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Das Alpine Stars Tech Air-System in der Praxis: 7.500 Kilometer Update

Wie fühlt es sich eigentlich an, auf einem Motorrad mit einer Jacke zu fahren, die rund herum einen Airbag eingearbeitet hat? Wie ist es, auf dem Rücken Gaskartuschen und einen Computer durch die Gegend zu tragen? Irritiert es, das am Unterarm Status-LEDs leuchten? Und am wichtigsten: Ist das alltagstauglich? Ich habe in den vergangenen zwei Monaten rund 7.500 Kilometer Erfahrung mit dem Tech Air-System von Alpine Stars gesammelt, im Alltag, auf Kurzstrecken und während einer Fernreise nach Südeuropa. Jetzt bin ich von der Reise zurück, aber das Tech Air hat es nicht mit mir zusammen nach Hause geschafft. Das kam so.

Disclaimer: Ich habe den Tech-Air-Kram selbst und ganz regulär zum Ladenpreis gekauft. Ich habe keine Geschäftsbeziehungen zu Alpine Stars, und dies ist auch kein Kooperations- oder Werbartikel. Sowas verpöne ich.

Seit Mitte Mai bin ich Besitzer eines Tech-Air-Systems. Das besteht aus zwei Teilen: Einer Tourenjacke und einer Airbagweste. Die Jacke ist ein fast ganz normales Kleidungsstück aus Polyamid und Leder, mit einem herausnehmbaren Membran- und einem Thermofutter.

Ganz genauso wie fast alle anderen Tourenjacken auch. Die Unterschiede zu normalen Kleidungsstücken sind kaum sichtbar: Die Jacke hat im Rückenteil zwei Datenkabel, am Frontreissverschluss einen Magnetschalter und linken Unterarm drei Status-LEDs.

Das eigentlich aufregende ist das „Chassis“, wie Alpine Stars die Weste mit dem Airbag nennt. Die wird in die Jacke eingeknöpft und mit den Kabeln verbunden und fühlt sich erstmal an wie eine normale Protektorenweste. Der Rückenprotektor trägt ein wenig auf, genau wie die bekannten „Schildkröten“, die umschnallbaren Schaum- oder Hartschalenprotektoren.

Im Chassis steckt rund herum der eigentliche Airbag, der Brust, Bauch, Nieren, Seiten, Rücken und Oberarme schützt. Im Rückenpanzer stecken zwei Gaskartuschen und der Rechner samt Steuergeräten sowie ein Gyroskop, an jeder Schulter der Weste sitzt ein Beschleunigungssensor.

Wenn man die Jacke schließt, wird damit auch der Magnetsensor am vorderen Reißverschluss aktiviert. Jetzt beginnen die LEDs am Jackenärmel zu blinken und zeigen nacheinander Funktionsbereitschaft und Ladestand der Batterie. Dann beginnt das System mit einem Startcheck und einer Kalibrierung. Während der Kalibrierung sollte man nicht still stehen, aber auch keine Treppe runterspringen, denn der Computer prüft nun die Sensoren und ermittelt so Lage und „Normalzustand“ des Systems.

Nach 20 bis 60 Sekunden ist alles eingepegelt und das System ist einsatzbereit. Ist der Magnetschalter am Frontreissverschluss nicht geschlossen oder die Kalibrierung schlägt fehl oder einer der Sensoren meldet Merkwürdigkeiten, ist der Airbag nicht aktiv. Es kann also nicht passieren, dass man unversehens zum Michelinmännchen wird, weil das System versehentlich auslöst.

Bei Trockenübungen im heimischen Wohnzimmer dauerte die Kalibration oft sehr lange und klappte nur in 80 Prozent der Fälle, weshalb ich schon argwöhnte, dass das ein Nervfaktor sein könnte. Deshalb war ich gespannt, wie sich das Tech Air in der Praxis macht.

Ich habe Jacke und Chassis nun in unterschiedlichsten Situationen und auf zwei verschiedenen Motorrädern getragen. Zum einen auf einer sportlichen ZZR 600, mit der ich 1.000 km kurze Strecken in der Stadt und auf dem Land und Tagestouren gefahren bin, zum anderen auf einer Reiseenduro, mit der ich 1.000 km so rumgekurvt bin und mit der es dann auf eine wochenlange Fernreise in den Süden ging. Da hieß es: Jeden Tag ein Dutzend mal Jacke auf, Jacke zu. Über eine Fahrstrecke von 5.500 Kilometern. Mit Regenkombi. Ohne Regenkombi. Bei Temperaturen von fünf Grad in Regen und Nebel bis hin zu 40 Grad in sengender Sonne. In sehr trockene Luft genauso wie bei Luftfeuchtigkeiten von 100 Prozent, dazu Höhenwechsel von zweitausend Metern binnen kurzer Zeit, und und und.

Ich bin in der Jacke unter allen Bedingungen gefahren, dazu damit gewandert, auf Stadtmauern rumgerannt und durch Höhlen geklettert. Drei Wochen lang habe ich das Tech Air jeden Tag fünf bis 10 Stunden getragen. Ein echter Härtetest, und bei Dauernutzung würde sich selbst die kleinste Kleinigkeit, die nicht hundert Pro passt, zum handfesten Ärgernis auswachsen. Ich hatte im Vorfeld ein wenig bedenken, dass ich über irgend was stolpere, das mich ärgert oder Aufwand verursacht. Als bequemer Mensch wäre ich dann vermutlich sehr schnell wieder bei normalen Protektoren gelandet. Aber:

Good News, everyone!

Die gute Nachricht: Die Elektronik in der Jacke nervt in der Praxis nicht.

Überhaupt kein Problem ist die Akkulaufzeit. Der Akku hält mit einer Ladung sogar länger als die von Alpine Stars angegebenen 25 Stunden. Ich bin einmal über 30 Stunden gefahren und hätte noch Reserve für mindesten 4 Stunden gehabt. Selbst wenn man pro Tag 8 bis 10 Stunden fährt, muss man damit nur alle 3 Tage ans Aufladen denken.

Auch die Status-LEDs, die mir durch vermeindlich übertriebene Helligkeit unangenehm aufgefallen waren, stellten sich als praktisch heraus. Die hohe Leuchtstärke sorgt dafür, dass selbst bei direkter Sonneneinstrahlung oder durch die Regenkombi hindurch der Status des Systems ablesbar ist.

Das vermeintliche Sorgenkind, der Kalibrationsvorgang, funktioniert im Alltag zuverlässig. Sehr schnell hat sich bei mir ein Automatismus eingeschliffen, dass ich lediglich beim Schließen der Jacke ein mal auf den Ärmel gucke ob die LEDs aufleuchten, ansonsten kann man das System weitgehend ignorieren.

Das Aufblinken der LEDS ist das ist das Zeichen, dass der Magnetschalter in der Reißverschlussleiste richtig geschlossen ist – meine Jacke hat noch nicht, wie bei den späteren Modellen, einen gelben Klettverschluss an dieser Stelle. Mit Klettverschluss entfällt vermutlich sogar dieser Prüfblick. Ist die Jacke zu, startet die Kalibrierung. Ist die erfolgreich, leuchtet ein grünes Licht und alles ist gut. Im Alltag klappt die Kalibrierung in nahezu hundert Prozent aller Fälle.

Hell wie eine Taschenlampe.

Nur selten funktioniert die Kalibrierung nicht auf Anhieb. Dann muss man sie noch einmal neu starten, indem man die Jacke öffnet und wieder schließt. Mit der Zeit merkt man schon, was man in der Kalibrierungsphase machen darf und was nicht. Typische Fälle, in denen die Kalibration ziemlich sicher nicht klappt: Situationen, in denen man sich um mehrere Achsen bewegt. Beispiel: Wenn man auf dem Bike sitzend die Jacke aktiviert und sofort eine sehr kurvige Straße mit schnellen Richtungswechseln fährt. Oder wenn man während der Kalibrierung eine Wendeltreppe runter läuft. Oder sich währenddessen bückt, um noch mal schnell den Zustand der Kette zu prüfen. Das sind so Bewegungen, wo man nach einiger Zeit schon ahnt, dass das jetzt nicht geklappt haben kann.

Ich hatte damit aber keine Probleme. Mein Standardablauf ist: Jacke schließen, prüfender Blick auf die LEDs, dann Helm aufsetzen, Handschuhe anziehen. Meist ist die Kalibrierung jetzt schon erfolgreich abgeschlossen. Falls nicht, egal – ich setze mich auf´s Motorrad und fahre los (wenn die Straße nicht gerade superkurvig ist). Spätestens nach ein paar hundert Metern ist das System dann fertig kalibriert und läuft. Anfangs habe ich immer nochmal in den Rückspiegel geschaut, ob an meinem Unterarm die grüne LED leuchtet. Da sie das nahezu immer tut, habe ich diesen zweiten Kontrollblick immer öfter vergessen.

Ein Blick beim Anziehen, mehr Aufmerksamkeit erfordert das Tech Air nicht.

Die Kalibrierung nervt also nicht, und die Jacke ist bequem. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass sie im Vergleich zu meiner alten Jacke sehr eng sitzt, aber das muss so und ist Konzept.

Die vielen Taschen sind für Reisen ideal, und die wasserdichten Reißverschlusstaschen sind auch WIRKLICH wasserdicht (für Sie getestet, bitte gerne).

Wasserdichte Innentasche. Zwei der „WP Compartments“ gibt es auch Außen.

Dank der wirklich guten Belüftung schwitzte ich während der Fahrt auch bei hohen Temperaturen nicht mal richtig. Es gibt aber auch keinen spürbaren Luftzug in der Jacke, da das Chassis wie eine zusätzliche Weste wirkt – Jacke und Airbagweste sind sehr gut aufeinander abgestimmt.

Belüftung auf der Brust.

Armlüftung.

Bei sportlicher, nach vorne geneigter Sitzhaltung, wie auf der ZZR, funktioniert die Lüftung übrigens einen Tucken besser, weil mehr Luft in die Armöffnungen einströmen kann. Das geht bei der aufrechteren Sitzhaltung und dem besseren Windschutz auf der V-Strom nur in geringerem Umfang, reicht aber immer noch aus. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Entsorgung der Abwärme problematisch werden kann, wenn das Motorrad ein so großes Windschild hat, das dahinter gar kein Fahrtwind mehr zu spüren ist. Aber wer so eine rollende Schrankwand fährt, will das auch so.

In der Summe ist das Zusammenspiel und der Sitz von Jacke und Chassis so gut und angenehm, dass ich nach kurzer Zeit vergessen hatte, dass ich einen Airbag am Körper habe. Prüfblick beim Anziehen, dann Vergessen das ich es trage.

Das ist, glaube ich, das Beste, was man über das Tech Air-System sagen kann: Man vergisst, das man es trägt. Es macht keinen Aufwand, es stört nicht, aber es ist da, wenn es gebraucht wird.

The good, the bad and the stinky

Nun gehöre zu den Tourenfahrern, die sich auf Reisen gerne Dinge angucken. Ich strolche in Museen und Burgen rum, ich gehe in meinen Motorradklamotten spazieren, gucke mir Städte an, manchmal klettere ich damit sogar auf Berge. Zugegeben, sehr kleine Berge, aber immerhin. Bei solchen Aktivitäten macht sich das Tech Air dann unangenehm bemerkbar. Zum einen ist da das Gewicht. Die Valparaiso-Jacke wiegt ohne Chassis und ohne Thermo- und Membranfutter, aber mit Protektoren, nur rund 1.800 Gramm. Das ist sehr leicht.

Das Chassis dagegen wiegt rund 2 Kilogramm. Noch hier ein Bißchen Geraffel in den Jackentaschen und dort einen Schlüsselbund und das Handy und zack, trägt man viereinhalb bis fünf Kilo Jacke am Körper. Ich kann Gewicht durchaus ab, was mich aber richtig stört ist die Hitze im Inneren der Jacke. Sicher war die Situation auf der gerade absolvierten Reise extrem, denn wir reden hier von Außentemperaturen von über 30 Grad, bei denen ich in der prallen Sonne rumgelaufen bin. Das ist mit dem Tech Air eine Tortur. Das Chassis enthält halt rundum einen Airbag aus Polyamid und hat damit die Atmungsaktivität einer Plastiktüte.

Auch wenn rundum Mesh ist, nach kurzer Zeit kocht man im eigenen Saft, wenn die Belüftung durch den Fahrtwind fehlt. Anziehen kann man die Jacke bei solchen Temperaturen und bei körperlichen Aktivitäten eigentlich nicht. Sie zu tragen ist aber auch nicht einfach, denn durch das hohe Gewicht und den breiten Rückenprotektor lässt sie sich auch nicht einfach über die Schulter hängen oder über dem Arm tragen. Man schleppt sich im wahrsten Sinne daran kaputt. In ein Topcase passt sie wegen des festen Rückenteils aber auch nicht, und ich bin nicht jemand, der seine Jacke auf dem Motorrad lässt – auch dann nicht, wenn sie mit einem Stahlkabelschloss gesichert ist. Zumal Jacke und Chassis zusammen rund 1.900 Euro kosten, sowas lässt man nicht einfach rumliegen.

