Reisen

Reisetagebuch Japan (4): Teamlab Borderless & Skytree

Reise nach Japan. Heute mit einer Straßenbahn die übers Wasser fährt, einer digitalen Welt und Dunkelheit, die durch eine Stadt schwappt.

Montag, 04. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Nicht nur das Hostelzimmer müllt zu, auch meine Hosentaschen. Mit Kleingeld. Japan hat ein ähnliches Preisniveau wie die Schweiz, und alles unter 50 Yen (ca. 40 Cent) kann man eigentlich nicht wirklich nutzen. Warum es überhaupt noch 10, 5 und 1 Yen-Stücke (das sind 0,8 Eurocent!) gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. In Geschäften wird man den Kram nämlich nicht einfach so wieder los, und aufgrund der ganzen schiefen Preise sammeln sich die Minimünzen rasant an. Da ich die immer in den linken Hosentasche habe, gehe ich schon ganz schief – und lasse deshalb erstmal eine Handvoll davon zu Hause.

Überhaupt, Bezahlung! Japan, so dachte ich immer, ist ein supermodernes Land. Dem ist aber nicht so. Klar, Japaner sind technikbegeistert, und selbstverständlich gibt es überall Glasfaser und schnelles LTE, aber in Sachen Kartenzahlung ist man hier noch schlimmer als in Deutschland.

In der Großstadt Tokyo geht es noch halbwegs, hier kann man zumindest in Hotels, Restaurants und Conbinis mit Karte zahlen, nur an Automaten und in kleinen Geschäften wird die Zahlung per Kreditkarte abgelehnt. Auf dem Land ist das schlimmer, da heißt es in vielen Restaurants und Hotels: Nur Bares ist Wahres. Japan ist, genau wie Deutschland, eine Bargeldgesellschaft.

Um wenigstens ein wenig von den Münzen wegzukommen, gibt es lokale Debitkarten. Das sind Plastikkarten, auf die man per Kreditkarte oder Bargeld einen Betrag speichern kann. Die Debitkarten kann man dann zum Bezahlen in Verkehrsmitteln und an Automaten verwenden. Problem dabei: Es gibt haufenweise Kartensysteme, und die Karten werden meist nur jeweils in einer Regions anerkannt. In Tokyo sind die verbreitetsten Karten die von Suica oder Pasmo.

Zum Glück hat mir Huhu seine Suica-Karte geliehen.

Wer braucht schon eine Apple-Card, wenn er eine Pinguin-Karte haben kann?

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Reisetagebuch Japan (3): Baumkuchen, Brüste und Igel

Reise nach Japan. Heute probiere ich japanischen Baumkuchen, amüsiere mich über deutsche Worte und stolpere in Kunstinstallationen.

VORBEMERKUNG: Japans konservative Gesellschaft ist patriarchal geprägt und hat ein großes Problem mit Sexismus und ein riesiges Problem was Frauenrechte angeht. Beides halte ich für hoch problematisch.

Ich versuche mit meinen Reisen und diesem Tagebuch zu entdecken und zu verstehen, wie andere Gesellschaften ticken. Da sexualisierte Darstellungen im Jahr 2019 fester und allgegenwärtiger Bestandteil der japanischen Kultur sind, komme ich um deren Beobachtung nicht herum. Das soll kein Selbstzweck sein, sondern wird vom Versuch begleitet, durch Beobachtungen auf gesellschaftliche Phänomene zu schließen. Das nur als Grund, weshalb es im Folgenden durchaus (Comic-)Brüste geben wird.


Sonntag, 03. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Beim Frühstück muss ich kurz das Gesicht verziehen. Meine Zunge gibt sich empört, weil Sie vermutet, ich hätte sich in Waschmittel gesteckt.

Nein, Zunge, das ist kein Waschmittel. Hier schmeckt nur einiges etwas anders, als wir es gewohnt sind. Der Joghurt zum Beispiel hat eine etwas andere, geradezu wässrige Konsistenz und schmeckt nicht nach den Aromen, die wir so kennen. Er schmeckt künstlich und so, wie manche Waschmittel riechen, und das empört meine Zunge.

Ich probiere ja gerne neue Sachen, aber in Maßen. So lange es sich vermeiden lässt, trinke ich keinen Grünen Tee zum Frühstück und esse dazu Fisch. Deshalb gibt es auch heute morgen für mich Rosinenbrioche und Instantkaffee, während sich Modnerd an Reisbällchen mit Fisch in Kombination mit einem seltsam rosafarbenen Getränk versucht.

Der Wohnbereich unseres Zimmers hat mittlerweile, nach einem Abendessen und zwei Mal Frühstück, Gemütlichkeit absorbiert. Oder anders ausgedrückt: Es müllt langsam aber sicher voll.

Seit zwei Tagen versorgen wir uns aus „Conbinis“, den kleinen Convenience-Stores, in denen es Fertignahrung gibt. Das ist bequem und vergleichsweise billig, produziert aber leider unglaublich viel Müll. Zumal man es in Japan mit Plastikverpackungen eh hat. Es ist unglaublich, aber ALLES gibt es hier in Wegwerfvarianten und eingepackt in Unmengen an Kunststoff. Sogar hartgekochte Eier werden geschält und dann in Plastik verpackt zum Kauf angeboten:

Völlig ungläubig haben wir gestern Abend eine Packung Kekse angestarrt, die sich Modnerd aus einem Conbini mitgebracht hatte. Drum herum war eine große, feste Plastikverpackung, innen drin war eine Halterung aus Kunststoff für die Kekse und JEDER EINZELNE KEKS war auch nochmal in Plastik verpackt. Völliger Wahnsinn, der sich beim Einkauf auch fortsetzt.

So bekommt man beim Einkauf in Conbinis zu allem Besteck dazu. Zu einem Fertigsalat eine Plastikgabel, verpackt in Plastik. Zu einem Joghurt gibt es einen Plastiklöffel, verpackt in Plastik. Dazu Servietten, natürlich verpackt in Plastik. Und man bekommt immer und überall Plastiktüten für seine Einkäufe.

Am Ausgang der Conbinis stehen sogar Mülleimer, in die man die frisch gekauften Plastiktüten gleich wieder entsorgen kann, wenn man sie nicht braucht. Aber mitnehmen muss man sie. Über diese Konvention setze ich mich jedes Mal hinweg. Ich habe meinen kleinen Tagesrucksack dabei und sogar eine Einkaufstasche aus Stoff und sehe es überhaupt nicht ein, die Plastebeutel mitzunehmen. Jedes mal wenn ich sage „Nonono“, wenn der Kassierer zum Plastikbeutel greift, werde ich erst ungläubig angesehen, dann folgt seltsames Gemurmel, und manchmal wird dann jeder einzelner Artikel mit farbigem Klebeband als „bezahlt“ markiert.

Die Ernährung auf Conbinis ist natürlich nicht gesund. Zwar gibt es auch fertig abgepackte Reisgerichte und Salate, aber die meisten Fertiggerichte sind zu süß und zu fettig. Interessant ist es natürlich schon mal zu probieren, wie japanischer Baumkuchen eigentlich schmeckt.

