Momentaufnahme

Momentaufnahme: März 2020 (1)

Herr Silencer im März 2020

Die Welt fährt runter.

Coronabedingt sehr viel Medienkonsum diesen Monat, deshalb erstmalig die „Momentaufnahme“ in zwei Teilen.

Wetter: Bis Mitte des Monats mild und recht viel Regen, dann kein Niederschlag mehr und sehr sonnig, dafür abwechselnd brüllend warm (tagsüber 18 Grad) und sehr kalt (Monatsende nachts -7).


Lesen:

Frank Panthöfer: Winterflucht – Eine Motorradreise durch Spanien, Portugal und Marokko. [Kindle]
Die Kradvagebunden sind wieder unterwegs. Nach Ende ihrer Weltreise, die sie in zwei Büchern aufgearbeitet haben, versuchen Frank „Panny“ Panthöfer und Simone „Simon“ Dörner für sechs Monate dem Deutschen Winter zu entkommen. Im November geht´s los, bis ins Atlasgebirge von Marokko.

Nach den beiden Vorgängerbüchern „Licht- und Schattenseiten einer Weltreise“ wollte ich nie wieder was von den Kradvagabunden lesen. Jetzt bin ich doch schwach geworden und wurde schnell daran erinnert, warum ich mich verweigern wollte.

Frank Panthöfer, der sich zwischenzeitlich vorgenommen hat seinen Lebensunterhalt als Reisejournalist verdienen zu wollen, schreibt ernsthaft seine Reiseberichte so, dass ich davon schlechte Laune bekomme – das muss man auch erstmal hinkriegen.

Sowohl sein Schreibstil als auch über was er schreibt gefällt mir überhaupt nicht. Als Leser sieht man die Welt immer durch das Hirn des Autors, und das macht den Charme von Reiseberichten aus – wie erlebt der Autor Situationen? Wie reagiert er auf das Fremde, wie wirkt das auf ihn? Leider steht in Panthöfers Welt ausschließlich Panthöfer im Mittelpunkt, und zwar primär seine körperlichen Bedürfnisse. Häufig geht es um wenig mehr als „Wo gibt´s Alkohol?“, „Wie war das Scheißhaus?“ und „Wie schlimm sind mir andere Menschen aus den Sack gegangen“. Für die eigentliche Reisebeschreibung bleibt oft nur ein Hinweis auf´s Wetter und ein „Ist schön hier“ – was genau daran jetzt aber toll ist, das wird nicht beschrieben. Die eigentlichen Fahrten werden häufig zusammengefasst mit „wir fressen Kilometer“, um dann am Ziel festzustellen „Ist vom Feinsten hier“. Aha. Reiseorga, Landschaften, Kultur oder Begegnungen mit anderen Menschen kommen bei Panthöfer nur am Rande oder gar nicht vor.

Klar, kann man machen, liest sich dann raubatzig. Das mag eingangs erfrischend sein, ist schnell aber nur ermüdend. Richtig ärgerlich ist dann aber die engstirnige Haltung, die durch die Texte immer wieder auf das Unangenehmste durchschimmert. Der Auto kann im richtigen Leben so eigentlich nicht sein, aber seine Texte lassen ihn an vielen Stellen als verbitterten Blockwart scheinen, dem andere Menschen in der Hauptsache auf die Nerven gehen – ganz egal ob europäische Wohnmobilbesitzer, einheimische Händler oder ausländische Autofahrer, alle sind unfähig und nerven. Die Wohnmobilfahrer stehen auch alle viel zu spät auf, und das, wo man von ihnen doch heißes Wasser für den Kaffee schnorren will. Ja, um sowas drehen sich die Texte ernsthaft. Da auch jeglicher Humor völlig abwesend ist, wirkt das unangenehm verbittert.

Die letzten 10 Prozent des Buchs drehen sich nur noch darum, das Panthöfer ja von überall arbeiten kann, weil er ja Reisejournalist ist und für Motorradzeitschriften schreibt und Vorträge hält. Und das man sein Buch doch bitte bei ihm kaufen soll, und nicht bei Amazon. Weil er ja Reisejournalist ist, und Geld brauchen kann, weil er ja alles selber machen muss. Das erklärt vielleicht auch die schlechte Formatierung des eBooks, dessen Fotos nicht skalieren und die Überschriften mit merkwürdigem Kontrast hinterlegt sind.

Die Kradvagabunden werden allerorten für ihre Werke bejubelt und hoch gelobt, ich bin von Panthöfer angenervt. Schreibstil, Themenauswahl, die völlig Abwesenheit von Humor und Emotionen (mit Ausnahme von Verbitterung und Ärger über andere), wenig relevante Informationen für eigene Reisen außer bereits veralteten Preisangaben – nein, ich wüsste nicht, warum jemand dieses Buch lesen sollte.

Wer gute Texte sucht, die einen auf Reisen mitnehmen, bei denen man vielleicht noch was lernt, aus denen man etwas über Menschen und Länder erfährt und bei dem der Autor sich auch mal doof anstellt oder Hindernisse überwinden muss, der liest sowas wie Lea Riecks „Sag dem Abenteuer, ich komme“. Oder verfolgt Nicki und Moe auf Moppedhiker. Oder dieses Blog hier. Immerhin schreibe ich genau so, wie ich mir Texte vorstelle, die ich gerne lesen würde. Klingt überheblich, ist aber so.


Hören:


Sehen:

Die Känguru Chroniken [Kino]
Marc-Uwe lebt mit einem Känguru zusammen. Das behauptet Kommunist zu sein, verhaut gerne Nazis und tritt nervige Hunde durch den Park. Gemeinsam verteidigen sie ihren Berliner Kietz gegen die Pläne eines Baumoguls, der nebenbei der Führer der rechtsextremen AZD ist.

Ich kann sagen: Ich habe den Film im Kino gesehen! Das haben nicht viele geschafft, oder, wie Autor Marc-UweKling es ausdrückt: „Das war der schlechteste Zeitpunkt für einen Filmstart seit dem zweiten Weltkrieg“. Auf Youtube spielt er deshalb den Film in einer angepassten „Coronoa-Version“ nach:

Ich liebe die mittlerweile vier Bücher um das Känguru, insbesondere die von Marc-Uwe Kling selbst gesprochenen Hörbücher. Die beinhalten Kurzgeschichten, die oft auf eine sehr clevere und sozialkritische Pointe hinauslaufen. Die Kunstform des Kängurus ist das Episodische. Kann das nun in einen Film übertragen werden?

In Erwartung von cringiger Fremdscham ging ich ins Kino, und wurde halb-positiv überrascht. Positiv, weil Kling und Regisseur Levi es geschafft haben, Elemente aus den Büchern in eine halbwegs kohärente Story zu packen, das computergenerierte Känguru OK umgesetzt ist und eine Metaebene eingezogen wurde, die, ähnlich den Fußnoten in den Büchern, öfter mal die vierte Wand durchlässig macht und stellenweise sehr spassig ist – etwa, wenn Känguru und Marc-Uwe sich im Off streiten und der Hauptdarsteller einfach mal den Audiokommentar abstellt. Oder wenn zur Vermeidung von Markenproblemen auf Gegenständen wie einer Milchtüte einfach „Filmmilch“ steht.

Nur so halb positiv war das Erleben, weil das Ganze dann doch extrem holpert und der Film sich auf zwei Elemente stützt, die im Buch kurz vorkommen, hier aber zum tragenden und durchgehenden Storybogen ausgebaut werden. Das funktioniert nur so mittel, zu überdreht und albern gibt Henry Hübchen dafür den rechtspopulistischen Baumogul Jörg Dwix und zu harmlos kommt das Ganze daher. Das Känguru in dieser Fassung ist genau das, was es in den Büchern immer befürchtet hat: Kein kommunistisches Känguru, sondern eher ein gemäßigt sozialdemokratisches Beuteltier. Immerhin schön: die vielen FCK A*D-Aufkleber im Film. Die werden unsere Faschos im Lande ärgern. Aber die sind eh nicht die Zielgruppe.

Parasite [Prime Video]
Südkorea. Ein junger Mann lebt mit Freundin und Familie in einem schäbigen Kellerloch. Die Sippe hängt vor ihren Handys, gammelt durch den Tag und hält sich durch das Falten von Pizzakartons über Wasser. Durch Zufall gelangt der junge Mann an eine Stelle als Englischlehrer im Haus eines reichen Geschäftsmannes. Die Chance nutzt er, um Stück für Stück seine Flodder-Familie in Positionen im Haushalt der Reichen unterzubringen.

Der Film kokettiert mit überraschenden Wendungen, die tonale Schwankungen mit sich bringen. Eben ist der Film noch Sozialdrama am Rand der Komödie, zwei Szenen weiter kommen Horrorelemente. Richtig sympathisch ist keine der Figuren, weder die satten Reichen noch die erfinderischen Habenichtse. Die dadurch entstehende, emotionale Distanz zum Zuschauer ist etwas Gutes – nur so kann der Film seine Wirkung entfalten, die als soziales Experiment zu beginnen scheint, ab der Mitte des Filmes aber in ungeahnte Richtungen abbiegt. Das Fehlen jeglichen moralischen Überbaus oder Zeigefingers macht den Film mindestens so erfrischend wie der Genremix. In meinen Augen keine vier Oscars wert, unterhaltsam aber alle mal.

Die Fahrt von London nach Peking [Prime Video]
Eine Gruppe Motorradfahrer bucht eine geführte Tour und fährt von London nach Peking. In 5 Episoden wird ihre Geschichte im Stil von „A long Way Round“ erzählt, nur scheißiger.

Ich finde diese Miniserie tief verstörend. Normalerweise finde ich es toll, Motorradreisenden auf Weltreise zuzusehen, aber dieses Ding hier verursacht körperliche Schmerzen. Das beginnt schon bei der Idee hinter der Reise: Da buchen Typen aus der ganzen Welt bei einem britischen Unternehmer eine geführte Fahrt und gehen dann tatsächlich mit der Grundhaltung „Ich habe hier bezahlt, ich will unterhalten werden“ da ran.

Die Teilnehmenden sind entweder wirklich alte Männer in ihren Sechzigern oder junge Arschgeigen, die sich benehmen wie die Axt im Walde. Die permanente „Paaart-teeeey!!!!“-Attitüde der Twentysomethings und des Organisators nervt ab Minute 1 und wächst sich schnell zu Fremdscham aus.

Klar zeigt ein Reisefilm immer nur Momentaufnahmen und arbeitet mit Vereinfachungen, aber die hier als unausstehliche Flötenköppe gezeigten Personen sind tatsächlich widerliche Flitzpiepen. Respektlos gegenüber anderen Menschen und Kulturen verarschen die Hohlbirnen Einheimische in der Mongolei, bringen Menschen in Usbekistan in Gefahr und belästigen Frauen in Tibet.

Dazu kommt: Bis auf den Fahrer des Versorgungsfahrzeugs und den Organisator selbst scheint keiner der Teilnehmenden auf die Herausforderungen vorbereitet zu sein, länger als 5 Minuten im Voraus zu planen oder auch nur Grundzüge von Kompetenz zu besitzen. Da wird absichtlich durch schlimmste Stromschnellen oder als unpassierbar gemeldete Pässe gefahren, versucht Bargeld zu schmuggeln oder Medikamente gegen Höhenkrankheit werden nicht genommen, um sich dann über Ausfälle an Maschinen und Menschen zu beklagen. Permanent bringen die inkompetenten Kretins sich und andere in Gefahr. Das ist so verantwortungslos und dumm, das es ganz, ganz schlimm ist. So sollte eine Weltreise nicht aussehen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Februar 2020

Herr Silencer im Februar 2020

Schnief Röchel Krank

Wetter: Bedeckt, grau, Regen, aber auch durchgehend sehr warm bei 6 bis 18 Grad. Ein Winter ohne Schnee, sieht man mal von drei Flöckchen ab.


Lesen:

Shaun Tan: The Arrival
Auf die Häuser der Stadt fallen die Schatten von Monstern. Der Mann nimmt schweren Herzens Abschied von der Frau und dem Kind und reist auf einem Migrantenschiff in ein neues Land. Hier ist nichts so, wie er es kennt – statt Brot essen die Leute seltsam geformtes Gemüse, vierbeinige Maushunde werden in Blumentöpfen gehalten, und in Fabriken werden Seile um Katzenstatuen geknotet. Alles ist seltsam und beängstigend, und da der Mann die Sprache nicht beherrscht, kann er nur raten, was das alles bedeutet und imitieren, was er sieht. Im Laufe der Zeit findet er andere Ausgewanderte, die ihm ihre Geschichten von Krieg und Leid berichten.

Wenn man die Kurzzusammenfassung so liest, scheint die Geschichte sehr klar zu sein. Nur: Beim Lesen des Buches ist sie das nicht, denn die Geschichte wird ohne einen Buchstaben Text erzählt. Nur mit Bildern begleitet man den Mann auf seiner Reise in eine seltsame Bizarrowelt, die einem selbst genauso fremd ist wie dem Mann und die erst einmal überhaupt keinen Sinn ergibt.

Wenn man ohne Vorwissen an das Buch geht, begreift man erst im Laufe der Zeit: Was hier erzählt wird und was man gemeinsam mit dem Mann durchlebt, ist die universelle Geschichte aller Migrantinnen und Migranten. Die Heimat, die nicht mehr sicher ist. Das Zurücklassen geliebter Menschen. Der Versuch der Orientierung in einer Welt, in der alles fremd ist. Diese Geschichte erzählt „The Arrival“ in bizarr-abstrakten und trotzdem einfühlsamen Bildern, bei denen man manchmal schon zweimal überlegen muss, was einem der Autor jetzt wohl sagen wollte.

Wichtig an der Geschichte ist gar nicht das Happy End, sondern die Reise, die man als Leser mitmacht. Die führt einem im wahrsten Wortsinne vor Augen, wie es ist in eine Welt geworfen zu werden, die man mit seinem erlernten Wissen nicht dekodieren kann. Das ist oft frustrierend, manchmal lustig, vor allem aber nie langweilig. Ein lehrreiches und kluges Buch.


Hören:


Sehen:

Bin krank gewesen, deshalb Zeit gehabt viel zu gucken – u.a. 150 Folgen einer alten Serie:

Malcolm mittendrin [Amazon Prime]
Malcolm ist hochbegabt, was ihn in seiner Familie zum Außenseiter macht. Seine drei Brüder sind entweder Faulpelze, Schläger oder schräg drauf, Mama Louis ist eine dauerwütende Furie, die irgendwie versucht die Familie über Wasser zu halten und Vater Hal ist ein Tagträumer. Malcolm ist ein Teil dieser Familie, sehnt sicher aber nach was besserem. Als ihm das in Form einer Begabtenförderung ermöglicht wird, fühlt er sich dort aber auch fehl am Platz. Malcolm herausstechendster Charakterzug: Er kann mit allem und immer unzufrieden sein.

Als ich im Jahr 2000 das erste Mal eine Episode von „Malcolm“ sah, war ich sofort fasziniert. Die Serie ist schnell geschnitten, wie ein Spielfilm gefilmt und überaus clever geschrieben. Das besondere: Sie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Geht es in der ersten Staffel hauptsächlich um Malcolm, rückt der Fokus schnell von ihm. Im Laufe von 7 Staffeln und 151 Episoden geht es immer wieder um den Freundeskreis, Nachbarn, die Großeltern oder die Kollegen von Mutter Louis. Im Mittelpunkt steht immer Malcolms Nachnamenlose Familie, und von der lebt die Serie. Obwohl überzogen, sind die Figuren echte Charaktere mit tiefen Überzeugungen, für die der Zusammenhalt nie in Frage gestellt wird. Die Art und Weise der Umsetzung sucht man bei TV-Serien sonst vergeblich, und zudem gehen die Drehbücher geradezu liebevoll mit ihren Figuren um. So wird im Verlauf der Serie auch klar, dass Malcolm eben nicht das einzige Genie der Familie ist, oder das Hal seiner Louis bedingungslos verfallen ist, was sich in tapsiger Hilflosigkeit manifestiert.

Dazu kommen exzellente Schauspieler. Gerade Bryan Cranston fällt hier auf, und wenn man weiß, dass er einige Zeit später den vielschichtigen und skrupelosen „Heisenberg“ in Breaking Bad spielen wird, kann man seinen trotteligen Familienvater noch mehr genießen.

Tolle Serie, die wirklich permanent und bis zum Ende interessant und lustig ist.

Solino (2002) [DVD]
1964: Die junge Familie Amato zieht vom bitterarmen Apulien ins Ruhrgebiet und versucht sich dort eine Existenz aufzubauen. Für den Vater ist bald klar: Unter Tage im Dreck schuften, das ist nichts für ihn. Aber seine Ehefrau ist eine gute Köchin und das Ruhrgebiet ist voller italienischer Gastarbeiter, die keine Frauen haben, die sie „richtig“ bekochen. So eröffnet die Familie ein Restaurant, das sie nach ihrem Heimatort „Solino“ benennen. Die Jahre vergehen, die beiden Söhne der Familie werden erwachsen. Während der eine nur Knepe im Kopf hat, will der andere Filmemacher werden. Aber es kommt andersrum.

Er sehe seine Filme und sich selbst „zwischen Arthaus und Mainstream“, sagte Fatih Akin einmal in einem Interview. Das klingt sehr nett, bedeutet aber im Kern „Kann nichts richtig und gibt sich dabei auch noch nicht mal Mühe“.

Im Fall von „Solino“ weiß ich gar nicht, wo ich mit der Kritik anfangen soll. Die Prämisse des Films ist hochinteressant – italienische Gastarbeiter in Deutschland. Was hätte man daraus machen können! Man hätte die Integrationsprobleme beleuchten können! Oder ergründen, was es mit Leuten macht, die aus ihrer Heimat weg müssen. Oder sich ansehen wie die Kinder damit umgehen, das sie besser integriert sind als die Eltern.

All das macht „Solino“ nicht, und ich habe keine Ahnung, was der Film eigentlich stattdessen will. Er interessiert sich nicht ernsthaft für die Migrationsgeschichte der Familie. Er legt aber auch keinen Wert auf seine Charaktere, von denen zumindest die Söhne fehlbesetzt sind – Moritz Bleibtreu spielt hier allen Ernstes mit 31 einen Anfang Zwanzigjährigen, und Barnaby Metschurat guckt die ganze Zeit über, als ob er selbst nicht weiß, was er in dem Film eigentlich soll. Dabei haben die Figuren keinerlei Tiefe, sondern behaupten stets nur Dinge oder handeln so stereotyp, das sie zum Klischee verkommen.

Die Geschichte ist nicht besser. Episodenhafte Szenen mäandern irgendwie hintereinander her, ohne Bezug, ohne erkennbare Entwicklung, ohne erzählerisches Gehalt. Eine Handlung gibt es kaum, der lose rote Faden kann einzelne Szenen selten zu etwas Sinnvollem verbinden. Gut sind einzig Ausstattung und Sets, die Zeitperioden 1964-1974-1984 sind gut dargestellt.

Ich glaube, das hier mal wieder eine gute Idee Filmförderung abgegriffen hat. Dann hat der Regisseur seine Lieblingsbuddies zusammengeholt, coole Sets bauen lassen und dann wurde mehr oder weniger irgendwas hinimprovisiert. Mit einem ausgefeilten und fokussierten Drehbuch hätte „Solino“ ein sehr cooler Film werden können. So ist er irgendwas zwischen den Stühlen – zu banal für Arthouse, zu langweilig für Mainstream.

Mr. & Mrs. Smith (2005) [Bluray]
Angelina Jolie und Brad Pitt leben den amerikanischen Vorort-Traum. Er ist Architekt, sie Rechtsanwältin, zusammen lebt das junge Paar in einem Haus, das direkt aus einem Werbekatalog gefallen sein könnte. Das perfekte Leben langweilt die beiden in die Paartherapie hinein. Bis sie herausfinden, dass der jeweils andere für einen Geheimdienst arbeitet. Jetzt versuchen die beiden sich umzubringen.

Dieser Film ist dumm. Kann man nicht anders sagen. Drehbuch: Dumm. Kamera: Dumm. Musik: Dumm. Aber Dumm knallt gut, und davon lebt „Mr & Mrs Smith“: Er vereint mit den beiden Hauptdarstellern die schönsten Menschen ihrer Zeit auf dem Zenit ihrer Laufbahnen und setzt sie wunderschön in Szene – um dann mit Genuß alles zu zerlegen. Einfamilienhäuser werden hier genauso in die Luft gejagt wie Shoppingmalls oder Geländewagen. Der Film lebt von einem „Brangelina“-Fetisch und der puren Lust an der Destruktion uramerikanicher Geborgenheitssymbole.

Knight & Day (2010) [Bluray]
Cameron Diaz besteigt ein Flugzeug. Sie geht kurz auf´s Klo, und als sie zurückkommt, sind alle an Bord bis auf Tom Cruise tot und das Flugzeug stürzt ab. Diaz überlebt, wird aber daraufhin von Tom Cruise gestalkt und Geheimdiensten verfolgt.

Seltsamer, kleiner Sommerblockbuster, der schon dadurch nervt, das Tom Cruise hier spielt, als hätte er wieder seine Glücklichpillen eingeworfen und wäre gerade fünf Minuten auf der Couch herumgehopst. So grimassiert er sich durch unglaubwürdige Actionszenen, während Cameron Diaz meist nur entgeistert guckt.
Interessant: Ich habe den Film jetzt schon zum dritten Mal gesehen und kann mir immer nicht behalten, um was es eigentlich geht. Spricht nicht für die Story.


Spielen:

Judgment [PS4]
Vor drei Jahren war Takayuki „Tak“ Yagami der gefeierte Shootingstar unter den Rechtsanwälten von Tokyo. Dann erwirkte er einen Freispruch für einen Mann, der unmittelbar nach seiner Entlassung seine Freundin ermordetet. Yagami gab sich daran die Schuld und legte seine Rechtsanwaltslizenz nieder.

Jetzt ist er ein Privatermittler, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Bei einem davon bewahrt er einen Yakuza-Captain vor einer Mordanklage, doch der eröffnet zum Dank die Jagd auf Yagami. Der Detektiv ermittelt auf eigene Faust weiter, aber noch bevor er einer riesigen Verschwörung rund um Alzheimermedikamente, Korruption und Bauspekulation auf die Spur kommen kann, gerät er selbst unter Mordverdacht. Nun sind sowohl Yakuza als auch Staatsanwaltschaft hinter ihm her.

Wieder in den Straßen von Tokios Rotlichtviertel Kamurocho, aber dieses Mal nicht als Ex-Yakuza Kiryu Kazuma. „Judgment“ ist ein Spin-Off der mittlerweile acht Spiele umfassenden „Yakuza“-Serie und teilt sich nur grundlegende Mechaniken und den Schauplatz mit der Hauptreihe. Der junge und agile Takayuki Yagami ist wirklich ein ganz anderer Charakter als der stoische Ex-Yakuza, der sich bewegt und verhält wie ein Panzer.

Zwar ist Yagamis Vorgschichte der von Billy Bob Thorntons Rechtsanwalt in der Serie „Goliath“ verdächtig ähnlich, aber es macht Spaß, den energiegeladenen, beinharten und überaus cleveren Jungspund zu spielen.

Das Stadtviertel ist natürlich wieder komplett Assetrecycling aus den neueren Yakuza-Teilen, aber das ist nicht schlimm. Ich mag die kleine Open-World von Kamurocho, das nur aus wenigen, aber lebendigen und detaillierten Straßenzügen besteht, lieber als die gigantischen Welten eines „Odyssey“, in denen nichts passiert. Schön auch, das neue Gameplayelemente eingeführt werden, die bei „Yakuza“ fehl am Platze wären, wie ein spielinternes Twitter, eine Überwachungsdrohne oder spannende Schleich- und Renneinlagen. Die Geschichte selbst ist interessant und voller Wendungen, wie ein guter, 25 Stunden langer Krimi. Sie zieht sich aber im Mittelteil teils sehr in die Länge. Hier fällt einfach zu viel „Legwork“ an, ständig rennt man von A nach B. Trotzdem lege ich mich mal fest: „Judgment“ ist atmosphärisch einer der dichtesten Teile des Yakuza-Universums, und das hängt maßgeblich an der ernsten Story und den gut ausgearbeiteten Charakteren.


Machen:
Die Sommerreise mit dem Motorrad planen.


