Meinung

Langzeittest: Pirelli Angel GT

Hintergrund: Ich fahre eine ZZR600, 100 PS, Reifendimensionen 120/60 und 160/60 ZR17. Ich bin Tourenfahrer mit gelegentlicher Neigung zum Heizen, meistens fahre ich aber sehr vorausschauend und ressourcenschonend. Ich trage meine Kiste nicht um Kurven, gehe aber auch selten ans Limit. Will heißen: Die Blümchenpflückerfraktion macht mich irre, aber die Heizer lasse ich gerne vorbeiziehen. Ich fahre bei jedem Wetter, meist mit Gepäck und rund 10.000 Kilometer pro Jahr. Der untenstehende Originaltext ist von 2013. Mittlerweile – wir schreiben das Jahr 2016 – habe ich den fünften Satz Angel GTs drauf. 

Pirelli hat mir mit dem Tourensportreifen „Angel ST“ im Jahr 2011 eine große Portion Fahrspass geschenkt. Der Reifen passte perfekt zu meinem Fahrprofil, verhielt sich gutmütig, aber knackig in Kurven und hatte ein gutes Bremsverhalten auf nasser Straße. Ich schreibe bewusst in der Vergangenheitsform, denn den Angel ST gibt es nicht mehr.

Sein Nachfolger heißt Angel GT, „Gran Turismo“, und soll durch eine Mehrkomponentenkonstruktion nicht nur haltbarer sein, sondern auch noch größere Sicherheitsreserven bei Nässe bieten. Ich war ja erst einmal skeptisch. Noch haltbarer? Meine Angel STs habe ich mit 11.000 Kilometern in Rente geschickt. Aber nicht, weil das Profil schon am Ende gewesen wäre – da wären locker nochmal 4-5.000 Kilometer drin gewesen. Nein, ich habe mich von ihnen getrennt, weil sie nach 3.000 Kilometern Autobahn bei der Tour im letzten Jahr in der Mitte platt gefahren waren. In der Folge mussten sie für Schräglage über eine Kante gestemmt werden, was weder elegant noch angenehm ist. Also wurden sie Anfang der Saison gegen die GT ausgetauscht.

Zu Pirellis neuem Tourensportreifen Angel GT liest man im Moment allerorten „Tests“, die sich in der Regel darauf beschränken, die Pressemitteilung des Unternehmens wiederzukäuen. In den besseren Fachpublikationen findet durchaus schon einmal ein Fahrtest mit Hands-on und Messungen zum Bremsverhalten auf Nässe statt, was schon einmal nicht schlecht ist. Zur angeblich verbesserten Haltbarkeit finden sich bislang keine Aussagen. Da ich bereits 8.000 Kilometer damit runterhabe, kann ich mir zu allen Aspekten des Reifens ein Urteil erlauben.

Kurvenverhalten
Zunächst: Was sich zum Glück nicht verändert hat ist das Fahrverhalten. Der Angel ist nach wie vor gutmütig in Kurven, die Schräglage lässt sich fein dosieren. Hier hat man nichts verschlimmbessert.

Auf Nässe
Nach Fahrten im Starkregen, auf Landstrasse und Autobahn, kann ich sagen: Wow. Hier hat sich echt nochmal was getan. Der Angel GT klebt förmlich auf der Strasse, als wenn ihn Nässe überhaupt nicht interessiert. Selbst wenn die Reifen kalt sind, bieten sie noch mehr Grip als manch anderer Tourenreifen bei Betriebstemperatur. Sagt zumindest das Magazin „Motorrad“, bei dem der GT Sieger im Segment Tourensportreifen geworden ist. Kann ich nur bestätigen, bei Fahrten im Regen rutscht nichts in Kurven, und Bremsen funktioniert erstklassig. Und hey, ich war in diesem Sommer an genau den Tagen in Passau unterwegs, als die Stadt in den Regenfluten versunken ist.

