Familienbande

Familiäre Dialoge -VII-

Februar 2022.
Telefon.

Vater: „Sohn! Ich bin verzweifelt. DIE haben mir mein Auto kaputt gefahren.“

Ich: „Was? Au Scheiße. Geht es Dir gut?“

Vater: „Jaja, ne. Aber das Auto, wie gesagt, das ist kaputt. Aber ist kein Problem, ich muss nichts bezahlen, der Mann hat es mitgenommen.“

Ich: „Erzähl mal von vorne, bitte.“

Vater: „Die Katzen hatten Hunger und das Wetter war nicht so und dann bin ich ins Auto, und unten am Berg da hat es dann geschneit und ich bin mit ausreichendem Seitenabstand an einem Auto vorbeigefahren das da geparkt hat und plötzlich macht es BUMM und ich schleudere so rum und dann war das Auto kaputt.“

Ich: „Du hast aus dem Fenster geguckt, den Schneesturm gesehen und beschlossen, dass das genau der richtige Zeitpunkt ist ins Auto zu steigen und einkaufen zu fahren? Und bist in ein geparktes Auto gerutscht?“

Vater: „Nein! Hör doch mal zu! Ich bin nicht gerutscht! Ich bin da mit aus-reich-en-dem Abstand dran vorbeigefahren! Und dann hat es Bumm gemacht. Ich habe den gar nicht berührt! Bei dem ist auch gar nichts kaputt. Außer an der Felge so ein Bißchen. Da ist was abgefallen. Kann man aber wieder dran machen.“

Ich: „Also bist Du doch in das geparkte Auto reingefahren“

Vater: „Das war nicht meine Schuld, ich konnte doch nichts sehen! Wegen des Schnees! Da kann doch niemand was sehen! Und dann bin ich so rumgeschleudert und vorne gegen den Bordstein. Und dann waren alle gleich aufgeregt und haben die Polizei gerufen und der Abschlepper war da und der hat gesagt: Das ist ein Totalschaden, der Wagen ist nichts mehr wert und wenn ich ihm den schenke, dann muss ich wenigstens keine Abschleppkosten zahlen.“

Ich: „Und was hast Du gemacht?!“

Vater: „Naja was soll ich denn gemacht haben? Habe ich halt das Auto verschenkt, nützt ja nichts. Aber wie gesagt, ich hatte keine Schuld. Auch nicht an dem Hildebrandt seine Schulter.“

Ich: „Was hat denn der Hildebrandt jetzt damit zu tun?“

Vater: „Ja der saß in dem Auto. Und nun sagt er, ihm tut die Schulter weh. Aber da kann ich nichts für! Was bremst der auch so stark, mitten im Schneesturm!!“

Ich: „Äh. Also war noch ein Fahrzeug beteiligt? Und das hat vor dir gebremst?“

Vater: „NEIN! Du hörst nie zu, wenn ich mit Dir rede, oder? Der saß da in dem geparkten Auto! Was da stand, weil er vorher so stark gebremst hat! Weil es geschneit hat! Und da bin ich in weitem Bogen drum rum und hab den gar nicht berührt und dann Bumm und dann war mein Auto kaputt und wie das mit dem Hildebrandt seiner Schulter kam und seinem appen Rad, das weiß niemand!“

Ich: „Okay, Ich fasse noch einmal zusammen: Es hat so stark geschneit, dass man nichts sehen konntest. Der Fahrer vor Dir hat aufgrund der schlechten Sicht gehalten und Du bist ihm hinten rein gefahren und hast einen Totalschaden mit Personenschaden verursacht. Und anschließend hast Du Dein Auto verschenkt.“

Vater „Aber ich bin nicht schuld, was kann ich denn dafür wenn der da so dämlich…“

Ich: „Ich komme morgen früh vorbei. Wir regeln das.“

Vater: „Bring Katzenfutter mit!“

Und geregelt haben wir das dann, im Februar. Natürlich hat er sein Auto nicht verschenkt, es stand sicher im nahegelegenen Autohaus. Aber es war tatsächlich ein Totalschaden. Der Personenschaden war zum Glück nur ganz leicht, am Ende ist also alles gut ausgegangen. Sogar die Katzen wurden gefüttert.

Bezeichnend aber: Es sind immer „DIE“, die Schuld sind. „DIE“ stellen Hemden heute absichtlich kleiner her als früher, damit man sich dick fühlt. „DIE“ sorgen dafür, dass einem auf einen Samstag das Heizöl ausgeht. Und „DIE“ machen halt Bumm und plötzlich ist das Auto kaputt. Bei meinem Vater sind es IMMER die anderen.

Aber gut, mit über 80 Jahren lernt man auch nicht mehr, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Zudem deutlich zu sehen: Die familiären Dialoge werden im Verauf immer unlustiger und sind zunehmend geprägt von einer gewissen Hilflosigkeit. Mein Vater ist ein alter Sturkopf, aber ich fürchte, der braucht jetzt mal Unterstützung.

Frühere Familiäre Dialoge:

Nicht-ans-Telefon-geh-Dialog
Dialog zum 80sten
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Hämischer Dialog
Corona-Dialog
Weihnachtsdialog
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Familiäre Dialoge -XVI-

Telefon.

Ich: „„Ja hi, ich bins. Ich wollte nur mal fragen ob Du bei der zweiten Impfung warst und wie es Dir jetzt geht.“

Vater: „Was soll denn die dumme Frage, Du weißt doch genau, das es mir beschissen geht, mit dem Knie kann ich doch nicht auftreten, deshalb nehme ich doch dauernd die starken Schmerzmittel.“

Ich: „Nee, ich meinte wegen der Impfung. Beim Knie erwarte mal kein Mitleid, das hättest Du vor acht Jahren machen lassen können, mit dem anderen zusammen, dann wärst Du heute schmerzfrei. Dazu müsstest Du nur mal zum Arzt gehen.“

Vater: „Die haben doch am wenigsten Ahnung, die Ärzte! Aber zweite Impfung war ich. So eine Impfung, weißte, die geht ganz schnell. Man fährt nur zu dem Termin und dann warten die schon auf einen…“

….Was nicht so wirklich ein Wunder ist, mein Vater kommt zu jedem Termin mindestens eine Viertelstunde zu spät…

Vater: „…und schon ist man damit fertig. Ist ja hier auf dem Dorf auch nicht so einfach, mit Impfung! Kommste ja nicht ran, als Normalsterblicher. MIR hat niemand ein Impfangebot gemacht. (Stolz:) Aber ich sage ja immer: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Und ICH bin ja jetzt geimpft“

Heldenhaft. Ein Jahr hat er sich mit Händen und Füßen gewehrt, aber nun fühlt er sich wie der Ritter, der den Drachen erlegt hat. Belassen wir es dabei.

