Corona-Tagebuch

Corona (19): Alltagsmüdigkeit vs. Reiselust

Weltweit: 24.446.482 Infektionen, 831.827 Todesfälle
Deutschland: 240.573 Infektionen, 9.293 Todesfälle

Tag 169 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit dem letzten Blogeintrag zur Pandemie sind zwei Monate vergangen. Seitdem ist die Zahl der Infizierten von unter 10 Millionen auf 25 Millionen gesprungen, die der Toten hat sich verdoppelt. Nach wie vor sind die USA am Schlimmsten betroffen, politisch gibt es da auch immer noch keine Strategie. Es ist Wahlkampf, und Trump wurde gerade beim Parteitag der Republikaner als derjenige gefeiert, der durch sein schnelles und entschlossenes Eingreifen das Schlimmste verhindert hat. Wirklich, die Republikaner erklären Corona für besiegt und tun so, als ob es die bislang 180.000 Toten in den USA nicht gäbe. Stattdessen wurden die Testprozedere gerändert, und neuerdings erfolgt Reporting direkt an die Trump-Regierung und nur das Weiße Haus, nicht mehr das Gesundheitsamt, veröffentlicht Statistiken. Man kann sich vorstellen, was passiert: Die Zahl der Infektionen sinkt urplötzlich. Ein Wunder.

COVIDioten

In Deutschland sieht es besser aus, hier frisiert die Politik keine Zahlen, und in den letzten zwei Monaten gab es gerade mal 300 Todesfälle. Das Infektionsgeschehen ändert sich aber gerade, zum Schlechteren. Das liegt nicht in erster Linie an den „COVIDioten“, die für sich ein Phänomen sind: Da marschieren stramm Linke, Hippies, Esoteriker und Bildungsbürger Seite an Seite mit Reichsbürgern und Neonazis gemeinsam auf „Hygiene-Demos“ herum, aus Protest gegen die Anordnungen zum Tragen von Masken. Das deuten Sie als Einschränkung der Meinungsfreiheit oder ihrer freien Entfaltung oder wasweißich.

Sie alle eint das diffuse Gefühl, dass „die da oben“ in der Pandemie machen was sie wollen, und wittern überall Verschwörungen. Das ist eine normale, menschliche Reaktion: Die Bedrohung ist so groß und so wenig fassbar, dass der menschliche Geist es nicht begreift und annimmt, dass da mehr dahinterstecken muss als ein unsichtbarer Virus. In der Außenansicht ist es natürlich absurd dumm, ändert aber nichts daran, dass Verschwörungstheorien gerade starken Zulauf haben, und sich die Rechtsradikalen auf dieses Thema setzen. Die Politik ist in einer Zwickmühle: Damit nicht wieder 20.000 maskenverweigernde Covidioten unter der Führung von „Querdenkern“ aus Stuttgart durch Berlin marschieren, muss tatsächlich ein Grundrecht eingeschränkt werden: Das der Demonstrationsfreiheit. JETZT, wo keine Rechten Verschwörungsgläubigen mehr unter den Linden marschieren dürfen, jault sogar die BILD und fährt eine Kampagne dagegen, aber als die Demo zum Gedenken der Opfer des rechten Attentats von Hanau trotz Hygienekonzept abgesagt wurde: Schweigen im Wald.

Reiserückkehrer

Nein, die wahre Gefahr geht von den Reiserückkehrern aus. Viele, viele Menschen sind den Sommer über zu Hause geblieben, waren vorsichtig und haben lieber eine Veranda gebaut als weg zu fahren, aber eine ordentliche Zahl ist doch in den Sommerferien ins Ausland geflogen oder war in der Bahn unterwegs. Genau das sind für mich die kritischen Punkte. Die Züge sind schon wieder überfüllt und die Bahn nicht Willens Abstandsregeln einzuhalten und die Maskenpflicht durchzusetzen. Das hat dazu geführt, dass meine Firma die Bahncards der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt hat. Nicht viel besser ist es in Flugzeugen. Auch hier sitzen die Leute dicht an dicht, und Aerosole werden über die Umluft der Kabine flächendeckend verteilt. Wenn man dann noch so Spezialisten da rumhocken hat, die „Ich habe ein Attest“ spielen oder den ganzen Flug über an einem Stück Brotrinde rumkauen weil „Zum Essen muss ich keine Maske tragen“, dann kann man sich denken, was passiert.

Und tatsächlich sind die Zahlen an Neuinfektionen stark gestiegen, seitdem die Leute aus den Ferien zurückkommen. Hatten wir im Juli tageweise nur 200 Neuinfektionen, sind es nun 1.500 bis 2.000. Das entspricht dem Stand vom April.

Reiselust

Aber ach, man kann es ja niemandem verdenken, dass es einen in die Ferne zieht. Geht mir ja nicht anders. Nachdem die lange Sommertour mit dem Motorrad ausgefallen ist, hatte ich mit der Idee geliebäugelt, im September nach Rumänien zu fahren und endlich den Transfagarsan-Pass zu sehen. Wochenlang habe ich zu Rumänien recherchiert und eine geile Tour geplant. Kaum war die Planung fertig und die ersten Unterkünfte gebucht, gab es einen heftigen Ausbruch der Seuche und Rumänien wurde zum Krisengebiet. Also wieder verworfen. Und nun plagt mich Reisesehnsucht, verbunden mit einer tiefen Alltagsmüdigkeit. Ich habe zu nichts Lust, nicht mal zum bloggen. Ist schon oft gesagt worden: Dieses Jahr fühlt sich an wie der längste März aller Zeiten. Das jetzt schon Herbst sein soll kann ich kaum glauben.

Lasst mich hier liegen, ohne mich schafft ihr es vielleicht.

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Corona (18): Hotspots

Weltweit: 9.150.271 Infektionen, 472.856 Todesfälle
Deutschland: 192.480 Infektionen, 8.914 Todesfälle

Tag 103 der Corona-Maßnahmen.

Back to Normal, aber bitte mit Abstand und Maske. Das bringt anscheinend wirklich etwas, die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist in Deutschland gering. Oder sie war es zumindest, die Zahlen sind gerade schlagartig gestiegen. Grund: Schlechte Hygienemaßnahmen in einem Schlachtbetrieb in Gütersloh und Masseninfektionen in den beiden großen Wohnblocks in Göttingen. Der Landkreis Gütersloh, der ja Anfang des Jahres meinen Führerschein einkassierte, ist nun wieder im Lockdown, Gütersloher dürfen in Bayern keine Hotels besuchen.

Im Fall der Groner Landstr. 9a geht die Stadt mit unverständlicher Härte vor: Man hat einfach einen Zaun rings ums Gebäude gestellt und lässt den bewachen, Niemand darf rein oder raus. Das ist schon krass, denn das Haus ist ein Bunker mit winzigen Wohnungen, in denen Teils große Familien leben. Klar, das sowas eskaliert, und prompt wurde die Polizei angegriffen.

Funfact: Ich habe selbst mal in dem Haus gewohnt. Das ist aber nichts besonderes, gefühlt hat JEDER schon mal dort gewohnt. Zumindest jeder Student, der in den Neunzigern nach Göttingen kam. Damals wie heute gab es keinen bezahlbaren Wohnraum in der Universitätsstadt, und so blieb nur die Groner Land. Das ist ein Komplex mit mehreren Gebäudeteilen, und damals wohnten im linken Flügel die Punks, rechts die Nazis und im Wohnturm in der Mitte die Studis. Ich hatte das Glück in einem relativ abgeschlossenen Teil nach hinten raus zu wohnen, mit Blick auf den Rangierbahnhof. In den 12 Monaten, die ich da gewohnt habe, habe ich in den Fluren nie eine Menschenseele gesehen. Nur der Geruch nach gekochtem Kohl verriet die Anwesenheit menschlichen Lebens.

Die Welt

Die Staaten mit einem autoritärem Rechtsregime, wie die USA, UK und Brasilien, haben lange die Realität geleugnet und tun das auch weiterhin. Nach langem Zögern folgten einige Wischi-Waschi-Pseudo-Maßnähmchen, dann zurück zum Alltag. Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland eine flache Kurve, für die Welte eine Gerade im 45 Grad Winkel. Wirtschaft ist wichtiger als Menschenleben, die Quittung sind Hunderttausende Tote. Brasilien ist das freilich völlig egal, die Nutzen die Pandemie um ungescholten den Regenwald abzuholzen.