Auflösung: Nicht nach Baumkuchen. Das ist auch kein echter Baumkuchen, sondern lediglich ein profaner Rührkuchen, auf den mit Lebensmittelfarbe Ringe aufgemalt wurden.

Modnerd und ich fahren mit der Metro in den Stadtteil Akihabara.

Auf den Bahnsteigen ist auf dem Boden markiert, wie man in zwei Schlangen rechts und links vor einer dicken Markierung warten soll. An der dicken Markierung kommen exakt die Türen der Züge an. Manchmal sind die Markierungen gelb, manchmal grün. Keine Ahnung was das bedeutet. Was ich aber weiß: Wenn die Markierungen schreiend pink sind, dann darf ich dort nicht einsteigen.

Pink bedeutet, dass dort ein Wagen hält, in den nur Frauen einsteigen dürfen. Japan hat so gut wie keine Kriminalität, aber „Groping“, das Befummeln und Betatschen von Frauen in vollen Bussen und Bahnen, ist ein echtes und verbreitetes Problem. Die Wagen nur für Frauen gibt es auf den Hauptlinien der Tokioter Metro und sind ein etwas verzweifelt scheinender Versuch, Frauen zu schützen.

In Akihabara angekommen stellen wir fest, dass der Bahnhof zwitschert. Wirklich, wir hören Vogelgezwitscher aus den Lautsprechern. Damit wird blinden Menschen der Weg zu den Ausgängen gewiesen, unmittelbar vor Treppen zwitschert es am Lautesten. Jeder Bahnhof hat einen anderen Vogelruf.

Außerdem hat jede Haltestelle der Metro in Tokyo eine eigene Melodie, die immer beim Einfahren eines Zuges erklingt. Modnerd, der sehr auf Akustik steht, zeichnet die Bahnhofsgeräusche mit einem kleinen Soundrecorder auf. Was er da so aufnimmt, kann man in seinem Podcast unter schoene-ecken.de nachhören, dort wird diese Reise in drei Folgen besprochen.

Beim Verlassen des Bahnhofs wird sofort klar, wo wir hier sind. Akihabara ist bekannt für zwei Dinge: Erstens für Comics und Comicfiguren und zweitens für Unterhaltungselektronik. Was es in diesen Bereichen gibt oder jemals gegeben, kann man hier kaufen, egal wie absurd es ist.


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Reisetagebuch Japan (2): Irgendwas mit Architektur

Reise nach Japan. Heute erprobe ich japanische Toiletten, nähere mich Tokyo und warte darauf, dass mein Reisegefährte Modnerd verhaftet wird.

Samstag, 02.11.2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Als ich die Augen aufschlage, sehe ich den Boden eines Etagenbetts über mir. Ich weiß sofort wo ich bin: In Japan! Die gestrige Reise ein Mal um die Welt war kein Traum!

Ich habe wie ein Stein geschlafen, stelle ich fest, und jetzt bin ich putzmunter. Es ist es kurz vor 08:00 Uhr, zuhause in Deutschland wäre jetzt erst Mitternacht. Cool, keinerlei Jetlag!

Kurz darauf und etwas später sitzen Modnerd und ich in der Wohnecke des 4-Bettzimmers, das wir für uns allein haben. Das ist purer Luxus, immerhin sind wir hier in einem Hostel. Nebenan schlafen acht Leute in einem Raum der nur halb so groß ist und in dem jeder hat nur eine Schlafkoje mit einem Vorhang hat. Und wir haben hier sogar eine Sitzecke und einen Balkon.

Was wir nicht haben: Eine normale Zimmerdecke. Aus irgendeinem Grund ist unser Zimmer nach oben offen. Man kann ins nächste Stockwerk durchgucken, das aus einem kleinen Raum besteht, der wie ein Turm oben aus dem Haus raussteht.

Im Supermarkt habe ich mir gestern Instant-Kaffee und einen Rosinenbrioche gekauft. Modnerd ist ein wenig exotischer drauf und hat zum Frühstück giftgünen Instant-Tee und ein Brötchen mit süßer Pasta. Er kauft perverseste Dinge, unter dem Vorwand sich an lokale Geschmäcker anzupassen. Ich beäuge seine Frühstücksauswahl betont mißtrauisch. „Schmeckt gut“, behauptet Modnerd demonstrativ.

Frühstück für Helden? Frühstück für Wikinger sieht in Japan verdächtig nach Karies aus:

Was unsere Luxussuite neben einer Zimmerdecke auch nicht hat: Ein Badezimmer. Im Erdgeschoss des Hostels, neben dem Gemeinschaftsraum, sind ein paar Duschen, und im Gang vor unserem Zimmer sind Waschbecken und Toiletten, die wir gemeinsam mit Backpackern aus aller Welt nutzen.

Die Toiletten sind natürlich das Besondere. Japanische Toiletten sind Hightech-Produkte, die äußerst sparsam mit Wasser umgehen, sich selbst desinfizieren und so beschichtet sind, dass nichts am Becken kleben bleiben kann – eine Klobürste ist unnötig.

In der Regel ist die Klobrille beheizt, und gespült wird über ein Kontrollfeld an der Wand oder direkt neben der Toilette. Allerdings sollte man sich vorher mit den Symbolen auf dem Tastenfeld vertraut machen, sonst kann man seltsame Überraschungen bis hin zum ungewollten Einlauf erleben.

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Reisetagebuch: Japan (1)

Im Herbst 2019 verschlägt es Herrn Silencer nach Japan. Die Reise findet ohne Motorrad statt, weswegen die nächsten Teile, die immer Samstag erscheinen, nicht im Motoblogger-Reddit auftauchen werden. Auch ohne zwei Räder: Abenteuerlich wird es trotzdem.

Donnerstag, 31. Oktober 2019, Götham

Man, bin ich müde.

Müde, weil ich wenig geschlafen habe und schon seit 6:30 wach bin.

Dabei ist heute Feiertag, Reformationstag, der 31. Oktober. Ich habe also frei und könnte ausschlafen. Aber das wäre erstens nicht gut und zweitens bin ich jetzt doch ein wenig aufgeregt.

Zum wiederholten Male checke ich Webseiten.
Bus? Fährt.
Bahn? Fährt, wenn auch verspätet, was für eine Überraschung.
Flieger? „Heute ist ein hohes Reiseaufkommen, planen Sie mehr Zeit für den Checkin ein“, meldet der Flughafen, sonst aber alles gut.

Ich mache den Rechner aus, stelle die Heizung ab und klicke dann die Sicherungen der Wohnung raus. Dann zippe ich den Rucksack zu. Alles, was ich für drei Wochen brauche, ist da drin.

