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Kategorie: Momentaufnahme

Momentaufnahme: November 2025

Momentaufnahme: November 2025

Herr Silencer im November 2025

Wetter: Anfang des Monats feucht und mild, bei 7-13 Grad. Ab Monatsmitte dann plötzlich 3 Grad und Graupel, Tendenz fallend bis runter auf -8 Grad und geschlossene Schneedecke. An den letzten Tagen wieder Regen und +9 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: The Farmers Dog
Geschichten von Clarksons Farm. Jeremy Clarkson schreibt eine wöchentliche Kolumne für die Sunday Times, das hier ist die 284. jährliche Sammlung. Routiniert geschrieben, wie immer sehr polterig und endlich gibt es ja wieder eine Labour-Regierung, der Clarkson für alles die Schuld geben kann. Teilweise ärgerlich, aber meistens unterhaltsam geschrieben und in den besten Momenten ein Blick hinter die Kulissen von “Clarksons Farm”.


Hören:

Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf
Herr Dr. Roth nimmt sich eine Auszeit. Im Ostseebad Niendorf will er die Geschichte seiner Familie aufarbeiten, die ihm sein Vater auf Tonbändern hinterlassen hat. Aber dazu kommt es nicht, denn das kleinbürgerliche Niendorf zieht den Karrierejuristen in seinen Bann. Immer mehr verliert sich Roth in Alkoholexzessen, Fantasien über junge Kellnerinnen und Verfolgungswahn.

Es gibt Bücher, die muss man einfach hören. Weil sie der Autor selbst liest, mit genau der Betonung und dem Dialekt, die er beim Schreiben im Kopf hatte. Marc-Uwe Klings “Kängurus” gehören dazu, und von Heinz Strunk muss man auch alles hören, was er geschrieben hat.
Strunk trägt seine Geschichte in teils hektischem Stakkato mit Harburger Zungenschlag und leichtem Lispeln vor. Das gab schon “Fleisch ist mein Gemüse” eine besondere Note, und auch bei “Niendorf” funktioniert das ganz hervorragend.

Inhaltlich ist “Ein Sommer in Niendorf” tatsächlich strukturiert wie “Der Tod in Venedig”. Hier wie dort verschlägt es einen gutsituierten Kleinbürger in eine Situation, in der er beginnt sich selbst zu zerstören und gleichzeitig die Nähe von denen zu suchen, die ihm wenig Gutes wollen.

Damit folgt Strunk seinen früheren Werken, an jeder Ecke riecht es hier nach “Goldener Handschuh” und stellt Typen in den Mittelpunkt, die versuchen ihr kleines Glück ganz am unteren Rand der Kleinbürgerlichkeit zu finden.

In seinen besten Momenten ist Heinz Strunk ein deutscher Bukowski. Vielleicht wäre er gerne ein deutscher Hemingway, aber Charles fand ich immer schon interessanter.


Sehen:

Fantastic 4: First Steps [2025, Disney+]
Die USA in den 60ern: Eine Astronautenfamilie fliegt ins All und wird versehentlich genetisch verändert. Fortan ist einer von ihnen aus Gummi, einer aus Stein, einer aus Feuer und die Frau kann sich unsichtbar machen. Zusammen müssen sie sich gegen eine silberne Surferin und einen Eimerkopf behaupten, der sie vor die Wahl stellt: Entweder er isst ihr Baby – oder den Planeten Erde.

Ich fand die Fantastischen Vier schon immer irgendwie meh, war aber sehr gespannt auf diese Verfilmung mit Pedro Pascal und Vanessa Kirby (die weiße Witwe aus “Mission Impossible” 6 und 7). Ein guter Cast, dazu Retro-Charme – was kann da schiefgehen?

Stellt sich raus: Alles.

Als die letzte Szene lief, entfuhr mir spontan ein “Was für ein reaktionärer Scheiß!” – und das trifft es ganz genau. Der Film ist nicht Retro auf eine charmante Art, also im Artdesign, sondern tatsächlich völlig rückwärtsgewandt was Charaktere und Erzählung angeht.

Hier wird das Bild der USA in den 60ern als heimeliger Ort gezeigt, wo Frauen noch wussten, dass sie hauptsächlich zum Kinderkriegen da sind und die Familie aus Mutti, Vati und den Kindern besteht besteht. Wie eine Werbereklame aus den 50ern wirkt das. Die Revoluzzer-Elemente, die die realen 60er prägten, werden völlig ausgelassen, und auch Ironie findet nicht statt. Die Welt von “First Steps” ist der feuchte Traum aller US-Republikaner und Rechtskonservativer anderer Länder.

So besteht Sue Storms gesamter Charakter aus schwanger und später Mutter sein, und der zentrale Plotpoint des Films ist ein Baby. Das ist dann ab dem ersten Drittel auch in nahezu jeder Szene, oder es wird darüber geredet. Baby hier, Baby da, Rabääääh.

Das ist für normale Zuschauer nervig, für Menschen mit z.B. meinem Hintergrund oder mit unerfülltem Kinderwunsch ist es schlicht unerträglich. Aber nun, es passt halt gut zum Zeitgeist in den USA. Die Familie als Keimzelle der heilen Welt.

Auch erzählerisch wird hier auf Nummer sicher gegangen und eine Geschichte vorgetragen, die bitte bloß niemandem auf die Füße treten soll. Das Ergebnis ist völlig langweiliger und irgendwie muffig riechender Quark.

Crocodile Dundee [1986, Bluray Neuauflage 2025]
Ein Krokodil hat einem Mann ein Bein abgebissen, und der hat dann drei Tage allein im Dschungel überlebt – so steht es zumindest in einer australischen Kleinstadtpostille. Eine amerikanische Journalistin recherchiert die Räuberpistole und trifft dabei auf Mick “Crocodile” Dundee, einen von Aborigines großgezogenen Abenteurer. Er zeigt ihr seinen Busch, sie nimmt ihn dafür mit nach New York.

“Das ist doch kein Messer. DAS ist ein Messer”

– Wunderbare “Fish out of Water”-Geschichte, hier in einer ganz frisch erschienenen BluRay-Neuauflage. Man muss die kleine, deutsche BluRay-Manufaktur Winkler-Film wirklich loben: Das Bild ist knackscharf und voller Details, der Ton ist selbst in der Synchro sehr gut und die Extras reichlich – So ist bspw. der Dokumentarfilm “Love of an Icon” komplett enthalten.

Ich finde den verschmitzten Charme, den Witz und die Chemie zwischen Paul Hogan und der (20 Jahre jüngeren) Linda Kozlowski nach wie vor großartig und kann mich über den Film immer noch genauso amüsieren wie zu der Zeit, als ich ihn in den Achtzigern im Kino sah. Sicher würde man einige Szenen so heute nicht mehr drehen, wie etwas die am Fluß, wo die Kamera etwas zu lange auf Kozlowskis teilentblößtem Hintern verweilt. Das sind aber absolute und seltene Ausnahmen, der Film ist auch heute nicht peinlich.

Die einzig WIRKLICH peinliche Szene ist nicht mehr im Film zu finden. Das war die mit dem Moment, als Dundee in New York auf eine Transfrau trifft und der zwischen die Beine fasst, um sich anschließen darüber lustig zu machen. Diese Szene darf nicht mehr gezeigt werden und ist weltweit in keiner Schnittfassung mehr enthalten. Dafür haben aber keine woken Aktivisten gesorgt, sondern Paul Hogan und Regisseur Peter Fairman selbst haben das so verfügt. Sie fanden die Szene Out-of-Character, denn es passt einfach nicht zum Gentlemen Dundee, dass der einfach so fremde Frauen by the Pussy grabbed. Recht haben sie.

Crocodile Dundee II [1988, Bluray Neuauflage 2025]
Linda Kozlowski gerät in New York in Gefahr und wird von kolumbianischen Drogenhändlern gejagt. Mick Dundee bringt sie an den Ort, an dem er sie beschützen kann: Den australischen Outback.

Reverse-Fish-Out-of-the-Water, wenn Stadtganster durch Australien stolpern und Stück für Stück aus dem Verkehr gezogen werden. Actionreicher als Teil 1, kann man immer noch gut gucken. Die Chemie der Darsteller stimmt immer noch – nicht umsonst heirateten Kozlowski und Hogan nach den Dreharbeiten und blieben 25 Jahre zusammen. Bemerkenswert: Die “Dundee”-Filme funktionieren tatsächlich für ein Publikum von 7 bis 70 Jahren – das waren wirklich noch Familienfilme.


Spielen:

Ghost of Yotei [PS5]
Japan, ca. 1580: Eine Bande maskentragender Unholde schlachtet auf Hokkaido eine ganze Familie gnadenlos ab. Selbst Atsu, die kleine Tochter, wird nicht verschont, sondern mit einem Schwert an einen Baum gepfählt und in Brand gesetzt. Wie durch ein Wunder überlebt sie das Massaker und flieht nach Honshu, wo sie auf den Straßen Osakas und auf den Schlachtfeldern des gerade beginnenden Edo-Shogunats zu einer kampferprobten Söldnerin wird.

Nach 20 Jahren kehrt sie zurück nach Hokkaido und macht dort Jagd auf die Mitglieder der Bande. Die regieren mittlerweile die gesamte Insel, aber als totgeglaubter Onryo, als Geist, nimmt sich Atsu einen Verbrecher-Lord nach dem nächsten vor. Für sie ist klar: Sie wird jeden einzelnen der “Yotei Six” zur Strecke bringen, und am Ende dieser Reise sterben. Aber das Schicksal hat andere Pläne.

Vor fünf Jahren war “Ghost of Tsushima” ein Überraschungserfolg. Quasi ein Assassins Creed in Japan, nur in schöner, ohne die Altlasten der Ubisoft-Games und mit einem Protagonisten, der nachvollziehbar handelte und bei den Spielern äußerst beliebt wurde. Nun also der Nachfolger, der nicht nur anders heißt, sondern auch 330 Jahre(!) nach dem Vorgänger spielt. Das ist mutig, denn das bedeutet auch, dass es eine neue Geschichte und einen neuen Hauptcharakter gibt.

Das Entwicklungsstudio Suckerpunch muss man dafür echt loben, allerdings dürften die sich mittlerweile schon mehrfach in den Hintern gebissen haben. Zum einen, weil im Kernmarkt USA mittlerweile Frauen als Hauptfiguren nicht mehr gut ankommen (ja, an DEM Punkt sind wir schon wieder!) und zum anderen, weil früher im Jahr “Assassins Creed: Shadows” rauskam und EXAKT DIE SELBE Geschichte erzählt, also auch tote Familie, Maskenheinis, Tochter überlebt und macht Jahre später Jagd auf die Bande. Sind sich beide Spiele auch abseits der Ausgangslage der Story ähnlich?

Nun, “Assassins Creed: Shadows” ist deutlich anzumerken, dass die Macher keinen Plan hatten, wo sie mit ihrer Geschichte hinwollten, und selbst die verschiedenen Spielmechaniken wirken so grob aneinandergenäht, bis der Frankenstein kaum noch laufen konnte. Bei “Ghost of Yotei” ist alles simpler, dafür aber eleganter ineinander verwoben – ganz wie in den frühen “Assassins Creeds”, bevor die zu Rollenspielen werden wollten.

Atsu ist ein toller Hauptcharakter. Als einsame, latent wütende und gleichzeitig tief traurige Rächerin zieht sie, wie in einem Western, durch Hokkaido und hilft Menschen in Not, wenn sie nicht gerade ihre eigene Rache vorantreibt.

“Yotei” bietet tatsächlich mal wieder eine Open World die nicht nervt, sondern die ich gerne erkundet habe und die mich häufig überrascht hat. Immer wieder stolpert man unvermittelt über Sidequests und besondere Orte. Mal folgt man einem goldenen Vogel und findet dabei eine Heilquelle, mal kommt man an einer Höhle vorbei, vor der ein Wolf die Zähne fletscht. Folgt man ihm, findet man Wilderer, die seine Wolfkumpels eingefangen haben. Befreit man die, sieht man später den Wolf wieder und freundet sich langsam mit ihm an, bis er immer öfter in Kämpfen auftaucht und einem hilft.

Das fühlt sich cool an und nach echter Progression: Meine Spielfigur erlebt etwas, weil ich mich dafür entschieden habe, und das hat Einfluss auf spätere Ereignisse und Begegnungen. Dabei sind die Nebenmissionen meist in fünf Minuten erledigt – keine endlosen und schlecht geschriebenen Questketten, mit denen Ubisoft bei “Star Wars Outlaws” und “Assassins Creed” nervte (ich sage nur: 45 Minuten Spiel für “Finde 5 Eier damit eine Frau furzen kann”), sondern kurze, knappe, abwechslungsreiche und oft überraschende Stories, die man gerne nebenbei erledigt. Die sind zum guten Teil sehr gut geschrieben und bringen sogar tiefe mit – wenn Atsu der Legende eines verrückt gewordenen Geistergenerals nachgeht und unvermittelt einen trauernden und einsamen Mann vorfindet, der versehentlich seine eigene Tochter getötet hat, ist das nicht nur ein Spiegel von Atsus eigener Quest, sondern versprüht “Roter Baron”-Vibes aus Witcher III.

Das Gameplay mit Katana und Co. ist easy to learn, hard to master und bietet bis zum Ende neue Variationen und Abwechselung. Beeindruckt hat mich die Präzision der Steuerung und wie wuchtig und kraftvoll sich alles anfühlt.

Die Grafik ist nicht der allermodernste Hammer, sieht aber sehr gut aus, und die Art Direction ist wirklich gelungen. Da ich selbst schon um den namensgebenden Berg Yotei rumgekurvt bin kann ich sagen: Die Landschaft dort ist auch in echt unrealistisch schön, und im Spiel eine überirdische Augenweide. Lediglich die Charaktermodelle der NPCs sehen aus etwas, was einen schlimmen Autounfall hatte.

Ansonsten gibt es technisch nichts zu meckern. Es gibt praktisch keine Ladezeiten, die Haptikfunktionen des Controllers werden gut unterstützt, Glitches oder Bugs hatte ich während der gesamten 56 Stunden Spielzeit nicht.

In Erinnerung bleiben wird mir aber das Writing der Hauptstory. Die Geschichte scheint so simpel und dumm wie in “Assassins Creed Shadows” zu sein, aber das täuscht. Sie ist sehr gut geschrieben und wendungsreich und schwingt in Richtung “Last of Us II”, während sie mit Charakteren jongliert, die einem ans Herz wachsen.

Mit “Ghost of Yotei” hatte ich sehr viel Spaß. Das erste Spiel seit langem, wo ich mich tagsüber direkt drauf freute, nach Feierabend wieder in die Welt des Spiels eintauchen zu können.

Assassins Creed Shadows: Claws of Awaji [PS5 DLC, 2025]
Ich hatte mich ja HIER schon über “AC: Shadows” geärgert und mich verwundert gezeigt, dass die Handlung in dem Moment abbrach, als es spannend zu werden schien. Stellt sich raus: Das war System, das eigentliche Ende wurde nun als DLC nachgereicht.

Ist nicht das erste Mal, das Ubisoft einzelne Kapitel eines “Assassins Creed” nachreicht – schon 2009 wurde ein wichtiger Teil aus dem Hauptspiel entfernt und später einzeln verkauft. Aber das FUCKING ENDE DES SPIELS für 30 Ocken extra verkaufen? Und das ein halbes Jahr nach Release des Hauptspiels, wo man als Spieler schon lange die überladene Steuerung und die egale Geschichte vergessen hat? GEHT´S NOCH?

“Claws” spielt in einem neuen Gebiet, der Insel Awaji vor Oasaka. Für die haben sich die Entwickler bei Ubisoft was ganz besonderes ausgedacht. Denn wie wäre es, wenn so ein neues Gebiet aussieht wie der Rest des Spiels aber einfach… grundfeindlich wäre? Wenn jeder NPC jederzeit die Spielerfigur angreifen kann? Superidee, oder?

Natürlich nicht. In der Realität ist der DLC ein einziger Pain in the Ass. Von Anfang an fährt er mit angezogener Handbremse. Das beginnt beim Intro, in dem man eine Figur in einem Puppenspiel spielt. Sieht nett aus, dauert aber viel zu lange und ist nervtötend, weil sich die Puppe sich nur in Zeitlupe bewegt.

Das geht weiter mit den NPCs, die in Siedlungen völlig unvermittelt aggro werden oder in menschenleeren Wäldern gerne einfach mal so aus dem Boden ploppen und sofort angreifen. Man kann praktisch keine fünf Meter laufen, ohne dass man vom Pferd geschossen wird und sich in einem minutenlangen Gefecht wiederfindet. Wenn es schlecht läuft, ziehen diese Encounter die Stadtwache an, und am Ende ist die ganze Map hinter einem her und man muss das Game neu starten.

Es endet bei der Spielstruktur, bei der man sich wieder einmal erst um X Nebenaufgaben kümmern muss, bis man endlich die eigentliche Mission angehen darf.

Beispiel: Der große Bösewicht hat einen Leibwächter, der soll ausgeschaltet werden. Damit man überhaupt erstmal an den rankommt, muss man 12(!) seiner eigenen Sheriffs assassinieren. Und wo sind die? Die laufen irgendwo random in der Welt rum, jeden einzelnen von denen muss man erstmal finden und dann zu denen hinstoffeln!

