Corona-Tagebuch

Corona-Tagebuch (23): Rezos Zerstörung der Idioten

Weltweit: 58.900.313 Infektionen, 1.392.213 Todesfälle
Deutschland: 944.984 Infektionen, 14.258 Todesfälle

Tag 255 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Der Lockdown Light bringt´s nicht, die Fallzahlen steigen weiter (obwohl weniger getestet wird), die Todeszahlen auch. Aber noch immer will niemand Schulen schließen. Stattdessen sollen private Kontakte weiter eingeschränkt werden, so ein Vorschlag der Länder. „Welche privaten Kontakte“, fragt da jetzt so mancher mit einem bitteren Unterton, denn die Allermeisten von uns haben sich seit März nicht mehr mit Freunden getroffen, sind Essen oder ins Theater gegangen.

Die Hauptgründe für die steigenden Fall- und Todeszahlen dürften zwei Dinge sein: Offene Schulen und Superspreaderevents, bei denen viele Menschen zusammen kommen und dort rasend schnell das Virus von einem zum anderen verbreiten. Moment mal, Großveranstaltungen? Die gibt´s doch gar nicht mehr?

Doch, in Form von Demos. Es gibt Menschen, die gegen den Corona-Virus auf die Straßen gehen. Das ist ein bunt gemischter Haufen: Manche beklagen die Grundrechtseingriffe, manche sind so in ihrer Existenz bedroht, das sie vor Angst auf die Straße gehen. So weit, so verständlich. Was dann weniger verständlich ist, ist, dass diese Menschen Demos zusammen mit Esoterikern und Verschwörungsgläubigen machen, die behaupten es gäbe Corona gar nicht, das sei eine Erfindung der Regierung, um einer „Elite“ zu ermöglichen bei Zwangsimpfungen 5G-Chips in die Hirne der Menschen zu spritzen, damit die BRD GmbH… Naja, undsoweiter.

Anfangs wurden diese Leute als „Covidioten“ tituliert, mittlerweile wird es aber gefährlich. Denn stramm rechte und Neonazis organisieren und vernetzen unter dem Titel „Querdenken“, melden Demos an und verbreiten die Märchen, dass man sich hier „im Widerstand“ gegen „das Regime“ befinde. Das treibt absonderliche Blüten, wie am Wochenende schön zu beobachten war. Da stellte sich „die Jana aus Kassel“ bei einer „Querdenken“-Demo am Wochenende in Hannover auf eine Bühne und verkündete, sie fühle sich wie Sophie Scholl, weil sie auch im Widerstand sei und Flugblätter verteilt.

An Jana aus Kassel sieht man zwei Dinge sehr schön:

  1. An Schulbildung sparen rächt sich gesamtgesellschaftlich, immer.

  2. Wie Gunnar Lott so schön schreibt: „Die Janas dieser Welt sind so wohlstandsverwahrlost, dass sie etwas brauchen, was nur Verschwörungstheoretiker und Nazis bieten, dieses einfache Absolution „Du kannst weiter egoistisch sein, musst Dicg um nichts kümmern, musst keine Solidarität zeigen, aber trotzdem sind alle anderen Schuld an allem. Es gibt keine christliche und auch keine linke Erzählung, die es dem Rezipienten ähnlich einfach macht. Religionen und humanistische Bewegungen fangen nämlich immer beim „Ich“ an, bei der Eigenverantwortung.“

So kommt es, das wohlstandverwahrloste (dieses Wort!) Janas Seite an Seite mit Nazis, Rechten, Spinnern und Leuten mit viel Angst zusammen und natürlich ohne Masken oder Abstand durch deutsche Innenstädte marodieren. Das Konzept der Polizei bislang: Hartes Vorgehen mit Wasserwerfern – aber nur gegen die Gegendemonstranten. Die Corona-Nazis haben nämlich Kinder als Schutzschilde dabei, während die Menschen, die gegen die Coronaleugner aufstehen, weggekärchert werden.

Warum DAS ein Problem ist und bedeutet, hat Rezo sehr schön in seinem neuestem Video aufgearbeitet. Das sind 18 Minuten die sich lohnen, und natürlich ist wieder jeder Satz mit Quellen belegt.

Zum Schluss noch was Lustiges: Das hier hatte ich heute im Briefkasten. Lustige Printpublikationen bringt die Pandemie hervor.

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Corona-Tagebuch (22): Föderalismus, du dumme Nuss

Weltweit: 55.736.846 Infektionen, 1.390.900 Todesfälle
Deutschland: 843.757 Infektionen, 13.159 Todesfälle

Tag 251 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Ganz zu Beginn der Pandemie hörte ich im Radio die Ansage eines Epidemiologen, dass Schulen die Orte seien, die die Ausbreitung von Krankheiten massiv beschleunigen und vorantreiben. Das klingt logisch und kann jeder bestätigen, der selbst Kinder in Kitas oder Schule hat. Die Lütten sind immer alle kollektiv verrotzt, haben gemeinsam Läuse oder Magen-Darm. Deshalb war es auch Folgerichtig, dass im Frühjahr die Schulen geschlossen wurden, um the curve zu flatten.

Für diese effiziente Maßnahme haben einige Landespolitiker aber wohl so dermaßen Schelte bezogen, dass sie sich das nun nicht mehr trauen. Der „Lockdown Light“ heißt ja auch deshalb so, weil Schulen und Geschäfte weiterhin geöffnet sind.

Bringen tut er freilich wenig. Zwar sind die Rate der Neuansteckungen nicht mehr exponentiell, aber krass linear und die Intensivstationen fast voll. Der Bundeskanzler Frau Merkel drängt auf strengere Maßnahmen, aber die Landeschefs mauern, fühlen sich vom Kanzleramt überrumpelt und wollen lieber, äh, irgendwas anderes machen. Förderalismus is a bitch.

Das sind übrigens dieselben Bundesländer, die – so weiß ich aus dem eigenen Bekanntenkreis, in dem sich auch Schulleiter tummeln – alle Vorschläge für Hybridunterricht, Klassenteilungen und schichtweisen Unterricht, die die Schulen über den Sommer erarbeitet haben und im Herbst umsetzen wollten, schlicht abgelehnt haben. Weil: Lüften reicht ja. Arbeitsverweigerung bis zur Verantwortungslosigkeit.

Wie es weitergeht, sieht man schon in Österreich und der Schweiz. Horrende Todeszahlen, Triage, harter Lockdown. Also das, was uns in Deutschland in Kürze auch bevorsteht.

Good News, everyone!

Sieht aus, als wären nicht nur ein, sondern zwei wirksame Impfstoffe gefunden worden. Bis das bestätigt ist, ggf. der Kram ausreichend produziert und alle geimpft worden sind, wird es vermutlich Ende 2021. Aber immerhin.

Ausland

Alles erbärmlich: In den USA weigert sich der abgewählte Trump auch wirklich abzutreten und konzentriert alle Energie darauf, die Wahl juristisch zu kippen. Gegen die Pandemie macht seine Regierung genau nüscht und sagt das auch so. Der neu gewählte Präsident kann aber noch keine Planung für seine Anti-Corona-Maßnahmen aufstellen, weil Trump ihm Zugang zu Infos verweigert.

Derweil, in Europa, dachte die Leyen-Kommission allen Ernstes es sei voll clever, die Abstimmung über den Haushalt der kommenden sieben Jahre plus 1,8 Billionen Corona-Hilfen an die Einhaltung von rechtstaatlichen Grundregeln zu knüpfen. Ja, nee, sagen da Polen und Ungarn und nun sind alle fürchterlich überrascht und im Krisenmodus. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Diktator Orban und die traurige, alte Kartoffel Kacynski machen immer genau das, was sie vorher ansagen. Rechtsstaatlichkeit bedeutet freie Presse und unabhängige Justiz, und das können sie nicht brauchen. Das man ihnen dann nicht zutraut gegen Hilfen zu stimmen, von denen beide Länder massiv profitieren, ist naiv. Denn egal was die beiden tun: Sie profitieren immer davon, im Zweifel durch eine Opferhaltung und indem sie die EU als böse darstellen. Und während die Ost-Könige weiter ihre Demokratien zerstören, gehen die südeuropäischen Länder vor die Hunde, die die Hilfen dringend bräuchten.

Gelacht

Laut gelacht habe ich, als ich das hier im Edeka um die Ecke sah: Hamstern von Klopapier wird bestraft, die Einnahmen aus den Strafzahlungen an die Tafeln gespendet. Sehr gut!