Verreisen mit möglichst minimalistischem Handgepäck, das habe ich ursprünglich mal von Kalesco und Modnerd gelernt. Während Modnerds Gepäck dann im Laufe der Jahre immer voluminöser wurde, entlang den immer handgepäckfreundlicheren Regeln von Ryan Air, ist meines immer noch weiter geschrumpft.

Nach jeder Reise gucke ich genau, was ich nicht gebraucht habe und was beim nächsten Mal zu Hause bleiben kann. Hier was weglassen, da ein paar Gramm einsparen, dort ein Teil durch etwas leichteres ersetzen.

Zwei Erkenntnisse daraus:
1. Aus vielen, wenigen Gramm, die man hier und da einspart, wird irgendwann ein Kilo und das kann entscheidend sein.
2. Ich brauche unterwegs nicht viel.

Die Bonuserkenntnis: Ich bin kein Rollkoffertyp.

Ich habe es echt versucht, aber ich kann mich mit den Dingern nicht anfreunden. Griffmechanik und Rollen sind zusätzliches Gewicht und nehmen Platz weg, was mir schon in der Seele weh tut. Und man hat die Hände nicht frei, wenn man ein Köfferchen ziehen muss. Deshalb bin ich mit einem Gepäckstück unterwegs, das leicht ist, und mit dem ich – anders als bei Rollkoffern – die Hände frei habe.

Zum ersten Mal verwende ich Packing Cubes, ultraleichte Reißverschlusstaschen, um Klamotten im Rucksack nach Ober-/Unterbekleidung und Schmutzwäsche zu trennen. Sowas hatte ich bislang nicht, nach alter Moppedfahrermanier habe ich bislang meine Klamotten immer in Müllbeutel verpackt, weil die wasserdicht und superleicht sind. Aber gut, ich muss zugeben, mit den Cubes sieht es ordentlicher aus.

Ich bin auch deshalb müde, weil ich ein wenig kränkele. Ich werde ja nie krank, aber vorgestern Nacht bin ich stundenlang bei Temperaturen nahe Null und viel zu leichter Bekleidung durch die Gegend gerannt. Eine Hausmeisterin fand es wohl witzig, den Parkplatz der Volkshochschule abzuschließen, während die Schüler noch drauf standen, nur um dann Feierabend zu machen. Fast eineinhalb Stunden bin ich durch die Kälte gerannt bis ich endlich jemanden gefunden hatte, der mein Auto vom Parkplatz lassen konnte. Scheiß Aktion. Die Quittung dafür: Husten und verschnupfte Nase. Mist.

Ein letzter Blick zurück. Huhu, der Blogpinguin, wird in meiner Abwesenheit auf alles aufpassen. Jetzt hat er es sich auf der Couch bequem gemacht und winkt zum Abschied.

Ich schließe die Wohnung ab und mache mich auf den Weg zum Bus.
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Teaser

Kleiner Vorgeschmack auf die Orte, an die es das Reisetagebuch in den kommenden Wochen verschlägt. Die neuen Episoden erzählen das Abenteuer, wie der Dorfmensch Herr Silencer versucht sich in einer 38 Millionen-Metropole zurecht zu finden, dabei Dinge über Roboter und Idole lernt, Banden von kriminellen Hochqualitätsbambis begegnet und irgendwann völlig nackt und fiebrig auf einem herbstlichen Berg steht. Nun, vielleicht nicht beides gleichzeitig.

All das und mehr ab Samstag. Hier im Blog.


Frühere Meisterwerke der Videokunst:

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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (18): Ich bin ein menschlicher Tintenfisch

Sommerreise mit der V-Strom. Heute geht´s hoch hinaus, dann nach Hause.

Freitag, 28. Juni 2019, Großglockner Hochalpenstraße

Die Hochstraße ist jetzt nicht mehr ganz so voll, und die Motorräder fahren schön gereiht hintereinander her. Also, die meisten.

Die Parkverwaltung bittet darum langsam, vorsichtig und leise zu fahren. Das tun auch fast alle, aber selbstverständlich gibt es Ausnahmen. Einige Kradfahrer sehen in der Hochalpenstraße wohl sowas wie eine Rennstrecke, auf der sie eine neue persönliche Bestzeit aufstellen müssen. Ich hatte schon befürchtet, dass alle paar Meter so ein Held hinter mir hängt und drängelt, und obwohl ich zügig unterwegs bin, ist es natürlich genau so.

Sogar noch schlimmer, es gibt auch jede Menge unzivilisierte Gruppen, wo einer vorne weg rast (Held) und die dahinter krampfhaft versuchen Anschluss zu halten. Die letzten, das sind dann die schwächsten Fahrer, und die versuchen verzweifelt Anschluss zu halten und fahren sich haarsträubenden Scheiß zusammen, schneiden Kurven und gefährden dabei sich und andere. Das, meine Damen und Herren, ist nicht wie Gruppenfahrten funktionieren sollten.

Ohnehin sind viele richtig schlechte Motorradfahrer unterwegs. Insbesondere Niederländer fallen dadurch auf, dass sie ihre Maschinen um die Kurven tragen. Dieses Prachtexemplar hier eiert zum Beispiel völlig ohne jede Schräglage und in Schrittgeschwindigkeit um die Kurven.

Trotzdem ist die Fahrt durch diese großartige Landschaft fantastisch. Links und rechts tun sich immer wieder Ausblicke auf, die ich ganz tief in mir aufsaugen und nie vergessen möchte. Schneefelder bedecken sattgrüne Wiesen, Seen stehen in kleinen Tälern und Wasserfälle aus Schmelzwasser sprudeln über Felswände.


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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (17): Die große Poperze

Sommerreise mit dem Motorrad. Heute geht es in die Alpen, ein lang gehegtes Vorhaben gelingt und endet in Wut.

Freitag, 28. Juni 2019, Villa Maria Luigia, Veneto

Ich sitze an meinem Tisch im Frühstücksraum der Villa Maria.

Vor drei Jahren habe ich exakt hier, an diesem Tisch, die Nachrichten aufgemacht und völlig geschockt lesen müssen, dass die Briten für einen Austritt aus der EU gestimmt haben. Was mich wohl heute morgen für Horrornachrichten erwarten?

Oh. Sowas. Naja, ist ja halb so schlimm. Ives Besessenheit hat in den letzten Jahren Apples Produkte eher schlechter als besser gemacht.

Sara steckt den Kopf durch die Tür. „Es tut mir leid, es gibt keinen Kaffee heute Morgen.“
Nnnnnnnooooooooiiiiiiiinnnnnn!!!!!!!!!

„Sorry, die Maschine ist kaputt“, sagt Francesco. Söhnchen Carlo sitzt auf dem Bartresen und sieht mit großen Augen zu, wie sein Vater an der schrankwandgroßen Espressomaschine herumschraubt, die aber keinen Mucks tut.

Na, dann keinen Kaffee, nur Abschied. „Bis zum nächsten Mal?“, fragt Sara. Ich ziehe die Schultern hoch. „Wir werden uns sicher wieder sehen. Aber ich weiß noch nicht wann“, sage ich.

