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Archiv der Kategorie: Momentaufnahme

Momentaufnahme: August 2017

Herr Silencer im August 2017
Ich brauch´mal Urlaub…

Wort des Monats:
„Unzuparkbar“ (auf Empfehlung von Olpo)

Wetter:
Anfang des Monats sonnig und heiß, dann regnerisch und lauwarm, und am 20. kommt der Herbst durch die Tür: Morgens teilweise nur 6-9 Grad Grad und Regen. In der Nacht bleibt es dann auch kalt, tagsüber springen die Temperaturen dann wie wild zwischen 20 und 30 Grad. Fühlt sich an wie ein warmer Herbst.
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Lesen:

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Hören:

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Sehen:

Dunkirk [Kino]
Der zweite Weltkrieg: Am Strand von Dünnkirchen sitzen 400.000 Soldaten fest, eingekesselt von deutscher Infanterie und unter Beschuss der Luftwaffe. Die Navy schickt zivile Boote los, um die Leute da rauszuholen.

Filme von Christopher Nolan haben immer einen besonderen Twist. In „Memento“ lief die Geschichte rückwärts, in „Prestige“ war der Film ein Zauberstück. In „Dunkirk“ laufen nun drei Handlungsebenen ab, aber in unterschiedlichen Zeitrahmen. Eine Handlung erstreckt sich über den Verlauf einer Woche, einer über einen Tag, einer über eine Stunde, aber alle sind parallel montiert und finden einen Knotenpunkt, an dem sich alle verschränken.

Die Zeit ist ohnehin das beherrschende Element. Der Film macht Druck, Druck, Druck – auch im Soundtrack, in dem beständig eine Uhr tickt. Zusammen mit der kurzen Laufzeit von 2 Stunden (für Nolan-Verhältnisse ist das kurz!) kommt dabei ein spannender wie sehenswerter Film heraus, der mit erzählerischen Traditionen bricht, ein ohrenbetäubendes Sounddesign hat und den Zuschauer verwundert, aber mit einem seltsam leeren Gefühl zurücklässt. Das kommt daher, dass der Film sich für alles Wesentliche schlicht nicht interessiert.

Historische Korrektheit, Charaktere, Zeichnung, Empathie – das wird alles zurückgefahren und erstarrt in Platzhaltern und Posen, die den Zuschauer nie mitleiden lassen, sondern ihn zum distanzierten Beobachter machen. Das kann man entweder als geniale Weiterentwicklung des Genres „Kriegsfilm“ sehen, oder als „schlecht gemacht“. In jedem Fall ist die Wirkung besonders, was Dunkirk in meinen Augen nicht zu einem überragenden, aber zu einem sehr interessanten Film macht.

Valerian und die Stadt der tausend Planeten [Kino]
Valerian ist ein Superduperweltraumagent, der ein Dings klauen und auf eine Multi-Spezies-Raumstation, die Stadt der tausend Planeten, bringen soll. Dort hat man andere Probleme, anscheinend gehen im historischen Teil der Station seltsame Dinge vor. Valerian geht dem nach, stellt sich möglichst dumm an und trifft Rhianna.

„Der teuerste europäische Film“, posaunte es im Vorfeld des Streifens. Das sieht man auch, die 200 Millionen sind nämlich sämtlich in die Spezialeffekte geflossen. Luc Besson wollte hier einen Kindheitstraum wahr machen und einen Comic aus seiner Kindheit auf die Leinwand bringen. Kein Geld mehr übrig war leider für Drehbuch und Schauspieler: Der Protagonist sieht so verquollen aus als hätte er jede Nacht Party gemacht, und die Geschichte wirkt, als hätte Besson besoffen in einer Bar einer beliebigen Person erzählt, was er von seinen 60er-Jahre-Comics noch so im Kopf hat, und diese Person durfte dann das Drehbuch schreiben.

Anders ist die Menge an geballtem Mumpitz nicht zu erklären, die sich hier ansammelt. Allein schon, dass Valerian in den ersten Minuten an seiner CoPilotin rumfummelt, dann aber trotz halbnacktem Gespiels nicht zum Stich kommt und sie daraufhin den Rest des Films heiraten will ist ein Plotdevice gone horribly wrong. Von den hirnzermatschenden Dialogen will ich gar nicht erst anfangen, zumal die Plotholes und das schlimme Pacing noch viel übler sind. Höchstrafe ist dann, dass der Film zwischendurch 10 Minuten anhält um ein Musikvideo von Rhianna zu zeigen. WTF? In der Summe: Schöne Bilder, aber Zeitverschwendung das zu gucken.

Schüsse, Küsse und Omelets [Theater im OP]
Mr. Fisher ist Geschäftsführer eines Autohauses in Hamburg, gleichzeitig in Teilzeit auch Spion für die britische Wirtschaftskammer. Er ist zudem ein wenig verpeilt, und so wundert es nicht, als zwischen streng vertraulichen Operationen, dem Umgang mit seiner Geliebten, seiner Frau, einer Prostituierten und einer Vertreterin der Autokette alles drunter und drüber geht.

Hm. Noch eine Screwball-Komödie am ThOP, und keine gute. Wenn ausnahmslos alle Charaktere abgrundtief doof handeln, Situationen unglaubwürdig herbeigeschrieben werden, dann bricht irgdendwann der Suspension of Disbelief und damit die Aufführung. Das die Schauspieler allesamt tolle Leistungen abliefern, macht es umso trauriger, dass diese Inszenierung auf der Bananenschale des schlechten Quellmaterial ausgerutscht ist.

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Spielen:

Senuas Sacrifice [PS4]
Schottland, im Jahr 500 oder so. Senua ist eine Pikte und letzte Überlebende eines Massakers an ihrem Clan. Sie macht sich auf um die Seele ihres Geliebten aus Helheim, dem Reich des Todes, zurück zu holen. Das Problem dabei: Senua ist psychisch schwer krank, sie leidet an Psychosen, sieht Halluzinationen und kämpft in Wahrheit nicht gegen die Unterwelt, sondern gegen ihre Krankheit: Die Monster sind in ihr.

„Senuas Sacrfice“ will Psychosen erfahrbar machen, und der dafür betriebene Aufwand ist beachtlich. In Zusammenarbeit mit Betroffenen und Ärzten haben die Entwickler versucht, die Symptome zu simulieren. Widerstreitende Stimmen wispern um den Spieler herum und verunsichern ihn, Migräneanfälle lassen Kerzen zu Flutlichtern werden, Schatten in den Augenwinkeln bewegen sich und bei vielen Aktionen ist der der enorme Kraftaufwand spürbar, den Senua betreiben muss, um Überhaupt mit ihrem Leben weiter zu machen und gegen die Leere in sich selbst anzukämpfen. Mitfühlbar wird das auch durch die realistische Darstellung der Hauptfigur, mit der man wirklich mitleidet. Überhaupt, die Grafik: Nicht nur Senua, auch die sturmumtoste Küste ist wahnwitzig schön und detailliert dargestellt. Senuas Sacrfice ist das bislang schönste Spiel für die PS4. Das verwundert umso mehr, als das ein Team von nur 12 Personen das Spiel entwickelt hat und selbst distributiert, das hat kein Publisher finanziert.

Was leider nur so mittel funktioniert ist das Gameplay. Senua muss abwechselnd mit dem Schwert kämpfen und Umgebungsrätsel lösen. Das unterhält nicht wirklich, denn Steuerung ist unpräzise: Die Hälfte der Zeit hat man das Gefühl keine Kontrolle über die Spielfigur zu haben, weil man während Ausweichanimationen keine Kontrolle hat. Dazu kommt, dass die Seuerung nicht erklärt wird: Senuas Sacrifice verzichtet auf jegliche Oncsreen-Einblendungen, und bis zum Ende wusste ich nicht, was die Tastenbelegung alles kann. In den Kämpfen wiederholen sich Gegner ständig und sind selbst auf einfachen Schwierigkeitsstufen stark. Die Rätselmechanik funktioniert, nutzt sich schnell ab und nervt dann stellenweise. Durchbrochen wird die Struktur aus Räsel und Kampf immer wieder durch erzählerische Passagen und solche, die wirklich ungewöhnlich sind. So liegt ein Level nahezu im Dunkel, und lässt sich nur nach Gehör navigieren. Das ist innovativ, aber sicher auch nicht jedermans Sache.

Diese kleinen spielerischen Mängel sind aber nicht wild, denn zum einen ist das Pacing sehr gut, zum anderen ist das Game mit ca. 6-8 Stunden recht kurz, aber dafür atmosphärisch sehr dicht. Immer wollte ich wissen, wie es mit Senua weitergeht und wie ihre Geschichte ausgeht. Ein interessantes und wichtiges Spiel, aber leider kein Meisterwerk. Die 30 Euro, die Entwickler Ninja Theory dafür im Direktvertrieb haben möchte, ist es aber allemal wert.

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Machen:
ArbeitArbeitArbeit

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Neues Spielzeug:

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Verfasst von - 30. August 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Juli 2017

Herr Silencer im Juli 2017
Wort des Monats: „Kuchenhoffnung“

Wetter: Warm und sonnig, Temperaturen minimal immer so 20 Grad, meist höher. Bis am 25. die Sintflut kommt: Dauerregen spült die Temperaturen in den 12 Grad-Keller und verursacht in Teilen Südniedersachsens heftige Überschwemmungenn. Dann geht es hochtemperaturig mit 20-28 Grad weiter.

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Lesen:

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Hören:

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Sehen:

Saturday Night Fever [Domfestspiele]
Ausführliche Besprechung hier.

Beautiful Thing [Theater im OP]
Ein trostloser Plattenbau in Thames Mead im Südosten von London. Hier leben leicht defekte, aber liebenswerte White-Trash-Charaktere. In dieser Umgebung entdecken zwei Pubertierende homosexuelle Gefühle füreinander.

Tolle Szenebilder, starke Darsteller, mäandernde Geschichte mit einem zu langen, ersten Akt. Coming of Age-Geschichten finde ich normalerweise furchtbar, diese hier ging so – noch besser wäre sie gewesen, hätte man das Material um 30 Minuten gestrafft. Die Stärke des Stücks ist eindeutig die Darstellung der skurrilen Charaktere, es macht Spaß, denen beim Leben zuzusehen.

The Amazing Spider-Man (2012) [Netflix]
Peter Parker wird von einer Spinne gebissen. Natürlich tut er, was jeder Schüler in seiner Situation tun würde: Er mutiert, zieht sich Strumpfhosen an und bekämpft das Böse. Zeitgleich: Wissenschaftler wird von Echse gebissen. Natürlich tut er, was jeder Wissenchaftler in seiner Situation tun würde: Er mutiert, rennt halbnackt durch New York, beisst Leute und will eine Armee aus Echsenmenschen erschaffen.

ARGH. WAS FÜR EIN UNGLAUBLICHER SCHEIß! Dieser Film ist so brüllend schlecht, sowas habe ich echt selten erlebt. Das beginnt beim miserablen Casting – es wirkt, als hätte Sony die erstbesten Leute von der Straße gezerrt und vor die Kamera gestellt. Kein Schauspieler trifft seinen Charakter, untereinander gibt es keine Chemie, kein gutes Spiel, nirgends. Am wenigsten von dem Boyband-Typen mit der Monchichi-Frisur, der Peter Parker darstellen soll. Dazu kommt: Die Story ist schlimm. Die Effekte sind schlecht. In jeder Szene passiert etwas, das mich Facepalmen lässt. Unfassbarer Müll, keine Ahnung weshalb der Film seinerzeit so hoch bewertet wurde.

Spiderman: Homecoming (2017) [Kino]
Peter Parker wird NICHT von einer Spinne gebissen, zumindest wird das nicht nochmal erklärt. Er hat schon seine Kräfte, deswegen wurde er von Tony Stark mit zum Kampf gegen Captain America nach Berlin genommen (in „Civil War“). Das hat den Jungen verändert. Seitdem sitzt er in seinem Appartment in New York und wartet darauf, dass sich die Avengers wieder bei ihm melden. Die haben aber ganz anderes zu tun, und so kämpft Peter in der Zwischenzeit mit seinem Doppelleben, einer unerwiderten Liebe, und den Tatsachen, dass bald der Homecoming-Ball stattfindet und jeder seine Tante May heiß findet. Bis er einen illegalen Waffenhandel in New York aufdeckt und dann richtig Mist baut.

Wow, SO muss Spiderman! Endlich liegt die Lizenz wieder bei Marvel, und yeah, haben die das richtig hinbekommen. Das Casting ist auf den Punkt: Tom Holland spielt Peter exakt so, wie er nach den Comics sein muss. Michael Keaton darf endlich als Bösewicht glänzen. Die Story ist simpel, aber nicht doof, und wird dadurhc veredelt, dass wirklich jeder Charakter glaubwürdige Motive für sein Handeln hat. Nach „Guardians 2“, der der bislang schlechteste Marvel-Film war, ist „Spiderman“ nun der vielleicht beste.

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Spielen:

Nier Automata [PS4]
In ferner Zukunft: Die Erde wurde von Maschinenwesen übernommen, die von Aliens geschickt wurden. Die Menschheit ist vor Tausenden von Jahren auf den Mond geflüchtet und schickt von dort Kampfandroiden, die den Maschinen einheizen sollen. Eine solche Androidin ist 2B, die in den Überresten der Erde ihren Missionen nachgeht.

WTF? „Nier Automata“ ist konzentrierte Absurdität. Das beginnt bei der Hauptfigur: Androidin 2B trägt Kampfschwerter, eine Augenbinde und ein Goth-Lolita-Röckchen. Die Gegener sind knuffige Roboterchen, die man am Liebsten knuddeln möchte. Das Gameplay variiert zwischen Actionadventure, RPG, Sidescroller, Hack´n´Slay und Stickshooter und wechselt manchmal von Szene zu Szene – man hat das Gefühl, mehr als ein Spiel zu spielen.

Dabei ist es so schwer zugänglich, dass es an eine Zumutung grenzt. Bis nach dem ersten Bosskampf kann man nicht mal speichern. Verliert man den, muss man 20 Minuten noch einmal spielen. Auch die Schnellreisefunktion muss erkämpft werden. Der Schwierigkeitsgrad ist heftig, die Bedienung in der Standardbelegung fummelig und die Konfiguration der Spielfigur fast unmöglich. Und doch: Nier Automata sprüht vor Kreativität. Überraschungen und WTF-Momente sind ist die Belohnungen für die Zumutungen. Ein Spiel, dass wirklich ständig mit Skurrilitäten überrascht.

Zur Sperrigkeit gehört leider auch, dass man nach einem Spieldurchlauf nur einen Teil der Geschichte erlebt hat. Beim jedem neuen Spielstart erlebt man Geschehnisse, die parallel oder nach der Haupthandlung spielen, und zwar aus der Sicht einer anderen Figur. Das ist originell, aber ebenfalls sperrig – es dauert zu lange, bis man den diesem Punkt ist. Narrationsfans kommen nicht bis dahin, weil die Geschichte zu dünn gestreut ist, und durchschnittliche Spieler sind nach einem Durchlauf am Ende, weil die Core-Spielmechanik seltsam unbefriedigend ist. „Nier: Automata“ ist dennoch ein Riesenerfolg geworden, irgendeinen (japanischen) Nerv muss es also treffen.

„Nier: Automata“ ist eine Wundertüte, bei der man nie weiß, was man als nächstes findet. Wenn man was findet, weiß man nichts mit anzufangen, weil die Fundsache absurd ist.

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Machen:
– Der Nachbarin einen neuen Job erschreiben
– Die V-Strom wieder auf Vordermann bringen
– Reiseplanung für Oktober.

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Neues Spielzeug:

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Verfasst von - 31. Juli 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Juni 2017

Herr Silencer im Juni 2017
„…“

Wetter: Das ist der erste Juni seit 5 Jahren den ich in Deutschland verbringe, und ich muss sagen: Hier ist er auch ganz nett. Nur ein wenig inkonsistent, was die Temperatur angeht. Es ist warm und sonnig bei Temperaturen zwischen 13 und über 30 Grad. An den Urlaubsorten, an denen ich gewesen wäre, herrschte dagegen das beste Wetter seit 5 Jahren. o_O

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Lesen:

Immer noch „American Gods“

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Hören:

Gamespodcast
Klassische Printmagazine zu Gamingthemen sterben seit 15 Jahren einen langsamen Tod, Webseiten ergehen sich im Abschreiben von Pressemeldungen. Das ist schade, denn Gaming ist ein schönes Hobby, dem Fachjournalisten für Hintergrundberichterstattung, Einordnungen und Interpretationen gut tun.

André Peschke und Jochen Gebauer sind zwei gamejournalistische Urgesteine, die aus Jux mit einem Podcast („Auf ein Bier“) zum Thema Videospiele anfingen. Der erfreute sich rasch großer Beliebtheit, und die beiden gingen einen mutigen Schritt: Sie kündigten ihre Redakteursposten bei Gamestar und starteten das Projekt „Weltherrschaft“. Das Ziel: Einen Podcast machen, für den Leute monatlich Geld und damit Einnahmen in einer Höhe generieren, dass die beiden davon leben können. Sowas ist in der deutschen Podcastszene verpönt und wurde vor einem Jahr belächelt. Heute können Peschke und Gebauer nicht nur vom Podcast leben, sie haben sogar schon zwei weitere Mitarbeiter eingestellt.

