Corona-Tagebuch

Corona (16): Leck´ rascher!


Weltweit: 2.658.062 Infektionen (+ 65.217) 184.643 (+4.918 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 151.022 Infektionen (+2.097), 5.354 (+252 seit gestern) Todesfälle

Zurück auf Normal

Ich bin kein Freund der Isolationslockerungen, da mache ich keinen Hehl draus. Ich finde es falsch, jetzt Geschäfte wieder zu eröffnen und befürchte, dass eine zweite Ansteckungswelle losrollt. Deutschland wird gerade weltweit dafür bewundert durch harte Maßnahmen das Schlimmste verhindert zu haben. Wir haben Ansteckungsrate und die Anzahl der Neuinfektionen so weit runterbekommen, dass nun die Nachverfolgung von Infektionsketten wieder möglich wäre. Dafür nötig wären aber breit durchgeführte Tests und Kontrollen. Das funktioniert, das haben wir u.a. in Südkorea gesehen.

Das wird aber bei uns nicht gemacht, stattdessen wird der erreichte Fortschritt leichtfertig verspielt. Die „Lockerung“ besagt in den meisten Bundesländern im Wesentlichen, dass man 1,50 Meter Abstand halten, sich die Hände waschen und einen Schal vor dem Gesicht tragen soll.

Ansonsten stehen die Zeichen auf Normal, denn auch wenn es „Lockerung“ genannt wird: In den Ohren der meisten Menschen kommt „es ist vorbei“ an. Anekdotisch kann ich das anhand der vollen Straßen belegen.

Leck´ rascher!

Kuriose Verordnungen allerorten. In Niedersachsen besonders schön: Man darf Eis an einer Eisdiele im außer-Haus-Verkauf erstehen, aber erst dran lecken, wenn man weiter als 50 Meter von der Eisdiele entfernt ist. Das Einhalten dieser Grenzen überwachen allen Ernstes Polizei und Ordnungsamt, wie Modnerd feststellen durfte. Er wurde am vergangenen Wochenende in Hannover angepfiffen, weil er den Radius nicht einhielt und innerhalb der 50-Meter-Zone seine Zunge ans Eis hier.

Nur: Was passiert, wenn das Eis schneller läuft als man selbst? Das Land Niedersachsen dazu: „Bei der Anwendung der Verordnung darf pragmatisch vorgegangen werden, als durch erstes rasches Lecken an einer Eiskugel während des zügigen Sichentfernens von der Eisdiele ein Heruntertropfen des Eises auf Kleidung oder Fußboden verhindert werden darf.“

Man darf also rasch lecken. Und jetzt bitte noch eine Geschwindigkeitsvorgabe, damit gemessen werden kann, ob das Lecken rasch genug geschah und der Verhinderung von Besudelung galt oder ob da doch Genuss im Spiel war.

Abitur des Todes 2020

Die Kultusminister haben sich schon vor Wochen darauf verständigt, das Abi 2020 durchzuziehen – anders als z.B. andere Schulabschlüsse. Das bringt die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte, in eine schlimme Lage. Einerseits brauchen sie einen Abschluss, andererseits ist die Infektionsgefahr in Schulen hoch und ebenso die Gefahr, eine Infektion nach Hause zu schleppen, wo sie Familienangehörige töten kann. Die Kultusministerin von NRW, Frau Gebauer, weiß das und sagt an, dass ihr das egal ist: „Es wird, so traurig es ist, Schulgemeinschaften geben, die den Tod von Lehrkräften, Schulleitungen oder Familienangehörigen zu beklagen haben werden“.

Das bringt den Jungen mit den blauen Haaren auf die Palme. Rezo („Zerstörung der CDU“-Rezo, ja lol ey, wissen schon) hat wieder ein hervorragend belegtes Video gemacht. Er kommt zu einem Schluss, der den Kultuseumeln vielleicht gar nicht so klar war: Abiturienten sind über 18 und dürfen wählen. Und sie sollten keine Politiker wählen, denen ihr Leben und das ihrer Angehörigen scheißegal ist. Sehr sehenswert:

Yvonne „Todesengel“ Gebauer bei 06:53.

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Corona (15): Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen


Weltweit: 2.592.845 Infektionen (+ 91.689) 179.725 (+7.915 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 148.925 Infektionen (+1.332), 5.102 (+223 seit gestern) Todesfälle

Abgesagt!

Die Wies´n! Das größte Volksfest der Welt! Abgesagt! Na sowas.

Im Netz macht der Witz die Runde, dass der Armin Laschet angeboten hat, das Oktoberfest in Düsseldorf stattfinden zu lassen. Laschet ist Ministerpräsident von NRW und würde gerne im nächsten Jahr Kanzlerkandidatin der CDU werden, weswegen er dafür gesorgt hat, das sein Bundesland schon jetzt wieder so offen ist wie sein eigener Hintern.

Im Netz macht ebenfalls die Vermutung die Runde, dass Laschet in wenigen Wochen keinerlei politisches Amt mehr bekleiden wird.

Intensivkapazitäten

Ich bin ein großer Fan von Datenjournalismus, und ZEIT ONLINE ist da oft vorne mit dabei. Die haben jetzt auch eine interaktive Karte mit aktuellen Infos zu Intensivkapazitäten und deren Auslastung. Erschreckend: Selbst in unserem Riesenklinikum vor Ort gibt es nicht mehr als 60 Intensivbetten, und die sind zu einem Drittel schon belegt. Zur Karte.

Dürre

Meine Beobachtung war richtig: Es hat wirklich seit Anfang März nicht mehr geregnet. Noch dazu waren März und April viel zu warm, und nach den Dürrejahren 2018 und 2019 hatten sich die Böden in tieferen Schichten noch nicht wieder erholt. Das Resultat ist das hier:

Bild: Dürremonitor des Helmholtz-Instituts.

Die roten Flächen sind „außergewöhnliche Dürre“, und das ist die letzte Eskalationsstufe und steht über „extremer Dürre“ und „schwerer Dürre“. In NIedersachsen haben wir schon wieder Wald- und Moorbrände, Flugzeuge der Feuerwehr kreisen über den Landesforsten und die Waldbrandzentralen sind voll besetzt. Corona ist nicht dran schuld, das ist der Klimwandel. Nur um mal dran zu erinnern: Im Vergleich zu den Folgen des Klimawandels ist dieser Corona-Kram hier Kasperltheater.

Die einzig sinnvolle Verwendung für Winkekatzen

Kennt jemand diese chinesischen Winkekatzen und hat sich auch schon mal gefragt wozu die gut sind? Neben meinem Arbeitsstuhl steht so eine Winkekatz. Warum? Für Videokonferenzen!

Wenn die Katze nicht mehr winkt, ist der Stream eingefroren. Wenn ich mich nicht mehr bewege, aber die Katz noch vor sich hindaddelt, denke ich entweder scharf nach – oder bin vor Langeweile geistig auf Wanderschaft gegangen.

Nächster Schritt: Ich trainiere die Katze gerade darauf, mich in Videomeetings komplett zu ersetzen. Über Fortschritte werde ich berichten.

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Corona (14): Darf´s noch Geld dazu sein?


Weltweit: 2.501.156 Infektionen (+ 80.717) 171.810 (+5.605 seit gestern) Todesfälle
Deutschland: 147.593 Infektionen (+1.850), 4.869 (+227 seit gestern) Todesfälle

Freidrehender Kapitalismus

Der Ölpreis ist aufgrund von Spekulationen ins Negative gedreht. Das bedeutet: Kauft man Öl, bekommt man noch Geld dazu. WTF? Oder, wie Sixtus es ausdrückt:

An der Tankstelle nach dem Volltanken ein Bündel Geld ausgehändigt bekommen – das möchte ich bitte auch!

Fuck you, Lockerung

Geschäfte unter 800qm durften in Niedersachsen gestern wieder öffnen, und „der Andrang war unerwartet stark“, wie ein Ladeninhaber dem Lokalblatt zu Protokoll gibt. Unerwartet, my Ass.

