Reisetagebuch Japan (13): Hiroshima



Reise durch Japan. Heute geht es einen Nachmittag lang durch Hiroshima, und dann gibt es Omnomnommiyaki. Oder so.


Immer noch Dienstag, der 12. November 2019, 16:00 Uhr
Hiroshima

Es ist Nachmittag. Nachdem ich heute morgen, nach der Wanderung über den heiligen Berg in Kyoto, völlig fix und fertig war, bin ich jetzt wieder flotteren Schrittes unterwegs. Aber alles ist noch nicht gut, die Halsentzündung oder vielleicht auch ein grippaler Infekt steckt mir noch in den Knochen. Ich habe Halsschmerzen, muss dauernd Husten und irgendwo in meinem Schädel pochen dumpfe Kopfschmerzen.

Trotzdem beginnen Modnerd und ich sofort, nachdem die Sache mit dem Sekont Brrranckett geklärt ist, mit der Erkundung von Hiroshima.
Was für ein geschichtsträchtiger Name! Hiroshima, klar, kennt man, Atombombe und so. Aber was heißt das eigentlich wirklich?

Das begreife ich, als ich vor dem A-Dome stehe. Das war früher der Sitz der ausländischen Handelskammer und ist so ziemlich das einzige Gebäude, von dem nach Abwurf der Bombe überhaupt noch etwas stand hat. Es wurde in seinem damaligen Zustand konserviert und ist jetzt eine mahnende Ruine am Ufer des Flusses Motoyasu.

Ein Bild vor dem Friedensdenkmal zeigt, wie es unmittelbar nach der Explosion aussah:

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Corona (18): Hotspots

Weltweit: 9.150.271 Infektionen, 472.856 Todesfälle
Deutschland: 192.480 Infektionen, 8.914 Todesfälle

Tag 103 der Corona-Maßnahmen.

Back to Normal, aber bitte mit Abstand und Maske. Das bringt anscheinend wirklich etwas, die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist in Deutschland gering. Oder sie war es zumindest, die Zahlen sind gerade schlagartig gestiegen. Grund: Schlechte Hygienemaßnahmen in einem Schlachtbetrieb in Gütersloh und Masseninfektionen in den beiden großen Wohnblocks in Göttingen. Der Landkreis Gütersloh, der ja Anfang des Jahres meinen Führerschein einkassierte, ist nun wieder im Lockdown, Gütersloher dürfen in Bayern keine Hotels besuchen.

Im Fall der Groner Landstr. 9a geht die Stadt mit unverständlicher Härte vor: Man hat einfach einen Zaun rings ums Gebäude gestellt und lässt den bewachen, Niemand darf rein oder raus. Das ist schon krass, denn das Haus ist ein Bunker mit winzigen Wohnungen, in denen Teils große Familien leben. Klar, das sowas eskaliert, und prompt wurde die Polizei angegriffen.

Funfact: Ich habe selbst mal in dem Haus gewohnt. Das ist aber nichts besonderes, gefühlt hat JEDER schon mal dort gewohnt. Zumindest jeder Student, der in den Neunzigern nach Göttingen kam. Damals wie heute gab es keinen bezahlbaren Wohnraum in der Universitätsstadt, und so blieb nur die Groner Land. Das ist ein Komplex mit mehreren Gebäudeteilen, und damals wohnten im linken Flügel die Punks, rechts die Nazis und im Wohnturm in der Mitte die Studis. Ich hatte das Glück in einem relativ abgeschlossenen Teil nach hinten raus zu wohnen, mit Blick auf den Rangierbahnhof. In den 12 Monaten, die ich da gewohnt habe, habe ich in den Fluren nie eine Menschenseele gesehen. Nur der Geruch nach gekochtem Kohl verriet die Anwesenheit menschlichen Lebens.

Die Welt

Die Staaten mit einem autoritärem Rechtsregime, wie die USA, UK und Brasilien, haben lange die Realität geleugnet und tun das auch weiterhin. Nach langem Zögern folgten einige Wischi-Waschi-Pseudo-Maßnähmchen, dann zurück zum Alltag. Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland eine flache Kurve, für die Welte eine Gerade im 45 Grad Winkel. Wirtschaft ist wichtiger als Menschenleben, die Quittung sind Hunderttausende Tote. Brasilien ist das freilich völlig egal, die Nutzen die Pandemie um ungescholten den Regenwald abzuholzen.

Die Aussicht

Ich denke nach wie vor, dass uns die Maßnahmen noch lange begleiten werden. Das es bisher in Deutschland glimpflich gelaufen ist sorgt zudem nun dafür, dass die Leute sorglos werden und keine Masken mehr tragen oder sie nicht richtig einsetzen. Außerdem freuen sich viele auf den Urlaub – der Aufenthalt in Flugzeugen und Bahnen wird aber nicht dazu beitragen, Neuinfektionen zu verhindern. Bad Ischgl ist überall.

Ich Ich Ich

Morgen die erste Dienstreise seit dem 07. März. Ein merkwürdiges Gefühl. Privat habe ich mich schon eher rausgetraut, wollte eine Moppedtour durch Ostdeutschland machen. Da kam dann aber Starkregen dazwischen. War ja klar.

Alle Folgen des Coronatagebuchs

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Reisetagebuch Japan (12): Torii in Kyōto

Reise durch Japan. Heute mit Füchsen, Wiesel und Pinguinen.

12. November 2019
Kyoto, The B Hotel

Als ich am Morgen aufwache, fühle ich mich etwas kraftlos, aber zumindest nicht mehr fiebrig. Das Fieberthermometer bestätigt das: 37,3 Grad, fast normale Temperatur. Durchgeschwitzt bin ich trotzdem, erholsam war die Nacht nicht. Es ist erst 6:30 Uhr, aber Modnerd ist bereits wach. Also stehe ich auch auf.

Nachdem wir unsere sieben Sachen gepackt haben, geht es zum Bahnhof. Hier schließen wir Modnerds Rollkoffer und meinen Rucksack ein, dann setzten wir uns in eine Bahn, die erst Richtung Osten und dann nach Süden fährt. Die Fahrt dauert nur fünf Minuten und ist für uns, als Besitzer des Japan Railpass, kostenlos.

Bild: Google Earth 2020.

Am Fuß des Berg Inari steigen wir aus und sehen sofort, was diesen Ort hier so bekannt gemacht hat: Die Torii, große, orange lackierte Tore.

Die Torii gehören fest zur Grundausstattung von Shinto-Tempeln und markieren den Übergang von der weltlichen in die geistliche Welt. Nicht alle Shinto-Schreine sind gleich. Es gibt verschiedene Arten, und die sind quasi als Netzwerke über Japan verteilt. Das hier ist ein Inari-Schrein, von denen es 32.000 in Japan gibt. Die anderen Netzwerke sind bedeutet kleiner. Es gibt auch Naturschreine, wie Berge oder Wälder. Der Berg Fuji, zum Beispiel, ist auch ein Naturschrein.

Ein Schrein liegt direkt hinter dem Eingangstor.

Der Schrein wird von Füchsen bewacht. Im Shinto-Glauben sind das mystische Wächter und Botschafter, die Nachrichten aus der Geisterwelt überbringen.


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Reisetagebuch Japan (11): Fieberträume im Bambuswald

Reise durch Japan. Heute mit Kimonos und Hochqualitätsbambis.

11. November 2020
Kyoto, „The B Hotel“

Und dann ruft Anja Rützel an und will ein Taxi, aber weil ich in einer Telefonzelle wohne und die zu eng zum Schuhe anziehen ist, komme ich zu spät um sie abzuholen.

Zwölf Stunden habe ich geschlafen, mich herumgewälzt, irres Zeug geträumt. Nahe an der Grenze zu Fieberträumen, und tatsächlich: Das Thermometer zeigt 38,7 Grad, das ist satt erhöhte Temperatur an der Grenze zum Fieber. Ich schwanke ein wenig durchs Zimmer und unter die Dusche, dann steht der Entschluss fest: Ich will nicht weiter im Bett rumliegen und Kyoto verpassen. Ich will raus, und wenn ich merke ich kann nicht mehr, kann ich immer noch zurück ins Hotel. Also los.

Ich habe keinen Hunger, und Modnerd hält sich auch nicht lange mit Frühstück auf. Ein Instantkaffee, ein Teilchen aus dem Conbini-Markt, und schon sitzen wir in einer kleinen Bahn, die Kyoto Zentrum Richtung Westen verlässt.

Am Bahnhof Arashimaya im Westen der Stadt steigen wir aus. Anscheinend kostet die Nutzung des ÖPNV in Kyoto immer den gleichen Betrag, 230 Yen. Problem dabei: Unsere Suicas, die lustigen Pinguinkarten, die uns in Tokyo das Rumhantieren mit Kleingeld erspart haben, funktionieren an diesem Bahnhof nicht. OK, auch kein Problem, dann zahle ich halt in Bar.