Separat aufgehängt: Oben Jacke, unten Chassis.

Ich habe mir also täglich einen abgeschleppt und wirklich literweise Schweiß in das Chassis geschwitzt, das nach wenigen Tagen anfing zu riechen wie ein Berg alter Socken. Nach zwei Wochen, in denen ich es jeden Tag 5-10 Stunden und bei hohen Temperaturen trug, roch es wie ein ganzer Schweinestall, in dem die Güllepumpe explodiert ist. Wirklich, der Geruch war abartig. Ich habe am Ende das Chassis abends aus der Jacke ausgebaut und auf den Balkon zum Auslüften gehängt, aber das brachte irgendwann auch nur noch bedingt was. Das Mesh und die Innenpolsterung sind aus Polyester, und das hält den Schweißgeruch zuverlässig mehrere Tage. Das hat mich etwas erstaunt, bei dem Preis hätte ich Material mit Anti-Müffel-Ionen oder sowas erwartet.

Ich möchte aber betonen: Bei normaler Nutzung auf dem Motorrad und in unseren Breitengraden hatte ich mit Schweißgeruch keinerlei Probleme. Das Chassis fing erst an zu müffeln, als ich bei sehr hohen Außentemperaturen Dinge darin anstellte, für die es nicht gemacht ist.

Fehlfunktionen

Mein Tech Air ist tatsächlich kaputt gegangen. Es sich begann nach zweieinhalb Wochen auf Reisen, dass plötzlich dauernd die rote LED ansprang und damit zeigte, dass sich das System abgeschaltet hatte. Entweder direkt nach Beginn der Kalibrierung oder während der Fahrt wechselte das System von Grün auf Rot. Plötzlich merkte ich sehr deutlich, wie angenehm und unkompliziert die Handhabung vorher war, denn nun musste ich ständig nachschauen, ob das Ding wirklich noch lief oder schon wieder rumzickte. Das nervte tierisch, aber dass das nicht normal war, war mir schnell klar.

Nun hat das Chassis am Rücken einen Mikro-USB-Port, der nicht nur zum Aufladen dient, sondern auch zur Diagnose.

Jedes TechAir-Chassis wird auf seinen Besitzer registriert. Als Kunde habe ich Zugriff auf ein Serviceportal, in dem mir auch eine Diagnosesoftware (nur Windows) zur Verfügung gestellt wird. Die hatte ich auf meinem Netbook.

Also Rechner an das Chassis angeschlossen und die Daten ausgelesen. Im Ernst, im Jahr 2018 schließe ich einen Computer an meine Kleidung an, um deren Fehlerspeicher auszulesen.

Neben Infos zu meiner Person, bei welchem Händler ich das Chassis gekauft habe und aktuellen Messwerten gibt es auch ein Errorlog, in dem das TechAir-System Fehler speichert. Hier war dann sehr deutlich zu sehen, dass der Sensor in der linken Schulter Fehler produzierte. Das tat er einmal recht am Anfang, als das Chassis fast neu war, ab Betriebsstunde 82 kamen die Fehler dann aber massiv und gehäuft.

„Bei Alpine Stars bist Du jetzt Premiumkunde“, hatte mir der Händler beim Kauf erklärt, und ich hatte das als dummes Gelaber abgetan. Dennoch wollte ich jetzt mal wissen, wie gut der Support für das TechAir wirklich ist.

Tech Air Support

Ich schickte an einem Sonntag Abend um 22:00 Uhr eine Mail an die, im Serviceportal angegebene, Adresse. In der beschrieb ich den Fehler und hängte das Errorlog an. Montag Morgen um 07:30 Uhr, also quasi unmittelbar und sofort, hatte ich eine Antwort: Ich möge bitte das Chassis einschicken, Alpine Stars wolle gerne eine Inspektion machen. Nun sitzt Alpine Stars in Norditalien, und da ich eh gerade für zwei Tage in der Region war, fragte ich an, ob ich nicht vorbeikommen könnte. Innerhalb von Minuten kam die Antwort vom Support: Man habe keine Vor-Ort-annahme für Endkunden, aber ich könne gerne vorbeikommen und man würde versuchen, innerhalb der zwei Tage, die ich in der Region wäre, das Chassis zu prüfen und zu reparieren.

Gesagt, getan. Also in den heiligen Hallen der Alpine Stars-Zentrale vorbeigefahren, die erstaunlicherweise – obwohl es sich mittlerweile um ein Weltunternehmen handelt – relativ klein wirken.

Der Umgang in der Firmenzentrale ist familiär, aber auch hoch professionell. Ich traf mich mit einem Supportmitarbeiter, der das Chassis entgegennahm und mir für die Zwischenzeit einen normalen Rückenprotektor lieh – dadurch, dass die keinen Endkundenservice in der Zentrale haben, war kein Austausch-Chassis verfügbar.

Verbesserungsvorschläge

Im Gespräch konnte ich dann gleich noch ein paar Anregungen loswerden, basierend auf den Erfahrungen der vergangenen Wochen. Zuvorderst: MACHT VERSION 2 AUS MATERIAL, DAS NICHT NACH EINIGEN TAGEN ANFÄNGT ZU STINKEN WIE EIN PFERD AUS DEM HINTERN.

Und: Der Ladeport muss definitiv anders platziert werden, so dass er besser erreichbar ist. Oder das Ladesystem muss generell anders, denn der Mikro-USB-Anschluss ist zu fummelig. Der sitzt nämlich versenkt zwischen den beiden Datenkabeln zur Jacke. Damit ist er schwer zu erreichen, und man läuft Gefahr in den fragilen Datenkabeln hängen zu bleiben und sie aus den Stecker zu reißen.

Ich habe mir, nach Anregung von Kalesco, ein Magsafe-System da dran gebastelt.

Es gibt mittlerweile Magneteinsätze für Mikro-USB-Ports. Ein Teil kommt in die Buchse und bleibt dort, auf den USB-Stecker kommt ein Magnetaufsatz. Ab dem Moment braucht man das Ladekabel nur noch in die ungefähre Nähe des Ports bringen, dann klickt das von alleine ein, wie rum ist egal. Zum Aufladen reicht das, für Datenübertragung aber leider nicht – zumindest mein Rechner erkennt kein USB-Gerät, wenn der Magsafe-Anschluss an einem zwei Meter langen Kabel sitzt.

Mit dem Support vereinbarte ich dann, dass sie sich Zeit lassen sollten für Prüfung und Reparatur des Chassis und es mir dann nach Hause schicken. Ich bin dann mit dem geliehenen Rückenprotektor nach Deutschland zurückgekehrt. Über das Kundenportal konnte ich sehen, das unmittelbar am Tag nach meinem Besuch schon mit der Reparatur begonnen wurde, und sogar, welcher Techniker welches Teil ausgetauscht hat. Alpine Stars macht dabei keine Gefangenen, im Sinne von: Die doktorn daran irgendwie rum und tauschen nur ein Teil aus. Nein, nicht nur der defekte Beschleunigungsmesser wurde ausgetauscht, sondern gleich alle Schultersensoren, und das Steuergerät gleich noch dazu. Und wo man schon mal dabei war, wurde auch gleich noch die neue Firmware aufgespielt und das Ganze 24 Stunden getestet.

Eine Woche später wurde mir das Chassis per UPS geliefert.

Auch hier ist nochmal dokumentiert was gemacht wurde. Gereinigt wurde es leider nicht, es müffelt immer noch ein wenig, aber das man muss schon sehr genau hinriechen um das zu merken. Der Schweißgeruch verfliegt also nach einer Zeit.

Über den Hardwaredefekt habe ich mich gar nicht groß geärgert, gab er mir doch die Gelegenheit den Service von Alpine Stars auszuprobieren. Für einen Praxistest war das fast ein Glücksfall. Technik kann immer mal kaputt gehen, und wie das Log deutlich zeigt, hatte der Sensor von Anfang an einen weg. Daraus würde ich nicht generell auf die Qualität der verbauten Komponenten schließen wollen. Technik kann kaputt gehen, und die Qualität eines Dings macht sich heute auch daran fest, wie der Hersteller dann mit dem Defekt umgeht.

Alpine Stars geht damit vorbildlich um, besser kann man es eigentlich nicht machen. Die Responsezeiten des Tech Air-Supports sind erstklassig, ich bekam keine Textbausteine und kein Geschwafel zurück, die Kommunikation ist direkt und persönlich und am anderen Ende sitzt Fachpersonal, das sich wirklich auskennt. Die Reparatur ging superfix, und da es innerhalb der zweijährigen Garantie war, war das auch alles kostenlos.

Die Garantie verlängert sich übrigens um 24 Monate, wenn man einen Inspektionsservice bei Alpine Stars durchführen lässt. Bei dem werden alle Komponenten gecheckt und das Chassis gereinigt. Kostet 99 Euro, dafür hat man dann die Gewissheit, dass alles OK ist und jegliches Problem auf Kosten von Alpine Stars behoben wird. Bis zu fünf mal lässt sich die Garantie verlängern, damit kommt man in Summe auf 10 Jahre Herstellergarantie. Alpine Stars begreift Tech Air als eine Kombination aus Hardware und Dienstleistung, und die Dienstleistung hat ordentlich durchdefinierte Prozesse.

Erkenntnisse

Meine Meinung nach zwei Monaten und insgesamt 7.500 Kilometern mit dem Tech Air: Das Ding ist praxistauglich, ohne Frage. Es sitzt bequem, es nervt nicht, man vergisst nach einiger Zeit, dass man es trägt. Beim Motorradfahren spürt man es nicht mal. Das ist super, besser geht es eigentlich kaum.

In unseren Breitengraden, bei normalen Außentemperaturen und für kurze und mittlere Fahrten sehe ich überhaupt keine Einschränkungen oder Probleme.

Man erkauft sich mit dem Tech Air ein Mehr an Sicherheit, das mit wenig zusätzlichem Aufwand verbunden ist. Den prüfenden Blick beim Schließen der Jacke, ansonsten ab und zu aufladen, das war es. Das der Ladeanschluss fummelig ist, lässt sich mit einem Magnetconnector für 5 Euro ausgleichen.

Das Tech Air ist absolut geeignet für fast alles, was mit Motorradfahren zusammenhängt. Kurztourer, Schön-Wetter-Biker, Brot&Butter-Fahrer und Leute, die gelegentlich die Rennstrecke besuchen, werden damit sehr glücklich. Langstreckentourer mit Hang zu südlichen Ländern und einer Affinität zu Aktivitäten ohne Motorrad sollten sich vorher sehr gut überlegen, ob sie mit dem hohen Gewicht, ggf. starker Wärme klarkommen. Für die meisten Motorradreisenden wird das eher nichts sein.

Nicht oder nur eingeschränkt geeignet sind die Klamotten, um am Ziel einer Fahrt kilometerweit darin zu wandern oder in den Bergen rumzuklettern, schon gar nicht bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke. Tut man das trotzdem, schwitzt man sich darin kaputt oder schleppt sich einen Wolf. Vermutlich ist das aber ein Randgruppenproblem. Gibt ja nicht viele Bescheuerte, die in Motorradklamotten so bewegungsintensiven Quatsch machen, und bei normaler Nutzung fängt das Chassis nicht an unangenehm zu riechen.

Von daher: Ich kann für mich sagen, dass das Tech Air absolut OK für mich ist. Es gibt während der Fahrt nichts, was mich stören oder Aufwand verursachen würde, weshalb die alte Jacke mit den Standardprotektoren im Schrank bleibt. ABER: Wenn ich aber nochmal vorhabe in den Bergen rumzuwandern, werde ich aber zusehen, dass ich vorher eine Möglichkeit finde die Jacke nicht mitschleppen zu müssen.

 
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Verfasst von - 16. Juli 2018 in Meinung, Motorrad, review, Service

 

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Erste Erfahrungen mit Airbagkleidung: Alpine Stars Valparaiso mit Tech Air Street

Secret Confession: Ich HASSE es, Klamotten zu kaufen. Das Drama um die Anschaffung einer neuen Motorradjacke werde ich mit Sicherheit nie vergessen, so abgrundtief verabscheuenswert war das Ganze. Am Ende hat es fast drei Monate gedauert. Warum ich jetzt eine Jacke trage, die mehr wert ist als meine ZZR 600, wieso ein Stück Technik aus der Zukunft gefallen ist und warum es trotzdem nervt, erzähle ich hier.
Hinweis: Mittlerweile gibt es ein Update zu diesem Artikel, in dem ich berichte, welche Erfahrungen ich mit dem Airbagsystem im Alltag und auf einer Fernreise gemacht habe. Hier geht es zum 7.500 km-Update.

Es begab sich vor zwei Jahren, das ich dachte: Mensch, meine Mohawk Sympatex-Kombi, die hat schon ordentlich was mitgemacht. Regen, Wind, wochenlange Touren in salziger Luft, teils extreme UV-Einstrahlung, hohe Temperaturen… wer weiß wie lange der Kunststoffkram das aushält. Spätestens 2018, wenn es in die siebte Saison geht, sollte ich die mal austauschen.