Gamespodcast.de bietet für 5 Dollar ca. 15 Sendungen pro Monat, mit den verschiedensten Formaten. Die „Wertschätzung“ ist die klassische Rezension, „10 Jahre Klüger“ nimmt sich Themen von vor 10 Jahren vor und schaut, wie die sich entwickelt haben (mit Christian Schmidt als Co-Host!). „Anekdoten“ ist genau das, „Walkthough“ beschäftigt sich mit Hintergründen aus der Industrie. Kolumnen, Interviews und Reportagen runden das ganze ab. Da alle Beteiligten mit großem Fachwissen aufwarten und unabhängig von Verlags- und Herstellerdruck agieren können, ist der Gamespodcast vielleicht das erste wirklich komplett unabhängige und professionelle Medium über Games, was wir in Deutschland haben und damit eigentlich ein Muss für alle Gamer. Für mich sind das die am besten angelegtesten 5 Dollar der letzten Jahre.

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Sehen:

Pirates of the Caribbean: Dead Man tell no Tales [Kino]
Johnny Depp macht irgendwas und dann Piraten.

Johnny Depp fuhr in letzter Zeit veritable Flops ein: „Alice im Wunderland 2“, „Mordecai“, ein obskurer Film mit dem Namen „Yoga Hosers“ – alle an der Kinokasse untergegangen. Er braucht dringend wieder einen Kassenerfolg, und damit braucht er die Figur des Captain Jack Sparrow genauso wie sie ihn.

Leider ist „Pirates 5“ kein guter Film geworden. Zwar sind neben Johnny Depp auch wieder große Actionpieces und viel Rum dabei, der Scope ist aber leider völlig flöten gegangen. Selbst wenn Großes gezeigt wird, den Regisseuren Joachim Rønning und Espen Sandberg gelingt es nicht, daraus große Bilder zu machen. Der Film wirkt klein-klein, was weder der Serie noch Jack Sparrows Ego angemessen ist. Dazu kommt die unkohärente Story und das Desinteresse für die eigentlich interessanten Figuren, aus denen kaum was gemacht wird. Einzig der heimliche Star der gesamten Reihe, Geoffry Rush als Captain Barbossa, brilliert wieder. Von daher: Pirates 5 ist kein Totalausfall, aber leider auch nicht gut.

The Mummy (2017) [Kino]
Tom Cruise (gespielt von Tom Cruise, der Tom Cruise spielt) stirbt nicht mehr, seitdem er eine Mumie ausgebuddelt hat. Die möchte ihn gerne heiraten. Dagegen hat Dr. Jekyll etwas, der eine geheime Anti-Mumien-Organisation leitet. Mr. Hyde gefällt das.

Seitdem Marvel mit filmübergreifenden Geschichten und Figuren so einen Erfolg hat, möchte jedes Studio ein eigenes „Cinematic Universe“. Die Universal Studios haben mit viel Tamm-Tamm ein eigenes „Dark Universe“ angekündigt, in dem sich Figuren wie Van Helsing, der Werwolf, Frankenstein und andere klassische Gruselmonster tummeln sollen. Was dabei übersehen wurde: Damit Marvel so einen Erfolg haben konnte, haben die erstmal ein halbes Dutzende gute Solofilme gemacht, in dem sie Welten und Figuren aufgebaut haben. „Die Mumie“ spart sich dieses Worldbuilding, und fällt damit auf die Nase. Der Film ist auf allen Ebenen einfach erschreckend schwach. Die Handlung ist Banane, die Bilder auf TV-Serienniveau und ein, in einem Keller herummoppernder, Russel Crowe bleibt auch nicht im Gedächtnis. Lediglich Sofia Boutella als Wüstenprinzessin liefert wieder mal eine tolle Performance ab, hat aber so wenig Screentime, dass sie den Film nicht tragen kann. Das müsste Tom Cruise machen, aber da kommt wieder nur Tom Cruise bei raus. Umbeantwortet bleibt auch in diesem Film wieder: Wieso altert Tom Cruise im echten Leben eigentlich nicht?

Wonder Woman [Kino]
Irgendwo, versteckt vor der Welt, liegt die Insel der Amazonen. Dort wächst die junge Diana auf, wird in der Kampfkunst ausgebildet und lernt die Geschichten des Weibsvolks. Eines Tage fällt ihr ein Mann vor die Füße. Der ist Pilot im ersten Weltkrieg. Diana zieht hinaus in die Welt, um diesen Krieg eigenhändig zu stoppen.

So naiv wie die Story klingt ist der Film zum Glück nicht. Nicht gerade einfach, denn immerhin ist die zugrundeliegende Comicfigur, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, eine Amazone mit einem Schwert und einem leuchtenden Lasso, die Shorts in Farben der amerikanischen Flagge und einen Metall-BH trägt, während sie mit ihren Armreifen Pistolenkugeln abwehrt. Damit spielt die Figur der „Wonder Woman“ in einer Peinlichkeitsliga wie „Superman“ und anderen Figuren aus den 1940er Jahren.

Umso erstaunlicher ist es, dass Regisseurin Pattey Jenkins und Hauptdarstellerin Gal Gadot hier Figuren und Geschichte liefern, in der der „Suspension of Disbelief“ funktioniert. Die Welt, die der Film erschafft, ist in sich glaubhaft und die Figuren sind sich nicht, wie in den anderen DC-Filmen, komplette Arschgeigen („Man of Steel“), erratische Weicheier („Batman v. Superman“) oder komplett egal („Suicide Squad“). Nein, „Wonder Woman“ berührt und bewegt und fasziniert mit tollen Charakteren vor einer unverbrauchten Kulisse. Vorwerfen kann man ihm allerdings die schwachen Bilder, deren potentielle Wucht immer wieder durch Fixierung auf Gal Gadots stets makelloses Gesicht stark gedämpft wird – man stelle sich in dem Zusammenhang „Im Westen nichts Neues“ vor, der komplett durch eine Selfiecam von einem Model gefilmt wird. Unschön zudem das unmutige Ende – WW hätte eine für Comicfilme bislang ungekannte philosophische Tiefe erreichen können, vergurkt es aber auf die letzten Meter zugunsten eines trivialen Bosskampfes.

Der Film ist also bei Weitem nicht so gut, wie ihn die Kritiker gerade hochjazzen. Daraus spricht vielleicht auch die Erleichterung, dass es DC gelungen ist, wenigstens EINEN Film zu machen, der nicht kompletter Müll ist. Immerhin ist er gut genug um zu unterhalten, man freut sich ja schon über Kleinigkeiten.

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Spielen:

Mass Effect: Andromeda [PS4]
Andromeda zum Dritten. Drei Monate habe ich gebraucht, um mich durch dieses Machwerk zu quälen. Am Ende wollte ich nur noch, dass es vorbei ist. Die Mischung an Unsinn, die das Spiel auffährt, ist wirklich schwer erträglich. Bis auf den Kroganer Drack sind alle Charaktere nervig und schlecht geschrieben, die Hauptstory versandet auf halbem Weg und kommt dann nicht mehr in den Quark, und die Nebenmissionen sind dumme Schnitzeljagden. Da wundert es nicht, dass das Ende eine Frechheit ist: Ein Zwischenbossgegner wird recycelt. Hat man den besiegt, läuft der Abspann. WTF? Die 53 investierten Stunden Lebenszeit bekomme ich nie wieder.

What Remains of Edith Finch? [PS4]
Die 17jährige Edith Finch kehrt in ihr Elternhaus zurück. Das große Anwesen liegt verlassen am Rand der Küste, seit dem Ereignis vor einigen Jahren. Aber was genau ist da passiert? Und was hat es mit dem Fluch der Finches auf sich, der ein Familienmitglied nach dem anderen getötet hat?

„What Remains…“ ist eine gerade mal 4 Stunden dauernde, schwer zu beschreibende Erfahrung. Formal ist es ein Walking Simulator, denn mit Edith geht man von Raum zu Raum in diesem Haus, dass viele besondere Räume beinhaltet. Dort erzählt Edith die Geschichte der ehemaligen Bewohner, und in die sind motorisch und visuell packende Minispiele eingearbeitet. Die sind nicht schwer, nur irre interessant.

Wenn sich in einer Geschichte ein Fließbandarbeiter in immer komplexer werdende Traumwelten flüchtet, dann ist das eine visuelle Pracht, die der Spieler direkt miterlebt: Mit einer Hand muss er Fließbandarbeit verrichten, mit der anderen eine Spielfigur in einer Fantasygeschichte steuern. Dabei sind die verhandelten Themen nicht ohne. Es geht um Erfahrungen wie Angst und Tod, und dabei wird auch vor heftigen Episoden, wie dem Verlust eines Kindes, nicht zurückgeschreckt. Das ist aber nie gruselig inszeniert, sondern als bereichernde Erfahrung. Am Ende entlässt einen das Spiel mit einem Gefühl, dass hier gerade das Leben sehr abgefeiert wurde – und dann muss man als Spieler für sich entscheiden: Was hat es denn nun auf sich, mit diesem Fluch? Und was bleibt von Edith Finch? Der Downloadtitel kostet auf XBOX, PS4 und PC 20 Euro. Das scheint viel, für netto 4 Stunden Spiel – aber die Spielerfahrung ist es wert, denn die beschäftigt einen noch Tage später.

Assassins Creed II [PS4 Remaster]
Italien, 1476. In Florenz wehren sich die Medici gegen die Pazzi-Verschwörung, in Rom will Rodrigo Borgia Papst werden, in Venedig träumt Leonardo da Vinci neue Stufen von Kunst und Wissenschaft herbei und in Forlì führt Catharina Sforza ein hartes Regiment. Mittendrin: Der junge Ezio Auditore. Der hat anfangs nur Weibergeschichten und Party im Kopf. Das ändert sich, als durch eine Intrige seine Familie ermordet wird. Ezio schwört Rache, stellt sich bei deren Umsetzung aber denkbar ungeschickt an. Zum Glück gibt es da Menschen, die ihn anleiten. Fast 30 Jahre kreuzt sich Ezios Geschichte mit denen der prominenten Figuren der Renaissance. Am Ende steht die Erkenntnis: Es gibt keine einfachen Wahrheiten.

Ach, spielerisch und vom Storytelling ist ACII immer noch eine Offenbarung. Die Orte sind wunderschön gestaltet, die erzählte Geschichte ist faszinierend und perfekt mit dem SciFi-Überbau und einer Story in der Gegenwart verwoben, Open World-Krempel ist sämtlichst optional und, bis auf der erklettern der Türme, keine Pflicht. Das perfekte Assassins Creed!

Der Remaster aus der „Ezio Collection“ für die aktuellen Konsolen ist leider weit weniger perfekt. Zwar wurde die Sichtweite erhöht, die Auflösung angepasst und für Gebäude und Kleidung höher aufgelöste Texturen verwendet, aber leider nichts an den Gesichtern gemacht. Die sehen, besonders bei den Nebenfiguren, gruselig aus. Spielt aber kaum eine Rolle: Wer nur ein einziges AC spielen will, sollte das hier nehmen.

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Machen:
Trauern. Eine Garage einrichten. Auf die Reparatur der V-Strom warten.

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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
2 Kommentare

Verfasst von - 30. Juni 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Mai 2017

Herr Silencer im Mai 2017
„Gleich geht es los.“

Wetter: Monatsanfang einstellige Temperaturen und Regen, Monatsmitte morgens 0-4 Grad, tagsüber 10-12 und trocken. Gegen Ende des Monats zeigt der Mai dann, was er wirklich kann: Sonne und 12 bis 20 Grad, an den letzten Tagen sogar Hochsommer mit 30 Grad und Sonne.

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Lesen:

Neil Gaiman: Amercian Gods
Shadow hat allen Grund schlechte Laune zu haben: Er kommt gerade aus dem Knast, er hat erfahren das seine Frau verstorben ist, er hat keine Perspektive. Deprimiert und am Boden nimmt er das Jobangebot eines gewissen Mr. Wednesday an, ihn auf einem Roadtrip durch die USA zu begleiten. Schon bald merkt Shadow, dass irgend etwas merkwürdig ist an Mr. Wednesday und den Menschen, die sie auf ihrer Reise besuchen. Sind es wirklich Menschen? Oder sind es alte Götter, halbvergessen und mangels Anhängern ihrer Macht beraubt?

Habe ich vor 16 Jahren das letzte Mal gelesen. Tolles Buch über sich ändernde Zeiten und alte Erinnerungen, über Dinge, die wir verehren und wie Götter leiden. Die Geschichte ist schwer zu verorten. Ein Mysterthriller? Ein Fantasykrimi? Irgendwie sowas. Und dazwischen auch ganz anders, denn wie schon in „Sandman“ streut Gaiman auch hier immer wieder kleine, für sich stehende Kurzgeschichten in die Hauptstory ein. Ein Buch wie ein Roadtrip, und zwar ein sehr guter.

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Hören:

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh
In den 70er Jahren ermordete Fritz Honka mehrere Prostituierte im Hamburger Trinkermilieu. Seine Opfer lernte er in der Kneipe „Der goldene Handschuh“ kennen. Die Leichen zerstückelte und versteckte er auf Altona und in seiner Wohnung.

Heinz Strunk ist sonst er für lustige Erinnerungen aus den 80ern gut. Hier schlägt er einen ganz anderen Ton an. Akribisch hat er Honka und seinen Opfern hinterherrecherchiert, sich in das Trinkermilieu hineinversetzt und daraus eine bedrückende Erzählung gemacht, die über jede Grenzen hinausgeht. Ungeschönt und unerträglich sind die Schilderungen der kaputten Trinker, der Menschen ohne Gedächtnis, ohne Identität, ohne Willen, die für eine Flasche Korn alles machen. Strunks Studie zeigt, wie Honkas Verbrechen möglich wurden und wie es sein konnte, dass niemand die getöteten Frauen vermisste. Ein soziokultureller Abgrund. Das ist wirklich, wirklich harter Stoff. Ich konnte das nur in Etappen hören und habe Monate dafür gebraucht.

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Sehen:

Guardians of the Galaxy Vol. 2 [Kino]
Die selbsternannten „Beschützer der Galaxie“ nehmen als Freelancer Kammerjägerjobs an. Als sie für eine goldene Trulla arbeiten, klaut der Waschbär alte Radioröhren. Dann findet Peter Quill seinen Vater, der das ganze Universum aufessen möchte.

Um es mal kurz zu machen: „Guardians Vol. 1“ war ein super Film, dieser hier ist es nicht. Dafür gibt es zu wenig wichtige Dinge, alles plätschert irgendwie vor sich hin, und alles, was in Teil 1 cool war, wird bis zum erbrechen wiederholt. Teil 1: Die 3 Sekunden Baby-Groot waren cool. Teil 2: 5 Minuten Babygroot-Solo. Teil 1: Die zwei Szenen mit Yondus Gedankenpfeil waren cool. Teil 2: Gedankenpfeil wird gefühlt 20 Minuten am Stück gezeigt. Apropos gefühlte Zeit: Guardians II ist mit 2,5 Stunden nicht nur gefühlt viel zu lang. Am Ende will man nur noch, dass es vorbei ist. Einer der schlechtesten Marvel-Filme bislang.

American Gods [Amazon Video]
„American Gods“ ist als Serie wunderbar Twin-Peaks-est umgesetzt. Charakterschauspieler, HDR-Optik, schräge Blickwinkel. Manchmal bleibt man der Vorlage auf die Dialogzeile treu, manchmal wird zeitgemäß variiert. Große Kunst, auf jeden Fall, und ich hoffe auf weitere Staffeln – die 8 Folgen der ersten bilden nur einen Teil des Buches ab.

Arrival [Amazon Video]
Überall auf dem Planeten landen Raumschiffe. Wissenschaftler gehen an Bord und stehen erstmal im Nebel. In dem stecken Außerirdische, die komische Zeichen in die Luft malen. Weil die Aliens nichts machen als rumkrakeln, beschliesst das Militär sie wegzubomben. Eine Linguistin findet das nur so mitteltoll.

„Es gibt noch SciFi für Erwachsene“ und „der beeindruckstende Science Fiction Film seit „Insterstellar“, jubelte es allerorten beim Erscheinen von „Arrival“. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was die Kritiker zu solchen Begeisterungsstürmen hingerissen hat. „Arrival“ hat exakt eine Idee, die den Film tragen soll. Die findet man aber gar nicht mehr so supi, wenn bis zur Auflösung 2 Stunden schnarchlangweiliges Rumgeflenne ertragen musste. Auf die letzten 5 Minuten wird der Film dann noch spannend, blendet dann aber schnell aus – als wäre es pfui, wenn auf der Leinwand mal was passiert. Das die zugrundeliegnende Prämisse der Filmtragenden Idee rotzedoof und von ähnlicher Glaubwürdigkeit ist wie seinerzeit das „Scarlett Johannson wird zu einem göttlichen USB-Stick“-Desaster, gleicht die verlorene Lebenszeit kaum aus. In der Heimkinofassung hat der Film zu dem das Problem, dass das Bild so dunkel und kontrastarm ist, dass stellenweise die Augen schmerzen. Ja, „Arrival“s Bilder sollen dunkel sein, aber das hier wirkt, als hätte man vergessen einen Filter für Kinoanlagen zu entfernen: Selbst sonnige Szenen wirken, als wäre sie im Dezember gegen 16.00 Uhr aufgenommen, und in den wirklich gewollt dunkelen Szenen an Bord der Raumschiffe ist stellenweise kaum noch was zu erkennen.
Merke: Schnarchiges Rumgefuddel, tränenreich in Kamera blicken und schlechte Lichtverhältnisse definieren NICHT SciFi für Erwachsene.

