selten der ausschlaggebende Faktor waren. Dazu entfallen gewisse Notwendigkeiten – ich muss nicht ins Auto steigen und losfahren, einen Parkplatz suchen, ins Geschäft gehen und dort feststellen, dass das Ding, was ich gerade brauche, ausverkauft ist. Oder noch schlimmer: Erst einmal zig Geschäfte abklappern und gucken, ob überhaupt eines das Gesuchte im Sortiment hat. Da ist der Griff zum Smartphone und die Onlinebestellung deutlich einfacher.

Das schlägt sich halt nieder. Nahezu alles, was ich benötige, kaufe ich online, und das zu 95 Prozent bei Amazon. Den örtlichen Einzelhandel frequentiere ich fast nur noch für den Kauf von Lebensmitteln, oder wenn ich auf der Suche nach was Besonderem bin. Das gefällt mir nicht besonders, denn prinzipiell finde ich lokale Infrastruktur super wichtig, und „nur“ höhere Preise würden mich nicht davon abhalten in Geschäften zu kaufen. Aber der Einzelhandel wirtschaftet seit 15 Jahren an meinen Bedarfen vorbei, und das zeigt die Amazon-Historie sehr deutlich.

Highlights – Skurrile Bestellungen

2006 ein iPod hifi. Das war eine echt gute Lautsprecherkombination mit iPod-Dock:

2015-08-18 14_33_10-Apple iPod Hi-Fi Lautsprecher-System_ Amazon.de_ Elektronik

2010: Klodeckel

-BAMBUS WC-Sitz Toilettensitz Klodeckel Klobrille Natur_ Amazon.de_ Baumarkt

2011: Waschmaschine
2015-08-18 19_46_13-Whirlpool AWO 5446 Waschmaschine Frontlader _ AAB _ 1400 UpM _ 5 kg_ Amazon.de_

2013: Alkotester für Urlaub in Frankreich

Einweg Alkoholtest Alkomat Alkoholtester Alkotest Test_ Amazon.de_ Elektronik

2014: Taktischer Kugelschreiber mit Glasbrecher

TECH Tactical Pen mit Glasbrecher, Kubotan + Kugelschreiber special Edition gu

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Wer gerne selbst mal seine Amazon-Historie exportieren will: Anleitung und Skript gibt es hier: http://jhein.net/2013/08/04/liste-mit-amazon-bestellungen-exportieren/
Wichtig: Das aktualisierte Skript nehmen, das ganz unten im Artikel verlinkt ist, NICHT das, was gleich am Anfang in der Anleitung erwähnt wird. Das funktioniert nämlich nicht mehr.

 
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Verfasst von - 19. August 2015 in Betrachtung

 

Priscillas Song

Am Pfad meiner Narben ruht Deine Hand
den Sternen zuwider in Ewigkeit verbunden


Öffne die Wunden und heil sie wieder
bis sich unser Schicksals wirres Muster bildet
Am Morgen fliehst Du aus meinen Träumen

Ich spiele gerne Computerspiele. Und zwar solche, die nicht nur auf Gameplay ausgelegt sind, sondern die von einer Geschichte angetrieben werden. Stimmt die Narration, können solche Spiele zu etwas werden, was ähnlich fesselt wie ein gutes Buch oder ein guter Film. Gegenüber diesen Medien haben Videospiele aber einen entscheidenden Vorteil, denn sie können sich anderer Medien – Musik, Film, Text, etc. – bedienen, um daraus ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, wie es sonst nicht entstehen könnte, und das die Rezipienten – den Spieler oder die Spielerin – mitten ins Geschehen hineinzieht und evtl. bis dato unbekannte Dinge vermittelt.

Ricky Gervais, bspw., halte ich für einen der besten Satiriker und Stand-Up-Comedians der heutigen Zeit. Kennengelernt habe ich ihn, weil die Spielfigur in Grand Theft Auto IV (2007) als Abendbeschäftigung eine Comedyshow aufsuchen kann. Und dort spielte dann eben… Ricky Gervais!

