Rant

Unverantwortlicher Hecmec

Also, wenn ich Gemüsebauer in Nordeutschland wäre, dann wäre ich aktuell nicht nur schwer angepisst, ich würde mir auch überlegen eine Klage anzustrengen. Zuallererst gegen das Robert-Koch-Institut, danach gegen den versammelten Qualitätsjournalismus.

Da sind also etliche Leute am EHEC-Erreger erkrankt. Keiner weiß, welcher Stamm genau das ist und wo der herkommen könnte, aber stante pede wird in den Medien gemutmaßt, dass die Infektion wohl vom Verzehr von rohem Gemüse kommen könnte, das mit Gülle gedüngt wurde.

„Uuuuuah“, sagt da ein Teil der Verbraucher und wäscht das Gemüse sorgfältiger ab.
„Wir haben es ja schon immer gesagt“, sagt ein anderer Teil und frisst ab jetzt nur noch Mettwurst. Wollte die schon immer, jetzt haben sie eine Ausrede.
„Gemüse mit Gülle düngen? Man düngt nur Mais und Getreide mit Gülle, und das noch vor der Saat“, sagen die Bauern und wundern sich über die komischen Stadtmenschen.
„PanikPanikPanik wir werden alle sterben!“, kreischt der Qualitätsjournalismus, wirft die Arme in die Luft und rennt hysterisch im Kreis.

Und weil in unserer Aktionismusrepublik neuerdings spätestens nach drei Tagen was passiert sein muss, stellt sich gestern das RoKo hin und sagt allen Ernstes: „Wir haben 25 Leute befragt, was sie gegessen haben. Und auf den ersten Plätzen waren…. Tomaten, Gurken und Blattsalat.“
Fünfundzwanzig Leute? Really? Mein Gott, das ist weniger als bei dieser alten Fernsehshow mit dem ewig besoffenen Showmaster, dem Familienduell! Die haben wenigstens so getan als hätten sie hundert Leute befragt! Aber 25?! Das ist weniger als man für ein signifikantes Ergebnis braucht! Und DANN kommt noch dazu, dass die Leute natürlich befragt worden sind, nachdem der Qualitätsjournalismus schon was von Tomaten, Gemüse und Blattsalat gelallt hatte.

Das ist die Grundlage der Warnung: Die Befragung einer Handvoll vorgeprägter Leute. Auf dieser Grundlage wird jetzt die Landwirtschaft, von der wir im Norden ganz viel Biobauern haben, nachhaltig geschädigt. Und IHR schimpft euch Wissenschaftler? Der Qualitätsjournalismus lässt solche Zweifel übrigens nicht vorkommen. Stattdessen siet man selbst im ZDF friemelige Computeranimationen, in denen es jemandem den Darm in Stücke reisst.

Ganz egal wie schlimm dieser EHEC-Erreger am Ende wirklich ist und ob es eine Epedemie wird oder die erste Sommerlochhysterie ist: Der Umgang mit diesem Ereignis durch Wissenschaft und Qualitätsjournalismus, gefördert durch die Politik, ist wieder mal unverantwortlich. „Wieder mal“, weil man sich ja eigentlch vorgenommen hatte, aus Schweinegrippe & co endlichmal zu lernen. Stattdessen verfallen alle ganz schnell wieder in alte Muster.

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Hey, Sony! Was MACHT ihr denn da??

Sagt mal, Sony, was MACHT ihr denn da bitte gerade? Früher, also so Anfang der 90er, war ich ein Rieeesenfan von Euch. Alles von Sony war gut, funktionell und schön designed. Wo Sony draufstand, da steckte Spitzentechnik unter der schönen Hülle. Sony war cool. JEDER wollte Eure Pordukte, und tatsächlich hatte jeder mindestens ein Gerät von Euch, meist einen Walkman. Sony war hip, Sony war das, was man zum Glücklichsein brauchte. Das ist lange her. Die unverständliche Produktpolitik hat eine Menge Kunden vergrault, denn über das komische Rumgemache mit selbsterfundenen Minidisks, Memorysticks und whatnot habt ihr glatt MP3 verschlafen. Das erweckte den Eindruck, dass ihr Eurer Halo-Zugpferd, den Walkman, nicht mehr leiden konntet.

