Augenmysterium

„P… D… 2… K… 6… 8…“
„OK, können sie die dritte Reihe auch lesen?“
„M… … D… … Äh…. Hm… Also… Das nächste könnte eine 5 sein.“
„So besser oder so?“

Ich bin ja normalerweise nicht gut in diesen „So-besser-oder-so“-Dingen. Ich bin dann immer der, der fragt „Kann ich das erste nochmal sehen?“ Aber hier, beim Optiker des Vertrauens, da läuft´s. Ich bin nach drei Jahren mal wieder hier, weil sich die Augen gelegentlich müde anfühlen, und wenn ich was in der Ferne lesen möchte, schiebe ich manchmal die Brille hoch oder merke, wie ich die Augen zusammenkneife. Das sind so die ersten Anzeichen, dass man mal wieder die Sehschärfe kontrollieren lassen sollte.

Also ab zum Optiker. Der fährt ein Prüfgestell mit Testlinsen vor´s Gesicht, darin stellt er meine aktuellen Brillenwerte ein, dann muss ich auf eine Tafel mit kleiner werdenden Buchstaben und Ziffern gucken. Der Optiker macht dann Stück für Stück Einstellungen am Messapparat, und ich muss immer sagen, ob ich damit jetzt besser oder schlechter gucken kann.

„Ist der Kreis auf dem roten Untergrund schärfer und kontrastreicher oder auf dem grünen?“
„Rot.“
„Und jetzt?“
„Grün.“
„Und jetzt?“
„Beide gleich“
„Und noch mal die dritte Reihe. Die vierte muss nicht, aber die dritte sollten Sie lesen können.“

Beim Optiker bin ich ohnehin alle paar Jahre. Die nehmen sich nämlich mehr Zeit für Sehtests als Augenärzte. Von Ärzten lasse ich nur den Augenhintergrund checken, ein Mal im Jahr. Das ist bei mir auch notwendig, denn mit 11 Dioptrien Fehlsichtigkeit ist mein Augapfel so verkrümmt, dass die Netzhaut reissen kann. Deshalb: Regelmäßige Checks. Immerhin lassen sich meine seltsamen Augen noch korrigieren. Mit einer gut eingemessenen Brille erreiche ich eine Sehschärfe von 120 Prozent. Normalerweise ist man froh, wenn man Sehfehler wie meine auf 80 Prozent korrigieren kann.

Nach einer halben Stunde „So-oder-so-besser“ sagt der Optiker „So, jetzt haben wir die Ergebnisse. Das linke Auge ist um eine ganze Dioptrie schlechter geworden, das rechte fast genauso viel“.

„WAS?!“, entfährt es mir, „Das kann doch nicht sein! Ich merke, wenn meine Augen signifikant schlechter werden! Hätte ich eine Dioptrie zu wenig, wären das 40 Prozent Sehschärfe, damit würde ich doch gar nichts mehr erkennen können! Das kann nicht stimmen“. „Ist aber so“, sagt der Optiker bedauernd. Ich runzele die Stirn.

Ich schwenke die Messapparatur mit den Prüflinsen von meinem Gesicht weg und setze meine alte Brille auf. Die, die angeblich jetzt eine Dioptrie zu schwach ist. Dann schaue ich beiläufig auf die Wand mit der Buchstabiertafel.

„K-D-P-F-6-7-4-5-Z“, lese ich flüssig und ohne ein Stocken vor. „Das war jetzt aber nicht die dritte Reihe“, sagt der Optiker verwundert. „Nee, das war die vierte“, sage ich.

Jetzt runzeln wir beide die Stirn. Mit einer Dioptrie zu wenig durfte ich nicht mal erkennen das überhaupt Buchstaben an der Wand sind. In der Messapparatur haben meine Augen schlechtere Werte als mit der Brille? Das ist uns beiden noch nicht untergekommen.

Ein Mysterium.
Der Termin bleibt ohne Ergebnis. Stattdessen machen wir einen neuen. Andere Tageszeit, woher soll ich die Augen entspannen.
Mal sehen, was dann rauskommt.

Spannung!! Vom Abenteuer, Karten für Harry Potter 8 zu buchen

Soll ich die jetzt nehmen oder nicht? Ich merke, dass ich vor Nervosität zittere. Zwei Schritte zurück. Einer vor. Wieder das gleiche Ergebnis. Verdammt.

Kaum jemand kennt alle Teile der „Harry Potter“-Geschichte. „Moment“, werden jetzt viele sagen, „ich habe alle sieben Bücher gelesen und alle 8 Filme gesehen!“ Tja, mag sein, aber es gibt ACHT Bücher, und das letzte ist nicht verfilmt worden.

Das Siebte endet kurz nach dem Sieg über Voldemort, in der letzten Szene verabschieden Harry und Ginny Potter ihr Kind am Bahnsteig nach Hogwarts. Das achte Buch spielt 19 Jahre später. „Harry Potter and the Cursed Child“ ist allerdings kein Roman und kein Film. Es ist ein Drehbuch für ein Theaterstück, und das lief bis vor Kurzem nur an einem Ort auf der Welt: Dem Palace Theatre in London.

Man denke in diesem Zusammenhang an einen neuen Star Wars-Film, der nur in einem Kino auf der Welt läuft. Das gibt eine kleine Vorstellung davon, wie gewaltig der Andrang auf die Karten ist. Mittlerweile läuft die Produktion zwar auch in New York und Melbourne, aber dennoch ist die Nachfrage riesig. Erschwerend kommt hinzu: Die Geschichte ist so episch, dass ein Theaterbesuch nicht reicht, um sie zu in Gänze erleben. Man muss tatsächlich zwei Vorstellungen besuchen, jede gut 150 Minuten lang, um alles zu sehen. Fast 6 Stunden braucht es, um „The Cursed Child Part I & II“ zu sehen.