In unserer Firma bleibt der Lockdown bestehen, wir verweigern uns Lockerungsmaßnahmen. Ich habe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf eingeschworen durchzuhalten, denn wir werden die Heimarbeit auf unbestimmte Zeit und vermutlich noch Monate in dieser Form fortsetzen. Zum Glück sind alle hier vernünftig und gehen auch außerhalb des Homeoffice keine überflüssigen Risiken ein. Außerdem hatten heute alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Päckchen in der Post, mit handgenähten Masken für sich und alle Familienmitglieder.

Fuck you II

Der Bundeskanzler Frau Merkel sagt, sie möchte keine „Öffnungsdiskussionsorgien“. Das ist vernünftig. Was nicht vernünftig ist: FAZ, WELT und Blätter wie die „Volksstimme“ aus Magdeburg jaulen kollektiv auf und schimpfen über „Bevormundung“, und die Bild schiebt gleich noch hinterher: Die Menschen hätten einen Anspruch auf die Wahrheit. Ja Fuck you, ihr Deppen, möchte man rufen. Die Wahrheit ist: Der harte Lockdown müsste noch viel länger dauern. Wir bräuchten Durchhalteparolen statt Lockerungsdiskussionen. Aber diese Wahrheit gefällt euch nicht, oder?

Der große Experten-Expertenvergleich

Die holde Mai vergleicht drei Virologen und ihr Kommunikationsverhalten. Neben dem sachlichen („what?“) auch deren Bedeutung für den Einzelnen („So What“). Ergebnis: Drosten ist der Sachlichste, Kekule hat seid Jahren keinen Beitrag mehr zur Forschung geleistet aber eine politische Agenda und Streek leistet sich zwar eine professionelle Werbeagentur für seine Kommunikation, vermischt aber Ebenen. Sehr sehenswert!

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Corona (13): Es funktioniert, also weg damit!

Weltweit: 2.420.439 Infektionen (+ 33.470) 166.205 (+27.718 in 3 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 145.743 Infektionen (+10.990), 4.642 (+838 in den letzten 3 Tagen) Todesfälle

Der harte Lockdown mit Kontaktverbot funktioniert, also lockern wir ihn. Das ist gerade das Motto in Deutschland. In den meisten Bundesländern dürfen ab heute Geschäfte wieder öffnen, Gottesdienste wieder stattfinden. Das erweckt den Eindruck wir hätten alles im Griff, die Sache sei beherrschbar. In Sachsen herrscht Maskentragepflicht, aber es gibt keine Masken vom Land. Da reicht es dann, wenn man sich das T-Shirt hochzieht.

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Es gab bei der spanischen Grippe 1918 an manchen Orten genau diese Entwicklung. Beispiel Denver: Lockdown im Oktober, Maßnahmen griffen, Fallzahlen sanken. Die Maßnahmen wurden aufgehoben, damit rollte die zweite Infektionswelle los.

Die war schlimmer als die erste, denn die Leute holten sofort alles nach, was sie in den Wochen zuvor verpasst hatten. Noch schlimmer: Den Versuch eines zweiten Lockdown machte keiner mehr mit, weil „Wir haben genug gemacht, reicht jetzt auch mal“. Kommt einem bekannt vor.

A Firenze

Von anderen europäischen Ländern kriegen wir in Deutschland nicht viel mit. In der Region Florenz herrscht jetzt wohl Maskentragepflicht. Anders als in Sachsen haben die Behörden es aber geschafft, jeder Person mit festen Wohnsitz vorab Masken per Post zu schicken.

So schlimm ist COVID-19 wirklich

OK, wie schlimm genau kann man noch nicht sagen. Aber es gibt Berichte über junge Leute mit leichtem Verlauf und ohne Vorerkrankungen, deren Lungen nach Abklingen der Symptome stark verändert waren, vielleicht sogar dauerhaft. Seriös klingen Meldungen aus dem Spital in Innsbruck über sechs Taucher mit leichtem Verlauf, die sich zu Hause auskurierten und deren Lungen jetzt so stark geschädigt sind, dass sie ihr Hobby aufgeben müssen.

Ich bin da zwiegespalten: Einerseits finde ich es gut, wenn das in den Medien nicht gepusht wird und so keine Panik entsteht. Andererseits wäre es gut, unaufgeregt und breit über solche potentiellen Risiken zu informieren, damit alle die Gefahr weiterhin ernst nehmen. Das findet meiner Wahrnehmung nach zu wenig statt, stattdessen dürfen Lobbyistenarschgeigen und Reiseveranstalter rausposaunen, dass man jetzt aber wirklich mal wieder alle Maßnahmen aufheben sollte.

Trump zerlegt die USA, Teil 9.758

In den USA, wir erinnern uns, gibt es keinen von der Bundesregierung verordneten Lockdown. Das regeln die Einzelstaaten, und die haben mancherorts die Verantwortung auf die Counties abgewälzt und deshalb stehen bei denen jetzt Trump-Anhänger mit Fackeln und Mistgabeln vor der Tür und fordern das Ende von Maßnahmen.

Trump befeuert das: Er hat einen „Plan“ vorgestellt um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Kurzform: Geht arbeiten. Die Umsetzung obliegt freilich den Bundesstaaten, und das ist eine perfide Zwickmühle, die Trump allen gebaut hat: Bleiben Bundesstaaten bei ihren Maßnahmen (wenn sie welche haben) und es geht der Wirtschaft schlecht oder die Todeszahlen gehen hoch, sind die Gouverneure schuld. Geht es der Wirtschaft gut oder sind die Fallzahlen niedrig, ist das Trumps Verdienst. Gleichzeitig ruft er seine Anhänger in demokratisch regierten Bundesstaaten auf, ihre Staaten zu „befreien“ und erinnert sie an ihr Recht zum Tragen von Schußwaffen. Um es klar zu sagen: Der Präsident der USA ruft zur Rebellion mit Waffengewalt gegen Gesundheitsmaßnahmen auf.

Am Wochenende gab es direkt Demonstrationen wütender MAGA-Anhänger, teilweise mit Schilder wie „My Body. My Decision (not to wear masks). Die Gründe reichten von „Corona ist nur eine Erfindung der Medien, Medien sind Krebs“ über „Wir lassen uns nicht verbieten zu Arbeiten um unsere Familien zu schützen“ bis hin zu „Ja klar ist die Gefahr real, aber wir vertrauen darauf, dass Gott uns schützt. Dafür hat er uns ja Trump gesandt“.
Dummheit tötet.

Bienen & Natur

Es sind gefühlt mehr Insekten unterwegs als in den Vorjahren. Das ist gut. Bei uns sind überall Eichhörnchen unterwegs, in den Blumenrabatten der Fußgängerzone nisten (sehr dumme) Vögel. Gleichzeitig hat es seit Mitte März nicht mehr richtig geregnet, jeden Tag haben wir strahlenden Sonnenschein. Ist in den Nachrichten aber kein Thema, weil: Corona.

Ich Ich Ich

Sommerreise endgültig abgesagt, alle Unterkünfte storniert. Ich wusste es ja schon lange, aber die jetzige Gewissheit macht mich doch ein wenig melancholisch. Losgegangen wäre es am 21.05., aber das hat echt keinen Sinn.

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Corona (12): Wie man es hinbekommt, dass die Brille trotz Mundschutz nicht beschlägt


Weltweit: 2.081.969 Infektionen (+ 146.323) 138.487 (+17.573 in 2 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 134.753 Infektionen (+4.0370), 3.804 (+589 in den letzten 2 Tagen) Todesfälle

Den Journalistinnen und Journalisten wird wohl langweilig, anders ist die Lust an der Katastrophe nicht zu erklären, die man gerade herbeischreibt und -sendet. In langen Interviews dürfen so unsägliche Menschen wie ein 80jähriger Rechtsphilosoph oder die Cheflobbyistin des Hotelverbands darüber schwadronieren, wie unerträglich ja diese Corona-Maßnahmen seien, das die Menschen das nicht länger mitmachen würden und wir praktisch kurz vor Aufständen stünden.

