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Archiv der Kategorie: Rant

AlarmAlarmAlarm!!!

Deutschland im Jahr 2017: Der Mittelstand bekommt Publikationen auf Papier, die roten Alarm ausgerufen, weil Elektromobilität nicht von alleine wieder verschwindet. Nun wird das Ende der Zulieferer herbeifantasiert.

Gerade so, als bräuchten Elektroautos kein Fahrwerk, keine Sitze, usw. Aber wer ist eigentlich Schuld am Niedergang des deutschen Wohlstands? Ganz klar: Ein arglistiger Widersacher von Außen!

Zitat aus dem Artikel:

„In diese einträchtige Partnerschaft (aus Zulieferern und Automobilherstellern, Anm. S.), (…), griff plötzlich ein arglistiger Widersacher -nämlich die EU- von Außen ein. Im Namen der Umwelt stand von heute auf Morgen alles, was gestern noch als gut galt, als Gesundheitsschädling unter Generalverdacht: die Abgase der Fahrzeugantriebe mit Verbrennermotoren“

WTF?
Wenn ich sowas lese, kriege ich Blutdruck. „Der deutsche Mittelstand geht unter, weil sich die Ökos von der EU urplötzlich in alles einmischen müssen“, will uns dieser Artikel weißmachen.
WAS. Für. Ein. Müll.

An diesen Sätzen stimmt irgendwie gar nichts.

Zunächst mal: Was hier als „einträchtige Partnerschaft“ hochgejubelt wird, ist spätestens seit Zeiten von Ignacio Lopez ein erbittertes Erpressungsspiel, bei der die Autokonzerne die Zulieferer in Daumenschrauben halten. Das hat u.a. dazu geführt, dass die Zulieferer nun auch mit Elektrostartups arbeiten – man kann sich von Zulieferern quasi ein komplettes Auto liefern lassen, lediglich der Motor muss woanders herkommen.

Der Rest des Zitats ist eine einzige Frechheit. Abgase aus Verbrennermotoren galten NIE als Gesund, und die EU hat sich auch nicht von heute auf Morgen in Grenzwertfestsetzung eingemischt, sondern erst, als die Mitgliedsstaaten den Arsch nicht hochbekamen.

Solche Artikel sind ärgerlich, aber leider im Moment nicht selten. Der SPIEGEL hat in letzter Zeit auch in einer Reihe von Beiträgen versucht dazulegen, warum Elektroautos jetzt doch nicht soooo sauber sind. Aber der SPIEGEL schreibt auch gegen Windkraft, wenn in Sichtweite vor der Pferdekoppel des Chefredakteurs ein Windrad gebaut wird.

Deppen. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Der Tod der Verbrennungsmotoren ist nicht auzuhalten, und Elektromobilität eine Riesenchance für den deutschen Mittelstand. Ich glaube, der hat das in der Tat auch schon mitbekommen – egal, was die Printhefte schreiben. In Deutschland. Im Jahr 2017.

 
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Verfasst von - 1. September 2017 in Medienschau, Rant

 

Impfen

Drüben auf „moppedhiker.de“ beschreiben Nicki und Moe in einem herzallerliebsten Blog, wie sie sich Stück für Stück auf eine Weltreise mit einem Motorrad vorbereiten.

Das passende Gefährt finden, Ausrüstung zusammenstellen – an so viel ist zu denken! Natürlich gehört zum Reisen in ferne Länder auch, dass man sich vorher gegen die schlimmsten und verbreitetsten Krankheiten impfen lässt. Auch das haben die beiden gemacht, nach Konsultation von Auslandsseiten und Reisearzt wurde gegen Cholera, Typhus, Hepatitis und noch ein paar andere Sachen geimpft. Darüber haben Nicki und Moe einen sehr guten Blogpost verfasst, den ich gerne gelesen und kommentiert habe, denn natürlich ist Impfen bei Auslandsreisen sinnvoll. Ich selbst habe vor zwei Jahren auch eine Hepatitisimpfung bekommen, weil die Krankheit in Südeuropa sehr verbreitet ist.

Ich hatte meinen Kommentar noch nicht ganz zu Ende getippt, da hatte sich das Blog von Nicki und Moe schon ganz fiese Bazillen eingefangen: Impfgegner!

Seid vorsichtig mit dem Impf-Cocktail, den Ihr hier einfach so lapidar empfehlt“, raunte es unter einem Stein hervor. „Wenn Ihr gesund seid, dann benötigt Ihr keine einzige Impfung – nicht jetzt und auch nicht morgen.“

Ich war einigermaßen fassungslos. Wie MACHEN diese Leute das? Haben die einen Google-Alert auf das Schlagwort „Impfung“ gesetzt und patrouillieren ständig durchs Netz, um Leute vom Impfen abzuhalten? Anders ist es kaum zu erklären, dass innerhalb kürzester Zeit die „warnenden“ Stimmen auftauchen, sobald einer was über das Impfen schreibt.

Auch auf meine Anmerkung zur Hep-Impfung wurde der Impfgegner aktiv: „Leider wissen die meisten Menschen nicht über die Wirksamkeit und das Risiko einer Impfung Bescheid. Gerade die Hepatitis Impfungen sind höchst zweifelhaft und richten weltweit mehr Schaden an als das sie Nutzen stiften. Naja, wohl bekomms!“

Meine Antwort war etwas trollig:

Hallo Impfgegner,
Weißt du, was mehr Schaden anrichtet als Hepatitismpfungen?
1. Hepatitis
2. Impfgegnergeschwurbel.


Bussi!
Silencer

In der Regel benehme ich mich in fremden Blogs besser, aber bei dem Thema geht mir echt der Hut hoch. Was genau läuft bei Leuten eigentlich schief, die der Meinung sind, dass man schon keine Krankheiten bekommt, wenn man nur gesund ist? Was ist das denn für eine Logik?

Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs. Guckt man mal in entsprechende Facebook-Gruppen, in denen sich diese Gestalten zusammenrotten, tun sich Abgründe auf. Da reicht das Spektrum von besorgten Eltern, die nur skeptisch gegenüber Impfungen sind, über Leute, die lieber Chlorbleiche trinken als der „Schulmedizin“ zu vertrauen bis hin zu Aluhut-Trägern, die in Impfungen allen Ernstes einen Plan zur Unterjochung der Menschheit sehen. Was man da liest, dreht einem den Magen um. Besorgte und oft gebildete Jungeltern tauschen dort Tips aus, wie man Impfungen der Kinder vermeidet oder wie man sich am Besten versteckt:

Andere sind da radikaler und erinnern in ihrer Wortwahl an Veganer (Smiley!):

Screenshot aus der Metagruppe „Was Impfgegner sagen“.

Egal ob besorgte Eltern oder Aluhutträger: Sie alle hängen einer Ideologie an, deren kleinster gemeinsamer Nenner sie eint. Der lautet: Impfen ist schlecht oder könnte es zumindest sein.

