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Archiv der Kategorie: Momentaufnahme

Momentaufnahme: Februar 2017

Herr Silencer im Februar 2017
„Meins!“

Wetter: Monatsanfang pendelt so um den Gefrierpunkt rum, dann kommt der Regen. Es schüttet wie aus Eimern, bei Temperaturen zwischen 1 und 8 Grad. Sonne lässt sich nur minutenweise blicken.

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Lesen:

Neil Gaiman: The Ocean at the End of the Lane
Er braucht ein wenig Abstand von der Welt und kehrt deshalb zurück in den Ort, an dem er als Kind aufgewachsen ist. Dort erinnert er sich an seine Jugendfreundin Lettie Hempstock. Die hatte einen Teich hinter dem Haus, den sie „ihren Ozean“ nannte. Dann erinnert er sich an mehr, an den Tag im Wald, von dem er etwas mit zurückbrachte. Etwas, das nicht aus dieser Welt war und dafür sorgte, dass er eines Nachts von zu Hause fliehen musste, aber Lettie wusste Rat.

Ein kurzes Buch von Gaiman, der einmal mehr mit seinen „die alten Götter/Dämonen/Dings kommen auf die Erde zurück“-Tropes spielt. Das tut er aber auf so zauberhafte, kindheitserinnerungsvernüddelte Weise, dass man bei „Ozean“ keine Ahnung hat wie es weitergehen oder enden wird. Die Geschichte überrascht auf nahezu jeder Seite, und das macht „Ozean“ zu etwas Besonderem. Zwischendurch liest es sich fast wie ein Stephen-King-Buch, aber diese Charakterisierung ist für sich nicht ausreichend. Und da Gaiman das Kunststück hinbekommt, das Ende so zu gestalten, dass es KEIN Happy End und trotzdem tief befriedigend ist, kann das Fazit nur lauten: Sollte jeder für sich selbst entdecken.

Neil Gaiman: Neverwhere [Kindle und Graphic Novel]
Richard Mayhew lebt in London. Sein Leben ist die geordnete Biedermannhölle: Seine Tage verbringt er im Büro, Abends lässt er sich von der Verlobten sagen wie die Zukunft auszusehen hat, und am Wochenende geht es mit den Kumpels in den Pub. Das ändert sich, als er einer jungen Frau hilft, die ihm verletzt vor die Füße fällt. Kurz darauf passieren seltsame Dinge: Richard scheint nicht mehr zu existieren, sein Leben verschwindet aus der Welt. Im Büro kennt ihn niemand mehr, Menschen ignorieren ihn. Um sein altes Leben wiederzubekommen, folgt er der jungen Frau nach London Below, der Welt der vergessenen Orte und Dinge.

Faszinierendes Buch, fantasievoll und voller Überraschungen. Am schönsten ist die Idee, für die Unterseite von London die Namen der U-Bahn-Haltestellen wörtlich zu nehmen. Am Earls Court hält wirklich ein Earl Hof, in Shepards Bush gibt es wirklich Schäfer, usw. Die Story ist spannend und kurzweilig, die Charaktere super.

Eigentlich wurde „Neverwhere“ als TV-Serie konzipiert, die in den 90ern von der BBC billig und lieblos verfilmt wurde. Neil Gaiman setzte sich dann hin und machte daraus eine ordentliches Buch, dessen Geschichte ihn über Jahre nicht los ließ. Für neue Auflagen dokterte er alle paar Jahre wieder daran herum, baute Teile um und fügte neue Ideen ein. Die jetzt für den Kindle erhältiche Fassung ist quasi der „Ultimate Directors Cut“ und sehr lesenwert. Zuletzt habe ich das Buch vor 12 Jahren in der Hand gehabt, und die Geschichte ist heute immer noch so gut wie ich sie in Erinnerung hatte. Ein zeitloser Klassiker.

Weil ich gerade mal dabei war, las ich auch gleich noch die 2007 erschienen Graphic Novel, die seit einiger Zeit ungelesen im Regal stand. Sie basiert auf einer älteren Fassung der Story, nutzt aber die Eigenarten des Mediums Comic voll aus – einfach mal einen Charakter, bestehend nur aus schwarzer Tinte, zu tuschen, dass muss man sich auch erstmal trauen.


Neil Gaiman: How the Marquis got his Coat back
[Kindle]
Während der Geschehnisse von „Neverwhere“ wird der Marquis de Carabas getötet, in den Fluss geworfen und seine Leiche und sein Besitz später von den Flußleuten einzeln verkauft. Die Kurzgeschichte spielt in der Woche nach „Neverwhere“ und erzählt, wie der wiederbelebte Marquis seinen seltsamen wie liebgewonnenen Mantel sucht. Dabei führt ihn seine Reise an den einen Ort, den er nie sehen wollte: Zu den Hirten von Shepards Bush, wo er sich prompt mit dem Elefanten von Elephant & Castle anlegt.

2015 erschien dieser Nachklapp zu dem damals schon 17 Jahre alten „Neverwhere“ – nicht weniger interessant als die Hauptstory. Wer „Neverwhere“ mochte, sollte sich diese 60seitige Kurzgeschichte, die es für 99 Cent im Buchhandel gibt, nicht entgehen lassen.

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Hören:


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Sehen:

Finding Dorie [PSN]
Fisch Dorie, die blaue Nervtröte aus „findet Nemo“, sucht ihre Eltern und geht dabei verloren. Nemo und AMrlin suchen sie.

Ach, Pixar war mal originell und hat tolle, herzergreifende Geschichten erzählt. „Findet Dorie“ leider nur hektische, slapsticküberladene und herzlose Sequelkacke.

Miss Peregrines Home for Peculiar Children [PSN]
Der junge Jacob geht Geschichten seines Großvaters nach. Der fabulierte immer davon, dass er seine Jugend mit unsichbaren Jungen, fliegenden Teenagerinnen und andere Mutanten verbracht habe. Was sich wie Spinnereien anhört, wird für Jacob unversehens Realität: Durch ein Zeitloch gerät er ins Jahr 1943. Dort, eingefroren in der Zeit, existiert die Insel der besonderen Kinder bis heute. Aber nicht mehr lange, denn das zeitlose Kinderheim von Miss Peregrine wird von einem grimmassierenden Samuel L. Jackson bedroht.

Endlich mal wieder ein echter Tim Burton-Film! Herrlich Düster, toll ausgestattet, toll gespielt. Eva Green und Samuel L. Jackson haben sichtlich Spaß an der absurden Story, die Kinderdarsteller nerven nicht, die Geschichte ist straff erzählt und nie langweilig. Ein Fantasy-Abenteuer- und Coming-of-age-Film zum Verlieben – aber Achtung, er IST stellenweise gruselig. So wohlig Tim-Burton-Gruselig, nicht Horror-gruselig.

The Imitation Game [Amazon Video]
Der zweite Weltkrieg. Die Alliierten verzweifeln an der deutschen Kommunikation, die mittels der Enigma-Maschine verschlüsselt ist. Im englischen Bletchley sammelt der britische Geheimdienst Linguistinnen, Schachweltmeister und Mathematiker, die gemeinsam die Verschlüsselung brechen sollen. Einer von ihnen weigert sich im Team zu spielen. Alan Turing ist ein brillianter Mathematiker, kann aber nicht mit anderen Menschen umgehen. Von seinen Mitstreitern verspottet, bastelt er an einer Maschine, die die Enigma brechen soll – den ersten Computer. Jahre später gerät Turing mit dem Gesetz in Konflikt. Er ist homosexuell, und das ist in den 50ern in England verboten. Er wird zu chemischer Kastration verurteilt, bekommt von der Hormonbehandlung Depressionen und begeht Selbstmord.

Das Leben des Alan Turing bietet viele Ansatzmöglichkeiten um eine interessante Geschichte zu erzählen. Seine Arbeit war brilliant, er war einer der ersten Computertheoretiker, ein hervorragender Sportler, sein Wirken für den Geheimdienst spannend, der Umgang mit Homosexualität ein Zeitzeugnis und sein Lebensende ist beschämend für die britische Gesellschaft.

Das Problem des Films ist nun, dass er all diese Ansatzmöglichkeiten auf einmal zu erzählen versucht und noch zusätzliche dazu erfindet, dabei aber keinen richtig ausarbeitet und dadurch letztlich zusammenbricht. Der Film ist schlicht überladen, und zwar sowohl mit realen als auch mit fiktiven Darstellungen. Als hätte die Kryptoarbeit oder die Homosexualität in den 40ern nicht ausgereicht, wird Turing im Film auch noch als Autist dargestellt, der Zwangsstörungen mitbringt und zusätzlich einen dermaßenen Sprung in der Schüssel hat, dass er seinen Computer nach seiner toten Jugendliebe benennt und mit ihm spricht. Benewatch Cumberdick macht einen guten Job, aber eine dermaßen überladene Figur kann den Film nicht trage. Der geht in der Folge baden und bleibt blass und belanglos Film, und man fragt sich, wie man DIESE Vorlage so dermaßen versägen konnte.

Inferno [PSN]
Unglaublich feiger, schlechter Film. Besprechung gestern.

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Spielen:

Uncharted: A Thieves End [XBOX One]
Keine Zeit zum Spielen und ausserdem Jahreszeitbedingte Spieleflaute, deshalb zwischendurch mal ein moderner Klassiker mit unfassbarer Story und bislang unerreichter zwischenmenschlicher Tiefe. Besprechung hier.

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Machen:
London!

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Neues Spielzeug:
Wird noch nicht verraten.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
14 Kommentare

Verfasst von - 28. Februar 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Januar 2017

Herr Silencer im Januar 2017
„Waage sagt waaas?!“

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt, mit bis zu -15 Grad – Übernachtung im Wohnzimmer ist angesagt, das Schlafzimmmer lässt sich nicht über einstellige Temperaturen beheizen. Danach wird es mit -8 bis -2 etwas „wärmer“ und bleibt trocken, neuen Schneefall gibt es nicht.

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Lesen:

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Hören:


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Sehen:


Lemony Snicket: A Series of unfortunate Events
[Netflix]
Ein Ehepaar kommt bei einem Hausbrand ums Leben. Sie hinterlassen drei Waisen – und ein riesiges Vermögen. Hinter dem ist der heruntergekommene Schauspieler Graf Olaf her. Auf ihrer Flucht vor dem Grafen stolpern die Kinder von einem betrüblichen Ereignis ins nächste und kommen an so schreckliche Orte wie den Seufzersee.

Die „Betrübliche Ereignisse“-Bücher sind herrlich deprimierende und dennoch unterhaltsame Kinderbücher. Die skurril-hoffnungslose Stimmung wird im Kinofilm, der 2004 die Ereignisse der ersten beiden Bücher auf die Leinwand brachte, perfekt transportiert. Leider erschien nie eine Fortsetzung – bis jetzt!

Netflix hat eine Serie daraus gemacht, bei der je zwei einstündige Folgen ein Buch ergeben. Acht Folgen gibt es bislang, was das Äquivalent zu vier Kinofilmen ist. Und was für welchen! Die Originaldesigner (die man beim Film noch während der Produktion feuerte) sind wieder für den fantastischen Look zuständig, die Jungschauspieler sind exakt auf die 2004er Vorbilder gecastet und eine Reihe neuer Einfälle modernisiert die Erzählung behutsam. Star des Ganzen ist aber Neil Patrick Harris (den meisten vermutlich als Barney aus „How I met your Mother“ bekannt). Während sich im Kinofilm Jim Carrey durch die Rolle des Grafen Olaf schlicht durchgrimassierte, haucht Harris der absurden Figur echte Bedrohlichkeit ein. Sein Count Olaf ist auch verrückt, aber dabei berechnend, eiskalt und ernsthaft gefährlich. Umso besser können sich die Helden daran abarbeiten. Eine unerwartete Anguckempfehlung!


1984
[Amazon Video]
Allgegenwärtiger Überwachungsstaat, im Krieg mit dem Rest der Welt. Mittendrin: Winston, der für das „Ministerium der Wahrheit“ Ereignisse der Vergangenheit anpasst. Denn wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft, und wer die Gegenwart behrrscht, beherrscht die Vergangenheit. Winston hat ein Geheimnis: Er schreibt Tagebuch und liebt Julia. Beides ist im totalitären Regime verboten, und als das rauskommt, wird Winston gefangengenommen, gefoltert und hirngewaschen. Am Ende ist er glücklich, aber nicht mehr Winston.

Was für ein sperriger Film. Ich weiß schon, warum ich den zuletzt vor 30 gesehen habe – und damals schon doof fand. Regisseur Michael Radford nimmt den starken Stoff der Buchvorlage, entschärft ihn inhaltlich und wählt dann noch eine Form, die sich eher für Ausdruckstanz als für einen Film eignet. John Hurt spielt stark, aber glaubhaft agiert hier niemand. Offensichtlich kann Radford Filme nicht ausstehen und möchte viel lieber Theaterstücke inszenieren, und das merkt man. So wird aus einem starken Buch ein schlechter Film. Eine Neuauflage wäre mal angebracht. Denn die Grundaussage ist aktueller den je: Was machen faschistische, totalitäre Regime mit umfassenden Überwachungsmöglichkeiten mit Menschen? Da Trump sogar „Neusprech“ beherrscht, könnte „1984“ eine Blaupause für die Zukunft sein. Oder, wie Richard Burton im Film sagt: „Sei wollen eine Vision der Zukunft? Stellen Sie sich ein Paar Stiefel vor, die unablässig auf ein menschliches Gesicht eintreten.“

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Spielen:

Dishonored 2 [PS4]
In einer britisch angehauchten Steampunkwelt berrschen mechanische und elektrische Apparate das Stadtbild. Walöl ist der Antriebsstoff für die seltsamen Maschinen und Grund für den Reichtum des Empires. Regiert wird das Reich von der jungen Emily Kaldwin, seit den Geschehnissen aus Teil 1 Kaiserin des Reichs. Das ändert sich, als eine unbekannte Frau in den Palast marschiert, Anspruch auf den Thron erhebt und den ganzen Bumms kurzerhand übernimmt. Emily flieht nach Karnaca, im Süden des Reichs, und versucht herauszufinden, wie sie gegen die Besetzerin vorgehen kann. Die scheint nämlich unsterblich zu sein und zu allem Überfluss auch noch zaubern zu können. Gut, dass Emily Bekanntschaft einer dunklen Gestalt macht, die ihr eine Rune in die Hand brennt. Ab diesem Moment kann Emily per Gedankenkraft teleportieren oder sich in Schatten verwandeln, was für einen Rachefeldzug nützlich ist.

„Dishonored 2“ war die große Storyhoffnung des vergangenen Herbstes. Das fertige Spiel könnte allerdings nicht weiter von „plotdriven“ entfernt sein, die Geschichte ist nömlich schlicht ein Witz und die Charaktere so egal, dass ich vor dem Schreiben dieses Textes tatsächlich den Namen der Protagonistin nachschlagen musste. Das ist bitter, denn diese Fehler hat auch der Vorgänger schon gemacht, und das passt überhaupt nicht zur sonst so origiellen Welt und dem tollen Artwork. Das Design ist auch der Star des Spiels, sowohl von der Grafik als auch vom Levelaufbau. In ein Haus einzubrechen, in dem sich mechanisch die Räume verändern, ist schon abgefahren. Aber einen Stealtheinbruch, bei dem man durch mehrere Zeitebenen springt? Sowas cooles hat es noch nicht gegeben!

Schleichen und aus den Schatten heraus agieren ist übrigens der Weg für den das Spiel gemacht wurde. Dafür braucht man aber Geduld und viele Versuche, quasi permanent bedient man Quicksave und Quickload, wenn man wirklich Stealthy und nicht-tödlich vorgehen will. Alternativ steht es einem frei, in bester Assassinenmanier durch die Level zu meucheln und Berge von toten Wachen zurückzulassen. Das Vorgehen funktioniert, hat aber seinen Preis: Die Welt wird dunkler, die Straßen werden von Blutfliegen heimgesucht, Gefährten wenden sich ab und das Ende des Spiel verändert sich.

Ich habe nicht-stealth aber nicht-tödlich gespielt. Das ist ausgewogen, aber auch nicht zu leicht. Gerade der (selbstauferlegte) Schwierigkeitsgrad und das tolle Design waren es, die „Dishonored 2“ einen hohen Grad an Immersion hat erreichen lassen. Für lange Winterabende und Designfans empfehlenswert.

Quantum Break [XBOX One]
Jack Joyce kommt nach Jahren zurück nach Riverport. Ein alter Kumpel hat ihn einfliegen lassen, damit Jack ihm mitten in der Nacht bei einem Experiment in einem Unilabor helfen kann. Das Experiment funktioniert nur so mittelgut – plötzlich wird das Labor von bewaffneten Soldaten gestürmt, Jacks Bruder taucht auf und der Kumpel verschwindet. Kurz darauf ist er wieder da – aber 17 Jahre älter, Befehlshaber der Konzerntruppen und anscheinend mit übersinnlichen Kräften ausgestattet. Da passt es, das Jack seit dem Experiment ebenfalls ungewöhnliche Kräfte hat: Er kann die Zeit manipulieren. Das tut auch Not, denn in Riverport ist die Zeit selbst zerbrochen und kurz davor zu enden.

„Quantum Break“ ist das einzige Spiel, um das ich als PS4-Besitzer die XBOX-One-Fraktion immer bendeidet habe. Das Spiel sieht fantastisch aus, was zum einen an der fast fotorealistischen Grafik liegt, zum anderen daran, wie die zerbrochene Zeit visualisiert wird: Alles friert ein, auch Explosionen oder Ereignisse wie ein Autounfall. Durch dieses Stilleben kann man als Spieler wandern und die vielen Details bewundern, die diese stille Welt zu bieten hat.

