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Kategorie: Momentaufnahme

Momentaufnahme: Januar 2026

Momentaufnahme: Januar 2026

Herr Silencer im Januar 2026

Wetter: Wir starten ins neue Jahr mit ordentlich Schnee, Regen und dann mehr Schnee, bei +2 bis -11 Grad. Nach einem kurzen Hüpfer über die Null-Grad-Grenze frostet es dann weiter, wieder bis -7 Grad. Und es beginnt zu schneien und hört nicht mehr auf, in einer Nacht 20 Zentimeter, dann immer 5 hinterher plus gelegentlichen Eisregen. Ungemütlich.


Lesen:


Terry Pratchett: The Wee Free Men [2003, Kindle]
Tiffany Aching ist neun Jahre alt und lebt im Kreideland, den Hügeln voller Schafe am Fuße der Spitzhornberge. Sie ist gut in der Herstellung von Käse, und sie sieht DINGE. Allerdings nicht Dinge, die nicht da sind – das tun alle Menschen, ständig. Sie sieht Dinge, wie sie wirklich sind. Das macht sie zum idealen Material für eine Hexe.

Geschichten von der Scheibenwelt sind mein cosy Ort, mein Hygge, mein Safespace – und weiß Gott, sowas kann gerade jeder brauchen.

Vor 22 Jahren habe ich meiner Ziehtochter die Geschichte der “Wee Free Men” vorgelesen, damals auf Deutsch. Über die “kleinen freien Männer” konnte ich mich damals wie heute amüsieren. Die versoffenen, rauflustigen und gerade mal 10 Zentimeter großen schottischen “Feen” sind sowas wie Pumuckls unflätige Cousins. Schon klar, dass der friesische Dialekt, der in der deutschen Übersetzung verwendet wurde, nicht ganz so gut rüberkommt wie der schottische im Original, aber Crivens!, die englische Version ist auf so vielen weiteren Ebenen einfach nochmal so viel besser mit ihrem “Nae ken” (Ich weiß nicht) oder “Waily! Waily! Waily!” (Oh je!) von Daft Wullie.

Die deutsche Fassung wurde damals, meine ich, auch als Buch für Kinder und Jugendliche beworben, weil der Young Adult-Markt durch Harry Potter gerade boomte. Mag sein, dass die Übersetzung sich dem angepasst hat, in der englischen Version ist das hier kein Kinderbuch. Besser noch: Tiffany Aching führt vor, was der Unterschied zwischen Zauberern und Hexen ist. Das ganze Buch über sucht sie eine Schule oder eine Universität, in der sie lernen kann, wie eine Hexe sein soll – und findet dann heraus, dass das echte Leben die Schule ist.

Terry Pratchett: A Hat Full of Sky [2005, Kindle]
Die Ausbildung beginnt. Auch wenn Tiffany Aching die böse Feenkönigin mit nichts weiter als einer Bratpfanne besiegt hat, eine Hexe ist sie noch lange nicht – und vielleicht wird sie auch keine werden, denn selbst einfachste Magie will ihr nicht gelingen. Sie beherrscht nur einen Trick: Sie kann für sehr kurze Zeit ihren Körper verlassen.

Als sie das tut und wieder zurück will, ist der Körper allerdings besetzt von einem Hiver, einem sehr alten und sehr mächtigen Wesen. Zum Glück bekommen die Nac MacFeegle das mit und schmieden einen “PLN”.

Herzallerliebst und sehr, sehr spannend. Pratchett erzählt hier in Hochform: Gefahr und Risiko sind hoch, die Helden erleben eine echte Heldenreise und die Charaktere sind so herzig, dass es wirklich berührt, wenn der Hiver beginnt die zu töten.


Hören:


Sehen:

Tron Ares [2024, Disney+]
Ein cholerisches Jüngelchen hat einen 3D-Drucker erfunden, der aus Luft und Liebe rote Autos, schlecht gelaunte Leute und Jared Leto druckt. Dummerweise zerfällt das alles nach 29 Minuten wieder. Als eine Frau auf einem Gletscher Orangen pflückt, soll Jared Leto ihr Geheimnis klauen.

Ach, man möchte sich nach Ansehen von “Ares” das Hirn ausspülen. Die Story ist knackedoof, die Schauspieler einfach nicht gut und alles ist erkennbar als Jared Leto-Vehikel gebaut. Irgendwie denkt Hollywood immer noch, der sei ein Star und Kassenmagnet – dabei hat man als informierter Zuschauer bei dem Namen eher den Geruch von kaltem Sperma und Bilder von toten Ratten im Kopf. Assoziationen, die sich der Typ nach dem Dreh von “Suicide Squad” eingefangen hat, nachdem bekannt wurde, dass Teil seines “Method Actings” war, Kolleginnen benutzte Kondome und tote Kleintiere zu schicken.

Dieser Jared Leto steht also in einer kackdummen Handlung rum und hat sichtlich keine Ahnung, was er hier eigentlich spielt. Seine Figur handelt erratisch und guckt permanent, als sei hinter der Stirn einfach kein Licht an.

Da hilft es dann auch nicht, dass die Musik von Nin Inch Nails selten zu den Szenen passt, über die sie drübergeklebt ist. Beim Vorgängerfilm “Tron Legacy” gaben Daft Punkt dem Film einen besonderen Vibe und schwangen im Flow mit dem Film, bei “Ares” spielt sich NIN permanent und unangenehm unpassend in den Vordergrund.

Schick ist das rote Produktionsdesign, aber das reisst es nicht mehr raus.
“Ares” ist pfui.
Und auf Disney+ ist der Ton schon wieder unter aller Sau.

Automata [2014, BluRay]
In einer Art Billo-Blade Runner Welt gibt es nur noch wenige Menschen. Die vegetieren in Riesenstädten dahin, die von Robotern am Laufen gehalten werden. Diese Roboter haben zwei unumgängliche Direktiven:
1. Es ist ihnen verboten, ein Lebewesen zu verletzen oder die Verletzung zuzulassen.
2. Es ist ihnen verboten, sich selbst oder einander zu verändern.

Als ein Roboter dabei erwischt wird, wie er doch heimlich an sich herummanipuliert, wird Antonio Banderas eingeschaltet. Der glaubt nicht daran, das Roboter ein Bewusstsein entwickeln können, erfährt dann aber, dass die beiden Roboter-Direktiven nicht von Menschen stammen und so komplex programmiert sind, dass auch kein Mensch sie jemals wird verstehen können.

Interessanter SciFi-Mystery mit einer coolen Prämisse und teils intensiven und gut geschriebenen Szenen. Leider kommt auf jede gute Szene zwei, die zu lang ausgewalzt oder zu kompliziert sind, und vermutlich ist der Film deshalb ziemlich gefloppt.

Das ist schade, denn er sieht besser besser aus als das Budget vermuten lässt und ist gespickt mit Stars, neben Banderas kommen auch Dylan McDermott und Melanie Griffith kurz vor. Letztere war damals noch mit Banderas verheiratet, vermutlich hing sie zu oft am Set rum und musste dann mit vor die Kamera.

White Out [2009, BluRay]
Kate Beckinsale ist US-Marshal und hat ein ungewöhnliches Revier: Den Südpol. Dort hat sie zwei Jahre ruhigen Dienst auf der Amundsen-Scott-Station hinter sich gebracht, nun geht es in wenigen Tagen nach Hause. Oder auch nicht, denn plötzlich liegt mitten im Eis ein toter Geologe. Der erste Mord in der Antarktis!

Beckinsale versucht den Fall zu lösen, hat dafür aber nicht viel Zeit: In 48 Stunden setzt ein Sturm ein, die Temperatur fällt auf minus 70 Grad und der antarktische Winter beginnt, weshalb sich die Station für ein halbes Jahr einigeln und den Kontakt zur Außenwelt verlieren wird.

Spannender Thriller der Dark Castle Studios, die schon coole Dinge wie “13 Ghosts”, “Ghost Ship”, House of Wax” oder “Suburbicon” gemacht haben. Die Filme folgen immer dem Muster: ein bis zwei Stars, gute Geschichte, niedriges Budget, kreative Umsetzung. In “White Out” springt denn auch neben Kate “Seline” Beckinsale auch Tom Skerrit (Top Gun) herum. Das Setting ist unverbraucht, die Story ist gut – einzig die Inszenierung haut hier in den Sack.

Die Regie ist sich nämlich nicht sicher, ob sie die Forschungsstation im Eis als düsteren, klaustrophobisch engen Ort zeichnen möchte, oder als Erstsemester-Saufparty von männlichen Wissenschaftlern – und macht einfach beides. Das wirkt seltsam und tonal daneben, kriegt zum Glück aber kurz vor Schluss die Kurve auf die Action-Thriller-Bahn. Man spürt das verschenkte Potential, geht aber trotzdem zufrieden aus dem Film. Kein Top-Hit, aber spannend und gut schaubar.


Spielen:

Resident Evil 4: Separate Ways [2023, PS5]
Geheimagentin Ada Wong arbeitet für den bösen Umbrella Konzern. Der hat Pläne mit “La Plaga”, der Seuche auf einer spanischen Insel. Während Ada hinter dem Kern der Plage her ist, stolpert zeitgleich auch Leon Kennedy über die Insel.


Netter kleiner, rund sechsstündiger, DLC zum Resident Evil 4 Remake von 2023. Er bildet die Parallelhandlung zum Hauptspiel ab, in dem die geheimnisvolle Ada ja immer wieder mal auftauchte und dem Helden half. In “Separate Ways” wird erklärt, wie es dazu kam und was Ada in der Zwischenzeit machte. Schön umgesetzt, nichts wird ausgewalzt bis es nervt, wenige Bosskämpfe, sehr spannend und definitiv die 8 Euro wert.

Resident Evil Village: Shadow of Rose [2022, PS5]
16 Jahre sind seit den Ereignissen von Resident Evil Village vergangen. Rose Winter, die Tochter der damaligen Hauptfigur, wächst allein und einsam auf. Sie trägt immer noch das Metamycel in sich, dass ihr besondere Kraft verleiht, sie aber auch zur Außenseiterin macht. Dann erhält sie die Chance, diese Kräfte los zu werden und ein normales Leben zu führen. Dazu muss sie gedanklich nur tief ins Mycel-Netzwerk eindringen.

Ein netter, kleiner, dreistündiger DLC, der im Wesentlichen aus drei Teilen besteht: Erkundung eines recycelten Schloss Dimitrescu, Horror in einem recycelten Haus der Puppenmacherin und Rumrennen in einem recycelten Dorf.

Dank neuer Spielmechaniken und cleverer Puzzle fühlt sich das aber nicht nach Recycling an und macht durchgehend ziemlich Laune.

Leider bündelt der kleine DLC auch unnütze Erweiterungen wie den Multispielermodus und eine Third-Person-Ansicht auch für das Hauptspiel (Dann doch. Endlich hört wer auf mich. First Person ist halt IMMER eine schlechte Idee bei 3D-Spielen!) und wird deshalb immer noch für 20-30 Euro gehandelt. Das ist zu viel Geld für lediglich drei Stunden Spiel. Er ist aber auch Bestandteil der RE VIII-Goldedition.


Machen:

  • Arbeiten. Es gibt einfach keine Ruhephasen mehr.

Neues Spielzeug:

Eine neue Drohne, eine Mavic Mini 5 Pro von DJI. Erstaunlicherweise größer als meine acht Jahre alte Mavic Air, dafür aber 180 Gramm leichter und C0-Klasse. In der Fly More-Combo steckt diesmal kein unnützer Kram wie Propellerkäfige, sondern neben einer Tasche, Ladegerät plus drei Akkus auch ND-Filter und eine Fernbedienung mit Display. Die ist besonders wichtig, denn bei der alten Drohne musste man dafür sein Smartphone in den Controller klemmen. Das funktionierte nicht gut, und die Reichweite war extrem begrenzt und Verbindungsabbrüche an der Tagesordnung.

An der Mini 5 Pro merkt an, wie rasant die Entwicklung vorangegangen ist. Die Mini fliegt sich einfacher, hat deutlich besseres Tracking und eine tolle Hindernisvermeidung, dank vier Rundumkameras plus LIDAR nach vorne.

Krass auch das Kamerasystem. Der Sensor ist groß, der Gimbal sogar auf Hochkantformat drehbar. Dadurch, dass die Rumfummelei mit dem Smartphone für die anfällige Flugsteuerung entfällt, werde ich die kleine Kiste hoffentlich öfter mal zum Einsatz bringen.


Ding des Monats:

Eine Miniratsche der englischen Firma SaberCut, eine MRSC07.

Die ist sehr klein…

…es gibt eine Verlängerung…

…der Kopf lässt sich abwinkeln…

… und die Verlängerung lässt sich als T-Stück nutzen.

Leider arschteuer. Zu spät habe ich gemerkt, dass es genau das Teil auch von KS Tools gibt, da kostet es nur die Hälfte.

Zusammen mit dem Mini-Zangenschlüssel (links), der Maulschlüssel bis Größe 23 ersetzt, schrumpfen die beiden Dinger das Bordwerkzeug der V-Strom etwas.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Dezember 2025

Momentaufnahme: Dezember 2025

Herr Silencer im Dezember 2025

Wetter: Monatsanfang bei -1 bis 6 Grad, dann wirds wieder mild und dümpelt zwei Wochen bei 7 bis 10 Grad rum. Zu Weihnachten dann Frost und bis zu -9 Grad, dann Eisregen und weiterhin -5 bis -2.


Lesen:

Andy Wilman: Mr. Wilman’s Motoring Adventure: Top Gear, Grand Tour and Twenty Years of Magic and Mayhem
Andy Wilman ist der vierte Mann des Trios Clarkson/Hammond/May. Er ging mit Clarkson zur Schule, war später der Miterfinder des neuen “Top Gear” und hob dann “Grand Tour” aus der Taufe, heute produziert er “Clarksons Farm”.

Das hier sind seine Memoiren. Die sind etwas umständlich geschrieben, stellenweise zu weit ausgeholt und sprachlich gespickt mit echt komplizierten britischen Idiomen und lokalem Slang, aber trotzdem unterhaltsam für alle, die Anekdoten um Top Gear und Grand Tour ihre Entstehung schätzen. Was aber nicht aufgeklärt wird: Was Clarkson seinerzeit mit dem Producer angestellt hat, weswegen er dann bei der BBC gefeuert wurde.


Sehen:

King Arthur [BluRay, 2017]
Der junge Arthur wird in einem Hurenhaus großgezogen. Zum kampferprobten Dieb aufgewachsen, zieht er versehentlich ein Schwert aus dem Stein und gerät so in den Fokus des bösen Jude Law. Gut, das Arthur eine Rebellengrupppe hat, mit der er Heists auf Camelot verübt.

Hä? Berghohe Kampfelefanten, Jude Law als Sauron, Magiertürme, gigantische Heere Riesenschlangen? Das sieht hier alles eher nach “Herr der Ringe” aus als nach der klassischen Artussage! Und dann ist das ganze auch noch von Guy Ritchie und im Stile seiner London-Gangster-Movies geschnitten? Was ist das denn?