Mythen & Märchen über die Gefährlichkeit des Impfens

Das könnte man als Spinnerei einer Minderheit abtun. Leider sind die Auswirkungen dieser Ideologie aber dramatisch, und der Unfug greift massiv um sich. Die Impfgegner-Gruppen sind nämlich gut extrem gut vernetzt und im Internet sehr sichtbar. Ähnlich wie Reichsbürger, Homöopathen, Chemtrailer und Flat_Earther bestärken sie sich innerhalb ihrer Echokammern aus Facebook-Gruppen und Internetforen ständig selbst. Durch die Bestätigung durch Gleichgesinnte wird das eigene Tun legitimiert und weniger hinterfragt, Anekdoten und Mythen über das Impfen werden in solchen Kreisen dankbar aufgesogen und weitergegeben. Manche Anhänger dieser Ideologie gehen so weit, dass sie – siehe oben – aktiv zu missionieren beginnen.

Impfungen seien so gefährlich wie die Krankheiten, vor denen sie schützen sollen, ist das beliebteste Argument. Was sich nicht belegen lässt. Laut WHO sterben jedes Jahr 1,5 Millionen Kinder an Krankheiten, gegen die es eigentlich Impfungen gibt. Gesicherte Belege über Todesfälle oder lebenslange Schäden durch Impfungen gibt es dagegen nicht, weder von der WHO noch vom Paul-Ehrlich-Institut, bei dem Verdachtsfälle auf Impfkomplikationen in Deutschland gesammelt werden.

Tatsache ist: Es gibt tatsächlich Menschen, die nicht geimpft werden können. Das sind schwerkranke Menschen, deren Immunsystem das nicht mit macht. Die werden nur dadurch geschützt, dass alle anderen sich impfen lassen und Krankheiten deshalb nicht übertragen. Dieses Prinzip nennt man Herdenschutz.

Gesunden Menschen schadet eine Impfung dagegen nicht. Klar fühlt man sich nach manchen Impfungen schlapp, die Haut juckt und manchmal bekommt man Fieber, in seltenen Fällen kommt es auch zu allergischen Reaktionen. Das sind die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung, aber das ist spätestens nach ein paar Tagen vorbei und kein Drama. Anders als die möglichen Auswirkungen, wenn man auf Impfungen verzichtet.

Immunität auf natürlichem Weg?

Masern sind ein gutes Beispiel dafür. Die waren fast mal ausgerottet, aber dann kamen die Impfgegner. Deren Hauptsitz scheint ausgerechnet in Berlin zu sein. Man stelle sich in dem Zusammenhang junge, gebildete und besorgte Hipstereltern vor, die nur das beste für ihr Kind wollen und es deshalb auf eine Masernparty schicken, damit es sich bei anderen Kindern ansteckt und so „auf natürlichem Weg“ immun wird. Masern! Ausgerechnte! Man stelle sich das vor! Masern sind hochansteckend, nahezu JEDER Kontakt mit einer nicht geimpften Person führt zu einer Neuinfektion. Masern können tödlich sein, und besonders zu leiden haben Kinder, die aus speziellen Gründen, etwa einem geschädigten Immunsystem, nicht geimpft werden können. Da die Hipstereltern die Herdenimmunität mit Füßen treten und gezielt für Masernansteckung- und verbreitung sorgen, sind es genau diese Kinder, die von Masern dauerhafte Schäden zurückbehalten oder sterben. um es mal ganz klar zu sagen: Wer sich der Herdenimmunität verweigert ist ein asozialer Drecksack, der den Tod von Kindern in Kauf nimmt.

Ich will nur das Beste für mein Kind, deshalb lasse ich es nicht impfen!

Resultat des „ich will ja nur das Beste für mein Kind“: Masern sind nicht nur nicht ausgerottet, 2015 rollte sogar eine Masernepedemie von aus Berlin übers Land. Deutschland gilt damit als Problemland, ist aber kein Einzelfall. Auch in Frankreich und Italien gab es Masernepedemien. Ausnahmsweise fackelten diese Staaten nicht lange und führten eine Impfpflicht für Kinder ein. Wer seine Kinder nicht impfen lässt, muss nun mit harten Strafen rechnen.

Soweit ist es in Deutschland noch nicht, hier setzt man auf Beratung und Aufklärung.
In diesem Sinne: Danke für das Lesen dieses ranthaltigen Aufklärungsartikels.

Und checkt mal wieder Euren Impfpass. Diphterie, Tetanus und Keuchhusten müssen alle 10 Jahre aufgefrischt werden.

Impfkalender. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), http://www.impfen-info.de/ CC BY-NC-ND 3.0 DE

P.S.: Und an die Impfgegner, die vom Google-Alert hergeführt wurde: Na kommt. Traut Euch.

#Impfung #Pflichtimpfung

 
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Verfasst von - 27. Juli 2017 in Betrachtung, Rant

 

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Das ist nur ihre Meinung!

Die Aufgabe des Verfassungsschutzes ist es Informationen zu sammeln über:

  • Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder
  • gegen den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder
  • durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen auswärtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder
  • gegen den Gedanken der Völkerverständigung (Art. 9 Abs. 2 GG), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker gerichtet sind.

Kann man dann davon ausgehen, dass die CSU vom Verfassungsschutz beobachtet wird? Die Seehofersche Kasperltruppe fällt aktuell mal wieder besonders unangenehm auf. Die von ihr vehement geforderte Obergrenze für Flüchtlinge verstösst genauso gegen das Grundgesetz wie der „Vorrang für Zuwanderer aus unserem christlich-abendländischen Kulturkreis“. Zu letzterem sagt das Grundgesetzt nämlich was eindeutiges: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

Und was sagt die CSU dazu? Die pulled einen Didi und sagt: „Das ist nur ihre Meinung.“

 

Nein, ehrlich! Hier, im Interview mit der ARD stellt sich Andreas Scheuer, der Generalsekretär, hin und sagt exakt das:

Moderatorin: „Also es steht die Obergrenze natürlich automatisch wieder drin, klar, obwohl das Grundgesetz sagt, wer politisch verfolgt ist, genießt Asyl. Da ist keine Rede von einer Obergrenze.“

Scheuer: „Das ist Ihre Meinung.“

Moderatorin: „Nee, das ist das Grundgesetz.“

Scheuer: „Nee, das ist Ihre Meinung.“

 

Nun muss Scheuer anscheinend die alte Frisur von Guttenberg auftragen, und unter der kann es schon mal heiß werden, aber wie notieren mal: Die bayerischen Gurkenköpfe halten UNSER GRUNDGESETZ FÜR EINE UNVERBINDLICHE EMPFEHLUNG, DIE MAN EINFACH IGNORIEREN KANN.

Wenn das keine zersetzenden Bestrebungen gegen unsere Grundordnung ist, dann weiß ich auch nicht. Verfassungsschutz, übernehmen Sie!