Das ist schon ein wenig her. Zwischendrin habt ihr noch mittels explodierender Akkus eine Vielzahl von Notebooks abgefackelt, Euch mit restriktivem Rechteinhabergebahren unbeliebt gemacht („Dieser Content ist in ihrem Land nicht verfügbar“), und dann – quasi als Höhepunkt und damit sind wir im hier und heute, lasst ihr Euch drei Fantastilliarden Datensätze mit Kreditkartendaten der Nutzer Eurer Onlinenetze klauen. Allein das neu Ausstellen von 77 Millionen Kreditkarten wird Unsummen Kosten, und jeder Eurer Nutzer ist mit 20 Euro dabei.

Eure Cashcow, das Playstation-Netzwerk, geht sogar einen ganzen Monat ausser Betrieb. Während dieser Zeit lamentieren Eure Manager hilflos herum, dass ja die Prüfziffern der Kreditkarten gaaaanz woanders gespeichert seien und nicht gestohlen wurden. das macht es aber nicht besser, weil: Die Prüfziffern durftet ihr gar nicht speichern, nie, unter keinen Umständen. Dann wird das Playstation-Netzwerk langsam wieder hochgefahren. Nur nicht in, haha, Japan, weil Euch das die Regierung wegen Sicherheitsbedenken untersagt hat.

Wenn man als europäischer Playstation3-Besitzer im Moment seine Konsole anmacht, verbindet die sich automatisch mit dem Netzwerk und lädt eine neue Firmware herunter, die gaaaaanz viel sichererer ist als vorher und sofort auffordert, ein neues Passwort für das Netzwerk zu vergeben.

Alles wieder gut? Mitnichten, denn so unglaublich die Vorgänge bisher waren, es kommt noch besser: Weniger als 48 Stunden nach dem Neustart wird das PSN erneut kompromittiert! Ein ganz doofer Designfehler in der Passwortneusetzroutine sorgt dafür, dass man recht einfach Daten abgreifen kann. Aber der eigentliche Hammer ist, dass die neu verteilte Firmware 3.61 dafür sorgt, dass Konsolen bei der Wiedergabe bestimmter Spiele schlicht überhitzen, sich dadurch abschalten oder – im schlimmsten Fall – kaputt gehen. Eines dieser Spiele ist der Blockbuster L.A. Noire, langerwartet, verkauft wie geschnitten Brot, kommt heute in Europa raus. JEDER der sich das Ding kauft und in seine PS3 packt, läuft Gefahr, sie damit dem Hitzetod auszusetzen.

Halleluja. Wir halten fest: Ihr, Sony, habt in einer IT-Infrastruktur, die von Klebeband zusammengehalten wurde, mehr Daten gespeichert als ihr brauchtet und durftet, habt Euch die Daten klauen lassen und macht im Anschluss den gleichen Mist nochmal, nur dass ihr jetzt auch noch die Konsolen der Kunden zerlegt. Great. Ist auch eine Form der Sicherheit: Eine kaputte PS3 braucht auch kein Playstation-Netzwerk.

Aber nun sagt doch mal ehrlich, Sony: Warum sollte ich, als Konsument, Euch noch Vertrauen oder einen einzigen Euro schenken? Nennt mir nur einen einzigen Grund.

P.S.: Auch wenn es Berichte gibt, dass Nutzer angeblich massenhaft ihre PS3s verkaufen, soll nicht unerwähnt bleiben, dass andere Konsolennetzwerke genau die gleichen Probleme haben. Überall, wo Nutzer AUS BEQUEMLICHKEIT Zahlungsdaten hinterlassen KANN sowas passieren. „Ihr Konsolennetzwerk ist kein Banktresor.“ Das Problem bei Sony ist nur, dass sie, wohl aus Kostengründen, den Banktresor aus Wellpappe gebaut und vergessen haben ihn abzuschliessen. Und was die Frimware angeht, sind XBOX und Co. keinen Deut besser: Das letzte XBOX-Firmwareupdate legt bestimmte, alte Revisionen der Box lahm. Wenigstens hat MicroSoft in dem Fall genug Anstand das offensiv zu kommunizieren und den Betroffenen eine neue Konsole zu schenken.

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Vergesst Japan

Bin gerade sehr verblüfft darüber, wie schnell nach Fukushima die Marionetten der Atomlobby sich wieder unfassbare Dinge trauen. Wie zum Beispiel die Forderung, den „Stresstest“ für AKWs leichter zu gestalten. Ist ja nicht ohnehin so, dass die „Stresstests“ von den AKW-Betreibern selbst durchgeführt würden und damit ungefähr die Aussagekraft eines Wahlversprechens haben.

