Momentaufnahme

Momentaufnahme: Juli 2022

Herr Silencer im Juli 2022

Wetter: Mitte des Monats rollt eine Hitzwelle über Europa, mit Temperaturen an oder über 40 Grad. Überall Waldbrände, kein Regen. Das ist kein Spaß mehr. Letzte Woche wieder erträgliche 20 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: Can You Make This Thing Go Faster? [Kindle]
Gesammelte Zeitungskolumnen von Ex-Top Gear, Ex-Grand Tour, jetzt Farmer Jeremy Clarkson aus 2018-2020. Scharfsinnig, meist sehr lustig. So erfährt man, wie es war für „Grand Tour“ in Rohöl zu baden oder warum Fischen ein Hobby für Menschen ist, die ihre Kinder hassen. Zudem enthält das Buch eine erstaunlich präzise Vorhersage aus 2019 über das Schicksal von Boris Johnson: „Brexit wie die Tories ihn versprechen ist nicht machbar, und wenn irgendwann die Nummer des lustigen Clowns als Ablenkung nicht mehr zieht, wirst du abgesägt werden. Genieß die Zeit bis dahin, lange wird das nicht dauern.“

Was mich am meisten erstaunt hat: Clarkson hält sich selbst für eine Konservativen, der in jedem zweiten Text Jeremy Corbyn, den damaligen Labour-Chef, als Wahnsinnigen darstellt, der in Kürze den Kommunismus in UK ausrufen wird. Dabei ist Clarkson, und das schimmert immer wieder durch, im Kern ein Grüner. Interessant.


Hören:


Sehen:

Der Name der Rose [1986, BluRay]
Mittelalter: In einem Kloster sterben reihenweise Mönche. Sean Connery ermittelt.

Internationale CoProduktion! Bernd Eichinger! Sean Connery! Christian Slater! Teuerster europäischer Film aller Zeiten!

1986 bekam man sich gar nicht mehr ein, der Film löste bei Erscheinen einen wahren Mittelalter-Boom aus, in dessen Fahrtwasser die Leute wie bekloppt Mittelalterromane („Die Nebel von Avalon“ und Konsorten) und Schallplatten mit Mönchschorälen („Gregoriansche Gesänge“) kauften.

Aus heutiger Sicht ist das Werk überschätzt. Ich habe den Roman nie gelesen, weil mich Umberto Ecos all zu bemühte in-Your-Face-Parallelen (Adson = Watson, demnach William von Baskerville = Sherlock Holmes) gleich zu Beginn nervten. Viel davon wird im Film weggelassen. Ja, Setbauten und Ausstattung sind nach wie vor größtenteils toll, aber schon bei Regie und Schauspiel fängt es an auseinander zu fallen, und über mangelnde Dramaturgie, schlimmes Pacing und falsche Schwerpunkte wollen wir gar nicht erst reden. Definitiv kein Meisterwerk, aber damals zog´s halt.

Der Name der Rose [Gandersheimer Domfestspiele]
„Der Name der Rose“ ist robuster Stoff, dem kann nicht mal diese Inszenierung nachhaltig schaden – obwohl sie es wirklich versucht. Das Stück ist über weite Teile unterlegt mit dem Quäken einer einzelnen Jazzposaune, was meist mehr unpassend und nervig ist als das es das Spiel unterstreicht.

Die modernen Kostüme (eine Art Arztkittel als Mönchskutten, dazu Baseballcaps ohne Schirm) und das bis zur Unwirksamkeit reduzierte und scheddrig gebaute Bühnenbild ist leider auch keine Glanzleistung.

Es wirkt, als hätte die Inszenierung verschiedene Ideen und Ansätze gehabt, um dem Stück einen frischen Drall zu geben – und am Ende alle umgesetzt, aber jeweils nur zur Hälfte und irgendwie so lieblos, dass keiner wirklich originell ist oder funktioniert. Durch dieses sitzen zwischen Baum und Borke fallen die Längen im Stoff umso mehr auf. Das dann im Ensemble noch ein Schauspieler ist, der wie der junge Christian Slater aussieht, dessen Rolle er aber nicht spielt, weil Frauenquote – geschenkt. „Der Name der Rose“ in dieser Bühnenfassung ist eine recht lieb- und freutlose Angelegenheit, aber genau darum geht es ja im Kern der Geschichte: Der Mensch soll keine sinnlose Freude haben, und schon gar nicht lachen.

The Sadness [Prime]
Ein Virus bricht aus und verwandelt alle Menschen in blutrünstige Bestien. So weit, so Zombie. Aber hier ist es anders: Die Menschen werden nicht zu herumschlurfenden, hirnlosen Kreaturen. Sie behalten ihre höheren Hirnfunktionen, allerdings werden die neurologischen Zentren für Befriedigung und Gewalt direkt miteinander vertüddelt. Die Folge: Infizierte laben sich mit sadistischer Wolllust daran, ihre Mitmenschen auf möglichst grausame Weise zu verstümmeln, zu foltern und zu zerstückeln.

Gilt als filmisches Meisterwerk, dieser taiwanesische Bodyhorrorfilm, deshalb musste ich den leider gucken. Tatsächlich passiert hier aber nicht viel interessantes – die Seuche bricht aus, und dann sieht man einfach 100 Minuten wie Menschen böse zu anderen Menschen sind. Das kann man genauso gut im Baumarkt oder auf Facebook angucken, da gibt es nur nicht literweise Kunstblut.

Naja, im Ernst: Handlungstechnisch ist der Film Banane, und die völlig ausufernden und sehr, sehr grausamen Gewaltdarstellungen finde ich abstoßend. Für das Genre sicher sehr konsequent, von mir aber ein großes BÄH.


Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse [BluRay]
Dumbledore bringt ein recht großes Ensemble in Stellung, um den faschistischen Vormarsch seines alten Lovers Gellert Grindelwald zu stoppen.

Ich mag den ersten „Tierwesen“-Film supergerne, wegen seiner fantasiereichen Geschichte und den tollen Charakteren. Der zweite glänzte durch tolle Ausstattung, war erzählerisch aber eher meh und die Charakter machten dauernd Dinge, die kein normaler Muggle nachvollziehen kann. Nun also der dritte Teil, und der wirkt seltsam verstolpert.

Zwar sind auch hier Schauspieler und Design ganz toll, aber die Zahl der Hauptcharaktere ist viel zu groß, und irgendwie kommt die Geschichte so abrupt zu einem Halt, als ob jemand kurz vor Ende der Produktion gesagt hätte: „Übrigens, wir machen doch nicht 5 Filme, sondern nur drei, also kommt zu Potte“. Das Ergebnis ist eine Triple-A-Produktion, die am Ende so lieblos zusammengebunden wirkt, als hätte man kein Budget mehr gehabt um was Anständiges zu filmen.


Spielen:

Resident Evil 2 [PS5]
Leo und Claire begegnen sich eines Nachts zufällig an einer Tankstelle. Kurze Zeit später stellen sie fest, das die Stadt, die sie aufsuchen wollten, von Zombies überrannt wurde. Sie suchen Unterschlupf im örtlichen Polizeihauptquartier. Dort trennen sich ihre Wege, und die Suche nach einem Ausweg beginnt – denn das verwinkelte Gebäude ist nicht nur voller Untoter, es war früher mal ein Museum, und es ist immer noch voller geheimer Gänge und Rätsel.

Was für ein Meisterwerk! Das Original ist von 1999 und war für die Playstation 1, das wäre mit seinen statischen Kameras heute unspielbar. Die Version, die ich hier gespielt habe, ist ein von Grund auf neu gebautes Remake für die PS4, das nun noch ein kostenlose PS5-Upgrade bekommen hat. Ich wusste nicht was mich erwartet und hatte mit einem Shooter gerechnet, aber RE2 ist tatsächlich ein eher langsames und bedächtiges Rätselspiel mit gelegentlichen Grusel- und Schießeinlagen.

Absolut beeindruckend ist die Narration, die fast komplett im Gameplay und im environmental Storytelling stattfindet. Hier wird viel mehr gezeigt als erzählt, und der Effekt ist umwerfend. Es stellt sich wirklich ein Gefühl von Erkundung und Abenteuer ein, aber auch die Beklemmung, das jederzeit schlimme Dinge gestehen können. Spätestens wenn nach der Hälfte der Spielzeit eine unheimliche Figur auftaucht, die den eigenen Charakter unaufhaltsam verfolgt, steigt das Stresslevel enorm an. Allein die schweren Schritte des Verfolgers, den man nie los wird, lösen hohe Anspannung aus.

Erzählerisch ist RE2 wirklich Kunst. Man kann sich entscheiden, ob man mit Leon oder Claire spielen möchte. Mit diesem Charakter erlebt man dann die komplette Geschichte. Ist man damit am Ende, wird ein zweiter Run freigeschaltet, den man mit der anderen Spielfigur absolvieren kann, und in dem manche Passagen angenehm abkürzt werden, der aber die Lücken in der Hauptgeschichte füllt oder deren Erzählung erweitert. Für die vollständige Spielerfahrung braucht es daher mindestens zwei Durchläufe, will man alles erleben sogar deren vier. So ein Niveau an verschachtelter Erzählung und perfekt passender Erzählung habe ich echt noch nie gesehen.


Machen: Esel streicheln in Sidmouth auf einer kleinen Tour durch Frankreich, England, Wals und Schottland.


Neues Spielzeug:

Ein Steckerladegerät, ein Anker 735 „GaNPRIME“. Zeitgemäß mit zwei USB-C- und einem USB-A-Anschluss. Das kleine Teil hat 65 Watt Leistung und eine vernünftige Ladeelektronik. Damit kann es aktuelle Smartphones schnellladen, aber auch das komplette USB-C-Netzteil vom Notebook ersetzen. Das und ein anderes Ladegerät können dadurch zu Hause bleiben – was mir ordentlich Platz und Gewicht im Reisegepäck spart. Mit der leichten Gummierung hat es außerdem eine wertige Haptik.

Passend dazu: Ein USB-C-Kabel mit einem winzigen Display im Stecker, auf dem der aktuelle Stromdurchfluss angezeigt wird. Spielkram, aber ich find´s cool.

 

 

Ding des Monats:
Eine Steppjacke mit dem schrägen Namen Patagonia Micropuff. Mit 200 Gramm superleicht und bis auf die Größe von zwei Tennisbällen zusammenpackbar, dabei aber mollig warm und winddicht. Geburtstagsgeschenk von Mudder Silencer (Danke!) und zum ersten Mal in Schottland getragen, dort aber dann jeden Abend. Bin völlig begeistert von dieser kleinen und sehr guten Reisejacke.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Juni 2022

Herr Silencer im Juni 2022

Ding des Monats: Die PS-Vita

Wetter: Anfang bis des Monats wechselhaft: Sonne, aber auch mal kühlere Tage. Das schaukelt sich auf in einem Wechsel aus knalleheiß und richtig kühl, von Nachts 6 Grad bis tagsüber über 30. Am Monatsende dann Hitzewelle. Wenig bis gar kein Regen.


Lesen:


Hören:


Sehen:

Obi-Wan Kenobi [Disney+]
Geschichte knurk, Optik selten hui, McGregor holla, Vader staun!, restliche Schausteller hrmpf, Kinder nerv. Charaktere wackel und örgs, Pacing knack. Insgesamt: Ach.

 

The Batman [2022, BluRay]
Gotham City, Lederlappen, Schrecken der die Nacht durchflattert, usw.

Die Geschichte geht ungefähr so: Als alle noch dachten, das Zak Snyders DC-Universum ganz töfte würde, wollte Ben Affleck einen Batman-Film schreiben, produzieren, Regie führen und die Hauptrolle spielen. Als der Mann mit den Nazieulen dann aber den erwartbaren Müll ablieferte und das DC-Universe grandios gegen die Wand fuhr, fing Affleck vor Frust an zu saufen und das Studio bekam kalte Füße und wollte umfangreiche Änderungen. Mit jeder Drehbuchüberarbeitung hatte Affleck Dann weniger Bock – erst wollte er „seinen“ Batman nicht mehr verantworten, dann nicht mehr spielen, dann nicht mehr produzieren. Gut so, denn danach übernahm Matt Reeves, schmiss alles weg und konzipierte den hier vorliegenden Solo-Film.

Der möchte kein Action-, sondern ein Thriller und Detektiv-Film sein. Klingt nett, weil der Detektiv-Aspekt des „Mitternachtsdetektivs“ bislang in keinem Kinofilm beleuchtet wurde. In der Umsetzung beschränkt sich das aber darauf, dass Robert Pattison schlecht gelaunt an Tatorten rumsteht, sich irgendwas in den Bart brummelt und dann plötzlich die Lösung herausposaunt, ohne das man wirklich wüsste, wie er darauf gekommen ist – durch Detektivarbeit jedenfalls nicht. Actionsequenzen zur Auflockerung gibt es tatsächlich nur wenige, und die sind unspektakulär.

Reeves fokussiert auf Unterhaltungen zwischen den Charakteren. Da die Dialoge aber meist platt sind und die Figuren vornehmlich grimmig gucken und ihre Motive unklar sind und sich alle, allesamt, wie Arschgeigen benehmen, bleiben die Interaktionen sehr egal.

„Der Batman“ möchte kein Actionfilm sein, sondern ein Thriller im Stil von „Seven“ – das gelingt ihm aber nicht, zu unspannend und langatmig ist die Geschichte erzählt, und wenn man als Zuschauer über drei Viertel der Laufzeit von fast drei Stunden nicht mal weiß, um was es geht oder was auf dem Spiel steht, wird´s halt arg zäh.

Highlight ist Zoe Kravitz als Einbrecherin. Der Rest ist stylisch und düster, aber auch beliebig und letztlich Wurst. Eine düster dröhnende Wurst, aber eben Wurst und ganz sicher kein „Super-Noir-Thriller“ als den die Werbung den Streifen verkauft. Kann man angucken, ist kein Totalausfall, aber eben auch keine bleibende Erinnerung.

Nobody [BluRay, 2021]
Vorstadt, Frau, Kinder, immer der gleiche Alltag – Bob Odenkirk hat ein ruhiges Leben. Das ändert sich, als eines Nachts Einbrecher seine Familie bedrohen. In der konkreten Situation wirkt der Familienvater gefasst, aber hilflos. Kurz darauf stellt sich heraus, dass der Zwischenfall eine alte Sucht in ihm geweckt hat.

Holy Shit meine Güte WAS IST DAS?!

„Nobody“ ist mit Sicherheit einer der brutalsten Filme, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Aber was will man erwarten, wenn der Drehbuchautor von „John Wick“ ein Drehbuch schreibt, das vom Regisseur von „Hardcore Henry“ umgesetzt wird?

So überraschend wie die handgemachte Action ist auch die Besetzung. Bob „Better Call Saul“ Odenkirk hätte man den Actionhelden nie zugetraut, aber hier prügelt, schnetzelt, schießt und blutet er sich hier durch gefühlt Dutzende von Situationen. Jede Actionsequenz ist übrigens so gefilmt, dass man immer weiß wer wo steht und was gerade passiert – Schnittmassaker mit 25 Schnitten in 10 Sekunden, wie in jüngsten Actionfilmen aufgrund von Unvermögen passieren oder, wie im Fall der Liam Neeson-Streifen, um zu kaschieren das der Protagonist schon weit im Rentenalter ist, passieren hier nicht. Auch, weil Odenkirk wirklich fit ist. Der Rest vom Cast ist ebenfalls überraschend – ich habe ein wenig Schnappatmung bekommen, als ein alter Bekannter aus „Zurück in die Zukunft“ auftauchte.

Storytechnisch gibt es durchaus interessante Einfälle. Das die Motivation des „Helden“ mal nicht von Außen kommt, sondern intrinsisch ist und nicht auf dem Wunsch nach Rache oder Schutz der Familie basiert, ist schon spannend, das hat man so noch nicht gesehen.

Wer gute Actionfilme á la „John Wick“ oder „The Hunt“ mag, der muss „Nobody“ gesehen haben.

 

Titane [Amazon Video, 2021]
Alexia hat als kleines Mädchen einen Autounfall und bekommt deswegen eine Titanplatte in den Schädel gesetzt, worauf sie sich sexuell zu Fahrzeugen hingezogen fühlt. Nach einer Nacht in/mit einem Auto wird sie schwanger und Motoröl läuft aus ihren Brustwarzen und ihr Bauch droht von einer Titankugel gesprengt zu werden. Doof, das es ausgerechnet jetzt mit ihrem Hauptjob als Mörderin auch nicht so doll läuft, und so verändert sie ihr aussehen und gibt sich als Mann aus.

Bodyhorror ist eigentlich ein tolles Genre, Filme wie „Die Fliege“ gruseln bis heute. Aber warum sind die Geschichten oft so verquast? „Titane“ anzugucken ist Zeitverschwendung, weil die teils interessanten Szenen ab einem gewissen Punkt keinen Sinn mehr ergeben und nicht mehr sind als eine verwürfelte Nummernrevue von Ekligkeiten.

Kunstkritiker sind natürlich begeistert darüber, das sich hier ein hormongeschwängerter Boomermann die Bauchmuskeln anzündet und jodeln darüber als „Entzieht sich Interpretationen“, „Feministische Freiheit im Umgang mit dem Körper“, „Dekonstruiert Geschlechterrollen“ und „Radikale Erfindung der eigenen Identität“ und ich sehe auch die Punkte – aber ich erkenne halt auch schlechtes Storytelling und Beliebigkeit, und das Verzeihe ich nicht, nur um mich an meinem eigenen Kunstwissen zu berauschen oder zu behaupten Titane“ sei der nächste „Parasite“. Ist er nicht. „Titane“ hat genau eine nette Idee, aber die Macherin hat zu viel Cronenberg geguckt und ist im Schnitt versumpft.

Dr. Strange in the Multiverse of Madness [Disney+]
Sumthing sumthing Dr. Strange und irgendwas mit der Scarlett Witch.

Tja, ach. Nett gemacht, aber etwas ohne Vorwissen und Kontext unverständlich. Nett: Das hier zur Hälfte ist ein Sam Raimi-Film, inkl. „Army of Darkness“-Referenzen und Bruce Campbell. Das macht Spaß. Die andere Hälfte ist zu lange gekauter Kaugummi.


Matrix Ressurections [BluRay]
Neo und Trinity sind wieder da, aber niemand hat eine Erinnerung an die vorhergehenden Ereignisse und überhaupt: Warum sind sie wieder da?

Ja, „warum nur“ habe ich mich ohnehin gefragt. Muss man „Matrix“ 25 Jahre nach dem ersten Film fortsetzen? Und falls ja: Wie setzt man eine Geschichte fort, die sich ins popkulturelle Gedächtnis bis auf Meme-Ebene eingebrannt hat? Dinge wie „Bullett Time“ oder „Agenten“ oder „ach guck zwei schwarze Katzen, das ist ein Fehler in der Matrix“ kennt jeder, und der Glauben, in einer Simulation zu leben wird ja selbst von Querdenkern oder Elon Musk vor sich hergetragen.

Dieser Film macht etwas Interessantes aus diesem Dilemme und reitet genau diese Memes und das Wissen um die Matrix auf einer Meta-Ebene, über die Keanu Reeves erstaunt guckend stolpert, während das Drehbuch die ganze Zeit den Zuschauern ein „Hier, kennste, kennste?“ zuzwinkert und sich wonnig in Selbstreferenzialität suhlt wie ein Schwein im Schlamm. Das wird viel zu lange gemacht – wenn es endlich losgeht und die Geschichte halbwegs an Fahrt gewinnt, ist bereits Minute 100 erreicht. Das Ende rettet diese unnötige Fortsetzung, insgesamt aber leider kein guter Film.

 

 


Rambo: First Blood [1982, Bluray]
Vietnamveteran John Rambo hat nach Ende des Kriegs kein Ziel mehr und streift durch die USA, um ehemalige Kollegen zu besuchen. In einer Kleinstadt wird er von der örtlichen Polizei erst drangsaliert, dann mißhandelt. Dadurch brechen bei Rambo alte Traumata aus der Kriegsgefangenschaft auf. Er flieht in die Wälder und liefert sich einen blutigen Kampf mit Polizei und Nationalgarde.

Ich kannte die Rambo-Filme nur als popkulturelles Bild, als Meme („blaues Licht“) und hatte immer gehört, das der erste Film gar nicht schlecht sei. Das stimmt tatsächlich: Handgemachte und oft für das Budget erstaunlich gute Action, und als unterliegendes Thema der Umgang der Zivilgesellschaft mit einer Generation von Männern, die alles für ihr Land gegeben haben, und nun nicht mehr gewollt sind.


Rambo: First Blood Part II [1985, Bluray]
Rambo soll Kriegsgefangene in Vietnam suchen, aber nicht befreien. Als er das doch tut und sich nebenbei mit Russen anlegt, sind die USA nicht erfreut.

Ganz, ganz schlimmer Scheiß, schlecht erzählt, mies gefilmt und geschnitten und Stallone spielt, als hätte er einen Schlaganfall gehabt. Jegliche tiefere Moral ist weg, hier geh es nur noch um Knall-Bumm.


Rambo III [1988, BluRay]
Irgendwas mit Afghanistan und blauem Licht.

Auch ganz, ganz schlimmer Scheiß, nicht ganz so handwerklich schlecht wie Teil 2, aber immer noch schlecht.


John Rambo [2008, BluRay]
Irgendwas mit Burma, und am Ende schießt Rambo alles weg.

Wirkt so als hätte jemand die Rambo-Parodie aus Hotshots nochmal in Ernst verfilmt. Nebenbei macht sich das Drehbuch über humanitäre Helfer lustig. Die unterliegende Botschaft des Films lautet: Wer an Frieden glaubt ist naiv, nur Waffengewalt ist eine Lösung. Schrecklich.

Rambo: Last Blood [2018, BluRay]
Rambo lebt auf der alten Farm seines Vaters in Arizona. In unterirdischen Tunnels sprengt er mexikanische Menschenhändler weg.

Dieser Film ist unnötig brutal, offen rassistisch und gefährlich dumm. Damit traf der Streifen vermutlich den Nerv der Trump-Jahre, und zwar so sehr, das einem als normaler Mensch schlecht wird. Mexikaner werden nahezu durchgehend als Diebe, Verräter und Verbrecher dargestellt, die amerikanische Frauen rauben.

Vom Story-Konstrukt fangen wir lieber nicht an. Allein die Idee, das Rambo unter seiner Farm ein kilometerlanges Tunnellabyrinth buddelt, weil er ja in Vietnam in Tunnels traumatisiert wurde, ist so dämlich, dass man sich jeglichen Kommentar sparen kann.


Spielen:

Persona 5 Golden [PS Vita]
Japan, ein kleiner Ort auf dem Land: TV-Geräte, die auf keinen Sender eingestellt sind, zeigen nur verrauschten Schnee. Aber in nebeligen Nächten, genau um Mitternacht, sind in diesem statischen Rauschen die schemenhaften Umrisse von Personen zu sehen. In den folgenden Nächten werden die Umrisse deutlicher erkennbar, und kurze Zeit später werden die Personen, die im „Mitternachtskanal“ aufgetaucht sind, tot aufgefunden.

Eine Gruppe Highschool-Kids entdeckt das sie die Fähigkeit haben, von der realen Welt durch Fernsehgeräte in die TV-Welt zu wechseln, in der sie über Zauberkräfte verfügen. Gemeinsam machen sie sich daran die Personen zu retten, deren Tod der Nebel ankündigt.

Bizarres Szenario, aber toll gemacht. „Persona“ ist ein rundenbasiertes Action-Rollenspiel, bei dem es nur sinnvoll weiter geht, wenn neben den Kampfeinlagen in der TV-Welt soziale Beziehungen in der realen Welt aufgebaut und gepflegt werden und der Schulalltag gemeistert wird. Zeit mit Freunden, Arbeit und Studium zu verbringen ist genauso wichtig wie Monster verhauen und Menschen retten, und beides in Kombination macht einen irren Spaß – zumal hier stets die Motivationen klar sind und (nie unfaire) Zeitlimits dafür sorgen, dass hier keine Beliebigkeit entsteht. Die Grafik ist selbst auf der PS Vita super und der Soundtrack einfach mitreissend.

Persona 4 kam 2008 für die Playstation 2 raus, die „Golden“-Version erschien 2012 für die Playstation Vita und 2021 für den PC. Sie glänzt durch mehr Charaktere, einen neuen Epilog und besseres Gameplay – und ja, das macht auch nach den über 110 Stunden noch Spaß, die ich in die spannende Story versenkt habe.


Machen:


Neues Spielzeug:

Ein ASUS Zenbook mit dem kryptischen Namen UM425UAZ-KI023T. Mit 14 Zoll und 1,2 Kilo ein wenig größer als es mir für ein Reisenetbook lieb ist, hier hatte das lüfterlose Asus X205 mit 11,6 Zoll und 900 Gramm Maßstäbe gesetzt. Das Zenbook löst in Teilen das Medion-Netbook ab, dessen Tastatur wegen zu kleiner, runder und rutschiger Tasten einfach nicht vernünftig nutzbar ist.