Und abseits davon: Wie dumm kann man denn bitte noch sein? Anscheinend ist die Seehofer-Skala nach oben hin offen, wenn die CSU allen Ernstes mit Slogans in den Wahlkampf zieht, die genau so auch von der AFD kommen könnten. 

Dabei zeigt uns die Geschichte, vor allem die jüngste in Österreich, doch klar eins: Wenn die Wähler merken, dass die Mainstream-Parteien den Rechten hinterherlaufen oder deren Ziele umsetzen, dann wählen sie beim nächsten mal gleich rechts. Von daher: Wenn es im Land nach rechts ruckt, dann dürfen wir uns dafür auch bei diesen Weißwurschtkaspern bedanken.

 
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Verfasst von - 16. September 2016 in Meinung, Rant

 

Doof, vong Hirn her

Die Sparkasse macht gerade das mit den Fähnchen: Weil für eine konzertierte und seriöse Internetkampagne kein Geld ausgegeben wird, darf bei denen jetzt irgendwie jeder mal ran.

Die Berliner Sparkasse hat anscheinenend einen Hipster aus dem Café gezerrt und geschüttelt, und aus dem Man-Bun ist dann rausgefallen:

sparkasse2

Nun wird mir 2016 sowieso als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Menschheit einen riesiegen Schritt in Richtung Idiocracy gemacht hat. Gefühle sind wichtiger als Fakten, der kleinste und dümmste gemeinsame Nenner wird zum Ideal erhoben, auf Doof sein ist man stolz und Intelligenz wird verachtet. Die Sparkasse tut alles dafür, um das voran zu treiben:

sparkasse3

Nun ist aber nicht nur die Hauptstadt doof und kaputt, auch vor Ort ist es nicht besser. Der Webauftritt der hiesigen Sparkasse wurde von Fleischereifachverkäufergehilfe Kevin (16) nach Feierabend erstellt. Kevin (voll Held vong Skillz her) hat die komplett auf seinem Android Handy mit songer App gemacht und auf anderen Geräten nie getestet, weil: „Mobile First“ . Mit dem Ergebnis, das auf einem normalen Dekstopmonitor alles so riesig, pixelig und in ausklappbaren Untermenüs versteckt ist, dass man es nicht mehr bedienen kann.

Und weil Kevin (7,50 Lohn vong Stunde, die volle Gönnung) so teuer war, blieb auch kein Geld für passende Stockfotos mehr. Aber kein Problem, der Kevin kann ja Photoshop. Also fast. Eigentlich kann er nur Paint, aber das reicht ja, um dem Model eine Brille ins Gesicht zu kleben, damit der Werbespruch auch passt. Sieht doch voll echt aus, oder? Oder? Beurteilen Sie selbst:

sparkasse

 
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Verfasst von - 9. September 2016 in Rant

 

Square

„Square“, heisst eigentlich viereckig, aber Englischsprechende sagen das auch, wenn sie etwas seltsam finden. Seltsam ist auch FourSquare, eine kleine App, die seit 2009 die Mobiltelefone eroberte. Die App bestimmt den eigenen Standort, guckt nach Sehenswürdigkeiten in der Nähe und erlaubt den „Check-In“ dort, was nichts anderes heisst als: Die Nutzer teilen anderen FourSquare-Nutzern mit, wo sie sich gerade aufhalten. „Silencer checked in at Landesmuseum Hannover“ ist so eine Ansage. Sehenswürdigekeiten und Orte werden von den Nutzern selbst angelegt, mit der Möglichkeit weitere Infos zu hinterlassen. „Im Café Otto gibt es tollen Kirschkuchen“, zum Beispiel. Damit alle auch fleissig ihre Standorte weitergeben und Orte und Infos in FourSquare eintickern, und damit quasi für das Unternehmen Informationen sammeln, nutze der Dienst den Spieltrieb der Nutzer. Für jeden geteilten Standort gab es Punkte, für bestimmte Dinge gab es Medaillen und wenn man oft genug bei einem Objekt eincheckte, konnte man dessen Bürgermeister werden. Das war im echten Leben natürlich exakt gar nichts wert, aber ich fand es trotzdem nett, dass die Welt (bzw. andere FourSquare-Verwender) sehen konnten, dass ich der Mayor des Casa Brescia in Siena war.

Foursquare war also ein Spiel, mit dem das Unternehmen Daten sammelte. Mit denen stellte es so halbwegs nützliche Dienste zur Verfügung, z.B. konnte man schnell nach guten Restaurants in der Nähe gucken. Vor einigen Wochen vielen die Gamification-Elemente in Foursquare weg, was die App schlagartig uninteressant machte. Keine Punkte, keine Achievements – warum soll ich das Ding dann noch nutzen? Sollte ich gar nicht, stellte sich raus. Statt FourSquare sollte man doch bitte Swarm nutzen, die neue App der Firma. Erst wurde man über Wochen sanft darauf hingewiesen, am Wochenende wurde Foursquare dann praktisch stillgelegt.

Swarm wiederum ist zu hundert Prozent auf soziales Netzwerk ausgelegt, und zwar auf die schlimmste Sorte: Es will Freunde enger vernetzen, die sich ohnehin am gleichen Ort aufhalten. ARGH. Gefühlte 90 Prozent der App drehen sich darum, dass man in die Gegend trötet „Ich gehe jetzt in den Park, chillen“ und Freunde in der Nähe sagen können „Oh super, ich komme mit“. Das hört sich in der Theorie und beim Venture-Capital-Gespräch bestimmt toll an, praktisch funktioniert das bei mir exakt Nullo und bei anderen vermutlich nur unwesentlich besser. Denn: Die drei Freunde, die ich auf Foursquare hatte und die nun bei Swarm sind, sind in anderen Teilen der Welt. Da nützt es gar nichts, wenn Herr X postet, dasss er jetzt Kaffeetrinken geht, denn das ist 800 Kilometer entfernt. Und abgesehen davon: Interessiert mich das? Wenn mich jemand beim Kaffee dabei haben möchte, dann kann er mich dazu einladen. Das ist nämlich der widerlichste Punkt an Swarm: Es ist dafür designt worden, sich anderen Leuten aufzudrängen. Und das kann ich nicht leiden. Ich dränge mich nicht auf, und wenn ich mit jemandem essen gehe, dann will ich nicht, dass sich jemand spontan mein Bekanntenkreis anschliesst.

Ich sehe keinerlei Nutzen mehr in der App, zumal man nun auch die Spielelemente so verbogen hat, dass sie nicht mehr funktionieren. Das Mayorship-Konzept bei Swarm dahingehend überarbeitet wurde, dass man Bürgermeister eines Objekts nur noch innerhalb seines Freundeskreises ist – der Rest der Welt bekommt davon nichts mit, und unter Umständen gibt es für ein Objekt tausende Teilzeitbürgermeister. Damit ist das Mayorship auch gefühlt überhaupt nichts wert.

