Familienbande

Familiäre Dialoge -IX-

Am Telefon:

„Sohn, ich habe da ein Problem mit dem KBA und Hyundai. Die Verbrecherbande will mir mein Auto stillegen!“

Ich: „Hä? Vater, Du fährst doch gar keinen Diesel. Wieso wollen die Dir das Auto stillegen?“

„Na, Hyundai schickt immer so Briefe, schon das ganze Jahr! Und jetzt macht das Kraftfahrzeugbundesamt Werbung für Hyundai! Eine Behörde! Das geht doch nicht, das ist Lobbyismus! Verbrecher! Alle!“

„Nun mal langsam. Was stand denn drin in den Briefen von Hyundai?

„Na, da stand drin… murmelmurmel [unverständlich] …aber dass das KRAFTFAHRZEUGBUNDESAMT Briefe mit dem Logo von Hyundai verschickt und droht mir das Auto stillzulegen, das ist NÖTIGUNG!“

„Ich habe den ersten Teil jetzt nicht ganz verstanden, wieso nötigen die Dich jetzt?“

„Sohn, hör doch mal zu! Wegen des Airbags! Aber was mache ich jetzt mit dem Kraftfahrzeugbundesamt, kann ich die anzeigen oder was?“

„Langsam! Was ist denn mit dem Airbag?“

„Ach, der kann von allein auslösen wenn Feuchtigkeit irgendwo drankommt und deshalb soll ich in eine Werkstatt und das ist unverschämt! Die nötigen mich doch!“

„Moment, der Hersteller hat eine Rückrufaktion gestartet, weil der Airbag während der Fahrt auslösen kann, und Du ignorierst das? Seit einem Jahr?“

„Na, ist doch mein Airbag! Geht doch keinen was an! Das habe ich der Frau im Kraftfahrzeugbundesamt auch gesagt!“

„Du hast im Kraftfahzeugbundesamt angerufen und Dich mit einer Sachbearbeiterin gestritten?!“

„Ja, wenn die nur Blödsinn redet! Die hat das rausgefordert!“

„Was hat sie denn gesagt?“

„Das der Airbag auslösen kann wenn Feuchtigkeit irgendwo eindringt.“

„Warum ist das Blödsinn?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Wie stellste Dir das denn vor? Es hat seit April nicht geregnet! Wir hatten Dürre, überall! Wo soll denn da Feuchtigkeit herkommen? Ist doch völliger Quatsch!“

„…“

„Na, jedenfalls, kann ich die jetzt anzeigen oder wie umgehe ich das? Was meinst du, was soll ich machen?“

„Vater, ich fasse das jetzt mal zusammen: Dein Fahrzeug ist potentiell gefährlich. Der Hersteller ordnet einen Rückruf an. Du ignorierst das. Dann schaltet der Hersteller das Kraftfahrzeugbundesamt ein, damit die die Kiste stillegen, wenn Du nicht was machen lässt. Darüber empörst Du Dich so, dass du im Bundesamt anrufst und Dich mit einer Sachbearbeiterin über das Wetter streitest. Und nun willst Du von mir wissen, wie Du Dich aus der Sache rauswieseln kannst?“

„Ja!“

„NEIN! FAHR IN EINE WERKSTATT! Warum hast Du das nicht schon längst gemacht?! Das kostet Dich doch nichts!“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Wir sind hier auf dem Dorf, die nächste Werkstatt ist 30 Kilometer weg! Und außerdem habe ich viele Termine!“

„Vater, Du bist Rentner! Oder meinst Du mit „Termine“ den täglichen Besuch im Baumarkt, der auch 30 Kilometer weg ist?“

„…“

„Das habe ich gerade akustisch nicht verstanden“

„Nein, mit Termine meine ich auch Kaffeetrinken mit der Ruth, das ist auch wichtig. Also meinst Du, ich muss wirklich in eine Werkstatt?“

„JA!!“

„Dann muss ich der Ruth das sagen.“

„Mach das“.

„Das wird die aber nicht gut finden!!!“

Oh man. Vermutlich erzählt er ihr, dass das Kraftfahrzeugbundesamt den gemeinsamen Konsum von Windbeuteln verhindert.
Echt, diese familiären Dialoge werden mit den Jahren immer schlimmer. Abgründe tun sich da auf. ABGRÜNDE.