Nun, in erster Linie bricht “Arthur” jegliche Erwartungshaltung und ist 2017 an den Kinokassen völlig baden gegangen. Ich fand´s aber extrem unterhaltsam, einen Verschnitt aus “Herr der Ringe” und Guy-Ritchie-Gangsterfilm zu sehen. Der Film ist gut geschrieben, schön gespielt und alles ist hier bis auf Anschlag hochgedreht: Camelot ist monströs groß, das mittelalterliche London mittelalterlicher als Mittelalterlich und die Kampfszenen sind episch. Nice!

Superman [2025, Bluray]
Der langweiligste Superheld aller Zeiten kämpft gegen Elon Musk und Social Media und es ist – unterhaltsam?

Ich war nie Team Strahlemann, ich war schon immer Team düster-dunkel-Batman. Von einem Superman-Film erwartete ich genau gar nichts, und diesen hier schaute ich nur, weil ich James Gunns Arbeit mag. Dessen Handschrift ist auch hier deutlich erkennbar: Vorbei sind die Zeiten des unsympathischen und grüblerischen Jack-Snyder-Superman, DIESER Superman hier ist wieder grundgut und leicht naiv, bunt und schließt direkt an die alten 70er-Jahre-Filme mit Christopher Reeve an.

Superman steht und fällt mit seinen Gegnern, und der hier ist extrem gut: Ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär manipuliert Medien, Politiker, um Superman fertig zu machen. Warum? Weil er denkt, er sei der einzige, der die Wahrheit kennt und jemand den Job tun muss, um die Welt zu retten. Ein echter Wichser vom Schlage eines Musk, Thiels oder Bezos, der in Szenarien herumrührt, die sogar recht deutlich den Krieg Israels gegen die Palästinenser spiegeln oder ihn unverhohlen rassistisch zeigen, ICE-Analogien inklusive. Der Film geht diese Themen frontal an und hat dazu eine Meinung, was dazu führt, das dieser Superman in den USA nun als woke gilt – dabei hat Superman schon immer Nazis verkloppt und Schwache beschützt.

Ein unterhaltsamer und, im Trumpzeitalter sogar mutiger und Hoffnung machender Film. Können wir ja alle brauchen.
Und angeblich steht das “S” auf Supermans Brust ja für Hoffnung. (Fragen sie nicht.)


Spielen:

Dispatch [2025, PS5]
Los Angeles, 20 Minuten in der Zukunft: Superhelden gehören zum Alltag. Einer von ihnen ist Robert Robertson, der als “Mecha Man” in einer Rüstung für Gerechtigkeit sorgt. Dummerweise bekommt diese Rüstung einen Totalschaden ab, und Robert muss sich aus dem Superheldendasein zurückziehen. Unerwartet erhält er ein Angebot vom SDN, dem “Superhero Dispatch Network”. Robert soll als Mentor eine Gruppe Superbösewichte anleiten und sie rehabilitieren, in dem er sie als Dispatcher zu Notfalleinsätzen schickt.

Ein Schreibtischjob, und das dirigieren der Ex(?)-Bösewichter ist wie ein Sack Flöhe hüten: Zusammenarbeit Null, versiebte Aufträge am laufenden Meter, Alleingänge sind Alltag und ab und an blitzt das Böse halt doch noch durch. Als ein echter Superbösewicht die Stadt angreift, muss die Rehab-Chaotentruppe überlegen, was ihnen wichtig ist.

“Dispatch” ist ein “Unter-dem-Radar”-Spiel, das durch Mundpropaganda langsam Fahrt aufnimmt. Da mache ich doch gerne mit!

Also:

“Dispatch” ist SO gut, dass ich es gleich zwei Mal hintereinander gespielt habe!

Das gab´s noch nie!

Das Game kommt von ehemaligen TellTale-Mitarbeitern. Telltale, das war das Studio, dass in den 2010er Jahren von sich reden gemacht hat, weil Games wie “The Walking Dead” oder die Fables-Adaption “The Wolf among Us” gemacht haben, genau wie die sehr guten Games zu “Game of Thrones”, “Back to the Future IV” oder “Tales from the Borderlands”.

Diese Spiele rückten immer die Story in den Vordergrund und glänzten durch deren filmische Inszenierung. Spielerisch gab es wenig zu tun, außer sich für Option A, B oder C zu entscheiden. Diese Entscheidungen hatten immer den Anschein von gravierenden Auswirkungen: Rette ich meine alte Freundin aus Kindheitstagen oder meine Lieblingsnachbarin? Beides geht nicht.

Genau so funktioniert auch “Dispatch”. Feuert man das Invisigal aus der Truppe, weil sie bei einem Alleingang Dinge geklaut hat und alle auf sie sauer sind? Oder belässt man sie im Team, weil man eine Romanze mit ihr starten möchte, zieht sich aber den Ärger aller anderen zu?

Am Ende des Tages haben die Entscheidungen nur Auswirkungen auf das Ende des Spiels, aber wenig Auswirkungen auf den Fortgang der Geschichte. Sie fühlen sich aber stets wichtig an, und da die Story extrem gut geschrieben und inszeniert ist, sind einem die Charaktere und was mit ihnen geschieht auch nie egal.

Im Gegenteil, im Laufe der acht, rund einstündigen Episoden, wächst einem die Chaotentruppe ans Herz, auch wenn sie sich benehmen wie die letzten Arschlöcher. Das spiegelt sich auch in der Umsetzung wieder: Hier wird geflucht, gesoffen, geprügelt, geblutet, nackte Haut und Sexszenen gezeigt, dass es eigentlich ein Wunder ist, das “Dispatch” eine Jugendfreigabe hat – das ist definitiv ein Spiel für Erwachsene.


“ARGH, she temporarily blinded me!!” “What do you mean temporarily? Bitch, u gonna be blind forevaaaaaa!”

Gameplaytechnisch ist mehr zu tun als bei den TellTale-Games, denn pro Episode muss man zwei Schichten als Dispatcher schieben und seine Antihelden zu Notfall-Einsätzen schicken. Deren Fähigkeiten müssen mit den Anforderungen des Jobs zusammenpassen, und man, das ist gar nicht mal einfach. Bis ich das System und seine störrische Steuerung verstanden hatte, waren schon drei Episoden rum und ich war einfach richtig, richtig schlecht darin.

Spielt aber auch kaum eine Rolle, irgendwann ist die Schicht rum, und das Spiel geht trotzdem weiter. Man sieht aber am Ende jeder Episode, wie man im Vergleich zu anderen Spielern abgeschnitten oder sich entschieden hat, und es sticht schon ein wenig, zu den schlechtesten 2 Prozent aller Spieler zu gehören.

Egal – “Dispatch” erzählt eine tolle Geschichte um Liebe, Verrat und Familie, bietet grandiose Charaktere und exzellentes Writing, gepaart mit einer sehr coolen und filmischen Präsentation und Dialogen, die im Gedächtnis bleiben. Hier sind absolute Könner am Werk gewesen. Das Game ist spannend, lustig und stellenweise rührt es zu Tränen. Alle der acht Episoden gibt es nun gesammelt für PC und PS5 für rund 30 Euro, und sie sind jeden davon wert.

Like a Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii [2025, PS5]
Ein Mann wacht an einem Strand auf. Ohne jegliche Erinnerung daran, wer er ist oder wie er hier hergekommen ist. Als Spieler der “Like a Dragon”-Reihe weiß man: Das ist Goro Majima, der legendär zwielichtige und meist völlig durchgeknallte Yakuza, der einem in der Vergangenheit immer wieder das Leben schwer machte.

Nun kommt Majima aus Gründen an ein unerklärtes Piratenschiff, und zack: Ein Yakuza-Pirat. Auf Schatzsuche. Auf den Inseln und Atollen um Hawaii.

Als ich vor einem Jahr in Japan die Ankündigungsposter zu “Pirate Yakuza in Hawaii” sah, war mein erster Gedanke: Jetzt sind die Leute bei Ryu Ga Gotoku völlig durchgeknallt. Das Game kam dann im Februar raus, gespielt habe ich es jetzt erst. Und, was soll ich sagen – es IST durchgeknallt, aber ich hatte eine Menge Spaß damit!

Natürlich ist die Story rund um den Yakuza-Piraten völlig kuckuck und wird im Verlauf auch immer nur noch irrer bis zu dem Punkt, dass ich erwartetet habe, dass Majima als nächstes auf einem Dinosaurier reitet oder am Ende alles nur ein Traum des kleinen Arschlochkinds ist, das Goro im Schlepptau hat. Auf jeden Fall ist das hier weit entfernt von den düsteren Hardboiled-Thrillern der alten Hauptreihe.

Aber das ist halt das Konzept: Zwischen den riesigen und meist ernsten Hauptspielen bringt das Entwicklungsstudio kleinere und etwas spinnerte Ableger heraus, wie vor zwei Jahren “The Man who Erased his Name”, bei dem Yakuza Katsuma plötzlich vom Geheimdienst rekrutiert wurde und in der Folge mit James-Bond-Gadgets rumlief. Oder halt jetzt dieses Piratending.

Anywho, anfangs war ich etwas genervt, weil “Pirate Yakuza” in ausgelutschten Szenarien der Vorgänger spielt und wieder recht lange braucht, um in den Schweiß zu kommen. Hier steckt wieder zu viel Nebenkram drin: Pflanzen ziehen, kochen, Dinge sammeln und verkaufen, schlafen, essen, Kampftechniken, Dutzende Nebenmissionen, Sammelaufgaben – dauernd wird man hier mit was neuem zugeballert. Zum Glück ist der meiste Kram optional, nichts davon muss man wirklich tun, um die Hauptgeschichte zu erleben. Nach einigen Stunden kommt das Ganze dann in einen schönen Flow, und besonders wenn es aus dem bekannten Honolulu-Szenario weg geht, wird “Pirate” richtig gut.

Gameplaytechnisch haben die Japaner hier Ubisoft den Finger gezeigt. Die Franzosen werkelten ja 10 Jahre an ihrer Piratensimulation “Skull & Bones” rum, und das Ergebnis war eine mittlere Katastrophe. Ryu Ga Gotoku hingegen hat hier einfach mal “Assassins Creed: Black Flag” in der Dragon-Engine nachprogrammiert, inklusive epischer Seeschlachten, Massenkloppereien und schlimmer Unwetter – und das macht auch noch Spaß! Dabei hat man sich als Hauptfigur eine ausgesucht, die genauso irre ist wie Captain Jack Sparrow, dabei aber viel gewalttätiger – und wer wollte nicht schon immer mal Captain Jack spielen!

Inseln von bösen Piratendudes befreien, Schätze finden, das eigene Schiff aufrüsten bis es alles platt macht, was da so rumschwimmt, dazu bei Lust und Laune durch Honolulu ziehen und Nebenaufgaben erledigen oder Crew rekrutieren – das macht einfach einen Heidenspaß. Die Hauptstory ist wirr, aber unterhaltsam und führt zu einem sehr schönen Ende.

Wer den Assassinenpiraten mochte und vermisst, wird mit dem Piratenyakuza sehr glücklich!


Hören:

Bershy: Radio

Aus dem “Dispatched”-Soundtrack, macht gute Laune. Und ich mag den Text:

I wake up exhausted, even in the morning
Like I’m made out of decaf, I’m barely running
Oh, and I hate parties
It’s just too many bodies
I don’t like small talk, I’m always leaving early

Das offizielle Video ist bestenfalls seltsam und ziemlich lame. Deshalb ist es kaum erstaunlich, das jeden Tag neue Fan-Videos auftauchen, geschnitten auf Szenen aus “Dispatch”. Und die sind richtig gut:


Machen:

  • Arrrrrrbeiten

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Eine richtig geile Trattoria-Pfanne von Tefal! Ich krebse hier ja immer noch mit dem IKEA-Starterset an Kochgeschirr herum (kleiner topf, mittlerer Topf, dünne Pfanne). Dank dieses Weihnachtsgeschenks habe ich nun eine richtig tolle Pfanne für Spaghettata Mezzanotte und anderen Schweinkram!


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 2): Ich Ich Ich

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 2): Ich Ich Ich

Was bleibt von 2025? Ein persönlicher Rückblick.

Ich Ich Ich
Vor einem Jahr an dieser Stelle schrieb ich: “Zum Jahresende stelle ich fest: Mir geht es gut. Ich fühle mich gut. Mir ist heitere Gelassenheit nicht in die Wiege gelegt, aber aktuell ruhe ich in mir.
Ja, ich bin resilient AF.”

Ich hatte so eine Vorahnung, dass ich diese Resilienz noch dringend brauchen würde. Wie heftig es dann wirklich kam, hätte ich mir aber nie träumen lassen.

Im Januar und Februar lebte ich auf einer Baustelle. Die Wasserschäden in dem Mietshaus, in dem ich wohne, wurden behoben. Monatelang in Lärm und Staub und Unordnung, das war nicht schön.

Gesundheitlich lernte ich im Februar was eine Analvenentrombose ist, und ich sag mal so: Angenehm ist anders. Immerhin ist die Gesundheit ansonsten Okay. Gut, das linke Knie zwickt bei Belastung, aber zumindest ist ansonsten laut ärztlichem Check alles bongo.

Freudig überrascht war ich, dass die Morrigan und ich es auf den Titel der Februarausgabe des Kradblatts geschafft haben. Wir sind jetzt berühmt!


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Das war das Jahr, das war (2025, Teil 1)

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 1)

Jahresende. Zeit für die Rückschau. Was bleibt von 2025?
Plus: Beste Bilder.

Meine Güte. 2025 ist schon wieder vorbei?
Das Jahr ist scheinbar schnell durchgerauscht, dabei ist so endlos viel passiert.

Lage der USA und der Welt:
Noch bevor Trumps zweite Präsidentschaft beginnt fühlt es sich so an, als ob die schon seit Jahren liefe, so medial omnipräsent ist der orangefarbene Drecksack.

Dann beginnt es: Bereits in den ersten Tagen im Januar werden in den USA Deportationen verfügt, das Gesundheitssystem sabotiert, das Umweltministerium mit Vertretern der fossilen Industrie besetzt, Windkraft verboten, Verbraucherschutzgesetze gekippt, die Ölförderung in Nationalparks erlaubt, aus WHO und Pariser Klimaabkommen ausgetreten und verkündet, man werde Grönland und den Panamakanal annektieren.
Die USA liebäugeln mit dem Gedanken, Grönland zu überfallen?

Musk, der sich die Rolle des Vizepräsidenten für 286 Millionen Wahlkampfunterstützung günstig gekauft hat, spricht bei der Vereidigung im Kapitol und macht dabei den Hitlergruß, dann fällt er mit “X”-Entwicklern in der US-Schatzbehörde ein und übernimmt deren Systeme. Auf einen Schlag erhält der Oligarch so Zugriff auf Millionen von personenbezogenen und Finanzdaten.