Einfach mal „Stresstest“ stöhnen, dann irnszwat rumfuddeln und irgendwann mit der Meldung „Bei uns ist alles sicher“ rauskommen, ohne Belege zu liefern: Hat bei den Banken auch funktioniert, die Strategie. Aber anscheinend ist der Atomlobby selbst dieser Placebo zur Beruhigung der Gemüter zu viel Aufwand. Nein, nun sollen auch Simulationen von Ereignissen, die NIE IM LEBEN EINTRETEN können, weil sie ABSOLUT UNWAHRSCHEINLICH sind, entfallen. Zum Beispiel ein Stromausfall in der Kühlung. Klar, haben die Vorfälle in Japan ja gezeigt, dass sowas NIE passieren kann.
Man, man, man, die trauen sich echt was.

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Auf Butterfahrt beim Zahnarzt

Herr Silencer hatte ein Erlebnis beim Zahnarzt das er unbedingt mitteilen muss. Dabei geht es um marode Zähne, marode Gesundheitswesen und Nuffelmuffen. Am Ende kommt der Autor zu einer erstaunlichen, ja lebensverändernden Einsicht. Aber bis dahin wird keiner lesen, denn der Text ist viel zu lang und sollte von Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne nicht angeguckt werden. Ach, am besten guckt niemand den Text an, in seinen Lücken hängen noch Speisereste.

„Aha. Hm-Hm. 7.1 C, 7.2 C“, murmelt der Zahnarzt vor sich hin, während er mit Spiegel und Haken in meinem Mund rumstochert. Es ist das erste Mal das ich in dieser Praxis bin. Mich plagen stechende Zahnschmerzen in einem Backenzahn, fühlt sich nach einem Loch an.

Den neuen Zahnarzt habe ich aus Faulheit gewählt. Er hat seine Praxis quasi im Nachbarhaus. Das ist bequem, und auch wenn Zahnarztauswahl gemeinhin als Vertrauenssache gilt. Zahnärztewahlen sind etwas sehr intimes, aber witzigerweise weniger intim als die Wahl anderer Fachärzte. Mich hat noch niemand gefragt, ob ich einen guten Proktologen kenne. Die sucht man wohl eher über´s Telefonbuch, als jemand anders wissen zu lassen, das man da Hinten/Untenrum beschwerden hat.

Aber bei Zahnärzten sieht das anderes aus. Sucht man einen Zahnarzt, dann fragt man im Bekanntenkreis rum und lässt sich Empfehlungen geben. Witzigerweise hat fast jeder Bekannte den „besten Zahnarzt der Stadt“ und weiß dafür drei „Pfuscher, die überhaupt keine Ahnung haben“ – wobei der gleiche Arzt, je nachdem wen man fragt, mal in die eine und mal in die andere Kategorie fällt.

Zahnarztwahl ist also Vertrauenssache. Aber warum nur? Das fragte ich mich, als ich meinen neuen Arzt nach der Entfernung auswählte. Immerhin ist es letztlich zum großen Teil Handwerk, und das muss jeder Zahnarzt beherrschen. Der Leistungskatalog und die Vergütung wird von den Krankenkassen vorgegeben. Müsste es nicht eine Niveauangleichung gegeben haben, die Zahnärzte letztlich… austauschbar macht? Hat in unserem Gesundheitssystem so etwas wie „Vertrauen“ noch einen Platz und, falls ja, noch Berechtigung, oder ist das ein überholtes Konzept?

„8.1 ist da. Ansonsten sind die dritten Molaren noch nicht durchgebrochen“
„Wai i kai´e ha´e“, stosse ich hervor
„Wie bitte?“, fragt der Arzt und zieht seine Werkzeuge aus meinem Mund.
„Weil ich keine weiteren Weisheitszähne habe. Ich habe nur den einen“, sage ich etwas deutlicher.
„Das kann gar nicht sein, das sollten wir röntgen. Das wollte ich eigentlich vermeiden, ich möchte eigentlich nur Dinge machen, die wirklich notwendig sind“, erwidert der Arzt.
„Das hört sich gut an.“
„Und bei Ihnen ist eine ganze Menge zu machen“, sagt er ernst.
Jetzt ist es an mir, laut „Wie BITTE?“ zu sagen.