Die einzige echte Neuerung ist ein Kampfstab, und ohne den geht es auch gar nicht. Die Gegner auf Awaji haben nämlich alle Steroide gefrühstückt und sind selbst auf einfachstem Schwierigkeitsgrad so stark, dass es Minuten dauert, bis man einen der Random-Aggro-Bauern verhauen hat, der nur mit einem Lendenschurz und einem Strohhut bekleidet ist. Der Lendenschurz hat wohl Rüstungsklasse 60, und das Moveset und die Angriffsmuster der Bauern entspricht denen der Ninjameister aus dem Hauptspiel. Was für ein Unfug!

Gerade bei den zufälligen Gefechten fällt der Hauptunterschied zwischen “Ghost of Yotei” und “Shadows” besonders auf: Das Kampfsystem. In “Yotei” ist es präzise, wuchtig und schnell, kleine Encounter dauern nur eine Minute und machen auch nach dem Hundertsten Mal noch Spaß. “Shadows” ist dagegen verpfriemelt, überladen und völlig wurschtig. Die Hälfte der Zeit macht die Spielfigur einfach nicht was sie soll, reagiert viel zu spät auf Eingaben oder rollt in Wände oder bleibt an Gegenständen hängen.

Dazu kommen inhaltliche und technische Fehler. Mal gibt es nicht nachvollziehbare Handlungsbrüche, mal fällt auf der PS5 der Ton aus, mal spielen die Gesichtsanimationen nicht ab, mal tauchen Questgiver nicht auf oder NPCs einer ganzen Stadt geraten unvermittelt in Panik und kriegen sich nicht mehr ein. Mein liebster Glitch: Explodierende Blätterhaufen. Kein Witz! Und dabei ist “Claws” schon zwei Monate draußen!

Grundlegende Probleme des Hauptspiels, wie elendige Ladezeiten und laggende Eingabe in überladenden Menüs, adressieren auch die letzten Funktionsupdates nicht. Wie unpoliert “Claws” veröffentlicht wurde, merkt man auch daran, dass man nach einem Tod im Leibwächter-Bosskampf nicht unmittelbar wieder einsteigen kann. Nein, man wird aus der Arena geworfen und muss erst wieder einen Questgiver ansprechen und DANN wieder eine Cutscene angucken und dann geht es erst wieder los. Je-Des-Mal der gleiche Mist, jedesmal mit ordentlich Ladezeiten dazwischen.

Nein, “Claws” macht keinen Spaß. Die Geschichte ist ein Dreizeiler auf einem Bierdeckel, und wird mit Arbeitsaufgaben so gestreckt und verdünnt, bis es halt doch wieder alles nur “Content” ist, der einem merklich nur die eigene Lebenszeit rauben will. Vermutlich, damit Ubisoft seinen Shareholdern was von langer Spielzeit erzählen kann.

Um die oben gestellte Frage abschließend zu beantworten: Obwohl “Ghost of Yotei” und “Shadows” das gleiche Setting und die gleiche Hintergrundgeschichte haben, ist Yotei das eindeutig bessere Spiel. “Shadows” ist ein überladender Homunkulus, der schlecht funktioniert und der statt einer Geschichte nur Fleißaufgaben zum Abhaken hat. Bei “Yotei” funktioniert das Kampfsystem besser, alles ist gestreamlined, die Welt organisch und am Wichtigsten: Es erzählt eine echte Geschichte, die bis zum Ende gedacht ist.

Oder anders: “Yotei” ist ein Stück Kunst und wird getragen von wirklich gutem Handwerk. “Assassins Creed Shadows” ist “Checkliste, The Game”, wo sich alles nach Arbeit und Excellisten anfühlt. Die Story von “Shadows” bekam ich schon beim Ende des Spiels nicht mehr zusammen. Die Reise mit Atsu und unsere gemeinsamem Erlebnisse werde ich so schnell nicht vergessen.


Machen:

  • Entrümpeln

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:

Anfang 2025 sind mir beim Jasmin die Blütenansätze erfroren, weil ich den zu früh auf den Balkon gebracht hatte. Das hatte ich aber nicht freiwillig getan, sondern weil die Pflanzen nach Sonne dürsteten und schon Eimerweise Blätter verloren. Im Arbeitszimmer gibt es halt nur ein Nordfenster, und da kommt keine Sonne durch.

Neulich fiel mir dann ein: Gibt es wohl auch UV-Lampen für Pflanzen? Ja klar gibt es die! Besonders gelobt werden die UV-Strahler des deutschen Unternehmens “Meine Orangerie”. Aus deren Programm habe ich jetzt den dicksten Strahler samt Stativ und Zeitschaltuhr beschafft, und nun gedeihen Jasmin, Olivenbaum, Erdbeeren, Agathe und Oleander im Licht der künstlichen Sonne.

Nun, vielleicht sind 50 Watt doch etwas viel – zumindest sieht es von Außen aus, als hätte Gozer der Gozerianer in meinem Arbeitszimmer ein Portal geöffnet, so hell scheint das Licht aus dem Fenster. Ich warte noch, was zuerst passiert: Ob die Nachbarn sich über das helle Licht beschweren, oder ob gleich eine Polizeistreife auf der Suche nach einer illegalen Cannabisplantage vor der Tür steht.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Oktober 2025

Momentaufnahme: Oktober 2025

Herr Silencer im Oktober 2025

Winterschlaf, das wäre es jetzt.

Wetter: In Deutschland: Keine Ahnung. Auf Sardinien war es recht kühl. Tagsüber 23 Grad waren nett, aber nachts knappe 10 Grad, da fror ich im unbeheizten mobile Home doch ein wenig. Ab dem 20.10. wieder zurück in Deutschland, und brrrr ist das kalt mit 3 Grad im Thüringer Wald und 07-13 Grad in Götham. Dazu Nieselregen und Dunkelheit. Die letzten Tage nochmal deutlich kühler, bis auf 2 Grad, dabei aber sonnig.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen
Eine junge Frau zieht zur Adventszeit in ein Haus im Wald, in dem einst schreckliche Dinge passiert sein sollen. Sie selbst trägt auch schlimme Erinnerungen mit sich herum, denn sie wurde in ihrer Jugend von einer sadistischen Internatsleiterin 24 Tage lang, nach Art eines Adventskalenders, gequält und gefoltert. Zeitgleich sucht eine Wissenschaftlerin nach einer Knochenmarksspenderin für ihre kranke Tochter.

Uargh-bäh-was für ein gequirlter Unsinn. “Geschicktes Spiel mit den Zeitebenen” und “Raffinierte Geschichte” schrieb die Kritik, für mich ist das Buch unfokussiert und völlig over the Top.

Das fängt bei der 24tägigen Adventsfolter an, von der niemand was gemerkt haben will, und endet damit, dass jeder irgendwie mit jedem verwandt ist und DANN noch mal 10 Seiten Exposition nachgeschoben werden müssen, um den hanebüchenen Unfug auf den Seiten davor zu erklären.

Ich mag Fitzek, das sind typische Bücher die man gut im Urlaub lesen kann, aber “Kalendermädchen” war nicht meins.

Noraly Schoenmaker: Free Ride
Noraly wurde betrogen. Ihr langjähriger Partner ist fremdgegangen. Beziehung, das gemeinsame Haus, Zukunftspläne – alles dahin. Auch der Job nervt sie an. Also verkauft sie ihr Hab und Gut und macht sich auf eine kleine Selbstfindungsreise mit dem Motorrad durch Indien. Unterwegs kommt ihr die Idee: Warum nicht die Reise mit Youtube-Videos dokumentieren und so vielleicht finanzieren? Das ist der Beginn von “Itchy Boots”, einem der erfolgreichsten Motorradreisechannels der Welt.

Ich mag Itchy Boots und war gespannt auf dieses Buch. Noraly hat ein enormes Arbeitspensum, gefühlt veröffentlich sie alle zwei Tage ein Video aus irgendeiner Ecke der Welt. Da sie das Editing während ihrer Reise macht, ist viel rohes und authentisches Material dabei – und genau diese Authentizität, die häufig auch von der Begegnung mit anderen Menschen lebt, fehlt dem Buch bzw. es fällt deutlich gegenüber den Videos ab.

Sehr deutlich wird das bei einer Begegnung in Kasachstan, wo sie von einigen Frauen vergorene-Ziegenmilch-zum-Lutschen bekommt. Die darauffolgende Szene ist im Video sehr nah dran und sehr lustig, im Buch aber eher hölzern beschrieben.

Neues erfährt man leider kaum. Im Wesentlichen ist “Free Ride” eine Nacherzählung von Schoenmakers erster Reise, aber die ist halt schon in 129(!) Youtube-Videos dokumentiert. Dazu kommt: Sie begann das Buch, als sie mit gebrochenen Knochen darnieder lag und nicht Motorrad fahren konnte. Das, so meine ich, ist deutlich zu merken. Der Anfang des Buchs beschreibt die Reise sehr ausführlich, aber ab der Mitte geht es dann sehr rasch-rasch, wie im schnellen Vorlauf. Der Verdacht liegt nahe, dass Noraly da wieder fit war, zurück in den Sattel wollte und alles schneller runtergetippt hat.

Nein, “Itchy Boots” sollte man sich im Bewegtbild geben, nicht als Buch.
Zum Youtube-Channel.

Dan Brown: The Secret of Secrets
Robert Langdon, der Deuter von Symbolen, stolpert durch Prag und in extrem seltsame Zufälle. Nachdem er in einen Fluss fällt, wird er von allen Seiten mit Exposition zugeschissen und muss sich dann aus dem Netz der Geheimdienste herausdeuten.

“Illuminati”, “Da Vinci Code”, “Lost Symbol”, “Inferno” oder zuletzt, 2017, “Origin”: Kennste einen Dan Brown, kennste alle.

Stets bedient er sich einer europäischen Stadt als Hintergrund, in “Illuminati” Rom, in “Da Vinci Code” Paris, in “Inferno” Florenz und Istanbul, in “Origin” Barcelona.

Immer schleicht ein unheimlicher Spinner durch die Gegend und bringt Leute um (“Da Vinci”: Selbstgeisselnder Albinomönch, “Inferno”: Kampfamazone, “Origins”: Eine KI).

In jedem Buch geht es um eine populärwissenschaftliche These, die am Ende enthüllt wird – nachdem der Hauptcharakter ca. 400 Seiten absurden Hinweisen hinterhergestolpert ist, in einem fragmentierten Plot, in dem sich alle zwei Seiten parallele Handlungsstränge abwechseln. Der Schreibstil ist dabei genau an das amerikanische Publikum angepasst und teils naiv-kindlich.

Die Zielgruppenanpassung sieht man z.B. an der ausführlichen Erklärung europäischer Orte und Gepflogenheiten, und das rund ein Viertel des Textes immer wieder ein redundantes “Was bisher geschah” ist.

Kindlich-naiv ist auch Browns Vorstellung von wissenschaftlicher Arbeit sowie der absurde Kniff, Exposition über die Gedanken der Figuren zu liefern. Beispiel: Da stürzt eine Frau aus dem Himmel, und sie denkt “Wie kommt es das ich, eine weltweit renommierte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Noetik, die in den letzten Jahren in einem renommierten Privatinstitut forschte und lehrte, abstürze? “. – Solche Art von schlimmer Schreibe passiert nicht einmal, sondern alle 3 Seiten. Brown liefert Kontext und Fundament für seinen Plot, in dem er zu den unpassendsten Zeiten seine Figuren die Exposition denken lässt – das ist so doof, da muss man auch erstmal drauf kommen.

Auch ansonsten ist das Buch stellenweise ärgerlich. Etwa, wenn der Buchkonzern Random House, der zufällig auch im echten Leben Dan Brown verlegt, ausführlich vorgestellt wird – als Ort, in dem ausnahmslos Buchliebhaber und generell grundgute Menschen arbeiten und der seine Autoren auch mit “Military Grade Firewalls” und Leib und Leben schützt. Oder wenn wirklich jede Figur als modelhaft schön und sportlich beschrieben wird.

Lustig ist zudem, das Brown mit seinem eigenen Hauptcharakter nichts mehr anfangen kann. Robert Langdon darf nur noch Symbole wie das eines Notausgangs deuten (ja, wirklich jetzt!) und stolpert ansonsten nur einer Dame hinterher, die eine reine Expositionsmaschine ist und ihm ständig die Welt erklärt. Nunja. Dan Browns Bücher sind halt Trash. Edeltrash, aber halt Trash.

Immerhin ist “Secret of Secrets” ob seiner phantastischen These ab der Mitte recht spannend und deutlich plausibler aufgebaut als seine direkten Vorgänger “Inferno” oder “Origins”, mit 675 aber satte 225 Seiten länger als es sein müsste. (Silencer´sche Grundregel: Jede Geschichte lässt sich auf 450 Seiten erzählen, jede Seite mehr ist überflüssig). Satte 120 Seiten spielen übrigens nach der eigentlichen Handlung und sind nur noch Geblubber, und DANN kommt noch ein Epilog hinten dran. Das fühlt sich an wie die sechs Enden von “Death Stranding”: Überlanges Rumgewichse des Autors, bei dem der Leser nur noch wegdämmert.
Insgesamt: Kann man lesen, an langen und kalten Winterabenden. Man verpasst aber nichts, wenn man es im Buchladen liegen lässt.


Hören:


Sehen:

Long Way Home [2025, Apple TV+]
Ewan McGregor und Charly Boormann gehen noch einmal gemeinsam auf Tour.

Ach. Ach. Ach.

“Long Way Round”, die erste gemeinsame Reisedoku von Mcgregor und Boorman, war 2004 eine wegweisende Dokumentation über eine Weltumrundung von England über Europa und durch Russland bis nach New York. Die ließ nicht nur mich, sondern Motorradbegeisterte rund um die Welt von Motordadreisen träumen, und sorgte in vielen Fällen dafür, dass die Leute tatsächlich den Hintern von der Couch zu bekamen, zu reisen begannen und dann von ihren Erlebnissen schrieben oder sie filmten.

“Long way Down” führte 2007 einmal längs durch Afrika und war immer noch abenteuerlich, aber schon ein Bisschen peinlich (weil McGregors damalige Frau UNBEDINGT mitwollte und dann in jeder Kurve umfiel) und deutlich mehr Promo – McGregor und Boorman besuchten häufig Unicef-Lager oder gemeinnützige Projekte.

“Long Way Up” war 2020 ein nachgetropftes Apple TV-Exclusive, führte von Feuerland quer durch Südamerika bis in die USA und hatte als besonderen Twist, das die Strecke auf Elektromotorrädern zurückgelegt wurde. Das war schon ein wenig Altherrenfernsehen, nicht nur weil die Aufregung herbeigescripted werden musste und die Protagonisten halt mittlerweile älter sind, sondern auch weil “Mad Dog” Boormann sich zwischenzeitlich bei schlimmen Unfällen jeden Knochen im Leib zwei Mal gebrochen hatte, nur noch von Drahtklammern und Titanbügeln zusammengehalten wird und quasi auf´s Motorrad gehoben werden muss.

Nun also “Long Way Home”, und das ist Altherrenfernsehen mit Extra viel Fremdscham. Hier geht es wirklich um gar nichts mehr.

Früher waren die (echten oder inszenierten) Entbehrungen und Widrigkeiten einer Motorradreise das, was die “Long Way”-Reihe interessant machte. Das gibt es nun schlicht nicht mehr – Boorman und McGregor dödeln unter permanentem “Woohoo!!” und “Amaaaaaaaazing!”-Rufen einmal von England nach Skandinavien und zurück, nehmen dabei Volksfeste und Sportwettbewerbe mit, essen Fischbrötchen und hüpfen nackig in die Sauna. Das war´s, mehr passiert hier nicht.

Am Abenteuerlichsten ist noch, das ein Zündkabel an McGregors alter Motoguzzi nicht richtig sitzt, was sich aber dank Facetime-Anruf auf einem Apple iPhone beheben lässt. Ansonsten sieht man den beiden hier einfach nur noch dabei, wie sie sich von Apple eine kurze Vergnügungsreise finanzieren lassen.

Schön, dass McGregor und Boorman hier ihren Spaß hatten – als Zuschauer hat man den nicht. Man langweilt sich hier gepflegt zu Tode, während man sich über das dauernde “Wooohooo!/AMAZING!!!” ärgert. “Long Way Home” ist hoffentlich der letzte Teil der Reihe – zumindest ist kaum vorstellbar, das sich irgend jemand nach diesem Tiefpunkt noch einmal dafür interessiert.

Mission: Impossible: The Final Reckoning [2025, BluRay]
Tom Cruise muss zwei Dinge verhindern: Die Zerstörung der Welt durch den langweiligsten Bösewicht ever und das Ausrutschen auf ekligem Pathos. Spoiler: Er scheitert.

Als 1996 der erste “Mission Impossible”-Film rauskam, war ich sauer: Statt perfektem Zusammenspiel eines Teams aus Spezialisten, wie das in der TV-Serie der Fall war, stellte sich der Film als bloßes Tom Cruise-Vehikel heraus. Tom Cruise auf Alleingang und als Retter des Tages. Sehr beliebig, immerhin mit einigen spannenden Szenen, aber im Kern nicht das, was Mission Impossible ausmachte.

“M:I2” von 2000 war Jon-Woo-Bonkers und wieder Tom-Cruise-Show, brachte aber Bilder mit, die im Gedächtnis blieben.