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Corona-Tagebuch (21): Lockdown Light vs. Primateninstinkte

Weltweit: 46.519.618 Infektionen, 1.200.471 Todesfälle
Deutschland: 522.060 Infektionen, 10.541 Todesfälle

Tag 234 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit heute ist es soweit, es gibt wieder verschärfte Maßnahmen, umgangssprachlich „zweiter Lockdown“, von der Politik „Lockdown Light“ genannt. Keine privaten Feiern, private Kontakte eingeschränkt, Freizeitbereich wie Fitnessstudios, Kinos und Restaurants wieder zu. Offen bleiben dagegen Schulen und Kitas und der komplette Einzelhandel. Ob das was bringt? Wir werden es sehen.

Nicht gebracht hat es das Konzept der Eigenverantwortung. Ja, viele Leute waren vernünftig, haben überall Maske getragen und unnötige Kontakte vermieden. Aber eine wesentlich größere Anzahl hat das eben nicht getan, und selbst kurz vor dem zweiten Lockdown wurden noch, so ist den Medien zu entnehmen, allerorts kleinere und größere Halloweenpartys gemacht.

Die zweite Welle war vorhersehbar, wenn man mal in die Geschichte schaut. Diese Grafik hier

bildet nicht etwa die aktuelle Situation ab. Die zeigt die Todeszahlen pro 1.000 Personen bei der Spanischen Grippe von 1918 in Großbritannien.

Und das hier sind die Infektionszahlen in Deutschland. Sieht ähnlich aus?

Was stimmt mit den Leuten nicht?, fragt man sich da, und tatsächlich sind die Mechanismen hinter dem Verhalten komplex UND interessant. Zwei der Wichtigsten:

1. Belohnung. „Ich habe doch so lange auf dies und das verzichtet, nun darf ich auch mal über die Stränge schlagen“ – kennt jeder, der nach dem Fitnessstudiobesuch mal eine Tafel Schokolade gefressen hat. Nur: Im Falle der Pandemie ist das wie „Ich habe so lange ein Kondom benutzt, jetzt darf ich auch mal ohne“.

2. Kaputte Freund-Feind-Erkennung Es ist in unseren Primatenhirnen tief verwurzelt, dass wir Freunde und Familie nicht als Gefahr ansehen. Deshalb neigen wir dazu, in Bezug auf Freunde unvorsichtig zu werden. „Ist doch nur Omma, die steckt uns schon nicht an, bei der brauche ich keine Maske“. Ja, nee. Dagegen hilft ein Trick: Man muss so tun, als sie man SELBST infiziert und müsste Omma schützen. Damit umgeht man seinen Primateninstinkt.

Fünfundsiebzig Prozent
Restaurants bekommen jetzt 75% des Umsatzes des Novembers des Vorjahres ausgezahlt. Von mir aus sollen sie, Hauptsache ich muss diese DeHoga-Tante nicht mehr sehen, der Geschäft über Menschenleben geht.

Ich frage mich nur zwei Dinge:

  1. Was hilft das neuen Restaurants, die noch kein Jahr am Markt sind? und

  2. ECHT JETZT? FÜNFUNDSIEBZIG PROZENT DES UMSATZES? GEHT ES NOCH? In der Gastronomie gibt es drei Hauptsäulen von Kosten: Miete, Personal, Rohmaterial. Klar, wenn die Miete weiterläuft bei Null Einnahmen ist das Doof. Aber was muss man genau NICHT kaufen wenn es keine Gäste gibt? Genau, Rohmaterial. Und was machen Gastronomiemenschen als erstes, wenn es nicht dolle läuft? Sie werfen das Personal raus, das in der Regel eh nur befristete Aushilfsverträge hat. Für viele Betriebe in der Gastronomie ist das hier also ein Geldregen: Kaum Kosten, aber 75 Prozent des Umsatzes UND den ganzen Tag Netflix gucken. Geilo.

Die weiteren Aussichten

Ich will jetzt keine schlechte Laune machen, aber die schweren Verläufe der jetzt neu Infizierten landen erst in 10 Tagen in den Intensivstationen der Krankenhäuser, die jetzt schon zur Hälfte belegt sind. In Schweiz musste bereits mit der Triage begonnen werden. Da wir in Deutschland dafür keine gesellschaftliche Vereinbarung haben, wie C. Drosten schön erklärte, muss die Entscheidung, wer beatmet wird und wer nicht, das medizinische Personal im Einzelfall treffen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was das mit den Menschen macht. In den USA zählt man einfach die „Years lost“, damit ist ein klares Selektionskriterium gegeben: Jüngere, mit einer noch höheren Lebenserwartung und mehr Lebensjahren, die sie verlieren könnten, werden eher betreut als Alte.

1918 ging es in Großbritannien übrigens so weiter. Mit einer dritten Welle im März.

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Corona-Tagebuch (20): Die zweite Welle ist da

Weltweit: 40.485.384 Infektionen, 1.119.545 Todesfälle
Deutschland: 377.068 Infektionen, 9.844 Todesfälle

Tag 222 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Das Problem an vorbeugenden Schutzmaßnahmen: Wenn sie wirksam sind, wird im Nachgang gerne so getan als wären Sie überflüssig gewesen. So auch hier und jetzt, mitten in der Pandemie. Über den Sommer hat sich in vielen Köpfen festgesetzt das es einen „Lockdown“ gegeben habe und der übertrieben gewesen sein muss, weil: Wir leben ja noch und guck, alles wieder offen.

Nun gab es zum einen aber gar keinen „Lockdown“, und zum anderen: Wer auch nur den Wikipediaartikel zur Spanischen Grippe von 1918 gelesen hat, konnte ganz sicher sein, dass im Herbst eine zweite Welle kommen würde. Und nun ist sie da:

Von weniger als 300 Neuinfektionen pro Tag im Juli auf 8.500 jetzt. Muss man auch erstmal hinkriegen, wobei es besonders die ganz Jungen und die Älteren sind, die das Risiko nach wie vor nicht ernst nehmen. Ich musste am Freitag mein Auto von einer Werkstatt abholen und habe dafür spät am Abend den Nachtbus genommen, um möglichst wenig Leuten zu begegnen. Obwohl Bus und Stadt eigentlich leer waren: Wo Menschen unterwegs waren, klumpten die dicht zusammen und hatten keine Masken auf.

Wobei Deutschland im europäischen Vergleich noch gut da steht, andernorts sind die Infektionszahlen viel höher. Wer einmal eine französische Schulklasse auf Klassenausflug gesehen hat, ahnt auch, woher das kommt. Sport der Kids war es, sich von Angesicht zu Angesicht aufzustellen und sich gegenseitig in den offenen Mund zu spucken oder zu husten. E-kel-haft.

Non sole mio

Nun komme ich gerade aus Italien zurück. Die Menschen dort haben ihre Lektion auf die harte Tour gelernt, Italien hatte nämlich wirklich einen Lockdown. Vier Monate durften die Menschen ihre Wohnungen nicht verlassen. In den Straßen patrouillierte Polizei und Militär, und wer ohne Grund außerhalb seiner vier Wände unterwegs war, bekam eine Anzeige und wanderte im Wiederholungsfall oder bei „Coronaleugnung“ schlicht in den Bau.

Resultat: In Italien trägt jeder Einwohner seine Maske, vom Kind bis zum Greis, über Mund UND Nase, und selbstverständlich auch draußen und in den Straßen. Das wird gar nicht diskutiert, Maskenverweigerer sieht man nicht. Nur deutsche und britische Touristen erkennt man sofort. Die Deutschen tragen gar keine Maske und die Briten tragen Masken als Einstecktuch oder am Revers spazieren oder setzen sie sich – LUSTIG LUSTIG – auf den Kopf. Als ob Corona im Urlaub Pause hätte.

U-S-A!

In den USA melden Kliniken jetzt nicht mehr die Fallzahlen an das Gesundheitszentrum, sondern an das Weiße Haus. Das „bereinigt“ dann die Daten veröffentlicht sie erst dann. Prompt sanken seitdem die Infektionszahlen, aber seitdem es Trump selbst und mit ihm das halbe Weiße Haus erwischte, steigen selbst die gelogenen Zahlen wieder. Trump spinnt daraus aber eine Heilandserzählung: Er habe überlebt und an ihm wurden neue Medikamente getestet, die er nun dem Volk schenkt. Krass, wie schlimm das gerade alles entgleist.