Die neue Kiste bringt eine ordentliche und beleuchtete Tastatur mit, dazu ein gutes Display, gute Lautsprecher, 16 GB RAM, 1 TB Speicher, Windows 11 und eine Laufzeit von 14 Stunden. Alles „nach Militärstandards zertifiziert“ in Hinblick auf Temperatur, Feuchtigkeit und Schlagfestigkeit. Nicht hundertprozentig ideal für Reisen, war aber gerade um 500 Euro runtergesetzt und ist gut für den Moment.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Mai 2022

Herr Silencer im Mai 2022

Verweigerung des Monats: „Ich mache hier nicht nochmal die Heizung an!“

Worte des Monats: „Was sollen das, mich hier Arschloch zu nennen?!“

Wetter: Anfang des Monats bedeckt und kühl bei 8-15 Grad, Mitte des Monas hochsommerlich sonnig und sehr heiß, Ende des Monats Regen, Sturm, nachts 4 und tagsüber 18 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: Diddly Squat: A Year on the Farm [Kindle]
Jeremy Clarkson, Motorjournalist und konservatives Urgestein, beschließt seine Farm in den Cotswolds selbst zu bewirtschaften – ohne eine Ahnung von Landwirtschaft zu haben. Was dann passiert, lässt sich in der Amazon-Serie „Clarksons Farm“ anschauen, die ich für das beste Stück Fernsehen seit sehr langer Zeit halte. Das Buch enthält nun die gesammelten Kolumnen von Clarkson, die er binnen eines Jahres auf der Farm für die „Sunday Times“ verfasst hat.

Weniger nah dran am tatsächlichen Farmleben als die Serie, dafür aber reich an Hintergründen und reflektierten Gedanken über Politik, Klimawandel, Ernährung und Umweltschutz – nach wie vor Themen, die man Clarkson so nie zugetraut hätte. Kurzes Buch, amüsant zu lesen.

 


William Gibson: Neuromancer [1984]
Cyberpunk, irgendeine Megastadt in Japan: Case ist ein Gelegenheitsverbrecher und Cyberkrimineller. Als solcher wird er für einen richtig ungut klingenden Job angeheuert. Schon dessen Vorbereitung läuft nicht nach Plan, und dann stellt sich auch noch heraus, dass die Auftraggeberin eine künstliche Intelligenz ist.

Die Story wirr, die Charaktere mit groben Strichen hingetuscht, die Zusammenhänge lose, die Sprache eigen. Schon Stunden nach Lesen des Buches kann ich kaum sagen, worum es darin ging. Nichtsdestotrotz ist es ein Meilenstein voller Ideen und eine der Grundlagen für das Genre des Cyberpunk, in dem Mensch und Maschinen immer weiter verschmelzen.

 


 

Hören:


 

Sehen:
Gruselfilme! Ich habe „Dark Castle Entertainment“ entdeckt und musste deren Werke angucken:

Ghost Ship [2002, BluRay]
Der Pilot eines Wetterflugzeugs entdeckt einen italienischen Luxusliner, der seit 1962 als verschollen galt. Das Schiff treibt abseits der üblichen Schiffsrouten in der Beringstraße. Ein Bergungsteam macht sich auf den Weg, um das Geisterschiff genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei entdeckt die Crew, was mit den fast 600 Passagieren geschehen ist.

„Dark Castle Entertainment“ ist eine gemeinsame Firma der Produktionslegenden Robert Zemeckis und Joel Silver. In den 90ern gegründet, sollte die Firma massentaugliche Gruselfilme mit einem anständigen Budget und B-Promis auf den Schirm bringen. Und ja, das gelang denen. Es war mir nicht klar, aber zwei meiner vier liebsten Gruselfilme stammen von Dark Castle.

Heute erinnert sich jeder an die Laser aus „Resident Evil“ als die Szene, in der zum ersten Mal zu sehen war, wie Menschen durchschnitten werden und dann in Zeitlupe auseinanderfallen. „Ghost Ship“ machte auch, sogar im gleichen Jahr, nur spielt die Eröffnungsszene diesen Effekt ungleich besser aus.

Der Rest des Films ist recht konventionell, aber mit Gabriel Byrne, Julianna Margulies, Karl Urban und Emily Browning fein besetzt. Vor allem atmet der Film Style, nach allen Seiten: Das Art Deco-Kreuzfahrtschiff, die verruchte Femme Fatale, das gesamte Produktionsdesign – das ist super gemacht. Da auf CGI weitgehend verzichtet wurde und die Sets wirklich toll sind, ist der Film praktisch nicht gealtert.

 

13 Geister [2001, DVD]
Mr. Monk und seine Kinder erben ein gar seltsam Haus. Das Anwesen besteht fast komplett aus Glas, und in jede Oberfläche sind lateinische Texte eingeätzt. Schon beim ersten Besuch wird klar: Das vermeintliche Luxusdomiziel ist in Wirklichkeit eine Maschine, die mit der Energie von 13 Geistern die Pforten zur Hölle öffnen soll.

„13 Geister“ ist eine weitere Dark Castle Produktion und wie diese fein besetzt. Mein persönliches Problem: Ich kann in Tony Shalhoub leider nie wieder einen anderen Charakter sehen als eben „Mr. Monk“. Abseits davon liefern aber Shannon Elizabeth und F. Murray Abraham gut ab, nur Matthew Lillard ist wie immer unerträglich.

Die Geschichte um das seltsame Haus und die 12 (Sic!) darin gefangenen Geister ist spannend, die Masken gruselig. Vor allem war der Film innovativ: in einem Labyrinth aus (echten) Glasscheiben zu drehen muss die Hölle sein, weil es ständig ungewollte Reflektionen und Spieglungen gibt, aber hier wird das durchgezogen und das Ergebnis ist immer noch sehenswert und gruselig.

 

House of Wax [Amazon Video, 2005]
Teenager haben Panne und landen in einem Dorf, in dem alle Bewohner aus Wachs sind.

Dark Castle Produktion, die ihrerzeit große Wellen schlug, weil: „Paris Hilton ist darin nackt!“- Spoiler: Ist sie nicht. Aber ihre Figur stirbt einen gruseligen Tod, genau wie die anderen unsympathischen Charaktere in diesem Remake eines Films von 1953. Bonus: Elisha „Jack Bauers Tochter“ Cuthbert.

 

The Reaping [2007, BluRay]
Hillary Swank ist Ex-Pastorin und Expertin im „Myth-Busting“, also der wissenschaftlichen Aufklärung scheinbar unerklärlicher Ereignisse. In dieser Funktion wird sie in die Südstaaten der USA gerufen, wo anscheinend gerade die biblischen Plagen ausbrechen. Die Einwohner eines kleinen Ortes machen dafür ein zwölfjähriges Mädchen verantwortlich.

Dark Castle-Film, der seiner Prämisse treu bleibt: Mit Hillary Swank und Idris Elba spielen hier zwei veritable Stars in einem gruseligen Doppel-A-Film. Die Story verfranst sich zwischendurch in den Sümpfen Louisianas, die Auflösung ist aber interessant. Kann man schauen.

 

Suburbicon [2018, BluRay]
USA, 1959: Suburbicon ist eine der typischen Boomer-Vorstadtsiedlungen. Im dreihundertsten Reihenhaus von links wohnt Matt Damon mit Frau und Kind. Die Pettycoat-Idylle wird gestört, als Einbrecher die Familie überfallen und die Ehefrau dabei mit Chloroform vergiften. Wenig später steht ein Versicherungsdetektiv auf der Matte. Währenddessen zieht nebenan eine schwarze Familie ein, der erst offener Rassismus entgegenschlägt, der dann zu einer Straßenschlacht eskaliert.

Eine aktuelle Dark Castle-Produktion unter der Regie von George Clooney und nach einem Buch der Coen-Brüder. Mit deren Ergüssen kann ich ohnehin nicht viel anfangen, aber „Suburbicon“ ist wirklich objektiv schlecht.

Der Film versucht gleichzeitig Rassismusdrama, Krimi und schwarzhumorige Komödie zu sein, aber Clooney schafft es nicht, das zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzuführen. Stattdessen fühlt sich „Suburbicon“an wie zwei Filme, die man notdürftig mit den Rücken aneinandergeklebt hat. Beide Handlungsstränge laufen nebeneinander her und werden so unbefriedigend, sinnlos und blutig aufgelöst, dass das Anschauen reine Zeitverschwendung ist.

 

The Cell [2000, BluRay]
Ein Killer entführt Frauen, ertränkt sie und vergeht sich dann an ihnen. Die Polizei ist ihm auf den Fersen, aber bevor er gefasst wird, erleidet er einen Hirnschlag und fällt ins Koma. Das ist ein Problem, denn er hat bereits ein neues Opfer entführt und in einer unterirdischen Zelle versteckt, die sich nun langsam mit Wasser füllt. Gut, das es eine Technologie gibt, mit der sich Jennifer Lopez in das Unterbewusstsein des komatösen Killers beamen kann. Dort versucht sie Hinweise auf den Ort des Verstecks zu finden, gerät aber in eine ganz eigene Hölle.

Nicht Dark Castle, aber einer meiner Lieblingsgruselfilme mit „13 Ghosts“ und „Ghostship“: „The Cell“ verbindet Elemente von „Das Schweigen der Lämmer“, „Hellraiser“ und „Saw“, was mich thematisch schon sehr anspricht. Was den Film aber unvergesslich macht, sind die Bilder und die Kameraführung. Regisseur Tarsem Singh drehte vor „The Cell“ Musikvideos für REM (u.a. „Losing my Religion“) und übte dort, wie er das Gefühl zu Träumen in das Medium Film übersetzen kann.

„Cell“ bietet nun genau das, in Spielfilmlänge. Die Geisteswelten des Killers fühlen sich wirklich an wie Albträume. Wie in einem Traum verändern sich Gegenstände, Szenarien und Personen von Schnitt zu Schnitt – mal subtil, mal sprunghaft, so dass man sich als Zuschauer wirklich des öfteren fragt, ob man das jetzt gerade wirklich gesehen hat. Die Sado-Maso-Ästethik mal beiseite gelassen, sieht der Film ob der vielen praktischen Effekte und dem sehr wenigen, aber dann guten CGI bis heute fantastisch aus. Das die Schauspieler nicht viel zu tun haben und die Story letztlich bestenfalls zweckdienlich ist, ist da Nebensache.

 

Moonknight [2022, Disney+]
Oscar Isaac hat eine gespaltene Persönlichkeit und sieht ägyptische Götter. Durch die Kulissen schluffen: Ethan Hawke und sprechende Nilpferde.

Tja, ach. Darstellung von multiplen Persönlichkeiten macht Schauspielern offensichtlich viel Spaß. James McAvoy grimassierte sich ja schon unerträglich prätentiös durch „Split“, und on „Moon Knight“ hat Oscar Isaac sichtlich Spaß an der Rolle. Worum es geht und vor allem, warum hier Dinge passieren ist lange Zeit Nebensache und am Ende auch irgendwie egal. Was von der Serie in Erinnerung bleibt ist untererklärter Ägypten-Mumbojumbo, verwirrter Quark und schlechte CGI-Kostüme.

 


Spielen:

Doki Doki Literature Club [PS5]
An einer japanischen Highschool tritt der Spieler auf Wunsch einer Freundin einem Literaturclub bei. Nach dem Unterricht liest er dort gemeinsam mit vier Mädchen Bücher, übt sich im Verfassen von Gedichten und kocht Tee. Aber dann.

Seltsames Ding. Kommt zunächst zuckersüß als laaaaangsam erzählte visual Novel mit Dating-Sim-Einschlag daher, und tatsächlich macht man die ersten zwei Spielstunden nichts anderes, als zu kariesverursachender Düdelmusik mit den Manga-Mädchen im Literaturclub zu flirten. Der niedliche Eindruck täuscht aber. Die Warnungen, dass das Spiel erst ab 18 ist und Menschen mit Despressionen keinen Spaß daran haben werden, sollte man besser ernst nehmen.

Wer sich noch an den Gag mit der glitchenden Grafik und dem Durchbrechen der vierten Wand in „Arkham Asylum“ erinnert: Doki-Doki macht genau das, aber viel heftiger. In der zweiten Hälfte der, mit 4 Stunden angenehm kurzen, Spieldauer verwirrt es des Spielers Hirn so sehr, dass man irgendwann nicht mehr weiß, ob hier gerade etwas kaputt ist oder alles in richtigen Psychohorror abkippt. Langsamer Einstieg, dann sehr überraschend. Gilt als ein Meisterwerk des Gamedesigns. So weit würde ich nicht gehen, verblüffend ist es allemal.

 

Ghost of Tsushima: Iki Island [2021, PS5 DLC]
1274 überfallen die Mongolen die japanische Insel Tsushima. Die Invasoren bringen Hightech-Waffen mit: Mechanische Maschinen die Flammenpfeile verschießen, brennendes Öl, Nervengifte.

Die Samurai, die sich der Invasionsflotte entgegenstellen, sind von diesem ehrlosen Kampfverhalten so irritiert, dass sie allesamt niedergemetzelt werden. Der einzige Überlebende pfeift auf dem Code der Samurai und greift zu Guerilla-Taktiken um die Mongolen zurückzuschlagen. Für den japanischen Shogun wird er damit zum  Vogelfreien ohne Ehre, für die einfache Bevölkerung zum Helden: Dem Geist von Tsushima. Auf Iki wird es für den Geist brenzlig. Nicht nur, das er dort vergiftet wird, die Einwohner der kleinen Insel haben auch  etwas gegen Ex-Samurai. Zudem wird es persönlich, kam doch hier sein Vater zu Tode.

Interessanter DLC, der das ohnehin sehr gute Hauptspiel von 2020 sanft erweitert und eine interessante Reise in die Vergangenheit bietet. Iki ist ähnlich schön gestaltet wie die bekannten Areale, Gamemechanisch kommen eine Handvoll kleine Änderungen hinzu. Im Prinzip also nur more of the same, aber das geht ok. Denn auch wenn der DLC mit maximal 8 Stunden recht kurz und mit 20 Euro sehr teuer ist, so ist die filmische Inszenierung von Jin Sakais Kindheitstraumata aufwendig umgesetzt und gelungen. „Ghost of Tsushima“ ist „Assassins Creed: Japan“, aber besser als die letzten drei originalen Assassins Creed Spiele. Davon spiele ich gerne mehr.


Machen:

  • Hamburg Wochenende mit Mudder Silencer und Frau Zimt und dem Verwunschenen Kind
  • Eine britische „Drone Flyer & Operator“-Lizenz. Gleiche Regeln wie in der EU, gleiche Fragen, gleiche Tests, aber: „EU-Lizenzen werden nicht anerkannt“ – weil sie es können.
  • Windows 11 mißtrauisch beäugen.
  • Meine erste Darmspiegelung!

Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

Momentaufnahme: April 2022

Herr Silencer im April 2022

Trööt des Monats:

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt mit Temperaturen nachts bis zu -9 Grad und tagsüber um den Gefrierpunkt. In der zweiten Monatswoche Sturm, Schnee und Regen bei einstelligen Temperaturen. Monatsmitte Sonne, bei Nachts um Null Grad, tagsüber um die 17. In der letzten Woche regnet es das erste Mal seit Anfang März. Die Äcker sind schon wieder trocken wie sonstwas. Letzte Monatswoche wieder trocken und 5 bis 15 Grad.


Lesen:

Stephen King: Billy Summers [2021]
Der Auftragskiller. Der berühmte letzte Job. Das Mädchen.

Diese Geschichte gab es schon in einigen Variationen. Stephen King findet hier aber einen ganz eigenen Dreh, um eine Geschichte von zwei Menschen zu erzählen, die unter seltsamsten Umständen zusammenfinden und eine merkwürdige Beziehung aufbauen.

Dieser Dreh ist aber kein wirklich guter. Zum einen braucht das Buch ewig um in Fahrt zu kommen: Ein Drittel der rund 650 Seiten sind Vorspiel. Dann nimmt die Geschichte Fahrt auf, wirkt aber hingebogen und konstruiert, um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. Das dann die Story noch dauernd eine Vollbremsung bis zum Stillstand macht, um in einem Buch-im-Buch die Vergangenheit des Auftragskillers im Irakkrieg zu zeigen, macht die Sache nicht besser.

Das klingt jetzt kritischer als es gemeint ist. Trotz der anfänglichen Länge und den Einschüben ist die Geschichte von Billy Summers spannend genug, um stets wissen zu wollen wie es weiter geht. Schön auch zu sehen, das King auf seine alten Tage hier noch mit Genres, Perspektiven und Erzählstilen jongliert und ganz viel ausprobiert. Er schmeißt viel an die Wand, nicht alles davon bleibt kleben, aber es reicht noch für ein spannendes und innovatives Buch.


Hören:


Sehen:

The Brits are Coming! [BluRay]
Uma Thurman verzockt Geld einer Freundin und nötigt Tim Roth dazu Drogen für Stephen Fry zu schmuggeln.

„Weißte was? Die Thurman, die fand ich schon immer geil! Die muss im Film sein, und ihr sexy Ding machen. Und diese Dings aus Star Trek, Alice Eve, die auch! Und diese Sängerin, wo ich immer so gern höre, diese Sophia Vergara, die soll auch mitspielen! Oh, oh, oh! Und Maggie Q!“
„Und für die männlichen Rollen?“ – „Brauchen wir die wirklich? Na… da nehmen wir diesen unheimlichen da, diesen Crispin Clover. Oh, und Tim Roth, den finde ich witzig, der sieht so fertig aus. Und Stephen Fry finde ich lustig, den besetzen wir als schwulen, pädophilen Priester. Weil er selbst schwul ist, das ist lustig, kennste, kennste?!“

„Und wie soll die Handlung sein?“
„Handlung? Wieso braucht es eine Handlung? Na gut. Also: Stehen Fry will immer Leuten Sachen in den Arsch schieben, Tim Roth soll komisch gucken und dauernd bedröhnt sein, und die Ladies tragen sexy Swag und baggern sich gegenseitig an. Mehr Handlung brauchen wir nicht!“

…So oder so ähnlich muss es abgelaufen sein, als einige zugekokste Millionäre zusammen saßen und beschlossen, diesen Film zu machen. Die Darstellerriege ist beeindruckend, mit denen einen völligen Totalausfall zu produzieren muss man auch erstmal hinbekommen. „Brits are Coming“ schafft das aber – das Drehbuch ist so wirr, dass ich am Ende nicht mal verstanden habe, was da passiert.

All is lost [2014, BluRay]
1.700 Seemeilen vom nächsten bewohnten Festland bummst ein Boot in einen verlorenen Seecontainer und bekommt ein Loch. Robert Redford versucht so gut es geht alles zu flicken, aber dann kommt ein Sturm.

Interessanter Film. Praktisch keine Musik, keine Dialoge, nur ein Darsteller. Von dem wissen und erfahren wir: Nichts. Was macht der alte Mann da allein auf dem Meer? Wie heißt er? Warum ist er allein? Das bleibt der Fantasie überlassen, denn außer „MistMistMist“ und „Komm schon!“ sagt Redford den ganzen Film über kein Wort und spielt sehr reduziert. So guckt man ihm 105 Minuten dabei zu, wie er an seinem Boot rumfrickelt und sich immer neuen Problemen stellen muss.

Die Inszenierung ist zwar stellenweise sehr behäbig, und weder Kameraführung noch Schnitt werden in manchen Szenen der Dramatik der Ereignisse gerecht, trotzdem ist der Film spannend. Das liegt auch am Sound, der ziemlich gewaltig daherkommt. Wenn ein Sturm gegen das Glasfaserboot donnert und Wellen gegen den Rumpf klatschen, dann hat das Wucht.

Reduziert, spannend und dabei ruhig – eine seltsame Mischung. Nicht funktioniert hat für mich das Ende, das dem Ton des Films und der Setzung, die gleich in den ersten Minuten (immerhin per Voiceover) geschieht, nicht gerecht wird. Vermutlich wurde das nach Fokusgruppentests nachgedreht und rangepfriemelt.

Léon, der Profi [1994, BluRay]
Léon stammt aus einer der ärmsten Provinzen Italiens. Er ist ungebildet, kann nicht lesen und ist im Umgang mit Menschen so unerfahren, dass er fast zurückgeblieben wirkt. Aber in einer Sache ist er ungeschlagen geschickt: Als Profikiller. Als solcher arbeitet er im New Yorker Viertel Little Italy. Dort treiben sich auch korrupte Polizisten herum, die die Familie von Léons Nachbarin Mathilde abschlachten. Die Zwölfjährige überlebt, findet bei Léon Unterschlupf und bittet ihn, sie sein blutiges Handwerk zu lehren.

Ein Film, wie er heute nicht mehr gedreht werden könnte. Eine Zwölfjährige, die sich in einen Erwachsenen verliebt? Damals provokant, heute undenkbar. Dabei ist der Gegensatz des emotional erwachsenen, aber instabilen Kindes und des kindlichen Erwachsenen durchaus interessant – er wird hier nur etwas naiv angegangenen, ergeht sich zwischendurch in seltsamen Lolita-Szenen und versandet am Ende, ohne das der Konflikt wirklich thematisiert würde.

Abseits dieser Problematik ist „Léon“ ein sehr besonderer Film, weil er so viele Ausnahmetalente vereint. Zwar ist ausgerechnet Jean Reno als Protagonist ein ziemlicher Ausfall und ergeht sich in seinem üblichen Mondkalb-Blick, aber meine Güte, was sind Nathalie Portman und Danny Aiello hier gut.

An die Wand gespielt werden alle von Gary Oldman, der als drogensüchtiger und völlig durchgeknallter Cop hier so dermaßen abliefert, das man Angst bekommt. Oldman war die Inspiration für Heath Ledgers „Joker“, da bin ich mir sicher – Gesichtsausdrücke und Körpersprache findet man an vielen Stellen in „Dark Knight“ wieder.

Dazu kommen die visuellen Experimente eines noch nicht völlig in Selbstreferenzialität versunkenden Luc Besson in Kombination mit der tollen Kameraarbeit von Ausnahmefilmer Thierry Arbogast und der fantastische Production Value, der sich in der Ausstattung widerspiegelt: Man kann das Bohnerwachs der Altbaudielen geradezu durch die Leinwand riechen. Alles atmet Style und das Wollen, das Innenleben der Protagonisten zu visualisieren.

Ein alter Film, aber immer noch mehr als sehenswert, weil ein Ausnahmewerk.


Spielen:

Cyberpunkt 2077 [PS5]
V. ist Söldnerin auf den Straßen der dystopischen Megastadt Night City. Bei einem schiefgelaufenen Einsatz als Diebin gegen einen Megakonzern bekommt sie das KI-Abbild von Keanu Reeves in den Kopf gepflanzt. Der erscheint ihr fortan als Halluzination – und bringt sie langsam um. V.´s Persönlichkeit wird langsam, aber sicher von dem KI-Konstrukt überschrieben, das sich auch noch verhält wie das letzte Arschloch.

„Cyberpunk 2077″ ist ein dampfender Haufen und wird das auch bleiben.“ sollte hier eigentlich stehen. Tatsächlich ist auch 18 Monate nach Release, gefühlt 100 Patches und dem Wechsel auf neue Hardware (PS5 statt PS4) längst nicht alles gut.

Beispiele: NPCs glitschen, zucken und fallen durch Wände. Ab einer gewissen Geschwindigkeit verschwinden alle Autos von den Straßen. Meine Spielfigur stolpert in eine Badewanne und kommt da nie wieder raus. Ein Motorrad fährt gegen einen Müllsack, überschlägt sich und explodiert. Mein eigenes Auto spawned über meiner Spielfigur und erschlägt sie. Animationen werden nicht abgespielt. Audio hängt oder kommt in falscher Lautstärke aus der verkehrten Richtung. Keanu Reeves Tonspur ist deutlich leiser und anders aufgenommen als alle anderen. Wenn meine Spielfigur heimlich späht, beginnt sie zu schweben, bis sie meterhoch über der Deckung hovert und alle sie sehen.

Zwar stürzt „Cyberpunk“ nicht mehr alle drei Minuten ab, aber gut laufen tut es immer noch nicht. Die proprietäre und hauseigene RED-Engine kommt einfach hinten und vorne nicht klar, und in „Cyberpunk“ sind sogar Dinge kaputt, die in „Witcher 3“ noch funktionierten.

Aber selbst wenn technisch alles rund laufen würde: Dieses Spiel ist auch inhaltlich an vielen Stellen kaputt. Vieles wirkt wie auf Koks designt und nicht zu Ende gedacht. Allein die Bedienung ist auf Konsolen eine Frechheit. Menüs sind superwinzig, kaum lesbar und völlig überladen, das Perksystem überkomplex und untererklärt, das Inventar eine Müllhalde und das Craftingsystem habe ich bis zum Ende nicht verstanden und nicht benutzt.