Frühere Dialoge:
Kostenloskulturdialog
Poststornierungsdialog
Nötigungsdialog
Tantenmonolog
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Familiäre Dialoge -VIII-

Am Telefon, im Dezember.

„…und das hatte ich ja nun von Marianne aber die wollte das dann ja auch wiederhaben das gehört ja dem Willi und der hatte das dem Vorsitzenden des Heimatvereins ja nur geliehen und jetzt habe ich schon überall geguckt aber gibt´s ja nicht mehr. Ich habe schon in allen Buchläden geguckt.“

Ich: „Soll ich mal in diesem Internet gucken ob es das Buch da gibt?“

„Kannst Du sowas?“

„Vater! So hier, haben wir es: „Sagen und Schwänke aus der Region“, Auflage von 1973. Davon gibt es 4 Exemplare im Marketplace, der Autor hat außerdem noch drei andere Bücher geschrieben: „Mittelalterliche Witze“, „Minnegesänge aus dem Flachland“ und „Regionale Rüttelreime““

„Das steht in diesem Internet?“

„Das steht in diesem Internet.“

„Und das kann man da kaufen?“

„Ja“

„Und was kost´ das da?“

„Na, so um die 5 Euro pro Buch, plus drei Euro Versand.“

„Ach Sohn, DA REDEN WIR DOCH GAR NICHT DRÜBER! Bestellen!! Alles!!“

„Alles? Vier mal „Sagen und Schwänke?“ plus die drei anderen Bücher?“

„Ja! Dann habe ich gleich was, was ich der Marianne und dem Willi und dem Vorsitzenden vom Heimatverein schenken kann!“

„OK. Habe ich Dir bestellt. Wird Dir in den nächsten Tagen nach Hause geliefert, also mach bitte die Tür auf, wenn der Paketbote klingelt. Das mit dem Geld machen wir dann demnächst, OK?“

„Ach Sohn, DA REDEN WIR DOCH GAR NICHT DRÜBER“

* * *

Wochen Später:

„Vater, wie sieht es denn eigentlich aus? Die Bücher sind ja angekommen und…“

„Jaja, das hat alles super geklappt! Fanden Marianne und der Vorsitzende vom Heimatverein auch! Nur der Willi, der hat das jetzt doppelt. Kann ja keiner wissen.“

„Gut. Ähm, wie sieht es denn mit dem Geld dafür aus? Du hattest da gar nicht mehr nachgefragt, soll ich Dir mal meine Kontonummer geben und du überweist mir das?“

„Warum?“

„Wie, warum?“

„Wieso willst Du denn jetzt von mir Geld haben? Da war NIRGENDWO, in keinem der sieben Pakete, eine Rechnung. Nur so Lieferzettel. Und da stand überall drauf „Bereits bezahlt“. Also, wenn das bereits bezahlt ist, wie kommst Du dann darauf, dass ich Dir was schuldig bin? Und überhaupt: Es ist Weihnachten!“

Merke: Wenn es um Geld geht und Vater sagt „Da reden wir doch gar nicht drüber“, dann meint er das auch so. Rechnung bezahlt das Internet. Schaffen vermutlich nicht viele, die „Kostenloskultur“ direkt aus dem Internet in die reale Welt zu zerren.

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Nötigungsdialog
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Familiäre Dialoge -VII-

„Dann habe ich da angerufen und gesagt, dass das Nötigung ist! Nötigung! Oder Erpressung! Hier, so Drohbriefe schreiben! Ich glaub´ es hackt!“

„Vater, das waren keine Drohbiefe, das waren Mahnungen. Sowas bekommt man nun mal, wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt.“

„Du bist ein technischer Witzbold! Ich war doch gar nicht da, und das wussten die ganz genau!“

„Wieso hätte jemand, der Dir eine Rechnung schickt, wissen müssen, dass Du nicht zu Hause bist?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Die Rechnung war von der gleichen Klinik, die mich direkt nach der OP in die Reha geschickt hat. Die wussten ganz genau, dass ich in der Reha und nicht zu Hause war, und trotzdem schicken die diese bösen Briefe! Ich glaub mein Schwein pfeift!! Also habe ich die angerufen und habe diese Erpresser zusammengefaltet. So geht´s ja nicht. Da gehe ich nicht wieder hin, wenn die Buchhaltung da so unfähig ist.“