Nee, FourSquare und Swarm sind damit für ich gestorben. Der Kram bietet präzise keinen Nutzwert mehr, Mehrwert schon gar nicht, und damit sehe ich auch nicht ein, dass ich die Geodatenbank des Unternehmens weiter füttern soll. Vielleicht benutze ich es nochmal aus nostalgischen Gründen, weil es schon nett ist zu wissen wann man das letzte Mal an einem Ort war, aber Spaß, den macht das Ganze nicht mehr.

 
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Verfasst von - 21. Juli 2014 in Betrachtung, Internet, Rant

 

Xbox One oder Playstation 4

Herrn Silencer pocht die Ader, weil er jetzt schon weiß, wie die nächste Runde im Konsolenkrieg ausgehen wird. Der Gewinner steht noch nicht fest, die Verlierer aber schon.

Da stellt Microsoft gestern Abend seine neue XBOX vor, und prompt schießen Sonys Aktien in die Höhe. Zu recht, muß ich sagen, denn die nächste XBOX-Generation scheint vom Start weg so ziemlich alles verkehrt zu machen. Das fängt beim unfassbar dämlichen Namen „XBOX One“ an, geht über ein absolut beschissenes Design (eckig, Klavierlack, Farbgebung als hätte ein Blinder dran rum gepinselt) und endet bei dem, was allen bisherigen XBOX-Fans am wichtigsten gewesen wäre: Abwärtskompatibilität. Die gibt es nämlich nicht. XBOX-Besitzer haben regalmeterweise Spiele rumstehen, die auf der neuen Konsole nicht laufen werden. Tja, sagt Microsoft, soll man halt die alte und die neue XBOX parallel betreiben. Das das mal ein wichtiges Feature gewesen wäre, um sich von Sonys Playstation 4-Murks abzuheben, kapieren die Redmonder leider nicht. Stattdessen verweist man darauf, dass in der XBOX One gleich drei Betriebssysteme laufen. Einmal Windos, aber weil das allein es nicht geschissen kriegt, halt noch zwei weitere.

Ist ja auch vollkommen klar, Microsoft bekommt nicht mal ein einziges vernünftiges Betriebssystem hin, wenn man gleich drei verkauft, ist sdie statistische Wahrscheinlichkeit höher, dass zumindest ein Teil funktioniert. Wie dieses Kinect-Kram, die Bewegungs- und Sprachsteuerung, die kein vernunftbegabter Mensch im Alltag benutzt, weil die Steuerung über den Controller immer noch am leisesten, schnellsten und besten funktioniert.

TV, Dienste und Services will die neue Konsole in sich vereinen. Was schon mal ein Lacher an sich ist, denn TV in der Form will keiner mehr, und Dienste und Services kann Microsoft leider gar nicht. Man kann auf einer XBOX nicht mal ein Youtube-Video sehen, so dienstleistungorientiert ist Microsoft. Oh, man kann sich die Youtube-App natürlich gratis installieren, aber um auch nur ein Video ansehen zu können, muss man zehn Euro im Monat an Microsoft abdrücken. Ohne diese „Goldmitgliedschaft“ kann man auch den teuer bezahlten Multiplayerteil in Spielen vergessen – man kommt nicht auf die Spieleserver ohne das MS-Abo. Oder an Vimeo.


100 Sekunden Zusammenfassung der ömmeligen XBOX One Vorstellung.

Das macht die Playstation jetzt aktuell noch besser, hier laufen zumindest basale Dienste wie Watchever ohne das für die Playstation-Network-Infrastruktur eine Zwangsabgabe anfällt. Und das lökerige, zigmal gehackte, unsichere, kaum bedienbare und oftmals lahme PSN soll ja auch massiv ausgebaut werden, damit die Playstation 4 ihre Killerfeatures voll ausspielen kann: Soziale Funktionen! Ja, wirklich! Es gibt sogar so tolle Knöpfchen die man drücken kann um Spielszenen aufzuzeichnen und mit anderen zu teilen, die das dann liken sollen!

AAAAARGH. Da pack ich mich doch an den Kopf! Was haben die Entwicklungsabteilungen von Sony und Microsoft eigentlich die letzten acht Jahre gemacht, dass so EIN SCHEISS jetzt Alleinstellungsmerkmal sein soll? Als Gelegenheitsvielspieler will ich keine Spielszenen teilen, und es gibt auf der Welt NICHTS LANGWEILIGERES ALS ANDEREN BEIM SPIELEN ZUGUCKEN! Das ist nicht spannend, dass ist doof! Und Leute, die stundenlang „Let´s plays“ gucken sind entweder Kids mit zu wenig Taschengeld oder hängen in einem Level fest. Aber gut, ich bin auch nicht die Zielgruppe. Ich spiele auch kein Multiplayer, weil ich wenigstens in der Spielwelt mal vor den Sackgesichtern da draußen sicher sein will.
Andere „tolle“ Neuerungen: Ein leuchtendes Döddel am Controller. Und sonst? Downloads im Hintergrund, die mich endlich nicht mehr bei jedem Update stundenlang von der Nutzung des Geräts abhalten. Woah, wenn das nicht echte Raketenforschung ist.

Zurück zur 2013er Auflage des Konsolenkriegs und der Frage, was Sony und Microsoft um Himmels Willen seit 2005 gemacht haben, dem Jahr, in dem die XBOX360 und die PS3 rauskamen. Ich vermute: Marketingresearch, Anheuern von Anwälten und Nasebohren. Hardwareentwicklung jedenfalls nicht, den beide Plattformen laufen in der nächsten Generation mit ALTER PC-HARDWARE!!! Ja, wirklich! BEIDE! Mit ALTER Hardware!

Das ist gut für die Entwickler, die nicht mehr so viel Aufwand mit Fassungen für beide Plattformen haben, bedeutet aber auch: Wenn auf beiden Plattformen alles identisch aussieht, welche soll ich dann nehmen? Nun, dafür haben beide Firmen ja die Anwälte: Um die Entwicklerstudios auf Exklusivfassungen für eine Konsole zu verpflichten. Kennt man ja, Halo gibt es immer nur für die XBOX, Uncharted nur für die Playse. Das wird in Zukunft noch schlimmer werden. Man versucht sich hier also nicht über Qualität oder Service vom Konkurrenten abzuheben, sondern über Exklusivverträge und Log-Ins in Ökosysteme. Als genervter, aber kaufkräftiger Konsument hat man aktuell gerade ohnehin 360 und PS3 im Wohnzimmer stehen, dann auch noch XBOX ONE und PS4 parallel? So viele Anschlüsse hat mein Heimkino gar nicht.