Ich hatte ja schon ein schlechtes Gefühl, als CD Projekt Red 2014 ankündigte, „Cyberpunk 2077“ wäre ein First-Person-Adventure. Es gab noch NIE ein gutes Action-Adventure aus der Egoperspektive, und das hat Gründe. Springen und Klettern sind kaum möglich, das Customizing der eigenen Spielfigur ist völlig für die Katz (weil man sie nie sieht), und eine starke Erzählung oder Charakterzeichung kann mit einer Figur, die man nicht sehen kann, nicht wirklich gelingen.

Storytechnisch ist CP77 interessant, hat aber Open-World-typische Pacing-Probleme. Das Spiel baut viel Zeitdruck auf und drängt darauf der Hauptgeschichte zu folgen. Tut man das aber und konzentriert sich auf die story, plätschert die vor sich hin, nur um einem dann ohne Vorwarnung einen Bossgegner vor die Nase zu setzen, den man ohne ein bestimmtes Level nicht mehr besiegen kann – Zack, Storystopper. Unmittelbar nach dem Boss kommt schon der Point of no Return – wer hier weiterspielt, sieht schon nach 20 Stunden das Ende der Geschichte.

Die Nebenmissionen sollte man also unbedingt machen. Nur: Zu kaum einem Zeitpunkt weiß man, warum und wieso man welche machen sollte oder ob das alles nicht völlig egal ist. Die Nebengigs sind von der Qualität her ein ziemlicher Pralinenkasten. Ignoriert man den üblichen Open-World-Füllstoff, also die dummen Fetchquests, Autorennen und Faustkampfturniere, bleiben größtenteils nur Baukastenmissionen (gehe zu Punkt A und hau alle um) übrig.

Dabei gibt es durchaus drei, vier schön geschriebenen Nebenquestketten mit gelungenen Charakteren. Die sind aber oft so schludrig inszeniert, das sie antiklimaktisch enden. So zum Beispiel die Questkette um einen Polizisten, der Hilfe bei einem Serienmörder braucht. Der liegt im Koma, aber die entführten Opfer sind noch irgendwo in der Stadt und haben nicht mehr lange Zeit. V. muss in die Gedankenwelt des Killers einsteigen und herausfinden, wo er die Menschen verssteckt hat. Was superspannend geschrieben ist und in ein „The Cell“-Szenario führen könnte, verpufft hier einfach. Man untersucht eine Akte, fährt zu einem Ort und drückt einen Knopf – das war´s. Die durchgehende Egoperspektive verhindert, dass Zwischensequenzen filmisch inszeniert werden könnten – damit verschenkt Cyberpunk so viel.

Dieses verschenkte Potential aufgrund irriger Designentscheidungen ist überall zu spüren. So ist die Atmosphäre und Architektur von Night City und die grafische Erscheinung des Megasprawls faszinierend gut geworden. Irre Gebäude, Neonlichter… Das sieht toll aus, wirkt aufgrund des spärlichen Straßenverkehrs und weniger NPCS (die Engine!) aber auch oft leblos. Die Schwächen bei Technik, Story und Inszenierung arbeiten aber gegen die Atmosphäre, und das Spieldesign versteckt auch noch viele Möglichkeiten und Einzigartigkeiten vor einem.

Ich hatte am Ende aber doch Spaß an dem Game. Ich habe einfach alles ignoriert was ich nicht verstanden habe (wozu neben dem Crafting auch das Perksystem gehört, also vermutlich den ganzen Rollenspielanteil) und habe mich einfach über Hirn-aus-Simpelmissionen in der tollen Stadt und Missionen mit den wenigen Charakteren gefreut, die gut geschrieben sind. Auch die verschiedenen Enden sind allesamt berührend, kommen aber etwas abrupt und willkürlich um die Ecke.

„Cyberpunk 2077“ ist also kein dampfender Haufen, aber es ist auch kein supertolles Spiel. Abseits der netten Grafikassets ist sehr viel irreparabel verkehrt designt, technisch schlecht umgesetzt und die Narration erreicht an keinem Punkt „Witcher“-Niveau. An der Erwartungshaltung und den Versprechen im Vorfeld gemessen, ist es entäuschendste Spiel der letzten Jahre. Nach genügend Zeit in dieser Ruine findet sich dann aber doch eine gewissen Faszination des Morbiden – vielleicht das ist ja auch fast Punk.

The Kaito Files [PS5, 2022]
Tokio: Kaito Masaharu ist ein Ex-Yakuza und der Sidekick von Privatdetektiv Yagami. Als der aus der Stadt ist, wird ein neuer Klient bei Kaito vorstellig. Er soll eine Frau suchen, die eigentlich schon seit Jahren tot sein sollte. Zufällig ist diese Frau früher einmal Kaitos große Liebe gewesen.

Schöner DLC zu „Lost Judgment“. Keine Nebenaufgaben, kein Füllstoff, nur gut geschriebene und sehr spannende Thrillerstory. Deshalb schon nach rund 8 Stunden vorbei, aber da es in denen keiner Hänger und keinen Grind gibt, ist das mehr als verzeihlich. Ist im Season Pass zu Lost Judgment enthalten, auch wenn Sony Deutschland auch nach mehrfachem Hinweis zu dumm ist das auf die Website zu schreiben.


Machen:

ADAC-Training in Gründau,
Mastodon ausprobieren.


Neues Spielzeug:

Neue Tourenkombi. FLM Touren Leder-/Textil 4.0, der Nach-Nach-Nachfolger meiner Mohawk von 2012. Wieder Cordura/Ledermix mit Sympatex-Membran, Protektoren sind gegen bessere ausgetauscht.

Ist ordentlich verarbeitet, lediglich die Anordnung der Innentasche und die Reißverschlüsse an den Ärmeln sind Banane. Qualitativ gibt es deutlich besseres, aber diese Kombi passt mir perfekt, und darauf – und die schnelle Verfügbarkeit – kam es jetzt an. Ich kann gar nicht sagen, wie froh und glücklich ich bin, die Matata von Held endlich wegpacken zu können und stattdessen wieder eine Hose zu tragen, die mir nicht nach dem dritten Schritt vom Hintern rutscht (eine Nummer kleiner schnürte bei de Held dagegen die Extremitäten ab). Irgendwann mache ich mich dran mal eine gute Revvit Kombi zu finden, aber dieses Jahr habe ich von Hosenanprobieren die Nase voll.

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Momentaufnahme: März 2022

Herr Silencer im März 2022

Schock des Monats: Krieg in Europa?!

Wetter: Nachts stets bitterkalt bei bis zu -4 Grad, tagsüber strahlender Sonnenschein bei 10 bis 18 Grad. Den ganzen Monat keinen Tropfen Regen, die Dürre im Boden steigt wieder an.


Lesen:

Alan Moore, Melinda Gebbie: Lost Girls [Graphic Novel, 1992]
Zu Beginn des ersten Weltkriegs sitzen die Gäste eines Luxus-Hotel in Österreich fest. Darunter drei Frauen: Eine ältere Dame, eine Amerikanerin und eine Hausfrau aus London. Sie lernen sich kennen, freunden sich an, beginnen eine Art von Beziehung und erzählen sich zum Zeitvertreib ihre sexuellen Geheimnisse.

So wurde die ältere Dame in ihrer Jugend von einem kaninchenhaft nervösen Mann betäubt und missbraucht und fühlt sich seitdem, als sei ihr wahres Ich in einem Land hinter den Spiegeln gefangen. Die Amerikanerin hat ihre erste sexuelle Erfahrung als einen Tornado der Lust in Erinnerung. Und die Londonerin beschreibt, wie ein Unbekannter ihr und ihren Brüdern zu einem Erlebnis verhalf, das sich anfühlte, als würden sie fliegen können.

Alan Moore ist verrückt wie ein Sack Katzen, aber er ist auch der Großmeister der Graphic Novels. Aus seiner Feder stammen u.a. die „Watchmen“, „V for Vendetta“ oder das schwer erträgliche „From Hell“. Das er in dieser Geschichte ausgerechnet Alice (die mit dem Wunderland), Dorothy (aus dem „Zauberer von Oz“) und Wendy (aus „Peter Pan“) als gealterte Frauen aufeinandertreffen lässt und ihnen eine erotische Beziehung andichtet, ist einer seiner besonders absurden Einfälle.

Die Geschichte der Beziehung der drei Frauen ist voller Wendungen und schockierender Enthüllungen, die oft von den Protagonistinnen so banal nebenbei erzählt werden, dass dadurch die Schwere ihrer Traumata deutlich zu Tage tritt. Das ist große Erzählkunst.

Die Zeichnungen von Melinda Gebbie tun das ihrige, um die Geschichte der „Lost Girls“ zu etwas Besonderem zu machen. Sie variieren stark, je nach Erzählerin, Perspektive und Thema wechselt der Stil zwischen naturalistischen Bleistiftzeichnungen oder ineinander verlaufenden Aquarellen. Der Fantasie wird dabei wenig überlassen; die Geschichte ist ein gezeichneter Porno, der zum Ende in stete Orgien abgleitet und kaum eine Spielart menschlicher Sexualität auslässt.

Das Buch selbst ist eine Freude: Extrem schweres Papier, Prägungen und perfekte Farben überall. Man hat das Gefühl, einen Schatz in Händen zu halten.

Christie Golden: Assassins Creed Heresy [2016]
Abstergo-Forscher springt in die genetischen Erinnerungen eines seiner Vorfahren und begleitet Jeanne d´Arc. Die hatte nicht nur einen erstaunlichen Count an Precursor-DNA, sondern kam im Laufe ihre kurzen Lebens auch mit einem Isu-Schwert in Kontakt, auf das die Templer der Gegenwart scharf sind.

Die Zusammenfassung klingt verwirrend? Das Buch steigt aber genau so ein. Viel erklärt wird hier nichts, und wer die umfangreiche Lore von „Assassins Creed“ nicht zumindest in Grundzügen kennt, versteht hier nur Bahnhof. Wer das „Creed“-Universum aber kennt und mag, schätzt den raschen Einstieg. Das Buch macht aus seiner Prämisse, das die historische Figur Jeanne d´Arc deshalb so rätselhaft war, weil sie unter Precursor-Einfluss stand, einen ordentlichen Bogen auf und füllt Lücken und Fragezeichen in der echten Geschichte mit Assassins Creed-Erzählungen.

Trotz der guten Idee: Erzählerisch ist dieses kleine Buch keine Leistung. Die historische Geschichte ist farblos hingemeiert, die Gegenwartsstory bemüht und krampfig erzählt, alle Figuren völlig beliebig. Immerhin habe ich etwas über das Leben der seltsamen Jungfrau von Orleans gelernt.


Hören:


Sehen:

Bild: Arte

Diener des Volkes [Arte Mediathek]
In der Ukraine: Der kleine Gymnasiallehrer Wolodymyr Selenskyj denkt er sei allein, als er seine Wut über „die da oben“ herausbrüllt und mit Leib und Seele darüber schimpft, dass es ja völlig egal ist, wenn man zum Präsidenten wählt – „die“ seien ja doch alle gleich und plünderten die Menschen der Ukraine hemmungslos aus.

Der leidenschaftliche Ausbruch wird von einem Schüler gefilmt, das Video geht Viral, und durch eine Reihe von Zufällen wird Slenskyj zum Präsidenten der Ukraine gewählt. Dort rutscht er schnell in die Maschinerie von „denen“, die ihn zu einem der ihren machen wollen. Während er sich dagegen noch wehrt und von Demokratie, Freiheit und Europa träumt, genießt seine Familie, das sie mit Aufmerksamkeit und Geschenken überhäuft wird.

Sehr unterhaltsam, diese Geschichte über den kleinen Mann, der über Nacht zum Präsidenten wird und dann in die Mühlen von Oligarchen und „Beratern“ gerät. Ständig am Rand der Überforderung träumt sich der Geschichtslehrer Hilfe historischer Figuren herbei. Das ist schon wirklich lustig, wenn er dann – befeuert von Che Guevara – das gesamte Kabinett als Bande von Dieben zusammenzuschreit, oder wenn er von Plato bedauert wird, das er an Demokratie glaubt. Und das, während seine Familie den neuen Status genießt und sein Vater sich gegen das Versprechen von Gefallen die schäbige Plattenbauwohnung zu einem „Versailles“ umbauen lässt.

Historischen Wert hat sie Serie ja schon deshalb, weil der echte Selenskyj auf dieser Basis wirklich unvermittelt Präsident wurde. Sie bietet aber auch anhand vieler Kleinigkeiten Einblicke in das Leben und die Denke der Ukraine vor dem Krieg, vom Alltag bis zum Verhältnis zu Belarus („Herr Präsident, das ist nur Lukaschenka, wegen dem müssen sie sich nicht erheben“). Aus heutiger Sicht guckt man die ganze Zeit mit einem weinenden und einem bewunderndem Auge.

23 Folgen OMU in der Arte Mediathek

The King´s Man [BluRay]
Um die Jahrhundertwende: Ralph Fiennes ist der Duke of Oxford. Der Pazifist und Philanthrop muss miterleben, wie seine Frau im Jahr 1902 in den Burenkriegen stirbt, dann kommt auch noch sein sein Sohn in den Schützengräben des ersten Weltkriegs um. Durch Zufall stösst Fiennes darauf, das ein mysteriöser Unbekannter europäische Staatsoberhäupter mittels sinistrer Charaktere wie Rasputin, Mata Hari oder Eric Jan Hanussen manipuliert. Diese Ereignisse führen zur Gründung eines unabhängigen Nachrichtendienstes: Kings Man.

Ich mag ja fiktionale Stories, die sich im Schatten realer Ereignisse abspielen. Das war es, was ich an „Assassins Creed“ faszinierend fand, bevor die Serie den Bach runterging.

Das nun die Form der „Alternate History“ genutzt wird um ein Prequel zu den von mir heiß geliebten „Kings Man“-Filmen zu machen, fand ich daher grundsympathisch – und war zunächst doch enttäuscht, wie übrigens auch die Kritiker und ein guter Teil des Publikums.

Das liegt zum guten Teil daran, dass die Vorgängerfilme, besonders „Golden Circle“, völlig überdrehte und fantastische Spionage-Comedy-Action-Derivate um einen Club außergewöhnlicher Gentlemen waren. Das Prequel „The King´s Man“ verbreitet nun dagegen erst einmal die graue Aura von staatstragendem Ernst und bleierner Trauer. Ralph Fiennes gibt sich erkennbar Mühe die Traumata seiner Figur deutlich zu machen, und Krieg und Tod des ersten Weltkriegs taugen als Hintergrund für eine Geschichte nun mal nicht für gute Laune.

Gelegentlich gibt es campy Elemente, wie die Infografik für Dreijährige, die die komplexen Hintergründe europäischer Politik auf vier Pfeile und drei Figuren reduziert, oder dass die rivalisierenden Charaktere Kaiser Wilhelm II, Zar Nikolai und King George V alle vom selben Darsteller gespielt werden. Dieser Unfug ist aber fehl am Platz und bringt den Film tonal ins Schlingern, zumal er nie in Richtung Komödie abbiegt. Auch große Actionsequenzen sucht man hier vergebens – und das ist genau, was die Erwartungshaltung der Fans bricht.

Aber: Der Film hat etwas ganz Eigenes, stelle ich nach dem zweiten Ansehen fest. Das hier ist kein schlichter Popcorn-Blockbuster, sondern die Geschichten von einzelnen Personen und ihren Motivationen. Die sind sorgfältigst geschrieben und hergeleitet, wie überhaupt die ganze Story mit großer Kunstfertigkeit gebaut wurde und viele, kleine Überraschungen bietet – das fängt bei einem völlig lautlosen Faustkampf im Niemandsland der Westfront an, führt über den Charakterbogen einer Ziege(!) und endet bei der Tatsache, dass hinter der „Kings Man Agency“ eigentlich eine Frau steht.

Die Motivationen des Duke of Oxford und seine Entwicklung sind sorgfältig herausgearbeitet, und alle Handlungen und Ereignisse passieren nicht einfach so, sondern sind immer begründet und haben Folgen (die Ziege!).

Die Besetzung ist erstklassig, bis in die Nebenrollen hinein. Gemma Arterton als Koordinatorin, Charles Dance als alter General und Daniel Brühl als Hanussen sind schon super, aber Rhys Ifans (Spike aus „Notting Hill“) deklassiert alle anderen, hat er doch als dämonischer Rasputin, der Gegner in Grund und Boden tanzt(!) sichtbar Spaß an der Rolle.

Blass bleibt lediglich der Antagonist. Mir gefällt die Idee, dass ein dunkler Strippenzieher für die tatsächlich manchmal unglaublichen Entwicklungen im ersten Weltkrieg verantwortlich sein soll, aber genau dieser Charakter ist klischeehaft gezeichnet und funktioniert nicht gut. Das ist schade, denn dadurch werden auch die Heldenfiguren in Mitleidenschaft gezogen.

Was bleibt? Nun, „The King´s Man“ ist ein sehr guter Film mit hervorragenden Schauspielern und einer tollen Geschichte. Für sich allein leidet er lediglich unter tonalen Inkonsistenzen und einem schwachen Antagonisten. Als Prequel kann er aber die Hypothek der Reihe nicht einlösen. Das tut dann evtl. ein echter „Kings Man 3“.

Jojo Rabbit [Netflix]
Kleiner Junge ist begeisterter Nationalsozialist und hat Hitler als imaginären Freund.

Unerträglicher Quatsch, prätentiöse Taika Waikiki Selbstdarstellung, völlig überdreht und dem Thema völlig angemessen, nach 20 Minuten ausgemacht. Dann auf Twitter überredet worden doch weiter zu schauen. Stellt sich raus: Scarlett Johannson. Aber der Rest bleibt trotzdem unerträglich überdrehter Müll, stellenweise „Hitler – Das Musical“. Schlimm.


Spielen:

Horizon: Forbidden West [PS5]
Unsere Zivilsation ist vor 1.000 Jahren untergegangen. Jetzt leben die Menschen in steinzeitlichen Stämmen, beschützt von tierähnlichen Maschinen. Die werden eines Tages aggressiv und wenden sich gegen die Menschen. Schlüsselfigur gegen diese Bedrohung ist Aloy, eine junge Jägerin vom Stamm der Nora. Stück für Stück entdeckte sie, was in der Vergangenheit mit der Welt passierte und wer sie selbst eigentlich ist.

Soweit die Zusammenfassung von „Horizon: Zero Dawn“, dem 2017 erschienenen Vorgänger, dessen Story ich für eine der besten SciFi-Geschichten halte, die je geschrieben wurden.

Der Nachfolger „Forbidden West“ schließt nun direkt an die Ereignisse von „Zero Dawn“ an: Das Terraformingsystem der Erde spielt verrückt, Unwetter und Hungersnöte sind die Folge. Aloy macht sich auf, um den Grund dafür herauszufinden und zu ergründen, warum die Maschinen im ersten Teil überhaupt aggressiv wurden.

Natürlich kann Teil 2 nicht auf die gleiche Weise wie „Zero Dawn“ funktionieren. Viel der Faszination von Teil 1 kam durch den Wissensunterschied und die unterschiedlichen Intentionen von Spielfigur und Spieler: Aloy wollte nur wissen wer sie ist und woher sie kommt, als Spieler wollte man wissen warum die Erde untergegangen ist und wieso Roboterdinosaurier(!) auf ihr unterwegs sind. Das führte zu charmanten Situationen, etwa wenn Aloy sich freute wenn sie ein „Armband der Vorfahren“ fand oder „ein Windspiel der Altvorderen“ und man als Spieler wusste: Das ist eine Casio-Uhr und ein Schlüsselbund, was sie da gerade ausgebuddelt hatte. Trotzdem fand man am Ende gemeinsam raus, warum unsere Zivilisation unterging. Dieser erzählerische Kniff lässt sich nicht beliebig wiederholen.

Dennoch geben sich die Autoren große Mühe, auch in „Forbidden West“ zu überraschen – und meine Güte, das gelingt ihnen! Sicher, mittlerweile weiß man um die Geheimnisse von Projekt Zero Dawn und kennt Aloy, aber dennoch blieb mir beim Spielen der Hauptstory mehr als einmal der Mund offen stehen.

Das hier ist die ganz, ganz hohe Kunst guten Geschichtenerzählens. Alles wird gut vorbereitet, ergibt im Kontext der Welt Sinn und hat eine ordentliche Auflösung. Dazu macht die Heldin eine ganz eigene Entwicklung durch: Trägt sie zu Beginn noch die Last der Welt auf ihren Schultern, begreift sie im Verlauf, dass andere Menschen durchaus wichtig sein können.

Neben der tollen Hauptgeschichte gibt es wieder jede Menge Nebenmissionen, die mal dramatisch und mal herzbrechend sind, vor allen aber sind sie gut geschrieben. Die Nebenmissionen von „Forbidden West“ sind kein generischer Einheitsquatsch aus dem Baukasten, wie in „Assassins Creed“ und anderen Open Worlds seit Jahren üblich, das hier sind echte Kurzgeschichten, die toll vertont und geschauspielert sind und die vor allem einen Einfluss auf die Hauptgeschichte und Personen haben.

Dazu kommt die technische Umsetzung. Die Welt ist wunderschön und detailreich, und die Gesichter der wirklich guten Schauspielern (U.a. Carrie Anne „Trinity“ Moss, Angela Bassett oder Lance Reddick) sind fotorealistisch. Das wirkt alles lebendig, und weil auch die Charaktere bis in die Nebenrollen hinein gut geschrieben sind, ist „Forbidden West“ wieder eine herausragende Erfahrung.

Gameplaytechnisch hat das Amsterdamer Studio Guerilla Games überall noch etwas draufgesattelt, was aber nicht an jeder Stelle gut ist. Zwar funktioniert das Klettersystem jetzt besser, aber Dinge wie Fallenstellen und Tränke brauen sind jetzt völlig überladen. Es gib so dermaßen viele Optionen, dass man sich immer wieder in den Menus verfuddelt. Alle Optionen nutzen kann man eh nicht, man muss sich hier wirklich heraussuchen, was zum eigenen Spielstil passt. Das schlanke System des Vorgängers hat mir da besser gefallen.

Ist aber Jammern auf höchstem Niveau, „Horizon: Forbidden West“ lässt sich trotzdem gut spielen, hat eine Hammergeschichte und ist dazu noch eines der schönsten Games für die aktuelle und letzte Konsolengeneration.
Wer storygetriebene Actionadventures mag, findet hier eines der besten die es bislang gab.


Machen:

Moppedsaisonstart 2022


Neues Spielzeug:

Ein Schnappdreieck.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 4 Kommentare

Momentaufnahme: Februar 2022

Herr Silencer im Februar 2022

Worte des Monats:

Wetter: Monatsanfang um den Gefrierpunkt und Dauerbedeckt, Monatsmitte um die 7 Grad und einige Tage Sonne, Monatsende noch einmal Frost mit Minustemperaturen um die -4.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

The Book of Boba Fett [2022, Disney+]
Boba Fett klettert aus dem Sarlacc und beschließt, er müsste jetzt mal der neue Verbrecherboss von Tatooine werden. Er heuert die Bande von Griff Tannen aus „Zurück in die Zukunft 2“ an und beleidigt Fischköppe. Es folgt: Ein ebenso absurdes wie langweiliges auf-der-Stelle-treten.

Argh, was war das denn? Da fällt Boba Fett als knallharter, wortkarger Kopfgeldjäger 1983 in die Grube des Sarlacc, und als er 2021 wieder daraus emporkrabbelt, ist er ein 60jähriger Opa mit Harmoniebedürfnis, der die Bevölkerung von Tatooine als Jabba-Nachfolger schützen will? Hä?

Seltsame Rückblenden, eine ziellos mäandernde Geschichte und Figuren, bei denen zu keiner Zeit die Motivation klar ist, machen „Book of Fett“ leider zu einer handwerklich schlechten Serie. Dazu kommen teils wirklich nicht gute Schauspieler, und das sich von den sieben Folgen zwischendurch auch noch zwei mit was ganz anderem beschäftigen legt den Witz nahe, dass selbst die Serienmacher keinen Bock auf dem Boba Fett sein Buch hatten.

Sehr seltsam, dass von den Schöpfern eines solchen Knallers wie „Mandalorian“ so ein Totalausfall kommt.

Ghostbusters: Afterlife [2021, BluRay]
Alleinerziehende Mutter zieht mit ihren Kindern auf´s Land, auf die heruntergekommene Farm des lang verschwundenen und jüngst verstorbenen Vaters. Schnell wird den Kids klar, das im gottverlassenen mittleren Westen irgend etwas nicht stimmt, und Opa absichtlich hier her gezogen ist, weil er 1984 ein Geisterjäger war und hier ein Epizentrum des Übersinnlichen liegt.

Oh wow! „Afterlife“ ist eine direkte Fortsetzung der Ghostbusterfilme aus den 80ern, und eine ganz wunderbare noch dazu. Im Kern ist das hier „Goonies meets Ghostbusters“ sowie die Geschichte von Egon Spengler. Der Figur des zwischenzeitlich verstorbenen Harold Ramis, an den dieser Film eine großartige Hommage ist. Was Jason Reitmann, der Sohn des gerade verstorbenen Ivan Reitmann, hier gemacht hat, funktioniert für eine neue Generation Zuschauer, zupft aber auch den Nostalgienerven der Altfans.