Haltbarkeit
Ich habe mit dem GT jetzt 8.000 Kilometer runter, die Hälfte davon vollbepackt auf Autobahnen (Und 20 Kilometer auf Schotterstrassen mit spitzen Steinen, aber das nur am Rande). Der Vorgänger war nach 3.000 Kilometer Autobahn in der Mitte platt, mit spürbaren Kanten an den Seiten. Der Angel GT hat nun in der Mitte der Lauffläche eine härtere Gummimischung, und ja, das macht sich bemerkbar. Nach der Autobahntortour ist zwar wieder eine leichte Kantenbildung zu merken, aber nur im Hinterreifen und lange nicht so schlimm wie beim Vorgänger. Während der nahezu hin war, lässt sich die Kante beim GT ignorieren oder sogar wieder rausfahren. Profiltechnisch ist der GT auf jeden Fall weit vom Ruhestand entfernt, ich schätze die Haltbarkeit insgesamt auf 16.-20.000 Kilometer*. Im Folgenden ein paar Vergleichsbilder von fabrikneuen Angels (links) und meinen mit 8.000 Kilometern auf der Uhr.

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In der Summe lässt sich sagen: Das bessere Handling auf nasser Fahrbahn und die bessere Haltbarkeit sind keine Erfindungen von Pirellis Marketingabteilung. Der Angel GT ist in diesen Bereichen wirklich besser als sein Vorgänger, gleichzeitig behält er aber alle anderen Stärken bei. Es besteht also kein Grund, jetzt die Restbestände an STs aufzukaufen. Im Gegenteil: Man sollte so schnell wie möglich umsteigen. Lediglich eines gefällt mit nicht: Das kleine Easteregg mit dem Engel gibt es beim GT nicht mehr, aber darüber kann man hinwegsehen.

[Update 2014] In diesem Jahr bin ich mit einem frischen Paar GTs gestartet. Die haben 4.000 Kilometer Autobahn und 5.000 Kilometer Land- und Bergstraßen mitgemacht, mit voller Beladung (Koffer, Topcase). Reifen hat keine spürbare Kantenbildung, Profil hält vermutlich noch einmal 3 – 4.000 Kilometer.

[Update 2015] Mit einem neuen Satz GTs (dem dritten!) in die Saison gestartet. Die alten hätten noch locker dreitausend Kilometer gehalten (Profiltiefe hinten nach 9.000 km war noch 3 mm), das hätte allerdings nicht für die anstehende Jahrestour gereicht. Die führte durch 5 Länder, u.a. über den reifenfressenden Asphalt von Slowenien. Am Ende standen 7.000 Km auf der Uhr, die GTs hatten in der Mitte noch 4,3 mm Profil.

[Update 2016, Februar] Nachdem die GTs im vergangenen Jahr alles mitgemacht und mich auch im Regen nicht im Stich gelassen haben, wurde gerade der vierte Satz bestellt.

[Update 2016, Juli] Achttausend Kilometer in diesem Sommer, Starkregen, schwierige Bergstraßen, tausende Kilometer Autobahn: Die im Februar aufgezogenen Reifen haben alles mitgemacht, hatten eine kaum spürbare Kantenbildung und noch genug Profil für weitere 4.000 Kilometer. Als Vorbereitung auf die 2017er Tour, und weil die ZZR eh gerade in die Werkstatt musste, bekommt sie jetzt vorsorglich den fünften Satz Angel GT. Nötig wäre das noch nicht gewesen, aber so habe ich im nächsten April den Stress nicht.

* Bei meiner Fahrweise. Ich fahre gerne auch mal sportlich, gehöre aber nicht zur Heizerfraktion, die ihre Reifen zwischen zwei roten Ampeln zerlegt.

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„Dort stülpte sie einen Krug nach dem andern über sich“

Herr Silencer macht sich Gedanken über Verschwörungstheoretiker in Zeiten des Internet am Beispiel des Falles Asht in einem viel zu langen Text mit bandwurmsartigen Gesätzen von skurriler Sprache.

„Wir arbeiten an einem neuen Verfahren, das die Energieffizienz um 50 Prozent steigert.“
„Wer ist denn „wir“?“
„Sage ich nicht. Wir werden den Energiemarkt aufwirbeln, deshalb kann ich jetzt nicht darüber reden. Wir sind auch nicht im Internet. Wer weiß wer sie sind, vielleicht gehören sie ja zu DENEN“, sprach der Mann Mitte 50, warf mir einen letzten Blick über den, nun, Rand seiner randlosen Brille zu und verweigerte jegliche Konversation.

Diese Szene ereignete sich gestern Abend, am Rande eines Vortrags zur Energiegewinnung aus Biomasse. Die randlose Brille hatte den Vortragenden des Öfteren unterbrochen, unverständliche Sätze in Frageform von sich gegeben und generell alles in Frage gestellt. Leute wie ihn dessen-Namen-er-nicht-nennt gibt es viele auf der Welt. Sie tauchen bei Vorträgen und auf Mesen auf, reden irgendwie unzusammenhängend und schroff, und geben nichts von sich preis. Sie meinen, etwas ganz besonderes entdeckt/getan/geschaffen oder vor zu haben und fühlen sich nun verfolgt von Politiker/Nachbarn/DENEN, die ihnen ihr Ding/Erfolg/Handlung neiden oder ihre Ideen stehlen wollen.

