Momentaufnahme

Momentaufnahme: Juni 2019

Herr Silencer im Juni 2019

Urlaub!!

Wetter: Heiß.


Lesen:

Matt Ruff: The Mirage [Kindle]
Weitergelesen: Die Welt in einer alternativen Zeitlinie: Die USA sind eine zerstrittene Ansammlung christlich-fundamentalistischer Staaten, während die Aarabische Welt geeint und modern ist. Am 09. November 2001 steuern christliche Fanatiker Flugzeuge in zwei Wolkenkratzer in Baghdad. Diese Anschläge an 11/9 verändern die Welt für immer. Die Araber gehen mit aller Härte gegen die christlichen Terroristen vor. Eine Antiterror-Spezialeinheit nimmt in Baghdad christliche Terroristen fest, die steif und fest behaupten, dass die ganze Welt ein Trugbild, eine Mirage, sei – in Wirklichkeit wären an 9/11 Flugzeuge von Muslimen in amerikanische Wolkenkratzer geflogen worden. Als Beweis dafür zeigen die Verhafteten Ausschnitte von seltsamen Zeitungen vor. Wer hätte schon je von der „New York Times“ gelesen?

Ich hatte ja schon im Vormonat darüber geklagt, dass das Buch VIEL zu lang ist. Das Worldbuilding ist genial, aber Matt Ruff verliert sich in Nebenschauplätzen und den Seitengeschichten von unbedeutenden Nebenfiguren, die allesamt keinen Charakter haben. Im Ernst, KEINE der handelnden Figuren ist mir mit Namen und Eigenschaften im Gedächtnis geblieben. Am Ende kippt die Story dann auch noch ins Übersinnliche und hantiert mit Geistern und Dschinns herum.

Das ergibt im Kern dann durchaus einen Sinn, aber das Buch trägt so dermaßen viel Speck mit sich herum, dass man den kaum findet. Obwohl das Taschenbuch die Silencer´sche 450-Seiten Regel einhält („Jeder Roman über 450 Seiten ist schlecht lektoriert und zu lang“), hätte ein gutes Lektorat eigentlich zwei Drittel des Werks streichen müssen, weil: Unfug. Matt Ruff ist immer dann richtig gut, wenn er nicht mehr als 150 Seiten schreibt (Wie in der Multiple-Persönlichkeiten-Story „Set this House in Order“ oder der Novelle „Bad Monkeys“.

Was bleibt: Die Erinnerung an eine tolle, auf links gedrehte Alternativrealität, in der Figuren wie Saddam Hussein, Osama Bin Laden, Timothy Veigh, Donald Rumsfield und andere ganz andere Rollen einnehmen als in unserer Welt, dabei aber im Kern die bleiben, die sie sind. Das ist Gänsehauterzeugend unangenehm.

Herr Sonneborn geht nach Brüssel

Im Jahr 2014 tritt der Satiriker Martin Sonneborn mit seiner Partei „Die PARTEI“ bei der Europawahl an. Zu seiner eigenen Überraschung bekommt er genug Stimmen und geht als Abgeordneter nach Brüssel. Ihm zu Seite steht sein treuer Büroleiter Hoffmann, Vorname: Dustin. Gemeinsam finden sie sich in den Politbetrieb der EU ein.

Ich habe das Buch verschlungen. Was Sonneborn hier vorlegt, ist kein plumper Versuch, sich über die EU lustig zu machen. Im Gegenteil, mit großem Ernst wird hier beschrieben, wie Prozesse in der EU ablaufen, welche Rituale und Traditionen dort gepflegt werden, und welche Charaktere die tatsächlich Macht in Europa haben und auf wessen Geheiß sie handeln. In chronologischer Reihenfolge lässt Sonneborn die Leser an seiner ersten Legislaturperiode teilhaben. Während der macht er sich schnell Feinde, u.a. den cholerischen Cheflobbyisten von Bertelsmann, Elmar Brok (der Nebenbei einer der mächtigsten CDU-Politiker ist, darin aber keinen Interessenkonflikt erkennen kann) oder den SPD-Politker Jo Leinen, dem Sonneborn einen Empfang wegkapert und der wegen der PARTEI eine Änderung des Wahlrechts herbeiführen will, oder auch die AFD-Abgeordnete, die Sonneborn nur „Beatrix von Strolch“ nennt.

Während der 5 Jahre,. die das Buch umfasst, erlebt man bei Sonneborn eine Veränderung. Stimmte er Anfangs gaga-mäßig immer abwechselnd mit Ja und Nein für alles mögliche, begreift er im Laufe der Zeit, das selbst seine fraktionslose Stimme manchmal das Zünglein an der Waage sein kann. Gemeinsam mit Ska Keller von den Grünen und Julia Reda von den Piraten fängt Sonneborn an, die alten weißen Lobby-Männer wie Oettinger und Brok aufzumischen und mit seinen Mitteln auf Demokratiedefizite und ungerechte Auslegungen aufmerksam zu machen, bis am Ende sogar Merkel der Deckel wegfliegt und die Bundesregierung gegen Sonneborn intrigiert.

„Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ ist ein politisches Buch, dass lehrreich ist, weil es abstrakte Prozesse in verständlicher und anekdotischer Form darstellt. Sehr vergnüglich, sehr unterhaltsam. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung: Sonneborn wurde gerade wiedergewählt und darf eine zweite Amtszeit in Brüssel verbringen.


Hören:


Sehen:

A private War [Prime Video]
Marie Colvin ist eine begnadete Kriegsreporterin. Für die Sunday Times berichtet sie aus Krisengebieten wir Ost-Timor, dem Libanon oder dem Kosovo. Dabei mäandert sie zwischen der Sucht nach dem Thrill, der selbstauferlegten Verantwortung über die Grausamkeit der unbeachteten Kriege berichten zu müssen, wenn es sonst niemand tut, und einer ständigen Traumatisierung ob des Gesehenen, die sie mit Sex und Alkohol zu kompensieren versucht. 2012 wird Colvin in Homs getötet.

Ich weiß schon, was der Film leisten möchte. Klappt aber nicht. Das liegt zum einen daran, dass sich die Produzenten nicht wirklich auf eine Richtung festgelegt haben. Für eine Dokumentation ist zu viel Drama drin, für ein gutes Biopic ist aber die Strukturierung zu unklar.

Außerdem hätte es echt eine andere Hauptdarstellerin sein dürfen. Rosamund Pike müsste eigentlich den Film tragen, kriegt das aber nicht hin. Immer wieder sehen wir sie in unglaubwürdigen Trainingsmontagen schreiben, saufen und ficken, unverständliche Dinge murmeln und dann wieder durch Kriegsgebiete taumeln. Aber statt hier eine besessene Journalistin zu sehen, sehen wir nur Rosmund Pike, wie die sich eine besessene und verbitterte Journalistin vorstellt. Dabei kriegt sie es aber nicht mal hin eine Zigarette richtig zu halten. Meine Güte, was hätte eine Schauspielerin wie Sigourney Weaver aus dieser Rolle gemacht!

Wichtiges Thema, aber der Film taugt leider nicht – trotz der guten Kritiken allerorten.

Venom [Prime Video]
Tom Hardy kommt mit schwarzem Glibber in Berührung, der erst ihn auffrisst, dann anderen den Kopp abbeißen will.

Belangloser Actionreißer mit langen Durchhängern. Tonal kann sich der Film nicht entscheiden, was er eigentlich sein möchte. So oszilliert er zwischen Buddymovie, Thriller, Superheldenstreifen und Horrorfilm. Tom Hardy overacted dabei so dermaßen, dass er die Grenze zur Comedy mehr als einmal überschreitet.

Entscheiden konnte man sich wohl auch nicht, für welches Publikum „Venom“ eigentlich sein soll. Die Comicvorlage ist krass gewalttätig. Aber anstatt hier im ab 18-Fahrwasser von „Deadpool“ oder „Logan“ eine Gewaltorgie aufzumachen, in der links und rechts die appen Köppe rumfliegen, zielt der Film auf ein PG13-Rating. Dementsprechend wird immer brav weggeblendet, wenn Venom zum Massaker ansetzt. Das ist brav und… langweilig. Für eine ordentliche Umsetzung hätte einen Paul Verhoevens gebraucht, bekommen wir hier eine weichgespülte Version a la W.S. Anderson.

Stellenweise unterhaltsam und definitiv nicht so schlimm, wie es ein Nicht-Marvel-Film abseits des MCU befürchten ließ, aber weit davon entfernt das Geld für eine Kinokarte wert zu sein.

Der Kissenmann [Theater im OP]
Der Schriftsteller Katrurian K. Katurian wird verhaftet und verhört. Der Vorwurf: Er soll Kinder auf grauenvolle Arten getötet haben – genau, wie er es zuvor in seinen Geschichten beschrieben hat. Die Polizisten, die Katurian verhören, ist jedes Mittel recht um ein Geständnis aus Katurian zu pressen. Selbst Folter und die Gefangennahme von Katurians zurückgebliebenem Bruder schreckt die Beamten nicht. Bald verschwimmen Realität und Geschichten. Sind Katurian und sein Bruder das Produkt eines schrecklichen Experiments? Am Ende läuft es auf eine letzte, fürchterliche Geschichte hinaus: Die des Kissenmanns. Ein freundliches Wesen, das nur aus Kissen besteht und das Leiden von Menschen nicht ertragen kann. Deshalb reist der Kissenmann in der Zeit zurück, um besonders leidende Menschen noch in ihrer Kindheit zum Selbstmord zu überreden.

Grotesk, fürchterlich, aber auch hoch spannend und sehr, sehr faszinierend. „Der Kissenmann“ überrascht praktisch alle zwei Minuten und ist auf eine ähnliche Weise fesselnd wie einst das Schweigen der Lämmer: Es ist fürchterlich, aber man kann nicht wegsehen. Das hat natürlich System, der Autor Martin McDonagh ist ein Meister in der Verbindung von Gewalt und schwarzem Humor. Aus seiner Feder stammen u.a. „Brügge sehen und sterben“ und „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“.


Spielen:

Machen:

Motorradreise!


Neues Spielzeug:

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Momentaufnahme: Mai 2019

Herr Silencer im Mai 2019

Zeit rast

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt: Nachts 0, tagsüber 5 Grad, dazu Schneeregen und Hagel im Wechsel mit Sonnenschein. Mitte des Monats ergiebiger Regen und immer noch kalt. In der dritten Woche vereinzelt Sonnenschein und ein wenig wärmer, mit 6 bis 15 Grad aber immer noch kühl.


Lesen:

Matt Ruff: The Mirage [Kindle]
Die Welt in einer alternativen Zeitlinie: Die Abkürzung USA steht für die United States of Arab, während der nordamerikanische Kontinent aus zerstrittenen, religiös geführten Einzelstaaten besteht. Radikale Splittergruppen von christlichen Fundamentalisten verstecken sich in den Rocky Mountains und planen von dort aus Terroranschläge gegen die muslimische Welt. Einer davon gelingt: Am 11. September 2001 steuern christliche Fanatiker Flugzeuge in zwei Wolkenkratzer in Baghdad. Diese Anschläge verändern die Welt für immer. Die Araber gehen mit aller Härte gegen die christlichen Terroristen vor, und jagen sie bis in den schwäbischen Teil von Israel, dem früheren Deutschland. Eine Antiterror-Spezialeinheit nimmt in Baghdad christliche Terroristen fest, die steif und fest behaupten, dass die ganze Welt ein Trugbild, eine Mirage, sei – in Wirklichkeit wären an 9/11 Flugzeuge von Muslimen in amerikanische Wolkenkratzer geflogen worden. Als Beweis dafür zeigen die Verhafteten Ausschnitte von seltsamen Zeitungen vor. Wer hätte schon je von der „New York Times“ gelesen?

WTF, was für eine coole Idee. Leider wird aus der Ausgangslage wenig mehr gemacht als die Handlung einer üblichen Staffel „24“. Das die Terroristenjäger dieses mal muslimischen Glaubens sind, macht kaum einen Unterschied. Im Gegenteil, Matt Ruff nervt gelegentlich mit seinen Übertragungen, und an einigen Stellen überspannt er den Bogen völlig. Das z.B. die Miranda-Belehrung („Sie haben das Recht zu Schweigen, alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden“) im arabischen genauso existiert, nur vor jedem Satz Allah als Gott der Allmächtige gepriesen werden muss, ist nicht nur unfreiwillig komisch, es bricht auch meine Suspension of Disbelief und lässt mich aus der Geschichte fallen.

Noch keine abschließende Meinung, außer: Das Buch ist VIEL zu lang. Hätte mal eine TV-Serie werden sollen, für den Raum zwischen zwei Buchdeckeln mäandert Ruff zu sehr rum und macht auf jeder zweiten Seite eine Nebenhandlung auf. Laaaaangweilig.


Hören:


Sehen:

Hidden Figures [Homekino]
Wahre Geschichte: Katherine Goble, Dorothy Vaughan und Mary Jackson arbeiten bei der NASA. Goble ist eine brilliante Mathematikerin, Vaughan eine Führungsopersönlichkeit, und Jackson eine begabte Ingenieurin. Das Problem dabei: Alle drei sind farbig, und das Jahr ist 1961. Es herrscht nach wie vor Rassentrennung, und Diskriminierung ist völlig normal. So muss Katherine Goble jeden Tag ihre Arbeit fast 40 Minuten unterbrechen und bei Wind und Wetter über den Campus in Langley laufen, weil das nächste Klo für Farbige kilometerweit weg ist. Die drei Damen sind Teil der „Computers“, wie zu der Zeit Menschen genannt wurden, die Flugbahnberechnungen per Hand durchführten. Als Teil des NASA-Teams haben die drei maßgeblichen Anteil am Erfolg der Missionen von Friendship 7 und Apollo 11.

Der Film wurde mir von mehreren Seiten empfohlen, und das zu recht. Toll ausgestattet erzählt er ruhig die Geschichte der drei Heldinnen, die immer wieder die absurdesten Hindernisse überwinden müssen. Der Film basiert auf einem Sachbuch und ist sicherlich in Details etwas überdramatisiert (etwa, wenn Kevin Kostner als NASA-Chef persönlich mit einer Brechstange die Kloschilder abschlägt), aber das mindert das Vergnügen nicht. Die überaus tollen Protagonistinnen tun das Übrige dazu, dass man „Hidden Figures“ nicht so schnell vergisst.

Fahrenheit 11/9 [Prime Video]
Es war so sicher, dass Hillary Clinton Präsidentin werden würde. Noch in der Wahlnacht standen die Umfragen bei 85 zu 15 für sie. Und dann wurde es Trump. Warum? Michael Moore geht dieser Frage nach und zeigt auf, wie Jahrzehnte verfehlter Politik die Menschen so wütend machten, dass sie entweder nicht wählten oder für Trump stimmten. Natürlich steht auch Flint, Moores Heimatstadt und sozialer Brennpunkt, dabei immer wieder im Fokus.

Kaum eine Stadt demonstriert besser, was in den USA passiert ist: Ein geldgieriger Gouverneur setzt per Notstandsgesetz Kumpel von sich auf wichtige Posten. Die bereichern sich, in dem sie die Wasserversorgung von Flint ändern, so dass Kinder und Erwachsene mit dreckigem, verbleiten Trinkwasser vergiftet werden und bleibende Schäden davontragen. Erst als das giftige Wasser Metallteile in einem Autowerk angreift, gibt es wieder sauberes Wasser – aber NUR für das Werk, nicht für die Menschen. Schließlich kommt Präsident Obama, der Hoffnungsträger der leidenden Bevölkerung. Er trinkt vor laufender Kamera Wasser aus Flint, dann unternimmt er – nichts.

Später ist Wahlkampf, und der einzige Kandidat, der sich in Flint blicken lässt, ist Donald Trump. Damit sammelt er selbst die Stimmen der schwarzen Bevölkerung ein. Wenig später bombardiert die Air Force Flint – die Stadt ist mittlerweile so abgewrackt, dass sie als Truppenübungsplatz herhält.

Moore verzichtet über weite Strecken auf seine üblichen, fremdschäm-peinlichen Provokationsaktionen. Nicht ganz, natürlich, auch hier finden sich wieder Szenen wo er den Vorgarten des Gouverneurs mit Wasser aus Flint flutet. Aber das ist die Ausnahme, meist ist „Fahrenheit 11-9“ ruhig erzählt. Das schockiert fast noch mehr, aber es gibt auch immer wieder Hoffnung. Die Frage nach „Wo ist das andere Amerika“ wird mit Hoffnung machenden Beispielen von Jugend- und Frauenbewegungen oder Alexandria Ocasio-Cortez (die ich für eine kommende Präsidentin der USA halte) belegt.

Der Film endet aber auf einer düsteren und unversöhnlichen Note, wenn er aufzeigt, wie Donald Trump sich der Methoden der Faschisten bedient, um seine Macht auszuweiten. „Fahrenheit“ kommt dem Phänomen Trump etwas näher und zeigt seinen Werdegang auf interessante Weise, wirklich neu ist daran aber kaum etwas. Moore-typisch ist die Zusammenstellung wie immer effektiv und schockierend.


Spielen:

Innocence: A Plague Tale [PS4]
1342, im finstersten Mittelalter: Die Pest geht um und verschont auch Frankreich nicht. Schlimmer noch als der Schwarze Tod ist für die Adelsfamilie de Rune die kirchliche Inquisition, die ohne Vorwarnung den Familiensitz überfällt und alle Bewohner abschlachtet. Nur das Mädchen Amicia kann mit ihrem kleinen Bruder Hugo entkommen. Gemeinsam schlagen sie sich hinter die Linien des Kriegs mit den Engländern und versuchen den Häschern der Inquisition zu entkommen. Aber Hugo ist schwer krank, und die allgegenwärtigen Ratten setzen den beiden schwer zu.

Ui, was ist DAS denn? „Innocence“ kam aus dem Nichts und hat die Welt verzaubert. Die Geschichte von Hugo und Amicia ist ein sehr schön erzähltes Soloabenteuer, das ganz auf seine Gameplaymechaniken zugeschnitten ist. Es gibt einige simple Regeln: Ratten mögen kein Licht, Wächter gucken immer in eine Richtung, die Spielfigur stirbt nach einem einzigen Treffer oder wenn sie das Licht verlässt. Daraus baut „Innocence“ aber erstaunlich vielfältige Schleich- und Rätselszenarien. Ob Amicia mit Hugo an der Hand in einem Lager der Engländer herumschleicht oder allein rattenverseuchte Katakomben erkundet, das Spiel bleibt über seine gesamte Laufzeit von 12 Stunden abwechselungsreich und interessant. Dabei ist es nicht mal besonders schwer, was gut ist: So machen selbst die Schleichsequenzen Spaß.

Zum Spielerlebnis trägt maßgeblich auch die Geschichte bei, die stark geschrieben und gut inszeniert ist. Eine dermaßene Bindung und Mitgefühl wie für Amicia und Hugo hatte ich zuletzt für Joel und Ellie in „The Last of Us“. Das es sich bei Innocence „nur“ um eine französische Doppel-A-Produktion handelt, ist gelegentlich an den Gesichtsanimationen zu merken, aber das wird durch den Schnitt der Zwischensequenzen gut kaschiert. Nicht gespart wurde an der Welt, die wunderschön und beängstigend Detailreich in Szene gesetzt ist.

Tolle Welt, tolle Geschichte, tolles Gameplay, tolle Charaktere – für die schlappen 40 Euro, die das Spiel aktuell neu kostet, definitiv eine Kaufempfehlung.


Machen:


Neues Spielzeug:

Neues Dienstfahrzeug: Ein e-Bike, ein Giant Explore E+2 GTS.

Bild: Giant Bicycles

Ich war ja sehr skeptisch, als der Arbeitgeber damit um die Ecke kam. Aber: Das ist schon cool!

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Momentaufnahme: April 2019

Herr Silencer im April 2019

Zeit rast

Wetter: Anfang des Monats sonnig, die Temperaturen wechseln je nach Tagesform. Mal tagsüber über 20 Grad, mal nachts 2 Grad. Mitte des Monats schneit es noch einmal und ist eine Woche lang richtig kalt, dann wird es wieder frühsommerlich, mit Temperaturen über 20 Grad und Sonne. Es regnet den ganzen Monat über fast gar nicht, was schon zu Waldbränden führt. die letzten paar Tage wird es mit 4 bis 15 Grad wieder kalt, und zumindest am letzten Wochenende regnet es mal zwei Tage.


Lesen:

Lea Rieck: Sag dem Abenteuer, ich komme: Wie ich mit dem Motorrad die Welt umrundete und was ich von ihr lernte [Kindle]

Typische Ausgangssituation: Frau hat Nase voll von Job in „Irgendwas-mit-Medien“ und will weg. Also auf eine Tiger 800 gesetzt und los geht´s, von München nach Istanbul, dann über Asien und Australien nach Südamerika und in die USA.