Larry Ellison, Chef von Oracle, spricht gleichzeitig darüber, wie zukünftig das Verhalten der US-Bürger von KI und Drohnen überwacht werden müssen. Auch Bezos, Zuckerberg und Tim Cook küssen allesamt den Trump-Ring.

Es ist faszinierend: Es wirkt, als hätten Musk, Ellison und Co Dystopien wie “1984” oder “Cyberpunk” gelesen und denken nun: Ja! In so einer Welt wollen wir leben!
Alles, was falsch und evil ist, tun diese Leute in den autoritären Oligarchie, die die USA nun sind.

Die Welt verfällt ob dieser offenen Gräuel in Schockstarre, mal wieder. Warum eigentlich? Trump tut lediglich, was er vorher angekündigt hat. Dazu gehört: Die transatlantische Freundschaft aufkündigen und die westliche Weltordnung niederbrennen.

Das geht gleich weiter:
Februar: Der amerikanische Staat wird von Musk demontiert, “mit der Kettensäge”, wie der irre Ketaminjunkie stolz verkündet.

März: Trump und Vance demütigen Zelensky vor laufenden Kameras. Er hätte sich nicht genug bei Trump bedankt und seine Kleiderwahl sei unangmenessen.

April: Es zeigt sich, das Trump schlicht zu dumm ist zu verstehen, wie Volkswirtschaft funktioniert. Er verhängt Strafzölle für die ganze Welt, die nach wenigen Tagen und einem Börsencrash wieder zurückgenommen werden.

(Quelle: Internet)

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Momentaufnahme: November 2025

Momentaufnahme: November 2025

Herr Silencer im November 2025

Wetter: Anfang des Monats feucht und mild, bei 7-13 Grad. Ab Monatsmitte dann plötzlich 3 Grad und Graupel, Tendenz fallend bis runter auf -8 Grad und geschlossene Schneedecke. An den letzten Tagen wieder Regen und +9 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: The Farmers Dog
Geschichten von Clarksons Farm. Jeremy Clarkson schreibt eine wöchentliche Kolumne für die Sunday Times, das hier ist die 284. jährliche Sammlung. Routiniert geschrieben, wie immer sehr polterig und endlich gibt es ja wieder eine Labour-Regierung, der Clarkson für alles die Schuld geben kann. Teilweise ärgerlich, aber meistens unterhaltsam geschrieben und in den besten Momenten ein Blick hinter die Kulissen von “Clarksons Farm”.


Hören:

Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf
Herr Dr. Roth nimmt sich eine Auszeit. Im Ostseebad Niendorf will er die Geschichte seiner Familie aufarbeiten, die ihm sein Vater auf Tonbändern hinterlassen hat. Aber dazu kommt es nicht, denn das kleinbürgerliche Niendorf zieht den Karrierejuristen in seinen Bann. Immer mehr verliert sich Roth in Alkoholexzessen, Fantasien über junge Kellnerinnen und Verfolgungswahn.

Es gibt Bücher, die muss man einfach hören. Weil sie der Autor selbst liest, mit genau der Betonung und dem Dialekt, die er beim Schreiben im Kopf hatte. Marc-Uwe Klings “Kängurus” gehören dazu, und von Heinz Strunk muss man auch alles hören, was er geschrieben hat.
Strunk trägt seine Geschichte in teils hektischem Stakkato mit Harburger Zungenschlag und leichtem Lispeln vor. Das gab schon “Fleisch ist mein Gemüse” eine besondere Note, und auch bei “Niendorf” funktioniert das ganz hervorragend.

Inhaltlich ist “Ein Sommer in Niendorf” tatsächlich strukturiert wie “Der Tod in Venedig”. Hier wie dort verschlägt es einen gutsituierten Kleinbürger in eine Situation, in der er beginnt sich selbst zu zerstören und gleichzeitig die Nähe von denen zu suchen, die ihm wenig Gutes wollen.

Damit folgt Strunk seinen früheren Werken, an jeder Ecke riecht es hier nach “Goldener Handschuh” und stellt Typen in den Mittelpunkt, die versuchen ihr kleines Glück ganz am unteren Rand der Kleinbürgerlichkeit zu finden.

In seinen besten Momenten ist Heinz Strunk ein deutscher Bukowski. Vielleicht wäre er gerne ein deutscher Hemingway, aber Charles fand ich immer schon interessanter.


Sehen:

Fantastic 4: First Steps [2025, Disney+]
Die USA in den 60ern: Eine Astronautenfamilie fliegt ins All und wird versehentlich genetisch verändert. Fortan ist einer von ihnen aus Gummi, einer aus Stein, einer aus Feuer und die Frau kann sich unsichtbar machen. Zusammen müssen sie sich gegen eine silberne Surferin und einen Eimerkopf behaupten, der sie vor die Wahl stellt: Entweder er isst ihr Baby – oder den Planeten Erde.

Ich fand die Fantastischen Vier schon immer irgendwie meh, war aber sehr gespannt auf diese Verfilmung mit Pedro Pascal und Vanessa Kirby (die weiße Witwe aus “Mission Impossible” 6 und 7). Ein guter Cast, dazu Retro-Charme – was kann da schiefgehen?

Stellt sich raus: Alles.

Als die letzte Szene lief, entfuhr mir spontan ein “Was für ein reaktionärer Scheiß!” – und das trifft es ganz genau. Der Film ist nicht Retro auf eine charmante Art, also im Artdesign, sondern tatsächlich völlig rückwärtsgewandt was Charaktere und Erzählung angeht.

Hier wird das Bild der USA in den 60ern als heimeliger Ort gezeigt, wo Frauen noch wussten, dass sie hauptsächlich zum Kinderkriegen da sind und die Familie aus Mutti, Vati und den Kindern besteht besteht. Wie eine Werbereklame aus den 50ern wirkt das. Die Revoluzzer-Elemente, die die realen 60er prägten, werden völlig ausgelassen, und auch Ironie findet nicht statt. Die Welt von “First Steps” ist der feuchte Traum aller US-Republikaner und Rechtskonservativer anderer Länder.

So besteht Sue Storms gesamter Charakter aus schwanger und später Mutter sein, und der zentrale Plotpoint des Films ist ein Baby. Das ist dann ab dem ersten Drittel auch in nahezu jeder Szene, oder es wird darüber geredet. Baby hier, Baby da, Rabääääh.

Das ist für normale Zuschauer nervig, für Menschen mit z.B. meinem Hintergrund oder mit unerfülltem Kinderwunsch ist es schlicht unerträglich. Aber nun, es passt halt gut zum Zeitgeist in den USA. Die Familie als Keimzelle der heilen Welt.

Auch erzählerisch wird hier auf Nummer sicher gegangen und eine Geschichte vorgetragen, die bitte bloß niemandem auf die Füße treten soll. Das Ergebnis ist völlig langweiliger und irgendwie muffig riechender Quark.

Crocodile Dundee [1986, Bluray Neuauflage 2025]
Ein Krokodil hat einem Mann ein Bein abgebissen, und der hat dann drei Tage allein im Dschungel überlebt – so steht es zumindest in einer australischen Kleinstadtpostille. Eine amerikanische Journalistin recherchiert die Räuberpistole und trifft dabei auf Mick “Crocodile” Dundee, einen von Aborigines großgezogenen Abenteurer. Er zeigt ihr seinen Busch, sie nimmt ihn dafür mit nach New York.

“Das ist doch kein Messer. DAS ist ein Messer”

– Wunderbare “Fish out of Water”-Geschichte, hier in einer ganz frisch erschienenen BluRay-Neuauflage. Man muss die kleine, deutsche BluRay-Manufaktur Winkler-Film wirklich loben: Das Bild ist knackscharf und voller Details, der Ton ist selbst in der Synchro sehr gut und die Extras reichlich – So ist bspw. der Dokumentarfilm “Love of an Icon” komplett enthalten.

Ich finde den verschmitzten Charme, den Witz und die Chemie zwischen Paul Hogan und der (20 Jahre jüngeren) Linda Kozlowski nach wie vor großartig und kann mich über den Film immer noch genauso amüsieren wie zu der Zeit, als ich ihn in den Achtzigern im Kino sah. Sicher würde man einige Szenen so heute nicht mehr drehen, wie etwas die am Fluß, wo die Kamera etwas zu lange auf Kozlowskis teilentblößtem Hintern verweilt. Das sind aber absolute und seltene Ausnahmen, der Film ist auch heute nicht peinlich.

Die einzig WIRKLICH peinliche Szene ist nicht mehr im Film zu finden. Das war die mit dem Moment, als Dundee in New York auf eine Transfrau trifft und der zwischen die Beine fasst, um sich anschließen darüber lustig zu machen. Diese Szene darf nicht mehr gezeigt werden und ist weltweit in keiner Schnittfassung mehr enthalten. Dafür haben aber keine woken Aktivisten gesorgt, sondern Paul Hogan und Regisseur Peter Fairman selbst haben das so verfügt. Sie fanden die Szene Out-of-Character, denn es passt einfach nicht zum Gentlemen Dundee, dass der einfach so fremde Frauen by the Pussy grabbed. Recht haben sie.

Crocodile Dundee II [1988, Bluray Neuauflage 2025]
Linda Kozlowski gerät in New York in Gefahr und wird von kolumbianischen Drogenhändlern gejagt. Mick Dundee bringt sie an den Ort, an dem er sie beschützen kann: Den australischen Outback.

Reverse-Fish-Out-of-the-Water, wenn Stadtganster durch Australien stolpern und Stück für Stück aus dem Verkehr gezogen werden. Actionreicher als Teil 1, kann man immer noch gut gucken. Die Chemie der Darsteller stimmt immer noch – nicht umsonst heirateten Kozlowski und Hogan nach den Dreharbeiten und blieben 25 Jahre zusammen. Bemerkenswert: Die “Dundee”-Filme funktionieren tatsächlich für ein Publikum von 7 bis 70 Jahren – das waren wirklich noch Familienfilme.


Spielen:

Ghost of Yotei [PS5]
Japan, ca. 1580: Eine Bande maskentragender Unholde schlachtet auf Hokkaido eine ganze Familie gnadenlos ab. Selbst Atsu, die kleine Tochter, wird nicht verschont, sondern mit einem Schwert an einen Baum gepfählt und in Brand gesetzt. Wie durch ein Wunder überlebt sie das Massaker und flieht nach Honshu, wo sie auf den Straßen Osakas und auf den Schlachtfeldern des gerade beginnenden Edo-Shogunats zu einer kampferprobten Söldnerin wird.

Nach 20 Jahren kehrt sie zurück nach Hokkaido und macht dort Jagd auf die Mitglieder der Bande. Die regieren mittlerweile die gesamte Insel, aber als totgeglaubter Onryo, als Geist, nimmt sich Atsu einen Verbrecher-Lord nach dem nächsten vor. Für sie ist klar: Sie wird jeden einzelnen der “Yotei Six” zur Strecke bringen, und am Ende dieser Reise sterben. Aber das Schicksal hat andere Pläne.

Vor fünf Jahren war “Ghost of Tsushima” ein Überraschungserfolg. Quasi ein Assassins Creed in Japan, nur in schöner, ohne die Altlasten der Ubisoft-Games und mit einem Protagonisten, der nachvollziehbar handelte und bei den Spielern äußerst beliebt wurde. Nun also der Nachfolger, der nicht nur anders heißt, sondern auch 330 Jahre(!) nach dem Vorgänger spielt. Das ist mutig, denn das bedeutet auch, dass es eine neue Geschichte und einen neuen Hauptcharakter gibt.

Das Entwicklungsstudio Suckerpunch muss man dafür echt loben, allerdings dürften die sich mittlerweile schon mehrfach in den Hintern gebissen haben. Zum einen, weil im Kernmarkt USA mittlerweile Frauen als Hauptfiguren nicht mehr gut ankommen (ja, an DEM Punkt sind wir schon wieder!) und zum anderen, weil früher im Jahr “Assassins Creed: Shadows” rauskam und EXAKT DIE SELBE Geschichte erzählt, also auch tote Familie, Maskenheinis, Tochter überlebt und macht Jahre später Jagd auf die Bande. Sind sich beide Spiele auch abseits der Ausgangslage der Story ähnlich?

Nun, “Assassins Creed: Shadows” ist deutlich anzumerken, dass die Macher keinen Plan hatten, wo sie mit ihrer Geschichte hinwollten, und selbst die verschiedenen Spielmechaniken wirken so grob aneinandergenäht, bis der Frankenstein kaum noch laufen konnte. Bei “Ghost of Yotei” ist alles simpler, dafür aber eleganter ineinander verwoben – ganz wie in den frühen “Assassins Creeds”, bevor die zu Rollenspielen werden wollten.

Atsu ist ein toller Hauptcharakter. Als einsame, latent wütende und gleichzeitig tief traurige Rächerin zieht sie, wie in einem Western, durch Hokkaido und hilft Menschen in Not, wenn sie nicht gerade ihre eigene Rache vorantreibt.

“Yotei” bietet tatsächlich mal wieder eine Open World die nicht nervt, sondern die ich gerne erkundet habe und die mich häufig überrascht hat. Immer wieder stolpert man unvermittelt über Sidequests und besondere Orte. Mal folgt man einem goldenen Vogel und findet dabei eine Heilquelle, mal kommt man an einer Höhle vorbei, vor der ein Wolf die Zähne fletscht. Folgt man ihm, findet man Wilderer, die seine Wolfkumpels eingefangen haben. Befreit man die, sieht man später den Wolf wieder und freundet sich langsam mit ihm an, bis er immer öfter in Kämpfen auftaucht und einem hilft.

Das fühlt sich cool an und nach echter Progression: Meine Spielfigur erlebt etwas, weil ich mich dafür entschieden habe, und das hat Einfluss auf spätere Ereignisse und Begegnungen. Dabei sind die Nebenmissionen meist in fünf Minuten erledigt – keine endlosen und schlecht geschriebenen Questketten, mit denen Ubisoft bei “Star Wars Outlaws” und “Assassins Creed” nervte (ich sage nur: 45 Minuten Spiel für “Finde 5 Eier damit eine Frau furzen kann”), sondern kurze, knappe, abwechslungsreiche und oft überraschende Stories, die man gerne nebenbei erledigt. Die sind zum guten Teil sehr gut geschrieben und bringen sogar tiefe mit – wenn Atsu der Legende eines verrückt gewordenen Geistergenerals nachgeht und unvermittelt einen trauernden und einsamen Mann vorfindet, der versehentlich seine eigene Tochter getötet hat, ist das nicht nur ein Spiegel von Atsus eigener Quest, sondern versprüht “Roter Baron”-Vibes aus Witcher III.

Das Gameplay mit Katana und Co. ist easy to learn, hard to master und bietet bis zum Ende neue Variationen und Abwechselung. Beeindruckt hat mich die Präzision der Steuerung und wie wuchtig und kraftvoll sich alles anfühlt.