Ich bin nicht ganz unstolz auf meine Zähne. Trotz jahrelanger Raucherei und fortgesetzten Kaffeekonsums sind sie nicht verfärbt, Zahnstein ist gänzlich unbekannt und gegen die Karies putze ich zwei, manchmal dreimal am Tag an und verwende bei Bedarf Zahnseide. Abgesehen von Füllungen in den Backenzähnen, die noch aus jungen Jahren stammen und immer wieder Einfallstor für kleinere Löcher sind, ist mein Gebiß in einem guten Zustand. Dachte ich. Bis jetzt.

Pinguine sehen Dich an. (Selbstgemaltes) Bild unter der Decke der *guten* Zahnarztpraxis.

„Ja, sehen sie“, fährt der neue Zahnarzt fort, „Sie haben Karies hier, hier und hier. Hier beginnt was. Und dort liegt ein Zahnhals frei, das kann zu Parodontose führen.

Hä? Ich habe den ganzen Mund voller Karies? Wie konnte denn das passieren?!? Gut, ich war jetzt schon drei Jahre nicht mehr zur Kontrolle, aber…

„Und hier, da habe ich was entdeckt, gucken sie mal selbst, nehmen sie mal den Spiegel, ich zeige ihnen das, damit sie es auch glauben“, spricht der Arzt und drückt mir einen Handspiegel in selbige. Gemeinsam gucken wir einen Zahn an, den er von hinten beleuchtet und der daraufhin fast transparent scheint. „Sehen sie das? Das dunkle da im Zahninneren? Das ist unter einer Kunststofffüllung. Das ist eine riesige Karies. Oder, haha, die Reste einer alten Füllung. Nee, im Ernst, das wird es kaum sein. Das ist Karies. Riesig. Haben sie da keine Schmerzen? Nein? Wahrscheinlich ist die Wurzel schon tot. Muss trotzdem die ganze Füllung raus.“

OMG. Die Kunststofffüllung hatte mein letzter Arzt gemacht. Den hielt ich für ganz fähig, wie konnte der nur so rumpfuschen?

Moment mal… „Ich zeige ihnen das Mal, damit sie´s selbst sehen…“ Das habe ich zuletzt in einer Autowerkstatt gehört. Danach hatte der Techniker auf eine Irgendwas an der Radaufhängung gedeutet und gesagt: „Die Hinterachsbuchsen sind so runter, mit denen kann ich sie gar nicht vom Hof lassen. Die müssen gemacht werden. Wenn sie das nicht machen, fahren sie auf eigene Verantwortung. Eigentlich müsste ich den Wagen stilllegen.“

Ich als Laie sehe da halt dann dieses Dings, diese Nuffelmuffen-or-whatnot, das ist schwarz, und wenn der Mann-der-Ahnung-hat mich vor dem sicheren Tod durch Nuffelmuffenabnutzung retten kann, dann muss ich ihm doch dankbar sein und ihm sofort die 800 Euro dafür geben, oder? Oder?
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Vor der Wahl in Baden-Württemberg: Eine kurze Zusammenfassung des Mappus

Hahah: http://mappus-restlaufzeit.de/

Das dieser Stefan Mappus überhaupt zur Wahl antreten darf, das wundert mich ja schon.

Der Mappus stellt sich, rein subjektiv, so dar: Erst klüngelt er in einer Schwitzhütte in einer Altherrenrunde mit schwäbischen Bauunternehmern Stuttgart21 aus. Dann lässt er sich von der Atomlobby kaufen und fordert den schnellstmöglichen Aussteig aus der Energieversorgung durch Gas- und Kohlekraftwerke und eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Dazwischen setzt er die Bauarbeiten in Stuttgart mit Gewalt durch, in dem er Demonstranten mit Wasserwerfern die Weichteile wegschiessen lässt. Die Gewalt gegen Bürger lenkt ein wenig von seinen anderen Machenschaften ab: Mappus agiert mit Landesmitteln quasi öffentlich für Enerieversorger und seine Kumpels, das ging in den S21-Debatten aber nahezu unter.


Quelle: http://zeitlose-wahrheit.blogspot.com/

Die wirklich schlimmen Dinge stecken nämlich, kaum oder stümperhaft versteckt, in der Sache mit dem Deal mit EnBW. Und der geht so: Das Land kauft für schlappe 4,7 Milliarden Euro Aktien des Energieversorgers. Der Deal sollte Mappus im Wahlkampf als Atombefürworter und Macher präsentieren, während gleichzeitig seine Kumpels aus der Schwitzhütte auch was davon haben: Der Milliardendeal wird, gegen einen gewissen Prozentsatz der Transaktionssumme, von einem Finanzhaus abgewickelt, das den Auftrag ohne Ausschreibung bekam. Und dessen Chef ist Mappus Trauzeuge und engster Freund aus Junge-Union-Zeiten.