Am Bahnhof stehen überall bunte Säulen herum. Die sind aus Plexiglas und im Inneren sind Kimono-Stoffe. Das nennen sie hier „Kimono-Wald“.


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Reisetagebuch Japan (10): Thunderbird!

Reise durch Japan. Heute gucken wir mal, was Kanazawa so kann und wie ein mechanisches Ballett in einem Schnellzug aussieht.

10. November 2019
Share House GAOoo, Kanazawa

Mit gemischten Gefühlen steige ich die steile Treppe zum Wohnbereich unsere Gastgeber hinab. Hat die kleine Überflutungsaktion von vergangener Nacht doch Spuren hinterlassen? Oder ist sie unbemerkt geblieben? Die Sorgen stellen sich als unnötig heraus, Herr Shuke begrüßt Modnerd und mich gut gelaunt und bittet uns in sein Wohnzimmer, in dessen Mitte ein Tisch steht, der nun zum Frühstücken dienen soll. Herrn Shukes Frau lächelt freundlich und sitzt wieder hinter ihrer Nähmaschine, der Chiba Mr. Gao liegt in seinem Käfig.

Am Frühstückstisch sitzt schon eine Frau und unterhält sich auf japanisch mit unseren Gastgebern, wechselt zu unserer Begrüßung aber ins Deutsche. Ach, das muss die Deutsche sein, die hier mehrere Wochen wohnt. Eine Studentin? „Was? Nein! Was denkst Du denn wie alt ich bin?“, fragt die Frau, sie sich als Claudia vorstellt. Ich blicke sie an, und meine Mustererkennung versagt völlig. „Öh, so Mitte zwanzig?“, sage ich und weiß es wirklich nicht. Claudia lacht. „Ich bin über Vierzig, aber danke. Mein Studium liegt schon lange zurück, ich habe aber nicht japanisch, sondern Filmwissenschaften studiert“. „Ah, eine Kollegin!“, sage ich und gestehe, dass Modnerd und ich ebenfalls zu einem Teil Medienwissenschaften studiert haben.

Während Herr Shuke auf einer kleinen Herdplatte Frühstückseier mit Schinken brutzelt, erzählt Claudia, das sie japanisch in ihrer Freizeit und aus Spaß gelernt hat. Was manche Leute so unter Spaß verstehen! Dieses Hobby wurde dann aber schnell wichtig, denn weil derArbeitsmarkt gerade keine Filmwissenschaftlerinnen braucht, arbeitet sie nun in Köln bei einem japanischen Konzern als Sekretärin.

„Die Hierarchien da machen mich wahnsinnig“, sagt sie. „Alles streng hierarchisch und patriarchial“. „Echt? Immer noch?“, sage ich und mustere die Schale mit Blattsalat und das Spiegelei, dass Herr Shuke gerade in einem Puddingförmchen serviert. Dazu legt er aufgebackene Brötchen und ein Stück Butter. Nicht schlecht.

„Ja, klar“, sagt Claudia. „Die Befehlsstruktur ist streng von oben nach unten durchorganisiert, das werden die Japaner einfach nicht los. Alles wird von oben nach unten entschieden, haben sie eine tolle Idee für das Unternehmen, sind aber an der verkehrten Stelle der Hierarchie oder eine Frau, finden sie kein Gehör. Außerdem gibt es überhaupt keine Fehlerkultur. Fehler dürfen einfach nicht passieren. Konzernstrukturen wie aus den Achtzigern. Nichts mit modernen Managementmethoden“. In dem Moment betritt ein Paar das Wohnzimmer. Es sind die beiden Deutschen, die letzte Nacht das Zimmer neben unserem hatten. Ein junges Paar, er Typ „Tumb aber herzlich“, sie eine ungesprächige Bratze. Die beiden hocken sich stumm an den Tisch, er glotzt in den Fernseher, der in einer Ecke läuft, sie zieht eine Fresse, verschränkt die Arme und guckt an die Decke. Herr Shuke steht daneben und lächelt und freut sich, dass sein Gasthaus heute ein deutsches Haus ist.

Modnerd und ich sind fertig mit dem Frühstück und verabschieden uns. Herr Shuke und seine Frau lassen es sich nicht nehmen, uns bis vor das Haus zu bringen. Auch Herr Gao, der Chiba, darf aus seinem kleinen Käfig und mit auf die Straße.

Frau Shuke schenkt jedem von uns eine kleine Tasche, die sie selbst genäht hat. Ich muss lachen, als ich darauf den Chiba und einen kleinen Annäher mit der Aufschrift „Gao“ sehe.

Wir laufen zuerst zum Bahnhof von Kanazawa. An der Straße steht eine digitale Wasseruhr, die mit kleinen Fontänen die Uhrzeit anzeigt. Das sieht in Bewegung total interessant aus, hier ist sie bei Sekunde 21 (plus noch weitere Impressionen des heutigen Tages):


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Momentaufnahme: Mai 2020

Herr Silencer im Mai 2020

Wetter: Anfang des Monats nachts kalt, mit -1 Grad, tagsüber dafür dann bis über 20. Ab Mitte des Monats moderate Temperaturen, zum Monatsende hin erst frühsommerlich warm, dann wieder kühl. So gut wie kein Regen.


Lesen:


Hören:


Sehen:

Last Action Hero [1993, BluRay]
Danny ist 11 Jahre alt und verbringt jede freie Sekunde in einem alten Kino. Am Liebsten guckt er die „Jack Slater“-Actionfilme, in denen der Schauspieler Arnold Schwarzenegger einen wortkargen Superpolizisten spielt. Eines Tages schenkt ein alter Filmvorführer Danny ein magisches Kinoticket.

Mit dem findet sich der Schüler unversehens mitten im neuesten „Jack Slater“-Film wieder und damit in einer Filmversion von Los Angeles, in der immer alles perfekt ist, Autos beim ersten Schuss explodieren, Helden immer nur Fleischwunden davontragen und die Bösen immer verlieren. Doch dann kommt einer der Filmbösewichte an das Zauberticket und landet damit im New York der realen Welt. Schnell merkt er, dass in der echten Welt nicht automatisch die Guten gewinnen, und da er als brillanter Bösewicht geschrieben ist, macht er nun Jagd auf den Schauspieler Arnold Schwarzenegger, damit es keinen Jack Slater mehr gibt.

1993 war Schwarzenegger auf dem Höhepunkt seiner Filmkarriere und suchte nach Stoffen, die abseits seines Terminator-Images lagen. „Last Action Hero“ passte da perfekt, denn der Film ist absolut clever konstruiert: Die „Film-in-Film“-Erzählung kann gleichzeitig Schwarzeneggers Actionklischees persiflieren und eine ernstere Note anschlagen. Das war so unerwartet, das Kritiker den Film verrissen und das Publikum ihn verschmähte, „Last Action Hero“ wurde Schwarzeneggers größter Flop. Zu Unrecht – denn neben einem überaus cleveren und überraschenden Plot und dem großartigen Cast (u.a. Charles Dance als Bösewicht) hat man als Filmfan einfach nur Spaß an den Dutzenden Gastauftritten.

Im Film-Los Angeles kommt Sharon Stone gerade im weißen Kleid aus dem Verhörraum, der T-1000 bahnt sich seinen Weg aus dem Polizeirevier, Tina Turner spielt eine aufgeregte Bürgermeisterin, Maria Shriver ermahnt Schwarzenegger keine Werbung für seine Restaurants zu machen und und und. Schönste Szene: Als Danny versucht Slater klar zu machen, das er in einem Film ist und ihm einen Pappaufsteller von „Terminator 2“ zeigen will und dann feststellt, dass in der Filmwelt die Hauptrolle von Sylvester Stallone gespielt wird:

Stallone bedankte sich für diese Würdigung mit der „Präsident Schwarzenegger Bibliothek“, die in „Demolition Man“ auftaucht. Ach, die 90er.

Wer Last Action Hero nicht kennt: Angucken, großer, ironischer Filmspaß.

1917 [2020, Bluray]
Der erste Weltkrieg, Frankreich. Zwei junge, britische Soldaten bekommen den Auftrag, einem Regiment einen Befehl zu überbringen. Das Ziel liegt 14 Kilometer entfernt, dafür haben sie acht Stunden Zeit. Problem: Um die Nachricht zu überbringen, müssen sie durch das Niemandsland und die Frontlinie. Versagen sie, sterben 1.600 Männer.

Wie macht man eine sehr einfache Story zu einer intensiven und emotionalen Erfahrung? Regisseur Sam Mendes wählte dazu die Form des Continous Shots. Der Film wirkt, als sei er in einer einzigen, langen Plansequenz ohne einen Schnitt gedreht worden. Der Effekt ist verblüffend und hat mich schon bei „Birdman“ beeindruckt, „1917“ geht da aber noch viel weiter. Die Kamera bleibt ständig an den Protagonisten, folgt ihnen durch Stacheldrahverhaue, durch Schützengräben, Flüsse, Häuser – scheinbar ohne auch nur ein Mal zu stoppen. Das ist faszinierend anzusehen, immer wieder fragt man sich: Wie haben die das gemacht? Der Ablauf der Story in Echtzeit macht die Geschichte, die angeblich auf den Erfahrungen von Mendes´Großvater im ersten Weltkrieg basiert, greifbar. Ganz große Filmkunst.