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Spielen:

Mass Effect: Andromeda [PS4]
Das Ding lappte über den Rand des Vormonats. Da hatte ich ja schon heftig geschimpft, und es wird nach hinten raus nicht besser. ME: Andromeda ist in Deckungsshooter, bei dem das Deckungssystem nur so mittel bis nicht funktioniert. Es ist ein Rollenspiel, bei dem sich der eigene Charakter null entwickelt und seine Skills nutzlos sind. Die NPCs sind allesamt nervige Unsympathen oder flennende Weicheier. Das Craftingsystem ist sinnlos. Es gibt 5 verschiedene Ingame-Währungen, die auch alle sinnlos sind, weil einen das Spiel damit zuschmeisst. Die Dialoge sind unerträglich schlecht. Die Story ist völlig Banane.

Am Schlimmsten aber: „Andromeda“ ist von allem zu viel. Nahezu jeder verdammte NPC erzählt nicht nur ausführlich seine uninteressante und langweilige Lebensgeschichte, er hat auch eine Quest parat. Ich habe keine Ahnung wieviele Sidequests es insgesamt gibt, gefühlt sind es mehrer Hundert, und zwar von der bescheuertesten Sorte: Sammele Kräuter. Scanne Schrott. Fahre Wegpunkte ab. Alles garniert mit VIEL Backtracking. Die Hälfte der Zeit glotzt man auf Ladebildschirme, weil die Kräuter über die halbe Galaxis verteilt sind. Das Schlimmste: Hinter manchen der Doofquests verbergen sich wichtige Storyinfos. Das ist vom Spieldesign her so ein Müll, dass ich irgendwann keine NPCs mehr angesprochen habe, um nicht noch mehr Gejammer hören und Blümchen pflücken zu müssen. Oh, und Bossfights. Ja, richtig: Mass Effect Andromeda hält wirklich im Jahr 2017 Bossfights für eine gute Idee. Aber nicht, weil es dabei um irgendwas ginge. Das sind auch so Nebenaufträge, nach dem Motto „Geh da mal hin, mach mal das Ding weg. Oder halt nicht, ist auch egal“.

Da stellt sich das Gefühl von „Wann ist das Elend endlich vorbei?? Warum hört da nicht endlich auf???“ ein. Von Allem bietet Mass Effect zu viel, kein Wunder, dass es den Fokus verloren hat.

Full Throttle [PS4]
Die USA, in einer alternativen Zeitlinie. Ben ist ein harter Biker und Anführer einer Motorradgang. Das ändert sich jedoch schnell, Ben wacht in einer Mülltonne auf, seine Gang ist weg, und er hat einen Mord am Hacken. Auf sich allein gestellt versucht Ben herauszufinden was passiert ist.

„Full Throttle“ habe ich vom ersten Moment an geliebt. Damals, 1995, als rauskam. Beindruckende Inszenierung, röhrende Motoren, Rockmusik – das gab es in einem Point & Click-Adventure bis dahin nicht, und später nie wieder. Jetzt, 22 Jahre später, gibt es eine aufgefrischte Version für Konsolen und PC. Und die hat es in sich: Die Grafik ist überarbeitet, der Sound gesäubert und das Interface angepasst. Besonder schön: Auf Tastendruck kann man zwischen neuer und alter Version umschalten. Als Bonus gibt es einen Audiokommentar der Macher, der einen interessanten Einblick in die damalaigen Produktionbedingungen gibt. Einziger Wehrmutstropfen: Das Spiel ist nach wie vor kurz. Nach knapp 10 Stunden erklingt der Schlussakkord. Aber die Reise bis dahin ist allemal die 14 Euro wert, die aktuell dafür aufgerufen werden.

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Machen:
Eine V-Strom reisefertig machen.

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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
6 Kommentare

Verfasst von - 29. Mai 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: April 2017

Herr Silencer im April 2017
„Was soll das heißen, der Monat ist schon wieder vorbei??“

Wetter: Monatsanfang sommerlich, dann wieder kühl, aber trocken. Die Bäume beginnen am 01.zu blühen. Mitte des Monats Temperaturen um die 6 Grad, keinerlei Sonne, dafür Regen. Dann wird es wieder Eisekalt: um den 20. sind es morgens -3 Grad und es schneit ein wenig. Wein- und Obstblüten erfrieren. Der Rest des Monats dümpelt nachts und morgens um den Gefrierpunkt herum, tagsüber sind es maximal 10 bis 12 Grad.

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Lesen:

Diverse: Michael Müller Reiseführer
Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag sind meine verlässlichste Quelle für Reisevorbereitungen. Kompakt, informativ, meist alles Relevante und Interessante gut lesbar zusammengefasst.

Francois Durpaire: Die Präsidentin
Sozialwissenschaftliche Science Fiction: Die rechtsextreme Rassistin Marine Le Pen wird am 07. Mai Präsidentin Frankreichs und beginnt sofort damit ihr Wahlprogramm umzusetzen. Die Konsequenzen sind verheerend.

Sehr gutes Buch, leider mies gezeichnet und schlecht erzählt. Ausführliche Besprechung hier.

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Hören:

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Sehen:

Where to Invade Next? [Amazon Video]
Das Pentagon ist frustriert, weil es seit dem zweiten Weltkrieg alle Kriege verloren hat. Darum engagiert es den linken Dokumentarfilmer Michael Moore. Der soll fortan alle Invasionen eigenhändig durchführen und den überfallenen Ländern ihre Errungenschaften und Ressourcen stehlen. Gesagt, getan: Alle US-Soldaten bekommen frei, Moore überfällt Europa und nimmt ein Land nach dem nächsten ein. In Interviews mit Arbeitern, Lehrern und Akademikern findet er die Besonderheiten des jeweiligen Landes heraus und „annektiert“ diese dann. Aus Italien „stiehlt“ er die Idee der Urlaubs- und Arbeitszeitregelungen, aus Finnland das Schulsystem, aus Frankreich das Schulessen, aus Slowenien die Idee der freien Hochschulbildung, aus Deutschland die Erinnerungskultur usw.

Manchmal muss man das eigene Land erst durch die Augen eines anderen sehen, damit man es genügend würdigen kann. Auch wenn die Prämisse mit den „Invasionen“ dumm und das jeweils finale Aufpflanzen der amerikanischen Flagge im „überfallenen“ Land albern ist, ist der Film auf mehreren Ebenen sehenswert. Zum einen macht er deutlich, dass viele Aspekte unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich sind. Sie sind Errungenschaften im wahrsten Wortsinn, denn mann musste und muss um sie ringen. Moore zeigt uns das in einem Dutzend Interviews, die er mit den Menschen in den europäischen Ländern führt.

Der Film ist immer dann schockierend und gut, wenn direkt neben unseren europäischen Verhältnisse das System der USA gezeigt wird, dass im direkten Vergleich wie ein Land der dritten Welt oder des 19. Jahrhunderts wirkt. Schön sind auch die vielen, kleinen Szenen, die meist die Reaktion der Gesprächpartner zeigen. Es sind augenöffnende Momente, wenn Moore den Arbeiter bei Faber-Castell fragt, wieviele Jobs er denn wohl hat, um sich sein Mittelstandsleben leisten zu können, und der aus allen Wolken fällt; wenn er einem französischen Mädchen Cola anbietet und das höflich nickt, dann aber doch lieber Wasser trinkt; wenn er dem vielreisenden Ehepaar aus Florenz erklärt, dass es in den USA keinen bezahlten Urlaub gibt und die das gar nicht glauben können.
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Spielen:

Mass Effect: Andromeda [PS4]
600 Jahre haben die Kolonisten geschlafen, jetzt ist ihr Raumschiff am Bestimmungsort in der Andromeda-Galaxie angekommen. Dummerweise entpuppen sich die „goldenen Welten“, die ihnen versprochen wurde, als verstrahlte Wüsten- und Eisplanenten. Unter den Kolonisten sind Ressourcenknappheit und Meutereien an der Tagesordnung. Letzte Hoffnung: Sara Ryder, die Pathfinder-in. Die soll es richten und stolpert prompt beim ersten Ausflug über ein altes Terraformingsystem. Das wollen auch irgendwelche egalen Aliens nutzen, aber vorher müssen für andere dumme Aliens noch dreitausend Botengänge erledigt, zwei Milliarden mal Schrott gesammelt und fünf trilliarden Planeten gescannt werden.

Was ist DAS denn? Die Mass Effect-Reihe war mal das beste SciFi-Roleplay der Welt und glänzte mit fein geschriebenen Charakteren und tollen Geschichten, bis das Ende von Teil 3 alles in den Sand setzte. Dieses Ende war sogar so absurd schlecht, dass es die drei vorangegangenen Spiele negativer darstehen lässt als sie sind.

„Andromeda“ sollte ein Neustart werden, mit den alten Stärken von Mass Effect, aber auch anders. Dafür ließen sich die Entwickler von Bioware ganze fünf Jahre Zeit. Was nun dabei rausgekommen ist, ist geradezu absurd schlecht. Ryder ist ein Charakter aus Pappe, die sogar im Orginal eine nervende Stimme hat und Sätze von sich gibt, die an Dummheit kaum überboten werden können. Die anderen Charaktere sind ebenfalls nervige Arschgeigen, die Story ergibt in den ersten 20 Stunden überhaupt keinen Sinn und motiviert null, die Usability ist grauenvoll, die Dialoge sind mies geschrieben und die Grafik lässt zwar die PS4-Lüfter auf Hochtouren laufen, ruckelt aber trotzdem gelegentlich. Das Aussehen der Figuren bewegt sich dabei auf dem Niveau von Mass Effect 1 – und das kam 2007 raus!.

Dazu kommt vergeigtes Gamedesign: Andromeda ist über weite Teile ein Deckungshooter – bei dem das Deckungssystem nicht funktioniert! Abseits davon gibt es RPG-Elemente, die in verschachtelten Menüs mit Ordnerstrukturen versteckt sind. Ein veraltetes Dialograd. Charaktere, die in den unpassendsten Momenten ihre Lebensgeschichte von sich geben. Und warum sind Features wieder da, die in den letzten Teilen schon entsorgt wurden, weil sie nicht funktionierten? Das endlose Scannen aus Mass Effect 2 und der nervige Hüpfpanzer aus Teil 1 sind wieder da, nur das man nun NOCH mehr scannen und NOCH mehr fahren muss. Dazu kommt Sudoku. Kein Witz. Man muss allen ernstes STUNDENLANG Sudokurätsel lösen, damit es weitergeht. Ich hasse Sudoku.

Echt jetzt, WTF, Bioware? Nach dem vergurkten Ende von Teil 3 verließen viele altgediente Mitarbeiter die Firma, aber „Andromeda“ wirkt, als hätten es ganz neue Juniorentwickler und Praktikanten gebaut. Das Ding ist schlecht geschrieben, überladen, langsam, langweilig, inkonsistent und technisch übel, kurz: Es ist in jedem Aspekt schlechter als die Vorgänger. Und nicht nur das: Schlechter zu sein als die Spitzentitel des Genres könnte immer noch gut sein, aber „Andromeda“ ist nicht mal ein gutes oder auch nur befriedigendes Spiel.

Dabei verstehe ich den Ansatz und die Ideen dahinter. „Andromeda“ sollte anders als seine Vorgänger und dazu Exploration pur sein. Eine Open World, in der man Abenteuer entdeckt und eigene Lösungen finden kann. Das Potential scheint auch überall durch, aber das schlechte Drehbuch, das tranige Gamedesign und die miese technische Umsetzung hindern es an der Entfaltung. Das Spiel macht keinen Spaß, es fühlt sich nach Arbeit an. Das die einst beste Spieleschmiede der Welt nach fünf Jahren Entwicklungszeit nichts Besseres hinbekommt als diesen technischen und spielerischen Müll ist beschämend.
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Machen:
Ein Motorrad fernreisetauglich machen. Eine Reise planen. Und viel tun, damit die auch angetreten werden kann.

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Neues Spielzeug:
Ein Anker Souncore Mini. Der Bluetooth-Lausprecher ist nur 6,5 Zentimeter hoch und breit, wiegt aber 250 Gramm liefert aber ordentlich Wumms. Der Akku hält rund 15 Stunden. Damit lässt sich auch an sonst unerschlossenen Orten Podcasts und Musik hören. Typisch Anker ist die überaus wertige Verarbeitung und der geringe Preis. Das macht Freude!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
7 Kommentare

Verfasst von - 28. April 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: März 2017

Herr Silencer im März 2017
„Du wirst Dich setzen wollen, ich muss Dir mal nen Stuhl anbieten.“ -„Warum? Damit ich von selbigem fallen kann?“

Wetter: Monatsanfang bis -mitte durchwachsen mit Temperaturen zwischen 2 und 12 Grad, Sonne, Regen und Schnee. Im letzten Drittel Sonne, Temperaturen klettern in moppedfreundliche und sogar sommerliche Regionen. Und in den letzten 5 Tagen fangen die Bäume an zu blühen.

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Lesen:

Ben Aaromovitch: Rivers of London
Ein junger Polizist in London hofft zur Kripo zu kommen, stattdessen stolpert er in die Abteilung Magie der MET Police. Die besteht nur aus einem Mann, der anscheinend Zauberer ist und nach einem Azubi sucht.

Was´n das? Verquickung von Krimi, Harry Potter und Horror? Seltsame Mischung, und keine der drei Seiten bedient das Buch richtig. Der Plot ist aufgrund deftiger Szenen nichts für Kinder oder zartbesaitete, für einen spannenden Krimi zieht sich die Handlung zu lange, und die Magieelemente um alte Götter und seltsame Wesen sind direkt von Neil Gaiman „Neverwhere“ entliehen. Polizeiarbeit wird so frei von jeglicher Kenntnis beschrieben, dass man sicher sein kann, dass der Auto nie auch nur eine Folge „CSI“ gesehen hat. Wer die Verbindung von Magie und Polizei reizvoll findet, sollte sich lieber Eoin Colfers „Artemis Fowl“-Bücher zu Gemüte führen, die „Lower Elements Police Recon Unit“ (Kurz: „LEP Recon“ oder „Leprechaun“) ist immer noch um Klassen besser als „Rivers of London“.

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Hören:



Johnny Cash: American IV: The Man comes Around

Durch den Trailer zu „Logan“ drauf gekommen. Johnny Cash singt Nine Inch Nails, U2 und anderes. Interessant.


Caro Emerald: Emerald Island

Eigentlich wird es ja mal wieder Zeit für ein neues Album, das letzte erschien bereits 2013. Aber wenn man ein eigenes Label betreibt, dauernd auf Tour ist und nebenbei noch Kinder bekommt, ist dafür wohl keine Zeit. Oder nur so halb. Und nur so halb ist „Emerald Islands“, eine gerade mal 18 Minuten lange EP mit 6 Songs. Alle perfekt arrangiert und gemischt, aber leider alle total belanglos. Gehört – vergessen.

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Sehen:

Logan [Kino]
Ausführliche Besprechung hier.

Die Schöne und das Biest [Kino]
Frankreich, kurz nach dem Mittelalter. Belle ist unabhängig, clever und belesen – und genau deswegen eine Außenseiterin. Durch Umstände endet sie als Gefangene im Schloss des Biests, dessen verzauberter Hofstaat darauf hofft, dass sie den Fluch lösen kann.

Der Trickfilm von 1991 ist ein Meisterwerk, die Realverfilmung von 2017 ist bestenfalls seltsam. Auf der Haben-Seite ist hier ein hoher Production-Value und eine strahlende Emma Watson zu verbuchen. Der Film hat aber schwere Probleme: Ausnahmslos jede Figur benimmt sich entweder teilnahms- und farblos (Dorfbewohner, Belles Vater) oder wie eine überdrehte Arschgeige (alle anderen). Die Inszenierung ist vollkommen gefühllos. Wo im Zeichentrickfilm große Gefühle wogten, passiert hier genau – nichts. Eine Geschichte um Liebe, in der nur über Liebe gesprochen, sie aber nicht gezeigt wird – das ist uncool. Dazu kommt das digitale Makeup des Biests, das es zwar in Nahaufnahmen beeindruckend scheinen lässt, aber schon in der Halbtotalen wirkt wie ein Charakter aus einem Computerspiel – Animationsprobleme inklusive. Oder die Ballsaalszene! Die war 1991 ein Meisterwerk der 3D-Animation und ein Höhepunkt des Films! In der 2017er Auflage ist sie sinnlos, platt und einfach so vorbei. Nee, so ein emotionsloser Streifen wird dem Stoff nicht gerecht.
Aber hey, Emma Watson! Ich würde sogar Tatort gucken, wenn Miss Watson da mitspielt!

Ghost in the Shell [Kino]
In naher Zukunft, in Hong Kong: „Major“ ist eine Soldatin mit Roboterkörper, hat aber keine Ahnung wo sie herkommt. Daneben quält sie die Frage: Was unterscheidet sie noch von einer reinen Maschine?

Ein Gehirn im Körper von Scarlett Johannson! Diese verrückten Filmemacher, was fällt denen bloß als nächstes ein! Leider verbessert das ihr Schauspiel nicht, wobei das ausdruckslose Gesicht natürlich schon wieder gut zu einem Roboter passt. Die Geschichte ist ebenfalls vom Fließband, der große Konflikt „Was macht einen Menschen aus?“ wird nur desinteressiert tangiert. Wirklich interessieren tut sich der Film mit seiner bierdeckellangen Handlung ohnehin für nichts, er will nur schöne Bilder zeigen. Scarlett Johannson in einem Siliconanzug, Stattansichten, dunkle Keller voller Kabel. Die Bilder kommen direkt aus der Comicvorlage, und das merkt man.