Das Palace Theatre veröffentlicht alle drei Monate Karten für die Vorstellungen in einem Jahr, zu beziehen nur Online und in Minuten ausverkauft. Heute war es wieder soweit, es gab Karten für den Zeitraum Februar bis April 2019. Der Buchungsvorgang war… eine interessante Erfahrung.

Die Harry-Potter-Produktion arbeitet mit zwei Ticketvertrieben zusammen, die beide unter dem Webauftritt http://www.harrypottertheplay.com arbeiten, aber leicht unterschiedliche Buchungseiten haben. Die ATG-Seite ist etwas übersichtlicher, auf der Seite von Nimax hat man dafür mehr Optionen.

Wer Tickets haben möchte, abonniert am besten den Newsletter auf der Website, dann wird man rechtzeitig informiert wann der Verkauf startet. An einem Tag X geht es dann um 11:00 Uhr los, um eine Chance zu haben muss man 30 Minuten vorher auf der Seite sein. Dort betritt man einen virtuellen Warteraum, während ein Timer runtertickert.

Kommt er bei Null an, geht es los: Alle Wartenden bekommen eine Nummer, die willkürlich zugelost wird. Die Nummer gibt die Position in der Warteschlange an. Ich muss zugeben: Ich bin nervös. Ich bin allerdings auch derjenige, der bei Ebay-Auktionen drei Sekunden vor Schluss vor Adrenalin kaum aus den Augen gucken kann. Werde ich dieses Mal Karten bekommen? Falls nein, werde ich ein Jahr warten müssen bis zum nächsten Versuch.

Das Buchungssystem läuft stabil, die Seite ist erreichbar und reagiert flüssig. Das ist bei so vielen, gleichzeitigen Aufrufen auch schon eine Kunst für sich. Ich bin in zwei Browsern eingeloggt. Während meine eine Identität Platz 90.489 bekommt, hat die andere Glück: Platz 175. Man sieht übrigens jederzeit wie viele Personen vor einem sind, und wie lange es ungefähr dauert, bis man dran ist.

Kommt man in die Buchungseite, hat man bei Nimax 5 Minuten, bei ATG 15 Minuten Zeit. Nun gilt es zunächst auszuwählen: Möchte man beide Teile an einem Tag oder an aufeinanderfolgenden Tagen sehen? Oder doch nur ein Ticket für einen Teil? Dann muss das Datum gewählt werden. Auf der ATG-Seite sucht man sich jetzt eine Preiskategorie aus, dann bekommt man vom System die besten Plätze zugewiesen – oder das, was der Computer dafür hält.

Auf der Nimax-Seite kann man sich zumindest aussuchen, ob man im Parkett oder auf einem der Balkone sitzen möchte, aber auch hier ist dann der Platz vom Buchungssystem vorausgewählt. Man bekommt übrigens in beiden Vorstellungen denselben Platz. Ist der also mies, ärgert man sich gleich zwei Mal darüber.

Klick-Klick-Klick
, ich möchte beide Teile an einem Tag, im Februar 2019… „Superplätze in I19“, meldet die Website. Ja, nee, glaub ich nicht.

Ich habe nämlich nebenbei die Website „Seatplan“ offen. Die kann ich uneingeschränkt empfehlen, die ist für London eines meiner wichtigsten Planungsinstrumente. Auf Seatplan.com sind von fast allen Londoner Locations die Sitzpläne abrufbar. Aber nicht nur das: Nutzer der Seite können Rezensionen und Bilder zu jedem einzelnen Platz posten. Im Besten Fall kann man auf Seatplan also genau sehen, wie der Blick auf die Bühne ist.

„I19“ liegt im „Dress Circle“, dem ersten Balkon. Recht weit weg von der Bühne, und oben drüber wölbt sich schon der nächste Balkon, der Grand Circle. Das Bild ist von seatplan.com:

„Ist nicht so toll“, schreiben die Rezensionen. „Lieber einen Platz weiter unten nehmen“. Und: „Platz war für mich OK, aber ich habe auch nur 10 Pfund für die Karte bezahlt. Gepriesen sei Last Minute, hehe“, schreibt einer. Nun, billig sind die Tickets im regulären Verkauf mal nicht. Die Preislage, in der der Computer mir gerade Plätze sucht, liegt bei 70 Pfund. Für Londoner Verhältnisse ist das günstig, aber dazu kommen noch 5 Euro Gebühren, und man braucht halt zwei Tickets, und schon ist man bei 150 Pfund, was aktuell 170 Euro sind. Dafür kann man 10 mal ins Kino gehen.

Ich gehe nochmal zwei Schritte zurück und wähle nochmal, aber wieder bietet mir der Computer nur I19 an. Oder einen Platz im Parkett, aber da ist die Gefahr groß, dass ein großer Mensch vor mir sitzt und ich 6 Stunden lang einen Hinterkopf begutachten kann. Nein, wenn, dann Balkon. Aber so meilenweit von der Bühne entfernt?
Der Timer tickert langsam runter, ich muss mich entscheiden…

Kurz darauf habe ich tatsächlich die I19-Tickets für HP8. An meinem Wunschdatum. Aber halt auf einem nicht optimalen Platz. Aber hey, es geht noch schlimmer, Seatplan hat auch Bilder vom „Balcony“. In dessen letzter Reihe muss man schwindelfrei, man guckt gefühlt senkrecht und aus großer Höhe auf einen kleinen Ausschnitt der Bühne. DAS sind schlechte Plätze.