Super gemacht, und die Ereignisse der Filme von ´84 und ´89 sowie des dritten Teils (das Spiel von 2010!) passen genau zu dieser tollen Übergabe des Staffelstabs an eine junge Generation. Die ist übrigens so toll besetzt, dass ich gerne mehr von denen sehen würde.


Spielen:

Warten auf Aloy, deshalb zwischendurch erstmal ein paar kurze Remaster und eine angespielte Altlast:

Alan Wake Remastered [PS5, 2010, 2021]
Alan Wake ist ein Bestsellerschriftsteller und nach Veröffentlichung seines letzten Buchs kreativ völlig am Ende. Um den Kopf frei zu bekommen, fährt er mit seiner Frau nach Twin Peaks. Hier verschwindet das Ehegespons, es passieren Dinge, und am Ende stolpert Wake immer wieder Nachts durch dunkle Wälder.

„Alan Wake“ ist ein spielbarer Stephen-King-Roman im Twin-Peaks Setting – so kann man das Spiel vielleicht am einfachsten beschreiben. Der Ort der Handlung und die skurrilen Charaktere erinnern an jeder Ecke an die alte David-Lynch-Serie.

Das alles passt perfekt zu einer verwickelten und sehr dramatischen Geschichte, die hier in Episodenform erzählt wird. Wie bei einer Fernsehserie gibt es Unterbrechungen und Rückblicke. Diese Unterbrechungen passen perfekt auf die einzelnen Storybeats, wobei die einzelnen Episoden auch in sich ein sehr gutes Pacing mitbringen. Ruhige Dialog- und Erkundungsphasen wechseln sich ab mit Actionpassagen, in denen Alan Wake durch finstere Wälder stolpert und mit einer Taschenlampe die Dunkelheit bekämpft.

Licht als Waffe einzusetzen ist originell und funktioniert meist sehr gut, weniger gelungen ist die Steuerung, die etwas indirekt und schwammig ist. Die Hauptfigur ist so unsportlich, dass sie mehr stolpert als läuft, nicht mehr als 20 Metern sprinten und nicht mehr als zwei Mal ausweichen kann. Neben diesen (gamedesigntechnisch gewollten) Restriktionen gibt es auch Limitationen bei der Spielengine, die Animationen nicht unterbrechen kann. So stirbt Alan Wake ein ums andere Mal, weil ihn während der langen „ich hebe einen Gegenstand auf“-Animation die Dunkelheit von hinten erwischt.

„Alan Wake“ ist gameplaytechnisch kein Meisterwerk, nie gewesen. Den Status des Klassikers hat sich das Game auf der vorletzten Konsolengeneration erworben, weil es ein atmosphärischer Hammer ist. Wenn Wake im Licht des Mondes seinen Weg durch die nebelverhangenen Wälder sucht, dazu düstere Bässe und unheilvolle Geigen aufspielen – dann stellen sich einem die Nackenhaare auf.

Das Remaster, das es nun für PS4/5 und die diversen Xboxen gibt, bringt neben allen DLCs auch hohe Auflösungen, bessere Texturen und neue Effekte mit, die „Alan Wake“ auf ein zeitgemäßes Niveau hieven. Lediglich bei den groben Gesichtsanimationen und der Charakterbeleuchtung merkt man, dass man es hier mit einem XBOX360-Game zu tun hat.

Ist aber egal: „Alan Wake“ ist ein Meilenstein der Spielegeschichte und ein Lehrstück, wie Geschichten im Medium Videospiele erzählt werden können, das sollte jede halbwegs interessierte Gamerin mal gesehen haben.

Alan Wake´s American Nightmare [XBOX 360]
Nach den Ereignissen des Hauptspiels wacht Alan Wake in einer Episode der TV-Serie „Twilight Zone“ auf. Schnell wird klar, das er immer noch in der Gewalt der dunklen Entität ist und nur ausbrechen kann, wenn er die Handlung der Folge zu Ende führen kann. Das ist aber gar nicht so einfach, denn stets kurz vor dem Ende wird die Handlung wieder an den Anfang zurück geskippt.

Kleine Weiterführung der Alan Wake-Reihe. Sollte wohl mal ein zweiter Teil werden, wurde dann aber zu Gunsten des nächsten Projekts beim Publisher eingestellt und die fertigen drei Levels durch den Kniff mit den Zeitschleifen zu einem eigenen Spiel hochgepumpt. Immer wieder die gleichen Szenen zu spielen nervt erstaunlich wenig, zumal sich Wake und die anderen Figuren den Wiederholungnen bewusst sind und versuchen, durch Variationen den Ausgang zu ändern. Da zudem nach knappen fünf Stunden alles vorbei ist, kann man das mal mitnehmen. Ist sogar im Microsoft Gamepass kostenlos enthalten.

Uncharted: A Thieves End [Remaster PS5 2016, 2021]
Wo sind eigentlich all die Piraten hin, als das goldene Zeitalter der Freibeuter endete? Die Geschichte lehrt uns, dass sie alle gejagt und letztlich gefangen und getötet wurden. Aber was, wenn die großen Piratenkapitäne ihren Tod nur vorgetäuscht und sich in Wahrheit gemeinsam und mit ihren Schätzen in einen versteckten Winkel der Welt zurückgezogen hätten? Nathan Drake und Victor Sullivan gehen der Sache nach.

Aaaaah, Uncharted 4.
Das perfekte Action-Adventure. Man stelle sich seinen Lieblingsabenteuerfilm vor, addiere das Lieblingsadventure dazu und nehme das mal zwei.

„A Thieves End“ ist so unfassbar gut geschrieben und umgesetzt, dass mir jedes Mal die Worte fehlen. Hier herrscht kein Leerlauf, die Charaktere fühlen sich wie echte Menschen an, alles strotzt vor Cleverness. Das zeigt sich besonders im environmental storytelling; die Umgebung selbst erzählt eine Geschichte, und es ist toll sich daraus zusammen zu reimen, was hier passiert ist.

So liebe ich bspw. die Szene, in der Drake das Bild eines Piratenkapitäns findet, dessen Flagge – einen Affen – er nicht erkennt (s.o.) – das ist natürlich eine Hommage an „Monkey Island“, und allein die IDEE, das Uncharted hier die Geschichte von Guybrush Threepwood zu Ende erzählt, der es am Ende wirklich geschafft hat ein mächtiger Pirat zu werden, lässt mein kleines Nerdherz vor Freude hüpfen.

Das Remaster für die Current Gen Konsole sieht genauso aus wie die PS4-Fassung, läuft aber flüssiger und bringt die Konsole vor lauter Grafikpracht nicht zum Glühen. Besitzer der PS4-Fassung von „Thieves End“ oder „Lost Legacy“ bekommen die „Legacy of Thieves“-Edition für die PS5 für 10 Euro.

Uncharted: The Lost Legacy [Remaster PS5 2017, 2021]
Chloe Frazer ist eine Diebin, und jetzt hat sie sich entschieden etwas sehr Wertvolles zu stehlen: Den Stoßzahn der indischen Gottheit Ganesha. Hinter der Reliquie ist auch eine indischer Nationalist her, und dooferweise hat der eine Armee im Gepäck. Zum Glück ist Chloe bei der Schnitzeljagd durch indische Großstädte und den Dschungel nicht allein: Sie hat die Söldnerin Nadine Ross engagiert. Das Muskelpaket, das zuletzt den Drake-Brüdern ordentlich einheizte, soll der Diebin den Rücken frei halten. Das tut sie auch – bis Chloe, ganz ihrer Natur entsprechend, alle verrät.

Zuletzt 2017 gespielt, aber immer noch gut, dieser kleine Ableger der Uncharted-Reihe. In knapp 8 Stunden ist man durch die (größtenteils vorhersehbare) Geschichte durch, aber die kommt ohne Hänger daher und ist spannend. Der charismatische Widersacher, das knackige Gameplay und das unglaubliche Polish machen diesen Titel zu einem Juwel. Dem konnte auch das PS5-„Remaster“ nichts hinzufügen. Läuft jetzt wohl auf 120 FPS bei 4K, was ich nicht prüfen kann, sieht aber ansonsten genauso brillant aus wie auf der PS4.

Cyberpunk 2077 1.5 [PS5, 2022]
Als „Cyberpunk 2077“ im Dezember 2020 erschien, war es ein verbuggter, glitchiger Haufen Müll. Das erste Dutzend Patches half diesem Wrack soweit auf die Füße das es einigermaßen spielbar war, allerdings fehlten weiterhin essentielle Features, es strotze weiterhin vor Fehlern und auf den Lastgen-Konsolen bekam man Augenkrebs ob der schlechten Grafik. Zudem wurden die NPCs in der Spielewelt so zurückgefahren, das sie tot und leblos wirkte, und die PS4-Fassung stürzte alle 30 Minuten ab. Ich brach deshalb meinen Spieldurchlauf nach wenigen Stunden ab und packte das Ding zur Seite.

Nun, nach 15 Monaten, also der große Patch. Aber der macht nicht alles gut, obwohl er sich auf PC, PS5 und XBOX Series konzentriert. Ich habe nur kurz reingespielt und praktisch sofort auf der PS5 Pop-Ins (zu spät ladende und urplötzlich ins Bild springende Objekte), Clippingprobleme und verrückte Physik gefunden. NPCs laufen mit unsichtbaren Gegenständen und in seltsamen Haltungen durch die Gegend und durch Wände, die Spielwelt ist nach wie vor ziemlich leblos und die Straßen leer. Die Grafik sieht jetzt besser aus und läuft flüssig, so lange man sich nicht zu schnell bewegt.

Was nach wie vor das Grauen: Das Nutzerinterface. Das Inventar ist zugeschissen mit Tausend Funktionen und Angaben, das HUD überfrachtet mit hunderten Infos in Winzigschrift und die Bedienung ist fummelig, überfrachtet und so wenig intuitiv, dass das Spiel ohne mehrjähriges Studium und Mausbedienung kaum handhabbar ist.

Was auch immer da in Zukunft noch kommt: Man sollte die Hoffnung aufgeben, das aus Cyberpunk2077 jemals ein gutes Spiel wird. Und die Fassung für die LastGen-Konsolen sollte man gänzlich abschreiben, die laufen immer noch schlecht, und da machen CD Projekt Red keinen Handschlag mehr.


Machen:


Neues Spielzeug:
Neue Handschuhe!

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Momentaufnahme: Januar 2022

Herr Silencer im Januar 2022

Worte des Monats: Ist der Januar endlich vorbei? Bitte?

Wetter: Um Null, meistens nass. Gelegentlich Schnee, der aber nie lange liegen bleibt. Einfach nass und kalt und bah. Erst am 27.01. sehe ich um 11:30 Uhr für einen Augenblick einen Sonnenstrahl. Ehrlich, ich habe noch nie bewusst einen so langen und dunklen Januar wahrgenommen.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

Penny Dreadful [2021, BluRay]
Timothy Dalton und Eva Green treffen im viktorianischen London auf Mina Harker, Dr. Van Helsing, Dr. Frankenstein, Werwölfe, Jack the Ripper, Dorian Grey und andere seltsame Zeitgenossen. Das Green von der Dunkelheit verehrt wird und Dalton seine Tochter ausgerechnet an Dracula verloren hat, macht die Sache nicht einfacher.

„Penny Dreadful“ waren im England des 19. Jahrhunderts massenproduzierte und billige Bilderheftchen mit Gruselgeschichten. Gruselig möchte auch diese Serie sein, billig gemacht ist sie aber nicht. Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen hinein einfach nur fantastisch, aber geradezu magisch ist das Zusammenspiel aus Timothy „007“ Dalton und Eva Green. Dazu kommt der sichtbar hohe Production Value, das ist alles edel gemacht und auch so gefilmt.

Über alle 27 Folgen hat die Serie Probleme mit dem Pacing. In der zweiten Staffel verliert sie etwas ihren Fokus und tritt lange auf der Stelle, was dazu führt, dass sie sich in der finalen dritten Staffel sehr beeilen muss, um alle Handlungsfänden zusammenführen. Das wirkt etwas unzusammenhängend, kommt aber zu einem okayen Ende.

Jede der drei Staffeln der 2014er Serie besteht nur aus 9 Folgen, was sich angenehm wegschauen lässt.

Eternals [2020, Disney+]
Salma Hayek, Angelina Jolie, die Stark-Brüder aus Game of Thrones und generische Schauspieler 1 bis 8 halten sich seit x-tausend Jahren auf der Erde versteckt und werden erst aktiv, als der Planet von schlechtem CGI und hanebüchenen Drehbüchern bedroht wird.

Lassen wir mal die doofe Prämisse außer acht, hat „Eternals“ immer noch 99 Probleme, und alle davon sind hausgemacht. Der Film möchte gerne anders sein als andere Marvel-Filme und auf den Beziehungen der Charaktere zueinander aufbauen, macht sich aber nicht die Mühe, die Figuren einzuführen und Beziehungen wirklich zu etablieren. Ginge auch gar nicht, denn dafür ist der Cast viel zu groß.

Von der schieren Menge an Hintergrund, der hier erst einmal aufgebaut werden müsste, hätte ein Serienformat mit vier Staffeln besser gepasst als ein Film. Vergleicht man „Eternals“ mit dem bisherigen Marvel-Universum, ist es so, als hätte man versucht alle Filme der Phasen 1 bis 3, also vom ersten „Iron Man“-Film bis zu „Endgame“, in einen Film zu stopfen. Eternals schafft dabei ein erstaunliches Kunststück: Trotz der Menge an Erzählung ist der Film gähnend langweilig und so belanglos, dass man bereits während des Anschauens vergisst, worum es eigentlich geht.

Ist halt immer schon ein schlechtes Zeichen, wenn man nach der Hälfte des Films nicht mal die Namen der Protagonisten kennt. Im Fall von „Eternals“ hat man schon Probleme, sich deren Gesichter zu merken.


Spielen:

Scarlet Nexus [PS5, 2020]
Japanische Städte werden von Chimären aus menschlichen Körperteilen und Blumenvasen angegriffen. Ein Gruppe Psi-begabter Kids stellt sich dem entgegen. Am Ende retten alle die Welt durch das Aufsagen von Kalendersprüchen.

Action-Rollenspiel im Anime-Look, mit einer Mischung au Dialogen und Kämpfen mit Waffen und Macht-Kräften. Das macht eine zeitlang Spaß, dann wird es repetitiv und nervig.

„Ein Anwärter auf Game of the Year“ und „Eine tolle neue IP“ jubelten die Kritiker und fantasierten von „wuchtigen Kämpfen“, „tollen Charakteren“ und „epischer Story“ – und ich sitze hier vor uns frage mich, ob diese „Journalisten“ dieses Machwerk eigentlich länger als die drei Stunden, die der Publisher als Preview erlaubt hat, gespielt haben. „Scarlett Nexus“ ist nämlich ein Ausflug in die Hölle des Gamedesigns. Ab dem zweiten Level wiederholen sich die leeren Landschaften und die teils ausgesprochen hässlichen Assets, der Plot ist völlig vorhersehbar, die Charaktere sind die üblichen Abziehbildchen. Spielmechanisch sind die PSI-Fähigkeiten nett, sind aber direkt ab Start verfügbar und erfahren keine Entwicklung. Genau wie die Gegner, die allen Ernstes mitleveln, D.h. über den Spielverlauf hat man nie das Gefühl, dass die eigene Spielfigur stärker wird, sondern eher immer wirkungsloser: Hat man ein Krokodil mit Blumen als Kopf (fragen sie nicht) zu Spielbeginn noch binnen 20 Sekunden umgehauen, braucht man dazu am Ende rund 3 Minuten – sowas steht nicht nur der Power-Fantasie entgegen, sowas nervt einfach nur kolossal, zumal wenn im letzten Drittel die Gamedesigner mangels kreativer Einfälle einfach die gleichen Gegner im Dutzend auftauchen lassen.

Dazu kommen Menüstrukturen aus den 90ern, nervige und bei jeder Gelegenheit aufpoppende Dialoge sowie bis zum Ende „Tips“-Einblendungen, die einem den Bildschirm zukleistern.

Ganz schlimm ist das Pacing, das wirklich völlig kaputt ist. Zwischen Segmenten, in denen man auf „Missionen“ unterwegs ist, die auch gelegentlich mal die Story vorantrieben, macht das Spiel immer wieder eine Vollbremsung bis zum absoluten Stillstand. Dann hocken alle Charaktere in einem pottenhässlichen Appartement rum und wollen einem entweder stundenlang ein Wurstbrot ans Ohr jammern oder erwarten Geschenke, die es zu besorgen gilt.

Auch übergreifend entwickelt das Spiel keinen Flow. Satte 10 Stunden passiert faktisch nichts außer wehleidigen und ausufernden Dialogen, dann erfolgt ein Exposition-Dump, dann folgen 7 Stunden Füllmaterial, in dem die designer sich nicht mal mehr die Mühe gemacht haben Levelassets zu bauen, sondern einfach die vorhandenen wild durcheinanderschmeissen. Dann kommen Bosskämpfe – gegen immer den gleichen Boss, aber immer dreimal hintereinander, und dann ist eine Kampagne endlich vorbei – und DANN soll man den ganzen Käse nochmal von vorne spielen, mit einem anderen Charakter, um die Lücken in der wirren Geschichte zu füllen.

Nein, Danke. Einmal ist weit mehr als genug. Zumal auch die Präsentation keine Augenweide ist. Die umfangreichen Dialogszenen sind nicht mal animiert, sondern werden nur mit Standbildern unterlegt. Die Umgebungen sind aus dem Baukasten zusammengefügt und meist hässlich. Das Gegnerdesign ist interessant, aber mehr als ein Dutzend Gegnertypen gibt es halt nicht, und die werden bis zum Erbrechen recycled.

Ich konnte schon mit dem ähnlich umjubelten „Nier: Automata“ nichts anfangen, und „Scarlet Nexus“ ist eine ähnlicher Fall: Von der Kritik gehyped, aber nachweisbar und objektiv ein schlechtes Spiel, das schlicht keinen Spaß macht.

Chorus [PS5, 2020]
Der Weltraum: Nara ist Jetpilotin im Dienst von Schmugglern. Sie hat ein Geheimnis: Als PSI-Medium und war sie früher eine lebende Waffe im Dienste eines radikalen Kults, vor dem sie sich nun versteckt. Als der Kult sich anschickt Naras Schmugglerfreunde zu versklaven, macht sie sich auf die Suche – nach ihren vergessenen Kräften und nach ihrem alten Jet, einem mächtigen Schiff mit einer sehr eigenen Persönlichkeit.

Nettes AA-Spiel des Hamburger Studios Fishlab. Toll vertont, nette Grafik, Spielprinzip ist irgendwo zwischen Wing Commander und Afterburner, also arkadige Dogfights mit handlungstransportierenden Zwischensequenzen. Nara ist eine interessante Protagonistin, und das ihr Schiff eine schmerzerfüllte Fusion aus einer Maschine und einem lebenden Bewusstsein darstellt, führt zu spannenden Konflikten. Ich mag sogar die ASMR-mäßig hingehauchte Vertonung von Naras inneren Monologen, das ist ein eigenständiges und cooles Element.

Leider kommen auf jede gute Idee zwei schlechte, „Chorus“ steht sich selbst permanent auf den Füßen. Die Gamemechaniken funktionieren gut und machen Spaß, aber das Missionsdesign ist aus der Grabbelkiste der Spielesünden. Hier werden permanent Aufgaben aufgefahren, die schon zu Zeiten von Wing Commander keinen Spaß machten, und die Gamesdesigner heute aus gutem Grund nicht mehr einsetzen – Eskortmissionen etwa, oder Aufgaben unter Zeitlimit. Wenn man als Casual-Gamer auch beim Dutzendsten Versuch an solchen Missionen scheitert und das Spiel keine Möglichkeit bietet das zu umgehen, dann ist das einfach schlechtes Gamedesign.

Es gibt immer wieder tolle Ideen, die aber teils nicht berauschend oder eben mit zu hohem Schwierigkeitsgrad umgesetzt sind. Ein driftendes Schiff? Super Idee! Den Spieler mit kompliziertesten und nicht überspringbaren Driftparkours nerven, die man – mit viel Glück! – im 58. Versuch besteht – nicht super.

„Chorus“ ist tatsächlich ein Spiel, wo ich beinahe nicht über die Tutorialmissionen hinausgekommen wäre – und ich fürchte, ich werde die an sich interessante Story nicht bis zum Ende erleben, weil das Game schlicht zu schwer ist.

Sakura Wars [2020, PS4]
Steampunk-Tokio in den 1920ern: Ein junger Marineoffizier wird abkommandiert, um ein altes Theater wieder auf Vordermann zu bringen. Was niemand weiß: Wenn die Darstellerinnen der „Tokyo Combat Revue“ nicht gerade auf der Bühne stehen, verteidigen sie die Stadt in Kampfrobotern gegen Dämonen.
Hä? Was?

Völlig abgedreht: Als Hauptfigur muss man tatsächlich dafür sorgen, dass das Theater stückchenweise renoviert wird, man eine Weltmeisterschaft gewinnt, alle Protagonistinnen Vertrauen fassen und zwischendurch Monster verhauen. Das spielt sich teils wie ein Adventure, teils wie eine Dating-Sim und teils wie ein Actionspiel.

Skurril. Leider oft etwas langatmig, aber die interessanten Charaktere und die letztlich doch interessante Story in Kombination mit dem tollen Zeichentrick-Look haben mich damit viel Spaß haben lassen. Auch die Musik ist der Hammer, selten einen so tollen, orchestralen und dabei irgendwie anders klingenden Score gehört.

Bayonetta [2010, PS4]
Hauptfigur ist eine Hexe, die mit ihren Haaren Dämonen beschwört, mit Handfeuerwaffen an Händen und Füßen Jagd auf Engel macht und bei Finishingmoves nackt ist. Noch Fragen?

Bayonettas Story ist einfach völlig over-the-top bonkers. Im Kontext der Welt ergibt das alles einen Sinn, aber erstmal wirkt alles völlig verrückt. Ist aber egal, denn die Brawler Gamemechanik knallt und das Design der Charaktere ist der Hammer. Selbst beim hundertsten Mal ist es noch befriedigend, die monströsen Engelsgestalten mit Schlägen, Tritten und Waffenkombos kaputt zu hauen. „Bayonetta“ ist ein orgiastisches Vergnügen.

Spielerisch hat sich in der 2020er „Jubiläumsedition“ nichts geändert im Vergleich zum 2010er Original, lediglich die Auflösung ist zeitgemäß.

Vanquish [2007, PS4]
Böse Russen greifen die Erde an, Wissenschaftler im Raketenanzug wird auf einer Raumstation abgesetzt um mit einer Horde Marines von A nach B zu rennen.

„Vanquish“ ist auch von Platinum Games, genau wie Bayonetta, und war ein ziemlich offensichtlicher Versuch, 2008 ein eigenes „Gears of War“ mit Einsprengseln von „Halo“ auf der Playstation zu etablieren.

Story ist Banane, das Design ist so lala, aber die Shooter-Gamemechanik funktioniert ordentlich. Manches ist nett gelöst und eigenständig, wie die Bullettime-Mechanik oder der Raketenanzug, anderes seltsam, wie das grau-in-grau Design, wieder anderes einfach nur ärgerlich, wie Munitionsknappheit oder der hohe Schwierigkeitsgrad. Muss man nicht gespielt haben, mit 6 Stunden ist die Kampagne aber auch nicht lang genug um wirklich zu nerven.

Psychonauts 2 [PS5]
„Psychonauten“ sind eine Elitegruppe übersinnlich begabter Personen. Denen möchte sich der junge Razputin gerne anschließen und ist überglücklich, als Auszubildender aufgenommen zu werden. Die Freude dauert aber nicht lange, denn Raz muss unversehens die Welt retten, als alte Sünden aus ihren Anfangstagen die Psychonauten einholen.

Der erste Teil war 2005 eines der innovativsten Spiele, das ich je gespielt habe – und an dem ich kurz vor Ende gescheitert bin, weil es zu schwer war. „Psychonauts 2“ gibt sich da fairer und bringt mehrere Schwierigkeitsgrade und Hilfen mit, ansonsten ist es aber nach wie vor eine Mischung von Spiel, die es nicht geben sollte: Ein Jump-and-Run-Puzzle-Plattform-Adventure-Dings, das in Kombination völlig abgedreht ist.

Diese Abgedrehtheit macht es großartig. So kann Raz in die Gedankenwelten anderer Leute springen und dort bspw. Schlüssel für „emotional Baggage“ finden – emotionale Altlasten, verdrängte Erinnerungen. Das diese Schlüssel dann wirklich zu Koffern passen, die sich herzallerliebst freuen, wenn jemand sie öffnet, ist nur eine von vielen, tollen Ideen.