Die Grafik ist nicht der allermodernste Hammer, sieht aber sehr gut aus, und die Art Direction ist wirklich gelungen. Da ich selbst schon um den namensgebenden Berg Yotei rumgekurvt bin kann ich sagen: Die Landschaft dort ist auch in echt unrealistisch schön, und im Spiel eine überirdische Augenweide. Lediglich die Charaktermodelle der NPCs sehen aus etwas, was einen schlimmen Autounfall hatte.

Ansonsten gibt es technisch nichts zu meckern. Es gibt praktisch keine Ladezeiten, die Haptikfunktionen des Controllers werden gut unterstützt, Glitches oder Bugs hatte ich während der gesamten 56 Stunden Spielzeit nicht.

In Erinnerung bleiben wird mir aber das Writing der Hauptstory. Die Geschichte scheint so simpel und dumm wie in “Assassins Creed Shadows” zu sein, aber das täuscht. Sie ist sehr gut geschrieben und wendungsreich und schwingt in Richtung “Last of Us II”, während sie mit Charakteren jongliert, die einem ans Herz wachsen.

Mit “Ghost of Yotei” hatte ich sehr viel Spaß. Das erste Spiel seit langem, wo ich mich tagsüber direkt drauf freute, nach Feierabend wieder in die Welt des Spiels eintauchen zu können.

Assassins Creed Shadows: Claws of Awaji [PS5 DLC, 2025]
Ich hatte mich ja HIER schon über “AC: Shadows” geärgert und mich verwundert gezeigt, dass die Handlung in dem Moment abbrach, als es spannend zu werden schien. Stellt sich raus: Das war System, das eigentliche Ende wurde nun als DLC nachgereicht.

Ist nicht das erste Mal, das Ubisoft einzelne Kapitel eines “Assassins Creed” nachreicht – schon 2009 wurde ein wichtiger Teil aus dem Hauptspiel entfernt und später einzeln verkauft. Aber das FUCKING ENDE DES SPIELS für 30 Ocken extra verkaufen? Und das ein halbes Jahr nach Release des Hauptspiels, wo man als Spieler schon lange die überladene Steuerung und die egale Geschichte vergessen hat? GEHT´S NOCH?

“Claws” spielt in einem neuen Gebiet, der Insel Awaji vor Oasaka. Für die haben sich die Entwickler bei Ubisoft was ganz besonderes ausgedacht. Denn wie wäre es, wenn so ein neues Gebiet aussieht wie der Rest des Spiels aber einfach… grundfeindlich wäre? Wenn jeder NPC jederzeit die Spielerfigur angreifen kann? Superidee, oder?

Natürlich nicht. In der Realität ist der DLC ein einziger Pain in the Ass. Von Anfang an fährt er mit angezogener Handbremse. Das beginnt beim Intro, in dem man eine Figur in einem Puppenspiel spielt. Sieht nett aus, dauert aber viel zu lange und ist nervtötend, weil sich die Puppe sich nur in Zeitlupe bewegt.

Das geht weiter mit den NPCs, die in Siedlungen völlig unvermittelt aggro werden oder in menschenleeren Wäldern gerne einfach mal so aus dem Boden ploppen und sofort angreifen. Man kann praktisch keine fünf Meter laufen, ohne dass man vom Pferd geschossen wird und sich in einem minutenlangen Gefecht wiederfindet. Wenn es schlecht läuft, ziehen diese Encounter die Stadtwache an, und am Ende ist die ganze Map hinter einem her und man muss das Game neu starten.

Es endet bei der Spielstruktur, bei der man sich wieder einmal erst um X Nebenaufgaben kümmern muss, bis man endlich die eigentliche Mission angehen darf.

Beispiel: Der große Bösewicht hat einen Leibwächter, der soll ausgeschaltet werden. Damit man überhaupt erstmal an den rankommt, muss man 12(!) seiner eigenen Sheriffs assassinieren. Und wo sind die? Die laufen irgendwo random in der Welt rum, jeden einzelnen von denen muss man erstmal finden und dann zu denen hinstoffeln!

Die einzige echte Neuerung ist ein Kampfstab, und ohne den geht es auch gar nicht. Die Gegner auf Awaji haben nämlich alle Steroide gefrühstückt und sind selbst auf einfachstem Schwierigkeitsgrad so stark, dass es Minuten dauert, bis man einen der Random-Aggro-Bauern verhauen hat, der nur mit einem Lendenschurz und einem Strohhut bekleidet ist. Der Lendenschurz hat wohl Rüstungsklasse 60, und das Moveset und die Angriffsmuster der Bauern entspricht denen der Ninjameister aus dem Hauptspiel. Was für ein Unfug!

Gerade bei den zufälligen Gefechten fällt der Hauptunterschied zwischen “Ghost of Yotei” und “Shadows” besonders auf: Das Kampfsystem. In “Yotei” ist es präzise, wuchtig und schnell, kleine Encounter dauern nur eine Minute und machen auch nach dem Hundertsten Mal noch Spaß. “Shadows” ist dagegen verpfriemelt, überladen und völlig wurschtig. Die Hälfte der Zeit macht die Spielfigur einfach nicht was sie soll, reagiert viel zu spät auf Eingaben oder rollt in Wände oder bleibt an Gegenständen hängen.

Dazu kommen inhaltliche und technische Fehler. Mal gibt es nicht nachvollziehbare Handlungsbrüche, mal fällt auf der PS5 der Ton aus, mal spielen die Gesichtsanimationen nicht ab, mal tauchen Questgiver nicht auf oder NPCs einer ganzen Stadt geraten unvermittelt in Panik und kriegen sich nicht mehr ein. Mein liebster Glitch: Explodierende Blätterhaufen. Kein Witz! Und dabei ist “Claws” schon zwei Monate draußen!

Grundlegende Probleme des Hauptspiels, wie elendige Ladezeiten und laggende Eingabe in überladenden Menüs, adressieren auch die letzten Funktionsupdates nicht. Wie unpoliert “Claws” veröffentlicht wurde, merkt man auch daran, dass man nach einem Tod im Leibwächter-Bosskampf nicht unmittelbar wieder einsteigen kann. Nein, man wird aus der Arena geworfen und muss erst wieder einen Questgiver ansprechen und DANN wieder eine Cutscene angucken und dann geht es erst wieder los. Je-Des-Mal der gleiche Mist, jedesmal mit ordentlich Ladezeiten dazwischen.

Nein, “Claws” macht keinen Spaß. Die Geschichte ist ein Dreizeiler auf einem Bierdeckel, und wird mit Arbeitsaufgaben so gestreckt und verdünnt, bis es halt doch wieder alles nur “Content” ist, der einem merklich nur die eigene Lebenszeit rauben will. Vermutlich, damit Ubisoft seinen Shareholdern was von langer Spielzeit erzählen kann.

Um die oben gestellte Frage abschließend zu beantworten: Obwohl “Ghost of Yotei” und “Shadows” das gleiche Setting und die gleiche Hintergrundgeschichte haben, ist Yotei das eindeutig bessere Spiel. “Shadows” ist ein überladender Homunkulus, der schlecht funktioniert und der statt einer Geschichte nur Fleißaufgaben zum Abhaken hat. Bei “Yotei” funktioniert das Kampfsystem besser, alles ist gestreamlined, die Welt organisch und am Wichtigsten: Es erzählt eine echte Geschichte, die bis zum Ende gedacht ist.

Oder anders: “Yotei” ist ein Stück Kunst und wird getragen von wirklich gutem Handwerk. “Assassins Creed Shadows” ist “Checkliste, The Game”, wo sich alles nach Arbeit und Excellisten anfühlt. Die Story von “Shadows” bekam ich schon beim Ende des Spiels nicht mehr zusammen. Die Reise mit Atsu und unsere gemeinsamem Erlebnisse werde ich so schnell nicht vergessen.


Machen:

  • Entrümpeln

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Anfang 2025 sind mir beim Jasmin die Blütenansätze erfroren, weil ich den zu früh auf den Balkon gebracht hatte. Das hatte ich aber nicht freiwillig getan, sondern weil die Pflanzen nach Sonne dürsteten und schon Eimerweise Blätter verloren. Im Arbeitszimmer gibt es halt nur ein Nordfenster, und da kommt keine Sonne durch.

Neulich fiel mir dann ein: Gibt es wohl auch UV-Lampen für Pflanzen? Ja klar gibt es die! Besonders gelobt werden die UV-Strahler des deutschen Unternehmens “Meine Orangerie”. Aus deren Programm habe ich jetzt den dicksten Strahler samt Stativ und Zeitschaltuhr beschafft, und nun gedeihen Jasmin, Olivenbaum, Erdbeeren, Agathe und Oleander im Licht der künstlichen Sonne.

Nun, vielleicht sind 50 Watt doch etwas viel – zumindest sieht es von Außen aus, als hätte Gozer der Gozerianer in meinem Arbeitszimmer ein Portal geöffnet, so hell scheint das Licht aus dem Fenster. Ich warte noch, was zuerst passiert: Ob die Nachbarn sich über das helle Licht beschweren, oder ob gleich eine Polizeistreife auf der Suche nach einer illegalen Cannabisplantage vor der Tür steht.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Oktober 2025

Momentaufnahme: Oktober 2025

Herr Silencer im Oktober 2025

Winterschlaf, das wäre es jetzt.

Wetter: In Deutschland: Keine Ahnung. Auf Sardinien war es recht kühl. Tagsüber 23 Grad waren nett, aber nachts knappe 10 Grad, da fror ich im unbeheizten mobile Home doch ein wenig. Ab dem 20.10. wieder zurück in Deutschland, und brrrr ist das kalt mit 3 Grad im Thüringer Wald und 07-13 Grad in Götham. Dazu Nieselregen und Dunkelheit. Die letzten Tage nochmal deutlich kühler, bis auf 2 Grad, dabei aber sonnig.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
Eine junge Frau zieht zur Adventszeit in ein Haus im Wald, in dem einst schreckliche Dinge passiert sein sollen. Sie selbst trägt auch schlimme Erinnerungen mit sich herum, denn sie wurde in ihrer Jugend von einer sadistischen Internatsleiterin 24 Tage lang, nach Art eines Adventskalenders, gequält und gefoltert. Zeitgleich sucht eine Wissenschaftlerin nach einer Knochenmarksspenderin für ihre kranke Tochter.

Uargh-bäh-was für ein gequirlter Unsinn. “Geschicktes Spiel mit den Zeitebenen” und “Raffinierte Geschichte” schrieb die Kritik, für mich ist das Buch unfokussiert und völlig over the Top.

Das fängt bei der 24tägigen Adventsfolter an, von der niemand was gemerkt haben will, und endet damit, dass jeder irgendwie mit jedem verwandt ist und DANN noch mal 10 Seiten Exposition nachgeschoben werden müssen, um den hanebüchenen Unfug auf den Seiten davor zu erklären.

Ich mag Fitzek, das sind typische Bücher die man gut im Urlaub lesen kann, aber “Kalendermädchen” war nicht meins.

Noraly Schoenmaker: Free Ride
Noraly wurde betrogen. Ihr langjähriger Partner ist fremdgegangen. Beziehung, das gemeinsame Haus, Zukunftspläne – alles dahin. Auch der Job nervt sie an. Also verkauft sie ihr Hab und Gut und macht sich auf eine kleine Selbstfindungsreise mit dem Motorrad durch Indien. Unterwegs kommt ihr die Idee: Warum nicht die Reise mit Youtube-Videos dokumentieren und so vielleicht finanzieren? Das ist der Beginn von “Itchy Boots”, einem der erfolgreichsten Motorradreisechannels der Welt.

Ich mag Itchy Boots und war gespannt auf dieses Buch. Noraly hat ein enormes Arbeitspensum, gefühlt veröffentlich sie alle zwei Tage ein Video aus irgendeiner Ecke der Welt. Da sie das Editing während ihrer Reise macht, ist viel rohes und authentisches Material dabei – und genau diese Authentizität, die häufig auch von der Begegnung mit anderen Menschen lebt, fehlt dem Buch bzw. es fällt deutlich gegenüber den Videos ab.

Sehr deutlich wird das bei einer Begegnung in Kasachstan, wo sie von einigen Frauen vergorene-Ziegenmilch-zum-Lutschen bekommt. Die darauffolgende Szene ist im Video sehr nah dran und sehr lustig, im Buch aber eher hölzern beschrieben.

Neues erfährt man leider kaum. Im Wesentlichen ist “Free Ride” eine Nacherzählung von Schoenmakers erster Reise, aber die ist halt schon in 129(!) Youtube-Videos dokumentiert. Dazu kommt: Sie begann das Buch, als sie mit gebrochenen Knochen darnieder lag und nicht Motorrad fahren konnte. Das, so meine ich, ist deutlich zu merken. Der Anfang des Buchs beschreibt die Reise sehr ausführlich, aber ab der Mitte geht es dann sehr rasch-rasch, wie im schnellen Vorlauf. Der Verdacht liegt nahe, dass Noraly da wieder fit war, zurück in den Sattel wollte und alles schneller runtergetippt hat.

Nein, “Itchy Boots” sollte man sich im Bewegtbild geben, nicht als Buch.
Zum Youtube-Channel.

Dan Brown: The Secret of Secrets
Robert Langdon, der Deuter von Symbolen, stolpert durch Prag und in extrem seltsame Zufälle. Nachdem er in einen Fluss fällt, wird er von allen Seiten mit Exposition zugeschissen und muss sich dann aus dem Netz der Geheimdienste herausdeuten.

“Illuminati”, “Da Vinci Code”, “Lost Symbol”, “Inferno” oder zuletzt, 2017, “Origin”: Kennste einen Dan Brown, kennste alle.

Stets bedient er sich einer europäischen Stadt als Hintergrund, in “Illuminati” Rom, in “Da Vinci Code” Paris, in “Inferno” Florenz und Istanbul, in “Origin” Barcelona.

Immer schleicht ein unheimlicher Spinner durch die Gegend und bringt Leute um (“Da Vinci”: Selbstgeisselnder Albinomönch, “Inferno”: Kampfamazone, “Origins”: Eine KI).

In jedem Buch geht es um eine populärwissenschaftliche These, die am Ende enthüllt wird – nachdem der Hauptcharakter ca. 400 Seiten absurden Hinweisen hinterhergestolpert ist, in einem fragmentierten Plot, in dem sich alle zwei Seiten parallele Handlungsstränge abwechseln. Der Schreibstil ist dabei genau an das amerikanische Publikum angepasst und teils naiv-kindlich.

Die Zielgruppenanpassung sieht man z.B. an der ausführlichen Erklärung europäischer Orte und Gepflogenheiten, und das rund ein Viertel des Textes immer wieder ein redundantes “Was bisher geschah” ist.