Ich spüre das schon die ganze Fahrt über: Ich habe Italien durchgespielt. Auch wenn ich manche Menschen hier wirklich sehr in mein Herz geschlossen habe und sie am Liebsten ständig besuchen würde, ich brauche jetzt mal was anderes.

Das Motorrad ist bereits beladen und steht vor der Tür in der Morgensonne.
Sara, Francesco und Carlo stehen vor der Villa und winken mit nach, als das Motorrad startet und über den Gartenweg hinaus auf die Landstraße rollt.

Der Berufsverkehr im Veneto ist wie immer dicht und klebrig, aber Motorräder dürfen in Italien ja zum Glück fast alles. Mit dem üblichen und tolerierten an-roten-Ampeln-bis-ganz-nach-vorne-fahren, im-Überholverbot-überholen usw. komme ich leidlich schnell voran.

Anna hilft nach Kräften mit. Die MOtorrad-KI hat Baustellen und Unfallmeldungen aus dem Netz gefischt, die sie mir nun ins Ohr sagt. Wir einigen uns darauf, dass wir ein kurzes Stück Autobahn fahren, um nicht stundenlang auf irgendwelchen Dörfer an Ampeln zu warten. Die 3,60 Euro für die Maut kann ich mir gerade noch leisten.

Schnell geht es in die Berge. San Biagio di Callalta liegt nicht weit vom Alpenrand entfernt, und als ich von der Autobahn abfahre, bin ich schon mittendrin in den Bergen.

Bild: Google Earth 2020.


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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (16): L´Arsenale

Auf Sommertour mit dem Motorrad. Heute schmelze ich.

Donnerstag, 27. Juni 2019, San Biagio di Callalta
„Hast du wieder Unterricht genommen? Dein Italienisch ist besser geworden.“ Ich verschlucke mich vor Lachen fast am Kaffee, blicke Sara mit hochgezogenen Augenbrauen an und sage „Adulatrice“, Schmeichlerin. „Nee, für Volkshochschule habe ich keine Zeit gehabt. Aber ich hatte in den vergangen drei Wochen jeden Tag Gelegenheit zum Sprechen. Jetzt spreche ich zwar kein besseres Italienisch, aber mein schlechtes Italienisch spreche ich schneller und flüssiger“. Sara lächelt. „Und, wo geht es heute hin?“, fragt sie.

„Ich will mir mal das Arsenale ansehen“, sage ich. Sara verzieht das Gesicht. „Warst Du da noch nicht?“ Ich schüttele den Kopf. „Noch nie. War immer zu.“ „Dann lass es heute sein. Es ist einfach zu heiß. Bei dem Wetter stinkt Venedig. Das ist auch nicht gesund.“

Ich muss grinsen ob der Fürsorglichkeit. „Ich bleibe nur kurz in der stinkenden Stadt, und dann komme ich zurück und verbringe den Rest des Tages mit Schlafen.“ Sara lächelt und sagt „Klingt nach einer Soluzione ottima„.

Ich sattele die V-Strom und fahre kurz darauf über den breiten Gartenweg von Saras „Villa Maria Luigia“ hinaus auf die Landstraße.

Eine Stunde führt die Fahrt quer durchs Veneto. Statt der Schutzhose und Stiefeln trage ich heute morgen nur Jeans und Trekkingschuhe zur Motorradjacke, aber es ist schon so warm, das ich die Ärmel der Jacke bis zum Ellenbogen aufmache, um mehr Fahrtwind ab zu bekommen. Meine Güte, wenn das um kurz vor 8 schon so warm ist, was soll das im Laufe des Tages noch werden?

Sechzig Kilometer südlich San Biagio di Callalta und im Westen der Lagune von Venedig liegt Punta Sabbioni, Sandspitze. Hier gibt es schattenspendende Wellblechbauten, unter denen ich die Barocca parke. Gegen ein kleines Entgelt von fünf Euro passt eine Dame den ganzen Tag auf das Motorrad auf.


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Reisetagebuch 2019 (15): La Stamperia

Auf Sommerreise mit dem Motorrad. Heute mit einem Besuch beim zweitältesten Gewerbe der Welt.

Mittwoch, 26. Juni 2019, Agriturismo Cupello, Cagnano AmiternoA
Tag zwei der Transitreise gen Norden. Schon um kurz nach 8:00 Uhr ist die Barocca, die die Nacht neben dem schicken Tiger verbracht hat, wieder beladen und wenig später auch auf der Straße.

Weiter geht es nach Norden, aber weiterhin ausschließlich auf Landstraßen und durch die Berge. Viele Straßen gibt es hier nicht, weshalb ich wieder durch Rieti und Terni komme, wie schon auf der Fahrt in Richtung Süden. Ist das wirklich erst neun Tage her? Kommt mir viel vor, als wäre ich Wochen in Süditalien unterwegs gewesen. So fühlt sich das an, wenn es so viel zu sehen gibt und man jeden Tag woanders ist.

Bild: Google Earth 2020.

Über die gewundenen Straßen geht es nur langsam voran, besonders in Umbrien. Hier sind die Straßen kaputt und haben teils riesige Schlaglöcher. Es ist ratsam, hier vorsichtig und mit bedacht zu fahren. Zum einen wegen der Schlaglöcher selbst, in denen man sich leicht die Ränder ruinieren kann, zum anderen, weil die Straße stellenweise voller Metallteile liegt, die Autos beim Durchfahren der Löcher verloren haben. Überall liegen Schrauben, Bolzen, abgerostete Auspuffteile und an einer Stelle sogar ein Scheinwerfer eines Fiat Panda.

Erst gegen Mittag erreiche ich die Marken. Die Landschaft besteht hier aus grünen Hügeln, die aber steiler sind als in den Regionen weiter westlich, wie Umbrien oder der Toskana. Von oben sieht die Landschaft aus, als hätte jemand ein Blatt Papier genommen, zusammengeknüllt und dann wieder glattgestrichen.

Wenn man mitten drin ist, wirkt sie wie eine Toskana auf Steroiden, alles etwas übertriebener und stellenweise mit schroffen Felskämmen durchzogen.

Der Nordteil der Marken.
Bild: Google Maps 2020.

Auf einem dieser Felskämme, dem Monte Titano, liegt San Marino, das aus der Ferne grüßt.

Jetzt bin ich in der Emilia Romagna, der motorradtechnisch zweitlangweiligsten Region Italiens, gleich nach Apulien. Normalerweise bin ich froh hier durch zu sein, denn die Region ist nicht nur langweilig zu fahren, sie ist auch eines der Wirtschaftszentren des Landes, mit entsprechend dichtem und schlimmen Verkehr. Heute freue ich mich auf den Besuch, denn in Gambettola werde ich schon erwartet. Der kleine Ort liegt nur 10 Kilometer von der Stadt Cesena entfernt und ist einfach ein schmuckes Örtchen. „Schmuckes Örtchen“ ist hier synonym für: Modern, sauber, ein netter Platz zum Leben – und sterbenslangweilig.