Die Inszenierung ist gewaltig, alles wirkt wie Blade Runner auf Amphetaminen. Die Action ist dagegen nur mittelmäßig. Irgendwie findet es ja jeder Regisseur seit „Iron Man“ es geil, wenn Johannson im knappen Fummel einen Gang langrennt und dabei Leute verhaut. Das macht sie auch hier, und viel mehr passiert halt auch nicht.

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Spielen:

Horizon: Zero Dawn [PS4]
„Du sollst Sie aufziehen! Sie zu lieben haben wir Dir nicht befohlen!“, keift die Matriarchin den Jäger Rost an. Der kann aber nichts dafür – das Baby, dass seiner Obhut überlassen wurde, hat sein Herz erobert, auch wenn ihre bloße Existenz die beiden zu Ausgestoßenen macht. Rost gibt dem verstoßenen Kind den Namen Aloy und zieht sie ohne Unterstützung des Stammes auf. Er zeigt ihr die Welt, in all ihrer Schönheit – die Wälder und Wiesen der Berge, die überwucherten Städte und eingestürzten Wolkenkratzer der Vorfahren. Er lehrt sie Stammesriten, das Sammeln, das Überleben und das Jagen. Er bringt ihr bei, was es heisst allein zu sein. Und er zeigt ihr die Maschinentiere, die die Welt bevölkern.

Wenn Postapokalypse nicht reicht, dan kommt die Post-Postapokalypse. In Horizon: Zero Dawn hat die Welt und die Menschheit die Auslöschung schon lange hinter sich. Unsere Zivilisation ist nur ein noch eine Sage, ein Nachhall einer Erinnerung. Es gibt noch Menschen, aber die leben wie in der Steinzeit, und teilen sich die Welt mit riesigen Maschinenwesen, die wie Roboterdinos aussehen.

Die Menschen leben wie in der Steinzeit und haben die Technologie vergessen, während überall um sie herum Maschinen sind? Eine total skurrile Situation, aus der das Spiel genauso seinen Reiz zieht wie aus dem asymetrischen Wissensstand von Spielfigur und Spieler: Aloy will wissen, wer ihre Eltern waren, warum sie ausgestoßen wurde und warum die Maschinentiere immer agressiver werden.

Als Spieler interessiert einen das schon auch, aber die wirklich große Motivation ist, herauszufinden, was mit unserer alten Welt – die Aloy nicht kennt – passiert ist. Überall sieht man noch Zeichen unserer Zivilisation – aber warum ist sie untergegangen, und woher kommen die Maschinentiere? Wenn man alte Militärbasen erkundet, ist das für Aloy eine geheimnisvolle Höhle der Vorfahren – für den Spieler ein Zeichen des Untergangs. Wenn Aloy uralte Artefakte findet, die sie als „Windspiel“ oder „Rituelle Vase der Gottheit Miriam“ identifiziert, dann weiß der Spieler, dass es sich dabei um einen Schlüsselbund und eine Kaffeetasse einer gewissen Miriam handelt. Als Spieler ist man gewissermaßen die Brücke in die Zukunft, und das ist… seltsam. Gleichzeitig weiß man als Spieler nicht, was Aloy eigentlich kann und wie ihre Stammesgesellschaft funktioniert – das Spiel erklärt viele Mechaniken auch einfach nicht. Aloy weiß das aber schon, und überrascht so ein ums andere mal.

Allein die großen Fragen und die Welt des Spiels zu erforschen ist spannend, und die Hauptgeschichte ist ausgezeichnet geschrieben und inszeniert, so ziemlich das Beste, was ich seit sehr langer Zeit im Bereich SciFi gesehen/gelesen habe. Das H:ZD dazu noch eines der schönsten Spiele überhaupt für die PS4 ist, mit Grafik auf Animationsfilmniveau – das macht es noch mehr zu einem Vergnügen. Richtig bei Laune hält einen aber Aloy. Ich habe noch NIE einen so gut geschriebenen und weiblichen Charakter in einem Spiel erlebt. Sie hat ihren eigenen Kopf, sie kann und weiß Dinge, von denen ich nichts weiß, sie überrascht mich, und sie tut und zeigt mir Dinge, statt sie nur zu behaupten. Das macht nicht nur die Protagonistin, sondern auch die Welt um sie herum fühlbar – und damit spannend.

Nervig sind lediglich manche Designentscheidungen. Es gibt keine Gesundheitsregeneration, Aloy muss Pflanzen sammeln um bei Kräften zu bleiben. Das Reisesystem hängt von Consumables ab, und freies Speichern gibt es auch nicht, das geht nur an Lagerfeuern. Das alles nervt anfangs kolossal, ergibt im Kontext der Welt aber einen Sinn und macht H:ZD am Ende zu einem besseren Spiel. In der Summe haben wir es hier mit nicht weniger als einem der schönsten und vermutlich dem besten Open-World-Spiel auf der PS4 zu tun.

Um mal einen Eindruck zu geben: Die folgenden Bilder sind keine Artworks oder vorgerenderte Bilder, das ist die Spielegrafik. Mit Dank an Hispanicguy, Vladesthelm, That_kid_chris und SikorskyUH60 für die Bilder.

Rise of the Tomb Raider [PS4]
Niemand glaubte Lord Croft. Der Brite suchte nach einer „göttlichen Quelle“, wurde dafür von der Öffentlichkeit für verrückt erklärt und in den Selbstmord getrieben. Seiner Tochter Lara geht es nicht besser. Die hat nach den übernatürlichen Erlebnissen auf der Insel Blut geleckt und will beweisen, dass ihr Vater nicht verrückt war. Ihre Reise führt sie auf die Spuren alter Geheimorden, eines seltsamen Propheten und ins äußerste Sybirien.

Vor ein einhalb Jahren kamen schon die XBOX-Versionen als Timed Exclusive raus, Ende 2016 erschien der zweite Teil des Tomb Raider Reboots endlich auch für die PS4. Das sieht auf der neuen Konsole hübscher aus als auf der XBOX360-Version, die ich seinerzeit in den Fingern hatte. Fast fotorealistisch präsentieren sich Höhlen, Ruinen, Dschungel und das verschneite Sibirien. Unverändert stark ist die Geschichte, die sich langsam entfaltet, einen starken Sog entwickelt und bis zum Ende durch Kohärenz, Liebe zu Details und gelungenes Pacing überzeugt. Ganz, ganz große Videospielkunst.

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Machen:
Dienstreisen, Tagungen, noch und nöcher. Abends manchmal: Basteln.

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Neues Spielzeug:
Eine V-Strom!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
4 Kommentare

Verfasst von - 31. März 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Februar 2017

Herr Silencer im Februar 2017
„Meins!“

Wetter: Monatsanfang pendelt so um den Gefrierpunkt rum, dann kommt der Regen. Es schüttet wie aus Eimern, bei Temperaturen zwischen 1 und 8 Grad. Sonne lässt sich nur minutenweise blicken.

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Lesen:

Neil Gaiman: The Ocean at the End of the Lane
Er braucht ein wenig Abstand von der Welt und kehrt deshalb zurück in den Ort, an dem er als Kind aufgewachsen ist. Dort erinnert er sich an seine Jugendfreundin Lettie Hempstock. Die hatte einen Teich hinter dem Haus, den sie „ihren Ozean“ nannte. Dann erinnert er sich an mehr, an den Tag im Wald, von dem er etwas mit zurückbrachte. Etwas, das nicht aus dieser Welt war und dafür sorgte, dass er eines Nachts von zu Hause fliehen musste, aber Lettie wusste Rat.

Ein kurzes Buch von Gaiman, der einmal mehr mit seinen „die alten Götter/Dämonen/Dings kommen auf die Erde zurück“-Tropes spielt. Das tut er aber auf so zauberhafte, kindheitserinnerungsvernüddelte Weise, dass man bei „Ozean“ keine Ahnung hat wie es weitergehen oder enden wird. Die Geschichte überrascht auf nahezu jeder Seite, und das macht „Ozean“ zu etwas Besonderem. Zwischendurch liest es sich fast wie ein Stephen-King-Buch, aber diese Charakterisierung ist für sich nicht ausreichend. Und da Gaiman das Kunststück hinbekommt, das Ende so zu gestalten, dass es KEIN Happy End und trotzdem tief befriedigend ist, kann das Fazit nur lauten: Sollte jeder für sich selbst entdecken.

Neil Gaiman: Neverwhere [Kindle und Graphic Novel]
Richard Mayhew lebt in London. Sein Leben ist die geordnete Biedermannhölle: Seine Tage verbringt er im Büro, Abends lässt er sich von der Verlobten sagen wie die Zukunft auszusehen hat, und am Wochenende geht es mit den Kumpels in den Pub. Das ändert sich, als er einer jungen Frau hilft, die ihm verletzt vor die Füße fällt. Kurz darauf passieren seltsame Dinge: Richard scheint nicht mehr zu existieren, sein Leben verschwindet aus der Welt. Im Büro kennt ihn niemand mehr, Menschen ignorieren ihn. Um sein altes Leben wiederzubekommen, folgt er der jungen Frau nach London Below, der Welt der vergessenen Orte und Dinge.

Faszinierendes Buch, fantasievoll und voller Überraschungen. Am schönsten ist die Idee, für die Unterseite von London die Namen der U-Bahn-Haltestellen wörtlich zu nehmen. Am Earls Court hält wirklich ein Earl Hof, in Shepards Bush gibt es wirklich Schäfer, usw. Die Story ist spannend und kurzweilig, die Charaktere super.

Eigentlich wurde „Neverwhere“ als TV-Serie konzipiert, die in den 90ern von der BBC billig und lieblos verfilmt wurde. Neil Gaiman setzte sich dann hin und machte daraus eine ordentliches Buch, dessen Geschichte ihn über Jahre nicht los ließ. Für neue Auflagen dokterte er alle paar Jahre wieder daran herum, baute Teile um und fügte neue Ideen ein. Die jetzt für den Kindle erhältiche Fassung ist quasi der „Ultimate Directors Cut“ und sehr lesenwert. Zuletzt habe ich das Buch vor 12 Jahren in der Hand gehabt, und die Geschichte ist heute immer noch so gut wie ich sie in Erinnerung hatte. Ein zeitloser Klassiker.

Weil ich gerade mal dabei war, las ich auch gleich noch die 2007 erschienen Graphic Novel, die seit einiger Zeit ungelesen im Regal stand. Sie basiert auf einer älteren Fassung der Story, nutzt aber die Eigenarten des Mediums Comic voll aus – einfach mal einen Charakter, bestehend nur aus schwarzer Tinte, zu tuschen, dass muss man sich auch erstmal trauen.


Neil Gaiman: How the Marquis got his Coat back
[Kindle]
Während der Geschehnisse von „Neverwhere“ wird der Marquis de Carabas getötet, in den Fluss geworfen und seine Leiche und sein Besitz später von den Flußleuten einzeln verkauft. Die Kurzgeschichte spielt in der Woche nach „Neverwhere“ und erzählt, wie der wiederbelebte Marquis seinen seltsamen wie liebgewonnenen Mantel sucht. Dabei führt ihn seine Reise an den einen Ort, den er nie sehen wollte: Zu den Hirten von Shepards Bush, wo er sich prompt mit dem Elefanten von Elephant & Castle anlegt.

2015 erschien dieser Nachklapp zu dem damals schon 17 Jahre alten „Neverwhere“ – nicht weniger interessant als die Hauptstory. Wer „Neverwhere“ mochte, sollte sich diese 60seitige Kurzgeschichte, die es für 99 Cent im Buchhandel gibt, nicht entgehen lassen.

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Hören:


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Sehen:

Finding Dorie [PSN]
Fisch Dorie, die blaue Nervtröte aus „findet Nemo“, sucht ihre Eltern und geht dabei verloren. Nemo und AMrlin suchen sie.

Ach, Pixar war mal originell und hat tolle, herzergreifende Geschichten erzählt. „Findet Dorie“ leider nur hektische, slapsticküberladene und herzlose Sequelkacke.

Miss Peregrines Home for Peculiar Children [PSN]
Der junge Jacob geht Geschichten seines Großvaters nach. Der fabulierte immer davon, dass er seine Jugend mit unsichbaren Jungen, fliegenden Teenagerinnen und andere Mutanten verbracht habe. Was sich wie Spinnereien anhört, wird für Jacob unversehens Realität: Durch ein Zeitloch gerät er ins Jahr 1943. Dort, eingefroren in der Zeit, existiert die Insel der besonderen Kinder bis heute. Aber nicht mehr lange, denn das zeitlose Kinderheim von Miss Peregrine wird von einem grimmassierenden Samuel L. Jackson bedroht.

Endlich mal wieder ein echter Tim Burton-Film! Herrlich Düster, toll ausgestattet, toll gespielt. Eva Green und Samuel L. Jackson haben sichtlich Spaß an der absurden Story, die Kinderdarsteller nerven nicht, die Geschichte ist straff erzählt und nie langweilig. Ein Fantasy-Abenteuer- und Coming-of-age-Film zum Verlieben – aber Achtung, er IST stellenweise gruselig. So wohlig Tim-Burton-Gruselig, nicht Horror-gruselig.

The Imitation Game [Amazon Video]
Der zweite Weltkrieg. Die Alliierten verzweifeln an der deutschen Kommunikation, die mittels der Enigma-Maschine verschlüsselt ist. Im englischen Bletchley sammelt der britische Geheimdienst Linguistinnen, Schachweltmeister und Mathematiker, die gemeinsam die Verschlüsselung brechen sollen. Einer von ihnen weigert sich im Team zu spielen. Alan Turing ist ein brillianter Mathematiker, kann aber nicht mit anderen Menschen umgehen. Von seinen Mitstreitern verspottet, bastelt er an einer Maschine, die die Enigma brechen soll – den ersten Computer. Jahre später gerät Turing mit dem Gesetz in Konflikt. Er ist homosexuell, und das ist in den 50ern in England verboten. Er wird zu chemischer Kastration verurteilt, bekommt von der Hormonbehandlung Depressionen und begeht Selbstmord.

Das Leben des Alan Turing bietet viele Ansatzmöglichkeiten um eine interessante Geschichte zu erzählen. Seine Arbeit war brilliant, er war einer der ersten Computertheoretiker, ein hervorragender Sportler, sein Wirken für den Geheimdienst spannend, der Umgang mit Homosexualität ein Zeitzeugnis und sein Lebensende ist beschämend für die britische Gesellschaft.

Das Problem des Films ist nun, dass er all diese Ansatzmöglichkeiten auf einmal zu erzählen versucht und noch zusätzliche dazu erfindet, dabei aber keinen richtig ausarbeitet und dadurch letztlich zusammenbricht. Der Film ist schlicht überladen, und zwar sowohl mit realen als auch mit fiktiven Darstellungen. Als hätte die Kryptoarbeit oder die Homosexualität in den 40ern nicht ausgereicht, wird Turing im Film auch noch als Autist dargestellt, der Zwangsstörungen mitbringt und zusätzlich einen dermaßenen Sprung in der Schüssel hat, dass er seinen Computer nach seiner toten Jugendliebe benennt und mit ihm spricht. Benewatch Cumberdick macht einen guten Job, aber eine dermaßen überladene Figur kann den Film nicht trage. Der geht in der Folge baden und bleibt blass und belanglos Film, und man fragt sich, wie man DIESE Vorlage so dermaßen versägen konnte.

Inferno [PSN]
Unglaublich feiger, schlechter Film. Besprechung gestern.

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Spielen:

Uncharted: A Thieves End [XBOX One]
Keine Zeit zum Spielen und ausserdem Jahreszeitbedingte Spieleflaute, deshalb zwischendurch mal ein moderner Klassiker mit unfassbarer Story und bislang unerreichter zwischenmenschlicher Tiefe. Besprechung hier.

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Machen:
London!

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Neues Spielzeug:
Wird noch nicht verraten.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
14 Kommentare

Verfasst von - 28. Februar 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Januar 2017

Herr Silencer im Januar 2017
„Waage sagt waaas?!“

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt, mit bis zu -15 Grad – Übernachtung im Wohnzimmer ist angesagt, das Schlafzimmmer lässt sich nicht über einstellige Temperaturen beheizen. Danach wird es mit -8 bis -2 etwas „wärmer“ und bleibt trocken, neuen Schneefall gibt es nicht.

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Lesen:

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Hören:


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Sehen:


Lemony Snicket: A Series of unfortunate Events
[Netflix]
Ein Ehepaar kommt bei einem Hausbrand ums Leben. Sie hinterlassen drei Waisen – und ein riesiges Vermögen. Hinter dem ist der heruntergekommene Schauspieler Graf Olaf her. Auf ihrer Flucht vor dem Grafen stolpern die Kinder von einem betrüblichen Ereignis ins nächste und kommen an so schreckliche Orte wie den Seufzersee.

Die „Betrübliche Ereignisse“-Bücher sind herrlich deprimierende und dennoch unterhaltsame Kinderbücher. Die skurril-hoffnungslose Stimmung wird im Kinofilm, der 2004 die Ereignisse der ersten beiden Bücher auf die Leinwand brachte, perfekt transportiert. Leider erschien nie eine Fortsetzung – bis jetzt!