Vater: „Zum meinem Achtzigsten habe ich übrigens von der Gemeinde einen Gutschein über 10 Euro bekommen. Muss man sich mal vorstellen, 10 Euro, was soll man sich denn dafür kaufen?“

Ich: „Was hast Du denn erwartet?“

Vater: „Wer nicht frech. Ich kauf mir da jetzt Lübecker Marzipan für. Das ist das Beste. Kann man ja auch kaum was anderes mit anfangen, mit 10 Euro.“

Ich: „Ja, nee. Und Marzipan als Geldanlage, das ist schon gut. Aber denk an Dein Diabetes.“

Vater: „Ach Diabetes, so ein Quatsch. Da hat die Ärztin auch keine Ahnung.“

Ich: „Deine Diabetesberaterin, die beruflich nichts anderes macht als Diabetes, die hat keine Ahnung?“

Vater: „Die erzählt nur Quatsch! Ich soll morgens 49 und abends 29 Einheiten nehmen, das ist doch Blödsinn. Ich ess´ meine Schokolade und mein Marzipan und dann messe ich und dann schlag ich noch was drauf und das nehme ich dann.“

Ich: „Genial! Auf diese Weise kannst Du Süßigkeiten essen bis Dir schlecht wird!“

Vater: „Genau! Aber in dieses Tagebuch, ne, was ich ihr immer vorzeigen muss, da trage ich immer genau die Werte ein, die sie sehen will. “

Ich: „Die eigene Diabetesberaterin betuppen. Na, Du bist ja ein Fuchs.“

Vater: „Ja, was will ich denn sonst machen? So freut sie sich wenigstens.“

Ich: „…“

Vater: „Warum rufst Du eigentlich heute erst an? Die zweite Impfung war vor einer Woche!“

Ich: „Oh ich HABE angerufen, jeden Tag, zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Du bist nur nicht ans Telefon gegangen. Ich habe mir schon Sorgen gemacht.“

Vater: „Ja nun, das Telefon steht in der kleinen Stube und wenn Fernsehen an ist höre ich das nicht. Tragbares Telefon habe ich ja nicht.“

Ich: „Hast Du schon, das haben wir Dir vor drei Jahren zu Weihnachten geschenkt. Du warst nur zu bequem es anzuschließen, und als ich das machen wollte meintest Du, ich hätte keine Ahnung davon und sollte die Finger davon lassen.“

Vater: „Braucht ja auch kein Mensch, sowas. Genauso wie Handy. Sind auch nicht zu gebrauchen, die Dinger. Die muss man jede Woche aufladen! JEDE WOCHE! Muss man sich mal vorstellen! Ich glaub´ mein Schwein pfeift!“

Immerhin hat er ein Handy. Hat lange genug gedauert ihm das aufzudrängen, damit er in Notfällen wenigstens ein Telefon in Griffweite hat.

Ich: „Ja nun. Sei froh, dass Deines eine Woche durchhält. Ich muss meins jeden zweiten Tag aufladen.“

Vater: „Was? Was ist das denn für eine Schrottkiste?!.“

Ich: „iPhone 13 Pro.“

Vater: „Das würde ich zurückbringen, das muss ja kaputt sein. Kauf Dir mal was Vernünftiges! Nokia oder so. Hatte ich ja auch.“

Ich: „Wieso „Hatte“?!“

Vater: „Ist kaputt. Aber ist ja egal, ich brauche das eh nicht.“

Ich: „Und wenn Du mal stürzt mit Deinem kaputten Knie und nicht mehr hochkommst? Wie holst Du dann Hilfe? Das kriegt ja nicht mal jemand mit wenn Du da rumliegst.“

Vater: „Ach ich telefonier doch jeden Abend mit der Dingens. Wenn ich nicht ans Telefon gehe kann die sich schon denken, das was nicht stimmt. “

Ich: „Oder das Du fern guckst.“

Vater: „Hehehe, ja genau, ne.“

Ach Ach Ach. Ich rege mich ja gar nicht mehr drüber auf.

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Familiäre Dialoge -XV-

Telefon klingelt.

Ich: „Vater?!“ (Mißtrauisch) „Warum rufst Du an? Das machst Du doch nie?“

Vater: „Ah Sohn. Nee, ich wollte Dich auch gar nicht anrufen. Hab‘ ich mich wohl verdrückt.“

(Pause)

Vater: „Aber wo ich dich gerade mal dran habe…“ (stolz): „Ich bin ja jetzt geimpft, ne?“

Ich (in gespielter Überraschung): „Nein! Das ist ja was!

Ja, er ist geimpft, seit heute morgen. Weiß ich schon.

In der Vergangenheit hat er ja alle möglichen Ausreden erfunden, warum er sich nicht impfen lassen kann. Das reichte im Zeitverlauf von „Die Impfung ist Gift und unter Masken erstickt man“ über „bringt ja eh‘ nichts“ bis zu „Bei uns impfen die nicht“, „MIR hat niemand ein Impfangebot gemacht“ und zuletzt „meine Ärztin will mich nicht impfen“. Alles erfunden, alles Ausreden, aus purer Bequemlichkeit.

Dass mein Vater sich nun hat impfen lassen liegt einzig und allein daran, dass meine Schwester ein Impfangebot in seinem Dorf ausfindig gemacht hat, ohne Voranmeldung und quasi zwei Straßen weiter. Dann hat sie ihn telefonisch bekniet da hinzugehen und ihm deutlich gemacht, dass er ohne Impfung nie wieder in irgendein Restaurant oder zum Windbeutelessen ins Café Tulpe darf. Windbeutelentzug! Diese Drohung hat es dann wohl gebraucht.

Er war wirklich bei der Impfung. Das erzählt er nicht nur, damit wir Kinder endlich Ruhe geben. Woher ich das weiß?

Weil er in der Impfpraxis einen dermaßenen Aufstand gemacht hat, das er danach Dorfgespräch auf Facebook war. Lautstark und jedem der es nicht hören wollte hat er kundgetan, das ER ja die Impfung nicht nötig hätte, weil er eh nicht unter Leute ginge, die Impfung Nötigung sei und ob die Arzthelferinnen wohl wüssten, dass sie Körperverletzung begingen. Ja, mein Vater weiß, wie man sich beliebt macht.