Spielen:

Persona 5 Royal [2019, PS4]

Ein Schüler wird in einer Provinzstadt wegen Körperverletzung verurteilt und ob dieser Schande zu seinem Onkel nach Tokio geschickt. Der Neustart dort knirscht und rumpelt: An der neuen Schule hat ein tyrannischer Sportlehrer das Sagen, der seine Schüler körperlich züchtigt und Schülerinnen sexuell belästigt.

Durch eine Reihe seltsamer Ereignisse erhält der Schüler die Möglichkeit, in die Gedankenwelt des Lehrers einzudringen, in der dieser die Schule als seinen Palast und sich selbst als den König sieht. Zusammen mit einigen Mitschülern fasst der Schüler einen Plan: Er wird den Wesenskern des Lehrer aus dessen Gedankenpalast stehlen und so sein Verhalten ändern. Das Vorhaben gelingt, der Lehrer zeigt Reue und schämt sich.

Das ist aber erst der Anfang – immer häufiger müssen die „Phantom Thieves“ von der realen Welt in das „Metaverse“ wechseln und dort die dunklen Seiten menschlicher Seelen bekämpfen.

Sehr seltsames Spiel. „Persona“ ist sowohl Simulator des Alltags eines japanischen Schülers als auch ein Action-Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen. Das ist typisch Japan-RPG, und Persona 5 soll das beste von allen sein. Ich kannte sowas nicht und war erstmal von allem irritiert. Der Einstieg ist zudem äußerst langsam gestaltet und schon deshalb etwas sperrig, weil sich das Spiel viiiiiiel Zeit für Erklärungen lässt einen mit Text nur so zulabert.

Mit etwas Orientierung entfaltet sich dann ein ganz besonderer Zauber. In dem Teil des Spiels, das den Alltag eines japanischen Schülers simuliert, muss man die Schulbank drücken und überlegen was man nach der Schule tut – Abhängen mit Freunden, soziale Bindungen festigen, lernen oder doch lieber einen Nebenjob ausüben? Für all diese Tätigkeiten gibt es Erfahrungspunkte, aber die Zeit pro Tag und pro Spieldurchlauf ist begrenzt, so dass man nie alles tun kann.

Die Skills, die man in der Story in der realen Welt sammelt, kommen in der Gedankenwelt dann in den rundenbasierten Kämpfen zum Einsatz. Die sind äußerst ausgewogen gestaltet, fordernd und belohnend zu gleich, mit einer befriedigenden Lernkurve.

Die Story ist manchmal etwas zäh, aber immer wieder überraschend. Vor allem aber ist sie LANG. Nach über 40 Stunden habe ich das Gefühl, nur an der Oberfläche gekratzt zu haben.


Machen:


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Reisetagebuch Japan (9): Das Überflutungseichhörnchen

Reise durch Japan. Heute wird Auto an einem ungewöhnlichen Ort gefahren und Modernd flutet eine Toilette.

Samstag, 09. November 2019
Pension Yasuda, Takayama
irgendwo in den japanischen Alpen

Ich wache auf, weil ich so sehr friere. Das liegt am Wetter, stelle ich beim Blick aus dem Fenster fest. Die Pension Yasuda liegt am Waldrand, und aus dem Zimmerfenster ist nur das dichte Laub von bunten Bäumen zu sehen. Aber aus einem Fenster neben dem Waschbecken im Flur kann ich auf eine Wiese und ein paar Autos blicken, und die sind übergefroren und dick mit Raureif bedeckt. Die Nacht hat es also gefroren, und die Temperaturen liegen immer noch unter Null.

Als Modnerd und ich den Gästeraum im Erdgeschoss betreten befürchte ich ein Frühstück aus Fisch und Tee, aber zum Glück bedient der Gastwirt auch jetzt den den europäischen Geschmack, den seine Eltern aus Spanien mitgebracht haben. Er bringt uns in der Pfanne angebratenen Toast, den er mit Gemüse belegt und mit Käse überbacken hat. Nach der Fischvermutung eine echte Erleichterung! Nur mit dem Wasserkocher in einer Ecke des Raumes können wir nichts anfangen. Zu zweit stehen wir vor dem quaderförmigen Gerät mit dem halben Dutzend bunter Knöpfe und rätseln, welche der japanisch beschrifteten Tasten jetzt wohl was auslöst.

Zum Glück bemerkt einer der beiden anderen Gäste im Raum unsere Hilflosigkeit, kommt herübergeschlendert und erklärt uns, wie man das Ding bedient. Mit seiner Hilfe bekommen wir es hin zwei Tassen heißes Wasser zu zapfen. Ok, dann gibt es Toast mit Tee, damit kann ich leben. Alles, nur keinen Fisch zum Frühstück.

Als wir abreisen wollen ist unser Mietwagen noch dick übergefroren. Einen Eiskratzer hat der Prius natürlich nicht an Bord. Unentschlossen wische ich mit meinen Lederhandschuhen auf der Scheibe herum, was aber nichts bringt. Früher hätten wir jetzt einfach unter das Radio gegriffen und eine Kassettenhülle als Eiskratzer genommen. Aber was nimmt man heute?

Modnerd kommt auf die Idee den Motor zu starten und die Scheibe mit der Lüftung abzutauen. Geht das mit einem Elektroauto überhaupt, wo doch die Abwärme vom Verbrennungsmotor fehlt?, frage ich mich und stelle fest, dass ich mich mit Elektro- oder Hybridautos echt gar nicht auskenne.

Der Prius summt kurz, als seine Systeme starten. Es ist, als ob der Wagen aufwacht und erstmal guckt, wo er ist. Anscheinend merkt das Auto, dass es kalt ist, und startet nach einer kurzen Denkpause seinen Verbrennungsmotor. Cleveres Kerlchen!

Ich krame ich meine kleine Missionsmappe raus, in der unsere Pläne, Buchungen und Routen für die einzelnen Tage sind. Die besteht außen aus einem halben Plastikschnellhefter, und mit dem hobele ich nun Stück für Stück die Eisschicht weg.

Als die Sicht akzeptabel ist, fahren wir los. Es geht durch herbstlich goldene Wälder, die die Berghänge bedecken, und dann an einem See entlang.


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Reisetagebuch Japan (8): Handgemachte Klingeltöne

Reise durch Japan. Heute Überland, mit Informationen über Land und Hausschuhe sowie ein ironisches Bauwerk, das es nicht geben dürfte.

Freitag, 08. November 2019
Ryokan Miyataya, Sawatari
irgendwo in den japanischen Alpen

Beine aus dem Bett schwingen, Füße in die Haus-Hausschuhe. Zum Klo, Toilettentür auf, Haus-Hausschuhe aus, rein in die Toiletten-Hausschuhe, die man nur im Klo trägt. Uh, Fertig. Raus aus den Toiletten-Hausschuhen, rein in die Haus-Hausschuhe, ab zum Onsen, raus aus den Haus-Hausschuhen, rein in die Badevorzimmer-Hausschuhe.

Ich bin schon früh auf den Beinen und nehme noch ein Bad im heißen Vulkanwasser des Onsen. Es ist noch ruhig in dem Ryokan, dem klassischen japanischen Gasthaus, in dem wir die Nacht verbracht haben. Auf klassisch japanisches Frühstück verzichten Modnerd und ich aber, uns steht nicht der Sinn nach Reis mit Fisch und Grünem Tee.

Also in die Haus-Hausschuhe, zum Empfangsbereich, dort in unsere Straßenschuhe. Nach 8 Tagen in Japan haben Modnerd und ich das ständige Schuhewechseln mittlerweile drauf, auch wenn es noch nicht zur zweiten Natur geworden ist. Aber immerhin ist uns noch nicht das passiert, was angeblich jeder Ausländer irgendwann mal hinbekommt: In den Toiletten-Hausschuhen im Wohnbereich stehen und sich wundern, warum einen alle in Horror anstarren. Den Umstehenden schmilzt in solchen Fällen das Hirn. IN TOILETTENSCHUHEN! IM WOHNBEREICH! Vermutlich wird dann gleich das Haus angezündet und neu gebaut.

Keine Ahnung woher der Schuhwechselfetisch in Japan kommt. Vermutlich, weil früher einfach viel auf dem Boden gesessen und geschlafen wurde. Das ist heute nur noch zum Teil der Fall, aber Traditionen behält man halt bei, weil man das schon immer so gemacht hat. Das ist wirklich etwas fremdartig, während ansonsten alles erstaunlich vertraut wirkt. Kein Wunder, Japan ist Deutschland ähnlich by Design.