Kindlich-naiv ist auch Browns Vorstellung von wissenschaftlicher Arbeit sowie der absurde Kniff, Exposition über die Gedanken der Figuren zu liefern. Beispiel: Da stürzt eine Frau aus dem Himmel, und sie denkt “Wie kommt es das ich, eine weltweit renommierte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Noetik, die in den letzten Jahren in einem renommierten Privatinstitut forschte und lehrte, abstürze? “. – Solche Art von schlimmer Schreibe passiert nicht einmal, sondern alle 3 Seiten. Brown liefert Kontext und Fundament für seinen Plot, in dem er zu den unpassendsten Zeiten seine Figuren die Exposition denken lässt – das ist so doof, da muss man auch erstmal drauf kommen.

Auch ansonsten ist das Buch stellenweise ärgerlich. Etwa, wenn der Buchkonzern Random House, der zufällig auch im echten Leben Dan Brown verlegt, ausführlich vorgestellt wird – als Ort, in dem ausnahmslos Buchliebhaber und generell grundgute Menschen arbeiten und der seine Autoren auch mit “Military Grade Firewalls” und Leib und Leben schützt. Oder wenn wirklich jede Figur als modelhaft schön und sportlich beschrieben wird.

Lustig ist zudem, das Brown mit seinem eigenen Hauptcharakter nichts mehr anfangen kann. Robert Langdon darf nur noch Symbole wie das eines Notausgangs deuten (ja, wirklich jetzt!) und stolpert ansonsten nur einer Dame hinterher, die eine reine Expositionsmaschine ist und ihm ständig die Welt erklärt. Nunja. Dan Browns Bücher sind halt Trash. Edeltrash, aber halt Trash.

Immerhin ist “Secret of Secrets” ob seiner phantastischen These ab der Mitte recht spannend und deutlich plausibler aufgebaut als seine direkten Vorgänger “Inferno” oder “Origins”, mit 675 aber satte 225 Seiten länger als es sein müsste. (Silencer´sche Grundregel: Jede Geschichte lässt sich auf 450 Seiten erzählen, jede Seite mehr ist überflüssig). Satte 120 Seiten spielen übrigens nach der eigentlichen Handlung und sind nur noch Geblubber, und DANN kommt noch ein Epilog hinten dran. Das fühlt sich an wie die sechs Enden von “Death Stranding”: Überlanges Rumgewichse des Autors, bei dem der Leser nur noch wegdämmert.
Insgesamt: Kann man lesen, an langen und kalten Winterabenden. Man verpasst aber nichts, wenn man es im Buchladen liegen lässt.


Hören:


Sehen:

Long Way Home [2025, Apple TV+]
Ewan McGregor und Charly Boormann gehen noch einmal gemeinsam auf Tour.

Ach. Ach. Ach.

“Long Way Round”, die erste gemeinsame Reisedoku von Mcgregor und Boorman, war 2004 eine wegweisende Dokumentation über eine Weltumrundung von England über Europa und durch Russland bis nach New York. Die ließ nicht nur mich, sondern Motorradbegeisterte rund um die Welt von Motordadreisen träumen, und sorgte in vielen Fällen dafür, dass die Leute tatsächlich den Hintern von der Couch zu bekamen, zu reisen begannen und dann von ihren Erlebnissen schrieben oder sie filmten.

“Long way Down” führte 2007 einmal längs durch Afrika und war immer noch abenteuerlich, aber schon ein Bisschen peinlich (weil McGregors damalige Frau UNBEDINGT mitwollte und dann in jeder Kurve umfiel) und deutlich mehr Promo – McGregor und Boorman besuchten häufig Unicef-Lager oder gemeinnützige Projekte.

“Long Way Up” war 2020 ein nachgetropftes Apple TV-Exclusive, führte von Feuerland quer durch Südamerika bis in die USA und hatte als besonderen Twist, das die Strecke auf Elektromotorrädern zurückgelegt wurde. Das war schon ein wenig Altherrenfernsehen, nicht nur weil die Aufregung herbeigescripted werden musste und die Protagonisten halt mittlerweile älter sind, sondern auch weil “Mad Dog” Boormann sich zwischenzeitlich bei schlimmen Unfällen jeden Knochen im Leib zwei Mal gebrochen hatte, nur noch von Drahtklammern und Titanbügeln zusammengehalten wird und quasi auf´s Motorrad gehoben werden muss.

Nun also “Long Way Home”, und das ist Altherrenfernsehen mit Extra viel Fremdscham. Hier geht es wirklich um gar nichts mehr.

Früher waren die (echten oder inszenierten) Entbehrungen und Widrigkeiten einer Motorradreise das, was die “Long Way”-Reihe interessant machte. Das gibt es nun schlicht nicht mehr – Boorman und McGregor dödeln unter permanentem “Woohoo!!” und “Amaaaaaaaazing!”-Rufen einmal von England nach Skandinavien und zurück, nehmen dabei Volksfeste und Sportwettbewerbe mit, essen Fischbrötchen und hüpfen nackig in die Sauna. Das war´s, mehr passiert hier nicht.

Am Abenteuerlichsten ist noch, das ein Zündkabel an McGregors alter Motoguzzi nicht richtig sitzt, was sich aber dank Facetime-Anruf auf einem Apple iPhone beheben lässt. Ansonsten sieht man den beiden hier einfach nur noch dabei, wie sie sich von Apple eine kurze Vergnügungsreise finanzieren lassen.

Schön, dass McGregor und Boorman hier ihren Spaß hatten – als Zuschauer hat man den nicht. Man langweilt sich hier gepflegt zu Tode, während man sich über das dauernde “Wooohooo!/AMAZING!!!” ärgert. “Long Way Home” ist hoffentlich der letzte Teil der Reihe – zumindest ist kaum vorstellbar, das sich irgend jemand nach diesem Tiefpunkt noch einmal dafür interessiert.

Mission: Impossible: The Final Reckoning [2025, BluRay]
Tom Cruise muss zwei Dinge verhindern: Die Zerstörung der Welt durch den langweiligsten Bösewicht ever und das Ausrutschen auf ekligem Pathos. Spoiler: Er scheitert.

Als 1996 der erste “Mission Impossible”-Film rauskam, war ich sauer: Statt perfektem Zusammenspiel eines Teams aus Spezialisten, wie das in der TV-Serie der Fall war, stellte sich der Film als bloßes Tom Cruise-Vehikel heraus. Tom Cruise auf Alleingang und als Retter des Tages. Sehr beliebig, immerhin mit einigen spannenden Szenen, aber im Kern nicht das, was Mission Impossible ausmachte.

“M:I2” von 2000 war Jon-Woo-Bonkers und wieder Tom-Cruise-Show, brachte aber Bilder mit, die im Gedächtnis blieben.

Mission Impossible III von 2006 von J.J. Abrams war fast Meta, denn hier war alles runtergestrippt auf die Essentials des Franchises: Es gab wieder ein Team, es gab Heist-Sequenzen, es gab Spannung, aber der Bösewicht hatte kein Motiv und der McGuffin nicht mal mehr einen Namen (“Die Hasenpfote”? Echt jetzt?). Aber er zeigte, was bei Mission Impossible wichtig ist: Es gilt, möglichst kompliziert ein Ding zu klauen, dann gibt es Verfolgungsjagden und am Ende rettet Tom Cruise entgegen jeder Statistik doch noch den Tag. Simple as that. Ich war versöhnt und begann die Reihe zu mögen.

Ab Teil 4 (“Phantom Protocol”, danach “Rogue Nation”, “Fallout”, “Dead Reckoning, Part 1”) reduzierte man es wirklich auf dieses Rezept: Man überlegte sich für jeden Film zwei bis drei wahnsinnig gefährliche und spannende Actionpieces, die Tom Cruise dann selbst machte, und füllte die Zeit dazwischen mit Rennen, Fahren und Heist-Aktivitäten. Ein simples wie aufwendiges Konzept, das kurzweilig ist, Spaß macht, Schauwerte bietet, und das ich sehr feiere.

Was der Reihe nicht fehlte ist philosophischer Tiefgang, die Suche nach tieferem Sinn oder tiefenpsycholgische Analysen von Tom Cruise Charakter.

Genau das macht “Final Reckoning” aber, und zwar endlos und ausschweifend. Von den 170 Minuten Laufzeit werden die ersten 54 (ja, ich habe auf die Uhr geguckt!) nur für Rückblenden auf die ersten sieben Filme und als Exposition genutzt, in der nochmal von verschiedenen Figuren maximal ungelenk erklärt wird, warum Tom Cruise nun wirklich ein ganz besonderer Wunderwuzzi ist.

Nach dieser endlosen Stunde geht es dann endlich los, das Team zieht ins Feld und Tom Cruise rennt und taucht und macht absurde Dinge. Das wird aber immer wieder unterbrochen durch endlose Expositionsszenen und eine ungeschickt herbeifabulierte Bedrohung durch eine böse KI, die aber nie wirklich greifbar ist und so zum langweiligsten Bösewicht der ganze Reihe wird.

Die Retcon-Versuche, also die im Nachgang dahinkonstruierte Erklärung, warum ab Teil 1 alle Filme miteinander zusammenhängen, sind so ungeschickt, das es beinahe niedlich ist. Der ganze Summs endet dann wieder mit viel Lobhudelei per Voiceover auf Tom Cruise und warum er so besonders ist, während der “operierende Titan” (seine Scientology-Bezeichnung) im Gegenlicht auf einem Tafelberg in Afrika steht.

Nein, “Final Reckoning” ist leider kein guter Film. Er sülzt rum. Er nimmt sich viel zu ernst. Er hat ein schlechtes Pacing. Die Tom Cruise Beweihräucherung ist peinlich und langweilig.

Den direkten Vorgänger “Dead Reckoning” gucke ich gerne alle paar Monate wieder, weil der so geile Schauwerte hat. Der Nachfolger fällt dagegen deutlich ab. “Mission: Impossible Final Reckoning” ist freudlos, schwerfällig und rutscht auf seinem eigenen Pathos aus. Er ersäuft in seiner eigenen Wichtigkeit und ich behaupte: Man kann den Streifen um satte 90 Minuten kürzen ohne das etwas fehlt, und man hätte einen besseren Film.

Star Trek: Strange New Worlds Season 3
Jahre vor Captain Kirk: Die Enterprise unter Captain Pike erlebt Abenteuer im Weltraum.

Die zweite Staffel von “SNW” war genial, die dritte ist es nicht. Das liegt vor allem daran, das die Charaktere zu kurz kommen – in einer Plot-driven Show wie “Discovery” ist das Okay, aber SNW ist Charakter-Driven, und da ist das tödlich. Was es stattdessen gibt: Dauernd irgendwelche extravaganten Ausreisserfolgen: Mal verwandelt sich die komplette Kern-Crew in Vulkanier, mal spielen alle in einer Trash-SciFi-Show in den 50ern mit, mal gibt es ein Film-Noir-Mystery in Hollywoods 40ern.

Solche Episoden sind eine gelungene Abwechselung, wenn einer Serie so langsam die Ideen ausgeht und eine Staffel aus 20 Folgen besteht. Dann sind ein oder zwei Folgen mit völligem Nonsense auflockernd, das kann Spaß machen. Aber SNW Staffel 3 besteht insgesamt nur aus 10 Episoden, und die Hälfte davon ist Quatsch! Und nicht mal guter Quatsch, denn anders als die Musicalfolge aus Staffel 2, die etwas über die Charaktere verriet, treten die Bonkers-Folgen der dritten Staffel auf der Stelle und sorgen dafür, dass die Tonalität der Serie all over the place ist.

Dass das nichts war, wissen auch die Showrunner. Die haben schon während der Promo zu Staffel 3 immer wieder betont, wie schlimm der Writers Strike sie getroffen hat, und das Staffel 4 tonal ganz anders werden wird. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe – im ersten Teaser zu Staffel 4 hat sich Pike in einen Muppet verwandelt. Das sieht schon wieder sehr nach Bonkers aus.


Spielen:


Machen:

  • Eine Herbsttour mit dem Motorrad.

Neues Spielzeug:

Hyundai Silent Kompressor SAC55752
Ich habe LANGE überlegt, ob ich einen Kompressor wirklich brauche. Seit Jahren schleiche ich da drum herum. Gleichzeitig war ich permanent, und zwar fast jede Woche, angenervt davon, wie lange doch die kleine Akkuluftpumpe für einen Motorrad- oder Fahrradreifen braucht, oder das ich die Dauerfilter in den Staubsaugern oder die Luftfilter von Auto und Moppeds nicht selbst ausblasen kann. Aber rechtfertigen diese wenigen, zugegeben regelmäßig wiederkehrenden, Aufgaben den Kauf eines Kompressors?

Albrecht brachte es am Ende auf den Punkt: “Das Leben ohne Kompressor ist denkbar, aber schwierig”, sagte er und ich nahm das mal als väterlichen Rat. Am Primeday dann für knapp über 100 Euro den gebrauchten Hyundai geschossen.

Mit 59 DB flüsterleise, gleichzeitig mit einem 24 Liter Kessel, 125 Litern Ansaugleistung und 10 Bar Arbeitsdruck leistungsstark genug für das Aufpumpen von Auto- und Motorradreifen, das Ausblasen von Luftfiltern oder auch für den Betrieb eines Schlagschraubers oder einer (langsamen) Nagelpistole. Macht sehr viel Freude, das Ding.

Weil ich noch einen gebrauchten 10-Meter-Druckluftschlauch auf einer selbstaufrollenden Trommel fand, hat die Garage damit nun sehr günstig ein Druckluftsystem bekommen.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: September 2025

Momentaufnahme: September 2025

Herr Silencer im September 2025

“Non chini il capo. Tua madre ti ha insegnato a tirarti su le maniche e a darti. Da fare per i tuoi cari.”
(Lass´ den Kopf nicht hängen. Deine Mutter hat Dir beigebracht die Ärmel hochzukrempeln und für deine Lieben da zu sein)
– Giuliettas Mamma

Wetter: Als hätte die Natur einen Wecker gestellt und einen Hebel umgelegt, fallen exakt am 01. September die Blätter von den Bäumen. Immerhin ist es mit 17-24 Grad noch warm und manchmal auch sonnig. Am 20.09. gibt es ein letztes Aufbäumen des Sommers, mit Sonne satt und 27 Grad. Am Tag darauf halbieren sich die Temperaturen, es regnet und nun fühlt sich alles nach Herbst an.


Lesen:


Hören:


Sehen:

From the World of John Wick: Ballerina [2025, BluRay]
Als 5jährige muss Eva mit ansehen, wie ihr Vater von einer Kommandoeinheit gejagt und getötet wird. Sie wird in die Obhut einer Assassinenorganisation übergeben und zur Killerin und zur Ballerina ausgebildet.

15 Jahre später: Nach einigen spektakulären Einsätzen beginnt die erwachsene Eva Jagd auf die Mörder ihres Vaters zu machen – nur um herauszufinden, dass sie es mit einer Sekte zu tun hat, die tief in den Alpen ein ganzes Tal für sich beansprucht. Der Alleingang wirft Wellen, und John Wick wird ausgeschickt, die Ballerina aufzuhalten.