Was schön ist: Mit P2 hat Writer/Director Tim Schaefer eine Hommage an seine bisherige Arbeit abgeliefert. So tauchen Motive aus „Monkey Island“ wieder auf, aber auch der Postraum oder das Gewächshaus aus „Grim Fandango“. Mich würde schon interessieren, was Schaefer da eigentlich für Ballast mit sich rumschleppt. Zusammengefasst: Eine Wundertüte an Spiel, tolle Handlung, sehr lustig, okaye Gamemechanik.


Machen:

Schlafen.


Neues Spielzeug:

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Das war das Jahr, das war (2021)

Am Jahresende traditionell die Rückschau und eine Auswahl der besten Bilder.

Lage der Welt:
Es war das Jahr 2 der COVID-Pandemie. Es zog sich ewwwwig, war aber dennoch rasend schnell vorbei.

Was es evenfalls war: Ein Fenster mit Blick in ein seltsames Paralleluniversum, in dem Menschen gegen Wissenschaft protestieren, für das Recht auf schwere Krankheit auf die Straße gehen und sich damit im „Widerstand“ gegen eine „Diktatur“ wähnen.

Es war kein gutes Jahr für die Rechtstaatlichkeit. In Polen, Slowenien und Ungarn wird weiter die Zeit zurückgedreht bis es knackt, aber eine EU-Kommission unter von der Leyen tut nicht mehr, als nach vorne raus große Reden für die Demokratie schwingen und hintenrum nichts zu machen. Wehen Nichtstun wurde die Kommissionspräsidentin sogar verklagt.

An der Grenze zur Ukraine marschieren die Russen auf, die die Krim nie aufgeben könnten und die sich angeblich vom Beitrittswunsch des Landes zur NATO bedroht sehen – ein Szenario, das ich als Student der Politikwissenschaft so schon vor 20 Jahren gehört habe.

Die Welt überlässt Afghanistan sich selbst. China ist stark wie nie. Brasiliens Präsident freut sich, dass die Regenwälder abgeholzt werden. Griechenland brennt über Wochen. Die Gletscher in der Arktis schmelzen, Permafrostböden tauen auf. Die Welt trifft sich in Glasgow und tut so, als wolle man was tun. In Großbritannien wird langsam sichtbar, dass die Probleme des Landes nicht nur an der Pandemie liegen können. Boris Johnson tut aber alles, um davon abzulenken, dass es am Brexit liegen könnte.

In den USA erzählt Trump die „big Lie“ von der gestohlenen Wahl und lässt von seinem Faschisten-Mob das Capitol stürmen. Biden wird trotzdem Präsident, weil aber in seinen eigenen Reihen Leute gekauft sind, bekommt er trotz Mehrheit in beiden Kammern innenpolitisch keinen Fuß auf den Boden. Stattdessen bauen die Republikaner, jetzt vollständig dem Faschismus verfallen, die Wahlgesetze in den Bundesstaaten so um, dass die nächste Präsidentschaftswahl Trump gewinnen wird – egal, ob er gewählt wird oder nicht. Der hat seine Kandidatur nur deswegen noch nicht erklärt, weil er sonst keine Finanzierung von Stiftungen mehr bekommen würde, aber er wird wieder antreten. Der Countdown läuft, in drei Jahren wird die Demokratie in den USA untergehen, und danach werden wir es mit einer faschistischen Macht von nie gekannter Größe zu tun haben.


Lage der Nation:
Olaf Scholz als Kanzlerin*, wer hätte das gedacht. Eigentlich hatten alle damit gerechnet, dass die CDU mit einem inhaltsleeren „Weiter So“ die Bundeswahl gewinnen wird, aber der clowneske Armin Laschet war dann doch so deutlich erkennbar der Falsche, das ihn in seiner Hanswurstigkeit nicht mal die CDU-Wähler wollten. Die Grünen verloren im Wahlkampf zwischenzeitlich die Nerven und den Mut, während Scholz sich als Nachfolger von Mutti Merkel präsentierte und damit knapp und unverdient, aber allen Ernstes gewann.

Was die Ampel bringt, muss sich noch zeigen. Immerhin ist dort der Wille zur Veränderung zu spüren, und das ist schon mal erfrischend. Den zementierten Stillstand der Merkeljahre will auch die CDU überwinden, aber da deren Basis aus alten Männern bestehen, versucht sie das mit Rezepten und Personal aus den 1950ern und wählt folgerichtig Friedrich Merz. Der ist nun endlich am Ziel seiner feuchten Träume, allerdings ist er König eines Reichs in Schutt und Asche und damit eher Trümmerfrau als Monarch.

Schlimm ist das weitere Erstarken des Rechtsextremismus, gut ist aber, dass sich dessen gesellschaftliche Wahrnehmung in diesem Jahr geändert hat. Er wird nicht mehr ignoriert, sondern selbst die Innenminister der Länder müssen zugeben, dass wir in Deutschland ein Problem mit Rechtsextremen und Demokratiefeinden haben, und das wird thematisiert und über den Umgang damit nachgedacht. Seitdem Fackelmärsche vor Politikerhäusern stattfinden, gucken Politik und Behörden etwas genauer nach Rechts und bekommen mit, dass auch diese ganzen „Coronaproteste“ von Nazis oder zumindest Rechten orchestriert werden. Und ja, auch von der AFD. Am Schlimmsten ist es in Sachsen, und das belegen nicht nur die Wahlergebnisse dort, sondern auch die Impfquote und die Infektionsszahlen.

Pandemietechnisch war Durchwurstelei, dokumentiert im Corona-Tagebuch hier im Blog. Erst kein Impfstoff, ab Februar dann nur die Alten, erst im Sommer dann keine Priorisierung mehr aber auch dann zu wenig Impfstoff. Im Spätsommer und Herbst ließ man dann alle Vorsicht fahren, weil: Wahlkampf. Dazu kommen Querdenker und faule Säcke, die sich auch nicht impfen lassen. Das rächt sich in einer vierten Welle mit Delta, und dahinter türmt sich eine Wand auf: Die Omikron-Variante wird im November entdeckt, ist noch viel ansteckender und umgeht die Impfung. Beschissene Aussichten. Immerhin: Mit den Schreihälsen und Demokratiefeinden geht dem Rest der Welt nach 20 Monaten Pandemie langsam die Geduld aus, die Erkenntnis, das Impfverweigerer dumme und unsolidiarische Kackbratzen sind, setzt sich durch.

*) Ich bin dagegen Berufe zu gendern, nur weil Männer zunehmend Frauenberufe ergreifen.


Ich Ich Ich
Beruflich weniger Stress als zuvor, aber mehr ging auch nachweislich nicht. Ich habe weiterhin meinen Wohnort für mich entdeckt und die Schönheit, die dem Dorfleben inne wohnt. Vom umglaublichen Schneefall im Februar über einen wirklich schönen Frühling bis hin zum Sommer auf dem Balkon: Die Pandemie ist für mich auch die Zeit, in der ich mit wirklich regelmäßigen Spaziergängen unterwegs war und bewusst wargenommen habe, wie schön ich eigentlich hier wohne. Dass dann zwischen den Pandemiewellen eine vierwöchige Moppedtour möglich war, war natürlich auch schön.

In der Summe ist der Großteil des Jahrs aber ziemlich ohne Highlights einfach so durchgerauscht, und ich bin immer wieder erstaunt, dass es schon vorbei ist.


Und sonst noch?

Wort des Jahres: Geboostert.

Zugenommen oder abgenommen? Beides.

Die teuerste Anschaffung? Ein PS5-Bundle. Aber Nachfrage bestimmt den Preis, und das Ding ist sonst praktisch nicht zu bekommen.

Mehr bewegt oder weniger? Mehr. Ich tobe jetzt regelmäßig durch die Feldmark.

Die hirnrissigste Unternehmung? „Ich fahre ein mal um den Pilion herum, wie lang kann das schon dauern“

Ort des Jahres? Mein Wohnort.

Zufallspromi des Jahres: Eva Green. Warum auch immer, die begegnet mir neuerdings ständig in Filmen und Serien, und ales was sie macht, ist toll.

Nervende Person des Jahres: Klaus Brinkbäumer. Hört sich soooo gerne selbst reden, sprechen, parlieren. Schweift ständig ab, nimmt Umwege, macht Einschübe, schulmeistert, maßregelt und belehrt seine Co-Host im Podcast „OK, America?“, beginnt nahezu jeden Satz und jede Erklärung, auch über Personen und Ereignisse mit „ich“ und seinen Befindlichkeiten oder Schwänken aus seinem Leben, bildet endlose Bandwurmsätze und, um richtig schlau zu wirken, gibt zu Schlüsselwörtern immer drei Synome, Bedeutungen, alternative Ausdrücke an. Da jemand wie Klaus Brinbäumer so eitel, selbstverliebt, narzisstisch ist „Klaus Brinkbäumer“ zu googeln und das hier vielleicht liest: DAS ÄRGERT, FÜHRT ZU ÜBERDRUSS, NERVT.

Das seltsamste Essen? Pizza „Sea Horse“ in Volos.

2021 zum ersten Mal getan? Restaurationsvideos geguckt.

2021 das erste mal seit langer Zeit wieder getan? Richtig viel Schnee geschippt.

Gesundheit? Geht so. Herzklabastern und Magenprobleme, kaum noch Muskeln – Bewegung tut Not.

Ein Ding, auf das ich gut hätte verzichten mögen? Krankheit und Sterbefälle im Bekanntenkreis.

Gereist? Ja, Motorradtour nach Griechenland.

Film des Jahres: „The Hunt“ ist brutal, politisch und gesellschaftskritisch nach links wie rechts und hat mich sehr überrascht.

Theaterstück des Jahres: Entfällt

Musical des Jahres: Entfällt

Spiel des Jahres: „Days Gone“. Das ist schon älter, habe ich aber in 2021 erst gespielt. Eines der Top-3-Spiele für die PS4, bringt die zweitschönste Spielwelt mit. Das „Einsamer Biker am Ende einer Pandemie“-Setting passt in die Zeit, und die starke Geschichte zieht einen schon sehr in den Bann. „Lost Judgment“ ist wieder kurzweilig und toll, Sonderpreise gehen an „Guardians of the Galaxy“ für lustige Dialoge und an „Resident Evil Village“, das mit der Lady Alcina Dimitrescu die attraktivste Vampir-MILF ever aufgefahren hat. Ansonsten gab es wenig gute Neuerscheinungen, deshalb arbeite ich mich durch japanische Games wie „13 Sentinels“ und bin erstaunt, was da für Meisterwerke zu finden sind.

Entertainment-Doku des Jahres: „Clarksons Farm“. Super dabei zuzusehen, wie Brummelkopf Jeremy Clarkson etwas über Landwirtschaft lernt.

Serie des Jahres: „Veronica Mars: Spring Break Forever“ – hätte ich ja nicht gedacht, das man Veronica Mars noch mal zeitgemäß wiederbeleben kann, aber ich freue mich, wenn ich mich in solchen Dingen irre. „Spring Break Forever“ ist das innovativste Stück Krimiserie, das ich dieses Jahr gesehen habe.

Buch des Jahres: „Hail Mary“ von Andy Weir. Wunderbare Science-Fiction in der Reinbedeutung dieses Wortes: Fantastische Fiktion, geerdet in Wissenschaft.

Ding des Jahres: Werkzeug! Ich habe mit endlich richtig gutes Werkzeug von wera und Knippex zugelegt.

Spielzeug des Jahres: Die PS5.

Enttäuschung des Jahres: Die neue Fortsetzung der „Lucifer“-Geschichte im Sandman Universe. Verquaster, schlimm gezeichneter Blödsinn. Jeder der 6 Bände hat genau EINE gute Idee, der Rest drum rum ist Quatsch, führt nirgendwo hin und ist pottenhässlich illustriert.

Unbeachtetes Event des Jahres: Die Olympischen Spiele 2020 (SIC!) in Tokyo. Ja, die waren wirklich! Und bis auf das Bild der verzweifelt ihr Pferd peitschenden Fünfkämpferin weiß davon niemand mehr etwas!

Die schönste Zeit verbracht damit…? Auf dem Motorrad durch andere Länder zu fahren.

Vorherrschendes Gefühl 2021? Es wird besser.

Erkenntnis(se) des Jahres: Wenn es schlecht läuft, stehen wir vor einem neuen Mittelalter.

In diesem Sinne: Ich wünsche einen guten Start in ein hoffentlich nur wenig schlimmes 2022.

Nekrolog:

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Momentaufnahme: Dezember 2021

Herr Silencer im Dezember 2021

Wort des Monats: Wurschtig

Wetter: Anfang des Monats bis -4 Grad in der Nacht und um die null Grad tagsüber, feucht. Monatsmitte dann wärmer, bei Temperaturen um 7 Grad, um Weihnachten rum plötzlich minus 11 und leichter Schneefall, am Jahresende Regen und sehr mild bei zweistelligen Plusgraden.


Lesen:

Matthias Harder, Philippe Garner: Helmut Newton: Legacy [2021]
„I am not an Artist, I am a Photographer“ – ein erstaunliches Selbstverständnis für einen der besten Fotografen der Welt, dessen Werke in den großen Museen hängen und der mit dem großen Bundesverdienstkreuz genauso ausgezeichnet wurde wie mit dem Französischen Titel „Commandeur de l´Ordre des Arts et des Lettres“. Genauso überraschend wie Newtons Selbstverständnis ist dieser ganze Bildband. Ich kenne ECHT viele der Arbeiten des 2004 verstorbenen Deutsch-Australiers, war schon in einigen Ausstellungen und besitze viele der Bücher über sein Werk, aber „Legacy“ hat es tatsächlich geschafft neues zu zeigen und mich zu überraschen.

Wo sich selbst der von June Newton kuratierte SUMO-Band aus dem Taschen Verlag in der Abbildung der bekanntesten Werke ergeht, gräbt das Autorenteam Harder/Garner mit „Legacy“ viel tiefer und weiter. Der Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung in Berlin enthält Modeshots aus den 50ern ebenso wie wenig bekannte Werke aus den 60ern, außerdem viele der Portraitsfotos sowie Diabögen von Bildern, die jeder kennt. Wer einmal 20 Variationen von „Sie kommen“ gesehen hat, muss das Auge noch mehr bewundern, das die letztlich veröffentlichte Version ausgewählt hat. „Legacy“ zeigt auf eine neue Art die Vielschichtigkeit eines Künstlers, der sich selbst nur als derjenige sah, der Kunst dokumentierte.

Jodi Taylor: Just One Damned Thing After Another (Chronicles of St. Mary´s Book 1) [Kindle]
Madeline Maxwell ist eine Historikerin. Sie bewirbt sich am St. Marys Institut auf eine Forschungsstelle, bekommt den Job und durchläuft ein hartes Training an Waffen, Survival und erster Hilfe, denn ihre Tätigkeiten als Historikerin sind hoch gefährlich: Ihr neuer Arbeitgeber verfügt nämlich über Möglichkeiten, Menschen in die Vergangenheit zu senden, damit die Geschichtswissenschaftler historischen Ereignissen direkt beiwohnen können.

Dies ist der Beginn einer ganzen Serie über die Abenteuer von Madeline Maxwell, und als erstes Buch muss „Just one damned thing…“ schwere Arbeit leisten: Prämisse und Setting vorstellen, Figuren einführen und dann loslegen mit Spannung und Abenteuer. Das funktioniert stellenweise mal besser, mal weniger gut. So wird eine so riesige Anzahl an Charakteren aufgefahren, dass ich immer wieder den Überblick verlor und mir eine Dramatis Personae gewünscht hätte. Ein echtes Problem hatte ich aber mit Story. Die Geschichte wirkt unzusammenhängend und hingestolpert, als sei die Autorin in Gedanken schon wo anders und erledige hier eine Pflichtübung, um die Bühne für etwas anderes zu bereiten.

Unklar auch, für welche Zielgruppe das Buch eigentlich geschrieben ist. Von der Art der Schreibe, den Situationen, den simplen Figuren und der seltsam sprunghaften Story hätte ich gesagt: Jüngeres Publikum. Als Jugendbuch taugt es dann aber auch nicht wirklich, kommt gelegentlich doch mal zügelloser Sex und Schicksalsschläge wie totgeborene Kinder vor. Nicht, dass das mehr als eine Seite lang Auswirkungen hätte.

Ich lese trotzdem den nächsten Band. Denn die Prämisse eines Zeitreiseinstituts, Eingriffe in historische Ereignisse und in der Zeit verborgene Intrigen, das sind schon coole Grundideen.

Jodi Taylor: A Symphony of Echoes (Chronicles of St. Mary´s Book 2) [Kindle]
Madeline Maxwell ist auf Zeitreise und gerät dabei erst mit Jack the Ripper aneinander, dann mit einer zeitreisenden Söldnertruppe.

Personal und Prämisse sind etabliert, das hilft. Es gibt sogar eine Dramatis Personae! Leider wird die Handlung auch in Band zwei nicht weniger sprunghaft. Brillante Ideen (Shakespearsonnette!) sind wie Streusel über einen Kuchen über die ganze Story verteilt, aber die Geschichte selbst ist dann wieder ziemlich all-over-the-place, disjointed und off-beat. Seltsam ist auch die Entwicklung bzw. nicht-Entwicklung der Hauptfigur. Die Ich-Erzählerin schildert die Story seltsam unemotional und handelt oft nicht nachvollziehbar, weil sie den Lesenden wichtige Infos vorenthält. Eine Ich-Erzählerin, die schlauer ist als die Lesenden, das ist eine ungute Kombination und sorgt für Desu-Ex-Machina-Momente am Fließband. Zudem ist der Charakter seltsam inkonsistent – als hätte die Autorin immer wieder im Kopf gehabt, wie sie sich in ihre Heldin in dieser oder jener Situation vorstellt, aber dann keine Lust gehabt eine Entwicklung in diese Richtung zu beschreiben und stattdessen einfach eine Schablone übergestülpt.
Mal gucken, vielleicht lese ich noch weiter – von der Reihe gibt es mittlerweile 10 Bände, irgendwas muss also dran sein Madeline Maxwell und ihren Zeitreisen, und vielleicht findet die Autorin in späteren Bänden ihren Stil.


Hören:


Sehen:

Don´t look up [Netflix, 2021]
Jennifer Lawrence entdeckt einen Kometen, der in sechs Monaten die Erde treffen und die Menschheit vernichten wird. Gemeinsam mit Professor Leonardo di Caprio berichtet sie umgehend der NASA davon, die macht ein Treffen mit der Präsidentin der USA aus. Erstaunlicherweise interessiert die sich aber gar nicht für diese Nachricht – weil gerade die Vorwahlen anstehen. Alle weiteren Versuche die Öffentlichkeit zu informieren werden entweder ignoriert oder führen praktisch zu einem Glaubenskrieg. Es gibt sogar Gruppen, die die Existenz des Kometen leugnen und der offensichtlichen Spur am Himmel mit einem „Ja dann guck halt nicht hoch“ begegnen.

Klimawandel kann ein einzelner Mensch kaum begreifen, einen Kometeneinschlag aber schon. In diesem Film wird der Versuch gemacht, anhand eines begreifbaren Ereignisses die Reaktion der Menschen auf den Klimawandel durchzuspielen. Das tut er mit Staraufgebot, und ausnahmslos alle großen Namen (DiCaprio, Perlman, Chalamet, Blanchett u.a.) spielen hier hervorragend. Am Besten ist aber zweifellos Meryl Streep als trumpeske Präsidentin, die die Bedrohung nicht mal begreift, das weiße Haus mit Verwandschaft besetzt, zur Lösung des Problems auf Kumpels aus der Industrie vertraut und am Ende sogar verspricht, dass der Kometeneinschlag neue Jobs bringen wird.

Hört sich lustig an, und die Trailer versuchen „Don´t look up“ auch als Komödie zu verkaufen, allerdings hat der Film nicht mitbekommen, dass er lustig sein soll. Die Tonalität schwankt zwischen Doku und Drama, von daher ist das hier eher „Doomscrolling, der Film“ und macht bei aufgeklärten Leuten dementsprechend schlechte Laune. Dazu kommen handwerkliche Fehler, so dass der ganze Film verstolpert rüberkommt.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Filme immens wichtig sind, um den Klimawandel fassbar zu machen. Wir Medienwissenschaftler hegen die Theorie, dass die Anti-Atom- und Friedensbewegung global nie so groß geworden wäre, wenn das Thema nicht in der Populärkultur einem Massenpublikum begreiflich gemacht worden wäre. Werke wie „Dr. Strangelove“ oder Bücher wie „Die letzten Kinder von Schewenborn“ sind auch eher holzschnittartig und keine große Kunst, aber sie haben diese Gesellschaft mobilisiert.

Von daher hoffe ich, dass „Don´t look up“ nur der erste von vielen Filmen zum Thema Klimawandel sein wird.

The Suicide Squad [2021, BluRay]
Die Prämisse ist die gleiche wie schon beim schlimm vergurkten „Suicide Squad“ (ohne „The“) von 2016: Teilkostümierte Superschurken werden von einer Geheimorganisation auf eine Selbstmordmission geschickt. Versuchen sie zu flüchten, wird ihnen der Kopf weggesprengt.

Anders als vor 5 Jahren ist dieser Film aber nicht im Schnitt zerstückelt und von einer Trailerfirma fertiggestellt worden, sondern wurde in Summe von James Gunn („Guardians of the Galaxy“) geschrieben, gedreht und geschnitten. Der Unterschied ist GEWALTIG, denn ein James Gunn ohne jegliche Vorgaben dreht hier zu ungekannter Höchstform auf. Diese „Suicide Squad“ ist hervorragend geschrieben und umgesetzt. Das Pacing passt, die Charaktere bekommen Raum, der Humor stimmt, und den Effekten merkt man an, das hier viel mit echten Sets gearbeitet wurde.
Dieser Film ist nahezu der perfekte Antihelden-Streifen. Wie er allerdings eine Freigabe ab 16 bekommen hat, ist mir völlig schleierhaft, denn „The Suicide Squad“ ist wirklich brutal. Ständig werden Gliedmaßen abgerissen oder Köpfe explodieren. Ultrabrutale Gewalt in Kombination mit Humor in einem handwerklich fast perfekten Streifen mit hervorragenden Schauspielern – das hat mich wirklich überrascht.

Not Time to Die [2019?, Bluray]
Endlich der letzte Bond mit Daniel Craig! Der Schauspieler hat gefühlt die vergangenen 10 Jahren damit verbracht laut zu verkünden, wie dumm er die 007-Filme findet und wie sehr er es verabscheut, Bond zu spielen. Da er in den letzten Filmen auch noch aussah wie eine wandelnde Wasserleiche, wollte ich ihm immer zurufen „Ja dann lass es doch, Du Depp!“.

Nun also Abschied von Craig, und ich sage mal so: Er gibt sich doch nochmal Mühe, kann den Film aber nicht allein tragen. Der ist nämlich überfrachtet mit Küchenpsychologie, Familienzwistigkeiten und Bemühungen, den Quark der Vorgängerfilme irgendwie zu einem großen Handlungsbogen zurecht zu retconnen. Rami Maleks Figur des Bösewichts ist leider ein Totalausfall und so dumm, unglaubwürdig und nervig, das sie ähnlich bedrohlich wirkt wie Armin Laschet (erinnert sich noch jemand an Armin Laschet? Nein? Gut!).

Lichtblick in diesem ganzen Brei ist der weibliche Cast: Naomie Harris als Miss Moneypenny ist wieder mal völlig großartig, bekommt aber zu wenig zu tun. Ana de Armas als Agentin in Ausbildung rockt eben mal den Saal weg, und Lashana Lynch verlässt sich als neue 007 nicht auf gutes Aussehen, sondern ist in allem, was sie tut, fürchterlich kompetent – also ganz anders als ihr Vorgänger, ein gewisser Herr Bond. Einen Solofilm mit Lynch als 007 würde ich sofort gucken.

Zusammengefasst: „No Time to Die“ ist nicht so schlimm wie „Quantum of Solace“, aber auch nicht so gut wie „Skyfall“ oder „Casino Royale“ und wird damit seinem eigenen Anspruch als Abschluss der Craig-Ära schlicht nicht gerecht.

Dune [1984, Amazon Prime]
„Spice“ ist das wertvollste was es gibt im Universum, und es kommt nur auf einem einzigen Planeten vor. Dieser Planet ist eine einzige Wüste. Als der junge Kyle McLachlan auf den Wüstenplaneten kommt, feiern ihn die Einheimischen als Messias. Folgerichtig muss er gegen Musiker Sting kämpfen.

Was habe ich als Kind diesen Film geliebt, und tatsächlich kann man den auch heute noch gut gucken. Obwohl es ein David Lynch-Film ist, ist die Geschichte straight erzählt und die Schauspieler sind super, von Kyle Mchlachlan als Üaul über Patrick Stewart als Guerney Hallek bis Dean Stockwell als Dr. Yue. Dazu kommen Jürgen Prochnow, Max von Sydow, Sean Young und andere, die den Streifen zum großen 80er-Kino machen. Weil die Buchvorlage so gigantisch lang ist, wird in diesem Film leider viel über Texttafeln und Voiceover erklärt und das Ende hingehuschelt, was verwirrend sein kann. Kann man trotzdem, und das hat mich überrascht, auch heute noch gut gucken.