Die Aussicht

Ich denke nach wie vor, dass uns die Maßnahmen noch lange begleiten werden. Das es bisher in Deutschland glimpflich gelaufen ist sorgt zudem nun dafür, dass die Leute sorglos werden und keine Masken mehr tragen oder sie nicht richtig einsetzen. Außerdem freuen sich viele auf den Urlaub – der Aufenthalt in Flugzeugen und Bahnen wird aber nicht dazu beitragen, Neuinfektionen zu verhindern. Bad Ischgl ist überall.

Ich Ich Ich

Morgen die erste Dienstreise seit dem 07. März. Ein merkwürdiges Gefühl. Privat habe ich mich schon eher rausgetraut, wollte eine Moppedtour durch Ostdeutschland machen. Da kam dann aber Starkregen dazwischen. War ja klar.

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Corono (18): Es ist vorbei. (nicht).

Weltweit: 3.866.642 Infektionen, 270.118 Todesfälle
Deutschland: 169.430 Infektionen, 7.392 Todesfälle

Nachdem sich in der vergangenen Woche die Länderchefs in Sachen Lockerungen ohne große Abstimmung überboten haben, trat nun auch der Bundeskanzler Frau Merkel vor die Presse, lobte das Verhalten der Menschen bis hier her und erklärte die erste Welle der Pandemie für überstanden. Man habe erfolgreich die Überlastung der Gesundheitssysteme verhindert. Und nun? Weiter wie gehabt, alles öffnet Stückweise wieder. Mir fehlt schon lange ein Ziel, oder ein Plan. Der „Hammer & Dance“-Entwurf würde vorsehen, dass nach Rückgang der Neuinfektionen rigoros und in Massen getestet und Infektionsketten nachverfolgt werden. Das macht die Regierung aber nicht. Es scheint keinen Masterplan zu geben. Stattdessen wurschtelt jedes Bundesland irgendwie rum, und alle hoffen das es gut geht.

Bei der Bevölkerung wird das leider vielfach interpretiert als: „Es ist vorbei, wir haben es geschafft“. Dabei ist das grob falsch, und deshalb bleiben auch essentielle Maßnahmen wie das Abstandsgebot oder die Pflicht zum Tragen von Masken über Mund und Nase bestehen. Das erzeugt nun eine komische Situation: Einerseits hängt in den Köpfen von vielen Leuten der Gedanke „es ist vorbei“, andererseits bestehen solche Pflichten. Das… kann doch nur Gängelei sein!!

Tatsächlich wird die Aluhutträgerfraktion gerade stark. Menschen, die nicht glauben, das so etwas Kleines wie ein Virus solche starken Veränderungen auslösen kann. Da muss doch mehr dahinterstecken! Deshalb blühen allerorten absurde Theorien wie die, dass Bill Gates den Virus erfunden hat, damit er uns ein Gegenmittel als Zwangsimpfung verabreichen kann in dem dann 5G-Chips enthalten sind.

„Promis“ wie der Rassist Xavier Naidoo, der rechte Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen oder obskure Gestalten wie Attila Hildmann raunen von großen Verschwörungen, und die Aluhutträger folgen ihnen und bilden sogar eine neue Partei: „Widerstand 2020“. Da Verschwörungs- und Esoterikglauben und rechte Ideologie gerne mal Hand in Hand gehen, winkt aus der Ferne schon mal die zweite Reihe der AfD in Richtung Neupartei und organisiert gemeinsam Demos. Muss man sich mal reintun: „Coronaskeptiker“ gehen auf „Hygienedemos“, um gegen Sicherheitsregeln zu protestieren. Dabei stellen sich dann Leute hin die sich vor dem Besuch eines Supermarktes angemalte Tampons in die Nase stecken und so tun, als hätten sie gerade eine Nasen-OP hinter sich, damit sie keine Maske tragen müssen. Meine Fresse. Bildungsniveau Wie im finstren Mittelalter. Dabei hatten wir hier nicht mal harte Maßnahmen wie in Frankreich, Italien oder Spanien, wo man nur mit Passierschein aus dem Haus durfte.

Die Springer-Presse macht da begeistert mit und lässt „Experten“ im Blatt zu Wort kommen, die erzählen dürfen, dass der Lockdown ja ein Fehler gewesen sei. Man hätte es doch wie in Schweden machen sollen. Nur: Schweden war in Sachen Maßnahmen von Deutschland nicht weit weg, hat nur die Schulen und die Gastronomie offengelassen. Das Ergebnis: 290 Tote auf eine Million Einwohner. In Deutschland sind es 89. Wo genau war der Lockdown also ein Fehler?

Rest der Welt

Trump zerlegt die USA, Teil 9.789: „Das Land muss endlich wieder öffnen“, tönt es aus dem orangenen Hohlkopf, dabei ist der Anstieg eder Fall und Todeszahlen unverändert hoch. In den USA gab es gar keine harten Maßnahmen, aber die unsichtbare Hand des Marktes hat schon mal geregelt: 30 Millionen Arbeitslose gibt es jetzt. Und wie in einem Land der dritten Welt kein Sozialnetz und praktisch keine Krankenversicherung. „Ich sehe unsere Bürger auch als Krieger“, sagt Trump. Will heißen: Es wird Tote geben. Noch mehr davon. 76.000 gibt es schon. Oder, wie Naomi Wu es gegenüber ihren Hatern ausdrückt, die sie immer als Kommunistin anfeindend: „Ich beneide die USA um ihre Freiheit. Ihr habt die Wahl entweder in Euren Wohnungen zu hocken bis ihr verhungert und für die Oligarchen, die Euch regieren, arbeiten zu gehen bis ihr Blut hustet“. Krass zugespitzt, aber wahr.

Weil Trump ja nie für irgendwas Verantwortung übernimmt, versucht er die seinem Amtsvorgänger in die Schuhe zu schieben. „Die Schränke mit der medizinischen Ausrüstung waren leer“, jammert Trump. Das ist natürlich gelogen. Neue medzinische Ausrüstung sollen jetzt vor allem Staaten bekommen, die Trump huldigen. Für seine tolle Arbeit. Weil 3.000 Tote pro Tag eine Erfolgsstory sind.

Neben den Unvereinigten Staaten von Amerika gibt es ja auch noch das Unvereinigte Königreich. Das zerlegt sich gerade durch Johnsons Fehlpolitik. Zu spät hat das Land reagiert, und dann noch Falsch. Senioren wurden erst in Krankenhäuser evakuiert, dann zurück in Altenheime geschickt. Mangels Ausrüstung hatten sie sich aber in der Zwischenzeit infiziert, und so geht der Tod in Brittanien um: über 30.000 Tote bislang, mehr als in Italien, und kein Ende in Sicht.

Hersteller von Omma-Muff suchen neue Absatzmärkte.

Ich Ich Ich

Ich gehe weiterhin meinem gewohnten Leben nach. Morgens zur Arbeit, extrem viel zu tun, Abends nach Hause und kaputt. Mir fehlt Moppedfahren und Reisen und Theaterbesuche, aber das sind Luxusprobleme und alles nicht schlimm. Außerdem habe ich nie Langeweile. Geändert hat sich, dass ich wirklich nur maximal ein Mal pro Woche einkaufen fahre, spät abends, in einen dann praktisch leeren Supermarkt auf dem Land. Das werde ich auch noch eine Weile so weitermachen, denn es würde mich sehr überraschen, wenn die Fallzahlen nicht wieder steigen würden.

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Corona (17): Esst mehr Trump!

Weltweit: 2.973.264 Infektionen (+ 315.202) 206.569 (+21.926 in den letzten vier Tagen) Todesfälle
Deutschland: 157.781 Infektionen (+6.759), 5.976 (+622 in den letzten vier Tagen) Todesfälle

Kein Zweifel, es ist „Back to Normal“. In Deutschland gibt es immer noch 2.000 Neuinfektionen und 200 Tote am Tag, aber die Länder: Volle Straßen und Geschäfte, Schlangen vor den Bäckereien. Immerhin gibt es bei unter 800qm eine Höchstzahl an Personen, die in einem Geschäft sein dürfen. Die wird in manche Geschäfte über abgezählte Einkaufskörbe oder -wagen geregelt, andere haben vor ihrem Lädchen Gummienten abgelegt, und nur wer eine Ente hat, darf in den Laden

Immerhin: Die Leute tragen alle Schutzmasken. „Aber die helfen doch gar nicht“ jammern jetzt einige. Das wurde uns tatsächlich auch wochenlang erzählt, zur großen Verwunderung der Asiaten. Denn was die wissen, wurde bei uns verkürzt dargestellt oder unterschlagen: Die Masken helfen nicht dabei sich selbst zu schützen. Sie schützen aber andere. Und wenn jeder eine trägt, sind alle geschützt.

Oder, für WhatsApp-Nutzer:

Quelle: Internet.