„Nicht ausreichend“

Nochmal zurück nach Deutschland: Während die Länderchefs sich im Klein-Klein verlieren und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband reihenweise Schutzmaßnahmen wegklagt, weil Umsatz wichtiger ist als Menschenleben, warnt der Bundeskanzler Frau Merkel davor, dass die verabredeten Maßnahmen „nicht ausreichend seien um Unheil abzuwenden“ und das alles „zu keinem guten Ende führe“.

Konservative Kommentatoren, die in gerade in Deutschland an einer ähnlichen Spaltung der Gesellschaft arbeiten wie in den USA, verspotten sie dafür als „Schreckgespenst“ (Nikolaus Blome auf Spiegel Online).

Vernünftigen Menschen fällt dagegen jetzt noch einmal verstärkt auf, wie schlimm Merkel mit Sprache umgeht, und das sie nie agiert als habe sie Macht und Gestaltungsspielraum. Stattdessen richtet sie ihre Politik immer nach Umfragen und Zahlen aus, und die Zahlen sagen gerade: Was noch kommt wird richtig Scheiße.

Der Bundeskanzler Frau Merkel weiß das. Die Altherrenrunde der Kanzlerkandidaten ignoriert es und tut so, als könnten sie Covid-19 mit bloßen Händen besiegen. Deppen.

Deppen

Apropos Deppen: Die Deutschen hamstern schon wieder. Vielerorts sind die Klopapierregale erschreckend leer.

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Corona (19): Alltagsmüdigkeit vs. Reiselust

Weltweit: 24.446.482 Infektionen, 831.827 Todesfälle
Deutschland: 240.573 Infektionen, 9.293 Todesfälle

Tag 169 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit dem letzten Blogeintrag zur Pandemie sind zwei Monate vergangen. Seitdem ist die Zahl der Infizierten von unter 10 Millionen auf 25 Millionen gesprungen, die der Toten hat sich verdoppelt. Nach wie vor sind die USA am Schlimmsten betroffen, politisch gibt es da auch immer noch keine Strategie. Es ist Wahlkampf, und Trump wurde gerade beim Parteitag der Republikaner als derjenige gefeiert, der durch sein schnelles und entschlossenes Eingreifen das Schlimmste verhindert hat. Wirklich, die Republikaner erklären Corona für besiegt und tun so, als ob es die bislang 180.000 Toten in den USA nicht gäbe. Stattdessen wurden die Testprozedere gerändert, und neuerdings erfolgt Reporting direkt an die Trump-Regierung und nur das Weiße Haus, nicht mehr das Gesundheitsamt, veröffentlicht Statistiken. Man kann sich vorstellen, was passiert: Die Zahl der Infektionen sinkt urplötzlich. Ein Wunder.

COVIDioten

In Deutschland sieht es besser aus, hier frisiert die Politik keine Zahlen, und in den letzten zwei Monaten gab es gerade mal 300 Todesfälle. Das Infektionsgeschehen ändert sich aber gerade, zum Schlechteren. Das liegt nicht in erster Linie an den „COVIDioten“, die für sich ein Phänomen sind: Da marschieren stramm Linke, Hippies, Esoteriker und Bildungsbürger Seite an Seite mit Reichsbürgern und Neonazis gemeinsam auf „Hygiene-Demos“ herum, aus Protest gegen die Anordnungen zum Tragen von Masken. Das deuten Sie als Einschränkung der Meinungsfreiheit oder ihrer freien Entfaltung oder wasweißich.

Sie alle eint das diffuse Gefühl, dass „die da oben“ in der Pandemie machen was sie wollen, und wittern überall Verschwörungen. Das ist eine normale, menschliche Reaktion: Die Bedrohung ist so groß und so wenig fassbar, dass der menschliche Geist es nicht begreift und annimmt, dass da mehr dahinterstecken muss als ein unsichtbarer Virus. In der Außenansicht ist es natürlich absurd dumm, ändert aber nichts daran, dass Verschwörungstheorien gerade starken Zulauf haben, und sich die Rechtsradikalen auf dieses Thema setzen. Die Politik ist in einer Zwickmühle: Damit nicht wieder 20.000 maskenverweigernde Covidioten unter der Führung von „Querdenkern“ aus Stuttgart durch Berlin marschieren, muss tatsächlich ein Grundrecht eingeschränkt werden: Das der Demonstrationsfreiheit. JETZT, wo keine Rechten Verschwörungsgläubigen mehr unter den Linden marschieren dürfen, jault sogar die BILD und fährt eine Kampagne dagegen, aber als die Demo zum Gedenken der Opfer des rechten Attentats von Hanau trotz Hygienekonzept abgesagt wurde: Schweigen im Wald.

Reiserückkehrer

Nein, die wahre Gefahr geht von den Reiserückkehrern aus. Viele, viele Menschen sind den Sommer über zu Hause geblieben, waren vorsichtig und haben lieber eine Veranda gebaut als weg zu fahren, aber eine ordentliche Zahl ist doch in den Sommerferien ins Ausland geflogen oder war in der Bahn unterwegs. Genau das sind für mich die kritischen Punkte. Die Züge sind schon wieder überfüllt und die Bahn nicht Willens Abstandsregeln einzuhalten und die Maskenpflicht durchzusetzen. Das hat dazu geführt, dass meine Firma die Bahncards der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt hat. Nicht viel besser ist es in Flugzeugen. Auch hier sitzen die Leute dicht an dicht, und Aerosole werden über die Umluft der Kabine flächendeckend verteilt. Wenn man dann noch so Spezialisten da rumhocken hat, die „Ich habe ein Attest“ spielen oder den ganzen Flug über an einem Stück Brotrinde rumkauen weil „Zum Essen muss ich keine Maske tragen“, dann kann man sich denken, was passiert.

Und tatsächlich sind die Zahlen an Neuinfektionen stark gestiegen, seitdem die Leute aus den Ferien zurückkommen. Hatten wir im Juli tageweise nur 200 Neuinfektionen, sind es nun 1.500 bis 2.000. Das entspricht dem Stand vom April.

Reiselust

Aber ach, man kann es ja niemandem verdenken, dass es einen in die Ferne zieht. Geht mir ja nicht anders. Nachdem die lange Sommertour mit dem Motorrad ausgefallen ist, hatte ich mit der Idee geliebäugelt, im September nach Rumänien zu fahren und endlich den Transfagarsan-Pass zu sehen. Wochenlang habe ich zu Rumänien recherchiert und eine geile Tour geplant. Kaum war die Planung fertig und die ersten Unterkünfte gebucht, gab es einen heftigen Ausbruch der Seuche und Rumänien wurde zum Krisengebiet. Also wieder verworfen. Und nun plagt mich Reisesehnsucht, verbunden mit einer tiefen Alltagsmüdigkeit. Ich habe zu nichts Lust, nicht mal zum bloggen. Ist schon oft gesagt worden: Dieses Jahr fühlt sich an wie der längste März aller Zeiten. Das jetzt schon Herbst sein soll kann ich kaum glauben.

Lasst mich hier liegen, ohne mich schafft ihr es vielleicht.

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Corona (18): Hotspots

Weltweit: 9.150.271 Infektionen, 472.856 Todesfälle
Deutschland: 192.480 Infektionen, 8.914 Todesfälle

Tag 103 der Corona-Maßnahmen.

Back to Normal, aber bitte mit Abstand und Maske. Das bringt anscheinend wirklich etwas, die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist in Deutschland gering. Oder sie war es zumindest, die Zahlen sind gerade schlagartig gestiegen. Grund: Schlechte Hygienemaßnahmen in einem Schlachtbetrieb in Gütersloh und Masseninfektionen in den beiden großen Wohnblocks in Göttingen. Der Landkreis Gütersloh, der ja Anfang des Jahres meinen Führerschein einkassierte, ist nun wieder im Lockdown, Gütersloher dürfen in Bayern keine Hotels besuchen.

Im Fall der Groner Landstr. 9a geht die Stadt mit unverständlicher Härte vor: Man hat einfach einen Zaun rings ums Gebäude gestellt und lässt den bewachen, Niemand darf rein oder raus. Das ist schon krass, denn das Haus ist ein Bunker mit winzigen Wohnungen, in denen Teils große Familien leben. Klar, das sowas eskaliert, und prompt wurde die Polizei angegriffen.