Ich: „Ja Mensch, das freut mich zu hören. Bist ja spät dran, aber immerhin. Das hast Du sehr, sehr gut gemacht. Ich freue mich für Dich. Das ist echt super. Prima Entscheidung.“

Vater: „Was heißt da spät dran? Bei uns haben die ja bisher nicht geimpft! Und ich muss da ja auch erstmal Zeit für haben, für diesen Nonsense. Ich brauch das ja eh´ nicht, ich geh ja nicht unter Leute. “

Ich: „Aber Du bist jeden Tag beim Bäcker um seine Croissants zu bewerten und ihm Verbesserungsvorschläge zu machen, Du bist jeden Tag im Baumarkt um dem Personal die Maschinen zu erklären, die es dort verkauft, und Du bist jeden Tag im Rewe um… was machst Du eigentlich im Rewe? “

Vater: „Ja sag ich ja, in Geschäften hält man Abstand, da kann man das nicht kriegen! Wo soll ich denn dieses Corona herbekommen? Am 27. Januar habe ich jetzt meine zweite Impfung.“

Ich: „Super! Aber auch hingehen, ja? Auch wenn es Dir jetzt nach der ersten Impfung vielleicht nicht ganz so gut gehen wird. Eine Spritze reicht nicht!“

Vater: „Mal gucken. Wenn ich Zeit habe, gehe ich da hin.“


Wenige Tage später, diesmal habe ich angerufen:

Ich: „Vater! Alles Gute zum Achtzigsten!“

Vater: „Ja, ach. Das sagt sich so. Von wegen gut. Feiern geht ja nicht, die lassen mich ja nirgendwo rein wegen dieses 2G. OBWOHL ICH GEIMPFT BIN!!“

Ich: „Du hast noch keinen Impfschutz. Geimpft bist Du erst wenn Du drei Injektionen bekommen hast, nicht nur eine.“ Vermutlich fängt er sich nächste Woche Omikron und verklagt dann alle, weil die Impfung ja nachweislich nichts bringt.

Vater: „Ja völliger Quatsch. Ich kann das ja auch gar nicht kriegen. Ich gehe ja NIE unter Leute.“

Ich: „Jaja.“

Vater: „Werd´ nicht frech! Egal, ich muss jetzt los. Ich hole meine Schwester ab. Die kann ja nicht mehr selber fahren, weil die zu alt ist und die Polizei ihr das Auto geklaut hat.“

Ich: „Was?“

Vater: „Ja muss man sich mal vorstellen! Die Polizei hat der das Auto geklaut, nur weil sie in der Fußgängerzone ohne Sprit liegen geblieben ist, als sie zum Treffen vom Tierschutzverein wollte. Hat wohl vergessen zu tanken. Als ihr dass das zweite Mal passiert ist, hat die Polizei ihr das Auto geklaut. Naja, kann passieren. Die ist ja schon alt. Die ist 84, alte Leute vergessen schonmal was.“

Auch so ein Phänomen: Die meisten Männer denken von sich selbst immer als ca. 30jährige, selbst im hohen Alter. Gleichaltrige sind dann völlig überraschend „alt geworden“, vermutlich wegen „Lebenswandel“, und urplötzlich „alte Leute“, aber sie selbst fallen NIE in diese Kategorie.

Das ist übrigens auch ein Grund, warum 75jährige Männer jungen Frauen nachstellen. Die Kerle haben schlicht nicht verinnerlicht, dass sie selbst alt sind. Alt sind immer nur alle anderen.

Ich: „Und was habt ihr dann vor?“

Vater: „Naja wir fahren zu der Gitta, meinen Geburtstag feiern. Man kommt ja nirgends rein, also machen wir das bei ihr. Ich hab die Gute von Coppenrath & Wiese besorgt und die Gitta macht Kaffee und die Heidi guckt vielleicht mal vorbei, der Fritz eventuell auch und…“

(Ich schalte geistig ab)

Vater: „…als ob das ohne Mettwurst überhaupt ginge! Muss man sich mal vorstellen, ich glaub mein Schwein pfeift! Ja und deswegen muss ich jetzt los, ne. Meine Schwester, die ist ja nicht geimpft, ne. Ich ja schon.“

Ich: „Was? Warum ist die denn auch nicht geimpft?“

Vater: „Ach, die braucht das doch nicht! Was soll die denn mit der Impfung, die geht doch NIE unter Leute!“

Dieser Blogeintrag ist ein zeitgenössisches Sittengemälde alter Menschen auf dem Land und eine Teilantwort auf die Frage „Woher kommt eigentlich die Impflücke in Deutschland“.

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Familiäre Dialoge -XIV-

Am Telefon.

Vater: „Ah, Sohn.“ (Mißtrauisch) „Warum rufst Du an?“

Ich: „Ich wollte nur mal hören wie es Dir so geht. Wir haben uns dieses Jahr erst ein Mal gesprochen, da dachte ich, es wird mal wieder Zeit.“

Vater: „Ah, wie soll es gehen, beschissen halt alles, aber was willste machen, ne. Ich habe halt so Schmerzen im Knie und kann nicht mehr laufen und nichts mehr machen und Sonntags fahren wir ins Café Tulpe und dann trinken wir da Kaffee und…“

Ich: „Mit Deinem Knie willst Du nicht mal zu einem Arzt? Du weißt doch, dass man da was machen kann.“

Vater: „Ich bin doch alle drei Monate bei der Ärztin! Der sage ich das immer! Die macht da nix! Ü-Ber-Haupt-Nichts!!“

Ich: „Hast Du denn inzwischen eine Hausärztin? Oder reden wir hier immer noch von Frau Bärmann?“

Vater: „Sohn, Hör doch mal zu! Natürlich reden wir von der Bärmann! Die macht nix! Nichts macht die!“

Ich: „Vater, Frau Bärmann ist deine Diabetesberaterin, keine Ärztin! Die hat Pflege gelernt! Natürlich macht die nichts, wenn Du der was von deinen Knieschmerzen oder den Lungenproblemen erzählst. Die kann auch gar nichts machen! Warum suchst Du dir nicht endlich mal einen Hausarzt oder eine Hausärztin?“

Vater: „Warum? Ich bin doch gesund!“

Ich: „Seufz. Bist du wenigstens mittlerweile geimpft?“

Vater: „Warum fragst Du das?“

Ich: „Weil Du 80 Jahre alt bist, Herz und Lunge hast und wir mitten in einer Pandemie stecken!“

Vater: „Mensch Sohn, ich habe doch gar keinen Kontakt mit anderen Leuten…“

Ich: „…Außer bei Deinen täglichen Besuchen im Supermarkt und im Baumarkt und jede Woche im Café Tulpe oder wenn Du Leute spontan triffst.“

Vater: „Genau mein reden, ich gehe praktisch NIE unter Leute! Und impfen, wie soll denn das gehen? Die impfen doch bei uns hier gar nicht!“

Ich (fassungslos): „Die. Impfen. Bei. Euch. nicht.“

Vater: „Nee, die impfen nicht. Die fahren hier mit so einem Bus rum aber man weiß nie wo der hält. Und das Impfzentrum ist drei Orte weiter da weiß ich gar nicht wo das sein soll.“

Ich: „Vater, ich hatte Dir schon im Februar angeboten dir da einen Termin zu machen und dich da hinzufahren. Und mittlerweile impft JEDER Arzt, da braucht man nur mal kurz anzurufen und sich einen Termin geben zu lassen“

Vater: „Ich habe doch einen Termin! Am 27. November habe ich wieder einen Termin! Und ich wette, die Ärztin bietet mir wieder keine Impfung an!“

Ich: „Lass mich raten, am 27. Hast Du wieder einen Diabetestermin bei Frau Bärmann?“

Vater: „Du hörst nie zu, oder? Das war ja schon immer so. Natürlich bei der Bärmann! Bei wem denn sonst! Aber die macht nichts! Nie macht die was!“

Ich: „Und die Windbeutel im Café Tulpe, sind die gut?“

Vater: „Ja sehr lecker. Am Sonntag sind wir wieder da, in großer Runde!“

Bemerkenswert sind hier mehrere Dinge. Zum einen, in welcher Geschwindigkeit der alte Mann sich noch Ausreden aus dem Hintern zu ziehen vermag und binnen zwei Sätzen von „Ich gehe nie raus“ über „die Impfen bei uns nicht“ zu „die „Ärztin“ ist schuld“ wechseln kann und das flüssig und sogar beinahe eloquent runterlügt.