Da mittlerweile vermutet wird, dass der Virus nicht nur durch Husten oder Niesen, sondern schon durch sprechen übertragen werden kann, ist eine Maske natürlich sinnvoll.
Hier wird gezeigt, wie jemand im Licht eines Laser „Stay Healthy“ sagt, ein Mal ohne und einmal mit Maske. Der Unterschied ist deutlich.

Vor Ort

Mittlerweile habe ich ein wenig das Zeitgefühl verloren. Ist das die sechste oder schon die siebte Woche, die wir die Firma in Homeoffice haben? Keine Ahnung. Ich habe irrsinnig viel zu tun, lange Tage, lange Wochen, deshalb habe ich kaum Zeitgefühl. Was ich auch erst nicht bemerkt habe: Die Isolation macht unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zunehmend zu schaffen. Da bröckelt es gerade an manchen Stellen, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie sich das auffangen lässt.

Fuck yeah, America!

Trump hält jetzt jeden Tag ein „Corona Briefing“, das sind schamlose Wahlkampfveranstaltungen zur Prime Time im Fernsehen. Ende letzter Woche sagten medizinische Berater in der Trump-Show nochmal das Selbstverständliche an, nämlich das Desinfektionsmittel und UV-Licht den Virus töten.

Man konnte während der Sendung sehen, wie es in Trumps hohlem Kopf arbeitete, und dann trat er ans Rednerpult und verkündete einen genialen Einfall: Man sollte doch den Körper mit starken UV-Licht bestrahlen, das Licht in den Körper bringen und überlegen, sich Desinfektionsmittel zu spritzen. Keiner der „Medical Experts“ auf der Bühne widersprach sofort, und Trump verlangte, das seine „Idee“ wissenschaftlich untersucht werde. Später ruderte er dann zurück und behauptete, das sei ja alles „Sarkasmus“ gewesen.

Davon ließen sich aber einige Internet-Wissenschaftler nicht abhalten:

Quelle: Fake News.

Wer bis dahin noch dachte, Trump sei halbwegs bei Sinnen: Nein, ist er nicht. Aber die Leute hängen an seinen Lippen, und am Wochenende wurde kolportiert, dass die Zahl der Vergiftungen dramatisch gestiegen sei, weil Leute versuchten Desinfektionsmittel zu trinken oder Rohrreiniger zu essen oder ähnliche Späße. So lange es nur seine Anhänger betrifft: Sollen die man machen.

Der Darwin-Award 2020 geht an die USA als Ganzes.

Drinnen – im Internet sind alle gleich

ZDF Neo hat eine Corona-Serie im Angebot. Charlotte sitzt zu Hause vor dem Rechner und versucht in Videomeetings ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Das ist als fixe Einstellung aus der Sicht der Webcam gedreht und so authentisch, dass es zuerst fast langweilig ist – es bildet EXAKT die aktuelle Heimarbeit ab.

Das dreht dann aber langsam in richtig Dramedy. Sehr geil. Einmal mit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Pro Folge 9-12 Minuten, 15 Folgen gesamt. Kann man gut weggucken. Danke an Modnerd für den Tip!

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Corona (16): Leck´ rascher!


Weltweit: 2.658.062 Infektionen (+ 65.217) 184.643 (+4.918 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 151.022 Infektionen (+2.097), 5.354 (+252 seit gestern) Todesfälle

Zurück auf Normal

Ich bin kein Freund der Isolationslockerungen, da mache ich keinen Hehl draus. Ich finde es falsch, jetzt Geschäfte wieder zu eröffnen und befürchte, dass eine zweite Ansteckungswelle losrollt. Deutschland wird gerade weltweit dafür bewundert durch harte Maßnahmen das Schlimmste verhindert zu haben. Wir haben Ansteckungsrate und die Anzahl der Neuinfektionen so weit runterbekommen, dass nun die Nachverfolgung von Infektionsketten wieder möglich wäre. Dafür nötig wären aber breit durchgeführte Tests und Kontrollen. Das funktioniert, das haben wir u.a. in Südkorea gesehen.

Das wird aber bei uns nicht gemacht, stattdessen wird der erreichte Fortschritt leichtfertig verspielt. Die „Lockerung“ besagt in den meisten Bundesländern im Wesentlichen, dass man 1,50 Meter Abstand halten, sich die Hände waschen und einen Schal vor dem Gesicht tragen soll.

Ansonsten stehen die Zeichen auf Normal, denn auch wenn es „Lockerung“ genannt wird: In den Ohren der meisten Menschen kommt „es ist vorbei“ an. Anekdotisch kann ich das anhand der vollen Straßen belegen.

Leck´ rascher!

Kuriose Verordnungen allerorten. In Niedersachsen besonders schön: Man darf Eis an einer Eisdiele im außer-Haus-Verkauf erstehen, aber erst dran lecken, wenn man weiter als 50 Meter von der Eisdiele entfernt ist. Das Einhalten dieser Grenzen überwachen allen Ernstes Polizei und Ordnungsamt, wie Modnerd feststellen durfte. Er wurde am vergangenen Wochenende in Hannover angepfiffen, weil er den Radius nicht einhielt und innerhalb der 50-Meter-Zone seine Zunge ans Eis hier.

Nur: Was passiert, wenn das Eis schneller läuft als man selbst? Das Land Niedersachsen dazu: „Bei der Anwendung der Verordnung darf pragmatisch vorgegangen werden, als durch erstes rasches Lecken an einer Eiskugel während des zügigen Sichentfernens von der Eisdiele ein Heruntertropfen des Eises auf Kleidung oder Fußboden verhindert werden darf.“

Man darf also rasch lecken. Und jetzt bitte noch eine Geschwindigkeitsvorgabe, damit gemessen werden kann, ob das Lecken rasch genug geschah und der Verhinderung von Besudelung galt oder ob da doch Genuss im Spiel war.

Abitur des Todes 2020

Die Kultusminister haben sich schon vor Wochen darauf verständigt, das Abi 2020 durchzuziehen – anders als z.B. andere Schulabschlüsse. Das bringt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte, in eine schlimme Lage. Einerseits brauchen sie einen Abschluss, andererseits ist die Infektionsgefahr in Schulen hoch und ebenso die Gefahr, eine Infektion nach Hause zu schleppen, wo sie Familienangehörige töten kann. Die Kultusministerin von NRW, Frau Gebauer, weiß das und sagt an, dass ihr das egal ist: „Es wird, so traurig es ist, Schulgemeinschaften geben, die den Tod von Lehrkräften, Schulleitungen oder Familienangehörigen zu beklagen haben werden“.

Das bringt den Jungen mit den blauen Haaren auf die Palme. Rezo („Zerstörung der CDU“-Rezo, ja lol ey, wissen schon) hat wieder ein hervorragend belegtes Video gemacht. Er kommt zu einem Schluss, der den Kultuseumeln vielleicht gar nicht so klar war: Abiturienten sind über 18 und dürfen wählen. Und sie sollten keine Politiker wählen, denen ihr Leben und das ihrer Angehörigen scheißegal ist. Sehr sehenswert:

Yvonne „Todesengel“ Gebauer bei 06:53.

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Corona (15): Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen


Weltweit: 2.592.845 Infektionen (+ 91.689) 179.725 (+7.915 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 148.925 Infektionen (+1.332), 5.102 (+223 seit gestern) Todesfälle

Abgesagt!

Die Wies´n! Das größte Volksfest der Welt! Abgesagt! Na sowas.

Im Netz macht der Witz die Runde, dass der Armin Laschet angeboten hat, das Oktoberfest in Düsseldorf stattfinden zu lassen. Laschet ist Ministerpräsident von NRW und würde gerne im nächsten Jahr Kanzlerkandidatin der CDU werden, weswegen er dafür gesorgt hat, das sein Bundesland schon jetzt wieder so offen ist wie sein eigener Hintern.

Im Netz macht ebenfalls die Vermutung die Runde, dass Laschet in wenigen Wochen keinerlei politisches Amt mehr bekleiden wird.

Intensivkapazitäten

Ich bin ein großer Fan von Datenjournalismus, und ZEIT ONLINE ist da oft vorne mit dabei. Die haben jetzt auch eine interaktive Karte mit aktuellen Infos zu Intensivkapazitäten und deren Auslastung. Erschreckend: Selbst in unserem Riesenklinikum vor Ort gibt es nicht mehr als 60 Intensivbetten, und die sind zu einem Drittel schon belegt. Zur Karte.