Ich stelle das Motorrad auf dem Platz vor dem Rathaus ab. Es ist 14:00 Uhr, die Sonne brät vom wolkenlosen Himmel herab und es ist einfach pervers heiß.


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Reisetagebuch 2019 (14): Italian Highway

Sommertour mit dem Motorrad. Heute mit einer Wiederholung.

Dienstag, 25. Juni 2019, Pomarico

So.
Das war also Süditalien, denke ich, als ich in der Morgensonne auf der Dachterasse stehe und über die Weite der Basilicata schaue.

Den Norden Italiens kenne ich ja ohnehin quasi auswendig, und mit den Fahrten im vergangenen und diesem Jahr war ich nun auch in jeder Region im Süden. Nicht nur Kreuz und quer und mittenmank, sondern auch ein Mal ganz drum rum. ich bin jetzt zusammengenommen zwischen 2012 und 2019 auch einmal ganz um die gesamt Küstenlinie des Stiefels gefahren, von Ventimiglia im Nordwesten einmal ganz runter, um die Stiefelspitze herum, an der Schuhsohle entlang, um den Hacken und dann an der Ostküste wieder zurück. Diese Tour hat die letzte Lücke geschlossen, und nun war ich zumindest in jeder größeren Stadt in Kampanien, Kalabrien, Basilicata und Apulien. Gut, bis auf Potenza, aber da will auch niemand freiwillig hin.

Heute geht es wieder gen Heimat, und ehrlich gesagt bin ich darüber ein kleines Bisschen froh. Seit fast drei Wochen bin ich auf Tour, jeden Tag bei Temperaturen zwischen 32 und 40 Grad. Das laugt auf die Dauer ein wenig aus und dämpft die Lust am Entdecken von Neuem. Nein, heute ist ein guter Zeitpunkt, um nicht noch weiter weg zu fahren (was auch geografisch gar nicht ginge), sondern so ganz langsam den Heimweg anzutreten.

Wobei… „langsam“ gen Heimat ist gut. Ich habe mir vorgenommen, bis morgen Abend 1.000 Kilometer zurückzulegen. Heute bin ich ganz am Ende des italienischen Stiefels, morgen will ich in der Nähe von Venedig sein. Und das alles ohne Autobahnen zu benutzen, nur über Landstraßen. „16 Stunden und 43 Minuten“, rechnet Anna mir als Dauer der Fahrt vor. Na dann. Heutige Etappe fast 500 Kilometer, rund siebeneinhalb Stunden. Netto, ohne Pause.

Ich kicke den Seitenständer weg, starte den V-Twin und steuere die Barocca vom Hof des Colle di Siesto. Mach´s gut, Gasthof, ich komme bestimmt irgendwann mal wieder.

Vom Berg runter, auf dem Pomarico liegt, und drauf auf die Landstraße. Ich fahre ganz bewusst ziemlich genau in der Mitte des Stiefels nach oben, das kenne ich noch nicht.

Der erste Abschnitt führt durch Apulien. Die Region ist ja größtenteils flach wie ein Brett und damit eigentlich in Sachen Motorradfahren die langweiligste Region Italiens, aber ich muss sagen: Die goldenen Kornfelder, die Höfe und winzigen Orte auf ihren Hügelchen und diese Straße, die schnurgerade bis zum Horizont führt, das hat schon was.

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Reisetagebuch 2019 (13): Der niesende Wächter

Montag, 24. Juni, Pomarico
Müde quäle ich mich aus dem Bett. Ich kann nicht schlafen, wenn es hell ist, und seit Sonnenaufgang strahlt die Sonne wie ein Todeslaser ins Zimmer. Die Vorhänge, die nur die Größe und Dichte von gehäkelten Topflappen haben, halten sie nicht wirklich davon, ab mir die Netzhaut durch die geschlossenen Lider zu verbrennen.

Als ich aufstehe, ist es noch angenehm kühl. Pomarico liegt 500 Meter über dem Meer, und das merkt man. Außerdem ist es ist erst kurz vor Sieben, das kann auch ein Grund für die Frische der Luft sein. Sieben Uhr. Zuhause stehe ich freiwillig nicht so früh nicht auf. Aber ich bin ja auch nicht zum Spaß hier.

Im Restaurant im Erdgeschoss des Colledisiesti ist ein einzelner Tisch gedeckt, für den einzigen Übernachtungsgast – mich. Es gibt ein frisch gebackenes, mit Nütella gefülltes Blätterteig-Ding, Kekse, einen Joghurt, Birnensaft und einen Caffé Doppio. So fängt der Tag gut an, aber was fange ich jetzt mit dem Tag an?

Erst einmal checke ich das Motorrad kurz durch. Immerhin sind wir nun schon seit drei Wochen unterwegs und haben seither gut 4.000 Kilometer zurückgelegt, da sollte man mal nachsehen, ob noch alles OK ist.

Ölstand ist OK, Öl im Kettensystem ist auch noch genug, Profil der Reifen ist OK und ohne Beschädigung, alle Lampen leuchten wie sie sollten, Gabel ist dicht und auch sonst suppt nirgendwo irgendwas raus, alle Teile am Gepäckträger sind fest… sieht alles gut aus. Ich verspüre eine gewisse Dankbarkeit, dass mich die V-Strom bislang noch nie im Stich gelassen hat. Sie ist schon etwas älter, aber gut gewartet und hat bislang noch nie auch nur die kleinsten Anzeichen von Zicken gezeigt.

Die Kette ist etwas zu fest für meinen Geschmack, aber das hat die Werkstatt schon so eingestellt, das muss gut sein. Sorgen bereitet mir nach wie vor das mahlende Geräusch am Hinterrad. Anfangs trat das nur bei lockerer Fahrt bergab auf, mittlerweile höre ich es dauernd. Nicht so toll, aber ich beschließe, mich davon nicht nerven zu lassen. Falls es das Radlager ist, muss das halt entweder noch bis nach Hause halten oder sich wirklich mal entschließen kaputt zu gehen, dann kann ich mit der V-Strom beim nächsten Dorfschmied vorstellig werden. Aber dieses nichts-Halbes-und-nichts-Ganzes, damit braucht es mir nicht zu kommen.

Dann geht es los, zuerst Landstraße vom Berg runter. Eine Halbe Stunde lang genieße ich das Dahingleiten alleine auf der Bergstraße, bei dem mir kaum ein Auto begegnet. Aus der Ferne kann ich den Gasthof neben dem großen Funkmasten sehen.

Aus Annas Speicher habe ich die Tour vom vergangenen Jahr gezerrt, die mich von hier in die Städte Tarent und Gallipoli führen sollte. Das ist dann aber wegen Wetters ausgefallen, statt Städte zu besichtigen habe ich Stürme gejagt. Aber heute ist Wetter super, also warum nicht den Ausflug nachholen?

Tarent liegt genau am Ansatz des Hackens vom Stiefel:

Die Altstadt von Tarent liegt auf einer Insel in der Mündung zu einem See. Die Brücke wird von einer mächtigen Aragonerfestung bewacht.