Möglicherweise wird sich die doppelte Konsolenhaltung aber nicht wiederholen, denn was die XBOX One wirklich komplett unsympathisch macht, ist der Umgang mit Privatsphäre und Gebrauchtspielen. Theoretisch, so hyperventiliert der SPIEGEL gerade, könnte man mit einer always-On-Kinect die Nutzer auf der Couch beobachten und selbst Gesichtsregungen zu Marktforschungszwecken ausspionieren. Sehe ich unaufgeregter, denn das wird nicht passieren. Handfest ärgerlich ist aber der Sekundärverwertungsansatz, der mittlerweile bestätigt ist. Im vergangenen Jahr hatten sich einige Publisher nicht entblödet, den Verkauf gebrauchter Spiele mit dem Vertrieb von Raubkopien gleichzusetzen. UNFASSBAR. Wenn ich ein Spiel zum Vollpreis kaufe, durchspiele und danach weiterverkaufe, dann sollen der Käufer und ich Softwarepiraten sein? Geht´s noch? Der kranke Gedankengang der Publisher ist natürlich, dass jedes weiterverkaufte Gebrauchtspiel mit einem entgangenen Vollpreisverkauf gleichzusetzen ist.

Nur: Das ist natürlich Quatsch. Ich kaufe ein ausserhalb meines Interessensbereichs eher gar nicht, wenn ich es nicht gebraucht bekomme. Und ein gebrauchtes Spiel für 10 Euro hat mich schon oft dazu gebracht, den nächsten Teil der Serie sofort bei Erscheinen zum Vollpreis zu erstehen. Aber auch dazu sind die BWLer in der Geschäftsführung der Publisher zu dumm: Den Halo-Effekt der Gebrauchtspiele zu erkennen. Stattdessen haben sie jetzt bei Micrsoft so lange interveniert, bis nicht nur Abwärtskompatibilität kein Thema mehr war, sondern Spiele grundsätzlich installiert und an den eigenen Account gebunden und aktiviert werden müssen. Wenn dann der Datenträger mit dem Spiel weiterverkauft wird, muss der Käufer es zum Vollpreis erneut für sich aktivieren. What. The Fuck.
Mal gucken was von diesen Plänen in Europa noch übrig bleibt, bei uns gibt es sowas wie Verbraucherschutz.

Das ist alles so zutiefst unsympathisch, dass ich sowohl Microsoft als auch Sony zurufen möchte: Ich bin gerne bereit Geld für Eure Produkte auszugeben, aber nur, wenn ihr mich als Kunden auch ernst nehmt. Dazu gehört, dass ihr nicht versucht mich einzusperren, mich als Ware zu verhökern, mir sinnfreie Mumpitzfeatures als Next Big Shit zu verkaufen und endlich wieder anfangt Konsolen zu bauen, bei denen nicht Sozial- und Multimediagedöns, sondern DAS SPIELERLEBNIS im Vordergrund steht. So lange das nicht passiert, ist es völlig EGAL welche Konsole nach verkaufter Stückzahl den Konsolenkrieg gewinnt. Das ist BWLer-Denken. So lange stehen aber die Verlierer klar fest: Die Konsumenten. Vielleicht sollten Sony und MS ein paar Nachhilfestunden bei Apple nehmen, die es immerhin schaffen, alles mit so viel Nutz- und Mehrwert auszustatten, dass man sich gerne freiwillig an sie bindet. Bei diesem Konsolenunfug sehe ich das noch nicht.

 
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Verfasst von - 22. Mai 2013 in Rant

 

Von der Brücke

Telekom-presse.at vermutet, dass die Hardware des iPhone 5 schon fertig ist, die Produktion aber wegen Problemen mit dem neuen Kartendienst verzögert wird. Der Wechsel von Google Maps zu einem Mix aus eigenem Kartenmaterial und TomTom-Navigation mache Probleme, heisst es:

So wird beispielsweise beim Abbiegen ein Sprung von einer Brücke auf die darunter liegende Fahrbahn empfohlen, die Namen von Ozeanen und andere Beschriftungen sind fehlerhaft und auch die Anzahl der enthaltenen Informationen kann mit Google Maps noch nicht mithalten.

Mal abgesehen davon, dass der ganze Artikel Kaffeesatzleserei ist: MEINE erste Reaktion, als ich vom Wechsel zu TomTom erfahren habe, war ein laut herausgerutschtes „Ach Du scheiße!“. TomTom? Really? Das ist die gleiche Firma, die Motorradnavis baut, deren Usability und Rechenleistung aus dem Jahr 1989 zu stammen scheint, die zu Wucherpreisen Kartenmaterial verhökert, dass gefühlt 4 Jahre alt ist und deren Navigation so dermaßen irre ist, dass der Sprung von der Brücke noch als normal durchgehen muss. Kostproben: Mein TomTom Urban Rider bestand darauf, dass eine Burgmauer als vollwertige Strasse nutzbar sei, wies Feldwege mit 16% Gefälle als Landstrasse aus, behauptete, dass Fusswege durchaus befahrbar seien, imaginierte sich eine Anzahl X^N an Ausfahrten zu Kreiseln hinzu und behauptete zwischendrin, in einem anderen Land zu sein. Und bei den Geschwindigkeitsangaben stimmten über weite Strecken nicht eine einzige. Letztlich alles korrigierbare oder verzeichliche Fehler, aber meist bringt einen das Navi durch so einen Murks genau dann in komische Situationen, wenn man es gerade gar nicht brauchen kann. Mit Konkurrent Navigon habe ich so einen Mist noch nicht erlebt. Ob Apple sich da wirklich einen Gefallen getan hat?

 
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Verfasst von - 19. Juni 2012 in Rant

 

Das Video startet in 30 Sekunden. 29. 28. 27.

Ja, nee. Nicht bei mir, Zeitschriftenverlagw. 30 Sekunden Lebenszeit werde ich nicht vor einem Werbespot absitzen, schon gar nicht für einen Trailer der nur halb so lang geht. Und schon gar nicht mehrfach, nur weil zwischendurch die Internetverbindung einen Hickser hatte und der Player der Meinung ist, man könnte evtl. was von der wertvollen Produktinformation verpasst haben, und deshalb nochmal von vorne startet.

Dreissig Sekunden, das sind drei Mal so viel Zeit wie ich brauche, um den Trailer bei Youtube zu finden und ohne (oder signifikant weniger) Werbung zu gucken.

 
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Verfasst von - 26. März 2012 in Rant

 

Schwergewicht

70 MB für ein Programm zum anzeigen von PDFs? Srysly, Adobe? SIEBZIG MEGABYTE??? Für den READER?
Und die Installation ist dann 418 MB groß? FAST EINE HALBES GIGABYTE???
WTF?

Oder sind das die ganzen Überwachungsprogramme von CIA, BND und Verfassungsschutz, die den Download so aufblähen??