Das die Übernahme mit einem unüblich hohen Aufschlag auf den aktuellen Börsenwert der Aktien erfolgt, um die Transaktionssumme aufzublähen, fällt da kaum noch auf. Die Zustimmung zu dem Ganzen hat Mappus sich vom Landtag erst geholt, als die Verträge schon unterzeichnet waren. Das BRÜLLT alles nach Machtmissbrauch und Filz.

Der ganze Deal ist nun schon mehrfach auf verschiedene Füße gefallen: Zuerst natürlich dem Land und den Steuerzahlern, denn die EnBW-Aktien gehen nicht erst seit dem Erdbeben in Japan und der Atomausstiegsdiskussion den Bach runter. Das hat auch Auswirkungen auf Mappus: Der hat finanziell zwar seine Schäfchen im Trockenen, aber der Deal war SEIN Kernding im Wahlkampf. Pro-Atom, Mappus als Strahlemann präsentieren, das war der Kern der Wahlkampfstrategie. Geht nun leider alles gar nicht mehr. Vor Kurzem hat Mappus noch den Rücktritt von Bundesumweltminister Röttgen gefordert, weil der Mappus´ Forderungen nach Laufzeitverlängerungen für AKW nicht sofort und rückgratlos zugestimmt hat. Mittlerweile hat aber selbst Mappus gemerkt, dass so eine Nummer gerade beim Volk nicht gut ankommt.

So ein Mappus ist aber immer auch noch für andere Klopfer gut. So ist er gegen Homosexualität und bezeichnete den Christopher Street Day öffentlich als abstossend, lehnt Lebenspartnerschaften ab, findet Vertriebene als Stammwählerschaft der CDU wichtig, verhindert schonmal den Kauf von Steuerbetrugsdaten ab (warum wohl?) und droht kulturellen Einrichtungen, die sich Ausstellungen zum Neo-Faschismus befassen, mit der Kürzung der Mittel.

Übrigens hat kein Wähler jemals den Mappus zum Ministerpräsidenten gewählt. Der ist einfach von der Partei als Nachfolger von Oettinger ausgekungelt worden, weil der von der Bundesmerkel auf die EU-Ebene abeschoben wurde.

Was bei mir hängen bleibt, ist das Bild eines zutiefst korrupten, schwulenhassenden, skrupelosen, rechten Machtmenschen, der sich und seine Kreise hemmungslos mit Steuergeldern bereichert.
Von den Schwaben an sich habe ich eh nicht die höchste Meinung, aber wenn DER am kommenden Sonntag vom Volk zum Ministerpräsidenten gewählt wird, dann votiere ich dafür, dass Baden-Württemberg aus der Bundesrepublik ausgeschlossen wird.

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Gruppenreise

Man sollte ja meinen, das in Zeiten von Interweb und Brieftauben alles so einfach sei. Eine Fahrkarte bei der Bahn buchen, zum Beispiel. Kann doch nicht so schwer sein. Auch nicht für eine Gruppe.

Um bei der Bahn eine Gruppenreise zu buchen sind lediglich folgende Schritte notwendig:

1. Man geht auf Bahn.de, sucht die gewünschte Verbindung für seine Gruppe und klickt auf „Weiter“. Aber dann geht es nicht weiter. Die Seite ist nicht etwa kaputt – nein, die Minimalanzahl für eine Gruppe beträgt 5 Personen. Das heisst, nach Bahnlogik, man muss wenigstens 6 Personen in das Kästchen eintragen. Sonst hat es sich was mit „Weiter“.

2. Man muss alle persönlichen Daten des „Gruppenorganisators“ per Hand erfassen, inkl. Privatadresse, Adresse der Organisation, usw. AUCH dann, wenn man als Organisator bereits Bahnkunde ist und die Bahn schon alle Daten hat. Selbst wenn man in die Bahnseite eingeloggt ist – die gefühlten hundert Felder wollen per Hand gefüllt werden.

3. Am Ende der Klick- und Ausfüllorgie steht nicht etwa eine Schaltfläche mit der Aufschrift „Buchung durchführen“ sondern „Antrag stellen“. Also stellt man einen Antrag.

4. Nach Klick auf „Antrag stellen“ kommt eine Anzeige, dass sich die Bahn in Kürze mit einem in Verbindung setzen wird. Was irgendwie wie eine Drohung klingt. Oder als ob man Besuch von Bahnbediensteten bekommt, die einem subversiv kleine Zettelchen unter der Tür durchschieben. Oder so.