Geschichtlich gesehen war das japanische Kaiserreich lange isoliert, mehrere Hundert Jahre lang, einfach weil man sich für was Besseres hielt und mit der schmutzigen Welt nichts zu tun haben wollte.

Als sich Japan dann im 19. Jahrhundert auf „Wunsch“ insb. der Briten öffnete („Schönes Kaiserreich haben sie da. Wäre schön, wenn sie es für Handel und Kultur öffnen, sonst müssen wir das leider tun“), war es hoffnungslos hinten dran. Statt sich weiter zu entwickeln hatte man nämlich nur vierhundert Jahre lang Traditionen gepflegt. Darum hatte Japan nun viel aufzuholen.

Das tat es auch, und sogar im Eiltempo. Der Tenno schickte Emissäre in die ganze Welt, zum Studium von westlicher Kultur und Gesellschaft. Die Abgesandten prüften, wo was am Besten funktionierte und das wurde dann übernommen, indem man sich westliche Berater ins Land holte. Deshalb wirkt Japan an manchen Stellen auch wie ein Best-of der westlichen Welt: Weil es genau das ist.

Verkehrszeichen? Amerikanisch. Schulsystem? Britisch. Militärischer Aufbau, Armeeausbildung, medizinische Ausbildung und Versorgung, Gesundheits- und Verwaltungssystem: DEUTSCH. Sogar in der japanischen Verfassung findet man Ideen und teils sogar ganze Passagen aus der preußischen Verfassung. Die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Japan kühlten erst ab, als Kaiser Wilhelm II. was von der „gelben Gefahr“ schwadronierte und die Japaner aufforderte, gefälligst auf ihrer Insel zu bleiben und nicht Immobilien auf dem Festland zu erwerben.

Bis dahin hat Japan viel von Deutschland und dem Rest der Welt gelernt und jeweils das Beste übernommen. Gut, es gibt Ausreißer. Keine Ahnung, was den Kaiser bewogen hat, ausgerechnet von den Briten die Verkehrsführung und von den Amerikanern das lausige Stromsystem zu übernehmen.

Ich meine, die Stecker sind ja schon doof, weil sie dauernd aus der Wand fallen…

…aber 110 Volt? Ernsthaft?

Zum Glück können meine mitgeführten Geräte darauf umschalten, und das Netbook und Telefon länger zum Laden brauchen ist zum Glück recht egal, aber bei unsmarten Geräten sieht das anders aus. Ein durchschnittlicher, europäischer Föhn zieht so viel Energie, dass in alten Häusern in Japan die Leitungen so heiß werden können, dass sie in den Wänden anfangen zu brennen. Deshalb bitten Hotels auch INSTÄNDIG darum, dass man sich als Europäer an der Rezeption einen Föhn leiht.

Beim Checkout werde ich daran erinnert, das Japan nicht nur in Sachen Verwaltung Deutschland sehr ähnlich ist. Modnerds Kreditkarte wird freundlich, aber bestimmt abgelehnt und auf Barzahlung bestanden. Ein Problem ist das freilich nicht, ich sehe immer zu, dass ich genug Bares für mindestens die nächste Übernachtung und eine Tankfüllung dabei habe. Plastikgeld ist schön, hilft aber in der Wallachei manchmal einfach nicht.

Nachdem der Check-Out friedlich gelöst ist, möchte Modnerd ein wenig durch Sawatari laufen, den Ort, an dem wir übernachtet haben. Ich habe da keine Lust drauf. Die Morgenluft ist kalt, und ich fühle mich krank. Mein Hals kratzt, und ich habe das Gefühl, ich muss mit meiner Energie haushalten. Die will ich nicht verbraten in dem ich doof Straßen den Berg hochlaufe in einem Ort, in dem es garantiert nichts zu sehen gibt. Aber Modnerd besteht darauf. Maulend folge ich ihm.

Es sieht so aus, als würde das Dorf aus wenig mehr als einer Straße bestehen, die einmal den Berg hoch und wieder runter führt. Die Häuser an dieser Straße sind alle über heißen Quellen gebaut, jedes hat einen Onsen im Angebot.

Die Häuser, die hier gebaut sind, wirken massiver als anderswo. Wir sind schon durch Orte gekommen mit Holzhäuschen, die wirken, als wäre sie nur temporär gebaut: Dünne Wände aus Brettern, billige Einfachfenster. Einweghäuser, sozusagen.

Das stimmt sogar. In Japan wird nicht für die Ewigkeit gebaut. Es kommt wohl sehr häufig vor und ist fast üblich, das Kinder das Haus ihrer Eltern, wenn sie es erben, abreißen und neu bauen. Ich habe schon gelesen das sei, damit sich keine bösen Geister in den Häusern ansammeln. Das glaube ich aber nicht. Ich glaube eher, dass der Grund für die Abrisse ist, das viele der Häuschen in so einer leicht- und Billigbauweise errichtet wurden, dass die nach 30 Jahren einfach hinüber sind und der Neubau günstiger ist als die Sanierung.

Die Dorfstraße ist unspektakulär. Es gibt einen hübschen Laden, ansonsten ist ein abgebranntes Holzhaus noch das aufregendste, was zu sehen ist.

Einmal durch den Ort zu wandern dauert keine zehn Minuten, dann stehen wir auf einer Brücke, die aus dem Dorf heraus und über eine breite Schlucht führt. Die Wälder leuchten herbstlich in der Morgensonne, und unter der Brücke fließt ein Fluss dahin. Das ist schön, und jetzt bin ich doch froh, dass Modnerd mich hier rausgeschleift hat.


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Reisetagebuch Japan (7): Breakfast for Champions

Reise durch Japan. Heute wird erklärt, was Modnerd nicht kann, wie er meine schlimmen Fehler beim Autofahren verhindert und warum ich nackt in den Bergen rumstehe.

Donnerstag, 07. November 2019
Pension Sora, Tateshina
irgendwo in den japanischen Alpen

Um kurz vor halb acht geht Modnerd ins Badezimmer. Gut, dass ich schon vorher dort war und alles erledigt habe. Das mache ich mit Absicht.

Ich dusche immer am Abend zuvor und morgens sehe ich zu, dass ich mir die Zähne putze und meine Sachen aus dem Bad evakuiere, bevor Modnerd es betritt. Denn mein alter Reisegefährte hat ein ganz besonderes Talent: Er kann in ein sauberes, aufgeräumtes Badezimmer gehen und es zwei Sekunden später wieder verlassen, und der Raum dahinter sieht aus, als hätte eine Gruppe Teenager darin eine mehrstündige Wasserschlacht gefeiert. Wirklich: Er geht durch eine Tür und kommt sofort wieder raus und dahinter sieht es von jetzt auf gleich aus als hätte eine Bombe eingeschlagen.

So ist es auch heute morgen. Als Modnerd nach einer kurzen Dusche die Nasszelle verlässt, ist sie WIRKLICH nass: Wasser steht auf dem Boden, das WC und die gegenüberliegende Wand sind mit mitgeduscht, Handtücher hängen auf halb acht an den Halterungen und der Spiegel ist voller Zahnpasta. Wie macht er das nur immer? Um es klar zu sagen: Er macht das nicht mit Absicht. Das passiert einfach. Aber wie kriegt er das hin?

Ich würde das nicht mal hinbekommen, wenn ich absichtlich versuchen würde ein Badezimmer möglichst eingesaut zu hinterlassen, und bei ihm passiert das einfach so, während der normalen Benutzung. Wie geht das? Stellt er sich in die offene Duschtür, hält die Brause in die Hand und dreht sich ein Mal um sich selbst? Bestimmt nicht. Das passiert vermutlich einfach nur, weil ihn Bäder schlicht nicht interessieren und er deshalb alles darin ignoriert. Bad-Ignoranz, sozusagen.

Seufzend beseitige ich die gröbsten Spuren und feudele mit den Handtüchern einmal über Wände und Spiegel und hänge sie dann ordentlich auf. Einfach, weil mir die Gastgeber sonst Leid tun würden. Wie man einen Raum hinterlässt, hat ja auch was mit Respekt den Gastgebern gegenüber zu tun, und die nette Herbergsfamilie hat Besseres verdient als das hier. Abgesehen vom Respekt weiß man ja auch nie, ob man nicht nochmal wiederkommen möchte.

Das Erdgeschoss des Hauses ist Bar und Restaurant in einem, aber weil gerade keine Saison ist, ist es auch das Spielzimmer und Wohnzimmer der Familie, die die „Pension Sora“ betreibt. Alles ist aus hellem Holz gebaut, und in der Mitte des Raumes bullert ein kleiner Benzinofen mit einem Teekessel darauf vor sich hin. Der ganze Raum atmet Wärme und Gemütlichkeit.

