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Archiv der Kategorie: Wiesel

WeltWieselTag 2017

In jedem Jahr am zweiten Wochenende des Augusts ist WeltWieselTag, so will es der Codex. An den heurigen Iden des Wiesels fand der WWT in Hamburg statt. Am Vorabend traf sich eine Abordnung von Wieseln in Göttingen zum Vorglühen. Von Links nach Rechts: Wiesela (angereist aus München), die Ältere Dame, Horst, Nanderez (ohne Bart, olé!) und das Wiesel.

Die Wiesel glühten vor, dass es nur so eine Freude war. Mit dem Ergebnis, das am nächsten Morgen alle mit einem Kater in der Ecke lagen und nur das Blogwiesel noch reisefähig war.

Wir machten uns auf zum Bahnhof.

Radfahrer in Göttingen = Kopf auf Tisch

Vor dem Bahnhof hatten sich ca. 200 asiatische Touristen versammelt um vielleicht ein Foto mit dem Wiesel machen zu können, aber das blie im Rucksack.

Erst als es in der Bahn vor den Paparazzi sicher war, guckte es wieder raus.

Am Hundertwasserbahnhof in Uelzen wurde ein kurzer Zwischenstop eingelegt um Aspirin nachzukaufen.

Dann ging es nach Hamburg. Wir hatten Glück noch reinzukommen, denn Hamburg war wegen so voll, dass es beinahe vor Überfüllung geschlossen worden wäre. Alles nur, weil JEDER zum WeltWieselTag wollte. War gar nicht so einfach, im Bahnhofsgewühl @FrauZimt zu finden.

Tatsächlich sprengte der WWT alle Rekorde. Zur vereinbarten Zeit, gegen 15.00 Uhr, trafen etwas über 30.000 Wiesel am Ort der zentralen Kundgebung ein. Hier startete gleich der Rekordversuch des diesjährigen: Massen-Versteckspiel! Und tatsächlich gelang es. Gegen 15.03 Uhr notierten die Vertreter des Guinessbuch einen neuen Weltrekord im Wiesel-Massenverstecken. Auf diesem Bild sind 30.000 Wiesel versteckt. Wiesel sind äußerst geschickte Verstecker.

Am Abend setzen sich das BlogWiesel, Frau Zimt und ich in Richtung Hafenviertel ab. Das Wiesel liess es sich nicht nehmen, den offiziellen sELPHIspot vor der Elbphilharmonie zu benutzen.

Mittlerweile hungrig gab es dann erstmal einen schönen Uschi-Teller.

Dann ging es zum Hauptakt des Tages. Im eigens angemieteten Volksparkstadion warteten bereits die angereisten Wiesel und einige ausgewählte Companions. Das Blogwiesel eröffnete die Veranstaltung mit einem ShowAkt allererster Güte.

Dann begann das Wiesel Film Festival.

Design: Owley

Hintereinander wurden zahlreiche Werke internationaler Künstler gespielt. Der vielleicht bekannteste: Owley, bei dessen zuvor aufgezeichneten Videogruß das Publikum total ausrastete.

Spät in der Nacht endete das Filmfestival, und der harte Kern der Wiesel, u.a. das Wunderbare Wiesel, Festivus und das Blogwiesel, zogen weiter in die Luana-Lounge und tanzten dort durch bis dem Morgen graute.

Ein äußerst erfolgreicher WeltWieselTag 2017!

 
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Verfasst von - 15. August 2017 in Wiesel

 

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Weltwieseltag 2017

Am zweiten Samstag im August findet in Hamburg der Weltwieseltag 2017 statt*.

Die Veranstalter der WTF (Wiesel Task Force) rechnen mit bis zu 30.000 Besuchswieseln aus aller Welt. Die zentrale Kundgebung beginnt am Samstag, 12.08. um 15.00 Uhr im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf auf dem Platz Kapellenstraße Ecke Waldstraße.

Willkommen sind alle Wiesel und Menschen, die in Begleitung eines Wiesels kommen. Wer dabei sein möchte aber kein Wiesel hat, guckt in die Röhre. Die WTF weißt aber darauf hin, dass man sich HIER evtl. noch kurzfristig ein Wiesel organisieren kann.

Wie in den vergangenen Jahren wird die Veranstaltung bestenfalls seltsam ablaufen. Da Wiesel nicht sprechen können, fällt die Eröffnungsrede aus. Danach werden die Wiesel sehr leise, dafür aber sehr unorganisiert ca. 5 Minuten durch die Gegend marodieren, bis die Aufmerksamkeitsspanne ausgeschöpft ist und sie in alle Richtungen auseinanderlaufen.
Danach Abendprogramm.

Wer dabei sein möchte ist selbst schuld und muss sich vorab per Fax bei silencer137@me.com anmelden.

Bild vom WWT 2014: Damals waren es ca. 6 Wiesel, diesemal werden bis zu 30.000 erwartet.

—————
* Arme Hansestadt. Erst G20, nun Weltwieseltag.

 
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Verfasst von - 1. August 2017 in Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (10): Vie dei Tesori

Sonntag, 16. Oktober 2016, Palermo

Federica und Marco, die jungen Akademiker denen der B&B-Palazzo gehört, haben Frühstück hingestellt und sich dann nochmal ins Bett verzogen. Richtig so, immerhin ist Sonntag.

Und was mache ich heute mal so? Ins Bett legen und den Tag verpennen ist keine Option. Allerdings habe ich auch keinen festen Plan und laufe darum einfach mal los, die lange Prachtstraße Via Roma entlang und Richtung Bahnhof. Heute ist die Straße für Autos gesperrt und eine einzige, große Fußgängerzone. Ich bin nicht allein, gefühlt ist bereits halb Palermo auf den Füßen.