Netflix hat eine Serie daraus gemacht, bei der je zwei einstündige Folgen ein Buch ergeben. Acht Folgen gibt es bislang, was das Äquivalent zu vier Kinofilmen ist. Und was für welchen! Die Originaldesigner (die man beim Film noch während der Produktion feuerte) sind wieder für den fantastischen Look zuständig, die Jungschauspieler sind exakt auf die 2004er Vorbilder gecastet und eine Reihe neuer Einfälle modernisiert die Erzählung behutsam. Star des Ganzen ist aber Neil Patrick Harris (den meisten vermutlich als Barney aus „How I met your Mother“ bekannt). Während sich im Kinofilm Jim Carrey durch die Rolle des Grafen Olaf schlicht durchgrimassierte, haucht Harris der absurden Figur echte Bedrohlichkeit ein. Sein Count Olaf ist auch verrückt, aber dabei berechnend, eiskalt und ernsthaft gefährlich. Umso besser können sich die Helden daran abarbeiten. Eine unerwartete Anguckempfehlung!


1984
[Amazon Video]
Allgegenwärtiger Überwachungsstaat, im Krieg mit dem Rest der Welt. Mittendrin: Winston, der für das „Ministerium der Wahrheit“ Ereignisse der Vergangenheit anpasst. Denn wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft, und wer die Gegenwart behrrscht, beherrscht die Vergangenheit. Winston hat ein Geheimnis: Er schreibt Tagebuch und liebt Julia. Beides ist im totalitären Regime verboten, und als das rauskommt, wird Winston gefangengenommen, gefoltert und hirngewaschen. Am Ende ist er glücklich, aber nicht mehr Winston.

Was für ein sperriger Film. Ich weiß schon, warum ich den zuletzt vor 30 gesehen habe – und damals schon doof fand. Regisseur Michael Radford nimmt den starken Stoff der Buchvorlage, entschärft ihn inhaltlich und wählt dann noch eine Form, die sich eher für Ausdruckstanz als für einen Film eignet. John Hurt spielt stark, aber glaubhaft agiert hier niemand. Offensichtlich kann Radford Filme nicht ausstehen und möchte viel lieber Theaterstücke inszenieren, und das merkt man. So wird aus einem starken Buch ein schlechter Film. Eine Neuauflage wäre mal angebracht. Denn die Grundaussage ist aktueller den je: Was machen faschistische, totalitäre Regime mit umfassenden Überwachungsmöglichkeiten mit Menschen? Da Trump sogar „Neusprech“ beherrscht, könnte „1984“ eine Blaupause für die Zukunft sein. Oder, wie Richard Burton im Film sagt: „Sei wollen eine Vision der Zukunft? Stellen Sie sich ein Paar Stiefel vor, die unablässig auf ein menschliches Gesicht eintreten.“

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Spielen:

Dishonored 2 [PS4]
In einer britisch angehauchten Steampunkwelt berrschen mechanische und elektrische Apparate das Stadtbild. Walöl ist der Antriebsstoff für die seltsamen Maschinen und Grund für den Reichtum des Empires. Regiert wird das Reich von der jungen Emily Kaldwin, seit den Geschehnissen aus Teil 1 Kaiserin des Reichs. Das ändert sich, als eine unbekannte Frau in den Palast marschiert, Anspruch auf den Thron erhebt und den ganzen Bumms kurzerhand übernimmt. Emily flieht nach Karnaca, im Süden des Reichs, und versucht herauszufinden, wie sie gegen die Besetzerin vorgehen kann. Die scheint nämlich unsterblich zu sein und zu allem Überfluss auch noch zaubern zu können. Gut, dass Emily Bekanntschaft einer dunklen Gestalt macht, die ihr eine Rune in die Hand brennt. Ab diesem Moment kann Emily per Gedankenkraft teleportieren oder sich in Schatten verwandeln, was für einen Rachefeldzug nützlich ist.

„Dishonored 2“ war die große Storyhoffnung des vergangenen Herbstes. Das fertige Spiel könnte allerdings nicht weiter von „plotdriven“ entfernt sein, die Geschichte ist nömlich schlicht ein Witz und die Charaktere so egal, dass ich vor dem Schreiben dieses Textes tatsächlich den Namen der Protagonistin nachschlagen musste. Das ist bitter, denn diese Fehler hat auch der Vorgänger schon gemacht, und das passt überhaupt nicht zur sonst so origiellen Welt und dem tollen Artwork. Das Design ist auch der Star des Spiels, sowohl von der Grafik als auch vom Levelaufbau. In ein Haus einzubrechen, in dem sich mechanisch die Räume verändern, ist schon abgefahren. Aber einen Stealtheinbruch, bei dem man durch mehrere Zeitebenen springt? Sowas cooles hat es noch nicht gegeben!

Schleichen und aus den Schatten heraus agieren ist übrigens der Weg für den das Spiel gemacht wurde. Dafür braucht man aber Geduld und viele Versuche, quasi permanent bedient man Quicksave und Quickload, wenn man wirklich Stealthy und nicht-tödlich vorgehen will. Alternativ steht es einem frei, in bester Assassinenmanier durch die Level zu meucheln und Berge von toten Wachen zurückzulassen. Das Vorgehen funktioniert, hat aber seinen Preis: Die Welt wird dunkler, die Straßen werden von Blutfliegen heimgesucht, Gefährten wenden sich ab und das Ende des Spiel verändert sich.

Ich habe nicht-stealth aber nicht-tödlich gespielt. Das ist ausgewogen, aber auch nicht zu leicht. Gerade der (selbstauferlegte) Schwierigkeitsgrad und das tolle Design waren es, die „Dishonored 2“ einen hohen Grad an Immersion hat erreichen lassen. Für lange Winterabende und Designfans empfehlenswert.

Quantum Break [XBOX One]
Jack Joyce kommt nach Jahren zurück nach Riverport. Ein alter Kumpel hat ihn einfliegen lassen, damit Jack ihm mitten in der Nacht bei einem Experiment in einem Unilabor helfen kann. Das Experiment funktioniert nur so mittelgut – plötzlich wird das Labor von bewaffneten Soldaten gestürmt, Jacks Bruder taucht auf und der Kumpel verschwindet. Kurz darauf ist er wieder da – aber 17 Jahre älter, Befehlshaber der Konzerntruppen und anscheinend mit übersinnlichen Kräften ausgestattet. Da passt es, das Jack seit dem Experiment ebenfalls ungewöhnliche Kräfte hat: Er kann die Zeit manipulieren. Das tut auch Not, denn in Riverport ist die Zeit selbst zerbrochen und kurz davor zu enden.

„Quantum Break“ ist das einzige Spiel, um das ich als PS4-Besitzer die XBOX-One-Fraktion immer bendeidet habe. Das Spiel sieht fantastisch aus, was zum einen an der fast fotorealistischen Grafik liegt, zum anderen daran, wie die zerbrochene Zeit visualisiert wird: Alles friert ein, auch Explosionen oder Ereignisse wie ein Autounfall. Durch dieses Stilleben kann man als Spieler wandern und die vielen Details bewundern, die diese stille Welt zu bieten hat.

Daneben hat das Spiel exzellente Schauspieler (wie den Littlefinger aus „Game of Thrones“ als Bösewicht) und eine komplexe Story. Die wird nicht nur über Zettel und Cutscenes erzählt, denn Quantum Break ist auch eine vierteilige Fernsehserie mit eben den Schauspielern, die auch im Spiel auftauchen. 20 minuten geht jede Folge, und je nachdem, wie man sich im Spiel verhalten hat, ändert sich der Storyverlauf leicht.

Microsoft hat viel Geld und Zeit in das finnische Studio Remedy investiert, und das „Quantum Break“ ein Systemseller sein soll, sieht man dem hochpolierten Spiel auch an. Das Ende ist offen, und eine Fortsetzung sehr wünschenswert – nach den mäßigen Verkaufszahlen der XBONE und der Lahmarschigkeit der Entwickler wird es dazu aber wohl nicht kommen.

Titanfall 2 [XBOX One]
In der Zukunft, auf irgendeinem egalen Planeten, tobt irgendein egaler Krieg. Darin laufen Leute mit Düsenrucksäcken rum. Wenn sie vom rumdüsen genug haben, rufen sie einen großen Roboter. Der fällt vom Himmel (daher der Titel), dann setzen sich die Düsenrucksackleute da rein und machen Sachen kaputt.

Riesenroboter? Mechgefechte? Count me in! War das erste Titanfall noch ein reiner Multiplayertitel, bringt Teil 2 eine sehr gelungene Kampagne mit. Für einen Shooter ist die Story erstaunlich überraschend und hat am laufenden Meter tolle Einfälle, der Charakter des eigenen Titans ist ebenso liebenswert wie komisch und die Gegner wirklich glaubwürdig böse. Abseits davon ist es mal wieder erfrischend durch eine Welt laufen zu können ohne das Gefühl zu haben zu müssen was zu verpassen. In „Titanfall 2“ gibt es nichts zu sammeln (also, nicht wirklich), alles ist linear und sehr gradlinig. Nach dem ganzen Open-World-Kram der letzten Monate, mit seinen trillionen Side- und Sammelquests, wirklich befreiend.

Halo 5: Guardians [XBOX One]
Lauf von A nach B, Peng, Bumm, Spratz.

Was für ein himmelschreiend dummer Shooter. Story Banane, wie immer unbefriedigender Cliffhanger. Gegner immer noch die gleichen wie in Teil 1. Das heißt: Immer noch der gleiche Mist WIE VOR 15 JAHREN! Animationen holprig, Schwierigkeitsgrad unausgewogen, Texturen mittelscharf und in heftigen Gefechten ruckelt es. DER XBOX-One-Vorzeigetitel ruckelt! Das man auch als Solospieler zwangsweise mit 3 minderbemittelten Teamkollegen unterwegs ist, macht die Sache noch schlimmer.

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Machen:
Crazy Ideen ausbrüten und endlich mal wieder träumen.

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Neues Spielzeug:
Eine XBOX One der ersten Generation, billig gebraucht gekauft. Und eine neues USB-Reiseladegerät geschenkt bekommen, eine Tizi „Tankstelle“. Prima verarbeitet, vier Anschlüsse, kraftvoll, aber mit 96 Gramm viel leichter als die Anker-Geräte. Danke, Leandrah!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Januar 2017 in Momentaufnahme

 

Das war das Jahr, das war (2016)

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Nachdem das Vorjahr von einem diffusen „Hier fällt alles auseinander“-Gefühl geprägt war, startete 2016 voller Hoffnung. Aber nicht lange, denn was in diesem Jahr an weltpolitischen Katastrophen zusammenkam, geht auf keine Kuhhaut.

Die Wahl von Trump und der Brexit sind Resultat der Entwicklungen, die ich seit Jahren beklage – die politischen Führungsebenen nehmen soziale Entwicklungen nicht ernst, lassen Lobbyisten die Arbeit der Politiker machen und nehmen hart umkämpfte Errungenschaften wie Frieden und Demokratie als gottgegeben und Normalzustand an. In diesem Jahr ließen sich die Folgen beobachten. Was für weitere Konsequenzen das haben wird, werden wir erst in der Zukunft sehen. Schön wird das aber alles nicht werden, und besser wird es in den nächsten Jahren auch nicht.

2016 hat übrigens auch gezeigt, dass ich mit meiner These richtig lag, dass grob geschätzt 70 bis 80 Prozent aller Menschen nicht alle Latten am Zaun haben. Das hätte es mir allerdings auch mitteilen können ohne alles einmal hart nach rechts rucken zu lassen. Denn in diesem Jahr sind längst überwunden geglaubte Dinge wieder hervorgebrochen: Rassismus, Faschismus, Homophopie und generell Ablehnung von Offenheit ist plötzlich wieder salonfähig, damit lassen sich wieder Wahlen gewinnen.

Auch ich bin intoleranter gegenüber Andersdenkenden geworden, aber nur gegenüber der rechten Seite. Das politische Klima ist gerade dergestalt, dass viele Menschen meinen ihren bislang versteckten Rassismus offen ausleben zu können. Mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben, mit denen breche ich den Kontakt einfach ab. Im realen Leben und im virtuellen. Das diskutiere ich auch nicht mehr lange, denn gerade soziale Medien sorgen für dermaßene Echokammern, die die eigene Meinung bis ins unendliche verstärken, dass solche Leute das bißchen kognitive Dissonanz auch noch mitnehmen.

2016 sind viele Helden meiner Jugend, prominente Musiker und Leute, die man halt so kennt, gestorben. Bei einigen kam das sehr überraschend, und ab April in einer Häugigkeit, das mir dämmerte: Das war die #2016erSchneisedesTodes. Am Ende dieser Jahresruückschau gibt es daher jetzt die Rubrik „Nekrolog“.

Mein persönliches Jahr war dagegen gut. Nicht spitze, aber OK. Das erste Quartal 2016 war gepägt von gleich mehreren grippalen Infekten, die mich echt niedergelegt haben. Ein Aufenthalt in London war zumindest für einige Tage durch Fieber und Grippekopf ziemlich eingeschränkt. April und Mai waren geprägt von Vorbereitungen für die Reise im Juni. Die war Durchwachsen, aber das musste auch irgendwann passieren, kann ja nicht immer alles toll sein und glatt gehen. Das es bei der Fahrt das Motorrad fast zerlegt hätte – geschenkt. Das war nichts, was sich nicht hätte reparieren lassen. Im November kamm dann, völlig unerwartet und fast zwei Jahre nach dem letzten Umzug, plötzlich die Lust zurück die Wohnung zu Ende zu bauen. Jetzt hängen auch die letzten Lampen.

Und sonst noch?

Worte des Jahres: „Lei vuole la carta“ – Sie will die Pappe.

Einschneidendstes Erlebnis:
Der Moment der Fassungslosigkeit, als ich den auseinandergebrochenen Rohrrahmen am Motorrad entdeckte.

Zugenommen oder abgenommen? Zugenommen.

Verstörendstes Ereignis:
Die Anklage von Böhmermann.

Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr. Die Fahrzeuge erforderten Aufmerksamkeit. Am Motorrad musste das komplette Gepäcksystem ersetzt werden, Verschleissteile wie Bremsen, Reifen, Kette usw. waren fällig, ein neuer Helm und neue Stiefel waren einfach dran. Das Kleine Gelbe AutoTM gibt es auch noch, das wollte in diesem Jahr einen neuen Luftmassenmesser, eine neue Lambdasonde, ein neues Thermostat und neue Temperaturfühler haben.

Mehr bewegt oder weniger? Wieder mehr, zumindest in der ersten Jahreshälfte auch mit viel Sport. Das wurde in der zweiten weniger, Arbeits- und Faulheitsbedingt. Ich brauche offensichtlich ein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann.

Die hirnrissigste Unternehmung? Bei 30 Grad im Motorradanzug wandern gehen und den geheimen Tempel suchen.

Ort des Jahres? Sabines Hotel in Nizza. Ein Ort der Zuflucht und der Ablehnung. Viel gelernt dort.

Die teuerste Anschaffung? Eine Summe von Ausgaben, um das Motorrad wieder auf die Straße zu bekommen.

Das leckerste Essen? Bison!

2016 zum ersten Mal getan? Segway gefahren.

2016 nach langer Zeit wieder getan? Venedig besucht.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Mit Fieber in London rumliegen, 5 Kilo mehr auf den Hüften, Trump.

Gereist? Oh ja.

2016 war in einem Wort…? Verbesserungswürdig.

Film des Jahres: „Colonia Dignidad“

Theaterstück des Jahres: „The Curious Incident with the Dog at the Night Time“

Musical des Jahres: „Wicked“.

Album des Jahres: Keins. Ich höre einfach wenig Musik. Podcast des Jahres wäre aber „Teenagersexbeichte“. (Bei dem es weder um Teenager noch um Sex oder Beichten geht).

Spiel des Jahres: „Uncharted 4“, dicht gefolgt von „Blood & Wine“. Aber das ist eigentlich ein DLC, und Witcher III war schon 2015 Spiel des Jahres.

Serie des Jahres: „Westworld“

Show des Jahres: „The Grand Tour“

Buch des Jahres: Marc Elsberg „Blackout“

Ding des Jahres: Merinowäsche. (Danke für den Tip, Albrecht!)

Spielzeug des Jahres: Die Garmin VIRB XE-Kamera. Was für ein geiles Teil. Tolle Aufnahmen, außerdem loggt die zig Sensordaten mit.

Enttäuschungen des Jahres: „Assassins Creed Chronicles: Russia & India“ in Sachen Games und im Kino „Suicide Squad“. Was für ein Haufen Scheiß.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Im Mietwagen ein völlig fremdes Land zu kurven.

Vorherrschendes Gefühl 2016? Die Welt hat einen Schwelbrand, und alle stehen in den Startlöchern, um Eimerweise Benzin darauf zu kippen.

Erkenntnis des Jahres: Direkte Demokratie funktioniert nicht.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2017!

Nekrolog:
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Verfasst von - 31. Dezember 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Dezember 2016

Herr Silencer im Dezember 2016
„Bitte kein Minzblättchen mehr“

Wetter: Mit 5 bis -2 Grad kalt, aber aushaltbar. Vor Weihnachten wieder hoch auf 7 Grad und Regen, einen Tag vor Silvester trocken und -5 Grad.

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Lesen:

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Hören:


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Sehen:


Rogue One
[Kino]
Gruppe von Schurken klaut die Pläne des Todessterns. Sehr sehenswert.
Ausführliche Besprechung hier.


