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Kategorie: Momentaufnahme

Momentaufnahme: April 2026

Momentaufnahme: April 2026

Herr Silencer im April 2026

Wetter: Monatsanfang oszillieren die Temperaturen zwischen 0 Grad in der Nacht und 17 am Tag, dabei wechselhaft, überwiegend sonnig. Am 03.04. trage ich die Pflanzen raus, eine Woche später explodiert die Natur in sattes Grün. Bis Monatsende dann zwischen nachts 3 und tagsüber 17 Grad, wenig Regen, viel Sonne.


Lesen:

Terry Pratchett: The Shepherds Crown [2015, Kindle]
Esmé Wetterwachs geht mit IHM, und hinterlässt die Welt in einem besseren Zustand als sie sie vorgefunden hat – das können nicht viele von sich behaupten. Mit ihrem Tod verliert die Scheibenwelt ihre mächtigste Hexe und die Schwesternschaft der Hexen, die ja keine Anführerinnen kennt, ihre Anführerin. Als Nachfolgerin hatte Wetterwachs Tiffany Aching auserkoren.

Ohne Esmé Wetterwachs Schutz brechen auch die Elfen wieder durch die Barriere zwischen den Welten, rauben Kinder aus der Wiege, machen das Bier sauer und schlachten Menschen ab. Eine fordernde Situation für Tiffany Aching, die sich ohnehin zwischen ihrer Heimat im Kreideland und Wetterwachs´ altem Einzugsbereich aufreibt.

Das hier war Pratchetts letztes Buch, bevor er 2015 verstarb. Man kann es als Analogie lesen: Esmé Wetterwachs und Pratchett gehen gleichzeitig von der Welt. Zurück bleibt eine neue Generation, die die Welt verändert und nach vorne blickt, ohne zu vergessen vorher sie kommt und wer vor ihr da war. Das macht ihre Stärke aus, und letztlich besiegt der Wandel der Welt die alten Schrecken.

Das ist schön und bittersüß, auch wenn der Part der Elfen hingehuddelt wird. Aber, wie Rob Wilkins im Nachwort schreibt: Das Buch war nicht fertig poliert, als Pratchett starb. Vierzig Bücher beschreiben die Scheibenwelt, und “The Shephards Crown” bietet einen wundervollen Abschluss.


Hören:


Sehen:

The Quiet Earth [1985, BluRay]
Als Zac Hobson aufwacht, ist niemand mehr da.
Nicht in seinem Haus, nicht in der Straße, nicht in der Stadt.
Alle Menschen und Tiere sind verschwunden.
Zac ist alleine auf der, nun sehr stillen, Welt.

Nach einer Weile stellt sich raus: Es gab ein Ereignis, das alles Leben in einem Sekundenbruchteil hat verschwinden lassen. Zurückgeblieben sind nur Lebewesen, die exakt im Moment des Ereignisses gestorben sind.

Seitdem ich diesen Film Ende der 80er, im Alter von so 12, 13 Jahren im Fernsehen gesehen habe, ließ er mich nicht mehr los.
Schon damals hat er mich tief beindruckt.

Zac ist ganz allein auf der Welt.
Er ist der letzte Mensch.

WIE TOLL IST DAS DENN BITTE?!?

Er kann tun und lassen, was er will! Eine Welt ohne Menschen, aber mit intakter Infrastruktur, das ist ja quasi Idealzustand!
Seit Jahrzehnten denke ich immer wieder an diesen Film und darüber nach, was ICH wohl in Zacs Situation tun würde.

Was macht man als letzter Mensch auf der Welt? Genau dieses Gedankenspiel ist die Stärke des Films. In der ersten Hälft ergeht er sich in Darstellungen von Dingen, die jemand tut, der wirklich völlig allein auf der Welt ist: Erst die Versuche andere Menschen zu finden, dann Einkaufscenter und Baumärkte plündern, dann Luxusgüter in Beschlag nehmen, dann absurde Reden vor leeren Rängen halten und am Ende in Damenunterwäsche mit einer Schrotflinte auf Jesus schießen. Großartig! Parallel dazu über allem das Mysterium: Was genau ist passiert, dass alles Leben verschwunden ist?

Im letzten Drittel kippt das alles ein wenig, als tatsächlich zwei andere Menschen auftauchen. Die Darsteller sind keine guten Schauspieler, die Gruppendynamik fühlt sich Cringe an und die entstehenden Verwicklungen sind bestenfalls seltsam. Etwas hohl lässt einen das offene Ende zurück. Das ist zwar SciFi-technisch super, fühlt sich aber unbefriedigend an.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn Zac am Ende des Films am Strand aufwacht und über dem Meer der Saturn aufgeht.

La Riffa [1991, BluRay]
Das süditalienische Bari, Anfang der 90er: Monica Bellucci ist hauptberuflich schön und reich. Letzteres denkt sie zumindest, bis ihr Mann überraschend stirbt und klar wird: Sie war nie reich, und jetzt sitzt sie auf einem gigantischen Berg aus Schulden.

Nun muss die junge Frau, deren Leben bislang aus Shopping und dem Austausch von Klatsch mit anderen Damen der High-Society von Bari bestand, zusehen, wie sie sich einen Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter verdient. Zunächst versucht sie es mit dem Verkauf von Yacht und Autos, dann Schmuck und Kleidern, schließlich sogar mit – gasp!- ehrlicher Arbeit.

Bringt aber alles zu wenig Geld ein, und so kommt sie auf eine Idee: Eine Tombola, italienisch “Una Riffa”, soll es richten. Hauptgewinn: Sie selbst. Zwanzig Personen sollen teilnehmen können, gegen eine Zahlung von jeweils 100 Millionen Lire (ca. 50.000 heutige Euro). Dem Gewinner will sie für vier Jahre für alles zur Verfügung stehen, egal was.

Sofort machen Männer (und Frauen) aus ihrem Bekanntenkreis mit.

Monica Bellucci ist zwar auf Fotos eine der schönsten Frauen der Welt, mit Schauspielerei hatte sie es aber noch nie so. Später in ihrer Karriere erhob sie das zum Stilmittel und reduzierte ihre Mimik auf seltsam-gucken-mit-halb-geöffneten-Lippen und wurde damit zur erfolgreichsten Schauspielerin Italiens.

“La Riffa” von 1991 ist einer der ersten Filme von Bellucci, und hier versucht die damals 27jährige zumindest noch zu schauspielern. Mit mäßigem Erfolg, wobei das bei der wirren Erzählweise und dem sprunghaften Schnitt des Films kaum auffällt.

Das ist schaden, denn die Grundidee ist zwar mild absurd, böte aber von Sozialkritik bis zur Objektivierung von Frauen große Spielflächen. Die nutzt “La Riffa” leider gar nicht. Stattdessen wirkt der Film wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die dem Regisseur gerade eingefallen sind. Sinn ergibt das kaum, spannend ist es auch nicht – es gibt keinen Grund, sich diesen Streifen anzutun.
Außer natürlich, man guckt gerne Monica Bellucci an oder mag die Stadt Bari.

Keine Ahnung, warum der 35 Jahre alte Film jetzt nochmal auf einer (sehr gut gemasterten) BluRay erschien.
Vielleicht sind die Produzenten Fans von Bari.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als eine Frau auf einer Party Monica Belluccis Cocktailkleid bewundert, und sie es daraufhin vor allen Leuten auszieht und der Frau verkauft.

The Others [2001, DVD]
1945, auf der Kanalinsel Jersey: Nicole Kidman hockt mit zwei kleinen Kinder in einem alten Herrenhaus. Abgeschnitten vom Rest der Welt leben die drei im Schein von Ölfunzeln, denn die Blagen sind allergisch gegen Sonnenlicht. Zu allem Ungemach wabert seit Wochen ein dichter Nebel ums Haus, die Dienstboten sind über Nacht abgehauen und eines der Kinder behauptet immer wieder, das ein Geisterjunge in ihrem Zimmer spukt.

Da klopft es an der Tür und ein alter Gärtner, eine Kinderfrau und eine Magd stehen davor. Alle drei haben schon vor Jahren auf dem Anwesen gearbeitet, und so stellt Kidman sie ein. Ab diesem Zeitpunkt häufen sich die seltsamen Vorfälle.

Aktuell kommt gerade die 4K-Restauration von “The Others” raus, und anlässlich dessen hatte ich die Szene mit dem Twist auf FilmTok gesehen und dann gedacht: Moment, Du hast doch die DVD, warum kennst Du den Film nicht?

Tja, keine Ahnung. Vermutlich fand ich den langweilig und habe ihn nach der Hälfte ausgemacht. Denn “The Others” ist kein Horror, sondern ganz klassischer und subtiler Grusel, der die Laufzeit braucht, um Spannung aufzubauen. Guckt man nicht richtig hin oder schaltet auf Durchzug, wirkt es so, als ob da lange Zeit nichts passiert, außer das die Kinder seltsam sind. So bekommt man den eigentlichen Reiz des Films nicht mit.

Was schade ist, denn hier passiert in jeder Szene etwas, und sei es in den Gesichtern der Schauspieler. Selbst Nicole Kidman schauspielert hier ganz großartig und stellenweise herzergreifend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn die große Enthüllung stattfindet und der Twist alles auf den Kopf stellt. Das ist stark gespielt und für den Zuschauer extremes Schuppen-von-den-Augen-falling, so dass man den Film gleich nochmal gucken möchte. Nicht ganz auf “Sixth Sense”-Niveau, aber nah dran.

The Flowers of War [2011, BluRay]
Zweiter Weltkrieg: 1937 überfällt Japan China und besetzt die Stadt Nanking. Eine Gruppe Schülerinnen sucht Zuflucht in einer christlichen Kathedrale, deren Pfarrer gerade verstorben ist. In dieselbe Kirche stolpert kurz darauf Christian Bale hinein, der den Priester bestatten soll, sowie eine Gruppe Prostituierte, die ebenfalls Zuflucht suchen.

Draußen fliegen die Kugeln, im Inneren der Kirche beäugen sich die drei Fraktionen misstrauisch (Schülerinnen gegenüber Bale/Prostituierte), lüstern (Bale/Prostituierte) und amüsiert (Prostituierte gegenüber Bale/Schülerinnen). Dann erobern die Japaner das Gebiet und begehen Massaker und Massenvergewaltigungen an der Zivilbevölkerung.

Den Besatzern gegenüber gibt sich Bale als Pfarrer aus, versteckt die Prostituierten und versucht die Schülerinnen zu schützen, aber ein japanischer Kommandant fordert die Mädchen. An ihrer Stelle gehen die Prostituierten.

“Treffen sich ein Bestatter, Prostitierte und ein Mädchenchor in einer Kirche” – was klingt wie der Beginn eines schlechtes Witzes, entwickelt sich nach kurzer Zeit zum handfesten Drama, das aber an vielen Stellen stark überzeichnet ist.

Schon die skurrile Ausgangssituation und die Handlungsbeschreibung macht deutlich, dass man es hier mit einer Romanhandlung zu tun hat. Und zwar mir einem Roman, der das Wohlwollen der Staatspartei Chinas hatte. Das ist auch sehr deutlich zu merken, wenn es um Nebenfiguren geht wie den feigen Kollaborateur, den irgendwann sein “Verrat” einholt und er seine gerechte Strafe erhält. Man kann den Film als Propagandalastig lesen.

Nicht desto trotz hat er einen wahren Hintergrund, die Massaker von Nanking sind wirklich geschehen, aber außerhalb Chinas wenig bekannt. Vor dieser Kulisse ist das Spiel der seltsamen und gegen ihren Willen verbundenen Fraktionen unterhaltsam und spannend bis zum Schluss, denn die Frage bleibt: Schafft es jemand aus dieser Hölle heraus? Die Ausstattung des Films ist opulent, die Schauspieler allesamt hervorragend und der Streifen insgesamt ein Anschautip.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Rosenfenster der Kirche unter Beschuss in Zeitlupe zersplittert und eine der Prostituierten in Panik gerät und wegrennt, genau in die Bahn von Scharfschützen.

Adèle und das Geheimnis des Pharaos [2010, BluRay]
Im Jahre 1912 ist die junge Adèle de Blanc-Sec Journalistin in Paris. Dummerweise hat sie versehentlich ihre Schwester lobotomisiert, die seitdem einen Nagel im Kopf hat und im Wachkoma vor sich hinsiecht. Adèle fasst einen naheliegenden und absolut logischen Plan: Sie will die Mumie des Leibarztes von Pharao Ramses II. wiederbeleben, damit der ihrer Schwester helfen kann.

Am Ende des Films bricht Adèle in den wohlverdienten Urlaub auf – an Bord der Titanic.

Frauen mit Nagel im Hirn, wiederbelebte Mumien, eine Journalistin, die auf einem Pterodaktylus reitet, Monty-Pythoneske Ausbruchsversuche aus einem Gefängnis, ein Großwildjäger, der in Montmartre einen Saurier jagt, dazu Polizisten direkt aus einem Louis-De-Funes-Film… was zum Geier habe ich da gerade gesehen?

Nun, einen Luc-Besson Film! Der hatte ja immer schon ein Fable für starke und seltsame Heldinnen (vergl. “Nikita”, “Anna”, “Lucy”, usw.), und Adèle macht da keine Ausnahme. Dass sich der Film an ein jüngeres Publikum richtet, ist schon an den übertriebenen Masken und den absurden Situationen zu merken. Dass es sich um einen europäischen Film handelt, ist an dem wohltuend normalen Umgang mit nackten Nippeln erkennbar, aber auch an den Schockelementen. Besson mutet seinem jungen Publikum lustige Szenen in Abwechselung zu Grusel zu, so wie er früher in Filmen wie “Goonies” oder “Gremlins” vorkam.

Der Film ist für das Budget erstaunlich. Sieht man von den wirklich schlechten Masken ab, gibt es hier viele Schauwerte. Das Paris des frühen 20. Jahrhunderts ist detailverliebt zum Leben erweckt, inkl. Gebäude, die es heute so nicht mehr gibt. Und Louise Bourgoin als Hauptdarstellerin spielt tough und gleichzeitig anrührend.

In Summe: Sehr unterhaltsam! Stellenweise arg vorhersehbar, dann aber wieder überraschend und letztlich auch spannend und rührend. Ich hatte viel Spaß mit diesem seltsamen, kleinen Film, und das nicht (nur) wegen der nackten Brüste.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Adèle ihre katatonische Schwester schminkt, der ein Nagel aus der Stirn ragt.

Clerks III [2022, BluRay]
Im Jahr 2022 hängen Danten und Randal immer noch und schon wieder im Quickstop in New Jersey ab. Hockeyspiele auf dem Dach und absurde Konversationen mit Jay und Silent Bob lassen es wirken, als habe sich seit 1994 nichts geändert.

Aber das täuscht: Alle sind älter geworden, und dass die Protagonisten keine 23 mehr sind, sondern auf die sechzig zugehen, wird ihnen in dem Moment schmerzhaft bewusst, als Randal mit einem Herzinfarkt aus den Latschen kippt.

Er überlebt das, und hat eine Idee: Er will die Geschichte des Quickstops verfilmen.

“Clerks” war 1994 für mich eine Offenbarung, wie später nur noch ganz wenige Filme. Die 2006er-Fortsetzung “Clerks II” hätte es für mich schon nicht gebraucht. Nun also mit “Clerks III” das Ende der Inconvenience-Store Triologie. Das ist arg selbstreferentiell und meta geraten.

Herzinfarkte, in Regisseur Kevin Smith eigenem Leben eine einschneidende Erfahrung, spielen eine große Rolle. Daneben ist der ganze Film vollgestopft mit Memberberries aus dem ViewAskew-Universum, hat aber abseits des Mühens um ein Ende aber wenig zu erzählen. Es gibt noch nette Dialoge, Generationsdefinierend ist das hier aber nicht mehr.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als beim Casting für die Rollen von Dante, Veronica und Randal plötzlich Promis vorsprechen wie Sarah Michelle Gellar, Freddie Prinze Jr., Bobby Moynihan, Melissa Benoist, Chris Wood, Anthony Michael Hall, Danny Trejo und Ben Affleck.


Spielen:

The Saboteur [2009, XBOX360]
Shawn Devlin ist Ire und eigentlich Mechaniker in einem Rennteam. Wider Willen springt er beim großen Preis von Saarbrücken 1940 als Fahrer ein und legt sich dabei prompt mit dem deutschen Champion Klaus Dierker an.

Als der Devlin dem unsympathischen Dierker einen Streich spielen will, erschießt der Nationalsozialist kurzerhand Shawns besten Freund. Das ist aber bald das kleinste Problem, denn in der selben Nacht überfällt die Wehrmacht Frankreich. Devlin flüchtet nach Paris, versteckt sich in einem Nachtclub im Montmartre und schließt sich, ebenfalls wider Willen, der Resistance an.

Fortan legt er heimlich Bomben, befreit Widerstandskämpfer, verübt Attentate auf die Besatzer, schmuggelt Waren und Menschen, besorgt gefälschte Papiere, rettet Kunstschätze und rückt mit diesen Aktionen bald in den Fokus des Gauleiters – eben jenen Dierkers, mit dem Shawn ohnehin noch eine Rechnung offen hat.

Warum ich noch eine XBOX 360 habe? Weil die 20 Jahre alten Konsole als einzige noch die ganzen “Guitar Heroes” und “Rock Bands” abspielt, und weil es nur hier das grandiose “The Saboteur” gibt. Das gehört zu den ganz wenigen Spielen, die nie updatefähig gemacht oder für neuere Konsolen veröffentlicht wurden, denn das Entwicklungsstudio Pandemic wurde kurz vor dem Release im Jahr 2009 von EA geschlossen.

Das ist schade, denn “Saboteur” ist ein großartiges Game. Es stammt aus der Zeit, in der Double-A-Produktionen mit Mut zum Risiko boomten, und sich gleich mehrere Studios an der GTA-Formel versuchten, ohne das aufgeblasene Budget eines GTA zu haben. Das war auch die Zeit, in der ein gutes Spiel 8 bis 15 Stunden dauerte und nicht mit Mikrotransaktionen, DLCs oder Liveservices nervte.

“Saboteur” ist quasi ein kleines und gradliniges “GTA” im Frankreich der Vierziger Jahre, inklusive passendem Soundtrack. Paris samt Umland und das Küstenstädtchen Le Havre bieten eine wunderbar unverbrauchte Kulisse, wenn auch für eine leider recht generische Story. Neben der gibt es weitere Schwachpunkte: Faustkampf ist ein Glücksspiel, Stealth mit Verkleidungen funktioniert so gut wie nie und das Klettern an Gebäuden ist behäbig und nicht mal im Ansatz so geschmeidig wie in “Assassins Creed”, das schon zwei Jahre zuvor erschien. Auch das Perk-System ist kaum der Rede wert.