Bild: Seatplan.com

Wie ein befriedigender Kauf fühlt sich das trotzdem nicht an. Aber ein nicht-ganz-so-doller Platz besser ist als keiner, oder?

Wrong. Später am Tag kam die Erkenntnis: Ich fahre nicht nur, aber auch wegen dieses Stücks nach London. Dann sollte das Erlebnis besser ein Gutes sein.
Am Abend, als der Ansturm auf die Website vorbei ist und das Buchungssystem wieder ohne Warteschlange arbeitet, klicke ich mich nochmal durch den Bestellprozess.

Aha, jetzt sind bei Nimax auch die besonders guten Karten auswählbar! Das Preisband „Premium“ enthält die Karten, die man WIKRLICH will. Gute Sicht auf die Bühne, praktisch nicht verbaubar. Und tatsächlich noch für mein Wunschdatum erhältlich!

Schnell klicke ich mir die und fühle kurzzeitig den Endorphinrausch. Der endet, als die Bezahlung mittendrin scheitert, weil meine Kreditkarte mit einer App authorisiert werden möchte, die ich gerade nicht auf dem Handy habe.

Ich bin kurz am Boden zerstört, aber nicht lange, denn tatsächlich hatte ich das verkehrte Datum ausgewählt. An meinem Wunschdatum gibt es keine Premiumkarten. Aber eine Woche vorher…

Lange Rede, kurzer Sinn: JETZT habe ich nicht nur irgendwelche Karten, sondern sogar richtig gute. Leider nicht an meinem Wunschdatum, aber dicht dran. Und dieser Blick auf die Bühne ist es wert, das Datum der Reise zu verschieben:

Bild: Seatplan.com

Puh, spannender Tag. An dessem Ende steht nun fest: Ich fahre im Februar 2019 wieder mal nach London. Und ich werden den achten Teil von Harry Potter sehen.

Auch wenn ich gerade viel Geld ausgegeben habe: Ich freu mich! Jetzt muss ich mich nur noch darum kümmern, dass ich die zuerst geklickten I19-Karten erstattet bekomme. Denn in Summe 350 Pfund wäre selbst für das tollste Theaterstück der Welt zu viel…

Wenn Nazis Langeweile haben

Hier, im ehemaligen Zonenrandgebiet, gehen manchmal komische Dinge vor sich. In Niedersachsen gibt es „freie Kameradschaften“ von Neonazis, im benachbarten Thüringen hat sich ein „Freundeskreis Thüringen“ formiert (heißt neuerdings „Volksbewegung“), und der dazwischenliegende Harz ist voller Reichsbürger, die bewaffnet hinter den Tannen sitzen und auf den nächsten Gerichtsvollzieher warten.

Ungefährlich sind diese Gruppierungen nicht, denn um es mal klar zu sagen: Das sind stramm rechte und gewaltbereite Nazis. Und sie haben viel Langeweile, anders ist es nicht zu erklären, dass sie regelmäßige Ausflüge nach Göttingen machen, eine eher linke Unistadt, um hier „Mahnwachen“ abzuhalten. Ich weiß jetzt nicht genau wozu, vermutlich zum Gedenken an ihre letzten Hirnzellen, die sie in Nordhäuser Doppelkorn ertränkt haben.

Diese „Mahnwachen“ laufen dann in der Regel so: Ein Dutzend Nazis reist per Bahn an. Am Gleis werden sie von einer Hundertschaft Polizei empfangen, die sie auf dem Weg durch den Bahnhof schützt. Dann gucken die Nazis aus der Bahnhofstür raus und sehen 2.000 Gegendemonstranten und Schilder wie „Jede Minute die ihr hier seid spenden wir 100 Euro an Flüchtlinge“.

Dann stehen die Glatzen 10 Minuten (oder 1.000 Euro) betreten in der Gegend rum, steigen in den nächsten Zug und sind wieder verschwunden. Bis sie einige Wochen später wieder eine Mahnwache anmelden und das armselige Theater von vorne losgeht.

Weil also bei angemeldeten Demos so viele Gegendemonstranten da sind, kamen die Nazis nun auf eine glorreiche Idee: Eine unangemeldete Spontandemo!
Also stellten sich ein paar der Neonazis ins nahegelegende Friedland, wo das große Grenzdurchgangslager ist, hielten eine knitterige „Freundeskreis“-Fahne hoch und pupten rum.

Als dann die Polizei anrückte um den Quatsch zu beenden, tanzte ein ganz schlauer Nazis mit einer „Presse“-Armbinde um die Polizisten rum und hielt ihnen ein Smartphone ins Gesicht. Damit streamte er alles live auf Facebook, und während er die Gesichter der Polizeibeamten übertrug, kommentierte er „Hier noch mal unser ganz spezieller Freund“ oder „Das sind alles Polizisten, die wir nicht brauchen in unserem neuen Deutschland“ (Quelle: HNA)

Vor Gericht redete sich der 29-jährige Facebooknazi damit raus, dass er ja Journalist sei. Der bei seinen Eltern im Keller wohne. Nein, Einkommen habe er nicht, deshalb könne man ihn auch nicht belangen. Glücklicherweise hatte das Gericht die Faxen sehr schnell dicke und verhängte eine saftige Geldstrafe, TROTZ fehlendem Einkommens. Begründung: Mit einem abgeschlossenen BWL-Studium könne der 29-jährige theoretisch gutes Geld verdienen, und diesem angenommenen Einkommen legte es die Tagessätze zugrunde.