Was ich wollte, stand schnell fest…

Also begann ich nach einer Nachfolgerin für die Mohawk zu suchen. Es sollte wieder eine Textilkombi sein, die ich hauptsächlich auf Reisen tragen würden. Sie sollte tauglich sein um damit zu fahren, aber auch um damit bei großer Hitze durch Städte zu laufen, auf Berge zu steigen oder in Höhlen herumzuklettern. Das bedeutete: Außen Cordura oder etwas in der Art, aber die sturzgefährdeten Stellen sollten bitte wieder mit Leder verstärkt sein. Membran wünschenswert, Thermofutter nicht nötig.

Schnell stellte sich raus: Leder/Textil-Kombis waren gerade total out. Das, was ich wollte, gab es in ansprechender Qualität nur von der Firma Alpine Stars. Das ist nicht schlimm, die genießen einen hervorragenden Ruf und statten in der Moto GP jeden zweiten Fahrer aus. Die erstklassige Qualität lassen sie sich auch angemessen vergüten, die Jacke, die ich wollte, sollte 700 Steine kosten. Aber nun, ich hatte noch zwei Jahre Zeit bis zur Neuanschaffung, also fing ich an zu sparen. Auf eine Alpine Stars Valparaiso-Jacke.

Bild: Louis.de

Dann kam der Unfall im vergangenen Jahr, bei dem zum Glück nicht viel passiert ist, der mich aber zum Nachdenken brachte. Ich ertappte mich dabei, wie ich ernsthaft abwog, ob ich von meiner Wunschjacke nicht das Sondermodell nehmen sollte. Die Valparaiso gibt es nämlich auch in einer Ausführung, in der sie für die Aufnahme eines Airbagsystems vorbereitet ist.

Airbags bei Motorrädern sind noch sehr selten. Das merkt man schon an den Diskussionen, die darum noch geführt werden. „Airbagjacken sind für Pussies“ hört man genauso oft wie „Die verleiten zu falschem Sicherheitsdenken! Wer sowas trägt, geht nur noch höhere Risiken ein“ oder „die schränken mich nur ein, ohne das Kram bin ich effizienter“. Das sind natürlich genau die Art von Blödargumenten, die wir schon bei der Einführung der Helmpflicht gehört haben. Oder, die Älteren erinnern sich, als bei Autos die ersten Airbags aufkamen. Oder noch früher, als Sicherheitsgurte und Kopfstützen Pflicht wurden. Immer die selben, dummen Sätze, immer die gleichen Pseudoargumente. Darf man gar nicht hinhören, kriegt man nur Blutdruck von.

Tragbare Airbagsysteme sind heute technisch möglich, und sie werden sich nur noch weiter verbreiten. Aktuell gibt es im Einsteigersegment schon Systeme, die man wie Rettungswesten über dem Fahreranzug trägt und die mit einer Reissleine oder einem Sensor ans Motorrad gekoppelt werden. Die Idee dabei: Macht man einen Abflug über den Lenker, soll die Leine oder der Sensor die Weste auslösen. Problem dabei: Die Auslösezeit ist mit gemessenen rund 200 Millisekunden sehr lang. In der Zeit kann es sein, dass schon ein Einschlag stattgefunden hat und man muss sich wirklich schon im Flug befinden. Dafür sind diese Systeme recht günstig, rund 500 Euro muss man für so ein Ding in Schwimmwestenoptik hinlegen..

Ästhetischer sind die Systeme, die gleich in die Klamotten eingebaut werden. Die lösen über Sensoren und einen Computer im Inneren aus, und zwar wesentlich schneller als die Reissleinenkollegen. Problem dabei: Die Teile gibt es nur von zwei Herstellern und sind unfassbar teuer.

Bild: Alpine Stars.

Mir sagte das Airbag-System der italienischen Firma Alpine Stars sehr zu. Das „Tech Air“ ist komplett autark, also unabhängig vom Motorrad. Außerdem ist es modular: Der ganze Airbagkram steckt in einer Weste, dem sogenannten Chassis, und das kann in verschiedene Jackenmodelle eingesetzt werden. Wie in die Valparaiso, in die ich mich ja ohnehin verguckt hatte.

Ein weiteres Jahr, eine kleine Steuerrückzahlung und gespartes Weihnachtsgeld später stand die Entscheidung fest: Ich wollte so ein Airbagdingens.

Damit fingen die Probleme an, denn die Teile kann man nicht einfach online bestellen. Airbags enthalten immerhin pyrotechnische Ladungen, Lithium-Ionen-Akkus und und Gaskartuschen, die explosionsartig ihre Inhalt freigeben. Sowas wird nicht verschickt. Man kann sie aber auch nicht einfach überall kaufen; Jeder Verkäufer muss von Alpine Stars an dem System geschult werden.

Louis, eine der führenden Ketten für Motorradbekleidung und Zubehör, hat in Deutschland nur sechs Filialen, in denen sie das Tech Air-System verkaufen, und nur eine davon ist in Mittel- bzw. Norddeutschland.

Glücklicherweise ist die nächste Filiale von meinem Wohnort aus „nur“ 130 Kilometer entfernt, das hätte schlimmer kommen können. So kam es, dass ich mich eines Samstag morgens im Februar ziemlich spontan auf den Weg nach Hannover machte, denn Louis hatte genau die Jacke, die ich wollte, an diesem Wochenende im Preis gesenkt. Dazu kam eine Gutscheinaktion und irgendwelches Bonuspunktegehökere und am Ende sollte das Ding 330 Euro kosten. Also, nur die Jacke, ohne Airbag. 330 Euro für ein Kleidungsstrück, das ist viel Geld, aber hört sich schon anders an als 700.

Die Odyssee begann

Vor Ort musste ich dann erst mal eine Stunde warten, bis der einzige Verkäufer, der dort die Airbag-Ausbildung hat, zum Dienst kam. Dann begann der Teil am Klamottenkaufen, den ich so sehr hasse. Denn ich wusste zwar welche Jacke ich wollte, aber nicht in welcher Größe.

Das Problem mit der Größe hat drei Facetten. Zunächst mal: Mein Körperbau ist ziemlich dumm. Ich bin mit 1,70 m nicht groß. Dick bin ich auch nicht, aber ein wenig füllig, und vor allem habe ich einen breiten Brustkorb. Ich bin halt kein schlanker Athlet, sondern eher ein Shetlandpony – klein, kräftig und ausdauernd. Das war Problem Nummer eins.

Problem Nummer zwei ist, das bei Alpine Stars in der Schneidereiabteilung alle durchgeknallt sind. Anders ist es nicht zu erklären, das eine Größe auf „Bella Figura“ getrimmt ist, eine Größe drüber aber auf „nasser Sack“.

Problem Nummer drei ist der Schichtaufbau der Valparaiso-Jacke. Die besteht nämlich aus drei Einzeljacken: Unter die eigentliche Lederjacke kommt eine Jacke aus Membranmaterial, und darunter bei kaltem Wetter noch ein Thermofutter. Und DARUNTER noch der Airbageinsatz.

Schichtkuchen. Thermofutter in Membranfutter in Jacke, darunter noch der Airbag. Ächz.

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Verfasst von - 21. Mai 2018 in Motorrad, review

 

Star Wars Episode VIII: The last Jedi (Review)

Vor zwei Jahren lief „The Force Awakens“ im Kino. Der erste Star Wars Film aus dem Hause Disney zupfte stark an den Nostalgienerven, beschränkte sich ansonsten aber auf eine Nacherzählung von „A new Hope“. Das schürte starke Zweifel, ob die JJ-Abrams-Bande es wirklich schafft, Star Wars gut fortzusetzen. Episode 8 stellt also die echte Bewährungsprobe dar.

Eines vorweg: Ich habe im Kino selten so viele Emotionen durchlebt wie während dieses Films. Ich habe laut gelacht, bin vor Spannung im Sessel nach vorne gerutscht, und ich hatte sogar stellenweise Tränen in den Augen. „The last Jedi“ hat mich umgehauen, ich kam total geflasht aus der Mitternachtspremiere.

Die 501th war auch da.

Volles Haus: Das Cinemaxx Göttingen zeigte die MItternachtspremiere in 8 Sälen gleichzeitig.

„Last Jedi“ ist Beweis dafür, was Kino immer noch leisten kann wenn ein Film eine Geschichte erzählen will und wenn er sich für seine Charaktere interessiert. Beides ist hier gegeben, und das ist mehr, als viele aktuelle Blockbuster hinbekommen – man erinnere sich an die DC-Debakel wie „Justice League“, wo nicht mal die Charaktere Bock auf die Story haben. Nicht so hier: Die Story ist dicht gepackt und wird ständig vorangetrieben, und die Charaktere sind allesamt interessant und machen eine Entwicklung durch – selbst solche, die in „Force Awakens“ als Nullnummern daherkamen, und ja, ich gucke hier in Richtung Dameron Poe.

Dazu kommt der fantastische Cast. Daisy Ridley ist eine Naturgewalt auf der Leinwand, sie dominiert durch ihre Präsenz ausnahmslos jede Szene. Mark Hamill macht eine ebenso gute Figur und rockt das Haus, und Neuzugänge wie Kelly Marie Tran sind eine echte Bereicherung. Ebenso eine Bereicherung ist, das die wichtigen Rollen im Geschlechterverhältnis auf ca. 50:50 kommen dürften. Das allein die ganze Führungscrew der Rebellen aus Frauen besteht, ist eine schöne Abwechselung, und Laura Dern als Admiral liegt vom Coolnessfaktor her ca. 8,5 auf der Mon-Mothma-Skala. Einziger Ausfall ist ausgerechnet Adam „Kylo Ren“ Driver, was aber wieder eher an der Rolle als am Darsteller liegt.

So ganz nebenbei räumt Regisseur und Autor Rian Johnson einiges an George-Lucas´schem Schwachsinn weg (Hoch-Machtbegabt darf jetzt wieder jeder sein) und dreht Star Wars in eine neue Richtung. Das Mantra des Films ist „Überwinde das Alte“. Das muss man nicht unbedingt mögen, es ist aber erfrischend.

Damit kommen wir zu spoilerhaltigen Kritikteil, denn obwohl „Last Jedi“ ein anschauenswerter und gut gemachter Film ist, der mich ziemlich weggeblasen hat, ist er keinesfalls perfekt.

ACHTUNG, SPOILER NACH DEM KLICK.
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Verfasst von - 15. Dezember 2017 in review

 

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Die Präsidentin

Ein spannendes Wochenende liegt hinter uns. Die AFD hat den langfristigen – und sehr cleveren!- Strategieentwurf von Frauke Petry abgelehnt und sie geschasst. Stattdessen wurden rechte Symobolfiguren auf´s Podest gehoben und ein Kurs beschlossen, in dem sich auch der Rechtsextreme Bernd Höcke umarmt fühlt. Damit dürfte die Wutbürgerpartei in sich zusammenfallen. Statt einer gefährlichen, rechten Bürgerpartei mit Joan d´Arc-Gallionsfigur wird sie nun eine kleine Faschistenpartei bleiben, die irgendwann das gleiche Schicksal wie die NPD erleiden wird. Zu recht.

In Frankreich ging es dieses Wochenende um ungleich mehr, die erste Runde der Präsidentenwahl sind durch. Übriggeblieben sind zwei Kandidaten, die sich beide nicht als Frontfiguren einer klassischen Partei, sondern als Anführer einer Bewegung sehen. Sowohl Emmanuel Macron als auch Marine Le Pen inszenieren ihren Wahlkampf als einen Sturm auf das politische System, das keine Antworten mehr auf heutigen Fragen liefert. Macron ist politisch in der eurofreundlichen Mitte zu verorten, Le Pen ist eindeutig rechtsextrem.

Am 07. Mai steht die nächste Runde der Präsidentschaftswahlen an, die Stichwahl zwischen Macron und Le Pen. „Frankreich wählt zuerst mit dem Herzen, dann mit dem Verstand“, heisst es allerorten. Das sei schon immer so gewesen, erklärte mir neulich noch ein Franzose, erst setze man an der Wahlurne ein Zeichen, dann wähle man die Peson, die besser sei für das Land. Deshalb, so die beruhigenden Worte, sei es VÖLLIG AUSGESCHLOSSEN, dass Marine Le Pen Präsidentin Frankreich würde. Nun, genauso war es völlig ausgeschlossen, dass ein Land die EU verlässt. Oder das Trump Päsident würde. Wir haben in den zurückliegenden 10 Monaten zu viele Dinge gesehen, die völlig ausgeschlossen waren.

So wird es auch bei den Präsidentschaftswahlen. Denn was die Leuten mit den beruhigenden Worten nicht auf dem Schirm haben ist die überwältigende Menge an frustrierten Nichtwählern.

Am 07. Mai bleiben viele Mitte-Links-Wähler aus Protest der Urne fern, während die Rechtsextremen überaus motiviert sind die Vorsitzende des Front Nationals in den Elysee-Palast zu bringen. Am Ende reicht es für eine dünne Mehrheit: Das neue französische Staatsoberhaupt heisst Marine Le Pen.