„Da hast Du es dem einzigen Krankenhaus im weiten Umkreis ja richtig gegeben. Aber würdest Du wirklich wollen, dass die Angestellte in der Buchhaltung Deine Krankenakte liest, nur um dann Dir dann die Rechnung dahin zu schicken, wo Du gerade bist?“

„Das ist ja wohl das Mindeste! Alles andere ist Nötigung! Zumal ich auch die Post storniert hatte!“

„Du hast die Post storniert?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach, was macht man denn, wenn man längere Zeit nicht da ist oder verzogen!?“

„Man stellt einen Nachsendeantrag?!“

„Was soll das denn sein? Nein, man storniert die Post! Dann kriegt man keine mehr. Sag mal, Du kennst Dich auch mit nichts aus, oder? “

Verdammt. Hätte ich das eher gewusst. Dann hätte ich schon lange alle Rechnungen storniert.

Nötigungsdialog
Tantenmonolog
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Familiäre Dialoge -VI-

Vater: „Und dann habe ich gesagt: Das was sie hier machen, das ist Nötigung!“

Ich: „Ich habe jetzt gerade nicht aufgepasst. Wer hat Dich jetzt schon wieder genötigt?“

„Sohn, HÖR DOCH MAL ZU WENN ICH MIT DIR REDE! Die Krankenkasse hat mir einen Organspendeausweise geschickt! MIR!“

„Unverschämtheit!“

„Und dann bin ich zur Ärztin gegangen und wollte von der wissen was das soll, und die hat gesagt: Wenn ich nach meinem Tod Organe spenden will, soll ich den unterschreiben und falls nicht, dann nicht.“

„Tja.“

„Wie? TJA? Das ist doch vollkommener Blödsinn! Denk doch mal nach! Die Zellteilungsrate der Organe nimmt mit zunehmendem Alter ab! Eine Zelle kann sich bis zu 15 Mal erneuern, der Prozess ist nach meinen Berechnungen im Alter von 58 Jahren abgeschlossen! Danach verfällt alles nur noch! Mit meinen Organen kann doch keiner mehr was anfangen! Stattdessen sagt die, ich soll das unterschreiben! Das ist Unfähigkeit!“

„Du bist also zur Ärztin gegangene um eine Auskunft auf eine Frage zu bekommen, deren Antwort Du Dir schon ausgedacht hattest, und als Sie was anderes gesagt hat und Du damit nicht zufrieden warst hast Du ihr erklärt wie die Welt wirklich geht?“

„Mensch Sohn, darum geht es doch gar nicht!“

„Sondern?“

„Einfach was zuschicken und dann sagen jetzt mal unterschreiben oder nicht, das IST NÖTIGUNG!“

– Schrödinger hätte seine helle Freude an meinem Vater gehabt.

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Familiäre Monologe -V-

„Da war ich auf dem Amt und merke, beim Lesen fallen die Buchstaben weg. Habe ich gedacht: Na super, Schlaganfall. Also habe ich erstmal Katzenfutter gekauft und bin dann ins Krankenhaus und inne Röhre. Da wusste ich aber schon von dem Punkt im Kopf. Das kam, als ich mit dem Mopped 1967 in die Bahnschiene geraten bin und der Heinz, der hinten drauf saß, ist in hohem Bogen weggeflogen und ich bin auf die Straße geknallt und dann war mir ganz komisch und dann waren wir auf dem Geburtstag von dieser Frau die immer die gelben Blumen da hatte und da merkte ich schon, mir tut der ganze Rücken weh aber gesagt, gesagt habe ich nichts. Wochen Später hatte ich immer noch so Schüttelfrost, das kam vom Punkt im Kopf. Ich also in der Röhre und komme da wieder raus und der Arzt dann so: Nee, sie sind gesund. Das ist jetzt zwei Jahre her, und wiederkommen sollte ich erst in 5 Jahren, das ist ja noch drei Jahre hin, also nee, ich bin gesund.“

Gekürzte Fassung. Die Originalgeschichte ging über eine halbe Stunde. Meine Tante macht allen Ernstes eine Geschichte über fünf Jahrzehnte auf, um die harmlose Frage zu beanworten, ob sie in den letzten Wochen auch eine Erkältung hatte. Schön, das sie eine fünf-Jahres-TÜV-Plakette hat. Spare ich mir die Fragerei in Zukunft.