Warum “Saboteur” mir auch heute noch viel Spaß macht: Es hat spannende und extrem abwechslungsreiche Missionen, die man heimlich oder offensiv oder beides angehen kann. Im Free Roaming ist die Open World eine großartige Sandbox. Durch die Stadt (und die umliegenden Landstriche) zu wandern, Nazi-Posten in die Luft zu sprengen oder SS-Offizieren die Autos zu klauen, und zu gucken, wie die Systeme des Spiels darauf reagieren, das macht einfach einen Heidenspaß.
Ab einer gewissen Alarmstufe suchen die Nazis sogar mit Zeppelinen nach Shawn – wenn der dann aber eine Flugabwehrstellung infiltriert, ist der Himmel über Paris mehr als nur rot erleuchtet.

Der zweite Grund ist das Artwork. In dem Moment, in dem Shawns Kumpel stirbt, verliert die Welt die Farbe, sie wird düster und ist in einem dunklen schwarz-weiß gehalten, aus dem nur vereinzelt Primärfarben hervorstechen – blutrote Nazi-Banner, gelbe Straßenlichter oder gelegentlich ein Tupfer blau, bei Mitgliedern des Widerstands.

Hat Shawn genügend Anschläge und Missionen durchgeführt, kehrt die Farbe in einzelne Stadtviertel zurück, der Himmel klart auf und Menschen flanieren durch die Straßen. Das ist eine ganz wunderbare Art, die Hoffnungslosigkeit und Schwere unter der Besatzung und die Hoffnung und das Aufblühen durch den Widerstand zu symbolisieren.

“The Saboteur” sieht auch heute noch schick aus, bringt ein unverbrauchtes Szenario mit, ist ein toller Spielkasten und bietet kurzweiligen Spaß – schade, dass daraus nie, wie eigentlich geplant, ein Franchise geworden ist.

Die deutsche Fassung ist übrigens besser als die englische. Zwar durfte es in der hierzulande veröffentlichten Fassung keine Hakenkreuze auf Bannern und Fahnen geben, aber dafür ist die Synchro der NPCs und Nebenfiguren auf deutsch VIEL besser. In der englischen Fassung lesen Amerikaner deutsche Texte vor, die sie nicht verstehen – man kann sich denken, wie das klingt.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Bei Nacht von Montmartre aus auf die dunkle Stadt zu blicken und zu denken “Das ist mal ein Spielplatz”.

Sleeping Dogs [2012, XBOX360, Definitive Edition 2014 PS4/PS5]
Hongkong, 2012: Ein chinesischstämmiger Cop ermittelt undercover gegen die Triaden. Im Zuge dessen wandelt er nicht nur auf der Grenze zwischen Gesetz und Verbrechen, er muss sie auch ständig übertreten – und sich irgendwann fragen, auf welcher Seite er steht.

Schon vor zwölf Jahren hat mir ein Arbeitskollege dieses Game in den überschwänglichsten Tönen als GTA IV-Alternative empfohlen. Ich hatte es dann 2014 für die XBOX 360 gekauft, und seitdem legte ich es alle paar Jahre wieder ein, spielte eine Stunde und legte es dann wieder weg, wie die Savegames aus 2014, 2017, 2021 und 2022 beweisen. Keine Ahnung warum, irgendwie zündete das Open World-Krimidrama in Hongkong nie so richtig bei mir.

Das mag an der blockigen Steuerung gelegen haben, oder auch daran, dass Spiele aus der Zeit halt generell noch recht pixelig sind und nur in 720P und mit kräftigem Kantenflimmern laufen. Auf der XBOX Series läuft die 360er Version nämlich nicht, und eine angepasste Version gab es nie.

Was es aber gab war eine “Definitive Edition” für die PS4, und die habe ich nun auf dem Flohmarkt gefunden. Ich finde, damit sieht das Game durchaus besser aus, wenngleich auch Grafikfans von einem Downgrade bei Assets, Beleuchtung und Texturdetails sprechen. Die Definitive Edition verändert das Beleuchtungsmodell und fügt Jiggle-Physics und Nebeleffekte hinzu, zudem wurden alle DLCs integriert und Schwierigkeitsgrad und Missionsdesign anhand von Feedback angepasst.

Allein schon wegen des geringeren Kantenflimmerns (das ertrage ich gar nicht!) war ich motiviert, mir das mal länger als 15 Minuten anzusehen. Und dann war es um mich geschehen: Die Geschichte hat mich reingezogen.

“Sleeping Dogs” entfaltet sich langsam und stellt sich als wirklich ernsthafte Konkurrenz zu GTA dar, mit dem Unterschied das dieses Game in nur vier Jahren entstand. Genau wie GTA IV von 2008, das die Geschichte eines serbischen Kriegsflüchtlings in New York erzählt und ganz anders und viel ernster war als das überdrehte und nur noch quatschige GTA V, erzählt Sleeping Dogs eine Geschichte voller Dramatik und mit Charakteren, die zwar dünn bleiben, aber keine Karikaturen sind.

Man erahnt auch, wo die Geschichte hin will: Die anfangs noch lupenreinen Gesetzeshüter der Polizei entpuppen sich im Verlauf als ehrlose Gesellen, während die Mitglieder der Triaden durchaus Ehre haben. So wird die moralische Orientierung immer schwerer. Leider fühlt sich die Geschichte im letzten Akt so an, als seit Zeit und Budget ausgegangen. Da wurde dann ziemlich gehuddelt, was der vollen Entfaltung im Weg steht.

Neben der düsteren Story tut der hohe Gewaltgrad das seinige, damit dieses Game nichts für Kinder oder schwache Gemüter ist. Die USK18-Einstufung verdient es sich mit Drama, Intrigen, menschlichen Abgründe und nicht überragenden, aber gut geschriebenen Milieustudien.

Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zur XBOX360-Version gleich geblieben, und nach wie vor nicht ohne. Spiele vor 15 Jahren erforderten eine deutlich höhere Frustresistenz als heute, und es ist möglich, in einer Storymission hängen zu bleiben – und dann geht es einfach nicht weiter. Dann heißt es üben, üben, üben, bis man irgendwann im 10. Anlauf doch durchkommt.

In der Definitive Edition ist das deutlich fairer. Auf der XBOX 360 bin ich ums Verrecken nicht über den ersten, größeren Faustkampf hinausgekommen, einfach weil die Steuerung Arsch ist. Auf der PS4 ist der Kampf immer noch knackig, aber machbar. Zumindest im Hauptspiel, in den DLCs komme ich dann schon wieder nicht mehr weiter.

“Sleeping Dogs” ist kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes und kompetent gemachtes Spiel. Wer die düstere Geschichte um Niko Bellic in GTA IV mochte, hat auch hier echt seinen Spaß.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den lauten “Alter! WTF!”-Ausruf, als ich das erste mal einen Move ausgelöst habe, bei dem die Spielfigur im Kampf die Umgebung als Waffe einsetzt – und einfach mal einen Gegner mit dem Kopf in einen Ventilator drückt.


Machen:

  • In einem Hochseilgarten abhängen, 10 Meter über dem Boden, und da nicht mehr alleine wegkommen

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: März 2026

Momentaufnahme: März 2026

Herr Silencer im März 2026

Wetter: Ab Monatsanfang bis Woche vier stets 0 bis 16 Grad, strahlender Sonnenschein, kein Regen. Am 18.03. wacht die Natur auf und zeigt erstes Grün. In meinem Arbeitszimmer blüht der Jasmin, aber das Wetter hat dann doch keine Lust auf richtigen Frühling – in der letzten Woche gibt es wieder Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen.


Lesen:

Terry Pratchett: I shall wear Midnight [2010, Kindle]
Der Baron des Kreidelands stirbt, im hohen Alter und an natürlichen Ursachen. Tiffany Aching hat ihn bis zum Ende gepflegt und muss nun dessen Sohn die traurige Nachricht überbringen. Das wird nicht dadurch einfacher, dass sie erst seit Kurzem von ihm getrennt ist, und mit seiner neuen Flamme die Großstadt unsicher macht. Die Neue ist eine echte Prinzessin, inklusive blonder Locken und mädchenhaftem Auftreten – alles Attribute, die auf Tiffany nicht zutreffen, und auf die sie etwas neidisch ist.

Zeit, darüber nachzusinnen hat Tiffany aber nicht, denn es gibt weiteren Fallout der Wintersmith-Episode: Der Geist eines lange verstorbenen Hexenjägers ist hinter ihr her, und dessen böses Gedankengut hetzt Menschen auf. Plötzlich muss sich Tiffany für den Tod des Barons verantworten und findet sich im Kerker wieder. Dabei sollte der doch nur noch als Ziegenstall genutzt werden!

Unterdessen treffen die Nac Mac Feegle in Ankh-Morpork auf etwas, das es gar nicht geben sollte und das die unbesiegbaren Krieger mit links erledigt: Einen Feegle-Polizisten!

Die Tiffany-Aching-Bände sind Pratchetts Spätwerk, und hier ist alles zu bestaunen, was der Meister in seiner langen Karriere an Können erworben hat: Auf den Punkt geschrieben Charaktere, tolle Entfaltung der Ereignisse und vor allem immer wieder tiefe, philosophische Erkenntnisse gepaart mit nachdenklich machender Metaphorik. Leider ist die Auflösung der großen Bedrohung am Ende wieder etwas viel “Deus Ex Machina”, aber der Weg dahin wirklich große Kunst. Schön und überraschend: Es wird ein Rückbezug geschlagen zum allerersten Discworld-Roman “Color of Magic” von 1983 inkl. eines spannenden Cameos.


Hören:


Sehen:

Verleugnung [2016, BluRay]
“Ich habe hier 1.000 Dollar, und ich bin bereit sie demjenigen auszuhändigen, der mir einen Beweis für den Holocaust vorlegt!”

Ein wahrer Fall: Was im Herbst 1994 als völlig absurder Zwischenruf während einer Holocaust-Vorlesung beginnt, wächst sich bald zu einem handfesten Problem für eine amerikanische Professorin aus. Der Rufer ist nämlich selbst Historiker und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, in denen er darlegt, dass Hitler eigentlich ein Freund aller Juden war, in Auschwitz lediglich Menschen an Gelbfieber gestorben sind und der Holocaust die Erfindung einer jüdischer Propagandamaschinerie ist.

Dieser Geschichtsleugner verklagt nun die Holocaustforscherin vor dem britischen High Court. Die begreift: Hier geht es um viel mehr als nur um Verleumdung eines eitlen Professors. Verliert sie den Prozess, wird es gesellschaftlich akzeptabel werden, den Holocaust nur als “Meinung” anzutun.

Tatsächlich ist der Beweis der Tötung von 6 Millionen Menschen 60 Jahre nach Kriegsende erstaunlich schwierig, und der Geschichtsrevisionist beherrscht die britische Presse mit druckfähigen Zitaten wie “auf der Rückbank von Edward Kennedys Auto in Chappaquiddick sind mehr Menschen gestorben als in Auschwitz“”. Der Prozess verläuft so absurd, dass die jüdische Gemeinde Großbritanniens auf einen Vergleich drängt, weil ein Sieg vor Gericht aussichtslos scheint.

“Verleugnung” – der Titel klingt wie ein weiteres Buch von Stieg Larsson (Verblendung/Verdammnis/Vergebung/Verschwörung/Verfolgung/Vernichtung, wissen schon…). “Denial”, so der englische Titel, ist kein Kriminalfall, aber genauso spannend wie ein Thriller. Ich hatte noch nie vom Fall Lipstädt vs. Irving gehört, denn die Geschichte ist tatsächlich so passiert.

Satte 32 Tage dauerte die Verhandlung in London, und lange war nicht klar, ob der Holocaustleugner und Geschichtsrevisionist Irving als Sieger dort rausgeht. Letztlich brauchte es ein großes Team aus Experten und Anwälten, um dem Richter überzeugend darzulegen, dass es den Holocaust wirklich gegeben hat. Am Ende gewannen Fakten gegen Lügen, aber das ist 30 Jahre her.

Der Film ist eine Wucht. In meinen Augen die gelegentliche Dramatisierung der Geschehnisse nicht gebraucht, ich hätte das auch als Doku geguckt. Gelungen ist er trotzdem. Atmosphärisch dicht und sehr stimmungsvoll wird hier das Gefühl der Verzweiflung der Protagonisten transportiert, als sie eine unumstößlich geglaubte Wahrheit plötzlich hart verteidigen müssen, und Betroffenheit dafür nicht mehr ausreicht.

Das der Film so gut funktioniert, ist den Darstellern zu verdanken. Bis in die Nebenrollen hinein ist er exzellent besetzt: Rachel Weisz (“Die Mumie”) als Professorin und Andrew Scott (Moriarty aus dem Cumberbatch-Sherlock) sowie Tom Wilkinson (der Secretary aus “Mission Impossible: Ghost Protocol”) als Anwälte sind schon wirklich richtig gut. Eine absolute Glanzleitung liefert aber Timothy Spall (Wurmschwanz aus “Harry Potter”) als eitler, cholerischer und dennoch durchtriebener Holocaustleugner. Sehr sehenswert.

Ein wichtiges und relevantes Thema. Ich gehe mal gucken, ob es auch eine Doku von dem Fall gibt.

Erik Peters: Africa Calling [2025, Bluray]
Der Motorradreisende Erik Peters macht sich zusammen mit Kumpel Alain auf eine Tour von Köln nach Südafrika. Nach einer Fahrt durch halb Europa machen die beiden einen kleinen Umweg von 10.000 Kilometern um Kriegsgebiete herum, bis sie dann in Africa durch Länder wie Uganda und Kenia kreuzen. Von Tiefsanddurchfahrten in Wüstengebieten bis hin zu Gorillabeobachtung in dichten Regenwaldgebieten ist alles mit dabei. Die Fahrt endet jäh, als Alain kurz vor dem Ziel stürzt und sich dabei die Knochen bricht.

“Africa Calling” ist Erik Peters bislang bester Film. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen, extrem coole Drohnenperspektiven, dazwischen Establishingshots und Interviewsequenzen – das ist alles wirklich gut geschnitten, und mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie man das alles ohne Filmteam hinbekommt. Im Ernst, “Africa Calling” ist sehr viel besser gefilmt und besser erzählt als die letzten beiden Staffeln von “A long Way”, und DIE haben ein ganzes Produktionsteam dabei.

Was man immer noch nicht mögen muss: Das Rumgekumpele und das ständige Abklatschen mit dem stets gudjelaunten kölsche Jung. Im Vorgängerfilm “Himalaya Calling” passierte das so häufig, dass es mich an den Flossen-Doc aus “Scrubs” erinnerte, aber hier ist es zumindest in den ersten 160 der insgesamt 190 Minuten Laufzeit erträglich, die letzten 30 Minuten sind dann sehr emotional.

Erik ist gerade in Südamerika unterwegs, und ich hoffe er bringt auch davon einen Film mit. Muss kein “Calling” mit Alain sein, ein Solo-“Let´s Ride” würde mir völlig reichen. (Nachtrag: Hab gerade gesehen, dass er mit Alain auf Tour ist. Klingt nach “Südamerika Calling”).

Churchill [2017, BluRay]
1944, kurz vor dem D-Day: Winston Churchill versucht die Alliierten zusammenzuhalten, wird geplagt von Selbstzweifeln und cholerischen Ausfällen.

Fun Fact: Schon in dieser Verfilmung sollte Gary Oldman den Churchill geben, lehnte die Rolle aber ab. Das ist gut so, denn Brian Cox ist auch ohne eine nahezu karikaturenhafte Maske, wie Oldman sie dann in “The Darkest Hour” trug, optisch viel näher am britischen Premier. Seine Performance ist echt ein absolutes Highlight. Körperhaltung, Blicke, Gesten – Beim flüchtigen Blick glaubt man, man habe wirklich Winston Chuchill vor sich.

Das hilft aber leider nicht. Die Story mäandert und ist inkonsistent erzählt, die Musik düdelig, die Kamera einfallslos und die Dialoge zum Augenrollen. Damit wird der Film der Dramatik der damaligen Ereignisse leider nicht gerecht.


Spielen:

Yakuza Kiwami 3: Dark Ties [2025, PS5]
Yoshitaka Mine ist gerade als Geschäftsführer seiner eigenen Firma geschasst worden, als er in den Straßen von Kamurocho einen Anschlag auf einen Yakuza-Clanboss miterlebt. Ohne zu Zögern gehen dessen Leibwächter für ihn in den Tod. Mine ist fasziniert davon und versucht herauszufinden, was diese Art von Loyalität ausgelöst hat. Dazu schließt er sich selbst den Yakuza an und arbeitet sich in den Rängen nach oben.

Interessante Idee, dem Bösewicht aus “Yakuza 3” mehr Hintergrund zu geben und damit sein mild erratisches Verhalten im Hauptspiel zu erklären. Tatsächlich erfährt man einiges über Mine, und seine Entwicklung ist nicht gänzlich unglaubwürdig.

So okay die Story aber auch ist: Spieltechnisch hat man sich hier keinen Gefallen getan. Einen Großteil der Zeit erledigt man nämlich Fleißaufgaben, um die Reputation von Yakuza-Perversling Kanda zu steigern oder die eigene Kampfkraft in einem Roguelike-Dungeon zu trainieren.

Innerhalb dieses Rahmens gibt es auch einige okaye Story-Missionen, der Großteil sind aber entweder Brawler-Events oder Fetchquests und fühlen sich damit nach Füllmaterial an. Lässt man den optionalen Kram weg, ist man in rund 5 Stunden durch.

Als kostenlose Dreingabe ist “Dark Ties” in “Yakuza Kiwami 3” enthalten und geht damit absolut in Ordnung, trotz dieser Probleme.

Resident Evil Requiem [2026, PS5]
Verhuschte FBI Analytikerin wird entführt und muss sich aus einem alten Sanatorium herausschleichen. Doof: An jeder Ecke stehen Zombies rum. Gut: Superduperagent Leon S. Kennedy eilt zu ihrer Rettung. Wiederum Doof: Er verläuft sich dauernd, hat schlimme Männergrippe und schimmelt an den Rändern.