Flight
[Amazon Video]
Flugzeug geht aufgrund eines technischen Defekts in den Sturzflug, Pilot fliegt irrsinniges Manöver und rettet 98 von 104 Passagieren das Leben. Später stellt sich raus: Pilot ist schwerer Alkoholiker und war während des Fluges betrunken.

Seltsamer Film, den Robert Zemeckis hier gedreht hat. Flight will ein Drama sein, holpert aber gleich an mehreren Stellen. Die Dekonstruktion des Piloten, der vom scheinbaren Sonnyboy und strahlendem Helden zusammenschrumpft wird auf einen kaputten Suffkopp, ist ein interessantes wie seltsames Konzept. Durch Denzel Washingtons seltsam overacteter Darstellung geht das aber nicht wirklich auf – zu keinem Zeitpunkt nimmmt man ihm die Rolle ab, die er da in die Kamera grimassiert. Als Zuschauer fragt man sich über die, mit zweieinhalb Stunden viel zu lange, Laufzeit: Warum gucke ich mir das an? Es gibt kaum noch Wendungen, man sieht einfach dabei zu wie das kaputte Leben eines gescheiterten Mannes Stück für Stück entblättert wird. Der begreift sein Problem nicht und versteckt es mehr oder weniger erfolgreich. Am Ende stellt sich nicht mal mehr die Frage, ob seine Heldentat sein persönliches Versagen aufwiegt – der Film versinkt in „egal“. Während des Anschauens war ich fast sauer auf Wasgington und die langsame Erzählweise, nach dem Film etwas ratlos. Kann ich nichts mit anfangen.


Westworld
[DVD]
„Westworld“ ist ein Vergnügungspark. In einem riesigen Areal in der Wüste wird der Wilde Westen simuliert. Superreiche können hier Abenteuer erleben und alle Fantasien ausleben, bis hin zu Vergewaltigungen und Mord. Denn Westworld ist nur von Robotern bevölkert. Aber irgendwas verbirgt sich noch hinter den Geschehnissen im Park, und ein Mann in Schwarz versucht dahinter zu kommen.

„Westworld“ basiert lose auf dem gleichnamigen Actionfilm aus den 70ern, in dem Yul Brunner den Mann in Schwarz gab. Die Serie ist nun aber gänzlich anders. Hier geht es nicht um Action, es geht um Geheimnisse. Exzellent gespielt und sauspannend.

Kudos vor dem Cast, der gefühlt einige Episoden einfach nackt spielt. Im Zentrum von allem zeigt Anthony Hopkins ganz große Schauspielkunst, die der wirklich großen Story angemessen ist. Die Story ist übrigens so geschickt gewebt, dass man nach dem überraschenden Ende gleich nochmal alle 10 Episoden sehen müsste. Intelligente Unterhaltung, wie ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe und ganz klar DIE Serie des Jahres. Sie hat übrigens das schönste Intro seit Langem:


Dirk Gentlys Holistische Detektei
[Netflix]
Ein Hotelpage wird unfreiwillig Zeuge absurder und scheinbar nicht zusammenhängender Ereignisse: Im 12. Stock wird ein Mann von einem Hai zerbissen, ein Hund mit Stummelschwanz kreuzt seinen Weg und ein Kätzchen wird gesucht. Dann taucht plötzlich ein verrückter namens Dirk Gently auf und behauptet, das sei ein „Fall“ und er ein Detektiv.

Alles ist mit allem verknüpft, und wenn man den Zufall nur machen lässt, offenbart sich ein Muster. So ungefähr könnte man die Grundidee der Bücher „Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele“ und „Der Elektrische Mönch“ von Douglas Adams zusammenfassen. Die galten als unverfilmbar, weil wirr. Stimmt auch, weshalb Netflix hier nur die Grundidee der holistischen Detektei genommen, aber eine ganz neue Story drum rumgebaut hat. Die ergibt Anfangs gar keinen Sinn, aber wenn alle Teile an ihren Platz fallen, ist es einfach nur genial. Weniger genial ist der Hauptdarsteller: Samuel Barnett ist als Dirk Gently ein Totalausfall. Der Charakter ist in den Büchern etwas lethargisch und nimmt Holistik gerne als Vorwand für Arbeitsverweigerung. Barnett spielt Gently dagegen wie ein irrer Dr. Who auf Koks, das nervt und ist nur schwer erträglich. Sehr gut dagegen: Elija Wood als Hotelpage und Jade Eshete, die heißeste Newcomerin des Jahres, als Sicherheitschefin.


Gone Girl
[Amazon Video]
Ben Afflecks Frau ist verschwunden. Hat er sie umgebracht?

Der vermutlich cleverste und böseste Film seit 1992. Der Zuschauer wird andauernd manipuliert, genau wie die Figuren im Film. Der kippt ungefähr ab der Hälfte und bricht ALLE Erwartungen, die man bis dahin vielleicht hatte. Wie weit gehen Menschen, um für ihre Partner interessant zu sein? Mit seinem klugen, sehr bösen Plot und seinem fiesen Mindfuck ist „Gone Girl“ ein würdiger Nachfolger im Geiste zu „Basic Instinct“. Rosamund Pike und Ben Affleck spielen perfekt, und David Fincher inszeniert großartig.

Assassin´s Creed [Kino]
Michael Fassbender wird an einem Roboterarm durch die Gegend geschleudert und Marion Cotillard guckt traurig. Ausführliche Besprechung HIER.

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Spielen:

Watchdogs 2
Zwanzig Minuten in der Zukunft: Der Konzern „Blume“ hat seine allgegenwärtige Software in weiteren Städten ausgerollt. ctOS 2.0 steuert Infrastruktur, Kameras, Rechner – eben ganze Städte. Und es steuert nicht nur, es ist auch das perfekte Überwachungswerkzeug. Ein junger Hacker in San Francisco gerät in das Visier von ctOS, taucht unter und schließt sich einer Gruppe mit dem Namen Dedsec an. Gemeinsam finden sie heraus, dass Blume üble Pläne hat: Überwachungsdaten werden verkauft, Profiling führt zu ungerechtfertigten Verhaftungen, die NSA liegt mit dem Konzern im Bett und ein geheimer Algorithmus nährt eine KI mit Daten von ctOS.

Ach, Watchdogs. Die Serie hat so viel Potential, aber auch im zweiten Anlauf wird das gnadenlos verschenkt. Das liegt zum einen daran, dass die Spiele der Realität hinterherhinken, weil sie immer wieder von aktuellen Geschehnissen rechts überholt werden. Teil 1 wollte mit allgegenwärtiger Überwachung schocken, kam aber erst nach den Snwoden-Enthüllungen raus und zeichnete eine harmlosere Variante der Realität und hatte zu der keine Haltung. Teil 2 fährt nun das Horrorszenario, dass Facebook Wahlen beeinflussen könnte – und kommt damit schon wieder zu spät.

Watchdogs 2 findet nie den richtigen Ton oder die richtige Mischung. Zwar ist das virtuelle San Francisco toll nachgebaut, aber die Engine hat imer noch die gleiche, lachhafte Physik und schlechte KI wie der Vorgänger. Die Physik sorgt z.B. dafür, dass Lampenmasten explodieren (!) wenn man mit einem Motorrad (!!) dagegenfährt und Lastwagen sich überschlagend durch die Luft fliegen, wenn sie über einen Hügel fahren. Die schlimme KI ist dafür verantwortlich, dass unter NPCs eine Massenpanik ausbricht, weil man zu scharf bremst, oder ein Feind die eigene Spielfigur aus zwei Stockwerken und 100 Metern Entfernung bemerkt.

Nicht viel besser ist der Spielerchrarakter. Teil 1 hatte als Protagonisten einen unsympathischen Angry White Man auf einem unverständlichen Rachefeldzug als Protagonisten. Teil zwei überkompensiert das: Der Hauptdasteller ist nun ein farbiger Hipster, der nichts ernst nimmt. Er ist kein Einzelgänger mehr, dafür ist seine „Gang“ ein Haufen unsympathischer Hipster-Arschgeigen, die nur auf FunFunFun aus sind und dafür auch nicht davor zurückschrecken, die gleichen Mittel anzuwenden wie ihre Gegner.

Mit der Dedsec-Crew kommen auch die größten narrativen Probleme. Im ersten Teil war Dedsec eine geheimnisvolle Kraft hinter den Kulissen. Jetzt sieht man, wer Dedsec wirklich ist: Eine Bande verwöhnter Twens, die Moral zwar behaupten, aber keine Ahnung haben was das ist. Die wollen Frieden, ziehen sich aber ein ganzes Waffenarsenal aus dem 3D-Drucker. Die predigen Datenschutz, hacken aber am laufenden Meter Unbeteiligte. Und so weiter. Darunter leidet die, eigentlich nicht schlechte, Story erheblich. Sie geht die in Mate-Strömen, hunderten von Fistbumps und hippem Getue unter.

Spielerisch hat sich wenig getan, aber das Rezept wurde verfeinert. Hacking steht nun als Mechanik im Mittelpunkt, Infiltrationen können auch pder RC-Dronen erfolgen. Das bringt Spannung rein, lässt aber den Waffengebrauch als mögliche Taktik noch befremdlicher scheinen. Jede Nebenmission hat was mit Hacking zu tun und bringt einen dem übergeordneten Ziel näher. Das dann am Ende leider sehr trivial ist.

Fazit: Watchdogs 2 ist besser als Teil 1, macht aber wenig Spaß. Dafür ist es zu glatt, zu hohl, zu unsympathisch.

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Machen:
Essen.
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Neues Spielzeug:
Das Kleine Gelbe AutoTM fordert Aufmerksamkeit in Form einer Inspektion, eines neuen Thermostats, neuen Temperaturfühlern, einem Luftmassenmesser und einer Lambdasonde. Jetzt läuft es wieder 1a, dafür ist das beste Feature überhaupt defekt: Die Sitzheizung will nicht mehr 😦

Mit anderen Worten: Einen Arsch voll Geld investiert und ´nen kalten Hintern bekommen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. Dezember 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: November 2016

Herr Silencer im November 2016
„Achtung, noch drei Montage bis Weihnachten!“ (Kalesco am 29.11.)

Wetter: Regen, grau, zu Monatsbeginn Temperaturen zwischen 3 und 8 Grad. Dann ein kurzer Absturz in den leichten Minusbereich, in der dritten Woche aber wieder trocken und mit 12 Grad mild. Am Monatsende dann wieder Temperatursturz auf Minus 8 Grad.

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Lesen:

Marc Elsberg: Blackout
In Europa fällt der Strom aus. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag, sondern wesentlich länger. Ein italienischer Computerexperte findet heraus, dass es sich um einen Angriff von Außen handelt. Jemand hat anscheinend die Smartmeter in Italien und Schweden verwendet um das Stromnetz zu sabotieren. Während Behörden und Unternehmen alles versuchen, um die Kraftwerke wieder ans Netz zu bringen, versinken die Länder in Chaos und Anarchie.

„Blackout“ ist eines der spannendsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Das liegt vor allem an dem stets spürbaren Zeitdruck. Die Kapitel sind mit „1. Tag, 2.Tag“, usw. üüberschrieben, und mit jedem weiteren Tag ohne Strom bricht die Gesellschaft weiter in sich zusammen. Was als Unannehmlichkeit beginnt, steigert sich schnell zur Existenzbedrohung. Ist an Tag 1 noch die schlimmste Konsequenz das Dinner bei Candlelight und ein wenig Ärger über nicht funktionierende Toiletten, Heizungen und Tankstellen, geht es ab Tag 3 zur Sache. Menschen kämpfen um Wasser und Benzin, in Krankenhäusern und Altenheimen wird Sterbehilfe geleistet, ohne funktionierende Melkmaschinen platzen Kühen die Euter. Ab Tag 5 werden Kernkraftwerke kritisch und Städte zu Seuchenherden. Autor Elsberg entwirft hier ein glaubwürdiges Katastrophenszenario, dass durch seine Details ebenso erschreckt wie fesselt – man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

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Hören:

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Sehen:


The Revenant
[Amazon Video]
1823. Leonardo di Caprio ist ein Trapper im Wilden Westen. Dort jagt er mit anderen Trappern Tiere, und die Indianer jagen die Trapper. Dann kommt auch noch ein Bär und reisst ihm die Gurgel raus. Der angekaute Trapper wird amtlich für tot erklärt und in der Wildnis zurückgelassen. Ist er aber nicht. Halbtot und mit offenem Hals robbt er sich während eines strengen Winters zurück in die Zivilisation.

„Revenant“ heißt auf Deutsch soviel wie „Wiedergänger“. Genau wie ein Untoter ist auch dieser Film dreckig und unhygienisch. Er stinkt geradezu durch die Leinwand, denn gefühlte drei Stunden lang gibt es hier nur Kälte, Schlamm, Scheiße und Blut. Die Entbehrungen bei den Dreharbeiten müssen enorm gewesen sein, da nur vor Ort und im Schnee gedreht wurde. Die Caprio bekam dafür endlich einen Oscar, aber ehrlich gesagt: Ihm dabei zuzusehen, wie er sich drei Stunden lang blutend durch Schnee und Dreck robbt, hat nur begrenzten Unterhaltungswert – wenn man nicht total voyeuristisch veranlagt ist.


Der Zauber von Malena
[DVD]
Sizilien, in den 1930er Jahren. Malena ist die schönste Frau im Dorf. Alle Männer sind verrückt nach ihr, aber sie lebt zurückgezogen und wartet darauf, dass ih Mann aus dem Krieg zurückkehrt. Als die Nachricht kommt das er gefallen sei, beginnen die Männer des Dorfes ihr „Angebote“ zu machen, während die neidischen Frauen Mutmaßungen und Gerüchte über Malenas Lebenswandel streuen und sie damit isolieren. Malenas Schönheit macht sie in den Augen der anderen zur Hure. Letztlich wird die schüchterne Frau dadurch in ein Leben gedrängt, das sie selbst hasst und alle anderen ihr ohnehin unterstellen. Das führt zu einem Ende, gegen das der „Walk of Shame“ in Game of Thrones Kindergarten war.

Ein seltsam Ding, dieser Film. Beginnt recht locker und ist lustig anzusehen, wie ein ganzes Dorf dem Charme von Monica Bellucci verfällt. Ab der Mitte wird es dann erst tragisch, dann dramatisch und endet schlimmer und gewalttätiger als der „Shame!“-Walk in Game of Thrones. Unverständlicherweise wurden dann noch leicht versöhnliche Szenen hinten drangeflanscht, aber die machen es nicht besser. Das alles aus der Perspektive eines pubertierenden Jungen erzählt wird, der zu Phantasien von Malena onaniert und dessen Tagträume sich mit der Realität vermischen, macht den Film nicht zugänglicher. Was bleibt? Ein leeres und trauriges Gefühl und die Erinnerung an schöne Bilder.


Der Butler
[Amazon Video]
Die Südstaaten der USA, in den 1920er Jahren: Der farbige Cecil Gaines wächst auf einer Baumwollplantage auf. Hier muss er mit ansehen, wie seine Mutter vom Besitzer der Plantage vergewaltigt und sein Vater erschossen wird. Cecil überlebt und bekommt sogar ein wenig Bildung, was ihm die Arbeit im Herrenhaus ermöglicht. Später wird er Portier in einem Hotel in Washington DC. Dort wird ein Rekruter des Weißen Hauses auf ihn aufmerksam und stellt ihn als Butler ein. Gaines dient den Präsidenten Eisenhower, Kenendy, Nixon, Ford, Carter und Reagan und bekommt unmittelbar und unverfälscht ihre jeweilige (Rassen-)politik mit.

Als Zuschauer erlebt man eine acht Jahrzehnte umspannende und wahre(!) Geschichte mit. Die beginnt in einer Zeit, in der Afroamerikaner keine Rechte hatten, als Sklaven gehalten wurden und die ohne Strafverfolgung jederzeit getötet werden durften. Sie endet mit dem ersten farbigen Präsidenten der USA. Erzählt wird diese Geschichte von einem Farbigen, der sie im Weißen Haus und durch seine Kinder erlebt. Denen steht er entfremdet gegenüber, denn mit den Forderungen nach Gleichberechtigung und Black-Panther-Aktionen kann er nichts anfangen.

Auf dem Papier hört sich das nach einem spannenden Film an, das stimmt aber nur begrenzt. Die Geschichte zieht sich sehr die 160 Minuten Laufzeit. Das liegt zum einen am Pacing, denn viel zu oft wird in Nebendramen der Familiengeschichte der Gaines umgeschnitten, was den Film auf der Stelle treten lässt. Das liegt aber auch an den Schauspielern. Der Film ist vollgepackt mit Stars, und das ist ein Fehler. Forest Whitaker guckt, wie immer, mit seinem einen Gesichtsausdruck waidwund in die Kamera. Als Cecil Gaines ist er eine Fehlbesetzung, und er spielt so, als ob er das auch weiß. Seine Ehefrau wird von Oprah verkörpert, die ihre Rolle nicht im Griff hat und für die sie deutlich zu alt ist – die 72jährige kann nicht mehr glaubwürdig eine Dreißigjährige spielen. John Cusack als Nixon gibt sich redlich Mühe, wird aber immer als „hihi, guck mal, John Cusack mit Gumminase“ in Erinnerung bleiben. Lediglich Alan Rickmann channelt einen glaubwürdigen Ronald Regan. In der Summe ist das schade, eine Verfilmung mit unbekannten und besser gecasteten Schauspielern hätte deutlich mehr Wirkung erziehlt. Unverständlich, warum man eine so wichtige Geschichte als Starvehikel aufzuziehen versucht.