Daneben hat das Spiel exzellente Schauspieler (wie den Littlefinger aus „Game of Thrones“ als Bösewicht) und eine komplexe Story. Die wird nicht nur über Zettel und Cutscenes erzählt, denn Quantum Break ist auch eine vierteilige Fernsehserie mit eben den Schauspielern, die auch im Spiel auftauchen. 20 minuten geht jede Folge, und je nachdem, wie man sich im Spiel verhalten hat, ändert sich der Storyverlauf leicht.

Microsoft hat viel Geld und Zeit in das finnische Studio Remedy investiert, und das „Quantum Break“ ein Systemseller sein soll, sieht man dem hochpolierten Spiel auch an. Das Ende ist offen, und eine Fortsetzung sehr wünschenswert – nach den mäßigen Verkaufszahlen der XBONE und der Lahmarschigkeit der Entwickler wird es dazu aber wohl nicht kommen.

Titanfall 2 [XBOX One]
In der Zukunft, auf irgendeinem egalen Planeten, tobt irgendein egaler Krieg. Darin laufen Leute mit Düsenrucksäcken rum. Wenn sie vom rumdüsen genug haben, rufen sie einen großen Roboter. Der fällt vom Himmel (daher der Titel), dann setzen sich die Düsenrucksackleute da rein und machen Sachen kaputt.

Riesenroboter? Mechgefechte? Count me in! War das erste Titanfall noch ein reiner Multiplayertitel, bringt Teil 2 eine sehr gelungene Kampagne mit. Für einen Shooter ist die Story erstaunlich überraschend und hat am laufenden Meter tolle Einfälle, der Charakter des eigenen Titans ist ebenso liebenswert wie komisch und die Gegner wirklich glaubwürdig böse. Abseits davon ist es mal wieder erfrischend durch eine Welt laufen zu können ohne das Gefühl zu haben zu müssen was zu verpassen. In „Titanfall 2“ gibt es nichts zu sammeln (also, nicht wirklich), alles ist linear und sehr gradlinig. Nach dem ganzen Open-World-Kram der letzten Monate, mit seinen trillionen Side- und Sammelquests, wirklich befreiend.

Halo 5: Guardians [XBOX One]
Lauf von A nach B, Peng, Bumm, Spratz.

Was für ein himmelschreiend dummer Shooter. Story Banane, wie immer unbefriedigender Cliffhanger. Gegner immer noch die gleichen wie in Teil 1. Das heißt: Immer noch der gleiche Mist WIE VOR 15 JAHREN! Animationen holprig, Schwierigkeitsgrad unausgewogen, Texturen mittelscharf und in heftigen Gefechten ruckelt es. DER XBOX-One-Vorzeigetitel ruckelt! Das man auch als Solospieler zwangsweise mit 3 minderbemittelten Teamkollegen unterwegs ist, macht die Sache noch schlimmer.

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Machen:
Crazy Ideen ausbrüten und endlich mal wieder träumen.

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Neues Spielzeug:
Eine XBOX One der ersten Generation, billig gebraucht gekauft. Und eine neues USB-Reiseladegerät geschenkt bekommen, eine Tizi „Tankstelle“. Prima verarbeitet, vier Anschlüsse, kraftvoll, aber mit 96 Gramm viel leichter als die Anker-Geräte. Danke, Leandrah!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Januar 2017 in Momentaufnahme

 

Das war das Jahr, das war (2016)

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Nachdem das Vorjahr von einem diffusen „Hier fällt alles auseinander“-Gefühl geprägt war, startete 2016 voller Hoffnung. Aber nicht lange, denn was in diesem Jahr an weltpolitischen Katastrophen zusammenkam, geht auf keine Kuhhaut.

Die Wahl von Trump und der Brexit sind Resultat der Entwicklungen, die ich seit Jahren beklage – die politischen Führungsebenen nehmen soziale Entwicklungen nicht ernst, lassen Lobbyisten die Arbeit der Politiker machen und nehmen hart umkämpfte Errungenschaften wie Frieden und Demokratie als gottgegeben und Normalzustand an. In diesem Jahr ließen sich die Folgen beobachten. Was für weitere Konsequenzen das haben wird, werden wir erst in der Zukunft sehen. Schön wird das aber alles nicht werden, und besser wird es in den nächsten Jahren auch nicht.

2016 hat übrigens auch gezeigt, dass ich mit meiner These richtig lag, dass grob geschätzt 70 bis 80 Prozent aller Menschen nicht alle Latten am Zaun haben. Das hätte es mir allerdings auch mitteilen können ohne alles einmal hart nach rechts rucken zu lassen. Denn in diesem Jahr sind längst überwunden geglaubte Dinge wieder hervorgebrochen: Rassismus, Faschismus, Homophopie und generell Ablehnung von Offenheit ist plötzlich wieder salonfähig, damit lassen sich wieder Wahlen gewinnen.

Auch ich bin intoleranter gegenüber Andersdenkenden geworden, aber nur gegenüber der rechten Seite. Das politische Klima ist gerade dergestalt, dass viele Menschen meinen ihren bislang versteckten Rassismus offen ausleben zu können. Mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben, mit denen breche ich den Kontakt einfach ab. Im realen Leben und im virtuellen. Das diskutiere ich auch nicht mehr lange, denn gerade soziale Medien sorgen für dermaßene Echokammern, die die eigene Meinung bis ins unendliche verstärken, dass solche Leute das bißchen kognitive Dissonanz auch noch mitnehmen.

2016 sind viele Helden meiner Jugend, prominente Musiker und Leute, die man halt so kennt, gestorben. Bei einigen kam das sehr überraschend, und ab April in einer Häugigkeit, das mir dämmerte: Das war die #2016erSchneisedesTodes. Am Ende dieser Jahresruückschau gibt es daher jetzt die Rubrik „Nekrolog“.

Mein persönliches Jahr war dagegen gut. Nicht spitze, aber OK. Das erste Quartal 2016 war gepägt von gleich mehreren grippalen Infekten, die mich echt niedergelegt haben. Ein Aufenthalt in London war zumindest für einige Tage durch Fieber und Grippekopf ziemlich eingeschränkt. April und Mai waren geprägt von Vorbereitungen für die Reise im Juni. Die war Durchwachsen, aber das musste auch irgendwann passieren, kann ja nicht immer alles toll sein und glatt gehen. Das es bei der Fahrt das Motorrad fast zerlegt hätte – geschenkt. Das war nichts, was sich nicht hätte reparieren lassen. Im November kamm dann, völlig unerwartet und fast zwei Jahre nach dem letzten Umzug, plötzlich die Lust zurück die Wohnung zu Ende zu bauen. Jetzt hängen auch die letzten Lampen.

Und sonst noch?

Worte des Jahres: „Lei vuole la carta“ – Sie will die Pappe.

Einschneidendstes Erlebnis:
Der Moment der Fassungslosigkeit, als ich den auseinandergebrochenen Rohrrahmen am Motorrad entdeckte.

Zugenommen oder abgenommen? Zugenommen.

Verstörendstes Ereignis:
Die Anklage von Böhmermann.

Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr. Die Fahrzeuge erforderten Aufmerksamkeit. Am Motorrad musste das komplette Gepäcksystem ersetzt werden, Verschleissteile wie Bremsen, Reifen, Kette usw. waren fällig, ein neuer Helm und neue Stiefel waren einfach dran. Das Kleine Gelbe AutoTM gibt es auch noch, das wollte in diesem Jahr einen neuen Luftmassenmesser, eine neue Lambdasonde, ein neues Thermostat und neue Temperaturfühler haben.

Mehr bewegt oder weniger? Wieder mehr, zumindest in der ersten Jahreshälfte auch mit viel Sport. Das wurde in der zweiten weniger, Arbeits- und Faulheitsbedingt. Ich brauche offensichtlich ein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann.

Die hirnrissigste Unternehmung? Bei 30 Grad im Motorradanzug wandern gehen und den geheimen Tempel suchen.

Ort des Jahres? Sabines Hotel in Nizza. Ein Ort der Zuflucht und der Ablehnung. Viel gelernt dort.

Die teuerste Anschaffung? Eine Summe von Ausgaben, um das Motorrad wieder auf die Straße zu bekommen.

Das leckerste Essen? Bison!

2016 zum ersten Mal getan? Segway gefahren.

2016 nach langer Zeit wieder getan? Venedig besucht.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Mit Fieber in London rumliegen, 5 Kilo mehr auf den Hüften, Trump.

Gereist? Oh ja.

2016 war in einem Wort…? Verbesserungswürdig.

Film des Jahres: „Colonia Dignidad“

Theaterstück des Jahres: „The Curious Incident with the Dog at the Night Time“

Musical des Jahres: „Wicked“.

Album des Jahres: Keins. Ich höre einfach wenig Musik. Podcast des Jahres wäre aber „Teenagersexbeichte“. (Bei dem es weder um Teenager noch um Sex oder Beichten geht).

Spiel des Jahres: „Uncharted 4“, dicht gefolgt von „Blood & Wine“. Aber das ist eigentlich ein DLC, und Witcher III war schon 2015 Spiel des Jahres.

Serie des Jahres: „Westworld“

Show des Jahres: „The Grand Tour“

Buch des Jahres: Marc Elsberg „Blackout“

Ding des Jahres: Merinowäsche. (Danke für den Tip, Albrecht!)

Spielzeug des Jahres: Die Garmin VIRB XE-Kamera. Was für ein geiles Teil. Tolle Aufnahmen, außerdem loggt die zig Sensordaten mit.

Enttäuschungen des Jahres: „Assassins Creed Chronicles: Russia & India“ in Sachen Games und im Kino „Suicide Squad“. Was für ein Haufen Scheiß.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Im Mietwagen ein völlig fremdes Land zu kurven.

Vorherrschendes Gefühl 2016? Die Welt hat einen Schwelbrand, und alle stehen in den Startlöchern, um Eimerweise Benzin darauf zu kippen.

Erkenntnis des Jahres: Direkte Demokratie funktioniert nicht.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2017!

Nekrolog:
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Verfasst von - 31. Dezember 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Dezember 2016

Herr Silencer im Dezember 2016
„Bitte kein Minzblättchen mehr“

Wetter: Mit 5 bis -2 Grad kalt, aber aushaltbar. Vor Weihnachten wieder hoch auf 7 Grad und Regen, einen Tag vor Silvester trocken und -5 Grad.

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Lesen:

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Hören:


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Sehen:


Rogue One
[Kino]
Gruppe von Schurken klaut die Pläne des Todessterns. Sehr sehenswert.
Ausführliche Besprechung hier.


Flight
[Amazon Video]
Flugzeug geht aufgrund eines technischen Defekts in den Sturzflug, Pilot fliegt irrsinniges Manöver und rettet 98 von 104 Passagieren das Leben. Später stellt sich raus: Pilot ist schwerer Alkoholiker und war während des Fluges betrunken.

Seltsamer Film, den Robert Zemeckis hier gedreht hat. Flight will ein Drama sein, holpert aber gleich an mehreren Stellen. Die Dekonstruktion des Piloten, der vom scheinbaren Sonnyboy und strahlendem Helden zusammenschrumpft wird auf einen kaputten Suffkopp, ist ein interessantes wie seltsames Konzept. Durch Denzel Washingtons seltsam overacteter Darstellung geht das aber nicht wirklich auf – zu keinem Zeitpunkt nimmmt man ihm die Rolle ab, die er da in die Kamera grimassiert. Als Zuschauer fragt man sich über die, mit zweieinhalb Stunden viel zu lange, Laufzeit: Warum gucke ich mir das an? Es gibt kaum noch Wendungen, man sieht einfach dabei zu wie das kaputte Leben eines gescheiterten Mannes Stück für Stück entblättert wird. Der begreift sein Problem nicht und versteckt es mehr oder weniger erfolgreich. Am Ende stellt sich nicht mal mehr die Frage, ob seine Heldentat sein persönliches Versagen aufwiegt – der Film versinkt in „egal“. Während des Anschauens war ich fast sauer auf Wasgington und die langsame Erzählweise, nach dem Film etwas ratlos. Kann ich nichts mit anfangen.


Westworld
[DVD]
„Westworld“ ist ein Vergnügungspark. In einem riesigen Areal in der Wüste wird der Wilde Westen simuliert. Superreiche können hier Abenteuer erleben und alle Fantasien ausleben, bis hin zu Vergewaltigungen und Mord. Denn Westworld ist nur von Robotern bevölkert. Aber irgendwas verbirgt sich noch hinter den Geschehnissen im Park, und ein Mann in Schwarz versucht dahinter zu kommen.

„Westworld“ basiert lose auf dem gleichnamigen Actionfilm aus den 70ern, in dem Yul Brunner den Mann in Schwarz gab. Die Serie ist nun aber gänzlich anders. Hier geht es nicht um Action, es geht um Geheimnisse. Exzellent gespielt und sauspannend.

Kudos vor dem Cast, der gefühlt einige Episoden einfach nackt spielt. Im Zentrum von allem zeigt Anthony Hopkins ganz große Schauspielkunst, die der wirklich großen Story angemessen ist. Die Story ist übrigens so geschickt gewebt, dass man nach dem überraschenden Ende gleich nochmal alle 10 Episoden sehen müsste. Intelligente Unterhaltung, wie ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe und ganz klar DIE Serie des Jahres. Sie hat übrigens das schönste Intro seit Langem:


Dirk Gentlys Holistische Detektei
[Netflix]
Ein Hotelpage wird unfreiwillig Zeuge absurder und scheinbar nicht zusammenhängender Ereignisse: Im 12. Stock wird ein Mann von einem Hai zerbissen, ein Hund mit Stummelschwanz kreuzt seinen Weg und ein Kätzchen wird gesucht. Dann taucht plötzlich ein verrückter namens Dirk Gently auf und behauptet, das sei ein „Fall“ und er ein Detektiv.

Alles ist mit allem verknüpft, und wenn man den Zufall nur machen lässt, offenbart sich ein Muster. So ungefähr könnte man die Grundidee der Bücher „Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele“ und „Der Elektrische Mönch“ von Douglas Adams zusammenfassen. Die galten als unverfilmbar, weil wirr. Stimmt auch, weshalb Netflix hier nur die Grundidee der holistischen Detektei genommen, aber eine ganz neue Story drum rumgebaut hat. Die ergibt Anfangs gar keinen Sinn, aber wenn alle Teile an ihren Platz fallen, ist es einfach nur genial. Weniger genial ist der Hauptdarsteller: Samuel Barnett ist als Dirk Gently ein Totalausfall. Der Charakter ist in den Büchern etwas lethargisch und nimmt Holistik gerne als Vorwand für Arbeitsverweigerung. Barnett spielt Gently dagegen wie ein irrer Dr. Who auf Koks, das nervt und ist nur schwer erträglich. Sehr gut dagegen: Elija Wood als Hotelpage und Jade Eshete, die heißeste Newcomerin des Jahres, als Sicherheitschefin.


Gone Girl
[Amazon Video]
Ben Afflecks Frau ist verschwunden. Hat er sie umgebracht?

Der vermutlich cleverste und böseste Film seit 1992. Der Zuschauer wird andauernd manipuliert, genau wie die Figuren im Film. Der kippt ungefähr ab der Hälfte und bricht ALLE Erwartungen, die man bis dahin vielleicht hatte. Wie weit gehen Menschen, um für ihre Partner interessant zu sein? Mit seinem klugen, sehr bösen Plot und seinem fiesen Mindfuck ist „Gone Girl“ ein würdiger Nachfolger im Geiste zu „Basic Instinct“. Rosamund Pike und Ben Affleck spielen perfekt, und David Fincher inszeniert großartig.

Assassin´s Creed [Kino]
Michael Fassbender wird an einem Roboterarm durch die Gegend geschleudert und Marion Cotillard guckt traurig. Ausführliche Besprechung HIER.

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Spielen:

Watchdogs 2
Zwanzig Minuten in der Zukunft: Der Konzern „Blume“ hat seine allgegenwärtige Software in weiteren Städten ausgerollt. ctOS 2.0 steuert Infrastruktur, Kameras, Rechner – eben ganze Städte. Und es steuert nicht nur, es ist auch das perfekte Überwachungswerkzeug. Ein junger Hacker in San Francisco gerät in das Visier von ctOS, taucht unter und schließt sich einer Gruppe mit dem Namen Dedsec an. Gemeinsam finden sie heraus, dass Blume üble Pläne hat: Überwachungsdaten werden verkauft, Profiling führt zu ungerechtfertigten Verhaftungen, die NSA liegt mit dem Konzern im Bett und ein geheimer Algorithmus nährt eine KI mit Daten von ctOS.

Ach, Watchdogs. Die Serie hat so viel Potential, aber auch im zweiten Anlauf wird das gnadenlos verschenkt. Das liegt zum einen daran, dass die Spiele der Realität hinterherhinken, weil sie immer wieder von aktuellen Geschehnissen rechts überholt werden. Teil 1 wollte mit allgegenwärtiger Überwachung schocken, kam aber erst nach den Snwoden-Enthüllungen raus und zeichnete eine harmlosere Variante der Realität und hatte zu der keine Haltung. Teil 2 fährt nun das Horrorszenario, dass Facebook Wahlen beeinflussen könnte – und kommt damit schon wieder zu spät.

Watchdogs 2 findet nie den richtigen Ton oder die richtige Mischung. Zwar ist das virtuelle San Francisco toll nachgebaut, aber die Engine hat imer noch die gleiche, lachhafte Physik und schlechte KI wie der Vorgänger. Die Physik sorgt z.B. dafür, dass Lampenmasten explodieren (!) wenn man mit einem Motorrad (!!) dagegenfährt und Lastwagen sich überschlagend durch die Luft fliegen, wenn sie über einen Hügel fahren. Die schlimme KI ist dafür verantwortlich, dass unter NPCs eine Massenpanik ausbricht, weil man zu scharf bremst, oder ein Feind die eigene Spielfigur aus zwei Stockwerken und 100 Metern Entfernung bemerkt.