Dune [2021, Bluray]
Selbe Story wie oben, allerdings hat die 2021er-Fassung nur den Anspruch ein erster Teil zu sein. Gute Entscheidung, denn so hat der Film Zeit, Dinge zu zeigen, die das Werk von 1984 aus dem Off erklären oder weglassen musste. Großer Film, gedreht mit guten Schauspielern an echten Sets und mit bombastischem Sound, ist allerdings bei Weitem nicht das Erweckungserlebnis, zu dem ihn manche gerne hochschreiben.


Spielen:

13 Sentinels: Aegis Rim [PS4, 2020]
13 Charaktere, 13 miteinander verwobene Geschichten. 1944 muss ein junger Soldat miterleben, wie seine japanische Heimatstadt unter amerikanischen Angriffen in Flammen aufgeht. 1984 tauschen Highschool-Studenten SciFi-Filme auf Videokassetten. 2024 verliert ein Schüler sein Gedächtnis und ein riesiger Kampfroboter, ein „Sentinel“ fällt vom Himmel. Und im Jahr 2064 ist Japan eine Trümmerwüste, verwüstet von mechanischen Monstern.

Wirr, wirr, wirr – und wunderschön, so präsentiert sich „13 Sentinels“ auf den ersten Blick. Es wird nämlich tatsächlich die Geschichte von gleich 13 Personen erzählt, die man abwechselnd spielt, aber nicht am Stück und nicht chronologisch. Als Spieler entscheidet man selbst, welche Geschichten und welche Personen man in welcher Reihenfolge spielen möchte, wodurch sich Szenen und Abläufe manchmal ein wenig verändern. Diese Mischung der Geschichten ist auch dringend notwendig. Konzentriert man sich zu lange auf die Geschichte nur einer Person, kommt es zu nervigen Wiederholungen und damit unweigerlich zu Motivationshängern.

Die Erlebnisse der Schüler reichen dabei von banal bis hin zu völlig abgedreht und legen immer noch eine Schippe drauf. Ist man als Spieler irgendwann bereit, haushohe zeitreisende Kampfroboter zu akzeptieren, präsentiert „13 Sentinels“ sprechende Katzen mit magischen Pistolen. WTF? Bis man in dieses Storykuddelmuddel Sinn bekommt, vergeht ganz ordentlich Zeit, aber das ist der Reiz des Spiels: Stück für Stück wird das Geheimnis um die Geschehnisse gelöst, und das aus 13 Blickwinkeln.

Dabei werden Ideen der klassischen und der modernen Science Fiction, von „2001“ über „Zurück in die Zukunft“, „Star Trek“, „Substitutes“ oder „Memento“ bis „Matrix“ miteinander vermischt und zu einem eigenständigen und erfrischend anderen Konstrukt verschmolzen, das überwiegend völlig fasziniert und immer wieder überrascht.

Gameplaytechnisch hat man es dabei mit einem Mix aus klassischem Adventure und einem Echtzeit-Strategiespiel zu tun. Im Adventureteil begleitet man abwechselnd Studentinnen und Studenten einer Highschool in verschiedenen Zeitepochen. In kurzen, scheinbar unzusammenhängenden Episodenfragmenten klickt man sich durch Dialoge, untersucht Gegenstände und treibt so die Geschichte voran.

Dieser Teil des Spiels präsentiert sich wunderschön, die Grafik wirkt wie handgetuschte 2D-Zeichnungen, die nur spärlich animiert sind. Jeder Screen ist ein Gemälde, jeder Charakter ein Portrait, dass man so auch ausgedruckt an die Wand hängen könnte. Zwischen den Abenteuereinlagen gilt es dann noch Echtzeitkämpfe mit den titelgebenden Sentinels gegen hausgroße Monster auf einer 2,5D-Karte zu schlagen. Das spielt sich flott und ist auf dem niedrigsten von 3 Schwierigkeitsgraden auch für nicht-Taktiker gut machbar.

„13 Sentinels“ ist ein Storymonster, dessen Komplexität und handwerkliches Geschickt wirklich überrascht. Das liegt daran, dass das japanische Studio „Vanilla Ware“ viel mehr Zeit in seine Spiele investiert, als es wirtschaftlich sein kann. Im Schnitt alle 10 Jahre veröffentlichen die ein neues Werk, und das ist dann meisterhaft und bis zur Perfektion poliert. Aber eben auch so komplex und seltsam, dass es nicht etwas für jeden Geschmack ist.

Guardians of the Galaxy [2021, PS5]
Peter „Star Lord“ Quill, Gamora („Die gefährlichste Frau der Galaxis“), Rocket („Ganz sicher kein Waschbär“), Drax-der-Zerstörer und Groot („Ich bin Groot“) sind zusammen die Beschützer der Galaxis! Zumindest in der Vorstellung von Peter, der die Truppe aus seltsamen Charakteren in seinem Raumschiff wohnen lässt. Tatsächlich sind sie eher Söldner, nicht besonders qualifiziert und ständig in Geldnot.

Was sofort auffällt: Das Spiel strotzt vor Production Value und möchte für die „Guardians“ das sein, was die „Arkham“-Reihe für Batman ist: Das ultimative Guardians-Erlebnis in einem lebendigen Comic-Universum. Das Spiel ist vollgestopft mit Marvel-Referenzen und Insider Gags, und das, obwohl die Charaktere eigenständig sind und keine bloßen Kopien ihrer Comic- oder Filmvorlagen. Die Story ist Guardians-Typisch eine „Misfits retten mit mehr Glück als Verstand die Welt“-Geschichte, die aber super geschrieben und wirklich gut erzählt ist. Ganz bezaubernd ist die Interaktion der Charaktere untereinander: Die ist sauwitzig, alles hier ist richtig gut geschrieben und vertont.

Leider kann das Gameplay da nicht mithalten. Die Steuerung ist unnötig kompliziert, träge und hat Aussetzer, Mountpoints sind zu klein, Quicktimevents haben seltsame Zeitfenster. Die Kämpfe sind unübersichtlich und hektisch, und schon auf dem „normalen“ Schwierigkeitsgrad gibt es viel zu viele Gegner. Das diese teilweise auch noch doppelte ud dreifache Lebensbalken haben, quittieren selbst die Spielfiguren mit einem „Das sind ja Bulletsponges“ – und das stimmt, zumal die Wirksamkeit der eigen Waffen der von Erbsenpistolen gleicht. Das fühlt sich alles nicht nach Superheldenfantasie an. Zum Glück kann man Dinge wie Waffenwirksamkeit, Abkühlzeiten und genommenen Schaden einstellen – aber das macht die Sache nur etwas besser, „Snappy“ werden die Kämpfe dadurch nicht.

In der Summe: Tolle Geschichte, großer Spaß, Kampfeinlagen Banane. Für Fans von Actionsadventures, denen der Actionanteil weniger wichtig ist.

Assassins Creed Odyssey & Valhalla: Interwoven Stories [PS5, 2021]
Ein unerwarteter DLC-Drop: Eine handvoll Missionen stecken in den letzten Updates für AC Valhalla und ebenso für das drei Jahre alte Odyssey. Die sorgen dafür, dass sich die Hauptdarstellerinnen der beiden Games um 900 n.C. in England treffen.

Unterschiedlich ist die Güte der DLCs. In „Odyssey“ erlebt Protagonistin Kassandra auf Korfu eine emotionale Geschichte, die ihr ihre Aufgabe und die damit einhergehenden Bürde deutlich macht. Ubisoft hat hier die Gelegenheit genutzt, eine der interessantesten Figuren der Reihe mit einer Mission auszustatten und damit das Ende von „Odyssey“ runder und besser zu machen.

Assassins Creed Valhallas DLC nervt dagegen mit einer doofen Fetchquest und mit seinen endlos ausgetretenen Spielmechaniken sowie schlechten Dialogen. Im neuen Gebiet der Isle of Skye muss Eivor fünf Dingsis von A nach B und dann… ach, auch egal. Völlig beliebig, alles.

Der Valhalla-DLC ist nur dazu da um zu zeigen: Kassandra lebt immer noch, und sie ist sehr allein in der Welt. Immerhin das gelingt, und es wir gezeigt, wie badass eine Kriegerin mit 1.500 Jahren Erfahrung kämpfen kann. Ich würde mir ja mehr von Kassandra wünschen, aber vermutlich kommt nur noch weiterer Valhalla-Murks. Ist schon erstaunlich: ich habe bei „Odyssey“ rund 150 Spielstunden auf der Uhr, bei „Valhalla“ signifikant weniger – und trotzdem nervt mich letzteres, während „Odyssey“ immer noch interessant ist. Liegt wohl tatsächlich daran, dass eine der beiden Protagonistinnen einen Charakter und eine Geschichte hat, während die andere einfach nur eine leere Hülle ist.


Machen:

Pandemie, vierte Welle, Boostern, bereit machen auf Einschlag Omikron.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

Momentaufnahme: November 2021

Herr Silencer im November 2021

Wort des Monats: Wurschtig.

Wetter: Neblig, diesig, kalt, trübe. Nachts 0-3 Grad, tags manchmal knapp an zweistellig. Am Monatsende Schnee.


Lesen:

Work in Progress


Hören:


Sehen:

300 – Rise of an Empire [2014, BluRay]
Der athenische General Themistokles tötet den Perserkönig Darius. Der gibt auf dem Sterbebett seinem Sohn Xerxes den Tip: „Lass bloß die Griechen in Ruhe, nur die Götter selbst können die bezwingen.“ Weil Xerxes nicht der Hellste ist, begreift er das als Anweisung zum Gott zu werden. Schwarzer Magie oder sowas sei Dank wird er tatsächlich übermächtig und greift Griechenland wieder an, was zu den Ereignissen in „300“ führt. Während Spartanerkönig Leonidas und seine 300 Männer versuchen die Thermophylen gegen die Perser zu halten, kämpft Darius Ziehtochter Artemisia auf See gegen die Athenische Flotte, und legt sich wieder mit Themistokles an.

„300 – Rise of an Empire“ ist eine 2014 erschienene Fortsetzung zum 2006er „300“, dem ästhetisch überwältigenden, aber auch fürchterlich doofen, Epos um weiße Männer mit aufgemalten Bauchmuskeln. Das Sequel schafft etwas, was wenige zweite Teile schaffen: Es erzählt eine eigenständige, interessante Geschichte und wertet durch größere Tiefe den ersten Teil auf.

„Rise“ ist, wie „300“, „Written by Zac Snyder“. Das ist erstemal kein gutes Zeichen, aber immerhin hat der Mann mit den Nazi-Eulen hier nicht selbst Regie geführt. Deshalb ist „Rise“ auch ansehbarer als der direkte Vorgänger und die Story, die vor, während und nach „300“ spielt, ist komplexer. Auch wenn es hier vordergründig wieder um fürchterlich bleiche Amerikaner, geht die Griechen mimen, so erzählt „Rise“ eigentlich die Geschichte der Heerführerin Artemisia (Eva Green, „Casino Royale“) und der Spartanerkönigin Gorgo (Lena Headey aus „Game Of Thrones“), und diese Geschichte ist interessant. Kann man sehr gut angucken, zumal die Bilder wieder an Schlachtengemälde erinnern.

11.22.1963 [Amazon Video]
Am 22.11.1963 wurde John F. Kennedy erschossen, und Englischlehrer Jake ist fest überzeugt, dass er dieses Attentat verhindern kann. Er hat nämlich ein Zeitloch entdeckt, was aus dem Jahr 2016 zurück nach 1960 führt. Jake lebt nun drei Jahre in den 60ern und versucht in dieser Zeit herauszufinden, wer hinter dem Attentat steckt. Die Russen? Lee Harvey Oswald? Die CIA? Dabei stößt Jake auf unerwartete Probleme, denn die die Zeit selbst wehrt sich dagegen, geändert zu werden.

Ich war ja von der Buchvorlage sehr angetan. Einen Zeitreiseplot hätte ich von Stephen King nicht erwartet, und die Geschichte war spannend, hatte aber auch ihre Längen. Die Verfilmung ist nun eine achtteilige Miniserie mit James Franco in der Hauptrolle, und wow, ist die gut gelungen! Ausstattung, Sets, exzellente Schauspieler bis in die Nebenrollen hinein – das Dinge atmet Production Value aus jeder Pore. Die Umsetzung als Miniserie gibt den Figuren und der Handlung genug Zeit, sich zu entfalten. Da stört es dann auch nicht, dass trotz Raffungen ein, zwei Längen des Originals erhalten geblieben sind, das Ergebnis ist stimmig und berührend.

Shang Chi und die Legende der 10 Ringe [Disney+]
Vor 1.000 Jahren entdeckt der chinesische Soldat Xu Wenwu 10 metallene Ringe, die ihm ungeheure Kraft und Unsterblichkeit verleihen. Xu gründet die Bruderschaft der 10 Ringe und wirkt über Jahrhunderte im Verborgenen, beeinflusst aber immer wieder den Lauf der Geschichte. Irgendwann verliebt er sich aber in eine Frau und zeugt Shang-Chi. Als Sohnemann erwachsen ist und die 10-Ringe-Organisation übernehmen soll, hat er aber gar keinen Bock auf diesen mystischen Larifari und arbeitet lieber in San Francisco als Parkhilfe.

Ungewöhnlicher und erfrischender Marvel Film. Der Cast ist fast komplett chinesisch, die Story und die Bilder durchsetzt mit Versatzstücken aus der chinesischen Mythologie. Das sieht schon sehr cool aus und ist gelungen. Besonders schön: Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben es körperlich drauf, und die Martial Arts-Kampfszenen werden übersichtlich und in langen Einstellungen eingefangen. Das hat im Blockbusterkino gerade Seltenheitswert, normal sind gerade Schnittmassaker, bei denen in einer Sekunde zehn Schnitte gesetzt werden, bis das Publikum epileptische Anfälle bekommt.

Leider ist die Story völlig vorhersehbar und hat einige Längen. Ein weiteres Style over Substance-Opfer.

Red Notice [Netflix]
Irgendwer klaut Kleopatras drittes Ei(!) aus dem Castel Sant´Angelo in Rom, und dann irgendwas mit Dwayne Johnson.

Netflix teuerste Eigenproduktion! 200 Millionen Dollar!! – so tönt die Werbung. Ja, und wo sind die 200 Mios hin? Die Hälfte davon wanderte in die Tasche der Stars, für den Rest bekam man dann nicht mehr so richtig viel Gutes zustande. Regie und Schnitt machte ein Kumpel von Dwayne Johnson (kein Witz), die CGI-Effekte vermutlich der Praktikant bei WETA, und für ein ordentliches Skript bliebt auch kein Geld. Was dann herausgekommen ist: Ein Dwayne-Johnson-Vehikel, in dem Dwayne Johnson Dwayne Johnson spielt, Ryan Reynolds den Ryan Reynolds gibt und Gal Gadot alle 20 Minuten mal reinschaut und neckisch in die Kamera guckt.

Die drei stolpern über billige CGI-Sets, in denen sie wie ausgestanzt wirken. Wirklich: Keine Qualität, nirgends. In der Summe ist „Red Notice“ damit ein Oldschool-Actionfilm, der mit seiner billigen Machart, seinen Klischeefiguren, der Krachbumm-Action und unlustigen Onelinern seltsam aus der Zeit gefallen wirkt. Das heißt nicht, dass man damit keinen Spaß haben kann. Ich mag sowas an Freitag Abenden. Es ist halt nur billige Unterhaltung, von der man Null erwarten darf und die man gleich wieder vergessen hat.


Spielen:

Lost Judgment [PS5, 2021]
Privatdetektiv Takayuki Yagami erlebt einen seltsamen Moment: Seine Anwaltskollegin vertritt vor Gericht einen ehemaligen Polizisten wegen eines Bagatellsdelikts, als der unmittelbar nach der Urteilsverkündung aufsteht und verkündet, dass man jetzt, in dieser Minute, gerade den Leichnam eines Mannes in Yokohama entdecken wird. Dem ist auch so – aber wie konnte der Verurteilte das wissen, wo er doch seit Monaten in Untersuchungshaft sitzt? Wer war der Tote, und warum wurde er förmlich hingerichtet? Yagami und sein bester Kumpel Kato reisen nach Yokohama und gehen der Sache nach.

Ist Rache jemals gerechtfertigt? Kann und darf eine Person das Recht in eigene Hände nehmen? „Lost Judgment“ geht diesen Fragen nach und beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Mobbing, Selbstmord, Selbstjustiz und deren Folgen für Hinterbliebene. Schwere Kost, aber sehr angemessen und ernst umgesetzt.

„Lost Judgment“ ist der zweite Teile eines Spin-offs der klassischen „Yakuzua“-Spiele. Anders als die Stammreihe, die mittlerweile ja ein rundenbasiertes Rollenspiel ist, bleibt „Judgment“ den Wurzeln der Serie treu und präsentiert sich als spannender Thriller, in dem in Actioneinlagen geprügelt wird. Das klappt nach wie vor hervorragend und vermeidet den endlosen Grind, der bei „Yakuza – Like a Dragon“ leider über lange Strecken nötig war, damit es in der Hauptstory weiterging.

Zumindest fast, denn zur Gänze entkommt auch „Judgement“ die unbalancierten Zeitfressern nicht. Um einen Kontrapunkt zur düsteren Haupthandlung zu setzen und alles etwas aufzulockern, gibt es absurde Nebenfälle und mit den „School Stories“ sogar eine ganze Nebenhandlung, die 10 teils skurrile, im Spiel versteckte Minispielchen (u.a. Tanzspielchen, Skateboardfahren, Boxen, Motorradrennen und Darts) mit einander verbindet. Um diese Handlung abzuschließen, muss man jeweils kleine Stories um die Minispielchen durchspielen. Hört sich super an und funktioniert auch bei den meisten prima, manche Disziplinen hat man in 10 Minuten durch. Aber mitten drin gibt es einen Showstopper: Ausgerechnet in drei extrem unspaßigen Kategorien verlangt das Spiel hohe Zeitinvestitionen in extremen Grind und extrem viel Skill. Will man also alles mitnehmen, ist man neben den 30 Stunden des Hauptspiels nochmal 30 Stunden mit den „School Stories“ beschäftigt.

Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen, denn den grindigen Nebeaufgabenkram kann man ignorieren. Die verzwickte und wendungsreiche Hauptgeschichte bewegt sich wieder auf dem Niveau eines sehr spannenden und exzellent geschriebenen Thrillers und hat, trotz stellenweise typisch japanischem Overexplaining, ein flottes Tempo. Sehr gutes Spiel.


Machen:

Pandemie, vierte Welle.


Neues Spielzeug:

Ein neuer Kindle Paperwhite. Elfte Generation des Kindle, 5. iteration des Paperwhite, 8GB, mit Werbung. Meine Kritikpunkte am Vorgänger wurden behoben. Anders als bei dem ist hier die Schrift (wieder) gestochen scharf, und die Farbtemperatur ist nicht mehr blau-weiß, was beim Lesen kurz vor dem Einschlafen doof ist, sondern lässt sich ins bernsteinfarbene verschieben – eine Funktion wie es die Konkurrenz schon lange hat. Der neue Paperwhite ist zudem wieder wasserdicht, der Akku hält Monate und das Display ist größer.

Also alles gut? Nicht wirklich. Amazon verpasst irgendwie immer den sweet Spot. Statt nur den breiten Rahmen des Vorgängers etwas schmaler zu machen, um das Display größer zu gestalten, wurde das ganze Gerät größer und damit auch 25 Gramm schwerer. Damit kann ich es nicht mehr so gut halten wie den 2018er Paperwhite, es liegt nicht mehr gut in der Hand. Eine automatische Helligkeitsregelung hätte ich mir gewünscht, aber die bleibt, ebenso wie drahtloses Laden und Werbefreiheit, der 190 Euro teuren „Signature Edition“ vorbehalten, die damit aber zu wenig Mehrwert bietet, um 85 Euro draufzulegen.

Immerhin praktisch: Amazon nimmt jetzt alte Geräte zurück. Für meinen 10 Jahre alten Original-Paperwhite, dessen Akku nur noch eine Stunde hielt, gab es noch 20 Euro als Gutschein plus 20 Prozent Nachlass auf den Neukauf.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

Momentaufnahme: Oktober 2021

Herr Silencer im Oktober 2021

Wort des Monats:HÖR AUF MIT DIESEM MIST!

Wetter: In Griechenland ist es mit 9 bis 18 Grad kühl und windig. Ab dem 16.10. bin ich wieder in Deutschland, hier ist es ebenfalls kühl, und ab dem 20. fangen die Herbststürme an und blasen das bunte Laub in Massen von den Bäumen. Binnen zwei Tagen sind die Bäume kahl, und dann wird es kalt, bis an den Gefrierpunkt heran.


Lesen:

Jasper Fforde: The Great Troll War
In einem alternativen England: Die 16-jährige Jennifer Strange leitete einst das Altenheim für Zauberer, mittlerweile ist sie aber zur letzten Drachentöterin und Besitzerin eines waffenstarrenden Quarkbiests geworden. Das hilft ihr aber alles nicht, als England aus dem Norden von Horden von Trollen angegriffen wird. Lediglich ein mit Knöpfen gefüllter Graben (Trolle hassen Knöpfe) steht zwischen den hungrigen Invasoren und dem unvereinigten Königreich.

Was Jasper Fforde kann: Worldbuilding. Egal ob die Buchwelt aus den „Thursday Next“-Büchern, der Eiswelt aus „Early Riser“ oder hier eine Welt mit sterbender Magie: Es ist völlig faszinierend und urkomisch, was der Mann sich an Welten und Gesellschaften mit eigenen Regeln ausdenkt. Was Jasper Fforde nicht kann: Charaktere schreiben. Seine Figuren drücken sich nur über innere Monologe aus, und die Protagonistin ist IMMER allwissend und handelt immer genial. Das erzeugt das Gefühl lebendige Welten zu haben, in denen unglaubwürdige Charaktere aus Presspappe herumstolpern. Das sich der Autor nach „Early Riser“ schon wieder als Ich-Erzähler in ein minderjähriges Mädchen versetzt ist zudem… seltsam.

Das Buch an sich ist nett und bringt die Story zu einem gelungenen Ende.

Christopher Marzi: London
Jahre nach den Ereignissen der Vorgängerbücher „Lycidas“, „Lilith“ und „Somnia“: Emily Laing will nach London zurückkehren, stellt aber voller Entsetzen fest, dass es nicht existiert. Auch nie existiert hat, denn die Hauptstadt Englands ist immer schon Oxford gewesen. Auf Umwegen gelangt sie doch wieder in die Stadt der Schornsteine, aber die hat sich verändert: Sie ist isoliert, löst sich auf, die Menschen in ihr werden Wahnsinnig. Es ist, als hätte die Stadt ihre Seele verloren.

Für Christopher Marzi muss man schon in der richtigen Stimmung sein und sich Zeit nehmen. Nicht nur, dass er seine Welten höchst erkennbar aus Ideen von Autoren wie Neil Gaiman zusammensetzt. Nein, ausschweifend und redundant ist seine Erzählweise, jeder Handlungsfortschritt wird noch drei mal von den Figuren reflektiert, die an ihre Sichtweise stets ihren Catchphrase anhängen. Ich kann das nicht immer ertragen, zumal im Fall von „Somnia“ das Drehen von Schleifen so schlimm war, dass ich mittendrin lange Pause machen musste. „London“ ist ähnlich langatmig geschrieben, bringt aber zum Glück eine superspannende Geschichte mit, von der ich immer wissen wollte wie sie weitergeht und die mich bei der Stange gehalten hat.

Zugleich ist „London“ ein möglicher Abschied von den liebgewonnenen Figuren, deren werden man über 4 Bücher verfolgen konnte – und ein sehr gelungener dazu.


Hören:


Sehen:

Squid Game [2021, Netflix]
Glücksspielsüchtiger Universalverlierer wird mit 455 anderen, hoch verschuldeten Menschen zu einem Spiel auf Leben und Tod eingeladen. Der „last Person standing“ winken 33 Millionen Dollar, alle anderen werden gnadenlos hingerichtet.

Natürlich habe auch ich „Squid Game“ geguckt. Die 9-teilige Serie wird ja gerade quer über den Globus gehyped, und das nicht ohne Grund. Sie hat eine interessante Grundidee und spannende Wendungen. Sie ist aber weit davon entfernt perfekt zu sein. Was westliche Zuschauer aber wohl vor allem hooked ist der ungewohnte Look und das Spiel der Darsteller. Das ist typisch koreanisch, mit seinen Situationen, Farben und dem Overacting, aber wenn man das nicht schon einmal gesehen hat, z.B. im hervorragenden Film „Parasite“, dann wirkt das neu, unverbraucht und interessant.