 
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Verfasst von - 21. März 2012 in Rant

 

Horror Politik

Da höre ich im Radio und lese in den Nachrichten, dass…

…die winzigen Überschüsse, die gerade bei den Krankenkassen rumliegen, im Bundeshaushalt versenkt werden sollen, ungeachtet der Tatsache, dass im vergangenen Jahr etliche Kassen Zusatzbeiträge erheben mussten, weil es so knapp war. Statt die jetzigen Überschüsse einfach mal zu sparen, wird das Geld sofort für anderen Mumpitz verplant. Dabei reicht der Überschuss nicht mal zur Rettung einer Bank, allenfalls zur Zahlung der Boni für deren Manager.

…das die Polizei einen Fall von Nötigung und Vandalismus auf der Autobahn mit Verbindungs-und Positionsdatenklären will. WTF? Meines Wissens nach DARF die Polizei solche Daten nicht ohne konkreten Verdacht gegen einzelne Personen speichern, und mittlerweile tun sie das sogar für alle Leute, die eine Autobahn benutzen?

…das die FDP aufgrund von Taktiererei und Geltungssucht in Tateinheit mir Unwissen um die gesetzlichen Regelungen quasi vorsätzlich den Landtag in NRW zerlegt hat, und nun das Land wieder monatelang stillsteht bis Neuwahlen erfolgt sind. Kann man gegen diese geistigen Gartenzwerge eigentlich Schadensersatzforderungen einreichen?

… das ein Unionspolitiker allen ernstes fordert, die privaten Krankenversicherungen für alle zu öffnen. Weil er es doof findet, dass seine Beiträge steigen, und mit so ein paar Millionen AOK-Patienten mehr in den Privaten Kassen könnten doch deren Beiträge wieder sinken.

…mit einer Verwertungsgesellschaft zur Einziehung von Beiträgen zum Leistungsschutzrecht gerade die Etablierung gerade gefordert wird, neben GEZ und GEMA eine dritte Krake einzuführen, die mit Mafiamethoden die Rechte von Verwertern durchsetzt.

…die Verbraucherschutzministerin nichts besseres zu tun hat, als in die Mülltonnen der Bürger zu gucken und denen Tips zu geben. Ich meine, im Kern nicht schlecht – nur werden die meisten Lebensmittel in Restaurants und Supermärkten weggeworfen. Das wurde in der vorgestellten Studie aber irgendwie weggerechnet.

…die Familienministerin einen Bericht zur Lage der Familien vorstellt, ihn gut analysiert darstellt – und dann kindlich-naive Schlüsse zieht, Forderungen an Länder und Unternehmen stellt, die OHNEHIN SCHON GESETZ SIND und überhaupt gar nicht begreift, dass SIE, als MINISTERIN, die verdammte Aufgabe und die Möglichkeiten hat, die Umstände zu ÄNDERN und nicht nur anzuprangern.

Ich meine, geht´s noch? Hat jemand den Politikerinnen und Politikern was in den Kaffee getan? Machen die gerade alle kollektiv so einen Mist, weil sie wissen das es eh egal ist, weil im Dezember 2012 die Welt untergeht? Oder sind die alle irre geworden? Oder war es am Ende schon immer so, und ich habe es nur nicht bemerkt?

 
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Verfasst von - 15. März 2012 in Betrachtung, Rant

 

Glasig gestiert

Herr Silencer, der sich selbst für einen begnadeten Dienstleister hält, regt sich unnötigerweise mal wieder über Knallchargen im falschen Job auf.

Die Saison beginnt, und für mich ist es an der Zeit mal die fast 20 Jahre alten Motorradhandschuhe gegen etwas Neueres auszutauschen. Zudem steht der Kauf von Sommerstiefeln und einer neuen Jacke an. Kurz: Ich muss Geld ausgeben. Nun bin ich nicht gerade mit Geldscheinen winkend zur Tür der örtlichen Polo-Filiale reingerauscht, habe aber den Wunsch nach neuen Dingen recht deutlich an den Mitarbeiter kommuniziert, der mich nach der Frage „Was können wir´n Dir… Ihnen Gutes tun?“ leicht glasig anstiert.

Das folgende Gespräch ist leicht surreal.

Ich gucke an dem Mitarbeiter hoch, der gute eineinhalb Köpfe ist als ich. „Ich suche Handschuhe für die Übergangszeit. Sowas wie das Modell Satu von Held, die würde ich gerne mal anprobieren.“
„Satu“, sagt der Mann. „Ist nen gutes Modell.“
Pause. Glasiges Stieren. Pause.

Ich (Handbewegung in Richtung der 5 unsortierten Regalmeter Handschuhe): „Ja, und… finde ich die hier auch irgendwo?“
„Nee. Hamwer nicht da.“
Pause. Glasiges Stieren.
Ein *guter* Verkäufer hätte gemerkt, dass ich bereit bin Geld auszugeben, mich gefragt was mich an dem Modell interessiert und dann die Gelegenheit genutzt mir was Ähnliches zu empfehlen. Der Typ vor mir nicht. Der stiert mich nur an.
Aber ich kenne das aus dieser Filiale schon. Die haben ganz viel. Nicht.
Und das Personal ist nicht dumm, der typ vor mir schon gar nicht, er gibt sich nur keinerlei Mühe.

Ich *Seufz*: „OK, dann brauche ich leichte Tourenstiefel, gute Lüftung ist wichtig, Membran muss nicht sein. Ich würde gerne mal die „Airvent“ von Drive anprobieren.“
Pause. Glasiges Stieren.
Hat der sich schon in den Ruhezustand begeben? „Und?! Finde ich die hier irgendwo?“
„Nee. Hamwer nicht da.“

Nee, so nicht, Freund. Ich war gestern schon mal hier und WEIß das ihr den habt! Allerdings hatte ich ihn nur in Größe 38 gesehen.
Ich: „Aber da drüben steht er doch“
Mitarbeiter: „Ach. Ja.“
„Habt ihr den auch in vernünftigen Größen?“
„Nee, hamwer nicht. Müssen wa bestellen.“

„Wenn´s den überhaupt noch gibt, det issen Auslaufmodell!“, keift es urplötzlich quer durch den Laden. Eine Verkäuferkollegin hat sich eingemischt, war aber nicht bereit sich dafür zu uns zu bewegen. Also brüllt sie durch die halbe Halle.
Ich brülle zurück „Echt?! Im Katalog für dieses Jahr ist der aber normal drin“
Jetzt dreht sich der Stierer um und geht weg.
WTF? Schmollt er jetzt, weil ich Mutti Widerworte gegeben habe?

Wenige Minuten und angestrengtes Seitenumblättern dröhnt es: „Wo wollense denn den gesehen haben?“

Das ist der Moment, in dem ich endgültig vom Glauben abfalle. Die beiden Verkaufsdarsteller könnten die Zeit nutzen mir teure Dinge zu verhökern, stattdessen wollen sie mir beweisen das ich falsch liege und versuchen mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Un-fass-bar.