Ein anderes Beispiel für einen gelungenen Mix findet sich im Rollenspiel „The Witcher III“. Das Spiel ist ohnehin reich an berührenden Geschichten und aktuellen Bezügen und unbedingt spielenswert, besonders ins Auge fallen aber die kunstvoll ausgearbeiteten, kleinen Szenen, in denen die Geschichte kurz innehält und durch einen Exkurs verblüfft. Wie etwa das Lied, dass die Bardin am Abend in einer Kneipe zum Besten gibt, und das… berührt. In einem solchen Moment wird aus einem Videospiel Kunst.

Oben gibt es die multilinguale Variante aus dem Trailer zu sehen, und hier die volle Version und die Lyrics auf englisch, weil ich mit dem deutschen „Stachelbeere und Flieder“ nicht klarkomme:

The Wolvenstorm

These scars long have yearned for your tender caress
To bind our fortunes, damn what the stars own
Rend my heart open, then your love profess
A winding, weaving fate to which we both atone

You flee my dream come the morning
Your scent – berries tart, lilac sweet
To dream of raven locks entwisted, stormy
Of violet eyes, glistening as you weep

The wolf I will follow into the storm
To find your heart, its passion displaced
Amidst the cold to hold you in a heated embrace

You flee my dream come the morning
Your scent – berries tart, lilac sweet
To dream of raven locks entwisted, stormy
Of violet eyes, glistening as you weep

I know not if fate would have us live as one
Or if by love’s blind chance we’ve been bound
The wish I whispered, when it all began
Did it forge a love you might never have found?

You flee my dream come the morning
Your scent – berries tart, lilac sweet
To dream of raven locks entwisted, stormy
Of violet eyes, glistening as you weep

 
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Verfasst von - 24. Juli 2015 in Betrachtung, Ganz Kurz

 

Göttinger Blau

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Göttingen ist eine nette Stadt. Nett im Sinne von „nicht komplett doof“, was angesichts der Tatsache, dass ein Fünftel der 125.000 Einwohner Studierende sind, nicht selbstverständlich ist.

Göttinger fahren am Liebsten überall mit dem Fahrrad hin, und wer was für die Radfahrer tut, wird von ihnen gewählt. Das führt in der Lokalpolitik des öfteren zu merkwürdigen Aktionen, insbesondere wenn Wahlen in Tateinheit mit abgreifbaren Fördermitteln anstehen, die Beschaffung von Wahlstimmen also praktisch zum Nulltarif passieren kann.

Exakt diese Situation hatten wir im vorvergangenen Jahr in Südniedersachsen. Es standen Wahlen an, und zeitgleich förderte der Bund die Elektromobilität. Nun hat Göttingen mit Elektroautos nicht viel am Hut, aber eben mit Radfahrern. Aus dieser unheiligen Konstellation erwuchs der „eCycle Superhighway Göttingen“, auf Deutsch „eRadschnellweg“. Die Idee: Vom Bahnhof bis zum vier Kilometer entfernten Nordcampus der Universität wird eine vier Meter breite Radspur eingerichtet, auf der dann glückliche Studis auf Elektrorädern hin- und hersausen können. Die Elektroräder sind allerdings nicht im Preis inbegriffen. Man könne aber auch mit normalen Rädern auf dem eRadweg fahren, und damit viel schneller und sicherer als bisher durch die Stadt flitzen, teilte die Stadt Göttingen mit und fuhr mit dem Antrag eine Million Euro an Fördergeldern ein.

eCycle Superhighway.

eCycle Superhighway.

Allerdings liegt zwischen Bahnhof und Norduni ein Teil der Innenstadt und ein Wohnviertel, und Häuser abreißen wollte man für die Fahrradschnellstraße dann doch nicht. Das Resultat: Der eHighway führt nun zum Teil über alte Radwege, aber auch über Busspuren, Abbiegestreifen, Spielstraßen, im 45 Gradwinkel über eine vielbefahrene Kreuzung und schließlich auf einer stattlichen Länge von zwei Kilometern über die Gegenfahrbahn des motorisierten Straßenverkehrs.