Mission Impossible III von 2006 von J.J. Abrams war fast Meta, denn hier war alles runtergestrippt auf die Essentials des Franchises: Es gab wieder ein Team, es gab Heist-Sequenzen, es gab Spannung, aber der Bösewicht hatte kein Motiv und der McGuffin nicht mal mehr einen Namen (“Die Hasenpfote”? Echt jetzt?). Aber er zeigte, was bei Mission Impossible wichtig ist: Es gilt, möglichst kompliziert ein Ding zu klauen, dann gibt es Verfolgungsjagden und am Ende rettet Tom Cruise entgegen jeder Statistik doch noch den Tag. Simple as that. Ich war versöhnt und begann die Reihe zu mögen.

Ab Teil 4 (“Phantom Protocol”, danach “Rogue Nation”, “Fallout”, “Dead Reckoning, Part 1”) reduzierte man es wirklich auf dieses Rezept: Man überlegte sich für jeden Film zwei bis drei wahnsinnig gefährliche und spannende Actionpieces, die Tom Cruise dann selbst machte, und füllte die Zeit dazwischen mit Rennen, Fahren und Heist-Aktivitäten. Ein simples wie aufwendiges Konzept, das kurzweilig ist, Spaß macht, Schauwerte bietet, und das ich sehr feiere.

Was der Reihe nicht fehlte ist philosophischer Tiefgang, die Suche nach tieferem Sinn oder tiefenpsycholgische Analysen von Tom Cruise Charakter.

Genau das macht “Final Reckoning” aber, und zwar endlos und ausschweifend. Von den 170 Minuten Laufzeit werden die ersten 54 (ja, ich habe auf die Uhr geguckt!) nur für Rückblenden auf die ersten sieben Filme und als Exposition genutzt, in der nochmal von verschiedenen Figuren maximal ungelenk erklärt wird, warum Tom Cruise nun wirklich ein ganz besonderer Wunderwuzzi ist.

Nach dieser endlosen Stunde geht es dann endlich los, das Team zieht ins Feld und Tom Cruise rennt und taucht und macht absurde Dinge. Das wird aber immer wieder unterbrochen durch endlose Expositionsszenen und eine ungeschickt herbeifabulierte Bedrohung durch eine böse KI, die aber nie wirklich greifbar ist und so zum langweiligsten Bösewicht der ganze Reihe wird.

Die Retcon-Versuche, also die im Nachgang dahinkonstruierte Erklärung, warum ab Teil 1 alle Filme miteinander zusammenhängen, sind so ungeschickt, das es beinahe niedlich ist. Der ganze Summs endet dann wieder mit viel Lobhudelei per Voiceover auf Tom Cruise und warum er so besonders ist, während der “operierende Titan” (seine Scientology-Bezeichnung) im Gegenlicht auf einem Tafelberg in Afrika steht.

Nein, “Final Reckoning” ist leider kein guter Film. Er sülzt rum. Er nimmt sich viel zu ernst. Er hat ein schlechtes Pacing. Die Tom Cruise Beweihräucherung ist peinlich und langweilig.

Den direkten Vorgänger “Dead Reckoning” gucke ich gerne alle paar Monate wieder, weil der so geile Schauwerte hat. Der Nachfolger fällt dagegen deutlich ab. “Mission: Impossible Final Reckoning” ist freudlos, schwerfällig und rutscht auf seinem eigenen Pathos aus. Er ersäuft in seiner eigenen Wichtigkeit und ich behaupte: Man kann den Streifen um satte 90 Minuten kürzen ohne das etwas fehlt, und man hätte einen besseren Film.

Star Trek: Strange New Worlds Season 3
Jahre vor Captain Kirk: Die Enterprise unter Captain Pike erlebt Abenteuer im Weltraum.

Die zweite Staffel von “SNW” war genial, die dritte ist es nicht. Das liegt vor allem daran, das die Charaktere zu kurz kommen – in einer Plot-driven Show wie “Discovery” ist das Okay, aber SNW ist Charakter-Driven, und da ist das tödlich. Was es stattdessen gibt: Dauernd irgendwelche extravaganten Ausreisserfolgen: Mal verwandelt sich die komplette Kern-Crew in Vulkanier, mal spielen alle in einer Trash-SciFi-Show in den 50ern mit, mal gibt es ein Film-Noir-Mystery in Hollywoods 40ern.

Solche Episoden sind eine gelungene Abwechselung, wenn einer Serie so langsam die Ideen ausgeht und eine Staffel aus 20 Folgen besteht. Dann sind ein oder zwei Folgen mit völligem Nonsense auflockernd, das kann Spaß machen. Aber SNW Staffel 3 besteht insgesamt nur aus 10 Episoden, und die Hälfte davon ist Quatsch! Und nicht mal guter Quatsch, denn anders als die Musicalfolge aus Staffel 2, die etwas über die Charaktere verriet, treten die Bonkers-Folgen der dritten Staffel auf der Stelle und sorgen dafür, dass die Tonalität der Serie all over the place ist.

Dass das nichts war, wissen auch die Showrunner. Die haben schon während der Promo zu Staffel 3 immer wieder betont, wie schlimm der Writers Strike sie getroffen hat, und das Staffel 4 tonal ganz anders werden wird. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe – im ersten Teaser zu Staffel 4 hat sich Pike in einen Muppet verwandelt. Das sieht schon wieder sehr nach Bonkers aus.


Spielen:


Machen:

  • Eine Herbsttour mit dem Motorrad.

Neues Spielzeug:

Hyundai Silent Kompressor SAC55752
Ich habe LANGE überlegt, ob ich einen Kompressor wirklich brauche. Seit Jahren schleiche ich da drum herum. Gleichzeitig war ich permanent, und zwar fast jede Woche, angenervt davon, wie lange doch die kleine Akkuluftpumpe für einen Motorrad- oder Fahrradreifen braucht, oder das ich die Dauerfilter in den Staubsaugern oder die Luftfilter von Auto und Moppeds nicht selbst ausblasen kann. Aber rechtfertigen diese wenigen, zugegeben regelmäßig wiederkehrenden, Aufgaben den Kauf eines Kompressors?

Albrecht brachte es am Ende auf den Punkt: “Das Leben ohne Kompressor ist denkbar, aber schwierig”, sagte er und ich nahm das mal als väterlichen Rat. Am Primeday dann für knapp über 100 Euro den gebrauchten Hyundai geschossen.

Mit 59 DB flüsterleise, gleichzeitig mit einem 24 Liter Kessel, 125 Litern Ansaugleistung und 10 Bar Arbeitsdruck leistungsstark genug für das Aufpumpen von Auto- und Motorradreifen, das Ausblasen von Luftfiltern oder auch für den Betrieb eines Schlagschraubers oder einer (langsamen) Nagelpistole. Macht sehr viel Freude, das Ding.

Weil ich noch einen gebrauchten 10-Meter-Druckluftschlauch auf einer selbstaufrollenden Trommel fand, hat die Garage damit nun sehr günstig ein Druckluftsystem bekommen.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: September 2025

Momentaufnahme: September 2025

Herr Silencer im September 2025

“Non chini il capo. Tua madre ti ha insegnato a tirarti su le maniche e a darti. Da fare per i tuoi cari.”
(Lass´ den Kopf nicht hängen. Deine Mutter hat Dir beigebracht die Ärmel hochzukrempeln und für deine Lieben da zu sein)
– Giuliettas Mamma

Wetter: Als hätte die Natur einen Wecker gestellt und einen Hebel umgelegt, fallen exakt am 01. September die Blätter von den Bäumen. Immerhin ist es mit 17-24 Grad noch warm und manchmal auch sonnig. Am 20.09. gibt es ein letztes Aufbäumen des Sommers, mit Sonne satt und 27 Grad. Am Tag darauf halbieren sich die Temperaturen, es regnet und nun fühlt sich alles nach Herbst an.


Lesen:


Hören:


Sehen:

From the World of John Wick: Ballerina [2025, BluRay]
Als 5jährige muss Eva mit ansehen, wie ihr Vater von einer Kommandoeinheit gejagt und getötet wird. Sie wird in die Obhut einer Assassinenorganisation übergeben und zur Killerin und zur Ballerina ausgebildet.

15 Jahre später: Nach einigen spektakulären Einsätzen beginnt die erwachsene Eva Jagd auf die Mörder ihres Vaters zu machen – nur um herauszufinden, dass sie es mit einer Sekte zu tun hat, die tief in den Alpen ein ganzes Tal für sich beansprucht. Der Alleingang wirft Wellen, und John Wick wird ausgeschickt, die Ballerina aufzuhalten.

Ich mag die John-Wick-Filme. Vom Plot sind die knackedoof, aber in sich sind sie Kunst. Dabei meine ich nicht nur die wirklich krachenden Actionsequenzen, die es so in westlichen Filmen nicht nochmal gibt. Es ist das gnadenlose “Show, don´t Tell”-Prinzip, das viele Dinge zeigt und andeutet, ohne sie ausführlich zu erklären. Oder die Beleuchtung und der Artstyle, die häufig das Gefühlsleben der Protagonisten wiederspiegeln.

Und ich mag Ana de Armas, seitdem sie in “No Time to Die” einen sehr kurzen, aber im Gedächtnis bleibenden Auftritt an der Seite von Daniel Craig hatte. Die spektakuläre Kampfszene aus dem Bondfilm wird nun in “Ballerina” auf 120 kurzweilige Minuten ausgedehnt, und natürlich sieht auch hier wieder alles nach Hochglanz aus und ist super choreographiert. Für mich schon jetzt einer der Actionfilme des Jahres und einer der besten der John-Wick-Reihe.

Thunderbolts* [2025, Disney+]
Elaine aus “Seinfeld” hat sich in verschiedenen End-Credit-Szenen diverser Marvel-Filme und Serien eine Truppe moralisch fragwürdiger Supergeschöpfe zusammengesammelt, die sie nun anscheinend schon wieder loswerden will. Und dann ist da noch Bob aus Top Gun. Hallo Bob.

Ach naja. “Thunderbolts” ist kein Totalausfall wie der letzte “Captain America” und kein CGI-Quark wir “Quantumania”. Es wirkt, als hätte man hier zumindest schon ein Drehbuch gehabt, als man begann zu filmen. Viele Stunts sind handgemacht, und auch die Schauspieler sind gut aufgelegt und machen einen guten Job. Trotzdem: Ein Burner ist “Thunderbolts” nicht.

Der Streifen leidet nämlich an starken Stimmungsschwankungen. Irgendjemand sollte den Marvel-Autoren mal stecken, das es wirklich seltsam ist, wenn man in eine Geschichte über Depressionen, Missbrauch und häusliche Gewalt ständig ironische Brechungen und pseudocoole Oneliner einbaut. Das wirkt nicht Gen-X-Ironisch cool, sondern tonal völlig deplatziert. Hätte man sich das gespart und “Thunderbolts” tonal noch etwas gedimmt, es hätte einer der besten Marvel-Filme und ein Antidot zur grassierenden Superhero-Fatigue werden können. Aber so, und mit dieser seltsamen Volte am Ende, ist der Film doch schnell vergessen.

Ach ja: Auf Disney+ ist der Ton scheiße.

Der Pate [1972, BluRay]
New York, 1945: Al Pacino kommt aus dem zweiten Weltkrieg zurück nach New York und möchte ein ehrbares Leben führen. Das klappt nicht, denn sein Papa ist nicht nur Marlon Brando, sondern auch ein Don der sizilianischen Cosa Nostra. Als auf den ein Anschlag verübt wird, muss Pacino “die Famiiiiiliiiie” beschützen und selbst zum Paten werden. Schnell steht er vor schwierigen Entscheidungen: Soll die Famiiiiliiie in Drogenhandel einsteigen, was Papa immer ablehnte?

Eine epische und sehr verwickelte Geschichte, bei der man definitiv hingucken muss. Während in aktuellen Filmen alle Charaktere immer aussprechen was sie denken und fühlen, damit der Zuschauer es auch mitbekommt, wenn er am Handy daddelt, stammt “Der Pate” aus einer Zeit, wo ein ganzer Handlungsstrang mit einem einzigen Blick durch eine Tür aufgelöst wird.

Der Pate II [1974, BluRay]
Al Pacino ist als Pate erfolgreich, will die Famiiiiiliiiie aber von illegalen Geschäften weg und hin zu auf legalem Business führen. Das klappt aber nicht wirklich gut, an jeder Ecke gibt es Verrat. In Rückblenden wird erzählt, wie Marlon Brando, der jetzt von Robert de Niro gespielt wird, 1901 nach Amerika kam und zum Paten aufstieg.

Episches Meisterwerk. Über drei Stunden lang und in Sachen Kamera, Schauspiel und Handlung der absolute Kracher.

Der Pate III [1990, BluRay]
Michael Corleone hat es fast geschafft, die Familiiiiiie ist kurz davor aus illegalen Geschäften auszusteigen. Die Casinos werden verkauft, stattdessen will man Teilhaber an der Vatikanbank werden. Das gefällt den anderen Familiiiien gar nicht, und in der Oper von Palermo kommt es zum Showdown.

Deutlich schwächer als seine Vorgänger und wirkt so, als sei er nur des Geldes wegen gedreht worden. 16 Jahre nach “Der Pate II” hat Teil drei nicht wirklich interessantes zu erzählen und mäandert mit einer Laufzeit von fast drei Stunden vor sich hin, bis am Ende unvermittelt jemand vom Stuhl fällt und der Abspann läuft. Klingt unfokussiert und uninspiriert und fühlt sich auch so an.

Cleaner [2025, BluRay]
Daisy Ridley ist Fensterputzerin im One Canada Square-Tower an der Canary Wharf in London. Dort putzt sie auch, als Terroristen eine illustre Abendgesellschaft als Geiseln nehmen. Zum Glück war Ridley in ihrer vorherigen Karriere nicht nur Jedi, sondern auch Elitesoldatin und nimmt sich die Verbrecherbande vor.

Okay, der Plot klingt, als habe hier jemand “Stirb Langsam” in London neu verfilmen wollen und das Drehbuch für Jason Statham geschrieben (Der ist abonniert auf Filme mit Jobbeschreibungen im Titel, siehe auch “Transporter”, “Mechanik” oder “Beekeeper”). Statham hatte dann keine Zeit, und so kam Daisy Ridley an die Rolle.

Anders ist “Cleaner” kaum zu erklären. Ridley spielt normalerweise in progressiven Filmen, wie zuletzt dem tollen “Young Woman an the Sea”. “Cleaner” ist aber geradezu unerträglich reaktionärer Scheiß. Die Terroristen sind nämlich Umweltschützer, was hier gleichgesetzt wird mit Anti-Humanisten, die die Menschheit auslöschen wollen. Nun bin ich gerne bereit über solchen Quatsch hinwegzusehen, wenn ich wenigstens gut unterhalten werde, aber auch das findet hier nicht statt.

Die Actionszenen sind ultrakurz, unspektakulär und sehen nach ganz viel billigem Greenscreen aus, die Physik der Wolkenkratzerfenster erratisch, die Handlung verheddert sich in langweiligen Erklärbärszenen und die Charaktere sind entweder unglaubwürdige Klischees (der Terropapst, die liebe Polizistenfrau) oder werden völlig überladen. So schleppt Ridleys Charakter neben Daddy-Issues noch Sozialkritik, Sorgen um das britische Pflegesystem und einen Bruder mit Autismus mit sich rum, dessen Autismus sich aber darauf beschränkt Marvel-Filme zu mögen und ab und zu aus dem Hintergrund zu sagen “Ich habe übrigens Autismus”.

Daisy Ridley macht zwar einen tollen Job als Actionheldin, ist aber als Fensterputzerin höchst unglaubwürdig, und Clive Owen telefoniert seine Rolle nur durch. Schade – “Cleaner” hätte cool werden können, ist aber Cringe geworden.

Heretic [2025, Prime]
Zwei junge Mormonen-Missionarinnen klopfen an die Tür von Hugh Grant. Er bittet sie herein, aber noch bevor sie ihre frohen Botschaften verkünden können fällt die Tür zu – angeblich gesichert durch ein Zeitschloss. Der Hinterausgang ist nur durch einen Keller erreichbar, und dort unten wartet nicht nur eine Prüfung des Glaubens auf die beiden.

Ich verstehe die Grundidee: Ein Charmebolzen wie Hugh Grant versucht, junge Nonnen von ihrem Glauben abzubringen. Das gibt Stoff für interessante Szenen, allerdings fällt “Heretic” schnell nach allen Seiten auseinander. Das liegt zuerst an der schwachen Prämisse und den wenig kraftvollen Argumenten, mit denen Grant hantiert. Das liegt auch daran, dass der Film sich nach kurzer Zeit nicht entscheiden kann, ob er ein Psychothriller oder ein Mummenschanz/Tortureporn-Horrorfilm sein will. Psychothriller wäre besser gewesen, so wird es zu einem kruden Mix ohne echte Richtung.


Spielen:


Machen:

Fast nichts anderes als Arbeiten.


Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: August 2025

Momentaufnahme: August 2025

Herr Silencer im August 2025

Brbl Brbl Brbl

Wetter: Anfang des Monats mit um die 15 Grad kühl und sehr, sehr nass. Nach einigen Tagen mit Sonne und wärme gleiten die Temperaturen weiter in Richtung Herbst, wir sprechen von Morgens 4 und Mittags 13 Grad. Letzte Woche dann plötzlich wieder schwül, aber es lässt sich nicht leugnen: Die ersten Blätter fallen und es riecht nach Herbst.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Der Augenjäger
Unmittelbar nach den Ereignissen von Teil 1: Alexander Dingsbums ist tot, der Augensammler auf freiem Fuß und nun ist auch noch ein neues Monster unterwegs: Ein Mann trennt Frauen die Augenlider ab, dann vergewaltigt er sie und lässt sie wieder frei. Die so traumatisierten Frauen können nie wieder schlafen und bringen sich nacheinander um. Der Täter wird gefasst, muss aber mangels Beweisen freigelassen werden.