Fünf bis zehn Minuten lässt NDR Info solche Leute schwafeln, und beim Zuhören steigt mein Blutdruck. Als der Rechtsphiloph abschließend erklärt, es sei nun wirklich nicht mehr vermittelbar, dass Gottesdienste ausfallen müssten und die Lobbyfrau fordert, dass es nach 10 Rekordjahren im Hotelgewerbe eben nicht ausreiche, nur den weggefallenen Umsatz abzufedern (sondern, unausgesprochen, auch den Gewinn!), bin ich richtig wütend.

Das ist in anderen Nachrichtenformaten ähnlich, überall wird geraunt, dass es so nicht mehr lange weitergeht und jetzt wirklich mal genug sei.

Ich halte es für unverantwortlich, dass in der Berichterstattung völlig irrelevanten Menschen Raum gegeben wird, die entweder sowieso die letzten 50 Jahre nicht aus ihrem Elfenbeinturm rausgekommen sind oder die den Arsch voll Geld gepumpt kriegen um ihrer Klientel Vergünstigungen zu sichern und deren Verluste zu vergemeinschaften.

Zumal die Realität gerade noch anders aussieht. Die Zustimmungswerte für die Eindämmungsmaßnahmen lagen vor einigen Tagen bei 90 Prozent. 90 Prozent! Wann erfährt Politik mal so viel Zustimmung?

Das ist erstaunlich und man sollte froh und dankbar über diese Disziplin in der deutschen Bevölkerung sein, und dass nicht rechte Brüllaffen vor den Rathäusern randalieren, wie gerade in den USA. Nun in den Medien auf Repeat-One die Platte „Wir halten das nicht mehr aus“ laufen zu lassen, ist aber der beste Weg zu genau solchen Zuständen.

Es sind immer die anderen

Apropos USA: Trump übernimmt nie für irgendwas Verantwortung. Das in den USA nun die Leute sterben wie die Fliegen ist in erster Linie seinem langen Zaudern zu schulden, und seinen Versuchen Schlangenöl (Malariamittel) als Wundermittel zu verkaufen. Jetzt braucht er einen Sündenbock, und das ist ausgerechnet die World Health Organisation. Zu spät hätten sie ihm Bescheid gesagt,und sich zu sehr auf China fokussiert. Alles gelogen, aber Trump stellt die Zahlungen der USA an die WHO ein.

Dafür lässt er seinen Namen auf alle Schecks drucken, die die Amerikaner jetzt als Beihilfe bekommen. Das ist eigentlich verboten und durch den Namensdruck verzögert sich die Ausstellung, wodurch mehr Menschen sterben, aber hey, der Tump, ne. Weil er gerade einen Lauf hat, will er auch das Parlament in Pause schicken und mal durchregieren. Hat ja in Ungarn und England auch geklappt. Maßnahmen zur Isolation? Nein, unwichtig.

Flatten the Curve!

Der Bundeskanzler Frau Merkel verkündete gestern, dass es zwar einen Erfolg gäbe, der aber fragil sei. Die Curve ist geflattet, die Ansteckungsrate sei jetzt bei 1,0 (1 Infizierter steckt einen neuen an). Aber der Erfolg sei fragil. Werden jetzt die Maßnahmen gelockert und die Rate steigt auf 1,1, seien wir im Oktober wieder am Rande der Kapazität unseres Gesundheitssystems. Steigt sie auf 1,3, ist dieser Punkt um Juni erreicht. Die Kontaktsperre wird deshalb zwei Wochen fortgesetzt, bis Anfang Mai. Dann sehen wir weiter.

Beschlagen

Ich gehe ja nur noch mit Mundschutz raus und kannte das Problem auch: Trägt man zum Mundschutz eine Brille, geht die Atemluft direkt hinter die Gläser und die Sehhilfe beschlägt.

In diesem Video verrät uns ein japanischer Channel, wie man dem vorbeugt: Einfach die Maske oben ein Mal falten oder ein Taschentuch zwischen Maske und Nase legen. Das funktioniert! (Es sei denn, es ist draußen sehr kalt).

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Corona (12): Ostern im Lockdown

Weltweit: 1.935.646 Infektionen (+ 431.746) 120.914 (+30.983.460 in 5 Tagen) Todesfälle
Deutschland: 130.383 Infektionen (+17.087), 3.215 (+866 in den letzten 5 Tagen) Todesfälle

Vorerst gilt der Lockdown in Deutschland nur bis Anfang kommender Woche. Heute bespricht sich die Bundesregierung dazu ob er verlängert wird, morgen Bund und Länder. Einige Landesfürsten, unter anderem Armin Laschet aus NRW, sind ganz jibberig darauf Schulen wieder zu öffnen und die Beschränkungen in der Wirtschaft zu lockern.

Das wissenschaftliche Feigenblatt dafür hat ihnen jetzt die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina aus Halle geliefert, in einer Stellungsnahme, in der solche Szenarien für möglich gehalten werden. Das Papier tragen nun konservative Politiker und Wirtschaftsliberale mit „jetzt ist aber mal genug, die Wirtschaft muss wieder anfahren und hier ist unser Persilschein“-Attitüde durch die Gegend.

Nur: Anscheinend haben die alle das Dokument nicht wirklich gelesen. Das gibt nämlich mitnichten konkrete Empfehlungen für ab sofort, sondern fabuliert mit „sobald wie vertretbar“ und entlässt daher nicht die Politik aus der Verantwortung.

Mit dem Dokument selbst habe ich auch so meine Probleme. M.E. sind die realen Bedingungen an Schulen und die Praktikabilität der skizzierten Maßnahmen nicht in die Betrachtung eingeflossen. Wie kann sichergestellt werden, dass die Schülerinnen und Schüler ständig Masken tragen, sich die Hände waschen und auch auf dem Schulhof Abstand halten? Das ist wohl, insb. in der Grundschule, unrealistisch. Und woher sollen Räume kommen, die groß genug sind, um max. 15 SchülerInnen auf einmal zu unterrichten?

Auch sonst sind liest sich das Leopoldina-Dokument wie eine Ansammlung von hätte-würde-könnte-sollte, klingt stellenweise etwas weltfremd oder geht von Annahmen aus, die ich für realitätsfern halte. Außerdem stimmt mich nachdenklich, dass auf der Expertenliste zu dem Papier exakt zwei Virologen und eine Infektionsforscherin stehen, aber 10 Sozialwissenschaftler, Juristen, Historiker und Theologen. WTF.

Aber egal, die verkürzten Aussagen aus dem Paper sind Wasser auf die Mühlen derer, denen Wirtschaft vor Menschenleben geht.

In der Bundesregierung weiß man das, und deren Kommunikationsstrategie ist gar nicht mal schlecht. Der Bundeskanzler Frau Merkel macht immer mal wieder so Andeutungen, damit man sich schon mal mit dem Gedanken anfreunden kann, dann trifft es einen nicht mehr ganz so hart. An dem, was sie vorsichtig schwurbelt, kann man also ablesen wie es weiter geht. Vor Ostern waren das Sätze wie „Naja, so Schulen und Kitas, die werden sicher nicht das erste sein, was wir wieder öffnen können“.

In Frankreich ist Amtskollege Emanuel Macron anderes drauf. Er verkündete gestern ohne Umschweife, dass der Lockdown weiter gilt bis Mitte Mai, und das man sich keine Illusionen machen solle – auch die Öffnung der Grenzen in Europa sieht er nicht vor September.