Noch bevor sich das Land von dem Schock erholt hat, beginnt Le Pen Schlüsselpositionen in Politik und Medien mit Parteimitgliedern des Front National zu besetzen. Innerhalb der ersten sechs Monate beginnt sie eine regide Abschottungspolitik. Unter ihrer Führung werden die Grenzen geschlossen, gehen die Behörden gegen Einwanderer vor, die Wirtschaft wird auf eine „Frankreich zuerst“-Politik verpflichtet, Unabhängigkeitsbestrebungen von Kolonien mit Waffengewalt unterdrückt.

Polizei und Geheimdienste nutzen die volle Bandbreite der Überwachungsmittel, die ihnen schon Francois Hollande und Manuel Valls nach den Terroranschlägen von Paris gegeben haben, um Datenbanken von „Systemfeinden“ zu erstellen. Darunter fallen unter Le Pen auch Journalisten und linke Aktivisten, die nun massenweise wegen Terrorverdachts verhaftet werden. Anfang 2018 gibt es ein Referendum, bei dem Frankreich darüber abstimmt den Franc wieder einzuführen. Gleichzeitig beginnen Gespräche, die das Ziel verfolgen, Frankreich aus der EU und der Nato zu führen. Kanzlerin Merkel, gerade frisch wiedergewählt, und Präsidentin Clinton verurteilen das hart und gehen gegen Frankreich vor.

Moment, Präsidentin Clinton? Ja! Denn NOCH spielt sich der letzte Absatz nur in dem Buch „Die Präsidentin“ ab, was deutlich vor der Präsidentschaftswahl in den USA geschrieben wurde (und die Wahl Trumps war ja, wir erinnern uns, VÖLLIG AUSGSCHLOSSEN).

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Verfasst von - 24. April 2017 in review

 

Review: Logan (2017)

I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that’s real

Try to kill it all away
But I remember everything
What have I become
My sweetest friend
Everyone I know
Goes away in the end


And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

Logan übersteht den Tag nicht mehr ohne große Mengen an Schmerztabletten und Alkohol. Vom einstigen Wolverine, der wütenden, kraftstrotzenden Kampfmaschine, ist nur noch ein Wrack übrig. Sein Körper heilt nicht mehr richtig, er ist gezeichnet von alten Kampfspuren, einer chronischen Krankheit und Narben, die viel tiefer gehen als nur unter die Haut.

Krank und kaputt schlägt er sich als Uber-Fahrer durch. Nebenbei versorgt er noch Charles X. Xavier, den er in der mexikanischen Wüste versteckt. Xavier, einst der mächtigste Mutant und größte Geist der Welt, ist mittlerweile dement und dämmert als abgemagertes Skelett seinem Ende entgegen.

Logan gesteht es sich nicht ein, aber er und Xavier warten nur noch auf den Tod, und der wäre für die beide eine Gnade. Die Warterei wird aber je unterbrochen, als ein junges Mädchen auftaucht. Sie wurde aus Logans DNA gezüchtet, und das Unternehmen, das dafür verantwortlich ist, hätte gerne sein Eigentum zurück. Logan will aber nicht mehr kämpfen, deshalb bereitet er sich auf seine letzte Tat vor: Er rennt weg.

Superheldenfilme sind seit 10 Jahren DAS DING im Kino. Dominiert wird das Genre durch die Filme im Marvel Cinematic Universe, die beispiellos die Solofilme ihrer Superheldenfiguren zu größeren Geschichten verweben. Die Studios, die das zu Kopieren versuchen, scheiterten bislang scheppernd: Weder das DCU um Batman und ca. kommt aus dem Quark, noch hat King Kong-Universe einen guten Start. Auch das X-Men-Universe ist bislang er so meh.

Umso schöner, dass es jetzt einzelne Filme gibt, die nur für sich stehen wollen und dadurch die Freiheit haben andere Wege zu gehen. Die Möglichkeit dafür hat ausgerechnet der trashige „Deadpool“ freigekämpft, seit dessen Überrachungserfolg Non-Kanon-Superheldenfilme mit R-Rating überhaupt erst möglich sind.

Seit 17 Jahren spielt Hugh Jackmann Wolverine, den Mutanten mit den Krallenhänden. Neben Ensemblefilmen der „X-Men“ mit stark schwankender Qualität gab es auch schon zwei „Wolverine“-Einzelfilme auf. „Wolverine Origins“ war eine unfassbar dumme Origingeschichte ohne Origin, und der zweite Film wird nur in Erinnerung bleiben als „der mit der Atombombe und dem Robotersamurai, der Wolverine das Mojo klaut“. Mit der Geschichte von Logan werden neue Wege erkundet.

Die Story spielt in einer Situation und einer Zeit, in der die klassischen Superheldengeschichten auserwählt sind. Die Helden haben verloren, sie sind tot oder gebrochen, besiegt von der Banalität der menschlichen Angst vor dem anderen. Was mit den alten Helden passiert ist, wird in „Logan“ nicht ausführlich erklärt. Man erfährt es wenn man aufpasst, aber es gibt im Film nie einen Erklärbärmoment, in dem das Schicksal der X-Men oder die Geschichten von Xavier oder Logan explizit aufgerollt werden. Im nicht-erklären ist das Drehbuch so konsequent und brutal wie das Setting und die Story. In „Logan“ wird nichts behauptet oder erklärt, es wird gezeigt. Über weite Passagen verlässt sich der Film auf die Macht der Bilder, wenn er uns zitternde Hände, ausgezehrte Körper und heruntergekommene Wüstengegenden zeigt. Trotz der eigentlich ausgelutschten Story verfehlt das seine Wirkung nicht. Der Film atmet Hoffnungslosigkeit aus jeder Pore, und die legt sich wie ein Mantel auf die Stimmung der Zuschauer.

Wer einen kurzen Blick auf die Tonalität von Logan erhaschen möchte, kann sich dieses Kunstwerk von Trailer ansehen. Wie hier Johnny Cashs´ Intonation von „Hurt“ von den Nine Inch Nails druntergschnitten wurde, ist wirklich ganz, ganz groß. Als wäre der Song in dieser Version nur dafür gemacht.


Mit seinem „Show, don´t tell“ macht „Logan“ es genau anders als die lauen Filme, die zuletzt im X-Men-Universum spielten. In „Apokalyse“ wurde beispielweise immer wieder behauptet, dass der namensgebende Mutant voll mächtig und böse sei, den Beweis dafür blieb der Film aber schuldig – wodurch er so beliebig wurde, dass man die Handlung scon beim Verlassen des Kinosaals vergssen hatte.

Nein, „Logan“ behauptet nichts, was er nicht beweisen kann. Der Hauptcharakter vegetiert dahin, und vom ersten Moment an ist klar, dass sein Traum – ganz Aussteigen und auf einem Boot leben – nur eine unrealistische Illusion ist. Dieser Logan hat alles verloren und wird nichts mehr gewinnen, die Frage ist nur, wer mit ihm untergeht. Eine so abgefuckte Geschichte zu erkunden ist mutig und deprimierend zugleich. Logan ist definitiv kein Feelgood-Movie, sondern das genaue Gegenteil. Wenn man mal zu gute Laune hat und gerne wieder runter möchte, ist das genau der richtige Film. Hier gibt keinen Hoffnungsschimmer, nirgends. Auch das Auftauchen von Logans 11jährigem und weiblichen Klon ist eher frustrierend als ein ein Lichtstrahl. Es kann nur schlimmer werden, und das wird es auch.

Ebenfalls dank „Deadpool“ dürfen Superheldenfilme jetzt brutal und blutig sein, und das nutzt „Logan“ voll aus. Während die früheren „Wolverine“-Filme absolut jugendfrei waren, was angesichts eines Charakters mit Metalldolchen als Händen nachgerade albern ist, geht es in Logan hart und schmutzig zur Sache. Die Actionsequenzen sind nicht häufig, aber wenn Logan nochmal die Krallen auspackt, geht es äußerst brutal zur Sache. Da werden Körperteile abgehackt, Köpfe durchbohrt und Adern aufgerissen, dass einem ganz anders werden kann. Und mittendrin dieses Kind, dass aber nicht nervt, sondern tatsächlich den Film mit trägt und einige der coolsten Bad-ass-Momente überhaupt hat.

Dass die Drehbuchautoren das hinbekommen haben, muss man ihnen hoch anrechnen. Dafür verzeiht man ihnen auch, dass die Story um den verbitterten, alten Einzelgänger, der aus seiner Lethargie gerissen wird, eigentlich total ausgelutscht ist und genauso auch in „Lego Batman“ erzählt wird. Nerven tut allenfalls die Laufzeit, denn mit 132 Minuten ist „Logan“ ungefähr 20 Minuten zu lang. Das die aufwendige Exposition notwendig ist sehe ich ein, aber die Sequenzen auf der Farm sind zu lasch genschnitten. Nicht wirklich gelungen ist, zumindest in der deutschen Synchro, Patrick Stewarts jammernder und dementer Professor X – aber auch das gibt am Ende einen Sinn.

Wie überhaupt alles zum Ende geführt wird, und zwar zum einzig möglichen. Wirklich, der ganz große Verdienst von „Logan“ ist es, schlechte Laune und deprimierende Geschichten in das Genre der Superheldenfilme injiziert zu haben. Von der ersten Minute an atmet der Film Schmerz und Hoffnungslosigkeit, und er geht diesen Weg konsequent zum einzig möglichen Ende. Für das Kinopublikum ist das eine mitnehmende, aber auch eine tief befriedigende Erfahrung. Die Geschichte von Logan lässt einen mit Tränen in den Augen im Kinosessel zurück, und schon deshalb wird man sie so schnell nicht vergessen.

P.S.: Großes Lob an das Publikum im Regensburger Kino. Ich habe selten erlebt, dass in einem Multiplex am Freitag Abend ein ganzer Saal so konzentriert einen so langen Film schaut. Ihr habt gezeigt, dass selbst in einem Cinemaxx das Publikum nicht aus quatschenden, telefonierenden Volldeppen bestehen muss.

 
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Verfasst von - 13. März 2017 in Film, review

 

Review: Inferno (2016) – IHR FEIGLINGE!

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„In den Siebzigern lebten auf diesem Planeten 4 Milliarden Menschen. In den Neunzigern 6 Milliarden. Heute fast 8 Milliarden. Und 2040 werden es 32 Milliarden sein“,

sagt der Bösewicht in „Inferno“ und holt damit den Zuschauer sehr greifbar in seine Problemwelt hinein. Seine Schlussfolgerung ist allerdings radikal: Um den Planeten und die Menschheit zu retten darf sie sich nicht mehr vermehren wie bisher. Das tut der Biologe noch kund, dann geht er mit gutem Beispiel voran und bringt sich um.

Kurz darauf wacht Prof. Langdon im Krankenhaus in Florenz auf. Er hat keine Ahnung was in den letzten Tagen passiert ist – nur, dass ihm jemand offensichtlich einen Minibeamer in den Hintern gesteckt hat, aus dem nun Dantes „Inferno“ projiziert wird. Im Gemälde sind Hinweise versteckt, die der Symbolologe natürlich sofort entziffert. Anscheinend hat der Wissenschaftler mit der Panik wegen des exponentiellen Wachstums der Bevölkerung eine Seuche entwickelt, die das eindämmen soll. Wo die Seuche freigesetzt werden soll ist in einer Schnitzeljagd in alten Kunstwerken codiert. Langdon folgt der Spur in einem Wettlauf gegen die Zeit von Florenz über Vendig bis nach Istanbul.

Soweit die Geschichte der Buchvorlage, kurz zusammengefasst. „Inferno“ ist leider kein gutes Buch, denn Dan Brown ist kein guter Schriftsteller. Seine Texte sind repetitiv, verseucht von Adjektiven und die Geschichten ergeben meist keinen Sinn. Aber: Er hat immer diese eine gute Idee, diesen einen Twist, der einen sofort ins Buch reinzieht und es nicht mehr aus der Hand legen lässt. Bei „Iluminati“ waren das Symbolmorde. In „Sakrileg“ war es die Story um Nachkommen von Jesus und den heiligen Gral. Und bei „Inferno“ ist es nun die Explosion der Weltbevölkerung in Kombination mit Dantes Vorstellung der neun Höllenkreise.

Ende 2016 erschien dann der Film mit Tom Hanks in der Hauptrolle, und der ist nun kolossal schlecht. Also nicht der Hanks, der sieht zwar mittlerweile aus, als wäre er in der Sonne geschmolzen, aber er macht seine Sache schon ganz okay. Nein, der Film nervt auf all den Ebenen, auf denen die Story des Buches im Medium Film brillieren könnte. Das fängt damit an, dass der Film genau die repetitiven Muster fährt, die das Buch so schlecht machen – und noch eine Schippe drauf legt. Denn Langdon leidet unter Kopfschmerzen und Halluzinationen, und das setzt der Film um, in dem es alle paar Minuten blitzt, fiept und farbige Schlieren übers Bild zieht, dass auch normale Zuschauer epileptische Anfälle davon bekommen.