Nicht viel besser ist der Spielerchrarakter. Teil 1 hatte als Protagonisten einen unsympathischen Angry White Man auf einem unverständlichen Rachefeldzug als Protagonisten. Teil zwei überkompensiert das: Der Hauptdasteller ist nun ein farbiger Hipster, der nichts ernst nimmt. Er ist kein Einzelgänger mehr, dafür ist seine „Gang“ ein Haufen unsympathischer Hipster-Arschgeigen, die nur auf FunFunFun aus sind und dafür auch nicht davor zurückschrecken, die gleichen Mittel anzuwenden wie ihre Gegner.

Mit der Dedsec-Crew kommen auch die größten narrativen Probleme. Im ersten Teil war Dedsec eine geheimnisvolle Kraft hinter den Kulissen. Jetzt sieht man, wer Dedsec wirklich ist: Eine Bande verwöhnter Twens, die Moral zwar behaupten, aber keine Ahnung haben was das ist. Die wollen Frieden, ziehen sich aber ein ganzes Waffenarsenal aus dem 3D-Drucker. Die predigen Datenschutz, hacken aber am laufenden Meter Unbeteiligte. Und so weiter. Darunter leidet die, eigentlich nicht schlechte, Story erheblich. Sie geht die in Mate-Strömen, hunderten von Fistbumps und hippem Getue unter.

Spielerisch hat sich wenig getan, aber das Rezept wurde verfeinert. Hacking steht nun als Mechanik im Mittelpunkt, Infiltrationen können auch pder RC-Dronen erfolgen. Das bringt Spannung rein, lässt aber den Waffengebrauch als mögliche Taktik noch befremdlicher scheinen. Jede Nebenmission hat was mit Hacking zu tun und bringt einen dem übergeordneten Ziel näher. Das dann am Ende leider sehr trivial ist.

Fazit: Watchdogs 2 ist besser als Teil 1, macht aber wenig Spaß. Dafür ist es zu glatt, zu hohl, zu unsympathisch.

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Machen:
Essen.
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Neues Spielzeug:
Das Kleine Gelbe AutoTM fordert Aufmerksamkeit in Form einer Inspektion, eines neuen Thermostats, neuen Temperaturfühlern, einem Luftmassenmesser und einer Lambdasonde. Jetzt läuft es wieder 1a, dafür ist das beste Feature überhaupt defekt: Die Sitzheizung will nicht mehr 😦

Mit anderen Worten: Einen Arsch voll Geld investiert und ´nen kalten Hintern bekommen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. Dezember 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: November 2016

Herr Silencer im November 2016
„Achtung, noch drei Montage bis Weihnachten!“ (Kalesco am 29.11.)

Wetter: Regen, grau, zu Monatsbeginn Temperaturen zwischen 3 und 8 Grad. Dann ein kurzer Absturz in den leichten Minusbereich, in der dritten Woche aber wieder trocken und mit 12 Grad mild. Am Monatsende dann wieder Temperatursturz auf Minus 8 Grad.

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Lesen:

Marc Elsberg: Blackout
In Europa fällt der Strom aus. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag, sondern wesentlich länger. Ein italienischer Computerexperte findet heraus, dass es sich um einen Angriff von Außen handelt. Jemand hat anscheinend die Smartmeter in Italien und Schweden verwendet um das Stromnetz zu sabotieren. Während Behörden und Unternehmen alles versuchen, um die Kraftwerke wieder ans Netz zu bringen, versinken die Länder in Chaos und Anarchie.

„Blackout“ ist eines der spannendsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Das liegt vor allem an dem stets spürbaren Zeitdruck. Die Kapitel sind mit „1. Tag, 2.Tag“, usw. üüberschrieben, und mit jedem weiteren Tag ohne Strom bricht die Gesellschaft weiter in sich zusammen. Was als Unannehmlichkeit beginnt, steigert sich schnell zur Existenzbedrohung. Ist an Tag 1 noch die schlimmste Konsequenz das Dinner bei Candlelight und ein wenig Ärger über nicht funktionierende Toiletten, Heizungen und Tankstellen, geht es ab Tag 3 zur Sache. Menschen kämpfen um Wasser und Benzin, in Krankenhäusern und Altenheimen wird Sterbehilfe geleistet, ohne funktionierende Melkmaschinen platzen Kühen die Euter. Ab Tag 5 werden Kernkraftwerke kritisch und Städte zu Seuchenherden. Autor Elsberg entwirft hier ein glaubwürdiges Katastrophenszenario, dass durch seine Details ebenso erschreckt wie fesselt – man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

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Hören:

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Sehen:


The Revenant
[Amazon Video]
1823. Leonardo di Caprio ist ein Trapper im Wilden Westen. Dort jagt er mit anderen Trappern Tiere, und die Indianer jagen die Trapper. Dann kommt auch noch ein Bär und reisst ihm die Gurgel raus. Der angekaute Trapper wird amtlich für tot erklärt und in der Wildnis zurückgelassen. Ist er aber nicht. Halbtot und mit offenem Hals robbt er sich während eines strengen Winters zurück in die Zivilisation.

„Revenant“ heißt auf Deutsch soviel wie „Wiedergänger“. Genau wie ein Untoter ist auch dieser Film dreckig und unhygienisch. Er stinkt geradezu durch die Leinwand, denn gefühlte drei Stunden lang gibt es hier nur Kälte, Schlamm, Scheiße und Blut. Die Entbehrungen bei den Dreharbeiten müssen enorm gewesen sein, da nur vor Ort und im Schnee gedreht wurde. Die Caprio bekam dafür endlich einen Oscar, aber ehrlich gesagt: Ihm dabei zuzusehen, wie er sich drei Stunden lang blutend durch Schnee und Dreck robbt, hat nur begrenzten Unterhaltungswert – wenn man nicht total voyeuristisch veranlagt ist.


Der Zauber von Malena
[DVD]
Sizilien, in den 1930er Jahren. Malena ist die schönste Frau im Dorf. Alle Männer sind verrückt nach ihr, aber sie lebt zurückgezogen und wartet darauf, dass ih Mann aus dem Krieg zurückkehrt. Als die Nachricht kommt das er gefallen sei, beginnen die Männer des Dorfes ihr „Angebote“ zu machen, während die neidischen Frauen Mutmaßungen und Gerüchte über Malenas Lebenswandel streuen und sie damit isolieren. Malenas Schönheit macht sie in den Augen der anderen zur Hure. Letztlich wird die schüchterne Frau dadurch in ein Leben gedrängt, das sie selbst hasst und alle anderen ihr ohnehin unterstellen. Das führt zu einem Ende, gegen das der „Walk of Shame“ in Game of Thrones Kindergarten war.

Ein seltsam Ding, dieser Film. Beginnt recht locker und ist lustig anzusehen, wie ein ganzes Dorf dem Charme von Monica Bellucci verfällt. Ab der Mitte wird es dann erst tragisch, dann dramatisch und endet schlimmer und gewalttätiger als der „Shame!“-Walk in Game of Thrones. Unverständlicherweise wurden dann noch leicht versöhnliche Szenen hinten drangeflanscht, aber die machen es nicht besser. Das alles aus der Perspektive eines pubertierenden Jungen erzählt wird, der zu Phantasien von Malena onaniert und dessen Tagträume sich mit der Realität vermischen, macht den Film nicht zugänglicher. Was bleibt? Ein leeres und trauriges Gefühl und die Erinnerung an schöne Bilder.


Der Butler
[Amazon Video]
Die Südstaaten der USA, in den 1920er Jahren: Der farbige Cecil Gaines wächst auf einer Baumwollplantage auf. Hier muss er mit ansehen, wie seine Mutter vom Besitzer der Plantage vergewaltigt und sein Vater erschossen wird. Cecil überlebt und bekommt sogar ein wenig Bildung, was ihm die Arbeit im Herrenhaus ermöglicht. Später wird er Portier in einem Hotel in Washington DC. Dort wird ein Rekruter des Weißen Hauses auf ihn aufmerksam und stellt ihn als Butler ein. Gaines dient den Präsidenten Eisenhower, Kenendy, Nixon, Ford, Carter und Reagan und bekommt unmittelbar und unverfälscht ihre jeweilige (Rassen-)politik mit.

Als Zuschauer erlebt man eine acht Jahrzehnte umspannende und wahre(!) Geschichte mit. Die beginnt in einer Zeit, in der Afroamerikaner keine Rechte hatten, als Sklaven gehalten wurden und die ohne Strafverfolgung jederzeit getötet werden durften. Sie endet mit dem ersten farbigen Präsidenten der USA. Erzählt wird diese Geschichte von einem Farbigen, der sie im Weißen Haus und durch seine Kinder erlebt. Denen steht er entfremdet gegenüber, denn mit den Forderungen nach Gleichberechtigung und Black-Panther-Aktionen kann er nichts anfangen.

Auf dem Papier hört sich das nach einem spannenden Film an, das stimmt aber nur begrenzt. Die Geschichte zieht sich sehr die 160 Minuten Laufzeit. Das liegt zum einen am Pacing, denn viel zu oft wird in Nebendramen der Familiengeschichte der Gaines umgeschnitten, was den Film auf der Stelle treten lässt. Das liegt aber auch an den Schauspielern. Der Film ist vollgepackt mit Stars, und das ist ein Fehler. Forest Whitaker guckt, wie immer, mit seinem einen Gesichtsausdruck waidwund in die Kamera. Als Cecil Gaines ist er eine Fehlbesetzung, und er spielt so, als ob er das auch weiß. Seine Ehefrau wird von Oprah verkörpert, die ihre Rolle nicht im Griff hat und für die sie deutlich zu alt ist – die 72jährige kann nicht mehr glaubwürdig eine Dreißigjährige spielen. John Cusack als Nixon gibt sich redlich Mühe, wird aber immer als „hihi, guck mal, John Cusack mit Gumminase“ in Erinnerung bleiben. Lediglich Alan Rickmann channelt einen glaubwürdigen Ronald Regan. In der Summe ist das schade, eine Verfilmung mit unbekannten und besser gecasteten Schauspielern hätte deutlich mehr Wirkung erziehlt. Unverständlich, warum man eine so wichtige Geschichte als Starvehikel aufzuziehen versucht.

The Grand Tour [Amazon Video]
Anfang 2015 wurde Jeremy Clarkson wegen tätlichen Angriff auf einen Assistenten seiner Show „Top Gear“ von der BBC gefeuert. Aus Sympathie gingen die Co-Hosts James May und Richard Hammond gleich mit. Während die BBC Top Gear mit einem Pumuckl und Joey aus „Friends“ rebootete, wurde es still um die drei Ex-Stars. Dann war zu vernehmen: Sie entwickeln eine neue Autoshow, und das für Amazon!

Nun sind Clarkson, Hammond und May sind zurück. Und wie! Die große Tour ein Mal um die Welt, jede Woche in ein anderes Land. Das Konzept ist großartig, die Einspieler schön gefilmt und die Moderation zum Umwerfen komisch. Die drei Moderatoren sind Freunde, die sich ständig vor der Kamera aufziehen, das ist der Reiz der Show. Dass das Budget sehr viel höher liegt als bei der BBC ist in jeder Szene zu merken. Das Team zieht um die Welt, jede Woche ist das Studio in einem anderen Land. Und die Aktionen der drei werden immer absurder. Zuletzt spielten sie auf einem Truppenübungsplatz einen Antiterroreinsatz nach, den sie immer wieder von vorne beginnen mussten, sobald einer von ihnen starb. „Wie in diesem Tom Cruise-Film…“ „Cocktail? Rain Man?“


Fantastische Viecher und wo sie zu finden sind
[Kino]
Ausführliche Besprechung hier.


Ostinato Destino – Hartnäckiges Schicksal
[DVD]
Signora Rambaldi ist tot – und mit ihren drei Kindern sehr unzufrieden, wie sie ihnen per Videobotschaft ausrichten lässt. Das millionenschwere Erbe soll nur antreten, wer innerhalb eines Jahres ein Kind zeugt. Das finden der ältere Sohn (homosexuell) und die Tochter (sterilisiert) zu Recht unfair und greifen ihrerseits zu unfairen Mitteln: Sie engagieren die schöne und vollkommen gefühlskalte Killerin Monica Belluci, die den jüngsten Sohn heiraten, mit ihm ein Kind zeugen und ihn dann töten soll. Als wäre dieser Plan nicht schon bescheuert genug, muss noch ein Embryo in einer Glaskugel großgezogen werde und die Zwillingsschwester der Killerin Plätzchen backen.

„What. The. Fuck.“, denkt man unweigerlich beim Sichten dieses absurden Films. Dieser üble Italo-Klamauk war tatsächlich nur in den 80er Jahren möglich, heute würde man schon aus Gründen des guten Geschmacks darauf verzichten einen solchen Unfug zu verfilmen. Einziger Lichtblick ist Monica Belluci in einer Doppelrolle als Todesengel mit Dominaappeal und ihrer herzensguten Zwillingsschwester, dank der es sogar ein Happy End gibt. Unbedingt meiden, diesen SChwachfug.

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Spielen:

Mafia III
1968: Lincoln Clay kommt aus dem Vietnamkrieg zurück und wird von seiner Familie freudig begrüßt. Seine Familie, dass ist eine Gang von Afroamerikanern, die für einen italienischen Mafiaboss ein Stadtviertel von New Orleans kontrollieren. Eines Tages hintergeht der Pate die schwarzen Kleingangster und bringt alle um. Lincoln überlebt das Massaker schwer verletzt und schwört Rache. Stück für Stück beginnt er die Mafia zu demontieren. Dabei ist er keinesfalls ein Engel, im Gegenteil: Er nutzt seine Verbindungen zum FBI um seine Gegner auszuforschen, schaltet sie aus und übernimmt dann selbst Glücksspiel, Drogen und Prostitution. So arbeitet er sich von den Unterbossen über die Capos bis zum Paten vor.

Was für ein faszinierendes Spiel: New Orleans mit seinen unterschiedlichen Stadtvierteln und dem Bayou ist eine faszinierende und detaillierte Kulisse, Lincoln Clay als farbiger Kriegsveteran eine interessante Figur und die Idee, die Mafia auszuschalten und damit ein eigenes, kriminelles Imperium aufzuziehen ist originell. Genauso wie der Blickwinkel, denn die Gschichte von Clay ist eine Rückblende, die in den 80ern von einem Staatsanwalt und einem Priester erzählt wird. Diese Erzählung funktioniert hervorragend. Was nicht funktioniert, ist der Open World-Ansatz, der gerade so angesagt ist. Sicher, New Orleans ist atemberaubend detailliert, aber die Tätigkeiten und Aufgaben darin sind repetitiv und öde. Das wirkt sich auf´s Gameplay aus: Viel zu viele Missionen erfordern immer wieder Fleissaufgaben, so dass sich das Spiel eher nach Pflichtarbeit anfühlt als nach Abenteuer. Die fehlende Schnellreisefunktion und die Notwendigkeit, rund 300(!) Einzelteile zur Aufdeckung der Karte zu finden, macht es da nicht besser. Ich behaupte mal: Wäre Mafia III nicht Open World, es wäre ein besseres Spiel. Schlecht ist es deshalb aber nicht. Die Storymissionen sind großartig, die Kulisse 1a, aus den Radios dröhnen Originalsongs von Jimi Hendrix, den Stones und anderen, Animation und Aussehen von Gesichtern in den Zwischensequenzen gehören zum Besten, was es gerade gibt. Genau das richtige für lange Winterabende. Sehr. Lange. Winterabende.

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Machen:
Besuch in Hamburg! Abendessen mit der Wunderbaren Welt des Wissens und der nicht weniger wunderbaren @FrauZimt. Achja, und Miniatur Wunderland, natürlich.

Außerdem: Ausrüstung saubermachen und einmotten.

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Neues Spielzeug:
Ein Skandika X-1000. Ich komme gerade nicht ins Fitnessstudio, und so kann ich wenigstens zwischendurch mal was wegradeln. Da Skandika ist sehr preiswert, ohne billig zu sein: die faltbare Konstruktion ist überraschend stabil und absolut lautlos.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
6 Kommentare

Verfasst von - 29. November 2016 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Oktober 2016

Herr Silencer im Oktober 2016
„Life is incredibly good“

Wetter: Der Oktober beginnt sonnig, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Herbst wird. Noch in der ersten Woche stürzen die Temperaturen von 16 auf Nachts 3 Grad ab. Die Motorradsaison könnte man jetzt beenden, aber ich bin ausser Landes. Dann der Schock: Im Ausland sind es abends noch 35 Grad, als ich in Berlin wieder aus dem Flieger klettere gerade mal 5. Ab jetzt ist es so richtig schmuddelig, kalt und nass bei 3-6 Grad. Zum Monatsende wird es mit bis zu 10 Grad wieder etwas wärmer, aber ohne Sonne ist alles grau und trüb. Ein goldener Oktober sieht anders aus.

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Lesen:

Ach, man kommt ja zu nüscht.

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Hören:
Lange Fahrten im Mietwagen bedeuten: Podcast-Zeit!

Schöne Ecken“ wandelt gerade auf den Spuren vergangener Reisetagebücher, die „Lage der Nation“ wird von Richter Ulf Buermeyer und Journalist Phillip Banse wöchentlich erläutert, und die „Teenagersexbeichte“ behauptet ein Lifestylepodcast zu sein, ist in Wirklichkeit aber die lustigste Mogelpackung seit Langem. Jeder einzelne, ernst vorgetragene Satz ist total überdrehter Nonsense. Würde Martin Sonneborn einen Podcast machen, er hörte sich so an wie die „Teenagersexbeichte“.