Also Vorsichtig sein im Umgang mit diesem Leopoldina-Papier. Aber dafür müsste man es, wie gesagt, lesen. Das dümmste Riff in der aktuellen Regierung, ausgerechnet unsere Wissenschaftsministerin, hat das natürlich nicht und findet es eine „erstklassige Beratungsgrundlage“. Ihr Kollege Scheuer liest ohnehin nur Zahlen auf Geldscheinen und lässt sich jetzt gerade dafür feiern, dass er mit Anrufen bei der Lufthansa half, einem befreundeten Händler aus seinem Wahlkreis Passau Millionen von Schutzmasken aus irgendwelchen grauen Quellen nach Deutschland zu bringen – der die nun mit ordentlich Profit verkaufen dürfte.

Immerhin, die harten Maßnahmen und die Grundrechtseinschränkungen zeigen Wirkung. Zu Beginn der Maßnahmen steckte ein Infizierter 4 bis 5 andere Personen an, jetzt liegen wir bei ungefähr einer Neuinfektion pro Infiziertem. Das ist nicht schlecht, aber noch nicht wieder im Bereich wie zum Beginn der Pandemie, wo Infektionsketten wieder nachverfolgbar sind und wirklich über Lockerungen nachgedacht werden kann, sind wir noch entfernt.

Ich Ich Ich

Der Lockdown macht sich auch bei der Medikamentenversorgung bemerkbar. Am Wochenende lag ein Brief von Doc Morris im Kasten. „Zu unserer Entlastung senden wir Ihnen Ihr Originalrezept zurück“. Warum? Weil die Bestellung nicht ausführbar war, mein Blutdrucksenker Candesartan ist momentan schwer erhältlich. Nun sind Blutdrucksenker wichtig, aber nicht gleich Lebensnotwendig. Nur: „Jeden Tag geht was anderes aus“, wie die Apothekerin heute morgen sagte. Es komme dann zwar immer wieder Nachschub an diesem oder jenem, aber sofortige Verfügbarkeit bei verbreiteten Medikamenten ist nicht gegeben. Immerhin, ich hatte Glück, in der dritten Apotheke die ich abgeklappert habe, lag noch eine letzte Packung Candesartan rum – was selbst die PTA dort wunderte.

Ostern im Lockdown

„Was machst Du so über Ostern? Verreist Du?“, fragte mein Vater, der immer noch ignoriert, was eigentlich los ist. „Sohn, ist doch nicht schlimmer als eine Grippe“, posaunte er fröhlich am Telefon und hörte schon wieder nicht mehr zu, als ich dem Herrn Ingenieur den Unterschied zwischen linearem und exponentiellen Wachstum erklären wollte.

Bewegungsdaten der Handyprovider zeigen, dass mein alter Herr nicht der einzige ist, der nicht zuhause bleiben kann. Die Reiseaktivität hat zugenommen, anscheinend wollten sich viele den Osterbesuch bei den Familien nicht nehmen lassen.

Hier bei mir was man vernünftig. Auf meinem Dorf gab es keine Osterfeuer, keine Familiengartenfeste. In meinem Haus blieben alle unter sich, machten aber trotzdem was Schönes. Zum einen fand ich vor meiner Haustür ein Osternest, so wie Osternester in der Zeit von Corona aussehen:

Im Treppenhaus materialisierten sich plötzlich Dinge wie frisch gebackener Käsekuchen oder Zwiebelkuchen, was per SMS und Whatsapp kommuniziert wurde. Jede und jeder konnte sich bedienen. Ein Schönes Symbol für „Ihr seid vielleicht allein in Eurer Wohnung, aber nicht in Euren Herzen“. Bah, Kitschig. Aber auch lecker!

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Corona (11): Die leere Welt

Weltweit: 1.503.900 Infektionen (+56.434.086) 89.931 (+6.460) Todesfälle
Deutschland: 113.296 Infektionen (+5.633), 2.349 (+333) Todesfälle seit gestern

Die nächsten 18 Monate, so las ich vor einiger Zeit, seien für das Klima unseres Planeten entscheidend. Würde sich nichts Gravierendes ändern, so hieß es, erreichen wir einen kritischen Tippingpoint, und ab dem wäre es das dann mit der Erderwärmung. Kein Zurückdrehen mehr möglich. Nur was, dachte ich damals (vor sechs Wochen), sollte sich in 18 Monaten schon ändern?

Nun, gravierendere Änderungen als durch die Pandemie kann man sich kaum vorstellen. Automobiler Individualverkehr ist um 75 Prozent gesunken, Flugverkehr um 85 Prozent. Wie man sich das vorstellen muss, zeigt dieser Film von Eurocontrol mit einem Vergleich von Flugbewegungen Ende März von jetzt und vor einem Jahr:

Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung.

Weil niemand weit weg kann, sind hier auf dem Land sind die Wald- und Feldwege voller Menschen. Quasi im Gänsemarsch schieben sich die Stadtbewohner durch Flur- und Feldmark, aber die Städte sind leer. Nicht nur hier, sondern rund um die Welt.

Ich habe gerade Fernweh und sehe durch die Augen von Webcams Orte, die ich schon in echt besucht habe und die stets völlig überlaufen waren. Normalerweise tobt hier das Leben, nun sind sie leer und verwaist. Eine Auswahl.

Mailand, Dom.

Verona, Arena. Bild: Skycams.

Verona, Piazza delle Erbe. Bild: Skycams.

London, Westminster Bridge und Uhrenturm von Big Ben.

London, Westminster Bridge

Orvieto, Dom.

Lecce, Piazza delle Orgodingsbums.

Recco, Strand.


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Corona (10): Der Sirenengesang des Baumarkts und das Eintuppern von Wasser

Weltweit: 1.447.466 Infektionen (+158.086) 83.471 (+12.989) Todesfälle
Deutschland: 107.663 Infektionen (+7.477), 2.016 (+426) Todesfälle seit gestern

Baumärkte!

Alle deutschen Männer eines gewissen Alters werden von Baumärkten praktisch magisch angezogen. Vermutlich ist es in unseren Genen angelegt, wie bei Kaiserpinguinen der Marsch über das Eis. Baumärkte locken uns mit einem unhörbaren und unwiderstehlichen Sirenengesang. Mindestens ein Mal pro Monat, besser ein Mal pro Woche, müssen wir zu Obi, Globus, Praktiker, Hammer oder Trotz fahren und… äh, naja, so BESORGUNGEN machen, wie mein Vater es nennt. Die sind wichtig, die, äh, Besorgungen.

Wird uns der Baumarkt vorenthalten, kriegen wir Männer praktisch stante Pede Lagerkoller. Das weiß auch die Politik, weshalb in manchen Bundesländern die Baumärkte als „systemrelevant“ erklärt wurden und durchgängig geöffnet hatten. In Niedersachsen waren die jetzt 10 Tage geschlossen, aber da auch die Politiker alte, weiße Männer sind, die nicht gegen ihre Gene ankönnen, sind sie seit Samstag wieder geöffnet. Also, die Baumärkte, nicht die alten Männer.

Die Bilder waren erwartbar: Baumarkt macht um 08:00 Uhr auf, ab 07:00 Uhr war der Parkplatz mit 300 Autos voll und lange Schlangen standen vor dem Eingang, schreibt die Lokalzeitung.

Jetzt ist fast alles wieder gut. Baumärkte sind Balsam auf die geschundene Männerseele. Nur fast gut, weil jetzt die Waschanlagen geschlossen sind. Die Waschanlagen!

Waschanlagen!

Waschanlagen! Geschlossen! Da fällt dem deutschen SUV-Boomer glatt ein Ei aus der Hose. Die ersten Facebookgruppenmitglieder kündigen schon Akte der Rebellion an: Sie werden aus Protest ihren Stadtgeländewagen auf der offenen Straße waschen! Das ist die Vorstufe zur Anarchie! Weil, Pandemie hin oder her, aber Blütenstaub auf dem VW Touareg, das geht doch nicht, wo simma denn hier?

Wunderkind aus Österreich

Kanzlerkind Sebastian Kurz: „Wir machen die Geschäfte wieder auf!“ Und die BILD-Zeitung so: „Die Ösis machen uns vor wie es geht!!“ In der Frage wem man eher glauben möchte, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder politischen Populisten mit Angst vor sinkenden Umfragwerten, hat man sich im BILD-Homeoffice zwischen zwei Schlucken aus der Lackdose schon entschieden.