Ich kenn mich mit sowas aus, mein Vater ist auch so einer. Der hätte auch schon dreimal die Welt revolutioniert, hat aber seine Arbeiten auf dem Gebiet der Energiegewinnung aus Baumbewegungen, dem Impulsantrieb aus Stereoanlagen und Schusswaffen mit Magnetfeldern nie fertig gestellt. Aus drei Gründen: 1. weil die heutige Physik noch nicht soweit ist, 2. aus Angst vor DENEN und 3. weil immer kurz vor dem Durchbruch was Interessantes im Fernsehen kam. Nunja.

John Asht ist nach eigenen Angaben hauptberuflich Schriftsteller und freier Journalist, in seiner Freizeit „uriger Naturliebhaber (kein Ökofuzzi)“1. Was eventuell erklärt, weshalb er einerseits Natur liebhaben, sich andererseits aber stolz neben einem Humvee ablichten lassen kann.

John Asht, der ehemalige Student der Religionsgeschichte und Ethnologie, schreibt keine normalen Bücher. Er schreibt „Prosa-Epen“ in eigenwilliger Sprache. Oder, wie er es sagt: „Nach dem Studium der Ethnologie und Religionsgeschichte wiedergebe ich nunmehr meine Erkenntnisse in Form von historischen und surrealistischen Werken.“2

Nunja. Sowas gefällt nicht jedem, zumal die Sprache dergestalt verwendet wird, dass es wirklich ans Surreale grenzt. Ein Insidergag und Klassiker ist mittlerweile der Satz „Dort stülpte sie einen Krug nach dem andern über sich“1. Wie muss man sich denn sowas vorstellen? Ist das nicht unpraktisch, mit so vielen Krügen auf dem Kopf?

Aber wie wurde der Satz bekannt? Nun, alles fing mit Bloggerin Myriel an. Sie liest gerne. Und sie schreibt in ihr eigenes, kleines Blog, die „Bücherzeit“, was sie von den Büchern hält. Myriel liebt Bücher, arbeitet selbst in der Buchbranche und liest dementsprechend oft und viel. Die allermeisten Bücher liest sie auch zu Ende – nicht aber das Buch „Twin Pryx“ von John Asht. Nach drei Anläufen stellt Myriel fest, dass sie dermaßen Probleme mit Sprache, Logik und Handlung hat, dass sie nicht über Seite 90 hinauskommt und sich in der Folge nicht in der Lage sieht, eine Bewertung für das Buch abzugeben.

Das schreibt sie im November 2011. Mehr als ein Monat vergeht, dann erfolgt ein erster Kommentar zu dem Blogeintrag – von John Asht höchstpersönlich! Gleich in den ersten Sätzen beleidigt er Myriel, die als „23jährige“s „Mädel“ „mit Hochliteratur nichts anzufangen weiß“4. Damit sind die Grenzen gesteckt, und in einem zweiten Kommentar legt er gleich noch hinterher, dass er seine „Anwälte [Blog und Bloggerin, Anm. S.] ahnden lassen werde“, zumal ihm das Ganze suspekt wirke „etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten.“4

Nun gut, bis hierher kann handelt es sich um the same old story: Autor ist gekränkt und wittert eine Verschwörung. Aber es wird noch besser: Der dritte Kommentar kommt von Ashts Verlegerin – ein langer Beitrag, indem sie sich darüber beklagt, das Myriel einen Verriss geschrieben habe, ohne das Buch gelesen zu haben – das sei unfair. Wir erinnern uns – Myriel (die ihren echten Namen mit Anschrift im Impressum ihres Blogs hat) schrieb gerade KEINE Bewertung, weil sie das Buch nicht lesen konnte.