Dürre

Meine Beobachtung war richtig: Es hat wirklich seit Anfang März nicht mehr geregnet. Noch dazu waren März und April viel zu warm, und nach den Dürrejahren 2018 und 2019 hatten sich die Böden in tieferen Schichten noch nicht wieder erholt. Das Resultat ist das hier:

Bild: Dürremonitor des Helmholtz-Instituts.

Die roten Flächen sind „außergewöhnliche Dürre“, und das ist die letzte Eskalationsstufe und steht über „extremer Dürre“ und „schwerer Dürre“. In NIedersachsen haben wir schon wieder Wald- und Moorbrände, Flugzeuge der Feuerwehr kreisen über den Landesforsten und die Waldbrandzentralen sind voll besetzt. Corona ist nicht dran schuld, das ist der Klimwandel. Nur um mal dran zu erinnern: Im Vergleich zu den Folgen des Klimawandels ist dieser Corona-Kram hier Kasperltheater.

Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen

Kennt jemand diese chinesischen Winkekatzen und hat sich auch schon mal gefragt wozu die gut sind? Neben meinem Arbeitsstuhl steht so eine Winkekatz. Warum? Für Videokonferenzen!

Wenn die Katze nicht mehr winkt, ist der Stream eingefroren. Wenn ich mich nicht mehr bewege, aber die Katz noch vor sich hindaddelt, denke ich entweder scharf nach – oder bin vor Langeweile geistig auf Wanderschaft gegangen.

Nächster Schritt: Ich trainiere die Katze gerade darauf, mich in Videomeetings komplett zu ersetzen. Über Fortschritte werde ich berichten.

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Corona (14): Darf´s noch Geld dazu sein?


Weltweit: 2.501.156 Infektionen (+ 80.717) 171.810 (+5.605 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 147.593 Infektionen (+1.850), 4.869 (+227 seit gestern) Todesfälle

Freidrehender Kapitalismus

Der Ölpreis ist aufgrund von Spekulationen ins Negative gedreht. Das bedeutet: Kauft man Öl, bekommt man noch Geld dazu. WTF? Oder, wie Sixtus es ausdrückt:

An der Tankstelle nach dem Volltanken ein Bündel Geld ausgehändigt bekommen – das möchte ich bitte auch!

Fuck you, Lockerung

Geschäfte unter 800qm durften in Niedersachsen gestern wieder öffnen, und „der Andrang war unerwartet stark“, wie ein Ladeninhaber dem Lokalblatt zu Protokoll gibt. Unerwartet, my Ass.

In unserer Firma bleibt der Lockdown bestehen, wir verweigern uns Lockerungsmaßnahmen. Ich habe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf eingeschworen durchzuhalten, denn wir werden die Heimarbeit auf unbestimmte Zeit und vermutlich noch Monate in dieser Form fortsetzen. Zum Glück sind alle hier vernünftig und gehen auch außerhalb des Homeoffice keine überflüssigen Risiken ein. Außerdem hatten heute alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Päckchen in der Post, mit handgenähten Masken für sich und alle Familienmitglieder.

Fuck you II

Der Bundeskanzler Frau Merkel sagt, sie möchte keine „Öffnungsdiskussionsorgien“. Das ist vernünftig. Was nicht vernünftig ist: FAZ, WELT und Blätter wie die „Volksstimme“ aus Magdeburg jaulen kollektiv auf und schimpfen über „Bevormundung“, und die Bild schiebt gleich noch hinterher: Die Menschen hätten einen Anspruch auf die Wahrheit. Ja Fuck you, ihr Deppen, möchte man rufen. Die Wahrheit ist: Der harte Lockdown müsste noch viel länger dauern. Wir bräuchten Durchhalteparolen statt Lockerungsdiskussionen. Aber diese Wahrheit gefällt euch nicht, oder?

Der große Experten-Expertenvergleich

Die holde Mai vergleicht drei Virologen und ihr Kommunikationsverhalten. Neben dem sachlichen („what?“) auch deren Bedeutung für den Einzelnen („So What“). Ergebnis: Drosten ist der Sachlichste, Kekule hat seid Jahren keinen Beitrag mehr zur Forschung geleistet aber eine politische Agenda und Streek leistet sich zwar eine professionelle Werbeagentur für seine Kommunikation, vermischt aber Ebenen. Sehr sehenswert!

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Corona (13): Es funktioniert, also weg damit!

Weltweit: 2.420.439 Infektionen (+ 33.470) 166.205 (+27.718 in 3 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 145.743 Infektionen (+10.990), 4.642 (+838 in den letzten 3 Tagen) Todesfälle

Der harte Lockdown mit Kontaktverbot funktioniert, also lockern wir ihn. Das ist gerade das Motto in Deutschland. In den meisten Bundesländern dürfen ab heute Geschäfte wieder öffnen, Gottesdienste wieder stattfinden. Das erweckt den Eindruck wir hätten alles im Griff, die Sache sei beherrschbar. In Sachsen herrscht Maskentragepflicht, aber es gibt keine Masken vom Land. Da reicht es dann, wenn man sich das T-Shirt hochzieht.

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Es gab bei der spanischen Grippe 1918 an manchen Orten genau diese Entwicklung. Beispiel Denver: Lockdown im Oktober, Maßnahmen griffen, Fallzahlen sanken. Die Maßnahmen wurden aufgehoben, damit rollte die zweite Infektionswelle los.

Die war schlimmer als die erste, denn die Leute holten sofort alles nach, was sie in den Wochen zuvor verpasst hatten. Noch schlimmer: Den Versuch eines zweiten Lockdown machte keiner mehr mit, weil „Wir haben genug gemacht, reicht jetzt auch mal“. Kommt einem bekannt vor.

A Firenze

Von anderen europäischen Ländern kriegen wir in Deutschland nicht viel mit. In der Region Florenz herrscht jetzt wohl Maskentragepflicht. Anders als in Sachsen haben die Behörden es aber geschafft, jeder Person mit festen Wohnsitz vorab Masken per Post zu schicken.

So schlimm ist COVID-19 wirklich

OK, wie schlimm genau kann man noch nicht sagen. Aber es gibt Berichte über junge Leute mit leichtem Verlauf und ohne Vorerkrankungen, deren Lungen nach Abklingen der Symptome stark verändert waren, vielleicht sogar dauerhaft. Seriös klingen Meldungen aus dem Spital in Innsbruck über sechs Taucher mit leichtem Verlauf, die sich zu Hause auskurierten und deren Lungen jetzt so stark geschädigt sind, dass sie ihr Hobby aufgeben müssen.

Ich bin da zwiegespalten: Einerseits finde ich es gut, wenn das in den Medien nicht gepusht wird und so keine Panik entsteht. Andererseits wäre es gut, unaufgeregt und breit über solche potentiellen Risiken zu informieren, damit alle die Gefahr weiterhin ernst nehmen. Das findet meiner Wahrnehmung nach zu wenig statt, stattdessen dürfen Lobbyistenarschgeigen und Reiseveranstalter rausposaunen, dass man jetzt aber wirklich mal wieder alle Maßnahmen aufheben sollte.

Trump zerlegt die USA, Teil 9.758

In den USA, wir erinnern uns, gibt es keinen von der Bundesregierung verordneten Lockdown. Das regeln die Einzelstaaten, und die haben mancherorts die Verantwortung auf die Counties abgewälzt und deshalb stehen bei denen jetzt Trump-Anhänger mit Fackeln und Mistgabeln vor der Tür und fordern das Ende von Maßnahmen.

Trump befeuert das: Er hat einen „Plan“ vorgestellt um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Kurzform: Geht arbeiten. Die Umsetzung obliegt freilich den Bundesstaaten, und das ist eine perfide Zwickmühle, die Trump allen gebaut hat: Bleiben Bundesstaaten bei ihren Maßnahmen (wenn sie welche haben) und es geht der Wirtschaft schlecht oder die Todeszahlen gehen hoch, sind die Gouverneure schuld. Geht es der Wirtschaft gut oder sind die Fallzahlen niedrig, ist das Trumps Verdienst. Gleichzeitig ruft er seine Anhänger in demokratisch regierten Bundesstaaten auf, ihre Staaten zu „befreien“ und erinnert sie an ihr Recht zum Tragen von Schußwaffen. Um es klar zu sagen: Der Präsident der USA ruft zur Rebellion mit Waffengewalt gegen Gesundheitsmaßnahmen auf.

Am Wochenende gab es direkt Demonstrationen wütender MAGA-Anhänger, teilweise mit Schilder wie „My Body. My Decision (not to wear masks). Die Gründe reichten von „Corona ist nur eine Erfindung der Medien, Medien sind Krebs“ über „Wir lassen uns nicht verbieten zu Arbeiten um unsere Familien zu schützen“ bis hin zu „Ja klar ist die Gefahr real, aber wir vertrauen darauf, dass Gott uns schützt. Dafür hat er uns ja Trump gesandt“.
Dummheit tötet.