Die orangefarbene Gefahr

„Trifft eine unfähige Regierung auf eine weltweite Krise“ – so beginnen keine Witze, nicht mal schlechte. „Unfähigkeit“ ist dieser Tage orange und hört auf den Namen Trump. Sein Leugnen der Gefahr und das jetzige Missmanagement der Lage führen dazu, dass alle 90 Sekunden ein US-Bürger an CoVID19 stirbt, gestern alleine über 2.000.

Trump übernimmt nie für irgendwas Verantwortung, immer sind die anderen Schuld. Heute hat er verlautbaren lassen, dass an der Krise in den USA nur die Weltgesundheitsorganisation WHO schuld sei. Die USA sei der größte Beitragszahler (das ist gelogen) und die WHO würde nur China helfen (was auch gelogen ist) und den USA schlechte Ratschläge geben (selbstverständlich auch gelogen). Nur deshalb gäbe es jetzt so viele Tote, und deswegen müssen die USA aus der WHO austreten. Is klar.

Gleichzeitig empfiehlt Trump seinen Landsleuten das Malariamittel Hydroxychloroquine zu schlucken. Das hat keine nachgewiesene Wirkung gegen COVID19, aber warum nicht. Vermutlich hat Trump Aktien an dem Unternehmen, das dieses Hydrodingsda herstellt. Ist seinen Anhängern aber auch egal, die Beschimpfen in den unsozialen Medien die Ärzte, die vor dem Mittel warnen, und feiern die Weisheit ihres Präsidenten. Der wiederum macht Hilfe für Bundesstaaten davon abhängig, wie wohl sie ihm gesonnen sind. Steckt man tief in seinem Hintern, bekommt man medizinische Hilfsgüter. Ist ein Staat von Demokraten regiert heißt es Sorry, hinten anstellen.

Unterdessen schenkt China der Stadt New York 1.000 Beatmungsgeräte und trägt damit maßgeblich zur Entspannung der Lage in den Krankenhäusern vor Ort bei.
China als gütiger Hegemon, die USA als Schurkenstaat. Willkommen, neue Weltordnung.


Und sonst so?

Vier Milliarden Menschen sind gerade gehalten zu Hause zu bleiben. Das sind vier Milliarden Menschen weniger, die auf der Erdkruste rumtrampeln und -fahren. Das können Seismologen messen, und ohne die von Menschen gemachten Störungen lässt sich viel präziser feststellen, was in unserem Planeten passiert.

Ich Ich Ich

Ich werde anscheinend zum Prepper. Plötzlich hielt ich es für eine voll gute Idee mal ein wenig Wasser einzutuppern, habe aber aus Versehen statt einem gleich drei 30-Liter Tanks bestellt. Verdammter Onlinehandel. Wäre ich doch nur in den Baumarkt gefahren.

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Corona (9): Rundumschlag

Weltweit: 1.29380 Infektionen (+730.878) 70.482 (+45.231) Todesfälle
Deutschland: 100.186 Infektionen (+50.842), 1.590 (+1.286) Todesfälle

Woche 3 der Isolation und achje, schon wieder eine Woche her seit den letzten Notizen. Was hat sich seitdem getan? Ein großzügiger Rundumschlag.

National: Es mehren sich die Stimmen derer, die der Meinung sind, jetzt sei es aber auch mal gut mit der Isolation. Man solle jetzt doch mal wieder schaffen gehen, und im Zweifel nur die Risikogruppen isolieren. Das wird aber nichts. COVID19 kennt keine Gnade, durch alle Altersgruppen und Schichten hindurch sterben Menschen bei schweren Verläufen. Durchhalten ist die Parole der Stunde. Und wir werden noch lange durchhalten müssen:

Besserwisserisch: Das Wort „Quarantäne“ kommt vom italienischen Wort für 40, und das war die Anzahl von Tagen, die Schiffe mit der Pest an Bord vor dem Hafen liegen mussten. 40 Tage werden aber bei Corona nicht ausreichen. Im folgenden Video rechnet Mai sehr unaufgeregt vor, dass es im Besten Fall 56 Tage dauert, bis Maßnahmen gelockert und wie zu Beginn der Pandemie durch strenge Kontrollen mit Nachverfolgung von Infektionsketten ersetzt werden können. Wir haben also erst ein Drittel hinter uns.

Persönlich: Es ist schwer, vernünftig zu sein. Seit Mitte März hat es nicht mehr wirklich geregnet, stattdessen jeden Tag Sonnenschein und jetzt auch noch frühsommerliche Temperaturen. Der Körper giert nach Bewegung, der Kopf will an die frische Luft, aber nein, dass darf ja nicht. Dann einen Blick in die Berichte wie schlimm ein Tot an COVID-19 sein kann und schon ist das Bedürfnis rausgehen zu wollen auf ein erträgliches Maß reduziert.

Maskiert: „Masken helfen nicht“, hieß es zu Beginn der Pandemie allerorten. Darüber wunderten sich nicht nur die Chinesen. Jetzt wird die Bevölkerung aufgerufen selbst welche zu nähen. Nicht um den Träger der Maske zu schützen, sondern andere. Skurrilitäten am Rande: Abmahnanwälte schicken Unterlassungsbriefe an Firmen, die Schutzmasken herstellen wollen, und die USA klauen anderen Ländern deren Lieferungen an medizinischen Mundschutzen.

Polizeilich: Demo in Göttingen, viele Demonstranten tragen Mundschutz, alle halten Abstand. Plötzlich kriegt die Bereitschaftspolizei einen Triller, greift sich einzelne Personen raus, umstellt die mit mehreren Beamten ohne Mundschutz, die aus Tuchfühlungsentfernung auf die Demonstranten einreden. Hinweise auf das Abstandsgebot werden mit höhnischen Sprüchen quittiert. Mal ganz ehrlich: Was stimmt den den Polizisten nicht, die für Maßnahmen zur Einhaltung von Regelungen des Infektionsschutzgesetzes jegliche Schutzmaßnahmen mißachten?

Europäisch: Ungarn ist jetzt endgültig eine Autokratie, aufgrund von Notstandsgesetzen ist das Parlament suspendiert und die Presse eingeschränkt, für mindestens ein Jahr. Wie es dazu kommen konnte? Das Parlament selbst hat dafür gestimmt, und dort hatte Orbans Fidesz-Partei die Mehrheit. Und das, liebe Kinder, ist der Unterschied zwischen einer demokratisch gewählten Partei und einer demokratischen Partei. Auch die Fidesz wurde demokratisch gewählt, aber sie arbeitete an der Abschaffung der Demokratie. Wie die AfD in Deutschland.

Europäisch II: Was bemerkenswert ist: Das dröhnende Schweigen der EU-Kommission. Kein Wort von von der Leyen zu der Ungeheuerlichkeit, die sich in Ungarn abspielt. Eine Diktatur, mitten in Europa! Von der Leyen sagt dazu: NICHTS. Möglicherweise deshalb, weil sie nur mit Orbans Stimmen Präsidentin geworden ist. Statt der Kommission setzen nun 13 andere Länder eine Erklärung auf, in der sie es verurteilen, wenn Länder die Corona-Krise nutzen, um repressive Maßnahmen einzuführen. Ungarn wird nicht explizit genannt, aber es ist klar, an wen sich die Erklärung richtet. Ironie des Ganzen: Orban hat ausrichten lassen, dass er die Erklärung gut findet und auch unterzeichnen will Mehr Hohn geht kaum.

Europäisch III: Die Länder Südeuropas fordern gemeinsam die Vergemeinschaftung von Schulden, Deutschland lehnt das ab. Europa, es war schön mit Dir. Mittlerweile denke ich, dass die EU diese Krise nicht überleben wird, und das ist maßgeblich die Schuld von Deutschland.