Das passt aber nicht ins Bild der Verlegerin, die schon ihren ersten Kommentar, bewusst oder unbewusst, mit Publikumsbeschimpfung schliesst:

„Wer damit (gut ausgearbeitete Bücher -Anm. S.) nicht mehr umgehen kann, sollte sich künftig besser nur noch mit anspruchsloser Kost berieseln lassen. Das ist auch den Machthabern lieber, denn diese Art von Fast-Food-Leser lassen sich optimal lenken und kontrollieren – eben weil sie allmählich das rationale Denken verlernen.“4

Aha. Aber es kommt noch besser: In einem zweiten Kommentar in Myriels Blog legt die Verlegerin nach und unterstellt ihr Wirtschaftkriminalität („Artikel 5 des Grundgesetzes gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, Wirtschaftskriminalität zu betreiben, indem Sie willkülich den Verkauf eines Produktes boykottieren.“)4, beklagt sich, dass Menschen, die keine „studierten Literaturkritiker sind“ ins Internet schreiben dürfen und droht, deswegen den Börsenverein des Deutschen Buchhandels einzuschalten.

Ja, genau. Wo kommen wir denn da hin, wenn plötzlich jeder selbst entscheidet, welche Produkte er gut findet oder kauft? Wir befinden uns im Kapitalismus, Konsumverzicht ist ein Wirtschaftsverbrechen.
Aber es kommt noch besser.
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Gute Nacht, Air Berlin


Quelle: Spon.de

Und alle fragen sich: Wird Hartmut M. auch diesmal als Sofortmaßnahme ein Metallpferd installieren lassen? So, wie er es schon in Heidelberg und bei der Deutschen Bahn in Berlin getan hat?

Für Mehmut Hartdorn muss ja ein Traum in Erfüllung gehen. Immerhin wollte er die Bahn seinerzeit nach Vorbild der Fluglinien umstrukturieren. Weil der Mann mit dem Kinn aber nie was zu Ende bringt, wurden unter seiner Ägide letztlich nur das schlechteste aus beiden Welten zusammengeführt und mit Preisaufschlag nicht an die Börse überführt.

Im Ernst, wie dumm muss man sein, um den 70jährigen Herrn „Gegen-die-Wand“, Vorname „Sparen-Sparen-Sparen“, Spitzname „Das-ham-wa-schon-immma-so-gemacht“ aus dem Ruhestand zu holen um ein Unternehmen zu retten? Naja, wenigstens hat er im Ausdünnen von Strecken schon Erfahrung. Demnäcst fliegt Air Berlin nur noch vom neuen, unterirdischen Flughafen Tempelhof nach Moskau. Mit einem Flugzeug, das keine Kurven fliegen kann. Ohne Klimananlage. Und ohne, das jeder Fluggast einen Sitzplatz hat.

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Hey, Sony! Was MACHT ihr denn da??

Sagt mal, Sony, was MACHT ihr denn da bitte gerade? Früher, also so Anfang der 90er, war ich ein Rieeesenfan von Euch. Alles von Sony war gut, funktionell und schön designed. Wo Sony draufstand, da steckte Spitzentechnik unter der schönen Hülle. Sony war cool. JEDER wollte Eure Pordukte, und tatsächlich hatte jeder mindestens ein Gerät von Euch, meist einen Walkman. Sony war hip, Sony war das, was man zum Glücklichsein brauchte. Das ist lange her. Die unverständliche Produktpolitik hat eine Menge Kunden vergrault, denn über das komische Rumgemache mit selbsterfundenen Minidisks, Memorysticks und whatnot habt ihr glatt MP3 verschlafen. Das erweckte den Eindruck, dass ihr Eurer Halo-Zugpferd, den Walkman, nicht mehr leiden konntet.

Das ist schon ein wenig her. Zwischendrin habt ihr noch mittels explodierender Akkus eine Vielzahl von Notebooks abgefackelt, Euch mit restriktivem Rechteinhabergebahren unbeliebt gemacht („Dieser Content ist in ihrem Land nicht verfügbar“), und dann – quasi als Höhepunkt und damit sind wir im hier und heute, lasst ihr Euch drei Fantastilliarden Datensätze mit Kreditkartendaten der Nutzer Eurer Onlinenetze klauen. Allein das neu Ausstellen von 77 Millionen Kreditkarten wird Unsummen Kosten, und jeder Eurer Nutzer ist mit 20 Euro dabei.

Eure Cashcow, das Playstation-Netzwerk, geht sogar einen ganzen Monat ausser Betrieb. Während dieser Zeit lamentieren Eure Manager hilflos herum, dass ja die Prüfziffern der Kreditkarten gaaaanz woanders gespeichert seien und nicht gestohlen wurden. das macht es aber nicht besser, weil: Die Prüfziffern durftet ihr gar nicht speichern, nie, unter keinen Umständen. Dann wird das Playstation-Netzwerk langsam wieder hochgefahren. Nur nicht in, haha, Japan, weil Euch das die Regierung wegen Sicherheitsbedenken untersagt hat.