“Wie SPIELT man dieses Spiel??”, war meine Reaktion nach der ersten Stunde. Es ist wirklich mehr als gewöhnungsbedürftig, wie sehr sich die beiden Spielfiguren in “Requiem” unterscheiden.

Mit Leon ist es eine 3rd-Person Ballerbude, die farblose FBI-Analytikerin Grace spielt man dagegen aus der Egoperspektive und sie kann zunächst gar nichts. Zwar hat sie eine Waffe, aber stets zu wenig Munition, und viel Schaden macht sie auch nicht. Bleibt nur das Schleichen um die Gegner herum, aber das geht in engen Gängen nicht immer. Gegner weglocken funktioniert zu Anfang ebenfalls praktisch nicht. Selbst das Inventar ist so winzig, das es mit einer Topfpflanze schon voll ist.

Warum ist das so unterschiedlich? In den vergangenen Jahren erschienen zahlreiche Resi-Spiele. Neben den Hauptteilen sieben und acht von 2017 und 2021 kamen Remakes der Teile zwei bis vier. Problem dabei: Die Remakes sind actionlastige Ballerorgien, die neuen Hauptteile sind quasi Walking-Simulatoren mit Schleichsequenzen und Survivalhorror. Wie bekommt man nun die Fans beider Spielprinzipien unter einen Hut, ohne eine Gruppe völlig zu vergrätzen?

Die Antwort von Resident Evil 9 : Man klebt einfach zwei Spiele – Survivalhorror und Shooter – Rücken an Rücken aneinander, und in Kombination ergibt das ein rund 13 Stunden langes Horror/Actionerlebnis der wertigen Luxusklasse.

Die Grafik der RE-Engine, mit Ausnahme der weiblichen Figuren, ist nahezu fotorealistisch und der 3D-Sound geradezu beängstigend real. Der Standard-Schwierigkeitsgrad ist perfekt balanciert – man muss schon aufpassen und beißt gelegentlich in Gras, nervige Blockaden oder Sackgassen gibt es aber nicht.

Nach dem wirren Start, der mich echt desorientiert hat, kriegt sich das Spiel zum Glück nach den ersten Stunden ein und spielerisch die Kurve, fliegt aber noch manchmal aus dieser heraus. Im Mittelteil bekommt man es mit der faktisch wehrlosen Grace recht lang mit der Resident-Evil-typischen Verfolgerkreatur zu tun, die einen unablässig verfolgt und nicht zu verletzen ist – allerdings mit dem Twist, dass diese hier urplötzlich und gescripted in einem Jumpscare auch in Sackgassen oder im absoluten Dunkel auftauchen kann. Das ist genauso zäh und nervig wie eine stundenlange Suche mit Leon nach irgendwelchen McGuffins.

Am Ende ergibt allerdings nicht nur alles einen Sinn, es gibt auch ein cooles Finale und “Requiem” stellt sich in der Gesamtschau als sehr befriedigende Spielerfahrung mit einem tollen Ende heraus.

Tolles Game, hatte ich viel Spaß mit.


Machen:

  • V-Strom durch die HU schieben
  • ZZR durch die 100.000er Inspektion

Neues Spielzeug:

Ich sag´s nicht gerne, aber: Ein iPad.
Basismodell, 128GB.

Über Jahre hatte ich für diese Gerätegattung keinen Anwendungsfall, meine Werkzeuge waren immer ein echtes Notebook und das Smartphone. Aber ein iPad ist nun auch gar kein Ding zum echten Arbeiten, auch wenn Apple gerne etwas anderes behauptet.
Es ist ein Gerät für Medienkonsum – nicht umsonst hat Steve Jobs die erste Präsentation davon auf einem Sofa gehalten.

Warum habe ich nun plötzlich doch eines?
Aus zwei Gründen: Ich lese ja ab und an ganz gerne Graphic Novels, auch ältere. Früher habe ich die gebraucht gekauft, aber das Angebot in bestimmten Nischen wird immer rarer. Kostete so ein Buch vor zehn Jahren im Handel neu 10 Euro und später gebraucht die Hälfte, werden manche Ausgaben heute für 35 oder 50 gehandelt, wenn sie überhaupt noch zu finden sind – man merkt halt, dass die Print-Auflagen bis heute signifikant immer kleiner werden. Als eBook gibt aber selbst längst vergriffene Ausgaben sofort, meist für schlappe 6,99. Nun macht es keinen Spaß, großformatige und bunte Bilderbücher auf dem Telefon oder einem kleinen eInk-Reader zu lesen.

Auf einem iPad geht das, und man kann sogar Zeitschriften und Zeitungen supergut darauf lesen! Sogar kostenlos, zum Beispiel mit der Kradblatt-App.

Grund Nummer zwei: Ab jetzt wird ALLES nur noch sehr viel teurer. Trump und seine Tech-Bros zerstören mit ihren Kriegen und dem Bau größenwahnsinniger KI-Architekturen ganze Lieferketten, Infrastrukturen und die Halbleiter-Märkte. Die Erkenntnis: Ob Autoreifen, ein Sofa oder ein technisches Gerät – wenn man mit irgendwas liebäugelt oder absehbar braucht, sollte man es JETZT kaufen, denn ALLES wird in Kürze sehr viel mehr kosten.

Darum kam der iPad-Kauf jetzt so plötzlich, zumal iPad-Preise gerade auf einem sechs-Monats-Tief sind.
Ich habe beim Lesen darauf viel Freude.

Und guckt mal, wie hybsch das Blau ist:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Februar 2026

Momentaufnahme: Februar 2026

Herr Silencer im Februar 2026

Wetter:
Der Februar beginnt, wie der Januar geendet hat: Viel Schnee und frostig kalt, bei -2 Grad tagsüber und teils zweistelligen Minuswerten in den Nächten. Nur kurz drehen die Temperaturen auch mal über den Gefrierpunkt und der Schnee taut, aber in der dritten Woche geht es lustig weiter mit dem weißen Zeug und Minustemperaturen. Dabei ist es die ganze Zeit düster, als ob es nie mehr Tag werden wollte. Erst in der letzten Woche springen die Temperaturen auf zweistellige Werte und man sieht mal kurz die Sonne.


Lesen:

Terry Pratchett: Wintersmith [2006, Kindle]
Tiffany Aching ist immer noch Hexe-in-Ausbildung, jetzt aber bei der unheimlichen und über 100 Jahre alten Ms. Treason. Versehentlich tanzt Tiffany mit dem Wintersmith, der Verkörperung des Winters. Mit schlimmen Folgen: Der Winter verliebt sich in sie, überschüttet die Welt mit eisigen Liebesgeschenken und will nie wieder dem Sommer weichen. Die Nac MacFeegle bekommen das mit, können aber nicht viel tun.

Endloser Winter? Genau das richtige Buch für diesen Monat. Wunderschöne Parabel auf Verantwortung, die Konsequenzen des Fehlens davon und dem Gleichgewicht der Dinge. Sehr poetische Bilder und sehr schön und spannend zu lesen, denn auf jeder Seite ist zu spüren, was hier auf dem Spiel steht.


Hören:


Sehen:

Die dunkelste Stunde [2017, BluRay]
Mai 1940: Winston Churchill ist unbeliebt, und das vor allem in seiner eigenen Partei. Seit einer fehlgeschlagenen Militäroperation unter seiner Führung trauen ihm andere Politiker nicht und unterstützen seine harte Haltung gegen Hitlerdeutschland nicht. Die Parlamentarier im Unterhaus wollen lieber mit Deutschland, das bereits ein Land nach dem nächsten überfällt, verhandeln. Auf mögliche Aliierte ist auch kein Verlass. Die Amerikaner wollen sich nicht in den Krieg einmischen und bieten als Unterstützung sechs alte Flugzeuge, die allerdings mit Pferden über die Grenze nach Kanada geschleppt werden müssten um nicht geltende Verträge zu verletzen, und die Franzosen haben keinen Abwehrplan, als die Wehrmacht das Land überrollt.

Dann wird nahezu die gesamt britische Armee am Strand von Dünkirchen eingekesselt und der Druck, mit Hitler einen Frieden auf Kosten Westeuropas zu schließen, wird immer größer. Wahrhaft eine dunkle Stunde, die in Churchills Rede „We Shall Fight on the Beaches“ mündet.

Ich kenne die Räume des Kriegskabinetts unter London, ich war im Unterhaus und viel von dem, was hier im Film gezeigt wird, hatte ich mir bereits selbst schon erarbeitet. Aber WIE es hier gezeigt wird, so verdichtet und toll gespielt, das ist wirklich bewegend. Die Maske von Gary Oldman ist etwas befremdlich, aber sein Schauspiel extrem gut – die Einsamkeit von Churchill und seinen Entscheidungen ist hier mit Händen greifbar.

Schöner aber: Jetzt verstehe ich endlich “Dunkirk”. Dem Film von Christopher Nolan fehlt ja jeglicher Kontext – den liefert “Die dunkelste Stunde”. Wirklich bewegend.

Das Geheimnis meines Erfolge$ [1987, Bluray]
Collegeabsolvent Michael J. Fox kommt aus der Provinz kommt nach New York, um dort einen Job zu suchen. Er findet keinen und fängt deshalb in der Poststelle eines multinationalen Konzerns an. Von dort aus steckt er seine Nase in Dinge, die ihn nichts angehen, hat Sex mit seiner Tante und rutscht in die Welt der “Schlipsträger”.

“Uninspiriert, als wäre das Skript in den 50ern geschrieben worden und als hätte es niemand vor der Verfilmung aktualisiert” – so urteilten bei Veröffentlichung bekannte Kritiker über den Film.

Dieses Urteil mag im Kontext seiner Zeit verständlich sein, denn im Umfeld von “Geheimnis meines Erfolges” erschienen “Good Morning, Vietnam”, “Drei Männer und ein Baby”, “Robocop”, “Beverly Hills Cop II”, “Lethal Weapon”, “Mondsüchtig”, “Platoon”, “Die Reise ins Ich”, “Der letzte Kaiser”, “Crocodile Dundee”, “Der Hauch des Todes” und “Dirty Dancing” – ja, 1987 war ein tolles Kinojahr.

Aus der Rück-Sicht ist der Film ein Kind seiner (Cashgeilen-)Zeit und weist sogar Parallelen zu “Wall Street” (auch 1987!) auf. Hier wie dort geht es um Yuppietypen, die im Raubtierkapitalismus der Achtziger nach oben kommen wollen, und dafür in schäbigen Mietwohnungen Hausen, kein Privatleben haben und seltsame Methoden anwenden, um nach oben zu kommen.

Auf der erzählerischen Ebene funktionieren beide aber ganz anders, und “DGmE” ist eine Screwballkomödie mit schnellen Dialogen und cleveren Comedyeinlagen. Allein die Montage der Vorstellungsgespräche zu Beginn (“Sie kommen gerade vom College, sie haben keinerlei Erfahrung” vs. “Am meisten beeindruckt mich, wieviel Erfahrung sie auf dem Collge sammeln konnten”) verrät auch heute noch so viel über die Arbeitswelt. So geht es weiter, allein die viele Wahrheiten über “Die Schlipsträger” möchte man nur feiern.

Ich mochte “DGmE” schon immer. In unserem Haushalt gab es ab 1988 die VHS-Fassung, und offensichtlich habe ich den Film in meinen jungen Jahren so oft gesehen, dass ich auch fast 40 Jahre später noch jeden Satz mitsprechen kann. Fremdschämig ist er heute nur an den Stellen, die das auch damals und mit Absicht schon waren – Stichwort “Tante Vera”. Deren lüsterne Jagd im Pool des Landhauses mit der Originalmusik aus “der weiße Hai” zu unterlegen ist aber schon wieder ein mittlerer Geniestreich.

Ein Concierge zum Verlieben [1993, BluRay]
Michael J. Fox ist Concierge eines New Yorker Nobelhotels kassiert üppige Schmiergelder für klandestine Nebentätigkeiten mit dem Ziel sich selbstständig zu machen.

“For Love or Money”, so der Originaltitel des Films, wirkte vermutlich schon 1993 aus der Zeit gefallen. Hier wird eine typische 80er-Jahre-Geschichte erzählt und anscheinend ist “Das Geheimnis meines Erfolges” die Vorlage, aber ohne sich wirklich darauf festzulegen, dass man eine Komödie sein möchte. Klar macht es Spaß, Michael J. Fox zu zusehen, aber wirklich lustig ist das nicht und der Mut zu schrägen Figuren wie “Tante Vera” fehlt völlig. Der Film ist nett, aber leider völlig egal.

Johnny English (I-III) [2003, 2011, 2018, BluRay]
Mr. Bean arbeitet beim britischen Geheimdienst und ist aus Gründen immer der einzige, der noch den Tag retten kann.

Kannte ich noch gar nicht, aber die Reihe hat mir SEHR viel Spaß gemacht, vom leichten Schmunzeln bis zum rausplatzenden Lachen. Die “Johnny English”-Filme sind deutliche Parodien auf das Bond-Franchise, allerdings ohne in Pipikacka-Witzen abzusaufen wie “Austin Powers”.

Stattdessen gibt es hier Slapstick – mit dem grandiosen Timing und Gespür für Komik, dass man von Rowan Atkinson gewohnt ist. Über die Filme hinweg macht die Figur sogar eine Charakterentwicklung durch, vom völlig unfähigen Trottel hin zum durchaus kompetenten Agenten, der aber immer wieder an den Umständen scheitert.

Dazu kommen die tollen Nebenfiguren, z.B. John Malkovich als rachsüchtiger Franzose (Teil I), Gillian Anderson als Geheimdienstleiterin zwischen Job und Familie (Teil II) oder Emma Thompson als versoffene Premierministerin mit Elon-Musk-Fetisch (Teil III), das ist schon cool geschrieben und gespielt.

Sehr, sehr gut gemacht und wirklich nice, wenn man Bondfilme oder “Die Nackte Kanone” mag und Aufheiterung nötig hat.

Dschungelcamp 2026
Einmal im Jahr kurbele ich den TV-Receiver an, und zwar um “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” zu gucken. Aber meine Güte, war das in diesem Jahr unangenehm.

Das Teilnehmerfeld bestand aus allerlei egalen Nasen, erzählt wurde nur die Geschichte von irgendeiner dauerkreischenden Ariel und von Gil Ofarim.

Letzterer hat diese brettbescheuerte und saugefährliche Aktion gebracht, falsche Antisemitimusanschuldigungen zu erfinden und das auch bis vor Gericht durchzuziehen. Dort kam es dann zu einem Vergleich, aber anstatt das als Güte der Justizia und des Anklägers gegen ihn zu sehen, wurde Ofarim im Dschungel so richtig unangenehm und raunte am Lagerfeuer davon, dass er “Antworten vom Justizsystem” wolle und impliziert mit Andeutungen, dass “die Zuschauer ja nicht alles wissen” und er zu unrecht angezeigt wurde.

Das ist absolut schmierlappiges Verhalten und bespielt die Klaviatur, die das AFD-Lied vom Zweifel an den Institutionen in die Welt trägt. Und das alles gestützt von RTL, die Ofarims Halb- oder Unwahrheiten weder einordneten noch Sendezeit kürzten.

Aus dem Innern des Dschungels wurde damit am Rechtsstaat gesägt und Demokratie ausgehöhlt. Das ist keine Einbildung oder Übersensibilisierung meinerseits. Der Jubel über Ofarims Verschwörungsgeraune war so laut, dass er in Telefonvotings weit vorne lag und am Ende sogar das Camp gewonnen hat.

Ich hätte brechen können und habe folgerichtig die Staffel nicht mal mehr zu Ende gesehen. Toll gemacht, RTL. Große Leistung, Wurstnase.


Spielen:


Metaphor: ReFantazio [2024, PS5]

Der König wurde ermordet, der Thronerbe liegt im Koma. Nun soll der Gewinner eines Wettkampfs der nächste Herrscher werden. Es treten an: Ein fanatischer Kampfpriester, ein eloquenter Kriegsprinz, diverse NPCs und ein seltsamer Underdog.

Ich hatte mit “Metaphor” vor einem Jahr begonnen und schon 60 Stunden auf der Uhr. Damals fand ich den Mix aus “Persona”-Gamemechanik und Fantasy-Setting erfrischend, mittendrin zog es sich aber ein wenig und ich legte es zur Seite. Nun also wieder angefangen und zu Ende gespielt, und leider: Das Spiel reisst nach hinten raus alles ein, was mich vorne so begeistert hat. Und zwar einfach deshalb, weil es urplötzlich sauschwer und überkomplex wird.

Das “Persona”-System mit seinen. vielen Permutationsmöglichkeiten bei der Magiekombination ist schon echt komplex, aber bei “Metaphor” ist alles auf Eleven gedreht. Hier hat jede der 8 Spielfiguren gleich 25 Personas zur Auswahl, mit jeweils 20 Stufen, die aber nur durch Kreuzabhängigkeiten und dem Vorleigen von zig Voraussetzungen erreichbar sind.

Das ist leider viel zu viel und funktioniert auch nicht gut, denn es es gibt keine wirkliche Freiheit zur Kombination, sondern einen ziemlich schmalen Critical Path von “richtigen” Entscheidungen ud Kombinationen. Verlässt man diesen Pfad, baut seine Charaktere nach eigenem Gusto und entscheidet sich, aus Sicht der Spielentwickler, für die “verkehrten” Personas und Skills, dann kann man das Spiel nicht schaffen. Wie dieser Pfad verläuft, das sagt einem aber niemand.

So fehlten mir um Stunde 70 rum plötzlich gut 15 Level bei jedem Charakter, was dazu führte, das selbst meine gut gerüstete Heldentruppe plötzlich wieder extreme Probleme bei Feld-, Wald- und Wiesengegnern hatte. In der Folge dauern selbst Nebenkämpfe ewig, Bosse waren gar nicht mehr zu machen und selbst auf Schwierigkeitsgrad “Leicht” war alles eine Herausforderung.

Gleichzeitig lief die Zeit weg, weil meine schwachen Charaktere dauernd Pausen brauchten. Denn leider kann man nicht beliebig Level grinden, durch das “Persona”-Spielgerüst ist die Anzahl der möglichen Aktionen ist begrenzt, ein Kalender läuft mit und bei einem Enddatum kommt es zu einem Bosskampf. Bei “Persona” war das Okay, weil jeder Spielcharakter genau eine Persona zum Aufleveln hatte. Aber 25?!