Bienen & Natur

Es sind gefühlt mehr Insekten unterwegs als in den Vorjahren. Das ist gut. Bei uns sind überall Eichhörnchen unterwegs, in den Blumenrabatten der Fußgängerzone nisten (sehr dumme) Vögel. Gleichzeitig hat es seit Mitte März nicht mehr richtig geregnet, jeden Tag haben wir strahlenden Sonnenschein. Ist in den Nachrichten aber kein Thema, weil: Corona.

Ich Ich Ich

Sommerreise endgültig abgesagt, alle Unterkünfte storniert. Ich wusste es ja schon lange, aber die jetzige Gewissheit macht mich doch ein wenig melancholisch. Losgegangen wäre es am 21.05., aber das hat echt keinen Sinn.

Alle Folgen des Corona-Tagebuchs.

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Corona (12): Wie man es hinbekommt, dass die Brille trotz Mundschutz nicht beschlägt


Weltweit: 2.081.969 Infektionen (+ 146.323) 138.487 (+17.573 in 2 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 134.753 Infektionen (+4.0370), 3.804 (+589 in den letzten 2 Tagen) Todesfälle

Den Journalistinnen und Journalisten wird wohl langweilig, anders ist die Lust an der Katastrophe nicht zu erklären, die man gerade herbeischreibt und -sendet. In langen Interviews dürfen so unsägliche Menschen wie ein 80jähriger Rechtsphilosoph oder die Cheflobbyistin des Hotelverbands darüber schwadronieren, wie unerträglich ja diese Corona-Maßnahmen seien, das die Menschen das nicht länger mitmachen würden und wir praktisch kurz vor Aufständen stünden.

Fünf bis zehn Minuten lässt NDR Info solche Leute schwafeln, und beim Zuhören steigt mein Blutdruck. Als der Rechtsphiloph abschließend erklärt, es sei nun wirklich nicht mehr vermittelbar, dass Gottesdienste ausfallen müssten und die Lobbyfrau fordert, dass es nach 10 Rekordjahren im Hotelgewerbe eben nicht ausreiche, nur den weggefallenen Umsatz abzufedern (sondern, unausgesprochen, auch den Gewinn!), bin ich richtig wütend.

Das ist in anderen Nachrichtenformaten ähnlich, überall wird geraunt, dass es so nicht mehr lange weitergeht und jetzt wirklich mal genug sei.

Ich halte es für unverantwortlich, dass in der Berichterstattung völlig irrelevanten Menschen Raum gegeben wird, die entweder sowieso die letzten 50 Jahre nicht aus ihrem Elfenbeinturm rausgekommen sind oder die den Arsch voll Geld gepumpt kriegen um ihrer Klientel Vergünstigungen zu sichern und deren Verluste zu vergemeinschaften.

Zumal die Realität gerade noch anders aussieht. Die Zustimmungswerte für die Eindämmungsmaßnahmen lagen vor einigen Tagen bei 90 Prozent. 90 Prozent! Wann erfährt Politik mal so viel Zustimmung?

Das ist erstaunlich und man sollte froh und dankbar über diese Disziplin in der deutschen Bevölkerung sein, und dass nicht rechte Brüllaffen vor den Rathäusern randalieren, wie gerade in den USA. Nun in den Medien auf Repeat-One die Platte „Wir halten das nicht mehr aus“ laufen zu lassen, ist aber der beste Weg zu genau solchen Zuständen.

Es sind immer die anderen

Apropos USA: Trump übernimmt nie für irgendwas Verantwortung. Das in den USA nun die Leute sterben wie die Fliegen ist in erster Linie seinem langen Zaudern zu schulden, und seinen Versuchen Schlangenöl (Malariamittel) als Wundermittel zu verkaufen. Jetzt braucht er einen Sündenbock, und das ist ausgerechnet die World Health Organisation. Zu spät hätten sie ihm Bescheid gesagt,und sich zu sehr auf China fokussiert. Alles gelogen, aber Trump stellt die Zahlungen der USA an die WHO ein.

Dafür lässt er seinen Namen auf alle Schecks drucken, die die Amerikaner jetzt als Beihilfe bekommen. Das ist eigentlich verboten und durch den Namensdruck verzögert sich die Ausstellung, wodurch mehr Menschen sterben, aber hey, der Tump, ne. Weil er gerade einen Lauf hat, will er auch das Parlament in Pause schicken und mal durchregieren. Hat ja in Ungarn und England auch geklappt. Maßnahmen zur Isolation? Nein, unwichtig.

Flatten the Curve!

Der Bundeskanzler Frau Merkel verkündete gestern, dass es zwar einen Erfolg gäbe, der aber fragil sei. Die Curve ist geflattet, die Ansteckungsrate sei jetzt bei 1,0 (1 Infizierter steckt einen neuen an). Aber der Erfolg sei fragil. Werden jetzt die Maßnahmen gelockert und die Rate steigt auf 1,1, seien wir im Oktober wieder am Rande der Kapazität unseres Gesundheitssystems. Steigt sie auf 1,3, ist dieser Punkt um Juni erreicht. Die Kontaktsperre wird deshalb zwei Wochen fortgesetzt, bis Anfang Mai. Dann sehen wir weiter.

Beschlagen

Ich gehe ja nur noch mit Mundschutz raus und kannte das Problem auch: Trägt man zum Mundschutz eine Brille, geht die Atemluft direkt hinter die Gläser und die Sehhilfe beschlägt.

In diesem Video verrät uns ein japanischer Channel, wie man dem vorbeugt: Einfach die Maske oben ein Mal falten oder ein Taschentuch zwischen Maske und Nase legen. Das funktioniert! (Es sei denn, es ist draußen sehr kalt).

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Corona (12): Ostern im Lockdown

Weltweit: 1.935.646 Infektionen (+ 431.746) 120.914 (+30.983.460 in 5 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 130.383 Infektionen (+17.087), 3.215 (+866 in den letzten 5 Tagen) Todesfälle

Vorerst gilt der Lockdown in Deutschland nur bis Anfang kommender Woche. Heute bespricht sich die Bundesregierung dazu ob er verlängert wird, morgen Bund und Länder. Einige Landesfürsten, unter anderem Armin Laschet aus NRW, sind ganz jibberig darauf Schulen wieder zu öffnen und die Beschränkungen in der Wirtschaft zu lockern.

Das wissenschaftliche Feigenblatt dafür hat ihnen jetzt die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina aus Halle geliefert, in einer Stellungsnahme, in der solche Szenarien für möglich gehalten werden. Das Papier tragen nun konservative Politiker und Wirtschaftsliberale mit „jetzt ist aber mal genug, die Wirtschaft muss wieder anfahren und hier ist unser Persilschein“-Attitüde durch die Gegend.

Nur: Anscheinend haben die alle das Dokument nicht wirklich gelesen. Das gibt nämlich mitnichten konkrete Empfehlungen für ab sofort, sondern fabuliert mit „sobald wie vertretbar“ und entlässt daher nicht die Politik aus der Verantwortung.

Mit dem Dokument selbst habe ich auch so meine Probleme. M.E. sind die realen Bedingungen an Schulen und die Praktikabilität der skizzierten Maßnahmen nicht in die Betrachtung eingeflossen. Wie kann sichergestellt werden, dass die Schülerinnen und Schüler ständig Masken tragen, sich die Hände waschen und auch auf dem Schulhof Abstand halten? Das ist wohl, insb. in der Grundschule, unrealistisch. Und woher sollen Räume kommen, die groß genug sind, um max. 15 SchülerInnen auf einmal zu unterrichten?

Auch sonst sind liest sich das Leopoldina-Dokument wie eine Ansammlung von hätte-würde-könnte-sollte, klingt stellenweise etwas weltfremd oder geht von Annahmen aus, die ich für realitätsfern halte. Außerdem stimmt mich nachdenklich, dass auf der Expertenliste zu dem Papier exakt zwei Virologen und eine Infektionsforscherin stehen, aber 10 Sozialwissenschaftler, Juristen, Historiker und Theologen. WTF.

Aber egal, die verkürzten Aussagen aus dem Paper sind Wasser auf die Mühlen derer, denen Wirtschaft vor Menschenleben geht.

In der Bundesregierung weiß man das, und deren Kommunikationsstrategie ist gar nicht mal schlecht. Der Bundeskanzler Frau Merkel macht immer mal wieder so Andeutungen, damit man sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden kann, dann trifft es einen nicht mehr ganz so hart. An dem, was sie vorsichtig schwurbelt, kann man also ablesen wie es weiter geht. Vor Ostern waren das Sätze wie „Naja, so Schulen und Kitas, die werden sicher nicht das erste sein, was wir wieder öffnen können“.