The Grand Tour [Amazon Video]
Anfang 2015 wurde Jeremy Clarkson wegen tätlichen Angriff auf einen Assistenten seiner Show „Top Gear“ von der BBC gefeuert. Aus Sympathie gingen die Co-Hosts James May und Richard Hammond gleich mit. Während die BBC Top Gear mit einem Pumuckl und Joey aus „Friends“ rebootete, wurde es still um die drei Ex-Stars. Dann war zu vernehmen: Sie entwickeln eine neue Autoshow, und das für Amazon!

Nun sind Clarkson, Hammond und May sind zurück. Und wie! Die große Tour ein Mal um die Welt, jede Woche in ein anderes Land. Das Konzept ist großartig, die Einspieler schön gefilmt und die Moderation zum Umwerfen komisch. Die drei Moderatoren sind Freunde, die sich ständig vor der Kamera aufziehen, das ist der Reiz der Show. Dass das Budget sehr viel höher liegt als bei der BBC ist in jeder Szene zu merken. Das Team zieht um die Welt, jede Woche ist das Studio in einem anderen Land. Und die Aktionen der drei werden immer absurder. Zuletzt spielten sie auf einem Truppenübungsplatz einen Antiterroreinsatz nach, den sie immer wieder von vorne beginnen mussten, sobald einer von ihnen starb. „Wie in diesem Tom Cruise-Film…“ „Cocktail? Rain Man?“


Fantastische Viecher und wo sie zu finden sind
[Kino]
Ausführliche Besprechung hier.


Ostinato Destino – Hartnäckiges Schicksal
[DVD]
Signora Rambaldi ist tot – und mit ihren drei Kindern sehr unzufrieden, wie sie ihnen per Videobotschaft ausrichten lässt. Das millionenschwere Erbe soll nur antreten, wer innerhalb eines Jahres ein Kind zeugt. Das finden der ältere Sohn (homosexuell) und die Tochter (sterilisiert) zu Recht unfair und greifen ihrerseits zu unfairen Mitteln: Sie engagieren die schöne und vollkommen gefühlskalte Killerin Monica Belluci, die den jüngsten Sohn heiraten, mit ihm ein Kind zeugen und ihn dann töten soll. Als wäre dieser Plan nicht schon bescheuert genug, muss noch ein Embryo in einer Glaskugel großgezogen werde und die Zwillingsschwester der Killerin Plätzchen backen.

„What. The. Fuck.“, denkt man unweigerlich beim Sichten dieses absurden Films. Dieser üble Italo-Klamauk war tatsächlich nur in den 80er Jahren möglich, heute würde man schon aus Gründen des guten Geschmacks darauf verzichten einen solchen Unfug zu verfilmen. Einziger Lichtblick ist Monica Belluci in einer Doppelrolle als Todesengel mit Dominaappeal und ihrer herzensguten Zwillingsschwester, dank der es sogar ein Happy End gibt. Unbedingt meiden, diesen SChwachfug.

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Spielen:

Mafia III
1968: Lincoln Clay kommt aus dem Vietnamkrieg zurück und wird von seiner Familie freudig begrüßt. Seine Familie, dass ist eine Gang von Afroamerikanern, die für einen italienischen Mafiaboss ein Stadtviertel von New Orleans kontrollieren. Eines Tages hintergeht der Pate die schwarzen Kleingangster und bringt alle um. Lincoln überlebt das Massaker schwer verletzt und schwört Rache. Stück für Stück beginnt er die Mafia zu demontieren. Dabei ist er keinesfalls ein Engel, im Gegenteil: Er nutzt seine Verbindungen zum FBI um seine Gegner auszuforschen, schaltet sie aus und übernimmt dann selbst Glücksspiel, Drogen und Prostitution. So arbeitet er sich von den Unterbossen über die Capos bis zum Paten vor.

Was für ein faszinierendes Spiel: New Orleans mit seinen unterschiedlichen Stadtvierteln und dem Bayou ist eine faszinierende und detaillierte Kulisse, Lincoln Clay als farbiger Kriegsveteran eine interessante Figur und die Idee, die Mafia auszuschalten und damit ein eigenes, kriminelles Imperium aufzuziehen ist originell. Genauso wie der Blickwinkel, denn die Gschichte von Clay ist eine Rückblende, die in den 80ern von einem Staatsanwalt und einem Priester erzählt wird. Diese Erzählung funktioniert hervorragend. Was nicht funktioniert, ist der Open World-Ansatz, der gerade so angesagt ist. Sicher, New Orleans ist atemberaubend detailliert, aber die Tätigkeiten und Aufgaben darin sind repetitiv und öde. Das wirkt sich auf´s Gameplay aus: Viel zu viele Missionen erfordern immer wieder Fleissaufgaben, so dass sich das Spiel eher nach Pflichtarbeit anfühlt als nach Abenteuer. Die fehlende Schnellreisefunktion und die Notwendigkeit, rund 300(!) Einzelteile zur Aufdeckung der Karte zu finden, macht es da nicht besser. Ich behaupte mal: Wäre Mafia III nicht Open World, es wäre ein besseres Spiel. Schlecht ist es deshalb aber nicht. Die Storymissionen sind großartig, die Kulisse 1a, aus den Radios dröhnen Originalsongs von Jimi Hendrix, den Stones und anderen, Animation und Aussehen von Gesichtern in den Zwischensequenzen gehören zum Besten, was es gerade gibt. Genau das richtige für lange Winterabende. Sehr. Lange. Winterabende.

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Machen:
Besuch in Hamburg! Abendessen mit der Wunderbaren Welt des Wissens und der nicht weniger wunderbaren @FrauZimt. Achja, und Miniatur Wunderland, natürlich.

Außerdem: Ausrüstung saubermachen und einmotten.

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Neues Spielzeug:
Ein Skandika X-1000. Ich komme gerade nicht ins Fitnessstudio, und so kann ich wenigstens zwischendurch mal was wegradeln. Da Skandika ist sehr preiswert, ohne billig zu sein: die faltbare Konstruktion ist überraschend stabil und absolut lautlos.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. November 2016 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Oktober 2016

Herr Silencer im Oktober 2016
„Life is incredibly good“

Wetter: Der Oktober beginnt sonnig, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Herbst wird. Noch in der ersten Woche stürzen die Temperaturen von 16 auf Nachts 3 Grad ab. Die Motorradsaison könnte man jetzt beenden, aber ich bin ausser Landes. Dann der Schock: Im Ausland sind es abends noch 35 Grad, als ich in Berlin wieder aus dem Flieger klettere gerade mal 5. Ab jetzt ist es so richtig schmuddelig, kalt und nass bei 3-6 Grad. Zum Monatsende wird es mit bis zu 10 Grad wieder etwas wärmer, aber ohne Sonne ist alles grau und trüb. Ein goldener Oktober sieht anders aus.

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Lesen:

Ach, man kommt ja zu nüscht.

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Hören:
Lange Fahrten im Mietwagen bedeuten: Podcast-Zeit!

Schöne Ecken“ wandelt gerade auf den Spuren vergangener Reisetagebücher, die „Lage der Nation“ wird von Richter Ulf Buermeyer und Journalist Phillip Banse wöchentlich erläutert, und die „Teenagersexbeichte“ behauptet ein Lifestylepodcast zu sein, ist in Wirklichkeit aber die lustigste Mogelpackung seit Langem. Jeder einzelne, ernst vorgetragene Satz ist total überdrehter Nonsense. Würde Martin Sonneborn einen Podcast machen, er hörte sich so an wie die „Teenagersexbeichte“.

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Sehen:


Colonia Dignidad
[Amazon Video]
Chile, 1973: Pinochet putscht sich an die Macht und beginnt sofort mit Säuberungsaktionen. Daniel Brühl ist Friedensaktivist und daher einer der ersten, der von den Milizen verschleppt wird. Sein letzter One-Night-Stand, Emma Watson, versucht seiner Spur zu folgen. Die führt in eine Kolonie von Deutschen, die streng von der Außenwelt abgeschirmt ist. Die Bewohner der „Colonia Dignidad“ folgen den Geboten ihres Anführers, der über Religion und Gewalt absoluten Gehorsam erzwingt. Das Leben in der Kolonie ist hart, aber letztlich nur Kulisse. Die Wahrheit ist: Sowohl die Deutsche als auch die chilenische Regierung nutzen die hermetisch abgeschlossene Colonia Dignidad für ihre Zwecke.

Mir blieb beim Ansehen mehrfach der Mund offen stehen. Die Geschichte um Brühl und Watson ist fiktiv, aber die Colonia Dignidad gab es wirklich. Unter dem Anstrich strenger Religiösität verging sich der Anführer tausendfach an Kindern, in Kellerräumen mordete und folterte das Pinochet-Regime, Waffen wurden geschmuggelt und hergestellt. Und das Schlimmste: Die Deutsche Regierung deckte das nicht nur, sie arbeitete in den 70ern aktiv mit der Kolonieführung zusammen. Franz Josef Strauß lobte den Sektenführer sogar als vorbildlichen Deutschen.
Un-fass-bar.

Der Film ist toll ausgestattet und überragend gespielt – die 70er sind präsent und lebendig, und Brühl und Watson sind zwei der besten Schauspieler ihrer Generation. Unbedingt empfehlenswert.


Doctor Strange
[Kino]
Sherlock Cumberblotch bricht sich die Hände. Auf der Suche nach Heilung wird er nebenbei zum Zauberer ausgebildet und muss die Welt gegen Le Chiffre, den Rasenmähermann und den Angriff von lila Kaugummi verteidigen.

Das ein Film mit so wenig Substanz so gut funktioniert – das muss Magie sein! „Dr. Strange“ verlässt sich nur auf seine Protagonisten und die visuellen Effekte – und das klappt. Herausgekommen ist ein Superheldenfilm im Marvel-Universum, der sich anders anfühlt als alles im „Avengers“ Umfeld. Das liegt auch an den F/X, die hier nicht echt aussehen müssen (weil: Magie!), und so greift man in die Vollen: Gebäude drehen und verkrümmen sich, die Welt wird zu einem Panoptikum von M.C. Escher. Mittendrin stehen Herr Tilda Swinton, Chiwetel Eiffjodottir und Benewatch Cucumberdick und spielen Schau, das es eine wahre Freude ist.

Die Tonalität ist dabei viel ernster als von Marvel gewohnt und vielleicht auch der Grund, weshalb man dem Film verzeiht, dass er voller Anschlussfehler ist (obwohl: Vielleicht auch Magie??) und Dinge nur behauptet, aber das Gegenteil zeigt. Das passiert sogar beim Protagonisten: Obwohl der als helfender, brillianter und moralisch integrer Arzt gezeigt wird, wird der Film nicht müde zu behaupten, dass er ein egoistisches Arschloch sei. Den Beweis für diese These bleibt man aber schuldig, und da die gesamte Charakterentwicklung daran hängt, ist das schon ein dicker Klopfer.

Erzählerisch macht sich der Film die Gnade einer Origin-Story zunutze und kommt schon dadurch mit seiner, eigentlich lahmen, Geschichte davon. Ein zweites Mal wird dieser Trick aber nicht gelingen. Für den, im Abspann versprochenen, zweiten Teil braucht es dann aber definitiv mehr Geschichte und mehr Substanz – nochmal wird Magie „Dr. Strange“ nicht retten. Insgesamt aber ein unterhaltsamer und sehr guter Popcornfilm mit Szenen, die man so noch nicht gesehen hat.


Fargo
[Netflix]
Ein verschneiter Ort, irgendwo in Minnesota. Die Dorfpolizei hat eigentlich keinen Bock auf irgendwas, nur eine Polizistin hat genügend Ehrgeiz und Scharfsinn, in einem vermeintlichen Raubüberfall mit Todesfolge eine Mord zu sehen. Der Mörder ist der brave und linkische Ehemann. Und der hat noch ein anderes Problem: Er hat sich mit einem Profikiller angelegt.

Die Serie gibt es schon lange, nun bin ich auch dazu gekommen zumindest die erste Staffel zu schauen. Schöne Landschaftsaufnahmen im Schnee, skurrile Charaktere und großartige Schauspieler (u.a. Billy Bob Thornton und Martin Freeman!) und eine spannende Geschichte – da gucke ich sogar gerne eine Krimiserie.


Heroes Reborn
[Amazon Video]
Wir erinnern uns: Am Ende von 5 Staffeln „Heroes“ offenbarte Claire der Welt die Existenz von Menschen, die aufgrund von Evolutionssprüngen besondere Fähigkeiten haben. Damit endete der geheime Krieg, aber nicht die Probleme. „Heroes Reborn“ setzt einige Jahre nach dem Ende von Heroes an. Die Mutanten werden nun „Evos“ genannt, und von normalen Menschen gefürchtet und diskriminiert. Noah, der Mann mit der Brille, entdeckt eines Tages, dass sein Gedächtnis manipuliert wurde. Er versucht dem auf den Grund zu gehen, und deckt kurz darauf eine riesige Verschwörung auf.

„Reborn“ bietet eine Menge guter Ideen. Noah, eigentlich der Böse in der alten Serie, war schon immer einer der interessantesten Figuren. Hier ist er umgeben mit Charakteren, die zum Teil schon von Anfang an interessant sind, in jedem Fall aber potential haben. Die Geschichte ist komplex, verzichtet aber auf den verquasten Überbau an Esoterik und das Klammern an eine Zuspitzung auf Gut/Böse-Konflikte auf eine Person. Genau das war es nämlich was dafür sorgte, dass der Originalserie nach 2 Staffeln die Luft ausging und der Rest Grütze war.

Trotz interessanter Ansätze vergurkt es „Reborn“ leider in der ersten Hälfte. Die Geschichte beginnt nach kurzer Zeit zu mäandern und kommt nicht auf den Punkt, die Charaktere verlieren sich in uninteressanten Seitenästen der Story. Viel schwerer wiegt aber, dass das Ensemble deutlich verjüngt ist, weswegen „Reborn“ zeitweise nach Teenieserie aussieht. Richtig schlimm: Die Effekte sind anscheinend in Powerpoint und MS Paint gemacht wurden. „Heroes“ kam ja mit sehr wenig F/X aus, deutete Dinge an, ging dann off-screen und überliess es der Fantasie des Zuschauers die Lücken zu füllen. „Reborn“ begibt sich auf das dünne Eis, sehr viel zeigen zu wollen – und scheitert selbst an einfachen Dingen wie vernünftiger Beleuchtung bei Green Screen-Aufnahmen. In der Summe interessant, aber schwer erträglich – das ist das Fazit bis Folge 6 von 13.

Dann gibt es einen grandiosen Storytwist, und ab dem Moment ist „Reborn“ fast so gut wie die legendäre erste Staffel der Originalserie.
Wer „Heroes“ mochte muss „Reborn“ auch schauen, auch wenn die ersten 6 Folgen ein Krampf sind.

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Spielen:

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Machen:
Eine Reise, Juchee!

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Neues Spielzeug:

Die Lust, etwas in der Wohnung zu machen, ist wieder da. Also wird das Badezimmer nach schlappen eineinhalb Jahren endlich zuende gebaut, statt aus der Wand hängender Kabel und rasieren im Dunkeln gibt es nun einen Spiegelschrank.

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Außerdem angeschafft: Eine dicke „Canada Dreams“-Daunendecke und Microfleece-Bettwäsche. Endlich nicht mehr frieren im unbeheizbaren Schlafzimmer, jetzt kann der Winter kommen!

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 28. Oktober 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: September 2016

Herr Silencer im September 2016
Fokussiert.

Wetter: Der September schaltet sofort auf Herbst um. Eben noch sommerlich warm, fängt es pünktlich zum 01.09. an regnerisch, grau und kalt zu werden. Temperaturen um 12 Grad, Frühnebel, krächzende Raben, die Straßen voller Blätter: Fühlt sich an wie Herbst. Doch dann kommt der Hochsommer zurück, vom 6.-16. gibt es Temperaturen von z.T. über 30 Grad. Dann kühlt es ein wenig ab, aber auch in den letzten Wochen ist es mit viel Sonne und Temperaturen über 20 Grad eher Sommer als Herbst.

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Lesen:

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Hören:


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Sehen:


Better call Saul (S01, S02)
[Netflix]
Jahre später wird er als schmieriger Rechtsanwalt Saul Goodman in „Breaking Bad“ auftauchen, aber so weit ist es hier noch nicht. „Better call Saul“ findet 6 Jahre vor Breaking Bad statt und erzählt, wie aus dem aufstrebenden Rechtsanwalt James McQuill der zwielichtige Saul Goodman wird. Das tut die Serie unaufgeregt und mit großem Fokus auf die skurrilen Charaktere. Das Pacing ist ähnlich wie in BB: Ruhig, aber immer interessant, weil die Schauspieler den Freiraum haben ihre Charaktere mit Leben zu füllen. Sehr feines Stück und definitiv besser als erwartet.

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Spielen:

Deus Ex: Mankind Divided [PS4]
Die Zukunft in 10 Jahren: Durch neue Prothesentechnologien können Menschen wählen, ob sie der Evolution auf die Sprünge helfen. Nicht jeder, aber ein guter Teil der Bevölkerung ist bald auf die ein oder andere Art künstlich verbessert. Industriearbeiter bekommen von ihren Konzernen stärkere Arme transplantiert, IT-Leute lassen sich ein Computerinterface direkt in den Kopf einpflanzen. Die Gegner dieser „Augmentierungs“-Technologie sind teilweise radikalisiert und predigen vom „reinen Fleisch“. Dann kommt es zu einem Zwischenfall: Alle augmentierten Personen drehen gleichzeitig durch und töten. Dahinter steckt eine gewaltige Verschwörung.