Dazu kam, das ich erst spät verstanden habe, dass ich die wirklich alle Figuren mit sehr speziellen Personas leveln muss, auch bei Figuren, die ich gar nicht aktiv in der Party habe. Tut man das nicht, hat man im letzten Viertel keine Chance mehr, die Voraussetzungen zu erfüllen die Figuren so stark zu machen, dass sie den Endboss überstehen.

Fledermauskumpel Heismay bspw. kann sehr mächtig werden – aber NUR, wenn er zuvor in Summe 9 Personas bis Maximum aufgelevelt UND dick mit diversen Charakteren befreundet ist. Was man aufleveln muss, sagt einem das Spiel nicht – bzw. erst, wenn man es ohnehin schon getan hat. Ohne seine mächtige Form ist Heismay nutzlos.

Dazu kommen weitere unfaire Elemente, wie Bossgegner, die sich über die bis dahin etablierten Regeln der Spielwelt hinwegsetzen. Kurz vor Ende gibt es Gegner, die sich bis zu 16 Aktionen herbeizaubern – sobald die am Zug sind, kann man erstmal Kaffee trinken gehen, und wenn man wiederkommt, ist die eigene Heldentruppe tot.

Oder der Drache, der ab Kampfminute drei alle Spielfiguren so verzaubert, dass sie nie zum Zug kommen, und sie dann einfach mit einem Atomschlag von 10.000 Schadenspunkten verbrennt (zum Vergleich wie heftig so ein Treffer ist: Eine Figur hat ungefähr 400 Lebenspunkte). Manchmal gibt es auch hier supersimple Taktiken. So kann man dem Drachen mit einer bestimmten Figuren auf einem bestimmten Level und einem bestimmten Spruch eine Schwäche gegen Feuer anhexen, und wenn man dann noch Items oder Zaubersprüche hat, die sein Feuer reflektieren, verbrennt er sich instantan selbst. Nette Idee, aber woher zum Geier soll man das wissen??

Oder das Viech, das einfach mit einer allmächtigen Smartbombe alle Figuren des Spielers schlicht wegsprengt. Keine Verteidigung möglich. Das tut der Gegner aber nicht gleich, sondern nachdem man sich EINE FUCKING STUNDE an ihm abgearbeitet hat. Sein letzter Move vor seinem Exitus ist dann, einfach alles wegzuhauen – aber NUR, wenn eine der Spielfiguren ein bestimmtes Kleidungsstück trägt. WTF??

Vom Endgegner will ich gar nicht erst anfangen. Der Kampf gegen den Typen ist elegant, fair und sinnvoll – IN DER ERSTEN RUNDE. Leider steht der Penner immer wieder auf, wird jedesmal mächtiger und setzt man Ende Techniken ein, zu denen mir nicht mehr einfällt.
Zu dem Zeitpunkt war ich schon auf der allereinfachsten Schwierigkeitsstufe “Storyteller”, die ist noch unter “Leicht”, und ich hatte sehr gut aufgelevelte Figuren. Und trotzdem hat der Typ meine gesamte Party mit zwei Zügen plattgemacht.

Nun können auf “Storyteller” alle Figuren sofort wieder mit vollem Lebensbalken aufstehen, sobald die gesamte Heldentruppe gefallen ist, aber dieser Typ ist so mächtig, dass er bereits wieder alle gekillt hatte noch bevor sie einen Zug ausführen konnten. Nein, sowas macht keinen Spaß – und wenn man den Kampf mangels Items oder wegen “falscher” Skills gar nicht bestanden werden kann, dann ist das schlechtes Spieldesign.

Solche Dinge und diese fragwürdigen Designentscheidungen mit den möglichen Sackgassen, in die man nach 80, 90 Stunden hineinlaufen kann, sind einfach nur ärgerlich. Was soll sowas? Haben sich die Designer gesagt “Na, beim zweiten oder dritten Durchlauf weiß der Spieler es dann?”

Danke, da verzichte ich. Ich hatte mit “Metaphor” viel Spaß, bis es urplötzlich komisch wurde, kippte und sich alles nach Arbeit anfühlte. Am Ende war es mir dann auch völlig egal, was da passiert. Ich wollte nur noch, das es vorbei ist.

Ich spiele ein Spiel weil ich Spaß möchte, ich will es weder studieren müssen, noch Arbeit damit haben.

TL, DR; “Metaphor” sieht toll aus, hat ein feines Artdesign und sehr besondere Musik, nices Gameplay und eine gut geschriebene Geschichte. Da steckt viel Liebe und Können drin. Das bewährte “Persona”-System wurde aber leider extrem verkompliziert und mit weiteren Systemen überladen, und, wie gesagt: Die Sackgassen! Wenn Spielerinnen nach 90 Stunden Spielzeit das Ende aber nur auf Youtube erleben können (ist einer Freundin von mir so ergangen), dann stimmt da grundlegend was nicht.

Yakuza 3 Kiwami [2026, PS5]
Ein verurteilter Ex-Yakuza macht auf Okinawa ein Kinderheim auf, nennt es “Morning Glory”, hält da sechs Kinder zwischen 4 und 8 Jahren und überlässt deren Pflege und alle anderen Arbeiten einer Neunjährigen.

Warum ist sowas erlaubt? Wieso macht der angebliche Ex-Yakuza das? Und wieso sollte irgend jemand sowas spielen wollen?
Nun, das weiß niemand, aber Yakuza 3 existiert nun mal.

Das Originalspiel erschien 2008 und war schon damals schräg, ich hatte 2020 das Remaster gespielt und keine Minute Spaß damit. Die Grafik war igitt, das Kampfsystem nervig und langsam, Auseinandersetzungen dauerten Minuten, weil Gegner dauernd blockten, die Steuerung war unter aller Sau, das Pacing völliger Müll, vor allem aber war die Prämisse creepy:
Warum hat ein erwachsener und sehr gestörter Mann mit supergewalttätiger Vorgeschichte so ein Interesse an wildfremden und kleinen Kindern? Warum DARF der die als Vorbestrafter überhaupt betreuen? Warum heißt das Waisenhaus ausgerechnet “Morgenlatte”? (Das bedeutet Morning Glory nämlich im englischen Slang).

Diese fürchterliche Ausgangslage hat sich auch im Remake nicht geändert. Ansonsten wurde aber alles modernisiert und spielbarer gemacht.

Im Kämpfen kommt das Brawler-System der neuen Yakuza-Teile wie “The Man who erased his Name” zum Einsatz, allerdings mit einem schlanken Fertigkeitsbaum. Die Nebenmissionen wurden von 100 auf 31 eingedampft, wobei vor allem der repetitive Quatsch und die dummen Fetchquests entfallen ist. Dafür wurden Fotosafaris, Kontaktsammlung, E-Scooter und blöde Sammelaufgaben aus “Infinite Wealth” hineingestopft, bis es wieder an jeder Ecke zu viel wird.

Das Squad-System hat nach “Pirate Yakuza in Hawaii” seinen zweiten Auftritt hat. Hier managed man keine Schiffsbesatzung, sondern eine Frauen-Motorradgang. Das ist nicht so motivierend wie die Seeschlachten, aber immer noch ganz launig.

Größter Vorteil aber: Die Einzelstories der Waisenkinder sind komplett optional. Im Original gab es Zeitdruck durch die Hauptstory, aber die kam nicht von der Stelle, weil man erst geschlagene zehn Spielstunden lang einhundertundeine Fetchquest für die jammernden Arschlochkinder im Waisenhaus absolvieren musste.

Das ist in der Kiwami-Fassung nun zum Glück anders: Die nervigen Blagen werden kurz eingeführt, aber dann muss man sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen. Falls das doch jemand tun möchte besteht natürlich die Möglichkeit dazu, jetzt sogar mit mehr Abwechslung. In zahllosen Minispielchen kann man den Waisenkindern Taschen nähen, mit ihnen Fische oder Schmetterlinge fangen, einen Kuhstall bewirtschaften, Gemüse pflanzen und damit kochen und einen Hundewelpen groß ziehen.
Zum Kotzen.
Aber wie gesagt: Alles optional.

Wer lieber der Story folgen will, lässt den ganzen Cosy-Mumpitz links liegen und reist einfach sofort wieder von Okinawa nach Tokyo, um in den nächtlichen Gassen des Rotlichtviertels Punks zu verhauen und Geheimnissen um korrupte Politiker auf die Schliche zu kommen. Durch diese Möglichkeiten der Abkürzung ändert sich das gesamte Pacing des Spiels, und zwar zum deutlich Besseren.

Besser sind auch die neuen Figuren, die jetzt halbwegs realistisch aussehen und deren Performances teils echt creepy sind. Was Wunder, ist doch zumindest einer der neuen Schauspieler auch im echten leben ein creepy Frauenschläger.

Kurz gesagt: Yakuza 3 Kiwami ist ein besseres Spiel als das Original und das gewalttätigste Cosy-Game, was es bislang gibt. Das ändert nichts an der absurden und fragwürdigen Prämisse, die beim Spielen dauerndes Unbehagen erzeugt.


Machen:

  • Früh ins Bett gehen

Neues Spielzeug:

Eine Insta360 X4 Air im Starterbundle. Leicht und klein, nicht so gute Dämmerungsaufnahmen wie das aktuelle Flagschiff X5, dafür eine Akkulaufzeit von rund 90 Minuten und 8K. Für erste Schritte in Sachen 360-Grad Aufnahmen wird´s reichen. Ausschlaggebend war gerade ein sehr niedriger Preis für das Bundle und, im Vergleich zur Konkurrenz DJI Osmo 360, eine ausgefeilte Editing-Software.


Ding des Monats:

Schneeketten! Für die Füße!


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Januar 2026

Momentaufnahme: Januar 2026

Herr Silencer im Januar 2026

Wetter: Wir starten ins neue Jahr mit ordentlich Schnee, Regen und dann mehr Schnee, bei +2 bis -11 Grad. Nach einem kurzen Hüpfer über die Null-Grad-Grenze frostet es dann weiter, wieder bis -7 Grad. Und es beginnt zu schneien und hört nicht mehr auf, in einer Nacht 20 Zentimeter, dann immer 5 hinterher plus gelegentlichen Eisregen. Ungemütlich.


Lesen:


Terry Pratchett: The Wee Free Men [2003, Kindle]
Tiffany Aching ist neun Jahre alt und lebt im Kreideland, den Hügeln voller Schafe am Fuße der Spitzhornberge. Sie ist gut in der Herstellung von Käse, und sie sieht DINGE. Allerdings nicht Dinge, die nicht da sind – das tun alle Menschen, ständig. Sie sieht Dinge, wie sie wirklich sind. Das macht sie zum idealen Material für eine Hexe.

Geschichten von der Scheibenwelt sind mein cosy Ort, mein Hygge, mein Safespace – und weiß Gott, sowas kann gerade jeder brauchen.

Vor 22 Jahren habe ich meiner Ziehtochter die Geschichte der “Wee Free Men” vorgelesen, damals auf Deutsch. Über die “kleinen freien Männer” konnte ich mich damals wie heute amüsieren. Die versoffenen, rauflustigen und gerade mal 10 Zentimeter großen schottischen “Feen” sind sowas wie Pumuckls unflätige Cousins. Schon klar, dass der friesische Dialekt, der in der deutschen Übersetzung verwendet wurde, nicht ganz so gut rüberkommt wie der schottische im Original, aber Crivens!, die englische Version ist auf so vielen weiteren Ebenen einfach nochmal so viel besser mit ihrem “Nae ken” (Ich weiß nicht) oder “Waily! Waily! Waily!” (Oh je!) von Daft Wullie.

Die deutsche Fassung wurde damals, meine ich, auch als Buch für Kinder und Jugendliche beworben, weil der Young Adult-Markt durch Harry Potter gerade boomte. Mag sein, dass die Übersetzung sich dem angepasst hat, in der englischen Version ist das hier kein Kinderbuch. Besser noch: Tiffany Aching führt vor, was der Unterschied zwischen Zauberern und Hexen ist. Das ganze Buch über sucht sie eine Schule oder eine Universität, in der sie lernen kann, wie eine Hexe sein soll – und findet dann heraus, dass das echte Leben die Schule ist.

Terry Pratchett: A Hat Full of Sky [2005, Kindle]
Die Ausbildung beginnt. Auch wenn Tiffany Aching die böse Feenkönigin mit nichts weiter als einer Bratpfanne besiegt hat, eine Hexe ist sie noch lange nicht – und vielleicht wird sie auch keine werden, denn selbst einfachste Magie will ihr nicht gelingen. Sie beherrscht nur einen Trick: Sie kann für sehr kurze Zeit ihren Körper verlassen.

Als sie das tut und wieder zurück will, ist der Körper allerdings besetzt von einem Hiver, einem sehr alten und sehr mächtigen Wesen. Zum Glück bekommen die Nac MacFeegle das mit und schmieden einen “PLN”.

Herzallerliebst und sehr, sehr spannend. Pratchett erzählt hier in Hochform: Gefahr und Risiko sind hoch, die Helden erleben eine echte Heldenreise und die Charaktere sind so herzig, dass es wirklich berührt, wenn der Hiver beginnt die zu töten.


Hören:


Sehen:

Tron Ares [2024, Disney+]
Ein cholerisches Jüngelchen hat einen 3D-Drucker erfunden, der aus Luft und Liebe rote Autos, schlecht gelaunte Leute und Jared Leto druckt. Dummerweise zerfällt das alles nach 29 Minuten wieder. Als eine Frau auf einem Gletscher Orangen pflückt, soll Jared Leto ihr Geheimnis klauen.

Ach, man möchte sich nach Ansehen von “Ares” das Hirn ausspülen. Die Story ist knackedoof, die Schauspieler einfach nicht gut und alles ist erkennbar als Jared Leto-Vehikel gebaut. Irgendwie denkt Hollywood immer noch, der sei ein Star und Kassenmagnet – dabei hat man als informierter Zuschauer bei dem Namen eher den Geruch von kaltem Sperma und Bilder von toten Ratten im Kopf. Assoziationen, die sich der Typ nach dem Dreh von “Suicide Squad” eingefangen hat, nachdem bekannt wurde, dass Teil seines “Method Actings” war, Kolleginnen benutzte Kondome und tote Kleintiere zu schicken.

Dieser Jared Leto steht also in einer kackdummen Handlung rum und hat sichtlich keine Ahnung, was er hier eigentlich spielt. Seine Figur handelt erratisch und guckt permanent, als sei hinter der Stirn einfach kein Licht an.

Da hilft es dann auch nicht, dass die Musik von Nin Inch Nails selten zu den Szenen passt, über die sie drübergeklebt ist. Beim Vorgängerfilm “Tron Legacy” gaben Daft Punkt dem Film einen besonderen Vibe und schwangen im Flow mit dem Film, bei “Ares” spielt sich NIN permanent und unangenehm unpassend in den Vordergrund.

Schick ist das rote Produktionsdesign, aber das reisst es nicht mehr raus.
“Ares” ist pfui.
Und auf Disney+ ist der Ton schon wieder unter aller Sau.

Automata [2014, BluRay]
In einer Art Billo-Blade Runner Welt gibt es nur noch wenige Menschen. Die vegetieren in Riesenstädten dahin, die von Robotern am Laufen gehalten werden. Diese Roboter haben zwei unumgängliche Direktiven:
1. Es ist ihnen verboten, ein Lebewesen zu verletzen oder die Verletzung zuzulassen.
2. Es ist ihnen verboten, sich selbst oder einander zu verändern.

Als ein Roboter dabei erwischt wird, wie er doch heimlich an sich herummanipuliert, wird Antonio Banderas eingeschaltet. Der glaubt nicht daran, das Roboter ein Bewusstsein entwickeln können, erfährt dann aber, dass die beiden Roboter-Direktiven nicht von Menschen stammen und so komplex programmiert sind, dass auch kein Mensch sie jemals wird verstehen können.

Interessanter SciFi-Mystery mit einer coolen Prämisse und teils intensiven und gut geschriebenen Szenen. Leider kommt auf jede gute Szene zwei, die zu lang ausgewalzt oder zu kompliziert sind, und vermutlich ist der Film deshalb ziemlich gefloppt.

Das ist schade, denn er sieht besser besser aus als das Budget vermuten lässt und ist gespickt mit Stars, neben Banderas kommen auch Dylan McDermott und Melanie Griffith kurz vor. Letztere war damals noch mit Banderas verheiratet, vermutlich hing sie zu oft am Set rum und musste dann mit vor die Kamera.

White Out [2009, BluRay]
Kate Beckinsale ist US-Marshal und hat ein ungewöhnliches Revier: Den Südpol. Dort hat sie zwei Jahre ruhigen Dienst auf der Amundsen-Scott-Station hinter sich gebracht, nun geht es in wenigen Tagen nach Hause. Oder auch nicht, denn plötzlich liegt mitten im Eis ein toter Geologe. Der erste Mord in der Antarktis!

Beckinsale versucht den Fall zu lösen, hat dafür aber nicht viel Zeit: In 48 Stunden setzt ein Sturm ein, die Temperatur fällt auf minus 70 Grad und der antarktische Winter beginnt, weshalb sich die Station für ein halbes Jahr einigeln und den Kontakt zur Außenwelt verlieren wird.

Spannender Thriller der Dark Castle Studios, die schon coole Dinge wie “13 Ghosts”, “Ghost Ship”, House of Wax” oder “Suburbicon” gemacht haben. Die Filme folgen immer dem Muster: ein bis zwei Stars, gute Geschichte, niedriges Budget, kreative Umsetzung. In “White Out” springt denn auch neben Kate “Seline” Beckinsale auch Tom Skerrit (Top Gun) herum. Das Setting ist unverbraucht, die Story ist gut – einzig die Inszenierung haut hier in den Sack.

Die Regie ist sich nämlich nicht sicher, ob sie die Forschungsstation im Eis als düsteren, klaustrophobisch engen Ort zeichnen möchte, oder als Erstsemester-Saufparty von männlichen Wissenschaftlern – und macht einfach beides. Das wirkt seltsam und tonal daneben, kriegt zum Glück aber kurz vor Schluss die Kurve auf die Action-Thriller-Bahn. Man spürt das verschenkte Potential, geht aber trotzdem zufrieden aus dem Film. Kein Top-Hit, aber spannend und gut schaubar.


Spielen:

Resident Evil 4: Separate Ways [2023, PS5]
Geheimagentin Ada Wong arbeitet für den bösen Umbrella Konzern. Der hat Pläne mit “La Plaga”, der Seuche auf einer spanischen Insel. Während Ada hinter dem Kern der Plage her ist, stolpert zeitgleich auch Leon Kennedy über die Insel.