Neues Spielzeug:

Eine Tasche für die Rückbank der V-Strom, ein Basepack XS der Schweizer Firma Enduristan. Nachdem ich im vergangenen Monat schon dachte, ich hätte genau die perfekte Tasche für meine Regenkombi gefunden, da machte mich Olpo mich hierauf aufmerksam.

Das Basepack ist mit 6,5 Litern Volumen sehr handlich. Es ist zwar nicht so flexibel wie die Ortlieb-Rolle, schließt auch nicht luftdicht und lässt sich nicht vakuumieren, hat dafür hat es eine bessere Befestigung und ist um Welten wertiger gearbeitet. Das rechtfertigt auch den ordentlichen Preis von fast 50 Euro. Zukünftig werden Pac-Netz, Luftpumpe und Regenkombi also darin auf dem Soziasitz mitreisen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Januar 2020

Herr Silencer im Januar 2020

Wetter: Viel zu warm (wärmster Januar seit Beginn der Aufzeichnungen). Anfang des Monats 4 bis 10 Grad und regnerisch, in der zweiten Monatshälfte einige Tage mit bei -3 bis -5 Grad nachts moderat kalt, den Rest des Monats mit 6 bis 10 Grad wieder fast frühlingshaft. Kein Schnee.


Lesen:

Battle Angel Alita, Vol. 3, 4 & 5
Während Alitas Rollerball-Abenteuer ist ihr Berserker-Körper abhanden gekommen. Die mächtige Waffe gelangt dank Dr. Nova ausgerechnet in die Finger von Zapan, der mittlerweile vor Racheglüsten verrückt geworden ist. Beim Kampf gegen ihn wird Ziehvater Ido getötet und Alita zerstört. Kurz vor dem Hirntod wird sie von Zalem gerettet, muss zukünftig aber für die fliegende Stadt arbeiten. Das genießt sie sogar, als hochgerüstete Killermaschine gibt sie gerne ihren Kampfinstinkten nach und zerlegt mittels „Panzerkunst“ alle, die sich ihr auf der Jagd nach Dr. Nova in den Weg stellen. Bis sie in der Wüste jenseits des Schrottplatzes Rebellen findet, die einen Angriff auf Salem planen. Der geht schief. Kurze Zeit später explodiert Alita unvermittelt und ohne jegliche Motivation, und damit endet die Geschichte.

Ach je, was war DAS denn? Ab Band 3 verlässt man als Leser endgültig das Terrain, an dem sich der Film abgearbeitet hat. Nach dem mauen Beginn und dem langweiligen Ausflug in die Welt des Rollerball-Sports in den ersten beiden Büchern betritt nun eine neue Handlung unbekannte Gefilde und klappert der Reihe nach verschiedene Genres ab, wobei Einflüsse der Zeit stets zu spüren sind. Band 3 bspw. ist eine Körper-Horror-Story und bedient sich stark bei der Ästhetik von H.R. Giger und Aliens, Band 4 ist ein Roadtrip in der Wüste und kupfert bei bei Mad Max ab, Band 5 enthält eine Geschichte im genau kopierten Stil von Frank Millers „Sin City“. Grundlegende Probleme bleiben dabei – nach wie vor sind die Ideen, nicht aber deren Umsetzung gut. Und manches ist halt nur da, weil es cool ist, nicht, weil es Sinn ergibt – wie die Tatsache, dass Alita zu Beginn einer Story plötzlich Musikerin ist.

Ab Band Vier wird zumindest die ganz krude Stückelung etwas besser: Statt von Storybeats wird die Erzählung um die Rebellen und Alitas Jagd nach Idos Mörder charaktergetrieben erzählt. Ausrutscher gibt es dabei zwar immer noch („Alita in einem Hochzeitskleid, das wäre doch cool, wie verbiegen wir die Story so, dass wir dieses Bild hinbekommen?“), aber zumindest sind die in eine kontinuierliche Erzählung eingewoben und stehen als Selbstzweck nicht mehr völlig allein. Da jetzt auch die Zeichnungen auf einem vernünftigen Niveau angekommen sind, begann ich langsam zu begreifen, was die Fans in „Alita“ sehen – und dann war die Serie plötzlich und unvermittelt vorbei. Alita wird einfach gesprengt, aus die Maus.

Seinerzeit hatten sich wohl Verlag und Autor überworfen, der Zeichner bekam Burnout und alles musste schnell enden. In Band 5 wird die Story dann zwar noch kurz fortgesetzt, aber das recht seltsam und wohl auch nicht im Kanon, denn Jahre später kam mit „Last Order“ ein Sequel, das keinen Bezug mehr auf das Ende hier nimmt. Den Rest des Bandes 5 und den 6. Band füllen Anthologiestories, die aber allesamt doof oder langweilig sind oder die es nur gibt, weil der Zeichner mal Frank Miller nachmachen wollte.

In der Summe muss ich sagen: Das hat sich nicht gelohnt. Seit einem Monat lese ich an dem Kram rum, und weder die investierte Zeit noch der finanzielle Aufwand waren es wert. Obwohl „Alita“ seinerzeit als Zielgruppe japanische Büroangestellte Mitte 30 anvisierte, sind die Geschichten nicht erwachsen. Das ging auch damals schon anders, wie Neil Gaimans „Sandman“ zeigt. Die originale „Alita“ ist dagegen narrativ ein plan- und mutloses Durcheinander, das in seiner Naivität geradezu ärgerlich dumm daherkommt und handwerklich auf sehr bescheidenem Niveau umgesetzt wurde.


Hören:


Sehen:

Bild: RTL

Ich bin ein Star – holt mich hier raus! [TV]
Ein Mal im Jahr mache ich dann doch noch den Fernseher an! Allerdings war diese 14. Staffel des Dschungelcamps es kaum wert, den alten Röhrenfernseher anzuheizen.

Zu fixiert war die Regie von Anfang an auf Danni Büchner, eine unerträgliche Person, die sich nur über ihre Rollen als Mutter und Witwe definierte und als personifizierte Unfähigkeit und Wehleidigkeit daherkam. Permanent beteuerte sie „nur im Dschungel zu sein, weil sie ihrem verstorbenen Mann das auf dem Totenbett versprochen“ habe und „eine gute Mutter sein und Geld für ihre Kinder verdienen“ wolle. Gut, da fallen einem auf Anhieb 3.000 andere Möglichkeiten ein, aber nun.

Danni Büchner verkörpert alles, was ich an Charakterzügen in anderen Personen hasse: Ständiges sich-selbst-Bemitleiden in Kombination mit permanenter Jammerei, dass nur sie es so schwer habe und an ihrem Unglück stets jemand anders, aber nie sie selbst schuld hat. Quasi ein personifizierter Jammerlappen. Sowas kann ich ähnlich gut ertragen wie das Geräusch eines Bohrers beim Zahnarzt.

Blitzartig raus war Ex-Verkehrsminister Günther Krause. Bei dem verurteilten Betrüger und Steuerhinterzieher, der mittlerweile verrückt geworden ist und sich gerne mit „Herr Professor“ anreden lässt, fragte man sich ohnehin von Anfang an, was der da wollte. Allerdings nicht lange, denn aus gesundheitlichen Problemen war der 66jährige Insolvenzverschlepper schon vor der ersten regulären Folge wieder weg.

Sonja Kirchberger war vermutlich noch die bekannteste Person im Camp und sorgte für leidliches Amüsement, weil sich die mittlerweile 55jährige „Venusfalle“ als völlig verpeilte Esoterikerin rausstellte, die so weltfremd ist, dass sie nicht mal eine Schraubendreher als solchen erkennt.

Angenehmer Kontrapunkt in einem Camp, das sich in erster Linie um tränenreiche und jammerlappige Reflektion der eigenen Lebensumstände kümmerte (und schon deshalb wenig Unterhaltungswert bot) war Elena Miras, die sich über ein tiefes Dekolléte zwischen gut gemachten Brüsten und gelegentliche Wutausbrüche definierte, wegen fortgesetzten Kackgebratzes aber schon zur Mitte hin rausgewählt wurde. Schade.

Ansonsten gab es egale Charaktere, Irgendein Marco und diverse Raouls, Trödel-Ottos und Hab-ich-vergessen, eine farblose und radebrechende Instagrämerin, die Ex vom Wendler und Ex-Boxer Sven Ottke. Mit Toni Trips und „Prince Damien“ waren zudem zwei Personen dabei, die so schlichte und dabei gleichzeitig überdrehte Gemüter aufwiesen, dass man RTL darin erinnern möchte, dass es nicht statthaft ist, geistig Zurückgebliebene oder Kinder für Unterhaltungszwecke zu benutzen. Der Logik vergangener Staffeln folgend wurde am Ende der Mensch mit dem schlichtesten Wesen und dem niedigsten IQ, der stets gut gelaunte „Dämien“, Dschungelkönig.

Bild: Nicola Wefers / Theater im OP

Traumnovelle [Theater im OP]
Fridolin ist ein angesehener Arzt mit liebender Familie. Eines Nachts wird er zu einem Notfall gerufen, auf dem Nachhauseweg hat er eine Reihe seltsamer Begegnungen. Nachdem er Schlägern und Prostituierten über den Weg gelaufen ist, trifft er in einem Club einen alten Bekannten wieder. Der erzählt ihm von geheimnisvollen Maskenparties. Fridolin schleicht sich auf eine dieser Partya und wird Zeuge eines Sexkults, bei dem BDSM-Orgien sogar zu Toten führen. Fridolin entkommt und flieht zu seiner Frau, die ihm deutlich macht, dass seine Fürsorge sie entmündigt und sie ihn dafür verachtet.

Seltsames Ding, diese „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler. „Eyes Wide Shut“, die Verfilmung von Kubrik, habe ich nicht verstanden. Das ThOP-Stück ist da besser verständlich und schön inszeniert. Allein der Einsatz von Musik und Soundkulissen ist ungewöhnlich und erzeugt genau die intentierten Gefühle bei den Zuschauern. Das Stück wirkt beklemmend und düster in den Szenen, wo es das auch sein muss. Eine interpretatorische Deutung ist trotzdem nicht leicht, weil die Rahmenhandlung (die Ehe) nicht viel mit den Ereignissen der Nacht zu tun hat – und die Bezüge zueinander eher Twin-Peaksesk verwirrend sind.


Spielen:

Yakuza 3 [PS4]
Ein Jahr nach den Ereignissen von Yakuza 2: Kiryu Kazuma, der Yakuza-Aussteiger mit dem martialischen Beinamen „Drache von Dojima“, hat Tokyo den Rücken gekehrt und leitet nun ein kleines Waisenhaus auf der Insel Okinawa. Unversehens kommt er aber doch wieder in Kontakt mit der Unterwelt. Das Grundstück, auf dem Kiryus Waisenhaus steht, soll einer Militärbasis weichen. Da die Politiker der Insel gemeinsame Sache mit den Yakuza machen, muss Kiryu zurück nach Tokyo und mal klären, was da eigentlich Phase ist.

Yakuza 3 für die Playstation 4 ist leider kein Remake, wie die beiden direkten Vorgänger, sondern lediglich ein Remaster der 2009er Fassung für die PS3, und die galt bei Erscheinen schon als pottenhässlich und antiquiert.

Die 2019er-PS4 Version nutzt exakt die Engine und Assets der PS3, läuft aber nun auf 1080p bei 60 FPS. Das ändert aber nichts daran, dass die Texturen verwaschen und niedrig aufgelöst sind und alles comichaft und plasticky aussieht. In den 90ern wäre sowas toll gewesen, im neuen Jahrtausend nicht. Dazu nervt das Gameplay mit ungelenkem und trägem Kampfsystem.

Die Story ist normalerweise bei Yakuza-Spielen immer das Highlight, aber auch die ist bei „Yakuza 3“ nicht die dollste. Sie braucht Ewigkeiten um in Fahrt zu kommen, und bis endlich was passiert, muss sich der Hauptcharakter um die Belange und die Erziehung der Waisenkinder kümmern. Kochen, Hausaufgaben, erster Liebeskummer, Geldnöte, Baseballspielen, einen Hund dressieren… Das klingt nett, dauert aber viel zu lange.

Mehr als acht Spielstunden verbringt man mit Babysitten und Nebengeschichten, bis Kiryu endlich in das Rotlichtviertel von Tokyo zurückkehrt und die Story langsam losgeht. Die Intention ist klar: Die Ziehkinder sollen einem ans Herz wachsen und Kiryus fürsorgliche Seite charakterisiert werden. Nach 8 Stunden waren mir aber die nervigen Blagen nicht nur nicht ans Herz gewachsen, sondern ich habe sie inbrünstig gehasst und wollte nur noch, dass sie meine Spielfigur in Ruhe lassen. Aber anstatt das sich Kiryu einfach in den Flieger setzt und endlich abhaut, kommt jedes der doofen Arschlochkinder kurz vor dem Abflug nochmal mit einer zum erbrechen langen Questkette angeschissen, bis man die nur noch aus den Sandalen treten und „Lasst mich endlich in Ruhe!!!“ schreien möchte.

In der Summe ist „Yakuza 3“ anders als seine Vorgänger, aber anders heißt hier nicht besser, sondern ätzend nervig und langweilig.


Machen:
Die Sommerreise mit dem Motorrad planen, Bus fahren.


Neues Spielzeug:

Mich hat das Fernweh gepackt, das merkt man an den Anschaffungen.

PacSafe Netz
Von Pacsafe kannte ich bislang nur die drahtverstärkten und messerfesten Rucksäcke. Dass es von denen auch Netze aus Stahldraht gibt, die man über Gepäck legen kann, war mir neu, bis Olpo darauf hinwies. Nach einigen Fehlversuchen habe ich nun die richtige Größe gefunden. Damit kann die Airbagjacke in Zukunft gesichert am Motorrad zurückbleiben. Sehr schön!

Bild: Touratech

Touratech PS17 Gepäckrolle
Im vergangenen Jahr fand ich es schon ziemlich super, die Regenkombi zusammengerollt auf der Rückbank spazieren zu fahren. Eingepackt hatte ich die in einen transparenten Vakuumbeutel, der aber nicht für den Außeneinsatz gemacht war und die Sonne nicht abkonnte. Der kleine PS17-Beutel von Ortlieb fasst 13 Liter, hat einen Rollverschluss und ist wasser- und staubdicht. Da hinein kann die Regenkombi und das Pacsafe-Netz. Das Ganze wird dann von einem neuen Paar Rokstraps gesichert.

Bild: Heroclip

Heroclip
Ein Heroclip ist ein Karabinerhaken, der sich auseinander falten lässt. An den dadurch entstehenden, um 360 Grad drehbaren, S-Haken kann man allen möglichen Kram dranhängen. Sowas suche ich schon seit Ewigkeiten für meinen Kulturbeutel. Gibt es in drei Größen, von S für den Kulturbeutel über M zum Aufhängen ganzer Rucksäcke bis L, der so groß ist, dass man damit Fahräder an Mauern hängen könnte, wenn man das wollte.

Bild: Teufel.ch

Teufel Decoderstation 7
Seit 1997 schleppe ich ein 5.1 System aus einem Teufel Concept E und einer Decoderstation 3 mit mir rum. Und plötzlich, am vergangenen Freitag, sagt das Ding keinen Mucks mehr. Decoderstation ist tot. Die sorgte leider für alle Anschlüsse. Das hieß: Kein TV, keine PS4, kein Filmegucken. So ein Teil gibt es leider auch nicht mehr zu kaufen. Und nun? Ein moderner AV-Receiver kann zwar alles, was die Decoderstation konnte, aber dafür hätte ich mein ganzes Wohnzimmer neu verkabeln müssen. Also auf Ebay geguckt und den Ur-Ur-Urenkel, eine Decoderstation 7 von 2018, erstanden. Zwar ohne Antennen und Fernbedienung, aber funktionabel. Denn Film wird durch Ton erst richtig schön.

Bild: Nuud

Nuud
Seit Ende Dezember habe ich Nuud im Test, ein nicht riechendes Deo, aber kein Antitranspirant. Hat mich der Max drauf gebracht. Wer sich schon immer mal gefragt hat, was moderne Motorradfahrer so im Winter treiben: Sie tauschen sich über Deo aus. Demnächst mehr.

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Das war das Jahr, das war (2019)

Am Jahresende traditionell die Rückschau.

2019 war zermürbend.
Ich habe viel gearbeitet und hatte zu wenig Bewegung. Eine Zahl von 390 auf dem Überstundenkonto allein für dieses Jahr spricht da eine deutlich Sprache. Wenn ich nicht am Schreibtisch saß, war ich unterwegs. Für bloggen oder was anderes blieb meist keine Zeit. Immerhin konnte ich mich politisch ein wenig engagieren: Gegen Uploadfilter, für Klimaschutz. Das war gut.

Lage der Nation: Politisch same Procedure as every year seit 2014, nur schlimmer: Die ehemaligen Volksparteien reiben sich weiterhin in der Groko auf und beten die schwarze Null an – mehr Demokratiefeindlichkeit war selten. Die AFD schneidet auf Länderebene, insb. bei Landtagswahlen im Osten, stark ab, und die Erkenntnis wächst: Die wird nicht trotz, sondern wegen ihrer Rechtsradikalität gewählt.

Überall im Land wittern Rechtsextreme und Neo-Nazis nun Morgenluft und werden immer dreister. So müssen sich Fernsehsender gleich mehrfach entschuldigen, weil in Serien und Nachrichten Aufkleber mit Slogans wie „Gegen Rassismus“ und „FCK AFD“ zu sehen sind, und die AFD klagt sogar gegen eine Plakette mit der Aufschrift „gegen Rassismus“ am Frankfurter Rathaus. Das sind die Auswüchse der kontinuierlichen Verschiebung der Grenzen des sag- und machbaren nach Rechts.

Weiterhin versucht der Vermögensverwalter Black Rock ihren Friedrich Merz als Kanzlerkandidat der CDU zu installieren, während die Kandidatin von Merkels Gnaden, Annegret Kramp-Karrenbauer, auf ungeschickteste Art durch die Gegend eiert und nur dadurch auffällt, dass sie groben Unfug von sich gibt und sogar im Affekt Zensur fordert. Schlimm, diese Unfähigkeit und Instinktlosigkeit.

Merkel selbst ist das egal, sie sitzt stoisch ihre Restzeit ab und macht nix mehr, weder Innenpolitisch noch für Europa oder gar die Welt. Das ärgert die Jugend, die in Millionenzahl für Klimaschutz auf die Straße geht – und weitgehend ignoriert und verhöhnt wird. Darauf macht ein junger Mann ein Video mit dem schönen Titel „Die Zerstörung der CDU“, in dem er schlicht Fakten über die Partei und ihr Verhalten in Klimafragen zusammenträgt. Das Video wird Millionenfach geklickt und hat Einfluss auf Wahlen, bei denen die CDU in der Gruppe der jungen Wähler von 27 auf 12 Prozent fällt die Grünen erstaunlich stark abschneiden. Bei den Unionsparteien ist die einzige Konsequenz, dass sie jetzt Youtube-Kanäle hat. Seufz.

Das Thema Klimakatastrophe bewegt – Jugend und vernünftige Menschen fordern die Politik auf zu handeln, und deutlicher als zuvor wird klar, dass es Gesamtgesellschaftlich nicht so weiter gehen kann mit endlosem Verkehrswachstum und Verheizen von fossilen Brennstoffen. Das weiß man eigentlich seit den 80ern, aber jetzt rückt es wieder ins Bewusstsein. Erstaunlicherweise provoziert das eine erstaunlich große Bevölkerungsgruppe, die denkt man wolle ihr was wegnehmen, und darauf mit unfassbarem Hass reagiert, klimaschützenden Kindern übelste Morddrohungen entgegenschleudert und sich dazu bekennt „stolze CO2-Produzenten zu sein“. In Sachsen kann man sogar Silvesterböller mit der Aufschrift „FUCK YOU, GRETA!“ kaufen.

Das hat aber Methode. Gerade Umweltthemen werden von rechten Gruppen genutzt, um sich daran ab zu arbeiten und Empörung zu produzieren. Einen traurigen Höhepunkt erleben wir kurz nach Weihnachten, als ein nicht mal lustiges Satirelied aus dem WDR-Progamm, das auf Klimaschutz anspielt, von rechten Personen und Gruppen genutzt wird, um einen Shitstorm hochzuziehen.

Die klassischen Medien sind damit überfordert und halten das rechte Trolling für echte Meinungen. In der Folge knickt der WDR-Intendant ein, was wiederum Nazis ermuntert, vor das Funkhaus des WDRs zu ziehen und dort die Nationalhymne zu gröhlen, das Privathaus des verantwortlichen WDR-Mitarbeiters zu belagern und Listen über WDR-Personal zu erstellen. Deutschland hat ein massives Problem mit Rechtradikalität. Die hat sich jahrelang auf Fecebook und Twitter und in Talkshows ausgebreitet, jetzt sehen die Rechten das Feld bereitet um ihren Hass auf die Straße zu tragen.

Lage der Welt: Die Demokratien sterben.
Nicht durch Kriege, sondern durch demokratisch gewählte, rechte Parteien, die die demokratischen Systeme rasant und von innen heraus demontieren.

In Polen wird die Justiz per Gesetz der Politik unterstellt. In Ungarn kaufen Kumpels von Orban alle Medienhäuser auf, die fortan nur noch Propaganda senden. Die Türkei überfällt Nachbarländer. Brasilien lockert Waffengesetze und brennt den Regenwald ab, um Soja an China zu liefern, das Dank Trumps Strafzöllen kein Soja mehr aus den USA bekommt.

Legt man Umberto Ecos 14-Punkte-Checkliste an, kommt man schnell darauf, dass wir es in all diesen Ländern inkl. der USA mit erstarkendem Faschismus zu tun haben. Fußnote: Deutschland liefert an all diese Länder Waffen.

Trump nimmt die USA weiterhin aus wie eine Weihnachtsgans und macht sich und seinen reichen Freunden die Taschen voll. Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen, Verbraucherschutz, sogar Energiesparlampen, alles wird zurückgerollt. Gleichzeitig erpresst er andere Länder: Die Ukraine, um politische Gegner zu diskreditieren, Deutschland, um Amerikas Frackinggas zu kaufen. Die USA, ein Schurkenstaat aus der dritten Welt.

Ein Impeachment läuft, aber irgendwie hat der Geisteskranke es geschafft, die Republikaner geschlossen hinter sich zu versammeln. Die verkünden dann auch im Vorfeld des Verfahrens einen Freispruch. In 5 Jahren, wenn Trump abtritt, wird diese Partei mit ihm untergehen. Generell stellt sich aber die Frage, wie mit dem politischen System der USA umzugehen ist, wenn das Zweiparteienprinzip aufgrund von Tribalism offensichtlich nicht mehr funktioniert und die Legislative sich weigert, die Exekutive zu kontrollieren.

England verschiebt mehrfach den Brexit, dann wählt es Boris Johnson. Der verkündet darauf, den Brexit jetzt aber wirklich machen zu wollen, und außerdem Gesetze einzubringen um die Rechte des Parlaments zu beschneiden und es jederzeit auflösen zu können. Ein Faschist, schlimmer als Trump.

Zumindest in Italien formt sich Protest gegen den Faschisten Salvini, der früher im Jahr aus der Regierung geflogen ist und nun im Hintergrund Strippen zieht, um möglichst bald wiedergewählt zu werden.

Und sonst noch? Hier die immer weiter mutierende Form des Bloggerdorf-Fragebogens.

Wort des Jahres: Motorradtourette

Zugenommen oder abgenommen? Achgottjazugenommen.

Mehr ausgegeben oder weniger? Gleich.

Am meisten ausgegeben für… die Wartung und Anpassung der Fahrzeuge.

Die teuerste Anschaffung? Eine Mavic Air.

Mehr bewegt oder weniger? Weniger. Seufz. Zu viel Arbeit um noch Lust an Sport zu haben. Ich weiß, verkehrte Einstellung.

Die hirnrissigste Unternehmung? Einen Tag nach Fieber kilometerweit auf einen heiligen Berg stiefeln.

Ort des Jahres? Tokyo.

Das leckerste Essen? Frühstück im Il Pino Marittimo.

2019 zum ersten Mal getan? Einen Langstreckenflug.

2019 endlich getan? Eine 3D-Brille getragen und eine Drohne geflogen.