5. Am nächsten Tag klingelt das Telefon und eine freundliche Dame verkündet, dass die Bahn dem Antrag stattgegeben habe und sie nun „mit einem buchen wolle“. Was sich irgendwie schon versaut anhört. Ich buche nur sehr ungern mit wildfremden Frauen. Buchen ist für mich Vertrauenssache. Ich buche nicht mit jeder.
Egal. Sie wolle also mit mir buchen, obwohl wir uns gar nicht kennen, dazu bräuchte sie lediglich noch einmal alle personenbezogenen Daten, Zahlungsmittelangaben und ggf. zusätzliche Reiseinfos. Den Einwand, dass sie das doch schon haben müsse, wird mit Gelächter und der Belehrung, das „Die Buchungswege Internet und Telefon haben doch nichts miteinander zu tun haben“ quittiert. Aha. Ich Dummerchen. Vermutlich FAXT der Webadmin der Telefonursula die „Anträge“.

6. Kreditkarte als Zahlungsmittel geht nicht, deshalb Lastschriftverfahren. Um an dem teilzunehmen, faxt die Bahn ein Formular, dass man aber nicht zurückfaxen kann, sondern per Post schicken muss.

7. Wenn die Bahn das Formular zurückerhalten hat, dann bearbeitet sie den Antrag auf eine Gruppenreise. Nachdem Sie zuvor noch die Bonität geprüft hat. Muss ja alles seine Ordnung haben.

8. Wenn die Bahn zu Ende bearbeitet hat, dann schickt sie die Karten für die Gruppenreise. Per Post. Nicht per Brieftaube oder per Fax. Per Post. Muss man nur aufpassen, dass der Umschlag nicht in den 100 WErbeschrieben untergeht, die die Bahn so pro Woche schickt, und die immer gleich ungeöffnet entsorgt werden.

Das ist DIE DEUTSCHE BAHN im Jahr 2011.
Ganz einfach, oder?

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Windows 2011

Windows Vista hat bei mir großes Gelächter verursacht, weil es seinerzeit schon einen Bluescreen verursachte noch bevor es installiert war. In der Folgezeit habe ich das Ding ignoriert. „Mit Windows 7 wird alles besser“ trompetet Microsoft und tatsächlich, die Anzahl der Wutausbrüche bei Anwendern scheint geringer zu sein als zu Vista-Zeiten, wobei ich eigentlich Win7 als Vista mit Servicepack definieren wollte.

Dieser Tage stand ein Hardwarekomplettaustausch an. Vor einigen Jahren hätte mich das in einen Zustand freudiger Erregung versetzt, in Zeiten, in denen der Alltag von Apple-Produkten durchseucht ist, wird die Rumschrauberei nur als nervend empfunden. Irgendwann hat man halt die Nase voll davon, sich die Lebenszeit von buggy und unsexy Hard- und Software rauben zu lassen. Das hat nicht mit „bequem werden“ zu tun, sondern nur mit Effizienz und Lebensqualität.

Wie auch immer, im Zuge der technikrenovierung sollte es nun auch ein zeitgemäßes Betriebssystem sein. Und, was soll ich sagen? Windows 7 ist genauso pain in the ass wie es Vista war, nur tut es halbwegs erfolgreich so, als wäre es schnell und funktional. Noch bevor es falsche Tatsachen vorspiegeln kann muss man es allerdings erst einmal installieren, und DAS hat bei mir gestern Abend geschlagene 3 STUNDEN gedauert, weil Windows sich geweigert hat. Den Grund dafür hat es nicht verraten „Sehen sie im Log nach“ – ja, und wo hast du das hin gepackt?? Die verbauten SATA-Festplatten liessen sich schlicht nicht ansprechen. Sie waren sichtbar, aber bei Auswahl erschien wahlweise die Meldung „Windows kann auf diesem Datenträger nicht installiert werden“ oder auch „“Auf diesem Datenträger kann keine Startpartition erstellt werden“. Dabei war die Platte neu formatiert und definitiv nicht defekt, das Installationsprogramm konnte sogar die Inhalte anzeige.

Also Recherche in Internetforen (herrje, da findet man heutzutage ja wirklich niemanden mehr der noch halbwegs Ahnung hat!), rumfuddeln im BIOS und stundenlanges ausprobieren von diversen SATA-Treibern.