Zum Glück finden die beiden schnell andere Beschäftigungen. Mutti guckt an der Kasse in krasser Konzertlaustärke Germanys next Topmodel, der Stierer frisst mitten im Laden eine gigantische McDonaldstüte leer. Ich weiß, dass die letzten Stunden am langen Donnerstag langweilig sind, aber die könnte man schneller rumkriegen, wenn man z.B. Ordnung in diesen Wühltisch von Laden bringen würde. Gefühlt sieben Achtel der Topseller sind entweder nicht vorhanden oder nur noch in den Größen XS und XXXXL vorrätig und über fünf Regale verteilt. Kann man natürlich als Mitarbeiter nicht wissen, wenn man nie Ordnung macht und nicht ins Warenwirtschaftssystem guckt. Und die Regale sehen ja so hübsch voll aus, wenn sie zugestopft sind mit Mumpitz in Größe Bumsfallera.

Einen letzten Versuch unternehme ich noch: „Ich brauche noch zwei teilbare Schlüsselringe“, sage ich dem Stierer. Der stellt seinen Milchshake in die Auslage und guckt dullig. „1780 Stück. Soviel hat die Zentrale am Lager. Reicht das?“
Jetzt mache ich eine Pause. Was will der von mir?
„Aber hier“, fährt er fort, „hamwer keine. Kommen Donnerstag. Nächste Woche.“

Ja, nee, lass mal. Bis dahin habe ich die schon dreimal woanders gekauft. Zum Beispiel bei der Konkurrenz. Die ist zwar 45 Km entfernt, aber die haben alles da, eine kompetente Beratung und ein funktionierendes Personalsystem.

Im Rausgehen fällt mit ein Schild auf: „Wir wollen DICH als 400 Euro Kraft“
Ich muss Schmunzeln. Man merkt schon, wann ein Laden nur noch mit Geringverdienern läuft und zudem die Leute schlecht ausgewählt sind. Dienstleistung kann man oder kann man nicht, das kann man nicht lernen.
Es hat einen Grund, warum Polo gerade Insolvenz anmelden musste. Er sitzt zwischen Regalen voller XS-Handschuhe, frisst Pommes und stiert leicht glasig vor sich hin.

 
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Verfasst von - 5. März 2012 in Gnadenloses Leben, Rant

 

Ein Mann, ein Brot. Ach Gottchen.

Wenn Menschen wie Backwaren sein können, dann ist Sigmar Gabriel das Mettbrötchen unter den Politikern.

Sieht herzhaft aus, ist aber eigentlich pappig und irgendwie grob. Ein Mann, den es auch nicht kümmert wenn links und rechts was runterbröselt. Diejenigen, die vorab noch dachten, dass es eine gute Idee wäre ihn am Büffet zu wählen, haben nach kurzem Genuß fettige Finger, schlechtem Atem und sind den Rest des Tages damit beschäftigt, sich unaussprechliche Dinge aus den Zähnen zu puhlen.

OK, der Vergleich hinkt hinten und vorne, aber ich will auf Folgendes hinaus: Sigmar Gabriel ist fleischgewordenes Blah. Ich weiß das. Ich habe ihn mal getroffen, und zwar genau in den Bauch (Was rennt er auch ohne zu gucken durchs Kongresszentrum).

Gestern hat Gabriel sich vom Parteitag in bester Putinmanier als Vorsitzenden der SPD wiederwählen lassen, heute ist das tönende Mettbrötchen auf allen Kanälen damit zu hören, dass „man ja so viel verändert habe“, „die Partei so viel bewegt hat im letzten Jahr“, „die Erneuerung vorangetrieben wurde“, „die SPD sich für die Regierungsübernahme positioniert hat“, „weil die Leute echten Wechsel wollten“, aber natürlich diskutiert man „jetzt doch keine K-Frage, die erst für eine Wahl in zwei Jahren interessant ist“.

Offensive a la Gabriel: mit Blümchen drohen und "Ach Gottchen" sagen.

Ne, klar. da bläht das Mettbröttchen Obamas gebrauchte Wahlkampfpropaganda in die Welt, aber über Kandidaten will man nicht reden. Dabei spürt man förmlich, das er doch so gerne Kanzlern möchte. Wenn ihn nur wer fragen würde. Das tut aber keiner. Gabriel ist IMMER die Verlegenheitslösung. Keiner will ihn, aber was besseres hat man halt nicht. Aber nun, wer weiß, vielleicht fällt ja bis 2013 noch ein Messias vom Himmel, wie damals der Schröder.

Das unangenehme an Gabriel ist das Gefühl, das er hinterlässt. Dieses Gefühl, von jemandem angelogen zu werden, der sich nichtmal die geringste Mühe gibt das auch gut zu tun. Nun ist das allgemein ein Problem der aktuellen Politikergeneration, aber bei Gabriel ist es besonders immanent. Wenn man anfängt sein Blah zu hinterfragen, wird das Mettbröttchen gemein und sagt herablassend „ach Gottchen“ zu Journalistinnen. Ganz so, wie der feiste Schläger auf dem Schulhof, der immer „Ach Gottchen“ sagte, wenn man ihn darauf hinwies, dass das Schultergelenk in seinem Schwitzkasten nun aber wirklich gleich aus der Pfanne springt.

Die Partei hat sich verändert? WO DENN?? In den letzten drölf Jahren ist die SPD lediglich dadurch aufgefallen, dass sie Merkel hinterher lief und „wir wollen das so nicht, sondern anders, aber genauso“-Politik gemacht hat. Kein Politikfeld konnte sie besetzen, keinen Standpunkt vertreten. Stattdessen haben sie die Von der Leyens, Schäubles und Merkels dieser Welt machen lassen und nur ab und zu noch hanebüchenere Steigerungen der verfehlten Realpolitik gefordert. Hätte von der Leyen gefordert, dass sich jeder einen Nagel ins Auge stecken soll, hätte die SPD nur gesagt: „So nicht, Frau von der Leyen! Es ist seit jeher eine Kernforderung sozialdemokratischer Politik, ZWEI Nagel in JEDEM Auge zu tragen!“

Machen wir uns nichts vor: Eine der beiden großen, unwählbaren Parteien in diesem Land ist deswegen unwählbar, weil sie so wenig gutes Personal hat, das ihr ein Mettbrötchen vorsitzt. Und dieses Mettbrötchen ist primär an seiner eigenen Karriere interessiert, während es nebenbei den Leuten gebrauchtes Zeug und temporären Populärblah als Politik anzudrehen versucht. Die SPD unter Gabriel, das ist vom Standpunkt der Vertrauenswürdigkeit her auf einer Stufe mit einer Vereinigung von Gebrauchtwagenverkäufern.

 
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Verfasst von - 6. Dezember 2011 in Betrachtung, Rant

 

Ey, Congstar!

Liebes Congstar,

Wo ich gerade am pöbeln und ranten bin: Du Congstar, benimmst Dich auch gerade wie eine alte Pottsau.
Merke: Eine Einzugsermächtigung bedeutet NICHT, dass Du Selbstbedienung an Kundenkonten betreiben darfst.