Vielleicht liegt das am Sonntag und dem schönen Wetter, vielleicht aber auch den den Vie dei Tesori – den Straßen voller Schätze oder anders übersetzt, den Schätzen am Wegesrand. Passen würde beides. Palermo hat viele Schätze, die meisten existieren im Verborgenen. Das Vie dei Tesori ist ein Festivalprogramm, dass die verborgenen und weniger verborgenen Attraktionen ins Licht rückt. Überall sehe ich Aufsteller, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen, und ein Heer Ehrenamtlicher Helfer organisiert und lenkt die Besucher.

Gedacht ist das Programm vor allem für die Einwohner von Palermo, damit die ihre Stadt besser kennen- und schätzen lernen. Dem kommen die auch gerne nach. Besonders die bekannteren, aber sonst nicht zugänglichen Orte sind bereits überlaufen. Vor dem Luftschutzbunker unter dem Rathaus haben sich schon lange Schlangen gebildet.
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Verfasst von - 8. April 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (9): Rosalia

Samstag, 15. Oktober 2016, Palermo

Für Thanatouristen gibt es eine Art „Bucket List“. Pflichtorte, die man unbedingt gesehen haben sollte. Jeder, der wie ich von besonderen Sepukralbauten fasziniert ist, hat auf den vorderen Stellen dieser Liste die Kirche von Horta Kudna bei Prag, die Katakomben von Paris, die Kapuzinergrüfte von Rom und die Kapuzinergruft von Palermo. Genau dahin bin ich heute Morgen auf dem Weg.

Ich wandere durch die staubigen Straßen. Fußwege gibt es nicht, die alten Häuser stehen direkt an der Straße. Farbe haben die Hauswände das letzte Mal vor 30 oder mehr Jahren gesehen. An vielen Stellen ist der Putz so weiträumig abgebröckelt, dass man auch das Mauerwerk durchsehen kann, was in manchen Häusern selbst auch Löcher hat.

Die Straßen sind von Müll übersät, vielleicht Überbleibsel des Sturms von letzter Nacht. Die Hauseingänge dagegen sind blitzsauber. Es ist Samstag Morgen, und ich sehe etliche Leute, die voller Hingabe die Stufen zu ihren Haustüren scheuern. Menschen sind seltsam. Alles hier verfällt, für die Straßen ist niemand zuständig, aber was sollen die Nachbarn sagen, wenn die Hausschwelle schmutzig ist?

Irgendwann heute Nacht hat es wohl ein paar Tropfen geregnet, und diese Tropfen haben aus dem heißen Wind des Scirocco den Wüstensand gewaschen, den er als Gastgeschenk aus Afrika mitgebracht hat. Ausnahmslos alles ist verdreckt. Auch die beiden frisch gewaschenen Hemden, die ich zum Trocknen auf den Balkon gehängt hatte, sind mit einer ockerfarbenen Sandschicht überzogen. Die kann ich gleich nochmal waschen.

Der Scirocco hat sich beim Besuch aus Afrika nicht die Füße abgetreten.

Nach einer halben Stunde Fußweg erreiche ich den Eingang zum Kapuzinerkloster der Stadt, und dort den Eingang zur Gruft des Ordens.

Hinweis: Bilder von Skeletten und einem toten Kind nach dem Klick.

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Verfasst von - 1. April 2017 in Reisen, Wiesel

 

Frühling!

Höret und preiset das Frühlingswiesel! Das Frühlingswiesel sorgt dafür, dass auch in diesem Jahr wieder Frühling ist! Hiermit verkündet es den Beginn der Motorradsaison! Der Winter war lang und kalt und dunkel, aber nun macht das Wiesel Frühling und gutes Wetter, dass es nur so kracht! Passt auf Eure morschen Knochen auf, fahrt vorsichtig und huldigt dem Frühlingswiesel!

Nach Frühling gerochen hat es ja schon vorvergangene Woche, aber irgendwie kam er dann doch nicht in den Quark. Kalt und regnerisch präsentierte sich der März, und erst in den letzten Tagen kam ein wenig die Sonne raus und die Temperaturen kletterten in den zweistelligen Bereich. Jetzt gibt der Frühling richtig Gas, denn das Frühlingswiesel proklamiert ihn hiermit!

Motorrad fahren konnte man eigentlich schon seit Anfang des Monats, denn Schnee und Minustemperaturen gab es da schon nicht mehr. Meine persönliche Saison hat tatsächlich am 03. März begonnen, denn da habe ich die V-Strom aus dem Solling geholt. Die kam gerade gestern aus der Werkstatt wieder, die mehre Tage an der neuen alten Maschine rumgeschraubt und -geflext hat, aber dazu später mehr.

Der Frühling hat mich aber eine erstaunliche Entdeckung machen lassen. Ich dachte, die V-Strom sei schwarz. Ist sie nicht. Wenn die Sonne auf den Lack scheint, beginnt sie blau zu glitzern! Ich fahre ein Glitzermotorrad!

Noch ein ernsthaftes Wort: Nach einem halben Jahr Pause muss man sich erst wieder an die völlig andere Fahrphysik und Handling gewöhnen. Motorradfahren ist so anstrengend wie Leistungssport, damit muss man erst mal wieder klarkommen. Für Moppedfahrer heißt das: Sich langsam und vorsichtig rantasten und wieder eingewöhnen. Für Autofahrer heißt das: Augen doppelt offen halten. Zweiräder sind wieder unterwegs, und mit ihrem Fehlverhalten ist zu rechnen.

 
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Verfasst von - 26. März 2017 in Motorrad, wetter, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (8): Palermo!