Das blinde Medium aus Teil dem Vorgängerband wird in die Sache hineingezogen, und prompt droht ihr der Täter damit, sie wieder sehend zu machen und dafür zu sorgen, dass sie nie wieder NICHT sehen kann.

Ach, hm. Vielleicht liegt es daran, dass ich das hier nicht am Stück gelesen habe, aber ich mag die Story nicht. Jedes Ereignis ist einen kleinen Ticken zu sehr drüber, und das muss dann mit seitenlangen Erklärungen wieder eingefangen werden. Schwächer als Teil 1, sehr blutig und irgendwie nicht meins.


Hören:


Sehen:

Walk the Line – Die große Johnny-Cash-Show [Gandersheimer Domfestspiele]
Die Lebensgeschichte von Johnny Cash. Allerdings nicht als große Show, sondern als kleines drei-Personen-Stück. Ein Moderator erläutert in einer episodischen Erzählung die Stationen im Leben von Cash, eingeflochten sind kurze Spiel- und Gesangsszenen. Hat mich nicht bewegt, und schon gar nicht mitgerissen.

Ein Sommernachtstraum [Gandersheimer Domfestspiele]
Im Wald vor Athen, in den Nacht vor einer Hochzeitsfeier, richtet der Kobold Puck seltsame Dinge an.

Okay, DAS ist mal eine tolle Produktion. Zum ersten Mal habe ich die vier komplexen Handlungsstränge wirklich verstanden. Das liegt vor allem daran, dass die Domfestspiele um 22:00 Uhr enden müssen und deshalb nur zwei Stunden Zeit haben. Die starke Verkürzung des Stoffs (der normalerweise dreieinhalb bis vier Stunden auf der Bühne braucht) führt dazu, das die verwobene und komplexen Handlungsfäden viel besser verständlich sind.

Die Inszenierung ist fantasievoll, hier ist an jeder Ecke die Kreativität des Teams zu spüren. Netter Kniff: Viele Charaktere haben einen Genderswap erfahren, und konsequent treten alle Männer in Frauenkostümen auf und umgekehrt. Das stört nie, und ist eine nette Umkehr.

Cabaret [Gandersheimer Domfestspiele]
Ein amerikanischer Schriftsteller stolpert in das Berlin der frühen 1930er und verliebt sich in eine Cabaret-Tänzerin. Zur Miete wohnt er bei Fräulein Schneider. Die alte Jungfer scheint ihr Glück mit einem jüdischen Obsthändler gefunden zu haben, aber dann beginnt der Aufstieg der NSDAP.

Ich wusste vorher nichts über das Stück, außer, das Liza Minelli in der 1972er Verfilmung mitspielte. Erwartet hatte ich Showgirls in Las Vegas, stattdessen geht es im Kern um eine sehr ernste Geschichte über die Folgen von Faschismus und von Angst. Star der Inszenierung ist nämlich für mich klar die Figur des Fräulein Schneider, die sich das langersehnte Glück versagt, weil sie Angst vor Veränderung und Oppression hat. Toll gespielt, schön inszeniert, bitterer und aktueller Stoff.

Paddington in Peru [2024, BluRay]
Paddingtons Tante Lucy geht es nicht gut! Da der Brexit-Bär gerade seinen neuen (blauen!) Reisepass erhalten hat, jettet er nach Peru – und trifft dort auf Dampfschiffahrtskapitän Antonio Banderas, singende Nonnen und Waldgeister.

Herzallerliebst und Grundgut, das sind die Werte, die die Realverfilmungen aus den Büchern rübergerettet haben. Das kann man ihnen gar nicht hoch genug anrechnen, gerade bei den vielen Slapsticksequenzen muss die Verlockung bestanden haben in Plattitüden oder Pipikacka-Humor abzugleiten. Nicht so Paddington, der bleibt Gentleman.

Final Destination Bloodlines [2025, BluRay]
1969 stürzt ein Aussichtsturm ein und reisst hunderte Menschen in den Tod. Also, fast – eine junge Frau hat eine Vorahnung und verhindert das Unglück, womit sie dem Tod in die Quere kommt. Der hat nun alle Hände voll zu tun, um all diejenigen zu holen, die eigentlich bei dem Unglück hätten sterben sollen. Weil das Jahre dauert, bekommen die Überlebenden Kinder, die es nach dem Plan des Tods auch nicht geben dürfte und die nun ebenfalls Opfer einer unglücklichen Verkettung bizarrer Umstände werden müssen.

Ach, Final Destination! Ich mag diese Filmreihe ja, die Anfang der Zweitausender fünf Filme hervorbrachte und 2011 mit einem schönen Loop abschloss.

Die Grundprämisse ist dabei stets gleich: Menschen, die eigentlich sterben sein sollten, überleben durch eine Vorwarnung. Das mag der Tod gar nicht, der sie im Nachgang zu erwischen versucht, meist durch unnötig komplizierte Unfälle nach Art einer Rube-Goldberg-Maschine. Das ist häufig sehr interessant inszeniert und war seinerzeit prägend – meine Generation fährt nicht freiwillig hinter einem Holztransport her, und das liegt an Final Destination!

Nun, nach 14 Jahre, der sechste Teil. Der ist extrem clever geschrieben, sehr blutig und macht trotz des sehr schlechten CGIs einfach großen Spaß.


Spielen:

Mafia. The Old Country.
Sizilien im Jahr 1904. Die ersten Autos rollen über buckelige Schlaglochpisten, die Elektrifizierung beginnt und in der Ferne grollt der Ätna. Das bemerkt auch Enzo, der als Sklave in einer Schwefelmine schuften muss. Als er flieht, findet er unerwartet Schutz auf dem Weingut der Familie Torrisi. Enzo steigt in der Gunst des Familienoberhaupts, und bald erledigt er Aufträge der etwas anderen Art und wird selbst teil der “Ehrenwerten”. Doof nur, das nicht nur die Spannungen mit anderen Familien auf Sizilien steigen, Enzo verliebt sich zu allem Überfluss auch noch in Isabella, der Tochter des Don Torrisi.

Au was für ein feines Game. Gerade mal 12 Stunden lang und straff inszeniert, wie eine gute Serie. Zwar ist ein Teil Siziliens wirklich so fotorealistisch modelliert, dass es schon eine Freude ist durch die Weinberge und Zitronenhaine zu streifen und dabei zuzusehen, wie das Abendlicht durch das Blätterdach filtert, aber(!) das ist keine Open World – und das ist gut so!

Statt die Karte mit optionalen Aktivitäten vollzustopfen, konzentriert sich “The Old Country” auf seine Geschichte. Die ist gut geschrieben und dank Motion Capturing auch hervorragend eingefangen – meine Güte, Don Torrisi wirkt selbst in freundlichen Szenen immer latent bedrohlich, das muss man erstmal hinbekommen. Inszenierung und Story machen, dass man darüber hinweg sieht, dass das Gameplay sehr, sehr simpel ist. Entweder gibt es Schleichsequenzen, die dank dummer KI angenehm unkompliziert sind, oder es gibt Deckungsshooter-Passagen, oder man fährt ein geskriptetes Rennen oder macht ein Messerduell- mehr Abwechselung gibt es nicht.

Das ist aber nicht schlimm, im Gegenteil. “Old Country” spielt sich erfrischend kurzweilig, gerade weil es kein unnützes Fett hat. Das war sicher nicht so geplant. Die Welt hat eine Größe und Detailliertheit und besitzt Reste von Funktionen, die erahnen lassen, dass der ursprüngliche Scope viel größer war und dann zurückgefahren wurde. Das gilt leider auch für die Geschichte, die manche Schleifen aufweist, die offensichtlich nicht auserzählt sind und die einen noch größeren Impact gehabt hätten. Aber nun – “Old Country” ist ein sehr launiges und kurzes Game, dass genau deswegen auch nur zur Hälfte eines Vollpreistitels verkauft wird und sich definitiv lohnt.
Ach was, es lohnt sich schon, weil man durch die Oper von Palermo laufen kann!


Machen:

  • Ein Badezimmer abreißen und Dinge Entrümpeln
  • Sehr viel arbeiten
  • Das Blog hier entgültig umziehen
  • Sehr müde sein

Neues Spielzeug:

Ein GluePen. Das ist eigentlich nur eine Heißklebepistole, aber eine extrem clevere: So klein und leicht, dass man sie wrklich wie einen Stift halten kann. Mit der roten Taste appliziert man punktgenau den Klebstoff fahin, wo er hinsoll. Lässt man die Taste los, schlürft der Stift den Rest wieder ein – da tropft nichts, und Fäden zieht es auch weniger. Gamechanger ist das fehlende Kabel, der eingebaute LiOn-Akku heizt das Ding binnen 10 Sekunden auf Betriebstemperatur. Die Heißklebestifte gibt es auch mit Glitzer und farbig, für mich sind nur drei Sorten relevant: “Extra Stark”, “Transparent” und “Kunststoff”. Lustiges kleines Teil.

Witzig: Mein Vater unterstellte mir als Kind immer, ich würde ja alles mit Heißkleber basteln. Das lag daran, dass er mir nie beigebracht hat, wie man Schrauben benutzt oder anders Verbindungen herstellt. Der GluePen ist nun meine erste Heißklebepistole seit über 40 Jahren.


Ding des Monats:

Bosch GBH 18V-26F
Ein Boschhammer. Nicht der größte, aber auch nicht das kleinste Modell der 18V-Akkuserie und schon mit genug Schlagenergie zum Meißeln und Stemmen. Gekauft hatte ich den schon vor einiger Zeit, aber bislang nie richtig zum Einsatz gekommen – weil ich erst später gelernt habe, das die Wände meiner Mietwohnung aus einem Hohlstein bestehen, bei dem man nicht schlagbohren darf, weil er sonst im Inneren zertrümmert wird.

Nun standen und stehen ganz andere Sachen an, und man, dass Ding kann was. Die Carbidbeschichten Bohrköpfe haben vor Stahlbeton keine Angst und bohren auch durch die Armierung, und alte Fliesen wegstemmen geht damit so einfach wie Schorf abpulen.

Besonders schön: Die Absaugung, die ein kleiner Aufsatz ist. Einfach aufstecken, und schon läuft beim Bohren ein eigener Staubsauger mit und hält die Wohnung sauber.

Ebenfalls fein: In der LBoxx lag noch ein Wechselbohrfutter, damit passen neben SDS auch normale Rundbohrer.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Juli 2025

Momentaufnahme: Juli 2025

Herr Silencer im Juli 2025

“La Gente che ha una vita riconosci subito. Non ha il tempo di rompere i coglioni agli altri”
(“Menschen, die ein Leben haben, erkennt man sofort. Die haben nämlich keine Zeit, anderen auf die Eier zu gehen”)
– Giuliettas Mamma.

Wetter: Anfang des Monats sehr extrem heiß, mit bis zu 38 Grad. Ab der dritten Woche Regen und um die 15 Grad, letzte Woche bedeckt und ebenfalls kühl mit 13-20 Grad.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Der Augensammler
Eine Mutter nach der nächsten wird ermordet, und ab dem Auffinden der Leichen läuft ein Countdown: 45 Stunden, dann sterben auch ihre Kinder. Ex-Polizist und jetzt Journalist Alexander Dingsbums bekommt Besuch von einer blinden Frau, die behauptet, sie habe nicht nur Kontakt mit dem Serientäter, sondern durch Berührungen auch Visionen seiner Taten empfangen. Da gerade wieder ein Countdown läuft, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wieder ein typischer Fitzek: Hochspannend, Story-Driven, alle paar Seiten eine neue Wendung, Charaktere eher meh. Wirkt stellenweise wie aus der Millennium-Reihe von Stieg Larsson. Wieder fast am Stück weggelesen. Zwischendurch gibt es Szenen, die direkt aus einem “Saw”-Film stammen könnten. Ich mag die, ist aber nicht für jeden.


Hören:


Sehen:
Diesen Monat mit einem 7-Tage-Paramount+ Probeabo. Gratis, hat aber mit krass viel Werbung genervt.

Legende [1985, Bluray]
Der Herr der Finsternis will selbige über die Welt bringen. Dazu muss er das letzte Gute auf der Welt töten: Zwei Glitzereinhörner, die durch einen Märchenwald galoppeln. Prinzessin Lilyfee beauftrag Tom Cruise das zu verhindern.

Ich hatte den Film als “da läuft ein 16jähriger Tom Cruise ohne Unterbuchs´ durch den Wald” abgespeichert und wollte den nie sehen. Ein Fehler!

Meine Güte, ist das ein toller Film! Ridley Scott brauchte nach Blade Runner (1982) wohl einen Genrewechsel. Seine Fantasywelt bietet ähnlich opulente Bilder wie die Replikanten-Dystopie. Bei vielen Szenen frage ich mich, wie das ohne CGI überhaupt gedreht werden konnte.

Wobei hier alles over the Top ist: Hier funkeln und schimmern die Guten, während die bösen Schergen schwitzen und sabbern. Unglaublich ist aber die Maske von Tim Curry als Finsternis, eine Mischung aus Gremlin und Hellboy – ich habe noch nie einen so beeindruckenden Teufel gesehen! Das die Story an sich banal ist, merkt man ob der Opulenz der Bilder kaum.

Die Naivität muss man der Handlung letztlich nachsehen. Die Filme aus der Zeit – egal ob “Der dunkle Kristall” oder das von mir sehr geliebte “Labyrinth” – sind alle so simpel gestrickt.

The Sandman, Season 2 [Netflix]
Dream of the Endless, the Lordshaper, Morpheus – der Herrscher des Traumreichs hat viele Namen. Seit das erste Wesen begonnen hat zu träumen gibt es ihn, nur seine Schwester Death und sein Bruder Destiny sind älter als er. Stoisch erfüllt er seine Pflichten, seit Äonen, aber genau dieses Pflichtbewusstsein wird zu seinem Untergang führen.

Was geschieht, wenn die Hölle plötzlich schließt? Kann es ein Akt der Gnade sein, das Blut seiner Familie zu vergießen? Was hat es für Folgen, wenn die Verkörperung der Zestörung plötzlich keine Lust mehr hat seinem Job nachzukommen? Was tut man 3.000 Jahre lang, wenn einem der Körper abhanden gekommen ist und man nur noch ein lebendiger Kopf ist?

Diese und andere Fragen beantwortet die zweite und letzte Staffel von “Sandman” und nutzt dabei, genau wie die 2.000 Seiten umfassende Graphic-Novel-Vorlage, eine anthologische Erzählweise. Jede Geschichte für sich ist faszinierend, alle zusammen bilden einen übergreifenden Handlungsbogen. Folgen 1-6 sind dabei abgeschlossene Geschichten, Episoden 7-11 konzentrieren sich stark auf Dream.

Das ist wieder exzellent geschrieben und im wahrsten Wortsinn traumhaft gefilmt. Man kann in dieser Serie an einer beliebigen Stelle auf “Pause” drücken, einen Screenshot machen und das Ergebnis ausgedruckt an die Wand hängen, es wird wirken wir ein Gemälde. Every Frame a Picture.

Sehr, sehr toll – und das in 11 kurze Folgen fast alle Bücher, beginnend ab “Seasons of Mist” über “The Kindly Ones” bis hin zu “The Wake” enthalten sein können, hätte ich nicht für möglich gehalten. Eine Bonusepisode enthält sogar noch “The High Cost of Living” mit einer Story um Death. Das war als Buch eher meh.

Star Trek Discovery, The final Season [2024, Bluray]
900 Jahre nach Picard: Die Discovery entdeckt Spuren der Progenitoren, der Spezies, die laut “Next Generation” für alles Leben im Universum verantwortlich sind. Es beginnt eine Schnitzeljagd nach Hinweisen auf deren Standort und ein Wettlauf gegen die Breen.

Man kann und muss “Discovery” viel vorwerfen: Schlechte Drehbücher, Plotholes so groß wie eine Subraumspalte und eine unerträglich overactende Hauptdarstellerin, die immer so aussieht, als ob sie gleich anfängt zu heulen.

Als die Serie 2017 startete, war sie vor allem ein radikaler Bruch mit bisherigen Star-Trek-Gewohnheiten. “Monster of the Week”-Folgen gab es nur noch in Ausnahmefällen, stattdessen konzentrierte sich “Discovery” auf einen Handlungsbogen über eine gesamte Season, wie ein 13 Stunden langer Spielfilm. Dabei fokussierte man nicht mehr auf ein klassisches Ensemble um eine Brückcrew, sondern auf eine Person, die dann leider oft wie Space-Jesus wirkte. All das führte dazu, das ein ordentlicher Teil der Hardcore-Trekker “Discovery” bis heute inbrünstig hasst.

Aber: Gerade WEIL Discovery ganz anders war und sehr mutig alles über Bord beamte, was klassisches “Trek” war, hat es das Franchise grundlegend erneuert. Wäre “Strange New Worlds”, eine klassische Raumschiff Enterprise-Serie, als erstes an den Start gegangen, hätten viele gegähnt und gesagt: “Ach guck, sie machen GENAU das selbe wie in den letzten 50 Jahren, laaaangweilig!” Erst durch das radikale Anderssein hat Discovery Serien wie SNW (das ein Spin-Off von Discovery ist) überhaupt ermöglicht.