Zum anderen die Feststellung, das mein Vater ein Level an Faulheit erreicht hat, dem man impftechnisch nur begegnen könnte, wenn die Zeugen Jehovas mit Impfangeboten von Tür zu Tür gingen – und selbst dann hätte er vermutlich einen Grund, warum es jetzt gerade nicht passt. „Ich muss jetzt in den Baumarkt“ oder „Barbara Salesch fängt gleich an, deshalb passt es nicht, aber sonst würde ich mich impfen lassen.“

Tja. Ich habe aufgehört mir einzubilden, dass ich daran etwas ändern kann. Man ändert keine Menschen, die acht Jahrzehnte mit ihrer Art durchgekommen sind.

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Familiäre Dialoge -XIII-

Am Telefon, erstes Telefonat mit meinem Vater seit März 2020.

Vater: „Ich habe gerade mit Deiner Schwester telefoniert. Weißte was! Die haben das Deutsche Museum zugemacht! Das muss man sich mal vorstellen!“

Wirklich, unfassbare Nachrichten. Seit seinem Besuch dort im Jahr 1963 ist das Deutsche Museum für meinen Vater, den ehemaligen Maschinenbauingenieur, sowas wie ein mit heiligen Gralen und Bundesladen vollgestopftes Paradies auf Erden. Wie können „DIE“ es wagen das zu zumachen?!

Vater: „Ist bei euch auch alles zu?“

Ich: „Ja sicher. Überall ist alles zu. Wegen der Pandemie“

„Also, bei UNS hat der Rewe offen.“

„Ja, Lebensmittelgeschäfte haben geöffnet, aber alles was mit Kunst und Kultur zu tun hat ist geschlossen. Überall, auch bei uns“

„Ihr habt doch gar kein Deutsches Museum. Deine Schwester wohnt in einer richtigen Stadt. Du ja nicht, ne.“

„Aber wenn Göttingen ein Deutsches Museum hätte, dann wäre es jetzt genauso geschlossen wie das in München.“

„Der Aldi bei uns ist auch offen.“

„Jaha.“

„Aber das mit den Masken ist ja auch ein technischer Witz, die bringen ja gar nichts.“

„Hä?“

„Ja die schützen einen ja gar nicht. Du erstickst an deinem eigenen CO2 und gleichzeitig atmest Du den Mist von anderen ein. Völliger Quatsch.“

„Bist Du irgendwie an Schrödingers Maske gekommen oder was? So lange keiner unter die Maske guckt atmest Du Luft von Außen und erstickst dabei oder wie?“

„Was?“

„Warum bindest Du dir überhaupt noch diese Stofffetzen um den Rüssel? Warum hast Du Dir noch keine FFP2-Masken geholt?“

„Sohn, hör doch mal zu, die bringen doch nichts!“

Was erzählst Du denn da? FFP2-Masken haben im Inneren ein elektrostatisch geladenen Filz, der bindet Aerosole! Natürlich schützen die!“

Vater: (…)

Vater: „Das weiß ich natürlich. Ab weißt DU eigentlich, was diese Verbrecher da an Geld für haben wollen!?! Die sind sauteuer, dafür können die die behalten, die wollte ich nicht mal geschenkt!“

Geh in eine Apotheke, da kriegst Du drei Stück kostenlos.“

Vater (plötzlich interessiert): „Wieso ist das so?“

„Weil der Bund Rentnern drei Stück umsonst gibt. Und dann investier bitte nochmal 10 Euro und kauf Dir ein paar mehr, die bringen es echt“.

„Ich war neulich beim Arzt, da haben mir die das nicht angeboten!“

„Arzt und Apotheke sind auch zwei unterschiedliche Dinge. Und Deiner Ärztin kannst Du nicht vorwerfen, dass sie dir nicht den Hintern hinterher trägt. Jedes mal wenn Sie Dir was rät oder einen Vorschlag macht, drohst Du ihr mit einer Anzeige wegen Nötigung oder Körperverletzung oder wer weiß was dir noch gerade einfällt!

Vater: „…“

Vater (versucht das Thema zu wechseln): „Aber das mit der Impfung ist ja auch ein technischer Witz. Die bringt ja auch nichts.“

Ich: „Was?!“

„Ja, wenn Du Dich impfen lässt, bist Du immer noch nicht vor Ansteckung geschützt. Musst Du Dir mal vorstellen! Die spritzen dir diesen Mist und du kannst Dich immer noch anstecken! Ist doch Nonsens.“

„He?“

„Ich kenne auch gar keinen der sich hat Impfen lassen. Geht doch auch so. Vor Grippe lässt sich doch auch keiner Impfen.“

„VATER! Aktuell ist niemand geimpft den Du kennst, weil es schlicht zu wenig Impfstoff gibt! Ab Ende Januar geht´s für Leute über 80 außerhalb von Heimen los, dann für die über Siebzigjährigen, da bist Du gleich mit dabei.“

Vater (beleidigt): „Du bist ein technischer Witzbold, woher willst DU denn das wissen? Also mir hat keiner Bescheid gesagt.“

„Die schreiben Dich an. Also wenn Du demnächst einen Brief vom Land oder von der Gemeinde bekommst, mach den Mal zur Abwechselung mal auf und guck´ was drinsteht!“

„Du würdest Dich doch auch nicht impfen lassen, ne? Ne?!“

„Doch natürlich!! Ich würde mich sofort impfen lassen. Aber bis ich dran bin, wird es noch dauern. Ich stelle mich gerade darauf ein, dass ich erst im Herbst wieder ein normales Leben führen werde. So lange kann ich nicht groß raus.“

Vater (hämisch): „Oooooh, armes Hascherl!“

„WIE BITTE?“

„Hehe! Bis Herbst nicht raus? Hat der kleine Silencer Angst vor dem bösen Virus? Hast Du auch Angst vor der Grippe? Oder einer Erkältung?“

„Ja, ich nehme das Ernst! Ich bleibe schön zu Hause, nur noch alle paar Wochen gehe ich mal Einkaufen raus, ansonsten habe ich keinen Kontakt zu Menschen.“

Vater (heroisch): „Naja. Also, ICH fahre dann jetzt mal zu Rewe. Und danach zu Aldi.“

Rewe UND Aldi. Einfach, weil er es kann! Mein Vater, der furchtlose Held.