Freitag, 14. Oktober 2017, Cefalù

Das B&B „Villa Rosa“ in Cefalù liegt auf einem Felsen, an dessem Fuß eine stark frequentierte Bahnstrecke und eine vielbefahrenen Straße vorbeiführen. Davon bekomme ich in der Nacht aber nichts mit und wache erst auf, als Dario seinen altersschwachen Citroen anlässt um zum Bäcker zu fahren.

Wenig später hustet sich der Citroen zurück den Berg hinauf, und als ich gerade aus der Dusche komme klappert Dario auf der Terrasse vor meinem Zimmer mit Tellern. Der Ausblick vom Frühstückstisch auf der Veranda ist fantastisch: Über eine Jasminhecke (und eine Fernsehantenne) blicke ich auf´s offene Meer hinaus, während eine frische, aber warme Brise weht.

Ein kleines Buffet bietet nicht nur Käse, Wurst und Konfitüre, sondern auch Feigen, Tomaten und Kaktusfrüchte aus dem eigenen Garten. Während ich Kaktus kaue, bringt Dario eine Macchina, einen Espressozubereiter, an den Tisch. Ein ganzes Kännchen Espresso, nur für mich! Fantastisch!

Das Wiesel verpennt das Frühstück.


Erst als ich schon die Sachen gepackt habe, blickt es träge um die Ecke.

Ich werfe den Rucksack ins Auto und verabschiede mich von Dario und von Cefalù. Heute geht es zurück auf Start, zurück zu dem Punkt, von dem aus ich meine Sizilienerkundung begonnen habe: Nach Palermo. Aber nicht auf direktem Weg. Weit in der Peripherie der größten Stadt auf der Insel beginnt eine Ringstraße, die ich nutze um zu einem Viertel um die Stadt herum zu fahren.
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Verfasst von - 25. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (7): FahrenFahrenFahren

13. Oktober 2016, Taormina

„Darf ich jetzt bezahlen?“, frage ich. Prompt kommt von hinter dem Tresen der Rezeption ein „No.“ Valentina guckt mit demonstrativ gespitzen Lippen in ihren Computer und muss dann schließlich selbst lachen.

Es ist ein grauer und bedeckter Morgen in der Bucht von Taormina, und es fallen sogar einige Tropfen. Das ist aber vollkommen OK. Bisher habe ich mit dem Wetter ein Riesenglück gehabt. So trocken und wüstengleich heiß die Sommer aus Sizilien auch sind, im Oktober fällt normalerweise sehr viel Regen und gibt dem ausgedörrten Land das Leben wieder. Meist ist die Regenzeit Mitte bis Ende Oktober, also ziemlich genau jetzt. Aber in diesem Jahr hat es schon im September monsunartig geregnet, was die ganzen gesperrten Straßen und Erdrutsche erklärt. Das ich bislang jeden Tag strahlenden Sonnenschein hatte ist wirklich pures Glück.

Bedecktes Wetter, aber als Aussicht beim Frühstück immer noch zu gebrauchen.

Noch mehr Glück habe ich, dass das Tetrisspiel des Einparkmeisters meinen Twingo ganz nach vorn ans Tor befördert hat. Er steht sogar mit der Schnauze zur Ausfahrt, so dass ich gar nicht lange rangieren muss, sondern einfach einsteigen und vorsichtig aus der winzigen Auafahrt rollen kann. Es ist nicht zu glauben, aber auf der Fläche von vielleicht vier Behindertenparkplätzen sind gerade neun Autos und ein Motorrad untergebracht!

Durch den morgendlichen Rushhourverkehr geht es ein wenig an der Küste lang, dann ins Inland. Nach knapp 40 Minuten erreiche ich die Alcantara-Schlucht. Die ist bekannt für ihre seltsamen Gesteinsformationen und den Fluss, der durch sie durchrauscht. Früher was das Ganze ein Geheimtipp, jetzt steht hier ein riesiges Touristenzentrum, in dem man jede Art von Vergnügung buchen kann. Von Nordic Walking über Steilwandklettern bis hin zum Bodyrafting mit GoPro auf dem Kopf ist hier alles möglich. Sogar ein Maskottchen gibt es: ZazzaMike, ein Lurch-Ding, dass aussieht als stünde es unter Drogen.

Die Alcantara-Schlucht.

Es nieselt, und ich habe keine Lust darauf durch die Schlucht zu klettern oder sonstigen, von ZazzaMike empfohlenen, Aktivitäten nachzugehen. Also setze ich mich wieder in den Twingo und fahre weiter. Fahren, dass ist es, was ich heute will. Nur fahren, ein Mal quer durchs Land, ohne Route, und dabei die Insel auf mich wirken lassen. Und genau das mache ich dann auch.

Meist nicht schneller als 50, 60 km/h tuckert der Twingo über die SS120, die der Reiseführer als eine der schönsten Straßen Siziliens beschreibt. Recht hat er, die Straße schlängelt sich durch die Berge und an ihnen entlang, und dabei eröffnen sich immer wieder großartige Ausblicke.

Das Land ist zunächst Grün und hügelig und voller Wälder. Als ich die Region des Ätna hinter mir lasse, bleiben auch die Wälder zurück. Die Hügel sind jetzt grasbewachsen, und Schafe weiden darauf herum.


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Verfasst von - 18. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (6): Des Atems beraubt

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Mittwoch, 12. Oktober 2016, auf dem Ätna

Um das Refugio Sapienza tobt der Sturm. Nicht einfach nur ein starker Wind, sondern die Art von Sturm, wie man ihn nur hoch oben in den Bergen findet. Die Art von Sturm, der in mehreren Kilometern Höhe entstanden ist und dort als Luftströmung mit Turbo dahinsauste. Und nun steht ihm ein Berg im Weg. Das ist erste Mal in seinem Leben, das er mit einem Hindernis konfrontiert ist. Kannte er vorher gar nicht. Plötzlich steht da was im Weg, und das macht den Sturm wütend. Deshalb tobt er nun um den Berg, heult um das massive Hotel und rüttelt an allem was nicht niet- und nagelfest ist.