Funfact: Ich habe selbst mal in dem Haus gewohnt. Das ist aber nichts besonderes, gefühlt hat JEDER schon mal dort gewohnt. Zumindest jeder Student, der in den Neunzigern nach Göttingen kam. Damals wie heute gab es keinen bezahlbaren Wohnraum in der Universitätsstadt, und so blieb nur die Groner Land. Das ist ein Komplex mit mehreren Gebäudeteilen, und damals wohnten im linken Flügel die Punks, rechts die Nazis und im Wohnturm in der Mitte die Studis. Ich hatte das Glück in einem relativ abgeschlossenen Teil nach hinten raus zu wohnen, mit Blick auf den Rangierbahnhof. In den 12 Monaten, die ich da gewohnt habe, habe ich in den Fluren nie eine Menschenseele gesehen. Nur der Geruch nach gekochtem Kohl verriet die Anwesenheit menschlichen Lebens.

Die Welt

Die Staaten mit einem autoritärem Rechtsregime, wie die USA, UK und Brasilien, haben lange die Realität geleugnet und tun das auch weiterhin. Nach langem Zögern folgten einige Wischi-Waschi-Pseudo-Maßnähmchen, dann zurück zum Alltag. Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland eine flache Kurve, für die Welte eine Gerade im 45 Grad Winkel. Wirtschaft ist wichtiger als Menschenleben, die Quittung sind Hunderttausende Tote. Brasilien ist das freilich völlig egal, die Nutzen die Pandemie um ungescholten den Regenwald abzuholzen.

Die Aussicht

Ich denke nach wie vor, dass uns die Maßnahmen noch lange begleiten werden. Das es bisher in Deutschland glimpflich gelaufen ist sorgt zudem nun dafür, dass die Leute sorglos werden und keine Masken mehr tragen oder sie nicht richtig einsetzen. Außerdem freuen sich viele auf den Urlaub – der Aufenthalt in Flugzeugen und Bahnen wird aber nicht dazu beitragen, Neuinfektionen zu verhindern. Bad Ischgl ist überall.

Ich Ich Ich

Morgen die erste Dienstreise seit dem 07. März. Ein merkwürdiges Gefühl. Privat habe ich mich schon eher rausgetraut, wollte eine Moppedtour durch Ostdeutschland machen. Da kam dann aber Starkregen dazwischen. War ja klar.

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Corono (18): Es ist vorbei. (nicht).

Weltweit: 3.866.642 Infektionen, 270.118 Todesfälle
Deutschland: 169.430 Infektionen, 7.392 Todesfälle

Nachdem sich in der vergangenen Woche die Länderchefs in Sachen Lockerungen ohne große Abstimmung überboten haben, trat nun auch der Bundeskanzler Frau Merkel vor die Presse, lobte das Verhalten der Menschen bis hier her und erklärte die erste Welle der Pandemie für überstanden. Man habe erfolgreich die Überlastung der Gesundheitssysteme verhindert. Und nun? Weiter wie gehabt, alles öffnet Stückweise wieder. Mir fehlt schon lange ein Ziel, oder ein Plan. Der „Hammer & Dance“-Entwurf würde vorsehen, dass nach Rückgang der Neuinfektionen rigoros und in Massen getestet und Infektionsketten nachverfolgt werden. Das macht die Regierung aber nicht. Es scheint keinen Masterplan zu geben. Stattdessen wurschtelt jedes Bundesland irgendwie rum, und alle hoffen das es gut geht.

Bei der Bevölkerung wird das leider vielfach interpretiert als: „Es ist vorbei, wir haben es geschafft“. Dabei ist das grob falsch, und deshalb bleiben auch essentielle Maßnahmen wie das Abstandsgebot oder die Pflicht zum Tragen von Masken über Mund und Nase bestehen. Das erzeugt nun eine komische Situation: Einerseits hängt in den Köpfen von vielen Leuten der Gedanke „es ist vorbei“, andererseits bestehen solche Pflichten. Das… kann doch nur Gängelei sein!!

Tatsächlich wird die Aluhutträgerfraktion gerade stark. Menschen, die nicht glauben, das so etwas Kleines wie ein Virus solche starken Veränderungen auslösen kann. Da muss doch mehr dahinterstecken! Deshalb blühen allerorten absurde Theorien wie die, dass Bill Gates den Virus erfunden hat, damit er uns ein Gegenmittel als Zwangsimpfung verabreichen kann in dem dann 5G-Chips enthalten sind.

„Promis“ wie der Rassist Xavier Naidoo, der rechte Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen oder obskure Gestalten wie Attila Hildmann raunen von großen Verschwörungen, und die Aluhutträger folgen ihnen und bilden sogar eine neue Partei: „Widerstand 2020“. Da Verschwörungs- und Esoterikglauben und rechte Ideologie gerne mal Hand in Hand gehen, winkt aus der Ferne schon mal die zweite Reihe der AfD in Richtung Neupartei und organisiert gemeinsam Demos. Muss man sich mal reintun: „Coronaskeptiker“ gehen auf „Hygienedemos“, um gegen Sicherheitsregeln zu protestieren. Dabei stellen sich dann Leute hin die sich vor dem Besuch eines Supermarktes angemalte Tampons in die Nase stecken und so tun, als hätten sie gerade eine Nasen-OP hinter sich, damit sie keine Maske tragen müssen. Meine Fresse. Bildungsniveau Wie im finstren Mittelalter. Dabei hatten wir hier nicht mal harte Maßnahmen wie in Frankreich, Italien oder Spanien, wo man nur mit Passierschein aus dem Haus durfte.

Die Springer-Presse macht da begeistert mit und lässt „Experten“ im Blatt zu Wort kommen, die erzählen dürfen, dass der Lockdown ja ein Fehler gewesen sei. Man hätte es doch wie in Schweden machen sollen. Nur: Schweden war in Sachen Maßnahmen von Deutschland nicht weit weg, hat nur die Schulen und die Gastronomie offengelassen. Das Ergebnis: 290 Tote auf eine Million Einwohner. In Deutschland sind es 89. Wo genau war der Lockdown also ein Fehler?

Rest der Welt

Trump zerlegt die USA, Teil 9.789: „Das Land muss endlich wieder öffnen“, tönt es aus dem orangenen Hohlkopf, dabei ist der Anstieg eder Fall und Todeszahlen unverändert hoch. In den USA gab es gar keine harten Maßnahmen, aber die unsichtbare Hand des Marktes hat schon mal geregelt: 30 Millionen Arbeitslose gibt es jetzt. Und wie in einem Land der dritten Welt kein Sozialnetz und praktisch keine Krankenversicherung. „Ich sehe unsere Bürger auch als Krieger“, sagt Trump. Will heißen: Es wird Tote geben. Noch mehr davon. 76.000 gibt es schon. Oder, wie Naomi Wu es gegenüber ihren Hatern ausdrückt, die sie immer als Kommunistin anfeindend: „Ich beneide die USA um ihre Freiheit. Ihr habt die Wahl entweder in Euren Wohnungen zu hocken bis ihr verhungert und für die Oligarchen, die Euch regieren, arbeiten zu gehen bis ihr Blut hustet“. Krass zugespitzt, aber wahr.

Weil Trump ja nie für irgendwas Verantwortung übernimmt, versucht er die seinem Amtsvorgänger in die Schuhe zu schieben. „Die Schränke mit der medizinischen Ausrüstung waren leer“, jammert Trump. Das ist natürlich gelogen. Neue medzinische Ausrüstung sollen jetzt vor allem Staaten bekommen, die Trump huldigen. Für seine tolle Arbeit. Weil 3.000 Tote pro Tag eine Erfolgsstory sind.

Neben den Unvereinigten Staaten von Amerika gibt es ja auch noch das Unvereinigte Königreich. Das zerlegt sich gerade durch Johnsons Fehlpolitik. Zu spät hat das Land reagiert, und dann noch Falsch. Senioren wurden erst in Krankenhäuser evakuiert, dann zurück in Altenheime geschickt. Mangels Ausrüstung hatten sie sich aber in der Zwischenzeit infiziert, und so geht der Tod in Brittanien um: über 30.000 Tote bislang, mehr als in Italien, und kein Ende in Sicht.

Hersteller von Omma-Muff suchen neue Absatzmärkte.