Untypisch ist die Art dieses Reiseberichts. Das Buch folgt zwar grob der Chronologie der Reise, die einzelnen Abschnitte machen sich aber nicht an der Geografie fest, sondern haben Oberthemen wie „Mut“, „Leidenschaft“, „Glaube“ oder „Loslassen“, unter die sich einzelne Kapitel ordnen. Rieck beschreibt darin hauptsächlich ihre Begegnungen mit anderen Menschen und was sie von diesen lernte und mitnahm.

Was in dem Buch praktisch nicht vorkommt sind die üblichen Ärgernisse einer Motorradreise – Werkstattbesuche, Schwierigkeiten an Grenzen, Ersatzteil-Fuckup – das wird alles nur in Nebensätzen erwähnt und kommt höchsten am Rande vor.

Das ist introspektiv und eine wunderbare und erfrischende Abwechselung zu den sonst üblichen „Blut, Schweiß und Tränen“- Büchern von Kradvagabunden und Co, die oft einen geradezu verbissenen Fokus auf Landschaft und Maschinen legen, dabei aber kaum reflektieren und im Zweifel anderen Menschen und Kulturen mit Distanz oder sogar genervt begegnen. Und natürlich ist es ein superkrasser Gegensatz zu der geradezu ärgerlichen Reisedoku „Egal was kommt“, die in der Motorradszene heftig beworben wurde, sich aber letztlich in Mimimi und Warterei auf Ersatzteile erschöpfte. Lea Rieck hingegen merkt man an, wie sie während und an ihrer Reise lernt und wächst und sich der Blick auf die Welt und sich selbst ändert.

Anders ist auch ein explizit weiblicher Blickwinkel, wenn es um Liebe und Sex geht. Auch davor scheut das Buch nicht zurück, etwa, wenn Rieck wochenlang scharf auf den gutaussehenden, aber wortkargen Russen ist, dessen muskulösen Körper und Segelohren sie anhimmelt. Sowas würde sich heute kein männlicher Autor zu schreiben trauen.

Etwas unschön ist, dass nahezu alle Gespräche in wörtlicher Rede stattfinden. Sowas kann man als Stilmittel zwischendurch mal einstreuen, aber es Seitenweise und dauernd zu verwenden gehört sich eigentlich nicht – weil man als Reiseautorin ja kein Tonband mitlaufen lässt, sondern die Dialoge (oder das, was einem davon wichtig war und was man behalten hat) aus dem Gedächtnis und nur sinngemäß wiedergibt. Durch die überbordende Verwendung der wörtlichen Rede und gleichzeitiger Reduktion mancher Figuren auf Kerneigenschaften wirkt manches wie aus einem Roman, und damit übertriebener oder auch platter, als es vermutlich wirklich war.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Lea Rieck legt hier ein Buch vor, das sich wohltuend vom Rest der Motorradreiseberichte abhebt. Das gilt für den Text und auch auch für die Bilder: Wo man bei anderen Autoren nur Landschaften und verschlammte Motorräder sieht, sind Rieck fantastische Aufnahmen gelungen, auf denen sie selbst immer wieder in einem roten Kleid zu sehen ist.

Wie sie das verliert und in der Folge nackt durch den Dschungel fährt, muss jeder selbst lesen. Aber auch solche Mißgeschicke unterscheiden sich angenehm von den üblichen Reifenpannen. Das erste Buch seit sehr langer Zeit, das ich bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte. Klare Leseemepfehlung, zumal es nicht umfangreich ist.


Hören:


Sehen:

Mortal Engines [Prime]
Die Erde in ferner Zukunft: Aus irgendeinem Grund leben die meisten Menschen in Städten auf Rädern. So kurvt auch ein Mädchen mit einem roten Schal in einem kleinen Fünf-Häuser-Dorf über die Erdoberfläche. Damit ist es vorbei, als die Großstadt London über die Landbrücke nach Europa fährt und dort alles platt macht. An Bord ist Agent Smith aus Matrix, der böse Pläne hat. Das rotschalige Mädchen will das verhindern, hat aber einen Terminator am Arsch.

„Mortal Engines“ ist an den Kinokassen grandios untergegangen, und ich muss sagen: Zu recht. Ich mag ja absurde Prämissen, und Städte auf Rädern gehören mit Sicherheit dazu. Aber dieser Film ist ein wirres Konvolut aus seelenlosen CGI-Actionszenen und einer zu hohen Anzahl hohler Charaktere. Das Pacing stimmt hinten und vorne nicht, und weil schon die Einführung der Personen schief geht, weiß man nie, welcher Charakter jetzt eigentlich wichtig ist.

Am Ende sind die ohnehin alle egal: Wenn ich nach 2 Stunden Film schon beim Abspann nicht mehr weiß, wie die Protagonistin hieß, dann stimmt was nicht. Am meisten im Gedächtnis bleibt noch der Cyborg-Terminator, der ist das gruseligste, was ich seit „Das schwarze Loch“ gesehen habe.

Star Trek: Discovery, Season II [Netflix]
Sieben rote Lichter erscheinen im All, und die Discovery guckt nach, was es damit auf sich hat. Egal, wo das Experimentalschiff hinkommt: Es geschehen merkwürdige Dinge, und ein roter Engel rettet immer wieder den Tag. Ist der Gottgesandt? Oder ein Alien aus der Zukunft? Oder beides?

Wow. Einfach nur: Wow. Die zweite Staffel von Discovery hat mich einfach nur weggeblasen. Hier stimmt fast alles: Lücken im Star Trek-Kanon werden geschlossen, die Schauspieler legen Glanzleitungen hin und die Story ist anspruchsvoll und wendungsreich. Gegen Ende werden die Plotholes zwar so groß, dass die Enterprise durchfliegen könnte, aber das macht die Discovery mit einem wirklich unfassbar großen Twist wieder wett. Sehr, sehr cool. Das hier ist nicht verschnarchtes 80er-Jahre Star Trek a la Next Generation, das hier ist top notch 2020er-Erzählweise mit hohem Production Value. Quasi ein guter Kinofilm, der aber 14 Folgen lang ist.


Spielen:

Assassins Creed III Remastered [PS4]
Connor Kenway ist halb Mohawk, halb Engländer. Er geht beim letzten Assassinen des nordamerikanischen Kontinents in die Lehre, um sich danach den Orden der Templer in den Kolonien vorzunehmen. Nebenbei wirft er in Boston Tee über Bord, reitet mit Paul Revere durch die Nacht und macht einem jungen George Washington Mut.

2012 kam Assassins Creed III raus. Meinem Review von damals habe ich kaum was hinzuzufügen – AC3 ist einfach von der Grundidee und der Machweise kein gutes Spiel und in allen Belangen schlechter als sein Vorgänger. Es ist mit komplexen Systemen überladen, der Protagonist ist ein Unsympath, der Regisseur hat grundlegend die Idee der Assassinen nicht verstanden, die Gegenwartsstory spielt kaum noch eine Rolle und killt am Ende den Hauptcharakter. Außerdem sind Setting und Landschaft langweilig. Kletterte man im Vorgänger am Dom von Florenz zur Zeit der Renaissance herum, kraxelt man in AC3 auf Bäume und Holzhäuschen. Super.
Das die Story immer noch besser ist als alles, was Ubisoft danach fabrizierte, macht die Sache retrospektiv auch nicht wirklich besser.

Nun also das Remaster für PC, XBONE und PS4 und um es klar zu sagen: Dieses Remaster ist das mieseste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Zwar läuft das Spiel nun in Full HD und die Texturen sind geringfügig besser. Dafür ist das neue Beleuchtungsmodell direkt aus der Hölle. Es lässt die Landschaft zwar ein klein wenig hübscher aussehen, macht aber alles andere durch übertriebene Helligkeit viel hässlicher als im Original aus Zeiten der XBOX 360.

Die ohnehin leblosen NPCs wirken nun in Cutscenes endgültig wie gruselige Gummipuppen, denen nun auch noch Licht aus dem Mund scheint(!). Außerdem ist das Remaster Buggy as Hell. Schneetexturen flimmern beim Darüberlaufen, Timings in Kämpfen stimmen nicht mehr, und oft sind Personen und Gegenstände unsichtbar – auch viele der Almanachblätter, die man eigentlich einfangen soll, oder Sniper, die es unter Zeitdruck abzufangen gilt. „Fangen Sie diesen Unsichtbaren“ – Haha.

Das kommt alles noch oben drauf auf die bekannten Bugs von ACIII, die allesamt nicht behoben wurden. Beispiele: Ist man ein Mal „berüchtigt“, wird man diesen Zustand in Hauptmissionen nicht mehr los – was dazu führt, dass man diese nicht mehr erfolgreich abschließen kann, denn Feinde sehen einen nun aus 15 Kilometern Entfernung und durch Deckungen hindurch und gehen sofort zum Angriff über. Erspäht einen ein Feind, wissen sofort ALLE NPCs eines Levels wo man steckt und machen Jagd – was den berüchtigten Benny-Hill-Effekt auslöst: Der Spielercharakter flitzt durch die Straßen, ALLE Feinde in einem Klumpen hinterher. Auch ohne einen Grund drehen damals wie heute gerne sämtliche NPC in einem Level durch, rennen schreiend davon oder werden plötzlich völlig aggro und greifen unvermittelt an. Das gilt selbst für handlungsrelevante Personen, die man geheim belauschen soll – plötzlich drehen die sich um, erspähen die eigene Spielfigur durch drei Hauswände hindurch und drehen am Rad. Das ist frustrierend und ist eigentlich ein bekanntes Problem.

AC III Remastered bringt immerhin alle DLCs des Originals mit, auch das abgedrehte „The Tyranny of King Washington“, in dem George Washington zum Despoten wird und der eigene Charakter plötzlich fliegen kann. Ebenfalls dabei: PS Vita-Ableger „Assassins Creed: Liberation“ mit der weiblichen Assassine Aveline du Grandpré – und DIE ist cool und kann sich sogar verkleiden.
Besitzer des „Assassins Creed Odyssey“-Season Pass erhalten AC3, DLC und Liberation kostenlos, für alle anderen ruft Ubisoft 40 Euro auf. Muss jeder selbst wissen, ob ihm das die Verschwendung der eigenen Lebenszeit mit einem schlechten, fehlerhaften und mit Nebenaktionen aufgeblasenen Spiel wert ist.


Machen:
Fahrsicherheitstraining (Intensiv) in Gründau.


Neues Spielzeug:

Ach man, das war einer teurer Monat. Das hier war geplant:

Eine Sena PT10 Prism Tube Wifi, eine kleine Helmkamera. Nicht so hässlich wie eine GoPro, und sehr puristisch, leider tierische Fischaugenverzerrung.

Nicht geplant war, dass ich Ersatz für den kleinen Datenlogger brauchte, weil den das GPS-Rollover zerrissen hat. Nach Tests einiger Apps zur GPS-Aufzeichnung muss ich sagen: Für den Einsatz auf langen Reisen und abseits der Zivilisation fressen die immer noch zu viel Strom oder zeichnen zu wenige Punkte auf. Deshalb ist es nochmal ein separater Travelrecorder geworden. Ein altes Modell, denn mit dem funktioniert das Open-Source-Steuerprogramm und der Nokia-Akku hält über 40 Stunden. Das Gehäuse ist ähnlich dem alten i-Blue 747 Pro, nur das der neue ein QStarz BT-Q1000 XT ist.

Ebenfalls nicht geplant: Die Anschaffung neuer Stiefel (Daytona Road Star). Schon wieder, weil sich anscheinend meine Füße verändert haben. Und letztlich: Eine neue Wasserpumpe und ein neuer Zahnriemen für das Kleine Gelbe AutoTM. Fuck, jetzt gibt es den nächsten Monat durch nur Nudeln mit Maggi.

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Momentaufnahme: März 2019

Herr Silencer im März 2019

Mal ne Nacht im eigenen Bett wäre auch schön.

Wetter: Anfang des Monats sonnig und mit 6-12 Grad warm, nur vereinzelt bedeckt und Regen. Das changiert, bleibt aber im Wesentlichen so.


Lesen:

Ben Aaronovitch: Rivers of London [Kindle]

Peter Grant ist kurz vor dem Ende seiner Probezeit als Polizeibeamter in London. Eines Nachts passieren bei einem Einsatz komische Dinge, und kurz darauf wird er zu einer Spezialeinheit versetzt. Sein neuer Vorgesetzter erklärt ihm, dass er nun bei einer paranormalen Ermittlungseinheit arbeite und erstmal zaubern lernen müsse. Abgelenkt wird Grant durch die hübschen Töchter von Mutter Themse, den Flüssen von London. Letztlich kommt es aber doch zu einer Konfrontation mit Mr. Punch, der Personifizierung häuslicher Gewalt.

Tja, hört sich erstmal ganz interessant an, liest sich aber murksig. Das Buch strotzt vor netten Ideen, angefangen von den den sexy Personifizierungen der Flüsse von London über den kauzigen Chefinspektor Nightingale bis hin zum Antagonisten, der Leuten das Gesicht von Innen zertrümmert. Dummerweise werden die dramatischen Ereignisse um diese Ideen herum von einem Ich-Erzähler vorgetragen, der seiner Rolle zu keiner Zeit gerecht wird. Abgeklärt und im Duktus einer Bedienungsanleitung für Videorekorder wird die Geschichte erzählt. Sich durch diesen spannungsleeren und öden Brei zu quälen war eine Tortur. Deshalb habe ich auch drei Jahre bis zum Ende des Buchs gebraucht. Immerhin habe ich es bis zum Ende geschafft – an „Glass Book of the Dreameaters“ lese ich schon seit 11 Jahren.


Hören:

Lästerschwestern
Robin Blase und David Hain kommentieren die Youtub- und Influencerszene. Interessante Einblicke in ein Paralleuniversum, fast so gut wie eine Soap. Irgendwie erwische ich mich aber die ganze Zeit dabei zu denken, dass die vorkommenden Personen ja alle irgendwie nicht echt sind, so weit ist deren Lebenswirklichkeit und Szene entfernt.


Sehen:

Christopher Robin [Prime]
Auch die schönste Kindheit geht irgendwann vorbei, und Christopher Robin verlässt den 100Morgenwald und zieht nach London. Zurück bleiben seine alten Spielkameraden I-Ah, Tigger, Ru, Ferkel und natürlich der Bär von geringem Verstand, Winnie Puh. Jahre später ist Robin erwachsen und hat eine Familie, einen Job und viele Sorgen. Winnie macht sich auf, Freude und Glück zurück in das Herz seines alten Freundes zu bringen und den Heffalump aus ihm zu vertreiben.

Bei Disney wird gerade alles als Realverfilmung wieder aufgelegt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. So auch „Winnie the Pooh, und das ist creepy as fuck.

Puh, Tigger, Ferkel und der andere Gedöns sehen aus, als wären sie gerade vom Friedhof der Kuscheltiere zurückgekehrt. Sie wirken real, was schon gruselig genug ist – sich bewegende Stofftiere sind nunmal nur eine Handbreit von Chucky, der Mörderpuppe entfernt. Gerade Puh wirkt dazu, als hätte er die Räude, und da er Knopfaugen hat, blinzelt er auch nicht. Und nun stellen wir uns einen zerfledderten Stoffbären vor, er mit kalten, toten Augen auf uns zugewankt kommt und mit der Stimme eines 100 Jahre alten Katastraten murmelt „Wir müssen spiiiiiielen… Spiiiiielen“. GRU-SEL-IG!!

Die Assoziation habe wohl nicht nur ich. Hier ist der „Puh Horrortrailer“:

Als Bleistiftzeichnung in den Büchern von A.A. Millne funktionierte Puh toll, als Zeichentrickfigur nur noch so mittel und in dieser Realverfilmung gar nicht mehr. Auch der Rest passt einfach nicht zusammen. Selbst gute Schauspieler wie Ewan McGregor, Hayley Atwell oder Mark Gatiss geben sich kaum Mühe und telefonieren ihre schlecht geschriebenen Rollen nur durch, und die Story ist das reinste Ärgernis. Natürlich hat Christopher Robin vor lauter Erwachsensein keinen Funken Freude im Leben, natürlich ist seine kulleräugige Tochter ständig enttäuscht von ihm und natürlich müssen die Stofftiere aus dem Jenseits ihm wieder die Lebensfreude zurückgeben. Klassisch Disney, die Geschichte könnte direkt so aus den 60ern gefallen sein. Ganz großer, anachronistischer Käse.

Performance, writing, CGI, Regie – jedes einzelne Teil von „Pooh“ ist schlecht, und in der Summe ergibt das einen so unterirdischen Film, das allenfalls Kiffer daran Freude haben werden, wenn die ihn völlig high als Horrorfilm gucken. „Pooh“ ist immer nur einen zusätzlichen Buchstaben vom Scheißbär entfernt gewesen, hier hat er die Grenze überschritten. Ich habe jede einzelne Minute von diesem Drecksfilm inbrünstig gehasst.

Captain Marvel [Kino]
Irgendwo auf einem fernen Planeten verhaut Jude Lawson die arme Brie Larson, natürlich zu ihrem eigenen Besten. Sie soll davon nämlich eine ganz dolle Heldenkriegerin werden. Bei einem Außeneinsatz geht dann aber was schief, und Larson fällt durch das Dach einer Videothek in die 90er Jahre von Los Angeles. Hier trifft sie auf Bösewichte mit dreiteiligen Polyesteranzügen und einen jungen Samuel L. Jackson. Gemeinsam finden sie raus, das die Heldenkriegerin eigentlich von der Erde kommt und eine wandelnde Neonreklame ist, die voll hell funkeln kann.

Ich mag gute Comicverfilmungen, ich mag Frauen in starken Rollen. Dieser Film ist und hat leider beides nicht. Was er hat, sind starke Nebenfiguren und einen coolen Samuel L. Jackson. Beide sind toll geschrieben und haben die besten Szenen im Film. Jacksons digitales Makeup ist dabei der Hammer, er sieht glatte 30 Jahre jünger aus und spielt seine Rolle mit sichtlicher Freude. Dieser junge Nick Fury hat bereits Erfahrungen als Spion, aber noch nicht allen Shit der Welt gesehen. Er ist noch kein Zyniker, sondern knuddelt gerne mal und bedroht Außerirdische mit einer geladenen Katze.

Leider kann der Rest des Films nicht mithalten. Die Story ist spannungsarm und schleppt sich durch die ersten zwei Drittel der Laufzeit, ohne dass es um etwas anderes ginge als eine McGuffinjagd. Brie Larsons Charakter wird als als kaum verwundbar und supermächtig eingeführt. Solche Charaktere, zu denen auch Superman gehört, haben generell ein Problem, denn sie sind langweilig. Bei ihnen geht es um nichts, man fiebert nicht mit ihnen mit. Diese Captain Marvel macht auch keine Heldenreise durch, bei der sie im Mittelteil eine echte Herausforderung hätte. Nein, sie sucht nur ihr Gedächtnis und trifft dabei auf Leute, die Dinge von ihr behaupten, die wir aber nie sehen. So beschreiben Nebenfiguren den Charakter als tolle Type und wamherzige Person, aber das wird nie gezeigt. Stattdessen bekommt Brie Larson vom Drehbuch nicht viel zu tun und nur grottige Dialoge, und so zieht sie sich die meiste Zeit darauf zurück, muffig oder selbstgefällig zu gucken.

Nun bietet Rummuffeln, selbstgefällig Gucken und ab und zu Funkeln und Leuchten keine abendfüllende Unterhaltung. Auch wenn das letzte Drittel durch eine Wendung in der Geschichte wieder etwas interessanter wird, so ist „Captain Marvel“ einer der schwächsten Filme des Marvel Universums.

The Umbrella Academy [Netflix]
Zur gleichen Zeit werden überall auf dem Planeten Kinder mit übernatürlichen Fähigkeiten geboren. Ein englischer Lordzausel adoptiert sieben von ihnen und bildet sie zu Verbrechensbekämpfern aus. Jahre später sind die Kinder erwachsen, und die Erwachsenen sind doof und normal. Da taucht plötzlich ein Mitglieder der Familie wieder auf, das vor Jahren verschütt gegangen ist. Im Schlepptau: Killerin Mary j. Blige. Die versucht mit aller Macht zu verhindern, dass jemand verhindert, dass die Welt untergeht.

Mit viel TamTam beworbene Eigenproduktion von Netflix. Offensichtlich großes Budget, was an Ellen Page in der Hauptrolle und einem gut gemachten CGI-Affen erkennbar ist. Ändert leider nichts daran, dass der dramaturgische Aufbau der Serie vollkommen für den Hintern ist. Man bekommt unsympathische bis egale Charaktere vorgesetzt, von denen man nichts weiß und von denen die Regie dennoch voraussetzt, dass einem ihr Schicksal am Herzen liegt. Tut es aber nicht, Bätsch. Erst gegen Ende der 10teiligen Staffel versteht man ungefähr worum es geht, aber in exakt dem Moment, in dem es spannend wird, ist die Serie vorbei. Das ganze ist also eine meeeeeeegalange Exposition – Zeitverschwendung, das zu gucken.