Ein schönes Urteil, und ein sehr deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: Leute, fangt was mit eurem Leben an. Stellt den Doppelkorn weg und kriegt den Hintern hoch – nicht Ausländer sind daran schuld, dass ihr bei euren Eltern im Keller lebt. Und wenn ihr Langeweile habt, macht was sinnvolles, keine Hassaktionen gegen Menschen und Staat.

Siri ist tot

Akt 1
Siri ist tot. Also, fast. Sie zuckt noch ein wenig, wenn man sie anspricht oder den Homebutton drückt, geht dann aber gleich wieder aus. Das diktieren von Text funktioniert auch nicht mehr. Ich tippe auf ein defektes Frontmikro.

Akt 2
Ich latsche zum autorsierten Apple-Reparaturdealer in der Stadt. Der guckt dullig auf´s iPhone und sagt „Da müssense zur Technik. Das könnwa nur in der Technik prüfen.“ Und wo ist diese Technik? „In Rotzdorf, wa.“ Rosdorf ist 5 Kilometer entfernt.

Stattdessen mache ich einen Termin beim Apple Store in Hannover. Da muss ich sowieso die Tage hin, und die reparieren wenigstens sofort. Die ham nämlich die Technik im Haus, wa.

Zuhause stecke ich ein Headset an. Siri bleibt tot. Jetzt wird es interessant, denn am Frontmikro kann es nicht liegen. Na, mal gucken was der Apple Store sagt.
Als Vorbereitung auf den Termin mache ich ein Backup. Ist sowieso dran, alle 14 Tage ziehe ich eines. Verschlüsselt, natürlich. Mal gucken ob das Passwort tut. Oh, da liegt ein altes, unsicheres drauf. Gleich mal gegen ein besseres Passwort tauschen. Mit Sonderzeichen drin.

Akt 3
Hm. Backup ist durch. Wenn es ein Softwarefehler ist, vielleicht hilft das Löschen des Telefons und einspielen aller Daten aus dem Backup? Bei Apple funktioniert das reibungslos. Gesagt, getan: Ich klicke auf „Wiederherstellen“ und iTunes löscht das Telefon, dann beginnt es mit Wiedereinspielen der Daten. Das läuft aber nicht lange.

„Auf dieses iPhone kann nicht geschrieben werden“, sagt iTunes. WTF?! Was ist denn nun los? Ich probiere ein älteres Backup. Ich nehme die Verschlüsselung raus. Immer das gleiche: Das Einspielen beginnt, dann stürzt das Telefon ab und kommt in jungfräulichen Zustand wieder. Ich verdächtige Windows hier Unfug zu treiben und schalte sämtliche Securitydinge ab. Nichts. Kurz überlege ich, ob ich das Backup auf einen Mac übertragen und von dort aus einspielen kann. Nee, geht nicht, habe kein passendes USB-C-Kabel.

Ich stochere im Netz nach Lösungen, finde aber nicht mal das Problem. Am Ende gebe ich auf.

Akt 4
Ich richte das Telefon frisch ein. Kalender, Kontakt und Mails kommen aus der Applewolke, Apps aus dem Appstore, Fotos vom NAS. Was ich verloren habe: Daten in langlaufenden Apps, sowas wie „Wann habe ich aufgehört zu rauchen“. Verschmerzbar.

Was richtig schmerzt: In jeder App muss ich mich mit dem jeweiligen Account neu anmelden. Obwohl ich nur die wichtigsten Apps neu installiert habe, sind das 54 Anmeldevorgänge.

Am schmerzhaftesten ist aber: JEDE App und seine Mudder nervt jetzt mit „Du benutz mich zum ersten Mal, guck mal, was ich tolles kann“, fast jede App schickt Begrüßungsmails. Das nervt. So sehr, dass es fast unerheblich ist, dass Siri wieder lebt.

Spät in der Nacht gucke ich mir das Backupverzeichnis von iTunes an und lösche da über 30 GB an kaputten Backup raus, die alleine an dem langen Abend entstanden sind. Was auch immer da schief gelaufen ist: Braucht kein Mensch, sowas.

Und die Lehre daraus? Gibt es nicht. Selbst gute Systeme fallen mal aus, selbst Backup schützen nicht vor Verlust. Manchmal sind Dinge einfach kaputt, und dann hat man Arbeit.

Private Knöllchen

Parkscheiben sind ein aussterbendes Relikt vergangener Zeiten. Dachte ich zumindest. Dabei erlebt die Parkscheibe gerade ein erstaunliches Revival, denn man braucht sie jetzt praktisch bei jedem Supermarktbesuch. Wait, what?

Ja, da staunt der Endkunde: Supermärkte, insbesondere in Innenstadtnähe, setzen neuerdings externe Firmen zur Bewirtschaftung ihrer Parkflächen ein. Das heißt im Klartext: Parkt jemand falsch, kriegt er von einer Firma ein Knöllchen.

Ich finde es ja total super, wenn innenstadtnahe Supermärkte was gegen Dauerparker auf ihren Stellflächen tun. Noch superer ist es, dass BMW-Fahrer, die ihren M6 schräg über drei Behinderten- und zwei Muter-und-Kind-Parkplätze parken, sofort eine reingewürgt bekommen. Viel weniger super ist allerdings, dass als „Nicht den Einstellbedingungen entsprechend“ schon bedeutet, dass man ein Köllchen bekommt, sobald man die Parkscheibe vergisst.