In Frankreich ist Amtskollege Emanuel Macron anderes drauf. Er verkündete gestern ohne Umschweife, dass der Lockdown weiter gilt bis Mitte Mai, und das man sich keine Illusionen machen solle – auch die Öffnung der Grenzen in Europa sieht er nicht vor September.

Also Vorsichtig sein im Umgang mit diesem Leopoldina-Papier. Aber dafür müsste man es, wie gesagt, lesen. Das dümmste Riff in der aktuellen Regierung, ausgerechnet unsere Wissenschaftsministerin, hat das natürlich nicht und findet es eine „erstklassige Beratungsgrundlage“. Ihr Kollege Scheuer liest ohnehin nur Zahlen auf Geldscheinen und lässt sich jetzt gerade dafür feiern, dass er mit Anrufen bei der Lufthansa half, einem befreundeten Händler aus seinem Wahlkreis Passau Millionen von Schutzmasken aus irgendwelchen grauen Quellen nach Deutschland zu bringen – der die nun mit ordentlich Profit verkaufen dürfte.

Immerhin, die harten Maßnahmen und die Grundrechtseinschränkungen zeigen Wirkung. Zu Beginn der Maßnahmen steckte ein Infizierter 4 bis 5 andere Personen an, jetzt liegen wir bei ungefähr einer Neuinfektion pro Infiziertem. Das ist nicht schlecht, aber noch nicht wieder im Bereich wie zum Beginn der Pandemie, wo Infektionsketten wieder nachverfolgbar sind und wirklich über Lockerungen nachgedacht werden kann, sind wir noch entfernt.

Ich Ich Ich

Der Lockdown macht sich auch bei der Medikamentenversorgung bemerkbar. Am Wochenende lag ein Brief von Doc Morris im Kasten. „Zu unserer Entlastung senden wir Ihnen Ihr Originalrezept zurück“. Warum? Weil die Bestellung nicht ausführbar war, mein Blutdrucksenker Candesartan ist momentan schwer erhältlich. Nun sind Blutdrucksenker wichtig, aber nicht gleich Lebensnotwendig. Nur: „Jeden Tag geht was anderes aus“, wie die Apothekerin heute morgen sagte. Es komme dann zwar immer wieder Nachschub an diesem oder jenem, aber sofortige Verfügbarkeit bei verbreiteten Medikamenten ist nicht gegeben. Immerhin, ich hatte Glück, in der dritten Apotheke die ich abgeklappert habe, lag noch eine letzte Packung Candesartan rum – was selbst die PTA dort wunderte.

Ostern im Lockdown

„Was machst Du so über Ostern? Verreist Du?“, fragte mein Vater, der immer noch ignoriert, was eigentlich los ist. „Sohn, ist doch nicht schlimmer als eine Grippe“, posaunte er fröhlich am Telefon und hörte schon wieder nicht mehr zu, als ich dem Herrn Ingenieur den Unterschied zwischen linearem und exponentiellen Wachstum erklären wollte.

Bewegungsdaten der Handyprovider zeigen, dass mein alter Herr nicht der einzige ist, der nicht zuhause bleiben kann. Die Reiseaktivität hat zugenommen, anscheinend wollten sich viele den Osterbesuch bei den Familien nicht nehmen lassen.

Hier bei mir was man vernünftig. Auf meinem Dorf gab es keine Osterfeuer, keine Familiengartenfeste. In meinem Haus blieben alle unter sich, machten aber trotzdem was Schönes. Zum einen fand ich vor meiner Haustür ein Osternest, so wie Osternester in der Zeit von Corona aussehen:

Im Treppenhaus materialisierten sich plötzlich Dinge wie frisch gebackener Käsekuchen oder Zwiebelkuchen, was per SMS und Whatsapp kommuniziert wurde. Jede und jeder konnte sich bedienen. Ein Schönes Symbol für „Ihr seid vielleicht allein in Eurer Wohnung, aber nicht in Euren Herzen“. Bah, Kitschig. Aber auch lecker!

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Corona (11): Die leere Welt

Weltweit: 1.503.900 Infektionen (+56.434.086) 89.931 (+6.460) Todesfälle
Deutschland: 113.296 Infektionen (+5.633), 2.349 (+333) Todesfälle seit gestern

Die nächsten 18 Monate, so las ich vor einiger Zeit, seien für das Klima unseres Planeten entscheidend. Würde sich nichts Gravierendes ändern, so hieß es, erreichen wir einen kritischen Tippingpoint, und ab dem wäre es das dann mit der Erderwärmung. Kein Zurückdrehen mehr möglich. Nur was, dachte ich damals (vor sechs Wochen), sollte sich in 18 Monaten schon ändern?

Nun, gravierendere Änderungen als durch die Pandemie kann man sich kaum vorstellen. Automobiler Individualverkehr ist um 75 Prozent gesunken, Flugverkehr um 85 Prozent. Wie man sich das vorstellen muss, zeigt dieser Film von Eurocontrol mit einem Vergleich von Flugbewegungen Ende März von jetzt und vor einem Jahr:

Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung.

Weil niemand weit weg kann, sind hier auf dem Land sind die Wald- und Feldwege voller Menschen. Quasi im Gänsemarsch schieben sich die Stadtbewohner durch Flur- und Feldmark, aber die Städte sind leer. Nicht nur hier, sondern rund um die Welt.

Ich habe gerade Fernweh und sehe durch die Augen von Webcams Orte, die ich schon in echt besucht habe und die stets völlig überlaufen waren. Normalerweise tobt hier das Leben, nun sind sie leer und verwaist. Eine Auswahl.

Mailand, Dom.

Verona, Arena. Bild: Skycams.

Verona, Piazza delle Erbe. Bild: Skycams.

London, Westminster Bridge und Uhrenturm von Big Ben.

London, Westminster Bridge

Orvieto, Dom.

Lecce, Piazza delle Orgodingsbums.

Recco, Strand.


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Corona (10): Der Sirenengesang des Baumarkts und das Eintuppern von Wasser

Weltweit: 1.447.466 Infektionen (+158.086) 83.471 (+12.989) Todesfälle
Deutschland: 107.663 Infektionen (+7.477), 2.016 (+426) Todesfälle seit gestern

Baumärkte!

Alle deutschen Männer eines gewissen Alters werden von Baumärkten praktisch magisch angezogen. Vermutlich ist es in unseren Genen angelegt, wie bei Kaiserpinguinen der Marsch über das Eis. Baumärkte locken uns mit einem unhörbaren und unwiderstehlichen Sirenengesang. Mindestens ein Mal pro Monat, besser ein Mal pro Woche, müssen wir zu Obi, Globus, Praktiker, Hammer oder Trotz fahren und… äh, naja, so BESORGUNGEN machen, wie mein Vater es nennt. Die sind wichtig, die, äh, Besorgungen.

Wird uns der Baumarkt vorenthalten, kriegen wir Männer praktisch stante Pede Lagerkoller. Das weiß auch die Politik, weshalb in manchen Bundesländern die Baumärkte als „systemrelevant“ erklärt wurden und durchgängig geöffnet hatten. In Niedersachsen waren die jetzt 10 Tage geschlossen, aber da auch die Politiker alte, weiße Männer sind, die nicht gegen ihre Gene ankönnen, sind sie seit Samstag wieder geöffnet. Also, die Baumärkte, nicht die alten Männer.

Die Bilder waren erwartbar: Baumarkt macht um 08:00 Uhr auf, ab 07:00 Uhr war der Parkplatz mit 300 Autos voll und lange Schlangen standen vor dem Eingang, schreibt die Lokalzeitung.

Jetzt ist fast alles wieder gut. Baumärkte sind Balsam auf die geschundene Männerseele. Nur fast gut, weil jetzt die Waschanlagen geschlossen sind. Die Waschanlagen!

Waschanlagen!

Waschanlagen! Geschlossen! Da fällt dem deutschen SUV-Boomer glatt ein Ei aus der Hose. Die ersten Facebookgruppenmitglieder kündigen schon Akte der Rebellion an: Sie werden aus Protest ihren Stadtgeländewagen auf der offenen Straße waschen! Das ist die Vorstufe zur Anarchie! Weil, Pandemie hin oder her, aber Blütenstaub auf dem VW Touareg, das geht doch nicht, wo simma denn hier?