Damit reiht sich „Umbrella Academy“ in eine Vielzahl von Netflix-Produktionen ein, deren Idee interessant klingt und die hervorragend besetzt sind, die sich dann aber als unfassbar langweilig herausstellen, weil ein straighter zwei-Stunden-Film statt einer zehnstündiger Serie gereicht hätte.


Spielen:

Red Dead Redemption [XBOX One]
Die USA im Jahr 1907. Nach den Ereignissen von Read Dead Redemption II ist John Marston ehrbar geworden und hat sich mit Frau und Kind eine Existenz als Farmer aufgebaut. Acht Jahre später holt ihn seine Vergangenheit ein. Die Detektei Pinkerton spürt ihn auf, entführt seine Familie und stellt ihm ein Ultimatum: Das Leben von Abigail und Jack gegen die Köpfe seiner ehemaligen Kumpane Bill Williamson, Javier Cuella und Dutch van der Linde. Widerwillig zieht Marston los, um seine ehemaligen Outlaw-Kollegen zu jagen. Dabei gerät er in die Wirren der mexikanischen Revolution, die Arme einer schönen Rancherin und in die Mühlen der Justiz.

„Red Dead Redemption“ habe ich zuletzt 2010 gespielt und war beeindruckt. Das bin ich immer noch. Klar ist mittlerweile die Grafik etwas angestaubt, auch wenn sie auf der XBOX One in Full HD läuft. Was aber nicht vergeht ist die toll geschriebene Geschichte. Ebenfalls beeindruckend: Durch die Vorgschichte, die in Red Dead Redemption 2 erzählt wird, werden viele Plotholes in Teil 1 gefüllt und manche Dinge ergeben jetzt erst einen Sinn. Wüsste ich es nicht besser, ich würde denken, das war von Anfang an alles so geplant. Dabei ist es nur umsichtiges Writing. Teil zwei macht seinen Vorgänger also besser, und davor kann man nur den Hut ziehen.


Machen:

Eintrittskarten im Wert von 600 Euro gebucht, für den 04. April 2020. „Das verwunschene Kind“? Das ist platt falsch, das Kind ist verflucht.


Neues Spielzeug:

Ein Cabin Max Upgrade, den Metz XL.

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Momentaufnahme: Februar 2019

Herr Silencer im Februar 2019

#LastChanceToSee

Wetter: Der Monat startet mit moderaten Minusgraden und wird dann grau und warm, mit um die 5 Grad und Regen. Am dritten Wochenende bratzt plötzlich die Sonne aus allen Knopflöchern, tagsüber sind es plötzlich 14 bis 18 Grad hat, nachts jedoch noch -2. Das macht Migraine, ermöglicht aber den frühen Start der Motorradsaison.


Lesen:


Stephen Fry: Making Histroy [Kindle]

Was wäre wenn… Hitler nie geboren worden wäre? Diese Frage stellt sich Geschichtsstudent Marc. Da auf dem Campus der Universität von Cambridge zufällig ein Professor wohnt, der eine Zeitmaschine erfunden hat, bekommt er die Gelegenheit das auszuprobieren. Die Folgen sind aber anders als erwartet. Als Marc in die Gegenwart zurückkehrt, muss er feststellen, dass die NSDAP und das dritte Reich trotzdem passiert sind, aber von fähigeren Leuten als von Hitler geführt wurden. Das Resultat: England steht seit 50 Jahren unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Ich hatte das Buch schon mal gelesen, Ende der 90er, und war von dem Alternate History Ansatz sehr angetan. Ganz viel mehr wusste ich aber nicht mehr, außer, dass mich die Ideen darin sehr beeindruckt hatten.

Tatsächlich hat Stephen Frey mehr als eine gute Idee für seine, auch durchaus ordentlich recherchierte, Geschichte. Was aber leider gar nicht geht sind Hauptdarsteller und Pacing.

Der Protagonist ist nämlich eine weinerliche, egozentrische Arschgeige, der sich hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und es legitim findet, der Ex-Freundin das Auto zu verunstalten (aber nichtmal das richtig hinbekommt).

Satte 40 Prozent des Buches sind Exposition und Vorgeschichte. Nachdem die Story so viel Anlauf genommen hat, hat Frey aber anscheinend keinen Bock mehr sie auch ordentlich weiter zu erzählen. Der Mittelteil besteht aus Zeitsprüngen und teilweise nur aus Dialogen in Regieskripten. Ja, wirklich – Fry schreibt etliche Kapitel in einem Drehbuch („Tag, Außenaufnahme. Michael (aufgeregt): „…““). Und am Ende gibt es einen Deus-Ex-Machina-Moment, der einfach binnen Kürzestem alles auflöst.

Zusammengefasst: Tolle Story, die aber auf denkbar schlechte Art erzählt wird und einen unsympathischen Hauptdarsteller hat. Für Fans von alternativen Zeitlinien, in denen Nazis den Krieg gewonnen haben.


Hören:

Tina Turner: Simply the Best
Nach dem Musicalbesuch mal die Werke von Tina Turner durchgehört und erstaunt gewesen: Ich hatte die Musik viel rockiger und schneller in Erinnerung. Tatsächlich sind aber selbst die schnelleren Stücke („Simply the Best“, „Steamy Windows“) für heutige Ohren sehr langsam und poppig. Interessant, was das Gedächtnis aus sowas macht.


Sehen:

Gesehen in London: Theater und Musicalbesuche, Teil I
Gesehen in London: Theater und Musicalbesuche, Teil II

[Kino]

Alita Battle Angel
Das Jahr 2.600. Die Menschen leben nach einem großen Krieg in einem dystopischen Großstadtslum. Eines Tages findet Christopger Walz im Schrott einen Roboterkopf mit einem Teenagergehirn darin. Da er zufällig Cyborgdoktor ist, baut er einen Körper an den Kopf und nennt das Ganze Alita. Der Kopf hat zunächst keine Erinnerung woher er kommt und was er mal war. Deshalb entdeckt er die Welt und verliebt sich. Es gibt da nur ein Problem: Alita kann keinem Kampf aus dem Weg gehen.

OK, ich bin offiziell beeindruckt. Die Figur der Alita ist vollständig CGI, und die Performance von Rose Salazar, der Schauspielerin, die das Motion Capturing gamcht hat, ist umwerfend.

Der Film als solches hinterlässt mich aber zwiegespalten. Einerseits traut er sich Wärme, was cool ist. Der Slum wird von warmen Sonnenstrahlen erleuchtet und wirkt wie ein echter Heimatort, und die väterliche Beziehung von Christopher Walz zu Alita oder die Liebesbeziehung zwischen Alita und einem Teenager strahlt Wärme und Liebe an jeder Ecke aus.

Das steht in einem merkwürdigen Kontrast zu dem, was der Rest des Films uns zeigt: Eine dystopische Überwachungsgesellschaft in Slums und entmenschlichte Cyborgs mit Körpern aus Schrotteilen, die den allerschlimmsten Cenobiten-Alpträumen entsprungen sein könnten. Das wird aber nur en passant und als völlig normal abgehandelt. Ist es in dieser Welt auch, aber in meinem Kopf erzeugt das eine seltsame Dissonanz. Vielleicht hätte etwas mehr dark & gritty dem Ganzen gut getan.

Neben der Dissonanz habe ich aber noch zwei andere Probleme mit Alita. Im Mittelteil tritt die Story etwas arg lang auf der Stelle, Teenagerromanzen interessieren mich dann doch nur so mittel. Und: Das Ende ist krass unbefriedigend. Klar, Alita macht eine Coming of Age Geschichte durch und kommt am Ende einer Reise an, für den Zuschauer fühlt es sich aber an, als würde uns etwas Wichtiges vorenthalten. Das ist schade, denn abgesehen von von Storylängen und dem abrupten Ende ist Alita spektakulär gut und macht alles richtig: Tolle Schauspieler, riesiger Production Value, irre Actionszenen. Aber diese beiden Punkte sind es wohl, wegen denen Alita an den Kinokassen nicht gut lief, was wohl eine Fortsetzung unwahrscheinlich macht – und damit die Story auf ewig in der Luft hängen lässt.

Pastweka, Staffel 9 [Amazon Prime Video]
Pastewka ist abgebrannt. Nach dem Ende von „Frier“ und seiner Odyssee in der letzten Staffel wohnt er nun auf dem Biohof der Bruck und muss eine Arztserie für das ZDF drehen. Das ihm dabei ständig von Katja Woywood unterstellt wird, dass er ja Komiker und kein Charakterdarsteller ist, macht die Sache nicht einfacher.

Was für eine Staffel. Nachdem sowohl Serie als auch Charakter nach dem Weggang von Sat.1 im vergangenen Jahr eine überdrehte Midlifekrisis abfeierten, findet „Pastewka“ hier zu einem deutlich erwachseneren Ton und zu neuen Erzählweisen. Setzte die Serie früher fast ausschließlich auf Fremdschämmomente, werden nun andere Akzente gesetzt. Das ist auch gut so, denn andere Serien haben Fremdschäm-Humor schon so überdreht, dass die neuen Wege von Pastewka erfrischend sind.

Das tut auch den Figuren gut, die teils geerdeter (Pastewka, Anne) teils noch absurder (Bruck) daherkommen. Die Storys der kurzen Episoden spiegeln diese Erdung wieder. Es geht u.a. um Impfverweigerung und Stalking, zu denen die Serie eine Haltung hat. Sehr gelungen, sehr lustig, und das, ohne peinlich zu sein. Bitte mehr von sowas!

The Predator (2018) [Prime Video]
Bei einem Außeneinsatz findet ein Soldat Teile einer Predator-Rüstung. Die isst zum Teil auf, zum Teil schickt er sie nach Hause. Das gefällt dem Predator nur so mittel, und so kommt es zum Kampf Außerirdischer gegen Mensch. Bis beide merken, dass sie ein größeres Problem haben. 3,50 groß, um genau zu sein: Ein Predator Update.

Ah, Mensch. Das Predator-Franchise könnte so cool sein, schießt sich aber permanent selbst in den Fuß. Die 2018er Neuauflage gab Anlass zur Hoffnung, denn mit Shane Black sitzt wieder der Macher des 1987er Originals im Regiestuhl. Geholfen hat das aber nichts, der 2018er Predator hat zwar ein, zwei nette Einfälle, ist aber in der Summe ein erzählerisches Chaos und von Szene zu Szene unerträglich dumm. Wirklich, das Skript wirkt, als habe jemand besoffen den Ur-Predator gesehen und dann völlig bekifft die 2018er-Fassung zu Papier gebracht. Nun waren Predator-Filme noch nie eine intellektuelle Herausforderung, aber dieser hier ist mit seinen Rasta-Hunden, seinen Kinderdarstellern, den vergurkten Charakteren und schlimmen Onelinern so absurd dumm, dass meine Suspension of Disbelief bricht. Das ist der Moment, in dem man aus dem Film fällt und alles auf einer Metaebene wahrnimmt. Und da die sich nicht mal ironisch lesen lässt, ist dieses „Upgrade“ ein weiterer Schuß in den Fuß.


The Incredibles 2 [PSN]
Superhelden sind verboten, aber das will ein Milliardär ändern. Seiner Meinung nach braucht man einfach eine bessere PR. Um die zu bekommen, wird Mrs. Incredible mit Kameras ausgestattet und dabei gezeigt, wie sie gutes tut. Die Lobbymaßnahme funktioniert, die öffentliche Meinung ändert sich langsam. Derweil passt Mr. Incredible auf die Kinder auf.

Der erste „Incredibles“ war eine berührende Hommage an Superheldenverehrende Kinder und nebenbei ein perfekter Bond-Film. Teil 2 schließt inhaltlich nahtlos an den 14 Jahre alten Vorgänger an und liefert eine wilde Actiongeschichte, die aber Tiefgang und Herz des Originals vermissen lässt. Die Animationstechnik lässt einen Staunen, aber mehr als ein Action-Blockbuster mit Slapstickeinlagen ist „Incredibles 2“ leider nicht.


Spielen:

Red Dead Redemption 2 [PS4]
Die USA im Jahr 1899. Der Westen ist nicht mehr wild, sondern wird Stück für Stück gezähmt. Die Zivilisation breitet sich aus und bringt die Eisenbahn, asphaltierte Straßen und Elektrizität. Pinkertons sorgen für Recht und Ordnung, die unkontrollierten Gebiete werden immer kleiner. Das ist doof für Arthur Morgan, denn er ist ein Outlaw, ein Gesetzloser, der sich mit seiner Bande vor den Gesetzeshütern versteckt. Arthur ist klar, dass die Zeit der Outlaws vorbei ist. Er möchte lieber heute als morgen mit Betrügereien und Überfällen aufhören und ein geregeltes Leben führen. Das Problem dabei: Damit die Gang aus Männern und Frauen endlich sesshaft werden kann, brauchen sie Geld.

Ach welch Tragödie sich hier entfaltet. Langsam und behäbig erzählt RDR2 eine Geschichte um den Abgesang einer alten Welt und was mit denen passiert, die sich nicht ändern können oder wollen. Nach einem storytechnisch spannenden Einstieg wird die Geschichte über lange Zeit recht gemütlich – hier ein Raubüberfall, dort eine Gaunerei, oh wie schön ist das Leben als Outlaw.
Die Handlung steht hier still oder dreht Schleifen, fast möchte man dem Spiel zurufen „nun mach hinne!“.

Das ändert sich im letzten Drittel aber dramatisch. Dort verschlägt es Arthur nicht nur in Gefilde außerhalb der USA, auch sein Charakter macht eine massive Entwicklung durch. Das ist bedrückend inszeniert und macht noch deutlicher, das RDR2 kein Spiel für die Freunde von Happy Ends ist. Das die eigenen Entscheidungen aber Auswirkungen auf das Ende der Geschichte von Arthur Morgan haben, ist ein schöner Nebeneffekt. Mit Arthurs Story endet aber nicht die von RDR2, das sich Mühe gibt Brücken zum storytechnischen Nachfolger Red Dead Redemption zu bauen – und das supergut macht.

Der eigentliche Star bei RDR2 ist die lebendige und wunderschöne Welt, sowas hat man auf der 8. Konsolengeneration noch nicht gesehen. Die Wildnis ist superdetailiert dargestellt, überall hoppeln und springen und summen perfekt animierte Tiere durch die Welt. Die Details sind völlig irre: An Wagenreifen bleibt Match kleben, Pferde äpfeln wo sie stehen und gehen, wenn Arthir längere Zeit nicht badet, wird das von anderen kommentiert.

Diese Welt ist auch nicht vollgemüllt mir Icons, die auf Aktivitäten Hinweisen. Icons gibt es nur für Storymissionen, ansonsten ist die Welt jederzeit und überall offen für Jagen, Reitrennen, Angeln, Kartenspielen, Blumenpflücken und Karten sammeln. Außerdem geistern skurrile Charaktere darin herum, denen man ab und an zufällig begegnen kann, und die alle ihre eigene Story mitbringen. All das kann man machen, muss es aber nicht. Ich habe mich nur auf die Hauptstory konzentriert und all das Nebengetue ignoriert, ohne dadurch Nachteile gehabt zu haben. Vorbildlich!

Schwachpunkte des Spiels sind die unintuitive Steuerung und ein Bewegungsmodell, dass einen durch ständige Restriktionen in den Wahnsinn treibt. Arthur bewegt sich in Schneckengeschwindigkeit, weil er sich mal in einem Camp, mal in einer besonderen Straße befindet. Mal kann er Waffen tragen und ziehen, mal nicht. In Missionen sind auch die Laufwege festgelegt, was zu einer seltsamen Situation führt: In der freiesten und offensten Spielewelt, die man bislang erleben durfte, spielen sich die Missionen wie auf Schienen.

Außerdem zieht sich das Ganze wie sau. Da eine ordentliche Schnellreisefunktion fehlt, ist man ständig damit beschäftigt von A nach B zu reiten, und das dauert. Um von einer Seite der Karte zur anderen zu kommen braucht es rund 20 Minuten. Die Intention ist klar: Man soll die lebendige Welt erleben! Macht man aber nicht. Man kann nämlich das eigene Pferd auf Autopilot stellen und sich in der Küche ein Brot schmieren, wenn der Gauk durch die Gegend galoppiert. Gefühlt ist man fast die Hälfte der 70 Stunden mit Brot schmieren beschäftigt, und wenn man die Hälfte eines Spiels in der Küche verbringt, ist das nicht OK.

Red Dead Redemption 2 ist ein episches Werk, das viel richtig macht, und in dem unfassbar viel Mühe steckt. Perfekt ist es aber nicht, das verhindert die Steuerung und die (viel) zu lang gestreckte Spielzeit.


Machen:
Eine Reise nach London.


Neues Spielzeug:

Bild: Marks & Spencer

  1. Ein Morgenmantel. So ein richtig klassischer, karierter Arthur-Dent-Morgenmantel aus Flanell, gekauft bei Marks&Spencer am Marble Arch.

  2. Ein Sojourn 60 von Osprey. Bei diesem Rucksack kann man die Tragegurte komplett einfalten und ihn wie ein Duffelback oder einen Trolley benutzen.

Ich verachte ja Trolleys und bin ein großer Fan meines Cabin Max 44 Rucksacks, der als Handgepäck durchgeht und in den ich für Reisen bis zu 2 Wochen alles reinbekomme. Aber die nächste Reise wird länger und größer, da sind 15 Liter mehr Stauraum und die Möglichkeit zum Rollen schon wertvoll.

Mit dem Sojourn habe ich geliebäugelt, seitdem ich ihn vor 8 Jahren mal bei einer Bahnreisenden gesehen habe – nun hatte ich die passende Ausrede um ihn mir zuzulegen.

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Momentaufnahme Spezial: Gesehen in London (2)

London im Februar 2019. Wenn ich schon das letzte Mal vor dem Brexit hier bin, dann kann ich mir auch gleich die volle Dröhnung Kultur geben. Das hier ist Teil zwei der Theater- und Musicalvorstellungen, die ich besucht habe.


Tina [Aldwych Theatre]

Die USA in den 40er Jahren. Da ihr Vater gewalttätig ist, wächst Anne Mae Bullock bei ihrer Großmutter in Tenessee auf. Später lernt sie in St. Louis einen begnadeten Musiker kennen: Ike Turner. Er nimmt sie in seine Band auf, gibt ihr den Namen Tina Turner, und zusammen feiern sie große Erfolge als R&B-Duo.

In den 70ern verfällt Ike zusehends den Drogen und wird gewalttätig. Oft schlägt er seine Frau so zusammen, dass sie nur unter Schmerzen auf der Bühne stehen kann. Dennoch bleibt sie bei ihm. Erst, als er anfängt auch ihre gemeinsamen Kinder zu verprügeln, trennt sich Tina und versucht eine Solokarriere aufzubauen, hat damit aber keinen Erfolg. Ihr fehlt das Startkapital dafür, denn von Ike bekommt sie keinen Cent. Und schlimmer noch: Sämtliche Rechte ihrer Songs liegen bei ihrem Ex-Mann. Sie darf nicht mal mit Liedern auftreten, die sie selbst geschrieben hat.

Tina ist am Boden, als sich ein junger Produzent aus London meldet. Er ist besessen von der Idee, Tina Turner mit neuem Material und einem neuen Sound auf die Bühne zu bringen. Es sind die 80er, und er träumt davon, das Tina zu Synthesizern sein Lied „What´s Love got to do with it“ singt. Aber Tina will nicht, denn sie mag die Musik nicht. Auch die Plattenlabeln lehnen ab. Wer will schon eine fast 50jährige R&B-Sängerin hören?

In „Tina“ bin ich reingestolpert ohne zu wissen worum es geht oder was mich erwartet. Tina Turner kannte ich als jemand, der Mitte er 70er geboren ist, nur als Superstar mit Rockröhre und alberner Perücke. Was für einen Weg diese Frau bs zu diesem Punkt hinter sich hatte, war mir gar nicht klar.

Das Stück ist ein Jukebox-Musical, d.h. in Szenen aus Turners Leben werden immer wieder durch Kurzfassungen ihrer Songs eingewoben. Dazu wird mit starken Bildern gearbeitet. So wird in der Szene, in der Tina alle Kraft zusammen nehmen muss um Ike endgültig zu verlassen, die Quelle ihrer Kraft durch all die Frauen visualisiert, die ihr Leben bis dahin geprägt haben. Bewegungslos stehen ihre Großmutter, ihre Mutter und Baumwollpflückerinnen hinter ihr, im Halbdunkel der Bühne nur Schemenhaft zu sehen, während Tina kämpft.