Ich Ich Ich

Ich gehe weiterhin meinem gewohnten Leben nach. Morgens zur Arbeit, extrem viel zu tun, Abends nach Hause und kaputt. Mir fehlt Moppedfahren und Reisen und Theaterbesuche, aber das sind Luxusprobleme und alles nicht schlimm. Außerdem habe ich nie Langeweile. Geändert hat sich, dass ich wirklich nur maximal ein Mal pro Woche einkaufen fahre, spät abends, in einen dann praktisch leeren Supermarkt auf dem Land. Das werde ich auch noch eine Weile so weitermachen, denn es würde mich sehr überraschen, wenn die Fallzahlen nicht wieder steigen würden.

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Corona (17): Esst mehr Trump!

Weltweit: 2.973.264 Infektionen (+ 315.202) 206.569 (+21.926 in den letzten vier Tagen) Todesfälle
Deutschland: 157.781 Infektionen (+6.759), 5.976 (+622 in den letzten vier Tagen) Todesfälle

Kein Zweifel, es ist „Back to Normal“. In Deutschland gibt es immer noch 2.000 Neuinfektionen und 200 Tote am Tag, aber die Länder: Volle Straßen und Geschäfte, Schlangen vor den Bäckereien. Immerhin gibt es bei unter 800qm eine Höchstzahl an Personen, die in einem Geschäft sein dürfen. Die wird in manche Geschäfte über abgezählte Einkaufskörbe oder -wagen geregelt, andere haben vor ihrem Lädchen Gummienten abgelegt, und nur wer eine Ente hat, darf in den Laden

Immerhin: Die Leute tragen alle Schutzmasken. „Aber die helfen doch gar nicht“ jammern jetzt einige. Das wurde uns tatsächlich auch wochenlang erzählt, zur großen Verwunderung der Asiaten. Denn was die wissen, wurde bei uns verkürzt dargestellt oder unterschlagen: Die Masken helfen nicht dabei sich selbst zu schützen. Sie schützen aber andere. Und wenn jeder eine trägt, sind alle geschützt.

Oder, für WhatsApp-Nutzer:

Quelle: Internet.

Da mittlerweile vermutet wird, dass der Virus nicht nur durch Husten oder Niesen, sondern schon durch sprechen übertragen werden kann, ist eine Maske natürlich sinnvoll.
Hier wird gezeigt, wie jemand im Licht eines Laser „Stay Healthy“ sagt, ein Mal ohne und einmal mit Maske. Der Unterschied ist deutlich.

Vor Ort

Mittlerweile habe ich ein wenig das Zeitgefühl verloren. Ist das die sechste oder schon die siebte Woche, die wir die Firma in Homeoffice haben? Keine Ahnung. Ich habe irrsinnig viel zu tun, lange Tage, lange Wochen, deshalb habe ich kaum Zeitgefühl. Was ich auch erst nicht bemerkt habe: Die Isolation macht unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zunehmend zu schaffen. Da bröckelt es gerade an manchen Stellen, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie sich das auffangen lässt.

Fuck yeah, America!

Trump hält jetzt jeden Tag ein „Corona Briefing“, das sind schamlose Wahlkampfveranstaltungen zur Prime Time im Fernsehen. Ende letzter Woche sagten medizinische Berater in der Trump-Show nochmal das Selbstverständliche an, nämlich das Desinfektionsmittel und UV-Licht den Virus töten.

Man konnte während der Sendung sehen, wie es in Trumps hohlem Kopf arbeitete, und dann trat er ans Rednerpult und verkündete einen genialen Einfall: Man sollte doch den Körper mit starken UV-Licht bestrahlen, das Licht in den Körper bringen und überlegen, sich Desinfektionsmittel zu spritzen. Keiner der „Medical Experts“ auf der Bühne widersprach sofort, und Trump verlangte, das seine „Idee“ wissenschaftlich untersucht werde. Später ruderte er dann zurück und behauptete, das sei ja alles „Sarkasmus“ gewesen.

Davon ließen sich aber einige Internet-Wissenschaftler nicht abhalten:

Quelle: Fake News.

Wer bis dahin noch dachte, Trump sei halbwegs bei Sinnen: Nein, ist er nicht. Aber die Leute hängen an seinen Lippen, und am Wochenende wurde kolportiert, dass die Zahl der Vergiftungen dramatisch gestiegen sei, weil Leute versuchten Desinfektionsmittel zu trinken oder Rohrreiniger zu essen oder ähnliche Späße. So lange es nur seine Anhänger betrifft: Sollen die man machen.

Der Darwin-Award 2020 geht an die USA als Ganzes.

Drinnen – im Internet sind alle gleich

ZDF Neo hat eine Corona-Serie im Angebot. Charlotte sitzt zu Hause vor dem Rechner und versucht in Videomeetings ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Das ist als fixe Einstellung aus der Sicht der Webcam gedreht und so authentisch, dass es zuerst fast langweilig ist – es bildet EXAKT die aktuelle Heimarbeit ab.

Das dreht dann aber langsam in richtig Dramedy. Sehr geil. Einmal mit angefangen kann man nicht mehr aufhören. Pro Folge 9-12 Minuten, 15 Folgen gesamt. Kann man gut weggucken. Danke an Modnerd für den Tip!

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Corona (16): Leck´ rascher!


Weltweit: 2.658.062 Infektionen (+ 65.217) 184.643 (+4.918 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 151.022 Infektionen (+2.097), 5.354 (+252 seit gestern) Todesfälle

Zurück auf Normal

Ich bin kein Freund der Isolationslockerungen, da mache ich keinen Hehl draus. Ich finde es falsch, jetzt Geschäfte wieder zu eröffnen und befürchte, dass eine zweite Ansteckungswelle losrollt. Deutschland wird gerade weltweit dafür bewundert durch harte Maßnahmen das Schlimmste verhindert zu haben. Wir haben Ansteckungsrate und die Anzahl der Neuinfektionen so weit runterbekommen, dass nun die Nachverfolgung von Infektionsketten wieder möglich wäre. Dafür nötig wären aber breit durchgeführte Tests und Kontrollen. Das funktioniert, das haben wir u.a. in Südkorea gesehen.

Das wird aber bei uns nicht gemacht, stattdessen wird der erreichte Fortschritt leichtfertig verspielt. Die „Lockerung“ besagt in den meisten Bundesländern im Wesentlichen, dass man 1,50 Meter Abstand halten, sich die Hände waschen und einen Schal vor dem Gesicht tragen soll.

Ansonsten stehen die Zeichen auf Normal, denn auch wenn es „Lockerung“ genannt wird: In den Ohren der meisten Menschen kommt „es ist vorbei“ an. Anekdotisch kann ich das anhand der vollen Straßen belegen.

Leck´ rascher!

Kuriose Verordnungen allerorten. In Niedersachsen besonders schön: Man darf Eis an einer Eisdiele im außer-Haus-Verkauf erstehen, aber erst dran lecken, wenn man weiter als 50 Meter von der Eisdiele entfernt ist. Das Einhalten dieser Grenzen überwachen allen Ernstes Polizei und Ordnungsamt, wie Modnerd feststellen durfte. Er wurde am vergangenen Wochenende in Hannover angepfiffen, weil er den Radius nicht einhielt und innerhalb der 50-Meter-Zone seine Zunge ans Eis hier.

Nur: Was passiert, wenn das Eis schneller läuft als man selbst? Das Land Niedersachsen dazu: „Bei der Anwendung der Verordnung darf pragmatisch vorgegangen werden, als durch erstes rasches Lecken an einer Eiskugel während des zügigen Sichentfernens von der Eisdiele ein Heruntertropfen des Eises auf Kleidung oder Fußboden verhindert werden darf.“

Man darf also rasch lecken. Und jetzt bitte noch eine Geschwindigkeitsvorgabe, damit gemessen werden kann, ob das Lecken rasch genug geschah und der Verhinderung von Besudelung galt oder ob da doch Genuss im Spiel war.

Abitur des Todes 2020

Die Kultusminister haben sich schon vor Wochen darauf verständigt, das Abi 2020 durchzuziehen – anders als z.B. andere Schulabschlüsse. Das bringt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte, in eine schlimme Lage. Einerseits brauchen sie einen Abschluss, andererseits ist die Infektionsgefahr in Schulen hoch und ebenso die Gefahr, eine Infektion nach Hause zu schleppen, wo sie Familienangehörige töten kann. Die Kultusministerin von NRW, Frau Gebauer, weiß das und sagt an, dass ihr das egal ist: „Es wird, so traurig es ist, Schulgemeinschaften geben, die den Tod von Lehrkräften, Schulleitungen oder Familienangehörigen zu beklagen haben werden“.