Lage von Tarent. Bild: GoogleMaps 2020

Das hört sich voll romantisch an, ist es aber leider nicht.

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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (12): Die Geisterstadt auf dem Wabbelberg

Sommertour mit dem Motorrad. Heute mit einem spannenden Ausflug in die Welt der Symbologie.

Sonntag, 23.06.2019, Fabrizio, Kalabrien
Um 07:30 springe ich schon im Zimmer rum und packe die Sachen. Um diese Uhrzeit ist wenigstens die Temperatur noch halbwegs erträglich, zumal ich im Zimmer des kleinen Hotels von der Morgensonne nicht viel mitbekomme. Die Fenster sind bedampft und filtern die Sonne, und die Klimaanlgae läuft auch schon.

Die Hemden und Unterwäsche, die ich gestern Abend auf den Balkon gehängt habe, sind heute Morgen knochentrocken. Oh, und der Opa, der letzte Nacht vor dem Fernseher auf dem Balkon am Haus gegenüber eingeschlafen ist, sitzt da schon wieder da. Oder immer noch? Man weiß es nicht. Immerhin hat er jetzt wieder ein Feinripphemd und Unterbuchsen an und sitzt nicht mehr völlig nackig vor der Kiste.

Ich packe meinen Kram zusammen. Das ist ein immer gleich ablaufendes Prozedere und in Minuten erledigt. Alles hat seinen Platz, alles passt tetrismäßig ineinander, und am Ende haben beide Koffer das genau richtige Gewicht, um austariert an der V-Strom zu hängen. Der rechte Koffer ist ein Kilo leichter als der Linke, weil er wegen des Auspuffs weiter außen hängt. Wären beide Koffer genau gleich schwer, fängt die Maschine ab 140 an zu pendeln. Musste ich auch erst lernen und mich an die richtige Verteilung rantasten, das war die große Erkenntnis im vergangenen Jahr.

Frühstück findet im Freien statt, auf der Terrasse vor dem Haus.

Die Dame des Hauses zeigt mir das große Frühstücksbuffet, das in einem Nebenraum im Keller aufgebaut ist: Frische Feigen neben Äpfeln, Trauben und Bananen, und auch Rührei gibt es und satte sechs Sorten Kuchen. Darunter so interessante Sorten wie Topfkuchen mit Minze, Apfelkuchen und Ricotta-Schokoladenkuchen. Die hat die Chefin selbst gebacken, und die muss ich leider alle probieren, auch wenn ich danach Sodbrennen haben werde.

Unter den Augen der anderen Hotelgäste belade ich kurz darauf die Barocca, die nur wenige Meter von der Frühstücksecke die Nacht verbracht hat, dann lasse ich den Motor an und rolle an Frühstückstischen und Hollywoodschaukeln vorbei auf die Straße.

Hier halte ich noch einmal kurz, nehme eine Plastiktüte von der Rückbank und stopfe deren Inhalt in einen Müllbehälter an der Strandpromenade. Es sind die eklig nach Chemie stinkenden Badelatschen, die ich in San Vincenzo gekauft habe. Gestern war die letzte Gelegenheit zum Baden, und jetzt will ich die Chemiepest keine Sekunde länger mit mir rumfahren. Die Teile haben nicht nur viel Platz weggenommen, sie haben auch alle anderen Sachen im Koffer vollgestunken.

Als das erledigt ist, mache ich mich so richtig auf den Weg. Die V-Strom rollt aus dem kleinen Ort Fabrizio und auf eine größere Landstraße. Oh, was ist das denn? Der rechte Blinker tackert viel zu schnell. Vorne funktioniert die Lampe, also ist wahrscheinlich die hinten rechts durch. Naja, egal. Wir sind in Italien, hier braucht kein Mensch einen Blinker.

80 Kilometer geht es auf der Strada Statale an der Küste unterhalb der Fußsohle des italienischen Stiefels lang, dann führt uns Anna ins Landesinnere.


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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (11): Die ungleichen Schwestern

Sommertour mit dem Motorrad. Heute geht´s weiter durch Hitze und Staub.

Samstag, 22.06.2019, San Sostene, Kalabrien
Es ist erst kurz vor 08:00 Uhr, aber die Sonne brennt schon wieder wie ein Heizstrahler vom Himmel herab. Die Hitze liegt bereits wie eine Decke über der staubigen Landschaft von Kalabrien.

Unter meinen Stiefel knirscht der Sand, als ich die Koffer zum Motorrad bringe. Ein Windstoß fegt eine Staubwolke durch die Einfahrt.

„Il Cipresso al Mare“, der Hof der beiden Schwestern Riccarda und Raffaela, besteht aus einem winzigen Häuschen, in dem die Schwestern wohnen, und mehreren, uralten Stallgebäuden aus Natursteinen. In einem davon ist die kleine Wohnung, in der ich übernachtet habe.

Ein Stück dahinter ist eines, das früher vielleicht mal eine Backstube war, und in dem sich nun eine der Frühstücksraum und eine kleine Küche befinden. Die Wände sind grob verputzt, der Raum ist gemütlich eingerichtet mit Möbeln aus dunklem Holz und Korbgeflecht.

Als ich den Raum betrete, begrüßt mich Riccarda, mit Ende Zwanzig die jüngere der beiden Schwestern. Sie zeigt mir den Tisch, den sie für mich gedeckt hat. Auf italienisch erläutert sie: „Und hier ist Butter, das da links auf dem Tisch ist Marmelade, und da rechts Wurst und Käse und ein Joghurt. In dem kleinen Kühlschrank auf der Ablage ist Milch und Saft, falls Du möchtest. Ich hole dir einen Caffé“, sagt sie und verschwindet hinter einem Vorhang aus Holzperlen. „Doppio, bitte“, rufe ich ihr hinterher.

Das Frühstück ist… Wow. Sogar Bruschetta gibt es, frisch angebratenes Brot mit Tomatenschnitzen und Knoblauch, und eine aufgeschnittene und schön in Form gelegte Kiwi. Ich bewundere alles ausgiebig. Das ist toll, Riccarda hat sich echt Mühe gegeben.