Für einen „eCycle Superhighway“ gibt es in der StVO keine Regelungen zur Kennzeichnung, und so nahm sich Göttingen einige künstlerische Freiheiten heraus. Man erfand ein neues Schild (s.o.), und ging ansonsten recht offensiv mit blauer Farbe ans Werk. Mal wurden Bordsteine blau angemalt, mal blaue Linien an Wegräder gezogen, mal ganze Flächen und Wege blau getüncht. Für eine Million Euro bekommt man VIEL blaue Farbe.

Für eine Million Euro lässt sich VIEL blaue Farbe kaufen.

Für eine Million Euro lässt sich VIEL blaue Farbe kaufen.

Etwas befremdet reagierten Anwohner einer Wohnstraße, als sie eines Morgens Bautrupps vorfanden, die ihre Straße blau anmalten. Das sei jetzt eine Fahrradstraße, erklärte man ihnen, und im übrigen sei ab jetzt hier Durchfahrt für Autos verboten. Das sorgte für einigen Unmut unter Anwohnern der Schlumpfstraße und den ansässigen Supermärkten, die sich prompt danach erkundigten, wer die Kosten für die Warenanlieferung per Fahrradkurier übernehmen würde. Daraufhin wurden Anlieferverkehr, Autos und Motorräder wieder erlaubt, was die Fahrradstraße faktisch wieder zu einer normalen Straße macht – nur blauer.

Fahrradstraße!! Aber, äh, auch für Motorräder und Autos.

Fahrradstraße!! Aber, äh, auch für Motorräder und Autos.

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Verfasst von - 6. Mai 2015 in Betrachtung, Satire

 

Maximal Unselbstständig

Ich bin ja jetzt in einem Alter, in dem ich gerne mal über die „Jugend von Heute“ herziehen darf. Ich will das eigentlich gar nicht, aber manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich zumindest in Gedanken über die Next Generation lästere. Dann schäme ich mich ein wenig, aber nur ganz kurz. Denn, seien wir mal ehrlich, sie geben einem wirklich allen Grund zum Schmunzeln.

Unsere kleinen Prinzessinnen und Prinzen gehen durch die Welt und bersten vor Selbstbewusstsein, sind aber vom Elternhaus offensichtlich in überhaupt keiner Weise auf das Leben ohne Mama & Papa vorbereitet worden.

Die Highlights der letzten Wochen und Monate aus meinem persönlichen Umfeld:

  • Die neuen Hausbewohner. Studi-Pärchen Anfang 20. Verabschieden sich mit den Worten „Wir fliegen 10 Tage nach Ägypten“. Am nächsten Tag waren ER wieder da. War nicht mal in den Flieger gekommen. Er hatte nämlich allen Ernstes versucht, diese Reise mit einem abgelaufenen Personalausweis anzutreten.
  • Das junge Pärchen, die Trampeltiere, die im vergangenen Jahr hier gewohnt haben. Sind wieder ausgezogen, weil die Wohnung zu teuer war. Hat ihnen nämlich vorher niemand gesagt, dass in der Kaltmiete die Kosten für Strom und Telefon nicht mit drin sind.
  • Die Studi-WG, die nach langem Überlegen versucht hat, brennendes Fett mit Wasser zu löschen und dabei fast ein Wohnheim niedergebrannt hat.
  • Die Gewöhnlichen, die allen Müll in die Papiertonne geworfen haben. Auch ein ganz junges Paar, beide gerade 18. Die kannten Mülltrennung schlicht nicht. Die hatten keine Ahnung, wozu gelbe Säcke und diese anderen Tonnen dienen. Den Müll hatte immer Mama weggeräumt, wie Fräulein Gewöhnlich zu Protokoll gab.
  • Die Studierende, die hyperventilierend auf der Facebook-Seite ihrer Hochschule nachfragte, wann und wo sie sich denn hier für das Seminar von Prof. Meier anmelden könnte. Als sich jemand ihrer erbarmte, stellte sich raus, dass sie nicht wusste, dass es ein Internet außerhalb Facebooks gibt.