Das bringt den Jungen mit den blauen Haaren auf die Palme. Rezo („Zerstörung der CDU“-Rezo, ja lol ey, wissen schon) hat wieder ein hervorragend belegtes Video gemacht. Er kommt zu einem Schluss, der den Kultuseumeln vielleicht gar nicht so klar war: Abiturienten sind über 18 und dürfen wählen. Und sie sollten keine Politiker wählen, denen ihr Leben und das ihrer Angehörigen scheißegal ist. Sehr sehenswert:

Yvonne „Todesengel“ Gebauer bei 06:53.

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Corona (15): Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen


Weltweit: 2.592.845 Infektionen (+ 91.689) 179.725 (+7.915 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 148.925 Infektionen (+1.332), 5.102 (+223 seit gestern) Todesfälle

Abgesagt!

Die Wies´n! Das größte Volksfest der Welt! Abgesagt! Na sowas.

Im Netz macht der Witz die Runde, dass der Armin Laschet angeboten hat, das Oktoberfest in Düsseldorf stattfinden zu lassen. Laschet ist Ministerpräsident von NRW und würde gerne im nächsten Jahr Kanzlerkandidatin der CDU werden, weswegen er dafür gesorgt hat, das sein Bundesland schon jetzt wieder so offen ist wie sein eigener Hintern.

Im Netz macht ebenfalls die Vermutung die Runde, dass Laschet in wenigen Wochen keinerlei politisches Amt mehr bekleiden wird.

Intensivkapazitäten

Ich bin ein großer Fan von Datenjournalismus, und ZEIT ONLINE ist da oft vorne mit dabei. Die haben jetzt auch eine interaktive Karte mit aktuellen Infos zu Intensivkapazitäten und deren Auslastung. Erschreckend: Selbst in unserem Riesenklinikum vor Ort gibt es nicht mehr als 60 Intensivbetten, und die sind zu einem Drittel schon belegt. Zur Karte.

Dürre

Meine Beobachtung war richtig: Es hat wirklich seit Anfang März nicht mehr geregnet. Noch dazu waren März und April viel zu warm, und nach den Dürrejahren 2018 und 2019 hatten sich die Böden in tieferen Schichten noch nicht wieder erholt. Das Resultat ist das hier:

Bild: Dürremonitor des Helmholtz-Instituts.

Die roten Flächen sind „außergewöhnliche Dürre“, und das ist die letzte Eskalationsstufe und steht über „extremer Dürre“ und „schwerer Dürre“. In NIedersachsen haben wir schon wieder Wald- und Moorbrände, Flugzeuge der Feuerwehr kreisen über den Landesforsten und die Waldbrandzentralen sind voll besetzt. Corona ist nicht dran schuld, das ist der Klimwandel. Nur um mal dran zu erinnern: Im Vergleich zu den Folgen des Klimawandels ist dieser Corona-Kram hier Kasperltheater.

Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen

Kennt jemand diese chinesischen Winkekatzen und hat sich auch schon mal gefragt wozu die gut sind? Neben meinem Arbeitsstuhl steht so eine Winkekatz. Warum? Für Videokonferenzen!

Wenn die Katze nicht mehr winkt, ist der Stream eingefroren. Wenn ich mich nicht mehr bewege, aber die Katz noch vor sich hindaddelt, denke ich entweder scharf nach – oder bin vor Langeweile geistig auf Wanderschaft gegangen.

Nächster Schritt: Ich trainiere die Katze gerade darauf, mich in Videomeetings komplett zu ersetzen. Über Fortschritte werde ich berichten.

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Corona (14): Darf´s noch Geld dazu sein?


Weltweit: 2.501.156 Infektionen (+ 80.717) 171.810 (+5.605 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 147.593 Infektionen (+1.850), 4.869 (+227 seit gestern) Todesfälle

Freidrehender Kapitalismus

Der Ölpreis ist aufgrund von Spekulationen ins Negative gedreht. Das bedeutet: Kauft man Öl, bekommt man noch Geld dazu. WTF? Oder, wie Sixtus es ausdrückt:

An der Tankstelle nach dem Volltanken ein Bündel Geld ausgehändigt bekommen – das möchte ich bitte auch!

Fuck you, Lockerung

Geschäfte unter 800qm durften in Niedersachsen gestern wieder öffnen, und „der Andrang war unerwartet stark“, wie ein Ladeninhaber dem Lokalblatt zu Protokoll gibt. Unerwartet, my Ass.

In unserer Firma bleibt der Lockdown bestehen, wir verweigern uns Lockerungsmaßnahmen. Ich habe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf eingeschworen durchzuhalten, denn wir werden die Heimarbeit auf unbestimmte Zeit und vermutlich noch Monate in dieser Form fortsetzen. Zum Glück sind alle hier vernünftig und gehen auch außerhalb des Homeoffice keine überflüssigen Risiken ein. Außerdem hatten heute alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Päckchen in der Post, mit handgenähten Masken für sich und alle Familienmitglieder.

Fuck you II

Der Bundeskanzler Frau Merkel sagt, sie möchte keine „Öffnungsdiskussionsorgien“. Das ist vernünftig. Was nicht vernünftig ist: FAZ, WELT und Blätter wie die „Volksstimme“ aus Magdeburg jaulen kollektiv auf und schimpfen über „Bevormundung“, und die Bild schiebt gleich noch hinterher: Die Menschen hätten einen Anspruch auf die Wahrheit. Ja Fuck you, ihr Deppen, möchte man rufen. Die Wahrheit ist: Der harte Lockdown müsste noch viel länger dauern. Wir bräuchten Durchhalteparolen statt Lockerungsdiskussionen. Aber diese Wahrheit gefällt euch nicht, oder?

Der große Experten-Expertenvergleich

Die holde Mai vergleicht drei Virologen und ihr Kommunikationsverhalten. Neben dem sachlichen („what?“) auch deren Bedeutung für den Einzelnen („So What“). Ergebnis: Drosten ist der Sachlichste, Kekule hat seid Jahren keinen Beitrag mehr zur Forschung geleistet aber eine politische Agenda und Streek leistet sich zwar eine professionelle Werbeagentur für seine Kommunikation, vermischt aber Ebenen. Sehr sehenswert!

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Corona (13): Es funktioniert, also weg damit!

Weltweit: 2.420.439 Infektionen (+ 33.470) 166.205 (+27.718 in 3 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 145.743 Infektionen (+10.990), 4.642 (+838 in den letzten 3 Tagen) Todesfälle

Der harte Lockdown mit Kontaktverbot funktioniert, also lockern wir ihn. Das ist gerade das Motto in Deutschland. In den meisten Bundesländern dürfen ab heute Geschäfte wieder öffnen, Gottesdienste wieder stattfinden. Das erweckt den Eindruck wir hätten alles im Griff, die Sache sei beherrschbar. In Sachsen herrscht Maskentragepflicht, aber es gibt keine Masken vom Land. Da reicht es dann, wenn man sich das T-Shirt hochzieht.

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Es gab bei der spanischen Grippe 1918 an manchen Orten genau diese Entwicklung. Beispiel Denver: Lockdown im Oktober, Maßnahmen griffen, Fallzahlen sanken. Die Maßnahmen wurden aufgehoben, damit rollte die zweite Infektionswelle los.

Die war schlimmer als die erste, denn die Leute holten sofort alles nach, was sie in den Wochen zuvor verpasst hatten. Noch schlimmer: Den Versuch eines zweiten Lockdown machte keiner mehr mit, weil „Wir haben genug gemacht, reicht jetzt auch mal“. Kommt einem bekannt vor.

A Firenze

Von anderen europäischen Ländern kriegen wir in Deutschland nicht viel mit. In der Region Florenz herrscht jetzt wohl Maskentragepflicht. Anders als in Sachsen haben die Behörden es aber geschafft, jeder Person mit festen Wohnsitz vorab Masken per Post zu schicken.

So schlimm ist COVID-19 wirklich

OK, wie schlimm genau kann man noch nicht sagen. Aber es gibt Berichte über junge Leute mit leichtem Verlauf und ohne Vorerkrankungen, deren Lungen nach Abklingen der Symptome stark verändert waren, vielleicht sogar dauerhaft. Seriös klingen Meldungen aus dem Spital in Innsbruck über sechs Taucher mit leichtem Verlauf, die sich zu Hause auskurierten und deren Lungen jetzt so stark geschädigt sind, dass sie ihr Hobby aufgeben müssen.