Netter kleiner, rund sechsstündiger, DLC zum Resident Evil 4 Remake von 2023. Er bildet die Parallelhandlung zum Hauptspiel ab, in dem die geheimnisvolle Ada ja immer wieder mal auftauchte und dem Helden half. In “Separate Ways” wird erklärt, wie es dazu kam und was Ada in der Zwischenzeit machte. Schön umgesetzt, nichts wird ausgewalzt bis es nervt, wenige Bosskämpfe, sehr spannend und definitiv die 8 Euro wert.

Resident Evil Village: Shadow of Rose [2022, PS5]
16 Jahre sind seit den Ereignissen von Resident Evil Village vergangen. Rose Winter, die Tochter der damaligen Hauptfigur, wächst allein und einsam auf. Sie trägt immer noch das Metamycel in sich, dass ihr besondere Kraft verleiht, sie aber auch zur Außenseiterin macht. Dann erhält sie die Chance, diese Kräfte los zu werden und ein normales Leben zu führen. Dazu muss sie gedanklich nur tief ins Mycel-Netzwerk eindringen.

Ein netter, kleiner, dreistündiger DLC, der im Wesentlichen aus drei Teilen besteht: Erkundung eines recycelten Schloss Dimitrescu, Horror in einem recycelten Haus der Puppenmacherin und Rumrennen in einem recycelten Dorf.

Dank neuer Spielmechaniken und cleverer Puzzle fühlt sich das aber nicht nach Recycling an und macht durchgehend ziemlich Laune.

Leider bündelt der kleine DLC auch unnütze Erweiterungen wie den Multispielermodus und eine Third-Person-Ansicht auch für das Hauptspiel (Dann doch. Endlich hört wer auf mich. First Person ist halt IMMER eine schlechte Idee bei 3D-Spielen!) und wird deshalb immer noch für 20-30 Euro gehandelt. Das ist zu viel Geld für lediglich drei Stunden Spiel. Er ist aber auch Bestandteil der RE VIII-Goldedition.


Machen:

  • Arbeiten. Es gibt einfach keine Ruhephasen mehr.

Neues Spielzeug:

Eine neue Drohne, eine Mavic Mini 5 Pro von DJI. Erstaunlicherweise größer als meine acht Jahre alte Mavic Air, dafür aber 180 Gramm leichter und C0-Klasse. In der Fly More-Combo steckt diesmal kein unnützer Kram wie Propellerkäfige, sondern neben einer Tasche, Ladegerät plus drei Akkus auch ND-Filter und eine Fernbedienung mit Display. Die ist besonders wichtig, denn bei der alten Drohne musste man dafür sein Smartphone in den Controller klemmen. Das funktionierte nicht gut, und die Reichweite war extrem begrenzt und Verbindungsabbrüche an der Tagesordnung.

An der Mini 5 Pro merkt an, wie rasant die Entwicklung vorangegangen ist. Die Mini fliegt sich einfacher, hat deutlich besseres Tracking und eine tolle Hindernisvermeidung, dank vier Rundumkameras plus LIDAR nach vorne.

Krass auch das Kamerasystem. Der Sensor ist groß, der Gimbal sogar auf Hochkantformat drehbar. Dadurch, dass die Rumfummelei mit dem Smartphone für die anfällige Flugsteuerung entfällt, werde ich die kleine Kiste hoffentlich öfter mal zum Einsatz bringen.


Ding des Monats:

Eine Miniratsche der englischen Firma SaberCut, eine MRSC07.

Die ist sehr klein…

…es gibt eine Verlängerung…

…der Kopf lässt sich abwinkeln…

… und die Verlängerung lässt sich als T-Stück nutzen.

Leider arschteuer. Zu spät habe ich gemerkt, dass es genau das Teil auch von KS Tools gibt, da kostet es nur die Hälfte.

Zusammen mit dem Mini-Zangenschlüssel (links), der Maulschlüssel bis Größe 23 ersetzt, schrumpfen die beiden Dinger das Bordwerkzeug der V-Strom etwas.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Dezember 2025

Momentaufnahme: Dezember 2025

Herr Silencer im Dezember 2025

Wetter: Monatsanfang bei -1 bis 6 Grad, dann wirds wieder mild und dümpelt zwei Wochen bei 7 bis 10 Grad rum. Zu Weihnachten dann Frost und bis zu -9 Grad, dann Eisregen und weiterhin -5 bis -2.


Lesen:

Andy Wilman: Mr. Wilman’s Motoring Adventure: Top Gear, Grand Tour and Twenty Years of Magic and Mayhem
Andy Wilman ist der vierte Mann des Trios Clarkson/Hammond/May. Er ging mit Clarkson zur Schule, war später der Miterfinder des neuen “Top Gear” und hob dann “Grand Tour” aus der Taufe, heute produziert er “Clarksons Farm”.

Das hier sind seine Memoiren. Die sind etwas umständlich geschrieben, stellenweise zu weit ausgeholt und sprachlich gespickt mit echt komplizierten britischen Idiomen und lokalem Slang, aber trotzdem unterhaltsam für alle, die Anekdoten um Top Gear und Grand Tour ihre Entstehung schätzen. Was aber nicht aufgeklärt wird: Was Clarkson seinerzeit mit dem Producer angestellt hat, weswegen er dann bei der BBC gefeuert wurde.


Sehen:

King Arthur [BluRay, 2017]
Der junge Arthur wird in einem Hurenhaus großgezogen. Zum kampferprobten Dieb aufgewachsen, zieht er versehentlich ein Schwert aus dem Stein und gerät so in den Fokus des bösen Jude Law. Gut, das Arthur eine Rebellengrupppe hat, mit der er Heists auf Camelot verübt.

Hä? Berghohe Kampfelefanten, Jude Law als Sauron, Magiertürme, gigantische Heere Riesenschlangen? Das sieht hier alles eher nach “Herr der Ringe” aus als nach der klassischen Artussage! Und dann ist das ganze auch noch von Guy Ritchie und im Stile seiner London-Gangster-Movies geschnitten? Was ist das denn?

Nun, in erster Linie bricht “Arthur” jegliche Erwartungshaltung und ist 2017 an den Kinokassen völlig baden gegangen. Ich fand´s aber extrem unterhaltsam, einen Verschnitt aus “Herr der Ringe” und Guy-Ritchie-Gangsterfilm zu sehen. Der Film ist gut geschrieben, schön gespielt und alles ist hier bis auf Anschlag hochgedreht: Camelot ist monströs groß, das mittelalterliche London mittelalterlicher als Mittelalterlich und die Kampfszenen sind episch. Nice!

Superman [2025, Bluray]
Der langweiligste Superheld aller Zeiten kämpft gegen Elon Musk und Social Media und es ist – unterhaltsam?

Ich war nie Team Strahlemann, ich war schon immer Team düster-dunkel-Batman. Von einem Superman-Film erwartete ich genau gar nichts, und diesen hier schaute ich nur, weil ich James Gunns Arbeit mag. Dessen Handschrift ist auch hier deutlich erkennbar: Vorbei sind die Zeiten des unsympathischen und grüblerischen Jack-Snyder-Superman, DIESER Superman hier ist wieder grundgut und leicht naiv, bunt und schließt direkt an die alten 70er-Jahre-Filme mit Christopher Reeve an.

Superman steht und fällt mit seinen Gegnern, und der hier ist extrem gut: Ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär manipuliert Medien, Politiker, um Superman fertig zu machen. Warum? Weil er denkt, er sei der einzige, der die Wahrheit kennt und jemand den Job tun muss, um die Welt zu retten. Ein echter Wichser vom Schlage eines Musk, Thiels oder Bezos, der in Szenarien herumrührt, die sogar recht deutlich den Krieg Israels gegen die Palästinenser spiegeln oder ihn unverhohlen rassistisch zeigen, ICE-Analogien inklusive. Der Film geht diese Themen frontal an und hat dazu eine Meinung, was dazu führt, das dieser Superman in den USA nun als woke gilt – dabei hat Superman schon immer Nazis verkloppt und Schwache beschützt.

Ein unterhaltsamer und, im Trumpzeitalter sogar mutiger und Hoffnung machender Film. Können wir ja alle brauchen.
Und angeblich steht das “S” auf Supermans Brust ja für Hoffnung. (Fragen sie nicht.)


Spielen:

Dispatch [2025, PS5]
Los Angeles, 20 Minuten in der Zukunft: Superhelden gehören zum Alltag. Einer von ihnen ist Robert Robertson, der als “Mecha Man” in einer Rüstung für Gerechtigkeit sorgt. Dummerweise bekommt diese Rüstung einen Totalschaden ab, und Robert muss sich aus dem Superheldendasein zurückziehen. Unerwartet erhält er ein Angebot vom SDN, dem “Superhero Dispatch Network”. Robert soll als Mentor eine Gruppe Superbösewichte anleiten und sie rehabilitieren, in dem er sie als Dispatcher zu Notfalleinsätzen schickt.

Ein Schreibtischjob, und das dirigieren der Ex(?)-Bösewichter ist wie ein Sack Flöhe hüten: Zusammenarbeit Null, versiebte Aufträge am laufenden Meter, Alleingänge sind Alltag und ab und an blitzt das Böse halt doch noch durch. Als ein echter Superbösewicht die Stadt angreift, muss die Rehab-Chaotentruppe überlegen, was ihnen wichtig ist.

“Dispatch” ist ein “Unter-dem-Radar”-Spiel, das durch Mundpropaganda langsam Fahrt aufnimmt. Da mache ich doch gerne mit!

Also:

“Dispatch” ist SO gut, dass ich es gleich zwei Mal hintereinander gespielt habe!

Das gab´s noch nie!

Das Game kommt von ehemaligen TellTale-Mitarbeitern. Telltale, das war das Studio, dass in den 2010er Jahren von sich reden gemacht hat, weil Games wie “The Walking Dead” oder die Fables-Adaption “The Wolf among Us” gemacht haben, genau wie die sehr guten Games zu “Game of Thrones”, “Back to the Future IV” oder “Tales from the Borderlands”.

Diese Spiele rückten immer die Story in den Vordergrund und glänzten durch deren filmische Inszenierung. Spielerisch gab es wenig zu tun, außer sich für Option A, B oder C zu entscheiden. Diese Entscheidungen hatten immer den Anschein von gravierenden Auswirkungen: Rette ich meine alte Freundin aus Kindheitstagen oder meine Lieblingsnachbarin? Beides geht nicht.

Genau so funktioniert auch “Dispatch”. Feuert man das Invisigal aus der Truppe, weil sie bei einem Alleingang Dinge geklaut hat und alle auf sie sauer sind? Oder belässt man sie im Team, weil man eine Romanze mit ihr starten möchte, zieht sich aber den Ärger aller anderen zu?

Am Ende des Tages haben die Entscheidungen nur Auswirkungen auf das Ende des Spiels, aber wenig Auswirkungen auf den Fortgang der Geschichte. Sie fühlen sich aber stets wichtig an, und da die Story extrem gut geschrieben und inszeniert ist, sind einem die Charaktere und was mit ihnen geschieht auch nie egal.

Im Gegenteil, im Laufe der acht, rund einstündigen Episoden, wächst einem die Chaotentruppe ans Herz, auch wenn sie sich benehmen wie die letzten Arschlöcher. Das spiegelt sich auch in der Umsetzung wieder: Hier wird geflucht, gesoffen, geprügelt, geblutet, nackte Haut und Sexszenen gezeigt, dass es eigentlich ein Wunder ist, das “Dispatch” eine Jugendfreigabe hat – das ist definitiv ein Spiel für Erwachsene.


“ARGH, she temporarily blinded me!!” “What do you mean temporarily? Bitch, u gonna be blind forevaaaaaa!”

Gameplaytechnisch ist mehr zu tun als bei den TellTale-Games, denn pro Episode muss man zwei Schichten als Dispatcher schieben und seine Antihelden zu Notfall-Einsätzen schicken. Deren Fähigkeiten müssen mit den Anforderungen des Jobs zusammenpassen, und man, das ist gar nicht mal einfach. Bis ich das System und seine störrische Steuerung verstanden hatte, waren schon drei Episoden rum und ich war einfach richtig, richtig schlecht darin.

Spielt aber auch kaum eine Rolle, irgendwann ist die Schicht rum, und das Spiel geht trotzdem weiter. Man sieht aber am Ende jeder Episode, wie man im Vergleich zu anderen Spielern abgeschnitten oder sich entschieden hat, und es sticht schon ein wenig, zu den schlechtesten 2 Prozent aller Spieler zu gehören.

Egal – “Dispatch” erzählt eine tolle Geschichte um Liebe, Verrat und Familie, bietet grandiose Charaktere und exzellentes Writing, gepaart mit einer sehr coolen und filmischen Präsentation und Dialogen, die im Gedächtnis bleiben. Hier sind absolute Könner am Werk gewesen. Das Game ist spannend, lustig und stellenweise rührt es zu Tränen. Alle der acht Episoden gibt es nun gesammelt für PC und PS5 für rund 30 Euro, und sie sind jeden davon wert.

Like a Dragon: Pirate Yakuza in Hawaii [2025, PS5]
Ein Mann wacht an einem Strand auf. Ohne jegliche Erinnerung daran, wer er ist oder wie er hier hergekommen ist. Als Spieler der “Like a Dragon”-Reihe weiß man: Das ist Goro Majima, der legendär zwielichtige und meist völlig durchgeknallte Yakuza, der einem in der Vergangenheit immer wieder das Leben schwer machte.

Nun kommt Majima aus Gründen an ein unerklärtes Piratenschiff, und zack: Ein Yakuza-Pirat. Auf Schatzsuche. Auf den Inseln und Atollen um Hawaii.

Als ich vor einem Jahr in Japan die Ankündigungsposter zu “Pirate Yakuza in Hawaii” sah, war mein erster Gedanke: Jetzt sind die Leute bei Ryu Ga Gotoku völlig durchgeknallt. Das Game kam dann im Februar raus, gespielt habe ich es jetzt erst. Und, was soll ich sagen – es IST durchgeknallt, aber ich hatte eine Menge Spaß damit!

Natürlich ist die Story rund um den Yakuza-Piraten völlig kuckuck und wird im Verlauf auch immer nur noch irrer bis zu dem Punkt, dass ich erwartetet habe, dass Majima als nächstes auf einem Dinosaurier reitet oder am Ende alles nur ein Traum des kleinen Arschlochkinds ist, das Goro im Schlepptau hat. Auf jeden Fall ist das hier weit entfernt von den düsteren Hardboiled-Thrillern der alten Hauptreihe.

Aber das ist halt das Konzept: Zwischen den riesigen und meist ernsten Hauptspielen bringt das Entwicklungsstudio kleinere und etwas spinnerte Ableger heraus, wie vor zwei Jahren “The Man who Erased his Name”, bei dem Yakuza Katsuma plötzlich vom Geheimdienst rekrutiert wurde und in der Folge mit James-Bond-Gadgets rumlief. Oder halt jetzt dieses Piratending.

Anywho, anfangs war ich etwas genervt, weil “Pirate Yakuza” in ausgelutschten Szenarien der Vorgänger spielt und wieder recht lange braucht, um in den Schweiß zu kommen. Hier steckt wieder zu viel Nebenkram drin: Pflanzen ziehen, kochen, Dinge sammeln und verkaufen, schlafen, essen, Kampftechniken, Dutzende Nebenmissionen, Sammelaufgaben – dauernd wird man hier mit was neuem zugeballert. Zum Glück ist der meiste Kram optional, nichts davon muss man wirklich tun, um die Hauptgeschichte zu erleben. Nach einigen Stunden kommt das Ganze dann in einen schönen Flow, und besonders wenn es aus dem bekannten Honolulu-Szenario weg geht, wird “Pirate” richtig gut.

Gameplaytechnisch haben die Japaner hier Ubisoft den Finger gezeigt. Die Franzosen werkelten ja 10 Jahre an ihrer Piratensimulation “Skull & Bones” rum, und das Ergebnis war eine mittlere Katastrophe. Ryu Ga Gotoku hingegen hat hier einfach mal “Assassins Creed: Black Flag” in der Dragon-Engine nachprogrammiert, inklusive epischer Seeschlachten, Massenkloppereien und schlimmer Unwetter – und das macht auch noch Spaß! Dabei hat man sich als Hauptfigur eine ausgesucht, die genauso irre ist wie Captain Jack Sparrow, dabei aber viel gewalttätiger – und wer wollte nicht schon immer mal Captain Jack spielen!

Inseln von bösen Piratendudes befreien, Schätze finden, das eigene Schiff aufrüsten bis es alles platt macht, was da so rumschwimmt, dazu bei Lust und Laune durch Honolulu ziehen und Nebenaufgaben erledigen oder Crew rekrutieren – das macht einfach einen Heidenspaß. Die Hauptstory ist wirr, aber unterhaltsam und führt zu einem sehr schönen Ende.

Wer den Assassinenpiraten mochte und vermisst, wird mit dem Piratenyakuza sehr glücklich!


Hören:

Bershy: Radio

Aus dem “Dispatched”-Soundtrack, macht gute Laune. Und ich mag den Text:

I wake up exhausted, even in the morning
Like I’m made out of decaf, I’m barely running
Oh, and I hate parties
It’s just too many bodies
I don’t like small talk, I’m always leaving early

Das offizielle Video ist bestenfalls seltsam und ziemlich lame. Deshalb ist es kaum erstaunlich, das jeden Tag neue Fan-Videos auftauchen, geschnitten auf Szenen aus “Dispatch”. Und die sind richtig gut:


Machen:

  • Arrrrrrbeiten

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Eine richtig geile Trattoria-Pfanne von Tefal! Ich krebse hier ja immer noch mit dem IKEA-Starterset an Kochgeschirr herum (kleiner topf, mittlerer Topf, dünne Pfanne). Dank dieses Weihnachtsgeschenks habe ich nun eine richtig tolle Pfanne für Spaghettata Mezzanotte und anderen Schweinkram!


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 2): Ich Ich Ich

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 2): Ich Ich Ich

Was bleibt von 2025? Ein persönlicher Rückblick.

Ich Ich Ich
Vor einem Jahr an dieser Stelle schrieb ich: “Zum Jahresende stelle ich fest: Mir geht es gut. Ich fühle mich gut. Mir ist heitere Gelassenheit nicht in die Wiege gelegt, aber aktuell ruhe ich in mir.
Ja, ich bin resilient AF.”