War mir aber egal, ich habe trotzdem weitergeguckt. Ich wollte nämlich unbedingt wissen wie das Ende ausgespielt wird. Denn auch wenn Brown kein guter Geschichtenerzähler ist: „Inferno“ hat ein sehr, sehr mutiges Ende, das mich bis heute beeindruckt. Also dann der Abspann über die Leinwand lief, war ich erst einigermaßen fassungslos, dann wütend: DENN DIE FEIGLINGE HABEN IM FILM DER GESCHICHTE DAS ENDE GENOMMEN!

Spoiler voraus:

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Verfasst von - 27. Februar 2017 in review

 

Review: Assassins Creed (2016)

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Eine der Besonderheiten des Assassins Creed-Franchises: Es ist multimedial. Gestartet 2007 als Videospielreihe, von der es mittlerweile allein acht Haupt- und unzählige Handheldtitel gibt, ist die Serie längst in andere Medien gesickert. Es gibt Bücher und Comics, und auch Filme sind keine Neuigkeit. Der zweite  Teil der Reihe brachte bereits 2009 einen 30 minütigen Kurzfilm mit, in dem mit echten Schauspielern die Vorgschichte des Spiels erzählt wurde. Es folgten Ausflüge in Animationsgefilde, in dem mal in Form von Gemälden („Brotherhood“) oder in 3D („Embers“) die Geschichten der Figuren weitererzählt. Neu ist nun die Größe der Produktion, denn Assassins Creed läuft jetzt im Kino.

Computerspielverfilmungen haben seit Ewigkeiten den Ruf billiger, unzuänglicher Müll zu sein. Daran trägt Uwe Boll eine Mitschuld, der in den 90ern und zweitausender Jahren Videospiellizenzen im Dutzend aufkaufte und als Abschreibungs- und Filmförderprojekte in Trashfilme verwandelte (Man denke an das unsägliche „Far Cry“ mit, man halte sich fest, Till Schweiger!).

Auch anderen Produktionen gelang es nie die Geschichten und das Feeling eines Spiels wirklich zu transportieren. Wie auch – ein Spiel dauert 25-120 Stunden, hat im besten Fall dutzende interessante Erzählstränge, bindet den Spieler ein und weckt ganz andere Emotionen. Das bloße Nacherzählen einer Spielgeschichte muss daher immer das inferiore Erlebnis sein. Genau das sollte bei Assassins Creed anders werden. Die Spielefirma Ubisoft wollte ihrer Marke gerecht werden und eine neue Geschichte im etablierten Universum erzählen, gleichzeitig aber die volle Kontrolle über das Projekt behalten, bis hin zum Ziehen des Stecker, wenn das Projekt drohte, der Marke nicht gerecht zu werden. Deswegen fand man keine Produktionsfirma, weder Sony noch Warner hatten den Mut, sich auf ein solches Wagnis einzulassen. Am Ende gründeten die Franzosen selbst ein Produktionsunternehmen, begeisterten Michael Fassbender für das Projekt und dokterten dann Ewigkeiten am Drehbuch herum, bis ihrer Meinung nach alles perfekt war. Hat sich der Aufwand ausgezahlt? Ja! Und nein.

Die Kinoadaption von Assassins Creed ist eine ambivalente Angelegenheit. Einerseits gibt es einen neuen Protagonisten und ein frisches Setting, das so in noch keinem Spiel vorkam. Andererseits gibt es keine echten Höhepunkte, und es wird wieder mal die, zumindest Kennern der Spiele, altbekannte Geschichte erzählt:

Es gibt die Tempelritter im Geheimen bis heute, und ihr Ziel ist es, die Welt nach ihren Vorstellungen zu ordnen und die Menschheit zu führen und zu leiten. Die einzigen, die den Templern im Weg stehen, sind die Assassinen.

Deren Bruderschaft existiert ebenfalls seit Ewigkeiten, und ihr Credo lautet: Der Geist der Menschen muss frei sein, Selbstbestimmung ist das höchste Gut. Zielgerichtet schalten die Assassinen über die Jahrhunderte immer wieder Personen in der Organisation der Templer aus, was diese schwächt. Im Jahr 2016 kommt der ewige Kampf nun an sein Ende, die Templer gewinnen die Oberhand, die Assassinen sind so gut wie am Ende. In dieser Situation kidnappen die Templer einen Mann namens Callum Lynch (Fassbender) und stecken ihn in eine Maschine, die die genetischen Erinnerungen seiner Vorfahren aus seiner DNA extrahiert und ihn Geschehnisse aus der Vergangenheit nacherleben lassen. Was Lynch nicht weiß: Er ist der letzte Nachfahre einer Linie von Assassinen, und einer seiner Vorfahren hat zur Zeit der spanischen Inquisition ein Artefakt versteckt, dessen letzten Ruheort die Templer nun gerne wüssten.

Wenn jemand noch nie mit dem AC-Universum zu tun hatte ist das schon eine ganze Menge Stoff auf einmal. Kenner der Spiele beschäftigen sich dagegen schon seit 9 Jahren mit dieser Story. Hier schafft der Film aber einen guten Spagat: Er beschmeisst die Neueinsteiger nicht mit überflüssigen Infos (woher kommt denn das Artefakt eigentlich?), sondern konzentriert sich ganz auf seine Charaktere. Gleichzeitig gibt es genug Neues (Der Animus als 4D-Holodeck! Architekturporn in Madrid!) und Eastereggs (Der Animus 2.0 in der Kammer!) um auch die Fanboys zu unterhalten. Das macht der Film gut, und auch über die Besetzung kann man sich nicht beklagen.

Fassbender und Marion Cotillard sind Charakterdarsteller, die zuletzt unter der Regie von Justin Kurzel „MacBeth“ verfilmten. Auch in AC spielen sie in Hochform und hauchen ihren, eigenlich dünn geschriebenen, Charakteren echtes Leben ein. Den Nebendarstellern gelingt das leider nicht. Der Typ, der Torquemada spielt, ist ein Totalausfall, und auch Jeremy Irons telefoniert seine Rolle nur durch.

Was ebenfalls nicht gut funktioniert ist das Pacing. Durch einen überdramatischen Musikteppich, bedeutungsschwangere Bilder und das intensive Spiel der Darsteller scheint jede Szene Gewicht zu haben, was die wenigen, echten Ausschläge in der Spannungskurve aber weniger herausragend macht. Stattdessen scheint der Film dahinzuplätschern, immer in der Erwartung, dass in der nächsten Szene etwas noch überragenderes passiert, und dadurch die aktuelle schlechter darstehen lässt als sie ist. Die Folge ist eine Art Brei, bei dem man mittendrin nicht mehr weiß, ob die Handlung jetzt spannend ist oder nur so tut.

Zum ambivalenten Eindruck tragen auch die stark schwankenden Schauwerte bei. Wenn die Assassinen 1492 über die Dächer von Madrid springen, dann sind das echte Stuntleute, die Parcours über die Dächer von Malta laufen, und dementsprechend gut sieht das Ganze aus. Die Kletter- und Kampfszenen sind toll choreographiert und rasant umgesetzt.

Was dagegen sogar schlechter aussieht als in den Spielen sind die weiten Aufnahmen von Landschaften und Städten, deren schlechtes CGI mit Unmengen an Rauch und Nebel dürftig kaschiert wird. Ganz großer Trash ist der Adler, der gefühlt auf dem Level eines Pokemons daherkommt und durch jede zweite Szene fliegt. Das ist billig und doof und ergibt auch storytechnisch im Rahmen des größeren Kanons keinen Sinn, denn Juno ist schon seit 2012 nicht mehr in der Gestalt eines Adlers unterwegs.

Seltsam ist auch der Schnitt, der manche der Schauwerte mutwillig kaputt macht. Was nutzt es, einen Stuntman tatsächlich aus 40 Metern Höhe einen „Leap of Faith“ machen zu lassen, wenn der Schnitt diesen spektakulären Fall so zerschnibbelt, dass es nach einem Sturz von einer CGI-Bettkante aussieht?

Schlimm ist vor allem das Ende des Films. Das findet sich vermutlich in Kürze im Lexikon, als praktisches Beispiel für den Begriff „Antiklimax“. Zwar wird die Handlung nach Hause gefahren, der letzte Akt lässt einen aber tief unbefriedigt zurück. Man geht aus dem Kino mit dem Gefühl, dass sich da ein hohler Held aber auch so gar nicht anstrengen musste, um irgendwann nichts zu erreichen. Zu diesem Eindruck trägt bei, dass das Ende halb offen ist. Eine Fortsetzung ließe sich nun perfekt andocken, denn zum Schluss sind alle Fraktionen eingeführt und die Templer haben unbeabsichtigt die Assassinen in die Jetztzeit zurückgeholt. Leider wird es dazu wohl nicht kommen, denn fianziell dürfte AC im Kino ein Flop werden. Von daher ist es ein Glück, dass er auch in sich geschlossen funktioniert.

In der Summe bleibt ein Film, der unter den gegebenen Umständen – Neueinsteiger mitnehmen, gleichzeitig die Last von 9 Jahren Lore beachten – einen ganz guten Job macht. Er erweitert das AC-Universum, und ich freue mich darauf, wenn Marion Cotillard demnächst in den Spielen auftaucht. Wir sind hier also weit von einem Uwe-Boll´schen Totalausfall entfernt.

Das vom Kinoerlebnis aber letztlich nur hängen bleibt, dass dies der Film ist, in dem Michael Fassbender an einem Roboterarm durch die Gegend geschleudert wird und Marion Cotillard traurig guckt, zeigt das inhaltliche Problem: Alles ist ist irgendwie egal und versumpft in höhepunktloser Bedeutungslosigkeit.

Das passt zum Credo der Assassinen: „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“, das klingt auch beliebig. Von daher bleibt die Kinoadaption zwar dem „Assassins Creed“ treu, aber das macht sie nicht zu einem guten Film.

 
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Verfasst von - 29. Dezember 2016 in Film, review

 

Review: Rogue One. A Star Wars Story. (2016)

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Ich war ungefähr sechs Jahre alt, als ich den ersten „Krieg der Sterne“-Film sah. Danach war es um mich geschehen. In Spielzeuggeschäften gab es zu der Zeit kein Star Wars, aber ich besuchte jeden Flohmarkt in der Umgebung und hatte ab und an das Glück, die ein oder andere Actionfigur zu finden. „Die Guten“ bestanden am Anfang nur aus R2D2, Luke Skywalker und Ben Kenobi, für das Imperium kämpften zu Beginn nur ein Darth Vader, dessen Schulter mit einer Möbelschraube und schwarzem Fensterkitt geflickt war, und ein einzelner Stormtrooper, dessen rechtes Bein ständig abfiel.

Mit diesen fünf Figuren entstanden in meinem Kopf riesige Schlachten zwischen Rebellen und Imperium. Meistens kämpften die Fraktionen um eine Burg, die eigentlich ein Schuhkarton mit ausgeschnittenenen Fenstern und einer Zugbrücke war. Dieses Spiel innerhalb des Star Wars-Universums war auch ansonsten vollkommen logisch, denn als Kind war mir vollkommen klar, das selbst ein Darth Vader irgendwo wohnen musste, und was würde besser zu so einer dunklen Gestalt passen als eine unheimliche Burg? Und zweitens: „Krieg der Sterne“ trägt den Krieg schon im Namen, da gab es natürlich auch Bodenschlachten.

Witzigerweise fand das, was ich mir da vor über 30 Jahren zusammenspielte, in den Kinofilmen erzählerisch schlicht nicht statt. Sieht man mal von der Schlacht von Hoth ab, bei der die Rebellen nie eine Chance hatten, gab es keine Bodenschlachten in Star Wars. Und man sah auch nie die Auswirkungen der Besetzungen durch das Imperium.

Star Wars-Filme sind Märchenfilme, sie erzählen stets eine Heldenreise und bedienen sich aus dem Fundus von Kindergeschichten, inklusive Prinzessinnen, Zauberern und bösen Rittern. Das hat sich auch nicht geändert nachdem Disney das Ruder bei Lucasfilm übernommen hat. Die großen, offiziellen „Episode“-Filme folgen diesem Muster, das von George Lucas etabliert wurde. Daneben gibt es jetzt aber noche eine zweite Linie von Filmen, die sich gerade nicht um die Familie Skywalker dreht, sondern für sich alleine stehen.

Diese „Anthologie“-Filme sollen Nebenfiguren und Ereignisse beleuchten, und „Rogue One“ macht den Anfang. Er erzählt die Geschichte, die vor „A New Hope“ stattfand und zeigt, wie die Rebellen an die Pläne für den Todesstern gekommen sind. Als ich vor drei Jahren zum ersten Mal von dieser Idee hörte, verdrehte ich die Augen – wie einfallslos! Das sowas überhaupt nur in Erwägung gezogen wurde, war ein deutlicher Hinweis, wie Disney die Cashcow „Star Wars“ mit immer gleichen Geschichten melken würde. Der Diebstahl der Todessternpläne, my Ass, was wollte man da schon groß für eine Geschichte erzählen, das konnte doch nur langweilig werden!?