Ja, richtig gehört: Man stellt sein Auto auf den Supermarktplatz, geht einkaufen und bei der Rückkehr hat man ein Ticket über 25 bis 40 Euro am Fahrzeug. Weil man die Parkscheibe vergessen hat. Dabei ist es vollkommen unerheblich, dass der Angestellte der Parkfirma sogar gesehen hat, dass man nur kurz in den Supermarkt gegangen ist. Keine Scheibe heißt Knöllchen. Das ist rechtens, wenn die Einstellbedingungen groß aushängen – und das tun sie meistens. Hat man einmal ein solches Ticket bekommen, hilft eventuell noch die Vorlage des Kassenbons, um zu beweisen das man wirklich einkaufen war. Dabei ist man allerdings auf die „Kulanz“ des Parkraumunternehmens angewiesen.

Das Phänomen privater Parkraumbewirtschafter auf Supermarktparkplätzen ist relativ neu, zumindest in meinen Breitengeraden, aber es greift um sich. Binnen kürzester Zeit haben hier in Göttingen je ein REWE, ein LIDL und ein Penny die Hilfssheriffs engagiert. Ist für mich glatt ein Grund da nicht mehr hin zu fahren, denn mit Parkscheiben habe ich es nicht so.

Verzeigt noch eins!

„Bitte beachten Sie, dass Falschparker gebüsst werden.

„Falsches Parkieren wird verzeigt“

Es tut mir sooo leid, liebe Schweizerischen Freunde, aber diese Ausdrücke sind in Deutschland so nicht in Gebrauch und klingen für meine Ohren so fremd, dass diese ernstgemeinten Warnungen bei mir ein breites Grinsen auslösen.

Last Minute

Auf den letzten Metern von 2017 ist mir eingefallen, dass ich seit Ende Oktober dieses seltsame, zwanzigjährige Jubiläum posten wollte:

Obwohl ich es fast täglich benutze, habe ich lange nicht begriffen, dass die „1997“ im Logo bedeutet, dass es nun schon zwanzig Jahre her ist, dass ich dieses „Murphys Irish Red“ Glas aus dem „Kleinen Rastkeller“ habe mitgehen lassen. Bitte keine moralischen Vorhaltungen, sowas gehört als Student zu guten Ton. Aber ey: ZWANZIG JAHRE!

Google weiß, was ich letzten Sommer getan habe

Es begab sich irgendwann im Spätsommer: Der Akku des Telefons schien sich schneller zu leeren als sonst. Das passiert manchmal, meist ist irgendeine App schuld, die nach einem Update buggy ist und im Hintergrund Amok läuft. Meist gibt sich das nach einiger Zeit und einem Update.

Diesmal nicht. Der Akkuverbrauch blieb über Wochen konstant hoch. Im Oktober ging mir das Ganze so auf den Sacque, dass ich mal nachforschte. Tatsächlich war es Google Maps, was im Hintergrund ständig den Standort abfragte. Ich griff zur Brachialmaßnahme und entzog der App die Rechte für Standortzugriff, dann war der Spuk vorbei.

Bis heute glaubte ich an einen Fehler im Zusammenspiel mit Apples iOS. Bis ich gerade in der Desktopversion von Google Maps den Eintrag „Meine Zeitachse“ fand. Kannte ich nicht, also mal angeklickt und – Boom: Bewegungsprofile für jeden Tag, von April bis Oktober. Für jeden Tag ist fein säuberlich gespeichert, wann ich wo war und wie lange ich mich dort aufgehalten habe, inkl präziser Adresse oder Bezeichnung des Standorts. Der Mitfahrerparkplatz in Wiesloch-Rauenberg am 02. Juni? Jetzt kann ich nachschlagen, wie lange ich dort nach dem Unfall auf den Abschleppdienst gewartet habe.

Das die Profile überhaupt gespeichert werden ist wohl ein wenig bekannter Nebeneffekt der Funktion „Standort teilen“ in Google Maps. Ähnlich wie „Freunde“ in iOS teilt man darüber den eigenen Standort mit ausgewählten Personen. Anders als in „Freunde“ wird der Standort aber nicht nur abgefragt und übertragen wenn die ausgewählten Personen die App nutzen, sondern permanent. Und die permanente Übertragung wird von Google mitgeschnitten und gespeichert. Vermutlich steht das sogar irgendwo im Kleingedruckten, dass man abgenickt hat, aber ernsthaft, Google: WTF?

Die Suchmaschine ist mittlerweile ja für vieles gut, aber das man googlen kann, wo man wann was gemacht hat – nein.
Einfach nur: Nein.

Dieses Windowsupdate kostet 800 Euro

Man Man man… immer wenn man denkt es läuft alles schlägt Murphy zu. Oder in meinem Fall: Windows.

Das hat gerade ein Megaupdate erfahren und einfach mal so alte Grafikkartentreiber gekillt. Mit üblen Folgen: Normalerweise hängen an meinem PC zwei Monitore, aber nach dem Update denkt er nun, er hätte nur noch einen. Neue Treiber für die 7 Jahre alte Grafikkarte gibt´s nicht.

Mit dem Kauf einer neuen Grafikkarte ist mir aber auch nicht geholfen, denn die beiden Monitore haben nur alte, analoge VGA-Anschlüsse. Zwei analoge Anschlüsse (zwei Mal VGA oder ein Mal VGA und ein adaptierbares DVI) haben die Grafikkarten heute aber nicht mehr. Also muss ich mir neben einer neuen Grafikkarte auch noch einen neuen Monitor hinstellen. Und warum?