Meine. Güte. Das ist schon irgendwie niedlich, die benehmen sich wie tappsige, aber strohdoofe Welpen, die gerade aus dem Nest gekullert sind.

Nicht, dass meine Generation viel besser gewesen wäre. Uns musste man auch den Müll hinterheräumen. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wir waren nur faul, wussten aber wenigstens, wie Dinge zu handhaben sind. Die neue Generation hat grundlegende Dinge des Lebens nie beigebracht bekommen. Erzogen zu maximaler Unselbsständigkeit. Das sagt so einiges über die Eltern aus. Ich weiß nur noch nicht was.

 
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Verfasst von - 19. April 2015 in Betrachtung

 

Das Wohl eines einzelnen

„Das Wohl von vielen wiegt schwerer als das Wohl von wenigen oder eines einzelnen.“

Als Spock diesen Satz in „Der Zorn des Khan“ äußerte, begründete er damit auf logische Weise seinen Tod – er opferte sich, damit alle anderen Leben könnte. Das war eine heroische Tat, und ich hätte nie im Leben gedacht, dass dieser Satz auch als Drohung ausgesprochen werden könnte. Aber nun ist es soweit.

Wie Heise berichtet ist die EU gerade dabei, die seit drei Jahren geplante Datenschutzverordnung wegzuwerfen. Bislang gilt das Gebot der Datensparsamkeit, d.h. Unternehmen und Behörden dürfen nur die wichtigsten Daten erheben und nur dann, wenn sie sie wirklich brauchen, und die Nutzer müssen dem ausdrücklich zustimmen.

Das soll im „Neuland“ (Merkel über das Internet) zukünftig keine Rolle mehr spielen. Der neue Entwurf sieht vor, „dass Firmen, öffentliche Verwaltungen und sogar „Drittparteien persönliche Informationen schon dann für weitere Zwecke verarbeiten können, wenn deren legitime Interessen „schwerer wiegen“ als die des Betroffenen“.

Der Vorschlag kam aus Richtung der mittlerweile abgewählten Regierung Berlusconi, der darüber klagte, dass Direktmarketingfirmen ja ihren Interessen gar nicht nachkommen könnten, wenn sie nicht wild Daten sammeln und tauschen könnten. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, das bedeutet nämlich:

„Das Wohl von Unternehmen, Behörden und Geheimdiensten wiegt schwerer als Schutzbedürfnis eines Einzelnen“

Eine heftigeren Stinkefinger in Richtung Datenschutz kann man sich kaum vorstellen. Und das soll nun eine EU-Verordnung werden, quasi ein „Anti-Datenschutzgesetz“. Unfassbar, was Lobbyorganisatonen aus Europa machen.

 
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Verfasst von - 5. März 2015 in Betrachtung

 

IBES 2015

Die 2015er Staffel von IBES: Ähnlich spannend wie die 2015er Staffel von IBES: Die Grünpflanze in meinem Büro.

Ähnlich spannend wie die 2015er Staffel von IBES: Die Grünpflanze in meinem Büro.

Ich verachte ja Unterschichtenfernsehen, bei dem es meist nur darum geht die Sendezeit durch das Vorführen unzurechnungsfähiger und unmündiger Menschen unterer sozialer Schichten zu füllen. Sowas bedient die niedersten Instinkte des Publikums, dem dadurch auch gesellschaftspolitisch eine Ruhigstellung nach dem Motto „Guck, auf die Deppen im Fernsehen kannst Du runtersehen“ verpasst wird.