Wunderkind aus Österreich

Kanzlerkind Sebastian Kurz: „Wir machen die Geschäfte wieder auf!“ Und die BILD-Zeitung so: „Die Ösis machen uns vor wie es geht!!“ In der Frage wem man eher glauben möchte, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder politischen Populisten mit Angst vor sinkenden Umfragwerten, hat man sich im BILD-Homeoffice zwischen zwei Schlucken aus der Lackdose schon entschieden.

Die orangefarbene Gefahr

„Trifft eine unfähige Regierung auf eine weltweite Krise“ – so beginnen keine Witze, nicht mal schlechte. „Unfähigkeit“ ist dieser Tage orange und hört auf den Namen Trump. Sein Leugnen der Gefahr und das jetzige Missmanagement der Lage führen dazu, dass alle 90 Sekunden ein US-Bürger an CoVID19 stirbt, gestern alleine über 2.000.

Trump übernimmt nie für irgendwas Verantwortung, immer sind die anderen Schuld. Heute hat er verlautbaren lassen, dass an der Krise in den USA nur die Weltgesundheitsorganisation WHO schuld sei. Die USA sei der größte Beitragszahler (das ist gelogen) und die WHO würde nur China helfen (was auch gelogen ist) und den USA schlechte Ratschläge geben (selbstverständlich auch gelogen). Nur deshalb gäbe es jetzt so viele Tote, und deswegen müssen die USA aus der WHO austreten. Is klar.

Gleichzeitig empfiehlt Trump seinen Landsleuten das Malariamittel Hydroxychloroquine zu schlucken. Das hat keine nachgewiesene Wirkung gegen COVID19, aber warum nicht. Vermutlich hat Trump Aktien an dem Unternehmen, das dieses Hydrodingsda herstellt. Ist seinen Anhängern aber auch egal, die Beschimpfen in den unsozialen Medien die Ärzte, die vor dem Mittel warnen, und feiern die Weisheit ihres Präsidenten. Der wiederum macht Hilfe für Bundesstaaten davon abhängig, wie wohl sie ihm gesonnen sind. Steckt man tief in seinem Hintern, bekommt man medizinische Hilfsgüter. Ist ein Staat von Demokraten regiert heißt es Sorry, hinten anstellen.

Unterdessen schenkt China der Stadt New York 1.000 Beatmungsgeräte und trägt damit maßgeblich zur Entspannung der Lage in den Krankenhäusern vor Ort bei.
China als gütiger Hegemon, die USA als Schurkenstaat. Willkommen, neue Weltordnung.


Und sonst so?

Vier Milliarden Menschen sind gerade gehalten zu Hause zu bleiben. Das sind vier Milliarden Menschen weniger, die auf der Erdkruste rumtrampeln und -fahren. Das können Seismologen messen, und ohne die von Menschen gemachten Störungen lässt sich viel präziser feststellen, was in unserem Planeten passiert.

Ich Ich Ich

Ich werde anscheinend zum Prepper. Plötzlich hielt ich es für eine voll gute Idee mal ein wenig Wasser einzutuppern, habe aber aus Versehen statt einem gleich drei 30-Liter Tanks bestellt. Verdammter Onlinehandel. Wäre ich doch nur in den Baumarkt gefahren.

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Corona (9): Rundumschlag

Weltweit: 1.29380 Infektionen (+730.878) 70.482 (+45.231) Todesfälle
Deutschland: 100.186 Infektionen (+50.842), 1.590 (+1.286) Todesfälle

Woche 3 der Isolation und achje, schon wieder eine Woche her seit den letzten Notizen. Was hat sich seitdem getan? Ein großzügiger Rundumschlag.

National: Es mehren sich die Stimmen derer, die der Meinung sind, jetzt sei es aber auch mal gut mit der Isolation. Man solle jetzt doch mal wieder schaffen gehen, und im Zweifel nur die Risikogruppen isolieren. Das wird aber nichts. COVID19 kennt keine Gnade, durch alle Altersgruppen und Schichten hindurch sterben Menschen bei schweren Verläufen. Durchhalten ist die Parole der Stunde. Und wir werden noch lange durchhalten müssen:

Besserwisserisch: Das Wort „Quarantäne“ kommt vom italienischen Wort für 40, und das war die Anzahl von Tagen, die Schiffe mit der Pest an Bord vor dem Hafen liegen mussten. 40 Tage werden aber bei Corona nicht ausreichen. Im folgenden Video rechnet Mai sehr unaufgeregt vor, dass es im Besten Fall 56 Tage dauert, bis Maßnahmen gelockert und wie zu Beginn der Pandemie durch strenge Kontrollen mit Nachverfolgung von Infektionsketten ersetzt werden können. Wir haben also erst ein Drittel hinter uns.

Persönlich: Es ist schwer, vernünftig zu sein. Seit Mitte März hat es nicht mehr wirklich geregnet, stattdessen jeden Tag Sonnenschein und jetzt auch noch frühsommerliche Temperaturen. Der Körper giert nach Bewegung, der Kopf will an die frische Luft, aber nein, dass darf ja nicht. Dann einen Blick in die Berichte wie schlimm ein Tot an COVID-19 sein kann und schon ist das Bedürfnis rausgehen zu wollen auf ein erträgliches Maß reduziert.

Maskiert: „Masken helfen nicht“, hieß es zu Beginn der Pandemie allerorten. Darüber wunderten sich nicht nur die Chinesen. Jetzt wird die Bevölkerung aufgerufen selbst welche zu nähen. Nicht um den Träger der Maske zu schützen, sondern andere. Skurrilitäten am Rande: Abmahnanwälte schicken Unterlassungsbriefe an Firmen, die Schutzmasken herstellen wollen, und die USA klauen anderen Ländern deren Lieferungen an medizinischen Mundschutzen.

Polizeilich: Demo in Göttingen, viele Demonstranten tragen Mundschutz, alle halten Abstand. Plötzlich kriegt die Bereitschaftspolizei einen Triller, greift sich einzelne Personen raus, umstellt die mit mehreren Beamten ohne Mundschutz, die aus Tuchfühlungsentfernung auf die Demonstranten einreden. Hinweise auf das Abstandsgebot werden mit höhnischen Sprüchen quittiert. Mal ganz ehrlich: Was stimmt den den Polizisten nicht, die für Maßnahmen zur Einhaltung von Regelungen des Infektionsschutzgesetzes jegliche Schutzmaßnahmen mißachten?

Europäisch: Ungarn ist jetzt endgültig eine Autokratie, aufgrund von Notstandsgesetzen ist das Parlament suspendiert und die Presse eingeschränkt, für mindestens ein Jahr. Wie es dazu kommen konnte? Das Parlament selbst hat dafür gestimmt, und dort hatte Orbans Fidesz-Partei die Mehrheit. Und das, liebe Kinder, ist der Unterschied zwischen einer demokratisch gewählten Partei und einer demokratischen Partei. Auch die Fidesz wurde demokratisch gewählt, aber sie arbeitete an der Abschaffung der Demokratie. Wie die AfD in Deutschland.

Europäisch II: Was bemerkenswert ist: Das dröhnende Schweigen der EU-Kommission. Kein Wort von von der Leyen zu der Ungeheuerlichkeit, die sich in Ungarn abspielt. Eine Diktatur, mitten in Europa! Von der Leyen sagt dazu: NICHTS. Möglicherweise deshalb, weil sie nur mit Orbans Stimmen Präsidentin geworden ist. Statt der Kommission setzen nun 13 andere Länder eine Erklärung auf, in der sie es verurteilen, wenn Länder die Corona-Krise nutzen, um repressive Maßnahmen einzuführen. Ungarn wird nicht explizit genannt, aber es ist klar, an wen sich die Erklärung richtet. Ironie des Ganzen: Orban hat ausrichten lassen, dass er die Erklärung gut findet und auch unterzeichnen will Mehr Hohn geht kaum.

Europäisch III: Die Länder Südeuropas fordern gemeinsam die Vergemeinschaftung von Schulden, Deutschland lehnt das ab. Europa, es war schön mit Dir. Mittlerweile denke ich, dass die EU diese Krise nicht überleben wird, und das ist maßgeblich die Schuld von Deutschland.

Blümerant: Franca ist 76. Sie hat versprochen nicht rauszugehen, sondern schön zu Hause zu bleiben und Blümchen zu fotografieren. Jetzt schickt sie mir jeden Tag Beweisbilder. Vielleicht habe ich gerade ein Tränchen im Augenwinkel.