In meinem Inneren tobt es auch, aber ganz anders. Irgendwas an der Pizza Pistacchio gestern Abend habe ich nicht vertragen. Die ganze Nacht bin ich vom Bauchgrummeln immer wieder aufgewacht, und jetzt komme ich vor lauter Durchfall von der Schüssel gar nicht mehr runter. Es sind nicht mal Bauchschmerzen, es rumort einfach in meinen Eingeweiden, und weiter als ein paar Meter sollte ich mich nicht von deiner Toilette aufhalten.

Ich überlege kurz und wäge sehr sorgfältig ab, dann wühle ich aus dem Rucksack die Reiseapotheke hervor. Die ist in den letzten Jahren ganz ordentlich gewachsen und enthält nur sehr wirksames Zeug. Wirksam heißt leider auch meistens: Es gibt Nebenwirkungen. Bevor ich die Kapseln mit dem Loperamid schlucke, halte ich nochmal kurz inne. Das Zeug wirkt sofort, aber der Preis dafür ist nicht ohne. Eine Alternative sehe ich aber gerade nicht, also runter damit!

Blick aus meinem Zimmerfenster. Ich schaue direkt auf die Flanke des Vulkanbergs!

Blick aus meinem Zimmerfenster. Ich schaue direkt auf die Flanke des Vulkanbergs!

Die Seilbahn und Schneeschiebezubehör.

Die Seilbahn und Schneeschiebezubehör.

Zehn Minuten später ist das Rumoren in meinem Inneren weg, und Flüssigkeit läuft nicht mehr schneller aus mir raus als ich trinken kann. Dafür habe ich das Gefühl leicht neben mir zu stehen. Als ich die Rechnung an der Rezeption begleiche und den Rucksack in den Twingo bringen will, verfehle ich den Treppenabsatz und stolpere gegen einen Pfosten. Gut, dass ich jetzt nicht Auto fahren muss, sondern erstmal was anderes vorhabe!

Das Refugio Sapienzo.

Das Refugio Sapienzo.


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Verfasst von - 11. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (5): Der Einschlag

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Dienstag, 11. Oktober 2016, Avola

Als ich um kurz nach Sieben wach werde ist es ganz still in der Villa Maris. Gastgeberin Cinzia ist schon aus dem Haus und geht ihrer echten Arbeit nach. Der Gasthausbetrieb ist, bei aller Professionalität, nur ein Nebenjob von ihr und ihrem Mann.

Ich packe meine Sachen und werfe sie in den Twingo, dann fahre ich ein Mal um die Ecke. Dort liegt das Meer, und, eingekeilt zwischen mehreren Betrieben zur Fischverarbeitung, eine Strandbar.

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„Moin. Ich komme von der Villa Maris“, sage ich und lege dem Mann hinter der Theke einen Zettel mit Cinzias Unterschrift hin. „Ah, klar, such Dir was aus!“, sagt er.

Ich habe noch nie gesehen das jemand so eine "eins" schreibt.

Ich habe noch nie gesehen das jemand so eine „eins“ schreibt.

Wenig später steht ein doppelter Espresso vor mir, und während ich den Ausblick auf das Meer in der Morgensonne genieße, mümmele ich ein Cornetto, das mit dickem, sämigen Vanillepudding gefüllt ist. Auf Sizilien versteht man zu Essen, und gerade Süßspeisen können die wirklich.

Frühstück mit Aussicht.

Frühstück mit Aussicht.


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Verfasst von - 4. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (4): Barock

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Montag, 10. Oktober 2016, Casale San Basilio, 10 km südlich von Caltagirone

Die ehemaligen Keltereihalle des Weinguts ist riesig. Sie ist bestimmt 10 Meter hoch, die mächtigen Wände mit den kleinen Fenstern sind aus grauem Naturstein gebaut und bestimmt ein paar hundert Jahre alt. Banner hängen von der Decke, was den Eindruck noch mehr verstärkt, dass das hier eigentlich eine alte Burg ist. Früher sind hier die Leute in Bottichen rumgesprungen um die Trauben zu zerstampfen. Heute dient die Keltereihalle als Frühstückssaal. Ich sitze mit einem Frühstückscaffé auf einer Holzgalerie, die sich gut 5 Meter über dem Boden an der Außenwand der Halle langzieht. Von hier oben kann ich die ganze Halle überblicken. Ich bin alleine hier. Irgendwo eine Etage tiefer murkelt Salvo an einer Espressomaschine herum und pfeift ein Lied. Ein seltsamer und ruhiger Moment der Ruhe.

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Wenig später brummt der kleine Twingo übers Land, weiter nach Osten. Wieder fällt mir auf, wie anders das Reisen mit dem Auto im Gegensatz zum Motorrad doch ist. Im Auto kann ich schnell mal nach der Wasserflasche greifen und was trinken, die Temperatur so einstellen wie ich mag, ich kann nebenbei Podcasts hören und die Landschaft angucken. All das geht auf dem Motorrad nicht oder nur umständlich. Damit hört sich Autofahren zwar besser an, aber der Preis für die Bequemlichkeit ist die Entkoppelung von der Straße und den Elementen. Ein Beispiel: Das Auto hat eine Klimanlage – damit wird meinem Erleben die Erfahrung der Gluthitze genommen, die außerhalb des Wagens herrscht. Das Reisen per Auto reduziert die sinnliche Er-fahrung des Landes. Autofahren ist vielleicht komfortabler – aber was man dadurch an Eindrücken mitnimmt ist gedämpfter, nicht so stark und eindeutig.