Ich persönlich hatte einen gemischten Start mit Discovery. Ich mochte die Prämisse der Show nicht zeitlich VOR Kirk angesiedelt zu sein, denn ich wollte endlich wissen wie es NACH “Next Generation” weiterging.

Die erste Staffel krankte zudem an schlechten Designs (diese Klingonen!), seltsamen Ideen (ein Warpantrieb auf Basis von PILZEN?!) und holperiger Erzählung. Trotzdem mochte ich ich die Story, war beeindruckt vom Production Value und den Tricks und bewunderte den Mut des Writing Rooms was Plot-Twists anging.

Staffel zwei machte dann ein spannendes Mysterium auf und ballerte am Ende die Discovery 900 Jahre in die Zukunft, und damit nicht nur in eine Zeit nach TNG, sondern auch nach dem Ende der Sternenflotte. Spätestens jetzt war ich hooked und verfolgte jede neue Episode. Die waren mal besser, mal schlechter, aber in Summe kam auf jedes schlechte Drehbuch drei gute.

Nun also die fünfte und letzte Season, und die ist wirklich sehr gut geschrieben und umgesetzt. Die anderen Charaktere bekommen etwas mehr Raum, die neue “Nummer 1” ist ein hervorragender Knurrhahn mit einer echten Entwicklung, und das Ende ist befriedigender als manche der vorherigen Staffeln.

Ich hatte viel Freude mit “Discovery”. Die BluRay-Box mit der ganzen Serie bietet exzellentes Bild und tollen Ton, leider ist die “Short Treks”-Anthologie nicht dabei. Schade, zeigt doch der Kurzfilm “Calypso”, wie es nach dem Ende der Show mit der Discovery weiter ging.

Section 31 [2025, Paramount+]
Michelle Yeoh ist die Ex-Imperatorin des Spiegluniversums von “Discovery” und gestrandet in unserem Universum. Als eine seltsame Waffe auftaucht, wird Yeoh von Section 31 rekrutiert, jener geheimen Organisation, die immer dann tätig wird, wenn die Sternenflotte sich nicht die Hände schmutzig machen will.

Dieser Film ist Schmutz. Alles hier ist schlecht. Soll wohl eine Art “Mission Impossible” oder so sein, aber das Ding ist reiner Dreck. Schlimmer Plot, mit Ausnahme von Michelle Yeoh und Jamie Lee Curtis (?!) schlechte Schauspieler, dazu schlechte Tricks, billige Sets, verwackelte Kamera und keinerlei durchgehende Handlung. Das Ganze ist eine episodenhafte Aneinanderreihung von schlechten Actionsequenzen. Warum man die im Schnitt dann auch noch völlig zersägt, was die eigentlich coolen Choreos und die Kampfkunst von Michelle Yeoh auch noch schlimm aussehen lässt, weiß man nicht.

“Section 31” benimmt sich tonal in fast jeder Szene anders (und nie gut), und wenn ich eine Vermutung äußern darf: Hier wurde versucht eine Miniserie zu drehen, die in der Qualitätskontrolle so dermaßen durchgefallen ist, dass man die einzelnen Episoden runtergekürzt hat auf die Actionsequenzen und die einfach hintereinandergeschnitten hat. Eigentlich hätte man alles wegwerfen und von der Steuer absetzen müssen, aber vermutlich hätten dann bis in alle Ewigkeit die Star Trek-Fans á là “Release the Snyder Cut” rumgeheult.

Mobland [2025, Paramount+]
Die Harringtons sind eine schreckliche Familie und alles andere als nett. Von ihrem Landsitz in den Cotswolds aus lenkt Patriarch Pierce Brosnan die Gangstergeschäfte in London, immer unterstützt von seiner Frau Helen Mirren und seinen ehelichen und unehelichen Kindern und Enkelkindern. Erzfeind der Harringtons ist eine andere Londoner Verbrecherfamilie, und als deren Sohnemann verschwindet, beginnt ein Krieg. Mittendrin: Tom Hardy, der stoische Fixer der Harringtons, der ein Problem nach dem nächsten abräumen muss.

Wollte ich gar nicht gucken, blieb dann nach einer Empfehlung von Bernd Sträter doch dran hängen. Das lag natürlich an den großartigen Schauspielern: Tom Hardy ist ein resigniert-cooler Badass, die 80jährige Helen Mirren hat sichtlich Spaß an ihrer Rolle als Giftspritze und Gangsterqueen, und der 72jährige Pierce Brosnan ist zwar immer noch kein guter Schauspieler, darf hier aber mal ein wenig ausrasten und versuchen furchteinflößend zu gucken.

Das ich die Serie mag liegt auch an London, wo die “Mobland” von Herbst 2024 bis Februar 2025 gedreht wurde.

Die Handlung ist für die 10 Episoden mal wieder zu dünn. Nach einem interessanten, Guy-Ritchie-mäßigen Auftakt folgen leider etliche Episoden die sich wie Füllmaterial anfühlen, dann geht es ab Folge 6 aber richtig krass los.

Leider gibt es tonal kaum einen Fokus. Beginnt das ganze als Murder-Mystery, fühlt sich die Serie im Mittelteil an als wäre sie gerne ein zeitgenössisches Game of Thrones, um am Ende sogar Ausflüge in die Regionen des Folter-Porns zu machen und mehr absurde Wendungen aufzufahren als ein Fitzek-Roman.

Das Ende ist leider gänzlich unbefriedigend und schreit nach einer zweiten Staffel, und auch das wirkt angeflanscht und falsch.

Nicht falsch verstehen: Ich hatte SEHR viel Spaß an der Serie, sehe aber leider die Einflüsse eines Streaming-Studios, das aus einer guten Geschichte wieder nur stundenlangen und verwässerten Content gemacht hat und sich alle Türen offenhält. “Mobland” hätte als Film oder als konzentriertere und abgeschlossene 5-teilige Miniserie intensiver funktioniert.


Spielen:

Keine Zeit dafür.


Machen:
Teurer Monat:

  • Auto durch große Inspektion
  • V-Strom neue Reifen, Kettensatz, Bremsbeläge hinten, Öl
  • Ausstattung und Werkzeug

Neues Spielzeug:
Ein Linienlaser für Bauarbeiten. Schon cool, er hilft nicht nur bei der exakten Ausrichtung von z.B. Fliesen, er verwandelt auch das eigene Wohnzimmer in ein Holodeck.


Ding des Monats:

Bosch GAS 18V-10
Ist der NIEDLICH! Und er sieht aus wie ein kleiner Saugdroide! – das war meine erste Reaktion auf den Akku-Werkstattsauger von Bosch.

Die kompakten Abmessungen täuschen, der kleine Staubsauger hat eine wirklich gute Saugleistung. Er steht der teuren Haushaltsstaubsaugern m.E. nicht nach, lässt sich allerdings nicht regeln – an oder aus, mehr Einstellmöglichkeiten gibt es nicht.

Dafür läuft er länger als die Akku-Haushaltsgeräte. Er wird mit den 18V Werkzeugakkus von Bosch Professional betrieben und kriegt aus den Standardakkus pro Ah ca. 4 Minuten Laufzeit heraus. Der GAS (“Gewerblicher Absauger”) saugt Staub und Späne genauso wie er Flüssigkeiten wegschlürft.

Die Teppichdüse ist sehr schmal, es passen aber die Standard-Düsen anderer Staubsauger auf das 35mm-Saugrohr. Ebenfalls passt das Bosch Click&Clean System dran, damit lassen sich Werkzeuge absaugen.

Das Gerät ist nicht nur kompakt, es ist auch sehr leicht – man kann es sich mit dem mitglieferten Schultergurt auch über die Schulter hängen und damit easy Treppenhäuser saugen. Zum Transport oder zur Lagerung lässt sich das ganze Zubehör ganz platzsparend am Gerät befestigen, bis alles zusammen nur noch so groß ist wie ein Putzeimer.

Der Sauger hat einen Klasse L-Filter und braucht keine Staubbeutel oder ähnliches, einfach den 10-Liter-Behälter ausleeren und ab und zu den Filter ausklopfen/auspusten reicht.

Das Beste aber ist: Er ist supergünstig. Ich habe meinen als Retoure gekauft und unter 100 Euro bezahlt, Neu kostet er um die 120 Euro.

Der kleine Bosch hat in meiner Wohnung den großen Kärcher Staubsauger abgelöst, der in den echten Baustelleneinsatz übergeht.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Juni 2025

Momentaufnahme: Juni 2025

Herr Silencer im Juni 2025

“Ich tue Parmigiano auch in meinen Caffé!”

Wetter: Heiß. Trocken.


Lesen:

Sebastian Fitzek: Mimik
Frau wacht in Hotelzimmer auf, ist gefesselt und in der Gewalt eines Mannes, der vermutlich ein entflohener Schwerverbrecher ist. Der hält ihr aber ein Video unter die Nase, das eindeutig beweist, das SIE die Mörderin ihres Mannes und ihrer Kinder ist. Dummerweise kann sich die Frau an nichts erinnern. Bei einer Flucht durch die Nacht verändert sich dann quasi stündlich die Perspektive – aber ist die Frau am Ende eine Mörderin oder eine Polizistin, Täerin oder Opfer, unschuldig oder schuldig, und wen will sie hier eigentlich verarschen?

Mein erster Fitzek, weil: Solche Bücher liest man halt am Strand. Und MEINE FRESSE ist das hier ein verdrehter Müll. Die episodenhafte Nummernrevue eines Dan Brown ist nichts gegen die unglaubwürdigen Wendungen, die einem hier von jeder Seite entgegenspringen. Absolut JEDE Figur hat hier Dreck am Stecken, eben noch mitleidserregende Krebspatientinnen mutieren binnen weniger Szenen zu Kindesmörderinnen und wieder zurück, nie ist irgendwas wie es scheint.

So unglaubwürdig das alles auch ist: Es ist auch irrwitzig spannend, ich habe das 400 Seiten-Buch an einem Tag durchgelesen. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert.

Sebastian Fitzek: Passagier 23
Jedes Jahr verschwinden Hunderte Menschen während Kreuzfahrten. Wirklich seltsam wird es, als ein vermisstes Kind nach einem Jahr plötzlich wieder an Bord eines Kreuzfahrtschiffs auftaucht. Wo steckte das Mädchen so lange? Und: Gibt es einen Serienmörder, die auf Kreuzfahrtschiffen Mütter mit ihren Kindern abmurkst und über Bord wirft?

Nach dem ersten gleich den zweiten Fitzek. Auch wieder krass spannend und wendungsreich bis zum Brechen der Suspension of Disbelief. Mit dem gleichen, zugrundliegenden Motiv – Fitzek scheint die Idee zu Gefallen, Kinder zu Mördern zu machen.


Hören:


Sehen:

Clarksons Farm Season 4 [Prime]
Nach seinen unerquicklichen Auseinandersetzungen mit dem Council kommt Jeremy Clarkson auf eine neue Idee: Er macht einfach im Nachbar-County einen Pub auf! Mit Gerichten nur aus lokaler Produktion! Stellt sich aber raus: So einfach ist Gastronomie gar nicht, zumal nicht in größerem Stil. Und: Es hat einfach einen Sinn, dass es Zwischenhändler gibt.

“Das beste Stück Fernsehen seit sehr langer Zeit”, so urteilte ich in der Pandemie über die erste Staffel über den Fernsehmoderator, der auszog ein Farmer zu werden. Mittlerweile ist “Clarksons Farm” DIE Erfolgsserie von Amazon, weltweit beliebt und mit einem schönen Nebeneffekt: Die Menschen erleben die harte Arbeit in der Landwirtschaft und sehen, mit was die Bauern alles zu kämpfen haben.

Staffel 4 bietet zudem ein paar dramaturgisch schöne Momente, wie die vermasselte Pub-Eröffnung und das Bangen um die Ernte sowie interessante neue Charaktere, wie die TikTokerin Harriet oder Richard Ham.
Sehr sehenswert, mit nur 8 Folgen aber natürlich wieder viel zu kurz.


Mickey 17 [2025, BluRay]
Zwanzig Minuten in der Zukunft: Ein Forschungsschiff der Menschen landet auf einem eisigen Planeten. Mit an Bord: Der leicht naive Mickey, der sich freiwillig als “Expendable” gemeldet hat, als Entbehrlicher. Als solcher kann er jederzeit aus einem 3D-Drucker neu erschaffen werden, inklusive seiner letzten Erinnerungen.

Expendables werden in besonders gefährliche Einsätze geschickt, und so wird Mickey während der Expedition vergast, verbrannt, zerstückelt, stirbt in medizinischen Versuchen und wird anschließend wie am Fließband neu erschaffen.

Version 17 schließlich erleidet einen Unfall, der tödlich hätte sein müssen. Aber Mickey 17 überlebt und schleppt sich zurück in sein Quartier, nur um dort festzustellen, dass es schon eine neue Version von ihm gibt. Was doof ist, denn eine Person multipel herzustellen ist streng verboten. Mickeys Freundin sieht das anders und freut sich auf einen Dreier.

Meine Güte. Filme des koreanischen Regisseurs Bong Joon-ho sind immer eine Wundertüte. Das war bereits “Parasite”, das ist nun auch “Mickey 17”. Was als Sozialsatire beginnt, wo hier die Reichen feiern und dort die Armen immer wieder gequält und umgebracht werden, reisst kurz Fragen nach der Ethik von Cloning an, streift kurz Nutzeffekte wie Orgien mit sich selbst, schwappt über in eine Rom-Comedy und endet in einem handfesten Sci-Fi-Drama.

Ähnlich wie bei “Parasite” sind diese einzelnen Teile des Films so verschieden, das ich mehrfach dachte: Also JETZT hätte der Film eigentlich vorbei sein können. Das wäre aber schade gewesen, denn so bleibt “Mickey 17” stets überraschend und interessant. Er ist nur eines nicht, und zwar das, als das die Trailer ihn verkaufen wollen: Eine leichte Komödie im Stil von “Täglich grüßt das Murmeltier”. Oh Gott nein, das ist er nicht.

Der Cast ist einfach großartig – Robert Pattinson spielt die Mickeys auf den Punkt (und immer leicht unterschiedlich!), Mark “Hulk” Ruffalo als Mischung aus Fernsehprediger und Bürgermeister ist einfach eine Schau und Toni Colette als hysterisch-manipulative Präsidentengattin ohne jede Moral hat sichtlich Spaß.


The Substance [2024, BluRay]
Demi Moore ist die Aerobic-Queen ihres TV-Senders. Zumindest bis sie als “zu alt” hinauskomplimentiert wird. Frustriert nimmt sie ein seltsames Angebot an: “The Substance” soll dafür sorgen, dass aus Demi Moore eine neue, verbesserte und jüngere Version entsteht. Tatsächlich bricht nach einer Injektion ihr Körper auf und heraus steigt Sue, eine hübsche 21jährige, die sofort Demis alten Job beim Fernsehen bekommt.

Natürlich hat die Sache mehrere Haken. Sue darf nämlich nur maximal sieben Tage am Stück aktiv sein, dann muss sie schlafen und Demi Moore muss wieder sieben Tage sie selbst sein. Natürlich wird diese einfache Regel gebrochen, und natürlich lügt hier jemand.

Ich mag Demi Moore, und das hier ist vermutlich die beste und mutigste Leistung ihrer ganzen Karriere. Man kann auch die starke Stilisierung feiern und den Einsatz der Kamera, die über den Einsatz von Fischaugeneffekten und starken Close-Ups den Film maßgeblich prägt und teils pornöse Szenen schafft.

Ansonsten fällt hier aber alles ganz schnell auseinander. In den Kritiken liest man immer etwas von “starker Kommentar auf absurde Körpernormen” und “Kritik an der Instagramisierung Körper”. Aber: Damit beschäftigt sich der Film gar nicht wirklich. Da hat er nämlich keinen Bock drauf. Er will kein Sozialkommentar sein, sondern lieber ein wenig Body-Horror a la Cronenberg zeigen und am Ende in ein absurdes, an “Meet the Feebles” und “Braindead” erinnerndes Gore-Fest abrutschen.

Das ist ja legitim. Was mich aber quasi sofort gestört hat: Die Grundprämisse ist nicht durchdacht.

SPOILER
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Egal wie sehr der Film es immer wieder behauptet: Demi und Sue sind eben NICHT eins. Wären sie ein Bewusstsein, das sich zwei Körper teilt, dann wäre “Substance” eine wirklich starke Aussage. Nicht nur über Jugendwahn und Körperideale, sondern auch über die Sucht nach Liebe und Anerkennung, die letztlich in Selbstzerstörung führt.

Dem ist aber nicht so. Sue und Elisabeth sind zwei völlig getrennte Personen, was direkt die Frage aufwirft: Was soll das Ganze überhaupt? Warum opfert Demi Moore die Hälfte ihrer Lebenszeit für eine völlig fremde Person und hat selbst überhaupt nichts davon?

Bei einem High-Concept Film, der von einer elaborierten Idee getragen werden soll, ist es natürlich fatal, wenn exakt dieses Konzept nicht bis zum Ende gedacht ist. Das ist dann quasi akutes Organversagen ab Start, um in der Terminologie des Films zu bleiben.