In dem Moment kommt Raffaela, Riccardas Schwester, zur Tür hereingesprungen. Sie trägt Hotpants und ein bauchfreies Hemdchen, das sie unter der Brust verknotet hat. „Guten Morgen!! Ich zeig dir alles!!!“, ruft sie, wedelt eine Hand in Richtung des Kühlschranks mit dem Saft drin und ruft „Hier, da, da ist Joghurt und Wurst und sowas!“

„Da ist KEIN Joghurt drin“, tönt es von hinter dem Perlenvorhang, aber Raffaela ist nicht zu stoppen. „Und hier ist Honig, selbstgemacht! Wir haben nämlich auch Bienen! Ich bin gut im Honig machen! Und hier ist Marmelade!“ „Ich weiß“, nuschele ich und deute auf das Marmeladenbrot, dass ich gerade zwischen den Zähnen habe. „Du hast die Marmelade ja schon entdeckt!“, ruft Raffaela. „Und? Ist sie gut??“

„Sehr gut“, sage ich. Raffaela quietscht, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und dreht sich einmal um sich selbst. „Er mag meine Marmelade“, ruft sie und hüpft auf und ab. In ihrer überbordenden Freude erinnert sie ein wenig an einen jungen Hundewelpen. „Ich bin voll gut in sowas! Ich kann Marmelade und Honig und Wein machen und Rasenmäher reparieren und Häuser renovieren! Hat Dir Dein Zimmer gefallen?“, fragt sie. Ich nicke. „Das ist total schön“, sage ich. Raffaela quietscht wieder und hüpft auf und ab. „Das habe ich renoviert und eingerichtet!“, ruft sie.

Unvermittelt beugt sie sich vor, stützt beide Hände auf die Tischplatte und hält mir dadurch ihr Dekolleté direkt vor die Nase. „Und der Honig? Wie ist der?“ In diesem Moment kommt ihre Schwester mit dem Kaffee zurück und sagt „Nun lass ihn doch mal in Ruhe frühstücken!“ Als sie mir die Espressotasse hinstellt, wirft sie ihrer Schwester einen augenrollenden Seitenblick zu.

„Wir sind sehr… ungleich“, sagt sie auf deutsch, wohl wissend, dass ihre Schwester keine Fremdsprachen spricht. „Ist mir gestern schon aufgefallen“, sage ich.

Raffaela kramt neben dem Kamin in einer Kiste herum, in die sie sich schon fast demonstrativ hineinbückt und dabei die Hotpants einer Belastungsprobe unterzieht. Ich tue so, als ob ich das nicht bemerke. Riccardas Seitenblicke auf ihre Schwester sind jetzt eher peinlich berührt, was mich wiederum grinsen lässt. „Intelligence is sexy“ sage ich. Jetzt lächelt Riccarda, während Raffaela sich aufrichtet, verwirrt guckt und fragt „Was?“. Dann hört sie ein Geräusch in der Einfahrt und eilt nach draußen.

„Habt ihr schon immer hier gelebt?“, frage ich. Riccarda schüttelt den Kopf.“Nein, meine Familie ist eigentlich aus Sizilien, aus der Nähe von Agrigent“, sagt sie und verschwindet in der Küche. Die Region um Agrigent kenne ich, da….

„…da ist nicht viel“, beendet Riccarda meinen Gedanken. Sie taucht wieder aus dem Perlenvorhang auf, lehnt sich an den Türrahmen und hat nun selbst eine Tasse Kaffee in der Hand. „Viel Arbeitslosigkeit, schlechte Jobs. Darum haben wir beschlossen es hier zu versuchen. Wir haben diesen alten Bauernhof übernommen. Wir renovieren ihn, Stück für Stück, Gebäude für Gebäude, ganz allein.“ -„Wow“, sage ich und meine es auch so.

Gestern sind mir die vielen Bauruinen an der Küste aufgefallen – Rohbauten von mehrgeschossigen Wohnhäusern, von denen nur die Skelette stehen und aus denen der Baustahl rausragt. Das sieht nicht nach den üblichen Mafia-Förderabschreibungen aus. Die Mafia baut Autobahnen ins Nichts, Brücken ohne Straßen und Polostadien ohne Pferde, aber keine Wohnhäuser. Wo kommen die her? Warum werden die nicht weitergebaut, will ich von Riccarda wissen.

Sie zuckt mit den Achseln. „Die meisten Leute haben sich einfach verzockt. Kalabrier sind nicht so gut im Planen. Da wird ein Bau plötzlich teurer als gedacht, und dann wird erstmal alles auf Eis gelegt, bis wieder Geld da ist um weiter zu bauen. Manchmal dauert das dann zu lange, und irgendwann sagt die Behörde dann: Der Rohbau ist zu alt, abreissen. Macht natürlich keiner, kostet ja viel Geld. Deshalb steht die Küste voller Ruinen“.

„Danke für die Erklärung“, sage ich. Eine Sache noch: Du studierst ernsthaft deutsch, weil Du die Sprache so schön findest?! Echt jetzt?“
„Jaaa!“, sagt Riccarda und strahlt jetzt förmlich. „Deutsch ist klasse, so eine tolle Sprache!“

„Verstehe ich nicht“, sage ich. „Gegenüber der Sprachmelodie von Französisch oder Italienisch klingt Deutsch doch wie Hundegebell! Ich meine, hör mal…“, sage ich und trage dann meine beste Imitation von Copycats Sprachvideo vor, „Englisch: The Hospital. Französisch: L´Hopital. Italienisch: L´Ospedale. Deutsch: KRRRRANK-EN-HAUS„. Riccarda lacht und verschluckt sich fast an ihrem Kaffee.

„Oder hier“, sage ich, „Englisch: Butterfly. Französisch: Le Papillon. Italiensch: La Farfalla. Deutsch: SCHMETTERRRRRR-LING„.

Schmetterling ab Sekunde 20:

Riccarda japst nach Luft. „Schmetterrrr-ling“, sagt sie, als sie sich wieder eingekriegt hat, „Soo schöööön! Hört sich doch toll an, viel schöner als Farfalla

Nunja. Hier ist offensichtlich Hopfen und Malz verloren. Ich blicke auf die Uhr. „Ich muss leider los“, sage ich, lege die Serviette beiseite und stehe auf, als Riccarda um den Tisch herum auf mich zueilt, mich ganz fest umarmt und ihre Wange an meine Brust schmiegt. Äh?

Sie hält mich weiter fest, als sie den Blick hebt und dabei ihr Kinn auf meinem Oberkörper abstützt. „Kommst Du wieder? Und dann vielleicht für mehr als nur eine Nacht?“, fragt sie und sieht mir von unten tief in die Augen. Ihre sind von einem so tiefen Braun, dass man die Pupille nicht von der Iris unterscheiden kann. Solchen Augen kann ich nichts abschlagen. „Öh, Ok“, sage ich, leicht überfahren. „Wirklich?“, fragt sie. „Versprochen“, sage ich. „Vielleicht nicht nächstes Jahr, aber irgendwann, und dann für länger“.

„Na gut. Dann will ich Dich mal gehen lassen. Warte, ich hole Raffie zur Verabschiedung.“ Aber Raffaela springt schon in der Einfahrt und um das Motorrad herum. Da fällt mir was ein. „Darf ich ein Foto machen?“, frage ich. „Klar!“, quietscht Raffaela, „Und dann Booking stellen!“

„Ne, von Euch“, meine ich. „OK“, sagt Raffaela, löst ihr Haarband, schüttelt eine feuerrote Mähne aus, zuppelt ihr Hemdchen in Position, stützt dann die Hand auf die Hüfte und wirft sich in eine sexy Pose. Riccarda stellt sich mild lächelnd daneben, und ich mache ein Bild von den Beiden.