Kompletter Trailer

Völlig großartig ist aber der Cast. Kobna Holdbrook-Smith sieht wirklich exakt aus wie Ike Turner. Hauptdarstellerin Adrienne Warren sieht der echten Tina Turner zwar nicht wirklich ähnlich, channelt in ihrer Performance aber die Sängerin einfach nur perfekt. Warren ist ein muskulöses Kraftpaket und interpretiert (nicht imitiert!) Tina Turners Tanz und Gesang auf den Punkt.

Beeindruckend ist, wie sie im Verlauf des Stücks lernt so zu singen, wie ich Tina Turner später kenne:

Einfach nur: Wahnsinn. Adrienne Warren ist nicht mehr lange in London zu sehen. Das Westend ist eine Experimentierbühne für den New Yorker Broadway, und dahin zieht „Tina“ in Kürze um.


The Comedy about a Bank Robbery [Criterion Theatre]

Die USA in den 50ern. Ein Knacki bricht aus dem Knast aus und plant gleich den nächsten Bruch. Das sein Gehilfe ein unterbelichteter Gefängniswärter, seine neue Flamme eine Trickbetrügerin und der Bankchef selbst ein Gangster ist, hilft beim Bankraub nicht.

Screwballkomödie der Macher von „The Play that Goes Wrong“. Während bei dem die gesamte Bühne in sich zusammenfällt, setzt die Bankraubkomödie mal auf Wortspiele, mal auf Slapstick. Das ganze ist übertrieben und massentauglich, deshalb aber nicht unkomisch. Lediglich das Auswalzen mancher Gags, bis die auch der letzte Depp verstanden hat, ist etwas nervig. Die Produktion überrascht aber immer wieder mit coolen Einfällen, wie einer Szene, die das Publikum komplett von Oben erlebt – was natürlich bedingt, dass die Schauspieler senkrecht an einer Wand agieren. Das Ende ist unerwartet und unnötig blutig, bis dahin aber ein netter Spaß mit ebenso vielen coolen wie nervigen Momenten.


Aladdin [Prince Edward Theatre]

Der Dieb Aladdin findet eine magische Lampe. Darin: Ein ziemlich durchgeknallter Geist, der drei Wünsche erfüllt. Das trifft sich gut, denn Aladdin hat sich gerade in Prinzessin Jasmin verliebt, die Tochter des Sultans. Mit Hilfe des Geists verwandelt sich der Straßenjunge in einen Prinzen – und kassiert einen Korb von der selbstbewussten und emanzipierten Prinzessin.

Nettes, kleines Musical. Knallbunt und überdreht, nette Musicalnummern, mittelmäßiger Gesang. Zielgruppe eindeutig Kinder. Lacher des Abends: Aladdin: „Wo kommst Du her, Geist?“ Dschinn: „Aus Wakanda“.


Berberian Sound Studio [DonMar Warehouse]

In den 70ern: Signore Santini holt den Soundtechniker Gilderoy aus England in sein Studio nach Rom, um seine Filme aufzupeppen. Allein in einem fremden Land kämpft Gilderoy mit Sprachbarrieren und der seltsamen Atmosphäre im Soundstudio. Schließlich stellt sich noch heraus, dass die hier zu vertonenden Filme Horrorstreifen sind. Das nimmt den sensiblen Engläner, der bis dahin Tierdokumentationen vertont hat, nachhaltig mit. Im Laufe seiner Arbeit an einem Folterstreifen kommt ihm zudem ein übler Verdacht: Sind die abartigen Filmszenen am Ende nicht mit Kunstblut gespielt, sondern Wirklichkeit?

Wieder mal eine Vorstellung im DonMar Warehouse, einem sehr kleinen Theater, das für seine hochwertigen Produktionen bekannt ist. Hochwertig und seltsam, muss man wohl dazu sagen, denn die Stücke, die ich dort bislang gesehen habe, zeichnen sich durch seltsame Inkonsequenz aus. So auch hier: Das Stück strotzt vor Ideen, der Plot entspinnt sich langsam, fängt an interessant zu werden – und nach nicht mal 90 Minuten endet alles abrupt. Ganz so, als hätte die Regie die Lust an der Geschichte verloren und jetzt mal Feierabend machen wollte. 30 bis 45 Minuten mehr Laufzeit, und alles würde einen Sinn ergeben. So wirkt die Geschichte abgehackt und lässt einen verwirrt zurück.

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Momentaufnahme Spezial: Gesehen in London

Ah, London. Die Stadt mit der höchsten Musical- und Theaterdichte der Welt. Als ich das letzte Mal da war, im Februar 2017, versprach ich mir selbst: Ich würde nach London zurückkehren. Aber erst, wenn ich Karten für „Harry Potter and the cursed Child“ bekäme.

An Karten für den offiziellen achten Teil der Harry Potter-Sage zu kommen ist nämlich gar nicht einfach. Immerhin handelt es sich hier um das nachgefragteste Theaterstück der Welt.Man stelle sich vor, es gäbe einen neuen Star Wars-Film, der nur in einem Kino auf der Welt läuft – exakt so ist das mit Harry Potter 8-

Mittlerweile sind zwar auch Ableger in New York und Melbourne und demnächst auch in Hamburg geplant, aber London ist aktuell von Besuchern aus der ganzen Welt total überlaufen. Alle vier Monate lässt das Theater neue Karten raus, für Vorstellungen 12 Monate in der Zukunft. Was für ein Abenteuer die Buchung letztlich ist, habe ich hier aufgeschrieben. Zwei Jahre hat es gedauert, dann war es soweit: Ich hatte einen exzellenten Sitzplatz im meist nachgefragtesten Theaterstück der Welt.

Und wenn ich schon mal in London bin, dachte ich mir, nutze ich gleich die Gelegenheit und gucke mir noch ein paar andere Sachen an. So habe ich über das ganze letzte Jahr mal hier, mal da was gebucht. Am Ende war ich jeden Tag mindestens ein, manchmal zwei Mal im Theater oder in einem Musical. Nicht alles war super, aber das meiste schon. Highlight: Gillian Anderson! Totaler Reinfall: Hamilton. Aber der Reihe nach. Das hier habe ich in London in der vorvergangenen Woche gesehen:


All about Eve [Noël Coward Theatre]

Die USA in den 50ern: Margo Channing ist die Königin des Theater. Publikum und Kritiker liegen ihr zu Füßen. Doch dann kommt Eve. Die junge, schöne Frau vom Lande gibt sich als großer Fan von Margo aus und wird schnell zu ihrer Assistentin. Dort nutzt Eve die Nähe, um die Ältere zu studieren. Stück für Stück drängt Eve, das unverdorbene, talentierte Mädchen, die neiderfüllte Margo aus dem Rampenlicht – bis sie selbst in die Mühlen des Sowbiz gerät und ihr ein Mann bescheidet: „Du bist jetzt mein Eigentum“.

Gillian Anderson lebt seit dem Ende der X-Akten in London, und alle paar Jahre, wenn sie Lust drauf hat, steht sie auf einer Bühne im Westend. Wie sehr sie Lust auf die Rolle der Margo hat, merkt man ihrem Spiel deutlich an. Sie ist diese Grande Dame, die Diva, die sich jüngere Männer hält und deren Welt abseits der Bühne aus Intrigen, Seidenkleidern und Gin Tonic besteht.

In beeindruckenden Szenen bringt Anderson auf den Punkt rüber, das ihre neidische und eifersüchtige Margo ein Produkt eines erbarmungslosen Kults um Jugend und Eitelkeit ist. Echt, diese Performance ist ein Knaller. Als Agent Scully war Gillian Anderson oft nur Sidekick von Mulder, aber hier beherrscht die zierliche Frau mit ihrer Präsenz die gesamte Bühne. Ein Glücksfall, denn eigentlich sollte Cate Blanchett in dieser Produktion die Margo Channing spielen. In der Vorlage, einem Schwarz-Weißfilm aus den 50ern, wurde die Rolle übrigens von Bette Davis verkörpert.

Lily James (Cinderella, Mamma Mia! Here we go again, Baby Driver, Stolz und Vorurteil und Zombies) steht dem Spiel Andersons zum Glück in nichts nach und gibt das Mädchen vom Lande mit einer zugleich naiven wie sinistren Note.

Dass das Stück mit Videoprojektionen angereichert ist, ist der eigentliche Gag dieser Produktion. Immer wieder sieht man über der Bühne Aufnahmen von Kameras, die entweder die Gesichter der Protagonistinnen im Closeup zeigen, zu anderen Orten schalten oder in Räume hineinsehen, die auf der Bühne zwar vorhanden, aber für die Zuschauer nicht einsehbar sind. Das erlaubt Handlungssprünge, aber auch subtiles Spiel oder Einblicke in die Gedankenwelt der Darstellerinnen. In einer Szene etwa seht man Gillian Anderson in Großaufnahme, wie sie sich selbst im Spiegel sieht. Zunächst normal, dann schaltet das Videobild in ihre Gedankenwelt um. Falten werden tiefer, Augenringe dunkler, bis man als Zuschauer begreift, das Margo sich in diesem Moment als uralte Frau sieht.

Schöner Einfall: Das Publikum sieht das Gesicht der Protagonistin in Großaufnahme.

Sehr clevere Produktion mit einem großartigen Cast. Verantwortlich für die melancholische Musik: PJ Harvey.

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Momentaufnahme: Januar 2019

Herr Silencer im Januar 2019

Ischkannnichmehr.

Wetter: Für die Jahreszeit zu warm, mit 5 Grad und viel Regen (in Süddeutschland: Schneemassen). Erst ab der dritten KW wird es schweinkalt, bis minus neun Grad. Am Monatsende wieder knapp über dem Gefrierpunkt und viel Regen.


Lesen:

Reiseführer


Hören:

Bild: Morhardt

Good Morning in the Morning
Launiger Podcast von Dennis Morhard und Renke Bruhns zum Dschungelcamp 2019. Zeitnah, täglich und dieses Mal sogar vorbereitet seziert GMITM die IBES-Folge vom Vortrag. Diesmal mit Gästen, u.a. Modnerd.


Sehen:

Ich bin ein Star, holt mich hier raus! [Kino]

Guter Jahrgang, u.a. mit dem CurryWurstMann, dem Yotta, der Kreisch-Giselle, Tommy Piper, Sibylle Rauch, der Bobfahrerin Sandra, dem wandelnden Haarersatzteil Domenico Dingens, irgendso einer Schauspielerin, einer GZSZ-Grinsebacke, Peter Orloff, einem Blondchen und Leila Lowfire. Das Blondchen wird Dschungelkönigin, warum, weiß niemand.


Spielen:


Red Dead Redemption 2 [PS4]

Die USA im Jahr 1899. Der Westen ist nicht mehr wild, sondern wird Stück für Stück gezähmt. Die Zivilisation breitet sich aus, mit Zügen, Straßen und Elektrizität. Agenten der Detektei Pinkerton sorgen für Recht und Ordnung, unkontrollierte Gebiete werden immer kleiner.

Das ist doof für Arthur Morgan, denn er ist ein Outlaw, ein Gesetzloser, der sich mit seiner Bande vor den Gesetzeshütern versteckt. Arthur ist klar, dass die Zeit der Outlaws vorbei ist. Er möchte lieber heute als morgen mit Betrügereien und Überfällen aufhören und ein geregeltes Leben führen. Das Problem dabei: Damit die Gang aus Männern und Frauen endlich sesshaft werden kann, brauchen sie Geld. Also muss noch ein letztes, großes Ding her, ein Überfall auf eine Bank oder ein Casino oder einen Zug, und dann ist wirklich Schluß mit dem Verbrecherleben.

Ach welch Tragödie sich hier entfaltet. Langsam und behäbig erzählt RDR2 eine Geschichte um den Abgesang einer alten Welt, und was mit denen passiert, die sich nicht ändern können oder wollen. Der Protagonist hätte dabei alle Möglichkeiten – aber er nimmt sie nicht wahr, aus Loyalität zu seiner Wahlfamilie. Dadurch sieht man Arthur Morgan langsam und Stück für Stück in einen Strudel hineinrutschen, bei dem schon klar ist, wie das alles enden wird. Das wird langsam und tieftraurig inszeniert und schön erzählt.

Der eigentliche Star bei RDR2 ist die lebendige und wunderschöne Welt, sowas hat man auf der 8. Konsolengeneration noch nicht gesehen. Schwachpunkte sind die unintuitive Steuerung und ein Bewegungsmodell, dass einen durch ständige Restriktionen in den Wahnsinn treibt. Situations- und Ortsabhängig wird Arthurs Bewegungsgeschwindigkeit oder sein Bewegungsspielraum eingeschränkt. Mal bewegt er sich in Schneckengeschwindigkeit, mal kann er sich nicht von einem bestimmten Ort entfernen. Mal kann er Waffen tragen und ziehen, mal nicht. Das ist völlig widersinnig: In einer der schönsten, offenen Welten, die je geschaffen wurden, spielen sich die Missionen, als würden sie auf Schienen laufen.

Außerdem erzählt einem das Spiel sehr wenig. Es erklärt viele seiner Systeme nicht, darunter, wie man die Schnellreisefunktion nutzt oder wie ein Duell funktioniert.

Bin noch nicht durch damit, deshalb noch keine abschließende Meinung.


Machen:
Arbeiten – Der Jahresendirrsinn, den ich eigentlich hoffte im Dezember entsagen zu können, setzt sich weiter fort. Außerdem: Sorgen. Blutdruck, immer noch seltsames Auto, das vorne höher liegt als hinten, überaus viel Streß – das ist gerade alles unspassig.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Das war das Jahr, das war (2018)

2018 war anstrengend.

Lage der Nation: Politisch ist das erste Halbjahr Stillstand, bis sich endlich eine Regierung gebildet hat. Am Ende kommt ausgerechnet eine große Koalition dabei heraus, dieses demokratiefeindliche Konstrukt, in dem sich die beiden Volksparteien CDU und SPD aufreiben. Die Mitte bricht weg, der die Ränder werden breiter. Insbesondere der Rechtspopulismus verschiebt die Grenzen des Sagbaren, mittlerweile hetzen AfD-, ehemalige CDU- und aktive CSU-Politiker offen gegen Minderheiten.

Im Netz sprießen Seiten für „Alternative Nachrichten“, über die sich die Menschen selbst radikalisieren, meist ohne es zu merken. Insbesondere Medienunerfahrene und vor allem alte Menschen rutschen in die rechten Echokammern hinein, die ihnen über „Nachrichten“ und „Fakten“ einreden, das Horden von messerschwingenden Migranten durch Deutschland ziehen, ständig Leute umbringen und an ALLEM Schuld sind, insbesondere der hohen Mieten in München – aber diese Informationen werden vom Staat und den „Mainstreammedien“ ja totgeschwiegen. Problem dabei: Solche Verschwörungstheorien lassen sich nie widerlegen. Gibt es keine Beweise, hat die halt jemand vertuscht. Im Zweifelsfall Merkel, die sich in diesem Jahr vom CDU-Vorsitz zurückzieht.

Daraufhin taucht Friedrich Merz wieder auf, eine Figur, bei der ich froh war, als sie Anfang der 2000er von der Bildfläche verschwand. Merz arbeitet für Black Rock, den weltgrößten Vermögensverwalter, der dafür bekannt ist, eigene Schattenfinanzmärkte hochzuziehen und Politik ganzer Länder zu beeinflussen. Und nun versucht Black Rock, einen der ihren als potentiellen Kanzler eines der mächtigsten Länder der Welt zu installieren. Geht im ersten Anlauf schief, obwohl man für die Kampagne Profis engagiert und sogar die BILD in Stellung gebracht hat.

Lage der Welt: Während Deutschland nach rechts ruckt und sich ansonsten mit sich selbst beschäftigt (Dieselskandal), dreht der Rest der Welt frei. Die Russen testen Hyperschallwaffen, die Japaner fangen wieder Wale, Trump nimmt die USA aus wie eine Weihnachtsgans, Italien wird von einem rechtsradikalen Pöbler regiert und England versucht sich am Brexit, was auf den Rest der Welt so aussieht, als würden sie sich selbst unter großem Jubel versenken. Daneben finden immer mehr Länder, dass man es mit dem Klimaschutz mal nicht so übertreiben solle, Wirtschaft sei doch viel wichtiger. Alles seltsam, alles erschreckend, gefühlt macht die Welt gerade eine Rolle 50 Jahre rückwärts. Schlimm, wie einige radikale Personen das Rad der Zeit zurückdrehen können.

Und sonst noch? Hier die immer weiter mutierende Form des Bloggerdorf-Fragebogens.

Wort des Jahres: Omaschaf.

Einschneidendstes Erlebnis:
Der Moment beim Arzt, als ich begriff, dass mich mein Blutdruck umbringen wird wenn ich nichts unternehme.

Zugenommen oder abgenommen? Zugenommen.

Bestes Ereignis: Gleich mehrere, hängen immer damit zusammen Leute getroffen zu haben. Meist waren Motorräder involviert.

Mehr ausgegeben oder weniger? Gleich.

Mehr bewegt oder weniger? Weniger. Seufz. Zu viel Arbeit um noch Lust an Sport zu haben. Ich weiß, verkehrte Einstellung.

Die hirnrissigste Unternehmung?Diese unfassbar teure Tech Air-Jacke zu kaufen, bzw. die Umstände: Mehrfach 150 km zum Händler und zurück zu fahren, Jacken in mehreren Größen zu kaufen und wochenlang anzuprobieren, darüber bald irre werden.

Ort des Jahres? Genua. Im Februar. Mit Marta. Großartig.

Die teuerste Anschaffung? Die Tech Air-Jacke mit Chassis.

Das leckerste Essen? Dieses komische Fleischirgendwasgericht in Pomarico. Ich werde nie erfahren was das war, aber war gut.

2018 zum ersten Mal getan? Mit dem Motorrad zusammen übers Meer gefahren und eine thermische Erregungsprüfung mitgemacht.

2018 endlich getan? Mich zu einer Frenulotomie (Penisverkleinerung) durchgerungen. Das macht nun vieles einfacher. Trotzdem noch nicht den Drang verspürt, einen Porsche zu kaufen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Die Nachricht, dass ein guter Freund an Krebs im Endstadium erkrankt ist. Ein schmerzhaftes Erysipel. Noch 5 Kilo mehr auf den Hüften.

Gereist? Oh ja.

2018 war in einem Wort…? Kräftezehrend.

Film des Jahres: „Mission Impossible: Fallout“, knapp vor „Red Sparrow“ und „Bladrunner 2049“

Theaterstück des Jahres: „Gelbe Wüste, Rosa Raum“ im Theater im OP.

Musical des Jahres: „Mary Poppins“ im Stage Theatre in Hamburg

Hörbuch des Jahres: „Die Känguru-Apokryphen“ von Marc-Uwe kling

Spiel des Jahres: War ein ausgezeichnetes Jahr für erstklassige Games. „Spider-Man“, „Red Dead Redemption 2“, „Assassins Creed: Odyssey“ um nur ein paar zu nennen. Mein persönliches Game of the Year war aber das toll geschriebene, sehr gut designte und zum Verlieben schöne „God of War“ (allerdings habe ich zum Zeitpunkt dieses Posts „RDR2″“ noch nicht gespielt).

Serie des Jahres: Ich habe Rick and Morty endlich gesehen und fand das super, da kam auch „Westworld Season 2“ und „A Series of Unfortunate Events Season 2“ nicht dran, und ganz viel mehr habe ich auch nicht gesehen. Ich bin kein Seriengucker, soviel Zeit opfere ich dem nicht.

Buch des Jahres: „Born a Crime“, die Geschichte von Trevor Noah.

Ding des Jahres: Die superleichte elektrische Reisezahnbürste von NewGen Medicals

Spielzeug des Jahres: Eine Fenix LD15R-Taschenlampe.

Enttäuschungen des Jahres: „Shadow of the Tomb Raider“ hält hier unangefochten den ersten Platz. Das Ende einer Trilogie nach zwei starken Vorgängern so zu vergurken, das muss man erstmal hinkriegen. Außerdem schlimm: „Dark“, eine verbissenen-ungelenke Netflix-Serie, deren Alleinstellungsmerkmal Regen in Niedersachsen ist, und „What happenend to Monday“, eine unsympathischer Film, der sich an Gewalt gegen Frauen ergötzt.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Mit dem Reisemotorrad eine Motorradreise zu machen.

Vorherrschendes Gefühl 2018? Müdigkeit.

Erkenntnis(se) des Jahres: Die 68er waren nur eine Gegenreaktion auf eine kälter und gewalttätig werdenere Welt.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2019!

Nekrolog:
War dieses Jahr nicht so schlimm wie im vorvergangenen, was den Kahlschlag der Helden angeht. Im Gegenteil, waren auch einige dabei, wo ich sagen würde: Ach, die gab es noch?
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Momentaufnahme: Dezember 2018

Herr Silencer im Dezember 2018

Auf die letzten Meter wird das Jahr nochmal richtig zum Arschloch.