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Sehen:


Colonia Dignidad
[Amazon Video]
Chile, 1973: Pinochet putscht sich an die Macht und beginnt sofort mit Säuberungsaktionen. Daniel Brühl ist Friedensaktivist und daher einer der ersten, der von den Milizen verschleppt wird. Sein letzter One-Night-Stand, Emma Watson, versucht seiner Spur zu folgen. Die führt in eine Kolonie von Deutschen, die streng von der Außenwelt abgeschirmt ist. Die Bewohner der „Colonia Dignidad“ folgen den Geboten ihres Anführers, der über Religion und Gewalt absoluten Gehorsam erzwingt. Das Leben in der Kolonie ist hart, aber letztlich nur Kulisse. Die Wahrheit ist: Sowohl die Deutsche als auch die chilenische Regierung nutzen die hermetisch abgeschlossene Colonia Dignidad für ihre Zwecke.

Mir blieb beim Ansehen mehrfach der Mund offen stehen. Die Geschichte um Brühl und Watson ist fiktiv, aber die Colonia Dignidad gab es wirklich. Unter dem Anstrich strenger Religiösität verging sich der Anführer tausendfach an Kindern, in Kellerräumen mordete und folterte das Pinochet-Regime, Waffen wurden geschmuggelt und hergestellt. Und das Schlimmste: Die Deutsche Regierung deckte das nicht nur, sie arbeitete in den 70ern aktiv mit der Kolonieführung zusammen. Franz Josef Strauß lobte den Sektenführer sogar als vorbildlichen Deutschen.
Un-fass-bar.

Der Film ist toll ausgestattet und überragend gespielt – die 70er sind präsent und lebendig, und Brühl und Watson sind zwei der besten Schauspieler ihrer Generation. Unbedingt empfehlenswert.


Doctor Strange
[Kino]
Sherlock Cumberblotch bricht sich die Hände. Auf der Suche nach Heilung wird er nebenbei zum Zauberer ausgebildet und muss die Welt gegen Le Chiffre, den Rasenmähermann und den Angriff von lila Kaugummi verteidigen.

Das ein Film mit so wenig Substanz so gut funktioniert – das muss Magie sein! „Dr. Strange“ verlässt sich nur auf seine Protagonisten und die visuellen Effekte – und das klappt. Herausgekommen ist ein Superheldenfilm im Marvel-Universum, der sich anders anfühlt als alles im „Avengers“ Umfeld. Das liegt auch an den F/X, die hier nicht echt aussehen müssen (weil: Magie!), und so greift man in die Vollen: Gebäude drehen und verkrümmen sich, die Welt wird zu einem Panoptikum von M.C. Escher. Mittendrin stehen Herr Tilda Swinton, Chiwetel Eiffjodottir und Benewatch Cucumberdick und spielen Schau, das es eine wahre Freude ist.

Die Tonalität ist dabei viel ernster als von Marvel gewohnt und vielleicht auch der Grund, weshalb man dem Film verzeiht, dass er voller Anschlussfehler ist (obwohl: Vielleicht auch Magie??) und Dinge nur behauptet, aber das Gegenteil zeigt. Das passiert sogar beim Protagonisten: Obwohl der als helfender, brillianter und moralisch integrer Arzt gezeigt wird, wird der Film nicht müde zu behaupten, dass er ein egoistisches Arschloch sei. Den Beweis für diese These bleibt man aber schuldig, und da die gesamte Charakterentwicklung daran hängt, ist das schon ein dicker Klopfer.

Erzählerisch macht sich der Film die Gnade einer Origin-Story zunutze und kommt schon dadurch mit seiner, eigentlich lahmen, Geschichte davon. Ein zweites Mal wird dieser Trick aber nicht gelingen. Für den, im Abspann versprochenen, zweiten Teil braucht es dann aber definitiv mehr Geschichte und mehr Substanz – nochmal wird Magie „Dr. Strange“ nicht retten. Insgesamt aber ein unterhaltsamer und sehr guter Popcornfilm mit Szenen, die man so noch nicht gesehen hat.


Fargo
[Netflix]
Ein verschneiter Ort, irgendwo in Minnesota. Die Dorfpolizei hat eigentlich keinen Bock auf irgendwas, nur eine Polizistin hat genügend Ehrgeiz und Scharfsinn, in einem vermeintlichen Raubüberfall mit Todesfolge eine Mord zu sehen. Der Mörder ist der brave und linkische Ehemann. Und der hat noch ein anderes Problem: Er hat sich mit einem Profikiller angelegt.

Die Serie gibt es schon lange, nun bin ich auch dazu gekommen zumindest die erste Staffel zu schauen. Schöne Landschaftsaufnahmen im Schnee, skurrile Charaktere und großartige Schauspieler (u.a. Billy Bob Thornton und Martin Freeman!) und eine spannende Geschichte – da gucke ich sogar gerne eine Krimiserie.


Heroes Reborn
[Amazon Video]
Wir erinnern uns: Am Ende von 5 Staffeln „Heroes“ offenbarte Claire der Welt die Existenz von Menschen, die aufgrund von Evolutionssprüngen besondere Fähigkeiten haben. Damit endete der geheime Krieg, aber nicht die Probleme. „Heroes Reborn“ setzt einige Jahre nach dem Ende von Heroes an. Die Mutanten werden nun „Evos“ genannt, und von normalen Menschen gefürchtet und diskriminiert. Noah, der Mann mit der Brille, entdeckt eines Tages, dass sein Gedächtnis manipuliert wurde. Er versucht dem auf den Grund zu gehen, und deckt kurz darauf eine riesige Verschwörung auf.

„Reborn“ bietet eine Menge guter Ideen. Noah, eigentlich der Böse in der alten Serie, war schon immer einer der interessantesten Figuren. Hier ist er umgeben mit Charakteren, die zum Teil schon von Anfang an interessant sind, in jedem Fall aber potential haben. Die Geschichte ist komplex, verzichtet aber auf den verquasten Überbau an Esoterik und das Klammern an eine Zuspitzung auf Gut/Böse-Konflikte auf eine Person. Genau das war es nämlich was dafür sorgte, dass der Originalserie nach 2 Staffeln die Luft ausging und der Rest Grütze war.

Trotz interessanter Ansätze vergurkt es „Reborn“ leider in der ersten Hälfte. Die Geschichte beginnt nach kurzer Zeit zu mäandern und kommt nicht auf den Punkt, die Charaktere verlieren sich in uninteressanten Seitenästen der Story. Viel schwerer wiegt aber, dass das Ensemble deutlich verjüngt ist, weswegen „Reborn“ zeitweise nach Teenieserie aussieht. Richtig schlimm: Die Effekte sind anscheinend in Powerpoint und MS Paint gemacht wurden. „Heroes“ kam ja mit sehr wenig F/X aus, deutete Dinge an, ging dann off-screen und überliess es der Fantasie des Zuschauers die Lücken zu füllen. „Reborn“ begibt sich auf das dünne Eis, sehr viel zeigen zu wollen – und scheitert selbst an einfachen Dingen wie vernünftiger Beleuchtung bei Green Screen-Aufnahmen. In der Summe interessant, aber schwer erträglich – das ist das Fazit bis Folge 6 von 13.

Dann gibt es einen grandiosen Storytwist, und ab dem Moment ist „Reborn“ fast so gut wie die legendäre erste Staffel der Originalserie.
Wer „Heroes“ mochte muss „Reborn“ auch schauen, auch wenn die ersten 6 Folgen ein Krampf sind.

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Spielen:

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Machen:
Eine Reise, Juchee!

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Neues Spielzeug:

Die Lust, etwas in der Wohnung zu machen, ist wieder da. Also wird das Badezimmer nach schlappen eineinhalb Jahren endlich zuende gebaut, statt aus der Wand hängender Kabel und rasieren im Dunkeln gibt es nun einen Spiegelschrank.

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Außerdem angeschafft: Eine dicke „Canada Dreams“-Daunendecke und Microfleece-Bettwäsche. Endlich nicht mehr frieren im unbeheizbaren Schlafzimmer, jetzt kann der Winter kommen!

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 28. Oktober 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: September 2016

Herr Silencer im September 2016
Fokussiert.

Wetter: Der September schaltet sofort auf Herbst um. Eben noch sommerlich warm, fängt es pünktlich zum 01.09. an regnerisch, grau und kalt zu werden. Temperaturen um 12 Grad, Frühnebel, krächzende Raben, die Straßen voller Blätter: Fühlt sich an wie Herbst. Doch dann kommt der Hochsommer zurück, vom 6.-16. gibt es Temperaturen von z.T. über 30 Grad. Dann kühlt es ein wenig ab, aber auch in den letzten Wochen ist es mit viel Sonne und Temperaturen über 20 Grad eher Sommer als Herbst.

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Lesen:

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Hören:


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Sehen:


Better call Saul (S01, S02)
[Netflix]
Jahre später wird er als schmieriger Rechtsanwalt Saul Goodman in „Breaking Bad“ auftauchen, aber so weit ist es hier noch nicht. „Better call Saul“ findet 6 Jahre vor Breaking Bad statt und erzählt, wie aus dem aufstrebenden Rechtsanwalt James McQuill der zwielichtige Saul Goodman wird. Das tut die Serie unaufgeregt und mit großem Fokus auf die skurrilen Charaktere. Das Pacing ist ähnlich wie in BB: Ruhig, aber immer interessant, weil die Schauspieler den Freiraum haben ihre Charaktere mit Leben zu füllen. Sehr feines Stück und definitiv besser als erwartet.

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Spielen:

Deus Ex: Mankind Divided [PS4]
Die Zukunft in 10 Jahren: Durch neue Prothesentechnologien können Menschen wählen, ob sie der Evolution auf die Sprünge helfen. Nicht jeder, aber ein guter Teil der Bevölkerung ist bald auf die ein oder andere Art künstlich verbessert. Industriearbeiter bekommen von ihren Konzernen stärkere Arme transplantiert, IT-Leute lassen sich ein Computerinterface direkt in den Kopf einpflanzen. Die Gegner dieser „Augmentierungs“-Technologie sind teilweise radikalisiert und predigen vom „reinen Fleisch“. Dann kommt es zu einem Zwischenfall: Alle augmentierten Personen drehen gleichzeitig durch und töten. Dahinter steckt eine gewaltige Verschwörung.

Soweit die Handlung des Vorgängers „Human Revolution“. „Mankind Divided“ spielt zwei Jahre danach in Prag. Augmentierte Menschen sind mittlerweile gesellschaftliche Außenseiter, müssen in Ghettos leben und werden diskriminiert und schikaniert. Adam Jensen, selbst nach einem Unfall mit Prothesen ausgerüstet, ist in Prag Mitglied einer Antiterroreinheit. Als er mitbekommt, dass jemand den Augmentierten Terroranschläge in die Schuhe schieben will, wird seine Loyalität auf eine harte Probe gestellt – denn anscheinend ist es in Wahrheit die Polizei selbt, die Bomben legt.

Sehr feines Spiel. Im zweiten Anlauf hat Square Enix die Neuauflage von Deus Ex gut hinbekommen. Das Prag der Zukunft ist beeindruckend designt, die Hintergrundgeschichte sinnvoll, das Gameplay fast perfekt. Je nach Vorliebe lassen sich alle Missionen entweder als Stealth- oder als Egoshooter spielen. In meinem Spieldurchlauf habe ich nicht eine Person umgebracht – auch das ist möglich und macht, anders als bei „Splinter Cell“, viel Spass. Denn in DE:MD gibt es das ALLERERSTE MAL ÜBERHAUPT in Videospielen ein funktionierendes und intuitives Schleichsystem. Das ich das noch erleben darf!

Perfekt ist „Mankind: Divided“ aber nicht. Verschwörungstheorien, die Stärke der Urspiele, kommen wenig vor, Illuminaten werden nur am Rand erwähnt und sind quasi nur ein Running Gag. Da ist es um so bedauerlicher, dass das Spiel mit einem üblen Cliffhanger in der Verschwörungsecke endet. Es bleibt das Gefühl, einen Prolog oder nur ein erstes Kapitel gespielt zu haben. Technisch gibt es wenig zu meckern, nur die Ladezeiten sind viel zu lang. Manchmal spielt man nur 30 Sekunden, bevor man neu laden muss Das dauert dann aber 45 Sekunden – schon schlecht, wenn man die Hälfte der Spielzeit nur auf Ladebildschirme guckt.

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Machen:
Viel Arbeit, aber auch nochmal den ein oder anderen Motorradausflug. Dafür komme ich blogmäßig zu nix, der Trailer zur neuen Staffel Reisetagbuch wird einfach nicht fertig.

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Neues Spielzeug:
Kein Spielzeug, sondern unlustige Geldausgaben in diesem Monat: Neuer Anzug, neue Jeans. Muss halt auch mal sein.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. September 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: August 2016

Herr Silencer im August 2016
DumdiDum.

Wetter: Total pervers: Nachts einstellige Temperaturen von bis 7 Grad, tagsüber dann fast 25 Grad. Dabei aber fast den ganzen Monat trocken. In der vorletzten Woche dreht der Hochsommer auf und liefert tagsüber 35 Grad, nach Starkregen geht es dann mit 12/28 Grad weiter.

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Lesen:

Ernest Cline: Ready Player One
Die Zukunft. Alle Menschen hängen an einem 3D-Facebook, dessen Schöpfer irgendwo einen Schatz versteckt hat. Den findet nur, wer alle möglichen 80er-Jahre-Eastereggs versteht.

Von Kritik und Leserschaft für seine Hommage an die 80er gefeiert, erweist sich „RP1“ schnell als one-Trick-Pony, denn mehr als 80er Jahre Nostalgie bleibt kaum. Für die Vorstellung des Grundsettings, einer Schnitzeljagd in der virtuellen Welt OASIS, wird fast 1/5 des Buchumfangs als Exposition verschwendet. Danach schleppt sich die Handlung dahin und verstrickt sich immer wieder in ausschweifender Prosa. Wieviel besser (und kürzer) das Buch mit der harten, kurzen und präzisen Sprache eines William Gibson gewesen wäre, lässt sich nur erahnen. Bin erst zur Hälfte durch, bislang ist es liest es sich aber zäh und ist für meinen Geschmack zu sehr verhaftet in der 8-Bit-Heimcomputerära der 80er. Deren willkürliche Referenzen nerven.

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Hören:

Tarja: The brightest Void und The Shadow Self [iTunes]
Erst jahrelang kein neues Studioalbum, und nun gleich zwei in kurzer Folge? Fast. „The shadow Self“ ist wirklich ein neues Album mit ausgesuchten Songs und Texten. Roher und wieder stimmgewaltiger als die überproduzierten Vorgänger und dadurch das beste Tarja-Album seit Langem.

„The brightest Void“ hingegen ist Tarjas Resterampe. Alles, was nicht gut genug für „Shadow Self“ war und eigentlich weggeschmissen gehört, hat man in ein eigenes Album gepackt. Das ist seinen Preis nicht wert. Hier wird versucht, die Reste vom Boden des Schneideraums zu verhökern, und so hört sich der seichte Mischmasch auch an.

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Sehen:

Dexter, S.7 & 8 [Netflix]
Dexter Morgan ist ein sozial gut funktionierender Psychopath und Serienkiller. Er bringt nur andere Serienkiller um, und davon gibt es in Miami viele. Als er sich in eine Giftmischerin verliebt und seine Vorgesetzte hinter seine Machenschaften kommt, wird nicht nur Dexters Verhältnis zu seiner Schwester auf eine harte Probe gestellt.

Eigentlich hatte ich angenommen das „Dexter“ zu lange lief. Dem ist aber nicht so, in den letzten beiden Staffeln wird nochmal ordentlich auf- und am Rad gedreht. Mit hervorragenden Charakteren wie dem George-Clooney-Lookalike Isaak oder Charlotte Rampling als Dexters „Schhöpferin“. Eingige Wendungen sind total überdreht, mangelnde Spannung kann man der Serie aber nicht vorwerfen. Umso seltsamer ist es, auf was für einer bittersüßen und wenig dramatischen Note sie endet. Als wäre den Machern am Ende der Mut ausgegangen.


Ghostbusters
[Kino]
Weibliche Ghostbusters, doofe Männer. Muss man nicht gut finden, kann man aber – und dabei lachen. Der Film ist viel besser als ihn viele gemacht haben. Besprechung siehe hier.

Batman V. Superman [X]
Aus nicht nachvollziehbaren Gründen will Batman dem Dings ans Leder. Die Auseinandersetzung dauert 8 Minuten, der Film drei Stunden, kann man sich ausrechnen wie gut das funktioniert.

Ich hatte Batman V. Superman nach den ersten Reviews boykottiert. Meine Verweigerung an der Kinokasse sollte Warner Bros. signalisieren: So nicht! Nehmt dem Eulenfilmman bitte das DC-Universum weg! Zack Snyder ist der Anti-Midas!

Scheint leider nicht gefruchtet zu haben, er darf auch die „Justice League“ gegen den Baum fahren. Das Grundproblem aller Snyderfilme, das ich seit Jahren anprangere: Er denkt nur in Momenten. Dagegen interessieren ihn Szenen, Story oder Charaktere überhaupt nicht. Für Snyder ist nur wichtig, dass ein Moment in dramatischen Bildern dargestellt wird. Dabei kommt dann sowas raus wie ein schießener und tötender Batman, saudumme Hauptfiguren (ich sage nur: Martha) und in der Summe einfach strunzdumme Filme, die überhaupt keinen Spass machen. Watchman, der Eulenfilm, Man of Steel, nun Batman v. Superman, demnächst die Justice League – alles, was Snyder anfasst, wird zu Scheiße.


Suicide Squad
[Kino]
Noch ein Trottelfilm aus dem Warner Bros-Irrenhaus, bei dem Der Eulenfilmmann mitgeredet hat. Nicht ganz so eine Katastrophe wie BvS, aber dennoch bitte weiträumig umfahren. Besprechung hier.