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Spoilerende

Keine Ahnung, was da auf dem Boden des Schneideraums zurückgeblieben ist, aber so ergibt “The Substance” keinen Sinn und wird mir einzig wegen seiner Bilder und seinen Gore-Sequenzen in Erinnerung bleiben. Ernsthaft, “Der Tod steht ihr gut” hatte eine klarere Haltung zu Schönheitswahn und einen Umgang mit einer geheimnisvollen Substanz (erinnert sich noch jemand an Lisle von Rhoman?) als “The Subtance”, und dabei ist der Film schon 33 Jahre alt.
Das ist schade, denn mit ein wenig Hinrschmalz mehr hätte “Substance” so viel mehr sein können.


Spielen:


Machen:


Neues Spielzeug:

Eine Käsereibe, die in eine Tupperdose integriert ist! Yay!


Ding des Monats:

  • Otoplastik. So geil.
  • Parmigiano Reggiano. Unfassbar, das Zeug.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Mai 2025

Momentaufnahme: Mai 2025

Herr Silencer im Mai 2025

“Reisen ist halt nicht dasselbe wie Urlaub machen.”

Wetter: Die ersten zehn Tage trocken und kühl, mit nachts 3 und tags 13-16 Grad. Monatsmitte etwas wärmer, Monatsende wieder morgens einstellig, nachmittag knapp zweistellig. Kein Regen, nirgends. bis zum vorletzten Tag.


Lesen:

John Jackson Miller: Batman Resurrection
1989, wenige Monate nach den Ereignissen von Tim Burtons erstem “Batman”: Gotham erholt sich von der Smylex-Attacke durch den Joker, während Michael Keatons Batman davon träumt, dass Jack Nicholson gar nicht tot ist.

Fortsetzung des 1989er Batmans? Sinnlos, aber interessant! Leider ist das Buch eine große Enttäuschung. John Jackson Miller ist hauptberuflich Auftragsschreiber für Franchises. Hier klöppelt er routiniert und völlig uninspiriert einen Rotz runter, der sich bestenfalls auf dem Niveau von Fanfiction in einem Batman-Forum bewegt. Das Buch liest sich, als hätte ein vierzehnjähriger Fanboy den Kram verfasst.

Allerdings ein Fanboy, der eine Mindestseitenanzahl vollbekommen muss und deshalb versucht, seinen mageren Text auszuwalzen bis zum geht-nicht-mehr. Endlos und langweilig führt hier ausnahmslos JEDE Figur einen inneren Monolog, was sich langweilig liest und zu absurden Situationen führt, etwa wenn zwei Personen sich unterhalten und man dabei mitbekommt was beide denken. Da man ständig das Innenleben aller Charaktere kennt, bleibt keinerlei Überraschung mehr für den Leser. Unspannend, uninspiriert und unfertig – am Ende stellt sich raus, dass es einen weiteren Band geben wird. Beh.


Hören:


Sehen:


Spielen:

Assassins Creed Shadows [2025, PS5]
Assassins Creed in Japan, mit der üblichen Rachehandlung und mit zwei Hauptfiguren: Einem schwarzen Samurai und einer weiblichen Attentäterin.

Ach, ich habe es dann doch gespielt. Wegen der fragmentierten und unzusammenhängenden Spielstruktur ließ sich nach Feierabend gut mal eine Mission hier und eine da machen und ZACK plötzlich lief der Abspann. Kein Witz – das Spiel hört einfach mittendrin auf! Es gibt Kein befriedigendes Ende!

Zwar wird die Motivation des schwarzen Samurai Yasuke am Ende noch schnell verraten und Shinobi Naoe erfährt auf die letzten fünf Minuten etwas über ihre Vergangenheit, aber das fühlt sich an wie “Jetzt geht´s richtig los” – und dann endet das Game einfach!

Die Spielfiguren bekommen davon nichts mit, die stehen im Sonnenuntergang, klopfen sich auf die Schultern und faseln was von “das war ein hart erkämpfter Sieg” und “Wir haben eine lange Reise hinter uns”. Als Spieler sitzt man davor und denkt: “Was redet ihr da? Gerade noch hat Euch eine spontan aufgetauchte und schlecht geschriebene Nebenfigur in einem Expositionsdump hingerotzt, dass ihr nichts erreicht habt, wie kommt ihr darauf das Gegenteil zu behaupten?”.
Alles, alles hier fühlt sich unverdient an, weil die Story es nicht vorbereitet oder erzählt.

Gameplaytechnisch war zu diesem Zeitpunkt bei mir das Auftragsboard noch voll mit Dutzenden von Missionen und unerledigten Quests. Vielleicht liefert Ubisoft das richtige Ende in einem DLC nach, vielleicht ist aber auch einfach alles egal.

Ubisoft wusste eh nicht, wo sie mit “AC Shadows” hinwollten, das merkt man an jeder Ecke. So ist das Game eigentlich nur für die Shinobi Naoe gemacht. Yasuke ist zwar eine superinteressante Figur, die aber wie nachträglich reingebastelt wirkt. Mit ihm ist das Spiel gar nicht schaffbar, denn er kann nicht klettern oder schleichen. Schlimmer noch: Seine Geschichte wird nicht wirklich erzählt.

Normalerweise sind dumme und gebrochene Stories der Gamestruktur geschuldet, aber auch das ist hier völlig unnötig. Zwar gibt es eine Open World, die normalerweise an solchem Quark schuld ist, aber hier hat die Levelgrenzen – das ist völlig widersprüchlich und macht Null Sinn. Damit ließe sich eine lineare Story erzählen, aber das passiert nicht.

Stattdessen finden sich immer wieder mal Storyfragmente, aber die Reihenfolge ist völlig random, alles ist untererklärt, alles ist schlecht geschrieben und fast alles ergibt in Summe wenig Sinn.

Spieltechnisch gibt es nur eine spürbare Progression, wenn man an den Schwierigkeitseinstellungen schraubt. Die Gegner leveln nämlich mit, und lassen sich anfangs selbst von einer Assassinenklinge in der Halsschlagader nicht beeindrucken, sondern tun das als Kratzer ab und kloppen einen dann zu Brei. Wenn man in den ersten 20 Stunden auch nur im Ansatz Spielspaß haben möchte, sollte man den garantierten One-Hit-Kill einschalten. Dazu noch den Schwierigkeitslevel auf “Forgiving” oder “Story” – ansonsten segnet selbst der Riesengkrieger Yasuke schnell das Zeitliche, und das häufig durch Angriffe aus dem Off, die man weder sehen noch abwehren kann.

Da es hier zum wiederholten Mal keine Gegenwartsstory gibt, es im Kern nicht mal um Assassinen geht und wieder alles völlig überladen mit unwichtigen und unoriginellen Nebenquests, sollte das Game nicht “Assassins Creed” heißen sondern einfach “Japan Simulator 1600” – denn die Landschaft der Region um Kyoto ist wirklich sehr, sehr toll modelliert und hybsch anzusehen, und durch den Jahreszeitenwechsel lässt sich Japan zur Kirschblütenzeit genauso erkunden wie in den brütenden Sommermonaten, im bunten Herbst oder schneebedeckt im Winter.

AC Shadows ist also wieder mal hübsch, keine komplette Katastrophe, aber leider auch kein gutes oder gar spannendes Spiel. Es ist eher ein Zeitvertreib für Leute, die sich nach einem langen Tag nochmal erschöpft in eine andere Welt beamen und nicht zu viel nachdenken wollen.

No Offence, das ist legitim. Als Fan von AC II möchte ich aber anderes von der einst genialsten Sic-Fi-Story im Gamesbereich.


Machen:

  • Sehr viele Sorgen, an allen Fronten
  • Schleifen und Sägen (s.u.)
  • Unfassbar viel Geld für geiles Werkzeug ausgeben
  • Inspektionen V-Strom und ZZR, Reparatur ZZR Tankgeber
  • zu einer kleinen Rundfahrt aufbrechen

Neues Spielzeug:

Bosch GEX 18V-150
Ein Akkuschleifer aus der Professional-Linie von Bosch. Mit einem 4Ah-ProCore Akku liegt das Gerät leicht und ausbalanciert in der Hand und läuft unter Volllast eine halbe Stunde. Da der 4Ah-Akku ca. 30 Minuten im Schnellader braucht um wieder auf 100% zu kommen, kann man mit 2 Akkus endlos arbeiten.

Der Abtrag bei Verwendung von 80er Schleifnetzen ist enorm, der Schleifstaub wird durch das Netz in einen Filter gepustet. Mit Absaugung ist zwar geiler, aber der Filter ist schon wirklich gut. Feines Gerät.

Nachteil: Mit rund 280 Euro ist der GEX in der LBoxx-Version ohne Akkus(!) sehr teuer. Vorteil: WEIL er so teuer ist, kann man die Rechnung bei Bosch einreichen und bekommt dann im Rahmen der aktuellen “Pro-Deals” einen GBA (keinen Procore!) 4Ah-Akku im Wert von 60 Euro geschenkt.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: April 2025

Momentaufnahme: April 2025

Herr Silencer im April 2025

“Una Pasquetta col sole si vede solo ogni morte di Papa!”
“Gutes Wetter an Ostermontag gibt es nur, wenn der Papst stirbt.”

Das ist ein italienisches Sprichwort. Denn in Italien macht man am Ostermontag mit seiner Familie einen Ausflug mit Picknick, und dazu wird draußen gegrillt und immer, immer ist das Wetter schlecht.
Nun ist an diesem Ostermontag 2025 wirklich ein Papst gestorben, und das Wetter an dem Tag war bombig.
Franziskus hat für eine gute Pointe echt alles gegeben.

Wetter: Anfang des Monats wieder absolut trocken und sonnig, dabei aber schweinekalt: Nachts bis -3 Grad, dafür tagsüber mal 10, mal 20 Grad. Mitte des Monats regnet es – endlich! – und die Natur macht Puff! und ist plötzlich wach und grün. Kalt bleibt es aber, bei 4 bis 12 Grad fühlt sich dieser April an wie ein November. Letzte Woche dreht die Temperatur dann hoch, morgens sind es noch 6 Grad, Nachmittags aber 23.


Lesen:

Walter Moers: Die Insel der 1000 Leuchttürme [2023, Kindle]
Der dichtende Saurier Hildegunst von Mythenmetz hat eine Erkältung und versucht diese auf der Insel Eydernorn zu kurieren. Hier entdeckt er eine Allergie gegen Seewasser, was es mit Krakenfieken auf sich hat und ob er das Zeug zum Leuchtturmwärter in sich trägt.

Ach, Moers. Das Hardcover hat 635 Seiten, und auf den ersten 400 davon wird nur die Insel Eydernorn beschrieben, in allen Details – Fauna, Flora, Mahlzeiten. Wie immer mit überbordender Fantasie, aber leider ohne Handlung. Eine schlichte Nummernrevue, die der Autor dadurch rechtfertigt, dass die Erzählung eine Reisekorrespondenz sei – Hildegunst schreibt seinem alten Freund Hachmed Briefe, und die können natürlich jeder für sich stehen. Moers WEISS sogar, dass es zu viel ist, und hat einen der der besonders detaillierten und unzusammenhängenden Beschreibungen in den Anhang ausgelagert, mit einem Verweis, dass es bei den Beschreibungen mit ihm durchgegangen ist.

Nach 400 Seiten fantasievoller Langeweile passiert dann endlich was. Das ist durchaus actiongeladen und knüpft an die Funktionsweise des ersten Indiana-Jones-Filme an: Der Held ist kein Akteur, er ist beim Abenteuer nur dabei. Die unvermittelte Action entschuldigt aber nicht für zwei Drittel Leerlauf und fällt nach hinten raus auch ziemlich auseinander.

Ich habe immer zu kämpfen, wenn nichts passiert, was erklärt, warum ich seit Dezember an dem Schinken herumgelesen habe.


Hören:


Sehen:

Konklave [2024, VOD]
Der Papst ist tot. Kardinäle aus der ganzen Welt reisen nach Rom, um aus ihren Reihen einen neuen zu wählen. Die Wahl wird die Zukunft der Kirche beeinflussen: Wird der neue Papst ein moderater Technokrat ohne Vision? Oder einer, der die Kirche weiter reformiert und öffnet? Oder wird es ein Konservativer, der sie 60 Jahre in der Zeit zurückführen und einen nationalistischen Kulturkampf gegen Sexualitäten, Zuwanderung und den Islam beginnt?

Diese Fraktionen ringen um Einfluss über die unentschlossenen unter den Kardinälen, und je öfter abgestimmt wird, umso mehr verschieben sich die Kräfte.

Ui, was für ein toller Film. Nicht nur, weil er gerade ungeahnt aktuell ist und man viel über das anstehende Konklave in der echten Welt lernen kann.

Nein, er ist auch toll, weil er sich ganz auf seine Darsteller konzentriert und auf die Macht seiner Bilder und Motive: Bei Aufnahmen vom oder im Petersdom oder der Sixtinische Kapelle wird sehr genau auf das richtige Licht und einen originellen Kamerawinkel geachtet. In meist statischen Einstellungen werden damit Bilder kreiert, die teils wie Renaissancegemälde von Tintoretto wirken, und die man im Nachgang kaum vergessen kann.

Ralph Fiennes, John Lithgow und Stanley Tucci machen einen tollen Job und bekommen genug Raum um zu zeigen, was für gute Schauspieler sie sind. Nicht erkannt habe ich Isabella Rossellini in einer Nebenrolle.

Die Geschichte wird ruhig und langsam erzählt, ist aber so wendungsreich und spannend, dass es keine Sekunde langweilig wird. Ein Twist am Ende setzt noch einmal einen ganz besonderen Punkt, der zum Nachdenken anregt und den man so schnell nicht vergisst.

Mir wurde der Twist leider so en passant in einem Spiegel-Interview gespoilert, aber wenn man unvorbereitet in den reinläuft, ist das sicherlich nochmal wirksamer.

Anwärter auf “Film des Jahres”.

Longlegs [2024, VoD]
Ein Serienkiller geht in den 1990ern um, und eine junge FBI-Agentin versucht ihn zu fangen. Bald stellt sich heraus, dass der Killer und die junge Frau eine Beziehung zueinander haben müssen – nur welche?

Sehr düsterer Film, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist er entsättigt und unglaublich dunkel gedreht, ohne ein HDR-Display muss man in vielen Szenen wirklich raten, was da gerade passiert.

Zum anderen ist die Story verwickelt und am Ende so düster, dass es einen noch tagelang beschäftigen kann. Mir persönlich ist der Genremix zu viel – “Longlegs” fängt an wie ein FBI-Film, geht dann in Serienkiller-Grusel über und endet bei einer Mär über Satanisten, die einen vermutlich nochmal mehr gruselt, wenn man die Satanisten-Hysterie in den USA mitgemacht hat.

Kein spannender, aber ein sehr gruseliger Film, der einen noch lange verfolgt und dessen Atmosphäre nicht mal die völlig farblose Hauptdarstellerin und ein overactender Nicholas Cage unter zwei Tonnen Makeup kaputt bekommt.


Die Fotografin [2024, VoD]
Im Jahr 1930 ist die Welt in Südfrankreich noch in Ordnung, und Ex-Fotomodel und Fotografin Kate Winslet genießt das Savoir Vivre der Boheme. Das ändern sich, als der zweite Weltkrieg ausbricht und sie Kriegsfotografin für die Vogue wird – erst im vom Blitzkrieg verheerten London, später in den befreiten Konzentrationslagern.

Ein Portrait der Fotografin Lee Miller. Die Frau führte WIRKLICH ein abenteuerliches Leben. Der Film lässt sogar einige Episoden aus (wie z.B. das sie Picasso kennenlernte und der sechs Bilder von ihr malte) – vermutlich weil es sonst doch zu unglaubwürdig würde.

Immerhin ist die Entstehung von Millers bekanntestem Werk nachgestellt: The Woman in Hitlers Bathtub, das sie selbst in der Badewanne in Hitler Appartement in München zeigt. Für den Film wurde das bis ins Detail von Anne Leibovitz nachgestellt.

Äußerst interessant, und das die historischen Ereignisse von einer Handlung in den 70ern gerahmt werden, die die Geschehnisse stellenweise einordnet und bewertet, ist ein interessanter Kniff. Kate Winslet ist natürlich und wie immer absolut großartig.

Shogun [1980, BluRay]
Um 1600: Richard Chamberlain ist Navigator eines Handelsschiffes, das an der Küste Japans strandet. Zufällig bekommt er die Ambitionen eines Lords mit, der durch Intrigen und Gewalt zum Shogun, zum Alleinherrscher über Japan, werden will. Chamberlain wird zu dessen Vertrauten und später zum ersten nicht-japanischen Samurai.

Anfang der 80er war der jüngst verstorbene Richard Chamberlain DER TV-Star schlechthin. Ich war 1980 erst 5 Jahre alt, bekam aber mit, wie sie bei jeder neuen Folge “Shogun” oder “Dornenvögel” die Familie um den Fernseher versammelte.

“Shogun” hatte ich mir vor 5 Jahren mal auf BluRay gekauft, einen Blick hinein geworfen und sofort ausgemacht. Der Grund: Die BluRay-Auflösung zeigt gnadenlos, wie grässlich damals die Maske war. Theatermäßig und billig geschminkte Gesichter, Klebekanten von Perücken, aufribbelnde Kostüme – all das, was man in der normalen TV-Auflösung nicht sah, springt einem hier gnadenlos ins Auge.

Trotzdem hat die Serie ihren Reiz. Neben Chamberlain spielt hier zum Beispiel der grandiose John Rhys-Davies als Portugiese mit, es wird erstaunlich viel geflucht und die Handlung ist durchaus spannend und unerwartet… spicy. Schon nach kurzer Zeit nimmt man die Klebekanten nicht mehr wahr und ist ganz im Bann der spannenden Geschichte.