Wetter: Für die Jahreszeit zu warm, mit 5 bis 10 Grad. Weihnachten viel Regen.


Lesen:

Jasper Fforde: Early Riser [Kindle]
Sechs Monate lang fressen die Menschen, um ordentlich Gewicht auf die Hüften zu bekommen. Denn: Die anderen sechs Monate verbringen sie im Winterschlaf. So war es schon immer, so ist es auch heute. Heute hilft allerdings das Schlafmittel Morphenox beim Winterschlaf. Das Medikament ist knapp und heiß begehrt, denn es unterdrückt Träume. Während die Menschheit in atomar beheizten Schlaftürmen schlummert, peitschen draußen Schneestrürme bei Temperaturen von Minus 80 Grad über Wales. Die einzigen Menschen, die wach sind, sind Schlaflose, Verbrecher und die Winterkonsule, eine paramilitärische Polizei, die die Schlafenden schützt. Ein solcher Konsul, der neu in seinem Job ist, rutscht in eine seltsame Verschwörung hinein, in der es um Zombies geht und die Frage, warum alle von einem blauen Buick träumen.

Ach, Jasper Fforde. Es ist immer das gleiche: Fforde denkt sich irre tolle Welten aus – eine Literaturpolizei innerhalb von Büchern („Thursday Next“), farbbasierte Gesellschaften(„Shades of Grey“), magische Altersheime („The Last Dragonslayer“) oder eben eine, in der der Winter das Leben der Menschen bestimmt. Bis in die kleinsten Details konstruiert Fforde das alles, jedes Ding hat seine Hintergrundgeschichte.

Und dann? Dann lässt er skurrile, aber eigenschaftslose Figuren in diesen verstörenden Welten herumtappen, die praktisch nicht nachvollziehbare Dinge erleben. Seine Geschichten sind eine endlose Abfolge von Deus Ex Machina-Momenten, denen man kaum folgen kann.

Bei den Thursday Next-Büchern fand ich das noch nicht so schlimm, mittlerweile gehen mir aber Ffordes wiederkehrende Marotten auf den Sacque. Auch in Early Riser gibt es schon wieder einen jugendlichen Protagonisten, der alles weiß und alles kann. Schon wieder wird aus der Ich-Perspektive erzählt, und schon wieder wirkt das Buch wie ein Prolog, das genau da endet, wo die Geschichte gerade interessant wird und durchstarten sollte. Aber nein, stattdessen gibt es einen Cliffhanger.

Das ist deshalb so schlimm, weil Fforde mittlerweile keine Fortsetzungen mehr hinbekommt. Es langweilt ihn, seine Geschichten weiter zu erzählen, stattdessen bastelt er lieber an einer neuen Welt für das nächste Buch – anders ist es kaum zu erklären, das die Story von „Shades of Grey“ seit 10 Jahren in der Luft hängt und „Last Dragonslayer“ seit 8 Jahren keinen Abschluss findet.


Hören:

Assassins Creed Odyssey OST
Schön gemachter, griechisch angehauchter Soundtrack, mit Stücken von The Fight und Fanny Perrier-Rochas.

Shirley Bassey: Get the Party Started
Shirley Bassey singt ALLES wie den Vorspann eines Bondfilms. Auf dieser Scheibe Songs anderer Künstler, wie Grace Jones „Slave to the Rythm“ oder Gloria Gaynors „I will survive“. Besonderes Highlight und völlig cool ist ihre Interpretation von P!nks „Get the Party started“.


Sehen:

Winchester – Das Haus der verdammten [Kino]
San Francisco, 1844: Der Psychologe Dr. Dingsbums wird vom Vorstand der Winchester Werke engagiert. Er soll Bescheinigen, dass die alte Witwe Winchester nicht mehr alle Latten am Zaun hat, um sie so aus ihrem Unternehmen rauszuklagen. Dr. Dings macht sich auf zum Gefälligkeitsgutachten und findet Helen Mirren vor, die Tag und Nacht an ihrem Wohnhaus bauen lässt. 168 Zimmer hat das Gebäude bereits, und es werden ständig mehr. Dazwischen gibt es Geheimgänge, ins Nichts führende Treppen und allerlei krudes Zeug. Witwe Winchester glaubt sich nämlich von Geistern verfolgt, den Geistern derjenigen, die mit Winchester-Gewehren getötet wurden. Diese Geister sollen sich in dem vertrackten Gebäude verlaufen.

Das seltsame Haus und die schrullige Winchester-Witwe mit dem Geisterspleen gab es wirklich. Wer hier aber eine Doku erwartet, oder Verfilmung auf Basis einer wahren Geschichte, liegt leider total daneben.

„Winchester“ ist nur ein ganz blöder, kleiner Horrorfilm, der schon in der Exposition unfassbar dumm daher kommt und im Hauptteil alle 2 Minuten mit Jumpscares nervt. Der Protagonist dreht sich um, ZACK, Geistergesicht. Der Protagonist dreht sich wieder um, PLÖTZLICH steht da der Kammerdiener. Echt, mehr hat der Streifen nicht drauf. Ein ganzer Film inszeniert als Jumpscare. JumpScare, Jumpscare, Jumpscare. Alle zwei Minuten zuckt man zusammen. Un-er-träglich, deshalb nicht bis zum Ende geguckt.

Charles Dickens Weihnachtsgeschichte [Theater im OP]
Das Märchen von Ebenezer Scrooge, mit Gebärdensprache. Originell: Teils sind die Rollen doppelt besetzt. Ein Ebenezer Scrooge spricht, der andere macht Gebärden. Sehr cool, überraschend trickreich inszeniert, stellenweise aber viel zu langatmig – etwas mehr Tempo wäre wünschenswert gewesen.

Egal was kommt [Video on Demand]
Christian Vogel hat einen Traum: Einmal mit dem Motorrad um die Welt fahren und die Reise ordentlich vermarkten. Mit 34 kündigt er seinen Job und macht sich mit seinem Motorrad auf die Socken. Ein Jahr lang will er allein unterwegs sein.

Der Film ist in zahlreichen Motorradblogs vermarktet worden. Solches „Influencermarketing“ finde ich immer erstmal verdächtig, und auch der Film selbst beginnt unsympathisch. Über Christian Vogel erfährt man erstmal gar nichts, stattdessen werden die Aufkleber der über 20 Sponsoren (die üblichen Verdächtigen von GoPro bis Wunderlich) und die Marken der Klamotten ins Bild gehalten. Die Reisevorbereitungen werden in nicht mehr als einer Trainingsmontage abgehandelt und sind größtenteils seltsam (bei einem Arzt das Nähen von Wunden an einem toten Huhn lernen? Srsly?) und dann darf Mutti noch in Interviewsequenzen erzählen, dass sie sich ganz doll Sorgen macht.

Das schwitzt aus jeder Pore den bitteren Gestank nach Vermarktung. Finde ich grenzwertig, wenn solche Reisen von Privatpersonen von vornherein auf Verkaufbarkeit gebürstet werden. Das Vogel sich im waren Leben als Fernsehautor und mit Onlineprojekten durchschlägt, nährt die Vermutung, dass hier so einiges inszeniert bzw. von vornherein auf Filmtauglichkeit hin organisiert wurde. Fast hätte ich den Film nach der Hälfte ausgemacht, aber dann hat er mich doch gepackt.

Das liegt an der geschickten Dramaturgie: Vogel erleidet in Indien einen Unfall, der ihn körperlich außer Gefecht setzt und sein Bike schwer beschädigt. Das ist natürlich genau das Motiv der Heldenreise, in der in Akt zwei immer der Held leiden muss, damit er am Ende triumphieren kann.

Tatsächlich ist das Leiden des Christian V. auch das zentrale Motiv, denn alles andere, was solche Motorradreisefilme normalerweise ausmacht – Vorbereitung, Dokumentation der Probleme mit Visa und Einfuhrbestimmungen, oder einfach nur tolle Landschaftsaufnahmen – findet hier nicht oder nur im Schnelldurchlauf statt. Ob die Dramaturgie der Unfallfolgenbewältigung inszeniert ist oder nicht – sie macht den Film anschauenswert, auch wenn einem ausgerechnet der Darsteller fremd bleibt.

Your Name [VoD]
Ein Junge in Tokio und ein Mädchen auf dem Dorf tauschen plötzlich die Körper. Das passiert zwei bis dreimal die Woche, immer sobald sie einschlafen. Was als verwirrtes Chaos beginnt („Wo ist mein Penis?! Wo sind meine Brüste?! Wo bin ich? Wer sind diese Leute?“) wird bald zum seltsamen Alltag, in dem die beiden jeweils zwei Leben leben und sich Nachrichten füreinander hinterlassen. Das ist auch nötig, denn nach dem Aufwachen erscheint das andere Leben stets wie ein Traum. Selbst die Namen der anderen vergessen die beiden immer wieder. Eines Tages hört der nächtliche Tausch auf, und der Junge macht sich auf die Suche nach dem Mädchen, dessen Namen er nicht kennt.

„Your Name“ hat mich ziemlich von den Socken gehauen. Es ist ein Zeichentrickfilm, aber definitiv keiner für Kinder. Die Problematik, zwei Leben auf die Reihe zu bekommen, wird sehr erwachsen dargestellt. Außerdem entspinnen sich gleich mehrere, zarte und sehr geerdete Liebesgeschichten – und dann hat der Film ab der Mitte einen Twist, der einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Ab diesem Moment wird es mysteriös und so spannend, dass ich Nägelkauend auf der Sofakante saß. Ein sehr sinnlicher und fantastischer Film, der sehr erwachsen ist und große Emotinen weckt. In Japan ist der schon vor zwei Jahren quasi durch die Decke gegangen, jetzt ist er erst zu uns gekommen. Unbedingt angucken, gibt´s bei Amazon für 1,99 Euro zu Leihen.

Hotel Artemis [VoD] In Los Angeles betreibt Krankenschwester Jodie Foster das Hotel Artemis. Der Hotelbetrieb ist nur Fassade, tatsächlich handelt es sich beim „Artemis“ um ein Krankenhaus für Kriminelle, die von Foster schnell wieder zusammengeflickt werden. Das Artemis hat strenge Regeln: Aufgenommen werden nur Mitglieder eines exklusiven Clubs, es werden ausschließlich Codenamen verwendet und das Töten anderer Gäste ist Tabu.

Sieht eingangs ein wenig nach Style over Substance aus, wenn eine auf alt geschminkte Jodie Foster durch das dark & gritty Hotel trippelt oder eine langbeinige Killerin tagelang in einem Cocktailkleid mit Hüftschnitt mondän in der Lobby rumhängt. Doch dann setzt sich eine erstaunlich komplexe Geschichte in Gang, die wie in einem Kammerspiel inszeniert wird und bei der alle Figuren nachvollziehbare interessen haben. Oh, und dann ist da noch Sofia Boutella als langbeinige Killerin. Die Tänzerin stellt mal wieder völlig irre Dinge an. Sehenswert!


Spielen:

Assassins Creed: Odyssey [PS4]
Kassandra ist eine Misthios, eine Söldnerin im Griechenland des Jahres 430 v.Chr. Sie lebt ohne Familie und von Job zu Job. Das war nicht immer so: Sie kann sich noch an eine behütete Kindheit in Sparta erinnern. Bis zu dem Zeitpunkt da ihr Vater, ein hochdekorierter Soldat, ihren Babybruder vom Berg Tygetos warf – und sie gleich hinterher.

Das Mädchen überlebte den Sturz und wurde zu einer muskulösen Kämpferin, die nun gegen Geld säumige Zahler auf der Insel Kefalonia zusammenschlägt oder für den Meistbietenden in die Schlacht zieht. Das ändert sich, als sich ihr die Chance bietet, Kefalonia zu verlassen. Kassandra reist durch Griechenland und begegnet Zeitgenossen wie dem Geschichtsschreiber Herodot, dem Philosophen Sokrates oder dem Heiler Hipokrates. Allerdings ist die Reise nicht immer friedlich: Zwischen Athen und Sparta tobt der peloponnesische Krieg. In dessen Wirren findet Kassandra Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und Hinweise auf einen geheimnisvollen Kult, der im Hintergrund die Fäden zieht.

„Mehr Rollenspiel“ sollte Odyssey sein, das „größte Assassins Creed überhaupt“ usw. usf.
Lässt man das jährlich wiederkehrende Marketingsprech mal weg, bleibt ein Prügelspiel im historischen Gewand übrig, quasi der Film „300“ zum Spielen. Der Unterbau ist der gleiche wie im Vorgänger „Origins“ vom vergangenen Jahr, allerdings ist „Odyssey“ weit davon entfernt, nur ein anderer Skin für das gleiche Game zu sein. Im Gegenteil, hier wurde an der zugrundeliegenden Engine gefeilt und vieles anderes gemacht, manches sogar besser.

Am Vorgänger hatte ich moniert, dass das Deckungssystem unnütz und das Kampfsystem broken war. Das ist bei „Odyssey“ nun besser, es gibt kein Rummfummeln mit dem Schild mehr, und Zuschlagen funktioniert agiler. Das macht durchaus Laune, wird aber von zwei Problemen etwas versäuert. Zum einen passieren Kämpfe ständig, ohne das es besonderer Anstrengung bedarf. Einmal übers falsche Grundstück gelatscht, schon hat man ein halbes Dutzend Wachen am Hintern.

Zum anderen: Die Kämpfe sind deutlich zu lang. Meist hat man ein oder zwei „Captains“ mit dabei, und deren Lebensbalken sinkt nur in homöopathischen Dosen. Das ändert sich im Spielverlauf auch nicht oder nur wenig, denn die GEGNER LEVELN MIT. Das ist in meinen Augen eine Todsünde, denn man steckt viele, VIELE Stunden in den Aufbau der eigenen Spielfigur, ohne das die wirklich spürbar stärker wird.

Progression erfolgt stattdessen in erster Linie über Loot, was extrem unbefriedigend ist. Ich weiß natürlich, woher das kommt: Odyssey soll ein Game-as-a-Service sein und die Spieler mit Contentnachlieferungen möglichst lange binden, und Loot mit anderen Punktwerten ist halt billig zu erstellen.

Gefallen muss mir das aber nicht, denn durch den GAAS-Ansatz passieren Dinge, die ich ungesund finde. So schrammt „Odyssey“ durch seine Levelgrenzen, zu viel Nebenmission und Fetchquests am Grind und damit an Lebenszeitverschwendung entlang, kriegt aber meist noch die Kurve. Für Leute, die aber irgendwann auch mal mit einem Spiel fertig werden wollen, gibt es im Store gegen Echtgeld XP-Booster, die das Durchspielen beschleunigen. Das muss man sich mal reinziehen: Man kauft ein Spiel um unterhalten zu werden, und muss DANN noch Geld ausgeben, damit es kürzer und wieder spielbar wird. Das ist in meinen Augen ein spielkulturelles Problem.

Was besser geworden ist: Während in Vorgänger „Origins“ alle NPCs aussahen, als hätten sie wirklich, WIRKLICH schlimme Autounfälle gehabt, sind die Figuren in „Odyssey“ zum Verlieben schön. Mimik, Körperhaltung, Animation – alles hier sieht fantastisch aus und passt gut zu der toll modellierten Landschaft. Klippen, Wälder, Städte – ja, das Griechenland, und es ist wunderschön.

Alle neuen Systeme sind dafür in „Odyssey“ unnütz. Dazu zählen Dialogsystem, Söldnerränge und Eroberungsschlachten. Im Dialogsystem, was als Feigenblättchen für den angeblichen RPG-Charakter von „Odyssey“ herhalten muss, haben die Antwortoptionen nur an insgesamt 6 Stellen im Spiel einen Effekt, ansonsten sind sie Kosmetik – es ist schlicht völlig egal, was man auswählt, der Outcome ist stets gleich.

Das Söldnersystem funktioniert in der Theorie ähnlich wie eine Kombination aus dem Wanted-Level in „Grand Theft Auto“ und das Nemesissystem in „Shadow of Mordor“: Lässt man sich bei Verbrechen erwischen, wird ein Kopfgeld ausgesetzt, und Söldner machen Jagd auf Kassandra. Die kann sich den Söldnern stellen und sich durch ihre Ränge kämpfen, um dafür dafür Loot einheimsen und Vergünstigungen bei Händlern zu bekommen.

Hört sich gut an, nervt in der Praxis aber konstant. So passiert es ständig, dass Söldner innerhalb von Missionen auftauchen und diese verhageln. Mehr als einmal bin ich heimlich in Anwesen rumgeschlichen, habe mich ungesehen meinem Ziel genähert – und dann tauchte plötzlich mitten im Zimmer ein Söldner auf und wollte kämpfen. Zum Glück lässt sich nach einiger Zeit das Kopfgeld im Menü des Spiels begleichen und so die Söldner loswerden. Geld ist, zumindest nach den ersten Spielstunden, aufgrund von schlechtem Balancing sowieso im Überfluss vorhanden.

Ähnlich unsinnig ist auch das neue Element der Schlachten. Kassandra kann sich entscheiden, ob sie in Gebieten die Machthaber schwächt oder stärkt, um dann Spartanern oder Athenern in einer großen Schlacht zum Sieg über eine Region zu verhelfen. Nur: Das hat NULL Effekt auf die Umwelt. Es spielt keine Rolle, ob Spartaner oder Athener die Mehrzahl der griechischen Regionen besetzen, ist also reiner Selbstzweck. Zum Glück lässt sich dieser Unfug weitgehend ignorieren, genau wie ein Gutteil der Missionen. Die sind spielmechanisch größtenteils repetitiv, aber wesentlich besser geschrieben als im Vorgänger und oft ganz unterhaltsam. Manchmal enthalten sie auch Infos, die für die Hauptstory wichtig ist. Diese Perlen des Writings muss man aber erstmal finden, denn sie sind unter viel zu viel Gerümpel vergraben.

Damit kommen wir zu den beiden Punkten, die ich zuerste als Probleme von „Odyssey“ ausgemacht hatte:

  1. Es ist zu groß. Das Ägypten in „Origins“ war schon zu groß, und Griechenland in „Odyssey“ ist nochmal deutlich größer. Von allem gibt es zu viel: Zu viel Landschaft, zu viel Charaktere, zu viele Missionen, zu viel Loot. Für normale Spieler ist das Game unspielbar, denn wer hat schon die Zeit, mehr als 100 Stunden in so etwas zu versenken? Zum vergleich: Assassins Creed II, bis heute das beste Spiel der Reihe, erzählte eine tighte und spannende Story in 20 Stunden

  2. Es ist lange Zeit kein „Assassins Creed“ mehr. Von der Lore her nicht, denn der Creed entsteht erst 400 Jahre später, die Assassinen treten gar erst 1.500 Jahre später auf. Spielerisch aber auch nicht. Ja, man kann schleichen, aber lautlose Morde gibt es hier nur selten, die Zielpersonen lassen sich meist nicht lautlos meucheln.

…und dann merkte ich, so ab Stunde 80, das mit die große, offene Welt mit ihren unterschiedlichen Landschaften und ihren vielen Geschichten doch unheimlich Spaß macht. Plötzlich war es fast ein trauriger Gedanke, dass die Odyssee irgendwann enden sollte. Als sie das nach 105 Stunden wirklich tat, war das Ende aber tief befriedigend.

Denn bei aller Kritik: Das Ende ist es dann auch, was die drei Haupthandlungsstränge um Kassandras Familie, die Artefakte der ersten Zivilisation und den geheimen Kult zusammenführt und „Odyssey“ doch zu einem Assassins Creed-Spiel macht. Es bringt nämlich einen WTF-Moment mit, der einen allen Grind vergessen lässt. Schade, dass die allerwenigsten Spieler dieses Ende sehen werden und schade, dass die Handlung bis dahin nicht deutlicher macht, wohin die Reise geht – zusammen mit einer besseren Gegenwartsstory (die mal wieder durch Abwesenheit glänzt) hätte Odyssey wirklich stark werden können.

So bleibt eine nette, historische Open World, die zum Eintauchen und sich Verlieren einlädt. Grafisch ist alles wunderschön anzusehen, spielerisch ist alles zum Großteil OK. Für mich funktioniert Kassandras Odyssee durchaus. Es macht mir Spaß, die Welt zu erkunden, und zum Background der sinnsuchenden Söldnerin passt die fragmentierte Erzählung und die vielen Seitenmissionen besser als die plumpe Rachegeschichte aus dem Vorgänger.

Im vergangenen Jahr hatte ich gemeckert, weil „AC: Origins“ die Kim Kardashian unter den „Assassins Creeds“ war: Hübsch anzusehen, aber rotzedoof und unter der Oberfläche ziemlicher Trash. Das ist „Odyssey nicht. Es ist nochmal hübscher, aber gleichzeitig intelligent aufgebaut und in Teilen auch gut geschrieben. Quasi die Emma Watson unter den AC-Spielen.