Nun, ich lag falsch. Denn was bislang alle vergessen haben: So ein unbegabter Geschichtenerzähler George Lucas auch ist, er hat mit „Star Wars“ ein Universum geschaffen, und in dem lassen sich alle Arten von Geschichten erzählen, nicht nur Märchen. Dieses Universum bietet auch Platz für sehr ernste Stories, für Tragödien, und für Kriegsfilme. Ein solcher ist Rogue One zur Hälfte geworden. Die Geschichte ist ernst, die Figuren erleben harte Schicksale, und rundrum tobt ein Krieg, in dem die Zivilbevölkerung  überwacht, unterdrückt und letztlich viel gestorben wird. Krieg ist schmutzig, und Rogue One umarmt diese Schmutzigkeit und macht sie zum essentiellen Bestandteil. Es werden Kriegsgefangenenlager auf Dreckplaneten gezeigt, die Raumschiffe der Rebellen sind schmutziger Schrott, und dauernd wird bei Nacht in Regen und Schlamm rumgelaufen.

Dazu ein Gefühl der Beklemmung. Der Film macht sehr früh klar, dass er sich aus dem gewohnten Territorium, in dem es kein Blut gibt und Helden nur an Altersschwäche sterben, entfernt. Schon die Einführungsszene einer der Hauptfiguren wischt alle „Han shot first“-Diskussionen als Zimperliesengewäsch davon und macht klar wohin die Reise geht. Wenn hier etwas explodiert, dann wummst es nicht nur – dann kracht es brachial, und es gibt Tote und Verletzte dabei. Diese Art der Gewalt kann jederzeit ausbrechen, denn das Imperium ist nicht zimperlich bei der Durchsetzung seiner Ziele. Der eiserne Griff des Imperators, der ganze Planeten und ihre Gesellschaften die Luft abschnürt, wurde in früheren Filmen nur behauptet. In Rogue One ist er zu sehen und zu fühlen.

In diese schmutzige, gewalttätige Welt wirft Rogue One seine Figuren: Eine junge Diebin, einen kaltblütig mordenden Rebellenagenten, einen umprogrammierten imperialen Droiden, einen nicht ausgebildeten Möchtegernjedi und einen zotteligen Typen mit einer Wumme, der aber kein Wookie ist. Diese Charaktere werden kurz, aber auf den Punkt skizziert, entwickeln sich danach aber nicht mehr groß weiter. Das ist genau richtig, den Rogue One ist Plot-, und nicht Characterdriven. Beispielsweise sind es nicht einzelne Rebellen, die hier wichtig sind. Nein, in Rogue One ist die Darstellung wichtig, wie zerstritten und unsicher die neu gegründete Allianz ist.

In Episode IV war die Rebellenallianz ja einfach da, warum und wieso war nicht wichtig. Rogue One zeigt, wie fragil die Allianz der Guten ist, und das die Guten nicht immer gut sind. Die Rebellen haben hier gerade erste eine gemeinsame Flotte aufgestellt, sind sich aber nicht einig, was die nun machen soll.

Während die Diplomaten sich noch streiten, ob man nicht doch besser vor dem Imperium kapituliert, gehen andere aus ihren Reihen kompromisslos eigenen Interessen nach. Solche Momente bringen mehr Fleisch auf die Rippen der Originalfilme und lassen die Leistung von Leia, Luke und Co. nochmal in einem anderen, dramatischeren Licht scheinen. Zerstrittene Rebellen hatten wir auch in den Prequels schon, aber da lastete so viel politischer und esoterischer Überbau auf den Diskussionen des Senats, dass die Verwerfungslinien zu abstrakt waren, um sie bedrohlich werden zu lassen. In Rogue One wird um einen Tisch herum am konkreten Einzelfall gestritten, und dadurch ist das ganze greifbarer – und schmutziger.

Ja, der Plot ist es, dem alles andere untergeordnet ist. Seine Handlung fährt der Film sehr gekonnt nach Hause und bringt dabei mindestens 4 Szenen mit, die mich im Kinosessel haben nach Luft schnappen lassen.

ACHTUNG, AB HIER SPOILER.

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Verfasst von - 16. Dezember 2016 in Film, review

 

Fantastic Beasts and where to find them (2016)

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New York, 1926. Auf Staten Island stolpert ein junger Mann aus dem Bauch eines Schiffes. Sein einziges Gepäckstück: Ein abgewetzter Koffer. Was niemand bei der Einreisekontrolle bemerkt: Dieser harmlos aussehende Koffer beinhaltet lebende Biowaffen, die New York in Schutt und Asche legen könnten. Der Besitzer des Koffers: Ein junger Zauberer namens Nude Scaramanga. Der mutmaßliche Terrorist braucht lediglich 5 Minuten auf offener Straße bis das US-Zauberministerium mit allem, was es hat, hinter ihm her ist. Nebenbei gibt es noch liebeskranke Nashörner, irgendwas mit Brennen muss Salem und – Carrie.

OK, das war jetzt nicht wirklich die Story des Films. Aber von der darf man auch nicht mehr als drei Worte schreiben, sonst hat man schon den halben Film erzählt. Kein Wunder, geht „Fanatische Viecher und wo zu finden“ doch auf ein Lehrbuch in Hogwarts, dass in „Harry Potter“ mal erwähnt wurde und das J.K. Rowlings, als ihr nach dem 7. Teil wirklich gar nichts mehr einfiel, einfach mal verfasst hat. Herausgekommen ist dabei ein dünnes Büchlein ohne Substanz. Und nun ein Film, basierend auf dieser Nullnummer?

Nicht ganz. Lediglich die Figur des Njut Salamander und einige der lustige Kreaturen borgt sich der Film, der Rest ist eine neue Story. Auch die ist allerdings so dünn, dass man problemlos durchgucken kann. Ich bin ja bekennender Narrationsjunkie, deshalb dürfte ich den Film eigentlich nicht mögen. Das er mich trotzdem gut unterhalten hat liegt an der tollen Art, wie die dünne Story erzählt wird.

Auch wenn sie im Harry-Potter-Universum spielt, ist die Handlung von „Phantastische Tierfabeln und wo sie verlegt wurden“ wesentlich erwachsener und düsterer als alles, was man woher im Potterverse gesehen hat, einschliesslich der „Heiligtümer des Todes“. Zusätzliche Schwere – oder Leichtigkeit, je nach Situation – verleihen der Story die Schauspieler. Die sind durch die Bank einfach fantastisch gecastet und spielen mit einer Performance, dass man gar nicht weggucken mag, weil man sonst was verpassen könnte. Eddie Redmayne spielt den Protagonisten vielschichtig. Im Umgang mit anderen Menschen linkisch, Augenkontakt meidend, an der Grenze zu leichtem Asperger. Im Umgang mit Tieren dagegen blüht er auf, ist Spezialist und in seinem Element. Richtig umwerfend sind aber die Sidekicks Allison Sudol (aka Sängerin „A fine Frenzy“) als leicht weltfremde Gedankenleserin Queenie und Dan Fogler als Muggel Jacob.

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Was die beiden sich zusammenspielen sorgt in einer Minute für Tränen der Rührung und in der nächsten für Lachanfälle – einfach großartig! Das Sudol in ihren größten Momenten das Beste von Cameron Diaz zu channeln scheint, macht das Ganze nur noch besser.

Diese, recht unbekannten, Schauspieler scheinen es zu schaffen, zuletzt so lustlose Recken wie Colin Ferrell und Ron Perlman zu erstklassig-fiesen Performances zu motivieren.

Dann sind da natürlich noch die titelgebenden Viecher. Alles CGI, aber so gut und liebevoll gemacht, dass es nicht stört. Es sind Fantasieviecher in einer Zauberwelt, das stört das Zuschauerhirn nicht, dass alles aus dem Computer ist. Die Gestaltung der Unterschiedlichen Spezies ist äußerst gelungen, so viel Kreativität hat man seit „Hellboy II“ nicht mehr auf der Leinwand gesehen.

Bleibt in der Summe ein äußerst unterhaltsamer Film, der von einem interessanten Setting, detailverliebter Ausstattung, Kreativität und tollen Schauspielern getragen wird. Das kann man sich gut angucken. Klar ist aber auch, dass „Fantastische Viecher 2“ mehr Substanz brauchen wird, um zu funktionieren. Aber das weiß Rowling auch – „Viecher 1“ ist nur der Prolog für eine weitaus düstere Geschichte um die Frage, ob Zauberer die überlegenere Rasse sind. Mehr als genug Potential für große Konflikte, zumal in deren Zentrum eine Figur steht, die Dumbledores große Liebe sein wird. Das macht direkt Vorfreude auf die Fortsetzung!


Alle Bilder: Rechte bei Warner Bros.

 
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Verfasst von - 16. November 2016 in Film, review

 

Review: Suicide Squad (2016)

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Superman war ein nettes Alien, aber was, wenn das nächste Wesen mit übermenschlichen Kräften den Menschen nicht so wohlgesonnen ist? Um für so einen Fall gewappnet zu sein, tut die US-Regierung das selbstverständlich völlig naheliegendste: Sie stellt exakt so eine Gruppe von bösen Metawesen mit übermenschlichen Kräften zusammen. Allesamt sind fies und gemein oder haben einen an der Waffel oder beides. Tatsächlich taucht kurze Zeit später mit Cara Delevingne ein nur mit CGI-bekleidetes Supermodel mit einem furchtbaren Plan auf: Sie will eine Schlechtwettermaschine bauen und damit überall auf der Welt dunkle Wolken machen. Was in Deutschland niemand bemerken würde, erregt die Amerikaner so dermaßen, dass sie ihre Beklopptentruppe losschicken.

Ach, DC. Ich würde es dem Verlag ja so gerne gönnen, dass er gemeinsam mit Warner Bros sein eigenes „Cinematic Universe“ (DCU) auf die Beine gestellt bekommt: Superheldenfilme, die miteinander verwoben sind, genau wir Konkurrent Marvel das auch macht. Aber es soll wohl nicht sein, denn „Suidice Squad“ ist schon der dritte von drei Film im DCU, der einfach nur… Grütze ist.

Dabei ist das Problem nicht die Ausstattung, die Schauspieler oder die Effekte – alles, was man für Geld kaufen kann, ist wirklich top notch. Nein, dem DCU mangelt es an Charakteren und Geschichten. Kein Wunder, wenn man sich ausgerechnet den Eulenfilmmann Zack Snyder als Mastermind an Bord holt.

Snyder liefert zwar tolle Standbilder, aber spätestens seit „Watchmen“ wissen wir, dass er sich kein Stück um Geschichten und Charaktere schert. Folgerichtig lieferte Snyder mit „Man of Steel“ und „Batman v. Supermann“ zwei strunzdumme und hässliche Filme ab. Das einzig verwunderliche ist, dass er mit der Masche weitermachen darf und nicht gefeuert wurde: Sofort nach dem letzten Flop darf Snyder nun „Justice League“ kaputtmachen und „kreative Kontrolle“ über andere Filme ausüben.

Wie das aussieht, kann man nun am Beispiel von Suicide Squad gut sehen. Der Film hat viele Probleme, am Schlimmsten ist aber der fehlende Fokus. Er mäandert irgendwo zwischen Buddy- und Kriegsmovie, hat keinen richtigen Plot, bekommt die große Anzahl an Charakteren nicht sinnvoll unter und geht zudem lieblos mit seinen Figuren um. Warum sollen die mich, als Zuschauer, scheren, wenn der Film selbst sich auch nicht für sie interessiert?

Dabei fängt es nicht schlecht an: Einige Charaktere werden gut eingeführt, und der erste Akt beeindruckt mit einem dreckigen und realistischen Look. Gewalt ist im DCU, anders als bei Marvel, wirklich fühlbar – und Jared Letos Version des Jokers ist so fruchteinflößend wie zuvor nur Gruselfiguren wie Hannibal oder Scarface. Der aktuelle Joker ist ein offensichtliches Monster, das wirklich Angst beim Zuschauer erzeugt.

Im ersten Akt nerven offensichtlich wirklich nur die willkürlich und offenbar nach dem Erfolg von „Bohemian Rapsody“ im Trailer hastig über den Film geklebten 80er-Jahre-Popsongs. Alle zwei Minuten liegt ein Musikstück über Szenen und Dialogen, egal ob es passt oder nicht, und meistens passt es nicht.

Ist aber auch egal, denn spätestens im dritten Akt fällt alles hinten und vorne auseinander. Der Mangel an Story sorgt dafür, dass alle noch schnell ihr Ding zu Ende machen und dann wird ausgestempelt und nach Hause gegangen. Der Film verabschiedet sich damit genauso schnell von der Leinwand wie aus dem Gedächtnis. Was OK ist, denn so vergisst man als DC-Fan wenigstens schnell die Schmach, die den Figuren hier angetan wurde. Dann lieber den Animationsfilm „Assault on Arkham“ gucken. Da hat das Suicide Squad einen coolen Einsatz und zeigt, was aus der Realverfilmung hätte werden können.

 
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Verfasst von - 20. August 2016 in Film, review

 

Review: Ghostbusters (2016)

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Die Neuauflage von „Ghostbusters“ hat eine weibliche Besetzung. Deshalb benehmen sich Fanboys in sozialen Netzwerken wie eine Bande kotwerfender Affen, und auch Kritiker reduzieren den Film auf die Besetzung. Abseits davon stellt sich die Frage: Wie ist gut ist eigentlich dieses Reboot?