Gesundheit? Zystendings am Auge entfernt, Blutdruck noch leicht zu hoch, sonst gut.

Ein Ding, auf das ich gut hätte verzichten mögen? Hemden eine Größe größer kaufen zu müssen

Gereist? Oh ja. Im Februar nach London, im Sommer mit dem Motorrad durch Südeuropa und im Herbst nach Japan.

Film des Jahres: I am Mother, The Happytime Murders

Theaterstück des Jahres: Harry Potter and the cursed Child

Musical des Jahres: Tina

Spiel des Jahres: Der aktuelle Konsolenzyklus ist am Ausklingen, was sich bemerkbar macht. Es wird noch eine handvoll Triple-A-Games geben, aber die haben sich alle verschoben. Das wichtigste Release des Jahres war „Red Dead Redemption 2“. Das war toll, Spiel des Jahres ist für mich aber ein anderes: „Yakuza Kiwami 2“ hat eine tolle, lineare Geschichte und ist launig. Ebenfalls nicht schlecht ist „Innocence: A Plague Tale“, eine Double-A-Produktion aus Frankreich.

Serie des Jahres: Chernobyl.

Buch des Jahres: Edward Snowden: Permanent Record.

Ding des Jahres: Eine Tischdecke und Bettzeug, nach meinen Vorstellungen angefertigt.

Spielzeug des Jahres: Die Prism-Tube Wifi Kamera.

Enttäuschungen des Jahres: „Assassins Creed III Remastered“. Immer noch kein gutes Spiel. „X-Men: Dark Phoenix“ ist purer Müll. Und „Wolfenstein: Youngblood“ ist so schlecht und unfair, dass es verdient getankt ist.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Mit dem Reisemotorrad eine Motorradreise zu machen.

Vorherrschendes Gefühl 2019? Anspannung und Stress.

Erkenntnis(se) des Jahres: Die AFD wird nicht gewählt obwohl, sondern weil sie rechtsradikal ist.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2020! Ihr seid eine tolle Leserschaft und ich bin immer wieder sehr froh und stolz darauf, wer sich hier so tummelt. Ich lerne viel von Euch, und das ist super.

Nekrolog:

Weiterlesen

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Momentaufnahme: Dezember 2019

Herr Silencer im Dezember 2019

Wie, warum ist dieses Weihnachten nicht schon lange rum?“

Wetter: Anfang des Monats bei -5 Grad nachts knackig kalt, in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit fühlt sich das wie Minus 20 an. Dann wird es so mittelkalt bei 5 Grad und regnet praktisch ständig, am Monatsende rutschen die Temperaturen dann auch tagsüber ins Minus, dafür scheint dann die Sonne.


Lesen:

Alita: Battle Angel – Vol.1 & 2.
Eine Cyberpunk-Zukunft: Auf dem Müll liegt ein Cyborgkopf rum, in dem das Gehirn eines Teenagers steckt. Auf einen Kampfkörper gesteckt, wir der Teen zu einem Battle Angel.

Die Geschichte der diesjährigen Verfilmung von „Battle Angel“ endete genau in dem Moment, als es gerade richtig spannend wurde. Ich wollte wissen wie es weiter geht, und habe mir daher die Buchreihe gekauft.

Die gibt es in einem 5 kg(!) schweren Schuber als Gesamtausgabe. Band 1 erzählt im Wesentlichen die Story des Filmes, tut das aber angenehm knapp und nicht so emotional und Ausufernd wie dieser. Band 2 dreht sich ausschließlich um das Rollerball-Rennen, das im Film eher kurz dazwischen geschoben wird.

Man merkt, dass die Geschichte schon dreißig Jahre alt ist. Storytechnisch geht es mit einer oberflächlichen Naivität voran, die typisch für die beginnenden 90er ist: Dinge passieren, weil sie cool sind, und nicht, weil sie sinnvoll in ein erzählerisches Gerüst eingebettet sind. Zeichnerisch ist das Alita leider auch keine Offenbarung. Viele Panels sind unverständlich krude angelegt, die Zeichnungen mal naturalistisch, mal seltsam abstrakt. Das ist nur zum Teil dem Zeitgeist geschuldet – den Autoren fehlt hier schlicht der Blick für eine nachvollziehbare und cinematische Erzählung, den der späte Leser durch eine andere, popkulturell intensivere Sozalisierung erwarten würde.

Mit anderen Worten: „Alita“ ist über weite Strecken langweiliges Gekrickel, weil die Macher es nicht besser konnten. Das ist schade, denn die überbordende Aktion und die coolen Ideen kommen durch die schlechte Umsetzung nie rüber. Oder mir fehlt die Fantasie. Ich verstehe, was hier gemacht werden sollte und sehe durchaus Idee A und Idee B, aber wie die Macher von A nach B kommen ist unbeholfen erzählt und schlecht gezeichnet.


Hören:


Sehen:

Anna [Prime Video]
Ein blondes Model wird von verschiedenen Geheimdiensten angeworben und veranstaltet Blutbäder.

Alte Männer neigen dazu sich zu wiederholen, und Luc Besson bildet hier keine Ausnahme. In „Anna“ erzählt er SCHON WIEDER die eine Geschichte, die er seit seit 30 Jahren immer wieder durchnudelt: Die der schönen, aber armen Frau, die in clandestine Dinge verwickelt wird und dann ordentlich in Ärsche tritt. Klar, „Lucy“ mit Scarlett Johanson ist ja auch schon 5 Jahre her, da kann man ja mal wieder eine Neuauflage drehen. Nach „Nikita“ von 1990, „La Femme Nikita“ (1997), „Nikita“ (2010) und „Lucy“ (2014) ist das hier jetzt die fünfte Verwurstung (von der ich weiß).

Nun heißt Nikita also Anna, und die ist zeitgemäß langbeiniger, blonder und brutaler als ihre Vorgängerinnen, hat aber noch weniger Charakter.

Die eigentlich simple Story versucht durch verwirrende Flashbacks Komplexität zu simulieren, zerbricht damit aber jegliche Struktur im Film und reitet das Pacing in Grund und Boden. Durch diese wirre Struktur stolpern durchgehend unsympathische Figuren, für die man in keinem Moment Empathie oder auch nur Verständnis aufbringt. Highlight könnte Helen Mirren sein, aber die wusste in was für Trash sie hier mitspielt, und gibt ihren Charakter so comichaft überzogen, dass auch sie in Egalität versinkt. Was bleibt, sind blutige Metzelszenen und knochige Körper in Reizwäsche.

„Anna“ ist belangloser Euro-Trash eines alten Mannes, der Filmförderungen nur noch dafür abgreift, junge Frauen in Unterwäsche filmen zu können – und dafür seine eine Geschichte von vor 30 Jahren wieder und wieder recycelt.

6 Underground [Netflix]
Ryan Reynolds (gespielt von Ryan Reynolds) ist Milliardär und nicht ganz dicht. Anders kann man es kaum erklären, wieso er auf die Idee kommt, erst seinen eigenen Tod vorzutäuschen und dann auch noch den von 5 anderen, um mit denen fortan als namenlose „Geister“ jagt auf fremde Staatsoberhäupter zu machen.

Der Film ist die teuerste Eigenproduktion, die Netflix sich bisher geleistet hat. Rund 150 Millionen wurden hier, haha, verballert. Für hanebüchenen Michael-Bay-Blödsinn. Das ist schön fotografiert und enthält Action-Pieces, die man so noch nicht gesehen hat – wie einen auslaufenden Dachpool,der das Hochhaus darunter flutet, oder die Verfolgungsjagd durch Florenz, bei der ich die ganze Zeit dachte: „WIESO zum Teufel durften die da drehen?!“(selbst Michael Bay war erstaunt, das er das durfte), die zugleich aber auch haarsträubend doof sind, denn weder Pacing noch die seltsamen-blöden Charaktere noch die teenagerhaften Dialoge halten den ganzen Kram zusammen.

An manchen Stellen ist die Naivität so cringeworthy, das man sich vor Scham im Fernsehsessel zusammenrollen möchte – etwa, wenn in einem arabischen Regime die USA einen TV-Sender kapern und durchsagen, dass jetzt mal alle frei sind – und zwei Sekunden später Menschen auf den Straßen tanzen und Blumenblüten regnen. Da frage ich mich dann schon: Ist das wirklich das Weltbild des Michael Bay? Oder passt er sich einfach dem IQ seines amerikanischen Publikums an? Man weiß es nicht.

Manche Dinge lassen mich ob ihrer Albernheit schmunzeln – etwa, wenn ein Auto bei einer Verfolgungsjagd am Dom von Florenz in eine Gasse abbiegt, die sich offensichtlich in Rom befindet, um am Ende am Campo von Siena rauszukommen, neben dem der Ponte Vecchio von Florenz liegt. Geschenkt, auch trotz dieser Insiderfehler ist „6 Underground“ ein richtig schlechter Film, der es immerhin ordentlich krachen lässt.

Star Wars Ep.9 – Rise of Skywalker [Kino]

Während Rey zur Jedi ausgebildet wird, stolpert Kylo Ren in einen Keller, in dem der Imperator seit 30 Jahren im Flackerlicht hockt. Andere Leute da sind auf der Suche nach irgendwas und treffen dabei das verlorene Mitglied von Daft Punk.
SumthingSumthingSumthing DARK SIDE.

„Rise of Skywalker“ macht zuvorderst eines: Er wirft Episode 8 in die Tonne und erzählt trotzig die Geschichte weiter, die in Episode 7 begonnen wurde. Im Fließtext am Anfang wird in knappen Sätzen erzählt, was seit „Force Awakens“ wirklich Spannendes passiert ist – und ich muss sagen, DEN Film hätte ich gerne gesehen, anstatt den Rebellen dabei zuzugucken, wie ihnen das Benzin ausgeht.

Was dann folgt ist eine Art Roadmovie, bei der jeder auf der Suche nach einem Macguffin ist. Sowas kann gut funktionieren, siehe „Pirates of the Caribbean – Dead Mens Chest“, der vor allem deshalb so gut ist, weil alle nur Davy Jones Kiste wollen und damit jederzeit die Motivation der Charaktere klar ist.

Episode 9 verstolpert es aber, weil das Pacing hinten und vorne nicht stimmt. Völlig atemlos wird hier zwischen Actonpieces hin und her gesprungen, ruhige Momente gibt es kaum. Das mag davon ablenken, dass die Story wenig Sinn ergibt und so voller Zufälle und Logiklöcher ist, dass selbst meine superstarke Suspension of Disbelief die Fühler streckte. Wenn ich im Kino sitze, Star Wars gucke und ich plötzlich denke „Wie soll DAS denn gehen? Das ist doch Quatsch“, dann stimmt wirklich etwas ganz heftig nicht.

Schon faszinierend: Weder Episode 7, 8 oder 9 sind objektiv gute Filme. Es fehlt 7 und 9 an originellen Ideen, dafür sind sie vollgehängt mit Fanservice und überladen mit JJ-Abrams-Mystery-Geschwurbel. Warum Rian Johnson in Episode 8 einfach IRGENDWAS machen durfte, was überhaupt nicht zum Rest passt und Charaktere nachhaltig beschädigt, wird sich mir nie erschließen.

Und dennoch packen mich diese Filme emotional. Bei Episode 8 kam ich aus dem Kino und fühlte mich ganz großartig unterhalten, bei Episode 9 habe ich die halbe Zeit geweint, und zwar nicht, weil der Film so schlecht war.

Die JJ-Abrams-Episoden liefern viel Fanservice, der bei mir – als jemand der Star Wars als Kind geliebt hat – genau die Resonanzfrequenz trifft und mich emotional zerschüttelt. Dazu kommt, dass ich total auf Daisy Ridley abfahre. So sehr Alan Driver als Kylo Ren eine Fehlbesetzung ist, der die Hälfte der Zeit so wirkt als wisse er nicht, wo er eigentlich gerade ist, so unfassbar gut ist Ridley in ihrer Rolle als Rey. Sie ist es, die für mich über ganz weite Teile die neuen Filme trägt und auch wiederholt anschaubar macht.

Nach allen Regeln der Filmkritik ist „Rise of Skywalker“ kein guter Film, sondern einer mit vielen Fehlern, der aber für Star Wars Fans einiges richtig macht und die emotionale Geige so spielt, dass er gut unterhält
Nostalgie und Daisy Ridley.
Gibt Schlimmeres.


Spielen:

Jedi Fallen Order [PS4]
Irgendwann zwischen Episode III und IV: Der junge Cal Kestis war ein Jedischüler und ist der Order 66 und dem Massenmord an den Jedi nur knapp entkommen. Nun versteckt er sich vor dem Imperium und dessen Spionen auf einem abgelegenen Schrottplaneten. Durch einen dummen Zufall wird er dort von der imperialen Inquisition entdeckt und gejagt. Auf der Flucht findet er neue Verbündete und wird unvermittelt in eine weitaus größere Rolle hineingeschubst: Er könnte derjenige sein, der den Orden der Jedi wiederbelebt.

„Fallen Order“ stammt vom Studio Respawn Entertainment. Das habe ich seit dem grandiosen Einzelspielermodus von „Titanfall 2“ auf dem Schirm. Der hatte eine tolle Story, strotzte vor coolen Ideen und war technisch auf der Höhe.

„Fallen Order“ ist leider nicht ganz so gut, weder technisch noch erzählerisch. Auf einer Standard-PS4 ruckelt das Spiel andauernd, die Story hat im Mittelteil lange Hänger und das ständige Backtracking in bereits besuchte Gebiete ist höllennervig. Ich persönlich kann mit dem Dark-Souls-mäßigen Kampfsystem nichts anfangen, das zudem unpräzise zu steuern ist und bei dem man im Falle eines Bildschirmtods Erfahrungspunkte verliert.

Das ist besonders frustrierend, weil schon der normale Schwierigkeitsgrad sehr, sehr schwer ist. Ohne intensives Studium der gegnerischen Angriffsmuster und das Sterben von Hunderten von Toden (auf die laaaaange Ladezeiten folgen) geht hier gar nichts. Niemand, der älter als 14 ist, wird so viel Lebenszeit investieren wollen. Der leichtere Schwierigkeitsgrad bietet dafür überhaupt keine Herausforderung mehr, simples Buttonmashing reicht, um selbst die härtesten Gegner zu bezwingen – das macht dann nun gar keinen Spaß mehr.

Ähnlich unbefriedigend ist auch das Speichersystem: Selbstheilung gibt es nicht, nur durch Speichern erhält die Figur Energie zurück. Speichern geht aber nur an bestimmten Punkten und sorgt dafür, dass sofort alle bereits besiegten Gegner auf dem ganzen Planeten wieder da sind. Sollen ditte?

Dadurch kämpft man sich teils ein halbes Dutzend mal durch die immer gleichen Gegnergruppen, die einfach ständig wieder auferstehen. Diese Art von Spielmechaniken hätte es nicht gebraucht. Ja, es ist schön, dass EA endlich wieder ein Einzelspieler-Star-Wars-Spiel ohne Mikrotransaktionen und Multiplayergehampel gemacht hat – aber es fehlt leider an Richtung und Polishing.

Das ich aus „Fallen Order“ dann doch zufrieden rausging, liegt an dem grandiosen Ende der Geschichte. Nach einem laaaaangen Hänger in der Mitte dreht das Spiel auf die letzten Stunden storytechnisch so auf, dass man aus dem Staunen kaum raus kommt. Zumindest, wenn man keine Werbung gesehen hat. In den USA hat Electronic Arts es nämlich geschafft, in einem 10 sekündigen Werbespot das Ende zu spoilern.

In der Summe: Souls-like mag ich nicht, und auch davon abgesehen ist „Fallen Order“ kein Spitzenspiel. Die Dark-Souls- und Castlevania-Elemente hätte es nicht gebraucht, eine linearere Story wäre hier keine Schande gewesen. Aber es ist gut und unterhaltsam, und das ist ja mehr als es gefühlt seit „Force Unleashed“ (2008) gab .

Control [PS4]

Jessie hat rote Haare und geht in ein Gebäude. Mehr weiß man anfangs nicht. In dem Betonhochhaus liegt ein toter Mann rum. Als sie die Waffe nimmt, mit der der Mann sich erschossen hat, ist Jessie plötzlich Direktorin des FBC, des Federal Bureau of Control. Diese Behörde kümmert sich eigentlich im Stil der „Men in Black“ um übersinnliche Phänomene, ist aber leider gerade selbst von einem überrannt worden. Jessie beginnt die leeren Korridore des FBC zu erkunden. Das sich das Gebäude über mehrere Dimensionen erstreckt und ständig seine Form ändert, macht die Sache nicht einfacher.

Ok, die Story löst erst einmal „Hä?!“ aus, aber sowas erwartet man von Remedy schon fast. Das Studio hat sich nach den simplen Geschichten um „Max Payne“ deutlich emanzipiert, mit Werken wie „Alan Wake“ und zuletzt „Quantum Brake“ erzählen die Finnen komplizierte und interessante Geschichten im Medium Spiel. Feste Bestandteile sind ganz viel Atmosphäre, übersinnliche Elemente und Gameplayelemente, die über reines Shootern hinausgingen.

„Control“ ist ein weiterer Evolutionsschritt dieser Formel und pfeift mit der Wahl eines Schauplatzes gleich mal auf die Regeln von Physik und Realität. Das ist ebenso originell wie anders, fällt aber über seine eigenen Füße: Viel zu lange weiß man von der Hauptfigur nicht mehr, als das sie rote Haare hat. Zwar wird die Geschichte irgendwann hinreichend befriedigend aufgelöst, bis dahin aber über Dutzende (gefühlt: Hunderte) Textdokumente angereichert, die zu lesen sehr sinnvoll ist um zu verstehen was passiert. In den Textwüsten gibt es grandiose Ideen, wie die, dass Jessies „Dienstwaffe“, die sie zur Direktorin auserwählt hat, in früheren Zeiten andere Formen hatte – das Schwert Excalibur, oder davor eine heilige Wikingeraxt.

Das Gameplay ist mäßig originell, spielt sich aber ganz OK – zumindest so lange, wie auf dem Bildschirm nicht zu viel los ist. Nahezu jedes Umgebungsobjekt lässt sich zerstören oder als Waffe benutzen, Gegner und Jessie selbst können irgendwann fliegen und jeder Waffeneinsatz löst Partikeleffekte aus. Für so ein Physik-Inferno braucht es massive Rechenpower, und die hat die PS4 nicht, zumindest nicht in der Standardversion. Darum bricht in Massenkämpfen die Framerate gelegentlich bis auf 10 Bilder pro Sekunde ein. Zum Glück ist das nach mittlerweile sieben Patches schon besser geworden, kurz nach Release war Control kaum spielbar.

Zu den Performanceproblemen kommen der nicht einstellbare und nicht dynamische Schwierigkeitsgrad, der stellenweise unangenehm und bei Nebenquest sogar überfordernd ist, endlose Ladezeiten, respawnende Gegner und Rücksetzpunkte, die oft Minuten vor dem letzten Ableben liegen. Keine Ahnung was sowas soll. Die Kombination aus bockschweren Gegnern, bei denen man quasi nach wenigen Sekunden ins Gras beißt, um dann minutenlang auf den (ruckelnden!) Ladebildschirm zu starren um danach wiederum minutenlang zum Gegner zurückzulaufen um DANN wieder nach Sekunden zu sterben – das ist kein Spiel, das mir persönlich Freude macht. Das ist unfair uns sperrig. Weniger offener Ansatz und mehr Linearität wäre auch hier schön gewesen.

Zusammengefasst: „Control“ ist ein faszinierendes und sperriges Werk. Man merkt, dass sich Remedy von Microsoft getrennt hat: Es fehlt das Polish einer Triple-A-Produktion, wie „Quantum Break“ eine war. Das interessante Setting und die komplexe Geschichte, die sich erst nach und nach entfaltet, gleichen die permanent ärgerlichen Schnitzer im Spieldesign zum Teil wieder aus, Geduld sollte man allerdings mitbringen.


Machen:
Die letzten Wochen des Jahres sind bis Monatsmitte traditionell etwas hektisch bei der Arbeit. Danach: Vorbereitung auf ein, äh, interessantes Projekt im Januar.


Neues Spielzeug:

Eine Mavic Air von DJI, Codename „Pica“. Ja, ich gehe jetzt auch unter die Drohnenpiloten. Also, sobald das Wetter besser ist.

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Momentaufnahme: November 2019

Herr Silencer im November 2019

Arigatooo-Gosaimaaaas

Wetter: Kein Plan, war den Monat nicht hier. Ende November ist es so mittelkalt, zwischen 2 und 10 Grad. Die Bäume sind kahl, das Wetter misselig.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Wie hoch oben?“

Faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes, der bewusst alles geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das Buch bietet Einblicke in Snowdens Motivationen, seine Arbeit für NSA und CIA und die Funktionsweise der Intelligence Community nach 9/11. Als Bonusmaterial gibt es die Tagebücher von Lindsey Mills, Snowdens großer Liebe, die er für das Whistleblowing aufgibt. Sehr Lesenswert, zumal im Buch deutlich wird, das Snowdens Opfer mehr gebracht hat, als wir im Alltag wahrnehmen.


Hören:


Sehen:
Zwei Mal 11 Stunden Flug und ein gut gefülltes Entertainment-System, da konnte ich endlich all den drittklassigen Ranz weggucken, für den ich immer zu geizig war Geld auszugeben.

One Upon a time in Hollywood [JAL Onboard]
Leonardo die Caprio ist ein drittklassiker Schauspieler im Hollywood der 70er Jahre. Ihm zur Seite steht stets sein ergebener Stuntman Brad Pitt. Zusammen und getrennt wird gefeiert, Fernsehantennen repariert, die Manson-Familie besucht und mit Nachbarin Sharon Tate geflirtet.

Der neunte Film von Quentin Tarantino. Anscheinend dreht der mittlerweile nur noch Szenen auf die er Bock hat, dass diese Miniaturen dann in eine konsistente oder sogar fesselnde Handlung eingebettet sind ist wohl eher Nebensache. So plätschert der Film vor sich hin, verlässt sich dabei ganz auf seine Darsteller und die Ausstattung, um dann unvermittelt in einem absurden Gewaltexess zu enden. Das ist alles sehr seltsam, allerdings funktioniert das Werk für mich – es ist ein Märchen über Hollywood vor langer Zeit, und nichts anderes verkündet ja der Titel.

Toy Story 4 [JAL Onboard]
Woody, Buzz und Andys andere Spielzeuge werden an ein kleines Mädchen vererbt. Das nutzt seine Fantasie, um aus Müll neue Spielzeuge zu basteln. Irritiert von einem suizidgefährdeten Frankenstein-Löffel macht sich Woody auf zu seiner letzten Reise als Spielzeug.

Braucht es einen vierten Toy Story-Film? Natürlich nicht. Aber trotzdem lässt er sich gut anschauen. Die Charaktere sind liebenswert wie immer, nerven aber nicht. Die Handlung bringt die „Toy Story“ zu einem sehr befriedigendem Ende.

I am Mother [JAL Onboard]
Die Menschheit ist ausgerottet, die Erde unbewohnbar. In einem Bunker unter der Oberfläche sind tausende von menschlichen Embryonen eingelagert. In dieser menschlichen Arche tut ein Roboter namens Mutter Dienst.

Mutter wählt einen der weiblichen Embryos aus und lässt ihn sich entwickeln, dann zieht sie „Tochter“ auf, bildet und trainiert sie. So vergehen Jahre. Mit 16 ist Tochter eine hochintelligente Frau, die in Philosophie genauso gebildet ist wie in Elektrotechnik. Nur außerhalb des Bunkers und Mutters Reichweite war sie noch nie, denn Mutter behauptet, die Erde sei toxisch und Leben wäre auf der Oberfläche nicht möglich. Umso irritierter ist Tochter, als plötzlich eine verletzte Frau in der Luftschleuse liegt, die behauptet, Droiden wie Mutter hätten die Menschheit getötet. Anscheinend hat Mutter etwas zu verbergen, und ist bereit ihr Geheimnis auch mit Gewalt zu verteidigen. Oder ist es am Ende die Fremde, die nicht die Wahrheit sagt?