In der Summe bleibt ein gutes Spiel, das aber deutlich zu lang ist. Durchschnittsspieler werden es im Sale kaufen, anspielen, aber nie das Ende sehen. Ich verabschiede ich mich derweil endgültig von dem Gedanken, jemals wieder ein „Assassins Creed“ zu sehen, das die spielübergreifende Narration voranbringt und der Ur-Vision folgt, aber hey, 105 Stunden gute Unterhaltung sind auch nicht schlecht.

Spider-Man DLC: The City that never Sleeps [PS4]
New York erholt sich langsam von den Ereignissen des Hauptspiels, als Spiderman auf eine Einbruchserie aufmerksam gemacht wird. Anscheinend stiehlt Black Cat Kunstwerke, lässt diese aber zerstört in der Nähe der Tatorte zurück. Die Spinne stellt die Diebin, nur um festzustellen, das weitaus Schlimmeres passiert. Eine alte Mafiafamilie liegt im Krieg, und ein Aufsteiger aus ihren Reihen nutzt Technologie der Söldnergruppe Sable, um erst einen Krieg anzuzetteln, und sich dann in ein Cyborg-Monster umbauen zu lassen.

WTF? Was ist DAS denn? Das ist kein DLC, das ist ein zweites Spiel! Eine neue Story, die in drei Episoden erzählt wird. Das Ding ist fantastisch – und frustrierend.

Fantastisch, weil es all das Gute aus dem Hauptspiel nimmt und eine neue Geschichte erzählt, die wirklich gut geschrieben ist. Allein Peters Krise, weil er plötzlich Vater werden könnte, ist ausgezeichnet in Szene gesetzt. Je nach Episode gibt es unterschiedliche spielmechanische Schwerpunkte, zusätzlich gibt es „More of the Same“-Nebenaufgaben wie das ausräuchern gegenerischer Basen.

Frustrierend ist es, weil es verdammt schwer ist. „The City that never sleeps“ richtet sich klar an diejenigen, die das Hauptspiel mindestens ein Mal durchgespielt haben, mit einem Level 50+-Charakter spielen und den zur Perfektion beherrschen. Ich hatte nach drei Monaten die Steuerung vergessen und bin innerhalb der ersten Minuten schon drei Mal gestorben. Deshalb habe ich notgedrungen den Schwierigkeitsgrad auf „Einfach“ runtergestellt, aber selbst damit war es schwer. Teilweise wirft einem das Spiel so viele Gegener auf den Bildschirm, dass die Steuerung träge wird. Der Schwierigkeitgrad ändert aber nichts an den Zeilimits, und die sind bei den neuen Challenges von Screwball, der nervigen Social-Media-Villain, wieder entscheidend. Also: Verdammt schwer, für Spidey-Fans aber sehr gut.


Machen:
Leiden, an einem extrem schmerzhaften Erisypel.


Neues Spielzeug:
Kein Spielzeug, aber auf die letzten Meter des Jahres nochmal eine teure Anschaffung: Beim Kleinen Gelben AutoTM ist vorne eine Feder gebrochen. Das ist nicht nur teuer, das zieht auch noch Ärger nach sich – denn die Werkstatt hat verkehrten Federn eingebaut und den Wagen dadurch höher gelegt, besteht aber darauf, dass das die richtigen seien. So endet das alte Jahr mit Ärger und Sorgen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: November 2018

Herr Silencer im November 2018

Drei Kreuze wenn der Monat endlich rum ist.

Wetter: Erste Monatswoche mit 6-20 Grad viel zu warm und sonnig. In der zweiten und dritten Woche wird es kühler, unter 10 Grad, aber die Sonne scheint immer noch aus allen Knopflöchern. Ab der vierten dann Novemberwetter: Dunkel, grau, feucht, kalt. So muss November!


Lesen:


Bob Woodward Fear [Kindle]

Das weiße Haus unter Trump. Einsichten und Hintergrundinfos zu den Geschehnissen der ersten 18 Monate.

Watergate-Urgestein Bob Woodward präsentiert Fakten von Augenzeugen, die Hintergründe zu Geschehnissen wie dem Rausschmiss von FBI-Chef Comey liefern. Mit seinem trockenen, nüchternen Stil wirkt Woodward wie aus der Zeit gefallen. Aufmerksame Leser erfahren wenig mehr, als sie aus den Medien nicht ohnehin schon wissen. Dabei liest sich das Buch weniger interessant als vergleichbare Werke („A higher Loyalty“, „Fire and Fury“), die allerdings auch deutlich auf reisserische Effekt abzielen. Woodward größte Leistung ist es, Trumps White House akkurat zu dokumentieren und seinen Herrschaftsstil auf ein Wort einzukochen, das es genau trifft: Angst. Ein Fest für zukünftige Generationen von Historikern, aktuell aber nicht herausragend.


Hören:


Sehen:

Fantastic Beasts: Grindelwalds Verbrechen [Kino]
Nude Sacaramanga, der introvertierte Magie-Zoologe, wird von Zauberlehrer Dummelbart nach Frankreich geschickt um einen faschistischen Albino-Johnny-Depp auzuhalten.

Ich mochte den ersten „Fantastic Beasts“ von 2016 sehr gerne. Das war eine erwachsene Geschichte in den 1920er Jahren, tolle Charaktere, und das alles in der „Harry Potter“-Zauberwelt von J.K. Rowlings. Leider hat nun „Grindelwalds Verbrechen“ mit dem ersten Film nicht mehr viel zu tun. Er ignoriert praktisch alles, was im Vorgänger geschehen ist, drückt bei einigen Charakteren den Reset-Knopf, belebt Tote wieder und verbiegt Figuren entgegen ihrer eingeführten Wesenszüge (Queenie in der unglaubwürdigsten Szene seit Anakin Skywalker).

Die Story von Fantastic Beasts 2 benötigt den ersten Film schlicht nicht, auch hier wird alles auf Null gesetzt – und kommt dann nicht mehr von der Stelle. Die Gesamthandlung von „Fantastic Beasts“ ist auf 5 Filme ausgelegt, und „Grindelwalds Verbrechen“ ist größtenteils Füllmaterial. Eigentlich geht es hier nur darum, dass alle was suchen, dann große Enthüllung am Ende.

Allerdings eine Enthüllung, die weniger schockierend ist, als vielmehr eine von der Sorte, bei der man sich an den Kopf fast und sagt „oh, bitte, nicht DAS auch noch!“.

Ab und zu schleicht Johnny Depp durch die Kulissen, bleibt aber dabei so blass wie die Hautfarbe seines Charakters. Toll sind dagegen die Ausstattung (Paris der 20er Jahre!), einige Tierwesen (ein Seepferdchen aus Algen!) und die Schauspielerische Leistung von Eddie Redmayne (Scamander), Allison Sudol (Queenie) und Zoe Kravitz (Letha Lestrange). Das gerade letztere am Ende völlig unmotiviert verheizt wird, wo sie vorher als der interessante Charakter aufgebaut wurde, versinnbildlicht das Problem: „Grindelwalds Verbrechen“ nimmt viel Anlauf, rennt dann aber mit voller Wucht gegen die Wand.
So kommt er nirgendwo hin.

Mary Poppins [Stage Theater an der Elbe]
Kindermädchen gibt Schützlingen halluzinogene Drogen und macht mit einem Obdachlosen rum.

Tolles Musical, das weniger durch große Emotionen oder mitreissende Musikstücke beeindruckt, als vielmehr durch die fantastische Inszenierung und Besetzung. Elisabeth Hübert IST Mary Poppins, und auch der Rest des Casts macht einen guten Job. Nicht mal die Kinder nerven, sondern spielen wirklich gut. Heimlicher Star der Show ist das Bühnenbild, das durch abgefahrene Tricks beeindruckt. Sei es ein ein Haus, das sich wie ein Pop-Up entfaltet, ein Park, der aus den Wolken herabfährt oder die Dächer von London, die sich langsam zusammensetzen – die Besucher staunen, und das ist es ja, was Mary Poppins letztlich schaffen will.

Der Gott des Gemetzels [Theater im OP]
Ein Junge hat einem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Eltern der Kinder setzen sich zusammen. Was als Austausch einer Entschuldigung und milder Worte beginnt, driftet schnell ab in Situationen, die den Kern der Personen und so einige Nerven freilegt. Das endet nicht in einem Gemetzel – aber ist dicht dran.

Die wechselnden Allianzen eines Nachmittags, der langsame Zusammenbruch von Lebenslügen, das wird schön gespielt und ist stellenweise wirklich sehr intensiv. Nur die Verwendung von echten Parfüm auf der Bühne, das hätte nicht sein müssen.


Spielen:

Assassins Creed: Odyssey [PS4]
Kassandra ist eine Mithios, eine Söldnerin im Griechenland des Jahres 430 v.Chr. Sie lebt ohne Familie und von Job zu Job. Das war nicht immer so: Sie kann sich noch an eine behütete Kindheit in Sparta erinnern. Bis zu dem Zeitpunkt, da ihr Vater, ein hochdekorierter Soldat, ihren Babybruder vom Berg Tygetos warf – und sie gleich hinterher.

Das Mädchen überlebte den Sturz und wurde zu einer muskulösen Kämpferin, die nun gegen Geld säumige Zahler auf der Insel Kefalonia zusammenschlägt oder für die Meistbietenden in deren Schlachten zieht. Das ändert sich, als sich ihr die Chance bietet, Kefalonia zu verlassen. Kassandra reist fortan durch Griechenland und begegnet Zeitgenossen wie dem Geschichtsschreiber Herodot oder dem Philosophen Sokrates. Allerdings ist die Reise nicht immer friedlich: Zwischen Athen und Sparta tobt der peloponnesische Krieg. In dessen Wirren findet Kassandra Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und Hinweise auf einen geheimnisvollen Kult, der im Hintergrund die Fäden zieht.

Eigentlich sollte hier eine längliche Rezension stehen, aber die muss nochmal verschoben werden. AC:O ist groß. ZU groß. Es gibt von allem zu viel: Zu viel zu erkunden, zu viel Quests, zu viele Charaktere. Ich spiele das jetzt seit Oktober und habe allen anderen Medienkonsum auf Null zurückgefahren, und dennoch bin ich vom Ende noch weit entfernt. Das bei Spielstunde 80 ein gamebreaking Bug auftauchte, wegen dem ich 20 Stunden zurückgeworfen wurde, macht die Sache natürlich auch nicht besser.

Es gibt es viele Gründe, das Spiel nicht zu mögen: Mal wieder zu wenig Handlung. Mitlevelnde Gegner (Todsünde! Dadurch wird jegliches Progessionsgefühl negiert!). Neue Systeme, die völlig unnütz sind (Schlachten, Söldner). Echtgeld XP-Booster, die das Durchspielen beschleunigen. (Das muss man sich mal reinziehen: Man kauft ein Spiel um unterhalten zu werden, und muss DANN noch Geld ausgeben, damit es kürzer wird!).

Aber: Griechenland inkl. der wichtigsten Inseln ist wunderschön modelliert, die Charaktermodelle sind eine Augenweide, und irgendwie macht es dann doch großen Spaß. Schade, dass aufgrund der zu langen Spielzeit nur wenige Menschen das Ende dieser Odyssee sehen werden. Kann man im Sale auf jeden Fall kaufen, mehr dazu dann in Kürze.


Machen:
Mal wieder das MKG besuchen.


Neues Spielzeug:

Ein neuer Kindle Paperwhite. Meinen alten habe ich 2012 gekauft, der hat also schon satte 6 Jahre auf dem Buckel. Und er war immer noch gut: Der Akku hält immerhin noch zwei Wochen (Hälfte von dem, als er neu war), das Display hat keine Kratzer, und obwohl ich ihn überall mit hinschleppe und sogar am Strand benutze, hat er keinerlei Verschleisserscheinungen.

Trotzdem nun der neue, der mich durch saftige Preisreduktion in der Cyberwoche verführt hat. Der neue ist nun wasserfest, bringt Bluetooth für Hörbücher mit und ist (spürbare) 30 Gramm leichter. Damit hat der Paperwhite jetzt alles, wegen dem ich mit dem Kindle „Voyage“, den es nun nicht mehr gibt, geliebäugelt hatte.

Der eInk-Bildschirm ist in der 4. Generation wesentlich besser ausgeleuchtet als bei meinem alten Modell, zum direkten Vorgängermodell von 2016 sieht man aber keine Änderung. Enttäuschend: Das Display hat immer noch keinen Nachtmodus mit wärmeren Farben. Das Gerät strahlt so weiß-blau, wie der interne Modellname („Moonshine“) es vermuten lässt.

Unschön: Der Kontrast ist nicht mehr so hoch – statt gestochen scharf und schwarz wirkt die Schrift bei niedriger Beleuchtungseinstellung und Standardschriftart nun grau und etwas verwaschen, und das trotz einer Retinaauflösung von 300 Bildpunkten. Das sei normal so, sagt der Amazon-Kundendienst. Ebefalls unschön: Das Display schließt jetzt plan mit der Vorderseite ab. Das sieht hübsch aus, bedeutet aber auch: Legt man das Gerät mit dem Display nach unten ab (damit es nicht einstaubt), gibt es Kratzer. Schön ist dagegen die Geschwindigkeit – der neue Paperwhite lässt sich flüssig bedienen, mein alter brauchte bei jedem Tipp außerhalb eines Buches 5 bis 10 Sekunden, bis er die Aktion ausführte.

Insgesamt ist die 4. Generation ein nettes Update, das aber zu kurz gesprungen ist und mich etwas enttäuscht zurücklässt. Besitzer des direkten Vorgängers bleiben besser bei ihrem Gerät, wenn sie nicht dauernd in der Badewanne lesen oder Hörbücher hören wollen. Ansonsten wartet man besser auf die nächste Generation, die dann sicher einen Warmlicht-Modus für Nachts mitbringt.

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Momentaufnahme: Oktober 2018

Herr Silencer im Oktober 2018

Oktoberliebe

Wetter: Monatsanfang bis Monatsmitte gemischt von kühl bis hochsommerlich, Nachttemperaturen 2-4, tagsüber 12-25 Grad, dabei trocken und sonnig. Als ich am Monatsende zurückkomme, sind es nur noch 3 bis 5 Grad.


Lesen:

Anja Rützel Lieber allein als gar keine Freunde [Kindle]
Anja Rützel ist gerne allein. Sie kann sich gut mit sich selbst beschäftigen, braucht keine anderen Menschen um Bestätigung zu finden und ist auch nicht auf der Suche nach Zweisamkeit. Darüber hat sie nun ein Buch geschrieben.

„La Rützel“ ist schon seit Jahren eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Beobachtungen zu „Dschungelcamp“ und anderen Trash-TV-Formaten sind hoch amüsant, sprachlich faszinierend und so ziemlich die letzten Artikel, die man auf Spiegel Online noch lesen kann. „Lieber Allein“ hat mein Herz höher schlagen lassen, zum einen, weil ich eben schon lange Rützel-Fan bin, zum anderen, weil endlich mal jemand über das Thema „Alleinsein“ schreibt, ohne das als hartes Los, Ungerechtigkeit oder generell als Zustand zu empfinden, der schnellstmöglich geändert werden muss.

Anja Rützel geht das Thema dabei nicht abstrakt, sondern am Beispiel Rützel an – das sind sehr intime und oft auch lustige Einblicke in ihr Leben. Das liest sich hinreissend, und auf beinahe jeder Seite habe ich mich wieder- oder zumindest verstanden gefunden. Endlich schreibt mal jemand darüber, dass Einsamkeit auch etwas sehr Tolles sein kann und es Menschen gibt, die dafür gemacht sind, und die allein nicht unglücklich sind. Anja Rützel sehnt sich nicht insgeheim nach einer Prinzenbrust zum Ankuscheln, sondern ist mit tiefster Zufriedenheit erfüllt, wenn sie im Stillen und nur für sich Gürteltiere aus Ton kneten kann.

Leider ergaben die Einblicke in die Rützel-Seele wohl noch keine Buchlänge, also wurden vorne noch endlose Passagen über Liedtexte zum Thema Einsamkeit und hinten Kapitel über Klon-Hunde angeflanscht. Das ergibt nur begrenzt Sinn, aber selbst wenn man diese Teile des Buchs ausblendet, bleibt noch genügend Interessantes übrig. Vor allem, weil endlich ausgesprochen wird, was nur für wenige Menschen eine Wahrheit ist: Allein sein muss nichts schlechtes oder gar bedauernswertes sein.


Hören:


Heinz Strunk: Jürgen [Hörbuch itunes]
Jürgen Dose ist etwas naiv, aber immer gut drauf. Und: Er weiß alles über Frauen. Zumindest in der Theorie, in der Praxis will es mit dem anderen Geschlecht nicht so richtig klappen. Da kommt sein Freund Bernd auf eine Idee: Warum nicht die Liebe bei einer Partnervermittlung in Polen suchen?

Ich mochte den Film nicht, und das Hörbuch ist auch nicht besser. Heinz Strunk pappt hier Versatzstücke aus seiner eigenen Biographie aneinander und dichtet die einem unglaubwürdigen Charakter an. Wirklich, über weite Passagen finden sich Beschreibungen und Ereignisse genau so bei den Vorgängerbüchern „Fleich ist mein Gemüse“, „Fleckenteufel“ und „Junge rettet Freund aus Teich“ wieder. Diese Wiederholungen mixt Strunk mit endlosen Einlassungen aus der Populärpsychologie und schickt dann unglaubwürdige Charaktere in einen seltsam blutleeren Plot. Was dabei rauskommt ist über lange Phasen schlicht langweilig. Selbst Strunks Stimme nervt bei diesem Hörbuch, denn er versucht Jürgen so zu sprechen, als hätte er immer ein Lachen auf den Lippen. Schlimm. Bitte dieses Buch weiträumig umfahren und eines seiner anderen Werke ansteuern.

Heinz Strunk: In Afrika [Hörbuch itunes]
Heinz Strunk macht mit einem Freund über Weihnachten in Afrika Urlaub. So der Plan. Leider kommt ihm dann zuerst sein Koffer, dann besagter Freund abhanden. Allein und ohne Rasierzeug findet er sich aber auch ganz gut zurecht.

Ein unsicherer Neurotiker auf Reisen. Was als Fish-out-of-the-Water-Geschichte beginnt, wandelt sich schnell in eine Story darüber, wie man sich selbst gutes tun sollte. Strunk-typisch steht diese Geschichte dabei aber nicht im Vordergrund, sondern scheint zwischen vielen feinen Beobachtungen und Miniaturen immer wieder durch. Sehr lustig, sehr hörenswert, zumal Strunk das Hörbuch wieder selbst liest, mit seinem typisch Harbuger Akzent.

Marc-Uwe Kling: Die Känguru Apokryphen [Hörbuch itunes]
Kleinkünstler Marc-Uwe lebt mit einem Känguru zusammen, das behauptet Kommunist zu sein, am Liebsten Schnapsparlinen futtert und Schnick-Schnack-Schnuck mit der Sonderregel „Meteoriten sind erlaubt“ spielt.

Alles, was in der Bibel keinen Platz hatte, wurde in die Apokryphen verklappt. So ähnlich auch hier: Die Trilogie aus „Känguru Chroniken“, „Känguru Manifest“ und „Känguru Offenbarung“ bleibt in sich geschlossen und findet hier keine Fortsetzung. Die Apokryphen enthalten kurze Stories, die vor, nach oder während der Trilogie spielen. Wer die letzten beiden Bücher nicht mochte, weil der große Handlungsbogen gegen Ende etwas überdreht war (Ja, es gibt Menschen, die kommunistische Kängurus akzeptieren, aber Pinguine mit Weltherrschaftsplänen als absurd abtun), der wird hier wieder glücklich. Die Apokryphen lesen sich exakt so wie die „Chroniken“ und haben mich laut lachen lassen. Wie immer gilt auch hier: Unbedingt die Hörbuchfassung nehmen. Klings Intonation des Kängurus ist einfach großartig.


Sehen:

Zukunft für immer [Theater im OP]
Unzusammenhängende Erinnerungen dreier Schauspielerinnen des Dresdner Schauspielhauses an die DDR. Toll vorgetragen, aber leider zusammenhanglos, verwirrend und langweilig. Gut, dass das Elend nicht länger als eine Stunde ging.


Spielen:

In Mittelamerika macht Lara Croft Jagd auf Trinity, die geheimnisvolle Organisation, die mutmaßlich für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Tatsächlich schafft sie es, den Chef der Dunkelmänner aus der Reserve zu locken und ihm ein Artefakt vor der Nase wegzuschnappen. All zu clever war diese Aktion aber nicht, denn mit dem Diebstahl löst Croft versehentlich die Apokalypse der Inkas aus. Während die Welt von Erdbeben und Tsunamis geschüttelt wird, sucht sie verzweifelt nach einem Weg die Katastrophe zu stoppen.