Eine papierdünne Handlung, Plotholes am laufenden Meter, merkwürdiges Pacing, lahme Kameraarbeit und schlechte Effekte. So könnte man Ghostbusters beschreiben. Und zwar das Original von 1984. Warum das Ding trotzdem ein Erfolg geworden ist? Wegen der hervorragenden Schauspieler, der coolen Grundidee und den skurrilen Charakteren. Der Rest ist ziemlich… doof. In der Rückschau wirkt der Film einfach viel cooler als er tatsächlich ist, weil das Hirn 33 Jahre lang Gelegenheit hatte Puderzucker darüber zu streuen, und bei erneuter Sichtung werden unbewusst die Nostalgiefilter auf volle Pulle gefahren.

Nicht falsch verstehen: Der Original-Ghostbusters macht fraglos immer noch viel Spaß, aber er ist NICHT das totale Meisterwerk, als das so mancher Fanboy ihn überhöht. Ich schreibe bewusst FanBOY, denn die waren es, die entsetzt aufheulten und sich dann gar nicht mehr einkriegten, als publik wurde, dass die neuen Ghostbusters… vier Frauen sind!

Damit brach ein Shitstorm sondergleichen los. Über ein Jahr sind die Darstellerinnen, Regisseur Paul Feige und die Produzenten dem geballten Hass in den sozialen Netzwerken schon ausgesetzt. Von „Ihr macht uns unsere Kindheit kaputt“-Vorwürfen über „Muss Hollywood aus politischer Korrektheit und falschem Feminismus hetzt ALLES mit Frauen besetzen?“ bis hin zu persönlichen Schlägen unter die Gürtellinie: Was da vorgebracht wurde ist richtig, richtig eklig. Am Schlimmsten hat es wohl Leslie Jones getroffen, die sogwar zwischenzeitlich ihren Twitteraccount deaktiviert haben soll. Denn eine großgewachsene, farbige Frau als Geisterjägerin? Die perfekte Zielscheibe für Hassattacken aus allen Richtungen, Rassismus brach sich da ebenso Bahn wie Angriffe aus der Bodyshaming-Ecke. In so manchem Forum und auf Facebookseiten gebärden sich die Männer, als ob ihnen mit diesem Film die Eier abgeschnitten werden sollten. Es ging am Ende gar nicht mehr um den Film, es ging nur noch um Hasspöbeleien.

Dooferweise geht es jetzt auch in den meisten Reviews nur noch um die weibliche Besetzung und den dadurch ausgelösten Shitstorm, was unter den Tisch fällt ist die Frage: Ist die Neuauflage von Ghostbusters ein guter Film?

Um das zu beantworten, bin ich direkt zur Deutschlandpremiere ins Kino gegangen und habe mir selbst ein Bild von der Lage gemacht. Die gute Nachricht lautet: Ghostbusters 2016 ist ein lustiger, feiner, kleiner Film, der in der Tradition des Original steht, mit dessen Motiven spielt und sie geschickt variiert.

Die Geschichte ist dabei dem Original recht treu. Wissenschaftlerinnen werden aus Uni geworfen, gründen Geisterjägerfirma und stellen sich im Showdown einem haushohen Feind. Die klassische Originstory, was manche Kritiker dem Film als unoriginell auslegen und fehlende Eigenständigkeit beklagen. Ich weiß nicht, welchen Film DIE gesehen haben, den, den ich gesehen habe war überaus eigenständig. Das beginnt schon im ersten Akt: Die Charaktere werden sinnvoll eingeführt und besser ausgearbeitet als in der 1984er Version, die Motivationen sind andere und insgesamt nimmt sich der Film mehr Zeit, und wesentliche Dinge wie die Entstehung der Ausrüstung, einfach mal ordentlich auszuleuchten.

Das tut er auf quatschalbere Art, die allerdings nicht slapstick-peinlich-komisch, sondern wirklich lustig ist. Beispiel: In den Dialogen wird nicht mal versucht Technobabbel halbwegs sinnvoll zu imitieren. Die Charaktere werfen mit Begriffen um sich, die einfach gar keinen Sinn ergeben. „Ich habe hier einen Faraday´schen Käfig zur Geräuschabsorption“ verkündet Kate McKinnon z.B. mit großem Ernst und hält ein geflicktes Nudelsieb in die Kamera. Das ist in der Situation urkomisch, hier macht Ghostbusters tatsächlich die Tradition auf und lässt den skurrilen Charakteren und den großartigen Schauspielerinnen einfach mal freien Lauf. Und das funktioniert! Alle Protagonistinnen sind gestandene Comediennes, haben ein irres Gespür für Timimg und Situationskomik und sind einfach wirklich richtig gut.

Das gilt auch für die von ihnen verkörperten Charaktere, die allesamt neue Figuren sind und nicht einfach ein Recycling der alten. Holtzmann ist ein undurchschaubares Technikgenie und mutmaßlich verrückt, Abby eine vom Leben genervte Wissenschaftlerin, Erin eine leicht hilflose Forscherin, die mit all dem am liebsten nichts zu tun hätte, und Patty ein wandelndes Historienlexikon.

Ausnahmslos jeder männliche Charakter wird hingegen als dumm und inkompetent dargestellt, und zwar dermaßen überzogen, das die Überzeichnung auch schon wieder lustig ist. Hier sieht man nicht nur Geschlechterumkehrung, Ghostbusters zelebriert das Geschlechterspiel als TOTALE PROTONENUMKEHR.

So ist der Bürgermeister ohne die patente Beraterin an seiner Seite vollkommen hilflos, der Dekan in seiner rotzigen Art wie ein kleiner Schuljunge und und Chris Hemsworth´Kevin („Auf welchem Foto sehe ich eher wie ein Arzt aus? Auf dem, wo ich nackt Saxophon spiele oder das, auf dem ich nackt am Saxophon horche?“) ist schlicht ein knackedoofes Lustobjekt, das passenderweise ausgerechnet von der leicht verklemmt wirkenden Erin exzessiv angebaggert wird.

In solchen Momenten funktioniert Ghostbusters am Besten: Wenn er mit Erwartungen bricht. Das passiert nicht oft, aber wenn es passiert, dann überrascht er.

In der Summe kann ich sagen: Ghostbusters 2016 ist feines Popcorn-Kino und das, was ich mit als Kind in den 80ern immer gewünscht habe: Er zeigt mehr Geisterjagden, mehr von der coolen Ausrüstung, mehr von den Ghostbusters. Das die zufällig weiblich sind tut dem Spaß keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

Das sage ich übrigens als jemand, der den Originalfilm liebt, ihn in den letzten 30 Jahren dutzende Male gesehen hat und auswendig mitsprechen kann. Damit gehe ich als Fanboy durch, und als solcher möchte ich den Regisseur und den Cast umarmen und für eine so gelungene Wiedergeburt der Ghostbusters danken. Es gibt halt auch Fanboys, die starke Frauen nicht nur aushalten, sondern mögen.

 
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Verfasst von - 5. August 2016 in Film, review

 

Test & Meinung: Nolan N104 Evo mit N-Com B5L ESS

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Bei Klapphelmen mit Tourenaustattung und integriertem Bluetoothsystem gibt es keine allzu große Auswahl. Ich habe mir den fast aktuellen N104 von Nolan und die zugehörige, brandneue Kommunkationslösung N-Com B5L mal genau angesehen – und sofort kaputt gemacht. Ich schreibe meine Erfahrungen hier mal auf, weil sich diese Informationen sonst nirgendwo im Internet finden.

„Ein Motorradhelm sollte nach fünf bis sieben Jahren ausgetauscht werden“, sagen „Experten“. Weil: „Die Weichmacher im Kunststoff verflüchtigen sich, dann wird die Helmschale spröde und verliert ihre Schutzwirkung.“ Bei Experten muss man immer genau hinsehen, von wem die bezahlt werden…

Ich persönlich glaube nicht, dass man pauschale Aussagen über die Haltbarkeit machen kann. Dazu spielen zu viele externe Faktoren eine Rolle. Meinen sehr geliebten Nolan N90 habe ich jetzt dennoch nach fünf Jahren und 45.000 Kilometern in den Vorruhestand geschickt. Er war nämlich nicht mehr dicht. Regen, insbesondere von der starken Sorte wie wir sie im Juni öfter hatten, schlug durch die Visierdichtungen. Hat man erstmal Tropfen auf der Innenseite des Visiers und auf der Brille, sieht man nur noch sehr wenig. Außerdem saß der Helm nach der diesjährigen Sommerfahrt nicht mehr wirklich fest auf dem Kopf. Das Innenfutter hatte sich im Laufe der Zeit geweitet. Beides ist sicherheitsrelevant, deshalb kam ich um einen Neukauf nicht rum.

Der neue sollte wieder ein Klapphelm sein und wieder Bluetooth fest eingebaut haben. Von der Sorte gibt es nicht viele. Die teureren Helme der Firma Schuberth gelten gemeinhin als Referenz in der Klasse. Will man von denen aber etwas Hochwertiges haben, muss man inkl. Bluetooth 800 Euro auf den Tisch packen. Günstiger, aber ebenfalls gut sind die Helme der italienischen Firma Nolan. Beim Helmkauf sollte der Preis natürlich nicht die erste Geige spielen. Das Wichtigste ist, dass der Helm perfekt passen muss. Ich habe einfach keinen Schuberth-Kopf, Nolan-Helme dagegen passen mir gut. Die bisherigen Erfahrungen mit dem N90 waren prima, darum fiel mein Auge nun auf die N104-Serie von Nolan. Das ist quasi der große Bruder des Nachfolgers von meinem N90.

Als 2012 der N104 rauskam versprach Nolan nicht weniger als den besten Helm, den sie je gebaut hatten. Eine Revolution, in allen Belangen besser als der Vorgänger N103. Fachpresse und die Motorradfahrer waren sich schnell einig: Das war maßlos übertrieben. Der erste 104 war ein netter Helm, hatte aber ein gravierendes Problem: Er war viel zu laut. Die Windgeräusche bei schneller Fahrt seien unerträglich, las man.

Gut, sowas sagte man über meinen alten N90 auch, aber dennoch besserte Hersteller Nolan nach und schob 2015 den N104 Evo in den Markt, der eine neue Lüftung mitbrachte und durch ein anderes Innenfutter ruhiger sein sollte. Der Evo wird jetzt gerade abgelöst durch den N104 Absolute, der nochmal leiser sein soll.

Im hiesigen Helmfachgeschäft standen jetzt beide Helme, Evo und Absolute, direkt nebeneinander, und ganz ehrlich: Bis auf genau eine geänderte Stelle an der Kinnriemenpolsterung und etwas andere Materialien im Innenfutter habe ich keinen Unterschied feststellen können. Was sich dagegen stark unterscheidet ist aktuell der Preis: Satte 130 Euro unter normalem Verkaufspreis sollte die Nobelvariante „Classic“ des Auslaufmodells N104 Evo kosten, und damit immer noch 100 Euro weniger als die Billigvariante „N104 Special Absolute“ des Nachfolgers. Sogar die Farbe gefiel mir.

Das ist er, mein neuer Nolan N104 Evo in Platinsilber.

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Verfasst von - 23. Juli 2016 in Motorrad, review

 

Review: Assassins Creed Rogue (2014)

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Der Assassine Shay Patrick Cormac wird 1755 durch Achilles Davenport von Amerika nach Lissabon geschickt um ein Artefakt der Vorfahren zu bergen. Cormac findet das Artefakt, löst damit aber ein Erdbeben aus. 30.000 Menschen sterben allein in Lissabon, der entstehende Tsunami überspült die Westküste Amerikas. Ähnliches ist vier Jahre zuvor auf Haiti geschehen, und Cormac erkennt, dass es noch mehr solcher Artefakte gibt, und das sie die Welt im Inneren zusammenhalten. Er bittet die Assassinenbruderschaft die Suche nach ihnen einzustellen, um nicht noch mehr Menschenleben zu gefährden. Mentor Achilles glaubt ihm nicht und eröffnet die Jagd auf Shay, der sich den Templern anschließt und seinerseits die Assassinen in den Kolonien dezimiert, bis nur noch Achilles übrig ist.

„Rogue“ ist zeitgleich mit „Unity“ erschienen. Während letzteres aber technisch und spielerisch aus PS4 und XBONE neue Wege geht, ist Rogue kaum mehr als eine Kombination aus „AC III“ und „Black Flag“ für die alten Konsolen XBOX 360 und PS3. Das ist weniger schlimm als es sich anhört: Die Technik funktioniert, die Kanten sind abgeschliffen, und die Seefahrtmechaniken machen nach wie vor einen Heidenspaß. Shay Cormac segelt im herbstlichen Flußtal des Hudson River, rennt durch ein neu gestaltetes New York oder turnt im schneebedeckten Nordatlantik herum, was sich grundlegend anders anfühlt als die Karibik in „Black Flag“. Aufgrund des eisigen Szenarios sind Tauchgänge gestrichen, dafür gibt es Schiffswracks im Packeis zu erkunden und die Nordwestpassage zu finden.