Endlich mal wieder ein SciFi-Film, der mich sofort mitgerissen hat. Das liegt sowohl am tollen Design von Mutter (alles praktische Effekte, kein CGI!) und der faszinierenden Kameraarbeit, vor allem aber an der verwickelten Handlung. Ist Mutter wirklich böse? Oder ist es die Fremde, die etwas zu verbergen hat? Wer ist am Ende eine echte Mutter, und was ist wirklich auf der Erde passiert? Bis zum Ende sehr spannend, tonal zwischen Sci-Fi und Thriller, ganz klare Guckempfehlung!

X-Men: Dark Phoenix [JAL Onboard]
Ein außerirdisches Dings ergreift Besitz von dieser Rothaarigen aus Game of Thrones. Die wird dadurch sofort böse und schmeißt mit Sachen. Professor Glatze und seine Konsorten versuchen sich als Exorzisten.

Ich kenne die Comics nicht, weiß aber, dass die „Dark Phoenix“-Reihe unter Fans als eine ganz tolle Geschichte gelobt wird. Deren Verfilmung wurde schon mal versucht (damals mit Famke Janssen) und enttäuschte Fans und normale Kinogänger. Der neue Film ist leider nicht besser. Ich hatte von einer gebeutelten Produktion gelesen, aber das Endergebnis ist wirklich grauenvoll. „Dark Phoenix“ ergibt über weite Strecken keinen Sinn, die guten Schauspieler wie Jennifer Lawrence und James McAvoy haben erkennbar keinen Bock auf den Quatsch in dem sie da mitspielen und Sophie Turner kann leider immer noch nicht mehr als „Sansa Stark“-mäßig betroffen gucken. Dummerweise spielt sie die Hautprolle, schafft es aber nicht auch nur eine Sekunde glaubwürdig zu sein. Da macht es dann auch nichts mehr, dass alles in einem CGI-Effektsturm untergeht, der so hektisch geschnitten ist, dass er bei sensiblen Naturen epileptische Anfälle auslöst. Dieser Film ist Dreck.

Godzilla: King of Monsters [JAL Onboard]
Rund um die Welt werden riesige Viecher entdeckt: Eine Hausgroße Motte, ein dreiköpfiger Drache usw.
Die kloppen sich alle mit einem radioaktiven Knubbelsaurier namens Godzilla.

Achgottja Godzilla. Habe nie verstanden was der Reiz an riesigen Viechern ist, die sich die Fresse polieren. Im Japan der 60er Jahre mag das lustig gewesen sein, aber heute? Nee.

Shazam! [JAL Onboard]
Billy ist 14 und ein Arschlochkind. Trotzdem schenkt ihm ein alter Mann mit Bart eine Fähigkeit: Wenn Billy „Shazam“ ruft, wird er zu einem Muskelmann Mitte 30, der superstark und superschnell und ein Superarschloch ist. Das ist doof, weil er gegen die sieben Todsünden zu Felde ziehen soll.

Unerwartet unterhaltsam und handwerklich gut gemacht. Die Zielgruppe dieses DC-Films ist klar umrissen: 12- bis 14-jährige Jungen, und für die wird er funktionieren.

Maleficient 2: Mistress of Evil [Kino]
Der erste Film hat uns gelehrt: Maleficient, die dunkle Fee aus dem „Dornröschen“-Märchen, ist eigentlich eine Gute, sie hat nur ein schlechtes Image und kommt mit sozialen Konventionen nicht gut klar. Dummerweise haben das zum Beginn von „Mistress of Evil“ aber alle vergessen, die Menschen betrachten die Fee als böse Hexe. Kurz vor der Hochzeit von Maleficients Ziehtochter mit einem Menschenprinzen liegen die Nerven so blank, dass Michelle Pfeiffer gegen das Feenreich in den Krieg zieht.

Angelina Jolie gegen Michelle Pfeiffer – auf dem Papier eine interessante Idee. In der Praxis bleibt für den Konflikt aber kaum Zeit, stattdessen ist man damit beschäftigt CGI-Gemetzel zu zeigen, inkl. Märchenfiguren, die in einer Kirche eingesperrt und dort vergast werden. Ist aber egal, 5 Minuten später wird geheiratet und alle haben sich Lieb. WTF, Disney? Einen zweiten Maleficient-Film hätte es nicht gebraucht, und schon gar keinen, der das Thema Genozid aufmacht um es dann wegzuschweigen. Ganz, ganz übles Machwerk. Den ersten Film mag ich bis heute, der war überraschend toll und interessant. Diese Fortsetzung hier ist seelenloser Müll aus der CGI-Retorte.

Gnadentod [Theater im OP]
Deutschland, 1933. Eugen Bitter ist Sozialdemokrat und Veteran des ersten Weltkriegs. Entsetzt verfolgt der Familienvater, wie die NSDAP langsam aufsteigt und den Staat aushöhlt. Einige Jahre später wird Familie Bittner während einer Progromnacht selbst Opfer von Nazigewalt. Dabei hat Eugen schon genug Probleme: Seit dem Krieg verursacht ein Granatsplitter in seiner Stirn starke Schmerzen. 1940 begibt er sich in eine Klinik für Psychiatrie, um den Splitter in einer Operation entfernen zu lassen. Wenige Tage später erreicht seine Familie ein Schreiben: Eugen Bittner sei an Herzproblemen in einer Klinik am anderen Ende des Landes verstorben.

Das Stück thematisiert die Aktion T4 der Nazis, Psychiatriepatienten mit geistigen oder psychischen Problemen als „lebensunwert“ systematisch zu ermorden. Mehr als 70.000 Menschen wurden in den Jahren 1940/41 umgebracht. Eugen Bittner, der Protagnoist des Stücks, war zur falschen Zeit am falschen Ort – ein „Fehler“ der Klinik, der aber nie aufgedeckt wird. Neben der Aktion T4 thematisiert das Stück den langsamen Aufstieg der Nazis und die Veränderungen, die das in der Familie Bittner mit sich bringt. Der Sohn tritt begeistert in die Hitlerjugend ein, die Tochter lehnt Nazis ab, verliebt sich aber dennoch in den netten Herrn Sturmbannführer, der seinerseits nicht glauben kann, dass seine Partei Menschen ermordet. Das Stück ist gut inszeniert, lässt sich aber zu viel Zeit mit Mischszenen und ist in der Summe zu lang. Hart nerven tun auch minutenlange, schrammelige Geigenstücke, die zwischen die Szenen eingestreut sind – das verursacht Zahnschmerzen.


Spielen:

Nichts. Dafür war nun wirklich keine Zeit.


Machen:

Eine Reise kreuz und quer durch Japans Hauptinsel Honshu.


Neues Spielzeug:

Boltune in Ears. Bluetooth-Kopfhörer mit Verbindungskabel, ganz ähnlich wie meine alten von Anker. Leider reichte deren Batteriekapazität nach 5 Jahren nur noch für 4 Stunden, und die Nachfolgemodelle sind aktuell nicht mit dem iPhone 11 kompatibel. Die Boltunes sind nach IPX7 wasserdicht, haben ordentlich Wumms, dichten nahezu alle Umgebungsgeräusche ab und halten 14 Stunden mit einer Akkuladung. Nimmt man sie aus den Ohren, klippen sie magnetisch zusammen und man kann sie um den Hals tragen ohne sie zu verlieren. Dafür schätze ich das Verbindungskabel. Sehr gute Dinger für meine Zwecke, und mit 25 Euro auch noch günstig.

iPhone 11 pro
Spacegrau, 512 GB Speicher. Diensthandy und Firmengerät, trotzdem: Beeindruckendes Teil. Als letztes hatte ich das 8er, was auch schon schön war, aber das 11er bläst mich völlig weg. Der OLED-Bildschirm ist knackscharf, der Akku hält mehrere Tage und diese markanten, aber etwas albern aussehenden drei Kameras auf der Rückseite machen Bilder, die meine normale Panasonic-Reisekamera völlig alt aussehen lassen. Selbst Nachtaufnahmen sind beeindruckend scharf.

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Momentaufnahme: Oktober 2019

Herr Silencer im Oktober 2019

keine Zeit keine Zeit keine Zeit

Wetter: Anfangs des Monates kühl, ab Beginn der zweiten Woche mit Nachts null Grad schon eisekalt. Am 07. Winterreifen aufgezogen. Am zweiten Wochenende wird´s mit tagsüber 23 und nachts 17 Grad nochmal spätsommerlich warm. In der dritten Woche wird das Wetter wieder normaler. Starkregen mit Temperaturen um die 10 Grad fühlt sich halt doch eher nach Herbst an. Die zweite Oktoberhälfte startet warm mit Temperaturen zwischen 8 und 16 Gad und relativ trocken. In den letzten Tagen kippt die Temperatur bis zum Gefrierpunkt.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Wie hoch oben?“
Starker Einstieg in die Geschichte des Mannes, dem eines Tages klar wird, dass er dabei geholfen hat, nach 9/11 eine Überwachungsmaschine hoch zu ziehen, die alle Daten aller Menschen für immer speichert. Ein Permanent Record, der beständig aus den Social Media-Plattformen gespeist wird. Die, so Snowden, das Internet kaputt gemacht haben.

Habe das Buch gerade erst angefangen, deshalb noch keine Meinung, aber Begeisterung beim Lesen.


Hören:


Sehen:

Vice [Amazon Prime Video]
Dick Cheney ist in den 50ern ein versoffener Tunichtgut. Erst als seine Frau ihm ins Gewissen redet und mit Trennung droht, rafft Cheney sich auf und macht ein Praktikum bei Donald Rumsfeld, einem jungen Politiker in Washington. Der stille Cheney hat endlich seine Berfung gefunden. Während er sich im Hintergrund hält, knüpft er Netzwerke und zieht Strippen. Als klar wird, dass er keine Chance hat Präsident der USA zu werden, steigt er aus der Politik aus und wird Chef der Ölfirma Halliburton.

Erst als der unerfahrene George W. Bush ihn darum bittet, kehrt Cheney in die in die Politik zurück. Als Vizepräsident neben einem schwachen Präsidenten baut er sein Amt zu nie gekannter Machtfülle aus. Bald kontrolliert Cheney Außenpolitik und Geheimdienste der USA, Bush ist kaum mehr als ein Frühstückspräsident.

Dann passieren die Anschläge vom 11. September, und Cheney wittert Chancen. Er lässt die USA in den Irak einmarschieren und gibt seiner Firma die Rechte an den dortigen Ölquellen, lässt sich weitere Vollmachten geben und unterläuft internationale Gesetze mit Erfindungen wie „Enemy Combatants“ und Guantanamo Bay.

Faszinierendes Portrait eines eiskalten und skrupellosen Machtmenschen. Cheney hat mindestens 600.000 Menschen auf dem Gewissen, aber als Mann im Hintergrund darf man ihn nicht mal Massenmörder nennen.

Der Film steht sich gelegentlich selbst auf den Füßen, wenn er versucht witzig zu sein – etwa durch einen falschen Abspann in der Filmmitte oder einen surrealen Restaurantbesuch, bei dem Cheney Gesetzesverstöße serviert bekommt. Das ist Quatsch und schlägt den völlig falschen Ton an.

Props dagegen an die Maske, die Sam Rockwell wirklich perfekt auf George W. Bush zurechtgemacht hat und natürlich an Christian Bale, der hier mal wieder in fett zu sehen ist.

Chernobyl [Bluray]

„Da muss ein Druckwasserbehälter explodiert sein. Ist der Kern gekühlt?“ „Der Kern existiert nicht mehr! Der Kern ist weg!“

In der Nacht zum 26. April 1986 gibt es eine Explosion in dem ukrainischen Kernkraftwerk. Was dort passiert ist, weiß zunächst niemand. Als deutlich wird, was da passiert ist, kann es kann es niemand fassen, dann versuchen die Verantwortlichen es zu vertuschen, dann wird klar: es ist nicht vorbei. Hat die initiale Explosion schon die halbe Ukraine verseucht, drohen nun durch verschiedene Faktoren noch viel schlimmere Folgen.

Ich bin ja etwas spät auf der Party, aber: Meine Fresse, was für eine Serie. Und das ausgerechnet von dem Typen, der bislang nur die klamaukigen „Hangover“-Filme geschrieben hat. Dem fiel 2014 ein, dass er mal was über lügende Staaten und die globale Wahrheit machen könnte. Dabei stieß er auf Tschernobyl – und war kurz darauf besessen davon. Ergebnis diese Besessenheit ist eine fünfteilige Miniserie von HBO. Die beginnt mit der Explosion und den anschließenden Versuchen der Vertuschung – erst von lokalen Beamten, die lange nicht wahr haben wollen, dass ihr Kraftwerk wirklich explodiert ist, dann von der Führung der Sowjetunion, die sich auf der Weltbühne keine Schwäche erlauben will.

Stück für Stück, teilweise Stunde für Stunde, werden die Vorgänge nachgezeichnet. Dabei wird die Lage der Handelnden Personen und ihre Hilflosigkeit immer wieder in Kleinigkeiten deutlich: Etwa, wenn die Leitstelle zunächst weitergibt, dass nur ein Strahlunganstieg um 3,6 Röntgen zu vermelden ist und alle beruhigt sind – bis jemandem auffällt, das 3,6 Röntgen genau der Höchstwert der ausgegebenen Dosimeter ist. „Aber das gute Dosimeter liegt im Schrank, und wir haben den Schlüssel nicht!“.

Solche Momente der Hilflosigkeit gibt es immer wieder, und sie machen die Katastrophe greifbar. Es sind aber auch diese Momente, die die Serie besonders erschütternd machen. Etwa, wenn die Bergleute, die einen Gang unter den Reaktor graben müssen, nackt arbeiten, weil die Hitze so groß sind. Oder wenn die Aufräumtrupps, die Reaktormaterial vom Dach räumen müssen, nur 90 Sekunden dort arbeiten dürfen. Oder Autos und Hubschrauber nach wenigen Tagen ausgemustert und vergraben werden müssen. Oder wie alle Haustiere im Umkreis von 200 Kilometern getötet werden müssen. Es ist faszinierend und beängstigend, unter welchen Opfern damals weitere Katastrophen verhindert wurden. Kernaussage der Serie, laut Macher: „Es geht nicht darum, dass Kernenergie gefährlich ist. Unsere Botschaft ist, dass lügen, Arroganz und die Unterdrückung von Kritikern gefährlich ist.“

„Chernobyl“ ist eine erschütternde Serie und eine der stärksten geschriebenen die ich je gesehen habe. Die Hälfte der Zeit war mir flau im Magen, denn 1986, da war ich 11 und habe die Reaktionen im Westen genau mitbekommen. Das die Serie manche Dinge in der letzten Episode überdramatisiert ist mir dabei egal. Der eigentliche Hergang ist unverfälscht wiedergegeben, und aus heutiger Sicht einen Blick auf die damaligen Vorgänge zu werfen ist gruselig.

Men in Black International [Amazon Video]
Tessa Thompson hat als Kind mal einen Einsatz der Men in Black mitbekommen. Seitdem ist sie besessen davon die Geheimorganisation, die sich um Außerirdische auf der Erde kümmert, aufzuspüren. Das gelingt ihr eines Tages, und sie wird sogar ins Ausbildungsprogramm aufgenommen. Schnell merkt sie aber: Irgendwas stimmt nicht. Der Eindruck trügt nicht, die Erde ist in Gefahr und die Men in Black unterwandert.

Ach, was habe ich den ersten „MIB“ geliebt, vor allem wegen Tommy Lee Jones wortkargem Agent K. Aber das ist auch schon 22 Jahre her, und die völlig unvermutet aufgetauchte vierte Filmfortsetzung kommt ohne den mittlerweile greisen Jones und den nervtötenden Will Smith aus. Stattdessen gibt es nun mit Thompson und Hemsworth eine neue Besetzung. Deren Chemie stimmt nachweislich (zu besichtigen in Thor: Ragnarök), und letztlich ist es das sympathische Spiel der beiden und die starken Frauenrollen, die den Film zusammenhalten. Neben der sympatisch-cleveren Tessa Thompson sind das vor allem Emma Thompson als Chefin O oder Rebecca Ferguson als Bösewichtin Riza. Die Damen haben richtig Spaß an dem Trash, in dem sie hier spielen.

Chris Hemsworth wirkt daneben dullig, und der müde Liam Neeson telefoniert seine Rolle auch nur nebenbei durch. Ansonsten bleibt von dem Film auch ohne Blitzdings nicht viel im Gedächtnis. Der Plot ist nämlich leider ziemlich egal. Das war er bei MIB-Filmen schon immer, aber heute kommt man damit nicht mehr so leicht durch wie Ende der 90er. „MIB International“ ist eine lose Aneinanderreihung von Actionpieces, die rund um den Globus stattfinden. Ein krachender Sommerblockbuster aus der zweiten oder dritten Liga, der über die Laufzeit unterhält, den man aber sofort wieder vergessen hat. Das ist nicht schlimm, aber eine verpasste Chance die MIB zeitgemäß zu rebooten.

Schattenseiten [Theater im OP]
New York in den 50ern: Andrew verliebt sich in Marusa und heiratet die Modezeichnerin, die vor Kurzem aus Osteuropa eingewandert ist. Doch die Ehe verläuft nicht gut, denn Marusa verweigert jegliche Körperlichkeiten. Grund: Sie glaubt, Erbin eines Fluchs zu sein der Männer tötet. Zusammen mit einem Eheberater und einer Freundin versucht Andrew seine Frau vom Glauben an den Fluch abzubringen.

Alter Schwede. Selten so ein spannendes Stück gesehen, trotz einiger sich ziehender Szenen. Die Faszination kommt vor allem durch das Bühnenbild. Im Hintergrund der Bühne, von der eigentlichen Handlung durch eine Gazewand abgetrennt, räkeln sich im Halbdunkeln Raubkatzen. Die stellen sowohl die Zookulisse dar als auch, das versteht man nach kurzer Zeit, das Seelenleben der Protagonistin. Ist die aufgeregt oder irritiert, sind die Raubkatzen das auch. Fühlt sich die Hauptdarstellerin bedroht, dann… sagen wir es so: An dem Fluch ist mehr dran, als Andrew glaubt.
Sehr schön und vor allem überraschend inszeniert von Klaus-Ingo Pißowotzki ist „Schattenseiten“ ein wirklich gelungenes und kurzweiliges Stück.

Check-Check. [Joyn]
Klaas Heufer-Umlauf ist vor Jahren vom Dorf weg und nach Berlin gezogen. Dort plant er ein Start-Up nach dem nächsten, so recht klappen will es mit Burgern aus Algen (Algen sind das Grüne Gold! Wir machen Gold zu Geld!“) aber doch nicht. Als sein Vater an Demenz erkrankt, findet sich der Großstadtentrepreneur unvermittelt in der Provinz wieder. In seinem Heimtort trifft er auf alte Klassenkameraden, deren Lebensrealität so ganz anders ist als seine. Das Schlimmste aber: Er muss einen Job im örtlichen Provinzflughafen annehmen, an dem pro Tag nur ca. 3 Maschinen ankommen.

Die Serie wurde bei mir um die Ecke gedreht, im Provinzflughafen Kassel-Calden – der tatsächlich genauso leer steht, wie es in der Serie gezeigt wird. Die Geschichte ist mehr als ein simples „Großstadtmensch muss auf´s Dorf“-Trope. Klar, es gibt auch Slapstick und Fremdschämhumor, besonders bei den Szenen mit der Flughafencrew. Besonders wird das Ganze aber, wenn der Fokus auf Klaas Verhältnis zu seinem Vater gelenkt wird. Das ist geradezu herzerwärmend und gleichzeitig tief traurig mit anzusehen wie die Demenz den einst so selbstständigen Mann immer weiter demontiert – und er das auch merkt und trauert, weil ihm etwas abhanden gekommen ist, von dem er nicht mehr weiß was es ist.
Tolle Serie, gute Schauspieler, und alles von den Stromberg-Autoren auf Klaas Heufer-Umlauf maßgeschneidert. Sowas zu sehen ist ein Vergnügen und eine wohltuende Abwechselung zum Netflix-Einheitsbrei.


Spielen:

Yakuza Kiwami 2 [PS4]
2006: Die Welt der Yakuza von Tokio ist nach den Ereignissen des Vorjahres, die in Yakuza 1 erzählt werden, durcheinander. Das wird nicht dadurch besser, dass der Vorsitzende des Tojo-Clans von einer rivalisierenden Gang aus Osaka ermordet wird. Kazuma Kiryu wird gebeten, einen Frieden zwischen seinem Ex-Clan und Osaka auszuhandeln, und das ist der Punkt, wo alles südwärts rutscht. Nun muss Kiryu, der eigentlich gar kein Yakuza mehr ist, überlegen, wie er seinen alten Clan retten kann ohne das die Hälfte von Tokio in Flammen aufgeht. Dass er sich in Schutzhaft durch die Polizistin Sayama befindet, macht die Sache nicht einfacher. Und irgendwie beschleicht ihn der Verdacht, dass sowohl Yakuza als auch die Polizei nur Bauern in einem weitaus größeren Spiel sind.

Nach „Yakuza Zero“ und „Yakuza Kiwami“ nun der faktisch dritte Teil der Reihe. Im Original erschien das Spiel 2006 für die Playstation 2. Für die Neuauflage auf der PS4 kommt nun die allerneueste Engine aus Yakuza 6 zum Einsatz, mit einem umwerfenden Ergebnis: Tokio und Osaka sind nahezu fotorealistisch nachgebildet. Neonreklamen spiegeln sich in Wasserpfützen auf rauem Asphalt, in Geschäften stehen perfekte Nachbildungen von Waren und Personen und Gesichter sehen nahezu echt aus. Hier hat der Hersteller das Game komplett in neuer Technik nachgebaut, und das ist völlig großartig.

Das gilt nicht nur für die Grafik, auch das Gameplay ist auf neuestem Stand. Im Kern ist Yakuza Kiwami 2 nach wie vor ein Prügelspiel. Kiryu verhaut im Laufe der Geschichte rund 1.000 Gangster, und jeder Encounter macht Spaß. Wirklich bei der Stange hält dabei aber die Geschichte, die noch größer und verwickelter ist als im Vorgänger und die in langen Zwischensequenzen erzählt wird. Das Spiel ist wie ein 30 Stunden langer, spannender Gangsterfilm, der einen emotional mitnimmt und bei dem man selbst zwischendurch die Geschicke bestimmt. Yakuza Kiwami 2 zeigt, was das Medium Spiel zu leisten vermag.

Ghostbusters – The Video Game, remastered [PS4]
1991, vier Jahre nach den Ereignissen des zweiten Kinofilms: Die Geisterjäger werden an Orte ihrer ersten Einsätze gerufen. In der Stadtbibliothek und im Sedgewick-Hotel spukt es wieder, und zwar heftiger als vorher. Die Geisterjäger finden heraus, dass diese Invasion der Geister kein Zufall ist. Tatsächlich ist sie das Werk des irren Architekten Ivan Shandor, der 1920 weit mehr getan hat als nur das Hochhaus von Dana Barett in eine Geisterantenne zu verwandeln. Shandor und seine Mitverschwörer haben tief unter New York Kanäle angelegt, die nun Geisterenergie aufsaugen und verstärken, bis die ganze Stadt langsam in die Geisterdimension driftet.

Ach, das Ghostbusters Game. Im Original ist es 2009 für XBOX und PS3 rausgekommen, nun läuft es „Remastered“ auf der PS4. Was genau daran überarbeitet sein soll, bleibt aber das Geheimnis des Publishers.

Außer der höheren Auflösung (Full HD) konnte ich keine Unterschiede zu früher feststellen. Leider, denn das Spiel, das aus Kostengründen zum Teil in Russland programmiert wurde, war schon 2009 technisch veraltet und sah aus wie 2003 entstanden. Matschige Texturen, künstlich aussehende Charaktere, hölzerne Animationen, schlechtes Leveldesign, schlechte Tonabmischung, Soundfehler, übertriebener Schwierigkeitsgrad auf „normal“, der sich nach Spielstart nicht mehr umstellen lässt … das war genauso schon auf der XBOX 360 und findet leider auch in der 2019er Fassung. Sehr schade, hier wurde die Chance verpasst, das ganze nochmal ordentlich zu machen.

Das ist insbesondere deshalb schade, weil das Spiel durchaus seine Stärken hat. Die Spielmechanik ist z.B. äußerst gelungen. Es macht einen Heidenspaß, mit dem störrischen Protonenstrahl oder dem Schleimspritzer Geister erst zu schwächen, dann zu fangen und schließlich in eine Falle zu bugsieren.