Aber mal ernsthaft: Mein Vater gehört zu den Menschen, die sich nur mit halbem Ohr über das Fernsehen informieren. Offensichtlich kommt in dem sich täglich ändernden Wirrwarr die Regelungen, die für das einzelne Bundesland und die einzelne Region gelten, bei dieser Gruppe Menschen gar nicht mehr das für sie relevante an.

Klar, so schnell wie sich alles ändert, ist eigentlich das Internet die wichtigste Quelle. Mein Vater hat zwar einen Glasfaseranschluss, auf den er sehr stolz ist und mir ständig unter die Nase reibt das ich keinen habe, aber er besitzt kein internetfähiges Gerät, weil er das für zu kompliziert hält und auch den Nutzen nicht erkennt. Andererseits bin ich da ganz froh drüber, dass mein Vater nicht im Netz ist. Bei ihm, dem alten Erich-von-Däniken-Fan, würde es kein zwei Minuten dauern, bis er sich durch unbeaufsichtigte Internetnutzung mit Reichsbürger-Chemtrail-Coronaleugner-Hohlerde-Kinderbluttrinker-Unfug radikalisiert hätte – er denkt ja ohnehin schon, das „die“, also irgendwelche Eliten, ihm nur Böses wollen. DIE machen ja sogar das Deutsche Museum zu! Muss man sich mal vorstellen! Kann sich aber keiner vorstellen! Ist nämlich unvorstellbar, sowas!

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Corona (6): Familiäre Dialoge -XII-

Am Telefon.

Ich: „Und, wie geht es so?“

Vater: „Naja, wie soll´s mir gehen. Muss ja.“ (mißtrauisch) „Warum rufst Du an?“

Ich: „Ich wollte nur wissen wie es Dir geht und ob Du auch schön zu Hause bleibst und ob ich vielleicht für Dich einkaufen soll.“

Vater: „Und dann?“

Ich: „Wie, und dann?“

Vater: „Wie stellsten Dir das vor? Ist doch Nonsense, sowas!“

Ich: „Wieso Nonsense? Du könntest mir doch sagen was Du brauchst und ich stell Dir das vor die Tür.“

Vater: „Was ich brauche geht Dich doch gar nichts an!“

Ich: „…“

Vater (mißtrauisch): „Ist wegen dieses Virus, oder?“

Ich: „Ja klar. Du bist fast 80, Du hast Diabetes und Lunge. Du solltest jetzt nicht rausgehen.“

Vater (leidend): „Ich gehe doch eh nicht mehr raus, ich kann mich doch gar nicht mehr bewegen vor Schmerzen´… [beschreibt Symptome, die nach akutem Nierenversagen klingen] …Da verlasse ich doch das Haus nicht mehr.“

Ich: „Was? Du hast solche Schmerzen und kannst das Haus nicht mehr verlassen? Warum sagst Du denn nichts? Ich komme vorbei und wir fahren zum Arzt!“

Vater: „Die Ärztin hat gesagt sie hat keine Zeit.“

Ich: „Das ist doch Quatsch! Dann fahren wir halt ins Krankenhaus!

Vater: „Da habe ich neulich einen Bericht im Fernsehen gesehen, im Krankenhaus helfen die einem nicht.“

Ich: „Jetzt hör aber auf! Im Zweifel fahren wir hier ins Klinikum. Die helfen wirklich.“

Vater: „Sohn, ich habe praktisch einen Arzttermin, die haben gesagt ich soll mich nach der Virussache melden. Krankenhaus! Wie stellste Dir das denn vor! Da habe ich doch keine Zeit für!“

Ich: „Wieso, ich denke Du verlässt das Haus nicht mehr.“

Vater (heldenhaft leidend): „Tue ich ja auch nicht, außer für Besorgungen, da komme ich doch nicht drum rum. Da muss ich halt durch, Schmerzen hin oder her“

Ich: „Ach. Was denn für „Besorgungen“?“.

Vater: „Naja so [unverständlich] aus dem einen Baumarkt und [NuschelNuschel] aus dem anderen Baumarkt und ich muss jetzt gleich noch zum Putzer und deshalb muss ich jetzt auch aufhören zu telefonieren.“

Ich (entgeistert) „WAS? Du gehst jetzt NICHT zum Friseur! Draußen ist Pandemie! Der hat geschlossen und du bleibst mit dem Hintern zu Hause!“

Vater: „Du bist ein Knallkopp, der Herr Schnabel schneidet allen in seiner Küche die Haare, dem ist doch der Virus egal. Und ich gehe doch nicht ohne ordentliche Frisur auf eine Geburtstagsfeier!“

ICH (fassungslos): „WAS FÜR EINE GEBURTSTAGSFEIER?!“

Vater: „Na die Henny wird 85.“

Ich: „Da gehst Du doch nicht hin! Es herrscht Kontaktverbot!“

Vater: „Das ist doch kein Kontakt, das ist doch nur ein ganz kleiner Kreis, die Henny, die Ruth, der Werner, die Rosemarie, die Ilse, der Lachmund und seine Frau, die Thea und die Lisa und der Dings, der diese Sache mit dem Knie hat, und noch ein paar andere.“

Ich: „…“

Vater: „Ja, ich will da auch nicht hin, aber die Henny hat die Gute von Coppenrath und Wiese doch schon aufgetaut, was willste da machen?“

Ja, was willste da machen. Wenn die Alten unbedingt mit aller Macht die Rentenkassen entlasten wollen… dann sollte ich nicht versuchen, mich ihnen in den Weg zu stellen. Meinen Vater zwingt man ja eh zu nichts.

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Familiäre Dialoge -XI-

Vatern: „….Das ist Körperverletzung! Ganz klar! Da kann ich die für anzeigen! Das ist Nötigung! Da führt gar kein Weg drum rum, das können die nicht so machen!“

Ich: „Ja Vater, Du wetterst jetzt schon seit 15 Minuten darüber, dass dir dein Arzt Tabletten verschrieben hat, die Pickel machen. Aber meine eigentliche Frage war: Wie geht´s Dir?“

„Sohn, wie soll´s mir schon gehen! Denk doch mal nach! Es ist Weihnachten! Ich bin gerade erst nach Hause gekommen!“

„Wo warst Du denn?“

„Wo soll ich wohl gewesen sein, am 24. Dezember! Ich war natürlich einkaufen!“

„Du warst am 24. einkaufen.“

„Ja nun, da führt kein Weg drum rum! Wenn da so Sachen ausgehen, dann muss ich die halt besorgen.“

„Könnte man auch vorher machen.“

„Das weiß doch vorher keiner was da so ausgeht! Wie soll das denn gehen? Jedenfalls musste ich erst zur Post, wegen so einem Paket. Und dann zur REWE und dann zu Aldi und dann in den Baumarkt in der großen Stadt und dann…“

„Das hast Du alles HEUTE gemacht? WARUM?“

„Mensch Sohn, hör doch mal zu wenn ich Dir was erzähle! WEIL ICH EINKAUFEN MUSSTE! WEIL SACHEN AUS WAREN!“

„Was denn für… Sachen?“

„Naja so spezielle Äpfel halt die es nur in der großen Stadt gibt. Die sind speziell.“

„Damit sind sie nicht allein.“

„Ich muss jetzt auch ganz dringend wieder los. Frohes Fest und so“

„Dir auch.“

Es ist 12:30 Uhr. Vermutlich muss er ganz dringend nochmal los, weil er im Baumarkt was vergessen hat.