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Spielen:

Dragon Age: Origins [XBOX 360]
Das Land Ferelden: Die Grey Wardens, eine kleine Bruderschaft von Kämpfern, verteidigt die Welt gegen fiese Ekelviecher aus anderen Dimensionen. Dann werden sie verraten, und nur der Spieler bleibt übrig, um eine neue Allianz der zerstrittenen Völker zu schmieden, den Ruf der Grey Warden wieder herzustellen und die Welt vor den Drachen zu retten.

DA:O lag hier schon Ewigkeiten auf dem Pile of Shame. Im Fahrwasser des großartigen „Witcher 3“ habe ich mich nun an das als episch geltende Dragon Age gewagt und bin damit knap zur Hälfte durch. Leider merkt man „Origins“ sein Alter deutlich an. Beim Erscheinen vor 7 Jahren war das Spiel wohl bombig, mittlerweile sind die Grafik total veraltet, die Bedienung ist fummelig und unintuitiv, das Inventar geht heutzutage problemlos als Frechheit durch und die Userexperience ist inkonsistent. Als Spieler wird man von Optionen erschlagen, dabei bleibt vollkommen unklar, was eigentlich relevant ist. Muss mein Zauberer Dinge craften können? Benötigt der Kämpfer wirklich Taktiken, oder reicht Zweihandkampf? Wozu dient Herbalism, wenn es doch nie eingesetzt wird?

Nicht gealtert ist der tolle (englische) Voicecast und die fein ausgearbeitete Geschichte, von der leider immer wieder durch die tumben Nebenquests abgelenkt wird. Auch der Schwierigkeitsgrad ist extrem unbalanciert, immer wieder musste ich auf „leicht“ zurückschalten, weil manche der nicht-umgehbaren Kämpfe einfach zu schwer waren.

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Machen:
Motorrad-Perfektionstraining in Gründau. Affenwald besuchen. Seit langer Zeit mal wieder im Kino gewesen, und das gleich zwei Mal.

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Neues Spielzeug:
Einen Sumo und einen Bilderrahmen

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
2 Kommentare

Verfasst von - 31. August 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Juli 2016

Herr Silencer im Juli 2016

Wetter: Warm, sonnig, trocken.

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Lesen:


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Hören:

2016-07-31 16_36_06-Starten
André Peschke, Christian Schmidt auf ein Bier – 10 Jahre klüger [Podcast]
Was für Themen haben die Gamesszene im Juli 2006 bewegt? Wie bewertet man die heute, 10 Jahre später? Gab es Trends, die erkennbar waren? Oder krasse Fehleinschätzungen? Warum war „Prey“ wichtig, wohin ist die Debatte um Spielesucht verschwunden, und: Funktionieren Episodenspiele wirklich nicht?

Branchenspezialisten André Peschke (ehemals Krawall, später Gamestar) und Christian Schmidt (früher Redakteur Gamestar, heute Analyst bei Bigpoint) unterhalten sich angenehm unaufgeregt, kenntnisreich und mit analytischer Tiefe, und auch nette Anekdoten gibt es. Peschke stellt sich dabei als idealer Partner für Schmidt heraus, der Gedanken weiterspinnt, reflektiert und eigenes hinzufügt – anders als im Schwesterpodcast „Stay Forever“, bei dem Schmidt Gunnar Lott gegenüber sitzt, der immer so wirkt, als wäre er gerade aus dem Tiefschlaf erwacht und habe nicht wirklich aufgepasst.

[Nachtrag] Tatsächlich probieren Lott und Schmidt dieses Konzept in der neuesten Folge von „Stay Forever“ gemeinsam aus. Und es funktioniert tatsächlich nicht so gut wie mit Peschke, vielleicht, weil es zu oft um Layout und andere technische Aspekte von Gamestar geht, und weniger um Spielethemen.

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Sehen:
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Stranger Things [Netflix]
Eine generische, amerikanische Kleinstadt in den 80ern. Ein 12jähriger Junge verschwindet auf dem nächtlichen Nachhauseweg. Seine Freunde machen sich auf die Suche und finden eine gleichaltrige Ausreißerin. Die spricht nicht viel und hat keinen Namen, nur eine Nummer: 11.
Elevens Auftauchen ist nur der Beginn einer Serie unheimlicher Ereignsse, in die schnell nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern verstrickt werden – allen voran Winona Ryder, die Mutter des verschwundenen Jungen. Die wagt sich sogar in die Twilight Zone.

„Wenn Winona Ryder spielt, sieht man ihre Seele auf ihrer Haut“. Das hat in den späten Neunzigern ein Kritiker gesagt, und damit hatte er völlig recht. In „Stranger Things“ sieht man von Ryders Riesentalent leider nur Restspuren. Nach ihrer fast 10jährigen Abwesenheit aus dem Filmgeschäft ist sie immer noch gut, aber leider ist ihre Rolle als Mutter am Rande des Wahnsinns so hysterisch geschrieben, dass unter der 80er-Jahre-Wischmop-Frisur die unglaubliche Begabung der Frau R. nur selten sichtbar wird.

Das ist schade, denn letztlich sind es die Schauspieler, die diese achtteilige Netflixserie, die jetzt schon das Sommerphänomen 2016 ist, tragen. Ohne die Glanzleistungen des sorgfältig zusammengestellten Casts würde die Serie nach einer halben Stunde hinten und vorne auseinanderfallen. Der Plot ist naiv und simpel, der Retrocharme trägt nur eine halbe Stunde, aber die Leistungen der Schauspieler bleiben im Gedächtnis. Insbesondere die 18jährige Natalia Dyer (die man kennen könnte, hätte man „Hannah Montana – der Film“ gesehen hätte) liefert beeindruckend ab.

„Wie ein Destillat aller Spielberg-Filme“ sei Stranger Things, liest man allerorten. Das stimmt nur soweit, als das die Optik und die Protagonisten über weite Teile an „E.T.“ erinnern. Die Ähnlichkeiten erschöpfen sich aber recht schnell, und wer sich die Mühe macht und etwas genauer hinguckt, sieht, wie hier Dutzende Popkulturelle Referenzen verschiedener Dekaden verquirlt werden, von Filmen wie „Contact“, „Poltergeist“, „Goonies“ oder „Alien“ bis hin zu Spielen wie „Silent Hill“. Ist aber letztlich alles Wurst, weil: Winona Ryder.


Star Trek Beyond
[Kino]
Der Weltraum, unendlich langweilige Weiten. James T. Kirk hat die Hälfte der 5-Jahres-Mission abgerissen und keinen Bock mehr mit der Enterprise durchs All zu segeln und seltsame Kulturen ausfindig zu machen. Zu seinem persönlichen Glück spratzt ein extrem hässlicher Außerirdischer die Enterprise kaputt und die Crew strandet auf einem hässlichen Planeten. Dort darf Kirk Moppedfahren.

Simon Pegg (Shaun of the Dead, Hot Fuzz) hat eine sehr schöne Story geschrieben, die Justin Lin (Fast & Furios) in schnellen und furiosen Bildern verfilmt hat. Die Optik ist stellenweise wirklich atemberaubend mit Bildern, die man so noch nicht gesehen hat. Manchmal wirkt alles etwas zu hektisch und verdichtet, denn zum Luftholen bleibt nie Zeit, aber das tut der Freude über einen gut unterhaltenden Film keinen Abbruch.

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Spielen:

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The Witcher 3: Blood & Wine [PS4]

Geralt von Rivia, Monsterjäger for hire, zieht einsam durch die verheerten Landstriche von Nilfgaard, als ihn ein Ruf erreicht. Die Baronessa von Toussaint benötigt seine Dienste, unverzüglich. Der Witcher zögert nicht und macht sich auf die Socken. Die Baronie ist weit von den Kriegsgebieten entfernt, die in Armut und Zerstörung liegen. Toussaint ist sonnendurchflutet und geprägt von malerischer Landschaft. Weinberge, gepflegte Ortschaften, märchenhafte Schlösser werden von edlen Ritter in strahlenden Rüstungen verteidigt. Aber unter der Oberfläche lauern alte Geschichten, die begonnen haben, ihre Klauen nach Toussaint ausstrecken. Der Witcher macht sich an die Arbeit, und stößt schnell auf mehr als nur eine Tragödie.

„Blood and Wine“ ist der Abschluss von „The Witcher 3“. Und was für einer. Der DLC bringt neue Grafiken, neue Spielmechaniken, rund 90 Nebenquests und vor allem: Eine überaus befriedigende Geschichte. Gleich zu Beginn bekommt Geralt ein Weingut übereignet, dass man zu einem echten Zuhause ausbauen kann. Am Ende der Story laufen dann alle Fäden zusammen, und als Spieler kann man mit dem immanent guten Gefühl abschließen, dass Geralt sich jetzt inmitten lauschiger Weinberge und an der Seite seiner Liebe zur Ruhe setzen kann. Kann es einen schöneren Abschluss geben? Rund 30 Stunden Spiel bekommt man für die 14,99 Euro, die man im Seasonpass bezahlt. Unbezahlbar ist das Gefühl, mit dem Blood & Wine einen in dem Moment entlässt, in dem Geralt grummelt „Wir haben uns eine Pause verdient“ und mit einem Seitenblick direkt in die Augen des Spielers die vierte Wand einreisst.

„You deserve a bit of a Rest“ – „That, we do“.

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Machen:
Das Motorrad wieder auf die Beine, äh, Räder bringen.

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Neues Spielzeug:
Ein Fivestars Träger, Angel GTs (der zweite Satz in diesem Jahr!), ein N104 mit einem B5L.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Juli 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Juni 2016

Herr Silencer im Juni 2016
„You MUST be kiddin´ me!

Wetter: Schlimm. Kann man nicht anders sagen. Den ganzen Monat über Europa verteilt Starkregenfelder, so schlimm, dass ganze Orte weggeschwommen sind – während im Nachbardorf die Sonne schien.

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Lesen:

Peter Mayle: A Year in Provence [Kindle]
Das Jahr 1987: Der Engländer Peter Mayle kauft ein Haus in der Provence und zieht dort ein. Stück für Stück entdeckt er, wie Frankreich „unter der Haube“ so läuft. Bürokratie, Träume von Hinterwäldlern, ein immobiler Problemtisch, Wein und der Mistral sind nur einige Eigenheiten seines neuen Heimatlandes. Und dann ist da noch die Feststellung, dass französische Renovierungsarbeiten ablaufen wie ein Stellungskrieg: Erst passiert ganz viel auf einmal, dann lange Zeit nichts.

Das Büchlein wurde mir von einer leidgeplagten Deutschen in Frankreich empfohlen. Tatsächlich liest es sich fluffig und sehr witzig, auch wenn das erste Jahr im eigenen Haus in der Provence den Mayles sicher eine Menge Geduld abverlangt haben muss. Das Buch erschien schon vor über 20 Jahren und wurde damals so dermaßen zum Kult, dass Mayles am Ende wieder aus der Provence wegziehen musste, weil sein Haus dauernd von Fans umlagert war.

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Hören:

Heinz Strunk: Junge rettet Freund aus Teich [Hörbuch]
Mathias wächst in den 70ern in Harburg auf. Dönekens, Schulsorgen und Omas Kuchen begleiten ihn, später auch die Sorge um seinen dementen Großvater und seine depressive Mutter.

Vermutlich eines der persönlichsten Bücher von Strunk, der im wirklichen Leben tatsächlich Mathias Halfpape heisst. Die Geschichte beginnt, bevor Matthias eingeschult wird und endet kurz vor der Volljährigkeit. „Fleisch ist mein Gemüse“ ist dann praktisch die Fortsetzung. Wie in seinem größten Erfolg verarbeitet Strunk auch hier persönliche Einsichten, teilabsurde Dialoge und vor allem: Sehr genaue Beobachtungen. Jeder, der in den 70ern und 80ern aufgewachsen ist, wird beim Hören Erinnerungen aus seiner eigenen Kindheit vor Augen sehen. Werke von Strunk sollte man nie lesen, sondern immer in der Fassung hören, die der Autor selbst liest. Das Nuscheln und leiern seines Harburger Akzents macht das Hörbuch zu etwas Besonderem.

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Sehen:

Game of Thrones Season 6 [Amazon]
Jon liegt tot im Schnee, ein Mädchen hat keinen Namen und der Winter ist da. Hodor!

Was für eine Staffel – vielleicht die bislang beste. Natürlich ist nicht jede der 10 Episoden gleich stark, aber der Großteil bläst einen einfach nur weg. Das liegt an starken Szenen, die toll inszeniert und getrickst sind. „GoT“ erklärt seine Handlung nicht in Dialogen, es zeigt die Handlungen, oft ohne Worte oder Erklärungen. Dadurch wirken viele Ereignisse umso eindrücklicher und nehmen emotional mit. Am Ende der Staffel stehen alle Schachfiguren auf dem Brett – in der nächsten Staffel beginnt der War of Thrones. Leider ist die noch 42 Wochen hin.

Captain Future [DVD]
Curt Newton ist Wissenschaftler und auch als „Captain Future“ bekannt. Gemeinsam mit Greg, dem Roboter, Otho, dem Androiden und Simon Wright, dem lebenden Gehirn, erlebt er Abenteuer im Weltraum. Mal muss ein Planet gerettet werden, der schon vor Millionen von Jahren zerstört wurde, mal muss er einen flüchtigen Verbrecher ins Innere eines Edelsteins verfolgen, mal in eine Sonne flüchten.

„Captain Future“ war DIE Serie für mich, als ich ungefähr 5 war. Weltraum! Wissenschaftler! Abenteuer! Roboter! Tatsächlich kann man die Serie auch heute noch sehr gut schauen. Die Geschichten sind clever und gut erzählt, der nachträglich für Deutschland komponierte Soundtrack ein Meisterwerk. Besonders positiv: Die Helden sind Forscher und versuchen Probleme immer friedlich zu lösen, wenn das möglich ist. Und: Zu vielen der Weltraumphänomen gibt es ein Voiceover, dass die wissenschaftlichen Grundlagen erläutert. Das ist intelligente TV-Unterhaltung für Kinder!

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Spielen:

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Machen:
Motorradfahrt durch Europa.
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Neues Spielzeug:
Neue Tischwäsche! Kein Spielzeug im engeren Sinn, macht mich aber trotzdem glücklich, weil: Extrem schön.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. Juni 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Mai 2016

Herr Silencer im Mai 2016
Ich fand das „Happy Chewbacca“-Video nicht lustig. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?

Wetter: In der ersten Monatshälfte warm, kurz sogar hochsommerlich, mit Temperaturen um die 26 Grad. Nach zwei Tagen dann der Absturz wieder in den einstelligen Bereich, mit Heizung an und so. Insgesamt viel zu trocken, Waldbrandgefahr. Nur in den letzten Maitagen wird es noch mal ordentlich warm, dann gibt es aber gleich Gewitter und Starkregen.

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Lesen:

Eoin Colfer: The Hangman´s Revolution [Kindle]
Nach dem Zeitreiseausflug ins viktoriansche England kommt FBI-Agentin Chevron zurück in die Gegenwart. Eine Gegenwart, in der ihr Gegenspieler, der abtrünnige Special Forces Colonel Box, als Gott verehrt wird und ein globales Imperium aufgebaut hat. Also zurück in die Vergangenheit und verhindern, dass Soldaten aus dem Jahr 2016 den Grundstein für die Weltherrschaft im London des 19. Jahrhunderts legen.

So langsam wird klar wohin Colfer mit dieser Serie will. Und die Idee ist wirklich originell. So düster und teilweise grausam verdreht die Story ist, eignet sie sich für Erwachsenenliteratur ab 18. Dummerweise ist Colfer auf ein jüngeres Publikum festgelegt und streut darum immer wieder Kinderdarsteller ein. Das tut der Geschichte genauso wenig gut wie ihre Lahmarschigkeit. Viel zu lang werden hier innere Monologe in 19–Jahrhundert-Englisch beschrieben, viel zu umständlich werden Szenen inszeniert. Das Buch ist für den Inhalt mindestens 50 Prozent zu lang. Selten haben ich mich bei Colfer gelangweilt, hier ist es soweit.

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Hören:

Medienkuh [Podcast]

Herr Körber und Herr Hammes sind beide medienaffin und unterhalten sich über die Szene. Das tun sie ebenso kenntnis- wie temporeich, mit vielen Einblicken in die Hinter- und Untergründe insb. des Fernsehens.

Den Podcast gibt es schon ewig, bislang hatte ich den aber igrnoriert. Mein Fehler. Er ist spitze und hat es auf Anhieb in die Top3 meiner wöchentlichen Podcasts geschafft.

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Sehen:

Captain America: Civil War [Kino]
Robert Downey Jr. gefällt Steve Rogers Nase nicht, darum gibt´s auf die Ommel.

Gut, die Beschreibung ist jetzt arg kurz für einen Zweieinhalbstundenfilm. Tatsächlich nehmen sich die Regiegebrüder Russo viel Zeit, um den Konflikt herzuleiten. Das tut dem Ganzen gut, die Geschichte ist komplex und kann auch schon verwirren, wenn man mal nicht aufpasst. Definitiv kein Blockbuster zum Hirn abschalten. Die Charaktere werden zum Teil sehr gut ausgearbeitet und vorangetrieben (Cap und Iron Man), zum Teil telefonieren die Schauspieler ihre Rolle auch nur durch (erschreckend langweilig: Daniel Brühl als Baron Zemo). Aufgrund der ähnlichen Thematik könnte man sagen, „Civil War“ ist der bessere „Batman v. Superman“. Außerdem bündelt er die Essenz der vorangegangenen Filme und legt Grundsteine für die nächsten. Ein Knoten- und Wendepunkt im Marvel-Leinwanduniversum. Allerdings bleibt er gegen Ende erstaunlich Mut- und Konsequenzlos, was einen faden Geschmack zurücklässt.