Womit das Spiel aber vor allem glänzt ist die tolle Vertonung (mit den Originalschauspielern) und vor allem der von Harold Ramis und Dan Akroyd geschriebenen Geschichte. „Ghostbusters – The Video Game“ ist die direkte und werkgetreue Fortsetzung der Filme, praktisch wie ein dritter und abschließender Film, den es nie gab. Der Besuch bekannter Schauplätze als Einstieg weckt nostalgische Erinnerungen, und wenn die Geschichte erstmal Fahrt aufnimmt, ist sie spannend, lustig, überraschend und sogar ein wenig gruselig. Der perfekte Abschluss der Ghostbusters-Trilogie.

Trotz der altbackenen Präsentation: Wer die Ghostbusters-Filme mochte, macht hier nichts verkehrt, zumal das nur rund 8 Stunden lange Spiel schon zum Start zum Billigpreis verjubelt wird.


Machen:

Dinge winterfest machen. Immerhin ist das Jahr so gut wie rum.


Neues Spielzeug:

Ein Schutzgitter für den Kühler der V-Strom sowie Barkbusters Storm-Handprotektoren.

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Momentaufnahme: September 2019

Herr Silencer im September 2019

Etwas weniger Druck wäre auch mal ganz schön.

Wetter: Es wird Herbst, das lässt sich nicht mehr leugnen. Anfang des Monats ist es nebelkühl, dann kalt – Nachts sinken die Temperaturen bis auf drei Grad, tagsüber kommen sie kaum noch über 15. Der Himmel ist oft bedeckt, regnen tut es aber so gut wie nicht. Das vorletzte Wochenende ist mit 26 Grad und Sonnenschein nochmal hochsommerlich warm und sonnig.Die letzte Woche bleibt nachts und tags mit 13-19 Grad warm, dafür regnet es häufig. Die Blätter werden jetzt schlagartig bunt und fallen. An den letzten Septembertagen ziehen die Herbststürme übers Land.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Auf welcher Position?“
Starker Einstieg in die Geschichte des Mannes, dem eines Tages klar wird, dass er dabei geholfen hat, nach 9/11 eine Überwachungsmaschine hoch zu ziehen, die alle Daten aller Menschen für immer speichert. Ein Permanent Record, der beständig aus den Social Media-Plattformen gespeist wird. Die, so Snowden, das Internet kaputt gemacht haben.

Habe das Buch gerade erst angefangen, deshalb noch keine Meinung, aber Begeisterung beim Lesen.


Hören:


Sehen:

Green Book [Amazon Video]
1962 ist die Rassentrennung in den Südstaaten der USA allgegenwärtig. Farbige dürfen nur bestimmte Restaurants betreten, müssen im Bus in einem gesonderten Abteil stehen, können nicht alle Toiletten benutzen und dürfen nur in wenigen Hotels übernachten. Orte, die für Farbige zugelassen sind, sind in einem speziellen Reiseführer aufgelistet. Das „Green Book“ ist benannt nach seinem Autor, dem schwarzen Postboten Victor H. Green. Mit diesem „Negro Motorist Guide“ auf dem Beifahrersitz lässt sich der fabrige Klaviervirtuose Dr. Don Shirley von dem pöbeligen Italiener Tony Vallelonga von Konzert zu Konzert kutschieren. Mit dem derben Tony und dem feingeistigen Don treffen Welten aufeinander. Die beide müssen sich aber zusammenraufen, gegen die Anfeindungen und den allgegenwärtigen Rassismus.

Viele komische Situationen, dabei aber mehr Drama als Komödie. Hervorragende Darsteller, insb. Viggo „Aragorn“ Mortensen als übergewichtiger und ungebildeter Tony. Es gibt so Filme, denen sieht man an, dass sie mit dem Blick auf die Oscars gemacht wurden. „Green Book“ gehört dazu, nervt aber selten und ist trotzdem sehenswert.

Bohemian Rapsody [Amazon Video]
Freddy Mercury schließt sich einer Band an, der Rest sind Geschichten.

Schön gefilmt, sehr tolle Darsteller. Leider kann sich der Film nicht entscheiden, was er sein will: Biopic? Oder doch Fiktion? Auch wenn die Geschichte der Band erzählt wird und das alles nach Dokumentation aussieht: Der Großteil ist einfah gelogen. Das Zusammentreffen der späteren Bandkollegen hat in der gezeigten Form genauso wenig stattgefunden wie das Zusammentreffen mit Freddys Freundin, die Auseinandersetzungen mit einem Plattenproduzenten, die Trennung der Band oder den dramatischen Ereignissen vor dem Life-Aid-Konzert. Alles erfunden. Ich verstehe das nicht. Warum werden hier Ereignisse nicht durchgehend korrekt wiedergegeben, sondern eine Legende aus Märchen gestrickt?

So weiß ich nie, was ich überhaupt glauben kann. Das macht mir keinen Spaß, und für einen Film, der keinen Spaß macht, ist „Bohemian“ deutlich zu lang. Bestenfalls kann man ihn als ein JukeBox-Musical mit einer Best-Of-Auswahl von Queen-Songs nett finden, aber dafür ist der Anteil an Spielszenen wiederum zu hoch. Nee, nix für mich.

Glass [Amazon Video]
Drei Personen werden eingefangen und weggesperrt in eine „Therapie“. Eine Psychologin will sie von der Vorstellung heilen, sie seien Superhelden. Während Samuel L. Jackson katatonisch tut und Bruce Willis böse guckt, grimassiert sich James McAvoy mit seinen multiplen Persönlichkeiten die Seele aus dem Schauspielleib.

Achgott ja, M. Night Shyamalan-Filme. Der einstige Regiestar hat eigentlich seit „Sixth Sense“ nichts Gutes mehr zustandegebracht. Umso erstaunter war ich, als 2016 ein Sequel zu „Unbreakable“ erschien, dem mediokren, aber im Feuilleton abgefeierten „Superhelden-oder-doch-nicht“-Wischiwaschi-Film aus dem Jahr 2000. Dieses Sequel wollte und brauchte niemand. Nun also die Fortsetzung zu dem Sequel, das niemand braucht und wollte, und diesen dritten Teil wollte tatsächlich nicht mal mehr ein Studio produzieren, weshalb Shyamalan das aus eigener Tasche bezahlte.

Herausgekommen ist wieder erwartbar traniger Quatsch, der hinten und vorne keinen Sinn ergibt und über weite Strecken einfach nervt. Das beginnt schon bei den Opening Titles, die einfach Müll aus der After-Effects-Restekiste sind, und endet noch lange nicht beim „Twist“ am Ende. Der allerdings keiner ist. Niemand wird die „Enthüllung“ am Ende als Überraschung sehen und sagen „uiuiui, der Film hat mich überrascht“. Im Gegenteil, die meisten werden mit den Achseln zucken, kein Stück überrascht sein, aber denken: „DAFÜR habe ich hier zwei Stunden rumgesessen?!“ Alles Murks, und ich sage mal so: Der Film lahmt so sehr, wäre er ein Pferd, er wäre schon lange von seinem Leid erlöst worden. Von Herrn Shyamalalalamanamanadingdong möchte ich bitte nichts mehr sehen.

Holmes und Watson [Amazon Prime Video]
Holmes und Watson jagen Professor Moriarty.

Manchmal kann ich Will-Farrell-Schmarrn wie „Anchorman“ was abgewinnen, aber „Holmes und Watson“ ist unerträglich. Die Geschichte ergibt vermutlich nur dann Sinn, wenn man völlig bedröhnt ist. Die improvisierten Dialoge bewegen sich allesamt auf dem Niveau von Geschlechtsverkehranbahnungsgesprächen in deutschen Pornofilmen, nur dass bei Pornos im Anschluss meist was Interessantes passiert. Hier nicht. Holmes und Watson ist unkomischer, langweiliger Müll.

Andorra [Theater im OP]
Aus latenter Judendiskriminierung in der Bevölkerung Andorras wird mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs und deutscher Besatzung offener Hass auf einen „Judenjungen“ im Ort, der am Ende tote fordert. Die Schuld dafür findet jeder der Beteiligten beim Opfer selbst oder bei anderen, aber nicht bei sich.

Vielschichtiges Stück um Vorurteile, Diskriminierung und den Weg, der dadurch bis zum Mord geebnet wird. Stark von Barbara Korte inszeniert und super gespielt.


Spielen:

„Control“, das neue Werk von Remedy, ist zwar schon installiert, nervt mich mit seinem uncoolem Gameplay, herben technischen Problemen und Story-Unfug aber hart an. Also beiseite gelegt, stattdessen gab es diesen Monat ein wenig leichte Genrekost aus Japan.

Yakuza 0 [PS4]
1985: Die Wirtschaft Japans boomt, jeder hat Geld oder will zumindest auf großem Fuß leben. Der junge Kazuma Kiryu hat seinen Traum wahr gemacht und ist den Yakuza der Dojima-Familie beigetreten. Als Frischling muss er Geld von säumigen Schuldnern eintreiben. Als einer von Kiryus „Kunden“ nach seinem Besuch tot aufgefunden wird, gerät er in Schwierigkeiten. Nicht nur, dass „die Familie“ keine Aufmerksamkeit wünscht, der Tote liegt auch ausgerechnet auf einem winzigen, unbebauten Grundstück mitten in Tokios Vergnügungsviertel Kamurocho, und dieses Grundstück spielt in den Plänen der Mafia eine wichtige Rolle.

In Japan sind die Abenteuer rund um den wortkargen Kazuma Kiryu eine Legende, und ich weiß jetzt auch warum. Zwar ist das Coregameplay ein simpler Brawler, bei dem Kiryu Leute verhaut, aber das Drumherum ist der Hammer. Da wäre als erstes die Kulisse: Die Vergnügungsviertel in Tokio und Osaka, nur wenige Straßenzüge groß, sind toll und lebendig in Szene gesetzt. Man hat förmlich das Gefühl durch eine nächtliche Stadt zu laufen.

Dann ist da die Story: Verwickelt, kompliziert, wendungsreich, filmisch inszeniert. Manche Zwischensequenzen sind 10 Minuten lang. Man sieht also einen 20 Stunden langen, guten und spannenden Mafiafilm, bei dem man sich gelegentlich mal haut. Bei den 20 Stunden bliebt es freilich nur, wenn man ausschließlich der Hauptstory folgt. Dann entgehen einem aber alle möglichen Sideaktivitäten, wie Spielhallenbesuche, Rennen mit ferngesteuerten Autos oder eine von 99 wirklich coolen und interessanten Sidequests. Wer will, kann sogar in absurden Metagames Nachtclubs Mikromanagen oder Immobilienspekulationen machen und so Stück für Stück Kamurocho übernehmen. Laut howlongtobeat.com kann man dann locker über 100 Stunden in Tokio und Osaka verbringen.

Abgefahrenes, riesiges Game. Viel Spaß gehabt, trotz eines nervigen Speichersystems. Als spät erschienenes Prequel zu Yakuza 1-6 ist es für den Einstieg in die „Yakuza“-Serie geeignet, auch wenn Kenner der Nachfolger sicher mehr rausziehen können. Gibt es übrigens nur in japanisch mit englischen Untertiteln, was bei der schieren Textmenge nicht überrascht.

Yakuza Kiwami [PS4]
1995: 10 Jahre nach den Ereignissen von „Yakuza 0“ übernimmt Kazuma Kiryu die Verantwortung für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Dafür wandert er in den Bau und wird von den Yakuza verstoßen. Als er 2005 wieder rauskommt, hat sich die Welt verändert. Der Ex-Knacki/-Yakuza versucht sich einzufinden, aber schon diese neumodischen „Mobiltelefone“, mit denen plötzlich jeder rumläuft, sind eine Herausforderung. Auf der Suche nach seiner alten Liebe gerät Kiryu in seltsame Machenschaften, bei denen er nicht nur den Polizisten Date kennenlernt, sondern plötzlich auch noch ein Kind am Bein hat. Aber auch das steht der wortkarge Anzugträger durch, während er Dutzende von Gangstern verprügelt oder Kamurochos Nachtleben genießt.

Ein Remake des ersten „Yakuza“, das 2005 für die PS2 erschien. Grafiken und Engine sind alle neu, Dialoge für die Untertitel wurden neu ins Englische übersetzt. Sehr schön: Die Story von Yakuza 0 bildet die Grundlage für viele Personen und Ereignisse in „Kiwami“ und wertet den Nachfolger dadurch auf. Wieder ist die Story das treibende Element, auch wenn die nicht so over-the-top ist wie in „Zero“. Leider hat sich Kamurocho über die Jahrzehnte wenig verändert: „Yakuza Kiwami“ recycelt nicht nur alle Systeme von „Yakuza 0“, sondern auch viele von dessen Assets. Schade, ich hätte gerne gesehen, wie sich Tokio zwischen 1985 und 2005 verändert hat.


Machen:
Einige Tagesausflüge, ansonsten sehr viel Arbeiten. Also, SEHR viel.
(Deshalb leider auch auf absehbare Zeit kein Reisetagebuch. Ja, ich vermisse das auch.)


Neues Spielzeug:

Ein Schutzgitter für den Kühler der V-Strom sowie Barkbuster Storm-Handprotektoren.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: August 2019

Herr Silencer im August 2019

Ok, ich bräuchte jetzt bitte noch drei Wochen Zeit.

Wetter: Anfang des Monats regnerisch und warm bei 23 Grad, dann kommt der Herbst. Es wird nass und sehr kühl, morgens nur noch 8 Grad, Nachmittags um die 20. Fühlt sich herbstlich an, zumal die Blätter wg. der Trockenheit bereits fallen. Erst in der letzten Augustwoche geht es wieder aufwärts mit den Temperaturen, der Hochsommer kommt mit über 30 Grad zurück.


Lesen:

Mark Galeotti: We Need to Talk About Putin: Why the West gets him wrong, and how to get him right [Kindle]
Er regiert seit zwei Jahrzehnten Russland, aber wer ist dieser Putin überhaupt? Ist er wirklich der geniale Stratege, der mit Sabotageaktionen den Brexit ausgelöst und Trump an die Macht gebracht hat? Ist er ein Kleptokrat, der sich die Taschen vollgemacht hat? Von allem ein Bißchen? Oder doch ganz anders?

Mark Galeotti hat sich für seine Recherchen nach eigenen Angaben mit Politikern aus Putins Umwelt besoffen, sich mit Oligarchen getroffen und mit Hausmeistern unterhalten. Dabei herausgekommen ist wenig mehr als eine Anekdotensammlung („Putin schläft gerne lange“) durch die Galeotti selbst einen roten Faden legt und sich damit seine eigene Putin-Theorie zusammenbaut. Das ist unterhaltsam und kurzweilig zu lesen (das Buch umfasst auch nur 150 Seiten), trägt zur Klärung der Kernfrage „Wer ist eigentlich Putin?“ wenig bei.


Hören:


Sehen:
Abends nach Hause gekommen und so kaputt gewesen, dass gerade noch ein wenig Glotzen ging. Dementsprechend viel Guck-Konsum in diesem Monat. Außerdem: Gandersheimer Domfestspiele!

The Happytime Murders [Amazon Video]
Los Angeles in einer Welt, in der Muppets tatsächlich leben und mit Menschen koexistieren: Ein Mörder geht um und zerstückelt Puppen, die früher in der Kinderserie „Happytime Gang“ mitgespielt haben. Melissa McCarthy ist eine knallharte Polizistin, die im Puppenmilieu ermittelt. Dabei muss sie gegen ihren Willen mit Phil zusammenarbeiten. Der ist selbst eine Puppe, Melissas Ex-Partner und knallharter Privatdetektiv. Bald kämpft das ungleiche Ermittlerduo in erster Linie mit den Altlasten und Traumata ihrer Vergangenheit.

Ha, ich habe einen neuen Lieblingsfilm! Kaputte und lüsterne Puppen fand ich in Peter Jacksons „Meet the Feebles“ schon super. Der Film ist mittlerweile schon alt, und es hat 30 Jahre gedauert bis sich wieder jemand (aka Jom Hensons Sohn!) getraut hat, drogenabhängige und rumhurende Muppets auf die Leinwand zu spielen. Melissa McCarthy nimmt man die Cop-Rolle in keiner Sekunde ab, aber die skurrilen Puppencharaktere machen das wieder wett. Allein der Osterhase, der sich in der Pornoabteilung rumtreibt und vor Angst farbige Eier legt! Die Sado-Maso Kuh, die gleichzeitig eine Verbeugung vor „Meet the Feebles“ ist! Die Zuckerabhängigen Niedlichpuppen! Und so ganz nebenbei ist der Kriminalfall noch schön kompliziert und spannend. Für Freunde des abseitigen Humors: Guckempfehlung!

25 km/h [Amazon Video]
Zwei entfremdete Brüder beschließen vom Schwarzwald bis zur Ostsee per Mofa zu fahren. Das sieht so bescheuert aus wie es klingt.

„Wir haben Bjarne Mädel! Und Lars Eidinger! Die lassen wir quer durch Deutschland fahren, da können wir von 8 Bundesländern Filmförderung abgreifen!!! Kann gar nix mehr schiefgehen!“

So oder so ähnlich muss es gelaufen sein. Gewisse deutsche Produzenten haben anscheinend keinerlei Probleme mehr, selbst für den größten Dreck Förderungen abzugreifen und damit ihren Müll zu finanzieren. Die Auswertung vor Publikum ist dann nur noch Formsache, muss halt am Startwochenende in so und so vielen Kinos laufe, Rest egal. Anders kann man sich hingekotzten Dreck wie Till Schweigers Hodenklemmpeinlichkeit „Reise der Silberrücken“ nicht erklären, und ohne einen solchen Erlärungsansatz wüsste ich auch nicht, wie „25 km/h“ zustande gekommen sein soll.

Allein die Prämisse ist schon gurkig: Zwei Brüder, die sich Jahren nicht mehr gesehen haben und so einen Groll hegen, dass sie sich bei der Beerdigung des Vaters am offenen Grab prügeln, beschließen zwei Schnäpse später einen Kindheitstraum wahrzumachen und per Mofa durchs Land zu gurken. Ohne Helm, ohne gültiges Versicherungskennzeichen, ohne Beleuchtung und oft hackedicht. Durch Deutschland! Ein Wunder, das die nicht an der nächsten Ecke in Villingen-Schwenningen verhaftet werden!

Dazwischen sieht man nette und erwartbare Aufnahmen: Bjarne Mädel und Lars Eidinger voll crazy am Jubeln und tanzen, dazwischen Stock-Photo-Augnahmen aus Deutschland mit Weinbergen, niedersächsischen Feldern und Weinfest. Die Story ist völlig Empathie – und Sinnbefreit, einzig das Spiel der Protagonisten ist ansehnlich. Auch, wenn hier Charakterentwicklung nur behauptet wird und die Figuren eklig handeln: Der Yuppiebruder darf mittendrin ne Träne verdrücken, weil er vor Jahren seine schwangere Freundin hat sitzen lassen. Wohl aus Reue beginnt er die und ihre Sohn dann zu stalken. Soll wohl romantisch sein, ist aber so unwitzig wie es sich anhört.

Lichtblick dieses Filmfördertrashs sind Bjarne „Tatortreiniger“ Mädel, Lars Eidinger und Franka Potente, in der Summe ist das hier aber mal wieder ein deutscher Film, von dem man sich gramgebeugt abwenden möchte und der ohne Filmförderung wohl nie gemacht worden wäre.

Mary Poppins Rückkehr [Amazon Video]
Die Banks-Kinder sind erwachsen geworden und haben damit auch erwachsene Probleme. Besonders Michael hat es hart erwischt. Seine Frau ist verstorben und die Bank will sein Haus pfänden. Geplagt von Trauer und Sorgen vernachlässigt er seine drei Kinder. Genau die richtige Zeit für die Rückkehr des berühmtesten Kindermädchens der Welt.

Eine Fortsetzung zu Mary Poppins? Braucht das jemand? Natürlich nicht, aber Spaß macht der Film absolut. Er behält den Charme des Originals, ist dabei aber spannender und bietet mehr Handlung. Quasi eine zeitgemäße Interpretation des Mary-Poppins-Themas. Dazu viel Fantasie, hervorragende Schauspieler (Emily Blunt! Ben Whishaw! Colin Firth!) und PINGUINE! – mir hat dieser freundliche Film viel Spaß gemacht.

The Boys [Netflix]
Jede Stadt hat ihren eigenen Superhelden. Die kann man nämlich einstellen, von der Firma Vought. Doch das Heldentum ist eine Fassade. Die vermeintlichen Helden nutzen ihre Kräfte, um heimlich jede Art von Perversion auszuleben und hinterlassen dabei eine Spur von menschlichen Kollateralschäden. Das geht Carl Urban mächtig auf den Sack, der sich mit einer Gruppe Normalos, den Boys, die Superhelden vorknöpft.

Die Serie ist ab 18, und das ist auch gut so. Gleich in der ersten Folge zerplatzen Menschen in Blutwolken, werden Hände abgerissen und Sprengstoff in Körperöffnungen gesteckt. „The Boys“ ist Garth Ennis („Preacher“) Abrechnung mit dem Superheldengenre. Eine geniale wie blutige Dekonstruktion mit extrem guten Schauspielern. Der strahlendste Held ist Homelander, eine Mischung aus Superman und Captain America. Wie dem die Gesichtszüge in unbeobachten Momenten von Zahnpastalächeln zu psychotischer Maske entgleisen ist sehenswert.

Hair [Bad Gandersheimer Domfestspiele]
Der junge Bukowski wird 1968 zum Militär einberufen, versackt aber auf dem Weg dahin in einer Hippiekommune. Die Leben in den Tag hinein, vertreiben sich die Zeit mit Sex und Drogen und sind auch ansonsten gut drauf.Zwischendurch hadert Bukowski kurz mit sich: Nach Vietnam gehen oder weiter ficken und kiffen? Ach, egal.

Ich kann mit dem Stück nichts anfangen. Vielleicht ist es zu sehr ein Kind seiner Zeit, mit der ich einfach nicht connecten kann. An der Inszenierung und den Schauspielern lag es jedenfalls nicht, dass ich das ziemlich emotionslos abgesessen habe.

Der Glöckner von Notre Dame [Bad Gandersheimer Domfestspiele]
Paris begehrt die schöne Zigeunerin Esmeralda. Zu ihren Verehrern gehört auch der Kirchenmann Frollo, der Esmeralda für die Glut in seinen Lenden hasst. Als sie sich einem anderen zuwendet, schiebt Frollo ihr einen Mord in die Schuhe. Vom Mob gehetzt, wird Esmeralda vom buckeligen Glöckner gerettet und in den Dachstuhl von Notre Dame gebracht.

Für dieses Stück bieten sich die Gandersheimer Domfestspiele natürlich an, finden sie doch direkt vor dem Portal der Stiftskirche statt. Die Inszenierung bindet die Kirche perfekt ein, und spätestens, wenn sich Quasimodos Freunde, die lebendigen Glocken, am Kirchenportal entlanghangeln und an der Fassade schwerelose Kunststücke vollführen, bleibt einem der Mund offenstehen. De Inszeinierung hat in der Mitte einige Längen, aber die werden mit Kreativität und den tollen Schauspielern wieder wett gemacht. Ganz, ganz groß.

Spatz und Engel [Bad Gandersheimer Domfestspiele]
Zwei Diven, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Hier die elegante und beherrschte Dame Marlene Dietrich, dort die fluchende, männermordende, drogensüchtige Edith Piaf. Im New York der 40er Jahre haben die beiden Exileuropäerinnen eine leidenschaftliche und kurze Affäre, danach sind die beiden noch bis zum Lebensende befreundet. Piafs Affären und ihre Drogensucht stellen die Freundschaft auf eine harte Probe.

War mir gar nicht bewusst, dass die beiden befreundet waren. Aber andererseits: Was weiß ich schon generell über Marlene Dietrich und Edith Piaf? Die eine hatte die Augenlider immer auf Halbmast und spielte im Blauen Engel, die andere war bloß ein laufender Meter und knödelte Chansons.

Das tut sie auch hier: „La vie en Rose“, „Je ne regrette rien“ und viele andere Lieder werden in diesem kleinen sieben-Personen-Stück zum Besten gegeben. Nicht meine Musik. Trotzdem hat mich das Stück gefesselt. Das lag vor allen an der enormen Gegensätzlichkeit dieser beiden Charaktere, die sich gleichzeitig aber ganz stark gegenseitig anziehen. Das sehr gute Spiel von Miriam Schwan und Sylvia Heckendorn und die wirklich grandiosen Gesangsperformances taten ihr übriges: „Spatz & Engel“ ist mein Highlight der Domfestspielsaison 2019.