Gegen halb eins in der Nacht stiess ich dann durch Zufall auf die Lösung: Im Bios muss die SATA-Platte als „First Boot Device“ eingetragen sein. Immer. Bloss nicht das DVD-Laufwerk als erstes und die Platte als zweites, dann geht nix mehr – weil Windows denkt, von der Platte könne nicht gebootet werden.

2011 mit Windows 7, das mit halbintelligenter Fuzzylogik Lebenszeit saugt, noch bevor es läuft. Manche Dinge ändern sich nie, Windows gehört wohl dazu.

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Drei Finger

Ooooch, na sowas: Da kaufen die Amerikaner lieber Militärflugzeuge vom US-Hersteller Boing als vom europäischen Airbus-Konsortium EADS. Weiß jeder, überrascht keinen. Nun steigt EADS medienwirksam aus einer Ausschreibung aus, weil die angeblich ganz auf die Miesen Klapperkisten von Boing zugeschnitten ist.

Reflexhaft reagieren europäische Politikern, allen voran der deutsche Minister für Misswirtschaft, Rainer Brüderle, ganz empört darüber. „Man zeigt sich enttäuscht“ und jammert jeden, der´s nicht hören will, damit voll, dass der Obama ja nun doch gar nicht so nett sei, auch wenn er schwarz ist. Und überhaupt, wo gibt es denn sowas, eine Ausschreibung so hindrehen, dass der Hersteller im eigenen Land bevorzugt wird! Wo gibt es denn sowas?

Ja, wo gibt es denn sowas? Außer in den USA und Taka-Tuka-Land? Welche Bananenrepublik macht denn sowas?
Welche Regierung kauft denn für 20,5 Millionen Euro mehrere Tausend Dienstwagen eines siechen Unternehmens im eigenen Land, auch wenn andere Hersteller qualitativ bessere und günstigere Fahrzeuge hätten liefern können? Na, wer macht sowas?

Oder, wie es Andras Schwarzkopf in der FR schön formuliert hat: „Wann kapieren Brüderle & Co endlich, dass sie immer mit drei Fingern auf sich zeigen, wenn sie mit einem auf ihr Gegenüber deuten“.

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Chip Tran

Liebe Sparkasse,

seit über einem Jahr versuchst Du mich, als Firmenkunden, von den guten, alten TAN-Listen wegzubekommen. „Tanlisten sind doof“ brüllen die Broschüren mit denen Du mich im dreiwochenabstand zuschmeisst, „nehmt lieber das Neueste vom Neuen, dieses SMS-TAN oder gleich Chip-Tan“. Zeitgleich wird damit gedroht, dass es in Zukunft keine TAN-Listen mehr geben wird.

Ja wow, wie innovativ. Andere Häuser bieten diese Verfahren seit vielen, vielen Jahren an. Aber so mit vornweg Dabeisein hast Du es ja eh nicht so, stimmt´s, Sparkasse? Ich erinnere mich noch gut daran, wie Deine Berater bei der Einführung von Onlinebanking eine Veranstaltung aufführten, die nur eines zum Ziel haben konnte: Die Kunden vom Onlinebanking abhalten. Da passt es ins Bild, dass die gleichen Berater heute keine Ahnung von den neuen TAN-Verfahren haben und sofort die Waffen strecken, wenn der Kunde nicht unter dem Hagel willkürlich rausgerotzter Stichworte (HBCI! TanJack! Sicherheitsklasse 2! Online!) wimmernd in die Knie geht, sondern im Gegenteil damit mehr anfangen kann als das nicht-Dienstleistende Sparkassenpersonal.

Obwohl Du, Sparkasse, seit Jahr und Tag die „neuen“ Verfahren anpreist, ist es FÜR MITARBEITER VON FIRMENKUNDEN nur möglich die zu nutzen, wenn man AUCH ALS PRIVATPERSON ein Konto bei Euch hat. Das kann euer Rechenzentrum nicht anders, heisst es. Oder vielleicht doch, so im Frühsommer vielleicht. Man weiss es nicht genau
Wir fassen zusammen, liebe Sparkasse: Dein Personal hat keinen Schimmer und überredet Leute zu Dingen, die gar nicht geleistet werden können.

Na, schönen Dank auch. Dann lege ich mir jetzt die neu angeschafften Kartenleser mal schön in den Schrank und hoffe, dass deren Batterien noch funktionieren, wenn die Sparkasse endlich im Jahrhundert des Flughunds angekommen ist.

Ich hoffe, dass ich das noch erleben darf.