Keine perfekte Serie also, aber wer vor Blut und Totschlag keine Angst hat oder sogar Filme wie „Saw“ oder „Escape Room“ mag, der wird hier viel Freude haben.

Free Guy [2021, Disney+]
Guy ist ein netter Kerl und lebt in einer Stadt, in der permanent Leute mit Sonnenbrillen Raubüberfälle begehen, Dinge in die Luft sprengen oder sich wilde Autojagden mit der Polizei liefern – das ist quasi Routine, und zu Guys Job gehört es, das Tag für Tag die Bank, in der er arbeitet, überfallen wird. Denn: Guy ist eine Non-Player-Figur, ein NPC, in einem GTA-ähnlichen Videospiel. Problematisch wird es, als er sich dessen bewusst wird und selbst die Fertigkeiten der Spieler bekommt.

Ein Film für Videospieler mit GTA-Erfahrung! Auch alle anderen werden hieran ihren Spaß haben, denn „Free Guy“ ist eine gut gemachte, kurzweilige Actionkomödie mit einer lustigen Leichtigkeit, die ich schon lange nicht mehr auf der Leinwand gesehen habe. Wer zudem Videospiele mag, der hat noch einmal extra Freude an den vielen, großartigen und sehr liebevollen GTA-Anspielungen.

Tucker and Dale vs. Evil [2010, BluRay]
Eine Gruppe von Collegestudierenden macht einen Ausflug in einen abgelegenen Teil der USA. Beim Campen im dunklen Wald stehen sie plötzlich zwei Rednecks mit Kettensäge und Sense gegenüber. Was dann passiert….

…ist alles andere als erwartbar. Während die beiden absolut harmlosen und liebenswerten Rednecks Tucker und Dale noch zu begreifen versuchen was hier eigentlich los ist, verfallen die Collegekids in Panik, weil sie glauben in einer Slashergeschichte gelandet zu sein. Während des kopflosen Herumhühnerns stirbt wirklich einer nach dem anderen – an eigener Dummheit. Tucker und Dale ziehen fassungslos den Schluss: Das muss ein Selbstmordkult sein. Doch dann stehen sie dem absoluten Bösen gegenüber – dem BWL-Studenten.

„Tucker and Dale vs. Evil“ ist ein wunderbarer kleiner Film und so ziemlich das schweinelustigste, was ich in 2012 gesehen habe, zeigt er doch auf´s Schönste, wie Vorurteile fatale Folgen haben können.

Dark City [1998, BluRay]
John Murdock erwacht ohne Erinnerung in einer Badewanne in einem heruntergekommen Hotelzimmer. Am Telefon wird er dazu gedrängt, so schnell wie möglich zu flüchten – und tatsächlich sind eine Gruppe blasser, dürrer Männer hinter ihm her, die ihn durch die Straßen der dunklen Stadt hetzen.

Immer noch ein Meisterwerk: Die „Dark City“ ist einer der Höhepunkte des Neo-Noir, einer recht kurzlebigen Bewegung von Mitte der 90er bis Mitte der 2000er, zu der auch „The Crow“, „Sin City“ und „Matrix“ gehören. Dark City hat einfach alles: Hervorragendes Art-Deko-Design, düstere Ausleuchtung, super Schauspieler. Highlight ist aber die verwirrende Story, die tatsächlich auch „Matrix“ geprägt haben dürfte, auch wenn dieser Film in eine deutlich andere Richtung geht. Ich weiß noch, wie mir beim großen Reveal, was die Dunkle Stadt wirklich ist, im Kino der Mund offen stehen blieb – und diesen Effekt hat das ganze heute noch. Ein moderner Klassiker.


Spielen:

Assassins Creed Valhalla: Die Belagerung von Paris [PS5, 2021]
Wikingerin Eivor verschlägt es nach Frankreich, wo Karl der Dicke einen Krieg mit ihrer Wahlheimat England beginnen will. In Paris, das im Jahre 900 gerade mal aus einer Ansammlung schlammiger Hütten und einer Festung auf der Ile de la Cite besteht, muss sie sich mit dekadenten Königen herumschlagen und einen Sturm der Wikinger auf die Stadt verhindern.

Gähn. More-More-More of the same. Der Landstrich in Frankreich, von Paris bis Amiens, ist trotz Asset-Recyclings recht groß und wie immer hübsch gemacht, aber man reitet schon wieder stundenlang durch die Landschaft um Ressourcen einzusammeln, die man nicht braucht, Schätze zu finden, die allesamt uninteressant sind, Ausrüstung zu bekommen, die schlechter ist als die, die man schon hat und dabei viele, VIELE Schlüssel und Zugänge zu suchen. Gerade dieses Spielelement wird hier dermaßen überstrapaziert, dass ich anfange zu schreien, wenn ich nur noch einmal höre „This Door is barred from the other side“ oder „I need to find the key“. Im Ernst, selbst für den Bosskampf muss man erstmal Schlüssel finden.

Die Story mäandert hin und her, die schlecht animierten Charaktere tun völlig ohne Konsistenz nur das, was die Story gerade braucht, das Pacing geht stellenweise völlig den Bach runter. Und wo versucht wird etwas neues zu machen, klappt das selten gut – die Pestratten zum Beispiel sind ein unausgegorenes und damit nerviges Spielelement, und die neuen, völlig overpowerten und teils unverwundbaren „Pikenträger“ sind einfach ein riesiges Ärgernis, das überhaupt keinen Spielspass aufkommen lässt.

Wem Assassins Creed Valhalla mit seinen bislang 140 Spielstunden (Hauptspiel und dem ersten DLC) noch nicht genug auf den Sack gegangen ist, dem bietet der „Paris“-DLC hier noch einmal 10 Stunden Gelegenheit dazu, und keine Minute davon macht Spaß.

Ich bin eigentlich ein AC-Fan, aber hier möchte ich nur noch, dass die, bereits zu Tode gemolkene, Kuh endlich verreckt. Leider sieht es nicht danach aus, „Valhalla“ ist Ubisofts erfolgreichstes Game bislang, und gerade wurde ein weiterer DLC angekündigt. Würg.


Machen:
Bis zur Monatshälfte: Motorradreise! Das ist sehr schön.


Neues Spielzeug:
V-Strom in kleiner Inspektion, Auto in großer Inspektion, neue Brille. Sehr teurer Monat.

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Momentaufnahme: September 2021

Herr Silencer im September2021

Wort des Monats:

Wetter: Der Monat beginnt einstellig kalt und neblig. Das fühlt sich schon sehr nach Herbst an. Bis Monatsmitte tagsüber nochmal über 20, aber morgens jeweils so um die 10 Grad. Alles leugnen hilft nichts: Der Sommer ist vorbei. Ab dem 20. bin ich in Südeuropa: Auch hier nachts schon recht kühl, tagsüber stürmisch und etwas über 20 Grad.


Lesen:

Andy Weir: Project Hail Mary

Ein Mann wacht an Bord eines Raumschiffs auf. Allein, ohne Erinnerung, aber mit guten Mathekenntnissen. Nach und nach rechnet er sich zusammen was er da macht und warum er die letzte Chance der Menschheit ist.

Eine allerletzte Chance auf einen Treffer im Baseball wird im amerikanischen „Hail Mary“ genannt, und man muss sich kulturell schon gut auskennen, um als nicht-Ami diese Bedeutung des Buchtitels zu verstehen. Genauso sperrig wie der Titel gibt sich zunächst auch der Inhalt, denn so fein es ist, dass der Protagonist weiß wie man Entfernungen und Schwerkraft berechnet, ihn Seitenweise dabei zu begleiten ist dann nicht so die Lesefreude.

Aber dann stellt sich raus: Das war nur ein sehr sorgfältiges Setup, um eine Bombe von einer Story von der Leine zu lassen. Plötzlich passieren Dinge, die mir den Mund haben offen stehen lassen. Mehrfach. Dann die Erkenntnis: Die Geschichte ist meisterlich gebaut. Handwerklich und kreativ ist das hier ein Niveau, bei dem man niederknien muss.

Ich habe dieses Buch verschlungen, und sowas ist mit schon sehr lange nicht mehr passiert. Das hier ist Science Fiction in ihrer puren Form. Science, weil alles, was da zusammenfiktionalisert wird, wissenschaftlich so funktionieren könnte. Ein wirklich, wirklich gutes Buch. Jeder, der Wissenschaft im Weltall mag, muss dieses Buch gelesen haben.

Im Deutschen heißt das Werk übrigens „der Astronaut“, vermutlich weil der Titel eine schöne Reihung zum Vorgänger, „Der Marsianer“, ergibt.


Hören:

Gamespodcast: Mass Effect Madness!
Jochen Gebauer und André Peschke spielen alle drei Teile von „Mass Effect“ und besprechen die in einem 30-teiligen „En Detail“.

Großer Spaß: Ich spiele selbst Mass Effect und höre danach, was die beiden Spielejournalisten so erlebt haben. Das beschreiben sie detailliert und äußerst kurzweilig, auch wenn die beiden nicht immer richtig liegen. Aber allein das Projekt, Mass Effect 1 bis 3 in einer so um die 50 Stunden dauernden Detailrezension zu besprechen – großartig! Solchen Journalismus finanziere ich gerne.


Sehen:

Joker [2019, Netflix]
Arthur Fleck neigt zu Gewalt, hat Daddy-Issues, Zwangsstörungen, ist ein Arschloch und hat generell nicht alle Latten am Zaun, will aber Comedian werden. Als das nicht klappt, schießt er um sich.

Unerträglich prätentiöse Darstellung von Joaquin Phoenix, der jede Gelegenheit nutzt, um das komplette Übungsrepertoire an Grimassen und expressionistischen Verrenkungen aus der Schauspielschule auf- und seinen halbnackten Körper vorzuführen. Ein Schauspieler-Vehikel, und zwar eines von der richtig ekligen Sorte. Story ist völlig vorhersehbar, generell alles totlangweilig und banal, verpackt in leicht kryptische Darstellung. Merke: Wenn etwas unverständlich ist, muss es nicht Kunst sein – es kann auch einfach nur dämlich sein. Das ist dieser „Joker“. Keine Ahnung, warum dieser Film so abgefeiert wurde

Reality Bites [1994, DVD]
Winona Ryder hat ihren Uniabschluss in der Tasche, hangelt sich von Praktikum zu Praktikum und wohnt in einer WG mit Freunden, die alle eigene Probleme haben.

Handlung: Belanglos. Was hier interessant ist: Der Film zeigt sehr zugespitzt das Dilemma meiner Generation, der Generation X.

Gut ausgebildet gestartet und mit großen Ambitionen ausgestattet, die letztlich aber für viele von uns eingedampft wurden. Die übermächtigen Boomer hatten ihre Strukturen und nutzen die zur Ausbeutung, was am Ende zur Erkenntnis führte: Wir sind die erste Nachkriegskohorte, die weniger soziale und berufliche Chancen haben würde als unsere Vorgänger. Das erklärt der Film sehr schön und macht deutlich, warum viele von uns eine pessimistische Weltsicht pflegen und sich in Sarkasmus und schlechte Laune geflüchtet haben.

Achso, und natürlich: Winona Ryder. Eine der vier schönsten Schauspielerinnen der Welt. „Wenn Sie spielt, sieht man ihre Seele in ihren Augen“ hat mal jemand gesagt und ja, das stimmt.

Sneakers [1992, BluRay]
Robert Redford und Dan Akroyd sind Sicherheitsspezialisten mit shady Vergangenheit und auf der Jagd nach einem McGuffin. Kaum haben sie ihn, werden sie selbst gejagt.

Seltsamer kleiner Film. Schön gespielt, mäßig spannend, teils unerträgliche unpassende Düdelmusik. Aber: Interessant, weil er Themen vorweg nimmt, die 5 Jahre später erst so richtig gegriffen hätten. Der Film dreht sich nämlich ums hacken, und das in einer Zeit, als es kein ziviles Internet oder vernetzte Geräte gab. Folgerichtig wird analog gehackt, mit Tonbändern und Charme. Das ist nostalgisch anzusehen.


Spielen:

Mass Effect 3 [PS5, 2021 Remaster]
Die Reaper sind da! Die hochhausgroßen Maschinenwesen überfallen… Vancouver? Dooferweise hat sich niemand auf die Ankunft der Maschinenwesen, die alle 50.000 Jahre das Leben in unserer Galaxis ernten, vorbereitet.

Nun ist es an Shepherd, die Verteidigung zu übernehmen. Dazu muss eine Allianz aus allen Spezies geformt werden, und da jede Rasse gerade mit sich beschäftigt ist, stellt sich das als nicht so einfach heraus. Zum Glück ist da noch ein McGuffin, von dem niemand weiß, was er eigentlich macht, der aber unbedingt gebaut werden muss.

Ach man. Ich wusste nichts mehr von ME3, außer, dass das Ende so schlecht war, dass es mir die ganze Trilogie versaut hat. Da traf man im Verlauf von drei Spielen hammerschwere moralische Entscheidungen, die allesamt Auswirkungen haben sollten – und dann stand man am Ende vor der Wahl einen von drei Schaltern zu drücken und damit die gleiche Cutscene in blau, rot oder grün zu hinterlegen.

Da im Verlauf des Spiels auch deutlich wurde, das die (neuen) Autoren ihre eigene Story oder der Lore der Vorgängerspiele und -bücher nicht mehr interessierte, fühlte sich das so billig und enttäuschend an, dass ich das Game nach dem ersten Spielen 2012 nie wieder angefasst habe.

Hätte ich es mal getan, denn nachdem Hersteller Bioware einen Shitstorm aus o.g. Gründen erlebte, wurde schnell DLC nachgeschoben, in dem das Ende und die Story besser erklärt wurden. Diese Zusatzpakete sind in der „Legendary Edition“ enthalten und machen das Spiel wirklich wesentlich besser.

Klar, das Ende ist immer noch abrupt, fühlt sich aber sinnvoller an. Der Hintergrund der Reaper wird besser erklärt. Die Gefährten erhalten wertvollere Momente. Und man wird nicht mehr gezwungen, den Multiplayernmodus zu spielen, den gibt es schlicht nicht mehr.

Auch wenn die Story damit immer noch schwächer ist als von Teil 1 und 2: Rein vom Gameplay und von der Inszenierung ist „ME3“ klar das beste Spiel der Shepherd-Trilogie. Statt einem Deckungsshooter hat man hier einen sehr guten Third-Person-RPG-Shooter mit filmischer Inszenierung. Von daher ein unterhaltsamer und mittlerweile guter Abschluss von Shepherds Geschichte.


Machen:
Arbeit-Arbeit-Arbeit. Und dann geht es los in den Motorradherbst, der leider nass beginnt, sich dann aber steigert.


Neues Spielzeug:

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Momentaufnahme: August 2021

Herr Silencer im August 2021

Erkenntnis des Monats:Dieses Jahr dauert gleichzeitig ewig und rast vorbei wie nichts

Wetter: Kalt. Kalt und nass. Nachts teils einstellig, tagsüber selten an 20 Grad.


Lesen:


Hören:

Podcast-Schmodcast
Ich mag Etienne Gardé, der mal die Rocket Beans mitgegründet hat. Ich liebe Katjana Gerz, die in „Gute Arbeit Originals“ gezeigt hat, das sie eine begnadete und sehr lustige Schauspielerin ist. Nun machen die beiden mit „podcast-Schmodcast“ einen Impro-Podcast. Kein Thema, einfach nur loslabern und gucken wo die Reise hingeht.

Sowas funktioniert selten gut, und hier leider gar nicht. Zumindest die ersten zwei Episoden bestehen zur Hälfte aus Gestammel, in der anderen Hälfte lachen sich die beiden über sich selbst kaputt. Typischer Fall von „ist wohl nur lustig wenn man dabei war“.

Das kann noch besser werden, wenn die beiden von dieser zwangslustigen Impro-Nummer runterkommen, denn beide sind interessante Charaktere und haben durchaus was zu erzählen. Das blitzt bislang selten durch, ewa wenn Katjana erzählt, wie sie versehentlich in einer Superbowl-Werbung für Scientology gelandet ist. Bislang ist der Podcast durch ständiges Kichern und Prusten leider nahezu unhörbar.


Sehen:

Über Grenzen – Der Film einer langen Reise
Nordhessen: Rentnerin Margot hat zwar keinen Motorradführerschein und auch keine Erfahrung mit Moppeds, steigt aber dennoch mit 64 Jahren auf eine 125er und fährt einfach mal los gen Osten, bis nach China und wieder zurück.

Wow, mit 64 Jahren und als Frau ganz allein auf dem Motorrad um die halbe Welt, das klingt nach richtig großem Abenteuer! Ist es auch, aber anders, als man es sich vorstellt.

Als Zuschauer kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, wenn man der Protagonistin dabei zusieht, wie sie einfach mal beschliesst in die Welt hinauszufahren, und das scheinbar völlig ahnungslos tut. Vorher schon mal auf eine Motorradtour gemacht? Fehlanzeige. Motorradführerschein? Nicht vorherhanden, der alte graue Lappen reicht rechtlich ja aus. Körperliche Fitness für so eine Grenzerfahrung? Auch nicht vorhanden.

Kaum aus Nordhessen raus und noch in urbanem Gebiet beginnt das ganze mit einem ersten Sturz, der mit der überraschenden Erkenntnis endet: Kupplungshebel können abbrechen! Und was macht man dann? Hilflos mit den Ärmchen rudern und andere um Hilfe bitten. Diesem ersten Sturz folgen viele, viele weitere.

Irgendwann stösst Margots Enkel zu ihr und unterstützt sie mit einem Begleitfahrzeug. Ab diesem Moment gibt es dann auch andere als Aufnahmen als nur die Wackelfilmchen aus Margots Handy. Neben schönen Drohnenshots der Mongolei wird nun aber das ganze Elend sichtbar. Gefühlt alle paar Meter kippt die Rentnerin um und fällt aus dem Sattel, teils wegen des Geländes, teils vor Schwäche. Dabei verletzt sie sich auch schon mal nicht unerheblich, weiter geht es nur dank polnischen Moppedfahrern mit gut sortierter Bordapotheke und der Hilfe des Enkels und dessen Kumpel, die die Dame immer wieder in den Sattel heben.

Das klingt jetzt reichlich miesepetrig, aber dieser Reisefilm ist für mich stellenweise wirklich unangenehm anzusehen. Für das Publikum ist eine Heldenreise, bei der die Protagonisten Hindernisse überwinden müssen, immer interessant. Dachte ich. Bei diesem Film habe ich aber vor Fremdscham teilweise nicht mehr zuschauen können. Das liegt vor allem in der – zumindest scheinbaren – Naivität und Sturköpfigkeit der Protagonistin. Spätestens wenn Margot gegen den Rat von Einheimischen versucht, bei starkem Schneefall und Wind einen verschlammten Gebirgspass zu queren und praktisch nur noch im Matsch liegt, möchte man sich abwenden.

Margot Flügel-Anhalt wird in der Moppedreiseszene viel herumgereicht und meist als Rolemodel und Heldin besprochen. Ich muss sagen: Ja, sie hat Mut bewiesen. Aber WAS sie da macht ist dann einfach so naiv und jenseits von Gut und Böse, dass es an Dummheit grenzt. Ihr zähes Festhalten kann man als „eisernen Willen“ begreifen, aber auch als „nordhessischen Dickschädel“. Ich finde es zudem leicht anmaßend darauf zu setzen, dass einem ständig jemand hilft. Im Film wirkt die Reise es stellenweise wie betreutes Fahren, bei dem sich jemand von einem hilfsbereiten Menschen zum nächsten auf seinem Mopped durch die Welt schieben oder tragen lässt.

Aus irgendeinem Grund gibt es den ganzen Film in zwei Teilen auch als Doku des SWR, hier auf YT:

Über Grenzen, Teil 1
Über Grenzen, Teil 2

Restoration Videos
Niemand spricht, man sieht nur zwei Hände, die ein altes, rostiges Blechspielzeug, oder eine Kaffeemühle, oder ein Käseschneidedings etc. demontieren, reinigen, reparieren, lackieren und wieder zusammensetzen.



Diese Art Video ist mittlerweile ein eigenes Genre auf Youtube. Ich verstehe auch warum: Es hat etwas seltsam beruhigendes dabei zuzusehen, wie alte Gegenstände Stück für Stück liebevoll restauriert werden. Vorsichtig werden an teils über 100 Jahre alten Gegenständen Schrauben gelöst, alte Farbschichten abgetragen, gesandstrahlt, pulverbeschichtet, und am Ende sieht der alte Gegenstand aus wie gerade frisch gekauft. Könnte ich stundenlang gucken.

Justice League [2021, BluRay]
Irgend ein Hoppepeter sucht leuchtende Schachteln, und wenn er drei davon hat geht die Welt kaputt, oder so. Batman gefällt das nicht und klöppelt sich ein eigenes Avengers-Team zusammen: Die Liga der Selbstgerechten.

„Justice League“ kam vor vier Jahren raus, damals befand ich ihn als „zusammenhanglose Aneinanderreihung von dummen Szenen“, die keinen Sinn ergaben (ganze Rezension hier).

Das lag auch an der Produktionsgeschichte: Zac Snyder, der Mann mit den Nazi-Eulen, der noch nie einen guten Film gemacht hat, stieg damals kurz vor Fertigstellung aus und „Avengers“-Regisseur Joss Whedon übernahm und ordnete Nachdrehs an. Das Ergebnis war eine Katastrophe, und in der Folge hieß es immer wieder, Snyders ursprüngliche Fassung hätte die bessere sein können. Nach genügend Rumquengelei durch die Fanbase investierte das Studio nun tatsächlich nochmal ein paar Millionen, um einen „Snyder Cut“ von Justice League fertig zu stellen – und das Ergebnis ist verblüffend.

Verblüffend zum einen, weil diese Fassung wenig mit der Kinoversion zu tun hat und tatsächlich der bessere Film ist. Das hätte ich Snyder nicht zugetraut, aber es ist so: Figuren werden gut eingeführt, entwickeln sich, die Story wird gut hergeleitet.

Verblüffend aber auch, weil dieser Film ein Testament des Irrsinns ist – er ist viereinhalb Stunden lang und in 4:3 Format. Das lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Snyder-Filme sind normalerweise auch deshalb so schlecht, weil er keine Ahnung hat, wieviel in einen 100 Minuten Film eigentlich reinpasst.

„Justice League“ ist auch im Snyder-Cut kein filmisches Meisterwerk, aber zumindest wird hier eine zusammenhängende Geschichte in teils wirklich großen Bildern erzählt.


Spielen:

Mass Effect 2 [PS5, 2021 Remaster]
Unmittelbar nach dem Ende von Mass Effect 1: Heldin (oder Held) Shepherd sucht nach Möglichkeiten, um zukünftige Attacken von Maschinenwesen und letztlich den Genozid an allem organischem Leben zu verhindern. Da kommt es eher ungelegen, das ihr Schiff bei einem Angriff zerschnitten wird und Shepherd stirbt.

Zwei Jahre ersteht sie wieder von den Toten auf, wiederbelebt von einer sinistren und xenophoben Geheimorganisation. In deren Auftrag zieht Shepherd los und stellt ein Team zusammen, das den Maschinenwesen etwas entgegensetzen soll.

Was für ein schockierender Moment zu Beginn des Spiels, wenn die aus Teil 1 liebgewonnene (und mitsamt Erfahrung und Aussehen von dort importierte) Figur stirbt – und was für eine dumme Idee, sie ausgerechnet für die Space Nazis aus Teil 1 arbeiten zu lassen. Aber auch wenn die Grundprämisse Banane ist, macht ME2 einfach viel richtig. Die vielen Einzelmissionen sind, wie die Figuren und Dialoge, meist richtig gut geschrieben, die Geschichte ist faszinierend und die Spielmechaniken funktionieren weitaus besser als in Teil 1.

Besonders gut: Das eigene Handeln hat Konsequenzen. Je nachdem, wie man mit den Charakteren umgeht und sich ihnen gegenüber verhält, ändert sich der Ausgang des Spiels. Sind alle Figuren motiviert und fühlen sich Shepherd verpflichtet, laufen sie zu Höchstleistungen auf und überstehen die „Suicide Mission“ am Ende der Handlung. Sind sie dagegen von Shepherd enttäuscht, werden einige oder sogar alle der liebgewonnenen Charaktere umkommen. Das Wissen um diese Konsequenzen verleihen den Dialogen zwischen den Actionsequenzen Bedeutung und Schwere.

Mass Effect 2 ist ein echter Spieleklassiker, der 2010 für die XBOX 360 erschien und der im Remaster nicht groß verändert wurde – leider! Gerade den Charaktermodellen und Gesichtern hätten besser überarbeitete Texturen gut gestanden. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, Mass Effect 2 ist einfach eine erzählerische Wucht, die auch in Actionpassagen gut funktioniert.


Machen:
Arbeit-Arbeit-Arbeit. Aber immerhin mit Moppedzwerch und Albrecht getroffen. Das war beides schön!