Generell sind die Gandersheimer Domfestspiele mittlerweile auf einem Niveau angekommen, das ich noch vor 10 Jahren für nicht möglich gehalten hätte. Wirklich ausgezeichnete, hauptberufliche Schauspieler aus ganz Europa, topprofessionelle Produktion, innovative Ideen – einfach nur toll, dass sowas Großes in der Provinz stattfindet.

Suburban Motel II [Theater im OP]
Ein Motelzimmer, mitten in der Nacht. Eine Anwältin, ein Cop, verschwitzte Körper, feuchte Laken. Die Stimmung kippt, als der Partner des Cops auftaucht. Wie so oft stockbesoffen und mit einen Drogendealer im Auto vor dem Motel.

Spannendes vier Personen Stück, straff inszeniert und teils gut gespielt. Einige Schauspieler treffen es auf den Punkt und beeindrucken, andere sagen einfach nur ihren Text auf.


Spielen:

Wolfenstein: Youngblood
Sophie und Jess vermissen ihren Vater. Der ist nicht irgendwer, sondern B.J. Blaszkowicz, der Mann, der 1968 Hitler tötete. Moment was? Die beiden Schwestern machen sich auf nach Paris, Daddys letztem bekannten Aufenthaltsort. Die Stadt an der Seine ist auch in den 1980er Jahren fest in der Hand der Nazis, was die Sache nicht einfacher macht. Gemeinsam befreien die Schwester Stadtviertel und rücken langsam, aber aufhaltsam (SIC) gegen den Stadthalter vor.

Nicht mein Spiel. Koop, Unfair, kaum Story – bleibt mir weg damit. Ausführliches Review hier. Ich hoffe auf ein echtes „Wolfenstein 3“. Die Chancen dafür stehen nicht gut. Zum einen hat sich der Vorgänger recht schlecht verkauft, zum anderen – man glaubt es kaum – protestieren in Amerika die Nazis („Identitäre“) gegen die ihrer Meinung nach unfaire Darstellung von Nazis in den Spielen.


Machen:

Aufenthalt im Kloster. Mudder aller Inspektionen an der V-Strom. Für 400 Euro Bahnfahrkarten kaufen. Ein Besuch bei Dora.

Neues Spielzeug:

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Momentaufnahme: Juli 2019

Herr Silencer im Juli 2019

Urlaub schon wieder einen Monat vorbei?!

Wetter: Anfang des Monats warm, dann regnet es zum Glück und kühlt sich ab. Zur Monatsmitte sind es morgens nur noch knapp zweistellige Temperaturen, Höchstwerte kommen nicht über 20. Ich überlege ernsthaft die Heizung anzumachen, als der Sommer zurückkommt und allen mit über 40 Grad was in die Fresse haut. Selbst in Südeuropa ist es kühler als hier.


Lesen:

William Gibson: Neuromancer [Kindle]
Cage ist am Ende. Früher war er ein sehr guter Hacker im Cyberspace, aber bei seinem letzten Job hat er versucht seinen Auftraggeber zu bestehlen. Als Abschiedsgruß liess der ihm die Nerven veröden. Unfähig, sich ins Netz einzuloggen, lebt Cage von kleinen Diebstählen und ist schwer Drogenabhängig.

Dann sucht ihn die Killerin Molly auf und macht Cage ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann. Wenig später wacht Cage mit reparierten Nerven und einer neuen Bauchspeicheldrüse auf. Für diese Generalüberholung soll er eine Reihe von Jobs ausführen. Der erste ist noch ziemlich geradeaus, der Diebstahl eines gespeicherten menschlichen Bewusstseins. Doch dann wird die Gemengelage unübersichtlich, und Cage vermutet, dass er gemeinsam mit dem toten Mann im Speicher seines Computers eine Künstliche Intelligenz von ihren gesetzlichen Beschränkungen befreien soll – was die Turing-Polizei nicht freut.

Wow. Neuromancer ist vor 35 Jahren geschrieben worden. Da gab es noch kein Internet, und ethische Fragen um KI wurden auch noch nicht diskutiert. Umso erstaunter bin ich, wie visionär „Neuromancer“ ist.

William Gibson schafft es, in einem hardboiled Noir-Schreibstil eine Welt zu erschaffen, die düster und schmutzig ist und quasi nebenbei so visionär, dass es mir beim Lesen immer wieder den Atem verschlagen hat.

Als ich das Buch das erste Mal las, irgendwann in den Neunzigern, war die Geschichte pure Science Fiction. Heute, mit dem Internet, KI-Fortschritten und globalen Konzernen, wirkt es, als haben würde unsere Welt schrittweise zu der von Neuromancer. Klar, manches wirkt aktuell überholt, wie etwa die Vorstellung von Mainframes, aber das sind austauschbare, sprachliche Artefakte. Tausche „Mainframe“ gegen „Firmennetzwerk“, und „Cyberspace“ gegen „Internet“ und schon passt es wieder. Von der Grundidee bleibt Neuromancer eine Geschichte, das seit seiner Veröffentlichung immer gruseliger, weil realer wird.


Hören:


Sehen:

Stranger Things 3 [Netflix]
Wieder passieren schräge Dinge in dem kleinen Ort Hawkins: Magnete fallen von den Wänden, Ratten verhalten sich merkwürdig und Eleven knutscht ganze Nachmittage mit ihrem Freund – sehr zum Missfallen von Hopper, der sie adoptiert hat. Unterdessen halten die 80er volle Kanne Einzug in den verschlafenen Ort: Eine Shopping Mall hat eröffnet!

Ach, herrlich. Völlig 80er, von den Klamotten bis zu den Verhaltensweisen. Das war in den vorherigen Staffeln ähnlich, aber hier sind die Regler auf 11 gedreht und zupfen an den Saiten meiner Nostalgiegeige. Alle Vibes stehen auf Goonies, wenn die Kids langsam erwachsen werden und trotzdem wieder Dinge aus der Monsterdimsension „Upside Down“ in den Alltag einsickern, bis der zu waschechtem Bodyhorror umschlägt. Dazu kommt, dass Stranger Things nun sein Equilibrium gefunden hat. Budget und Story passen jetzt exakt zueinander, und die geschickte Erzählstuktur macht die dritte zur bislang besten Staffel.

Familie (Im August in Osage County) [Theater im OP]
Beverly hatte ein Abkommen mit seiner Frau: Er sagt nichts zu ihrer Tablettensucht, dafür ließ sie ihn in Ruhe saufen. Aber nun ist der Vater von drei Töchtern, gefeierter Autor und professioneller Alkoholiker verschwunden. Die Töchter kommen aus dem ganzen Land zurück ins abgelegene Osage County in Oklahoma, denn die Familie muss ja zusammenhalten. Leider kommen bei dem Familientreffen ziemlich finstere Geheimnisse ans Tageslicht, und gleich mehrere Abgründe tun sich auf.

Ich mag Werke von Tracy Letts nicht besonders. Mag ja sein, dass er die amerikanische Seele besonders kitzelt (anders ist der Pulitzer Preis für „Osage County“ nicht zu erklären), aber bei mir verfing schon „Killer Joe“ nicht, und auch „Familie“ zieht sich endlos und pointenarm dahin.

Das mag auch an der Inszenierung liegen. Alle Darstellerinnen bekommen den Raum, den sie brauchen, um sich zu entfalten und nutzen den auch, um sich die Seele aus dem Leib zu spielen. Das ist meist sehr gelungen, im Mittelteil nervte mich dann aber die langsame Sprechweise mancher Charaktere. Leuten dabei zuzugucken, die betrunken tun und vor sich hinlallen ist halt keine abendfüllende Unterhaltung, und definitiv nichts um drei Stunden zu füllen. Für meinen Geschmack war das zu lange für die etwas blutleere Geschichte, die erst auf die letzen zwanzig Minuten nochmal aufdreht. Ich stehe mit der Meinung allerdings ziemlich alleine da, die allermeisten Besucherinnen fanden das Stück toll und gaben stehende Ovationen.

Spider-Man: Far from Home [Traumpalast Nürtingen]
Die Welt kämpft noch mit den Nachwehen des „Infinity Wars“. Das die Hälfte der Menschheit 5 Jahre verschwunden war, hat doch Spuren hinterlassen. Peter Parker braucht u.a. deswegen mal Urlaub und geht mit seinen Mitschülern auf Klassenfahrt nach Europa. Dort trifft er auf fiese Elementargeister und den neuen Helden Mysterio.

Der Titel könnte auch sein „Spider-Man: Deception“, denn hier ist nichts, was es scheint. Ich ziehe meinen Hut vor den Schreibern des Films. Was die hier an spannender Story, sehr gutem Pacing und gleichzeitig irgendwie Jugend- und Coming-of-Age-Film zusammengebaut haben, ist handwerklich ganz hohes Niveau. Locker-Leichtes und sehr spannendes Sommerfilmvergnügen, mit schönen Aufnahmen aus Venedig, Prag und London.

Das Ende [Theater im OP]
Fünf Personen leben multiple Lebensgeschichten. Da sind die beiden liebenden Männer, deren Tochter in der Schule gemobbt wird. Agnes, die ihrem Leben gerne einen Neustart verpassen würde, aber irgendwie nicht von der Vergangenheit loskommt. Tanja, Agnes Freundin, die die Idee mit dem Neustart so toll findet, dass sie das einfach macht. Allen gemein: Ihre Zeit läuft ab. Denn der Klimawandel hat einen neuen Effekt hervorgebracht: Der Sauerstoff in der Atmosphäre schwindet. Anfangs wird das als Hysterie abgetan, dann Gegenmaßnahmen ergriffen. Aber auch umfangreiche Aufforstungen helfen nicht mehr. Die Menschheit wird ersticken.

Starke Geschichten, stark gespielt. Die Idee mit dem Klimaeffekt ist aus Modnerds demnächst erscheinenden Kurzfilm „LO2S“ entlehnt, die Geschichten der verschiedenen Charaktere sind frei improvisiert.
Ich mag Improtheater nicht besonders, weil es meist albern ist. Das war todernst, und es war gut.


Spielen:

Assassins Creed Odyssey: Das Schicksal von Atlantis – Die Qualen des Hades/Das Urteil von Atlantis
Kassandras Reise durch die griechische Sagenwelt geht weiter. Nachdem die Söldnerin und Vorfahrin der Assassinen aus dem Paradies Elysium vertrieben wird, muss sie sich Zerberus stellen. Sie besiegt den mythischen Höllenhund, verursacht damit aber enorme Probleme, denn die ganze Hölle kommt durcheinander.

Charon kann keine Seelen mehr über den Styx fahren, die Toten finden keine Ruhe und durch die nun unbewachten Tore der Hölle diffundieren unliebsame Subjekte. Höllenfürst Hades beauftragt Kassandra damit, ihr Schlamassel wieder in Ordnung zu bringen – sonst droht ewige Folter im Tartaros.

Nach der Unterwelt reist Kassandra weiter nach Atlantis, einer Stadt der ISU. Sie lebt unter „Denen, die vor uns waren“, lernt deren Kultur und ihr Verhältnis zu den Menschen kennen, die sie nach ihrem Vorbild formten. Am Ende muss Kassandra eine schwerwiegende Entscheidung fällen: Verdient Atlantis eine Zukunft, oder soll die Stadt untergehen?

Ach Gott ja, halt der fünfte und sechste DLC für „Odyssey“. Die Entwickler geben sich Mühe, führen einige neue Elemente ein und legen den Schwerpunkt auf Systeme, die bislang zu wenig beachtet wurden. Aber letztlich ist es spielerisch doch wieder nur more of the same.

Die Unterwelt ist mit ihren weiten Wüsten und den matschigen Farben kein spannender Ort. Auch die Geschehnisse sind lame. Kassandra trifft im Verlauf der Quests auf alle möglichen ehemaligen Feinde, für deren Ableben sie gesorgt hat. Nun darf sie sich Figuren wie dem Zyklopen oder dem Monger noch einmal stellen. Das bedeutet auch: Wir treffen nervigen Arschgeigen wieder und müssen sie schon wieder umbringen.

Atlantis wiederum ist spektakulär anzuschauen, nervt aber durch schwer zu erkletternde Architektur und schiere Größe. Die Wege sind lang und pure Zeitverschwendung, die Quests sind unlogisch und beschränken sich die meiste Zeit auf dumme Festungseroberung. Die Story ist eigentlich nett, da hier die ganze Grausamkeit der Precursors und vor allem Junos gezeigt wird und auch die Gegenwartsgeschichte um Layla Hassan weitergeht. Leider passt sie in einen Fingerhut und wird am Ende so absurd, dass selbst ich die Motive nicht mehr nachvollziehen konnte.

Es ist ja nett, dass das Hauptspiel auch 9 Monate nach Release noch mit Content versorgt wird, aber „es wurd´s a bissl fad“, wwÖ sagen. Der DLC hat das gleiche Problem wie das Hauptspiel: Zu groß die Welt, zu aufeplustert die unwichtigen Nebenquests, zu wenig die Geschichte. Die ist eigentlich cool, krankt aber an unlogischen Holperern. Für nächste Assassins Creed möchte ich bitte die Gegenwartsstory spannend geschrieben im Hauptspiel sehen, und nicht verklappt in einen DLC.


Machen:

Frieren, Spessartausfahrt, Schwitzen, Dienstreisemarathon, in der Reihenfolge.


Neues Spielzeug:

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Momentaufnahme: Juni 2019

Herr Silencer im Juni 2019

Urlaub!!

Wetter: Heiß.


Lesen:

Matt Ruff: The Mirage [Kindle]
Weitergelesen: Die Welt in einer alternativen Zeitlinie: Die USA sind eine zerstrittene Ansammlung christlich-fundamentalistischer Staaten, während die Aarabische Welt geeint und modern ist. Am 09. November 2001 steuern christliche Fanatiker Flugzeuge in zwei Wolkenkratzer in Baghdad. Diese Anschläge an 11/9 verändern die Welt für immer. Die Araber gehen mit aller Härte gegen die christlichen Terroristen vor. Eine Antiterror-Spezialeinheit nimmt in Baghdad christliche Terroristen fest, die steif und fest behaupten, dass die ganze Welt ein Trugbild, eine Mirage, sei – in Wirklichkeit wären an 9/11 Flugzeuge von Muslimen in amerikanische Wolkenkratzer geflogen worden. Als Beweis dafür zeigen die Verhafteten Ausschnitte von seltsamen Zeitungen vor. Wer hätte schon je von der „New York Times“ gelesen?

Ich hatte ja schon im Vormonat darüber geklagt, dass das Buch VIEL zu lang ist. Das Worldbuilding ist genial, aber Matt Ruff verliert sich in Nebenschauplätzen und den Seitengeschichten von unbedeutenden Nebenfiguren, die allesamt keinen Charakter haben. Im Ernst, KEINE der handelnden Figuren ist mir mit Namen und Eigenschaften im Gedächtnis geblieben. Am Ende kippt die Story dann auch noch ins Übersinnliche und hantiert mit Geistern und Dschinns herum.

Das ergibt im Kern dann durchaus einen Sinn, aber das Buch trägt so dermaßen viel Speck mit sich herum, dass man den kaum findet. Obwohl das Taschenbuch die Silencer´sche 450-Seiten Regel einhält („Jeder Roman über 450 Seiten ist schlecht lektoriert und zu lang“), hätte ein gutes Lektorat eigentlich zwei Drittel des Werks streichen müssen, weil: Unfug. Matt Ruff ist immer dann richtig gut, wenn er nicht mehr als 150 Seiten schreibt (Wie in der Multiple-Persönlichkeiten-Story „Set this House in Order“ oder der Novelle „Bad Monkeys“.

Was bleibt: Die Erinnerung an eine tolle, auf links gedrehte Alternativrealität, in der Figuren wie Saddam Hussein, Osama Bin Laden, Timothy Veigh, Donald Rumsfield und andere ganz andere Rollen einnehmen als in unserer Welt, dabei aber im Kern die bleiben, die sie sind. Das ist Gänsehauterzeugend unangenehm.

Herr Sonneborn geht nach Brüssel

Im Jahr 2014 tritt der Satiriker Martin Sonneborn mit seiner Partei „Die PARTEI“ bei der Europawahl an. Zu seiner eigenen Überraschung bekommt er genug Stimmen und geht als Abgeordneter nach Brüssel. Ihm zu Seite steht sein treuer Büroleiter Hoffmann, Vorname: Dustin. Gemeinsam finden sie sich in den Politbetrieb der EU ein.

Ich habe das Buch verschlungen. Was Sonneborn hier vorlegt, ist kein plumper Versuch, sich über die EU lustig zu machen. Im Gegenteil, mit großem Ernst wird hier beschrieben, wie Prozesse in der EU ablaufen, welche Rituale und Traditionen dort gepflegt werden, und welche Charaktere die tatsächlich Macht in Europa haben und auf wessen Geheiß sie handeln. In chronologischer Reihenfolge lässt Sonneborn die Leser an seiner ersten Legislaturperiode teilhaben. Während der macht er sich schnell Feinde, u.a. den cholerischen Cheflobbyisten von Bertelsmann, Elmar Brok (der Nebenbei einer der mächtigsten CDU-Politiker ist, darin aber keinen Interessenkonflikt erkennen kann) oder den SPD-Politker Jo Leinen, dem Sonneborn einen Empfang wegkapert und der wegen der PARTEI eine Änderung des Wahlrechts herbeiführen will, oder auch die AFD-Abgeordnete, die Sonneborn nur „Beatrix von Strolch“ nennt.

Während der 5 Jahre,. die das Buch umfasst, erlebt man bei Sonneborn eine Veränderung. Stimmte er Anfangs gaga-mäßig immer abwechselnd mit Ja und Nein für alles mögliche, begreift er im Laufe der Zeit, das selbst seine fraktionslose Stimme manchmal das Zünglein an der Waage sein kann. Gemeinsam mit Ska Keller von den Grünen und Julia Reda von den Piraten fängt Sonneborn an, die alten weißen Lobby-Männer wie Oettinger und Brok aufzumischen und mit seinen Mitteln auf Demokratiedefizite und ungerechte Auslegungen aufmerksam zu machen, bis am Ende sogar Merkel der Deckel wegfliegt und die Bundesregierung gegen Sonneborn intrigiert.

„Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ ist ein politisches Buch, dass lehrreich ist, weil es abstrakte Prozesse in verständlicher und anekdotischer Form darstellt. Sehr vergnüglich, sehr unterhaltsam. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung: Sonneborn wurde gerade wiedergewählt und darf eine zweite Amtszeit in Brüssel verbringen.


Hören:


Sehen:

A private War [Prime Video]
Marie Colvin ist eine begnadete Kriegsreporterin. Für die Sunday Times berichtet sie aus Krisengebieten wir Ost-Timor, dem Libanon oder dem Kosovo. Dabei mäandert sie zwischen der Sucht nach dem Thrill, der selbstauferlegten Verantwortung über die Grausamkeit der unbeachteten Kriege berichten zu müssen, wenn es sonst niemand tut, und einer ständigen Traumatisierung ob des Gesehenen, die sie mit Sex und Alkohol zu kompensieren versucht. 2012 wird Colvin in Homs getötet.

Ich weiß schon, was der Film leisten möchte. Klappt aber nicht. Das liegt zum einen daran, dass sich die Produzenten nicht wirklich auf eine Richtung festgelegt haben. Für eine Dokumentation ist zu viel Drama drin, für ein gutes Biopic ist aber die Strukturierung zu unklar.

Außerdem hätte es echt eine andere Hauptdarstellerin sein dürfen. Rosamund Pike müsste eigentlich den Film tragen, kriegt das aber nicht hin. Immer wieder sehen wir sie in unglaubwürdigen Trainingsmontagen schreiben, saufen und ficken, unverständliche Dinge murmeln und dann wieder durch Kriegsgebiete taumeln. Aber statt hier eine besessene Journalistin zu sehen, sehen wir nur Rosmund Pike, wie die sich eine besessene und verbitterte Journalistin vorstellt. Dabei kriegt sie es aber nicht mal hin eine Zigarette richtig zu halten. Meine Güte, was hätte eine Schauspielerin wie Sigourney Weaver aus dieser Rolle gemacht!

Wichtiges Thema, aber der Film taugt leider nicht – trotz der guten Kritiken allerorten.

Venom [Prime Video]
Tom Hardy kommt mit schwarzem Glibber in Berührung, der erst ihn auffrisst, dann anderen den Kopp abbeißen will.

Belangloser Actionreißer mit langen Durchhängern. Tonal kann sich der Film nicht entscheiden, was er eigentlich sein möchte. So oszilliert er zwischen Buddymovie, Thriller, Superheldenstreifen und Horrorfilm. Tom Hardy overacted dabei so dermaßen, dass er die Grenze zur Comedy mehr als einmal überschreitet.

Entscheiden konnte man sich wohl auch nicht, für welches Publikum „Venom“ eigentlich sein soll. Die Comicvorlage ist krass gewalttätig. Aber anstatt hier im ab 18-Fahrwasser von „Deadpool“ oder „Logan“ eine Gewaltorgie aufzumachen, in der links und rechts die appen Köppe rumfliegen, zielt der Film auf ein PG13-Rating. Dementsprechend wird immer brav weggeblendet, wenn Venom zum Massaker ansetzt. Das ist brav und… langweilig. Für eine ordentliche Umsetzung hätte einen Paul Verhoevens gebraucht, bekommen wir hier eine weichgespülte Version a la W.S. Anderson.

Stellenweise unterhaltsam und definitiv nicht so schlimm, wie es ein Nicht-Marvel-Film abseits des MCU befürchten ließ, aber weit davon entfernt das Geld für eine Kinokarte wert zu sein.

Der Kissenmann [Theater im OP]
Der Schriftsteller Katrurian K. Katurian wird verhaftet und verhört. Der Vorwurf: Er soll Kinder auf grauenvolle Arten getötet haben – genau, wie er es zuvor in seinen Geschichten beschrieben hat. Die Polizisten, die Katurian verhören, ist jedes Mittel recht um ein Geständnis aus Katurian zu pressen. Selbst Folter und die Gefangennahme von Katurians zurückgebliebenem Bruder schreckt die Beamten nicht. Bald verschwimmen Realität und Geschichten. Sind Katurian und sein Bruder das Produkt eines schrecklichen Experiments? Am Ende läuft es auf eine letzte, fürchterliche Geschichte hinaus: Die des Kissenmanns. Ein freundliches Wesen, das nur aus Kissen besteht und das Leiden von Menschen nicht ertragen kann. Deshalb reist der Kissenmann in der Zeit zurück, um besonders leidende Menschen noch in ihrer Kindheit zum Selbstmord zu überreden.

Grotesk, fürchterlich, aber auch hoch spannend und sehr, sehr faszinierend. „Der Kissenmann“ überrascht praktisch alle zwei Minuten und ist auf eine ähnliche Weise fesselnd wie einst das Schweigen der Lämmer: Es ist fürchterlich, aber man kann nicht wegsehen. Das hat natürlich System, der Autor Martin McDonagh ist ein Meister in der Verbindung von Gewalt und schwarzem Humor. Aus seiner Feder stammen u.a. „Brügge sehen und sterben“ und „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“.


Spielen:

Machen:

Motorradreise!


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Momentaufnahme: Mai 2019

Herr Silencer im Mai 2019

Zeit rast

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt: Nachts 0, tagsüber 5 Grad, dazu Schneeregen und Hagel im Wechsel mit Sonnenschein. Mitte des Monats ergiebiger Regen und immer noch kalt. In der dritten Woche vereinzelt Sonnenschein und ein wenig wärmer, mit 6 bis 15 Grad aber immer noch kühl.