Und das DU erst von einem Vertrag zurück trittst mit der Begründung „Wir können in ihrem Wohnviertel kein DSL, müssense zur Telekom, das können nur die“ ist schon deshalb zum Brüllen, weil Du eine hundertprozentige Telekomtochter bist und die Telekom die Leistung, die sie Dir verweigert, für jeden anderen Provider erbringt.

Das Du Dir dann aber nochmal einen ordentlichen, dreistelligen Betrag vom Kundenkonto gönnst mit der Begründung, Du müsstest entschädigt werden, weil der 24-Monats-Vertrag noch eine Restlaufzeit von 18 Monaten aufweisen würde, das ist schon sehr unverschämt.

Nochmal zum Mitschreiben: Du buchst Dir eine Entschädigung vom Kundenkonto ab, weil DU einen Vertrag nicht erfüllen kannst.

Dem geprellten Kunden dann 25 Euro für die Unannehmlichkeiten gut zu schreiben könnte ein freundliches Signal sein, aber DANN den Standpunkt zu vertreten, dass Du das Geld nicht überweisen kannst sondern mit der nächsten Rechnung, DIE ES NICHT GEBEN WIRD, verrechnen wirst, das ist einfach nur SO BLÖD DAS MIR DAZU NICHTS MEHR EINFÄLLT.

Nun setzt Du, Congstar, ja viel auf dieses Internetmarketing, um junge, hippe Leute wie mich an Land zu ziehen. Ist es Dir da recht, das direkt zwei Klicks weiter sowas hier zu finden ist? Falls Dir daran gelegen ist, diese Negativerfahrung irgendwie aus dem Netz zu bekommen: Meine Kontonummer hast Du. Und bitte NICHT mit der nächsten Rechnung verrechnen, ja?

Viele Grüße

Dein Silencer

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Verfasst von - 26. August 2011 in Rant

 

Oi, DHL!

Sag mal, DHL, was ist denn momentan bei Dir los? Alle Mitarbeiter in der Sommerpause? Oder hast Du Deine Privatkundenlogistik an eine Horde Affen im Hannoveraner Zoo outgesourced? Oder wie ist es zu erklären, dass sich allein bei mir in den letzten Wochen kaputte, verspätete oder ganz verschwundene Sendungen häufen? Und wieso rennt der Paketbote hier in einem „Wacken“-T-shirt rum, und nicht in seiner Dienstkleidung?

Sowas hätte ich von Hermes erwartet, DHL, aber nicht von Dir.

Und für so einen Mist hier habe ich schlich keine Zeit:

Seit GESCHLAGENEN FÜNF TAGEN dümpelt dieses Paket im Startzentrum herum. Da ist Ware drin, die ich dringend erwartete. Ist übrigens schon der zweite Versuch. Die erste Lieferung ist spurlos verschwunden. Blip und weg. Kannst Du mir das mal erklären?

[Update Dezmeber 2011] Das Päckchen kam in der tat nie an. Ich weiß bis heute nicht, ob DHL da Mist gemacht hat, oder ob vielleicht doch der etwas windige Versender einen Weg gefunden hat, das DHL-Syste zu manipulieren, um nicht liefern zu müssen. Immerhin war die erste angebliche Lieferung einfach so „verschwunden“, das hier war schon der zweite Versuch.Ich habe den Auftrag dann storniert und mein Geld zurück bekommen.

 
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Verfasst von - 26. August 2011 in Gnadenloses Leben, Rant

 

Unverantwortlicher Hecmec

Also, wenn ich Gemüsebauer in Nordeutschland wäre, dann wäre ich aktuell nicht nur schwer angepisst, ich würde mir auch überlegen eine Klage anzustrengen. Zuallererst gegen das Robert-Koch-Institut, danach gegen den versammelten Qualitätsjournalismus.

Da sind also etliche Leute am EHEC-Erreger erkrankt. Keiner weiß, welcher Stamm genau das ist und wo der herkommen könnte, aber stante pede wird in den Medien gemutmaßt, dass die Infektion wohl vom Verzehr von rohem Gemüse kommen könnte, das mit Gülle gedüngt wurde.

„Uuuuuah“, sagt da ein Teil der Verbraucher und wäscht das Gemüse sorgfältiger ab.
„Wir haben es ja schon immer gesagt“, sagt ein anderer Teil und frisst ab jetzt nur noch Mettwurst. Wollte die schon immer, jetzt haben sie eine Ausrede.
„Gemüse mit Gülle düngen? Man düngt nur Mais und Getreide mit Gülle, und das noch vor der Saat“, sagen die Bauern und wundern sich über die komischen Stadtmenschen.
„PanikPanikPanik wir werden alle sterben!“, kreischt der Qualitätsjournalismus, wirft die Arme in die Luft und rennt hysterisch im Kreis.

Und weil in unserer Aktionismusrepublik neuerdings spätestens nach drei Tagen was passiert sein muss, stellt sich gestern das RoKo hin und sagt allen Ernstes: „Wir haben 25 Leute befragt, was sie gegessen haben. Und auf den ersten Plätzen waren…. Tomaten, Gurken und Blattsalat.“
Fünfundzwanzig Leute? Really? Mein Gott, das ist weniger als bei dieser alten Fernsehshow mit dem ewig besoffenen Showmaster, dem Familienduell! Die haben wenigstens so getan als hätten sie hundert Leute befragt! Aber 25?! Das ist weniger als man für ein signifikantes Ergebnis braucht! Und DANN kommt noch dazu, dass die Leute natürlich befragt worden sind, nachdem der Qualitätsjournalismus schon was von Tomaten, Gemüse und Blattsalat gelallt hatte.

Das ist die Grundlage der Warnung: Die Befragung einer Handvoll vorgeprägter Leute. Auf dieser Grundlage wird jetzt die Landwirtschaft, von der wir im Norden ganz viel Biobauern haben, nachhaltig geschädigt. Und IHR schimpft euch Wissenschaftler? Der Qualitätsjournalismus lässt solche Zweifel übrigens nicht vorkommen. Stattdessen siet man selbst im ZDF friemelige Computeranimationen, in denen es jemandem den Darm in Stücke reisst.

Ganz egal wie schlimm dieser EHEC-Erreger am Ende wirklich ist und ob es eine Epedemie wird oder die erste Sommerlochhysterie ist: Der Umgang mit diesem Ereignis durch Wissenschaft und Qualitätsjournalismus, gefördert durch die Politik, ist wieder mal unverantwortlich. „Wieder mal“, weil man sich ja eigentlch vorgenommen hatte, aus Schweinegrippe & co endlichmal zu lernen. Stattdessen verfallen alle ganz schnell wieder in alte Muster.

 
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Verfasst von - 26. Mai 2011 in Betrachtung, Rant

 

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