Ich mag die John-Wick-Filme. Vom Plot sind die knackedoof, aber in sich sind sie Kunst. Dabei meine ich nicht nur die wirklich krachenden Actionsequenzen, die es so in westlichen Filmen nicht nochmal gibt. Es ist das gnadenlose “Show, don´t Tell”-Prinzip, das viele Dinge zeigt und andeutet, ohne sie ausführlich zu erklären. Oder die Beleuchtung und der Artstyle, die häufig das Gefühlsleben der Protagonisten wiederspiegeln.

Und ich mag Ana de Armas, seitdem sie in “No Time to Die” einen sehr kurzen, aber im Gedächtnis bleibenden Auftritt an der Seite von Daniel Craig hatte. Die spektakuläre Kampfszene aus dem Bondfilm wird nun in “Ballerina” auf 120 kurzweilige Minuten ausgedehnt, und natürlich sieht auch hier wieder alles nach Hochglanz aus und ist super choreographiert. Für mich schon jetzt einer der Actionfilme des Jahres und einer der besten der John-Wick-Reihe.

Thunderbolts* [2025, Disney+]
Elaine aus “Seinfeld” hat sich in verschiedenen End-Credit-Szenen diverser Marvel-Filme und Serien eine Truppe moralisch fragwürdiger Supergeschöpfe zusammengesammelt, die sie nun anscheinend schon wieder loswerden will. Und dann ist da noch Bob aus Top Gun. Hallo Bob.

Ach naja. “Thunderbolts” ist kein Totalausfall wie der letzte “Captain America” und kein CGI-Quark wir “Quantumania”. Es wirkt, als hätte man hier zumindest schon ein Drehbuch gehabt, als man begann zu filmen. Viele Stunts sind handgemacht, und auch die Schauspieler sind gut aufgelegt und machen einen guten Job. Trotzdem: Ein Burner ist “Thunderbolts” nicht.

Der Streifen leidet nämlich an starken Stimmungsschwankungen. Irgendjemand sollte den Marvel-Autoren mal stecken, das es wirklich seltsam ist, wenn man in eine Geschichte über Depressionen, Missbrauch und häusliche Gewalt ständig ironische Brechungen und pseudocoole Oneliner einbaut. Das wirkt nicht Gen-X-Ironisch cool, sondern tonal völlig deplatziert. Hätte man sich das gespart und “Thunderbolts” tonal noch etwas gedimmt, es hätte einer der besten Marvel-Filme und ein Antidot zur grassierenden Superhero-Fatigue werden können. Aber so, und mit dieser seltsamen Volte am Ende, ist der Film doch schnell vergessen.

Ach ja: Auf Disney+ ist der Ton scheiße.

Der Pate [1972, BluRay]
New York, 1945: Al Pacino kommt aus dem zweiten Weltkrieg zurück nach New York und möchte ein ehrbares Leben führen. Das klappt nicht, denn sein Papa ist nicht nur Marlon Brando, sondern auch ein Don der sizilianischen Cosa Nostra. Als auf den ein Anschlag verübt wird, muss Pacino “die Famiiiiiliiiie” beschützen und selbst zum Paten werden. Schnell steht er vor schwierigen Entscheidungen: Soll die Famiiiiliiie in Drogenhandel einsteigen, was Papa immer ablehnte?

Eine epische und sehr verwickelte Geschichte, bei der man definitiv hingucken muss. Während in aktuellen Filmen alle Charaktere immer aussprechen was sie denken und fühlen, damit der Zuschauer es auch mitbekommt, wenn er am Handy daddelt, stammt “Der Pate” aus einer Zeit, wo ein ganzer Handlungsstrang mit einem einzigen Blick durch eine Tür aufgelöst wird.

Der Pate II [1974, BluRay]
Al Pacino ist als Pate erfolgreich, will die Famiiiiiliiiie aber von illegalen Geschäften weg und hin zu auf legalem Business führen. Das klappt aber nicht wirklich gut, an jeder Ecke gibt es Verrat. In Rückblenden wird erzählt, wie Marlon Brando, der jetzt von Robert de Niro gespielt wird, 1901 nach Amerika kam und zum Paten aufstieg.

Episches Meisterwerk. Über drei Stunden lang und in Sachen Kamera, Schauspiel und Handlung der absolute Kracher.

Der Pate III [1990, BluRay]
Michael Corleone hat es fast geschafft, die Familiiiiiie ist kurz davor aus illegalen Geschäften auszusteigen. Die Casinos werden verkauft, stattdessen will man Teilhaber an der Vatikanbank werden. Das gefällt den anderen Familiiiien gar nicht, und in der Oper von Palermo kommt es zum Showdown.

Deutlich schwächer als seine Vorgänger und wirkt so, als sei er nur des Geldes wegen gedreht worden. 16 Jahre nach “Der Pate II” hat Teil drei nicht wirklich interessantes zu erzählen und mäandert mit einer Laufzeit von fast drei Stunden vor sich hin, bis am Ende unvermittelt jemand vom Stuhl fällt und der Abspann läuft. Klingt unfokussiert und uninspiriert und fühlt sich auch so an.

Cleaner [2025, BluRay]
Daisy Ridley ist Fensterputzerin im One Canada Square-Tower an der Canary Wharf in London. Dort putzt sie auch, als Terroristen eine illustre Abendgesellschaft als Geiseln nehmen. Zum Glück war Ridley in ihrer vorherigen Karriere nicht nur Jedi, sondern auch Elitesoldatin und nimmt sich die Verbrecherbande vor.

Okay, der Plot klingt, als habe hier jemand “Stirb Langsam” in London neu verfilmen wollen und das Drehbuch für Jason Statham geschrieben (Der ist abonniert auf Filme mit Jobbeschreibungen im Titel, siehe auch “Transporter”, “Mechanik” oder “Beekeeper”). Statham hatte dann keine Zeit, und so kam Daisy Ridley an die Rolle.

Anders ist “Cleaner” kaum zu erklären. Ridley spielt normalerweise in progressiven Filmen, wie zuletzt dem tollen “Young Woman an the Sea”. “Cleaner” ist aber geradezu unerträglich reaktionärer Scheiß. Die Terroristen sind nämlich Umweltschützer, was hier gleichgesetzt wird mit Anti-Humanisten, die die Menschheit auslöschen wollen. Nun bin ich gerne bereit über solchen Quatsch hinwegzusehen, wenn ich wenigstens gut unterhalten werde, aber auch das findet hier nicht statt.

Die Actionszenen sind ultrakurz, unspektakulär und sehen nach ganz viel billigem Greenscreen aus, die Physik der Wolkenkratzerfenster erratisch, die Handlung verheddert sich in langweiligen Erklärbärszenen und die Charaktere sind entweder unglaubwürdige Klischees (der Terropapst, die liebe Polizistenfrau) oder werden völlig überladen. So schleppt Ridleys Charakter neben Daddy-Issues noch Sozialkritik, Sorgen um das britische Pflegesystem und einen Bruder mit Autismus mit sich rum, dessen Autismus sich aber darauf beschränkt Marvel-Filme zu mögen und ab und zu aus dem Hintergrund zu sagen “Ich habe übrigens Autismus”.

Daisy Ridley macht zwar einen tollen Job als Actionheldin, ist aber als Fensterputzerin höchst unglaubwürdig, und Clive Owen telefoniert seine Rolle nur durch. Schade – “Cleaner” hätte cool werden können, ist aber Cringe geworden.

Heretic [2025, Prime]
Zwei junge Mormonen-Missionarinnen klopfen an die Tür von Hugh Grant. Er bittet sie herein, aber noch bevor sie ihre frohen Botschaften verkünden können fällt die Tür zu – angeblich gesichert durch ein Zeitschloss. Der Hinterausgang ist nur durch einen Keller erreichbar, und dort unten wartet nicht nur eine Prüfung des Glaubens auf die beiden.

Ich verstehe die Grundidee: Ein Charmebolzen wie Hugh Grant versucht, junge Nonnen von ihrem Glauben abzubringen. Das gibt Stoff für interessante Szenen, allerdings fällt “Heretic” schnell nach allen Seiten auseinander. Das liegt zuerst an der schwachen Prämisse und den wenig kraftvollen Argumenten, mit denen Grant hantiert. Das liegt auch daran, dass der Film sich nach kurzer Zeit nicht entscheiden kann, ob er ein Psychothriller oder ein Mummenschanz/Tortureporn-Horrorfilm sein will. Psychothriller wäre besser gewesen, so wird es zu einem kruden Mix ohne echte Richtung.


Spielen:


Machen:

Fast nichts anderes als Arbeiten.


Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: August 2025

Momentaufnahme: August 2025

Herr Silencer im August 2025

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Wetter: Anfang des Monats mit um die 15 Grad kühl und sehr, sehr nass. Nach einigen Tagen mit Sonne und wärme gleiten die Temperaturen weiter in Richtung Herbst, wir sprechen von Morgens 4 und Mittags 13 Grad. Letzte Woche dann plötzlich wieder schwül, aber es lässt sich nicht leugnen: Die ersten Blätter fallen und es riecht nach Herbst.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Der Augenjäger
Unmittelbar nach den Ereignissen von Teil 1: Alexander Dingsbums ist tot, der Augensammler auf freiem Fuß und nun ist auch noch ein neues Monster unterwegs: Ein Mann trennt Frauen die Augenlider ab, dann vergewaltigt er sie und lässt sie wieder frei. Die so traumatisierten Frauen können nie wieder schlafen und bringen sich nacheinander um. Der Täter wird gefasst, muss aber mangels Beweisen freigelassen werden.

Das blinde Medium aus Teil dem Vorgängerband wird in die Sache hineingezogen, und prompt droht ihr der Täter damit, sie wieder sehend zu machen und dafür zu sorgen, dass sie nie wieder NICHT sehen kann.

Ach, hm. Vielleicht liegt es daran, dass ich das hier nicht am Stück gelesen habe, aber ich mag die Story nicht. Jedes Ereignis ist einen kleinen Ticken zu sehr drüber, und das muss dann mit seitenlangen Erklärungen wieder eingefangen werden. Schwächer als Teil 1, sehr blutig und irgendwie nicht meins.


Hören:


Sehen:

Walk the Line – Die große Johnny-Cash-Show [Gandersheimer Domfestspiele]
Die Lebensgeschichte von Johnny Cash. Allerdings nicht als große Show, sondern als kleines drei-Personen-Stück. Ein Moderator erläutert in einer episodischen Erzählung die Stationen im Leben von Cash, eingeflochten sind kurze Spiel- und Gesangsszenen. Hat mich nicht bewegt, und schon gar nicht mitgerissen.

Ein Sommernachtstraum [Gandersheimer Domfestspiele]
Im Wald vor Athen, in den Nacht vor einer Hochzeitsfeier, richtet der Kobold Puck seltsame Dinge an.

Okay, DAS ist mal eine tolle Produktion. Zum ersten Mal habe ich die vier komplexen Handlungsstränge wirklich verstanden. Das liegt vor allem daran, dass die Domfestspiele um 22:00 Uhr enden müssen und deshalb nur zwei Stunden Zeit haben. Die starke Verkürzung des Stoffs (der normalerweise dreieinhalb bis vier Stunden auf der Bühne braucht) führt dazu, das die verwobene und komplexen Handlungsfäden viel besser verständlich sind.

Die Inszenierung ist fantasievoll, hier ist an jeder Ecke die Kreativität des Teams zu spüren. Netter Kniff: Viele Charaktere haben einen Genderswap erfahren, und konsequent treten alle Männer in Frauenkostümen auf und umgekehrt. Das stört nie, und ist eine nette Umkehr.

Cabaret [Gandersheimer Domfestspiele]
Ein amerikanischer Schriftsteller stolpert in das Berlin der frühen 1930er und verliebt sich in eine Cabaret-Tänzerin. Zur Miete wohnt er bei Fräulein Schneider. Die alte Jungfer scheint ihr Glück mit einem jüdischen Obsthändler gefunden zu haben, aber dann beginnt der Aufstieg der NSDAP.

Ich wusste vorher nichts über das Stück, außer, das Liza Minelli in der 1972er Verfilmung mitspielte. Erwartet hatte ich Showgirls in Las Vegas, stattdessen geht es im Kern um eine sehr ernste Geschichte über die Folgen von Faschismus und von Angst. Star der Inszenierung ist nämlich für mich klar die Figur des Fräulein Schneider, die sich das langersehnte Glück versagt, weil sie Angst vor Veränderung und Oppression hat. Toll gespielt, schön inszeniert, bitterer und aktueller Stoff.

Paddington in Peru [2024, BluRay]
Paddingtons Tante Lucy geht es nicht gut! Da der Brexit-Bär gerade seinen neuen (blauen!) Reisepass erhalten hat, jettet er nach Peru – und trifft dort auf Dampfschiffahrtskapitän Antonio Banderas, singende Nonnen und Waldgeister.

Herzallerliebst und Grundgut, das sind die Werte, die die Realverfilmungen aus den Büchern rübergerettet haben. Das kann man ihnen gar nicht hoch genug anrechnen, gerade bei den vielen Slapsticksequenzen muss die Verlockung bestanden haben in Plattitüden oder Pipikacka-Humor abzugleiten. Nicht so Paddington, der bleibt Gentleman.

Final Destination Bloodlines [2025, BluRay]
1969 stürzt ein Aussichtsturm ein und reisst hunderte Menschen in den Tod. Also, fast – eine junge Frau hat eine Vorahnung und verhindert das Unglück, womit sie dem Tod in die Quere kommt. Der hat nun alle Hände voll zu tun, um all diejenigen zu holen, die eigentlich bei dem Unglück hätten sterben sollen. Weil das Jahre dauert, bekommen die Überlebenden Kinder, die es nach dem Plan des Tods auch nicht geben dürfte und die nun ebenfalls Opfer einer unglücklichen Verkettung bizarrer Umstände werden müssen.

Ach, Final Destination! Ich mag diese Filmreihe ja, die Anfang der Zweitausender fünf Filme hervorbrachte und 2011 mit einem schönen Loop abschloss.

Die Grundprämisse ist dabei stets gleich: Menschen, die eigentlich sterben sein sollten, überleben durch eine Vorwarnung. Das mag der Tod gar nicht, der sie im Nachgang zu erwischen versucht, meist durch unnötig komplizierte Unfälle nach Art einer Rube-Goldberg-Maschine. Das ist häufig sehr interessant inszeniert und war seinerzeit prägend – meine Generation fährt nicht freiwillig hinter einem Holztransport her, und das liegt an Final Destination!

Nun, nach 14 Jahre, der sechste Teil. Der ist extrem clever geschrieben, sehr blutig und macht trotz des sehr schlechten CGIs einfach großen Spaß.