Lesen:

Matt Ruff: The Mirage [Kindle]
Die Welt in einer alternativen Zeitlinie: Die Abkürzung USA steht für die United States of Arab, während der nordamerikanische Kontinent aus zerstrittenen, religiös geführten Einzelstaaten besteht. Radikale Splittergruppen von christlichen Fundamentalisten verstecken sich in den Rocky Mountains und planen von dort aus Terroranschläge gegen die muslimische Welt. Einer davon gelingt: Am 11. September 2001 steuern christliche Fanatiker Flugzeuge in zwei Wolkenkratzer in Baghdad. Diese Anschläge verändern die Welt für immer. Die Araber gehen mit aller Härte gegen die christlichen Terroristen vor, und jagen sie bis in den schwäbischen Teil von Israel, dem früheren Deutschland. Eine Antiterror-Spezialeinheit nimmt in Baghdad christliche Terroristen fest, die steif und fest behaupten, dass die ganze Welt ein Trugbild, eine Mirage, sei – in Wirklichkeit wären an 9/11 Flugzeuge von Muslimen in amerikanische Wolkenkratzer geflogen worden. Als Beweis dafür zeigen die Verhafteten Ausschnitte von seltsamen Zeitungen vor. Wer hätte schon je von der „New York Times“ gelesen?

WTF, was für eine coole Idee. Leider wird aus der Ausgangslage wenig mehr gemacht als die Handlung einer üblichen Staffel „24“. Das die Terroristenjäger dieses mal muslimischen Glaubens sind, macht kaum einen Unterschied. Im Gegenteil, Matt Ruff nervt gelegentlich mit seinen Übertragungen, und an einigen Stellen überspannt er den Bogen völlig. Das z.B. die Miranda-Belehrung („Sie haben das Recht zu Schweigen, alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden“) im arabischen genauso existiert, nur vor jedem Satz Allah als Gott der Allmächtige gepriesen werden muss, ist nicht nur unfreiwillig komisch, es bricht auch meine Suspension of Disbelief und lässt mich aus der Geschichte fallen.

Noch keine abschließende Meinung, außer: Das Buch ist VIEL zu lang. Hätte mal eine TV-Serie werden sollen, für den Raum zwischen zwei Buchdeckeln mäandert Ruff zu sehr rum und macht auf jeder zweiten Seite eine Nebenhandlung auf. Laaaaangweilig.


Hören:


Sehen:

Hidden Figures [Homekino]
Wahre Geschichte: Katherine Goble, Dorothy Vaughan und Mary Jackson arbeiten bei der NASA. Goble ist eine brilliante Mathematikerin, Vaughan eine Führungsopersönlichkeit, und Jackson eine begabte Ingenieurin. Das Problem dabei: Alle drei sind farbig, und das Jahr ist 1961. Es herrscht nach wie vor Rassentrennung, und Diskriminierung ist völlig normal. So muss Katherine Goble jeden Tag ihre Arbeit fast 40 Minuten unterbrechen und bei Wind und Wetter über den Campus in Langley laufen, weil das nächste Klo für Farbige kilometerweit weg ist. Die drei Damen sind Teil der „Computers“, wie zu der Zeit Menschen genannt wurden, die Flugbahnberechnungen per Hand durchführten. Als Teil des NASA-Teams haben die drei maßgeblichen Anteil am Erfolg der Missionen von Friendship 7 und Apollo 11.

Der Film wurde mir von mehreren Seiten empfohlen, und das zu recht. Toll ausgestattet erzählt er ruhig die Geschichte der drei Heldinnen, die immer wieder die absurdesten Hindernisse überwinden müssen. Der Film basiert auf einem Sachbuch und ist sicherlich in Details etwas überdramatisiert (etwa, wenn Kevin Kostner als NASA-Chef persönlich mit einer Brechstange die Kloschilder abschlägt), aber das mindert das Vergnügen nicht. Die überaus tollen Protagonistinnen tun das Übrige dazu, dass man „Hidden Figures“ nicht so schnell vergisst.

Fahrenheit 11/9 [Prime Video]
Es war so sicher, dass Hillary Clinton Präsidentin werden würde. Noch in der Wahlnacht standen die Umfragen bei 85 zu 15 für sie. Und dann wurde es Trump. Warum? Michael Moore geht dieser Frage nach und zeigt auf, wie Jahrzehnte verfehlter Politik die Menschen so wütend machten, dass sie entweder nicht wählten oder für Trump stimmten. Natürlich steht auch Flint, Moores Heimatstadt und sozialer Brennpunkt, dabei immer wieder im Fokus.

Kaum eine Stadt demonstriert besser, was in den USA passiert ist: Ein geldgieriger Gouverneur setzt per Notstandsgesetz Kumpel von sich auf wichtige Posten. Die bereichern sich, in dem sie die Wasserversorgung von Flint ändern, so dass Kinder und Erwachsene mit dreckigem, verbleiten Trinkwasser vergiftet werden und bleibende Schäden davontragen. Erst als das giftige Wasser Metallteile in einem Autowerk angreift, gibt es wieder sauberes Wasser – aber NUR für das Werk, nicht für die Menschen. Schließlich kommt Präsident Obama, der Hoffnungsträger der leidenden Bevölkerung. Er trinkt vor laufender Kamera Wasser aus Flint, dann unternimmt er – nichts.

Später ist Wahlkampf, und der einzige Kandidat, der sich in Flint blicken lässt, ist Donald Trump. Damit sammelt er selbst die Stimmen der schwarzen Bevölkerung ein. Wenig später bombardiert die Air Force Flint – die Stadt ist mittlerweile so abgewrackt, dass sie als Truppenübungsplatz herhält.

Moore verzichtet über weite Strecken auf seine üblichen, fremdschäm-peinlichen Provokationsaktionen. Nicht ganz, natürlich, auch hier finden sich wieder Szenen wo er den Vorgarten des Gouverneurs mit Wasser aus Flint flutet. Aber das ist die Ausnahme, meist ist „Fahrenheit 11-9“ ruhig erzählt. Das schockiert fast noch mehr, aber es gibt auch immer wieder Hoffnung. Die Frage nach „Wo ist das andere Amerika“ wird mit Hoffnung machenden Beispielen von Jugend- und Frauenbewegungen oder Alexandria Ocasio-Cortez (die ich für eine kommende Präsidentin der USA halte) belegt.

Der Film endet aber auf einer düsteren und unversöhnlichen Note, wenn er aufzeigt, wie Donald Trump sich der Methoden der Faschisten bedient, um seine Macht auszuweiten. „Fahrenheit“ kommt dem Phänomen Trump etwas näher und zeigt seinen Werdegang auf interessante Weise, wirklich neu ist daran aber kaum etwas. Moore-typisch ist die Zusammenstellung wie immer effektiv und schockierend.


Spielen:

Innocence: A Plague Tale [PS4]
1342, im finstersten Mittelalter: Die Pest geht um und verschont auch Frankreich nicht. Schlimmer noch als der Schwarze Tod ist für die Adelsfamilie de Rune die kirchliche Inquisition, die ohne Vorwarnung den Familiensitz überfällt und alle Bewohner abschlachtet. Nur das Mädchen Amicia kann mit ihrem kleinen Bruder Hugo entkommen. Gemeinsam schlagen sie sich hinter die Linien des Kriegs mit den Engländern und versuchen den Häschern der Inquisition zu entkommen. Aber Hugo ist schwer krank, und die allgegenwärtigen Ratten setzen den beiden schwer zu.

Ui, was ist DAS denn? „Innocence“ kam aus dem Nichts und hat die Welt verzaubert. Die Geschichte von Hugo und Amicia ist ein sehr schön erzähltes Soloabenteuer, das ganz auf seine Gameplaymechaniken zugeschnitten ist. Es gibt einige simple Regeln: Ratten mögen kein Licht, Wächter gucken immer in eine Richtung, die Spielfigur stirbt nach einem einzigen Treffer oder wenn sie das Licht verlässt. Daraus baut „Innocence“ aber erstaunlich vielfältige Schleich- und Rätselszenarien. Ob Amicia mit Hugo an der Hand in einem Lager der Engländer herumschleicht oder allein rattenverseuchte Katakomben erkundet, das Spiel bleibt über seine gesamte Laufzeit von 12 Stunden abwechselungsreich und interessant. Dabei ist es nicht mal besonders schwer, was gut ist: So machen selbst die Schleichsequenzen Spaß.

Zum Spielerlebnis trägt maßgeblich auch die Geschichte bei, die stark geschrieben und gut inszeniert ist. Eine dermaßene Bindung und Mitgefühl wie für Amicia und Hugo hatte ich zuletzt für Joel und Ellie in „The Last of Us“. Das es sich bei Innocence „nur“ um eine französische Doppel-A-Produktion handelt, ist gelegentlich an den Gesichtsanimationen zu merken, aber das wird durch den Schnitt der Zwischensequenzen gut kaschiert. Nicht gespart wurde an der Welt, die wunderschön und beängstigend Detailreich in Szene gesetzt ist.

Tolle Welt, tolle Geschichte, tolles Gameplay, tolle Charaktere – für die schlappen 40 Euro, die das Spiel aktuell neu kostet, definitiv eine Kaufempfehlung.


Machen:


Neues Spielzeug:

Neues Dienstfahrzeug: Ein e-Bike, ein Giant Explore E+2 GTS.

Bild: Giant Bicycles

Ich war ja sehr skeptisch, als der Arbeitgeber damit um die Ecke kam. Aber: Das ist schon cool!

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Momentaufnahme: April 2019

Herr Silencer im April 2019

Zeit rast

Wetter: Anfang des Monats sonnig, die Temperaturen wechseln je nach Tagesform. Mal tagsüber über 20 Grad, mal nachts 2 Grad. Mitte des Monats schneit es noch einmal und ist eine Woche lang richtig kalt, dann wird es wieder frühsommerlich, mit Temperaturen über 20 Grad und Sonne. Es regnet den ganzen Monat über fast gar nicht, was schon zu Waldbränden führt. die letzten paar Tage wird es mit 4 bis 15 Grad wieder kalt, und zumindest am letzten Wochenende regnet es mal zwei Tage.


Lesen:

Lea Rieck: Sag dem Abenteuer, ich komme: Wie ich mit dem Motorrad die Welt umrundete und was ich von ihr lernte [Kindle]

Typische Ausgangssituation: Frau hat Nase voll von Job in „Irgendwas-mit-Medien“ und will weg. Also auf eine Tiger 800 gesetzt und los geht´s, von München nach Istanbul, dann über Asien und Australien nach Südamerika und in die USA.

Untypisch ist die Art dieses Reiseberichts. Das Buch folgt zwar grob der Chronologie der Reise, die einzelnen Abschnitte machen sich aber nicht an der Geografie fest, sondern haben Oberthemen wie „Mut“, „Leidenschaft“, „Glaube“ oder „Loslassen“, unter die sich einzelne Kapitel ordnen. Rieck beschreibt darin hauptsächlich ihre Begegnungen mit anderen Menschen und was sie von diesen lernte und mitnahm.

Was in dem Buch praktisch nicht vorkommt sind die üblichen Ärgernisse einer Motorradreise – Werkstattbesuche, Schwierigkeiten an Grenzen, Ersatzteil-Fuckup – das wird alles nur in Nebensätzen erwähnt und kommt höchsten am Rande vor.

Das ist introspektiv und eine wunderbare und erfrischende Abwechselung zu den sonst üblichen „Blut, Schweiß und Tränen“- Büchern von Kradvagabunden und Co, die oft einen geradezu verbissenen Fokus auf Landschaft und Maschinen legen, dabei aber kaum reflektieren und im Zweifel anderen Menschen und Kulturen mit Distanz oder sogar genervt begegnen. Und natürlich ist es ein superkrasser Gegensatz zu der geradezu ärgerlichen Reisedoku „Egal was kommt“, die in der Motorradszene heftig beworben wurde, sich aber letztlich in Mimimi und Warterei auf Ersatzteile erschöpfte. Lea Rieck hingegen merkt man an, wie sie während und an ihrer Reise lernt und wächst und sich der Blick auf die Welt und sich selbst ändert.

Anders ist auch ein explizit weiblicher Blickwinkel, wenn es um Liebe und Sex geht. Auch davor scheut das Buch nicht zurück, etwa, wenn Rieck wochenlang scharf auf den gutaussehenden, aber wortkargen Russen ist, dessen muskulösen Körper und Segelohren sie anhimmelt. Sowas würde sich heute kein männlicher Autor zu schreiben trauen.

Etwas unschön ist, dass nahezu alle Gespräche in wörtlicher Rede stattfinden. Sowas kann man als Stilmittel zwischendurch mal einstreuen, aber es Seitenweise und dauernd zu verwenden gehört sich eigentlich nicht – weil man als Reiseautorin ja kein Tonband mitlaufen lässt, sondern die Dialoge (oder das, was einem davon wichtig war und was man behalten hat) aus dem Gedächtnis und nur sinngemäß wiedergibt. Durch die überbordende Verwendung der wörtlichen Rede und gleichzeitiger Reduktion mancher Figuren auf Kerneigenschaften wirkt manches wie aus einem Roman, und damit übertriebener oder auch platter, als es vermutlich wirklich war.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Lea Rieck legt hier ein Buch vor, das sich wohltuend vom Rest der Motorradreiseberichte abhebt. Das gilt für den Text und auch auch für die Bilder: Wo man bei anderen Autoren nur Landschaften und verschlammte Motorräder sieht, sind Rieck fantastische Aufnahmen gelungen, auf denen sie selbst immer wieder in einem roten Kleid zu sehen ist.

Wie sie das verliert und in der Folge nackt durch den Dschungel fährt, muss jeder selbst lesen. Aber auch solche Mißgeschicke unterscheiden sich angenehm von den üblichen Reifenpannen. Das erste Buch seit sehr langer Zeit, das ich bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte. Klare Leseemepfehlung, zumal es nicht umfangreich ist.


Hören:


Sehen:

Mortal Engines [Prime]
Die Erde in ferner Zukunft: Aus irgendeinem Grund leben die meisten Menschen in Städten auf Rädern. So kurvt auch ein Mädchen mit einem roten Schal in einem kleinen Fünf-Häuser-Dorf über die Erdoberfläche. Damit ist es vorbei, als die Großstadt London über die Landbrücke nach Europa fährt und dort alles platt macht. An Bord ist Agent Smith aus Matrix, der böse Pläne hat. Das rotschalige Mädchen will das verhindern, hat aber einen Terminator am Arsch.

„Mortal Engines“ ist an den Kinokassen grandios untergegangen, und ich muss sagen: Zu recht. Ich mag ja absurde Prämissen, und Städte auf Rädern gehören mit Sicherheit dazu. Aber dieser Film ist ein wirres Konvolut aus seelenlosen CGI-Actionszenen und einer zu hohen Anzahl hohler Charaktere. Das Pacing stimmt hinten und vorne nicht, und weil schon die Einführung der Personen schief geht, weiß man nie, welcher Charakter jetzt eigentlich wichtig ist.

Am Ende sind die ohnehin alle egal: Wenn ich nach 2 Stunden Film schon beim Abspann nicht mehr weiß, wie die Protagonistin hieß, dann stimmt was nicht. Am meisten im Gedächtnis bleibt noch der Cyborg-Terminator, der ist das gruseligste, was ich seit „Das schwarze Loch“ gesehen habe.

Star Trek: Discovery, Season II [Netflix]
Sieben rote Lichter erscheinen im All, und die Discovery guckt nach, was es damit auf sich hat. Egal, wo das Experimentalschiff hinkommt: Es geschehen merkwürdige Dinge, und ein roter Engel rettet immer wieder den Tag. Ist der Gottgesandt? Oder ein Alien aus der Zukunft? Oder beides?

Wow. Einfach nur: Wow. Die zweite Staffel von Discovery hat mich einfach nur weggeblasen. Hier stimmt fast alles: Lücken im Star Trek-Kanon werden geschlossen, die Schauspieler legen Glanzleitungen hin und die Story ist anspruchsvoll und wendungsreich. Gegen Ende werden die Plotholes zwar so groß, dass die Enterprise durchfliegen könnte, aber das macht die Discovery mit einem wirklich unfassbar großen Twist wieder wett. Sehr, sehr cool. Das hier ist nicht verschnarchtes 80er-Jahre Star Trek a la Next Generation, das hier ist top notch 2020er-Erzählweise mit hohem Production Value. Quasi ein guter Kinofilm, der aber 14 Folgen lang ist.


Spielen:

Assassins Creed III Remastered [PS4]
Connor Kenway ist halb Mohawk, halb Engländer. Er geht beim letzten Assassinen des nordamerikanischen Kontinents in die Lehre, um sich danach den Orden der Templer in den Kolonien vorzunehmen. Nebenbei wirft er in Boston Tee über Bord, reitet mit Paul Revere durch die Nacht und macht einem jungen George Washington Mut.

2012 kam Assassins Creed III raus. Meinem Review von damals habe ich kaum was hinzuzufügen – AC3 ist einfach von der Grundidee und der Machweise kein gutes Spiel und in allen Belangen schlechter als sein Vorgänger. Es ist mit komplexen Systemen überladen, der Protagonist ist ein Unsympath, der Regisseur hat grundlegend die Idee der Assassinen nicht verstanden, die Gegenwartsstory spielt kaum noch eine Rolle und killt am Ende den Hauptcharakter. Außerdem sind Setting und Landschaft langweilig. Kletterte man im Vorgänger am Dom von Florenz zur Zeit der Renaissance herum, kraxelt man in AC3 auf Bäume und Holzhäuschen. Super.
Das die Story immer noch besser ist als alles, was Ubisoft danach fabrizierte, macht die Sache retrospektiv auch nicht wirklich besser.

Nun also das Remaster für PC, XBONE und PS4 und um es klar zu sagen: Dieses Remaster ist das mieseste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Zwar läuft das Spiel nun in Full HD und die Texturen sind geringfügig besser. Dafür ist das neue Beleuchtungsmodell direkt aus der Hölle. Es lässt die Landschaft zwar ein klein wenig hübscher aussehen, macht aber alles andere durch übertriebene Helligkeit viel hässlicher als im Original aus Zeiten der XBOX 360.

Die ohnehin leblosen NPCs wirken nun in Cutscenes endgültig wie gruselige Gummipuppen, denen nun auch noch Licht aus dem Mund scheint(!). Außerdem ist das Remaster Buggy as Hell. Schneetexturen flimmern beim Darüberlaufen, Timings in Kämpfen stimmen nicht mehr, und oft sind Personen und Gegenstände unsichtbar – auch viele der Almanachblätter, die man eigentlich einfangen soll, oder Sniper, die es unter Zeitdruck abzufangen gilt. „Fangen Sie diesen Unsichtbaren“ – Haha.

Das kommt alles noch oben drauf auf die bekannten Bugs von ACIII, die allesamt nicht behoben wurden. Beispiele: Ist man ein Mal „berüchtigt“, wird man diesen Zustand in Hauptmissionen nicht mehr los – was dazu führt, dass man diese nicht mehr erfolgreich abschließen kann, denn Feinde sehen einen nun aus 15 Kilometern Entfernung und durch Deckungen hindurch und gehen sofort zum Angriff über. Erspäht einen ein Feind, wissen sofort ALLE NPCs eines Levels wo man steckt und machen Jagd – was den berüchtigten Benny-Hill-Effekt auslöst: Der Spielercharakter flitzt durch die Straßen, ALLE Feinde in einem Klumpen hinterher. Auch ohne einen Grund drehen damals wie heute gerne sämtliche NPC in einem Level durch, rennen schreiend davon oder werden plötzlich völlig aggro und greifen unvermittelt an. Das gilt selbst für handlungsrelevante Personen, die man geheim belauschen soll – plötzlich drehen die sich um, erspähen die eigene Spielfigur durch drei Hauswände hindurch und drehen am Rad. Das ist frustrierend und ist eigentlich ein bekanntes Problem.

AC III Remastered bringt immerhin alle DLCs des Originals mit, auch das abgedrehte „The Tyranny of King Washington“, in dem George Washington zum Despoten wird und der eigene Charakter plötzlich fliegen kann. Ebenfalls dabei: PS Vita-Ableger „Assassins Creed: Liberation“ mit der weiblichen Assassine Aveline du Grandpré – und DIE ist cool und kann sich sogar verkleiden.
Besitzer des „Assassins Creed Odyssey“-Season Pass erhalten AC3, DLC und Liberation kostenlos, für alle anderen ruft Ubisoft 40 Euro auf. Muss jeder selbst wissen, ob ihm das die Verschwendung der eigenen Lebenszeit mit einem schlechten, fehlerhaften und mit Nebenaktionen aufgeblasenen Spiel wert ist.


Machen:
Fahrsicherheitstraining (Intensiv) in Gründau.


Neues Spielzeug:

Ach man, das war einer teurer Monat. Das hier war geplant:

Eine Sena PT10 Prism Tube Wifi, eine kleine Helmkamera. Nicht so hässlich wie eine GoPro, und sehr puristisch, leider tierische Fischaugenverzerrung.

Nicht geplant war, dass ich Ersatz für den kleinen Datenlogger brauchte, weil den das GPS-Rollover zerrissen hat. Nach Tests einiger Apps zur GPS-Aufzeichnung muss ich sagen: Für den Einsatz auf langen Reisen und abseits der Zivilisation fressen die immer noch zu viel Strom oder zeichnen zu wenige Punkte auf. Deshalb ist es nochmal ein separater Travelrecorder geworden. Ein altes Modell, denn mit dem funktioniert das Open-Source-Steuerprogramm und der Nokia-Akku hält über 40 Stunden. Das Gehäuse ist ähnlich dem alten i-Blue 747 Pro, nur das der neue ein QStarz BT-Q1000 XT ist.

Ebenfalls nicht geplant: Die Anschaffung neuer Stiefel (Daytona Road Star). Schon wieder, weil sich anscheinend meine Füße verändert haben. Und letztlich: Eine neue Wasserpumpe und ein neuer Zahnriemen für das Kleine Gelbe AutoTM. Fuck, jetzt gibt es den nächsten Monat durch nur Nudeln mit Maggi.

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Momentaufnahme: März 2019

Herr Silencer im März 2019

Mal ne Nacht im eigenen Bett wäre auch schön.

Wetter: Anfang des Monats sonnig und mit 6-12 Grad warm, nur vereinzelt bedeckt und Regen. Das changiert, bleibt aber im Wesentlichen so.


Lesen:

Ben Aaronovitch: Rivers of London [Kindle]

Peter Grant ist kurz vor dem Ende seiner Probezeit als Polizeibeamter in London. Eines Nachts passieren bei einem Einsatz komische Dinge, und kurz darauf wird er zu einer Spezialeinheit versetzt. Sein neuer Vorgesetzter erklärt ihm, dass er nun bei einer paranormalen Ermittlungseinheit arbeite und erstmal zaubern lernen müsse. Abgelenkt wird Grant durch die hübschen Töchter von Mutter Themse, den Flüssen von London. Letztlich kommt es aber doch zu einer Konfrontation mit Mr. Punch, der Personifizierung häuslicher Gewalt.

Tja, hört sich erstmal ganz interessant an, liest sich aber murksig. Das Buch strotzt vor netten Ideen, angefangen von den den sexy Personifizierungen der Flüsse von London über den kauzigen Chefinspektor Nightingale bis hin zum Antagonisten, der Leuten das Gesicht von Innen zertrümmert. Dummerweise werden die dramatischen Ereignisse um diese Ideen herum von einem Ich-Erzähler vorgetragen, der seiner Rolle zu keiner Zeit gerecht wird. Abgeklärt und im Duktus einer Bedienungsanleitung für Videorekorder wird die Geschichte erzählt. Sich durch diesen spannungsleeren und öden Brei zu quälen war eine Tortur. Deshalb habe ich auch drei Jahre bis zum Ende des Buchs gebraucht. Immerhin habe ich es bis zum Ende geschafft – an „Glass Book of the Dreameaters“ lese ich schon seit 11 Jahren.


Hören:

Lästerschwestern
Robin Blase und David Hain kommentieren die Youtub- und Influencerszene. Interessante Einblicke in ein Paralleuniversum, fast so gut wie eine Soap. Irgendwie erwische ich mich aber die ganze Zeit dabei zu denken, dass die vorkommenden Personen ja alle irgendwie nicht echt sind, so weit ist deren Lebenswirklichkeit und Szene entfernt.


Sehen:

Christopher Robin [Prime]
Auch die schönste Kindheit geht irgendwann vorbei, und Christopher Robin verlässt den 100Morgenwald und zieht nach London. Zurück bleiben seine alten Spielkameraden I-Ah, Tigger, Ru, Ferkel und natürlich der Bär von geringem Verstand, Winnie Puh. Jahre später ist Robin erwachsen und hat eine Familie, einen Job und viele Sorgen. Winnie macht sich auf, Freude und Glück zurück in das Herz seines alten Freundes zu bringen und den Heffalump aus ihm zu vertreiben.