Der Herbergsvater, ein junger Man Anfang 30, sieht mit einem rotkariertem Flanellhemd und einem Vollbart aus wie eine Mischung aus IT-ler und Holzfäller. Er spricht leidlich englisch und lacht, als er Modnerd und mich die Treppen runterkommen und von den Wohnbereich-Schlappen in die Restaurant-Schlappen wechseln sieht.

Auf einem Tisch steht bereits unser Frühstück. Es gibt Reis in Algenpapier mit Fischfüllung, eine deftige Brühe und dazu Salat. Und – „Glückes Geschick! – Kaffee aus einer Filtermaschine.

Modnerd und ich sind morgens meist schweigsam, unser Gastgeber hat dagegen Quasselwasser getrunken. „Und am Samstag, da machen wir das alljährliche Run&Drink!“, macht er Werbung für sein Restaurant. „Am Anfang ein Bier trinken, dann eine Runde laufen, dann einen Sake, dann wieder laufen, dann noch einen Sake und so weiter. Laufdistanz ist einmal um den Lake Miyake, also 8,8 km. Die ersten sechs Sake sind in der Startgebühr enthalten. Kommt super an! Wäre das nicht was für Euch? Falls ihr dann noch hier seid?“

Ich rechne kurz nach. Man muss also mindestens 50 Kilometer laufen, bis der erste Sake bezahlt werden muss. Sportlich. „Samstag sind wir nicht mehr hier“, sage ich. „Leider“, füge ich schnell hinzu, weiß dabei aber ganz genau, dass ich nicht mal die Hälfte der ersten Runde überstehen würde. Laufen ist nicht meins.

„Macht nix, das Run&Drink findet jedes Jahr statt. Empfehlen sie uns weiter“, sagt der Gastwirt und lacht.

Mit gepackten Sachen treten wir kurze Zeit später vor die Tür des Holzhauses. Die Bergluft ist frisch, und es ist definitiv schon Herbst hier oben. Gegenüber des Hauses ist ein kleines Birkenwäldchen.

Kurze Zeit später brummt der Toyota Aqua, der eigentlich ein Prius ist, durch die Berge. Mit seinen schweren Batterien liegt der Wagen wie ein Brett auf der Straße, und ziehen tut er im Verbrennermodus auch nich. Drückt man auf´s Gaspedal, wird er nur moderat schneller. Aber mehr muss er auch nicht leisten, denn die Höchstgeschweindigkeit auf Japans Straßen ist stark reglementiert. Maximal 60 km/h darf man hier fahren. Modnerd steuert das Autochen, ich habe Zeit mir die Landschaft anzugucken.


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Die heilige Corona

Funfact am Rande: Heute ist Tag der heiligen Corona, der Schutzpatronin der Fleischer, des Geldes, der Schatzgräber und Beschützerin… vor Seuchen!

Corona und Viktor. Paris, 1840.

Zur Zeit der Christenverfolgung zog sie sich die Ungnade eines römischen Statthalters zu, der sie zwischen zwei gespannten Palmen anbinden ließ. Als die Bäume auseinanderschnellten, wurde sie in Stücke gerissen.

Zuvor durchlebte sie ein Martyrium mit dem Soldaten Victor von Siena, den sie tröstete, als er gefoltert wurde. Was für eine nette Doppeldeutigkeit das doch für die heutige Benennung einer Hügelkette rund um die Stadt Siena bedeutet, die Einheimischen auch als die „Corona di Siena“, die Krone von Siena, bekannt ist.

In Niederösterreich gibt es sogar den Ort St. Corona, von dort stammt das Lied „Corona hoch erhoben aus diesem Erdental“. Bezüglich der Verehrung in Deutschland waren Bayern und Bremen sozusagen Corona-Hotspots. Knochen der St. Corona liegen im Aachener Münster.

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Reisetagebuch Japan (6): Der Tag, an dem wenig klappt

Reise durch Japan. Heute geht es raus auf´s Land. Dabei verzweifeln Modnerd und Silencer fast an japanischen Englischkenntnissen, faules Bluetooth ist faul und im Wald der verlorenen Seelen wartet ein schwarzer Drache. Auch ansonsten klappt nicht alles auf Anhieb.

Mittwoch, 06. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker, aber zu dem Zeitpunkt bin ich schon wach. Mir geht´s nicht so toll. Die Riesenportion Ramennudeln mit dick Rindfleisch gestern Abend waren wohl ein wenig zu viel und zu fettig für meine Magen. Erst konnte ich vor Bauchschmerzen lange nicht einschlafen, dann habe ich wirres Zeug geträumt und bin immer wieder aufgewacht. Mein Bauch fühlte sich an wie aufgebläht und mit Ziegelsteinen gefüllt. So ähnlich müssen sich Schwangere fühlen.

Ich wälze meinen Kugelbauch aus dem Bett und schlurfe auf den Balkon. Ein letztes Mal gucke ich über das kleine, ruhige Viertel von Sumida.

Heute ist es an der Zeit Tokyo zu verlassen. Fünf Tage sind Modnerd und ich jetzt hier gewesen. Das war gut um sich ein wenig einzufinden und an das japanische Leben ranzutasten. Aber Japan ist nicht nur Tokyo, und nun ist es an der Zeit ein wenig mehr von dem Land zu sehen. Mach´s gut, Zimmer!


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Corono (18): Es ist vorbei. (nicht).

Weltweit: 3.866.642 Infektionen, 270.118 Todesfälle
Deutschland: 169.430 Infektionen, 7.392 Todesfälle

Nachdem sich in der vergangenen Woche die Länderchefs in Sachen Lockerungen ohne große Abstimmung überboten haben, trat nun auch der Bundeskanzler Frau Merkel vor die Presse, lobte das Verhalten der Menschen bis hier her und erklärte die erste Welle der Pandemie für überstanden. Man habe erfolgreich die Überlastung der Gesundheitssysteme verhindert. Und nun? Weiter wie gehabt, alles öffnet Stückweise wieder. Mir fehlt schon lange ein Ziel, oder ein Plan. Der „Hammer & Dance“-Entwurf würde vorsehen, dass nach Rückgang der Neuinfektionen rigoros und in Massen getestet und Infektionsketten nachverfolgt werden. Das macht die Regierung aber nicht. Es scheint keinen Masterplan zu geben. Stattdessen wurschtelt jedes Bundesland irgendwie rum, und alle hoffen das es gut geht.

Bei der Bevölkerung wird das leider vielfach interpretiert als: „Es ist vorbei, wir haben es geschafft“. Dabei ist das grob falsch, und deshalb bleiben auch essentielle Maßnahmen wie das Abstandsgebot oder die Pflicht zum Tragen von Masken über Mund und Nase bestehen. Das erzeugt nun eine komische Situation: Einerseits hängt in den Köpfen von vielen Leuten der Gedanke „es ist vorbei“, andererseits bestehen solche Pflichten. Das… kann doch nur Gängelei sein!!

Tatsächlich wird die Aluhutträgerfraktion gerade stark. Menschen, die nicht glauben, das so etwas Kleines wie ein Virus solche starken Veränderungen auslösen kann. Da muss doch mehr dahinterstecken! Deshalb blühen allerorten absurde Theorien wie die, dass Bill Gates den Virus erfunden hat, damit er uns ein Gegenmittel als Zwangsimpfung verabreichen kann in dem dann 5G-Chips enthalten sind.

„Promis“ wie der Rassist Xavier Naidoo, der rechte Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen oder obskure Gestalten wie Attila Hildmann raunen von großen Verschwörungen, und die Aluhutträger folgen ihnen und bilden sogar eine neue Partei: „Widerstand 2020“. Da Verschwörungs- und Esoterikglauben und rechte Ideologie gerne mal Hand in Hand gehen, winkt aus der Ferne schon mal die zweite Reihe der AfD in Richtung Neupartei und organisiert gemeinsam Demos. Muss man sich mal reintun: „Coronaskeptiker“ gehen auf „Hygienedemos“, um gegen Sicherheitsregeln zu protestieren. Dabei stellen sich dann Leute hin die sich vor dem Besuch eines Supermarktes angemalte Tampons in die Nase stecken und so tun, als hätten sie gerade eine Nasen-OP hinter sich, damit sie keine Maske tragen müssen. Meine Fresse. Bildungsniveau Wie im finstren Mittelalter. Dabei hatten wir hier nicht mal harte Maßnahmen wie in Frankreich, Italien oder Spanien, wo man nur mit Passierschein aus dem Haus durfte.

Die Springer-Presse macht da begeistert mit und lässt „Experten“ im Blatt zu Wort kommen, die erzählen dürfen, dass der Lockdown ja ein Fehler gewesen sei. Man hätte es doch wie in Schweden machen sollen. Nur: Schweden war in Sachen Maßnahmen von Deutschland nicht weit weg, hat nur die Schulen und die Gastronomie offengelassen. Das Ergebnis: 290 Tote auf eine Million Einwohner. In Deutschland sind es 89. Wo genau war der Lockdown also ein Fehler?