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ (Abgekürzt: Dschungelcamp oder #IBES) ist da anders. Hier sind die Opfer geltungssüchtige Selbstdarsteller, die sich sehenden Auges und weil es IHR BERUF ist vorführen lassen. IBES ist dabei kein schnell hingeschludertes Proletariats-TV, sondern eine sorgfältig geplante, sehr wertig umgesetzte und intelligent erzählte Produktion, die als Show gleich mehrfach funktioniert:
– Exhibitionismus, auf mehreren Ebenen: „Prominente“ begeben sich freiwillig und sehenden Auges in ein Sozialexperiment, bei dem bestenfalls Gefühle und Brüste, Nerven und Hoden blank liegen.
– Schadenfreude: Ebenfalls auf unterschiedlichen Ebenen, vom simplen „Die Tussi fällt ins Wasser“ bis hin zu „Der redet sich gerade um Kopf und Kragen und demontiert sich selbst.
– Genugtuung: Gerade wenn man die „Prominenten“ nicht leiden kann, ist es geradezu kathartisch sie leiden zu sehen . entweder körperlich oder bei Clash mit anderen Teilnehmern.

So richtig funktioniert alles aber nur, wenn sich die Persönlichkeiten aneinander reiben oder, besser noch, kollidieren.
Das die 2015er-Auflage in dieser Hinsicht die vorangegangene Staffel toppen könnte hatte im Vorfeld niemand ernsthaft erwartet. Zu großartig war der Jahrgang 2014, der mit einer Vollverrückten (Larissa Marolt), einem Überpapa (Jochen Bendel), einem Größenwahnsinnigen (derdiedas Wendler) und einem grantelnden Choleriker (Winfried Glatzeder) aufwarten konnte. Star und am Ende verdiente Dschungelköninigin war die Leipzigerin Melanie Müller, die den Pragmatismus und die Cleverness einer Elektrotechnikerin, den Körper eines Pornostars und den Tonfall einer Feldwebelin mitbrachte. Sie beeindruckte mit entwaffnender Ehrlichkeit und Bodenständigkeit und war am Ende die authentischste Person im Camp. Absurd, bedenkt man, dass an der öffentlichen Figur Melanie Müller nichts echt ist, nicht mal die Brüste.

Tatsächlich ist es diese Authentizität und Ehrlichkeit, die der aktuell laufenden Staffel das Genick bricht. Die Sendung ist immer dann am Besten, wenn die Realitätsblasen, die die „Stars“ um sich herum geschaffen haben, mit der Wirklichkeit kollidieren. IBES lebt davon, dass sich die „Stars“ selbst demontieren und bestenfalls sogar ihrer Selbstillusion beraubt werden. In diesem Jahr passiert das nicht. Diesmal sind alle Teilnehmenden ausnahmslos von Beginn an authentisch und größtenteils illusionslos im Camp unterwegs. Walter Freiwald bettelte schon zu Beginn der Staffel öffentlich um einen Job und weiß, dass er ein abgewrackter 60jähriger ohne Karrierechancen ist. Angelina begriff recht früh, dass das Sozialexeperiment nichts für sie ist und flüchtet sich heulend in die Arme von Mutti. Sie nahm aus dem Dschungel die Erkenntnis mit, ein verwöhntes und egoistisches Mädchen zu sein. Ein vermutlich folgenloser Selbstfindungstrip ohne jeglichen Unterhaltungswert.

Das das Camp keine starken Charaktere hat ließe sich vielleicht noch verkraften, wenn die Personen wenigstens im Wettstreit um den Titel des Dschungelkönigs oder der Dschungelkönigin stünden. Melanie Müller war, bei aller Bodenständigkeit, ehrgeizig und vom festen Vorsatz beseelt die Show zu gewinnen. Die jetzige Besatzung legt keinen Funken Ehrgeiz an den Tag. Das Gewinnen interessiert die Beteiligten, mit Ausnahme von Walter, schlicht nicht. Aurelio hat keinen Bock dafür was zu tun, weil der erste Platz mit nichts anderem dotiert ist als Ruhm und Ehre.