Wenn man als europäischer Playstation3-Besitzer im Moment seine Konsole anmacht, verbindet die sich automatisch mit dem Netzwerk und lädt eine neue Firmware herunter, die gaaaaanz viel sichererer ist als vorher und sofort auffordert, ein neues Passwort für das Netzwerk zu vergeben.

Alles wieder gut? Mitnichten, denn so unglaublich die Vorgänge bisher waren, es kommt noch besser: Weniger als 48 Stunden nach dem Neustart wird das PSN erneut kompromittiert! Ein ganz doofer Designfehler in der Passwortneusetzroutine sorgt dafür, dass man recht einfach Daten abgreifen kann. Aber der eigentliche Hammer ist, dass die neu verteilte Firmware 3.61 dafür sorgt, dass Konsolen bei der Wiedergabe bestimmter Spiele schlicht überhitzen, sich dadurch abschalten oder – im schlimmsten Fall – kaputt gehen. Eines dieser Spiele ist der Blockbuster L.A. Noire, langerwartet, verkauft wie geschnitten Brot, kommt heute in Europa raus. JEDER der sich das Ding kauft und in seine PS3 packt, läuft Gefahr, sie damit dem Hitzetod auszusetzen.

Halleluja. Wir halten fest: Ihr, Sony, habt in einer IT-Infrastruktur, die von Klebeband zusammengehalten wurde, mehr Daten gespeichert als ihr brauchtet und durftet, habt Euch die Daten klauen lassen und macht im Anschluss den gleichen Mist nochmal, nur dass ihr jetzt auch noch die Konsolen der Kunden zerlegt. Great. Ist auch eine Form der Sicherheit: Eine kaputte PS3 braucht auch kein Playstation-Netzwerk.

Aber nun sagt doch mal ehrlich, Sony: Warum sollte ich, als Konsument, Euch noch Vertrauen oder einen einzigen Euro schenken? Nennt mir nur einen einzigen Grund.

P.S.: Auch wenn es Berichte gibt, dass Nutzer angeblich massenhaft ihre PS3s verkaufen, soll nicht unerwähnt bleiben, dass andere Konsolennetzwerke genau die gleichen Probleme haben. Überall, wo Nutzer AUS BEQUEMLICHKEIT Zahlungsdaten hinterlassen KANN sowas passieren. „Ihr Konsolennetzwerk ist kein Banktresor.“ Das Problem bei Sony ist nur, dass sie, wohl aus Kostengründen, den Banktresor aus Wellpappe gebaut und vergessen haben ihn abzuschliessen. Und was die Frimware angeht, sind XBOX und Co. keinen Deut besser: Das letzte XBOX-Firmwareupdate legt bestimmte, alte Revisionen der Box lahm. Wenigstens hat MicroSoft in dem Fall genug Anstand das offensiv zu kommunizieren und den Betroffenen eine neue Konsole zu schenken.

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In der Luft hängend: Irrsinn

Aufgrund der drei Dutzend Nachfragen (Du kannst jetzt aufhören Mails zu schreiben, Mutter!) hier der Hinweis: Der nächste Teil des AC2-Tourtagebuchs kommt. Ganz sicher und ganz bald. Und auch Huhu nimmt seine Arbeit für Projekt 52 wieder auf. Aber im Moment KOMM ICH HIER GERADE ZU GAR NIX.

Ist ja auch gerade ziemliche Irrsinn hier. Ich meine, wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Wir machen ein Kreuzchen und bestimmen damit, wer uns für die nächste Legislaturperiode vertreten soll. So weit, so einfach. Dummerweise kapiert die aktuelle Politikergeneration dieses simple Konzept irgendwie nicht. In der Folge muss nun ich, als Wähler, meine Vertreter dauernd davon abhalten dummes Zeug anzustellen. Nicht, dass ich die Schergen von Schwarz-Geld gewählt hätte, oh nein, aber mal ehrlich: Was sind das für schlimm dumme Leute, und was machen die gerade für schlimm-dumme Sachen? Stuttgart 21, z.B., der Bahnhof der nur Probleme machen wird und von dem keine Sau weiß was er kosten wird, weil ja nicht geplant, sondern nur mit Zahlen jongliert wurde, damit eine schwäbische Altherrenrunde Bauaufträge einsacken oder mit Grundstücken spekulieren kann. Dann die Hartz-IV-Neuberechnung, die auch schon wieder verfassungswidrig ist, was von der Leyen aber mal wieder nicht interessiert. Statt sich dem Problem zu stellen faselt die Arbeits- und Sozialministerin auf´s Lustigste von Kindern, für die Geld ja nicht alles ist:

Frau Minister beantwortet NICHT EINE der gestellten Fragen und wird giftig, als ZDF-Marodeurin Slomka nachfragt. Slomka macht es vermutlich nicht mehr lange beim CDU-Haussender, immerhin fragt sie auch kritische Dinge zu S21.