WEIL WINDOWS MIT EINEM EINZIGEN UPDATE DIE HÄLFTE MEINER PERIPHERIE HIER IN NUTZLOSEN SCHROTT VERWANDELT HAT, DARUM.

Wer sich von modular aufgebauten Systemen auch Nachhaltigkeit verspricht, ist auf dem Holzweg. Denn vor der Nachhaltigkeit sei Windows davor! Und komme mir jetzt bitte niemand mit dem Vorschlag ich solle Linux nutzen, das kommt aus verschiedenen Gründen nicht in Frage.

Ich reg mich gerade ein Bißchen auf. Ich habe auf dieses PC-Gebastele überhaupt keine Lust mehr – ganz anderes als vor 7 Jahren, als ich die Kiste hier gebaut habe. DamalsTM war PC-Schrauben lustvolles Hobby, heute ist es Pain-in-the-Ass.

Andererseits ist jetzt der Zeitpunkt gekommen mal den Hintern hoch zu bekommen und die Infrastruktur hier komplett auf neue Füße zu stellen. Der alte Desktoprechner ist nämlich noch bis zum Kragen vollgestopft mit Festplatten älterer Bauart. Der stammt halt noch aus einer Zeit, in der es üblich war einen Rechner für alles zu haben: Datenspeicher, Mediensammlung, Arbeits- und Spielmaschine in einem Gerät. Aber das entspricht eigentlich schon seit einiger Zeit nicht mehr der Lebenswirklichkeit.

Stattdessen würde ich heute gerne mal auch übers Smartphone oder das Netbook auf Daten zugreifen. Da bietet es sich an, mal den alten Rechner in Rente zu schicken und durch einen schlanken Mini-PC in Kombination mit einem zentralen Datenspeicher, einem NAS, zu ersetzen. Rüdiger von Thatblog hat mir mit wertvollen Tips geholfen – Danke dafür! Nun steht die Qual der Wahl an, und die Qual des Gebastels. Und jede Sekunde während des Bastelsn werde ich Windows dafür verfluchen, dass sein verschissenes Update mich nun einige Hundert Euro kosten wird. GRRRR.

Weg isse

So, Experiment „Neue Matratze“ ist beendet. Ich hatte mir ja eine neue Matratze gekauft und war nach einigen Tagen darauf nicht sicher, ob die wirklich zu mir passt. Nach einer Woche war ich es dann, denn wenn man keine Bewegung mehr machen kann ohne laut zu stöhnen, dann ist es nicht die richtige. Im Ernst, ich habe noch nie solche Rückenschmerzen gehabt wie in der vergangenen Woche. Die mittelharte Variante mit der Komfortauflage war irrsinnig bequem, aber schlicht zu weich. Ich biin super darauf eingeschlafen – aber schon in der Nacht wegen schmerzender Rippen aufgewacht.

Zum Glück bietet Matrazzo ja 100 Tage lang ein Rückgaberecht an. Das ist auch gut so… dass es auch anders geht beweisen gerade die recht kostspieligen Matratzen, die die Nachbarn versuchen loszuwerden. Gekauft im klassischen Bettenfachgeschäft stellten die sich nach einigen Tagen auch als Fehlkauf heraus, nun versuchen die Nachbarn sie zu verschenken. Da hatte ich es besser, wenn auch nicht ganz einfach. Betstellt man bei Matrazzo übers Internet, kommt bei Rückgabe eine Spedition und holt die Matratze wieder ab. Kauft man die aber im Geschäft in Duderstadt, muss man sie auch selbst dahin zurückbringen. Eine Matratze alleine zusammen zu rollen, zu verschnüren und wieder ins Auto zu stopfen ist gar nicht einfach.

Ich werde in Kürze nochmal die Matrazzo in Hart ausprobieren, denn Qualität und Material hat mich voll überzeugt. Aber bei aller Liebe zu dem kleinen Geschäft: Die werde ich übers Internet bestellen, denn von Matratzen Hin- und Hergejökel habe ich erstmal die Nase voll.

Weichgespült

In Polen marschieren 60.000 Nazis mit einem Fackelzug durch Warschau, fordern „Reines Blut“, ein „Weißes Europa“ und einen „Islamischen Holocaust“.

Das ZDF nennt das „eine Demonstration von Einwanderungsskeptikern“.

Rodrigo Duterte, der Präsdident der Philipinen, hat Mordkommandos aufgestellt, die durch die Städte patrouillieren und Drogendealer und Drogensüchtige abschlachten. Er selbst vergleicht sich gerne mit Hitler. Die Vereinten Nationen verurteilen das auf´s Schärfste, können aber nichts tun.

NDR Info nennt das: „Duterte wird gelegentlich für seine Drogenpolitik kritisiert“.

Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Man kann sie nutzen um Dinge auf den Punkt zu bringen. Man kann sie genauso verwenden um Dinge zu verharmlosen und zu verschleiern.
Wer letzteres tut, macht sich mitschuldig.

Kein Matratzenkasper

Matratzen sind seltsame Dinger, das wusste schon Douglas Adams. Neben Globbern ist die bemerkenswerteste Eigenschaft von Matratzen ihre enorme Gewinnmarge. Die Dinger sind in der Herstellung meist supergünstig, im Geschäft aber sauteuer. Wer sich schon mal gefragt hat wie sich die verranzten „Concord“-Läden an jeder Ecke halten können: Das ist das Geheimnis.