Bei den anderen ist es ähnlich – die sitzen einfach bloß ihre Zeit ab, um am Ende die ausgehandelte Gage und die Screentime mitzunehmen. Um nichts anderes geht es den Insassen – irgendwie die Zeit rumkriegen, sich dabei möglichst wenig gegenseitig auf den Sack gehen und dann heim zu Mutti, Frauchen oder Männe. Kein Essen, weil zu doof die Prüfung anzutreten? Ach, was soll´s. Walter pöbelt rum? Egal, fünf Minuten später entschuldigt er sich. Selbst die im Vorfeld als Favoritin gehandelte Sarah Kulka hielt sich so sehr zurück, dass sie nur als „die andere Blonde, der man am liebsten den Mund mit Seife auswaschen wollte“ in Erinnerung bleiben wird.

Die Campteilnehmer sabotieren damit die Show. Nun kann man es auf einer Metaebene gut finden, wenn die bestellten Tanzaffen halt nicht nach der Pfeife der Regie ihre Nummer bringen, sondern das Konzept der Sendung ins Wanken bringen. Sie tun es aber leider nicht durch aktive Rebellion, durch das Rütteln an Gitterstäben, sondern schlicht, in dem sie sich gottergeben dem System fügen. Sie machen halt das Nötigste, wenn etwas von ihnen verlangt wird, aber bloß keinen Handschlag mehr. Sie wursteln sich so durch, wollen aber eigentlich nur ihre Ruhe und ihr Auskommen.

Exakt so lebt die Mehrzahl der Menschen ihr alltägliches Leben, und bei dieser Art langweiliger Durchwurstelei ohne Unterhaltungswert würde auch keiner freiwillig zugucken, geschweige denn eine Fernsehsendung daraus machen. Auf ihre Art sind die „Stars“ 2015 so unaufregend wie der Nachbar aus dem Reihenhaus, dem man beim Ansparen seines Bausparvertrags zusieht. Dabei sind sie aber unterschwellig noch unsympathischer als z.B. der Wendler, Georgina Fleur oder Helmut Berger. Die leben halt in ihrer eigenen Welt lebt, in der sie die Größten sind und es verdienen, mit Ruhm und Glanz im Rampenlicht zu stehen. In Aurelios Welt geht es nur darum, miesepetrig guckend Zeit abzusitzen, um von der Gage eine Kampfhundfarm eröffnen zu können. Würg.

Mit Walter verliess nun der einzige das Camp, der in der ganzen Staffel zumindest interessante Ansätze in Punkto grassierendem Wahn und Ambition gezeigt hat. Die verbliebenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind nun so egal, dass es schlicht keine Rolle mehr spielt in welcher Reihenfolge sie rausfliegen bis Maren Gilzer Dschungelkönigin wird (In schlechten Staffeln hat das Publikum ein Herz für alte Damen, ich nenne das den „Van Bergen-Bonus“).

Von daher sollte man die 2015er Staffel als egal abhaken und sich auf 2016 freuen, auf das hoffentlich wieder ehrgeizige Selbstdarsteller mit großen Egos und noch größeren Illusionen gecastet werden. Bis dahin kann man sich Staffel 8 noch einmal ansehen und die Erkenntnis mitnehmen, dass geerdete Typen in Massen dem Dschungelcamp einfach nicht bekommen.

Für Frau Zimtapfel

 
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Verfasst von - 29. Januar 2015 in Betrachtung, Medienschau

 

Rückschritt

Gerade mal wieder einen Haufen Prospekte entsorgt. Früher lagen die in der Tageszeitung oder dem örtlichen Werbeblättchen, aber seit ein paar Jahren bietet auch die Post den Service der Werbezustellung an. Unter dem Titel „Einkauf aktuell“ stopft einem der Briefträger Werbeprospekte in den Briefkasten, alle eingeschweißt in Folie, wie seinerzeit die YPS-Hefte.