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Familiäre Dialoge -IV-

„Was willst Du denn hier?!“
– Hallo, Vater, ich freue mich auch Dich zu sehen.

„Ja, aber was willst Du hier?“
– Ich bin mal vorbeigekommen, weil ich Dich seit Wochen telefonisch nicht erreichen kann und mir das ein Bißchen Sorgen gemacht hat.

„Ich bin halt viel beschäftigt und habe einen strengen Zeitplan einzuhalten! Da bin ich nicht oft zu Hause!“
– Und das Handy? Darauf habe ich es auch dauernd probiert.

„Das Handy habe ich IMMER dabei!“
– Und warum gehst Du da nicht dran?

„Weil die Telekom die Nummer von dem Ding verkauft hat! Da rufen dauernd Leute drauf an, obwohl keiner die Nummer hat. Aber nicht mit mir, NICHT mit mir! Ich gehe da nicht dran, wenn ich eine Nummer nicht kenne.“
– Und Du kennst MEINE Nummer?

„Sohn, denk doch mal nach! Natürlich nicht! Woher soll ich die denn kennen? Du rufst ja nie an!“
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Wie gesagt

Kurz nach halb eins in der Nacht. Ich liege im Bett und bin schon halb im Land der Träume, als das Telefon losscheppert.

Ich: „Grmpfl?“
„Jaaaa, Hallo. Wie gesagt, da gibt es Rolladen und Buttergemüse, danach ein lecker Nachtisch. Und Kartoffeln gibt es auch, mit Soße. Und vorweg Suppe.“
Ich: „Vater, bist du das?“
„Ja! Wer sonst!“
Ich: „Stimmt, wer sonst ruft mich mitten in der Nacht an um mir von Essen zu erzählen?“
„Wie gesagt, ich war noch unterwegs und habe telefoniert.“
Ich: „Aha.“
„Schläfst du schon?“
Ich: „ja.“
„Wie gesagt, ich telefoniere noch, es gibt Rouladen.“
Ich: „Wo, Wann? Ich brauche mehr Details!“
„Haha, das hat der Hallervorden auch immer gesagt, in diesem Film mit Terence Hill!“
Ich: „Du verwechselst da was.“
„Was soll ich denn da verwechseln, natürlich an Ostern, wann denn sonst?“
Ich: „Lädst Du mich gerade zu einem Osteressen ein?“
„Nein. Kannst aber gerne dabei sein wenn Du willst. Wie gesagt, das gibt es bei der Martha.“
Ich: „Ja, dann danke für die Einladung, aber Ostern bin ich nicht da.“
„Wie gesagt, Du kannst kommen. Wenn Du da bist.“
Ich: „Bin ich nicht.“
„Dann sage ich Martha Bescheid, dass Sie mir Deine Roulade einpackt.“
Ich: „Mach das. Gute Nacht.“
„Wieso?“
Ich: „Weil ich jetzt schlafe?“
„Ehrlich?! Wie gesagt, ich telefoniere noch. Ist ja noch nicht so spät.“

Mit diesen Worten legte er auf, vermutlich um jemanden anderes zu terrorisieren.
Die Absurdität dieses Gesprächs liegt nur leicht über Normal-Null, aber dieser „wie gesagt“-Tick ist neu.
Es wird schlimmer.

Andere Familiendialoge:
Spontan
Kennste doch
Herummäanderung
Is´lecker!

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Spontan

Kleiner Nachtrag zum letzten Eintrag: Mein Vater meldet sich eigentlich NIE bei mir. Aber wenn er mal anruft, dann immer zu wirklich ungünstigen Zeitpunkten, und unsere Gespräche driften immer recht schnell ins Absurde.