Bei Disney wird gerade alles als Realverfilmung wieder aufgelegt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. So auch „Winnie the Pooh, und das ist creepy as fuck.

Puh, Tigger, Ferkel und der andere Gedöns sehen aus, als wären sie gerade vom Friedhof der Kuscheltiere zurückgekehrt. Sie wirken real, was schon gruselig genug ist – sich bewegende Stofftiere sind nunmal nur eine Handbreit von Chucky, der Mörderpuppe entfernt. Gerade Puh wirkt dazu, als hätte er die Räude, und da er Knopfaugen hat, blinzelt er auch nicht. Und nun stellen wir uns einen zerfledderten Stoffbären vor, er mit kalten, toten Augen auf uns zugewankt kommt und mit der Stimme eines 100 Jahre alten Katastraten murmelt „Wir müssen spiiiiiielen… Spiiiiielen“. GRU-SEL-IG!!

Die Assoziation habe wohl nicht nur ich. Hier ist der „Puh Horrortrailer“:

Als Bleistiftzeichnung in den Büchern von A.A. Millne funktionierte Puh toll, als Zeichentrickfigur nur noch so mittel und in dieser Realverfilmung gar nicht mehr. Auch der Rest passt einfach nicht zusammen. Selbst gute Schauspieler wie Ewan McGregor, Hayley Atwell oder Mark Gatiss geben sich kaum Mühe und telefonieren ihre schlecht geschriebenen Rollen nur durch, und die Story ist das reinste Ärgernis. Natürlich hat Christopher Robin vor lauter Erwachsensein keinen Funken Freude im Leben, natürlich ist seine kulleräugige Tochter ständig enttäuscht von ihm und natürlich müssen die Stofftiere aus dem Jenseits ihm wieder die Lebensfreude zurückgeben. Klassisch Disney, die Geschichte könnte direkt so aus den 60ern gefallen sein. Ganz großer, anachronistischer Käse.

Performance, writing, CGI, Regie – jedes einzelne Teil von „Pooh“ ist schlecht, und in der Summe ergibt das einen so unterirdischen Film, das allenfalls Kiffer daran Freude haben werden, wenn die ihn völlig high als Horrorfilm gucken. „Pooh“ ist immer nur einen zusätzlichen Buchstaben vom Scheißbär entfernt gewesen, hier hat er die Grenze überschritten. Ich habe jede einzelne Minute von diesem Drecksfilm inbrünstig gehasst.

Captain Marvel [Kino]
Irgendwo auf einem fernen Planeten verhaut Jude Lawson die arme Brie Larson, natürlich zu ihrem eigenen Besten. Sie soll davon nämlich eine ganz dolle Heldenkriegerin werden. Bei einem Außeneinsatz geht dann aber was schief, und Larson fällt durch das Dach einer Videothek in die 90er Jahre von Los Angeles. Hier trifft sie auf Bösewichte mit dreiteiligen Polyesteranzügen und einen jungen Samuel L. Jackson. Gemeinsam finden sie raus, das die Heldenkriegerin eigentlich von der Erde kommt und eine wandelnde Neonreklame ist, die voll hell funkeln kann.

Ich mag gute Comicverfilmungen, ich mag Frauen in starken Rollen. Dieser Film ist und hat leider beides nicht. Was er hat, sind starke Nebenfiguren und einen coolen Samuel L. Jackson. Beide sind toll geschrieben und haben die besten Szenen im Film. Jacksons digitales Makeup ist dabei der Hammer, er sieht glatte 30 Jahre jünger aus und spielt seine Rolle mit sichtlicher Freude. Dieser junge Nick Fury hat bereits Erfahrungen als Spion, aber noch nicht allen Shit der Welt gesehen. Er ist noch kein Zyniker, sondern knuddelt gerne mal und bedroht Außerirdische mit einer geladenen Katze.

Leider kann der Rest des Films nicht mithalten. Die Story ist spannungsarm und schleppt sich durch die ersten zwei Drittel der Laufzeit, ohne dass es um etwas anderes ginge als eine McGuffinjagd. Brie Larsons Charakter wird als als kaum verwundbar und supermächtig eingeführt. Solche Charaktere, zu denen auch Superman gehört, haben generell ein Problem, denn sie sind langweilig. Bei ihnen geht es um nichts, man fiebert nicht mit ihnen mit. Diese Captain Marvel macht auch keine Heldenreise durch, bei der sie im Mittelteil eine echte Herausforderung hätte. Nein, sie sucht nur ihr Gedächtnis und trifft dabei auf Leute, die Dinge von ihr behaupten, die wir aber nie sehen. So beschreiben Nebenfiguren den Charakter als tolle Type und wamherzige Person, aber das wird nie gezeigt. Stattdessen bekommt Brie Larson vom Drehbuch nicht viel zu tun und nur grottige Dialoge, und so zieht sie sich die meiste Zeit darauf zurück, muffig oder selbstgefällig zu gucken.

Nun bietet Rummuffeln, selbstgefällig Gucken und ab und zu Funkeln und Leuchten keine abendfüllende Unterhaltung. Auch wenn das letzte Drittel durch eine Wendung in der Geschichte wieder etwas interessanter wird, so ist „Captain Marvel“ einer der schwächsten Filme des Marvel Universums.

The Umbrella Academy [Netflix]
Zur gleichen Zeit werden überall auf dem Planeten Kinder mit übernatürlichen Fähigkeiten geboren. Ein englischer Lordzausel adoptiert sieben von ihnen und bildet sie zu Verbrechensbekämpfern aus. Jahre später sind die Kinder erwachsen, und die Erwachsenen sind doof und normal. Da taucht plötzlich ein Mitglieder der Familie wieder auf, das vor Jahren verschütt gegangen ist. Im Schlepptau: Killerin Mary j. Blige. Die versucht mit aller Macht zu verhindern, dass jemand verhindert, dass die Welt untergeht.

Mit viel TamTam beworbene Eigenproduktion von Netflix. Offensichtlich großes Budget, was an Ellen Page in der Hauptrolle und einem gut gemachten CGI-Affen erkennbar ist. Ändert leider nichts daran, dass der dramaturgische Aufbau der Serie vollkommen für den Hintern ist. Man bekommt unsympathische bis egale Charaktere vorgesetzt, von denen man nichts weiß und von denen die Regie dennoch voraussetzt, dass einem ihr Schicksal am Herzen liegt. Tut es aber nicht, Bätsch. Erst gegen Ende der 10teiligen Staffel versteht man ungefähr worum es geht, aber in exakt dem Moment, in dem es spannend wird, ist die Serie vorbei. Das ganze ist also eine meeeeeeegalange Exposition – Zeitverschwendung, das zu gucken.

Damit reiht sich „Umbrella Academy“ in eine Vielzahl von Netflix-Produktionen ein, deren Idee interessant klingt und die hervorragend besetzt sind, die sich dann aber als unfassbar langweilig herausstellen, weil ein straighter zwei-Stunden-Film statt einer zehnstündiger Serie gereicht hätte.


Spielen:

Red Dead Redemption [XBOX One]
Die USA im Jahr 1907. Nach den Ereignissen von Read Dead Redemption II ist John Marston ehrbar geworden und hat sich mit Frau und Kind eine Existenz als Farmer aufgebaut. Acht Jahre später holt ihn seine Vergangenheit ein. Die Detektei Pinkerton spürt ihn auf, entführt seine Familie und stellt ihm ein Ultimatum: Das Leben von Abigail und Jack gegen die Köpfe seiner ehemaligen Kumpane Bill Williamson, Javier Cuella und Dutch van der Linde. Widerwillig zieht Marston los, um seine ehemaligen Outlaw-Kollegen zu jagen. Dabei gerät er in die Wirren der mexikanischen Revolution, die Arme einer schönen Rancherin und in die Mühlen der Justiz.

„Red Dead Redemption“ habe ich zuletzt 2010 gespielt und war beeindruckt. Das bin ich immer noch. Klar ist mittlerweile die Grafik etwas angestaubt, auch wenn sie auf der XBOX One in Full HD läuft. Was aber nicht vergeht ist die toll geschriebene Geschichte. Ebenfalls beeindruckend: Durch die Vorgschichte, die in Red Dead Redemption 2 erzählt wird, werden viele Plotholes in Teil 1 gefüllt und manche Dinge ergeben jetzt erst einen Sinn. Wüsste ich es nicht besser, ich würde denken, das war von Anfang an alles so geplant. Dabei ist es nur umsichtiges Writing. Teil zwei macht seinen Vorgänger also besser, und davor kann man nur den Hut ziehen.


Machen:

Eintrittskarten im Wert von 600 Euro gebucht, für den 04. April 2020. „Das verwunschene Kind“? Das ist platt falsch, das Kind ist verflucht.


Neues Spielzeug:

Ein Cabin Max Upgrade, den Metz XL.

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Momentaufnahme: Februar 2019

Herr Silencer im Februar 2019

#LastChanceToSee

Wetter: Der Monat startet mit moderaten Minusgraden und wird dann grau und warm, mit um die 5 Grad und Regen. Am dritten Wochenende bratzt plötzlich die Sonne aus allen Knopflöchern, tagsüber sind es plötzlich 14 bis 18 Grad hat, nachts jedoch noch -2. Das macht Migraine, ermöglicht aber den frühen Start der Motorradsaison.


Lesen:


Stephen Fry: Making Histroy [Kindle]

Was wäre wenn… Hitler nie geboren worden wäre? Diese Frage stellt sich Geschichtsstudent Marc. Da auf dem Campus der Universität von Cambridge zufällig ein Professor wohnt, der eine Zeitmaschine erfunden hat, bekommt er die Gelegenheit das auszuprobieren. Die Folgen sind aber anders als erwartet. Als Marc in die Gegenwart zurückkehrt, muss er feststellen, dass die NSDAP und das dritte Reich trotzdem passiert sind, aber von fähigeren Leuten als von Hitler geführt wurden. Das Resultat: England steht seit 50 Jahren unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Ich hatte das Buch schon mal gelesen, Ende der 90er, und war von dem Alternate History Ansatz sehr angetan. Ganz viel mehr wusste ich aber nicht mehr, außer, dass mich die Ideen darin sehr beeindruckt hatten.

Tatsächlich hat Stephen Frey mehr als eine gute Idee für seine, auch durchaus ordentlich recherchierte, Geschichte. Was aber leider gar nicht geht sind Hauptdarsteller und Pacing.

Der Protagonist ist nämlich eine weinerliche, egozentrische Arschgeige, der sich hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und es legitim findet, der Ex-Freundin das Auto zu verunstalten (aber nichtmal das richtig hinbekommt).

Satte 40 Prozent des Buches sind Exposition und Vorgeschichte. Nachdem die Story so viel Anlauf genommen hat, hat Frey aber anscheinend keinen Bock mehr sie auch ordentlich weiter zu erzählen. Der Mittelteil besteht aus Zeitsprüngen und teilweise nur aus Dialogen in Regieskripten. Ja, wirklich – Fry schreibt etliche Kapitel in einem Drehbuch („Tag, Außenaufnahme. Michael (aufgeregt): „…““). Und am Ende gibt es einen Deus-Ex-Machina-Moment, der einfach binnen Kürzestem alles auflöst.

Zusammengefasst: Tolle Story, die aber auf denkbar schlechte Art erzählt wird und einen unsympathischen Hauptdarsteller hat. Für Fans von alternativen Zeitlinien, in denen Nazis den Krieg gewonnen haben.


Hören:

Tina Turner: Simply the Best
Nach dem Musicalbesuch mal die Werke von Tina Turner durchgehört und erstaunt gewesen: Ich hatte die Musik viel rockiger und schneller in Erinnerung. Tatsächlich sind aber selbst die schnelleren Stücke („Simply the Best“, „Steamy Windows“) für heutige Ohren sehr langsam und poppig. Interessant, was das Gedächtnis aus sowas macht.


Sehen:

Gesehen in London: Theater und Musicalbesuche, Teil I
Gesehen in London: Theater und Musicalbesuche, Teil II

[Kino]

Alita Battle Angel
Das Jahr 2.600. Die Menschen leben nach einem großen Krieg in einem dystopischen Großstadtslum. Eines Tages findet Christopger Walz im Schrott einen Roboterkopf mit einem Teenagergehirn darin. Da er zufällig Cyborgdoktor ist, baut er einen Körper an den Kopf und nennt das Ganze Alita. Der Kopf hat zunächst keine Erinnerung woher er kommt und was er mal war. Deshalb entdeckt er die Welt und verliebt sich. Es gibt da nur ein Problem: Alita kann keinem Kampf aus dem Weg gehen.

OK, ich bin offiziell beeindruckt. Die Figur der Alita ist vollständig CGI, und die Performance von Rose Salazar, der Schauspielerin, die das Motion Capturing gamcht hat, ist umwerfend.

Der Film als solches hinterlässt mich aber zwiegespalten. Einerseits traut er sich Wärme, was cool ist. Der Slum wird von warmen Sonnenstrahlen erleuchtet und wirkt wie ein echter Heimatort, und die väterliche Beziehung von Christopher Walz zu Alita oder die Liebesbeziehung zwischen Alita und einem Teenager strahlt Wärme und Liebe an jeder Ecke aus.

Das steht in einem merkwürdigen Kontrast zu dem, was der Rest des Films uns zeigt: Eine dystopische Überwachungsgesellschaft in Slums und entmenschlichte Cyborgs mit Körpern aus Schrotteilen, die den allerschlimmsten Cenobiten-Alpträumen entsprungen sein könnten. Das wird aber nur en passant und als völlig normal abgehandelt. Ist es in dieser Welt auch, aber in meinem Kopf erzeugt das eine seltsame Dissonanz. Vielleicht hätte etwas mehr dark & gritty dem Ganzen gut getan.

Neben der Dissonanz habe ich aber noch zwei andere Probleme mit Alita. Im Mittelteil tritt die Story etwas arg lang auf der Stelle, Teenagerromanzen interessieren mich dann doch nur so mittel. Und: Das Ende ist krass unbefriedigend. Klar, Alita macht eine Coming of Age Geschichte durch und kommt am Ende einer Reise an, für den Zuschauer fühlt es sich aber an, als würde uns etwas Wichtiges vorenthalten. Das ist schade, denn abgesehen von von Storylängen und dem abrupten Ende ist Alita spektakulär gut und macht alles richtig: Tolle Schauspieler, riesiger Production Value, irre Actionszenen. Aber diese beiden Punkte sind es wohl, wegen denen Alita an den Kinokassen nicht gut lief, was wohl eine Fortsetzung unwahrscheinlich macht – und damit die Story auf ewig in der Luft hängen lässt.

Pastweka, Staffel 9 [Amazon Prime Video]
Pastewka ist abgebrannt. Nach dem Ende von „Frier“ und seiner Odyssee in der letzten Staffel wohnt er nun auf dem Biohof der Bruck und muss eine Arztserie für das ZDF drehen. Das ihm dabei ständig von Katja Woywood unterstellt wird, dass er ja Komiker und kein Charakterdarsteller ist, macht die Sache nicht einfacher.

Was für eine Staffel. Nachdem sowohl Serie als auch Charakter nach dem Weggang von Sat.1 im vergangenen Jahr eine überdrehte Midlifekrisis abfeierten, findet „Pastewka“ hier zu einem deutlich erwachseneren Ton und zu neuen Erzählweisen. Setzte die Serie früher fast ausschließlich auf Fremdschämmomente, werden nun andere Akzente gesetzt. Das ist auch gut so, denn andere Serien haben Fremdschäm-Humor schon so überdreht, dass die neuen Wege von Pastewka erfrischend sind.

Das tut auch den Figuren gut, die teils geerdeter (Pastewka, Anne) teils noch absurder (Bruck) daherkommen. Die Storys der kurzen Episoden spiegeln diese Erdung wieder. Es geht u.a. um Impfverweigerung und Stalking, zu denen die Serie eine Haltung hat. Sehr gelungen, sehr lustig, und das, ohne peinlich zu sein. Bitte mehr von sowas!

The Predator (2018) [Prime Video]
Bei einem Außeneinsatz findet ein Soldat Teile einer Predator-Rüstung. Die isst zum Teil auf, zum Teil schickt er sie nach Hause. Das gefällt dem Predator nur so mittel, und so kommt es zum Kampf Außerirdischer gegen Mensch. Bis beide merken, dass sie ein größeres Problem haben. 3,50 groß, um genau zu sein: Ein Predator Update.

Ah, Mensch. Das Predator-Franchise könnte so cool sein, schießt sich aber permanent selbst in den Fuß. Die 2018er Neuauflage gab Anlass zur Hoffnung, denn mit Shane Black sitzt wieder der Macher des 1987er Originals im Regiestuhl. Geholfen hat das aber nichts, der 2018er Predator hat zwar ein, zwei nette Einfälle, ist aber in der Summe ein erzählerisches Chaos und von Szene zu Szene unerträglich dumm. Wirklich, das Skript wirkt, als habe jemand besoffen den Ur-Predator gesehen und dann völlig bekifft die 2018er-Fassung zu Papier gebracht. Nun waren Predator-Filme noch nie eine intellektuelle Herausforderung, aber dieser hier ist mit seinen Rasta-Hunden, seinen Kinderdarstellern, den vergurkten Charakteren und schlimmen Onelinern so absurd dumm, dass meine Suspension of Disbelief bricht. Das ist der Moment, in dem man aus dem Film fällt und alles auf einer Metaebene wahrnimmt. Und da die sich nicht mal ironisch lesen lässt, ist dieses „Upgrade“ ein weiterer Schuß in den Fuß.


The Incredibles 2 [PSN]
Superhelden sind verboten, aber das will ein Milliardär ändern. Seiner Meinung nach braucht man einfach eine bessere PR. Um die zu bekommen, wird Mrs. Incredible mit Kameras ausgestattet und dabei gezeigt, wie sie gutes tut. Die Lobbymaßnahme funktioniert, die öffentliche Meinung ändert sich langsam. Derweil passt Mr. Incredible auf die Kinder auf.

Der erste „Incredibles“ war eine berührende Hommage an Superheldenverehrende Kinder und nebenbei ein perfekter Bond-Film. Teil 2 schließt inhaltlich nahtlos an den 14 Jahre alten Vorgänger an und liefert eine wilde Actiongeschichte, die aber Tiefgang und Herz des Originals vermissen lässt. Die Animationstechnik lässt einen Staunen, aber mehr als ein Action-Blockbuster mit Slapstickeinlagen ist „Incredibles 2“ leider nicht.


Spielen:

Red Dead Redemption 2 [PS4]
Die USA im Jahr 1899. Der Westen ist nicht mehr wild, sondern wird Stück für Stück gezähmt. Die Zivilisation breitet sich aus und bringt die Eisenbahn, asphaltierte Straßen und Elektrizität. Pinkertons sorgen für Recht und Ordnung, die unkontrollierten Gebiete werden immer kleiner. Das ist doof für Arthur Morgan, denn er ist ein Outlaw, ein Gesetzloser, der sich mit seiner Bande vor den Gesetzeshütern versteckt. Arthur ist klar, dass die Zeit der Outlaws vorbei ist. Er möchte lieber heute als morgen mit Betrügereien und Überfällen aufhören und ein geregeltes Leben führen. Das Problem dabei: Damit die Gang aus Männern und Frauen endlich sesshaft werden kann, brauchen sie Geld.

Ach welch Tragödie sich hier entfaltet. Langsam und behäbig erzählt RDR2 eine Geschichte um den Abgesang einer alten Welt und was mit denen passiert, die sich nicht ändern können oder wollen. Nach einem storytechnisch spannenden Einstieg wird die Geschichte über lange Zeit recht gemütlich – hier ein Raubüberfall, dort eine Gaunerei, oh wie schön ist das Leben als Outlaw.
Die Handlung steht hier still oder dreht Schleifen, fast möchte man dem Spiel zurufen „nun mach hinne!“.

Das ändert sich im letzten Drittel aber dramatisch. Dort verschlägt es Arthur nicht nur in Gefilde außerhalb der USA, auch sein Charakter macht eine massive Entwicklung durch. Das ist bedrückend inszeniert und macht noch deutlicher, das RDR2 kein Spiel für die Freunde von Happy Ends ist. Das die eigenen Entscheidungen aber Auswirkungen auf das Ende der Geschichte von Arthur Morgan haben, ist ein schöner Nebeneffekt. Mit Arthurs Story endet aber nicht die von RDR2, das sich Mühe gibt Brücken zum storytechnischen Nachfolger Red Dead Redemption zu bauen – und das supergut macht.

Der eigentliche Star bei RDR2 ist die lebendige und wunderschöne Welt, sowas hat man auf der 8. Konsolengeneration noch nicht gesehen. Die Wildnis ist superdetailiert dargestellt, überall hoppeln und springen und summen perfekt animierte Tiere durch die Welt. Die Details sind völlig irre: An Wagenreifen bleibt Match kleben, Pferde äpfeln wo sie stehen und gehen, wenn Arthir längere Zeit nicht badet, wird das von anderen kommentiert.

Diese Welt ist auch nicht vollgemüllt mir Icons, die auf Aktivitäten Hinweisen. Icons gibt es nur für Storymissionen, ansonsten ist die Welt jederzeit und überall offen für Jagen, Reitrennen, Angeln, Kartenspielen, Blumenpflücken und Karten sammeln. Außerdem geistern skurrile Charaktere darin herum, denen man ab und an zufällig begegnen kann, und die alle ihre eigene Story mitbringen. All das kann man machen, muss es aber nicht. Ich habe mich nur auf die Hauptstory konzentriert und all das Nebengetue ignoriert, ohne dadurch Nachteile gehabt zu haben. Vorbildlich!

Schwachpunkte des Spiels sind die unintuitive Steuerung und ein Bewegungsmodell, dass einen durch ständige Restriktionen in den Wahnsinn treibt. Arthur bewegt sich in Schneckengeschwindigkeit, weil er sich mal in einem Camp, mal in einer besonderen Straße befindet. Mal kann er Waffen tragen und ziehen, mal nicht. In Missionen sind auch die Laufwege festgelegt, was zu einer seltsamen Situation führt: In der freiesten und offensten Spielewelt, die man bislang erleben durfte, spielen sich die Missionen wie auf Schienen.

Außerdem zieht sich das Ganze wie sau. Da eine ordentliche Schnellreisefunktion fehlt, ist man ständig damit beschäftigt von A nach B zu reiten, und das dauert. Um von einer Seite der Karte zur anderen zu kommen braucht es rund 20 Minuten. Die Intention ist klar: Man soll die lebendige Welt erleben! Macht man aber nicht. Man kann nämlich das eigene Pferd auf Autopilot stellen und sich in der Küche ein Brot schmieren, wenn der Gauk durch die Gegend galoppiert. Gefühlt ist man fast die Hälfte der 70 Stunden mit Brot schmieren beschäftigt, und wenn man die Hälfte eines Spiels in der Küche verbringt, ist das nicht OK.

Red Dead Redemption 2 ist ein episches Werk, das viel richtig macht, und in dem unfassbar viel Mühe steckt. Perfekt ist es aber nicht, das verhindert die Steuerung und die (viel) zu lang gestreckte Spielzeit.


Machen:
Eine Reise nach London.


Neues Spielzeug:

Bild: Marks & Spencer

  1. Ein Morgenmantel. So ein richtig klassischer, karierter Arthur-Dent-Morgenmantel aus Flanell, gekauft bei Marks&Spencer am Marble Arch.

  2. Ein Sojourn 60 von Osprey. Bei diesem Rucksack kann man die Tragegurte komplett einfalten und ihn wie ein Duffelback oder einen Trolley benutzen.

Ich verachte ja Trolleys und bin ein großer Fan meines Cabin Max 44 Rucksacks, der als Handgepäck durchgeht und in den ich für Reisen bis zu 2 Wochen alles reinbekomme. Aber die nächste Reise wird länger und größer, da sind 15 Liter mehr Stauraum und die Möglichkeit zum Rollen schon wertvoll.

Mit dem Sojourn habe ich geliebäugelt, seitdem ich ihn vor 8 Jahren mal bei einer Bahnreisenden gesehen habe – nun hatte ich die passende Ausrede um ihn mir zuzulegen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Gnadenloses Leben, Momentaufnahme | 5 Kommentare

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