Blümerant: Franca ist 76. Sie hat versprochen nicht rauszugehen, sondern schön zu Hause zu bleiben und Blümchen zu fotografieren. Jetzt schickt sie mir jeden Tag Beweisbilder. Vielleicht habe ich gerade ein Tränchen im Augenwinkel.

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Corona (8): Quiet Earth

Weltweit: 558.502 Infektionen (+63.416) 25.251 (+2.956) Todesfälle
Deutschland: 49.344 Infektionen (+7.825), 304 (+75) Todesfälle

Heute Morgen um kurz nach 07:00 Uhr einkaufen gewesen. Gute Nachrichten: Die Regal im Supermarkt waren gut gefüllt. Die Hamster haben sich jetzt wohl alle ihr Nest aus Klopapier gebaut und hocken da jetzt drin und fressen den ganzen Tag Nudeln. Ein anderes Bild ist nach dem Ansturm der letzten Wochen wohl kaum denkbar.

Es ist eine komische Situation. Das öffentliche Leben ist bis nahe am Wachkoma gedrosselt, die Straßen sind leer, Menschen sind nur vereinzelt unterwegs. Dennoch häuft sich bei mir die Arbeit, alles rotiert am Anschlag. Das ist gut und gibt ein seltsames Gefühl von Normalität, wo doch im Moment nichts normal ist.

Immerhin hat sich meine Atemwegssache wieder gelegt. Ich habe wohl nur zu viel telefoniert, daher die Halsschmerzen. Und das pieken in den Atemwegen kommt wohl durch die Wetterlage mit der extrem trockenen Luft, dazu Fußbodenheizung. Im Büro haben ist eine Luftfeuchtigkeit von nur noch 11%, obwohl den Ganzen Tag ein großer Luftbefeuchter läuft. Kein Wunder, dass die Atemwege da mal rumzicken.

Die Arbeit läuft auch Hochtouren, abseits davon ist Stille und Isolation. Das ist nicht nur bei mir so, sondern bei allen. Seit 14 Tagen sitzen jetzt alle zu Hause, ohne Hoffnung, dass das bald vorbei ist. Manche genießen das Privileg arbeiten zu dürfen, andere bangen um ihre Existenz.

Dadurch, das niemand weiß wie lange die Isolation noch dauern wird, beginnt jetzt einigen die Decke auf den Kopf zu fallen. Entweder weil ihnen ihre Familie auf den Sacque geht und sie dringend mal wieder Zeit für sich brauchen, oder weil sie die ganze Zeit allein sind und damit schlecht klarkommen. Ich merke das bei Telefonaten. Der Umgangston wird gereizter, die Laune deprimierter. In der Firma machen wir jetzt täglich eine halbe Stunde gemeinsam Frühstückspause per Videokonferenz, nur um zu plaudern, über Gott und die Welt, damit sich die Leute nicht so allein fühlen.

Mir ist die Isolation ziemlich schnuppe, die macht mir gar nichts. Ich weiß, dass ich damit ziemlich allein bin (SIC!), aber tatsächlich war das schon immer so.

Als Kind spielte ich am Liebsten allein, als Jugendlicher war mein Lieblingsfilm „Quiet Earth“. Der handelt davon, dass ein Mann aufwacht und feststellt, dass er ganz allein auf der Welt ist. Was für ein erstrebenswerter Zustand! Als Erwachsener kam mir das Bedürfnis anderer Menschen nach sozialer Interaktion manchmal suspekt vor, was einer der Gründe war, weshalb ich mit WGs so meine Probleme hatte.

Erst später wurden mir zwei Dinge klar:

  1. So wie ich fühlen nur die wenigsten Menschen. Die meisten kommen nicht damit klar, ganz mit sich allein zu sein. Zumindest nicht über einen längeren Zeitraum, schnell verspüren sie ein Bedürfnis nach Gesellschaft und Nähe. Ich nicht, oder zumindest nur in einem sehr reduzierten Maß. Ich kann wochenlang allein sein.

  2. Ich bin kein Einzelfall. Es gibt in unserer Gesellschaft Menschen, denen es ähnlich geht wie mir. Diese „Introverts“ sind eine fragmentierte Minderheit, aber wir haben Gemeinsamkeiten. Während der Großteil der Menschen ihre Akkus über soziale Interaktion auflädt, kostet uns der Umgang mit anderen Kraft. Das heißt nicht, dass wir Treffen mit Freunden nicht mögen oder keine Berufe ausüben, in dem wir keinen Umgang mit anderen haben. Das alles kostet uns aber Energie, es leert unsere Akkus. Die laden wir dadurch wieder auf, indem wir allein für uns sind.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für Introverts ist die staatliche Verordnung zu Hause zu bleiben eine traumhafte Sitution. Endlich brauchen wir keine Ausreden mehr zu erfinden, um nicht mit anderen in Präsenz interagieren zu müssen. Endlich müssen wir uns nicht mehr in Situationen begeben, die unsere Akkus leert. Weil: Höhere Gewalt.

Wer ihn nicht kennt und Langeweile hat: Das hier ist „Quiet Earth“, der lohnt sich immer noch.

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Corona (7): Gabenzäune


Weltweit: 495.086 Infektionen (+98.837), 22.295 (+5.043) Todesfälle
Deutschland: 41.519 Infektionen (+10.149), 239 (+106) Todesfälle

Die Lage der Welt

Die USA sind absehbar das neue Epizentrum der Pandemie, mit aktuell schon 70.000 Fällen. Dabei gibt es bei denen praktisch keine Tests, weil der faschistische Trickbetrüger im Präsidentenamt die Tests der WHO abgelehnt hatte und eigene, „Made in America“ wollte. Die gibt es aber nicht. Genauso wenig wie das Heilmittel, das er vor wenigen Tagen verkündete. Doof nur das, während er sein Schlangenöl anpries, der Leiter der Gesundheitsbehörde stand und im nächsten Moment sagte „Nein, das funktioniert nicht“. Das die USA jetzt dabei sind den Spitzenplatz einzunehmen, liegt schlicht daran, dass es ein Land der dritten Welt ist, was die medizinische Versorgung angeht, und das die Führung das Problem zwei Monate ignoriert hat.

Und nicht nur das, es geht weiter: Mittlerweile verkünden altgediente Republikaner, sie würden gerne sterben, um ihren Enkeln eine funktionierende Marktwirtschaft zu hinterlassen. Prompt kündigte Trump an, nach Ostern alle Einschränkungen aufheben zu wollen, weil „Da muss es ja dann auch mal gut sein“. Während Newy York leergefegt ist und der dortige Gouverneur sagt „Das Leben wie wir es kenne ist vorbei“, rufen liberale Colleges rufen jetzt schon ihr Lehrpersonal und die Studierenden zurück. Gut, um BWLer ist es nicht schade, aber das ist doch wirklich Kapitalismus im Endstadium.

Oder, wie es jemand auf Twitter im Rollenspieljargon ausdrückte: „Die USA sind jetzt chaotic evil. Kann sein, dass sich nun die Länder an einer Führungsmacht orientieren, die zumindest Lawful Evil ist: China“.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir später einmal auf diesen Punkt der Geschichte zurückblicken und zu dem Schluss kommen, dass die Aushöhlung der Demokratien durch Rechtspopulisten und die Pandemie für einen Zusammenbruch westlicher Staatsysteme und Wirtschaftsordnungen gesorgt haben.

In Ungarn wird der Umbau zur Diktatur vorangetrieben, der Faschist Orban will per Notstandsverordnungen und mindestens für ein Jahr Parlament und Grundrechte aushebeln

In Brasilien stellt sich der Faschist Bolsonaro hin, tut Corona als Erfindung der Medien ab und lässt sich von seinen Anhänger dafür feiern, keine Maßnahmen zu verhängen. Faschistische Politik ist eben immer menschenverachtend und kostet am Ende Leben. Und nein, ich verwende den Begriff „Faschist“ nicht pauschal und inflationär, sondern kann das immer begründen. Faschismus hat viele Gesichter, aber er erfüllt immer Grundmerkmale, und die sind aktuell in den USA genauso vorhanden wie in Brasilien, Ungarn oder der Türkei.