Vater: „Sohn, ich wollte nur mal fragen ob Du mich morgen mal zum Arzt fahren kannst, ich hab´da so´ne Augen-OP“
Ich: „Öhm… eigentlich gerne, aber weißt Du – das ist jetzt ein wenig spontan, das hättest Du ein wenig eher sagen müssen, ich…“
Vater: „Das ist nicht spontan, ich weiß das schon seit drei Wochen!“
Ich: „Ja, aber für mich ist das jetzt spontan, und ich kann morgen nicht.“
Vater: „Ich bitte Dich sonst NIE um was, nur jetzt um diesen Fahrdienst. Das kannst Du ja wohl mal machen!“
Ich: „Würde ich ja auch! Aber ich bin nicht da und schaffe es auch nicht bis morgen wieder nach Hause zu kommen! Ich stehe hier mitten auf dem Markusplatz!“
Vater: „Welchem Markusplatz? Dem in Hannover?“
Ich:„Dem in Venedig.“
Vater: „Ach Sohn, wenn Du mich nicht fahren willst, dann sag es einfach, aber erfinde nicht solche Ausreden!“
*KLICK*

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Familiäre Dialoge – III

Telefon:

Störe ich gerade?
Wie man´s nimmt, ich bin gerade im Auto unterwegs
Jetzt nicht mehr?
Doch, aber ich habe angehalten.
Warum hast du denn angehalten?
Weil DU mich angerufen hast?
Achso.

Was gibt´s denn?
ich wollte nur wissen wann Du vorbei kommst.
Heute nicht
Morgen bin ich dann bei Evchen
OK
Du kennst doch Evchen?
Nein
Das ist die mit der Doris
Kenne ich auch nicht
Klar kennst Du die! Musst Du doch kennen, die Doris!
Wieso?
Na, die war doch immer so ein bisschen doof!
Vater, worauf willst Du hinaus? Das ich die kennen MUSS weil ich auch ein bisschen doof bin oder was?
Nein, nein. Aber die Doris, die habe ich neulich rumgefahren, und plötzlich macht es Bumm.
Äh….
Ja, und die Doris sagt mit einem Mal: Da war ein Hund. Und ich so rum und gucke, und tatsächlich, der ist da hinter dem Ball her in diesen Weg wo sie im Winter immer Schlitten fahren und mir voll in die Seite.

Was? Moment, verstehe ich das richtig… Du fährst das so lang, und aus einem Seitenweg kommt ein Hund angerannt, passt nicht auf und rennt in die Seite Deines Autos? Während der Fahrt? Ist was passiert??
Ja, ein großer Hund! Klar ist was passiert, eine Beule, aber warum aufregen, ist ja nur ein Gebrauchsgegenstand.
Der Hund?
SOHN! Hör doch mal zu, ich rede vom Auto!
Achso. Und was ist mit dem Hund?
Das habe ich auch gleich gefragt. Die waren Schuld, aber so Schmerzen kommen ja erst ein, zwei Tage später. Wegen dem Schock. Aber der war ja auch schon zwölf jahre, ich glaub, der passt im Strassenverkehr nicht mehr so richtig auf. Unverantwortlich, sowas.
Und, bei Dir so?

Ich habe Rückenschmerzen.
Da muss man mit aufpassen! Du wirst auch nicht jünger!
Ja, aber ich hebe auch nicht jeden Tag 200 kg.
Warum machst Du das überhaupt?
Ich bin mit dem Motorrad gestürzt und auf die Gegenfahrbahn geraten, deshalb habe ich das allein hochgestemmt und schnell an die Seite geschoben.
Sohn, warum machst du denn sowas?
Was, stürzen? Das war keine Absicht, die Strasse war nass und…
Nein, ich meine das mit dem Rücken! Das nächste mal rufste den ADAC wennde da wieder so rumliegst, die machen das! Die kriegen da Geld für, und es ist nicht Dein Rücken!

Pause

Und, was gab´s zu essen?
Rote Grütze und Schokoeis! War lecker!
Und was macht die Diabetes?
Ich glaube Du kommst vom Thema ab!!

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Is´ lecker!

„Sohn, DAS hier musst Du mal probieren!“
Mein Vater kommt aus dem Vorratsraum gestürmt und reckt ein kleines 0,5 Liter Tetrapack in die Höhe.