Dazu kommt noch ein Gesundheitsminister, der mehr Brutto als Netto in der Taschen der Bürger sehen möchte, damit die ihr Geld in die sozialen Sicherungssysteme stecken können (WTF?). Und als Krönung noch diese Dings, diese Zahnarzt Ministerfrau, die auf Twitter den Spitznamen Porno-Steffi erhalten hat. Aufklären wolle sie mit dieser schlimm dummen RTL2-Sendung. Tja, da hätte sie wohl vorher mal das Drehbuch lesen sollen. Ihr Comoderator ist keinen Deut besser: Ehemaliger Münchner „Super-Bulle“, dann Hamburger „Innensenator“ und nun Moderatorenimitator Udo Nagel ist in der Vergangenheit aber dadurch aufgefallen, dass er allen möglichen Leuten allen möglichen Scheiss abgekauft hat. Der GLAUBT vielleicht sogar wirklich, dass er da was Gutes tut. In Wahrheit mißbrauchen die Kinder für die Quote. Aufklären tut dieses Drecksstück von Fernsehsendung keinen Milimeter.

Aufklären tut dagegen das BKA, aber nur ausgewählte und gefällige Journalisten. Bei denen heult das Amt rum, dass es ja quasi nie wieder ein Verbrechen aufklären kann, weil die Voratsdatenspeicherung in dem gewünschten Umfang verfassungswidrig ist. Buhu. Und tatsächlich, ein Großteil der geladenen Qualitätsjournaille schreibt unreflektiert genau diesen Unfug in seine Blätter.

Und wenn dann, in all diesem Schwachsinn, der Bundespräsident in einer Ansprache KEINE rassistischen oder diskriminierenden Äußerungen macht, dann erntet er DAFÜR Schelte von CDU/CSU-Politikern.

Ach Ach Ach… können die sich bitte alle mal miteinander eingraben lassen oder so?
Dann hätte ich auch wieder mehr Zeit für Faxenkram hier im Blog. Aber so? So muss ich erstmal los, gegen den Blödsinn in der Welt ankämpfen und dafür sorgen, dass die Schergen nicht mal dieses, ihnen so unangenehme, Grundgesetz aus der Welt schaffen.

Kategorien: Medienschau, Meinung, Meta | 4 Kommentare

Raab for Bundespräsident oder das Ende des Hotte K.

Was für ein bescheuerter Montag. Bundespräsident Köhler tritt zurück, weil er den „Respekt vor dem Amt vermisst“. Das ist nicht nur unglaublich selbstverliebt und dünnhäutig, sondern erinnert auch ein wenig an die Trickserie Southpark, in der ein kleiner Junge namens Cartman immer mal wieder unter Tränen des Trotzes fordert: „Respektiert meine Autoritäh!!“.

Genauso macht das auch der Bundeshotte. Was er dabei, genau wie Cartman, vergisst: Respekt muss man sich erarbeiten. Und das funktioniert nicht, wenn man pausenlos Aussenseitermeinungen vertritt, durch staatstragend intonierten Blödsinn auffällt und Gesetzesvorlagen auch dann unterschreibt, wenn sich alle Beteiligten – auch die Macher- zwischenzeitig einig sind, dass das Gesetz nicht in Kraft treten darf. Oder umgekehrt: Er unterschreibt einfach mal nicht. Warum? Weil er „kein Unterschriftenautomat“ sei. Aha. So verliert man Respekt Stück für Stück, und durch solche Trotzreaktionen wie einen Rücktritt geht man dann entgültig als politisches Weichei in die Geschichte ein. Nichtmal der Termin ist dafür gut gefällt. Towel Day, der ideale Tag um das Handtuch zu werfen, war immerhin schon letzte Woche.
Das Köhler nun zurücktritt, weil er säckeweise Kritik für die Aussage bekommt, dass Einsätze der Bundeswehr auch dazu dienen, die wirtschaftlichen Interessen des Landes zu schützen, ist dabei ironisch – denn das ist die erste Aussage von ihm in langer Zeit, von der ich denke, dass sie eine hässliche Wahrheit sein könnte. Für gänzlich abwegig halte ich es nicht, dass solche Faktoren bereits eine Rolle bei der Entscheidung für Auslandseinsätze gespielt haben. Aber das ist Spekulatius.