Rest der Welt

Trump zerlegt die USA, Teil 9.789: „Das Land muss endlich wieder öffnen“, tönt es aus dem orangenen Hohlkopf, dabei ist der Anstieg eder Fall und Todeszahlen unverändert hoch. In den USA gab es gar keine harten Maßnahmen, aber die unsichtbare Hand des Marktes hat schon mal geregelt: 30 Millionen Arbeitslose gibt es jetzt. Und wie in einem Land der dritten Welt kein Sozialnetz und praktisch keine Krankenversicherung. „Ich sehe unsere Bürger auch als Krieger“, sagt Trump. Will heißen: Es wird Tote geben. Noch mehr davon. 76.000 gibt es schon. Oder, wie Naomi Wu es gegenüber ihren Hatern ausdrückt, die sie immer als Kommunistin anfeindend: „Ich beneide die USA um ihre Freiheit. Ihr habt die Wahl entweder in Euren Wohnungen zu hocken bis ihr verhungert und für die Oligarchen, die Euch regieren, arbeiten zu gehen bis ihr Blut hustet“. Krass zugespitzt, aber wahr.

Weil Trump ja nie für irgendwas Verantwortung übernimmt, versucht er die seinem Amtsvorgänger in die Schuhe zu schieben. „Die Schränke mit der medizinischen Ausrüstung waren leer“, jammert Trump. Das ist natürlich gelogen. Neue medzinische Ausrüstung sollen jetzt vor allem Staaten bekommen, die Trump huldigen. Für seine tolle Arbeit. Weil 3.000 Tote pro Tag eine Erfolgsstory sind.

Neben den Unvereinigten Staaten von Amerika gibt es ja auch noch das Unvereinigte Königreich. Das zerlegt sich gerade durch Johnsons Fehlpolitik. Zu spät hat das Land reagiert, und dann noch Falsch. Senioren wurden erst in Krankenhäuser evakuiert, dann zurück in Altenheime geschickt. Mangels Ausrüstung hatten sie sich aber in der Zwischenzeit infiziert, und so geht der Tod in Brittanien um: über 30.000 Tote bislang, mehr als in Italien, und kein Ende in Sicht.

Hersteller von Omma-Muff suchen neue Absatzmärkte.

Ich Ich Ich

Ich gehe weiterhin meinem gewohnten Leben nach. Morgens zur Arbeit, extrem viel zu tun, Abends nach Hause und kaputt. Mir fehlt Moppedfahren und Reisen und Theaterbesuche, aber das sind Luxusprobleme und alles nicht schlimm. Außerdem habe ich nie Langeweile. Geändert hat sich, dass ich wirklich nur maximal ein Mal pro Woche einkaufen fahre, spät abends, in einen dann praktisch leeren Supermarkt auf dem Land. Das werde ich auch noch eine Weile so weitermachen, denn es würde mich sehr überraschen, wenn die Fallzahlen nicht wieder steigen würden.

Alle Folgen des Coronatagebuchs

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Reisetagebuch Japan (5): Your Name in Kamurocho

Reise durch Japan. Heute begebe ich mich an reale Orte aus fiktiven Geschichten, sinniere über Tankstellen und treibe mich in alten Bordellvierteln herum.

Dienstag, 05. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

An diesem Morgen verlasse ich um kurz nach acht alleine das Hostel. Modnerd und ich gehen heute getrennte Wege. Zwar kommen wir uns nicht groß in die Quere, wenn wir zu Zweit unterwegs sind, aber wenn ich für mich bin, habe ich das Gefühl mehr zu sehen und mehr mit zu bekommen, und das will ich heute.

Allein die Möglichkeit, jederzeit und in der eigenen Sprache mit jemandem reflektieren zu können was ich gerade sehe, lässt mich eine Reise weniger intensiv erleben. Vielleicht weil Gedanken, die mir beim Erkunden in den Sinn kommen, gleich durch den Mund wieder den Kopf verlassen. Wenn ich allein bin, bleiben die Gedanken im Kopf und kreisen darin, bis sie für mich kategorisiert und eingeordnet sind und dann irgendwann hier im Reisetagebuch stehen. Wenn ich allein bin, kommen Dinge näher an mich heran, ich tauche in die Welt ein. Bin ich mit anderen unterwegs, habe ich das Gefühl eine Blase um mich herum zu haben, durch die ich weniger mitbekomme. Wie auch immer: Ich mag Reisen mit Modnerd, aber heute freue ich mich darauf den Tag für mich zu haben.


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Momentaufnahme: April 2020 (2)

Herr Silencer im April 2020

Teil 2 des monatlichen Medienkonsums. Teil 1 war gestern.

Lesen:

Oskar Ludwig Possinger 5.000 km Urlaub und 390 Euro
Freundin weg, keine Kohle, aber das dringende Bedürfnis raus zu kommen: Oscar-L. Possinger setzt sich einen Rucksack auf, schwingt sich auf einen kleinen 50ccm Motorroller namens „Black Blunzie“ und fährt mit maximal 70 km/h von Österreich nach Griechenland, dreht dort eine Runde und kurvt dann über den Balkan wieder zurück. Unterwegs übernachtet er auf Feldwegen und an Stränden, begegnet skurrilen und netten Menschen und findet interessante Orte.

Ein Buch! Ein echtes, physisches Buch, verfasst von jemandem, den Leserinnen und Leser dieses Blogs vielleicht als Kommentator kennen! Und ich habe die Ehre und ein Exemplar aus einer Kleinauflage im Selbstverlag bekommen. Danke, Oskar-Ludwig Possinger!

Die beschriebene Reise ist skurril und absolut ungewöhnlich. Mit einem Kleinstroller, der für den Stadtverkehr gemacht ist, quer durch Europa zu fahren, praktisch ohne Budget – von sowas liest man nicht oft.

Eigentlich sind die Reiseerzählungen genau das, was ich verschlingen würde. Stattdessen habe ich das Buch in kleinen Teilen lesen müssen und dafür satte 4 Monate gebraucht.

Der Grund dafür ist die Sprache. Die kommt äußerst gestelzt daher und wird nicht verwendet um Dinge zu benennen, sondern um sie maximal kompliziert zu umschreiben – mit Referenzen, Anspielungen, Doppeldeutigkeiten, Fremdsprachen, Wortspielen oder in Bildern.

Beispiel: Es wird „der Körper dem salzigen H2O“ überantwortet statt einfach ins Meer gesprungen, statt einer Postkarte werden „Postversandgeeignete Bildprodukte“ erstanden, und das obwohl die „Hendimania“ verdächtig ist, Schuld daran zu sein, dass durch sie „täglich Milliarden digitaler Ein- und Ausdrücke, oft mit kabelgefaßter Lichtgeschwindigkeit punktgenau an die Empfänger persönlich zugestellt werden, ein Großteil der Menschen nicht eben im Begriff ist, das Schreiben auf physikalischen Stoffen zu verlernen“. Oder doch nicht?

Resultat: Bei nahezu jedem Satz muss ich erstmal darüber nachdenken, was mir der Autor eigentlich sagen will. Sowas kann man natürlich bewusst als Stilmittel einsetzen und sich dann einreden damit „Bonmots“ produziert zu haben – tatsächlich hat man damit aber lediglich einen schwer lesbaren Text zusammengeschraubt. Das manche Sätze zusätzlich an Verbandwurmung leiden und sich schon mal über eine halbe Seite ziehen, macht es nicht einfacher.

Die vielen Umschreibungen und Bilder erfordern zudem viel Hintergrundwissen, ohne das man den Sinn der Sätze manchmal schlicht nicht dekodieren kann. Mir fehlt dieses Wissen gelegentlich, denn wenn man nicht aus dem gleichen geographischen und kulturellen Raum und der gleichen Alterskohorte wie der Autor kommt, teilt man den Zeichenvorrat der Kommunikation nur zum Teil. In solchen Fällen liest man die Worte, kann den Sinn aber nicht verstehen.

Nicht falsch verstehen: Die Abenteuer in diesem Buch sind großartig, die Reise etwas ganz Besonderes und Ungewöhnliches und ich freue mich, eines der Bücher aus der kleinen Auflage im Selbstverlag geschenkt bekommen zu haben. Wer mit der Sperrigkeit des Schreibstils kein Problem hat, der kann beim Lesen an einem echten Abenteuer teilhaben. Ich mag das Buch, kann es aufgrund der beschriebenen Probleme allerdings nur in kleinen Dosen genießen. Aber vielleicht war das ja auch die Intention des Autors.


Hören:


Spielen:

The Last of Us [PS4, 2019]

Eine weltweite Pandemie hat die menschliche Gesellschaft zerstört. Die letzten Menschen vegetieren in Quarantänezonen vor sich hin, die Polizei exekutiert Menschen beim ersten Anzeichen einer Infektion auf offener Straße. In diese Welt wird der alternde Schmuggler Joel beauftragt, ein besonderes Paket an eine Miliz zu liefern. Das Paket entpuppt sich als 12jähriges Mädchen mit dem Namen Ellie, und sie ist als einziger Mensch immun gegen die Infektion. Widerwillig verlassen die beiden die Quarantänezone und beginnen eine Reise durch die Überreste der USA, die ein Jahr dauern wird.