Die Fahrt dauert heute Morgen auch nicht lang, nur knapp eine Stunde. Dann umrunde ich auf einer Straße, die sich am Rande einer Schlucht entlangzieht, einen großen Felsen in der Talmitte, auf dem eine Stadt thront: Ragusa, bzw. die Altstadt von Ragusa, die passenderweise „Ibla“, Insel, heisst. Und tatsächlich thront die Ibla wie eine Insel über dem Grün des Tals.

Man sollte nicht am Fuß der Ibla parken und und dann hinauf laufen, obwohl das sicher auch ginge. Der Aufstieg ist lang und beschwerlich, und ich bin froh, dass ich das nicht machen muss. Google Streetview ist mir bei der Vorbereitung auf solche Orte ein unverzichtbares Werkzeug. Damit gucke ich vorher nach Parkplätzen, denn der Urlaub ist zu kurz um ihn mit nerviger Sucherei zu verbringen.

Ich fahre ein Mal um die Stadt rum und kurve auf der Rückseite eine kleine, supersteile Bergstraße hinauf, und da ist auch schon der perfekte, gebührenfreie Parkplatz unter schattenspendenden Bäumen. Genau dort, wo ich ihn bei Streetview gefunden hatte.

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Hinter dem Parkplatz wird wild gezeltet.

Hinter dem Parkplatz wird wild gezeltet.

Ragusa ist eine beschauliche, kleine Barockstadt. Genau wie einige andere Städte hier im Umkreis wurde sie beim großen Erbdbeben im Jahr 1693 komplett zerstört und danach im Barockstil wieder aufgebaut. Ragusa ist nicht die einzige Stadt, mit der das passiert ist. Es gibt noch weitere Orte im Val di Noto, die um 1700 rum vernichtet und als barocke Idealstädte neu gebaut wurden. Sie stehen bis heute und sind ziemlich einzigartige Zeugnisse einer Epoche, wie sie sich auf dem eruopäischen Festland nicht mehr finden lassen.

Der Marktplatz ist heute morgen noch leer, es ist auch gerade erst halb zehn.

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Verfasst von - 25. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (3): Stock & Stein

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Sonntag, 09. Oktober 2016

Ich gähne mein Spiegelbild an, das aus dem Badezimmerspiegel zurückgähnt und dann übernächtigt glotzt. Die Nacht war unruhig, die Feier im Gastraum unter dem Gästezimmer war so laut, dass es mir vorkam als ob die Liveband direkt und in voller Lautstärke vor meinem Bett spielte. Stundenlang ging das so, bis um Schlag 00.45 plötzlich die Musik aus war.
Und das Licht auch.
Ein Stromausfall.

Der währte nicht lange, aber danach fing die Band gnädigerweise nicht wieder an zu spielen. Dennoch war an Schlaf nicht mehr wirklich zu denken, zu aufgeputscht und wütend war ich.

Wütend auf die Gastwirte, die bei eine „Eventi“ im Haus nicht nur Zimmer an die Gäste der Feier vermieten, sondern auch an solche, die damit nichts zu tun haben und vielleicht schlafen wollen. Wenn die Feiern im Haus haben, dann sollten sie keine Zimmer an Fremde vermieten. Beschweren werde ich mich aber trotzdem nicht, denn um ehrlich zu sein: Ich habe vor so langer Zeit dieses Zimmer gebucht, da stand die Feier vermutlich noch gar nicht auf dem Programm. Dennoch ist die Kiste hier sowieso hellhörig wie sonstwas. Das Haus ist superschön, aber im Nebenzimmer höre ich jetzt schon eine Frau rumstöckeln, und im Erdgeschoss toben schon um kurz nach sieben Uhr Kinder herum.

Ausblick von meinem Zimmer. Der Twingo hat die Nacht in einem Unterstand verbracht.

Ausblick von meinem Zimmer. Der Twingo hat die Nacht in einem Unterstand verbracht.

Als ich ins Restaurant im Erdgeschoss komme ist niemand zu sehen außer einem älteren Ehepaar, die anscheinend zur feierenden Familie gehören, aber gleichzeitig auch Gäste sind. Dann taucht unvermittelt jemand auf, der ohne einen Anflug von Freundlichkeit einen Kuchenteller vor mir abstellt. „Pflaume mit Mandeln“, sagt er.

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Ich bestelle einen Caffé Doppio, der dann fast 10 Minuten auf sich warten lässt. Das es dazu keinen Zucker gibt, ignoriere ich, sondern haue das Ding vor den Augen des Gastwirts in einem Zug weg und sage schroff „Zahlen. Jetzt.“

Danach schultere ich den Rucksack und marschiere ohne ein Wort des Abschieds und ohne einen Blick zurück zur Vordertür raus. Die Gastgeber machen auch keine Anstalten was zu sagen. Die Gastwirtin guckt zwar lieb, zu einem Wort der Verabschiedung kann aber auch sie sich nicht durchringen. Komisches Volk hier. Das Haus und die Ausstattung ist zwar toll, die Preise niedrig, aber wenn jemand sich so gar nicht wie ein Gastgeber verhält und sich um seine Gäste praktisch nicht schert, wenn sie nicht zu Familie gehören, dann komme ich nicht wieder. Und auf die Karte der „Empfehlungen für wohlfeiles Nächtigen“ schaffen die es mal gleich gar nicht.

Kurze Zeit später brummt der Twingo über Bergstraßen nach Westen. Da es Sonntag und früh am Morgen ist, sind außer mir sind nur ein paar Radrennfahrer und einige Bauern unterwegs. Letztere tuckern entweder auf Treckern durch die Gegend oder stehen am Straßenrand und checken an den geöffneten Kofferräumen ihre Autos Langwaffen, legen Tarnkleidung an und hängen sich Patronengurte um. Sonntags wird im sizilianischen Hinterland auf die Jagd gegangen.