Ich bin da zwiegespalten: Einerseits finde ich es gut, wenn das in den Medien nicht gepusht wird und so keine Panik entsteht. Andererseits wäre es gut, unaufgeregt und breit über solche potentiellen Risiken zu informieren, damit alle die Gefahr weiterhin ernst nehmen. Das findet meiner Wahrnehmung nach zu wenig statt, stattdessen dürfen Lobbyistenarschgeigen und Reiseveranstalter rausposaunen, dass man jetzt aber wirklich mal wieder alle Maßnahmen aufheben sollte.

Trump zerlegt die USA, Teil 9.758

In den USA, wir erinnern uns, gibt es keinen von der Bundesregierung verordneten Lockdown. Das regeln die Einzelstaaten, und die haben mancherorts die Verantwortung auf die Counties abgewälzt und deshalb stehen bei denen jetzt Trump-Anhänger mit Fackeln und Mistgabeln vor der Tür und fordern das Ende von Maßnahmen.

Trump befeuert das: Er hat einen „Plan“ vorgestellt um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Kurzform: Geht arbeiten. Die Umsetzung obliegt freilich den Bundesstaaten, und das ist eine perfide Zwickmühle, die Trump allen gebaut hat: Bleiben Bundesstaaten bei ihren Maßnahmen (wenn sie welche haben) und es geht der Wirtschaft schlecht oder die Todeszahlen gehen hoch, sind die Gouverneure schuld. Geht es der Wirtschaft gut oder sind die Fallzahlen niedrig, ist das Trumps Verdienst. Gleichzeitig ruft er seine Anhänger in demokratisch regierten Bundesstaaten auf, ihre Staaten zu „befreien“ und erinnert sie an ihr Recht zum Tragen von Schußwaffen. Um es klar zu sagen: Der Präsident der USA ruft zur Rebellion mit Waffengewalt gegen Gesundheitsmaßnahmen auf.

Am Wochenende gab es direkt Demonstrationen wütender MAGA-Anhänger, teilweise mit Schilder wie „My Body. My Decision (not to wear masks). Die Gründe reichten von „Corona ist nur eine Erfindung der Medien, Medien sind Krebs“ über „Wir lassen uns nicht verbieten zu Arbeiten um unsere Familien zu schützen“ bis hin zu „Ja klar ist die Gefahr real, aber wir vertrauen darauf, dass Gott uns schützt. Dafür hat er uns ja Trump gesandt“.
Dummheit tötet.

Bienen & Natur

Es sind gefühlt mehr Insekten unterwegs als in den Vorjahren. Das ist gut. Bei uns sind überall Eichhörnchen unterwegs, in den Blumenrabatten der Fußgängerzone nisten (sehr dumme) Vögel. Gleichzeitig hat es seit Mitte März nicht mehr richtig geregnet, jeden Tag haben wir strahlenden Sonnenschein. Ist in den Nachrichten aber kein Thema, weil: Corona.

Ich Ich Ich

Sommerreise endgültig abgesagt, alle Unterkünfte storniert. Ich wusste es ja schon lange, aber die jetzige Gewissheit macht mich doch ein wenig melancholisch. Losgegangen wäre es am 21.05., aber das hat echt keinen Sinn.

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Corona (12): Wie man es hinbekommt, dass die Brille trotz Mundschutz nicht beschlägt


Weltweit: 2.081.969 Infektionen (+ 146.323) 138.487 (+17.573 in 2 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 134.753 Infektionen (+4.0370), 3.804 (+589 in den letzten 2 Tagen) Todesfälle

Den Journalistinnen und Journalisten wird wohl langweilig, anders ist die Lust an der Katastrophe nicht zu erklären, die man gerade herbeischreibt und -sendet. In langen Interviews dürfen so unsägliche Menschen wie ein 80jähriger Rechtsphilosoph oder die Cheflobbyistin des Hotelverbands darüber schwadronieren, wie unerträglich ja diese Corona-Maßnahmen seien, das die Menschen das nicht länger mitmachen würden und wir praktisch kurz vor Aufständen stünden.

Fünf bis zehn Minuten lässt NDR Info solche Leute schwafeln, und beim Zuhören steigt mein Blutdruck. Als der Rechtsphiloph abschließend erklärt, es sei nun wirklich nicht mehr vermittelbar, dass Gottesdienste ausfallen müssten und die Lobbyfrau fordert, dass es nach 10 Rekordjahren im Hotelgewerbe eben nicht ausreiche, nur den weggefallenen Umsatz abzufedern (sondern, unausgesprochen, auch den Gewinn!), bin ich richtig wütend.

Das ist in anderen Nachrichtenformaten ähnlich, überall wird geraunt, dass es so nicht mehr lange weitergeht und jetzt wirklich mal genug sei.

Ich halte es für unverantwortlich, dass in der Berichterstattung völlig irrelevanten Menschen Raum gegeben wird, die entweder sowieso die letzten 50 Jahre nicht aus ihrem Elfenbeinturm rausgekommen sind oder die den Arsch voll Geld gepumpt kriegen um ihrer Klientel Vergünstigungen zu sichern und deren Verluste zu vergemeinschaften.

Zumal die Realität gerade noch anders aussieht. Die Zustimmungswerte für die Eindämmungsmaßnahmen lagen vor einigen Tagen bei 90 Prozent. 90 Prozent! Wann erfährt Politik mal so viel Zustimmung?

Das ist erstaunlich und man sollte froh und dankbar über diese Disziplin in der deutschen Bevölkerung sein, und dass nicht rechte Brüllaffen vor den Rathäusern randalieren, wie gerade in den USA. Nun in den Medien auf Repeat-One die Platte „Wir halten das nicht mehr aus“ laufen zu lassen, ist aber der beste Weg zu genau solchen Zuständen.

Es sind immer die anderen

Apropos USA: Trump übernimmt nie für irgendwas Verantwortung. Das in den USA nun die Leute sterben wie die Fliegen ist in erster Linie seinem langen Zaudern zu schulden, und seinen Versuchen Schlangenöl (Malariamittel) als Wundermittel zu verkaufen. Jetzt braucht er einen Sündenbock, und das ist ausgerechnet die World Health Organisation. Zu spät hätten sie ihm Bescheid gesagt,und sich zu sehr auf China fokussiert. Alles gelogen, aber Trump stellt die Zahlungen der USA an die WHO ein.

Dafür lässt er seinen Namen auf alle Schecks drucken, die die Amerikaner jetzt als Beihilfe bekommen. Das ist eigentlich verboten und durch den Namensdruck verzögert sich die Ausstellung, wodurch mehr Menschen sterben, aber hey, der Tump, ne. Weil er gerade einen Lauf hat, will er auch das Parlament in Pause schicken und mal durchregieren. Hat ja in Ungarn und England auch geklappt. Maßnahmen zur Isolation? Nein, unwichtig.

Flatten the Curve!

Der Bundeskanzler Frau Merkel verkündete gestern, dass es zwar einen Erfolg gäbe, der aber fragil sei. Die Curve ist geflattet, die Ansteckungsrate sei jetzt bei 1,0 (1 Infizierter steckt einen neuen an). Aber der Erfolg sei fragil. Werden jetzt die Maßnahmen gelockert und die Rate steigt auf 1,1, seien wir im Oktober wieder am Rande der Kapazität unseres Gesundheitssystems. Steigt sie auf 1,3, ist dieser Punkt um Juni erreicht. Die Kontaktsperre wird deshalb zwei Wochen fortgesetzt, bis Anfang Mai. Dann sehen wir weiter.

Beschlagen

Ich gehe ja nur noch mit Mundschutz raus und kannte das Problem auch: Trägt man zum Mundschutz eine Brille, geht die Atemluft direkt hinter die Gläser und die Sehhilfe beschlägt.

In diesem Video verrät uns ein japanischer Channel, wie man dem vorbeugt: Einfach die Maske oben ein Mal falten oder ein Taschentuch zwischen Maske und Nase legen. Das funktioniert! (Es sei denn, es ist draußen sehr kalt).

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Corona (12): Ostern im Lockdown

Weltweit: 1.935.646 Infektionen (+ 431.746) 120.914 (+30.983.460 in 5 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 130.383 Infektionen (+17.087), 3.215 (+866 in den letzten 5 Tagen) Todesfälle

Vorerst gilt der Lockdown in Deutschland nur bis Anfang kommender Woche. Heute bespricht sich die Bundesregierung dazu ob er verlängert wird, morgen Bund und Länder. Einige Landesfürsten, unter anderem Armin Laschet aus NRW, sind ganz jibberig darauf Schulen wieder zu öffnen und die Beschränkungen in der Wirtschaft zu lockern.