Spielen:

Mafia. The Old Country.
Sizilien im Jahr 1904. Die ersten Autos rollen über buckelige Schlaglochpisten, die Elektrifizierung beginnt und in der Ferne grollt der Ätna. Das bemerkt auch Enzo, der als Sklave in einer Schwefelmine schuften muss. Als er flieht, findet er unerwartet Schutz auf dem Weingut der Familie Torrisi. Enzo steigt in der Gunst des Familienoberhaupts, und bald erledigt er Aufträge der etwas anderen Art und wird selbst teil der “Ehrenwerten”. Doof nur, das nicht nur die Spannungen mit anderen Familien auf Sizilien steigen, Enzo verliebt sich zu allem Überfluss auch noch in Isabella, der Tochter des Don Torrisi.

Au was für ein feines Game. Gerade mal 12 Stunden lang und straff inszeniert, wie eine gute Serie. Zwar ist ein Teil Siziliens wirklich so fotorealistisch modelliert, dass es schon eine Freude ist durch die Weinberge und Zitronenhaine zu streifen und dabei zuzusehen, wie das Abendlicht durch das Blätterdach filtert, aber(!) das ist keine Open World – und das ist gut so!

Statt die Karte mit optionalen Aktivitäten vollzustopfen, konzentriert sich “The Old Country” auf seine Geschichte. Die ist gut geschrieben und dank Motion Capturing auch hervorragend eingefangen – meine Güte, Don Torrisi wirkt selbst in freundlichen Szenen immer latent bedrohlich, das muss man erstmal hinbekommen. Inszenierung und Story machen, dass man darüber hinweg sieht, dass das Gameplay sehr, sehr simpel ist. Entweder gibt es Schleichsequenzen, die dank dummer KI angenehm unkompliziert sind, oder es gibt Deckungsshooter-Passagen, oder man fährt ein geskriptetes Rennen oder macht ein Messerduell- mehr Abwechselung gibt es nicht.

Das ist aber nicht schlimm, im Gegenteil. “Old Country” spielt sich erfrischend kurzweilig, gerade weil es kein unnützes Fett hat. Das war sicher nicht so geplant. Die Welt hat eine Größe und Detailliertheit und besitzt Reste von Funktionen, die erahnen lassen, dass der ursprüngliche Scope viel größer war und dann zurückgefahren wurde. Das gilt leider auch für die Geschichte, die manche Schleifen aufweist, die offensichtlich nicht auserzählt sind und die einen noch größeren Impact gehabt hätten. Aber nun – “Old Country” ist ein sehr launiges und kurzes Game, dass genau deswegen auch nur zur Hälfte eines Vollpreistitels verkauft wird und sich definitiv lohnt.
Ach was, es lohnt sich schon, weil man durch die Oper von Palermo laufen kann!


Machen:

  • Ein Badezimmer abreißen und Dinge Entrümpeln
  • Sehr viel arbeiten
  • Das Blog hier entgültig umziehen
  • Sehr müde sein

Neues Spielzeug:

Ein GluePen. Das ist eigentlich nur eine Heißklebepistole, aber eine extrem clevere: So klein und leicht, dass man sie wrklich wie einen Stift halten kann. Mit der roten Taste appliziert man punktgenau den Klebstoff fahin, wo er hinsoll. Lässt man die Taste los, schlürft der Stift den Rest wieder ein – da tropft nichts, und Fäden zieht es auch weniger. Gamechanger ist das fehlende Kabel, der eingebaute LiOn-Akku heizt das Ding binnen 10 Sekunden auf Betriebstemperatur. Die Heißklebestifte gibt es auch mit Glitzer und farbig, für mich sind nur drei Sorten relevant: “Extra Stark”, “Transparent” und “Kunststoff”. Lustiges kleines Teil.

Witzig: Mein Vater unterstellte mir als Kind immer, ich würde ja alles mit Heißkleber basteln. Das lag daran, dass er mir nie beigebracht hat, wie man Schrauben benutzt oder anders Verbindungen herstellt. Der GluePen ist nun meine erste Heißklebepistole seit über 40 Jahren.


Ding des Monats:

Bosch GBH 18V-26F
Ein Boschhammer. Nicht der größte, aber auch nicht das kleinste Modell der 18V-Akkuserie und schon mit genug Schlagenergie zum Meißeln und Stemmen. Gekauft hatte ich den schon vor einiger Zeit, aber bislang nie richtig zum Einsatz gekommen – weil ich erst später gelernt habe, das die Wände meiner Mietwohnung aus einem Hohlstein bestehen, bei dem man nicht schlagbohren darf, weil er sonst im Inneren zertrümmert wird.

Nun standen und stehen ganz andere Sachen an, und man, dass Ding kann was. Die Carbidbeschichten Bohrköpfe haben vor Stahlbeton keine Angst und bohren auch durch die Armierung, und alte Fliesen wegstemmen geht damit so einfach wie Schorf abpulen.

Besonders schön: Die Absaugung, die ein kleiner Aufsatz ist. Einfach aufstecken, und schon läuft beim Bohren ein eigener Staubsauger mit und hält die Wohnung sauber.

Ebenfalls fein: In der LBoxx lag noch ein Wechselbohrfutter, damit passen neben SDS auch normale Rundbohrer.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Juli 2025

Momentaufnahme: Juli 2025

Herr Silencer im Juli 2025

“La Gente che ha una vita riconosci subito. Non ha il tempo di rompere i coglioni agli altri”
(“Menschen, die ein Leben haben, erkennt man sofort. Die haben nämlich keine Zeit, anderen auf die Eier zu gehen”)
– Giuliettas Mamma.

Wetter: Anfang des Monats sehr extrem heiß, mit bis zu 38 Grad. Ab der dritten Woche Regen und um die 15 Grad, letzte Woche bedeckt und ebenfalls kühl mit 13-20 Grad.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Der Augensammler
Eine Mutter nach der nächsten wird ermordet, und ab dem Auffinden der Leichen läuft ein Countdown: 45 Stunden, dann sterben auch ihre Kinder. Ex-Polizist und jetzt Journalist Alexander Dingsbums bekommt Besuch von einer blinden Frau, die behauptet, sie habe nicht nur Kontakt mit dem Serientäter, sondern durch Berührungen auch Visionen seiner Taten empfangen. Da gerade wieder ein Countdown läuft, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wieder ein typischer Fitzek: Hochspannend, Story-Driven, alle paar Seiten eine neue Wendung, Charaktere eher meh. Wirkt stellenweise wie aus der Millennium-Reihe von Stieg Larsson. Wieder fast am Stück weggelesen. Zwischendurch gibt es Szenen, die direkt aus einem “Saw”-Film stammen könnten. Ich mag die, ist aber nicht für jeden.


Hören:


Sehen:
Diesen Monat mit einem 7-Tage-Paramount+ Probeabo. Gratis, hat aber mit krass viel Werbung genervt.

Legende [1985, Bluray]
Der Herr der Finsternis will selbige über die Welt bringen. Dazu muss er das letzte Gute auf der Welt töten: Zwei Glitzereinhörner, die durch einen Märchenwald galoppeln. Prinzessin Lilyfee beauftrag Tom Cruise das zu verhindern.

Ich hatte den Film als “da läuft ein 16jähriger Tom Cruise ohne Unterbuchs´ durch den Wald” abgespeichert und wollte den nie sehen. Ein Fehler!

Meine Güte, ist das ein toller Film! Ridley Scott brauchte nach Blade Runner (1982) wohl einen Genrewechsel. Seine Fantasywelt bietet ähnlich opulente Bilder wie die Replikanten-Dystopie. Bei vielen Szenen frage ich mich, wie das ohne CGI überhaupt gedreht werden konnte.

Wobei hier alles over the Top ist: Hier funkeln und schimmern die Guten, während die bösen Schergen schwitzen und sabbern. Unglaublich ist aber die Maske von Tim Curry als Finsternis, eine Mischung aus Gremlin und Hellboy – ich habe noch nie einen so beeindruckenden Teufel gesehen! Das die Story an sich banal ist, merkt man ob der Opulenz der Bilder kaum.

Die Naivität muss man der Handlung letztlich nachsehen. Die Filme aus der Zeit – egal ob “Der dunkle Kristall” oder das von mir sehr geliebte “Labyrinth” – sind alle so simpel gestrickt.

The Sandman, Season 2 [Netflix]
Dream of the Endless, the Lordshaper, Morpheus – der Herrscher des Traumreichs hat viele Namen. Seit das erste Wesen begonnen hat zu träumen gibt es ihn, nur seine Schwester Death und sein Bruder Destiny sind älter als er. Stoisch erfüllt er seine Pflichten, seit Äonen, aber genau dieses Pflichtbewusstsein wird zu seinem Untergang führen.

Was geschieht, wenn die Hölle plötzlich schließt? Kann es ein Akt der Gnade sein, das Blut seiner Familie zu vergießen? Was hat es für Folgen, wenn die Verkörperung der Zestörung plötzlich keine Lust mehr hat seinem Job nachzukommen? Was tut man 3.000 Jahre lang, wenn einem der Körper abhanden gekommen ist und man nur noch ein lebendiger Kopf ist?

Diese und andere Fragen beantwortet die zweite und letzte Staffel von “Sandman” und nutzt dabei, genau wie die 2.000 Seiten umfassende Graphic-Novel-Vorlage, eine anthologische Erzählweise. Jede Geschichte für sich ist faszinierend, alle zusammen bilden einen übergreifenden Handlungsbogen. Folgen 1-6 sind dabei abgeschlossene Geschichten, Episoden 7-11 konzentrieren sich stark auf Dream.

Das ist wieder exzellent geschrieben und im wahrsten Wortsinn traumhaft gefilmt. Man kann in dieser Serie an einer beliebigen Stelle auf “Pause” drücken, einen Screenshot machen und das Ergebnis ausgedruckt an die Wand hängen, es wird wirken wir ein Gemälde. Every Frame a Picture.

Sehr, sehr toll – und das in 11 kurze Folgen fast alle Bücher, beginnend ab “Seasons of Mist” über “The Kindly Ones” bis hin zu “The Wake” enthalten sein können, hätte ich nicht für möglich gehalten. Eine Bonusepisode enthält sogar noch “The High Cost of Living” mit einer Story um Death. Das war als Buch eher meh.

Star Trek Discovery, The final Season [2024, Bluray]
900 Jahre nach Picard: Die Discovery entdeckt Spuren der Progenitoren, der Spezies, die laut “Next Generation” für alles Leben im Universum verantwortlich sind. Es beginnt eine Schnitzeljagd nach Hinweisen auf deren Standort und ein Wettlauf gegen die Breen.

Man kann und muss “Discovery” viel vorwerfen: Schlechte Drehbücher, Plotholes so groß wie eine Subraumspalte und eine unerträglich overactende Hauptdarstellerin, die immer so aussieht, als ob sie gleich anfängt zu heulen.

Als die Serie 2017 startete, war sie vor allem ein radikaler Bruch mit bisherigen Star-Trek-Gewohnheiten. “Monster of the Week”-Folgen gab es nur noch in Ausnahmefällen, stattdessen konzentrierte sich “Discovery” auf einen Handlungsbogen über eine gesamte Season, wie ein 13 Stunden langer Spielfilm. Dabei fokussierte man nicht mehr auf ein klassisches Ensemble um eine Brückcrew, sondern auf eine Person, die dann leider oft wie Space-Jesus wirkte. All das führte dazu, das ein ordentlicher Teil der Hardcore-Trekker “Discovery” bis heute inbrünstig hasst.

Aber: Gerade WEIL Discovery ganz anders war und sehr mutig alles über Bord beamte, was klassisches “Trek” war, hat es das Franchise grundlegend erneuert. Wäre “Strange New Worlds”, eine klassische Raumschiff Enterprise-Serie, als erstes an den Start gegangen, hätten viele gegähnt und gesagt: “Ach guck, sie machen GENAU das selbe wie in den letzten 50 Jahren, laaaangweilig!” Erst durch das radikale Anderssein hat Discovery Serien wie SNW (das ein Spin-Off von Discovery ist) überhaupt ermöglicht.

Ich persönlich hatte einen gemischten Start mit Discovery. Ich mochte die Prämisse der Show nicht zeitlich VOR Kirk angesiedelt zu sein, denn ich wollte endlich wissen wie es NACH “Next Generation” weiterging.

Die erste Staffel krankte zudem an schlechten Designs (diese Klingonen!), seltsamen Ideen (ein Warpantrieb auf Basis von PILZEN?!) und holperiger Erzählung. Trotzdem mochte ich ich die Story, war beeindruckt vom Production Value und den Tricks und bewunderte den Mut des Writing Rooms was Plot-Twists anging.

Staffel zwei machte dann ein spannendes Mysterium auf und ballerte am Ende die Discovery 900 Jahre in die Zukunft, und damit nicht nur in eine Zeit nach TNG, sondern auch nach dem Ende der Sternenflotte. Spätestens jetzt war ich hooked und verfolgte jede neue Episode. Die waren mal besser, mal schlechter, aber in Summe kam auf jedes schlechte Drehbuch drei gute.

Nun also die fünfte und letzte Season, und die ist wirklich sehr gut geschrieben und umgesetzt. Die anderen Charaktere bekommen etwas mehr Raum, die neue “Nummer 1” ist ein hervorragender Knurrhahn mit einer echten Entwicklung, und das Ende ist befriedigender als manche der vorherigen Staffeln.

Ich hatte viel Freude mit “Discovery”. Die BluRay-Box mit der ganzen Serie bietet exzellentes Bild und tollen Ton, leider ist die “Short Treks”-Anthologie nicht dabei. Schade, zeigt doch der Kurzfilm “Calypso”, wie es nach dem Ende der Show mit der Discovery weiter ging.

Section 31 [2025, Paramount+]
Michelle Yeoh ist die Ex-Imperatorin des Spiegluniversums von “Discovery” und gestrandet in unserem Universum. Als eine seltsame Waffe auftaucht, wird Yeoh von Section 31 rekrutiert, jener geheimen Organisation, die immer dann tätig wird, wenn die Sternenflotte sich nicht die Hände schmutzig machen will.

Dieser Film ist Schmutz. Alles hier ist schlecht. Soll wohl eine Art “Mission Impossible” oder so sein, aber das Ding ist reiner Dreck. Schlimmer Plot, mit Ausnahme von Michelle Yeoh und Jamie Lee Curtis (?!) schlechte Schauspieler, dazu schlechte Tricks, billige Sets, verwackelte Kamera und keinerlei durchgehende Handlung. Das Ganze ist eine episodenhafte Aneinanderreihung von schlechten Actionsequenzen. Warum man die im Schnitt dann auch noch völlig zersägt, was die eigentlich coolen Choreos und die Kampfkunst von Michelle Yeoh auch noch schlimm aussehen lässt, weiß man nicht.

“Section 31” benimmt sich tonal in fast jeder Szene anders (und nie gut), und wenn ich eine Vermutung äußern darf: Hier wurde versucht eine Miniserie zu drehen, die in der Qualitätskontrolle so dermaßen durchgefallen ist, dass man die einzelnen Episoden runtergekürzt hat auf die Actionsequenzen und die einfach hintereinandergeschnitten hat. Eigentlich hätte man alles wegwerfen und von der Steuer absetzen müssen, aber vermutlich hätten dann bis in alle Ewigkeit die Star Trek-Fans á là “Release the Snyder Cut” rumgeheult.