Der Miettwingo ist hoffnungslos untermotorisiert und liegt viel zu hoch, was Kurvenfahren… nun, interessant macht. Ich bin ja meistens mit dem Kleine Gelben AutoTM unterwegs, dass mit Turbomotor und Sportfahrwerk verwöhnt. Im Gegensatz dazu ist der feuerrote Twingo eine Kasperkiste. Auch das klavierlackbezogene Cockpit ist eine Spielerei. Aber immerhin ist er handlich und klein und hat einen superkleinen Wendekreis, und DAS zählt in Italien. Ist kein Zufall, dass die meisten Italiener auf dem Land kleine Fiats fahren. Damit kommt man überall durch, denn auch wenn die Kisten ansonsten unverschämte Fehlkonstruktionen sind: Das Fahrwerk hält einiges aus. Muss es auch, gerade hier auf Sizilien.

Die Straße, die ich gerade fahre, ist auch nicht die beste. Immer wieder ist sie regelrecht zerbrochen, hat riesige Absätze mitten in der Fahrbahn oder wird von Erdrutschen blockiert. Dann hört sie plötzlich einfach auf. Eben war da noch eine gut asphaltierte Strada Statale, plötzlich ist da nur noch ein unbefestigster Weg aus faustgroßen Steinen. Wasser hat in diesem Feldweg tiefe Gräben hinterlassen, und links und rechts des knapp des zwei Meter breiten Weges drohen wahlweise spitze Dornengewächse oder ein Abhang.

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Ich fluche lauthals – das erinnert mich alles an die schlimmste Fahrt, die ich bislang hatte – damals musste ich so einen Weg mit ordentlich Steigung dazu mit dem Sportmotorrad hoch, bis es nicht mehr weiterging. Damals war ich an einem Punkt, dass ich ich wirklich versucht hatte die Bergrettung zu kontaktieren, weil es einfach zu gefährlich war weiterzufahren. Wäre ich mit dem Motorrad hier, ich würde jetzt sofort umdrehen. Aber mit dem Auto… hinter der nächsten Kurve wird es bestimmt besser, rede ich mir ein. Wird es aber nicht. Im Gegenteil. Aber zurück kann ich nun nicht mehr, mehre hundert Meter über Stock und Stein rückwärts fahren, nee, das will ich nicht. Also weiter. Für den Twingo, der ein Stadtauto ist, ist das hier nichts. Für einen Geländewagen wäre das was. Oder eine Enduro. Aber nicht für einen Twingo.

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Verfasst von - 18. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (2): Kreuz & Quer

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Samstag, 08. Oktober 2016, Agri Gessi, Calatafimi

„Die Iris“, sagt Pietro, „ist eine Spezialität, die es nur hier gibt. Willst Du was Besonderes, probier´ die Iris.“

Pietro ist der Gastwirt des Agri Gessi, des Hofs im Kreideland. Er hat meinen Frühstückstisch so aufgebaut, dass ich durch die offene Tür der Gaststube über die Felslandschaft blicken kann. Draußen spielen die beiden Hunde von gestern Abend mit einigen Katzen, die erst wenige Wochen alt sein dürften. Die Sonne scheint und der Himmel strahlt blau, aber dennoch ist es kühl hier oben. Auf einem entfernten Hügel, direkt auf Augenhöhe, steht ein griechischer Tempel. Frühstück mit Aussicht auf Tempel!

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Vor mir auf dem Frühstückstisch steht ein Tablett mit frischen Croissants, Plunderstückchen, Puddingschnecken – und einer Iris. Ich folge Pietros Tipp und nehme die und beiße beherzt hinein. Die Iris, so stellt sich heraus, ist ein dicker Batzen Ricotta, in dem vereinzelte Schokostückchen flottieren und der frittiert und dick eingezuckert ist. Schmeckt irre gut, aber den Rest des Tages brauche ich nichts mehr zu essen, mein Kalorienbedarf ist gedeckt.

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Nach dem Frühstück mache ich mit Pietro einen kurzen Gang um das Haupthaus. Er ist noch nicht lange im Gastgewerbe, erst seit wenigen Wochen hat der Anbau mit den Fremdenzimmern geöffnet. Sizilianer sind für ihren unverständlichen Akzent bekannt, aber Pietros Italienisch verstehe ich ausgezeichnet. Wir stehen auf einem Bergkamm hinter dem Hof, und unser Atem kondensiert in der kalten Morgenluft, während Pietro in verscheidene Richtungen deutet.

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Er zeigt mir, dass sein Hof auf allen Seiten von Sehenswürdigkeiten umgeben ist. Da ist der griechische Tempel und dort ist Calatafimi. Der Ort ist winzig, und doch kennt ihn in Italien jedes Schulkind, denn DORT auf dem Hügel hat Garibaldi das erste Mal die 1.000 versammelt, das legendäre Regiment, mit dem er Italien vereint hat. Dieser Gelegeneheit zu Ehren steht ein Denkmal mit einem Obelisken auf dem Berg. Hier wurde Geschichte geschrieben!

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Pietro ist ein guter Erzähler, und ich bedauere es fast, das ich hier weg muss. Aber nur fast, denn 1. ist die Straße zum Agri Gessi eine ECHTE Zumutung, und ich will die endlich hinter mir haben und 2. wartet an deren Ende noch der ganze Rest Siziliens auf mich.

Auch das Wiesel mag die Aussicht.

Auch das Wiesel mag die Aussicht.