Ich hatte so eine Vorahnung, dass ich diese Resilienz noch dringend brauchen würde. Wie heftig es dann wirklich kam, hätte ich mir aber nie träumen lassen.

Im Januar und Februar lebte ich auf einer Baustelle. Die Wasserschäden in dem Mietshaus, in dem ich wohne, wurden behoben. Monatelang in Lärm und Staub und Unordnung, das war nicht schön.

Gesundheitlich lernte ich im Februar was eine Analvenentrombose ist, und ich sag mal so: Angenehm ist anders. Immerhin ist die Gesundheit ansonsten Okay. Gut, das linke Knie zwickt bei Belastung, aber zumindest ist ansonsten laut ärztlichem Check alles bongo.

Freudig überrascht war ich, dass die Morrigan und ich es auf den Titel der Februarausgabe des Kradblatts geschafft haben. Wir sind jetzt berühmt!


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Das war das Jahr, das war (2025, Teil 1)

Das war das Jahr, das war (2025, Teil 1)

Jahresende. Zeit für die Rückschau. Was bleibt von 2025?
Plus: Beste Bilder.

Meine Güte. 2025 ist schon wieder vorbei?
Das Jahr ist scheinbar schnell durchgerauscht, dabei ist so endlos viel passiert.

Lage der USA und der Welt:
Noch bevor Trumps zweite Präsidentschaft beginnt fühlt es sich so an, als ob die schon seit Jahren liefe, so medial omnipräsent ist der orangefarbene Drecksack.

Dann beginnt es: Bereits in den ersten Tagen im Januar werden in den USA Deportationen verfügt, das Gesundheitssystem sabotiert, das Umweltministerium mit Vertretern der fossilen Industrie besetzt, Windkraft verboten, Verbraucherschutzgesetze gekippt, die Ölförderung in Nationalparks erlaubt, aus WHO und Pariser Klimaabkommen ausgetreten und verkündet, man werde Grönland und den Panamakanal annektieren.
Die USA liebäugeln mit dem Gedanken, Grönland zu überfallen?

Musk, der sich die Rolle des Vizepräsidenten für 286 Millionen Wahlkampfunterstützung günstig gekauft hat, spricht bei der Vereidigung im Kapitol und macht dabei den Hitlergruß, dann fällt er mit “X”-Entwicklern in der US-Schatzbehörde ein und übernimmt deren Systeme. Auf einen Schlag erhält der Oligarch so Zugriff auf Millionen von personenbezogenen und Finanzdaten.

Larry Ellison, Chef von Oracle, spricht gleichzeitig darüber, wie zukünftig das Verhalten der US-Bürger von KI und Drohnen überwacht werden müssen. Auch Bezos, Zuckerberg und Tim Cook küssen allesamt den Trump-Ring.

Es ist faszinierend: Es wirkt, als hätten Musk, Ellison und Co Dystopien wie “1984” oder “Cyberpunk” gelesen und denken nun: Ja! In so einer Welt wollen wir leben!
Alles, was falsch und evil ist, tun diese Leute in den autoritären Oligarchie, die die USA nun sind.

Die Welt verfällt ob dieser offenen Gräuel in Schockstarre, mal wieder. Warum eigentlich? Trump tut lediglich, was er vorher angekündigt hat. Dazu gehört: Die transatlantische Freundschaft aufkündigen und die westliche Weltordnung niederbrennen.

Das geht gleich weiter:
Februar: Der amerikanische Staat wird von Musk demontiert, “mit der Kettensäge”, wie der irre Ketaminjunkie stolz verkündet.

März: Trump und Vance demütigen Zelensky vor laufenden Kameras. Er hätte sich nicht genug bei Trump bedankt und seine Kleiderwahl sei unangmenessen.

April: Es zeigt sich, das Trump schlicht zu dumm ist zu verstehen, wie Volkswirtschaft funktioniert. Er verhängt Strafzölle für die ganze Welt, die nach wenigen Tagen und einem Börsencrash wieder zurückgenommen werden.

(Quelle: Internet)

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Momentaufnahme: November 2025

Momentaufnahme: November 2025

Herr Silencer im November 2025

Wetter: Anfang des Monats feucht und mild, bei 7-13 Grad. Ab Monatsmitte dann plötzlich 3 Grad und Graupel, Tendenz fallend bis runter auf -8 Grad und geschlossene Schneedecke. An den letzten Tagen wieder Regen und +9 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: The Farmers Dog
Geschichten von Clarksons Farm. Jeremy Clarkson schreibt eine wöchentliche Kolumne für die Sunday Times, das hier ist die 284. jährliche Sammlung. Routiniert geschrieben, wie immer sehr polterig und endlich gibt es ja wieder eine Labour-Regierung, der Clarkson für alles die Schuld geben kann. Teilweise ärgerlich, aber meistens unterhaltsam geschrieben und in den besten Momenten ein Blick hinter die Kulissen von “Clarksons Farm”.


Hören:

Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf
Herr Dr. Roth nimmt sich eine Auszeit. Im Ostseebad Niendorf will er die Geschichte seiner Familie aufarbeiten, die ihm sein Vater auf Tonbändern hinterlassen hat. Aber dazu kommt es nicht, denn das kleinbürgerliche Niendorf zieht den Karrierejuristen in seinen Bann. Immer mehr verliert sich Roth in Alkoholexzessen, Fantasien über junge Kellnerinnen und Verfolgungswahn.

Es gibt Bücher, die muss man einfach hören. Weil sie der Autor selbst liest, mit genau der Betonung und dem Dialekt, die er beim Schreiben im Kopf hatte. Marc-Uwe Klings “Kängurus” gehören dazu, und von Heinz Strunk muss man auch alles hören, was er geschrieben hat.
Strunk trägt seine Geschichte in teils hektischem Stakkato mit Harburger Zungenschlag und leichtem Lispeln vor. Das gab schon “Fleisch ist mein Gemüse” eine besondere Note, und auch bei “Niendorf” funktioniert das ganz hervorragend.

Inhaltlich ist “Ein Sommer in Niendorf” tatsächlich strukturiert wie “Der Tod in Venedig”. Hier wie dort verschlägt es einen gutsituierten Kleinbürger in eine Situation, in der er beginnt sich selbst zu zerstören und gleichzeitig die Nähe von denen zu suchen, die ihm wenig Gutes wollen.

Damit folgt Strunk seinen früheren Werken, an jeder Ecke riecht es hier nach “Goldener Handschuh” und stellt Typen in den Mittelpunkt, die versuchen ihr kleines Glück ganz am unteren Rand der Kleinbürgerlichkeit zu finden.

In seinen besten Momenten ist Heinz Strunk ein deutscher Bukowski. Vielleicht wäre er gerne ein deutscher Hemingway, aber Charles fand ich immer schon interessanter.


Sehen:

Fantastic 4: First Steps [2025, Disney+]
Die USA in den 60ern: Eine Astronautenfamilie fliegt ins All und wird versehentlich genetisch verändert. Fortan ist einer von ihnen aus Gummi, einer aus Stein, einer aus Feuer und die Frau kann sich unsichtbar machen. Zusammen müssen sie sich gegen eine silberne Surferin und einen Eimerkopf behaupten, der sie vor die Wahl stellt: Entweder er isst ihr Baby – oder den Planeten Erde.

Ich fand die Fantastischen Vier schon immer irgendwie meh, war aber sehr gespannt auf diese Verfilmung mit Pedro Pascal und Vanessa Kirby (die weiße Witwe aus “Mission Impossible” 6 und 7). Ein guter Cast, dazu Retro-Charme – was kann da schiefgehen?

Stellt sich raus: Alles.

Als die letzte Szene lief, entfuhr mir spontan ein “Was für ein reaktionärer Scheiß!” – und das trifft es ganz genau. Der Film ist nicht Retro auf eine charmante Art, also im Artdesign, sondern tatsächlich völlig rückwärtsgewandt was Charaktere und Erzählung angeht.

Hier wird das Bild der USA in den 60ern als heimeliger Ort gezeigt, wo Frauen noch wussten, dass sie hauptsächlich zum Kinderkriegen da sind und die Familie aus Mutti, Vati und den Kindern besteht besteht. Wie eine Werbereklame aus den 50ern wirkt das. Die Revoluzzer-Elemente, die die realen 60er prägten, werden völlig ausgelassen, und auch Ironie findet nicht statt. Die Welt von “First Steps” ist der feuchte Traum aller US-Republikaner und Rechtskonservativer anderer Länder.

So besteht Sue Storms gesamter Charakter aus schwanger und später Mutter sein, und der zentrale Plotpoint des Films ist ein Baby. Das ist dann ab dem ersten Drittel auch in nahezu jeder Szene, oder es wird darüber geredet. Baby hier, Baby da, Rabääääh.

Das ist für normale Zuschauer nervig, für Menschen mit z.B. meinem Hintergrund oder mit unerfülltem Kinderwunsch ist es schlicht unerträglich. Aber nun, es passt halt gut zum Zeitgeist in den USA. Die Familie als Keimzelle der heilen Welt.

Auch erzählerisch wird hier auf Nummer sicher gegangen und eine Geschichte vorgetragen, die bitte bloß niemandem auf die Füße treten soll. Das Ergebnis ist völlig langweiliger und irgendwie muffig riechender Quark.

Crocodile Dundee [1986, Bluray Neuauflage 2025]
Ein Krokodil hat einem Mann ein Bein abgebissen, und der hat dann drei Tage allein im Dschungel überlebt – so steht es zumindest in einer australischen Kleinstadtpostille. Eine amerikanische Journalistin recherchiert die Räuberpistole und trifft dabei auf Mick “Crocodile” Dundee, einen von Aborigines großgezogenen Abenteurer. Er zeigt ihr seinen Busch, sie nimmt ihn dafür mit nach New York.

“Das ist doch kein Messer. DAS ist ein Messer”

– Wunderbare “Fish out of Water”-Geschichte, hier in einer ganz frisch erschienenen BluRay-Neuauflage. Man muss die kleine, deutsche BluRay-Manufaktur Winkler-Film wirklich loben: Das Bild ist knackscharf und voller Details, der Ton ist selbst in der Synchro sehr gut und die Extras reichlich – So ist bspw. der Dokumentarfilm “Love of an Icon” komplett enthalten.

Ich finde den verschmitzten Charme, den Witz und die Chemie zwischen Paul Hogan und der (20 Jahre jüngeren) Linda Kozlowski nach wie vor großartig und kann mich über den Film immer noch genauso amüsieren wie zu der Zeit, als ich ihn in den Achtzigern im Kino sah. Sicher würde man einige Szenen so heute nicht mehr drehen, wie etwas die am Fluß, wo die Kamera etwas zu lange auf Kozlowskis teilentblößtem Hintern verweilt. Das sind aber absolute und seltene Ausnahmen, der Film ist auch heute nicht peinlich.

Die einzig WIRKLICH peinliche Szene ist nicht mehr im Film zu finden. Das war die mit dem Moment, als Dundee in New York auf eine Transfrau trifft und der zwischen die Beine fasst, um sich anschließen darüber lustig zu machen. Diese Szene darf nicht mehr gezeigt werden und ist weltweit in keiner Schnittfassung mehr enthalten. Dafür haben aber keine woken Aktivisten gesorgt, sondern Paul Hogan und Regisseur Peter Fairman selbst haben das so verfügt. Sie fanden die Szene Out-of-Character, denn es passt einfach nicht zum Gentlemen Dundee, dass der einfach so fremde Frauen by the Pussy grabbed. Recht haben sie.

Crocodile Dundee II [1988, Bluray Neuauflage 2025]
Linda Kozlowski gerät in New York in Gefahr und wird von kolumbianischen Drogenhändlern gejagt. Mick Dundee bringt sie an den Ort, an dem er sie beschützen kann: Den australischen Outback.

Reverse-Fish-Out-of-the-Water, wenn Stadtganster durch Australien stolpern und Stück für Stück aus dem Verkehr gezogen werden. Actionreicher als Teil 1, kann man immer noch gut gucken. Die Chemie der Darsteller stimmt immer noch – nicht umsonst heirateten Kozlowski und Hogan nach den Dreharbeiten und blieben 25 Jahre zusammen. Bemerkenswert: Die “Dundee”-Filme funktionieren tatsächlich für ein Publikum von 7 bis 70 Jahren – das waren wirklich noch Familienfilme.


Spielen:

Ghost of Yotei [PS5]
Japan, ca. 1580: Eine Bande maskentragender Unholde schlachtet auf Hokkaido eine ganze Familie gnadenlos ab. Selbst Atsu, die kleine Tochter, wird nicht verschont, sondern mit einem Schwert an einen Baum gepfählt und in Brand gesetzt. Wie durch ein Wunder überlebt sie das Massaker und flieht nach Honshu, wo sie auf den Straßen Osakas und auf den Schlachtfeldern des gerade beginnenden Edo-Shogunats zu einer kampferprobten Söldnerin wird.

Nach 20 Jahren kehrt sie zurück nach Hokkaido und macht dort Jagd auf die Mitglieder der Bande. Die regieren mittlerweile die gesamte Insel, aber als totgeglaubter Onryo, als Geist, nimmt sich Atsu einen Verbrecher-Lord nach dem nächsten vor. Für sie ist klar: Sie wird jeden einzelnen der “Yotei Six” zur Strecke bringen, und am Ende dieser Reise sterben. Aber das Schicksal hat andere Pläne.

Vor fünf Jahren war “Ghost of Tsushima” ein Überraschungserfolg. Quasi ein Assassins Creed in Japan, nur in schöner, ohne die Altlasten der Ubisoft-Games und mit einem Protagonisten, der nachvollziehbar handelte und bei den Spielern äußerst beliebt wurde. Nun also der Nachfolger, der nicht nur anders heißt, sondern auch 330 Jahre(!) nach dem Vorgänger spielt. Das ist mutig, denn das bedeutet auch, dass es eine neue Geschichte und einen neuen Hauptcharakter gibt.

Das Entwicklungsstudio Suckerpunch muss man dafür echt loben, allerdings dürften die sich mittlerweile schon mehrfach in den Hintern gebissen haben. Zum einen, weil im Kernmarkt USA mittlerweile Frauen als Hauptfiguren nicht mehr gut ankommen (ja, an DEM Punkt sind wir schon wieder!) und zum anderen, weil früher im Jahr “Assassins Creed: Shadows” rauskam und EXAKT DIE SELBE Geschichte erzählt, also auch tote Familie, Maskenheinis, Tochter überlebt und macht Jahre später Jagd auf die Bande. Sind sich beide Spiele auch abseits der Ausgangslage der Story ähnlich?

Nun, “Assassins Creed: Shadows” ist deutlich anzumerken, dass die Macher keinen Plan hatten, wo sie mit ihrer Geschichte hinwollten, und selbst die verschiedenen Spielmechaniken wirken so grob aneinandergenäht, bis der Frankenstein kaum noch laufen konnte. Bei “Ghost of Yotei” ist alles simpler, dafür aber eleganter ineinander verwoben – ganz wie in den frühen “Assassins Creeds”, bevor die zu Rollenspielen werden wollten.

Atsu ist ein toller Hauptcharakter. Als einsame, latent wütende und gleichzeitig tief traurige Rächerin zieht sie, wie in einem Western, durch Hokkaido und hilft Menschen in Not, wenn sie nicht gerade ihre eigene Rache vorantreibt.

“Yotei” bietet tatsächlich mal wieder eine Open World die nicht nervt, sondern die ich gerne erkundet habe und die mich häufig überrascht hat. Immer wieder stolpert man unvermittelt über Sidequests und besondere Orte. Mal folgt man einem goldenen Vogel und findet dabei eine Heilquelle, mal kommt man an einer Höhle vorbei, vor der ein Wolf die Zähne fletscht. Folgt man ihm, findet man Wilderer, die seine Wolfkumpels eingefangen haben. Befreit man die, sieht man später den Wolf wieder und freundet sich langsam mit ihm an, bis er immer öfter in Kämpfen auftaucht und einem hilft.

Das fühlt sich cool an und nach echter Progression: Meine Spielfigur erlebt etwas, weil ich mich dafür entschieden habe, und das hat Einfluss auf spätere Ereignisse und Begegnungen. Dabei sind die Nebenmissionen meist in fünf Minuten erledigt – keine endlosen und schlecht geschriebenen Questketten, mit denen Ubisoft bei “Star Wars Outlaws” und “Assassins Creed” nervte (ich sage nur: 45 Minuten Spiel für “Finde 5 Eier damit eine Frau furzen kann”), sondern kurze, knappe, abwechslungsreiche und oft überraschende Stories, die man gerne nebenbei erledigt. Die sind zum guten Teil sehr gut geschrieben und bringen sogar tiefe mit – wenn Atsu der Legende eines verrückt gewordenen Geistergenerals nachgeht und unvermittelt einen trauernden und einsamen Mann vorfindet, der versehentlich seine eigene Tochter getötet hat, ist das nicht nur ein Spiegel von Atsus eigener Quest, sondern versprüht “Roter Baron”-Vibes aus Witcher III.

Das Gameplay mit Katana und Co. ist easy to learn, hard to master und bietet bis zum Ende neue Variationen und Abwechselung. Beeindruckt hat mich die Präzision der Steuerung und wie wuchtig und kraftvoll sich alles anfühlt.

Die Grafik ist nicht der allermodernste Hammer, sieht aber sehr gut aus, und die Art Direction ist wirklich gelungen. Da ich selbst schon um den namensgebenden Berg Yotei rumgekurvt bin kann ich sagen: Die Landschaft dort ist auch in echt unrealistisch schön, und im Spiel eine überirdische Augenweide. Lediglich die Charaktermodelle der NPCs sehen aus etwas, was einen schlimmen Autounfall hatte.

Ansonsten gibt es technisch nichts zu meckern. Es gibt praktisch keine Ladezeiten, die Haptikfunktionen des Controllers werden gut unterstützt, Glitches oder Bugs hatte ich während der gesamten 56 Stunden Spielzeit nicht.

In Erinnerung bleiben wird mir aber das Writing der Hauptstory. Die Geschichte scheint so simpel und dumm wie in “Assassins Creed Shadows” zu sein, aber das täuscht. Sie ist sehr gut geschrieben und wendungsreich und schwingt in Richtung “Last of Us II”, während sie mit Charakteren jongliert, die einem ans Herz wachsen.

Mit “Ghost of Yotei” hatte ich sehr viel Spaß. Das erste Spiel seit langem, wo ich mich tagsüber direkt drauf freute, nach Feierabend wieder in die Welt des Spiels eintauchen zu können.