The Night Manager [Amazon Prime]
Tom Hiddleston arbeitet als Nachtmanager in einem Hotel. Als Dr. House seinen One-Night-Stand umbringt schwört er Rache. Dummerweise ist House internationaler Waffendealer. Glücklicherweise ist Loki Ex-Marine oder sowas, kennt keine Skrupel und wen beim britischen Geheimdienst. Dummerweise steckt der bis zum Hals im Rektum der Amerikaner, die den Waffenhändler brauchen. Glücklicherweise gibt es eine 1,90 Meter-Blondine, die Cocktailkleider trägt. Dann machen Dinge Bumm.

Es ist die Zeit der Miniserien. Acht Folgen, wie schon bei „Der Anschlag“, bieten mehr Raum als ein Spielfilm, um Charaktere zu entwickeln und Geschichten zu erzählen. Die Story kann dabei gleichzeitig besser kondensiert werden als bei herkömmlichen Serienformaten mit 22 Folgen. Dennoch fühlt sich „Night Manager“ so an, als wäre die Serie zu lang. Das liegt auch an dem typischen John Le Carre-Ballast mit langwierigen Expositionen um Anwälte im Geheimdienstapparat. Die Geschichte kommt erst nicht aus dem Quark, hängt in der Mitte und am Ende passiert auch nicht viel. Warum man sie trotzdem gut ansehen kann: Die Locations (London, Istanbul, Kairo) sind schön in Szene gesetzt, die Kameraarbeit super, und die Schauspieler einfach großartig. Der sonnenverbrannte Tom Hiddleston macht eine gute Figur, Hugh Laurie kann als gerissener Verbrecher noch sadistischer sein als in „House“ und die Blonde trägt ihre Cocktailkleider mit großer Eleganz. Wenn man ohnehin Amazon Prime hat: Angucken.

24 – Live another day [Amazon Prime]
Jack Bauer rettet den Tag, diesmal durch Vereitelung eines Terroranschlags in London.

Ach, was soll man dazu noch sagen? „24“ war in seiner ersten Staffel die innovativste TV-Serie seit „Twin Peaks“. Eine schnell und spannend erzählte Geschichte, interessante Figuren. Im Verlauf der nächsten Staffeln verkamen die Figuren zu Karikaturen und die Serie insgesamt zu reaktionärem Mist und feuchtem Traum von Republikanern. Folterung wurde als legitime und dauernd angewendetes Mittel zur Informationsbeschaffung präsentiert, Jack Bauer überlebte Atomschläge, Vergasung und Schlimmeres, und die Bösen sind meist die Muslime.

So auch in der 9. Staffel, die nicht mehr aus 24, sondern nur noch aus 8 Folgen besteht. Das ist auch gut so, denn selbst die sind schwer zu ertragen. Jack Bauer und Chloe O´Brian nuscheln und motzen sich durch eine hanebüchene Handlung als wollten sie hier Satire abliefern, Jack überlebt einen Raketeneinschlag und die Böse ist diesmal zwar Britin, trägt aber einen arabischen Nachnamen und wurde von ihrem Ehemann, einem Muslim, indoktriniert. Noch Fragen? Diese Serie bitte ab Staffel 3 weiträumig umfahren, das ist ganz großer Mist. Da reisst es selbst London als Kulisse nicht raus.

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Spielen:

Uncharted 4 [PS4]
Nathan Drake hat sein Abenteuerleben an den Nagel gehängt. Statt Schätze zu bergen sitzt er in einem Reihenhaus neben Elena auf der Couch. Der Versuch normales Leben zu simulieren wird jäh unterbrochen, als sein Bruder Sam auftaucht. Der sollte eigentlich tot sein und wird das auch in Kürze sein, wenn er nicht einen legendären Piratenschatz findet. Was natürlich nur mit Nates und Sullys Hilfe geht.

Die letzten beiden „Uncharted“-Teile waren die besten Action-Adventures, die es PS3-exklusiv gab. Ein vierter Teil wurde schon für 2013 erwartet, zum Start der Playstation 4. Daraus wurde nichts, und dann geriet die Kreativmannschaft mit dem Abgang von Lead Writer Amy Henning und Regisseur Justin Richmond in heftige Schieflage, denn ohne diese beiden war ein „Uncharted“ schwer vorstellbar. Richten sollten es Straley und Druckmann, die gerade „The Last of Us“ abgeschlossen hatten und damit erzählerisch Maßstäbe gesetzt hatten. Zwei Jahre lang wurde alles umgeschmissen und neu entwickelt (zumindest hat es den Anschein), und was dabei herausgekommen ist, ist… Wahnsinn.

Noch nie hat es bislang ein Spiel gegeben, was so gut aussah. Egal ob Schottland oder Madagaskar, Wüste oder Urwald, die Grafik ist nahezu fotorealistisch und die Anzahl der verbauten Assets unvorstellbar hoch. Ich habe nicht EIN Hintergrundelement in der riesigen Welt entdeckt, wo sich Bausteine wiederholt hätten. Die Charaktere sind unglaublich detailliert: Haut schimmert transparent im Sonnenlicht und schwitzt, auf Pulloverstoff sind Fusseln aus der Waschmaschine zu sehen.

Die grafische Pracht ist das eine, was einen wirklich umhaut ist die Geschichte. Wirkten Uncharted 2 und 3 machmal so, als habe man coole Actionpieces notdürftig mit ein wenig Story aneinandergeklebt, ist bei Uncharted 4 alle aus einem Guß. Die Geschichte entwickelt sich glaubwürdig, und mit ihr adrenalintreibende Actionsequenzen und die Beziehung der Charaktere untereinander.

Oh, die Charaktere. Definitiv, wie bei „the Last of Us“, das Highlight. Nathan und Elena, Sam und Sully – ihnen wird genug Zeit und ruhige Momente eingeräumt, dass man als Spieler mit Ihnen fühlen kann. Die bessere Grafik hilft dabei, das zu transportieren – wenn Elena entdeckt, dass Nate sie hintergangen hat, kann man an ihren Augen des exakten Moment ablesen, in dem ihr Herz bricht. Auch der Abschluss ist rührend. Es ist zu merken, dass Naughty Dog die Geschichte von Nathan Drake abschließen möchte – und tut das auf respektvolle und herzergreifende Art, aus der man als Spieler zutiefst zufrieden herausgeht.

„Uncharted 4“ ist erzählerisch und optisch eines der besten Spiele das bislang gemacht wurde. Wer eine PS4 hat und Action nur ein wenig mag, kommt darum nicht herum.

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Machen:
Reisevorbereitungen. Routen austüfteln, Sehenswürdigkeiten suchen. Und Sport machen. Erfolgserlebnis: Fünf Kilogramm weniger in den letzten 8 Wochen weniger und wesentlich kräftiger untwerwegs.

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Neues Spielzeug:
Da gab es so einiges. Eine Garmin Virb XE, eine Lumix TZ61 Kamera, ein AEG Autoradio und diverser Kleinkram für die Motorradtour. Dazu neue Stiefel, ein Steißbeinprotektor, was man halt so braucht. Und unsexy Investitionen in das Motorrad: Reifen, Bremsen, Inspektion. Aber nun kann es wieder losgehen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Mai 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: April 2016

Herr Silencer im Apri 2016
Tick-Tock, Alice, die Zeit rennt!

Diesen Monat zu nichts gekommen, selbst der Medienkonsum ging gegen Null. Demonstrativ nicht im Kino gewesen, um ein Zeichen gegen den „Batman v. Superman“-Unfug des Eulenfilmmannes zu setzen.

Wetter: Kalt, in der ersten Monatshälfte mit wenigen Ausnahmen einstellige Temperaturen, dazu Regenschauer und Sonnenschein. In der zweiten Monatshälfte kommt der Winter nochmal ganz zurück: Temperaturen um den Gefrierpunkt, Schneeschauer, glatte Straßen.

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Lesen:

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Hören:

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Sehen:

Agents of S.H.I.E.L.D, Season 2
Nach den Ereignissen des Kinofilms „Winter Soldier“: SHIELD ist nicht mehr. Der Megageheimdienst war seit dem zweiten Weltkrieg von einer clandestinen Naziorganisation namens HYDRA unterwandert worden, das ist nun spektakulär aufgeflogen.

Agent Coulson, nun zum Director befördert, versucht den Laden irgendwie zusammen zu halten und HYDRA Einhalt zu gebieten, aber das klappt eher schlecht als recht. Als dann noch seine Visionen von außerirdischen Zeichen überhand nehmen und eine dritte Partei auftaucht, scheint es ganz vorbei.

Ich sag mal: Wow. Die zweite Staffel macht nahtlos da weiter, wo die erste aufgehört hat, aber anders und besser. Wo zuvor oft langweilige Monster-of-the-week-Folgen durchgeorgelt wurden, gibt es in der zweiten Staffel einen durchgehenden Handlungsbogen mit vielen, unvorhersehbaren Wendungen. Der zuvor recht hölzerne und oft nervige Cast bekommt einige exzellent spielende Neuzugänge, und der hohe Productionvalue bringt Actionszenen auf den Bildschirm, die man eher in einem Kinofilm erwarten würde. Sehr lohnenswert, schon allein deswegen, weil man erfährt, was zwischen Marvels Kinofilmen so passiert.

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Spielen:

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Machen:

Sport, viel und heftig. Mit sichtbaren Ergebnissen: 4kg weniger und wesentlich fitter als noch im Februar.

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Neues Spielzeug:

Ein Drucker! Endlich wieder ein Drucker im Haus! Der geliebte, aber 20 Jahre alte Kyocera S/W-Laserdrucker war leider irgendwann doch nicht mehr zu retten. Deshalb war ich das vergangene Jahr ohne Drucker.

Ich drucke eh nicht viel aus, und moderne Drucker, die automatisch aus der Herstellercloud Druckvorlagen runterladen und nebenbei noch als Mediencenter fungieren wollen, sind mir ein Graus.

Jetzt lief mir dieses Ding hier über den Weg: Ein Ricoh SP211. Rasend schneller Laserdrucker, schwarzweiß, keinerlei Schnickidöns dran. Der druckt nur, sonst nichts. Und das beste: Er kostet gerade mal 35 Euro, und die Tonerkartuschen sind ebenfalls günstig! Für 20 Euro mehr gibt es den auch mit WLAN, aber mir reicht das so.

risp21

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. April 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: März 2016

Herr Silencer im März 2016
Es juckt in der Gashand.

Wetter: Kalt, in der ersten Monatshälfte nachts noch bis -5 Grad, tagsüber 3-10 Grad. Wenig Niederschlag. Den Rest des Monats bleibt es grau und trüb bei 4-6 Grad. ——————————————————————————————————————————————————-
Lesen:

Dr. Nadja Hermann: Fettlogik überwinden [Kindle]
Nadja Hermann wog 150 kg, litt unter Bluthochdruck und anderen Beschwerden. Dann begann sich die Verhaltenstherapeutin intensiv mit Ernährung auseinanderzusetzen und entdeckte, dass viel von dem, was sie über Stoffwechsel und Ernährung zu wissen glaubte, dem Reich der Märchen entstammte. Manche dieser „Fettlogiken“ hielten sie vom Abnehmen ab. Dabei ist es im Kern ganz einfach: 1Kg Fett sind 7.000 Kalorien. Wer weniger isst, als sein Körper an Kalorien benötigt, nimmt ab. Eineinhalb Jahre später hatte Hermann Normalgewicht.

Auf das Buch bin ich durch „Erzählmirnix“ aufmerksam geworden – ja, die Autorin der tiefgründigen Strichmännchengeschichten ist die selbe wie die der „Fettlogik“. Das Buch ist mit dem gleichen Witz geschrieben, den sie in den Comics an den Tag legt. Im Mittelpunkt des Buchs steht dabei nicht Hermanns persönliche Geschichte des Abnehmens, die dient lediglich als Illustration für einzelne Kapitel. „Fettlogik“ beschäftigt sich in der Hauptsache mit populären Mythen zum Thema Stoffwechslen und Ernährung, und widerlegt sie anhand von wissenschaftlichen Studien. Nebenbei fällt allerlei Wissenswertes zum Thema Nahrung und Körperfunktionen sowie den Auswirkungen von Übergewicht ab. Das bspw. Fett ein Organ ist und sogar Hormone produziert, wusste ich noch nicht.

„Fettlogik“ ist kein dezidiertes Motivations- oder Diätbuch aus der „Tschakka! Sie schaffen das!“-Ecke der Brigitte-Fraktion. Dazu ist es zu wissenschaftlich. Es kann für Abnehmwillige aber das sein, was Alan Carrs „Endlich Nichtraucher“ für Raucher ist: Ein Buch, das einem dabei hilft, die eigenen Verhaltensweisen auf intellektuellem Weg zu erkennen und zu hinterfragen. Dabei ist das Buch interessant, spannend und witzig zu lesen, während man nebenbei viel lernt. Auch für Normalgewichtige sehr empfehlenswert.

Willingham et. al.: Fables: Farewell [Graphic Novel]
Sowohl Rose Red als auch Snow White sammeln riesige Armeen um sich und bereiten sich darauf vor, gegeneinander in den Krieg zu ziehen. Die Schwestern sind sich bewusst, dass dieser Kampf die Erde in Schutt und Asche legen wird.

„Fables“ war mal eine absolut großartige Serie, so ungefähr das Beste, was die Comicwelt seit Neil Gaimans „Sandman“ und „Lucifer“ zu bieten hatte. 2002 startete die Reihe mit der Grundidee, dass Märchenfiguren in einer Enklave in New York leben. Geflüchtet vor einem großen Feind, der ihre Welten systematisch versklavt hat. Von den großen und kleinen Problemen der Charaktere (z.B. Rapunzel: Wie kommt man durch den Tag, wenn das eigene Haar 15 cm pro Stunde wächst?) und dem Kampf gegen den übermächtigen Feind erzählte die Reihe, und war dabei immer originell und nie langweilig.

Allerdings gilt das nur bis Band 11, dann ist die Hauptstory auserzählt. Was dann folgt, fühlt sich erst falsch an, wird dann hanebüchen ärgerlich und endet nun, im 22. Band, in schlimmem Schwachsinn. Die ganzen letzten Bücher wurden genutzt, um einen Konflikt zwischen den Geschwistern Rosenrot und Schneeweißchen herbei zu konstruieren, und er ergibt trotzdem keinerlei Sinn. Vermutlich wissen das auch die Autoren, denn hier ziehen sie einfach den Stecker. Nicht, ohne vorher noch dummes Zeug zu machen und bekannte und beliebte Figuren im Sekundentakt um die Ecke zu bringen. Und dann? Wird der Endkampf abgesagt und alle gehen ihrer Wege.

Das hätte man vor 11 Bänden auch schon tun können. Alles ab Band 12 wirkt so, als hätte das gleich Team daran rumgefuhrwerkt, dass auch das Spin-off „Jack of Fables“ gegen die Wand gefahren hat. Handwerklich begabt, aber null Sinn für Konsistenz und den richtigen Ton einer Erzählung und keine Ahnung, wo sie mit ihrer Geschichte hinwollten. Ein unwürdiges Ende.

Bill Watterson: Calvin & Hobbes [Paperback]
In der Fantasie des sechsjährigen Calvin wird sein Stofftiger Hobbes lebendig.

Zu Calvin & Hobbes muss man nicht viel sagen. Es sind wunderbare Minigeschichten in meist nur drei Bildern, aber mit einem oft sehr tiefgründigen Humor. 10 Jahre lang, von 1985 bis 1995, war C&H der erfolgreichste Comicstrip der Welt und erschien zeitweise gleichzeitig in 2.400 Zeitungen. Dann zog Bill Watterson einfach den Stecker und sagt von heute auf morgen: „So, alles was ich zu erzählen hatte, habe ich erzählt, jetzt ist Schluß, und Lizensierung an andere Autoren mache ich nicht.“ Er wehrte sich auch gegen Vermarktung in Form von Merchandising. Das ist konsequent und bewundernswert, und wenn man sieht, was durch Dauerverwurstung mit den „Peanuts“ passierte, ist das ein Segen. So haben sich Calvin & Hobbes bis heute einen sehr eigenen Zauber bewahrt. Einen Zauber, der am nächsten an den der Kindheit herankommt.

Rund 6,5 kg bringt diese Gesamtausgabe auf die Waage. Vier dicke Bände in einem Schuber enthalten alle Calvin & Hobbes & Strips, die je erschienen sind – und je erscheinen werden.

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Hören:

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Sehen:

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Ash vs. Evil Dead
Vor 30 Jahren stieß Ash auf das Böse, das in einem Kampf gegen die Armee der Finsternis mündete. Mehr durch Zufall als durch Können gelang es ihm, das Böse in ein Buch zu bannen. Heute ist Ash Mitte 60 und lebt versteckt in einem Trailerpark. Als er bekifft einer Studentin imponieren will und aus dem Nekronomicom liest, bahnt sich das Böse wieder einen Weg in unsere Welt. Gegen seinen Willen muss Ash noch einmal die Kettensäge auspacken.

Was galten die „Tanz der Teufel“-Filme als legendär böse! 1981 kam der erste, und der wurde erst indiziert, dann wurde wegen ihm die Jugendschutzregelungen in Deutschland drastisch verschärft und eine Beschlagsnahmungswelle losgetreten. Was verboten ist, ist interessant, und so standen VHS-Kopien auf den Schulhöfen hoch im Kurs. Ich fand die Filme langweilig, eklig und doof.

Die achtteilige Serie „Ash vs. Evil Dead“ ist immer noch eklig, aber alles andere als langweilig. Die einzelnen Folgen sind mit 22 Minuten recht kurz, und das ist gut so: Es gibt quasi ohne Atempause Slapstick, Splatter und Action. Bruce Campell macht dabei eine fantastische (korsettgestützte) Figur, genau wie die anderen Schauspieler, die eine tolle Performance abliefern. Allein Lucy „Xena“ Lawless Auftritt ist ein Grund, die Serie zu schauen. Heutige Serien sind aufgeladen mit Ernsthaftigkeit und bedeutungsschwangerem Grübelüberbau. „Ash“ nicht. Hier geht es nur um den puren Jux.