Soweit die Handlung des Vorgängers „Human Revolution“. „Mankind Divided“ spielt zwei Jahre danach in Prag. Augmentierte Menschen sind mittlerweile gesellschaftliche Außenseiter, müssen in Ghettos leben und werden diskriminiert und schikaniert. Adam Jensen, selbst nach einem Unfall mit Prothesen ausgerüstet, ist in Prag Mitglied einer Antiterroreinheit. Als er mitbekommt, dass jemand den Augmentierten Terroranschläge in die Schuhe schieben will, wird seine Loyalität auf eine harte Probe gestellt – denn anscheinend ist es in Wahrheit die Polizei selbt, die Bomben legt.

Sehr feines Spiel. Im zweiten Anlauf hat Square Enix die Neuauflage von Deus Ex gut hinbekommen. Das Prag der Zukunft ist beeindruckend designt, die Hintergrundgeschichte sinnvoll, das Gameplay fast perfekt. Je nach Vorliebe lassen sich alle Missionen entweder als Stealth- oder als Egoshooter spielen. In meinem Spieldurchlauf habe ich nicht eine Person umgebracht – auch das ist möglich und macht, anders als bei „Splinter Cell“, viel Spass. Denn in DE:MD gibt es das ALLERERSTE MAL ÜBERHAUPT in Videospielen ein funktionierendes und intuitives Schleichsystem. Das ich das noch erleben darf!

Perfekt ist „Mankind: Divided“ aber nicht. Verschwörungstheorien, die Stärke der Urspiele, kommen wenig vor, Illuminaten werden nur am Rand erwähnt und sind quasi nur ein Running Gag. Da ist es um so bedauerlicher, dass das Spiel mit einem üblen Cliffhanger in der Verschwörungsecke endet. Es bleibt das Gefühl, einen Prolog oder nur ein erstes Kapitel gespielt zu haben. Technisch gibt es wenig zu meckern, nur die Ladezeiten sind viel zu lang. Manchmal spielt man nur 30 Sekunden, bevor man neu laden muss Das dauert dann aber 45 Sekunden – schon schlecht, wenn man die Hälfte der Spielzeit nur auf Ladebildschirme guckt.

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Machen:
Viel Arbeit, aber auch nochmal den ein oder anderen Motorradausflug. Dafür komme ich blogmäßig zu nix, der Trailer zur neuen Staffel Reisetagbuch wird einfach nicht fertig.

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Neues Spielzeug:
Kein Spielzeug, sondern unlustige Geldausgaben in diesem Monat: Neuer Anzug, neue Jeans. Muss halt auch mal sein.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. September 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: August 2016

Herr Silencer im August 2016
DumdiDum.

Wetter: Total pervers: Nachts einstellige Temperaturen von bis 7 Grad, tagsüber dann fast 25 Grad. Dabei aber fast den ganzen Monat trocken. In der vorletzten Woche dreht der Hochsommer auf und liefert tagsüber 35 Grad, nach Starkregen geht es dann mit 12/28 Grad weiter.

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Lesen:

Ernest Cline: Ready Player One
Die Zukunft. Alle Menschen hängen an einem 3D-Facebook, dessen Schöpfer irgendwo einen Schatz versteckt hat. Den findet nur, wer alle möglichen 80er-Jahre-Eastereggs versteht.

Von Kritik und Leserschaft für seine Hommage an die 80er gefeiert, erweist sich „RP1“ schnell als one-Trick-Pony, denn mehr als 80er Jahre Nostalgie bleibt kaum. Für die Vorstellung des Grundsettings, einer Schnitzeljagd in der virtuellen Welt OASIS, wird fast 1/5 des Buchumfangs als Exposition verschwendet. Danach schleppt sich die Handlung dahin und verstrickt sich immer wieder in ausschweifender Prosa. Wieviel besser (und kürzer) das Buch mit der harten, kurzen und präzisen Sprache eines William Gibson gewesen wäre, lässt sich nur erahnen. Bin erst zur Hälfte durch, bislang ist es liest es sich aber zäh und ist für meinen Geschmack zu sehr verhaftet in der 8-Bit-Heimcomputerära der 80er. Deren willkürliche Referenzen nerven.

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Hören:

Tarja: The brightest Void und The Shadow Self [iTunes]
Erst jahrelang kein neues Studioalbum, und nun gleich zwei in kurzer Folge? Fast. „The shadow Self“ ist wirklich ein neues Album mit ausgesuchten Songs und Texten. Roher und wieder stimmgewaltiger als die überproduzierten Vorgänger und dadurch das beste Tarja-Album seit Langem.

„The brightest Void“ hingegen ist Tarjas Resterampe. Alles, was nicht gut genug für „Shadow Self“ war und eigentlich weggeschmissen gehört, hat man in ein eigenes Album gepackt. Das ist seinen Preis nicht wert. Hier wird versucht, die Reste vom Boden des Schneideraums zu verhökern, und so hört sich der seichte Mischmasch auch an.

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Sehen:

Dexter, S.7 & 8 [Netflix]
Dexter Morgan ist ein sozial gut funktionierender Psychopath und Serienkiller. Er bringt nur andere Serienkiller um, und davon gibt es in Miami viele. Als er sich in eine Giftmischerin verliebt und seine Vorgesetzte hinter seine Machenschaften kommt, wird nicht nur Dexters Verhältnis zu seiner Schwester auf eine harte Probe gestellt.

Eigentlich hatte ich angenommen das „Dexter“ zu lange lief. Dem ist aber nicht so, in den letzten beiden Staffeln wird nochmal ordentlich auf- und am Rad gedreht. Mit hervorragenden Charakteren wie dem George-Clooney-Lookalike Isaak oder Charlotte Rampling als Dexters „Schhöpferin“. Eingige Wendungen sind total überdreht, mangelnde Spannung kann man der Serie aber nicht vorwerfen. Umso seltsamer ist es, auf was für einer bittersüßen und wenig dramatischen Note sie endet. Als wäre den Machern am Ende der Mut ausgegangen.


Ghostbusters
[Kino]
Weibliche Ghostbusters, doofe Männer. Muss man nicht gut finden, kann man aber – und dabei lachen. Der Film ist viel besser als ihn viele gemacht haben. Besprechung siehe hier.

Batman V. Superman [X]
Aus nicht nachvollziehbaren Gründen will Batman dem Dings ans Leder. Die Auseinandersetzung dauert 8 Minuten, der Film drei Stunden, kann man sich ausrechnen wie gut das funktioniert.

Ich hatte Batman V. Superman nach den ersten Reviews boykottiert. Meine Verweigerung an der Kinokasse sollte Warner Bros. signalisieren: So nicht! Nehmt dem Eulenfilmman bitte das DC-Universum weg! Zack Snyder ist der Anti-Midas!

Scheint leider nicht gefruchtet zu haben, er darf auch die „Justice League“ gegen den Baum fahren. Das Grundproblem aller Snyderfilme, das ich seit Jahren anprangere: Er denkt nur in Momenten. Dagegen interessieren ihn Szenen, Story oder Charaktere überhaupt nicht. Für Snyder ist nur wichtig, dass ein Moment in dramatischen Bildern dargestellt wird. Dabei kommt dann sowas raus wie ein schießener und tötender Batman, saudumme Hauptfiguren (ich sage nur: Martha) und in der Summe einfach strunzdumme Filme, die überhaupt keinen Spass machen. Watchman, der Eulenfilm, Man of Steel, nun Batman v. Superman, demnächst die Justice League – alles, was Snyder anfasst, wird zu Scheiße.


Suicide Squad
[Kino]
Noch ein Trottelfilm aus dem Warner Bros-Irrenhaus, bei dem Der Eulenfilmmann mitgeredet hat. Nicht ganz so eine Katastrophe wie BvS, aber dennoch bitte weiträumig umfahren. Besprechung hier.

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Spielen:

Dragon Age: Origins [XBOX 360]
Das Land Ferelden: Die Grey Wardens, eine kleine Bruderschaft von Kämpfern, verteidigt die Welt gegen fiese Ekelviecher aus anderen Dimensionen. Dann werden sie verraten, und nur der Spieler bleibt übrig, um eine neue Allianz der zerstrittenen Völker zu schmieden, den Ruf der Grey Warden wieder herzustellen und die Welt vor den Drachen zu retten.

DA:O lag hier schon Ewigkeiten auf dem Pile of Shame. Im Fahrwasser des großartigen „Witcher 3“ habe ich mich nun an das als episch geltende Dragon Age gewagt und bin damit knap zur Hälfte durch. Leider merkt man „Origins“ sein Alter deutlich an. Beim Erscheinen vor 7 Jahren war das Spiel wohl bombig, mittlerweile sind die Grafik total veraltet, die Bedienung ist fummelig und unintuitiv, das Inventar geht heutzutage problemlos als Frechheit durch und die Userexperience ist inkonsistent. Als Spieler wird man von Optionen erschlagen, dabei bleibt vollkommen unklar, was eigentlich relevant ist. Muss mein Zauberer Dinge craften können? Benötigt der Kämpfer wirklich Taktiken, oder reicht Zweihandkampf? Wozu dient Herbalism, wenn es doch nie eingesetzt wird?

Nicht gealtert ist der tolle (englische) Voicecast und die fein ausgearbeitete Geschichte, von der leider immer wieder durch die tumben Nebenquests abgelenkt wird. Auch der Schwierigkeitsgrad ist extrem unbalanciert, immer wieder musste ich auf „leicht“ zurückschalten, weil manche der nicht-umgehbaren Kämpfe einfach zu schwer waren.

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Machen:
Motorrad-Perfektionstraining in Gründau. Affenwald besuchen. Seit langer Zeit mal wieder im Kino gewesen, und das gleich zwei Mal.

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Neues Spielzeug:
Einen Sumo und einen Bilderrahmen

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
2 Kommentare

Verfasst von - 31. August 2016 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Juli 2016

Herr Silencer im Juli 2016

Wetter: Warm, sonnig, trocken.

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Lesen:


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Hören:

2016-07-31 16_36_06-Starten
André Peschke, Christian Schmidt auf ein Bier – 10 Jahre klüger [Podcast]
Was für Themen haben die Gamesszene im Juli 2006 bewegt? Wie bewertet man die heute, 10 Jahre später? Gab es Trends, die erkennbar waren? Oder krasse Fehleinschätzungen? Warum war „Prey“ wichtig, wohin ist die Debatte um Spielesucht verschwunden, und: Funktionieren Episodenspiele wirklich nicht?

Branchenspezialisten André Peschke (ehemals Krawall, später Gamestar) und Christian Schmidt (früher Redakteur Gamestar, heute Analyst bei Bigpoint) unterhalten sich angenehm unaufgeregt, kenntnisreich und mit analytischer Tiefe, und auch nette Anekdoten gibt es. Peschke stellt sich dabei als idealer Partner für Schmidt heraus, der Gedanken weiterspinnt, reflektiert und eigenes hinzufügt – anders als im Schwesterpodcast „Stay Forever“, bei dem Schmidt Gunnar Lott gegenüber sitzt, der immer so wirkt, als wäre er gerade aus dem Tiefschlaf erwacht und habe nicht wirklich aufgepasst.

[Nachtrag] Tatsächlich probieren Lott und Schmidt dieses Konzept in der neuesten Folge von „Stay Forever“ gemeinsam aus. Und es funktioniert tatsächlich nicht so gut wie mit Peschke, vielleicht, weil es zu oft um Layout und andere technische Aspekte von Gamestar geht, und weniger um Spielethemen.

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Sehen:
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Stranger Things [Netflix]
Eine generische, amerikanische Kleinstadt in den 80ern. Ein 12jähriger Junge verschwindet auf dem nächtlichen Nachhauseweg. Seine Freunde machen sich auf die Suche und finden eine gleichaltrige Ausreißerin. Die spricht nicht viel und hat keinen Namen, nur eine Nummer: 11.
Elevens Auftauchen ist nur der Beginn einer Serie unheimlicher Ereignsse, in die schnell nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern verstrickt werden – allen voran Winona Ryder, die Mutter des verschwundenen Jungen. Die wagt sich sogar in die Twilight Zone.

„Wenn Winona Ryder spielt, sieht man ihre Seele auf ihrer Haut“. Das hat in den späten Neunzigern ein Kritiker gesagt, und damit hatte er völlig recht. In „Stranger Things“ sieht man von Ryders Riesentalent leider nur Restspuren. Nach ihrer fast 10jährigen Abwesenheit aus dem Filmgeschäft ist sie immer noch gut, aber leider ist ihre Rolle als Mutter am Rande des Wahnsinns so hysterisch geschrieben, dass unter der 80er-Jahre-Wischmop-Frisur die unglaubliche Begabung der Frau R. nur selten sichtbar wird.

Das ist schade, denn letztlich sind es die Schauspieler, die diese achtteilige Netflixserie, die jetzt schon das Sommerphänomen 2016 ist, tragen. Ohne die Glanzleistungen des sorgfältig zusammengestellten Casts würde die Serie nach einer halben Stunde hinten und vorne auseinanderfallen. Der Plot ist naiv und simpel, der Retrocharme trägt nur eine halbe Stunde, aber die Leistungen der Schauspieler bleiben im Gedächtnis. Insbesondere die 18jährige Natalia Dyer (die man kennen könnte, hätte man „Hannah Montana – der Film“ gesehen hätte) liefert beeindruckend ab.

„Wie ein Destillat aller Spielberg-Filme“ sei Stranger Things, liest man allerorten. Das stimmt nur soweit, als das die Optik und die Protagonisten über weite Teile an „E.T.“ erinnern. Die Ähnlichkeiten erschöpfen sich aber recht schnell, und wer sich die Mühe macht und etwas genauer hinguckt, sieht, wie hier Dutzende Popkulturelle Referenzen verschiedener Dekaden verquirlt werden, von Filmen wie „Contact“, „Poltergeist“, „Goonies“ oder „Alien“ bis hin zu Spielen wie „Silent Hill“. Ist aber letztlich alles Wurst, weil: Winona Ryder.


Star Trek Beyond
[Kino]
Der Weltraum, unendlich langweilige Weiten. James T. Kirk hat die Hälfte der 5-Jahres-Mission abgerissen und keinen Bock mehr mit der Enterprise durchs All zu segeln und seltsame Kulturen ausfindig zu machen. Zu seinem persönlichen Glück spratzt ein extrem hässlicher Außerirdischer die Enterprise kaputt und die Crew strandet auf einem hässlichen Planeten. Dort darf Kirk Moppedfahren.

Simon Pegg (Shaun of the Dead, Hot Fuzz) hat eine sehr schöne Story geschrieben, die Justin Lin (Fast & Furios) in schnellen und furiosen Bildern verfilmt hat. Die Optik ist stellenweise wirklich atemberaubend mit Bildern, die man so noch nicht gesehen hat. Manchmal wirkt alles etwas zu hektisch und verdichtet, denn zum Luftholen bleibt nie Zeit, aber das tut der Freude über einen gut unterhaltenden Film keinen Abbruch.

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Spielen:

witcher3bw

The Witcher 3: Blood & Wine [PS4]

Geralt von Rivia, Monsterjäger for hire, zieht einsam durch die verheerten Landstriche von Nilfgaard, als ihn ein Ruf erreicht. Die Baronessa von Toussaint benötigt seine Dienste, unverzüglich. Der Witcher zögert nicht und macht sich auf die Socken. Die Baronie ist weit von den Kriegsgebieten entfernt, die in Armut und Zerstörung liegen. Toussaint ist sonnendurchflutet und geprägt von malerischer Landschaft. Weinberge, gepflegte Ortschaften, märchenhafte Schlösser werden von edlen Ritter in strahlenden Rüstungen verteidigt. Aber unter der Oberfläche lauern alte Geschichten, die begonnen haben, ihre Klauen nach Toussaint ausstrecken. Der Witcher macht sich an die Arbeit, und stößt schnell auf mehr als nur eine Tragödie.

„Blood and Wine“ ist der Abschluss von „The Witcher 3“. Und was für einer. Der DLC bringt neue Grafiken, neue Spielmechaniken, rund 90 Nebenquests und vor allem: Eine überaus befriedigende Geschichte. Gleich zu Beginn bekommt Geralt ein Weingut übereignet, dass man zu einem echten Zuhause ausbauen kann. Am Ende der Story laufen dann alle Fäden zusammen, und als Spieler kann man mit dem immanent guten Gefühl abschließen, dass Geralt sich jetzt inmitten lauschiger Weinberge und an der Seite seiner Liebe zur Ruhe setzen kann. Kann es einen schöneren Abschluss geben? Rund 30 Stunden Spiel bekommt man für die 14,99 Euro, die man im Seasonpass bezahlt. Unbezahlbar ist das Gefühl, mit dem Blood & Wine einen in dem Moment entlässt, in dem Geralt grummelt „Wir haben uns eine Pause verdient“ und mit einem Seitenblick direkt in die Augen des Spielers die vierte Wand einreisst.

„You deserve a bit of a Rest“ – „That, we do“.

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Machen:
Das Motorrad wieder auf die Beine, äh, Räder bringen.

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Neues Spielzeug:
Ein Fivestars Träger, Angel GTs (der zweite Satz in diesem Jahr!), ein N104 mit einem B5L.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Juli 2016 in Momentaufnahme

 
 
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