Das ist nun der dritte Teil der Reboot-Reihe, die den Aufstieg von Lara Croft zum Tomb Raider zeigen soll. Die ersten beiden Spiele von 2013 und 2015 sind echte Highlights, die ich immer wieder gerne spiele. Sie haben eine tolle Geschichte, in der man sich gerne verliert.

Um es mal kurz zu machen: Anstatt die Trilogie mit einem Höhepunkt abzuschließen, ist „Shadow of the Tomb Raider“ einfach liebloser Müll, der an vielen Stellen einfach hingerotzt wirkt und dem alles egal ist. Das gilt für die Story und die Figuren genauso wie für das Gameplay. Nichts wird hier besser gemacht als in den Vorgängern, stattdessen demontiert man sich selbst.

Das Gameplay, eigentlich aus den Vorgängern bekannt und erprobt, wurde dieses Mal völlig lieblos umgesetzt. So lieblos, das manche der wichtigen Systeme erstaunlicherweise nicht mehr funktionieren: Das Craftingsystem ist nun völlig egal, die Händler verkaufen nur noch unnützen Blödsinn, und auch das Skillsystem enthält nur noch unbrauchbaren Müll. Man kann das Spiel durchspielen, ohne sich ein einziges Mal mit diesen Mechaniken zu befassen.

Selbst im Kerngameplay gibt es Probleme: Dank engerer Zeitfenster sind Counter im Nahkampf kaum noch möglich, und Kletterpassagen enden manchmal in Abstürzen, weil Mountpoints nicht vernünftig sitzen. Das sieht nach fehlendem Polishing aus, und das, obwohl „Shadow“ ein sattes Jahr länger in der Entwicklung war als sein Vorgänger. Die Probleme können auch daran liegen, das hier erstmals das Entwicklerstudio Eidos Montreal ein Tomb Raider vorlegt, die Vorgänger waren allesamt von Crystal Dynamics.

Der Wechsel des Entwicklungsstudios erklärt vielleicht auch die narrativen Schwächen und einen Plot, der nach 5 Minuten in sich zusammenklappt. Die Geschichte fängt zwar stark an, spielt aber nach der ersten halben Stunde keine Rolle mehr. So wird Begleiter Jonah anfangs als wichtige Bezugsperson eingeführt, der als eine Art gutes Gewissen versucht Lara klar zu machen, dass sie in krankhafte Besessenheit abzugleitenden droht und ihre unüberlegten Handlungen schlimme Konsequenzen für anderen Menschen haben.

Da denkt man als Spieler: „Hu, Obsession, schlimme Konsequenzen, das ist ja interessant“ – nur wird aus diesem Thema in der Folge nichts mehr gemacht. Im weiteren Verlauf wird Jonah zum Hanswurst degradiert, der nur noch nervt, während Croft mit allem, was sie tut, stets richtig liegt. Krassestes Beispiel: Zu Anfang macht Jonah die deutliche Ansage, das sich nicht immer alles nur um Lara dreht, und sie nicht immer versuchen soll die Welt zu retten – und am Ende dreht sich eben doch alles um Lara, die als Auserwählte die Welt im Alleingang rettet. Bleh.

Der Weg bis zum Finale ist dabei völlig uninteressant. Wo in den Vorgängern eine halbwegs spannende Geschichte inszeniert wurde, schert sich „Shadow“ nicht um eine Story. Man latscht halt durch den Dschungel, WEIL. Weltuntergang. McGuffins. Egal.

Trinity? Auch egal, am Ende stirbt dessen gesamte Führung des Kults Offscreen(!). Das wird aber nur in EINEM SATZ erwähnt, vermutlich bekommen das 90 Prozent der Spieler gar nicht mit. Der Oberbösewicht? Wird stark eingeführt, verschwindet dann aber komplett aus dem Spiel und meldet sich erst am Ende als halbgarer Bosskampf zurück. Laras Heldenreise? Egal, Charakterentwicklung findet nicht statt. Im Gegenteil: Lara Croft ist hier die personifizierte ludonarrative Dissonanz, die verkörperte Differenz zwischen Geschichte und Gameplay. Sie guckt permanent waidwund, bringt dabei aber dutzende Menschen auf brutalste Weise um. Damit schafft „Shadow of the Tomb Raider“ es erstaunlicherweise, seinen Hauptcharakter zu einer Person zu degradieren, die zutiefst unsympathisch ist und die man nicht gerne spielt.

Auch die Handlungsorte sind uninteressant bis grob ärgerlich. Wo die Vorgänger mit Schauwerten protzten, wie einer sturmumtobten Insel oder versteckten Städten im sibirischen Eis, bietet der dritte Teil nur – Grünzeug. Ja, toll modelliertes und animiertes Grünzeug, aber ein Dschungel ist nun mal ein Dschungel und sehr schnell sehr langweilig.

In Sibirien gab es so spektakuläre Szenen wie die hundert Meter hohe Eiswand, in der ein altes Segelschiff steckte. Das sah irre aus und machte neugierig, wie es da wohl hingekommen ist. Im peruanischen Urwald von „Shadow“ lösen die Ruinen der Tempel nur ein „ach, nicht NOCH ein verstecktes Grab“ aus. Alles ist unspektakulär, und der Schauplatz der Versteckten Stadt ist nachgerade ärgerlich. Schon architektonisch macht die Stadt überhaupt keinen Sinn und wirkt deswegen nur wie eine dumme Kulisse. Noch schlimmer sind aber ihre Bewohner. Die nerven, alle. Die meisten NPCs stehen dumm im Weg rum, einige geben Kalendersprüche von sich, einige sind auch Questgeber. Leider sind alle Nebenmissionen dummer Murks. Die Indios beauftragen Lara mit allem, was Ihnen einfällt: Fetchquests, dem Lösen von Nachbarschaftsstreitigkeiten und der Aufklärung von Morden. Und die Kinder! Verlorene Kinder, verlaufene Kinder, und jeder zweite Questgeber ist selbst ein Kind. Wer hat DAS denn für eine gute Idee gehalten? Kinder nerven in Spielen, IMMER!

Nicht besser wird es übrigens, wenn man die „Originalsprache“ einschaltet. Dann reden im Spiel Spanier wirklich spanisch und Indios wirklich eine indigene Sprache. Das ist eine nette Idee, nervt aber nach zwei Minuten kolossal. Grund: Gerade die indigenen Texte werden von unmotivierten Sprechern vom Blatt abgelesen. Das hört sich, pardon, schlicht scheiße an. Mal ganz abgesehen davon, dass die Grundaussage der Missionen – die doofen Eingeborenen sind zu dumm ihr Kram selbst zu regeln, dass muss die weiße Frau für sie machen – sehr zweifelhaft ist, macht das alles auch null Spaß.

Damit fügen sich die Nebenmissionen in den Rest ein, denn der macht auch keinen Spaß. Story nicht vorhanden, Charaktere egal – da spielt es schon fast keine Rolle, dass Immersion durch riesige, nicht abschaltbare Hints und im Sekundentakt tickernde XP-Einblendungen verhindert wird. Ist halt alles egal. „Shadow of the Tomb Raider“ schert sich um nichts, außer um hübsch animierten Dschungel. Aber um so ein Spiel, das sich um nichts schert, muss man sich umgekehrt auch nicht scheren. Im Gegenteil. Das ist das erste Tomb Raider, das ich vor Enttäuschung schon von der Platte gelöscht habe, bevor der Vorspann ganz abgelaufen war.

Wer starke Frauenfiguren in einem Urwaldabenteuer möchte, greift besser zu „Uncharted: The Lost Legacy“. Das ist toll geschrieben, spannend und sieht auch noch besser aus. Da kann man sich ansehen, was „Shadow“ hätte werden können und müssen.


Machen:
10 Tage in einem Fiat 500 auf Sardinien rumkurven.


Neues Spielzeug:
Eine Fenix LD15R, eine Taschenlampe aus deutscher Produktion. Ersatz für die verloren geglaubte Angel Light. Die Fenix ist winzig, mit 500 Lumen gefühlt so hell wie ein Autoscheinwerfer und so toll gearbeitet, dass selbst das Anfassen Freude bereitet.

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Momentaufnahme: September 2018

Herr Silencer im September 2018

Wetter: Monatsanfang bedeckt, selten Regen und mit Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad noch warm, aber die Bäume werden schon bunt. In der dritten Woche noch mal ein kurzes Aufbäumen des Sommers, mit Sonnenschein satt und Temperaturen an die 30 Grad. In der vierten Woche dann aber der Absturz: 3 bis 12 Grad, bedeckt und Regen, stürmisch, überall Blätter. Es ist über Nacht Herbst geworden!


Lesen:

Terry Pratchett: The monstrous Regiment [Kindle]
Pollys Bruder ist verschwunden. Der etwas simple junge Mann ist dem Militär von Borogravia beigetreten, dann hat man nichts mehr von ihm gehört. Als alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, greift Polly zum letzten Mittel – einer Socke. Mit der in der Hose und einem Kurzhaarschnitt geht sie als Junge durch und mustert ebenfalls im Militär an. Schnell stellt sie fest, dass ihr Regiment als letztes Kanonenfutter in einem bereits endlos dauernden Krieg verheizt werden soll. Auf der einen Seite Borogravia, wegen dümmster religiöser Gründe, auf der anderen Seite Zlobenien, das sich zwar progressiv und weltoffen gibt, dem es aber nur um Landgewinn geht.

Tolles Buch über religiöse Intoleranz, Geschlechterrollen und Krieg. Als ich es bei Erscheinung vor 15 Jahren las, fand ich es einigermaßen doof. Zum einen ist der Kunstgriff, dass ALLE Mitglieder in Pollys Regiment am Ende Frauen sind, eine ziemliche Verrenkung, zum anderen geht der eigentliche Storystrang in Sockenepisoden ein wenig unter. Jetzt bin ich älter und kann mit den verhandelten Themen mehr anfangen.


Hören:

Nix.


Sehen:

Barry Seal [Heimkino]
USA in den 70ern: Barry Seal ist Linienpilot einer großen Fluggesellschaft. Er ist wenig zu Hause, das knappe Gehalt reicht kaum um die Hypothek für das Haus zu bezahlen, seine Frau ist frustriert. Das ändert sich, als ein CIA-Mitarbeiter Barry rekrutiert. Fortan bessert der seine Kasse mit dem Fertigen von Luftaufnahmen von Rebellencamps in Mittelamerika auf. Weil das gut klappt, setzt der Geheimdienst Barry bald für Waffenlieferungen an einen gewissen Major Noriega in Nicaragua ein. Und damit er nicht leer zurückfliegt, beginnt Barry irgendwann Koks für drei junge Geschäftsleute mitzunehmen, die später als das Medellin-Kartell in die Geschichte eingehen werden. Barry ist so erfolgreich, dass das CIA im einen eigenen Transportservice finanziert. Das Ergebnis: Bald weiß Barry nicht mehr, wohin er mit dem ganzen reinkommenden Geld eigentlich soll, er kauft praktisch einen ganzen Ort und geniesst das pralle Leben. Aber das Paradies währt nicht ewig – die Drogenfahndung ist Barry auf den Fersen, und die CIA agiert in Sachen Iran-Kontra zunehmend unfähig.

Was für ein spaßiger Film! Schon die Logos der Produktionsfirmen sind im 70er-Look gehalten, und die immer wieder eingestreuten Originalaufnahmen haben ein Flair von Doku bzw. Forrest Gump. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn „Barry Seal“ schmückt sich mit dem Satz „Nach einer wahren Begebenheit“. Bei dem muss man immer ganz genau hingucken, und wenn man das tut, dann wird man merken: Mit dem echten Barry Seal hat der Film nur den Namen gemein, nahezu alles andere ist hinzuimaginiert auf Basis von Vermutungen. Mit diesem Wissen ist der Film immer noch unterhaltsam, ein Großteil des Reizes aber verflogen. Natürlich muss man auch Tom Cruise ertragen können, der wie immer Tom Cruise spielt und sich durch den Film grinst. Dennoch ist er spannend anzuschauen, und viele Momente sind gleichzeitig plausibel UND lustig, auch wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Beispiel: Barry fliegt Rebellen aus Nicaragua zur Ausbildung in die USA. Kaum sind die in Amerika, desertieren sie in Massen. Das ist glaubwürdig, hat mich laut lachen lassen, und erst im nächsten Moment ist mir aufgefallen, dass das diskriminierend ist.

Problemkind [Theater im OP]
In einem Motelzimmer sitzen Denise und RJ und warten auf einen Anruf. Der Anruf soll Gewissheit bringen, ob die beiden ihr Baby wiederbekommen, das ihnen das Jugendamt nach einem Absturz in Kriminalität und Prostitution weggenommen hat. Die Chancen stehen nicht gut, die Sachbearbeiterin hat mehr als deutlich gemacht, dass sie das Paar für White Trash hält. Denise verzweifelt daran, immerhin hat sie sich nur prostituiert, um das Kind ernähren zu können. Als sie gar nicht mehr ein noch aus weiß, besorgt sie eine Waffe.

Schwerer Stoff. Sehr gut gespielt, aber nur schwer zu ertragen.


Spielen:


Spider Man [PS4]
Peter Parker, New York, Blabla.

Man muss es dem Spiel zugute halten, dass hier keine Origin-Geschichte erzählt wird. Hier wird, ähnlich wie bei den „Arkham“-Games um Batman, ein neues Universum aufgemacht, in dem bekannte Themen neu variiert werden. Der Spinnenbiss ist schon ein paar Jahre her, Peter Parker hat bereits eine gemeinsame Geschichte mit Schurken und gescheiterte Beziehungen mit MJ hinter sich. Das ist angenehm und fühlt sich unverbraucht an, genau wie ein Teil der Spielmechaniken: Das Herumschwingen zwischen Wolkenkratzern in New York ist toll und frisch und ich habe mich immer wieder gefragt, wie die Macher von Insomniac diese Mechanik so gut hinbekommen haben. Auch nach dem Dutzendsten Mal macht das noch Spaß, zumal die Lichtstimmungen im fotorealistischen Neew York toll gesetzt sind.

Nur so Mittel ist das Kampf- und Stealthsystem, was deutlich bei Arkham abgeschaut wurde, aber in Details nicht so gut ist. Insbesondere den Kampf muss man lernen: Spiderman ist schnell, aber er kann nicht viel einstecken. Die ersten Kämpfe sind hektisches Knöpschedrücke und unerwartete Tode, bis man den Rythmus und die Spielweise gelernt hat. Es gibt Bosskämpfe, die aber ziemlich unspektakulär sind. Bis auf den letzten, der völlig aus dem Takt geratener, Over-The-Top-Hektik „Oh man was mache ich hier eigentlich“-Müll ist.

Alle Mechaniken sind gut integriert in eine Story, die zwischen „ach komm, nerv nicht rum“ und „hu, spannend“ changiert. Spannend wird es immer, wenn die Hauptstory weiter eskaliert. Nervig wird es immer, wenn man als Peter Parker oder ohne Superkräfte unterwegs ist. Ich kann mir vorstellen, warum das gemacht wurde: Es ging um Pacing. Funktioniert aber nur so mittel, denn immer wenn die Story richtig rund läuft, steckt Insomniac wieder einen Stock zwischen die Speichen. Das der große Twist am Ende schon in den ersten Spielminuten durchtelegrafiert wird, trägt auch nicht zum Spannungsaufbau bei.

Gänzlich altbacken ist dagegen die Open World, die vollgerümpelt ist mit repetitiven Aufgaben. Man muss allen Ernstes Türme erklimmen, Fetchquests, Stealth und Brawl-Einlagen spielen. Die kommen zwar nicht alle auf einmal, sondern stufenweise, aber am Ende sieht die Karte schlimmer aus als die von Assassins Creed: Unity. Echt, es wirkt, als habe Insomniac das Open-World-Hnadbuch von Ubisoft aus dem Jahr 2010 kopiert. Erstaunlicherweise fühlte ich mich gar nicht so sehr im Hamsterrad, denn die Aufgaben sind zwar repetitiv und schwer, aber durch das gelungene Gameplay und die gute Integration auch sehr spaßig. Lediglich die Challenge-Aufgaben unter Zeitdruck sind Pain-in-the-Asse, und die muss man erledigen um an neue Ausrüstung dran zu kommen – und zwar nicht nur einmal, sondern man muss sie zig mal wiederholen – das ist dumm und ärgerlich. In der Summe reicht das aber für ein spaßiges Spiel, in dessen Welt man gerne nach Feierabend ein paar Stündchen eintaucht. Kein Meilenstein, aber ein sehr gutes – und schweres – Spiel.


Machen:

ZZR-Treffen


Neues Spielzeug:

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Momentaufnahme: August 2018

Herr Silencer im August 2018

Von Hochsommer auf Herbst in zwei Tagen? Ist das überhaupt erlaubt?

Wetter: Der Monatsanfang ist heiß, selbst um Mitternacht sind es noch um die 30 Grad. In der zweiten Woche sinken die Temperaturen zumindest nachts auf ein erträgliches Maß, aber tagsüber brüllt die Sonne und die Dürre geht weiter. In der dritten Woche kommt leichter Regen, und die Temperaturen sinken tagsüber auf irnswat um die 20 Grad, bei bedecktem Himmel. Am letzten Augustwochenende hat der Sommer keine Lust mehr. Plötzlich fallen die Blätter von den Bäumen, und bei 15 Grad und bedecktem Himmel kommt eine Ahnung von Herbst auf.


Lesen:

Terry Pratchett: Thief of Time [Kindle]
Die kleinste, denkbare Zeiteinheit ist der Moment zwischen Zukunft und Vergangenheit, das „Jetzt“. Dieses Jetzt wird permanent zerstört und neu geschaffen. Würde nun jemand eine Uhr bauen, die diese kleinste Zeiteinheit erfassen kann, würde die Zeit selbst in dieser Uhr gefangen. Das wissen die Geschichtsmönche. Die heißen so, weil sie die Geschichte der Welt wieder zusammengeflickt haben, nachdem die Zeit durch eine solche Uhr schon einmal in tausend Stücke zersprungen ist. Nun baut irgendwo jemand eine neue Uhr, was sowohl die Mönche als auch Miss Susan, die Enkeltochter von Tod, verhindern wollen. Leider kommen sie alle zu spät, was die Reiter der Apokalypse dazu zwingt auszureiten. Alle 5. Inklusive dem, der zu früh ausgestiegen ist.

„Thief of Time“ ist 2002 erschienen. Das 26. Buch der Scheibenweltreihe gehört zu denen aus Pratchetts bester Schaffensphase. Hier findet sich kein Slapstik oder Billigwitze wie in den frühen Werken, aber auch noch keine mäandernde Unkonzentriertheit wie in den späteren Büchern. Nein, der „Zeitdieb“ ist eine faszinierende und spannende Geschichte, die auf jeder zweiten Seite mit einer fantastischen Idee oder einer menschlichen Erkenntnis aufwartet. Charakterisierungen gelingen hier mit wenigen Sätzen, die Motivationen nachvollziehbar und das Bild der Zeit als Frau, die durch eine endlose Abfolge von gläsernen Zimmern schreitet, die hinter ihr zersplittern, ein wunderschönes.


Hören:

Nix.


Sehen:

Rick & Morty [Netflix]
Man stelle sich vor, Doc Brown wäre ein misantrophischer Alkoholiker und würde in die Garage von Marty McFly einziehen und dort am laufenden Meter verrückte Dinge erfinden. Damit gehen die beiden dann auf Abenteuerreise. Das ist ungefähr die Ausgangslage von „Rick & Morty“: „Doc & Marty“ auf Drogen.

Völlig absurd, definitiv für erwachsene und ein Riesenspaß.

Mission Impossible: Fallout [Kino]
Tom Cruise macht sein Tom Cruise-Ding inkl. viel Rumrennerei.

Tom Cruise-Filme sind Tom-Cruise-Vehikel. Basta. Macht der Typ irgendwo mit, stellt er sich in den Mittelpunkt und kontrolliert jeden Aspekt der Produktion. Das funktioniert mal besser („Live. Die. Repeat.“) und mal gar nicht („The Mummy“). Bei den „Mission Impossible“-Filmen funktioniert es seit Teil 3 hervorragend. Das sind Actionfilme der alten Schule, die mit unglaublichen Actionpieces aufwarten, die Cruise auch noch fast alle selbst macht. Rumklettern am höchsten Gebäude der Welt, Halo-Sprünge – alles kein Problem für einen „Operierenden Titan der Stufe 7“, wie der Rang lautet, den Cruise bei Scientology bekleidet. „Fall Out“ ist nun der beste der bisherigen „Mission“-Filme. Spannenden und komplizierte Story, gute Charaktere, irre Action. Das Pacing ist gelungen, auch wenn der Film in der Summe 30 Minuten zu lang ist. Macht aber nix, kann man sich trotzdem angucken.