The Knick [Bluray/Amazon Prime]
New York, 1900. Im Knickerbocker-Krankenhaus operiert und forscht ein Ärzteteam, und entwickelt dabei immer neue Methoden. Im Mittelpunkt stehen nicht die Patienten, hier geht es um die Ärzte. Jeder einzelne von ihnen ist von Ehrgeiz getrieben, und jeder einzelne zahlt den Preis dafür.

„The Knick“ ist eine düstere Serie, auf mehreren Ebenen. Zum einen beginnt um 1900 gerade erst die Elektrifizierung, und Regisseur Steven Soderbergh verzichtet oft auf mehr Ausleuchtung als die eine Gaslichtflamme, die irgendwo flackert. Zum anderen ist „The Knick“ gnadenlos No-Nonsense. Hier gibt es keine Helden im OP, alle Protagonisten werden von ihren eigenen Dämonen letztlich ins Unglück geführt – während die zwielichtigeren, die mit weniger moralischem Gepäck unterwegs sind, mit ihren Machenschaften durchkommen. Es sind harte Zeiten, in denen Glück nur im kleinen Rahmen und im Verborgenen vorkommt. Die schlimmen Implikationen mancher Handlungen, die beiläufig gezeigt werden, muss sich der Zuschauer sogar selbst erschließen. Rassenunruhen, Banden organisierten Polizisten, Philippinenkrieg, das alles wird kurz thematisiert, aber selten vertieft.

Die Serie zeigt die Abgründe des ausgehenden 19. Jahrhunderts genauso wie die rasanten Fortschritte in Wissenschaft und Technik und erläutert ganz nebenbei, warum manche Dinge heute noch so sind, wie sie sind. Wer hätte gedacht, dass Elektroautos im Jahr 1900 der letzte Schrei und relativ verbreitet waren? Verschwunden sind die nur, weil die Ölindustrie neue Absatzmärkte für ihr Lampenöl brauchte und den Verbrennungsmotor pushte.

Der Cast, allen voran Clive Owen, ist phänomenal und spielt fantastisch. Bilder und Ausstattung sind top notch. Die historischen Referenzen sind mal offensichtlich (Typhoid Mary), mal dezent (erste Ärztin Sara Josephine Baker). Also alles supi? Nein, nicht uneingeschränkt. Was nervt, ist Soderberghs artsi-fartsiness. Dazu gehört sein Fimmel, dauernd leinwandfüllend die Hinterköpfe von Leuten zu Filmen, oder diese seltsame 12tonähnliche Musik, die ab und zu durch die Szenarie wabert und wohl ein Soundtrack sein möchte. Dafür sollte man den Regisseur und den Musiker mit der Bontempi-Orgel verprügeln. Abgesehen davon: Tolle Serie, die nach der 2. Staffel enden muss. Bitte keine dritte mehr drehen.

The Martian – Rettet Matt Damon [PSN]
Astronaut wird bei einer Marsmission für tot gehalten und auf dem roten Planeten vergessen. Hilfe von Außen hat er nicht zu erwarten, also muss er sich was einfallen lassen um zu überleben. Dann passiert Science, baby!

Das Buch „The Martian“ gilt in SciFi-Kreisen als Ingenieursporno. Wenn Astronaut Mark Watney Kartoffeln in Fäkalien anbaut, aus altem „Pathfinder“-Schrott Funkstrecken bastelt oder an seiner Unterkunft rumschraubt, hat das alles einen nachvollziehbaren, wissenschaftlichen Hintergrund und basiert auf soliden Berechnungen, die im Buch aus ausgeführt sind. Das macht einen Teil des Charmes aus – mit diesem Buch als Anleitung wäre bei den gegebenen Parametern ein Überleben auf dem Mars möglich. Der Film hämmert zum Glück nicht auf seiner wissenschaftlichen Basis herum und kommt lockerer daher, aber dadruch nicht weniger unterhaltsam. Matt Damon als MacGyver vom Mars macht seine Sache gut, und die Story hat ein so gutes Pacing, dass es in den gut 2,5 Filmstunden keine Hänger gibt.

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Spielen:

last maharadscha

Assassins Creed Syndicate: The Last Maharaja [PS4]
Duleep Singh, der letzte Maharadscha Indiens, hängt er lieber auf den dekadenten Partys der Londoner Oberschicht rum, als sich um die Belange Indiens zu kümmern. Das geht dem Londoner Assassinenchef Henry Green auf die Nerven. Da der selbst nichts gebacken bekommt, müssen Evie und Jacob Frye den Playboy davon überzeugen, nach Indien zurück zu kehren und sich um seinen Kram zu kümmern.

Der neueste und letzte DLC für Assassins Creed: Syndicate wirkt so, als hätten ihn irgendwelche Praktikanten in der Mittagspause zusammengepfriemelt und dann an der Qualitätssicherung vorbei in den Store geschmuggelt. Das ganze Ding ist eine Vollkatastrophe, auf drei Ebenen:

1.Narration: Die Story zwischen den einzelnen Missionen ist vollkommen zusammenhanglos, wirr erzählt und mit einer fragwürdigen Grundaussage. Eben noch superwichtige McGuffins spielen in der nächsten Sekunde keine Rolle. Die Figuren handeln vollkommen erratisch und nerven. Dazu kommt das langweillige Missionsdesign – Schon wieder muss in den Tower und in die Bank von England eingrochen werden, als ob man das nicht zur Genüge im Hauptspiel gemacht hätte.

2. Gameplay: Die wenigen, guten Ideen werden ausgewalzt bis sie nerven – Jacob betrunken zu sehen ist ungefähr zwei Sekunden lang spaßig, ihn eine halbe Stunde nur torkelnd und mit unpräziser Steuerung spielen zu können aber pain in the ass.

3. Technik: Der DLC stürzt auf der PS4 gerne und oft ab, die Skripte von Ereignissen und Fahrzeugen lösen gelegentlich nicht aus, Figuren bleiben irgendwo hängen oder reagieren einfach nicht, wichtige Objekte sind gelegentlich nicht interaktiv. Ein Mal fiel mir sogar ein Questgeber-NPC aus einem fahrenden Zug, starb dabei und tauchte dann nie wieder auf.

Finger weg von diesem Mist!

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Machen:
Krank sein – Dienstreisen – Wieder krank sein 😦
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Neues Spielzeug:

 

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Neue Ohrhörer, kabellose Anker Soundbuds. IPX-7 spritzwassergeschützt, guter Sound und Bluetooth, dabei eine Akkulaufzeit von 8 Stunden. Ideal für den Sport. Für knapp 25 Euro ist das ein ein No-Brainer!

Und natürlich, wie jedes Jahr um diese Zeit, ein Satz neuer Reifen für das Motorrad.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. März 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Februar 2016

Herr Silencer im Februar 2016
Maybe I am flying solo, but I am flying free, defying Gravity.

Wetter: Nass und kalt. Bis Monatsmitte sowas wie Plusgrade, dann Temperatursturz auf -3 Grad und nochmal verhaltenen Schneefall. ——————————————————————————————————————————————————-
Lesen:

Stephen King 11/22/63 [Kindle]
Ein alter Mann erzählt dem Englischlehrer Jake Epping eine unglaubliche Geschichte: Im Keller seines Restaurants befindet sich ein Loch in der Zeit, das ins Jahr 1958 führt. Jake probiert es aus und stellt fest, dass das der Wahrheit entspricht. Dann wird er vom Restaurantbetreiber auf eine Mission geschickt: Er soll 5 Jahre in der Vergangenheit ausharren und dann, am 22. November 1963, das Attentat auf Kennedy verhindern und so den Lauf Welt zum Besseren ändern. Soweit der Plan. Aber die Vergangenheit wehrt sich gegen Veränderungen. Mit allen Mitteln.

Das erste Mal richtig gepackt hat mich King mit „IT“. Das Buch konnte ich 1989 nicht mehr aus der Hand legen. Spätere Werke kamen nie gegen die erzählerische Wucht dieser Geschichte an. Bis jetzt. „Der Anschlag“, wie 11.3.63 auf Deutsch heisst, ist wieder genauso detailverliebt, lesbar und spannend wie „ES“. Außerdem ist es eine schöne Parabel über die Konsequenzen des eigenen Handelns, denn auch wenn Jake stets die Welt zum Guten ändern will, meistens geht doch was nicht so wie geplant. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, trotzdem dauerte es ein wenig bis ich durch war: Auf Papier hat das Werk fast 1.200 Seiten.

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Hören:

Wicked [Musicalsoundtrack]
Wer ist eigentlich die böse Hexe des Ostens? In „Der Zauberer von Oz“ hat sie nur einen kurzen Auftritt und schmilzt, als sie von Dorothy mit Wasser überschüttet wird. „Wicked“ zeigt nun die wahre Geschichte: Die junge Elphaba wird von allen gehänselt, weil ihre Haut grün ist. Dabei ist sie eine überaus intelligente ud begabte, junge Frau, die ihren eigenen Kopf hat und ihre Meinung vertritt. Anders als die hübsche, aber oberflächliche Glinda. Als in Oz Diskriminierung und Faschismus Einzug halten, tritt Elphaba für Minderheiten ein – und wird dadurch als „böse“ Hexe gebrandmarkt.

Die Geschichte ist toll und spielt sich quasi in den Lücken des Films. Der Soundtrack ist leider nichts besonderes, die meisten Lieder sind aus dem Standard-Musical-Baukasten zusammengepfriemelt. Lediglich „Defying Gravity“, das Lied zu einer Schlüsselszene, sticht heraus und bleibt im Gedächtnis.

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Sehen:

Harry Potter I-VII [Bluray]
Junge geht auf Zauberschule und macht da alles mögliche, aber nicht lernen.

Ich mag die Harry Potter-Bücher sehr, war aber nie ein Fan der Filme. Ich habe die im Kino gesehen, begeistert haben sie mich aber nicht. Vermutlich auch deshalb, weil zu viel Zeit zwischen den einzelnen Filmen lag. Back-to-Back und in Ruhe zu Hause angeschaut habe ich erst gemerkt, wieviel Liebe zum Detail da drin steckt und wie umwerfend gut die Schauspieler sind. Lediglich Rupert Grint als Ron Weasly ist ein Ausfall, der Rest ist einfach nur beeindruckend. Faszinierend: Tricktechnisch steckt viel mehr traditionelle Arbeit mit Modellen und Prothesen in den Filmen, als man zunächst glaubt. Was auch gut ist, denn bis Teil 6 ist ausnahmslos jedes CGI-Element Murks. Inhaltlich unterscheiden sich die Werke stark. Während „Der Gefangene von Askaban“ eine Achterbahnfahrt ohne Pause ist, schnarcht „Der Halbblutprinz“ in viel zu langsamer Inszenierung vor sich hin. So ist das halt, wenn immer unterschiedliche Regisseure an einer Serie arbeiten.

Alles steht Kopf [PSN]
Jeder Mensch hat eine Emotionszentrale im Kopf. Dort stehen an einem großen Schaltpult vier Figuren: Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel steuern uns durchs Leben. So ist das auch bei der jungen Riley. In deren Emotionszentrale geht aber einiges durcheinander, als sie mit ihren Eltern umziehen muss. Und dann verlaufen sich auch noch die hyperaktive Freude und die lethargische Kummer im Langzeitgedächtnis und lassen Riley allein mit Ekel und Wut zurück.

Normalerweile spiele ich immer mit dem Handy rum, wenn im Heimkino ein Film läuft. Bei diesem nicht. Guckt man hier 5 Sekunden nicht hin, verpasst man eine tolle Idee oder einen lustigen Gag. Zu fantastisch und emotional ist die Geschichte um Riley und die Metaphern für ihr Innenleben. Die Welt im Kopf eines Menschen ist hier extrem toll umgesetzt, und die Story berührt – ich habe lauthals gelacht und ebenso die ein odere andere Träne verdrückt. Endlich mal wieder ein Anmimationsfilm, der nicht von Slapstick lebt, sondern sich auf seine Geschichte konzentriert. Uneingeschränkte Guckempfehlung, das ist definitiv das beste, was Pixar in den vergangenen Jahren gemacht hat.

Deadpool [BFI IMax]
Nicht ganz dichter Söldner wird zu hässlichem Supersoldaten mutiert. Daraufhin wird er vollkommen Gaga.

Ja, ach, Deadpool. Kein schlechter Film, wirklich gut aber auch nicht. Schöne Szenen, nette Action, aber der Bösewicht taugt genau gar nicht und das Pacing rumpelt total: Nach 3/4 der Laufzeit steht man immer noch auf der Autobahnbrücke aus den ersten Minuten rum. Originstories sind ja oft etwas bleiern, und das trifft leider auch hier zu. Aber die Grundlagen sind großartig, ich bin schon gespannt auf Deadpool 2

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Spielen:

Assassins Creed Chronicles: India & Russia [PS4]
Im Lauf der Jahrhunderte taucht immer mal wieder ein Kästchen auf, dass ein Precursor-Artfeakt ist. Ezio Auditore vertraute es 1515 Shao Jun an, die es prompt verbaselte. 1850 jagt der Inder Arbaaz Mir in den Wirren des Ostindien-Kriegs der Zigarrenkiste bis nach Afghanistan hinterher, im Jahr 1918 versucht es Nikolai Orelow es in Jekaterinenburg an sich zu bringen, während in den Straßen die Oktoberrevolution tobt.

Climax Studios haben etwas geschafft, was in der heutigen Zeit Seltenheitswert hat: Sie haben gleich zwei Spiele entwickelt, die ü-ber-haupt keinen Spaß machen. Die 2,5D-Sidescroller sind „kleine“ Assassins Creed Ableger und fokussieren auf Stealth. Der erste Teil der Trilogie „China-India-Russia“ erschien vor einem Jahr, spielte in China und beeindruckte durch das frische Spielprinzip und eine kunstvolle Optik. „Assassins Creed: China“ sah aus wie spielbares Gemälde und hat, trotz der schwachen Story, begeistert.

Dann war ein Jahr Pause, und nun wurden die Nachfolger „India“ und „Russia“ innerhalb von vier Wochen veröffentlicht. Es wirkt fast, als ob Ubisoft die Spiele schnell vom Hals haben wollte. Vielleicht, weil man um deren Qualität wusste. Die lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Unterirdisch. Zwar ist zumindest die Optik von „India“ toll – sie erstrahlt in bunten Farben und indischen Mustern – aber das ist auch schon das einzig gute. Die Steuerung ist immer noch unpräzise und nun auch noch überfrachtet. Die Animationen sind die gleichen wie im ersten Teil, man hat einfach „China“ genommen und ein neues Skin drüber gepackt.

Dazu kommen die belanglosen Geschichten, unmotivierte und nuschelnde Sprecher, ein geradezu unfair hoher Schwierigkeitsgrad und überaus nerviges Leveldesign. Viele Aufgaben müssen unter Zeitdruck gelöst werden, und wer den exakt richtigen Weg nicht in dutzenden Durchläufen auf die Zehntelsekunde auswendig lernt, verliert. Jede Spielmechanik wird dutzendfach ausgeschlachtet, und wenn den Entwickler gar nichts mehr einfällt, dann finden sie einen Vorwand, um die ganze Ausrüstung und hart erarbeitete Skills der Spielfigur einzukassieren und so den Schwierigkeitsgrad nochmal nach oben zu schrauben. Das passiert dauernd, und in der Summe der addierten Frechheiten und Zumutungen ist man davon nur noch angenervt. Spiele, die überhaupt keinen Flow haben, deren Inszenierung und Präsentation niemandem vom Hocker hauen und die DANN noch unfair sind, machen einfach null Spaß. Sowas braucht kein Mensch. Auch nicht für die knapp zehn Euro, die Ubisoft für die jeweils ca. 5 Stunden dauernden Spielchen haben will. „China“ kann man sich angucken, vom Rest sollte man die Finger lassen.

Firewatch [PS4]
Wyoming, 1989: Henry braucht eine Pause. Ausgebrannt von einem sehr persönlichen Drama übernimmt er für einen Sommer einen Feuerwachturm in einem Nationalpark. Dort ist er ganz allein, nur seine Chefin Delilah spricht mit ihm über Funk. Wenn er nicht auf seinem Turm sitzt und nach Feuern Ausschau hält, wandert Henry durch seinen Waldabschnitt oder quatscht mit Delilah.

„Firewatch“ ist ein sehr ruhiges Spiel. Es gibt keine Actionmomemente, stattdessen baut es ganz auf die Dialoge von Henry und Delilah und die langsame Fortbewegung im Nationalpark. Von den Kritikern wird Firewatch als Indie-Meisterwerk abgefeiert, bei näherer Betrachtung weiß aber keiner so recht, warum. Die Grafik ist abstrakt und nicht halb so stimmig wie gepriesen, die Animationen ruckhaft, die Steuerung per Controller ein Grauen und die technische Umsetzung ist so mies optimiert, dass die PS4 dauernd mit hochdrehendem Lüfter läuft. Trotzdem ruckelt die Grafik an etlichen Stellen.

Die Dialoge sind gut geschrieben und vertont, aber meist sehr kurz und ohne große Entwicklung. Der Nationalpark, der zunächst riesige Offenheit suggeriert, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Netz von Laufschläuchen mit harten Grenzen, die zudem erstaunlich leer sind. Hier lebt nichts, und abseits der Versorgungskisten gibt es auch nichts zu entdecken.