Interessant: Die 600 Minuten vergehen wie im Flug und haben praktisch keine Längen. Damit guckt sich die 45 Jahre alte (!) Serie besser als die meisten Netflix-Produktionen, die aus dem Stoff eine Serie mit vier langatmigen Staffeln gemacht hätten, um sie dran mitten drin abzusetzen.


Spielen:

Duolingo. Ich verstehe zwar nach wie vor das Konzept dieser Sprachlern-App nicht, weil hier keinerlei Grammatik vermittelt wird, aber wenn man schon um Konjugationen weiß und sich selbst und außerhalb der App um den Rest kümmert, ist sie zum Vokabeln lernen tauglich.

Vor Allem aber ist die App mit Punkten, Gems, Ligen und Ranglistenso so dermaßen durchgamifiziert, das es irgendwann gar nicht mehr ums Sprachenlernen geht, sondern nur noch darum, möglichst viele Punkte zu machen und Schlumpfbeeren einzusammeln. Damit man das nicht vergisst, terrorisiert einen die App quasi stündlich mit Remindern.

Lässt man sich auf die Terroreule ein, ist sie ein Zeitfresser sondergleichen. Nachdem ich nach langen drei Wochen das Spitzenturnier in der Diamant-Liga gewonnen habe und mir nichts mehr beweisen muss, werde ich die Zeitinvestition nun wieder zurückfahren.

Zumal mir ewig wiederholte Sätze wie “Lei è una cuoca e lui è un cuoco” (Sie ist eine Köchin und er ist ein Koch) oder “La moschea e lì ma il museo e lontano” (Die Moschee ist dort aber das Museum ist weit weg) oder “Ho bisogno di trè père per la mia torta perchè i miei vicini dovete preparare i biscotti” (Ich brauche drei Birnen für meine Torte weil meine Nachbarn Kekse vorbereiten müssen) und ähnliche Absurditäten langsam aber sicher zum Hals raushängen.


Machen:
Enduro-Training in Stadtoldendorf.


Neues Spielzeug:

Eine Osmo Acton 5 Pro. Liegt hier schon seit dem letzten Black Friday rum, jetzt habe ich sie mal ausprobiert. Die aktuellste Actionkamera von DJI ersetzt die Garmin VIRBs am Motorrad. Die VIRB XE fand ich ja eigentlich perfekt, aber die sind leider in die Jahre gekommen – bei zwei von dreien ist der Bildstabilisator ausgefallen, bei allen wurde das Bild immer dunkler und verrauschter. (Können Fotochips bzw. Linsensysteme degraden?)

Dieses Problem hat die Osmo 5 Pro nicht. Das Bild ist knackig, hell und, den Sehgewohnheiten am Handy angepasst, sehr gesättigt, aber ohne komplett unnatürlich auszusehen. Die Akkulaufzeit beträgt gigantische drei Stunden, das bekommt aktuell keine andere Actioncam hin.

Problem der Kamera ist, wie bei Actioncams so häufig, die Fernbedienung. Die muss man extra kaufen. Immerhin funktioniert sie funktioniert, anders als bei manchen GoPros, zuverlässig. Aber: DJI hat in der Remote ein GPS-modul verbaut, was die Kamera von Haus aus nicht mitbringt. Das sorgt nicht nur dafür, dass die Fernbedienung arschteuer ist, sondern hat als Nebeneffekt auch, dass sie ständig aufgeladen werden muss und wohl mit einer Akkuladung kaum über den Tag kommt. Mal sehen, wie sich das so in meiner Praxis darstellt.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: März 2025

Momentaufnahme: März 2025

Herr Silencer im März 2025

“Ich hatte gehofft, wir hätten dafür noch zehn Jahre Zeit.”

Wetter: Sonnig und seit Ende Januar furztrocken, den ersten Heckenbrand musste die Feuerwehr schon wieder löschen. Erste Monatshälfte wolkenlos sonnig, dadurch tagsüber 15 Grad, nachts aber noch Minusgrade bis -5 Grad. Ab Monatsmitte ist es kalt und grau, fühlt sich an wie November. Bis es am 25. März regnet, und ab dem Moment explodiert das Grün. Kalt bleibt es freilich, aber Grün macht Hoffnung.


Lesen:

Sylvain Runberg: Captain Future: Der ewige Herrscher [Hardcover, Carlsen-Verlag, 2025]
Gerade, als das Forscherpaar Newton seine neuesten Schöpfungen – einen Roboter und einen Androiden mit einer neuen Art von KI – vorstellt, wird ihre Raumstation von Fanatikern angegriffen. Beide sterben, zurück bleibt ihr einjähriger Sohn Curt.

Der wird von dem Roboter, dem Androiden und einem Wissenschaftler, dessen Körper auf sein Hirn reduziert wurde, großgezogen und später bekannt für seinen Mut, seinen moralischen Kompass und seinen unerschütterlichen Glauben an das Gute und die Wissenschaft. Als Symbol der Hoffnung gibt die galaktische Presse Curt Newton einen Spitznamen: Captain Future.

Was habe ich diese Serie als Kind geliebt – und tue das heute noch, die steht sogar als BluRay hier im Regal. Damit bin ich nicht allein, “Captain Future” hat meine ganze Generation geprägt, was die Resonanz auf den obigen Concept Trailer und jetzt dieses Buch beweist.

Der Roman ist eine Graphic Novel, die eine Story der Zeichentrickserie behutsam erweitert und neu interpretiert. Leider ist das ausgerechnet die Geschichte “Der Herrscher von Megara”.

Die hängt mir persönlich zum Hals raus, weil ich sie Tausendmal gehört habe. Ja richtig gelesen: Gehört. Mein Cousin hat Anfang der 80er die Schallplatte mit dem Hörspiel zu Weihnachten geschenkt bekommen, und meine Mutter hat eine Kopie davon auf Cassette gemacht, die Hülle hübsch mit einem “Captain Future”-Bild aus der Hörzu beklebt und ich habe die glücklichst ungefähr 8.673 Mal gehört.

Mal weg von meinen persönlichen Präferenzen: Die behutsamen Erweiterungen und die kleinen Modernisierungen (Ezella Garnie als Bad Ass mit Sonnenbrille, eine moderne Version von Joan Landor) bei Beibehaltung des Designs der Future-Crew und der Comet, das wirkt in Summe sehr frisch und neu, ohne das es wirklich radikal neu oder anders wäre. Ich hab´s mit Vergnügen gelesen.


Hören:


Sehen:


Der Junge und der Reiher [2023, BluRay]
Japan, zweiter Weltkrieg: Der elfjährige Mahito trauert um seine verstorbene Mutter. Der nächst Schock für ihn: Er muss mit seinem Vater, der eine Rüstungsfabrik übernimmt, von Tokio auf´s Land ziehen. Missmutig erkundet der junge seine neue Umgebung. Neben einem geheimnisvollen Turm stösst er auf einen gewalttätigen Reiher, der ihm ans Leder will. Unfreiwillig treten beide eine Reise in ein anderes Reich an, wo der Tod sein Ende findet.

Ein wahnsinnig schöner und poetischer Film. “Der Junge und der Reiher” ist ein letztes Meisterwerkt des mittlerweile 84jährigen Studio Ghibli-Chefs Hayao Miyazaki und strotzt vor fantastischen Ideen und wunderbaren Momente. Von jetzt auf gleich wechselt der Film von Trauer und Stille zu einem Fiebertraum und wieder zurück. Die handgezeichneten Bilder verströmen in jeder Szene Seele und machen wieder einmal klar, das Studio Ghibli mehr ist als nur ein Look, den auch KI ersetzen könnte.

Escape Plan [2013, Bluray]
Gefängnistester und Ausbruchexperte Sylvester Stallone friemelt sich aus einem Gefängnis raus. Irgendwann friemelt Arnold Schwarzenegger mit.

Interessante Prämisse, mittelmäßig umgesetzt. Der Film verliert im zweiten Akt schlagartig jegliche Spannung und döst vor sich hin, nur um dann das Ende unverdient und in Krachbumm-Manier aufzulösen. Ziemlich doof, die Serie “Prison Break” hat schon acht Jahre vorher gezeigt, was man aus der Materie wirklich machen kann.

Tango & Cash [1989, BluRay]
Sylvester Stallone, Kurt Russell und Teri Hatcher in einem Buddy-Cop-Movie.

Ach ja, die 80er Jahre. Buddy-Cop-Movies waren damals DAS große Ding – je unmöglicher die Paarungen, desto besser (sehr schön zerlegt in “Last Action Hero”). Hier also Stallone in seiner “Scharping-Brille und Armani-Anzug”-Phase und Kurt Russell als Cowboystiefeltragender Vokuhila in einer unoriginellen Handlung, die erstaunlich brutal und mit etlichen Schauwerten inszeniert ist. Dumm, aber knallt.

Dating Game Killer [2023, Prime]
Anna Kendrick spielt in den 70ern in der amerikanischen Version von “Herzblatt” mit. Wahre Geschichte: Einer der drei Männer hinter der Wand ist ein Serienmörder.

Die grandiose Anna Kendrick spielt nicht nur die Hauptrolle, der Film ist auch ihr Regiedebüt. Gut inszeniert, gut gespielt, leider fizzelt er nach hinten ein wenig aus. Nicht ganz schlecht, schon wegen des 70er Settings, aber muss ich nicht nochmal sehen.

Borderlands [2024, Prime]
Film im Universum der Videogames. Ich kenne den Loot-Shooter nicht, bin aber mit der Welt durch das Telltale-Adventure vertraut.

Die Optik hat man hier gut hinbekommen, die Figuren sind Okay, die Story leider Schwachsinn. Dafür explodiert dauernd etwas oder es gibt Pipikacka-Witze. Wenn die Zielgruppe Zwölfjährige sind, die die Hälfte der Zeit ohnehin auf´s Handy gucken, dann ist der Film ein Treffer.


Spielen:

Assassins Creed Shadows [2025, PS5]
Assassins Creed in Japan, mit der üblichen Rachehandlung und mit zwei Hauptfiguren: Einem schwarzen Samurai und einer weiblichen Attentäterin.

Ach was haben im Vorfeld die fragilen Fanboys einen Pflaumensturz gekriegt: Man muss entweder eine Frau oder einen Schwarzen spielen!

Mir ist das komplett egal, so lange nur die Geschichte gut ist. Die sei supi, wurde die Fachpresse nicht müde zu erklären, und machte das allein schon daran fest, dass der Prolog 15 Stunden dauert. Außerdem wäre AC Shadows ein Neustart der Serie, kein Mapclutter mehr, tolle Charaktere, lebendigere Welt, blabla.

Ich bin 9 Stunden in der Welt von AC Shadows gewesen und kann nur sagen: Nee.

Das hier ist weder eine super Geschichte, noch ist sie dicht erzählt. Schon wieder passiert direkt in der ersten Spielstunde irgendwelchen egalen Figuren etwas, das die Motivation für alles Weitere sein soll. Aber wieder wurde der gleiche Fehler gemacht wie eigentlich immer seit AC IV: Die Spieler hatten gar keine Zeit eine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, weshalb die Ereignisse ziemlich egal sind und auf ein 08/15-Schema hinauslaufen.

“Shadows” ist hier schon wieder narratives Malen-nach-Zahlen aus dem Handbuch “Stories schreiben für Anfänger (ohne Vorkenntnisse)”. Selbst wenn das später noch besser wird: Einer dichten Story steht IMMER der Open-World-Ansatz entgegen, und ich gehe jede Wette ein, dass auch hier die Geschichte durch zu viel belanglosen Kram verwässert wird. Schon in den ersten Spielstunden wird alles so bruchstückhaft und schlecht erzählt, dass ich mehrfach da saß und dachte: “Hä?” – und zwar nicht nur bei den doppelt auftauchenden Tutorials, anscheinend ein Überbleibsel aus den hektischen Umbauarbeiten der letzten Monate, nachdem Ubisoft Feuer für die Wahl seiner Protagonisten bekommen hat.

Für mich persönlich ärgerlich: Die Gegenwartsstory existiert nicht mehr. Alle, was in den letzten drei Teilen rund um Layla und Bassim aufgebaut wurde, wird nicht mehr erwähnt. Der Großteil der Spielerschaft feiert das – vermutlich, weil sie nicht wissen, um was sie dadurch beraubt werden. Für mich, als jemand der den Konflikt Templer vs. Assassinen in der Gegenwart für sehr spannend hielt, bricht damit die Begründung für die ganze DNA-Zeitreise-Konstruktion in sich zusammen. Das ist schlecht.

Auch schlecht: Die Technik. Sicher, die Landschaft ist wieder schön. Aber: Die Figuren bewegen sich immer noch so hölzern wie 2017 in “Origins”, die Kleidung wirkt wie aufgemalt, Gesichter sind marionettenhhaft bis gar nicht animiert und falsche Lightmaps sorgen schon mal dafür, dass es bei NPCs unterm Hut leuchtet oder Licht aus den Mündern kommt. Dazu noch die offensichtlichen Bugs wie Pferde, die einen Meter über dem Boden schweben oder in der Landschaft festhängende NPCs.

Am Schlimmsten nach wie vor: Die sauschlechte Physik. Jede Pflanze führt sich auf wie der singende Busch aus “Drei Amigos”, Kleider und Perlenketten bestehen aus Styropor und flattern waagerecht im Wind, die Haare und Bärte der Figuren sind fitzelig dünn und führen ein Eigenleben. Wirklich, selbst wenn man in Cutscenes die Pausetaste drückt, frieren zwar die Personen ein, ihre Haare und die Pflanzen tanzen und schwingen aber weiter in allen möglichen Richtungen hin und her, auch bei Windstille und in geschlossenen Räumen.

Kurz: Ich sehe auf eine Szene aus der Ubisoft-eigenen Anvil-Engine und habe direkt keinen Bock mehr.

Wo “Ghost of Tsushima” Poetry in Motion war, oder Every Frame a Picture, ist AC Shadows manchmal schwer zu ertragen.

Spieldesigntechnisch ist das Ding auch keine Glanzleistung. Die Entwicklung von “Shadows” wurde direkt nach “Odyssey” begonnen, was leider bedeutet: Der ganze Quatsch aus dieser Iteration ist wieder da, die Verbesserungen aus “Valhalla” verschwunden. Überbordende Inventare sind genauso zurück wie hunderte von Waffen, die sich nur um 0,001 Prozent unterscheiden, und sogar die Todsünden wurden wiederholt: Die Gegner leveln wieder mit und vermitteln einem das Gefühl, nie besser zu werden. Ebenfalls zurück sind die Attentate mit der verborgenen Klinge, die keinen Insta-Kill auslösen.

Neu ist, dass man keine Questmarker mehr bekommt, sondern nur ungefähre Ortsbeschreibungen. Früher waren die optional, nun sind sie Standard. Statt “Gehe zur Markierung auf der Karte und sprich mit dem Schmied” heißt es nun
“Sprich mit dem Schmied.
Er befindet sich westlich von Sakai.
Seine Schmiede ist im Norden.
An Dienstagen kauft er gerne Äpfel.”
.

Ja, und nun? Wenn man Sakai noch nicht zufällig entdeckt hat, findet man es auf der abgedeckten Karte nicht.
Wenn man Sakai dann gefunden hat, rennt man mitunter echt lange durch den Ort, bis man den Schmied vielleicht zufällig beim Einkaufen trifft. Mapclutter mit Questmarkern ist also wirklich weg, dafür ist die Karte nun voller Fragezeichen und poetisch anmutenden Wegbeschreibungen. So ein Quatsch ist Verschwendung von Lebenszeit der Spielenden, genau wie Ressourcenfarming, Levelgrind, überbordende Killtafeln, Fraktionen, die bei jedem Jahreszeitenwechsel resettet werden oder ein Meditationssystem, das die Spielfigur beruhigen soll, mich persönlich aber aggressiv macht.

Alles, alles wirkt hier leider alt und bäh, von der “Neuerfindung der Serie”, von der die Fachpresse bei jedem neuen AC fabuliert, ist auch hier wieder nichts zu merken. Ich werde es spielen, klar. Irgendwann. Aber nicht jetzt, gibt Wichtigeres.


Machen:
Sorgen.


Neues Spielzeug:

Eine elektrische Gartenschere von Bosch Professional. Wird offiziell nicht von Bosch für den deutschen Markt angeboten, findet man daher hier in keinem Baumarkt und Online nur zu gesalzenen Preisen. Zum Glück kenne ich eine gewisse italienische Farmerin, die dauernd in Baumärkten rumhängt und gerne Päckchen schickt.

12-Volt-System, sehr handlich, mit 900 Gramm (mit Akku) extrem leicht, krass stark und die Schneidbewegung ist sehr viel schneller als bei den meisten anderen Geräten. Damit schneidet man Bäume, Büsche und was noch alles ratzfatz zurück. Krasses und nützliches Teil.


Ding des Monats:

Ein Nolan N100-6 im Design “Mivedi”. Wenn schon leuchtend (siehe Jacke mit Neonfeldern im Vormonat), dann richtig! Nolan macht aber natürlich nicht einfach ein leuchtendes Signalgelb. Nein, das wäre ja zu einfach und würde Kundenwünschen entsprechen, eh, Nolan? das “Mivedi”-Design ist eine komplexe Mehrschichten-Effektlackierung im Farbton “Verde Impulso e Nero”, (“Impulsgrün”/schwarz), der ein leuchtendes, aber grünlich schimmerndes Finish hat. Grün passt natürlich genau wieder nicht zur Neon-Jacke. Aber Wurscht, nach dem langweiligen “Classico Nobili Perla” (Vulgo: Weiß) des letzten Jahres sieht der Mivedi wenigstens interessant aus.