Vielleicht tritt der Bundeshotte aber auch nur zurück, damit der Stefan Raab und Lena Meier-Dingsbumms keine Bundesverdienstkreuze verleihen muss, wie es heute lautstark gefordert wird. Verständlich wäre es, denn der ganze Trubel und die ins Kraut schießenden Song-Contest-Spekulationen für 2011 sind mehr als nervig. Von mir aus soll Stefan Raab Bundespräsident werden (Lena ist ja zu jung um es selbst zu machen), schlimmer als Köhler kann er auch nicht sein. Hauptsache ich muss nicht noch mehr pseudopatriotisches und notgeiles Altherrensgesabber einer gewissen „Edelfeder“ beim Spiegel lesen, die über „Fräuleins“ räsoniert und verkündet, das nun alles möglich sei, auch ein neues Sommermärchen. Ehrlich, manche Texte sind so ekelig, da muss ich nicht mal auf die Autorenzeile gucken um zu wissen, wer die verfasst hat.

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Magnum (DVD)

So, die ersten Folgen von Magnum sind weggeguckt. Ich bin, ehrlich gesagt, überrascht wie gut man sich die Serie auch nach 30 Jahren und mit den heutigen Sehgewohnheiten noch anschauen kann. Sie ist weder so unfreiwillig peinlich wie Knight Rider oder A-Team noch so schnarchig inszeniert wie Das Model und der Schnüffler oder Hart aber Herzlich.

Im Gegenteil, sie ist nicht nur kaum gealtert, sondern überrascht mich durch ganz neue Bedeutungsebenen. Das liegt nicht (nur) daran, dass ich heute älter bin und den Text (wie wir Wissenschaftler sagen) anders interpretieren kann, sondern auch daran, dass ich zum ersten Mal die ungeschnittene Fassung der Serie sehe. In den 80ern war man nämlich in der ARD der Meinung, man könne dem deutschen Publikum einen ganzen Handlungsstrang nicht zumuten: Den Vietnamkrieg.
Sowohl Thomas Magnum als auch Rick und TC sind Kriegsveteranen, deren Vergangenheit immer wieder in Rückblenden eingeflochten wird und die ihre Handlungen und Motivationen erklären. In der ARD-Fassung wurden nahezu alle Elemente mit Bezug zum Vietnamkrieg entfernt, was in stark unterschiedlichen Laufzeiten der Folgen mündete. Einige Episoden wurden gar nicht erst ausgestrahlt.

Das habe ich irgendwann schonmal gewusst, was mir aber nicht bewusst war: Wieviel da eigentlich geschnippelt wurde. Und aus heutiger Sicht muss ich sagen: Unglaublich viel. Etliche Geschichten dürften ohne den Kriegsbezug so wirken, als ob die Drehbuchautoren eine Horde Affen mit ADHS auf Koks gewesen wären, so sprunghaft und voller Lücken müssen die Storys gewirkt haben.

Von daher muss man RTL danken, dass die in den 90ern eine komplette Neusynchro haben vornehmen lassen. Leider ist nur Norbert Langer (als Magnum) von der Riege der Originalsprecher erhalten geblieben, alle anderen wirken so, als wären sie ein preiswerter Ersatz. Und leider hat RTL die Serie unter Ausschluss der Öffentlichkeit versendet.

Aber egal, nun gibt es ja die DVD-Fassung. Die macht viel Spass. Zwar sind wenige Extras auf den Scheiben, aber die Bildqualität ist wirklich ausgezeichnet für so eine alte Serie.
Witzig ist übrigens der Vorspann des Pilotilms, der noch nicht mit der typischen Erkennungsmelodie aufwartet und ganz im Stil der statischen Vorspänne der 70er daherkommt.

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Nicht wirklich, oder? Der Christliche Aktien Index

Ich musste wirklich auf den Kalender gucken, ob nicht doch schon wieder der 1. April ist, als im Radio die Meldung kam, das es nun einen „Christlichen Aktien Index“ gebe. Wie bitte?
Was soll der denn?