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Familiäre Dialoge -X-

Am Telefon:

„Sohn, hier ist Dein Vater. Ich brauche mal die Straßenverkehrsordnung, kannst-Du-mir-die-schicken.“

Ich: „Hä? Vater, was willst Du denn damit?“

„Na, diese Frau da, die ist da hysterisch geworden und hat rumgeschrien „Mein Mann war das nicht“, aber die waren´s doch, und das steht auch in der StVO, da schreibe ich jetzt einen Brief, dafür brauche ich das“.

„Moment, der Reihe nach. Wieso ist die Frau hysterisch geworden?“

„Na, weil ich gesagt habe die sind Schuld. Die haben auch Schuld, das steht völlig außer Frage.“

„??? Vater, fang bitte vorne an!“

„Mensch Sohn! Ich wollte zum Hyundai, der wollte doch das mit dem Airbag machen, obwohl ich denen erklärt habe, dass bei dem Wetter…“

„Ja, DIE Geschichte kenne ich! Schön, dass Du Dich da endlich drum gekümmert hast!“ (vgl. Familiäre Dialoge IX)

„Auf jeden Fall bin ich in die Stadt gefahren und weil mein Navi nicht aktuell ist hatte ich das Telefonbuch dabei, aber die Straße war nicht richtig“

Verwirrt: „Was?!“

„Mensch Sohn, nun hör doch mal zu! Im Telefonbuch ist ein Stadtplan. Nach dem bin ich gefahren. Aber ich war in einer Parallelstraße. Und dann wollte ich aussteigen und mich orientieren, und als ich die Tür aufmache, BUMM. Hat er mir die ganze Tür zusammengschoben. Aber die haben Schuld!“

Ich überlege kurz welches die Parallelstraße zu der ist, an der die Hyundaiwerkstatt liegt. Ungläubig frage ich dann: „Vater, Du hast mitten auf einer der am dichtesten befahrenen Straßen der Stadt angehalten und einfach ohne zu gucken die Tür aufgerissen?“

„Was heißt da ohne zu gucken?? Natürlich habe ich geguckt, aber ich habe doch hinten keine Augen im Kopf! Denk doch mal nach bevor Du redest!“

„Und jetzt willst Du die Straßenverkehrsordnung von mir haben und dann den Unfallgegner mit Briefen bombardieren, in dem Du selbst recherchierte Stellen aus der StVO, laienhafte Vermutungen und Anschuldigungen vermischt?“

„Ja!?“

„NEIN!!! Geh zu einem Anwalt!“

„Aber das geht nicht! Ist auch völlig unnötig! Die waren Schuld, ist eindeutig! Konnte jeder sehen! Steht auch in der StVO, dass man Abstand halten muss! Anwalt brauche ich nicht, sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, dass…“

„Den Anwalt bezahlt übrigens die gegnerische Versicherung.“

„Ach ja?
Äh.
Ja, das weiß ich natürlich. Also meinst Du, ich soll da einen Termin machen.“

„Ja! Und schreibe vorher nicht selbst irgendwelche Briefe! Und schieb das nicht auf die lange Bank!“

(fröhlich) „Ach, eilig habe ich es nicht. Mein Auto ist ja jetzt in der Werkstatt. Die haben mir als Ersatzwagen eine Luxuslimousine gegeben. Die fährt sogar elektrisch! Und ganz viele Bildschirme und Knöppe hat die. Und weißte was? Die Knöppe, die muss man gar nicht drücken, weil das Auto alles von alleine macht!“

„Das ist ja toll. Soll ich Dir die Nummer des Anwalt sagen?“

„Mensch Sohn, doch nicht während der Fahrt! Ich sitze hier im Auto und bin schon wieder auf dem Weg in die Werkstatt.“

„Warum das denn?“

„Stell Dir vor, die haben gar keinen Schlüssel für mein Auto, jetzt muss ich denen meinen hinbringen. Diese Döspaddel!“

Oh man. Er hat der Werkstatt allen Ernstes sein Auto abgeliefert, es abgeschlossen und ist mit dem Schlüssel nach Hause gefahren. Aber das ist gerade das kleinste der Probleme. Ich bekomme das Bild nicht auf dem Kopf, wie er gerade mit dem unbekannten Riesenauto fährt, eine Hand am Telefon, auf den Knien das Telefonbuch balancierend, umgeben von Knöppen, die man nicht drücken muss.

Das macht mir Angst.

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Familiäre Dialoge -IX-

Am Telefon:

„Sohn, ich habe da ein Problem mit dem KBA und Hyundai. Die Verbrecherbande will mir mein Auto stillegen!“

Ich: „Hä? Vater, Du fährst doch gar keinen Diesel. Wieso wollen die Dir das Auto stillegen?“

„Na, Hyundai schickt immer so Briefe, schon das ganze Jahr! Und jetzt macht das Kraftfahrzeugbundesamt Werbung für Hyundai! Eine Behörde! Das geht doch nicht, das ist Lobbyismus! Verbrecher! Alle!“

„Nun mal langsam. Was stand denn drin in den Briefen von Hyundai?

„Na, da stand drin… murmelmurmel [unverständlich] …aber dass das KRAFTFAHRZEUGBUNDESAMT Briefe mit dem Logo von Hyundai verschickt und droht mir das Auto stillzulegen, das ist NÖTIGUNG!“

„Ich habe den ersten Teil jetzt nicht ganz verstanden, wieso nötigen die Dich jetzt?“

„Sohn, hör doch mal zu! Wegen des Airbags! Aber was mache ich jetzt mit dem Kraftfahrzeugbundesamt, kann ich die anzeigen oder was?“

„Langsam! Was ist denn mit dem Airbag?“

„Ach, der kann von allein auslösen wenn Feuchtigkeit irgendwo drankommt und deshalb soll ich in eine Werkstatt und das ist unverschämt! Die nötigen mich doch!“

„Moment, der Hersteller hat eine Rückrufaktion gestartet, weil der Airbag während der Fahrt auslösen kann, und Du ignorierst das? Seit einem Jahr?“

„Na, ist doch mein Airbag! Geht doch keinen was an! Das habe ich der Frau im Kraftfahrzeugbundesamt auch gesagt!“

„Du hast im Kraftfahzeugbundesamt angerufen und Dich mit einer Sachbearbeiterin gestritten?!“