Das Design verwendet Nolan auch für den günstigen N80-8, den guten N90-3 und den Luxus-Carboner X-1005 sowie den brandneuen N120-1. Letzterer ist der erste Flip-Over-Helm von Nolan. Fand ich spannend, habe ihn ausprobiert – und gemerkt, das der nichts für mich ist. Zuschnitt und Sichtfeld sind mindestens gewöhnungbedürftig, das Visier hat keinerlei Rastung und das Kinnteil kennt auch nur zwei Positionen. Da ich aus Sicherheitsgründen nie “Jethelm” fahre, kam der 120-1 dann doch nicht in Frage, und es ist wieder ein N100-6 geworden, der klassische Klapphelm.

Das 2025er Modelljahr ist die zweite Revision des, erst im vergangenen Jahr erschienenen, N100-6. Alle Punkte, die mir an der ersten nicht gefallen haben (unzureichende Visierfixierung, schwache Federn an der Sonnenblende, Harfengeräusche aus dem Lufteinlass, labberige Kunststoffteile am Helmkragen und N-Com) wurden adressiert und abgeändert. Damit ist der 100-6 ein rundum guter Klapphelm, der dem Schuberth C5 nicht nachsteht – aber 500 Euro günstiger ist (ich habe für den brandneuen Nolan 355 Euro Straßenpreis bezahlt).

Interessantes Aussehen, Detailverbesserungen – das genügt in Summe um den Mivedi zu behalten. Er ersetzt den Nolan 100-5, der auch schon wieder sieben Jahre auf der Uhr hat, als Brot-und-Butter-Helm.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Februar 2025

Momentaufnahme: Februar 2025

Herr Silencer im Februar 2025

“ALLES ändert sich in diesem Jahr.”

Wetter: Die ersten Tage trocken und kalt, zwischen Minus neun und plus vier Grad. In der dritten Woche dreht der Frühling auf, plötzlich sind tagsüber 14 Grad und es ist Moppedwetter.


Lesen:

Jürgen Theiner: Motorprosa – Geschichten aus der Kurve [2020, Kindle]
Der Winter ist genau die richtige Zeit, um Bücher über das Motorradfahren zu lesen. Diesen Februar bin ich nicht wieder auf ein Buch der Kradvagabunden reingefallen, sondern habe mir endlich die “Motorprosa” von Jürgen Theiner gegönnt.

Jürgen ist einer der sprachlich und stilistisch besten Motorblogger im deutschsprachigen Raum. Auf Motorprosa.com schreibt er extrem gekonnt und immer liebevoll über das Motorradfahren. In 2020 erschien dann dieses Buch. Da ich dachte, ich würde schon alles von ihm kennen, habe ich es lange ignoriert – was ECHT DUMM war, denn das Buch ist nicht einfach nur eine Kompilation des Blogs.

Theiner erzählt hier seine Lebensgeschichte, zumindest den Teil, der mit zwei Rädern und einem Motor zu tun hat. Von der beginnenden Faszination eines Bubs in Südtirol, der mit einem frisierten Moped vor Carabinieris floh, über die Hürde des Füherscheins, Unfälle, Liebschaften, verunglückte Reisen… dabei steht nicht die Technik oder das Motorrad an sich im Vordergrund, sondern die Emotionen die es auslöst, wie es das Leben prägt und was für Empfindungen es ermöglicht.

Alles stets selbstironisch und witzig geschildert, was nicht nur erfrischend ist, sondern der Erzählung extrem gut tut. Denn JEDER Motorradfahrer kennt die “Shit Shit Shiiiiit”-Momente, wenn man feststellt, dass man mal wieder etwas Dummes gemacht hat – sei es, das aus den fingerlosen Chopper-Handschuhen, die man gerade noch so cool fand, plötzlich blau gefrorene Finger ragen, weil man sich unvermittelt auf einem schneebedeckten Pass wiederfindet, sei es, dass man eine Strecke falsch einschätzt und völlig durchnässt mitten in der Nacht in der Pampa steht und derbe Ärger mit der Sozia bekommt.

Jürgen Theiner lässt diese Episoden nicht aus, sie sind essentieller Bestandteil seiner Geschichte. Nach hinten raus wird es leider weniger anekdotisch und eher eine Aufzählung der fahrbaren Untersätze, aber dennoch: Dieses Buch ein echtes und sehr kurzweiliges Vergnügen. Eine Fortsetzung wäre nice, zumal Jürgen seit einigen Jahren auch elektrisch unterwegs ist. Wer einfach mal in Jürgens Theiners Welt reinlesen will: Hier zum Blog: Motorprosa


Hören:


Sehen:

Quantum Leap [2022, Joyn]
“Nachdem er die Theorie aufgestellt hatte, dass man innerhalb seiner eigenen Lebenszeit Zeitreisen könne, stieg Dr. Sam Beckett in den Quantensprungzeitbeschleuniger und… verschwand”

Sam Beckett kehrte nie nach Hause zurück, und 25 Jahre später versucht ein neues Quantum-Leap-Team herauszufinden, was damals eigentlich passiert ist. Dummerweise steigt der Teamleiter heimlich in den Quantensprungzeitbeschleuniger und verschwindet ebenfalls. Warum hat er das getan, und was verschweigt er seinem Team? Das weiß sein Schweizer-Käse-Gedächtnis nicht mehr. Er hat auch ganz andere Probleme, denn das Gesicht im Spiegel ist nicht sein eigenes…

Meine Güte, ich habe “Zurück in die Vergangenheit”, wie “Quantum Leap” bei uns hieß, geleaped!!

Die 1989er Serie lief bei uns ab 1991 am Sonntag Morgen auf RTL und das war ein Pflichttermin. Nie wusste man, was einen als Nächstes erwartete, jede Folge spielte in einer anderen Zeit und befasste sich mit einem anderen Thema. Sam Beckett sprang nämlich in die Körper anderer Menschen und musste in der Vergangenheit etwas zum Besseren ändern, was einst schief gelaufen war. Das waren mal kleine Schicksale, wie das Leben der alleinerziehenden Mutter oder des Jazztrompeters, mal Geschehnisse der Weltgeschichte (“Ich konnte Kennedy nicht retten” – “Weißt Du, Sam, in der ersten Version der Geschichte starb Jacky. Du warst wegen ihr dort.)

Nun also eine Neuauflage, und NBC gibt sich hier erkennbar Mühe alles richtig zu machen und das Original zu ehren. Die Stories sind gut, die Produktion hochwertig und am Schönsten ist, dass man mehr von der Gegenwart sieht und es hier eine sehr gute, episodenübergreifende Handlung gibt. Warum ist Ben Song heimlich verschwunden? Wer ist der Hacker im System von Ziggy? Warum ist noch ein Leaper in der Vergangenheit unterwegs? Und wo ist Al Calaviccis altes Handlink hin? Hat das vielleicht seine Tochter mitgehen lassen?

Fein: Der neue Leiter des Quantum Leap Projekts wird von Ernie Hudson (Ghostbusters) gespielt, dessen Figur in der Episode “The Leap Home” in der Originalserie von Sam Beckett übernommen wurde. Geile Idee.

Sehr cool und gut gemacht, trotzdem leider nach zwei Staffeln eingestellt worden.

Titanique [2021, Criterion Theatre]
“…und dann ertranken 1.514 Menschen, als die Titanic sank”, sagt der Museumführer. “MOOOOOOMENT! Das ist nicht, woran ich mich erinnere!”, ruft Celine Dion dazwischen und erzählt dann die wahre Geschichte der “Titanic”, so, wie sie sie erlebt hat – denn sie war natürlich dabei. Gerade war sie noch mit Sting am abrocken um Jack und Rose zusammenzubringen, da hat Tina Turner das Schiff versenkt, aber gestorben, gestorben ist niemand! Weil Celione alle mit “My heart will go on” ins Leben zurückgesungen hat!

Völlig überdrehtes Stück, arschlustig wenn man den Film gesehen hat und doppelt gut, wenn man das Werk von Celine Dion kennt und deren Songs in einer Nummernrevue abfeiern kann. Letzteres geht mir total ab, amüsiert habe ich mich trotzdem. Das lag auch an der überdrehten Performance von Lauren Drew als Celine Dion – was für eine Powerfrau!

Back to the Future – The Musical [2022, Adelphi Theatre]
Eine Nacherzählung des Films, durchsetzt mit kurzen Musicaleinlagen. Fügt der Vorlage nichts hinzu, ist aber dennoch faszinierend zu sehen, insbesondere wegen der Bühnentechnik. Durch Rückprojektion und der Technik, die auch für “Bühnen-Hologramme” genutzt wird, rast mit einem mal wirklich der DeLorean mit 140 Sachen über die Bühne. Sehr cool gemacht, und wie sie es am Ende (“Wo wir hingehen brauchen wir keine… Straßen.”) hinbekommen haben, dass die Zeitmaschine DURCH DEN ZUSCHAUERRAUM fliegt, ist wirklich faszinierend zu sehen.

Schade: Der Sound im Adelphi ist extrem bescheiden. Effekte sind viel zu laut, die Schauspieler so übersteuert, dass man die Texte kaum versteht. Ein Spektakel ist es aber dennoch.

Stranger Things: The First Shadow [2023, Phoenix Theatre]
1959: Hopper und Winona Ryder gehen noch zur Highschool, als ein neuer Schüler auftaucht. Henry Creel ist ein verschlossener Einzelgänger. Hat er etwas mit den verstümmelten und verdrehten Tierleichen zu tun, die neuerdings überall auftauchen? Stellt sich raus: Ja, und nicht nur das. Seit einem Zwischenfall trägt Henry einen Schatten aus dem Upside-Down, der Hölle, in sich.

Gerade dachte ich, nach der Zaubershow in “Back to the Future” alles gesehen zu haben, da bläst mich “Stranger Things” völlig aus den Schuhen. Was hier an Bühnenillusion aufgefahren wird ist unfassbar: Rückprojektion, Hologramme, Einssatz von tiefen Tönen zur Erzeugung von Angst, bewegliche Bühnen – You name it, Stranger Things has it.

Damit werden Szenen umgesetzt, die ich nie vergessen werde: Wie sich plötzlich ein komplettes Schiff auf der Bühne materialisiert. Wie eine Kulisse in Zeitlupe explodiert. Das beklemmende Kribbeln und das entsetzliche Gefühl, das hier alles falsch ist, kurz bevor sich der Innenraum des Theaters in eine große Version des Mindflayers verändert. Das ist alles ganz, ganz große Kunst. Dazu kommen ein fantastischer Cast und eine Geschichte, die unmittelbar in die Geschehnisse der Netflix-Serie überleitet. Großartig und die besten drei Stunden Theater die es derzeit gibt.


Spielen:

Metaphor: ReFantazio [2024, PS5 Digital]
Der König ist tot, ermordet von einem gefühlskalten Emporkömmling. Dieser Bösewicht hat auch dafür gesorgt, dass der legitime Thronerbe im Koma liegt. Aber just in dem Moment, wo der Mörder sich selbst zum neuen Herrscher ausrufen will, passieren Dinge, die dafür sorgen, dass eine Art Wettbewerb gestartet wird. Der Gewinner soll die Krone bekommen. Jedermann könnte König werden? Das ist ein unerhörter Vorgang in einer Welt, die durch starke Magie und ein striktes und extrem diskriminierendes Kastensystem geprägt ist.

“Metaphor” ist das neueste Spiel des Mannes, der Persona 3, 4 und 5 verantwortet hat. Wo diese Games aber in der Realität spielten, in die plötzlich eine Art Magie reinbrandete, ist es hier genau umgekehrt. Das namenlose Königreich liegt in einer Fantasywelt, die vor Magie nur so brummt, deren die Bewohner aber davon träumen, das es sie nicht gibt, sondern alle Spezies gleich sind und Herrscher durch Wahlen bestimmt werden. Fantasywesen, die unsere Welt als Utopia begreifen – ein interessanter Twist!

Spieltechnisch wird hier die “Persona”-Engine genutzt, was gut und schlecht zugleich ist. Gut sind wie immer die rundenbasierten Kämpfe, die auch beim eintausendsten Mal noch Spaß machen und spannend sind.

Seltsam übergestülpt wirkt dagegen die Einteilung in Tage und damit verbundene Zeitlimits. In “Persona” sind diese Zeitlimits eine näher rückende Klausur oder der Tag, an dem die Schüler von der Schule geworfen werden. Das wirkt organisch. In “Metaphor” muss immer etwas herbeigelogen werden. Mal sind es die Tage, bis eine Straße wieder geöffnet wird, ein anderes mal ist es die Zeit bis Regenwetter angesagt ist, mal die Tage bis dringend abgereist werden muss. Das wirkt immer seltsam und artifiziell.

Dennoch funktioniert es, und das liegt wieder an der spannenden Geschichte, der tollen Welt und vor allem an den extrem gut geschriebenen Figuren. Bleibt der erste Begleiter noch etwas blass und langweilig, sind spätestens die Ritterin Hulkenberg oder der Fledermauswächter Heismay nicht nur originelle Figuren, sondern wirklich tolle Charaktere, mit denen man gerne Zeit am Lagerfeuer verbringt und die man im Verlauf des Games wirklich gut kennenlernt.

Was mir nicht gefällt: Die Lernkurve steigt auf “Standard” bereits kurz nach dem Spieleinstieg extrem an. Die Gegner sind plötzlich superschwer oder müssen binnen drei Zügen besiegt werden, was ohne exakt optimierte Skills der richtigen Personas nicht möglich ist. Es gibt superviele Freiheitsgrade, aber in der Regel funktioniert nur ein kritischer Pfad so richtig – den zu finden und eventuelleFehlentscheidungen zu bemerken kostet aber Stunden, und dann kann man nur hoffen, noch einen alten Spielstand zu haben. Hat man den nicht, hat man sich halt verskillt und scheitert dauerhaft. Das ist frustrierend und schränkt die Lust, mit den vielen Möglichkeiten des Magiesystems zu experimentieren, sehr ein.

Bislang 35 Stunden auf der Uhr und nicht mal zur Hälfte durch.


Machen:

Eine Reise nach London!
Und eine nach Dresden! Letztere leider rein Dienstlich, sonst hätten wir mal ein Lesertreffen gemacht 🙂


Neues Spielzeug:

Der Monat der neuen Klamotten.
Ich trage nur Jacken im M65-Schnitt, diese klassische Schimanski-Jacke. Eine für den Winter und eine für den Sommer. Praktisch, viele Taschen und unverwüstlich – eigentlich. Meine Lieblingswinterjacke, eine Vintage Industries in M von 2013, war “Pre-Used”: Der dunkelgraue Stoff war mit Bleiche vorbehandelt, um ihn an manchen Stellen abgenutzt aussehen zu lassen und ihm so mehr Textur zu geben. Das hier ist sie:

Problem: In Kombination mit Waschmittel oder in der Reinigung wurde die Reste der Bleiche wieder aktiviert und fraßen sich langsam, aber unaufhörlich durch den Stoff. Zuletzt sah meine Lieblingsjacke also aus wie zerlumpt, mit echten Löchern und Rissen überall.

Nun also der Ur-Enkel, eine M65 “Orton”, wieder in M und wieder von Vintage Industries. Gleicher Stoff (aber ungebleicht!), einfacherer Schnitt, weniger Details, dafür teilweise verhunzt (Innentasche, in die kein Smartphone passt, Stoff nimmt Hautfett an, zu hoher Kragen). Aber nun. Alles wird schlechter.

Beim Stöbern im Vintage Industries Katalog auf der Seite von FC-Moto dann noch das hier gefunden: Eine Jacke von IXS, eine X-Tour LT Montevideo-ST aka Montevideo Air 2.0. Passt in L absolut perfekt, auch mit der TechAir-5-Airbagweste darunter.

Die Schultern und Arme sind fast vollständig aus Leder, das Teil verfügt über viele, beindruckend clevere Details und extrem gute Reflektoren. Besonders gut: Quasi die ganze Front lässt sich zur Belüftung aufzippen.

Gab es gerade runtergesetzt, von 600 auf 190 Euro, aber nur noch in der High-Vis-Option mit neongelben Feldern. Da war ich mir nicht sicher: Will ich das wirklich? Eigentlich mache ich mich immer über so Leute in Warnwesten lustig. Andererseits: Wenn es hilft nicht umgefahren zu werden? Ach, immer diese Entscheidungen. Nach Konsultation mit Expertinnen war klar: Doch, will ich, und mit dem Gelb kann ich leben. Ich hatte noch nie eine so gut sitzende Motorradjacke, die kann gerne die bollerig geschnittene, sackartige sitzende und doch für eine Airbagweste eigentlich zu enge FLM ersetzen.

Außerdem gab es noch drei Pyjamas aus gebürsteter Baumwolle von Marks & Spencer, aber die führe ich hier nicht vor.


Ding des Monats:

Ein R2-D2-Toilettenpapierhalter! So etwas kommt dabei raus, wenn man Ali mit einem 3D-Drucker unbeaufsichtigt lässt. Danke, alter Freund – ich komme aus dem Grinsen immer noch nicht heraus.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008