Keine Hoffnung, nirgendwo. „The Last of Us“ schafft es mich zum Weinen zu bringen, noch bevor der Vorspann läuft. Die Welt des Spiels ist eine ohne Menschlichkeit. Menschen sind entweder aggressive Infizierte oder gnadenlose Plünderer. Was gut oder unschuldig ist, stirbt einen grausamen Tod.

Dabei ist diese Welt nicht ohne Schönheit: Nach zwanzig Jahren im Lockdown hat sich die Natur die Städte zurückerobert und bietet eine morbide Schönheit. Moosüberzogene Autowracks rosten vor sich hin, Straßen sind eingestürzt und zu Seen geworden, von Wolkenkratzern ist nicht viel übrig, Zootiere ziehen in Rudeln umher und die Sonne geht über sauberen Gewässern auf.

Das Besondere ist aber die Beziehung zwischen Joel und Ellie. Das Mädchen ist Joels Auftrag, und im Laufe des Spiels erringt sie zwar nicht seine Sympathie, aber zumindest seinen Respekt. Die Geschichte ist emotional sehr fordernd, und das Ende überrascht dann doppelt. Es gibt nämlich kein Happy End, im Gegenteil.

Der eigene Spielercharakter Joel nimmt der Welt die letzte Hoffnung mit einer so gigantischen Lüge, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Ein sehr mutiges Spiel, das an die eigene Substanz geht und Roger Eberts Verdikt, das Spiele „keine Kunst sind und niemals sein werden“ Lügen straft. „The Last of Us“ ist ein Meisterwerk, dass man gespielt haben muss.

Die remasterte PS4-Version ist geringfügig schöner als die PS3-Version von 2013, läuft durchgehend bei 60FPS und hat schärfere Texturen, riesig sind die Unterschiede aber nicht. Hier zu meiner ausführlicheren Originalrezension von 2013. Am 19.06. erscheint „The Last of Us – Part II“.

Gears of War 4 [XBOX One]
Irgendwas mit dicken Wummen und ekligen Außerirdischen.

Simple Ballerei. Seit zwei Jahren spiele ich an diesem Kram rum, weil er mich so langweilt, dass ich den nie lange am Stück ertragen habe. Nun bin ich endlich durch. „Gears 4“ ist durchaus abwechselungsreich und bietet neben Schauwerten auch hübsche Taktikelemente. Trotzdem finde ich das anspruchslose „Renne von A nach B und wemse alles um“-Prinzip ermüdend. Aber gut, Zielgruppe sind auch Teenies, und ich muss ja nicht alles gut finden.

Catherine: Full Body [PS4]
Vincent Brooks ist ein verpeilter Großstadtslacker Anfang 30. Tagsüber macht er irgendwas mit Programmieren, abends sitzt er mit seinen Kumpels in einer Bar. Seit zig Jahren ist er mit Katherine (mit K!) zusammen, konnte sich aber bislang nicht mal überwinden, mit ihr in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Dass Katherine neuerdings andeutet, dass sie vielleicht gerne heiraten würde, ignoriert Vincent geflissentlich.

Eines Abends lernt Vincent in der Bar Catherine (mit C!) kennen. Die junge Frau ist atemberaubend schön und völlig unkompliziert, und einige Drinks und eine Nacht später wachen die beiden nackt nebeneinander auf. Ab diesem Moment ist Vincents normales Leben vorbei.

Fortan quälen ihn nachts fürchterliche Albträume, in denen er ein Schaf ist und mit anderen Schafen eine endlose Ansammlung von aufeinandergestapelten Blöcken erklimmen muss. Am Ende einer solchen Albtraumnacht wacht Vincent stets neben Catherine auf, während Katherine ihm gesteht, dass sie schwanger ist und mit ihm eine Familie gründen will. Und als ob das nicht reicht, gibt es in der Stadt eine Serie von Todesfällen: Junge Männer, die von Schafen geträumt haben, sind im Schlaf verstorben.

Ich liebe Videospiele wenn sie das tun, was nur Videospiele können: Geschichten erzählen, indem sie unterschiedliche Medien und Mechaniken zusammenbringen. „Catherine“ ist ein tolles Beispiel dafür. Während Vincents Albträumen spielt man einen komplexen Plattformpuzzler mit einfachen Regeln, ansonsten erlebt man die Handlung über einen Walkingsimulator, in dem man Vincent durch die Bar steuert und mit Personen sprechen lässt. Eingefasst werden diese unterschiedlichen Spielmechaniken durch Zeichentricksequenzen. Die sind manchmal langatmig, oft aber sehr gut und wendungsreich geschrieben.

So sieht das aus:

Es ist zudem schön, dass sich „Catherine“ erwachsenen Themen annimmt, wie z.B. der Frage des Erwachsenwerdens, wann man(n) Verantwortung übernehmen muss und welche Folgen das eigene Handeln für andere hat. Je nachdem wie man Vincent spielt, endet das Spiel gänzlich unterschiedlich – von der Familiengründung mit Kathrine über teufliche Orgien mit Catherine bis hin zum Blutbad ist alles drin.

Die „Full Body“-Version ist übrigens ein Remaster für die PS4 und den PC, das Original erschien schon 2011 für die PS3. Die Remasterversion bietet leichte Schwierigkeitsgrade und Hilfe bei den Puzzlesequenzen, was gerade in späteren Levels auch sehr willkommen ist, sowie eine neue Hauptfigur – mit „Qatherine“ wird aus dem Dreiecks- ein Vierecksspiel. Sehr unterhaltsam und gerne kaufen, wenn es einem für weniger als 20 Euro im Sale begegnet. Den Vollpreis ist es mir persönlich, der Puzzles nicht mag, nicht wert.


Machen:
Haferschleim. Und ich lerne gerade neue Skills.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 16 Kommentare

Momentaufnahme: April 2020 (1)

Herr Silencer im April 2020

We are in this together

Der monatliche Rückblick, aufgrund fortgesetzt hohen Medienkonsums wieder in zwei Teilen.

Wetter: Seit Mitte März schon wieder kein Regen. Anfang des Monats morgens -7 Grad, ab der zweiten Woche wieder mit 10-25 Grad eher vorsommerlich, dann 7 bis 25 Grad. Jeden Tag strahlender Sonnenschein und wolkenloser Himmel. Ein Elend. Seit Anfang März kein Regen mehr, Waldbrandgefahr, Dürre. Im April!


Sehen:

Picard [Amazon Prime]
Jean-Luc Picard, einst Captain des Raumschiffs Enterprise, ist mittlerweile Admiral außer Dienst. Der Achtzigjährige vertreibt sich seine Tage, in dem er grummelnd durch die Weinberge des Familienanwesens in Frankreich schlufft. Das ändert sich, als eine junge Frau auftaucht und ihn um Hilfe bittet. Picard bemüht sich, aber da er bei der Sternenflotte nicht mehr gerne gesehen ist, kann er die Frau nicht schützen. Im Nachgang zu einem Attentat stellt sich heraus, dass sie eine Androidin war – vielleicht sogar Datas Tochter? Androiden sind mittlerweile nach einem Angriff auf den Mars streng verboten, deshalb stellt sich die Frage: Wer hat diesen hergestellt? Und wer wollte unbedingt seine Zerstörung? Picard sucht nach Antworten.

Tja, hm. Was war das denn jetzt? Ich stand der Idee, den fast 80jährigen Patrick Stewart nochmal als Picard auf den Bildschirm zu holen, sehr skeptisch gegenüber. Tatsächlich ist er selbst aber noch fitter als seine deutsche Synchronstimme, die brüchig klingt und die Betonungen nicht mehr hinbekommt.

Dann wurde ich positiv überrascht: „Picard“ ist nicht der mittlerweile bräsig wirkende 80er-Jahre TNG-Star Trek. Den fand ich zu seiner Zeit super, aber „zu seiner Zeit“ war ich halt 11 Jahre alt. Die Geschichte von „Picard“ ist dagegen wendungsreich, hat schöne Ideen und behandelt spannende Themen wie den Umgang mit Flüchtlingen. Zudem lässt sie rätseln: Warum ist Picard bei der Sternenflotte und in der Öffentlichkeit in Ungnade gefallen? Woher kommt die Roboterfrau?

Dermaßen angefixt wartete ich auf Enthüllungen.
Und wartete.
Und wartete.

„Picard“ kommt nämlich einfach nicht aus dem Quark und walzt eine Handlung, die gerade mal für einen Spielfilm reicht, auf 10 Serienfolgen aus und tritt deshalb bei 7 davon auf der Stelle. Fast fürchtete ich, das der greise Patrick Stewart das Ende der ersten Staffel seiner eigenen Serie nicht mehr erlebt.