Niedrige Herstellungskosten, hoher Verkaufspreis, damit ist das Matratzengeschäft wie gemacht für Start-Ups, die auf Disruption gebürstet sind. Eine amerikanische Firma geht dabei besonders aggressiv zu Werke. Der Name der Firma klingt für deutsche Ohren nach Puppentheater, dabei meinen die es bitter ernst. Anders ist es nicht zu erklären, das man der Werbung praktisch nicht entkommen kann. Jeder Influencer, von Podcastmachern bis zum Youtuber, durfte schon mal über die vermeintliche Revolution in der Matratzentechnologie berichten, und wenn das Review nicht so ausfiel wie gewünscht, gab es Gegenmaßnahmen – aber das ist eine andere Geschichte.

Beim Produkt des Start-Ups handelt es sich um eine Matratze aus unterschiedlichen Schaumlagen, der Werbung nach nicht zu kalt und nicht zu warm, nicht zu weich und nicht zu hart und dabei total günstig ist. Der disruptive Dienst: Man bestellt die Matratze per Internet, bekommt die sehr schnell per Paketbote, kann sie dann bis zu hundert Tagen ausprobieren und bei Nichtgefallen wird das Ding wieder abgeholt. Risikofreier, bequemer Kauf ohne einen verranzten Laden betreten zu müssen. Klar, dass das Erfolg hat.

Neu ist dabei allerdings wirklich nur die Bestellung übers Netz und der 100-Tage-Rückgabeservice. Ansonsten ist das Produkt der Amerikaner keineswegs revolutionär, denn Kaltschaummatratzen gibt es schon lange. Im Gegensatz zu den früher üblichen Federkernmatrazen sind sie leiser, haltbarer und stützen den Rücken besser. Auch meine letzte Matratze war eine Schaummatratze, für nen Hunni bei Aldi gekauft und gut drauf geschlafen. Jetzt, nach fast 10 Jahren, hat sie aber eine merkliche Kuhle und war deshalb reif für den Austausch.

Ich hatte auch schon mit der Internetmatratze geliebäugelt, denn um ehrlich zu sein: Ich finde das Konzept einer geringen Auswahl recht reizvoll. Eine Matratze fits all, keine Gedanken verschwenden ob man jetzt doch besser die Boxspring oder die 7-Zonen-Klima-Komfort-Latexkernversion nimmt. Allerdings war mir das Geschäftsgebahren der Amerikaner zuwider. Aber mittlerweile gibt es viele Nachahmer, die mit ähnlichem Service locken. Einer davon, stellte ich überrascht fest, sitzt hier bei mir um die Ecke. „Matrazzo“ ist in Duderstadt angesiedelt und unterhält dort ein Ladengeschäft, bietet aber ansonsten auch Bestellung übers Internet, 100 Tage Testen und kostenfreie Abholung bei Nichtgefallen.

Ein Besuch bei Matrazzo war der Hauptgrund, warum ich letzten Samstag in Dudeltown war.

Ladengeschäft in Duderstadt. Bild: Matrazzo.de

Der nett gemachte Laden bietet Testflächen, auf denen man die Matrazzo-Matratze probeliegen kann. Es gibt nämlich nur eine Bauform, die aber in hart, mittel und weich und jeweils in zwei Höhen, 18 und 22 cm. Die Matratze besteht aus zwei Schaumlagen, einem Stützschaum und einem Komfortschaum. In letzteren sinkt der Körper ein wenig ein, so werden Rücken und Hüften gestützt. Der Höhenunterschied in den Versionen 18 und 22 cm liegt in der Dicke der obersten Schaumschicht, in die hohe Variante sinkt man etwas tiefer. Die amerikanische Matratze wirbt mit vier Schaumschichten, aber das, so die Matrazzo-Leute, sei Schaumschlägerei. Je weniger Schichten, desto besser, denn dadurch wird weniger Kleber benötigt und die Matratze besser belüftet.

Bei Matrazzo muss man davon ausgehen dass sie wissen, wovon die sprechen, denn das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochterfirma der Otto-Bock-Kunststoff GmbH. Die machen seit über 60 Jahren erstklassige Matratzen aus Kaltschaum, haben die aber in der Vergangenheit nur als Zulieferer für Firmen wie Dunlopillo produziert. Halb Duderstadt schläft auf Otto-Bock-Matratzen, weil man bis vor Kurzem jemanden kennen musste der bei Otto Bock arbeitet, um eine kaufen zu können. Der Erfolg der Amerikaner hat den Konzern jetzt bewogen ebenfalls die Zwischenhändler auszuschalten und seine Matratzen direkt übers Netz zu verticken. Und guck an, auch ein Traditionskonzern kann eine ordentliche Website mit frischem Start-Up-Gefühl. Auf der Seite findet sich u.a. auch ein Härtegradrechner und launige Erklärvideos.

Aber welche Matratze ist nun die richtige für mich?

Generell, so erklärte mir das wirklich freundliche Fachpersonal, schlafen die Deutschen eigentlich auf zu harten Matratzen. Das ist mir in der Tat auch schon aufgefallen, und mit weicheren Matratzen im Ausland hatte ich auch schon gute Erfahrungen gemacht. Die benötigte Härte lässt sich zum Teil anhand des BMI berechnen, aber natürlich spielen auch Vorlieben und Alter eine Rolle. Ich lag in der Ausstellung intensiv Probe, und war beeindruckt: Bezugqualität, aber auch die Stützkraft der Matratze und der Liegekomfort sind in allen Varianten sehr gut. Am Ende wählte ich die die mittelharte Version, aber mit der hohen Komfortschaumvariante. In der normalen Höhe merkt man schneller die feste Stützschicht, und gerade wenn man Seitenschläfer ist kann es angenehmer sein, wenn Schulter und Becken etwas tiefer einsinken.