Die Geschichte von Rogue ist wesentlich interessanter als die seiner direkten Vorgänger ACIII und Black Flag. Shay Cormacs Leben ist packender und seine Motive glaubwürdiger als die anderer Serienhelden. Das geschickte Spiel mit historischen Ereignissen wie den Erdbeben oder Personen wie Benjamin Franklin und Captain Cook sorgt für Nervenkitzel, und da wir Achilles schon als gebrochenen, alten Mann kennen, Adéwalé und andere dagegen als junge Piraten, ist es interessant zu sehen, wie Rogue die zeitlichen Lücken füllt und erklärt, warum zu Beginn von ACIII die Bruderschaft nicht existent ist.

Leider bleiben die Aha-Effekte auf diese Szenen begrenzt, abseits davon ist die Inszenierung recht platt und die gute Geschichte kurz und zu hingeholpert erzählt. Weder wird der Hintergrund des siebenjährigen Kriegs (des ersten, echten Weltkriegs!) noch die Story um den Seitenwechsel zu den Templern vernünftig, im Sinne von angemessen dramatisch, dargestellt. Die wenigen Storymissionen hat man in 10 Stunden durch, ohne auch die Hälfte der Welt gesehen haben zu müssen. Um das Schiff hochzurüsten, Orte zu entdecken, Geheimnisse zu finden und Dinge zusammenzupuzzlen ist man sicher locker 40-60 Stunden beschäftigt.

Die Modern Day Story ist übrigens wieder quasi abwesend, wer will, kann in Egoperspektive und Schneckentempo durch das Büro von Abstergo Entertainment kriechen und 20 mal das gleiche, doofe Puzzle lösen, um irgendeinen egalen Quatsch über eine Nebenfigur der Gegenwartstempler anzuhören. Glücklicherweise ist dieser Blödsinn zum großen Teil Optional und ansonsten ignorierbar.

Nichtsdestotrotz bleibt aufgrund der Spielmechanik und der vielen, feinen Details in der Summe ein tolles und vollwertiges Spiel über. Rogue hat mich an vielen Stellen überrascht, angefangen bei der Pinguinkolonie, die ich in einem Schiffswrack entdeckte, über die Storyverästelungen zu Black Flag und ACIII bis hin zur Vertonung, die für sich schon ein Erlebnis ist. Shay spricht ein breites, irisches Englisch, in dem Vokale deutsch ausgesprochen werden. Wenn er seltsam fremdbetont losnäselt und Dinge sagt wie „Oi mäkk mei ouen Lugg“ (I make my own luck) ist das sehr atmosphärisch.

Insgesamt ein würdiger Schluss der Nordamerika-Trilogie und ein gelungener Abschied von den alten Konsolen.

Wer übrigens die Wahl zwischen Rogue und Unity hat, sollte Rogue zuerst spielen. Erstens bildet es eine tolle Brücke zu den Geschehnissen in Unity. Zweitens kann man, wenn man ein Mal die Schönheit von Unity gesehen hat, die Grafik auf den alten Konsolen nur noch schwer ertragen.

 
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Verfasst von - 25. November 2014 in Assassins Creed, Games, review

 

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Review: Assassins Creed IV Black Flag (2013)

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Story: Im Jahr 2013 wird ein namen- und geschlechtsloser Mensch (der Spieler selbst in Egoperspektive) bei Abstergo Entertainment eingestellt. Abstergo, das weiß man bereits, ist ein Konzern, der von Templern geführt wird. Der namenlose Spielercharakter soll Erinnerungen sichten und daraus Unterhaltungsprodukte machen. Piratenfilme stehen gerade hoch im Kurs, und mittlerweile steht unter jedem Schreibtisch eine Erinnerungsmaschine, so dass man in die DNA von Piratennachfahren eintaucht. Tatsächlich erlebt man das Leben von Edward Kenway nach, einem walisischen Taugenichts, der sich in der Karibik auf einem Freibeuterschiff verdingt. Eines Tages klaut er einem geheimnisvollen Fremden dessen Kapuzenkutte und gibt sich als Assassine aus – dabei interessiert ihn weder die Bruderschaft noch die Templer, die sich nun an seine Fersen heften, und erst recht nicht der „Weise“, der der Schlüssel zu einem Bauwerk von Interesse ist. Nein, Kenway will nur saufen, vögeln und looten, und dabei trifft er auf Anne Bonni, Edward „Black Beard“ Thatch und die anderen, bekannten Piraten, die von Privateers im Auftrag der Krone zu Outlaws geworden sind. Gemeinsam versuchen sie eine Pirtenrepublik zu gründen, mit dem bekannten Ausgang.

Meine Meinung: Die Story von „Black Flag“ ist so banal wie Banane, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Wobei die Gegenwartstory nach dem Tod von Desmond Miles quasi nicht vorhanden ist, und die kläglichen Stümpfe funktionieren nicht für zwei Cent. Als Spieler WEISS man einfach schon seit 5 Jahren, das hinter Abstergo die Templer stecken. Welchen Sinn hat es, uns eine Figur spielen zu lassen, die das nicht weiß? Die Steuerung ist zudem unwürdig: In der 1st-Person-Perspektive schleicht man im Schneckentempo durch Büros und löste Geschicklichkeitsrätsel, um an Infohäppchen zu Desmonds Tod und Juno Verbleiben zu gelangen, beides wird aber nicht wirklich geklärt. Ähnlich Schizophren ist, dass Abstergo Entertainment die Assassins Creed-Spiele rausgebracht haben soll – in den Büros steht die Verpackung von AC III rum. Diese Konstruktion ergibt null Sinn und funktioniert einfach nicht.

Ähnliches gilt für die Piratengeschichte. Der sorgfältig aufgebaute Mythos, dass Assassinen ihre Fähigkeiten durch jahrelanges Training erhalten, wird einfach mal über Bord gekippt. Edward zieht die Kutte über und kann ad hoc alle Parcoursmoves, die Ezio und Connor vorher jahrelang trainieren mussten.

Man kann es vielleicht so zusammenfassen: Wenn die Welt von Assassins Creed eine Scheibe ist, dann segelt „Black Flag“ mit voller Fahrt geradewegs über den Rand. Es lässt alles hinter sich, was das Franchise narrativ ausmacht, und zieht sein eigenes Ding durch.

Gerade das ist eine Stärke. Man muss „Black Flag“ zu Gute halten, dass es seine ganz eigene Welt baut, und die macht einen Heidenspaß. Man schippert mit seinem Piratenschiff durch die Karibik, kapert Handelsschiffe, befreit Inseln, taucht durch Wracks, buddelt Schätze aus, jagt Wale, prügelt sich durch Kneipen und hat Spaß am Plündern. Assassinen kommen nur als merkwürdige Eingeborene vor, und Templer sind arrogante Spanier, die man ignorieren kann.

In der Summe ganz großer Spaß, hat aber nichts mehr mit Geheimbünden und allem, das Assassins Creed stark gemacht hat, zu tun. Der Plot um den Waisen und das Astroskop ist schlicht albern und von Anfang an als Sackgasse zu erkennen, die die Geschichte in der Summe null weiterbringt. Aber die Welt funktioniert in sich, und mit der Jackdaw über die Meere zu segeln und zu plündern ist kurzweilig. In der Summe ist Black Flag ein überaus unterhaltsamer Lückenfüller, aber nicht mehr.

 
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Verfasst von - 12. November 2014 in Assassins Creed, Game, Games, Ganz Kurz, review

 

Review: Assassins Creed III (2012)

2014-11-05 09_55_15-assassins_creed3.jpg (JPEG-Grafik, 1024 × 576 Pixel)

Assassins Creed III (2012)
Story: Im Jahr 2012 steht die Erde wenige Tage vor der Vernichtung durch einen Sonnensturm – aber niemand weiß davon, außer den Templern und den Assassinen. Die sind mittlerweile in einer Höhle in Nordamerika angekommen, die merkwürdige Apparate der Vorfahren enthält. Allerdings kommen sie da nicht dran, es fehlt ein Schlüssel. In der Not steckt man Desmond in die Erinnerungsmaschine, und peilt in seiner DNA einen Vorfahren an, der in Nordamerika unterwegs war. Es folgt ein Sprung in das Jahr 1784, mitten in den amerikanischen Unbabhängigkeitskrieg.

Connor Kenway, der eigentlich Ratonhnhaké:ton heisst, ist Halbindianer – seine Mutter eine Mohawk, sein Vater Engländer und zufällig Großmeister der Templerloge der Kolonien. Connor geht beim letzten Assassinen Amerikas in die Lehre, gerät in den Unabhängigkeitskrieg und nimmt es dann mit seinem Vater auf. Ebenfalls rein zufällig war der im Besitz des Schlüssel zur Vorfahren-Höhle.

Nachdem Desmond nun weiß, wo der Schlüssel zu finden ist, öffnet er die Höhle. Dort trifft er auf Juno, eine Vorfahrin mit großem Hass auf die Menschheit. Ihr Geist steckt im Inneren der Maschinen, und sie war es, die über Jahrhunderte die Ereignisse sowie die Templer und Assassinen auf diesen Zeitpunkt hin manipuliert hat. Sie bietet Desmond Zugang zur Vorfahren-Technologie, um die Erde vor dem Sonnensturm zu retten. Dafür muss er sie aber befreien – und selbst sterben. Gesagt, getan: Desmond stirbt, Juno wird befreit, die Erde übersteht den 22.12.2012.

Meine Meinung: Die bislang größte Enttäuschung. Mit großem TamTam angekündigt, war AC III für mich ein ziemlicher Rohrkrepierer. Es funktioniert auf fünf Ebenen nicht:
1. In den vorangegangenen Spielen standen originelle Charaktere im Mittelpunkt. AC III ist hier anders. Connor Kenway hat so viel Charakter wie ein Knäckebrot und ein ist ein einsilbiger Klotz. ACIII ist kein Spiel über einen Charakter, sondern lediglich über die amerikanische Revolution.

2. Historische Ereignisse: Bei historischen Ereignissen hielten sich die Assassinen bislang stets im Schatten, was einen ganz eigenen Charme hatte. Die Geschichtsbücher sind voller Ereignisse, die unter merkwürdigen oder nie geklärten Umständen stattfanden. Es ist eine nette Idee, diese Lücken in der Historie mit fiktiven Geschichten zu füllen. Das ist ebenso clever wie spannend, aber leider macht ACIII hier alles anders. Connor IST der Mittelpunkt und löst Ereignisse sogar aus. Boston Tea Party? Den Tee hat Connor persönlich über Bord geworfen. Paul Reveres Ritt? Der saß bei Connor hinten auf dem Pferd. In der Summe mehr eine Karikatur als alles andere.

3. Bei der Gegenwartsstory merkt man, dass die Autoren mit Desmond nichts mehr anzufangen wissen. Sie wird extrem lieblos behandelt, und weil man nicht weiß wohin es gehen soll, wird Desmond umgebracht. Das hat er nicht verdient.

4. Im Konflikt Templer vs. Assassinen verschwimmen die Grenzen. Tatsächlich ist Haitham Kenway, der Templer, ein cleverer, sympathischerer und coolerer Charakter als sein Sohn Connor. In der Handlung wird dann erläutert, dass Templer und Assassinen die gleichen Ziele haben – nur ihre Methoden sind anders, und die der Templer scheinen oft eleganter. Als Spieler zweifelt man bald sehr an den Assassinen – hat aber keine andere Wahl, als den Klotz Connor zu spielen. Wenn man sich schon wünscht, eine andere Figur spielen zu können – dann stimmt was nicht.

5. Gameplay: Das Kampfsystem wurde überarbeitet, aber nicht zum Besseren. Der Benny-Hill-Effekt (Spielfigur läuft vorneweg, 20 Verfolger in einer Reihe hinterher), der bei den Vorgängern manchmal auftreten konnte, ist hier extrem ausgeprägt. Oft kommt es auch zu Massenkeilereien, an deren Ende 30, 40 Gegner am Boden liegen. Das spielt sich nicht nur doof, es ist auch ein Verstoß gegen den Creed: „Wirke unentdeckt im Hintergrund“.

Abgesehen davon spielt das ganze in Amerika. Damit kann ich weniger connecten als mit den europäischen Schauplätzen der letzten Teile. Amerika, Indianer,… das ist alles geistig so weit weg, dass es fast Fantasiewelt ist. Genauso könnten da auch Schlümpfe und Einhörner rumspringen. Davon abgesehen ist es auch vom Gameplay unspannender: Es ist durchaus ein Unterschied, ob man auf dem gewaltigen Dom in Florenz oder der Hagia Sophia in Istanbul rumklettert oder auf einer dieser zweigeschossigen Holzkirchen in Boston oder New York des 17. Jahrhunderts. Letzter hat kein Gefühl von Höhe. Da hilft es dann auch nichts, dass in ACIII manchmal Schnee fällt und man Karnickel jagen kann. Ich mag den Teil einfach nicht besonders.

 
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Verfasst von - 11. November 2014 in Assassins Creed, Game, review