„Ja, wenn die nur Blödsinn redet! Die hat das rausgefordert!“

„Was hat sie denn gesagt?“

„Das der Airbag auslösen kann wenn Feuchtigkeit irgendwo eindringt.“

„Warum ist das Blödsinn?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Wie stellste Dir das denn vor? Es hat seit April nicht geregnet! Wir hatten Dürre, überall! Wo soll denn da Feuchtigkeit herkommen? Ist doch völliger Quatsch!“

„…“

„Na, jedenfalls, kann ich die jetzt anzeigen oder wie umgehe ich das? Was meinst du, was soll ich machen?“

„Vater, ich fasse das jetzt mal zusammen: Dein Fahrzeug ist potentiell gefährlich. Der Hersteller ordnet einen Rückruf an. Du ignorierst das. Dann schaltet der Hersteller das Kraftfahrzeugbundesamt ein, damit die die Kiste stillegen, wenn Du nicht was machen lässt. Darüber empörst Du Dich so, dass du im Bundesamt anrufst und Dich mit einer Sachbearbeiterin über das Wetter streitest. Und nun willst Du von mir wissen, wie Du Dich aus der Sache rauswieseln kannst?“

„Ja!“

„NEIN! FAHR IN EINE WERKSTATT! Warum hast Du das nicht schon längst gemacht?! Das kostet Dich doch nichts!“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Wir sind hier auf dem Dorf, die nächste Werkstatt ist 30 Kilometer weg! Und außerdem habe ich viele Termine!“

„Vater, Du bist Rentner! Oder meinst Du mit „Termine“ den täglichen Besuch im Baumarkt, der auch 30 Kilometer weg ist?“

„…“

„Das habe ich gerade akustisch nicht verstanden“

„Nein, mit Termine meine ich auch Kaffeetrinken mit der Ruth, das ist auch wichtig. Also meinst Du, ich muss wirklich in eine Werkstatt?“

„JA!!“

„Dann muss ich der Ruth das sagen.“

„Mach das“.

„Das wird die aber nicht gut finden!!!“

Oh man. Vermutlich erzählt er ihr, dass das Kraftfahrzeugbundesamt den gemeinsamen Konsum von Windbeuteln verhindert.
Echt, diese familiären Dialoge werden mit den Jahren immer schlimmer. Abgründe tun sich da auf. ABGRÜNDE.

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Familiäre Dialoge -VIII-

Am Telefon, im Dezember.

„…und das hatte ich ja nun von Marianne aber die wollte das dann ja auch wiederhaben das gehört ja dem Willi und der hatte das dem Vorsitzenden des Heimatvereins ja nur geliehen und jetzt habe ich schon überall geguckt aber gibt´s ja nicht mehr. Ich habe schon in allen Buchläden geguckt.“

Ich: „Soll ich mal in diesem Internet gucken ob es das Buch da gibt?“

„Kannst Du sowas?“

„Vater! So hier, haben wir es: „Sagen und Schwänke aus der Region“, Auflage von 1973. Davon gibt es 4 Exemplare im Marketplace, der Autor hat außerdem noch drei andere Bücher geschrieben: „Mittelalterliche Witze“, „Minnegesänge aus dem Flachland“ und „Regionale Rüttelreime““

„Das steht in diesem Internet?“

„Das steht in diesem Internet.“

„Und das kann man da kaufen?“

„Ja“

„Und was kost´ das da?“

„Na, so um die 5 Euro pro Buch, plus drei Euro Versand.“

„Ach Sohn, DA REDEN WIR DOCH GAR NICHT DRÜBER! Bestellen!! Alles!!“

„Alles? Vier mal „Sagen und Schwänke?“ plus die drei anderen Bücher?“

„Ja! Dann habe ich gleich was, was ich der Marianne und dem Willi und dem Vorsitzenden vom Heimatverein schenken kann!“

„OK. Habe ich Dir bestellt. Wird Dir in den nächsten Tagen nach Hause geliefert, also mach bitte die Tür auf, wenn der Paketbote klingelt. Das mit dem Geld machen wir dann demnächst, OK?“

„Ach Sohn, DA REDEN WIR DOCH GAR NICHT DRÜBER“

* * *

Wochen Später:

„Vater, wie sieht es denn eigentlich aus? Die Bücher sind ja angekommen und…“

„Jaja, das hat alles super geklappt! Fanden Marianne und der Vorsitzende vom Heimatverein auch! Nur der Willi, der hat das jetzt doppelt. Kann ja keiner wissen.“

„Gut. Ähm, wie sieht es denn mit dem Geld dafür aus? Du hattest da gar nicht mehr nachgefragt, soll ich Dir mal meine Kontonummer geben und du überweist mir das?“

„Warum?“

„Wie, warum?“

„Wieso willst Du denn jetzt von mir Geld haben? Da war NIRGENDWO, in keinem der sieben Pakete, eine Rechnung. Nur so Lieferzettel. Und da stand überall drauf „Bereits bezahlt“. Also, wenn das bereits bezahlt ist, wie kommst Du dann darauf, dass ich Dir was schuldig bin? Und überhaupt: Es ist Weihnachten!“

Merke: Wenn es um Geld geht und Vater sagt „Da reden wir doch gar nicht drüber“, dann meint er das auch so. Rechnung bezahlt das Internet. Schaffen vermutlich nicht viele, die „Kostenloskultur“ direkt aus dem Internet in die reale Welt zu zerren.

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Familiäre Dialoge -VII-

„Dann habe ich da angerufen und gesagt, dass das Nötigung ist! Nötigung! Oder Erpressung! Hier, so Drohbriefe schreiben! Ich glaub´ es hackt!“

„Vater, das waren keine Drohbiefe, das waren Mahnungen. Sowas bekommt man nun mal, wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt.“

„Du bist ein technischer Witzbold! Ich war doch gar nicht da, und das wussten die ganz genau!“

„Wieso hätte jemand, der Dir eine Rechnung schickt, wissen müssen, dass Du nicht zu Hause bist?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Die Rechnung war von der gleichen Klinik, die mich direkt nach der OP in die Reha geschickt hat. Die wussten ganz genau, dass ich in der Reha und nicht zu Hause war, und trotzdem schicken die diese bösen Briefe! Ich glaub mein Schwein pfeift!! Also habe ich die angerufen und habe diese Erpresser zusammengefaltet. So geht´s ja nicht. Da gehe ich nicht wieder hin, wenn die Buchhaltung da so unfähig ist.“

„Da hast Du es dem einzigen Krankenhaus im weiten Umkreis ja richtig gegeben. Aber würdest Du wirklich wollen, dass die Angestellte in der Buchhaltung Deine Krankenakte liest, nur um dann Dir dann die Rechnung dahin zu schicken, wo Du gerade bist?“

„Das ist ja wohl das Mindeste! Alles andere ist Nötigung! Zumal ich auch die Post storniert hatte!“

„Du hast die Post storniert?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach, was macht man denn, wenn man längere Zeit nicht da ist oder verzogen!?“

„Man stellt einen Nachsendeantrag?!“

„Was soll das denn sein? Nein, man storniert die Post! Dann kriegt man keine mehr. Sag mal, Du kennst Dich auch mit nichts aus, oder? “

Verdammt. Hätte ich das eher gewusst. Dann hätte ich schon lange alle Rechnungen storniert.