Mitnahme, genau wie Versand, ist denkbar einfach. Die Matratze kommt vakuumverpackt in einem handlichen Paket, das so hoch ist wie die Matratze breit. Passt selbst in der größten Variante, 140×200, bequem in den Kofferraum eines PKW. Schneidet man das vakuumierte Dings auf, saugt die Matratze schlagartig die Luft aus dem Schlafzimmer und rollt sich aus.

Kauft man im Ladengeschäft, zahlt man übrigens 10 Euro weniger und bekommt als frischgebackener Matrazzobesitzer wahlweise eine Flasche Sekt oder eine Tafel Schokolade dazu. An der Kasse stellt sich dann übrigens auch raus, dass die amerikanische Konkurrenz, anders als sie vehement behaupten, NICHT besonders günstig ist. Matrazzo unterbietet die Preise um rund ein Drittel.

Letztlich habe ich es mir jetzt also einfach gemacht und sehr schnell eine Matratze gekauft. Weil sich das Ding gut anfühlte, und weil ich die Kombination aus geringer Auswahl und einem vertrauenswürdigen Unternehmen, das sagt: „Wir haben 60 Jahre Erfahrung, dass ist unser bestes Produkt“ unwiderstehlich fand.

Auf der Matrazzo schlafe ich jetzt die fünfte Nacht, und es ist… seltsam. Zunächst: Sie ist saubequem. Der Komfortschaum umschmiegt die Körperkonturen, die Stützschicht gibt nur wenig nach. Egal in welcher Lage: Ich schlafe supergut ein. Doof nur: Beim Aufwachen habe ich diffuse Rückenschmerzen. Also, eigentlich nicht richtig Schmerzen, aber mein Rücken fühlt sich anders an.

Das ist mir noch nie passiert. Ich kann normalerweise auf jeder x-beliebigen Hotelmatratze gut und ohne Nebeneffekte schlafen. Nun heißt es in der Matratzenliteratur, man müsse sich vielleicht erst dran gewöhnen, so zwei Wochen könne das schon dauern. Ich bin nun ein wenig ratlos, denn meine Rückenschmerzen können zwei Ursachen haben: Entweder, die Matratze ist nicht die richtige für mich, ich sinke zu weit ein und habe im Schlaf ein Hohlkreuz. Oder: Mein Rücken (der ohnehin wegen meiner ungesunden Körperhaltung belastet ist) wird zum allerersten Mal ordentlich gestützt und muss sich erst dran gewöhnen, weil er sowas Gesundes gar nicht kennt. Das halte ich nicht für unwahrscheinlich, denn ich habe wirklich das Gefühl mich tagsüber gerader zu halten, und mein Rücken fühlt sich etwas kräftiger an.

Man merkt mir vielleicht meine momentane Irritation an. Einerseits ist die Matratze super, andererseits schlafe ich darauf anders, und ich kann noch nicht sagen ob das gut ist. Wie auch immer es weitergeht: Es ist beruhigend zu wissen, dass in den nächsten 95 Tagen eine Mail reicht, und schon wird die Matrazzo wieder abgeholt und ich bekomme mein Geld wieder. Was ich auf jeden Fall behalte ist das zugehörige Kissen, denn das ist wirklich uneingeschränkt und ohne Gewöhnung super.

Ich werde weiter berichten.

Oktoberliebe 2017

Früher bekannt als TOaZ (Tollster Oktober aller Zeiten), mittlerweile die Oktoberliebe: Der 10. Monat des Jahres ist eine tolle Zeit, aus der man nochmal so richtig Energie schöpfen kann bevor der deprimierende November um die Ecke geschlichen kommt.

In Göttingen findet zum Beispiel im Oktober der Literaturherbst statt. Zwei Wochen lang kommen Größen aus Wissenschaft und Literatur in die Stadt und lesen aus ihren neuesten Werken oder machen andere, komische Sachen. So wie Susanne Fischer, Thomas Gsella und noch ein paar Nasen, die man aus der taz „Wahrheit“ kennt. Die versuchten sich an einer Séance für Harry Rowohlt, was so mittelgut funktionierte. Der Großteil der Herrschaften scheint in den Neunzigern hängengeblieben zu sein, und schon damals fand ich ihre Sonette, Dramolette und Gedichte total verstaubt und überhaupt nicht komisch. Aber die Anekdoten zu Harry Rowohlt, die waren gut!

Marc-Uwe Kling war auch da um aus seinem neuen Buch „Qualityland“ vorzulesen. Das Buch selbst ist ziemlich meh, aber die Bühnenperformance zusammen mit Boris the Beast machte das wett.

In Einbeck fand das Eulenfest statt. Der Flohmarkt war in diesem Jahr mickrig, gebackene Eulen gab´s auch nicht, aber immerhin habe ich Senfschnitzel probiert und ein tolles Buch für die gerade eingeschulte Tochter des Cousins gefunden.

Dann gab es die letzte Fahrt mit der Renaissance durch einen goldenen Solling, bevor die Kiste für dieses Jahr eingewintert wurde.

Alles in allem: Ein echt schöner Oktober. Jetzt kann der Winter kommen.