Das wissenschaftliche Feigenblatt dafür hat ihnen jetzt die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina aus Halle geliefert, in einer Stellungsnahme, in der solche Szenarien für möglich gehalten werden. Das Papier tragen nun konservative Politiker und Wirtschaftsliberale mit „jetzt ist aber mal genug, die Wirtschaft muss wieder anfahren und hier ist unser Persilschein“-Attitüde durch die Gegend.

Nur: Anscheinend haben die alle das Dokument nicht wirklich gelesen. Das gibt nämlich mitnichten konkrete Empfehlungen für ab sofort, sondern fabuliert mit „sobald wie vertretbar“ und entlässt daher nicht die Politik aus der Verantwortung.

Mit dem Dokument selbst habe ich auch so meine Probleme. M.E. sind die realen Bedingungen an Schulen und die Praktikabilität der skizzierten Maßnahmen nicht in die Betrachtung eingeflossen. Wie kann sichergestellt werden, dass die Schülerinnen und Schüler ständig Masken tragen, sich die Hände waschen und auch auf dem Schulhof Abstand halten? Das ist wohl, insb. in der Grundschule, unrealistisch. Und woher sollen Räume kommen, die groß genug sind, um max. 15 SchülerInnen auf einmal zu unterrichten?

Auch sonst sind liest sich das Leopoldina-Dokument wie eine Ansammlung von hätte-würde-könnte-sollte, klingt stellenweise etwas weltfremd oder geht von Annahmen aus, die ich für realitätsfern halte. Außerdem stimmt mich nachdenklich, dass auf der Expertenliste zu dem Papier exakt zwei Virologen und eine Infektionsforscherin stehen, aber 10 Sozialwissenschaftler, Juristen, Historiker und Theologen. WTF.

Aber egal, die verkürzten Aussagen aus dem Paper sind Wasser auf die Mühlen derer, denen Wirtschaft vor Menschenleben geht.

In der Bundesregierung weiß man das, und deren Kommunikationsstrategie ist gar nicht mal schlecht. Der Bundeskanzler Frau Merkel macht immer mal wieder so Andeutungen, damit man sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden kann, dann trifft es einen nicht mehr ganz so hart. An dem, was sie vorsichtig schwurbelt, kann man also ablesen wie es weiter geht. Vor Ostern waren das Sätze wie „Naja, so Schulen und Kitas, die werden sicher nicht das erste sein, was wir wieder öffnen können“.

In Frankreich ist Amtskollege Emanuel Macron anderes drauf. Er verkündete gestern ohne Umschweife, dass der Lockdown weiter gilt bis Mitte Mai, und das man sich keine Illusionen machen solle – auch die Öffnung der Grenzen in Europa sieht er nicht vor September.

Also Vorsichtig sein im Umgang mit diesem Leopoldina-Papier. Aber dafür müsste man es, wie gesagt, lesen. Das dümmste Riff in der aktuellen Regierung, ausgerechnet unsere Wissenschaftsministerin, hat das natürlich nicht und findet es eine „erstklassige Beratungsgrundlage“. Ihr Kollege Scheuer liest ohnehin nur Zahlen auf Geldscheinen und lässt sich jetzt gerade dafür feiern, dass er mit Anrufen bei der Lufthansa half, einem befreundeten Händler aus seinem Wahlkreis Passau Millionen von Schutzmasken aus irgendwelchen grauen Quellen nach Deutschland zu bringen – der die nun mit ordentlich Profit verkaufen dürfte.

Immerhin, die harten Maßnahmen und die Grundrechtseinschränkungen zeigen Wirkung. Zu Beginn der Maßnahmen steckte ein Infizierter 4 bis 5 andere Personen an, jetzt liegen wir bei ungefähr einer Neuinfektion pro Infiziertem. Das ist nicht schlecht, aber noch nicht wieder im Bereich wie zum Beginn der Pandemie, wo Infektionsketten wieder nachverfolgbar sind und wirklich über Lockerungen nachgedacht werden kann, sind wir noch entfernt.

Ich Ich Ich

Der Lockdown macht sich auch bei der Medikamentenversorgung bemerkbar. Am Wochenende lag ein Brief von Doc Morris im Kasten. „Zu unserer Entlastung senden wir Ihnen Ihr Originalrezept zurück“. Warum? Weil die Bestellung nicht ausführbar war, mein Blutdrucksenker Candesartan ist momentan schwer erhältlich. Nun sind Blutdrucksenker wichtig, aber nicht gleich Lebensnotwendig. Nur: „Jeden Tag geht was anderes aus“, wie die Apothekerin heute morgen sagte. Es komme dann zwar immer wieder Nachschub an diesem oder jenem, aber sofortige Verfügbarkeit bei verbreiteten Medikamenten ist nicht gegeben. Immerhin, ich hatte Glück, in der dritten Apotheke die ich abgeklappert habe, lag noch eine letzte Packung Candesartan rum – was selbst die PTA dort wunderte.

Ostern im Lockdown

„Was machst Du so über Ostern? Verreist Du?“, fragte mein Vater, der immer noch ignoriert, was eigentlich los ist. „Sohn, ist doch nicht schlimmer als eine Grippe“, posaunte er fröhlich am Telefon und hörte schon wieder nicht mehr zu, als ich dem Herrn Ingenieur den Unterschied zwischen linearem und exponentiellen Wachstum erklären wollte.

Bewegungsdaten der Handyprovider zeigen, dass mein alter Herr nicht der einzige ist, der nicht zuhause bleiben kann. Die Reiseaktivität hat zugenommen, anscheinend wollten sich viele den Osterbesuch bei den Familien nicht nehmen lassen.

Hier bei mir was man vernünftig. Auf meinem Dorf gab es keine Osterfeuer, keine Familiengartenfeste. In meinem Haus blieben alle unter sich, machten aber trotzdem was Schönes. Zum einen fand ich vor meiner Haustür ein Osternest, so wie Osternester in der Zeit von Corona aussehen:

Im Treppenhaus materialisierten sich plötzlich Dinge wie frisch gebackener Käsekuchen oder Zwiebelkuchen, was per SMS und Whatsapp kommuniziert wurde. Jede und jeder konnte sich bedienen. Ein Schönes Symbol für „Ihr seid vielleicht allein in Eurer Wohnung, aber nicht in Euren Herzen“. Bah, Kitschig. Aber auch lecker!

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Corona (11): Die leere Welt

Weltweit: 1.503.900 Infektionen (+56.434.086) 89.931 (+6.460) Todesfälle
Deutschland: 113.296 Infektionen (+5.633), 2.349 (+333) Todesfälle seit gestern

Die nächsten 18 Monate, so las ich vor einiger Zeit, seien für das Klima unseres Planeten entscheidend. Würde sich nichts Gravierendes ändern, so hieß es, erreichen wir einen kritischen Tippingpoint, und ab dem wäre es das dann mit der Erderwärmung. Kein Zurückdrehen mehr möglich. Nur was, dachte ich damals (vor sechs Wochen), sollte sich in 18 Monaten schon ändern?

Nun, gravierendere Änderungen als durch die Pandemie kann man sich kaum vorstellen. Automobiler Individualverkehr ist um 75 Prozent gesunken, Flugverkehr um 85 Prozent. Wie man sich das vorstellen muss, zeigt dieser Film von Eurocontrol mit einem Vergleich von Flugbewegungen Ende März von jetzt und vor einem Jahr:

Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung.

Weil niemand weit weg kann, sind hier auf dem Land sind die Wald- und Feldwege voller Menschen. Quasi im Gänsemarsch schieben sich die Stadtbewohner durch Flur- und Feldmark, aber die Städte sind leer. Nicht nur hier, sondern rund um die Welt.

Ich habe gerade Fernweh und sehe durch die Augen von Webcams Orte, die ich schon in echt besucht habe und die stets völlig überlaufen waren. Normalerweise tobt hier das Leben, nun sind sie leer und verwaist. Eine Auswahl.

Mailand, Dom.

Verona, Arena. Bild: Skycams.

Verona, Piazza delle Erbe. Bild: Skycams.

London, Westminster Bridge und Uhrenturm von Big Ben.

London, Westminster Bridge

Orvieto, Dom.

Lecce, Piazza delle Orgodingsbums.

Recco, Strand.


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