Ich mache den Twingo startfertig und stecke diverse, leichte Halterungen und Kabel zusammen. Schon dient das iPhone als Navi, das mit einer kleinen Halterung in die Lüftungsschlitze geklemmt ist, und an der Frontscheibe pappt die VIRB-Kamera, die normalerweise am Motorrad hängt.

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Als ich vom Berg herunterfahre, rennen die Hofhunde mit Irrsinnsgeschwindigkeit neben dem Wagen her und springen immer wieder vor die Räder. Ich muss Schmunzeln, denn dieses Verhalten kenne ich noch von Nicki, dem Hund, mit dem ich aufgewachsen bin. Nicki jagte auf diese Weise auch immer Autos und Traktoren. Es war ein Spiel, eine Mutprobe – als Autofahrer darf man nicht langsamer werden, wenn Hunde sowas machen. Über nichts freuen sie sich mehr, als wenn man voll in die Eisen steigt. Dann hat man verloren, und sie gewonnen, und das wissen die Viecher. Also fahre ich einfach weiter und vertraue darauf, dass Pietros Hofhunde genauso geschickt sind wie Nicki.

Am Ende des Weges beginnt das Abenteuer!

Am Ende des Weges beginnt das Abenteuer!


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Verfasst von - 11. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (1): Sorry for the Upgrade

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7. Oktober 2016, ICE 876, Wagen 22, Platz 62

Hildesheim. Wie spannend, denke ich, und widme mich wieder meinem Buch. Die Hipsterfrau eine Reihe schräg vor mir hat ihr Frühstück beendet und die Verpackungsreste weiträumig um ihren Sitz herumverteilt. Nun regt sie sich am Telefon laut darüber auf, dass es in der zweiten Bahnklasse am Platz keine Sojamilch für einen veganen Latte Macchiato gibt, während sie mit hochgelegten Füßen Körperpflege mittels Feuchttüchern betreibt.
Ich. Hasse. Sie.
Inbrünstig.
Ich kann es überhaupt nicht ab wenn sich Leute in der Bahn benehmen, als wären sie allein und der Wagen eine Müllkippe. Insbesondere die Hipstertanten, die mit den 30er-Jahre-Dreiteileranzügen und dem Monokel im Auge, verwechseln zu gerne ihre schlechte Kinderstube mit Coolness.
Der Zug rumpelt ohne Stop an Wolfsburg vorbei und Richtung Berlin.

Kein Witz, die betreibt da Körperpflege!

Kein Witz, die betreibt da Körperpflege!

Zurückgelassen: Müllhalde. Selbstoptimierende Menschen achten halt nicht auf ihre Umgebung. Das dürfen andere machen.

Zurückgelassen: Müllhalde. Selbstoptimierende Menschen achten halt nicht auf ihre Umgebung. Das dürfen andere machen.

Zehn Reisetage liegen vor mir. In Stimmung bin ich dafür aber nicht. Ich habe den Kopf noch voller Arbeit, die letzten Wochen waren heftig und Abschlaten geht nicht so auf Kommando. Außerdem ist Anfang Oktober, und in Deutschland ist das Wetter grau und nass und mit 8 Grad schon ziemlich kalt. Alles Gründe für miese Laune. Und dann ist da noch Berlin. Zum Glück ist die Stadt nicht das Reiseziel.

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Jedes große Abenteuer sollte mit einem kleinen Kaffee beginnen!

Jedes große Abenteuer sollte mit einem kleinen Kaffee beginnen!

Nein, Berlin ist nur Mittel zum Zweck. Der Regionalexpress von Berlin Ostbahnhof nach Flughafen Schönefeld fährt nicht. Warum auch? Immerhin „Fährt der schon seit drei Monaten nicht, wa? Strecke ist kaputt, wa?“, wie das Personal am Bahnsteig erklärt. Gut, Infrastrukturapokalypse erwartet man von Berlin. Ist ja auch der Grund, weshalb ich um kurz nach 6 schon aufgebrochen bin, obwohl ich erst um 12.00 Uhr am Flughafen sein muss und die Fahrt nur zwei Stunden dauert: Ich traue der Bahn nicht. Ich bin so früh los, dass nicht nur dieser, sondern auch noch der nächste Zug ausfallen könnte, und ich wäre immer noch pünktlich. Ich habe keine Flugangst, ich habe nur Angst, Flüge zu verpassen.

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Verfasst von - 4. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Trailer

Das Reisetagebuch geht in eine neue Runde. Abenteuerlicher als zuvor.

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Verfasst von - 6. Oktober 2016 in Motorrad, Reisen, video, Wiesel

 

Reisetagebuch (12): Vom Harem in den Hammām

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Am zwölften Tag der Reise dreht sich alles um halbnackte Frauen im Harem und halbnackte Männer im Hammām. Und Modnerd bekommt eine Kopfnuss.

Mittwoch, 11. November 2015, Istanbul

So sauber bin ich noch NIE gewesen! Meine Haut fühlt sich nicht nur rein, sondern PORENtief rein an. Und das ist sie auch. Der Dreck von Istanbul, von Athen, von den vergangenen Wochen, vermutlich alles seit den 90er Jahren ist aus jeder Pore rausgeschrubbt und rausgeseift und rausgespült worden.

Dabei hatte der Tag dreckig angefangen. Zeitsprung, einige Stunden zurück: Modnernd und ich besuchen den Topkapı-Palast (Sprich: Topp-kaphe). Die große Palastanlage liegt auf einem Berg am Westzipfel der europäischen Halbinsel und überblickt das goldene Horn und den Gülhane-Park. Es sind fast 20 Grad bei strahlendem Sonnenschein.