Die beiden größeren Storylines, denen Henry nachgehen kann, scheinen zwar spannend und motivieren zum Weiterspielen, sind dann aber doch beide äußerst dünn und ihre Auflösungen hingeschludert. Dazu kommt noch die nicht vorhandene Charakterentwicklung und die ultrakurze Spielzeit von 4 Stunden. Firewatch ist mit seinem Riesenteam und EA im Hintergrund weder Indie, noch ist es spielerisch eine Offenbarung. Es ist nicht mal ein gutes Spiel. Die einzige Erklärung, warum es gerade so abgefeiert wird: Es ist mit seiner Langsamkeit ein geradezu Zen-gleicher Kontrapunkt zu adrenalingetränkten Multiplayerspielen.
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Machen:
London!
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Neues Spielzeug:
Neue Ohrhörer, EM-JE041-MI Smile Jamaica Midnight von House of Marley. Billig, aber witzigerweise aus Holze, mit Textilkabel und gutem Klang.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. Februar 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Januar 2016

Herr Silencer im Januar 2016
Hust-Schnauf-Röchel. Krank gewesen, deshalb viel Zeit für Medienkonsum.

Wetter:  Bis Monatsmitte sowas wie Plusgrade, dann Temperatursturz auf -5 bis -15 Grad. Dabei meist trocken, nur wenig Schnee.
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Lesen:

Frank Panthöfer: Krad-Vagabunden – Licht- und Schattenseiten einer Weltreise, Teil 2: Süd-Ost-Asien, Himalaya, Orient und Resozialisierung [Kindle]
Der zweite Teil der Weltreise von Frank „Pany“ Panthöfer und Freundin „Simon“. Wie der Name schon sagt: Es geht über die Inseln Süd-Ost-Asiens, Indien, Pakistan, den Iran und die Türkei bis zurück nach Deutschland. Im letzten Kapitel versuchen sich die Heimkehrer wieder in den deutschen Alltag einzufinden.

Wie schon bei Teil 1 angemerkt: Mir persönlich gefällt Panthöfers Schreibstil nicht. Zu Anfang ist die raubatzige Direktheit erfrischend, sehr schnell wird die Sprache aber dem Thema nicht mehr gerecht. Die Schattenseiten der Weltreise werden oberflächlich, aber häufig geschildert, während die schönen Erlebnisse stark verkürzt beschrieben werden – meist in Form von „wir werden mit einer tollen Aussicht belohnt“. Hätte mich ja schon mal interessiert, was genau an der Aussicht denn toll war. Das Buch ist voller solcher Verkürzungen und hinterlässt in der Summe den Eindruck, dass Pany die Hälfte der Zeit mit dem Kampf gegen Betrüger, korrupte Beamte und dem Flicken von Reifen beschäftigt war und stets vor dem Explodieren stand, während Simon quasi nur hinterherfuhr und ein paar Mal umfiel. Durch diese Gewichtung bleibt in der Summe der Eindruck zurück, dass Motorradreisen in erster Linie eine Qual ist. Über ein Reisetagebuch auf eine Weltreise mitgenommen zu werden ist toll, aber dem (mittlerweile hauptberuflichen) Autor wünsche ich einen guten Lektor, der hilft, die Erlebnisse in ansprechendere Form zu gießen – ich hätte mir ernsthaft eindrücklichere Beschreibungen und ein paar Fotos mehr gewünscht. [Update: Ich sehe gerade, dass es jetzt auch eine Special Edition des Buchs gibt, mit mehr Bildern]

Marc Haddon: The Curious Incident with the dog in the Night-time [Kindle]
Christopher ist 15 und Autist. Seit dem Tod seiner Mutter lebt er allein mit seinem Vater in der englischen Stadt Swindon. Er mag: Primzahlen, komplexe Formeln, Astronauten, allein sein, Sherlock Holmes-Geschichten, rote Dinge, seine zahme Ratte Toby und Wellington, den Hund der Nachbarin. Was Christopher nicht mag: Andere Menschen, berührt werden, laute Geräusche, Gefühle, Gedichte, Sir Arthur Conan Doyle, gelbe und braune Dinge. Christophers Tagesablauf ist streng in in Ritualen organisiert, das gibt ihm Sicherheit. Alles gerät durcheinander, als er eines Morgens den Hund Wellington tot auf dem Gehweg findet. Jemand hat den Hund mit einer Forke umgebracht, und Christopher ist fest entschlossen herauszufinden, wer das war. Auch wenn das bedeutet, dass er mit fremden Menschen sprechen muss.

Die Geschichte ist vollständig aus der Sicht von Christopher geschrieben. Das lässt die Leser tief eintauchen in die Art, wie ein autistisches Kind die Welt wahrnimmt und ist faszinierend, weil die Regeln, die Chrisopher sich selbst aufgestellt hat und nach denen er funktioniert, plötzlich sichtbar werden. Über die einfache Grammatik (Aneinanderreihung von Sätzen durch „und“) sowie den Verzicht auf die Schilderung von Emotionen, die Christopher nicht zu begreifen in der Lage ist, ist der Stil ziemlich einzigartig.

„The Curious Incident“ ist ein bittersüßes Vergnügen. Das Buch ist überaus witzig.
Zwischen den einfachen Worten und Sätzen verbergen sich allerdings Abgründe. So schildert Christopher Ereignisse und Handlungen, die für ihn eine inhärente Logik aufweisen, die aus Sicht Außenstehender aber geradezu verheerend chaotisch wirken. Oder er verkürzt Dinge stark, weil sie für ihn nicht wichtig sind, man als Leser aber ahnt, dass sich hier in Wirklichkeit ein Jahre dauerndes Drama abgespielt haben muss, dass seine Eltern bis über die Grenzen hinaus belastet haben muss.

Ich habe das Buch vor 10 Jahren schon einmal und nun, als Vorbereitung auf das Musical, noch einmal gelesen. Zurück bleibt Mitleid mit dem Protagonisten genauso wie der Respekt vor dem Mut und den Strategien, mit denen er sein Leben meistert und eine Hochachtung vor dem Autor: Marc Haddon behandelt alle Charaktere in dieser sorgfältig erzählten Geschichte mit großem Respekt und gerät nie in die Versuchung, den leichten Weg zu gehen und zu verurteilen oder Partei zu ergreifen. Unbedingt lesen- nach den ersten Seiten kann man es nicht mehr aus der Hand legen! Auf Deutsch ist es erhältlich unter dem sperrigen Titel „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“.

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Hören:
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Die Sprechkabine [Podcast]
Timo Hetzel und Phillip Seidel reden über Dinge. Was ihnen gerade so einfällt. Ein klassischer Laberpodcast. Das Besondere: Beide Sprecher haben überaus angenehme und ruhige Stimmen, sind spontan wirklich lustig und dennoch immer fokussiert auf das, was sie gerade erzählen – anders als bei den Tim-Pritlove-Podcasts, bei denen man sich die Hälfte der Zeit fragt, ob der Host überhaupt geistig anwesend ist und nicht nebenbei Nachrichten guckt oder Kuchen backt.

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Sehen:

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Kingsman [Bluray]
Eggsy ist ein Teenager in England. Er ist clever, aber mit Schulbildung ist es nicht weit her. In der Perspektivlosigkeit der britischen Arbeiterklasse oszilliert er zwischen Kneipenschlägereien und der Trostlosigkeit von Sozialhilfebauten. Das ändert sich, als ein Gentlemen in feinem Tuch auftaucht und Eggsy für einen sehr geheimen Geheimdienst rekrutieren will: Die Kingsmen.

So sähe „Bond“ im Jahr 2015 aus, wenn man in nicht in ein weinerliches Weichei rebootet hätte, das Buchhaltern und Immobilienmaklern hinterherlaufen muss. Bei „Kingsman“ gibt es sie noch, die megalomanischen Superverbrecher (ein lispelnder und nur schwer zu ertragender Samuel L. Jackson), eine weltweite Verschwörung zum Untergang der Zivilisation, riesige Setpieces und Actionszenen und dazu mit „Gazelle“ (Sofia Boutella) die coolste, schrägste und tödlichste Bodyguard seid Odd Job.

Die Britishness ist far over the top und mit Michael Caine UND Colin Firth fast schon zu gut besetzt. Ab der Hälfte des Filmes agiert Firth ein einer ungewohnten Rolle: In einer atemberaubenden und scheinbar ohne Schnitt gedrehten Sequenz muss er sich als Actionstar behaupten, und richtet dabei das größte Gemetzel an, dass man seit „300“ auf der Leinwand gesehen hat. Die Geschichte hinter dem Ganzen ist zudem überaus clever, so daß sich zusammengefasst sagen lässt: „Kingsman“ ist pure, seeligmachende Unterhaltung für alle, die als Kind die Abenteuer von 007 toll fanden.

Morgen hör´ ich auf [ZDF]
Jochen Lehmann hat finanzielle Probleme. Der Familienvater hat die Druckerei seiner Schwiegereltern übernommen und den Laden an die Wand gefahren. Als die Bank ihm einen weiteren Kredit verwehrt, sieht er in seiner Verzweifelung nur einen Ausweg: Er nutzt die modernen Maschinen seiner Firma, um ein paar Scheine Falschgeld herzustellen. Nur ein paar, da ist er sich sicher, und morgen hört er auf.

Im Vorfeld war die Serie als „das deutsche Breaking Bad mit Bastian Pastewka“ angekündigt worden. Mit dem Vergleich haben sich die Macher keinen Gefallen getan, wie das kollektive Aufstöhnen genervter Kritiker und Serienfans zeigte. Zu schlecht sind die Erinnerungen an schlimme deutsche Plagiate von US-Serien. Machwerke wie „Hilfe, meine Familie spinnt“ als Plagiat von „Eine schrecklich nette Familie“ haben eine so traumatischen Eindruck hinterlassen, dass man sich auch mehr als 20 Jahre später noch an sie erinnert.

Dabei stimmt der Vergleich im Kern, denn hier wie da handelt die Geschichte von einem Normalo, der seiner Familie zuliebe in die Kriminalität abrutscht und immer tiefer in den Morast einsinkt, je stärker er versucht wieder herauszukommen. Darin liegt auch der Charme: Der Geschichte bei der Eskalation zuzusehen, die schon in Folge zwei vollkommen ausser Kontrolle gerät. Das Ganze Größtenteils gut gespielt und bedient sich technisch z.T. an der Machart des großen Vorbilds – was z.B. beim Schnitt und den Szenenteilern überaus erfrischend rüberkommt. Eine feine, 5-teilige Serie, die aktuell jeden Samstag Abend auf ZDF läuft, in der Mediathek abrufbar und ab dem 20.02. auf DVD und BluRay verfügbar ist.

Italy – Love it or Leave it [Watchever]
Rom. Das Journalistenpaar Luca und Gustav hat in den letzten Jahren den Wegzug ihres Freundeskreises erlebt. Hohe Lebenshaltungkosten, Monsterbürokratie, schlechtes Bildungssystem und hohe Arbeitslosigkeit treiben eine ganze Generation von Italienern ins Ausland. Die beiden müssen sich nun entscheiden: Verlassen auch sie das sinkende Schiff?

Der in Südtirol geborene und von Italien desillusionierte Gustav will, dass beide nach Berlin ziehen. Lucamöchte in Rom bleiben. Sie geben sich sechs Monate für die Entscheidung. In dieser Zeit reisen sie durch das Land und sehen sich vor Ort an, wie Italien nach 20 Jahren unter Berlusconi aussieht. Gustav zeigt die Schattenseiten auf, Luca versucht das Schöne zu finden, was ihm nicht leicht fällt.

Nach Besuchen vom Piedmont bis nach Sizilien und Gesprächen mit Politikern, Schriftstellern, Philosophen und Fließbandarbeitern stellen sie fest: Nach Außen ist Italien schön, aber alles hinter der Fassade ist runtergekommen und in schlimmen Zustand. Hoffnung gibt es nur in einzelnen Menschen: Denen, die nicht bereit sind, ihren Platz aufzugeben und zu flüchten, die gegen Korruption und für eine Zukunft kämpfen.

Der Film ist sehr persönlich, ohne dabei jemals die Distanz zu verlieren. Die Reise von Gustav und Luca zeigt Italien im Jahr 2013 ohne jede Schönfärberei: Zu Beton geronnenen Fördermittelbetrügereien werden ebenso wenig ausgelassen wie der wirtschaftliche Niedergang, das Wirken der N´Dragheta oder das Bild der Frauen in Berlusconis Sendungen. Aufgelockert wird das Ganze durch originelle und informative Animationssequenzen. Italienanfänger sind vielleicht geschockt vom Ausmaß der Probleme, Italienkenner freuen sich über die Hintergrundinfos und die ungewöhnlichen Bilder.

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Spielen:

AKsoI

Arkham Knight – Season of Infamy [PS4]
Vor der Ostküste Bleake Islands ist die „Iron Heights“ abgestürzt. Das Luftschiff war ein Hochsicherheitsgefängnis und beherbergte u.a. Killer Croc, nun liegt es geborsten im Gotham River. Klar, dass sich der dunkle Ritter den entflohenen Insassen ebenso annimmt wie der Frage, wer eigentlich gerade Victor Fries erpresst, warum sich Mad Hatter freiwillig gestellt hat und was mit Ras al Ghul passierte.

„Sechs Monate lang ständig Nachschub an Content“ versprach der Publisher und rechtfertigte damit den saftigen Preis von 40 Euro für den Season Pass zu „Arkham Knight“, verriet aber nicht, was genau dieser Content denn sein sollte. Eine fragwürdige Politik. Ich war skeptisch und habe da die Finger von gelassen, und das nicht bereut: Tatsächlich kam zwar im Monatstakt neuer Downloadable Content (DLC), aber der war Mist: Ein paar Challengekarten und Storymissionen mit einer Länge von 15 Minuten rechtfertigen keine Ausgabe in der Höhe.

„Season of Infamy“ ist da zum Glück anders, da stecken mehrere Stunden Spielspass und echte Stories drin, die sich auch direkt in das Hauptspiel integrieren – mit einer kuriosen Folge: Um nach der Installation das Knightfall-Protokoll auszulösen, muss man das Spiel nicht mehr zu 100, sondern zu 120 Prozent schaffen. Einzeln lässt sich die Erweiterung für 9,99 Euro kaufen, und das ist sie in jedem Fall wert.

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The Witcher III: Hearts of Stone [PS4]
Geralt von Rivia hat ein Problem. Ein Kontrakt ist spektakulär schief gelaufen, und nun findet sich der Witcher eingekerkert im Bauch eines Schiffes wieder, auf dem Weg zu einem fernen Kontinent und seiner Hinrichtung. Da taucht ein Fremder an seiner Zelle auf und bietet Geralt freundlich lächelnd an, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien. Im Gegenzug verlangt er nur einen Gefallen. Geralt hat keine Wahl und willigt ein, stellt danach aber schnell fest, das hinter dem Fremden mehr stecken muss, als er auf den ersten Blick vermutet hat. Langsam, aber stetig wird deutlich, dass Geralt sich mit dem Teufel persönlich eingelassen haben muss. Der Witcher wird zu einer Spielfigur in einem Schachspiel mit dem Leibhaftigen, an dessen Ende er die Entscheidung fällen muss, was mit den Herzen aus Stein geschieht.

CD Projekt Red, die polnischen Entwickler von „The Witcher III“, sind ein Phänomen. Seit dem Erscheinen des Spiels im Mai vergangenen Jahres sind 13 Updates erschienen sind, die nicht nur Bugs fixten, sondern das Spiel in Sachen Usability verbesserten und um Spielmodi erweiterten. Dazu wurde ein halbes Jahr lang DLC verschenkt. Gut, nur Charakterskins und Ausrüstungsgedöns, dafür wollen andere Publisher Geld haben. CDPR dagegen pflegt das Spiel und verschenkt Content, um die Leute bei der Stange zu halten. Für „Hearts of Stone“ wollten sie nun erstmals Geld haben. Das konnte man quasi blind investieren, denn wenn man das fantastische Hauptspiel kennt und weiß, das Kleinkram verschenkt wird, ist klar: Hier kommt etwas Großes, das sein Geld wert sein muss.

Das ist auch so: „Hearts of Stone“ erweitert die Spielwelt von Witcher III um einen ganzen Landstrich, führt neue Charaktere und Mechaniken ein und ist für Spieler ab Stufe 32 gedacht (wer nach Abschluss der Hauptkampagne nicht so weit ist, wird automatisch hochgelevelt). Absolut fantastisch sind die Experimente, die im DLC gewagt werden: Ein kompletter Heist im „Oceans Eleven“ Stil muss durchgezogen werden, ein Toter muss eine Party mitmachen und am Ende muss sich Geralt aus der Erinnerungswelt einer Toten befreien. Die Geschichte ist auf den Punkt geschrieben, abwechselungsreich und voller Anspielungen. So begegnet der Witcher einer Figur, die dem TOD aus den Scheibenweltromanen verdächtig ähnlich sieht – Bienenstöcke, Pferd und Katze inklusive. Vor der Geschichte und deren Inszensierung kann man nur den Hut ziehen, da stimmt einfach alles.

Rund 20 Stunden kann man im DLC verbringen. Anderswo wäre das ein Vollpreisspiel, bei CD Projekt Red gibt es das für 9,99 Euro. Die nächste Erweiterung ist schon am Horizont zu sehen: „Blood and Wine“ soll ähnlich umfangreich wie „Hearts of Stone“ werden und die Geschichte von Geralt von Rivia zu Ende führen.

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Machen:
Kranksein. Ausrüstung basteln.
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Neues Spielzeug:
Ein neues Mifi für´s Motorrad. Der Huawei 5377s ist mit 150 MBit ein rasend schneller LTE-Accesspoint für bis zu 10 Geräte, der auch als Fileserver taugt. Dabei ist das Ding viel kleiner als vergleichbare Modelle, bringt aber trotzdem noch ordentliche Akkulaufzeit mit. Auf sowas will ich im Ausland nicht mehr verzichten. Ob der Neue wirklich ein würdiger Nachfolger für den heiß geliebten E585 ist, wird sich bald zeigen.

huawei 5377

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
2 Kommentare

Verfasst von - 29. Januar 2016 in Momentaufnahme

 
 
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