In der Summe: Interessant, aber zäh. Immerhin: Jeri Ryan macht als Seven of Nine-Borgqueen eine fantastische Figur.

Bild: NDR

Tatort: National Feminin
Eine rechte Youtuberin wird ermordet. Scully und die Frau aus Black Panther ermitteln im Göttinger Rechtenmilieu zwischen Identitären und Antifeministinnen.

Noch ein „Tatort“, der in meiner Wohnstadt Göttingen spielt. Anders als der enttäuschende und absurde „Krieg im Kopf“ im vergangenen Monat, der Cyber-Cyber auf Faxgeräten versuchte und Drehbuchtechnisch an Arbeitsverweigerung grenzte, ist „National Feminin“ ein krasses Stück.

Die Machenschaften der „Identitären“ und ihrer stramm rechten Ideologie aus krankem Patriotismus und „Frauen an den Herd“ werden hier tatsächlich so authentisch dargestellt, dass während der Ausstrahlung im linearen Fernsehen am Sonntag Abend den ganzen kleinen Nazis auf Twitter einer abging. Streckenweise wirkte der Film sogar wie ein Werbeclip für die neue Generation der Rechtsradikalen.

Man muss diesen Tatort aber als das sehen, was er sein will: Ein Aufklärungsstück, das den älteren Zuschauern des ARD-Krimis, die sich nicht im Internet bewegen und die weder Youtube noch Twitter kennen, zeigt, mit welchen Methoden und welchen Formen der Propaganda der neue Faschismus arbeite. Nicht auszuschließen, dass diese Ideen und Bildästhetik dann halt einige Zuschauer gut finden, aber das Risiko ist man hier eingegangen.

Ein mutiger, sehenswerter und nicht unspannender Film mit zwei anbetungswürdigen Frauen in den Hauptrollen, noch bis 26.10.20 in der ARD Mediathek zu sehen.

Bild: RBB

Die Getriebenen
Sommer 2015. Zehntausende Flüchtlinge machen sich auf den Weg nach Europa. Viktor Orban sieht eine Chance seine Macht auszubauen und treibt Deutschland und Österreich politisch vor sich her. In diesen Ländern sind es wiederum Rechtskonservative wie Sebastian Kern oder Markus Söder, die das Thema Flüchtlinge nutzen um die alten Eliten ihrer Parteien vor sich herzutreiben.

Der zweistündige Spielfilm basiert auf einem Buch von Robin Alexander und arbeitet die Ereignisse des Sommers 2015 minutiös auf. Mut zur Lücke gibt es dabei freilich nicht. Schauspieler, die teilweise dem Original sehr nahe kommen, spielen immer wieder in Szenen die plausibel sind, für deren Authentizität es aber keinen Beleg gibt.

Dennoch ist es interessant all die Handlungsebenen, die man sich damals aus den Nachrichten zusammensuchen musste, zusammengefasst zu sehen. Merkels Versuche, die Sache auszusitzen und wie ihr das auf die Füße fällt. Orbans gnadenloses Spiel mit Menschenleben. Gabriels schmierlappige Schadenfreude. Seehofers Hilflosigkeit im Umgang mit der Situation und der Rückfall in alte Lösungsmuster, die so aber im 21. Jahrhundert nicht mehr funktionieren.

Funfact: Der Drehbuchautor für „die Getriebenen“ hat auch „National Feminin“ geschrieben.

Unbedingt sehenswert, noch bis 15.07.20 in der ARD-Mediathek

Aquaman
Kal Drogho ist der uneheliche Sohn von Jango Fett und Nicole Kidmann und damit Prinz von Atlantis. Damit hat sein arischer Halbbruder Probleme, das wiederum geht der rothaarigen Exfreundin von Johnny Depp gegen den Strich und schon knallt´s unter Wasser.

Endlich mal ein Film aus dem DC-Universe der wirklich in großem Maßstab funktioniert und eine Superheldengenese ordentlich durchdekliniert. Es passiert so viel auf der Leinwand, dass das Hirn gar nicht hinterherkommt und irgendwann nur noch staunt „oooooh, bunt!“.

Macht sehr viel Spaß, toll besetzt, prima Worldbuilding, funktioniert bis zum Schluss. Was wieder zeigt: Lässt man passionerte Filmemacher ran, und nicht Zac Snyder, den Mann mit den Nazieulen, dann funktionieren selbst alberne Comicfiguren wie Aquaman oder Wonder Woman.

Terminator SCC: The Sarah Connor Chronicles [BluRay]
Sarah Connor versucht ihren Sohn John aufzuziehen. Der wird irgendwann der Anführer der letzten Menschen im Krieg gegen die Maschinen sein, und deshalb bildet sie ihn geradezu versessen aus, während sie auf der Flucht vor immer neuen Terminatoren sind. Unterstützung erhält sie dabei von einem weiblichen Terminator und dem Schwippschager vom Bruder von Johns Vater, Kyle Reese.

Irgendwann kam jemand auf die Idee die Jahre zwischen T1 und T2 als Serie zu verfilmen. Schöne Einfälle wie ein Zeitsprung ins Jahr 2008 oder ein Terminator, der einen Schönheitschirurgen überfällt, damit der ihm wieder Fleisch auf´s Endoskelett züchtet, wechseln sich ab mit banalen Handlungsbögen um Schachcomputer mit KI oder campy Folgen um baletttanzende Terminateusen.

Da auch der Ton der Serie von bedrohlich-erwachsen in Richtung High-School-Coming-of-Age-Story kippte, war nach 31 Folgen in zwei Staffeln Schluss. Einzig wegen der Hauptdarstellerinnen ist das Ganze überhaupt erträglich. Lena Headey (Cersi Lannister aus Game of Thrones) gibt eine tolle Sarah Connor, und Summer Glau als Terminatrix macht ebenfalls viel Spaß.

The Mandalorian
Nach dem Ereignissen von “ Die Rückkehr der Jedi-Ritter“: Die neue Republik ist gerade um Aufbau, es gibt aber noch Widerstandsnester von Anhängern des untergegangenen Imperiums. In dieser aufregenden Zeit wird ein mandalorianischer Kopfgeldjäger angeheuert, um ein Paket abzuholen und an einen imperialen Offizier zu liefern. Das Paket entpuppt sich als machtbegabtes Kind, und der Kopfgeldjäger bringt es nicht übers Herz es auszuliefern. Dafür wird er von allen gejagt.

Sabber-Sabber-Sabber. „The Mandalorian“ ist das Star Wars, was ich mir als Kind immer gewünscht habe. Simple Geschichten, einsame Helden, böse Wichte als Gegenspieler. Das alles technisch und schauspielerisch (Werner Herzog! Nick Nolte! Emily Swallow!) toll umgesetzt. Die Episoden sind zu kurz um narrativ durchzuhängen und bieten dermaßen viel Schauwerte, dass gar nicht auffällt, wie dünn die Stories eigentlich sind.

„Mandalorian“ macht keinen Hehl daraus, dass sein Vorbild klassische Western sind. Die Serie stellt Szenen aus alten Westernfilmen teils Bild für Bild nach und bedient sich an den Strukturen von Abenteuerfilmen wie „Indiana Jones“.

Dabei zieht sie ihren Reiz aus neuen Figuren, über die man nicht viel erfährt. Das macht sie geheimnisvoll und frisch. Wer möchte nicht so sein wie der coole, namenlose Held, der aus jeder Situation rauskommt und nie die Nerven verliert? Das funktioniert mit dem gesichts- und namenlosen Helden in „Mandalorian“ viel besser als mit Boba Fett, über den man einfach schon zu viel weiß.

Ohnehin geht Showrunner John Favreau nie den ganz einfachen und offensichtlichen Weg, sondern häkelt immer Besonderheiten ein. Und er hat ein großes Herz für winzige Eastereggs, mit denen er im Nachgang Dinge aufwertet. Beispiel dafür ist die Eismaschine, mit der in „Empire“ während der Evakuierung von Bespin ein Arbeiter durch einen Gang rennt. Das war jahrelang ein Witz unter Fans: Rettet das Erdbeereis! In „Mandalorian“ kommt das Ding wieder vor, und jetzt sieht man, dass der Behälter ein Hochsicherheitssafe für ungewöhnlich wertvolle Dinge sein soll.

Selbst alberne Kenner-Spielzeuge aus den späten 70ern wie den Roboter IG-88 oder der imperiale „Truppentransporter“ werden durch ihre Darstellung im Mandalorian aufgewertet – verdammt, dass war das erste mal, das ich selbst vor den albernen AT-STs Respekt hatte!

Das alles lässt mein kleines Fanherz hüpfen. Wer also mit einsamen Gunslingern nichts am Hut hat, wird mit dieser Serie nichts anfangen können. Ich mag „Mandalorian“ sehr, aber ich habe in „Star Wars“ auch nie den Sinn des Lebens gesucht.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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