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Mit unseren Museumspässen können wir einfach so durch die Sicherheitsschleusen am Eingang rauschen. Das Gelände ist noch angenehm leer, darum suchen wir zuerst den Harem (gesprochen: Ha-Remm) auf, der später von Touristen überlaufen sein wird. Der Harem ist eine eigene Stadt innerhalb des Palastes. Seine Größe wird auf den Luftbildern deutlich:

So ist die Lage: Der Topkapi-Palast liegt auf einem Bergrücken. Westlich davon der Gülhane-Park, im Süden die Hagia Sophia. Gut zu sehen: Die ehemalige Kirche ist so groß wie ein ganzer Häuserblock.

So ist die Lage: Der Topkapi-Palast liegt auf einem Bergrücken. Westlich davon der Gülhane-Park, im Süden die Hagia Sophia. Gut zu sehen: Die ehemalige Kirche ist so groß wie ein ganzer Häuserblock.


Der Harem ist eine in sich abgeschlossene Welt innerhalb des Palastes. Allein die Größe im Verhältnis zum Rest der Anlage zeigt, dass hier ein Machtzentrum lag - im Reich der Valide, der Königinmutter.

Der Harem ist eine in sich abgeschlossene Welt innerhalb des Palastes. Allein die Größe im Verhältnis zum Rest der Anlage zeigt, dass hier ein Machtzentrum lag – im Reich der Valide, der Königinmutter.

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Harem? Na klar, der Ort der Begierden, in dem halbnackte Lustsklavinnen, bewacht von Eunuchen, auf den Sultan warteten um im dann sexuell auf allen erdenklichen Arten zu Diensten zu sein. Es ist kein Wunder, dass solche Geschichten entstanden sind. „Harem“ heißt nichts anderes als „verboten“, was sich auf Besucher bezieht. Viele Frauen hinter verschlossenen Türen, in einem für Männer verbotenen Bereich – das heizt die männliche Fantasie an, und so entstanden Geschichten.

Dabei stimmt an den Legenden einiges. Es gab tatsächlich Eunuchen, die den Harem bewachten. Männer waren dort wirklich nur erlaubt, wenn sie zur königlichen Familie gehörten, und tatsächlich gab es im Harem Frauen. Die waren oft als Geschenke anderer Fürstenhäuser und Länder dorthin gekommen. Allerdings waren die wenigsten von ihnen halbnackte Lustsklavinnen*, und sündige Orgien gab es auch nicht.

Den erotischen Aspekt überzeichnen die Legenden. Beim Harem handelte es sich in erster Linie um eine geschützte Zone, in der sich die Frauen und ihre Kinder sicher und geschützt bewegen konnten. Außerdem ging es hier knallhart um Politik. Im Harem herrschte die Valide Sultan, die Mutter des Sultans. Es gab eine strenge Hierarchie im Harem: Nach der Valide kamen die Sultanas, die osmanischen Prinzessinnen. Erst an Platz 3 der wichtigen Frauen kam die Hauptfrau des Sultans, die Kadınlar. Sobald die Hauptfrau ein männliches Kind gebar, wurde eine neue Kadınlar ausgesucht – natürlich von der Valide, die diese Entscheidungen traf und darauf achtete, dass bloß keine Monogamie stattfand – schon, damit keine Frau mehr Einfluss auf den Sultan nehmen konnte als sie selbst.

Die männlichen Nachkommen des Sultans wurden im Harem aufgezogen. Jede Prinzenmutter hoffte, selbst zur nächsten Valide zu werden, und sicher halfen viele der hohen Kindersterblichkeit noch ein wenig nach, um dem eigenen Sohn den Weg zu ebnen. Es lässt sich leicht ausmalen, dass die Sultane ziemlich unter der Fuchtel ihrer Mütter standen. Die Frauen im Harem waren die wahren Herrscherinnen über das Reich. Die Prinzen, die später zum Sultan wurden, wuchsen völlig von der Aussenwelt isoliert im Harem auf. Kaum verwunderlich, dass die osmanischen Herrscher immer weltfremder und entrückter und ihre Politik immer erratischer wurde – schlicht, weil die das Reich nicht verstanden, das sie regieren sollten. Letztlich war das ein ausschlaggebender Faktor, der zum Untergang des osmanischen Reiches führte. 1908 wurde der Palast während der Revolution gestürmt, der Haupteunuch an der Galatabrücke aufgeknüpft und die Haremsdamen befreit. Viele von ihnen wussten nicht, was sie danach tun sollten. Einige endeten als Attraktion in westlichen Zirkussen.


* Zumal man sich das mal praktisch vorstellen muss: Man wird als junge Frau dem Sultan als Geschenk überreicht und kommt in einen Teil des Palastes, den man nicht mehr verlassen darf. Dort gibt es nicht viel zu tun, außer rumsitzen und sticken, rumsitzen und Musikinstrumente lernen und rumsitzen und essen. Das beste und reichhaltigste Essen, dass man sich vorstellen kann, mindestens vier Mahlzeiten am Tag. Und dazu null Bewegung. Wie sahen wohl die Frauen nach einigen Jahren im Harem aus?

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Die Räumlichkeiten sind prächtig. Farbenfrohe Fliesen mit komplizierten Mustern, Intarsien aus Perlmutt, Gold wohin man blickt. Ich glaube, so etwas überbordend Prächtiges habe ich noch nie gesehen. Die Räume sind aneinandergeschachtelt. Jeder scheint ein Durchgangszimmer zu sein, und zusammen bilden sie ein Labyrinth. In seiner Blütezeit, im siebzehnten Jahrhundert, lebten in den fast 300 Räumen fast 800 Frauen. Heute ist nur ein Teil davon zu besichtigen. Also von den Räumen.

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Verfasst von - 11. Juni 2016 in Reisen, Wiesel

 
 
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