„Das ist fertiger Kakao mit Marzipan und Nougat! Das ist sooo lecker!“
„Hier steht, dass eine Packung von dem Zeug den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Zucker und Fett zu zwei Dritteln deckt. 1300 KCal! Das trinke ich nicht.“
„Warum das denn nicht?“
„Weil man schon fett wird wenn man die Packung nur anguckt! Ein Klacks von dem Zeug würde in der Dritten Welt ein ganzes Dorf eine Woche ernähren!“
„Nun stell Dich nicht so an, musst ja nur probieren, den Rest trinke ich.“
„Äh, Vater, zu welchem Termin musst Du heute Nachmittag nochmal?“
„Du meinst meinen Diabeteskreis? Wie kommst Du denn jetzt auf den?“
„Gibt Dir das nicht zu denken?“
„Worauf willst Du denn hinaus? Hier, das ist lecker, das musst Du probieren.“
„*Seufz* Schmeckt Süss.“
„Sag ich doch! Lecker!“
„Uh, hier steht, das der Kram im Februar abgelaufen ist.“
„Na und? Als ich die Palette gekauft habe war es noch nicht abgelaufen!
„Aber JETZT ist es seit einem halben Jahr abgelaufen! Warte, hast Du gesagt, Du hast eine ganze Palette davon …“
„Sohn, jetzt pass mal auf: Ich habe mich mal mit einem unterhalten, der auf Rügen in einer Fabrik für Fischkonserven arbeitet. Der hat gesagt, die können die Haltbarkeit für 5 Jahre garantieren. Aber sie schreiben nur zwei Jahre drauf, wegen dem Gesetzgeber. Der erlaubt nicht mehr.“
„Du meinst also, der Gesetzgeber will uns nur ärgern und die Firmen wissen besser was gut für uns ist? Aber das hier ist keine Fischkonserve!“
„Aber es sind doch auch Konservierungsstoffe drin! Und jetzt komm, ich muss mich da drüben mal hinsetzen, mir ist schwindelig.“

Glaubt bestimmt wieder niemand, dass dieses Gespräch genau so passiert ist.

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Herummäanderung*

„Und dann waren wir bei Evchen. Die kennst Du doch, Evchen?“
„Nein, kenne ich nicht.“
„Das ist doch die mit der Marianne!“
„Kenne ich auch nicht.“
„Die Marianne kennst Du doch, die war doch mal mit dem Dings zusammen, wie hieß der noch gleich, der da aus der Siedlung.“

Erstaunlich, das manche Leute allen Ernstes denken, das man unbekannte Leute vielleicht plötzlich doch kennt, wenn nur laut genug deren verwandtschaftliche Stellung zu anderen, ebenfalls unbekannten Leuten, erläutert wird.

„Also, wir sind dann mit Evchen gefahren, da vorbei wo die jetzt wohnt, in so einer Reihenhaushälfte, die Marianne ist ja dement und das alte Haus war zu groß, das konnte ja keiner mehr bewirtschaften, nachdem der Herbert gestorben war, den Herbert kennst Du aber, oder?“
„Nei-hein. Und jetzt sag BITTE nicht das ich den kennen muss, weil das der Mann von Evchen war.“
„Der hat doch damals auf der Autobahn diesen Motorradfahrer umgefahren, den mit dem englischen Motorrad, der ist in hohem Bogen durch die Luft geflogen, und hatte dann doch diesen offenen Bruch am Bein, das musste operiert werden und da lief dann immer so Zeug raus…“
„VATER! Du bist jetzt innerhalb eines Satzes von Demenzkranken über Häuser zu appen Beine gekommen. Hat die Geschichte noch eine Pointe oder hast Du Dich gerade verfranzt?“
„Worüber haben wir gesprochen?“
„Du hast erzählt, dass Du mit Evchen gefahren bist. Wohin eigentlich?“
„Achso, ja. Essen sind wir gefahren. War lecker.“

Wenn effektive Informationsvermittlung in unserer Familie läge, unsere Telefonrechnungen wären niedriger.

*Tolles Wort, nicht war? Habe ich gerade erfunden.

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