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Schlechtes Timing

Ich werden die Filmverleihe nie verstehen. Das könnte daran liegen, dass dort zum Großteil eine Bande von Praktikanten in der Nase bohrt, denen Filme sowieso egal sind und für die Koordination etwas ist, was nur anderen passiert.

Wie sonst ist es zu erklären, dass zeitgleich zwei amerikanische Film anlaufen, von denen einer „Nine“ und der andere „9“ heisst? Ich stelle mir gerade die Gesichter des weiblichen Publikums vor, die an der Kasse Karten für das bonbonsüße Musical mit Nicole Kidman lösen wollten („Nine“) und sich dann in einem computeranimierten, postapokalyptischen Endzeitdrama mit sprechenden Stofftieren („9“) wiederfinden.

Denen wird vor Schreck glatt das Piccolöchen schal.

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Cinemaxx, Ihr habt´s echt nicht verstanden

Liebes Cinemaxx,

wenn ich Dir als Kunde Deine Arbeit abnehme, dann solltest Du mir eigentlich entgegenkommen und nicht auch noch höherer Eintrittspreise verlangen. Im Ernst: Du, Cinemaxx, bewirbst allerorten Dein voll-Supi Reservierungs- und Online-Kaufsystem und hättest gerne, dass das alle benutzen.

Vermutlich hauptsächlich deshalb, weil Du dann noch eine Abendkasse unbesetzt lassen könntest. Warum soll ich aber, wenn ich mit schon die Mühe mache und Deine Flashverseuchte, Augenkrebs erregende Website besuche, dort den Saalplan aufrufe, Dir meine Kontakdaten in den Rachen werfe und meine Kreditkarte mit ohnehin hohen Ticketpreisen belaste, auch noch 50 Cent „Onlineaufschlag“ pro Karte zahlen? Weil die Website noch nicht abbezahlt ist, oder was? Kann mir das bitte mal jemand erklären?

Da komme ich doch ins Grübeln. Zum Beispiel darüber, ob ein Film wirklich die geforderten 12,50 Euro wert ist. Dazu kommen noch 2 Euro für den Parkplatz. Für die altvorderen Milchmädchenrechner unter uns: Das hätten 29 D-Mark sein können. Für einen Kinobesuch. Am Kinotag, an dem es eigentlich billiger sein sollte. Oder geht billig nur Online nicht? Abgesehen davon: In Multiplex-Kinos steckt keine Liebe. Der Besuch ist dieser Tage geprägt von quasselnden Deppen, schlecht eingestellten Projektoren und scheppernden Lautsprechern. Und für dieses Ärgernis zahlt man so viel Geld?

Ich kann schon verstehen, warum Heimkinosysteme Hochkonjunktur haben.

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Entstellt

Ich mag Spiele, die Geschichten zu erzählen haben. Und ich mag Spiele, in denen ich Aussehen, Auftreten und evtl. sogar den Charakter meiner Spielfigur beeinflussen kann.

Nur: Warum bekommt es eigentlich kein Hersteller hin, seinen Spielen einen vernünftigen Charaktergenerator zu spendieren? Egal ob Guitar Hero, Rock Band oder Mass Effect: Stets schiebt man stundenlang irgendwelche Regler hin und her um Nasen, Ohren, Augen, Wangenknochen, Schultern, usw. zu verändern. Man investiert viel Zeit, sich zu überlegen, welche Frisur, Haar- und Augenfarbe wohl zum Spielcharakter passt. Und was kommt am Ende dabei raus? Ein Frankenstein. Schon nach dem Ziehen am dritten Regler sieht die Spielfigur bestenfalls aus wie Mick Jagger, der stundenlang mit einer Dachlatte vermöbelt wurde.

Aktuelles Beispiel: Mass Effect (1). Superambitioniertes Rollenspiel, Riesenwelten, tolle Story, blabla. Aber die eigene Hauptfigur sieht schon von der Stange aus wie ein Brandopfer auf Botox. Legt man dann noch selbst Hand an die Erscheinung, landet man schnell bei etwas, das aussieht wie Keith Richards, der von einem Laster überfahren und anschliessend laminiert wurde.

Geht gar nicht, sowas. Schon allein deshalb nicht, weil man in Mass Effect das Aussehen der erstellten buw. entstellten Figur NIE wieder ändern kann und sie von den Folgespielen, Mass Effect 2 und 3, übernommen wird. Und wer will schon in drei Spielen mit einem Rolling Stones-Wrack das Universum retten?

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