Assassins Creed Shadows: Claws of Awaji [PS5 DLC, 2025]
Ich hatte mich ja HIER schon über “AC: Shadows” geärgert und mich verwundert gezeigt, dass die Handlung in dem Moment abbrach, als es spannend zu werden schien. Stellt sich raus: Das war System, das eigentliche Ende wurde nun als DLC nachgereicht.

Ist nicht das erste Mal, das Ubisoft einzelne Kapitel eines “Assassins Creed” nachreicht – schon 2009 wurde ein wichtiger Teil aus dem Hauptspiel entfernt und später einzeln verkauft. Aber das FUCKING ENDE DES SPIELS für 30 Ocken extra verkaufen? Und das ein halbes Jahr nach Release des Hauptspiels, wo man als Spieler schon lange die überladene Steuerung und die egale Geschichte vergessen hat? GEHT´S NOCH?

“Claws” spielt in einem neuen Gebiet, der Insel Awaji vor Oasaka. Für die haben sich die Entwickler bei Ubisoft was ganz besonderes ausgedacht. Denn wie wäre es, wenn so ein neues Gebiet aussieht wie der Rest des Spiels aber einfach… grundfeindlich wäre? Wenn jeder NPC jederzeit die Spielerfigur angreifen kann? Superidee, oder?

Natürlich nicht. In der Realität ist der DLC ein einziger Pain in the Ass. Von Anfang an fährt er mit angezogener Handbremse. Das beginnt beim Intro, in dem man eine Figur in einem Puppenspiel spielt. Sieht nett aus, dauert aber viel zu lange und ist nervtötend, weil sich die Puppe sich nur in Zeitlupe bewegt.

Das geht weiter mit den NPCs, die in Siedlungen völlig unvermittelt aggro werden oder in menschenleeren Wäldern gerne einfach mal so aus dem Boden ploppen und sofort angreifen. Man kann praktisch keine fünf Meter laufen, ohne dass man vom Pferd geschossen wird und sich in einem minutenlangen Gefecht wiederfindet. Wenn es schlecht läuft, ziehen diese Encounter die Stadtwache an, und am Ende ist die ganze Map hinter einem her und man muss das Game neu starten.

Es endet bei der Spielstruktur, bei der man sich wieder einmal erst um X Nebenaufgaben kümmern muss, bis man endlich die eigentliche Mission angehen darf.

Beispiel: Der große Bösewicht hat einen Leibwächter, der soll ausgeschaltet werden. Damit man überhaupt erstmal an den rankommt, muss man 12(!) seiner eigenen Sheriffs assassinieren. Und wo sind die? Die laufen irgendwo random in der Welt rum, jeden einzelnen von denen muss man erstmal finden und dann zu denen hinstoffeln!

Die einzige echte Neuerung ist ein Kampfstab, und ohne den geht es auch gar nicht. Die Gegner auf Awaji haben nämlich alle Steroide gefrühstückt und sind selbst auf einfachstem Schwierigkeitsgrad so stark, dass es Minuten dauert, bis man einen der Random-Aggro-Bauern verhauen hat, der nur mit einem Lendenschurz und einem Strohhut bekleidet ist. Der Lendenschurz hat wohl Rüstungsklasse 60, und das Moveset und die Angriffsmuster der Bauern entspricht denen der Ninjameister aus dem Hauptspiel. Was für ein Unfug!

Gerade bei den zufälligen Gefechten fällt der Hauptunterschied zwischen “Ghost of Yotei” und “Shadows” besonders auf: Das Kampfsystem. In “Yotei” ist es präzise, wuchtig und schnell, kleine Encounter dauern nur eine Minute und machen auch nach dem Hundertsten Mal noch Spaß. “Shadows” ist dagegen verpfriemelt, überladen und völlig wurschtig. Die Hälfte der Zeit macht die Spielfigur einfach nicht was sie soll, reagiert viel zu spät auf Eingaben oder rollt in Wände oder bleibt an Gegenständen hängen.

Dazu kommen inhaltliche und technische Fehler. Mal gibt es nicht nachvollziehbare Handlungsbrüche, mal fällt auf der PS5 der Ton aus, mal spielen die Gesichtsanimationen nicht ab, mal tauchen Questgiver nicht auf oder NPCs einer ganzen Stadt geraten unvermittelt in Panik und kriegen sich nicht mehr ein. Mein liebster Glitch: Explodierende Blätterhaufen. Kein Witz! Und dabei ist “Claws” schon zwei Monate draußen!

Grundlegende Probleme des Hauptspiels, wie elendige Ladezeiten und laggende Eingabe in überladenden Menüs, adressieren auch die letzten Funktionsupdates nicht. Wie unpoliert “Claws” veröffentlicht wurde, merkt man auch daran, dass man nach einem Tod im Leibwächter-Bosskampf nicht unmittelbar wieder einsteigen kann. Nein, man wird aus der Arena geworfen und muss erst wieder einen Questgiver ansprechen und DANN wieder eine Cutscene angucken und dann geht es erst wieder los. Je-Des-Mal der gleiche Mist, jedesmal mit ordentlich Ladezeiten dazwischen.

Nein, “Claws” macht keinen Spaß. Die Geschichte ist ein Dreizeiler auf einem Bierdeckel, und wird mit Arbeitsaufgaben so gestreckt und verdünnt, bis es halt doch wieder alles nur “Content” ist, der einem merklich nur die eigene Lebenszeit rauben will. Vermutlich, damit Ubisoft seinen Shareholdern was von langer Spielzeit erzählen kann.

Um die oben gestellte Frage abschließend zu beantworten: Obwohl “Ghost of Yotei” und “Shadows” das gleiche Setting und die gleiche Hintergrundgeschichte haben, ist Yotei das eindeutig bessere Spiel. “Shadows” ist ein überladender Homunkulus, der schlecht funktioniert und der statt einer Geschichte nur Fleißaufgaben zum Abhaken hat. Bei “Yotei” funktioniert das Kampfsystem besser, alles ist gestreamlined, die Welt organisch und am Wichtigsten: Es erzählt eine echte Geschichte, die bis zum Ende gedacht ist.

Oder anders: “Yotei” ist ein Stück Kunst und wird getragen von wirklich gutem Handwerk. “Assassins Creed Shadows” ist “Checkliste, The Game”, wo sich alles nach Arbeit und Excellisten anfühlt. Die Story von “Shadows” bekam ich schon beim Ende des Spiels nicht mehr zusammen. Die Reise mit Atsu und unsere gemeinsamem Erlebnisse werde ich so schnell nicht vergessen.


Machen:

  • Entrümpeln

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Anfang 2025 sind mir beim Jasmin die Blütenansätze erfroren, weil ich den zu früh auf den Balkon gebracht hatte. Das hatte ich aber nicht freiwillig getan, sondern weil die Pflanzen nach Sonne dürsteten und schon Eimerweise Blätter verloren. Im Arbeitszimmer gibt es halt nur ein Nordfenster, und da kommt keine Sonne durch.

Neulich fiel mir dann ein: Gibt es wohl auch UV-Lampen für Pflanzen? Ja klar gibt es die! Besonders gelobt werden die UV-Strahler des deutschen Unternehmens “Meine Orangerie”. Aus deren Programm habe ich jetzt den dicksten Strahler samt Stativ und Zeitschaltuhr beschafft, und nun gedeihen Jasmin, Olivenbaum, Erdbeeren, Agathe und Oleander im Licht der künstlichen Sonne.

Nun, vielleicht sind 50 Watt doch etwas viel – zumindest sieht es von Außen aus, als hätte Gozer der Gozerianer in meinem Arbeitszimmer ein Portal geöffnet, so hell scheint das Licht aus dem Fenster. Ich warte noch, was zuerst passiert: Ob die Nachbarn sich über das helle Licht beschweren, oder ob gleich eine Polizeistreife auf der Suche nach einer illegalen Cannabisplantage vor der Tür steht.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Oktober 2025

Momentaufnahme: Oktober 2025

Herr Silencer im Oktober 2025

Winterschlaf, das wäre es jetzt.

Wetter: In Deutschland: Keine Ahnung. Auf Sardinien war es recht kühl. Tagsüber 23 Grad waren nett, aber nachts knappe 10 Grad, da fror ich im unbeheizten mobile Home doch ein wenig. Ab dem 20.10. wieder zurück in Deutschland, und brrrr ist das kalt mit 3 Grad im Thüringer Wald und 07-13 Grad in Götham. Dazu Nieselregen und Dunkelheit. Die letzten Tage nochmal deutlich kühler, bis auf 2 Grad, dabei aber sonnig.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
Eine junge Frau zieht zur Adventszeit in ein Haus im Wald, in dem einst schreckliche Dinge passiert sein sollen. Sie selbst trägt auch schlimme Erinnerungen mit sich herum, denn sie wurde in ihrer Jugend von einer sadistischen Internatsleiterin 24 Tage lang, nach Art eines Adventskalenders, gequält und gefoltert. Zeitgleich sucht eine Wissenschaftlerin nach einer Knochenmarksspenderin für ihre kranke Tochter.

Uargh-bäh-was für ein gequirlter Unsinn. “Geschicktes Spiel mit den Zeitebenen” und “Raffinierte Geschichte” schrieb die Kritik, für mich ist das Buch unfokussiert und völlig over the Top.

Das fängt bei der 24tägigen Adventsfolter an, von der niemand was gemerkt haben will, und endet damit, dass jeder irgendwie mit jedem verwandt ist und DANN noch mal 10 Seiten Exposition nachgeschoben werden müssen, um den hanebüchenen Unfug auf den Seiten davor zu erklären.

Ich mag Fitzek, das sind typische Bücher die man gut im Urlaub lesen kann, aber “Kalendermädchen” war nicht meins.

Noraly Schoenmaker: Free Ride
Noraly wurde betrogen. Ihr langjähriger Partner ist fremdgegangen. Beziehung, das gemeinsame Haus, Zukunftspläne – alles dahin. Auch der Job nervt sie an. Also verkauft sie ihr Hab und Gut und macht sich auf eine kleine Selbstfindungsreise mit dem Motorrad durch Indien. Unterwegs kommt ihr die Idee: Warum nicht die Reise mit Youtube-Videos dokumentieren und so vielleicht finanzieren? Das ist der Beginn von “Itchy Boots”, einem der erfolgreichsten Motorradreisechannels der Welt.

Ich mag Itchy Boots und war gespannt auf dieses Buch. Noraly hat ein enormes Arbeitspensum, gefühlt veröffentlich sie alle zwei Tage ein Video aus irgendeiner Ecke der Welt. Da sie das Editing während ihrer Reise macht, ist viel rohes und authentisches Material dabei – und genau diese Authentizität, die häufig auch von der Begegnung mit anderen Menschen lebt, fehlt dem Buch bzw. es fällt deutlich gegenüber den Videos ab.

Sehr deutlich wird das bei einer Begegnung in Kasachstan, wo sie von einigen Frauen vergorene-Ziegenmilch-zum-Lutschen bekommt. Die darauffolgende Szene ist im Video sehr nah dran und sehr lustig, im Buch aber eher hölzern beschrieben.

Neues erfährt man leider kaum. Im Wesentlichen ist “Free Ride” eine Nacherzählung von Schoenmakers erster Reise, aber die ist halt schon in 129(!) Youtube-Videos dokumentiert. Dazu kommt: Sie begann das Buch, als sie mit gebrochenen Knochen darnieder lag und nicht Motorrad fahren konnte. Das, so meine ich, ist deutlich zu merken. Der Anfang des Buchs beschreibt die Reise sehr ausführlich, aber ab der Mitte geht es dann sehr rasch-rasch, wie im schnellen Vorlauf. Der Verdacht liegt nahe, dass Noraly da wieder fit war, zurück in den Sattel wollte und alles schneller runtergetippt hat.

Nein, “Itchy Boots” sollte man sich im Bewegtbild geben, nicht als Buch.
Zum Youtube-Channel.

Dan Brown: The Secret of Secrets
Robert Langdon, der Deuter von Symbolen, stolpert durch Prag und in extrem seltsame Zufälle. Nachdem er in einen Fluss fällt, wird er von allen Seiten mit Exposition zugeschissen und muss sich dann aus dem Netz der Geheimdienste herausdeuten.

“Illuminati”, “Da Vinci Code”, “Lost Symbol”, “Inferno” oder zuletzt, 2017, “Origin”: Kennste einen Dan Brown, kennste alle.

Stets bedient er sich einer europäischen Stadt als Hintergrund, in “Illuminati” Rom, in “Da Vinci Code” Paris, in “Inferno” Florenz und Istanbul, in “Origin” Barcelona.

Immer schleicht ein unheimlicher Spinner durch die Gegend und bringt Leute um (“Da Vinci”: Selbstgeisselnder Albinomönch, “Inferno”: Kampfamazone, “Origins”: Eine KI).

In jedem Buch geht es um eine populärwissenschaftliche These, die am Ende enthüllt wird – nachdem der Hauptcharakter ca. 400 Seiten absurden Hinweisen hinterhergestolpert ist, in einem fragmentierten Plot, in dem sich alle zwei Seiten parallele Handlungsstränge abwechseln. Der Schreibstil ist dabei genau an das amerikanische Publikum angepasst und teils naiv-kindlich.

Die Zielgruppenanpassung sieht man z.B. an der ausführlichen Erklärung europäischer Orte und Gepflogenheiten, und das rund ein Viertel des Textes immer wieder ein redundantes “Was bisher geschah” ist.

Kindlich-naiv ist auch Browns Vorstellung von wissenschaftlicher Arbeit sowie der absurde Kniff, Exposition über die Gedanken der Figuren zu liefern. Beispiel: Da stürzt eine Frau aus dem Himmel, und sie denkt “Wie kommt es das ich, eine weltweit renommierte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Noetik, die in den letzten Jahren in einem renommierten Privatinstitut forschte und lehrte, abstürze? “. – Solche Art von schlimmer Schreibe passiert nicht einmal, sondern alle 3 Seiten. Brown liefert Kontext und Fundament für seinen Plot, in dem er zu den unpassendsten Zeiten seine Figuren die Exposition denken lässt – das ist so doof, da muss man auch erstmal drauf kommen.

Auch ansonsten ist das Buch stellenweise ärgerlich. Etwa, wenn der Buchkonzern Random House, der zufällig auch im echten Leben Dan Brown verlegt, ausführlich vorgestellt wird – als Ort, in dem ausnahmslos Buchliebhaber und generell grundgute Menschen arbeiten und der seine Autoren auch mit “Military Grade Firewalls” und Leib und Leben schützt. Oder wenn wirklich jede Figur als modelhaft schön und sportlich beschrieben wird.

Lustig ist zudem, das Brown mit seinem eigenen Hauptcharakter nichts mehr anfangen kann. Robert Langdon darf nur noch Symbole wie das eines Notausgangs deuten (ja, wirklich jetzt!) und stolpert ansonsten nur einer Dame hinterher, die eine reine Expositionsmaschine ist und ihm ständig die Welt erklärt. Nunja. Dan Browns Bücher sind halt Trash. Edeltrash, aber halt Trash.

Immerhin ist “Secret of Secrets” ob seiner phantastischen These ab der Mitte recht spannend und deutlich plausibler aufgebaut als seine direkten Vorgänger “Inferno” oder “Origins”, mit 675 aber satte 225 Seiten länger als es sein müsste. (Silencer´sche Grundregel: Jede Geschichte lässt sich auf 450 Seiten erzählen, jede Seite mehr ist überflüssig). Satte 120 Seiten spielen übrigens nach der eigentlichen Handlung und sind nur noch Geblubber, und DANN kommt noch ein Epilog hinten dran. Das fühlt sich an wie die sechs Enden von “Death Stranding”: Überlanges Rumgewichse des Autors, bei dem der Leser nur noch wegdämmert.
Insgesamt: Kann man lesen, an langen und kalten Winterabenden. Man verpasst aber nichts, wenn man es im Buchladen liegen lässt.


Hören:


Sehen:

Long Way Home [2025, Apple TV+]
Ewan McGregor und Charly Boormann gehen noch einmal gemeinsam auf Tour.

Ach. Ach. Ach.

“Long Way Round”, die erste gemeinsame Reisedoku von Mcgregor und Boorman, war 2004 eine wegweisende Dokumentation über eine Weltumrundung von England über Europa und durch Russland bis nach New York. Die ließ nicht nur mich, sondern Motorradbegeisterte rund um die Welt von Motordadreisen träumen, und sorgte in vielen Fällen dafür, dass die Leute tatsächlich den Hintern von der Couch zu bekamen, zu reisen begannen und dann von ihren Erlebnissen schrieben oder sie filmten.

“Long way Down” führte 2007 einmal längs durch Afrika und war immer noch abenteuerlich, aber schon ein Bisschen peinlich (weil McGregors damalige Frau UNBEDINGT mitwollte und dann in jeder Kurve umfiel) und deutlich mehr Promo – McGregor und Boorman besuchten häufig Unicef-Lager oder gemeinnützige Projekte.

“Long Way Up” war 2020 ein nachgetropftes Apple TV-Exclusive, führte von Feuerland quer durch Südamerika bis in die USA und hatte als besonderen Twist, das die Strecke auf Elektromotorrädern zurückgelegt wurde. Das war schon ein wenig Altherrenfernsehen, nicht nur weil die Aufregung herbeigescripted werden musste und die Protagonisten halt mittlerweile älter sind, sondern auch weil “Mad Dog” Boormann sich zwischenzeitlich bei schlimmen Unfällen jeden Knochen im Leib zwei Mal gebrochen hatte, nur noch von Drahtklammern und Titanbügeln zusammengehalten wird und quasi auf´s Motorrad gehoben werden muss.

Nun also “Long Way Home”, und das ist Altherrenfernsehen mit Extra viel Fremdscham. Hier geht es wirklich um gar nichts mehr.

Früher waren die (echten oder inszenierten) Entbehrungen und Widrigkeiten einer Motorradreise das, was die “Long Way”-Reihe interessant machte. Das gibt es nun schlicht nicht mehr – Boorman und McGregor dödeln unter permanentem “Woohoo!!” und “Amaaaaaaaazing!”-Rufen einmal von England nach Skandinavien und zurück, nehmen dabei Volksfeste und Sportwettbewerbe mit, essen Fischbrötchen und hüpfen nackig in die Sauna. Das war´s, mehr passiert hier nicht.