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Familiäre Dialoge -VI-

Vater: „Und dann habe ich gesagt: Das was sie hier machen, das ist Nötigung!“

Ich: „Ich habe jetzt gerade nicht aufgepasst. Wer hat Dich jetzt schon wieder genötigt?“

„Sohn, HÖR DOCH MAL ZU WENN ICH MIT DIR REDE! Die Krankenkasse hat mir einen Organspendeausweise geschickt! MIR!“

„Unverschämtheit!“

„Und dann bin ich zur Ärztin gegangen und wollte von der wissen was das soll, und die hat gesagt: Wenn ich nach meinem Tod Organe spenden will, soll ich den unterschreiben und falls nicht, dann nicht.“

„Tja.“

„Wie? TJA? Das ist doch vollkommener Blödsinn! Denk doch mal nach! Die Zellteilungsrate der Organe nimmt mit zunehmendem Alter ab! Eine Zelle kann sich bis zu 15 Mal erneuern, der Prozess ist nach meinen Berechnungen im Alter von 58 Jahren abgeschlossen! Danach verfällt alles nur noch! Mit meinen Organen kann doch keiner mehr was anfangen! Stattdessen sagt die, ich soll das unterschreiben! Das ist Unfähigkeit!“

„Du bist also zur Ärztin gegangene um eine Auskunft auf eine Frage zu bekommen, deren Antwort Du Dir schon ausgedacht hattest, und als Sie was anderes gesagt hat und Du damit nicht zufrieden warst hast Du ihr erklärt wie die Welt wirklich geht?“

„Mensch Sohn, darum geht es doch gar nicht!“

„Sondern?“

„Einfach was zuschicken und dann sagen jetzt mal unterschreiben oder nicht, das IST NÖTIGUNG!“

– Schrödinger hätte seine helle Freude an meinem Vater gehabt.

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Familiäre Monologe -V-

„Da war ich auf dem Amt und merke, beim Lesen fallen die Buchstaben weg. Habe ich gedacht: Na super, Schlaganfall. Also habe ich erstmal Katzenfutter gekauft und bin dann ins Krankenhaus und inne Röhre. Da wusste ich aber schon von dem Punkt im Kopf. Das kam, als ich mit dem Mopped 1967 in die Bahnschiene geraten bin und der Heinz, der hinten drauf saß, ist in hohem Bogen weggeflogen und ich bin auf die Straße geknallt und dann war mir ganz komisch und dann waren wir auf dem Geburtstag von dieser Frau die immer die gelben Blumen da hatte und da merkte ich schon, mir tut der ganze Rücken weh aber gesagt, gesagt habe ich nichts. Wochen Später hatte ich immer noch so Schüttelfrost, das kam vom Punkt im Kopf. Ich also in der Röhre und komme da wieder raus und der Arzt dann so: Nee, sie sind gesund. Das ist jetzt zwei Jahre her, und wiederkommen sollte ich erst in 5 Jahren, das ist ja noch drei Jahre hin, also nee, ich bin gesund.“

Gekürzte Fassung. Die Originalgeschichte ging über eine halbe Stunde. Meine Tante macht allen Ernstes eine Geschichte über fünf Jahrzehnte auf, um die harmlose Frage zu beanworten, ob sie in den letzten Wochen auch eine Erkältung hatte. Schön, das sie eine fünf-Jahres-TÜV-Plakette hat. Spare ich mir die Fragerei in Zukunft.

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Familiäre Dialoge -IV-

„Was willst Du denn hier?!“
– Hallo, Vater, ich freue mich auch Dich zu sehen.

„Ja, aber was willst Du hier?“
– Ich bin mal vorbeigekommen, weil ich Dich seit Wochen telefonisch nicht erreichen kann und mir das ein Bißchen Sorgen gemacht hat.

„Ich bin halt viel beschäftigt und habe einen strengen Zeitplan einzuhalten! Da bin ich nicht oft zu Hause!“
– Und das Handy? Darauf habe ich es auch dauernd probiert.

„Das Handy habe ich IMMER dabei!“
– Und warum gehst Du da nicht dran?

„Weil die Telekom die Nummer von dem Ding verkauft hat! Da rufen dauernd Leute drauf an, obwohl keiner die Nummer hat. Aber nicht mit mir, NICHT mit mir! Ich gehe da nicht dran, wenn ich eine Nummer nicht kenne.“
– Und Du kennst MEINE Nummer?

„Sohn, denk doch mal nach! Natürlich nicht! Woher soll ich die denn kennen? Du rufst ja nie an!“
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Wie gesagt

Kurz nach halb eins in der Nacht. Ich liege im Bett und bin schon halb im Land der Träume, als das Telefon losscheppert.

Ich: „Grmpfl?“
„Jaaaa, Hallo. Wie gesagt, da gibt es Rolladen und Buttergemüse, danach ein lecker Nachtisch. Und Kartoffeln gibt es auch, mit Soße. Und vorweg Suppe.“
Ich: „Vater, bist du das?“
„Ja! Wer sonst!“
Ich: „Stimmt, wer sonst ruft mich mitten in der Nacht an um mir von Essen zu erzählen?“
„Wie gesagt, ich war noch unterwegs und habe telefoniert.“
Ich: „Aha.“
„Schläfst du schon?“
Ich: „ja.“
„Wie gesagt, ich telefoniere noch, es gibt Rouladen.“
Ich: „Wo, Wann? Ich brauche mehr Details!“
„Haha, das hat der Hallervorden auch immer gesagt, in diesem Film mit Terence Hill!“
Ich: „Du verwechselst da was.“
„Was soll ich denn da verwechseln, natürlich an Ostern, wann denn sonst?“
Ich: „Lädst Du mich gerade zu einem Osteressen ein?“
„Nein. Kannst aber gerne dabei sein wenn Du willst. Wie gesagt, das gibt es bei der Martha.“
Ich: „Ja, dann danke für die Einladung, aber Ostern bin ich nicht da.“
„Wie gesagt, Du kannst kommen. Wenn Du da bist.“
Ich: „Bin ich nicht.“
„Dann sage ich Martha Bescheid, dass Sie mir Deine Roulade einpackt.“
Ich: „Mach das. Gute Nacht.“
„Wieso?“
Ich: „Weil ich jetzt schlafe?“
„Ehrlich?! Wie gesagt, ich telefoniere noch. Ist ja noch nicht so spät.“

Mit diesen Worten legte er auf, vermutlich um jemanden anderes zu terrorisieren.
Die Absurdität dieses Gesprächs liegt nur leicht über Normal-Null, aber dieser „wie gesagt“-Tick ist neu.
Es wird schlimmer.

Andere Familiendialoge:
Spontan
Kennste doch
Herummäanderung
Is´lecker!

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