In Italien geht mancherorts das Benzin aus. Warum? Weil viele Tankstellen von Selbstständigen betrieben werden, und deren Umsätze sind so eingebrochen, dass sie es sich nicht leisten können, neue „Ware“ zu bestellen – denn das Benzin müssen die Pächter im Voraus bezahlen.

In Deutschland gibt es auch viel Angst, aber auch viel Solidarität. In Kiel und anderen Städten gibt es „Versorgungszäune“ oder „Gabenzäune“, an die Menschen Nahrung, Kleidung, usw. hängen, und Wohnungslose können sich bedienen. Das ist wichtig, weil nach der Schließung der Tafeln und der Sozialstationen die Obdachlosen wirklich Hunger leiden.

Bild: SHZ.de

Bild: SHZ.de

In der Schweiz muss man übrigens zwei Meter Abstand voneinander halten, in Deutschland nur 1,50 Meter. Warum ist das so? Wegen der Kehllaute. Das Grunzen und Gurgeln der Eidgenossen verschleudert die Viren weiter als menschliche Laute. Odr.

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Corona (6): Familiäre Dialoge -XII-

Am Telefon.

Ich: „Und, wie geht es so?“

Vater: „Naja, wie soll´s mir gehen. Muss ja.“ (mißtrauisch) „Warum rufst Du an?“

Ich: „Ich wollte nur wissen wie es Dir geht und ob Du auch schön zu Hause bleibst und ob ich vielleicht für Dich einkaufen soll.“

Vater: „Und dann?“

Ich: „Wie, und dann?“

Vater: „Wie stellsten Dir das vor? Ist doch Nonsense, sowas!“

Ich: „Wieso Nonsense? Du könntest mir doch sagen was Du brauchst und ich stell Dir das vor die Tür.“

Vater: „Was ich brauche geht Dich doch gar nichts an!“

Ich: „…“

Vater (mißtrauisch): „Ist wegen dieses Virus, oder?“

Ich: „Ja klar. Du bist fast 80, Du hast Diabetes und Lunge. Du solltest jetzt nicht rausgehen.“

Vater (leidend): „Ich gehe doch eh nicht mehr raus, ich kann mich doch gar nicht mehr bewegen vor Schmerzen´… [beschreibt Symptome, die nach akutem Nierenversagen klingen] …Da verlasse ich doch das Haus nicht mehr.“

Ich: „Was? Du hast solche Schmerzen und kannst das Haus nicht mehr verlassen? Warum sagst Du denn nichts? Ich komme vorbei und wir fahren zum Arzt!“

Vater: „Die Ärztin hat gesagt sie hat keine Zeit.“

Ich: „Das ist doch Quatsch! Dann fahren wir halt ins Krankenhaus!

Vater: „Da habe ich neulich einen Bericht im Fernsehen gesehen, im Krankenhaus helfen die einem nicht.“

Ich: „Jetzt hör aber auf! Im Zweifel fahren wir hier ins Klinikum. Die helfen wirklich.“

Vater: „Sohn, ich habe praktisch einen Arzttermin, die haben gesagt ich soll mich nach der Virussache melden. Krankenhaus! Wie stellste Dir das denn vor! Da habe ich doch keine Zeit für!“

Ich: „Wieso, ich denke Du verlässt das Haus nicht mehr.“

Vater (heldenhaft leidend): „Tue ich ja auch nicht, außer für Besorgungen, da komme ich doch nicht drum rum. Da muss ich halt durch, Schmerzen hin oder her“

Ich: „Ach. Was denn für „Besorgungen“?“.

Vater: „Naja so [unverständlich] aus dem einen Baumarkt und [NuschelNuschel] aus dem anderen Baumarkt und ich muss jetzt gleich noch zum Putzer und deshalb muss ich jetzt auch aufhören zu telefonieren.“

Ich (entgeistert) „WAS? Du gehst jetzt NICHT zum Friseur! Draußen ist Pandemie! Der hat geschlossen und du bleibst mit dem Hintern zu Hause!“

Vater: „Du bist ein Knallkopp, der Herr Schnabel schneidet allen in seiner Küche die Haare, dem ist doch der Virus egal. Und ich gehe doch nicht ohne ordentliche Frisur auf eine Geburtstagsfeier!“

ICH (fassungslos): „WAS FÜR EINE GEBURTSTAGSFEIER?!“

Vater: „Na die Henny wird 85.“

Ich: „Da gehst Du doch nicht hin! Es herrscht Kontaktverbot!“

Vater: „Das ist doch kein Kontakt, das ist doch nur ein ganz kleiner Kreis, die Henny, die Ruth, der Werner, die Rosemarie, die Ilse, der Lachmund und seine Frau, die Thea und die Lisa und der Dings, der diese Sache mit dem Knie hat, und noch ein paar andere.“

Ich: „…“

Vater: „Ja, ich will da auch nicht hin, aber die Henny hat die Gute von Coppenrath und Wiese doch schon aufgetaut, was willste da machen?“

Ja, was willste da machen. Wenn die Alten unbedingt mit aller Macht die Rentenkassen entlasten wollen… dann sollte ich nicht versuchen, mich ihnen in den Weg zu stellen. Meinen Vater zwingt man ja eh zu nichts.

Frühere Dialoge:

Weihnachtsdialog
Straßenverkehrsordnungsdialog
Kraftfahrzeugbundesamt-Wettererklärdialog
Kostenloskulturdialog
Poststornierungsdialog
Nötigungsdialog
Tantenmonolog
Mehr Dialog
Noch ein Dialog
Anderer Dialog
Noch ein anderer Dialog

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Corona (5): Was hätte Helmut Kohl getan?

Weltweit: 396.249 Infektionen (+41.253), 17.252 (+1.816) Todesfälle
Deutschland: 31.370 Infektionen (+3.812), 133 (+18) Todesfälle

Die anderen
„Ich bin ja gerade erst wieder da“, ruft der Nachbar. Er steht mitten im Garten und ruft zu meinem Balkon hoch. So mit Schiebermütze und grauem Kittel sieht er aus wie ein Hausmeister. Oder der Blockwart. Ist er aber nicht, der alte Herr ist zwar manchmal grantelig, aber schon in Ordnung. „Ich war ja vier Wochen auf Reha. Hatte nen Herzinfarkt. Reha in Rotenburg. Aber nicht dem schönen Rotenburg, sondern Rotenburg an der Fulda. Da braucht man schon dieses In-ter-Net“, er zieht die Silben ganz lang, „um den Italiener zu finden. Naja, jedenfalls bin ich gerade erst wieder da. Und jetzt dieser Virus. Ob da man so alles mit tau ist… Ich glaub ja nicht, dass das alles so natürlich ist. Wer weiß ob das nicht ne Waffe war, und der Chinese hat vergessen die Tür zu zu machen. Ich geh jetzt aber nicht mehr raus.´“

„Das machen´se richtig“, rufe ich vom Balkon. Der Nachbar rückt seine Schiebermütze zurecht und sagt „Nächste Woche ist ja Geburtstag, mein Bruder wird 80. Wollte ich ja auch nicht hin, aber meine Schwägerin hat gebettelt das nicht ausfallen zu lassen. Jetzt macht sie zwei Mal was, einmal Kaffee und einmal Abendbrot, und zu jedem kommen andere, dann sind wir nur zu viert. Aber da gehe ich dann schon hin. Man wird ja nur ein Mal 80.“

Ich Ich Ich
Seit dem Wochenende bin ich wieder stärker am Husten, mit Kribbeln in den unteren Atemwegen. Seit gestern dann Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Ist das eine neue Atemwegsinfektion? Aber woher soll die kommen, ich hatte seit Mitte letzter Woche quasi keinen Kontakt mehr zu Menschen. Oder ist das einfach der Tatsache geschuldet, dass es am Arbeitsplatz wegen der Fußbodenheizung gerade eine Luftfeuchtigkeit zwischen 12 und 25 Prozent hat (normal wäre so um die 40)? Keine Ahnung. Ich neige nicht zu Hypochondrie, achte jetzt aber sehr genau auf weitere Symptome. Was bei Corona aber leider kaum was bringt, weil so viele Fälle asymptomatisch verlaufen.