Dieses Plastikgelumpe ärgert mich. Dabei waren wir mal viel weiter! Ich kann mich dran erinnern, dass ich Mitte der 90er auf Konfirmandenfreizeit in Südtirol war. In den dortigen Läden war ich ziemlich erstaunt. Um viele Waren war eine Folienumverpackung, und was mich besonders faszinierte: Dort gab es Plastikeinwegflaschen. Die waren allgegenwärtig. Das kannte ich von zu Hause nicht. Ich war mit dem klassischen Pfandystem mit Getränkekisten mit Glas-Mehrwegflaschen großgeworden. Wollteste Limo, Mineralwasser oder Bier trinken, mussteste Kästen schleppen, so einfach war das. Für die schnelle Cola zwischendurch gab es mal eine Dose, aber das war selten. Und in Norditalien? Alles voller Plastikflaschen, überall. Und Plastiktüten, denn die gab es auch überall umsonst. In Deutschland kosteten die 30 Pfennig, deshalb nahm man zum Einkaufen immer einen eigenen Beutel mit.

Ich erklärte mir das damals damit, dass Deutschland halt viel weiter sei. Italien würde irgendwann auch auf eine Zivilisationsstufe mit uns kommen, und dann würde man dort auch Kästen schleppen. Dachte ich. Und heute, 20 Jahre später? Heute sind unsere Werbeprospekte folienverpackt, Briefumschläge und Versandverpackungen immer öfter aus Kunststoff, in Drogerien, Baumärkten und vielen anderen Geschäften sind die Plastiktüten umsonst und sogar einzelne Kaffeeportionen sind in Alukapseln abgepackt. Lebensmittel wie Gurken, die es gar nicht nötig hätten, sind in Folie eingewschweißt. Am allerschlimmsten aber: Die Plastikflasche hat Deutschland zurückerobert, und wie DAS passiert ist, ist echt ein Witz.

Deutschland war immer führend im Mehrwegbereich. Wir kannten Glasflaschen (supi) und Getränkedosen (böse). Dann schlichen sich Mehrwegplastikflaschen ein, die sind angeblich auch umweltfreundlich, dabei aber leichter zu tragen und „unkaputtbar“. Um den Verkauf von Dosen zu reduzieren führte die Politik ein Einwegpfand ein, mit der entsprechenden Auflage für den Handel, Rücknahmesysteme einzurichten. In der Folge verschwanden kurzfristig nahezu alle Getränkedosen aus den Geschäften.

Ziel erreicht, könnte man meinen. Leider galt das Einwegpfand auch für Plastikflaschen, und DAS bekommen wir Deutschen bis heute nicht geparst. Plötzlich ging der Absatz von Einwegflaschen durch die Decke, WEIL da ein Pfand drauf war. Wir sind nämlich groß geworden mit dem Wissen, dass Pfand umweltfreundlich und holen-austtrinken-wieder wegbringen nachhaltig ist, und deshalb haben wir ein gutes Gewissen, wenn wir den Plastikkram kaufen.

Es ist schon paradox: Das Einwegpfand wurde beschlossen, als die Mehrwegquote bei 72 Prozent lag. Eingeführt wurde es, als die Quote auf 60 Prozent gerutscht war. Das Resultat war, das schon 2008, also innerhalb von 5 Jahren, die Mehrwegquote bei alkoholfreien Getränken auf 30%, also gerade die Hälfte, gefallen war.

Ein grandioser Flop, dieses Einwegpfand. Zumindest wenn es um das eigentliche Ziel geht, nämlich den Mehrweganteil zu erhöhen. Stattdessen hat es zu so riesigen Rückschritten geführt, dass wir nun Norditalien vor 20 Jahren sind. Wir kaufen Plastikflaschen und haben unsere Gurken gerne eingeschweißt. Was für ein Scheiß.

 
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Verfasst von - 19. Januar 2015 in Betrachtung

 
 
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