Neues Spielzeug:

Nüscht

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Momentaufnahme: Juli 2021 (2)

Herr Silencer im Juli 2021
Erstaunlich viel Medienkonsum diesen Monat, deshalb dieses Mal in zwei Teilen. Das hier ist Teil 2, Teil 1 erschien vor zwei Wochen.

Wort des Monats: „Halssalz“

Wetter: Nass und kühl. Nach der Sintflut zur Monatsmitte nun zwar etwas trockener und wärmer, aber immer noch bedeckt/regnerisch und meist Temperaturen zwischen 14 ud 21 Grad.


Lesen:


Hören:

Cui Bono: WTF happend to Ken Jebsen? [ARD Mediathek oder sonst überall wo es Podcasts gibt]
Ken Jebsen war mal ein innovativer, frischer, geradezu avantgardistischer Radiomoderator, bis er sich in Verschwörungsgeschichten verstrickte. Als „KenFM“ erreichte er mit denen auf Youtube ein breites Publikum, bis er dort gesperrt wurde.

Von einem antisemitischen Verstolperer über erste Verschwörungsmythen und Werbeshows für Russland hin zum Coronoaleugner und selbsternannten Verfolgten, der die Demokratie in Deutschland brennen sehen will: Der Podcast zeichnet nicht nur Aufstieg und Abdriften Jebsens nach, er sucht auch nach Vorbildern in der US-Medienszene und verknüpft Jebsens Fall mit rechten Akteuren und Einflussnahme durch Russland.

Darüber hinaus geht er der Frage nach, was diese Verschwörungsmythen eigentlich für Auswirkungen auf unser aller Alltag haben – etwa, wenn ein Familienmitglied nach Jebsens Videos in Youbes Kaninchenbau fällt und als Impfverweigerer oder Reichsbürger wieder rauskommt.

Mir persönlich ist der Podcast zu verspielt und kumpelhaft, dabei hätte er Audiogimmicks gar nicht nötig und könnte sich rein auf Erzählung, Recherche und O-Töne verlassen. Aber gut, Zielgruppe sind auch deutlich jüngere Hörer als ich. In der Summe ist der sechsteilige Podcast mit seinen je ca. 40minütigen Folgen sehr informativ und kurzweilig. Klare Hörempfehlung für Podcast-Fans!


Sehen:

Black Widow [2020, Disney+]
Während der „Civil War“-Nachwehen und vor dem „Infinity War“: Scarlett Johannson taucht in Osteuropa unter und stolpert darüber, dass die „Black Widow“-Organisation, die junge Frauen entführt, missbraucht und zu Killerinnen indoktriniert, immer noch im Verborgenen existiert.

Hätte so schön sein können: Ein Marvel-Film mit einer weiblichen Heldin, der statt auf bombastischen Bumm-Bratz auf Thrillerspannung im Agentenmilieu setzt. Tatsächlich fühlt sich „Black Widow“ zu Beginn an wie ein „Bourne“-Film oder wie „Red Sparrow“: Kalt, schmutzig, brutal.

Statt dann aber wirklich den „Red Sparrow“ zu machen und auf eine clevere Story um Überbleibsel des KGB zu setzen oder ein Psychogramm der Protagonistin zu zeigen, versteigt sich der Film dann doch wieder in Krach-Bumm.

Das Scarlett Johannson offensichtlich keinen Bock hat und ihre Rolle nur durchtelefoniert, macht das nicht besser. Der Film ist so leer wie die Blicke der Protagonistin, während sie Oneliner aufsagt.

How to Sell Drugs online (fast), Staffel 3 [2021, Netflix]
Schüler Moritz hat Stress: Er steckt mitten im Abi, hat Knatsch mit seinem besten Freund, trauert seiner Verflossenen hinterher und hat einem Drogenring versprochen, einen sensationellen Onlineshop in neuer Version an den Start zu bringen. Leider will vue.JS nicht so wie er will, die Polizei ist ihm auf den Fersen und „die Holländer“ werden immer ungemütlicher. Moritz hat also allen Grund kleine Brötchen zu backen, dabei würde er doch so gerne mit seinem geheimen Doppelleben prahlen.

Dritte und vermutlich letzte Staffel über einen Schüler, der aus dem Kinderzimmer zum Drogenbaron Europas wird. In sechs Episoden kurzweilig und mit tollen Dialogen, die aus tollen Schauspieler fallen, zu einem runden Ende erzählt.


Spielen:

Metro Exodus [2018, PS4]
Im Jahr 2035: Drei Jahrzehnte nach einem Atomschlag über Russland verstecken sich die letzten Überlebenden in der Moskauer U-Bahn. Jede größere Metrostation hat eine eigene gesellschaftliche Ordnung, die einzelnen Linien bekriegen sich untereinander, alle zusammen wehren sich gegen mutierte Tiere. Die Oberfläche gilt als lebensfeindlich, der Rest der Welt als tot. Bis eines Tages der Soldat Artyom entdeckt, das dem nicht so ist. Gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe macht er sich in einer Dampflokomotive auf die Suche nach neuem Lebensraum.

Das ukrainische Entwicklungsstudio 4A Games hat aus den russischen „Metro“-Romanen einen Shooter gemacht und den in eine faszinierende, morbid-schöne Welt gepflanzt. Grafikassets, Artdesign, Lichtstimmungen, das steht alles westlichen Triple-A-Großproduktionen in nichts nach und schafft eine faszinierende Atmosphäre. Dazu kommt die interessante Idee mit dem Dampfzug, der Episoden in unterschiedlichen Gegenden möglich macht und als social Hub dient, um die anderen Figuren kennen zu lernen.

Hört sich super an, das Problem ist nur: Das macht alles überhaupt keinen Spaß. Die Story ist schlecht erzählt, überhastet und voller Lücken. Die Orientierung ist durch das Fehlen von Markern schwierig. Die Munition ist ständig aus. Die Shootermechaniken sind quirky. Stealth funktioniert schlecht.

Und: Die Charaktere labern einem bei jeder Gelegenheit ein Wurstbrot ans Ohr. „Metro“ ist das erste Spiel, von dem ich sagen würde, das es „overwritten“ ist. Schön, das man sich zu jedem Nebencharakter eine Backgroundstory ausgedacht hat. Aber warum müssen die mir das als Expositionsdump alles auf einmal und denkbar ungeschickt an den Kopf kotzen?

Beispiel: Wenn in einem Feuergefecht ein NPC ruft „Spring in das Auto“ und dann erstmal nostalgisch wird und anfängt verträumt zu erzählen, dass sein Großvater, damals, in Smolansk, auch so ein Auto hatte, mit dem er jeden Samstag auf den Markt gefahren ist um Birnen für Tante Marta zu kaufen und wie die Sitze im Sommer dufteten, dann ist das so unpassend, dass es die Immersion bricht.

Und so geht das bei jeder Kleinigkeit, alles ist overwritten und leidet unter schlechtem Pacing. Selbst über ein simples Feuerzeug erzählen die Charaktere einen Roman von Tolstoi. Dafür braucht man sie nicht mal ansprechen, manchmal quasseln NPCs auch von sich aus los und erzählen ungefragt ihre halbe Lebensgeschichte, gerne auch während eines Feuergefechts, bis man nur noch „Halt´s Maul“ schreien möchte.

Dealbreaker ist aber das schlecht balancierte uns lökerige Gameplay. Schon auf normalem Schwierigkeitsgrad steht man permanent ohne Munition da. Die liegt nämlich selten einfach in der Landschaft rum, jede Patrone will an einer Werkbank von Hand gefertigt werden. Da Rohmaterial knapp, die Tragekapazität begrenzt, die Werkbänke sehr selten und manche Gegner Bullettsponges sind, die auch mal mehrere Kopfschüsse einfach wegstecken, ist man häufig „out of ammo“ und stürzt sich mit den Fäusten in den Kampf.

Das geht so weit, dass man selbst in gescripteten Gefechten neben seinen dauerfeuernden Computerkollegen steht und praktisch nicht mitspielen kann, sondern nur traurig Klick-Klick macht und zuguckt.

Ich verstehe schon, was das Spiel möchte: Es will signalisieren, das Überleben ein Kampf ist gewaltfreies und heimliches Vorgehen belohnen, was in der Theorie auch nett ist, in der Praxis aber auch dort scheitert. Denn Schleichen ist kaum möglich, wenn einen Gegner auch im Dunkeln aus 100 Metern Entfernung ausmachen oder gescriptet Rudel mutierter Tiere oder Bossgegner auftauchen. Gerade auf letztere bereitet einen das Spiel nicht vor und sorgt nicht dafür, dass man eine Chance hat – und wenn man einmal ohne Munition einem mutierten Killerbären gegenübersteht, geht´s nicht mehr weiter.

Dass man mangels Missionsmarkern oft gar nicht weiß, wo man hin muss oder was man tun soll, macht das Ganze nicht besser.

Dem Spielspaß abträglich sind zudem die Ladezeiten. Bis die Welt initial geladen ist, dauert es auf der Standard PS4 fünfeinhalb(!) Minuten, das Laden eines Spielstands dann jedes mal rund zwei Minuten. Sowas geht nicht. (Auf der PS5 sind es initial 2 Minuten und beim Reload 30 Sekunden, immer noch viel aber erträglich).

So stolpert man planlos durch dunkle Levels und wird dabei von Monstern angegriffen, gegen die man sich nicht wehren kann, während gleichzeitig über Funk ein NPC gerade wieder von seinem schönsten Ferienerlebnis erzählt. Nach nach ständigem, plötzlichem und sehr schnellem Ableben wartet man dann minutenlang bis es weitergeht.

„Metro: Exodus“ ist atmosphärisch eine Wucht, aber es ist leider vom Gameplay so schlecht und narrativ so dumm, dass das in Summe eine Sperrigkeit ergibt, mit der ich nichts anfangen kann. Sicherlich können sich geduldigere Gamer damit anfreunden, denn wenn man das Spiel als Stealth mit ständigem Backtracking spielt und viel Zeit in Erkundung und das auswendig lernen der Macken investiert – dann ist „Metro“ sicher nett. Aber wenn man so viel Zeit in der Hand eines quirky Games verbringt, entwickelt man auch eine Art von Stockholm-Syndrom, und ich möchte mit einem simplen Game nicht so viel Zeit verbringen wie mit „Krieg und Frieden“.

Spider-Man: Miles Morales [2020, PS5]
Peter Parker macht Ferien, aber das bedeutet nicht, das New York ohne Spider-Man ist: Auch der Teenager Miles Morales wurde von einer Spinne gebissen und hat jetzt Superfähigkeiten. Die sind auch dringend nötig, denn ein sinisterer Energiekonzern und eine High-Tech-Anarcho-Gang bekriegen sich in den Straßen der Großstadt.

Das 2018er „Spider-Man“ für die PS4 war wegen seiner Gameplay-Mechaniken herausragend: Stealth und Freeflow-Combat funktionierten fast auf dem Niveau der „Arkham“-Spiele, und die Fortbewegung per Spinnennetz durch die Straßenschluchten machte auch nach dutzenden Spielstunden noch einen Heidenspaß. Diese Mechaniken sowie die Großstadt und viele andere Assets werden hier 1:1 recycled, weshalb sich „Miles Morales“ eher wie ein sehr großer DLC als ein eigenes Spiel anfühlt.

Eigenständige Ideen sucht man hier vergebens, aber immerhin ist die Umsetzung wieder schön gemacht, die Charaktere sind OK und die Story gewinnt zwar keinen Literaturpreis, geht aber in Ordnung. Auf der PS5 fällt auf, das es praktisch keine Ladezeiten gibt, die Stadt viel detaillierter ist und dank Raytracing auch hübscher aussieht als auf der alten Konsole.

Mass Effect [2007, PS5]
Die Menschheit fliegt zum Mars und findet dort ein seltsam Ding, das mittels eines „Masseneffekts“ überlichtschnelles Reisen ermöglicht. Fünfundzwanzig Jahre später haben die Menschen Kontakt zu einer Allianz aus dutzenden Spezies aufgenommen, die ebenfalls dank der überall verstreuten und uralten Artefakte das All erobert haben.

Die Menschen sind die „Neuen“ in diesem Weltenbund, müssen sich erst noch beweisen und werden auf skeptischer Distanz gehalten. Da ist es nicht verwunderlich, das erstmal kollektiv mit den Augen und Sehstielen gerollt wird, als ausgerechnet ein Mensch mit schier unglaublichen Nachrichten kommt: Innerhalb der Allianz soll es eine Verschwörung geben, die eine 50.000 Jahre alte Maschinenrasse wiederbeleben will. Beweise gibt es für diese ungeheuerliche Behauptung nicht, und so macht sich der Mensch allein auf die Suche nach den Hintergründen.

„Mass Effect“ als dreiteiliges Gesamtwerk ist ein Meilenstein der Erzählkunst, der immer wegen seines vergurkten Endes in schlechter Erinnerung bleiben wird. Aber bis zu diesem Ende zog sich eine fantastische Geschichte über drei Spiele hin, die ursprünglich für die XBOX 360 erschienenen sind. Nun liegt die Reihe in einer remasterten Version für aktuelle Konsolen und PCs vor, und der Überarbeiteten Version hätte zumindest in Bezug auf Teil 1 mehr Liebe gut getan.

Zwar gibt es signifikante Verbesserungen in der Optik und kleinere im Gameplay, aber richtig schlimme Dinge wurden nur kosmetisch behandelt und nicht grundlegend überarbeitet. So ist das Inventar immer noch ähnlich fummelig wie 2007, Physik und Steuerung des Bodenfahrzeugs „Mako“ sind nach wie vor ein ärgerlicher Witz und die automatische Deckung funktioniert nach wie vor eher selten – was für ein Spiel, das in seinen Actionsequenzen ein Deckungsshooter sein möchte, ziemlich schlecht ist.

Wäre nicht schlimm, denn groß ist „Mass Effect“ immer dann, wenn es um die Geschichte und Charaktere geht. Letztere sind zwar immer noch blockig animiert, sehen aber mit höher aufgelösten Texturen in den Gesprächssequenzen wenigstens besser aus. Nur: Auf der PS5 gibt es einen Bug, durch den, wenn die Konsole per HDMI an einem AV-Receiver mit 5.1/7.1-Lautsprechersetup hängt, Gesprächsdialoge aus den hinteren Boxen kommen. Das macht das Spiel unerträglich, und manche Gamer werden auch das Ende nie sehen.

Es gibt nämlich nach wie vor einen Bug, durch den sich das Game mitten im Endkampf (ich hasse Bosskämpfe!) reproduzierbar weghängt. Absturz! Auf einer Konsole! Durch einen Gamestopper-Bug, der SEIT VIERZEHN JAHREN BEKANNT IST!

So gut Mass Effect 1 also als große Sci-Fi-Geschichte immer noch ist, die remasterte Version ist lieblos und bestenfalls halb gar.


Machen:
Planen, für einen Moppedherbst.


Neues Spielzeug:
Eine Regenkombi. Wieder eine Stormchaser von FLM, aber dieses Mal als Einteiler.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

Momentaufnahme: Juli 2021 (1)

Herr Silencer im Juli 2021
Erstaunlich viel Medienkonsum dank schlechtem Wetter und neuem Spielzeug, deshalb der Rückblick auf den Monat in zwei Teilen. Das hier ist Teil 1.

Sprachbild des Monats:„Das war ein Feigenblatt, aus dem sich manche Leute Lorbeerkränze geflochten haben“

Wetter: Erstaunlich viel Regen, Temperaturen bis Monatsmitte Nachts 15, tags um 20 Grad. Mitte des Monats Sintflut in Westdeutschland.


Lesen:

Mitzi Irsaj: Nix mit Amore [2019, Kindle]
Wahre Geschichte: Ehrgeizige Studentin zieht zu ihrem Freund nach Italien. Dort angekommen zerbricht die Beziehung, und sie muss sich entscheiden: Allein Fuß fassen in dem fremden Land, oder zurück zu den Eltern? Sie entscheidet sich zu bleiben, und verzweifelt bald an der Sprache, italienischen Behörden, Parkgewohnheiten und Wohnungen ohne Fenster.

Originelle und erfrischender Bericht einer Auswandererin, der humorvoll die Hindernisse und Schwierigkeiten beim Aufbau eines neuen Lebens in einem anderen Land beschreibt. Locker zu lesende 128 Seiten Kulturclash, sehr kurzweilig.


Hören:


Sehen:

Veronica Mars: Spring Break Forever [2019, Joyn]
Veronica Mars arbeitet wieder als Privatdetektivin in der Küstenstadt Neptune, Kalifornien. Neben Fällen für reiche Klientinnen kümmert sie sich um ihren Vater, der fürchtet Demenzkrank zu sein. Als während der Spring Break-Partys Bombenexplosionen und mexikanische Killerkommandos für Chaos sorgen, ist es mit der Ruhe vorbei.

15 Jahre nach der dritten Staffel und 5 Jahre nach dem crowdfinanzierten und eher mittelmäßigem Kinofilm nun noch eine neue Staffel Veronic Mars – kann das gut gehen? Braucht es das?

Um es kurz zu machen: JA! Ich bin völlig begeistert von dieser Eigenproduktion des Streamingkanals Hulu. Die acht Episoden sind straff durchinszeniert und schaffen das, was der Kinofilm nicht hin bekam: Genau den richtigen Ton zu treffen, um den alten „Veronice Mars“-Zauber zurückzubringen und eine neue Geschichte spannend zu erzählen. Es ist eine Freude, der stoischen und oft einsilbigen, aber immer kompetenten Veronica beim Lösen der komplexen Fälle zuzusehen. Das die Serie eine deutlich feministische Botschaft hat, macht sie nur besser – das hier ist eine zeitgemäße und sehr spannende Krimiserie.

„Veronica Mars“ hat eine treue Fangemeinde, die mit der Serie erwachsen geworden sind. Das wissen die Macher und nutzen das auch. Die Serie war schon immer ernst und sogar düster, aber die neue Staffel bedient sogar Sehgewohnheiten, die von Serien wie „Breaking Bad“ oder „Sherlock“ oder Filmen wie „Saw“ abgehärtet sind.

Das Ergebnis ist überaus erwachsen, spannend, unterhaltsam, überraschend und emotional. Wer Ms. Mars früher schon mal gut fand, sollte hier auf jeden Fall reingucken.

Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes und Die Rückkehr des Dr. Phibes [1971/1972, DVD]
London, 1921: Mehrere Ärzte kommem unter seltsamen Umständen ums Leben. Einer wird in seinem Schlafzimmer von Fledermäusen ausgesaugt, ein anderer von einer todbringenden Froschmaske zerquetscht, wieder ein anderer wird inmitten seines Blutes gefunden – hübsch abgefüllt in Flaschen.

Tatsächlich ist es ein Rachefeldzug des genialen wie skrupellosen Dr. Phibes, der neun Ärzten die Schuld am Tod seiner Frau gibt und diese nun nach den alttestamentarischen Motiven der 10 Plagen ermordet. Scotland Yard kommt hinter das Geheimnis, kann Phibes aber nicht stoppen.

Fünf Jahre später reist Phibes nach Ägypten, um dort in einem Pharaonengrab seine geliebte Frau wieder zu beleben. Dabei kommt ihm eine Gruppe Briten in die Quere, die wiederum auf originelle Arten aus dem Leben scheiden.

Uh, was habe ich mich als Kind vor Dr. Phibes gegruselt! Aber wie befriedigend war es damals schon, auf welche geniale Weise er seine Pläne umsetzt! Retrospektiv sind die Filme immer noch der Wahnsinn. Das Art Deco-Design und die surreale Inszenierung haben nicht von ihrer verstörenden Kraft verloren.

So wird in den ersten 10 Minuten des ersten Filmes kein Wort gesprochen, minutenlange Tanz- und Orgeleinlagen schaffen eine morbide Atmosphäre und Vincent Price spielt teils nur über seine Augen – großartig! Das sich die Filme dabei nicht zu ernst nehmen, macht sie fast zeitlos. Das merkt man auch daran, dass sie Vorbild für spätere, erfolgreiche Filme waren. Mindestens „Sieben“ und alle „Saw“-Filme, aber auch die „Final Destination“-Filme sind deutlich durch „Phibes“ inspiriert.


Sörensen hat Angst [2020, ARD, Netflix]
Polizist Bjarne Mädel hat eine Angststörung. Um seine Ruhe zu haben, lässt er sich in ein Kaff nach Friesland versetzen. Da hat er aber sofort einen Mord am Hals.

Ich mag Bjarne Mädels irritiertes und irritierendes Spiel (Tatortreiniger, Stromberg) ja sehr, und da er diesen Film mit produziert und die Regie geführt hat, kommt das voll zum Tragen. Zusammen mit unprätentiös norddeutschem Flair in mild absurden Situationen hat der Film ab Minute eins einen spröden wie erfrischenden Charme.


Neues Spielzeug:
Eine PS5! Ein kleines Einzelhandelsgeschäft bei Passau hat das geschafft, was die großen Handelsketten nicht hinbekommen: Eine Warteliste für die rare Konsole zu führen. Über die konnte ich nun eine der wenigen ausgelieferten Konsolen bekommen. Leider nur als riesiges Bundle mit allen möglichen uninteressanten Spielen und Headset, aber der überflüssige Kram ist schon wieder auf Ebay verkauft.

Erster Eindruck: Die Konsole ist RIESIG, über 40 cm hoch, und wenn man sie horizontal aufstellt, sieht sie aus wie ein gelandetes Raumschiff. Außer HDMI und LAN gibt es keine Anschlüsse mehr. Betriebsgeräusche produziert sie praktisch keine. Die Benutzeroberfläche ist komplizierter als beim Vorgängermodell, nahezu jede Aktion benötigt mehr Klicks als auf der PS4. Liebgewonnene Funktionen wie Ordner, Medienserver und Webbrowser fehlen (noch).

Performance und Ladezeiten sind toll, und davon profitieren dank Abwärtskompatibilität auch PS4-Titel – „Metro Exodus“ lädt hier statt fünfeinhalb nur zwei Minuten.

Der Controller mit seinem haptischen Feedback ist der Wahnsinn. Was nervt: Die Lightshow von Steuer- und Statusanzeigen an Konsole und Controller, die sehr hell sind und sich nicht abschalten lassen.

Nicht gut ist das 3D-Pulse Headset, das wirkt billig und der 3D-Sound ist zwar präzise im Raum verortbar, aber mangels Bass wenig druckvoll.


Spielen:

Astros Playroom [2020 PS5]
Ein knuddeliger Roboter hüpft und springt durch das Innere der PS5 und sammelt Artefakte aus früheren Playstation-Zeiten.

„Astro“ liegt jeder PS5 bei und ist eigentlich ein Showcase für die Fähigkeiten des neuen Controllers. Der kann Dank Motoren den Widerstand der Triggertasten anpassen und taktiles Feedback geben, und zwar wesentlich genauer als die „vibriert oder vibriert nicht“-Funktionen früherer Generationen. Die Wirkung ist wirklich erstaunlich, man meint tatsächlich in der Hand die Beschaffenheit der Untergründe zu spüren, über die Astro läuft, von Metall bis hin zu Gras.

Das Game selbst ist ein knapp drei Stunden kurzes und sehr gelungenes 3D-Hüpfspiel, das liebevoll und niedlich inszeniert ist und einen zum Schmunzeln und Staunen bringt.

Ratchet & Clank: Rift Apart [2020, PS5]
Roboter Clank baut ein Gerät, mit dem man Risse in andere Dimensionen öffnen kann. Doof nur, dass das fast augenblicklich vom bösen Dr. Nefarious geklaut wird. Der stellt damit Unfug an und lässt die Dimensionen zersplittern. Clank und sein Kumpel, der Weltraumfuchs Ratchett, müssen versuchen den Schaden rückgängig zu machen.

Knallbunter 3D-Shooter, richtet sich an eine kindliche/jugendliche Zielgruppe. Hier sind die Bösen noch böse und sehen auch so aus, und da Armin Shimermann (Quark aus Deeps Space 9) die spricht, hören sie sich auch so an.

Technisch kracht es auf der PS5 so richtig, sowohl der neue Controller mit seinem taktilen Feedback als auch Grafik und das Speichermanagement werden gut eingesetzt. So wechselt man ohne Ladezeiten durch Dimensionsrisse von einem Level in den nächsten, und in großen Schlachten sind so viele detaillierte Objekte und Effekte auf dem Bildschirm, dass man fast die Übersicht verliert. Dabei läuft alles stets butterweich und ohne ins Stocken zu kommen. Ein schöner Launchtitel, der zeigt, wo bei der neuen Konsolengeneration die Reise hingeht.

Das Gameplay ist ok, nervig ist nur die ständige Munitionsknappheit. Klar, die soll dazu führen, dass man mit dem gesamten, skurrilen Waffenarsenal experimentieren muss – in dem sich so seltsame Dinge befinden wie eine Bombe, die Gegner in blühende Büsche verwandelt. Trotzdem nervt es, wenn man zum Ende hin mit einem Schraubenschlüssel auf den Bossgegner einschlagen muss, weil alle Kniften leer sind.


Machen:
Zweite Impfung, und planen für einen Moppedherbst.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 4 Kommentare

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