Die Welt
Im Unvereinigten Königreich (UK) hatte König Boris ja erst verkündet nichts machen zu wollen, aber davon ist er nun ab. Nachdem er sich in eine Runde Untertanenbschimpfung ergab, bei der er anprangerte, dass die Leute nicht freiwillig zu Hause blieben, gibt es nun eine dreiwöchige Ausgangssperre.

Derweil in den USA fordern Fox-News-Kommentatoren ein Enddatum von Trump für das Ende der (milden) Maßnahmen, weil: Stockmarket und so, wissen schon. Die orangefarbene Hohlbirne geht darauf gerne ein und twittert in Großbuchstaben was von zwei Wochen, dann wolle er was verkünden. Vermutlich tut er dann kund, dass er das Virus eigenhändig erwürgt hat und man jetzt wieder zur Normalität zurückkehren kann. Nunja.

Da bleibt nur Galgenhumor.

Was schön ist:
Franca und Licio geht es gut. Die beiden alten Herrschaften sind auch schon in ihren Siebzigern und Achtzigern, haben aber den Ernst der Lage begriffen. „Wir bleiben zu Hause und fotografieren Blümchen“, schreibt Franca und schickt prompt Beweisfotos über Whatsapp. Sara und Francesco leiden derweil darunter, dass ihr Restaurant geschlossen bleiben muss. Die beiden habe vermutlich hohe Kredite für den Neubau am Laufen, und jetzt käme eine Umsatzbringende Zeit mit Osterfeiern, Kommunionen und Taufen. Aber „wir sind gesund und unser Garten hält uns auf Trab“, schreibt Sara, und das ist ja auch was.

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Corona (4): Kontaktlos

Weltweit: 354.996 Infektionen (+99.681), 15.436 (+4.992) Todesfälle
Deutschland: 27.558 Infektionen (+9.197), 115 (+63) Todesfälle

Woche zwei der Corona-Isolation. Seit dem Wochenende gelten neue Maßnahmen: Der Bundeskanzler Frau Merkel trat am gestrigen Sonntagabend persönlich vor die Kameras und verkündete Kontaktverbote für die nächsten zwei Wochen.

Danach verzog sie sich in häusliche Quarantäne, weil einer ihrer Ärzte positiv getestet wurde. Bundesweit sind damit Gruppen von mehr als zwei Personen, ausgenommen Familie und im Job, verboten. Das ist eine weit weniger rigide Maßnahme als China oder Bayern umgesetzt haben, schränkt dafür aber zumindest die Grundrechte nicht ein. Auch die Handyortung zum Nachvollziehen von Infektionsketten ist wohl erstmal vom Tisch.

Das ist gut, weil: Grundrechte, die man in Krisen bereitwillig aufgibt, bekommt man nicht wieder.

Das wissen auch andere. Ungarn wird gerade zur deFakto-Diktatur, weil dort der Faschist Orban jetzt per Notstandsverordnung Regelungen mit Gesetzeskraft erlassen oder die Justiz außer Kraft setzen kann.

In den USA läuft die Trump´sche Selbstbedienungs-Gang zu neuen Hochformen auf. Die Republikaner haben allen Ernstes aus einem Notgesetzvorschlag Krankenversicherungshilfen rausgestrichen („können wir uns nicht leisten“) und stattdessen vorgeschlagen, dass Finanzminister Mnuchin einfach dreistellige Milliardenbeträge frei Hand verteilen darf und für mindestens sechs Monate niemandem sagen muss, an wen die Kohle gegangen ist. Etliche Republikaner betreiben selbst Unternehmen, und nahezu alle Politiker beider Parteien haben Aktienpakete noch und nöcher. Wollen wir wetten, an welche Unternehmen das Geld gehen wird?

Und sonst so?

Ich habe die Suzuki wieder eingemottet. Schönes Wetter hin oder her, das hat gerade alles keinen Sinn. Moppedfahren ist gefährlich, und jetzt ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt um sich was zu brechen und ins Krankenhaus zu müssen. Zwar sind die Straßen schön leer, aber das verleitet so manche Doofnase dazu, wie bekloppt zu rasen. Lieber kein Risiko eingehen. Gedanklich werde ich mich auch schon mal von der diesjährigen Motorradreise verabschieden. Das ich Ende Mai auf ein Schiff gehe, sehe ich aktuell nicht.

Es sind die kleinen Sachen, die gerade gut sind.

Wie der Facebook-Post unseres Dorfladens, der verkündet, es seien genug Lebensmittel und Klopapier vorhanden.
Oder die Menschengruppe, die mir heute morgen begegnete und ich erst dachte „Ihr habt doch den Schuss nicht gehört“, bis ich merkte, dass das eine Großfamilie auf Spaziergang war.
Oder das Abends Leute von ihren Balkonen auf allen möglichen Instrumenten „Freude schöner Götterfunken“ schrammeln und singen.
Oder das man beim Bäcker ENDLICH mit Karte und kontaktlos zahlen kann.

Alle Folgen des Corona-Tagebuchs.

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Corona (3): Die Stunde der Prepper

Weltweit: 254.996 Infektionen, 10.444 Todesfälle
Deutschland: 18.361 Infektionen (+5.258), 52 (+10) Todesfälle

Schon am vergangenen Wochenende kamen mir gleich mehre große Geländewagen auf der Bundesstraße entgegen. Also, keine SUVs von der Marke „Stadtpanzer“, die nicht mal über einen Bordstein fahren können, sondern ECHTE Geländewagen.

Jeeps, ein alter Bundeswehr „Wolf“ und einen Unimog in Tarnfarben habe ich bei einem kurzen Ausflug gesehen. Sind das Fahrzeuge von „Preppern“, also von Leuten, die sich schon zu normalen Zeiten auf die Zombieapokalypse vorbereitet haben? Die Bunker bauen, Lebensmittel horten, Überlebenstechniken üben und eben auch Geländefahrzeuge vorhalten? Leute, die so veranlagt sind, müssen sich doch jetzt echt bestätigt und ihre große Stunde kommen sehen.

Andere werden jetzt noch schnell zu Preppern. Wie der Nachbar, bei dem gestern mehrere große Erdtanks für Wasser geliefert wurden. Der legt sich jetzt im Garten eine Zisterne an. Sicherlich generell keine schlechte Idee, Wasser zu sparen und Regenwasser zu sammeln. Zum Blumen gießen kann man das immer brauchen.

Bayern hat jetzt als erstes Land Ausgangsperren verhängt.
Geht nicht anders. Freiwillige Selbstbeschränkung passt wohl nicht zu der hedonistischen Lebenskultur in München und Umgebung.

Auch die Arbeitskultur ist da stellenweise hinterher. Während in unserem kleinen Betrieb immer schon darauf geachtet wurde, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter die Arbeitsmittel bekommt, die sie oder er möchte und die den eigenen Vorlieben entsprechen und alle mobil arbeiten können, ist das in den Konzernen um München noch nicht angekommen. Das erzählte mir gestern eine Münchnerin, die bei einem großen Unternehmen arbeitet. Das verkauft es seinen Mitarbeitenden immer noch als Incentive und große Ehre, wenn sie ein Firmenhandy bekommen, oder ein Notebook, oder mal Homeoffice machen durften. Eine Ehre, stets erreichbar zu sein? Homeoffice als Belohnung?
Das ist die Old Economy. Die lernt gerade mit Gewalt um.

Kategorien: Corona-Tagebuch, Ganz Kurz, Gnadenloses Leben | 3 Kommentare

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