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Corona (8): Quiet Earth

Weltweit: 558.502 Infektionen (+63.416) 25.251 (+2.956) Todesfälle
Deutschland: 49.344 Infektionen (+7.825), 304 (+75) Todesfälle

Heute Morgen um kurz nach 07:00 Uhr einkaufen gewesen. Gute Nachrichten: Die Regal im Supermarkt waren gut gefüllt. Die Hamster haben sich jetzt wohl alle ihr Nest aus Klopapier gebaut und hocken da jetzt drin und fressen den ganzen Tag Nudeln. Ein anderes Bild ist nach dem Ansturm der letzten Wochen wohl kaum denkbar.

Es ist eine komische Situation. Das öffentliche Leben ist bis nahe am Wachkoma gedrosselt, die Straßen sind leer, Menschen sind nur vereinzelt unterwegs. Dennoch häuft sich bei mir die Arbeit, alles rotiert am Anschlag. Das ist gut und gibt ein seltsames Gefühl von Normalität, wo doch im Moment nichts normal ist.

Immerhin hat sich meine Atemwegssache wieder gelegt. Ich habe wohl nur zu viel telefoniert, daher die Halsschmerzen. Und das pieken in den Atemwegen kommt wohl durch die Wetterlage mit der extrem trockenen Luft, dazu Fußbodenheizung. Im Büro haben ist eine Luftfeuchtigkeit von nur noch 11%, obwohl den Ganzen Tag ein großer Luftbefeuchter läuft. Kein Wunder, dass die Atemwege da mal rumzicken.

Die Arbeit läuft auch Hochtouren, abseits davon ist Stille und Isolation. Das ist nicht nur bei mir so, sondern bei allen. Seit 14 Tagen sitzen jetzt alle zu Hause, ohne Hoffnung, dass das bald vorbei ist. Manche genießen das Privileg arbeiten zu dürfen, andere bangen um ihre Existenz.

Dadurch, das niemand weiß wie lange die Isolation noch dauern wird, beginnt jetzt einigen die Decke auf den Kopf zu fallen. Entweder weil ihnen ihre Familie auf den Sacque geht und sie dringend mal wieder Zeit für sich brauchen, oder weil sie die ganze Zeit allein sind und damit schlecht klarkommen. Ich merke das bei Telefonaten. Der Umgangston wird gereizter, die Laune deprimierter. In der Firma machen wir jetzt täglich eine halbe Stunde gemeinsam Frühstückspause per Videokonferenz, nur um zu plaudern, über Gott und die Welt, damit sich die Leute nicht so allein fühlen.

Mir ist die Isolation ziemlich schnuppe, die macht mir gar nichts. Ich weiß, dass ich damit ziemlich allein bin (SIC!), aber tatsächlich war das schon immer so.

Als Kind spielte ich am Liebsten allein, als Jugendlicher war mein Lieblingsfilm „Quiet Earth“. Der handelt davon, dass ein Mann aufwacht und feststellt, dass er ganz allein auf der Welt ist. Was für ein erstrebenswerter Zustand! Als Erwachsener kam mir das Bedürfnis anderer Menschen nach sozialer Interaktion manchmal suspekt vor, was einer der Gründe war, weshalb ich mit WGs so meine Probleme hatte.

Erst später wurden mir zwei Dinge klar:

  1. So wie ich fühlen nur die wenigsten Menschen. Die meisten kommen nicht damit klar, ganz mit sich allein zu sein. Zumindest nicht über einen längeren Zeitraum, schnell verspüren sie ein Bedürfnis nach Gesellschaft und Nähe. Ich nicht, oder zumindest nur in einem sehr reduzierten Maß. Ich kann wochenlang allein sein.

  2. Ich bin kein Einzelfall. Es gibt in unserer Gesellschaft Menschen, denen es ähnlich geht wie mir. Diese „Introverts“ sind eine fragmentierte Minderheit, aber wir haben Gemeinsamkeiten. Während der Großteil der Menschen ihre Akkus über soziale Interaktion auflädt, kostet uns der Umgang mit anderen Kraft. Das heißt nicht, dass wir Treffen mit Freunden nicht mögen oder keine Berufe ausüben, in dem wir keinen Umgang mit anderen haben. Das alles kostet uns aber Energie, es leert unsere Akkus. Die laden wir dadurch wieder auf, indem wir allein für uns sind.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für Introverts ist die staatliche Verordnung zu Hause zu bleiben eine traumhafte Sitution. Endlich brauchen wir keine Ausreden mehr zu erfinden, um nicht mit anderen in Präsenz interagieren zu müssen. Endlich müssen wir uns nicht mehr in Situationen begeben, die unsere Akkus leert. Weil: Höhere Gewalt.

Wer ihn nicht kennt und Langeweile hat: Das hier ist „Quiet Earth“, der lohnt sich immer noch.

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Corona (7): Gabenzäune


Weltweit: 495.086 Infektionen (+98.837), 22.295 (+5.043) Todesfälle
Deutschland: 41.519 Infektionen (+10.149), 239 (+106) Todesfälle

Die Lage der Welt

Die USA sind absehbar das neue Epizentrum der Pandemie, mit aktuell schon 70.000 Fällen. Dabei gibt es bei denen praktisch keine Tests, weil der faschistische Trickbetrüger im Präsidentenamt die Tests der WHO abgelehnt hatte und eigene, „Made in America“ wollte. Die gibt es aber nicht. Genauso wenig wie das Heilmittel, das er vor wenigen Tagen verkündete. Doof nur das, während er sein Schlangenöl anpries, der Leiter der Gesundheitsbehörde stand und im nächsten Moment sagte „Nein, das funktioniert nicht“. Das die USA jetzt dabei sind den Spitzenplatz einzunehmen, liegt schlicht daran, dass es ein Land der dritten Welt ist, was die medizinische Versorgung angeht, und das die Führung das Problem zwei Monate ignoriert hat.

Und nicht nur das, es geht weiter: Mittlerweile verkünden altgediente Republikaner, sie würden gerne sterben, um ihren Enkeln eine funktionierende Marktwirtschaft zu hinterlassen. Prompt kündigte Trump an, nach Ostern alle Einschränkungen aufheben zu wollen, weil „Da muss es ja dann auch mal gut sein“. Während Newy York leergefegt ist und der dortige Gouverneur sagt „Das Leben wie wir es kenne ist vorbei“, rufen liberale Colleges rufen jetzt schon ihr Lehrpersonal und die Studierenden zurück. Gut, um BWLer ist es nicht schade, aber das ist doch wirklich Kapitalismus im Endstadium.

Oder, wie es jemand auf Twitter im Rollenspieljargon ausdrückte: „Die USA sind jetzt chaotic evil. Kann sein, dass sich nun die Länder an einer Führungsmacht orientieren, die zumindest Lawful Evil ist: China“.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir später einmal auf diesen Punkt der Geschichte zurückblicken und zu dem Schluss kommen, dass die Aushöhlung der Demokratien durch Rechtspopulisten und die Pandemie für einen Zusammenbruch westlicher Staatsysteme und Wirtschaftsordnungen gesorgt haben.

In Ungarn wird der Umbau zur Diktatur vorangetrieben, der Faschist Orban will per Notstandsverordnungen und mindestens für ein Jahr Parlament und Grundrechte aushebeln

In Brasilien stellt sich der Faschist Bolsonaro hin, tut Corona als Erfindung der Medien ab und lässt sich von seinen Anhänger dafür feiern, keine Maßnahmen zu verhängen. Faschistische Politik ist eben immer menschenverachtend und kostet am Ende Leben. Und nein, ich verwende den Begriff „Faschist“ nicht pauschal und inflationär, sondern kann das immer begründen. Faschismus hat viele Gesichter, aber er erfüllt immer Grundmerkmale, und die sind aktuell in den USA genauso vorhanden wie in Brasilien, Ungarn oder der Türkei.

In Italien geht mancherorts das Benzin aus. Warum? Weil viele Tankstellen von Selbstständigen betrieben werden, und deren Umsätze sind so eingebrochen, dass sie es sich nicht leisten können, neue „Ware“ zu bestellen – denn das Benzin müssen die Pächter im Voraus bezahlen.

In Deutschland gibt es auch viel Angst, aber auch viel Solidarität. In Kiel und anderen Städten gibt es „Versorgungszäune“ oder „Gabenzäune“, an die Menschen Nahrung, Kleidung, usw. hängen, und Wohnungslose können sich bedienen. Das ist wichtig, weil nach der Schließung der Tafeln und der Sozialstationen die Obdachlosen wirklich Hunger leiden.

Bild: SHZ.de

Bild: SHZ.de

In der Schweiz muss man übrigens zwei Meter Abstand voneinander halten, in Deutschland nur 1,50 Meter. Warum ist das so? Wegen der Kehllaute. Das Grunzen und Gurgeln der Eidgenossen verschleudert die Viren weiter als menschliche Laute. Odr.

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