Ant-Man and the Wasp [Kino]
Scott Lang durfte vor drei Jahren für kurze Zeit den Anzug des „Ant-Man“ tragen, der es seinem Träger erlaubt sehr klein oder sehr groß zu sein. Dann stand er in „Civil War“ auf der Verliererseite und steht nun dafür unter Hausarrest. Aber in drei Tagen ist die Bewährungsstrafe rum, dann kann er wieder vor die Tür und mit seiner kleinen Tochter Eis essen. Klar, dass es in diesen drei Tagen zu Komplikationen kommt.

Mal wieder ein „kleiner“ Marvel Film, der sich nicht um die Rettung des Universums oder Magie dreht, sondern um die Probleme einiger weniger Menschen. Scott möchte seine Strafe absitzen, Sidekick Louis möchte eine Sicherheitsfirma gründen, Kirk Douglas möchte seine Frau retten, Laurence Fishburn möchte helfen. Das alles ist nachvollziehbar, gut erzählt und dabei witzig gemacht. In der Summe ein guter Marvel-Film, ABER: Im Kino muss man den nicht gucken. Warum? WEIL JEDE, wirklich ausnahmslos JEDE COOLE ODER WITZIGE ACTIONSZENE IN DEN TRAILERN VORKAM. Echt, wer zwei Trailer von Ant-Man gesehen hat, der hat alle WTF-Staun-Momente gesehen. Der Rest ist immer noch witzig, aber das Kinoticket nicht mehr wert.

Anchorman 1 & 2 [Netflix]
San Diego in den 70ern – Ron Burgundy ist Chauvi, Polyesteranzugträger und Anchorman eines TV-Senders. In Teil 1 wird er damit konfrontiert, dass auch Frauen in Fernsehen kommen, in Teil 2 mit schwarzen Frauen.

Ich musste das jetzt mal gucken, allein schon, weil die beiden Filme popkulturell so oft referenziert werden (man denke an das „That escalated quickly“-Meme). Tatsächlich sind die Filme haarsträubender Nonsense, fast in Monty Python-Tradition. Wenn verfeindete Newsteam mit Keulen und Äxten aufeinander losgehen, Burgundy einen Aussetzer bekommt, weil sein neuer Chef eine farbige Frau ist oder eine ganze Sequenz in völliger Schwerelosigkeite´abläuft, weil ein Wohnmobil sich überschlägt – dann ist das so überzogender Schwachsinn, dass man den kaum noch vergessen kann. Dazu noch Christina „Dumpfbacke“ Applegate und eine umwerfende Linda Jackson, die Machos zeigt, wo die Glocken hängen – macht in Summe sehr viel Spaß.

Alibi [Theater im OP]
Mordgeschichte nach Agatha Christie. Auf einem Landsitz kommt ein Lord ums Leben. Gut, das ins Nachbarhaus gerade Hercule Poirot eingezogen ist! Der rüstige Rentner wollte eigentlich nicht mehr ermitteln und sich der Kürbiszucht widmen, kann es dann aber doch nicht lassen, den gewachsten Schnurrbart in den Kriminalfall zu stecken.

Schön gespielt und stellenweise überraschend. Am meisten überrascht hat mich, wie düster der Stoff ist. Ausnahmslos jeder hat hier Dreck am Stecken, und der Ich-Erzähler der Geschichte entpuppt sich am Ende als Lügner, der über seine Erzählung an das Publikum ein Alibi bauen wollte. Clever!


Spielen:

Gears of War [XBOX One]
In der Zukunft. Insekten wollen den Planeten von Innen heraus erobern, schwer bewaffnete Hightech-Soldaten, die „Gears“, haben was dagegen.

Deckungsshooter mit knackigem Gameplay und guten Mechaniken. Anspruchsvoll, aber ohne taktische Tiefe.

GTA IV [XBOX One]
Niko Bellic hat im Serbienkrieg unvorstellbare Dinge gesehen und getan. Nun kommt er nach New York, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Leider ist in den USA alles genauso wie daheim: Leute mit Geld haben das sagen, alle anderen müssen springen. Langsam arbeitet sich Niko durch die Hierarchie verschiedener, osteuropäischer Gangstersyndikate.

Fast 10 Jahre ist es her, das ich zuletzt in New York, pardon, „Liberty City“ unterwegs war. Eigentlich hatte ich versucht „Red Dead Redemption“ nochmal zu spielen, aber das war mir nach kurzer Zeit zu langweilig. GTA IV hingegen ist das beste, weil am dichtesten geschriebene, Spiel das Rockstar je gemacht hat. Nikos Story ist dicht erzählt, alles passt zusammen, und dazu diese Stadt: Ein glaubhaft simuliertes New York im Herbst, so schön, das man auch einfach so gerne mal spazieren geht. Die XBOX-One-Version löst lediglich höher auf, was die Texturen leider vermatscht. Und: Jetzt, nach 10 Jahren, laufen Lizenzen für die Musikstücke der Radiosender im Spiel aus. Rockstar patcht die darum Stück für Stück raus. Wer also das Game bei sich installiert hat: KEIN Update machen, dadurch wird Content entfernt!


Machen:

Vorbereitung: Tagung, Projekte, Werkstatt, Urlaub.


Neues Spielzeug:
Ein Nolan N100-5 Classic in Platinsilber mit einem N-Com 901 RL. Nolans neuer Flagship-Helm. Leider alles nicht toll, ausführliches Review dazu demnächst.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

Momentaufnahme: Juli 2018

Herr Silencer im Juli 2018

Oh, guck mal, da schmelzen die Steine!

Wetter: Der Monatsanfang ist warm. In Norddeutschland ist bereits seit Mai kein Regen mehr gefallen, in Süddeutschland toben sich nochmal Unwetter aus, dann wird es auch dort trocken. Danach wird es immer wärmer, und zum Monatsende rollt eine Hitzewelle über´s Land. Tagsüber über 30 Grad, die Nächte bringen kaum Abkühlung. Plötzlich verstehen die Deutschen, warum in Südeuropa zwischen Mittags und Abends nicht viel passiert.


Lesen:

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 10: The Slippery Slope [Kindle]
Die Baudelaire-Waisen Violet, Klaus und Sunny folgen dem finsteren Grafen Olaf in die Berge, wo das Hauptquartier der geheimnisvollen Organisation FF zu finden sein soll. Es ist tatsächlich dort, und die Kinder müssen sich entscheiden, ob sie ihr Ziel erreichen wollen, indem sie ähnliche Methoden wie Olaf anwenden, oder lieber doch nicht.

Endlich geht es voran! 9 Bücher lang wiederholte Snicket immer den gleichen Ranz: Die Waisen bekommen einen neuen Vormund, der von Graf Olaf reingelegt wird, und alle Erwachsenen sind zu dumm das zu kapieren. Jetzt geht es zumindest etwas voran, und nicht jeder handelt wie der letzte Volldepp. Langatmig ist es natürlich trotzdem.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 11: The Grim Grotto [Kindle]
Die Baudelaire-Waisen finden neue Verbündete. Vielleicht. Denn sie lernen, was „volatil“ bedeutet: Menschen stehen nicht immer nur auf der einen oder der anderen Seite. Und auch FF ist nicht unbedingt nur gut, sondern hat sogar mit tödlichen Biowaffen experimentiert. Eine davon fällt Graf Olaf in die Hände, der damit Sunny infiziert. Die jüngste Baudelaire hat nur noch eine Stunde zu leben.

Auf die letzten Meter werden die Stories immer düsterer. Waren Gut und Böse in den vorherigen Bände klar verortbar, verschwimmen hier Grenzen und Fragen nach Moral und dem inneren Kompass werden aufgemacht. Stellenweise wieder langatmig, aber spannender als die ersten 10 Bücher.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 12: The Penultimate Peril [Kindle]
Snicket hilft den Kindern, Undercover in einem Hotel zu ermitteln. Das ist ein kafkaesker Albtraum voller Personen aus der Vergangenheit der Kinder. Schließlich erfahren sie den Grund ihres Anwesenheit: Sie werden zusammmen mit Graf Olaf vor Gericht gestellt. Am Ende wird Violet zur Verräterin, Sunny zur Brandstifterin, und gemeinsam schließen sie sich Graf Olaf an.

WTF did I just read? Endlich werden Geheimnisse gelüftet, Geschehnisse erklärt und es geht mit großen Schritten Richtung Finale. Das vielleicht nicht so wird, wie man es sich wünschen würde.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 13: The End. [Kindle]
Die Baudelaires stranden mit Graf Olaf auf einer Insel, die voller seltsam bedröhnter FF-Aussteiger ist. Am Ende sterben alle. Also, fast.

Hm. Tja. Ein „und sie lebten Glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“ konnte man wohl auch nicht erwarten, bei dieser Buchreihe. Aber der letzte Band ist nochmal würdig absurd und bringt zumindest einige Dinge zu Ende. Natürlich längst nicht alles, Snicket lässt ganze Elefantenhorden unerklärt im Raum stehen. Das mag unbefriedigend sein, erhält aber den mysteriösen Charme seiner Welt.


Hören:

Ramin Djawadi Westworld, Season II

Großes Kino, dieser Soundtrack. Klassiker wie „Paint it black“ und „Seven Nation Army“ in einem so verspielten indischen bzw. Western-Stil, dass man sie erst nicht erkennt. Könnte ich gerade stundenlang hören.


Sehen:

Westworld Season 2
Im Vergnügungspark „Westworld“ können Menschen den wilden Westen nacherleben und Abenteuer mit und gegen lebensechte Roboter bestehen. In Staffel 1 erwachte in diesen „Hosts“ ein Bewusstsein, was in einem Massaker an Parkbesuchern endete. Staffel 2 beginnt unmittelbar danach. Ein Rettungsteam der Betreiberfirma Delos landet im Park, um überlebenden Menschen zu helfen und die Geheimnisse von Delos zu schützen. Die kommen aber Stück für Stück ans Tageslicht und enthüllen, wozu der Park und die Hosts wirklich da sind.

Wow, was für eine Staffel. Wieder wird mit unterschiedlichen Zeitebenen und cleveren Twists gespielt. „Westworld“ ist vom Twistniveau her quasi „Sixth Sense“ im Serienformat: Sobald ein Twist kommt, ergibt alles vorher einen (anderen) Sinn. Dann kann man die alten Episoden nochmal schauen und stellt fest: Es gab jede Menge Anzeichen und Hinweise, man hat sie bloß nicht gesehen. Ich ziehe meinen Hut vor den Autoren. Das hier erstklassige Schauspieler am Werk sind (Anthony Hopkins! Thandie Newton!) macht die Sache noch besser. Die 10 Episoden gehören zum Besten, was man sich dieses Jahr angucken kann.

Deadpool 2 [Kino]
Wilson Wade erleidet ein Trauma, das den ohnehin leicht irren Söldner mit dem hohen Regenerationsfaktor komplett aus der Bahn wirft. Er versucht sich den X-Men anzuschließen, mit erwartbarem Ausgang: Deadpools Lösungen sind zu blutig für die jugendfreien Kuschelmutanten. Also stellt Deadpool sein eigenes Team zusammen: Die X-Force!

Alter, was für eine Achterbahn. Anders als Teil 1, der zwar lustig war, der aber nach einer Stunde IMMER NOCH AUF EINER VERDAMMTEN AUTOBAHNBRÜCKE FESTSTECKTE, hat Teil zwei die Handbremse gelöst. Hier geht es ständig auf und ab, Over-the-Top-Actionsequenzen und blutige Gewalteinlagen wechseln sich im Minutentakt mit Gag-und Slapstickeinlagen ab. Das funktioniert nicht immer, aber bei der schieren Masse an Gags oft genug um gut zu unterhalten.

Auch einige „WTF-Das-nachen-die-doch-nicht-wirklich-Momente“ sind dabei. Allein wenn die X-Force ihren ersten Auftrag angeht und dann binnen Sekunden alle Charaktere… aber das wäre jetzt ein Spoiler. Das sich Deadpool bewusst ist, das er in einem Film mitspielt, und deshalb auch gelegentlich die vierte Wand durchbricht, macht die Sache noch abgedrehter. Am irrwitzigsten sind die Post Credits, in der Deadpool in der Zeit zurückreist um… Dinge zu korrigieren, die im X-Men-Universum oder in der Karriere von Ryan Reynolds schiefgelaufen sind. Da hing ich japsend im Kinosessel.

Ready Player One
In der Zukunft: Dank Klimawandel und Handelskriegen ist die Welt am Arsch. Interessiert aber keinen, denn alle Menschen sind ständig in der „Oasis“ unterwegs, einer virtuellen Welt, in der jeder alles sein kann. Die hat ein lange verstorbener Nerd gebaut, der sie demjenigen verspricht, der drei Rätsel löst, die irgendwie mit der Pop- und Gameskultur der 80er zusammenhängen. Problem dabei: Die Rätsel sind als Eastereggs in der Oasis versteckt. Ein junger Schatzjäger stolpert schließlich über ein Easteregg und hat prompt einen Megakonzern am Hacken, der zu gerne selbst die Kontrolle über die Oasis hätte.

Tja, nun. „Ready Player One“ fand ich schon als Buch nicht toll, weil es keine auch nur halbwegs gute Geschichte erzählte, aber dafür ständig auf der Nostalgietastatur rumklimpert. Der Film folgt der Story lose und macht in der Erzählung einiges besser, es bleibt aber alles platt und vorhersehbar. Wie das Buch ist auch der Film mit Eastereggs überfrachtet. Anfangs ist das noch cool, wenn der Protagonist im DeLorean mit Knight-Rider-Lauflicht durch die Gegend flitzt. Nach einiger Zeit nervt es aber, das wirklich in jeder Szene irgendein lizensierter Charakter oder ein Ding aus einem Film/Spiel/Serie für ein paar Frames durch Bild hampelt. Das wirkt beliebig, hohl und viel zu lieblos. Mit Cameos geliebter Charaktere muss man vorsichtig umgehen, hier werden sie ständig für eine Sekunde gezeigt und sind wieder weg.

Damit hat der Film exakt gar keine Zielgruppe: Die Jüngeren kennen die popkuturellen Anspielungen aus den 80ern und 90ern nicht, wir Älteren können mit der ADHS-Machart nichts anfangen. Angucken ist Lebenszeitverschwendung.

Pacific Rim Uprising
Der Sohn von dem Chef aus dem ersten Teil und eine bratzige Göre treffen nervige Leute und dann hauen sich Riesenroboter in Tokio.

Ach, den ersten „Pacific Rim“ von 2013 gucke ich heute noch gerne. Ein seltsamer Guilliermo del Torro-Film mit Riesenrobotern und Riesenmonstern, die sich gegenseitig prügeln. Das war seltsam und spannend und beeindruckend und litt nur unter dem Protagonisten, der schauspielerisch ein Totalausfall war.

In der 2018er Fortsetzung gibt es einen guten Schauspieler (John Boyega aus Star Wars), aber leider ist nun alles andere bestenfalls medioker. Ausstattung und Effekte sind nach wie vor OK, aber es gibt kein ordentliches Drehbuch, die Geschichte ist schlecht erzählt und wieso unbedingt eine Kinderdarstellerin eingebaut werden musste, weiß keiner so genau. Del Toro hat sich übrigens vor Projektstart zurückgezogen – seine Vision für einen zweiten Teil wurde abgelehnt, und er wiederum fand die Richtung von „Uprising“ nicht gut. Recht hat er.

Logan Lucky
Hinterwäldler planen NASCAR-Arena auszurauben.

Der Trailer sah interessant aus: Adam Kylo Ren“ Driver als einarmiger Barkeeper und Daniel „James Bond“ Craig als Knacki ziehen einen Heist durch, den sich Landei und Bauarbeiter Channing „Möter“ Tatum ausgedacht hat. Das sah in der Vorschau nett und witzig aus, ist es aber nicht. Tatums Vorstellung von Leuten vom Land ist, dass sie stur geradeaus gucken und verwaschen reden, und weil Adam Driver das gleich mal nach macht, läuft die Hälfte des Casts rum, als hätten sie gerade einen Schlaganfall gehabt. Die Story tut irre clever, täuscht aber mit reichlich Deus Ex Machina-Elementen nur vor, das sie auf einem Level wie „Die üblichen Verdächtigen“ und „Layer Cake“ spielt. Am Ende ist eh alles egal, zumindest den Hauptfiguren, warum sollte also der Zuschauer einen Shit geben?

Mal ganz abgesehen von den inhaltlichen Problemen kann ich persönlich Filme über amerikanische Hintlerwäldler gerade schlecht ertragen. Immer, wenn ich einen USA-Cap-tragenden Hillbilly sehe, der an seinem Truck rumschraubt, denke ich „und DU hast also Trump gewählt. Danke, Arschloch.“


Spielen:

L.A. Noire [PS4]
Die USA, 1947. Cole Phelbs kommt aus dem Krieg zurück in ein boomendes Los Angeles: Im Akkord werden hier Häuschen gezimmert und Firmen eröffnet, vor den Hollywoodstudios stehen junge Frauen Schlange und hoffen, die nächste Lauren Bacall zu werden. In der Stadt der Engel kann es jeder schaffen, so die Botschaft. Phelbs geht zur Polizei und wird schnell vom Streifenpolizist zum Detective befördert. Bei der Mordkommission und im Drogendezernat lernt er die dunkle Seite der Stadt kennen: Einen Abgrund aus Gewalt und Verrat, der Phelbs langsam, aber unaufhaltsam hinabzieht und ihn nicht nur korrumpiert, sondern ihm am Ende alles nimmt.

L.A. Noire ist kein neues Spiel. Es kam schon 2011 für PS3 und XBOX360 raus, das hier ist das Remaster mit allem DLC für die PS4. Außer einer höheren Auflösung und sehr gutem Anti-Aliasing hat sich nichts getan. Mir reicht das, denn gerade das Kantenflimmern ist es, wegen dem ich alte Spiele schlecht ertrage.

Ansonsten hat sich kaum etwas geändert: Das Los Angeles des Jahres 1947 ist in der GTA 4-Engine gebaut und nach wie vor groß und mit bemerkenswerten Details versehen, aber auch seltsam leblos und aus matschigen, grauen Texturen gebaut.

Die Untersuchung der Kriminalfälle läuft meistens nach dem gleichen Muster ab: Tatort untersuchen, Beweise sammeln, Verdächtige verhören. Letzteres ist die Core-Gamemechanik, und genau die funktioniert schlecht. Man soll nämlich an den (sehr gut gecaptureten) Gesichtszügen der Personen erkenne, ob sie lügen oder die Wahrheit sagen. Leider sehen meist alle nur aus, als hätten sie schlimme Verstopfung.

Was L.A. Noire aber dennoch besonders und damit auch gut spielbar macht: Es ist was ganz eigenes. Detektivspiele gibt es praktisch sonst nicht, alles fokussiert auf die sehr gut geschriebenen Fälle und die übergreifende Geschichte von Phelbs Abstieg, kein Open-World-Krempel stört die Erzählung. Dafür entlehnt das Spiel nahezu jedes ästethische Element, jedes Stilmittel und jeden dramaturgischen Kniff aus den Filmen der Noir-Bewegung. Harte Kerle, durchtriebene Femme Fatale, verrauchte Bars – alles da.

Das Spiel IST ein spielbarer Film Noir, und das ist sehr toll. Manchmal werden ganze Filmhandlungen 1:1 als Fall präsentiert, so spielt man sich mit Phelbs durch „The naked City“, einem Film-Noir-Archetypen. Außerdem ist das Spiel lang: 21 Fälle gilt es zu lösen, jeder teils mehr als eine Stunde lang, dazu 40 Zufallsevents auf den Straßen, die je ca. 5 Minuten dauern.

Auch aus heutiger Sicht erstaunt immer wieder der Aufwand, mit dem das Spiel produziert wurde. Selbst die kleinsten Nebenfiguren wurden mit guten Schauspielern besetzt, die man auch heute noch in Film und Fernsehen sieht, und die damals noch unbekannt oder fast ausgemustert waren. „L.A. Noire“ ist damit auch ein vergnügliches „Spot the Actor“. Die damals brandneue Facial-Caputuring-Technik beeindruckt auch jetzt noch. In dem Spiel steckt so viel Aufwand, das es nicht nur 7 Jahre in der Entwicklung hing und das australische „Team Bondi“ fast an seinen eigenen Ansprüchen zerbrach – nach dem Release ging das Studio auch pleite, trotz ordentlicher Verkäufe. Die Remaster-Version ist daher auch ein Testament einer großen Vision, für deren Umsetzung viele Menschen Jahre ihres Lebens geopfert haben.


Machen:

Eine Kurztour durch den Spessart. Mit anderen Motorradfahrern!


Neues Spielzeug:

Daytona Touringstar GTX. Die Alpine Starst Web Goretx aht die Sommerreise dahingerafft.

Bild: Louis.de

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

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