Mobland [2025, Paramount+]
Die Harringtons sind eine schreckliche Familie und alles andere als nett. Von ihrem Landsitz in den Cotswolds aus lenkt Patriarch Pierce Brosnan die Gangstergeschäfte in London, immer unterstützt von seiner Frau Helen Mirren und seinen ehelichen und unehelichen Kindern und Enkelkindern. Erzfeind der Harringtons ist eine andere Londoner Verbrecherfamilie, und als deren Sohnemann verschwindet, beginnt ein Krieg. Mittendrin: Tom Hardy, der stoische Fixer der Harringtons, der ein Problem nach dem nächsten abräumen muss.

Wollte ich gar nicht gucken, blieb dann nach einer Empfehlung von Bernd Sträter doch dran hängen. Das lag natürlich an den großartigen Schauspielern: Tom Hardy ist ein resigniert-cooler Badass, die 80jährige Helen Mirren hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle als Giftspritze und Gangsterqueen, und der 72jährige Pierce Brosnan ist zwar immer noch kein guter Schauspieler, darf hier aber mal ein wenig ausrasten und versuchen furchteinflößend zu gucken.

Das ich die Serie mag liegt auch an London, wo die “Mobland” von Herbst 2024 bis Februar 2025 gedreht wurde.

Die Handlung ist für die 10 Episoden mal wieder zu dünn. Nach einem interessanten, Guy-Ritchie-mäßigen Auftakt folgen leider etliche Episoden die sich wie Füllmaterial anfühlen, dann geht es ab Folge 6 aber richtig krass los.

Leider gibt es tonal kaum einen Fokus. Beginnt das ganze als Murder-Mystery, fühlt sich die Serie im Mittelteil an als wäre sie gerne ein zeitgenössisches Game of Thrones, um am Ende sogar Ausflüge in die Regionen des Folter-Porns zu machen und mehr absurde Wendungen aufzufahren als ein Fitzek-Roman.

Das Ende ist leider gänzlich unbefriedigend und schreit nach einer zweiten Staffel, und auch das wirkt angeflanscht und falsch.

Nicht falsch verstehen: Ich hatte SEHR viel Spaß an der Serie, sehe aber leider die Einflüsse eines Streaming-Studios, das aus einer guten Geschichte wieder nur stundenlangen und verwässerten Content gemacht hat und sich alle Türen offenhält. “Mobland” hätte als Film oder als konzentriertere und abgeschlossene 5-teilige Miniserie intensiver funktioniert.


Spielen:

Keine Zeit dafür.


Machen:
Teurer Monat:

  • Auto durch große Inspektion
  • V-Strom neue Reifen, Kettensatz, Bremsbeläge hinten, Öl
  • Ausstattung und Werkzeug

Neues Spielzeug:
Ein Linienlaser für Bauarbeiten. Schon cool, er hilft nicht nur bei der exakten Ausrichtung von z.B. Fliesen, er verwandelt auch das eigene Wohnzimmer in ein Holodeck.


Ding des Monats:

Bosch GAS 18V-10
Ist der NIEDLICH! Und er sieht aus wie ein kleiner Saugdroide! – das war meine erste Reaktion auf den Akku-Werkstattsauger von Bosch.

Die kompakten Abmessungen täuschen, der kleine Staubsauger hat eine wirklich gute Saugleistung. Er steht der teuren Haushaltsstaubsaugern m.E. nicht nach, lässt sich allerdings nicht regeln – an oder aus, mehr Einstellmöglichkeiten gibt es nicht.

Dafür läuft er länger als die Akku-Haushaltsgeräte. Er wird mit den 18V Werkzeugakkus von Bosch Professional betrieben und kriegt aus den Standardakkus pro Ah ca. 4 Minuten Laufzeit heraus. Der GAS (“Gewerblicher Absauger”) saugt Staub und Späne genauso wie er Flüssigkeiten wegschlürft.

Die Teppichdüse ist sehr schmal, es passen aber die Standard-Düsen anderer Staubsauger auf das 35mm-Saugrohr. Ebenfalls passt das Bosch Click&Clean System dran, damit lassen sich Werkzeuge absaugen.

Das Gerät ist nicht nur kompakt, es ist auch sehr leicht – man kann es sich mit dem mitglieferten Schultergurt auch über die Schulter hängen und damit easy Treppenhäuser saugen. Zum Transport oder zur Lagerung lässt sich das ganze Zubehör ganz platzsparend am Gerät befestigen, bis alles zusammen nur noch so groß ist wie ein Putzeimer.

Der Sauger hat einen Klasse L-Filter und braucht keine Staubbeutel oder ähnliches, einfach den 10-Liter-Behälter ausleeren und ab und zu den Filter ausklopfen/auspusten reicht.

Das Beste aber ist: Er ist supergünstig. Ich habe meinen als Retoure gekauft und unter 100 Euro bezahlt, Neu kostet er um die 120 Euro.

Der kleine Bosch hat in meiner Wohnung den großen Kärcher Staubsauger abgelöst, der in den echten Baustelleneinsatz übergeht.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Juni 2025

Momentaufnahme: Juni 2025

Herr Silencer im Juni 2025

“Ich tue Parmigiano auch in meinen Caffé!”

Wetter: Heiß. Trocken.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Mimik
Frau wacht in Hotelzimmer auf, ist gefesselt und in der Gewalt eines Mannes, der vermutlich ein entflohener Schwerverbrecher ist. Der hält ihr aber ein Video unter die Nase, das eindeutig beweist, das SIE die Mörderin ihres Mannes und ihrer Kinder ist. Dummerweise kann sich die Frau an nichts erinnern. Bei einer Flucht durch die Nacht verändert sich dann quasi stündlich die Perspektive – aber ist die Frau am Ende eine Mörderin oder eine Polizistin, Täerin oder Opfer, unschuldig oder schuldig, und wen will sie hier eigentlich verarschen?

Mein erster Fitzek, weil: Solche Bücher liest man halt am Strand. Und MEINE FRESSE ist das hier ein verdrehter Müll. Die episodenhafte Nummernrevue eines Dan Brown ist nichts gegen die unglaubwürdigen Wendungen, die einem hier von jeder Seite entgegenspringen. Absolut JEDE Figur hat hier Dreck am Stecken, eben noch mitleidserregende Krebspatientinnen mutieren binnen weniger Szenen zu Kindesmörderinnen und wieder zurück, nie ist irgendwas wie es scheint.

So unglaubwürdig das alles auch ist: Es ist auch irrwitzig spannend, ich habe das 400 Seiten-Buch an einem Tag durchgelesen. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert.

Sebastian Fitzek: Passagier 23
Jedes Jahr verschwinden Hunderte Menschen während Kreuzfahrten. Wirklich seltsam wird es, als ein vermisstes Kind nach einem Jahr plötzlich wieder an Bord eines Kreuzfahrtschiffs auftaucht. Wo steckte das Mädchen so lange? Und: Gibt es einen Serienmörder, die auf Kreuzfahrtschiffen Mütter mit ihren Kindern abmurkst und über Bord wirft?

Nach dem ersten gleich den zweiten Fitzek. Auch wieder krass spannend und wendungsreich bis zum Brechen der Suspension of Disbelief. Mit dem gleichen, zugrundliegenden Motiv – Fitzek scheint die Idee zu Gefallen, Kinder zu Mördern zu machen.


Hören:


Sehen:

Clarksons Farm Season 4 [Prime]
Nach seinen unerquicklichen Auseinandersetzungen mit dem Council kommt Jeremy Clarkson auf eine neue Idee: Er macht einfach im Nachbar-County einen Pub auf! Mit Gerichten nur aus lokaler Produktion! Stellt sich aber raus: So einfach ist Gastronomie gar nicht, zumal nicht in größerem Stil. Und: Es hat einfach einen Sinn, dass es Zwischenhändler gibt.

“Das beste Stück Fernsehen seit sehr langer Zeit”, so urteilte ich in der Pandemie über die erste Staffel über den Fernsehmoderator, der auszog ein Farmer zu werden. Mittlerweile ist “Clarksons Farm” DIE Erfolgsserie von Amazon, weltweit beliebt und mit einem schönen Nebeneffekt: Die Menschen erleben die harte Arbeit in der Landwirtschaft und sehen, mit was die Bauern alles zu kämpfen haben.

Staffel 4 bietet zudem ein paar dramaturgisch schöne Momente, wie die vermasselte Pub-Eröffnung und das Bangen um die Ernte sowie interessante neue Charaktere, wie die TikTokerin Harriet oder Richard Ham.
Sehr sehenswert, mit nur 8 Folgen aber natürlich wieder viel zu kurz.


Mickey 17 [2025, BluRay]
Zwanzig Minuten in der Zukunft: Ein Forschungsschiff der Menschen landet auf einem eisigen Planeten. Mit an Bord: Der leicht naive Mickey, der sich freiwillig als “Expendable” gemeldet hat, als Entbehrlicher. Als solcher kann er jederzeit aus einem 3D-Drucker neu erschaffen werden, inklusive seiner letzten Erinnerungen.

Expendables werden in besonders gefährliche Einsätze geschickt, und so wird Mickey während der Expedition vergast, verbrannt, zerstückelt, stirbt in medizinischen Versuchen und wird anschließend wie am Fließband neu erschaffen.

Version 17 schließlich erleidet einen Unfall, der tödlich hätte sein müssen. Aber Mickey 17 überlebt und schleppt sich zurück in sein Quartier, nur um dort festzustellen, dass es schon eine neue Version von ihm gibt. Was doof ist, denn eine Person multipel herzustellen ist streng verboten. Mickeys Freundin sieht das anders und freut sich auf einen Dreier.

Meine Güte. Filme des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho sind immer eine Wundertüte. Das war bereits “Parasite”, das ist nun auch “Mickey 17”. Was als Sozialsatire beginnt, wo hier die Reichen feiern und dort die Armen immer wieder gequält und umgebracht werden, reisst kurz Fragen nach der Ethik von Cloning an, streift kurz Nutzeffekte wie Orgien mit sich selbst, schwappt über in eine Rom-Comedy und endet in einem handfesten Sci-Fi-Drama.

Ähnlich wie bei “Parasite” sind diese einzelnen Teile des Films so verschieden, das ich mehrfach dachte: Also JETZT hätte der Film eigentlich vorbei sein können. Das wäre aber schade gewesen, denn so bleibt “Mickey 17” stets überraschend und interessant. Er ist nur eines nicht, und zwar das, als das die Trailer ihn verkaufen wollen: Eine leichte Komödie im Stil von “Täglich grüßt das Murmeltier”. Oh Gott nein, das ist er nicht.

Der Cast ist einfach großartig – Robert Pattinson spielt die Mickeys auf den Punkt (und immer leicht unterschiedlich!), Mark “Hulk” Ruffalo als Mischung aus Fernsehprediger und Bürgermeister ist einfach eine Schau und Toni Colette als hysterisch-manipulative Präsidentengattin ohne jede Moral hat sichtlich Spaß.


The Substance [2024, BluRay]
Demi Moore ist die Aerobic-Queen ihres TV-Senders. Zumindest bis sie als “zu alt” hinauskomplimentiert wird. Frustriert nimmt sie ein seltsames Angebot an: “The Substance” soll dafür sorgen, dass aus Demi Moore eine neue, verbesserte und jüngere Version entsteht. Tatsächlich bricht nach einer Injektion ihr Körper auf und heraus steigt Sue, eine hübsche 21jährige, die sofort Demis alten Job beim Fernsehen bekommt.

Natürlich hat die Sache mehrere Haken. Sue darf nämlich nur maximal sieben Tage am Stück aktiv sein, dann muss sie schlafen und Demi Moore muss wieder sieben Tage sie selbst sein. Natürlich wird diese einfache Regel gebrochen, und natürlich lügt hier jemand.

Ich mag Demi Moore, und das hier ist vermutlich die beste und mutigste Leistung ihrer ganzen Karriere. Man kann auch die starke Stilisierung feiern und den Einsatz der Kamera, die über den Einsatz von Fischaugeneffekten und starken Close-Ups den Film maßgeblich prägt und teils pornöse Szenen schafft.

Ansonsten fällt hier aber alles ganz schnell auseinander. In den Kritiken liest man immer etwas von “starker Kommentar auf absurde Körpernormen” und “Kritik an der Instagramisierung Körper”. Aber: Damit beschäftigt sich der Film gar nicht wirklich. Da hat er nämlich keinen Bock drauf. Er will kein Sozialkommentar sein, sondern lieber ein wenig Body-Horror a la Cronenberg zeigen und am Ende in ein absurdes, an “Meet the Feebles” und “Braindead” erinnerndes Gore-Fest abrutschen.

Das ist ja legitim. Was mich aber quasi sofort gestört hat: Die Grundprämisse ist nicht durchdacht.

SPOILER
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Egal wie sehr der Film es immer wieder behauptet: Demi und Sue sind eben NICHT eins. Wären sie ein Bewusstsein, das sich zwei Körper teilt, dann wäre “Substance” eine wirklich starke Aussage. Nicht nur über Jugendwahn und Körperideale, sondern auch über die Sucht nach Liebe und Anerkennung, die letztlich in Selbstzerstörung führt.

Dem ist aber nicht so. Sue und Elisabeth sind zwei völlig getrennte Personen, was direkt die Frage aufwirft: Was soll das Ganze überhaupt? Warum opfert Demi Moore die Hälfte ihrer Lebenszeit für eine völlig fremde Person und hat selbst überhaupt nichts davon?

Bei einem High-Concept Film, der von einer elaborierten Idee getragen werden soll, ist es natürlich fatal, wenn exakt dieses Konzept nicht bis zum Ende gedacht ist. Das ist dann quasi akutes Organversagen ab Start, um in der Terminologie des Films zu bleiben.

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Spoilerende

Keine Ahnung, was da auf dem Boden des Schneideraums zurückgeblieben ist, aber so ergibt “The Substance” keinen Sinn und wird mir einzig wegen seiner Bilder und seinen Gore-Sequenzen in Erinnerung bleiben. Ernsthaft, “Der Tod steht ihr gut” hatte eine klarere Haltung zu Schönheitswahn und einen Umgang mit einer geheimnisvollen Substanz (erinnert sich noch jemand an Lisle von Rhoman?) als “The Subtance”, und dabei ist der Film schon 33 Jahre alt.
Das ist schade, denn mit ein wenig Hinrschmalz mehr hätte “Substance” so viel mehr sein können.


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Neues Spielzeug:

Eine Käsereibe, die in eine Tupperdose integriert ist! Yay!


Ding des Monats:

  • Otoplastik. So geil.
  • Parmigiano Reggiano. Unfassbar, das Zeug.

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