Am Abenteuerlichsten ist noch, das ein Zündkabel an McGregors alter Motoguzzi nicht richtig sitzt, was sich aber dank Facetime-Anruf auf einem Apple iPhone beheben lässt. Ansonsten sieht man den beiden hier einfach nur noch dabei, wie sie sich von Apple eine kurze Vergnügungsreise finanzieren lassen.

Schön, dass McGregor und Boorman hier ihren Spaß hatten – als Zuschauer hat man den nicht. Man langweilt sich hier gepflegt zu Tode, während man sich über das dauernde “Wooohooo!/AMAZING!!!” ärgert. “Long Way Home” ist hoffentlich der letzte Teil der Reihe – zumindest ist kaum vorstellbar, das sich irgend jemand nach diesem Tiefpunkt noch einmal dafür interessiert.

Mission: Impossible: The Final Reckoning [2025, BluRay]
Tom Cruise muss zwei Dinge verhindern: Die Zerstörung der Welt durch den langweiligsten Bösewicht ever und das Ausrutschen auf ekligem Pathos. Spoiler: Er scheitert.

Als 1996 der erste “Mission Impossible”-Film rauskam, war ich sauer: Statt perfektem Zusammenspiel eines Teams aus Spezialisten, wie das in der TV-Serie der Fall war, stellte sich der Film als bloßes Tom Cruise-Vehikel heraus. Tom Cruise auf Alleingang und als Retter des Tages. Sehr beliebig, immerhin mit einigen spannenden Szenen, aber im Kern nicht das, was Mission Impossible ausmachte.

“M:I2” von 2000 war Jon-Woo-Bonkers und wieder Tom-Cruise-Show, brachte aber Bilder mit, die im Gedächtnis blieben.

Mission Impossible III von 2006 von J.J. Abrams war fast Meta, denn hier war alles runtergestrippt auf die Essentials des Franchises: Es gab wieder ein Team, es gab Heist-Sequenzen, es gab Spannung, aber der Bösewicht hatte kein Motiv und der McGuffin nicht mal mehr einen Namen (“Die Hasenpfote”? Echt jetzt?). Aber er zeigte, was bei Mission Impossible wichtig ist: Es gilt, möglichst kompliziert ein Ding zu klauen, dann gibt es Verfolgungsjagden und am Ende rettet Tom Cruise entgegen jeder Statistik doch noch den Tag. Simple as that. Ich war versöhnt und begann die Reihe zu mögen.

Ab Teil 4 (“Phantom Protocol”, danach “Rogue Nation”, “Fallout”, “Dead Reckoning, Part 1”) reduzierte man es wirklich auf dieses Rezept: Man überlegte sich für jeden Film zwei bis drei wahnsinnig gefährliche und spannende Actionpieces, die Tom Cruise dann selbst machte, und füllte die Zeit dazwischen mit Rennen, Fahren und Heist-Aktivitäten. Ein simples wie aufwendiges Konzept, das kurzweilig ist, Spaß macht, Schauwerte bietet, und das ich sehr feiere.

Was der Reihe nicht fehlte ist philosophischer Tiefgang, die Suche nach tieferem Sinn oder tiefenpsycholgische Analysen von Tom Cruise Charakter.

Genau das macht “Final Reckoning” aber, und zwar endlos und ausschweifend. Von den 170 Minuten Laufzeit werden die ersten 54 (ja, ich habe auf die Uhr geguckt!) nur für Rückblenden auf die ersten sieben Filme und als Exposition genutzt, in der nochmal von verschiedenen Figuren maximal ungelenk erklärt wird, warum Tom Cruise nun wirklich ein ganz besonderer Wunderwuzzi ist.

Nach dieser endlosen Stunde geht es dann endlich los, das Team zieht ins Feld und Tom Cruise rennt und taucht und macht absurde Dinge. Das wird aber immer wieder unterbrochen durch endlose Expositionsszenen und eine ungeschickt herbeifabulierte Bedrohung durch eine böse KI, die aber nie wirklich greifbar ist und so zum langweiligsten Bösewicht der ganze Reihe wird.

Die Retcon-Versuche, also die im Nachgang dahinkonstruierte Erklärung, warum ab Teil 1 alle Filme miteinander zusammenhängen, sind so ungeschickt, das es beinahe niedlich ist. Der ganze Summs endet dann wieder mit viel Lobhudelei per Voiceover auf Tom Cruise und warum er so besonders ist, während der “operierende Titan” (seine Scientology-Bezeichnung) im Gegenlicht auf einem Tafelberg in Afrika steht.

Nein, “Final Reckoning” ist leider kein guter Film. Er sülzt rum. Er nimmt sich viel zu ernst. Er hat ein schlechtes Pacing. Die Tom Cruise Beweihräucherung ist peinlich und langweilig.

Den direkten Vorgänger “Dead Reckoning” gucke ich gerne alle paar Monate wieder, weil der so geile Schauwerte hat. Der Nachfolger fällt dagegen deutlich ab. “Mission: Impossible Final Reckoning” ist freudlos, schwerfällig und rutscht auf seinem eigenen Pathos aus. Er ersäuft in seiner eigenen Wichtigkeit und ich behaupte: Man kann den Streifen um satte 90 Minuten kürzen ohne das etwas fehlt, und man hätte einen besseren Film.

Star Trek: Strange New Worlds Season 3
Jahre vor Captain Kirk: Die Enterprise unter Captain Pike erlebt Abenteuer im Weltraum.

Die zweite Staffel von “SNW” war genial, die dritte ist es nicht. Das liegt vor allem daran, das die Charaktere zu kurz kommen – in einer Plot-driven Show wie “Discovery” ist das Okay, aber SNW ist Charakter-Driven, und da ist das tödlich. Was es stattdessen gibt: Dauernd irgendwelche extravaganten Ausreisserfolgen: Mal verwandelt sich die komplette Kern-Crew in Vulkanier, mal spielen alle in einer Trash-SciFi-Show in den 50ern mit, mal gibt es ein Film-Noir-Mystery in Hollywoods 40ern.

Solche Episoden sind eine gelungene Abwechselung, wenn einer Serie so langsam die Ideen ausgeht und eine Staffel aus 20 Folgen besteht. Dann sind ein oder zwei Folgen mit völligem Nonsense auflockernd, das kann Spaß machen. Aber SNW Staffel 3 besteht insgesamt nur aus 10 Episoden, und die Hälfte davon ist Quatsch! Und nicht mal guter Quatsch, denn anders als die Musicalfolge aus Staffel 2, die etwas über die Charaktere verriet, treten die Bonkers-Folgen der dritten Staffel auf der Stelle und sorgen dafür, dass die Tonalität der Serie all over the place ist.

Dass das nichts war, wissen auch die Showrunner. Die haben schon während der Promo zu Staffel 3 immer wieder betont, wie schlimm der Writers Strike sie getroffen hat, und das Staffel 4 tonal ganz anders werden wird. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe – im ersten Teaser zu Staffel 4 hat sich Pike in einen Muppet verwandelt. Das sieht schon wieder sehr nach Bonkers aus.


Spielen:


Machen:

  • Eine Herbsttour mit dem Motorrad.

Neues Spielzeug:

Hyundai Silent Kompressor SAC55752
Ich habe LANGE überlegt, ob ich einen Kompressor wirklich brauche. Seit Jahren schleiche ich da drum herum. Gleichzeitig war ich permanent, und zwar fast jede Woche, angenervt davon, wie lange doch die kleine Akkuluftpumpe für einen Motorrad- oder Fahrradreifen braucht, oder das ich die Dauerfilter in den Staubsaugern oder die Luftfilter von Auto und Moppeds nicht selbst ausblasen kann. Aber rechtfertigen diese wenigen, zugegeben regelmäßig wiederkehrenden, Aufgaben den Kauf eines Kompressors?

Albrecht brachte es am Ende auf den Punkt: “Das Leben ohne Kompressor ist denkbar, aber schwierig”, sagte er und ich nahm das mal als väterlichen Rat. Am Primeday dann für knapp über 100 Euro den gebrauchten Hyundai geschossen.

Mit 59 DB flüsterleise, gleichzeitig mit einem 24 Liter Kessel, 125 Litern Ansaugleistung und 10 Bar Arbeitsdruck leistungsstark genug für das Aufpumpen von Auto- und Motorradreifen, das Ausblasen von Luftfiltern oder auch für den Betrieb eines Schlagschraubers oder einer (langsamen) Nagelpistole. Macht sehr viel Freude, das Ding.

Weil ich noch einen gebrauchten 10-Meter-Druckluftschlauch auf einer selbstaufrollenden Trommel fand, hat die Garage damit nun sehr günstig ein Druckluftsystem bekommen.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: September 2025

Momentaufnahme: September 2025

Herr Silencer im September 2025

“Non chini il capo. Tua madre ti ha insegnato a tirarti su le maniche e a darti. Da fare per i tuoi cari.”
(Lass´ den Kopf nicht hängen. Deine Mutter hat Dir beigebracht die Ärmel hochzukrempeln und für deine Lieben da zu sein)
– Giuliettas Mamma

Wetter: Als hätte die Natur einen Wecker gestellt und einen Hebel umgelegt, fallen exakt am 01. September die Blätter von den Bäumen. Immerhin ist es mit 17-24 Grad noch warm und manchmal auch sonnig. Am 20.09. gibt es ein letztes Aufbäumen des Sommers, mit Sonne satt und 27 Grad. Am Tag darauf halbieren sich die Temperaturen, es regnet und nun fühlt sich alles nach Herbst an.


Lesen:


Hören:


Sehen:

From the World of John Wick: Ballerina [2025, BluRay]
Als 5jährige muss Eva mit ansehen, wie ihr Vater von einer Kommandoeinheit gejagt und getötet wird. Sie wird in die Obhut einer Assassinenorganisation übergeben und zur Killerin und zur Ballerina ausgebildet.

15 Jahre später: Nach einigen spektakulären Einsätzen beginnt die erwachsene Eva Jagd auf die Mörder ihres Vaters zu machen – nur um herauszufinden, dass sie es mit einer Sekte zu tun hat, die tief in den Alpen ein ganzes Tal für sich beansprucht. Der Alleingang wirft Wellen, und John Wick wird ausgeschickt, die Ballerina aufzuhalten.

Ich mag die John-Wick-Filme. Vom Plot sind die knackedoof, aber in sich sind sie Kunst. Dabei meine ich nicht nur die wirklich krachenden Actionsequenzen, die es so in westlichen Filmen nicht nochmal gibt. Es ist das gnadenlose “Show, don´t Tell”-Prinzip, das viele Dinge zeigt und andeutet, ohne sie ausführlich zu erklären. Oder die Beleuchtung und der Artstyle, die häufig das Gefühlsleben der Protagonisten wiederspiegeln.

Und ich mag Ana de Armas, seitdem sie in “No Time to Die” einen sehr kurzen, aber im Gedächtnis bleibenden Auftritt an der Seite von Daniel Craig hatte. Die spektakuläre Kampfszene aus dem Bondfilm wird nun in “Ballerina” auf 120 kurzweilige Minuten ausgedehnt, und natürlich sieht auch hier wieder alles nach Hochglanz aus und ist super choreographiert. Für mich schon jetzt einer der Actionfilme des Jahres und einer der besten der John-Wick-Reihe.

Thunderbolts* [2025, Disney+]
Elaine aus “Seinfeld” hat sich in verschiedenen End-Credit-Szenen diverser Marvel-Filme und Serien eine Truppe moralisch fragwürdiger Supergeschöpfe zusammengesammelt, die sie nun anscheinend schon wieder loswerden will. Und dann ist da noch Bob aus Top Gun. Hallo Bob.

Ach naja. “Thunderbolts” ist kein Totalausfall wie der letzte “Captain America” und kein CGI-Quark wir “Quantumania”. Es wirkt, als hätte man hier zumindest schon ein Drehbuch gehabt, als man begann zu filmen. Viele Stunts sind handgemacht, und auch die Schauspieler sind gut aufgelegt und machen einen guten Job. Trotzdem: Ein Burner ist “Thunderbolts” nicht.

Der Streifen leidet nämlich an starken Stimmungsschwankungen. Irgendjemand sollte den Marvel-Autoren mal stecken, das es wirklich seltsam ist, wenn man in eine Geschichte über Depressionen, Missbrauch und häusliche Gewalt ständig ironische Brechungen und pseudocoole Oneliner einbaut. Das wirkt nicht Gen-X-Ironisch cool, sondern tonal völlig deplatziert. Hätte man sich das gespart und “Thunderbolts” tonal noch etwas gedimmt, es hätte einer der besten Marvel-Filme und ein Antidot zur grassierenden Superhero-Fatigue werden können. Aber so, und mit dieser seltsamen Volte am Ende, ist der Film doch schnell vergessen.

Ach ja: Auf Disney+ ist der Ton scheiße.

Der Pate [1972, BluRay]
New York, 1945: Al Pacino kommt aus dem zweiten Weltkrieg zurück nach New York und möchte ein ehrbares Leben führen. Das klappt nicht, denn sein Papa ist nicht nur Marlon Brando, sondern auch ein Don der sizilianischen Cosa Nostra. Als auf den ein Anschlag verübt wird, muss Pacino “die Famiiiiiliiiie” beschützen und selbst zum Paten werden. Schnell steht er vor schwierigen Entscheidungen: Soll die Famiiiiliiie in Drogenhandel einsteigen, was Papa immer ablehnte?

Eine epische und sehr verwickelte Geschichte, bei der man definitiv hingucken muss. Während in aktuellen Filmen alle Charaktere immer aussprechen was sie denken und fühlen, damit der Zuschauer es auch mitbekommt, wenn er am Handy daddelt, stammt “Der Pate” aus einer Zeit, wo ein ganzer Handlungsstrang mit einem einzigen Blick durch eine Tür aufgelöst wird.

Der Pate II [1974, BluRay]
Al Pacino ist als Pate erfolgreich, will die Famiiiiiliiiie aber von illegalen Geschäften weg und hin zu auf legalem Business führen. Das klappt aber nicht wirklich gut, an jeder Ecke gibt es Verrat. In Rückblenden wird erzählt, wie Marlon Brando, der jetzt von Robert de Niro gespielt wird, 1901 nach Amerika kam und zum Paten aufstieg.

Episches Meisterwerk. Über drei Stunden lang und in Sachen Kamera, Schauspiel und Handlung der absolute Kracher.

Der Pate III [1990, BluRay]
Michael Corleone hat es fast geschafft, die Familiiiiiie ist kurz davor aus illegalen Geschäften auszusteigen. Die Casinos werden verkauft, stattdessen will man Teilhaber an der Vatikanbank werden. Das gefällt den anderen Familiiiien gar nicht, und in der Oper von Palermo kommt es zum Showdown.

Deutlich schwächer als seine Vorgänger und wirkt so, als sei er nur des Geldes wegen gedreht worden. 16 Jahre nach “Der Pate II” hat Teil drei nicht wirklich interessantes zu erzählen und mäandert mit einer Laufzeit von fast drei Stunden vor sich hin, bis am Ende unvermittelt jemand vom Stuhl fällt und der Abspann läuft. Klingt unfokussiert und uninspiriert und fühlt sich auch so an.

Cleaner [2025, BluRay]
Daisy Ridley ist Fensterputzerin im One Canada Square-Tower an der Canary Wharf in London. Dort putzt sie auch, als Terroristen eine illustre Abendgesellschaft als Geiseln nehmen. Zum Glück war Ridley in ihrer vorherigen Karriere nicht nur Jedi, sondern auch Elitesoldatin und nimmt sich die Verbrecherbande vor.

Okay, der Plot klingt, als habe hier jemand “Stirb Langsam” in London neu verfilmen wollen und das Drehbuch für Jason Statham geschrieben (Der ist abonniert auf Filme mit Jobbeschreibungen im Titel, siehe auch “Transporter”, “Mechanik” oder “Beekeeper”). Statham hatte dann keine Zeit, und so kam Daisy Ridley an die Rolle.

Anders ist “Cleaner” kaum zu erklären. Ridley spielt normalerweise in progressiven Filmen, wie zuletzt dem tollen “Young Woman an the Sea”. “Cleaner” ist aber geradezu unerträglich reaktionärer Scheiß. Die Terroristen sind nämlich Umweltschützer, was hier gleichgesetzt wird mit Anti-Humanisten, die die Menschheit auslöschen wollen. Nun bin ich gerne bereit über solchen Quatsch hinwegzusehen, wenn ich wenigstens gut unterhalten werde, aber auch das findet hier nicht statt.

Die Actionszenen sind ultrakurz, unspektakulär und sehen nach ganz viel billigem Greenscreen aus, die Physik der Wolkenkratzerfenster erratisch, die Handlung verheddert sich in langweiligen Erklärbärszenen und die Charaktere sind entweder unglaubwürdige Klischees (der Terropapst, die liebe Polizistenfrau) oder werden völlig überladen. So schleppt Ridleys Charakter neben Daddy-Issues noch Sozialkritik, Sorgen um das britische Pflegesystem und einen Bruder mit Autismus mit sich rum, dessen Autismus sich aber darauf beschränkt Marvel-Filme zu mögen und ab und zu aus dem Hintergrund zu sagen “Ich habe übrigens Autismus”.

Daisy Ridley macht zwar einen tollen Job als Actionheldin, ist aber als Fensterputzerin höchst unglaubwürdig, und Clive Owen telefoniert seine Rolle nur durch. Schade – “Cleaner” hätte cool werden können, ist aber Cringe geworden.

Heretic [2025, Prime]
Zwei junge Mormonen-Missionarinnen klopfen an die Tür von Hugh Grant. Er bittet sie herein, aber noch bevor sie ihre frohen Botschaften verkünden können fällt die Tür zu – angeblich gesichert durch ein Zeitschloss. Der Hinterausgang ist nur durch einen Keller erreichbar, und dort unten wartet nicht nur eine Prüfung des Glaubens auf die beiden.

Ich verstehe die Grundidee: Ein Charmebolzen wie Hugh Grant versucht, junge Nonnen von ihrem Glauben abzubringen. Das gibt Stoff für interessante Szenen, allerdings fällt “Heretic” schnell nach allen Seiten auseinander. Das liegt zuerst an der schwachen Prämisse und den wenig kraftvollen Argumenten, mit denen Grant hantiert. Das liegt auch daran, dass der Film sich nach kurzer Zeit nicht entscheiden kann, ob er ein Psychothriller oder ein Mummenschanz/Tortureporn-Horrorfilm sein will. Psychothriller wäre besser gewesen, so wird es zu einem kruden Mix ohne echte Richtung.


Spielen:


Machen:

Fast nichts anderes als Arbeiten.


Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008