„Aber DAS nicht auf Booking einstellen!“, ruft Raffaela. „Und ich will ein Selfie! Selfie! Selfie!“

Jetzt bin ich verwirrt. Ich mache sehr selten Selfies mit meinem Telefon und finde erst nicht die richtige Funktion, aber zum Glück weiß Raffaela, wie das geht. Während des Fotos drückt sie ihre Wange an die ihrer Schwester, während Riccarda ihren Kopf an meine Schulter lehnt.

Kurze Zeit später grollt die V-Strom los und fährt, eine Staubfahne hinter sich herziehend, vom Hof der ungleichen Schwestern. Im Rückspiegel sehe ich die Silhouetten der beiden Frauen, die in der Einfahrt stehen und mir hinterher winken.

Es geht über langweilige Autobahnen nach Cantanzaro, der Hauptstadt der Region Kalabrien. Kurz vor dem Ort passiere ich ein riesiges Gebäude. Weiterlesen

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Reisetagebuch 2019 (10): Die Asche von Riace

Sommerreise mit dem Motorrad. Heute wird´s emotional.

Freitag, 21. Juni 2019, Tropea, Kalabrien
Die V-Strom hat die Nacht vor dem Strandhaus gut überstanden. Die Morgensonne scheint durch die Feigenbäume, als ich um kurz vor 08:00 auf die Veranda trete. Die Crew des Campingplatzes ist schon voll im Einsatz. Überall sind Leute am Werk, die die staubigen Wege mit Wasser sprengen, Müll einsammeln oder Dutzende Gebinde mit Wasserflaschen von einem kleinen LKW abladen.

Ich trage die Koffer die drei Stufen von der Veranda herab und hänge sie links und rechts an das Motorrad, dann geht es auch schon los. Die V-Strom tuckert aus der Einfahrt des Campingplatzes und biegt auf die Küstenstraße, die ein Mal um den Felsen von Tropea führt.

Kaum sind wir aus den Ausläufern der Stadt raus, geht es in die Berge. Anna führt uns eine Stunde lang durch kleine Dörfchen und über schlaglochbewehrte Straßen, weil sie auf die Autobahn will, statt einfach die Küstenstraße runter zu fahren. Dumme Nuss!

In den kleine Orten sind scheinbar nur zerzauste alte Männlein und doof glotzende Eulenfrauen unterwegs, und das im Schneckentempo. Eine Zeitlang ist das OK, aber mit steigenden Temperaturen wird das Fahrverhalten der Geronten immer erratischer und meine Zündschnur immer kürzer.

Einer der Rentner legt praktisch an jeder Kreuzung eine Vollbremsung hin, um den Querverkehr durchzulassen, und das, obwohl er Vorfahrt hat. Ich merke, wie mir eine Ader an der Schläfe zu pochen beginnt. Beim nächsten unnötigen Halt rutscht mir spontan der Mittelfinger aus und ich brülle aus vollem Hals „IMBECILE!“ Der Zausel zuckt in seinem Autochen kurz zusammen und zieht den Kopf ein, und eine Blumenfrau am Straßenrand guckt mich groß an. Nein, nicht du, der cretino da vor mir!

Die Dekoration am Straßenrand zeigt, dass das hier eindeutig Süditalien ist.

Ich fahre aus den Bergen raus, bis ich wieder auf der Küstenstraße bin. Hier sind keine Rentner unterwegs. Hier ist eigentlich außer mir kaum jemand unterwegs. Rechts das Meer, links Felsen. Aaaah, was für einen Genugtuung. Ich rege mich langsam wieder ab.

Ein Ortsschild weist darauf hin, dass ich gerade durch Scilla komme. „Zwischen Skylla und Charybdis…“ geht mir durch den Kopf.

In der Antike waren Skylla und Charybdis Meeresungeheuer, die die Meerenge von Messina, also genau diese Stelle hier, unsicher machten. Skylla hatte sechs Köpfe und hockte an der italienischen Küste, Charybdis verbarg sich genau gegenüber, am Strand von Sizilien. Ein Schiff, das zwischen die beiden segelte, befand sich in einer fast ausweglosen Zwickmühle, und in diesem Sinne wird der Satz bis heute benutzt; sich „zwischen Skylla und Charybdis“ zu befinden bedeutet so viel wie die Wahl Zwischen Pest und Cholera. Egal wie man sich entscheidet, man hat verloren.

Bedauerlich, dass der Tag anscheinend so diesig ist. Eigentlich sollte man von hier aus Sizilien sehen können, aber anscheinend doch nicht. Ich sehe nur eine weitere Landzunge.

…obwohl… Moment mal. Der Turm da, der steht doch in Messina, oder nicht? Dann dämmert es mir langsam. Das, was ich für die nächste Landzunge gehalten habe, ist bereits Sizilien! Der hohe Turm ist ein unübersehbares Zeichen. Sizilien sieht aus, als wäre es nur einen Steinwurf entfernt.

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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (9): Ein Tag am Meer

Donnerstag, 20. Juni 2019, Maierà
Die Sonne scheint, vom Meer weht eine angenehme Brise herüber, Maierà blinzelt ins Morgenlicht.

Das Frühstück im Hotel „La Vista“ findet auf der gleichen Außenterrasse statt, auf der gestern auch das Abendessen serviert wurde. Statt in den Sonnenuntergang blickt man dabei nun über die Küstenlinie, von der die Morgensommersonne langsam den letzten Dunst wegbrennt. Selten habe ich für einen Frühstückskaffee eine schönere Aussicht gehabt.

„Toll, oder?“ sagt Jutta, die hinter mir aus dem Hoteleingang gekommen ist und sich nun an den Tisch mit ihrer Zimmernummer setzt. Es ist etwas merkwürdig, dass jeder Gast einen eigenen Tisch hat, an dem jeweils wirklich nur eine Person sitzt. Immerhin stehen die Tische so eng, dass wir uns gut unterhalten können.

Jutta zählt auf, wo sie noch überall und als nächstes hin möchte. Bei der Aufzählung fehlt natürlich die Amalfi-Küste nicht. Sie bekommt ganz verträumte Augen, als sie den Namen nennt. Gut, soll sie ihre Erfahrung dort machen, ich verderbe ihr nicht den Spaß, in dem ich ihr vorher erzähle, was sie dort erwartet.

Als Thomas und seine streitenden Kinder auftauchen, ist es an der Zeit für mich zu gehen. Ich hänge die Givi-Koffer in die Motorradhalterungen, starte erst Anna und dann den V-Twin und rolle kurz darauf mit der V-Strom aus der Einfahrt des Hotels hinaus auf die Bergstraße.

Kakteen und Olivenbäume säumen die Straße , die in sanften Kurven aus den Bergen heraus und hinab ans Meer führt. Erst kann ich noch von oben auf die Küstenorte hinabsehen, kurz darauf fahre ich direkt am Wasser entlang.


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Kategorien: Motorrad, Reisen | Ein Kommentar

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