„…der als Benchmark für glaubenskonforme Anlagen dient. Wie das Joint Venture der Deutschen Börse und des Schweizer Marktbetreibers Six Group mitteilte, heißt das Produkt Stoxx Europe Christian Index. Der Index messe die Performance von Aktien des Stoxx Europe 600, die entsprechend der Werte und Prinzipien der christlichen Religion ausgewählt würden.“

Quelle: Börsenzeitung

Aha. Welche Unternehmen prinzipientreu sind und welche nicht, das legt ein Gremium fest, dem u.a. der Vatikan, selbst als nicht gerade zimperlich bekannt was Investitionen angeht, angehört, aber auch „viele Experten“ wie die Sprecherin der Stoxx nicht müde wurde im Interview zu beteuern.

Firmen, die bspw. Verhütungsmittel produzieren, haben keine Chance in den Index aufgenommen zu werden. Ölkonzerne wie BP und Dutch Oil und Großbanken wie HSBC tummeln sich dagegen auf den vorderen Plätzen des Index. Auf die Frage, wie man denn bspw. prüfe, dass eine Großbank nicht in Geschäfte mit Waffen, Glücksspiel, Tabak oder ähnlichen Ausschlusskriterien verwickelt sei, antwortete die Stoxx-Sprecherin in verschwörerischem Tonfall, dass sie überall Experten haben, in allen Unternehmen, und die würden sie informieren.

Eigentlich genial, oder? Nur damit fromme Christen eine moralische Richtschnur beim Anlegen ihrer Kohle haben, wäre die Gründung eines eigenen Aktienindex etwas viel Aufwand – wenn es keine Hintergedanken gibt. Und die gibt es natürlich, denn immerhin haben wir es hier mit Börsenleuten und Bankern zu tun.

Also, wenn ich Großgrundbesitzer wäre, würde ich auch einen eigenen Aktienindex gründen. In Silencers Aktienindex (SAX) würde ich dann auch Aktien ranken und empfehlen. Nach meinem eigenen, geheimen Katalog. Und welche Werte würde ich besonders hypen? Na klar: Die, an die ich sowieso schon ganz fest glaube, weil ich bereits in sie investiert habe. Was für mich gut ist, kann für andere nicht schlecht sein. Und wenn es dann so nebenbei dem Kurs der Unternehmen, an denen ich Beteiligungen halte, gut tut – dann haben wir doch alle was davon.

Empfohlene Lektüre: Die Vatikan AG

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Fiat Crux

Gerade schallt es durch die Presse: Fiat rettet Chrysler. Man will sich auf kleine Autos konzentrieren, damit Marktanteile gewinnen und zu einem aggressiven Megakonzern werden.
Und alle, alle jubeln mit.

Könnte bitte wenigstens EINER mal die kritische Distanz wahren und das objektiv beurteilen? Nein? Na gut, dann muss ich wohl selbst ran:

1. Sind kleine Autos solange gut verkäuflich, wie in Amerika der Hektoliter Sprit mehr als unverschämte drei Dollar kostet und die Dinger zuverlässig sind. Fiat ist für alles gut, aber NICHT für zuverlässige Technologie. Siehe Jamiri-Comics.

2. Geht es Fiat selbst auch nicht so gut. Von der finanziellen Situation her ist Fiat der asthmatische Rettungsschwimmer mit Tuberkolose und Mundgeruch, der einem Ertrinkenden den Kuss des Lebens geben soll. Wie soll das gehen?

3. Sind beide Konzerne extrem schlecht organisiert und alles andere als Leistungsfähig. Um nochmal mit einem Bild zu arbeiten: Das ist, als wenn sich beim 100-Meter-Lauf zwei Athleten die Beine zusammenbinden und erwarten, dadurch doppelt so schnell zu laufen. Klappt nicht, sowas.

4. Man will ein „globaler Konzern“ werden, mit „aggressivem Auftreten“. Ja mei, sind das nicht zufällig genau die Gesellschaften im Automobilbereich, die gerade gesammelt den Bach runtergehen? Und Fiat sieht das, was gerade im Lokus verschwindet als erstrebenswert an? Scheisse, sage ich dazu.

So, liebe Journalisten. Hier ist die Vorlage, und jetzt würde ich gerne kritische und vertiefte Analysen zum Thema lesen. Danke.

Kategorien: Medienschau, Meinung | Schlagwörter: , | 2 Kommentare

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