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Moppedzubehör: Gold vs. Mist

Ich hatte an der V-Strom ja so einiges dran- und umgebastelt. Dinge, die ich für sinnig und angebracht hielt. Am Saisonende ist jetzt die Zeit mal zu evaluieren: Was hat gut funktioniert, was nicht? Was hat mich glücklich gemacht, was hat am Ende mehr genervt als genutzt?

Ich bin kein Freund von überflüssigem Nervkram. Was sich nicht bewährt, wird gnadenlos entsorgt oder radikal geändert, denn: „Ain´t nobody got time for that“. Die gute Nachricht: Der Großteil der Sachen tut einfach wie er soll und wie erwartet, aber es gab ein paar Dinge, die unerwartet viel besser oder schlechter sind als gedacht.

Flops

Flop-Platz 3: Givi Trekker Koffer
Lange hatte ich mit den „Trekker“-Koffern von Givi schon geliebäugelt, und nach dem Unfall stellte mir die Versicherung so welche vor die Tür. Freude! Aber nicht lange.

Stellt sich nämlich raus, dass die Dinger irre breit sind – und noch schlimmer: Irre schwer. Der kleine Koffer wiegt leer 5 Kilo, der große 6 Kg. Klar, die sind robust gebaut und haben doppelte Scharniere im Deckel, das kostet Gewicht. Leider geht das auf Kosten der Zuladung. Der Träger am Motorrad möchte maximal mit 12,5 Kilo pro Seite behängt werden. Links ist schon die Tooltube mit 1,5 Kilo, dann der Koffer mit 6 Kg, bleiben also gerade mal 5 Kg Zuladung. Bisschen wenig, ich bräuchte 8kg. Außerdem muss ich das zusätzliche Gewicht ja auch schleppen, abends zur Unterkunft und wieder zurück.

Nee, da habe ich mir lieber alte, gebrauchte E45 gekauft. Die wiegen nur 3 Kg und halten es auch aus, wenn ein ganzes Mopped auf sie drauf fällt (für sie getestet). Was ich nun mit dem 33 und dem 46 Trekker mache? Weiß ich noch nicht. Zum Verkaufen finde ich sie zu cool, aber ich sehe bislang nicht wann und wie ich sie nutzen sollte.

Flop-Platz 2: Seitenständer
Durch die Tieferlegung der Maschine um 3 cm musste der Seitenständer um 2 cm gekürzt werden, außerdem wollte ich gerne eine Standfußverbreiterung von SW-Motech nutzen. Hat beides nicht funktioniert: Die Kürzung war zu zaghaft, dadurch stand die Maschine zu aufrecht und drohte bei leichtester Abschüssigkeit des Untergrunds nach rechts, insb. mit Gepäck, umzufallen. Ich musste dauernd nach links abschüssige Halteplätze suchen oder eine Kuhle in den Boden scharren, damit die Kiste sicher stand. Und auf der Rückfahrt, als ich in diesen Orkan geriet, drohte der Wind die Maschine bei Pausen umzupusten. Eine Katastrophe, sowas.

Die Standfußverbreiterung hat es geschafft Riefen in den Boden zu kratzen – auch in Stein und Beton. Keine Ahnung wie das geht, das Teil ist nämlich nur aus Alu, da hätte ich gedacht, dass das weicher ist als Stein. Vermutlich hat der falsche Winkel das ausgelöst. Einige Gastgeber waren mit Sicherheit nicht amused darüber, dass ich auf ihren Parkplätzen Kratzer hinterlassen habe.

Ist schon geändert. In der Werkstatt wurden nochmal 1,5 Zentimeter vom Seitenständer entfernt (was m.E. nicht den nötigen Effekt gebracht hat, aber wir werden sehen). Und die Verbreiterung wurde abgeschliffen und im Winkel angepasst. Damit sollte sich das erledigt haben.

Flop-Platz 1: Unterfahrschutz
Der handgeschweißte, tschechische Unterfahrschutz war so ein Ding, von dem ich dachte: OK, kann cool sein, kann auch Mist sein.
Ist Mist, zumindest an meiner V-Strom. Das liegt an zwei Dingen.

Grund 1: Vibrationen. Ab 5.000 Touren war das Ding am Dröhnen wie sonstwas. Bei der Drehzahl erreicht der Auspuff seine Resonanzfrequenz und schlägt gegen den Motorschutz. Ich hatte schon Unterlegscheiben drunter gepackt um den Abstand zu erhöhen. Hat aber nichts gebracht, der Auspuff hat eine regelrechte Delle ins Alu vibriert:

Grund 2: Aufsetzen. In engen, abschüssigen Kehren setzen allen Ernstes die hinteren Ecken des Unterfahrschutzes auf der Fahrbahn auf. Das ist doof und gefährlich. Deshalb trenne ich mich jetzt von dem Teil, auch, wenn es tatsächlich zwei Mal auf der letzten Fahrt den Motor vor Treffern durch herumfliegende Metallteile/Steine geschützt hat. Das ist aber nicht den Preis geringerer Bodenfreiheit wert. Vermutlich ist das übrigens nur ein Problem MEINER V-Strom, wegen der Tieferlegung, wissen schon. Schade. Ist die größte Enttäuschung. Ich fand das Teil cool, aber wenn es keinen Nutzen hat, weg damit. Mein Mopped soll nicht cool aussehen, es soll funktionieren.

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Top3:
Es gab aber auch Dinge, die mich sehr glücklich gemacht haben.

Platz 3: Givi-Sturzbügel
Was soll ich sagen? Er funktioniert. Beim Unfall ist das komplette Mopped darauf gelandet und über den Asphalt gerutscht, und das Ding hat nur einen Kratzer abbekommen. Ich hätte erwartet, dass er sich bei der Belastung auch verbiegt, aber: Nada, dass Ding ist keinen Zentimeter verformt. Sowohl die Verkleidung als auch der Tank – und vor allem mein Bein! – wurden perfekt geschützt.

Patz 2: Bikers Dream Luftpumpe
Dieses kleine Ding macht mich echt glücklich: Eine Luftpumpe! Und eine winzig kleine noch dazu! Luft ist nämlich, anders als man immer denkt, nicht immer und überall an jeder Tankstelle vorhanden. Zumindest nicht im Ausland. An vielen Tankstellen jenseits der deutschen Grenze gibt es gar keine Luft, und wenn es doch Luftstationen gibt, kostet das Geld oder die Luftautomaten sind kaputt. Meistens ist beides der Fall. Oder die Ventilenden passen nicht. Oder man kommt mit dem Stab oder Rüssel nicht ans Ventil am Reifen. Oder irgendein anderer Kram nervt. Generell ist nie Luft vorhanden wenn man gerade welche braucht.

Die Luftpumpe von Bikers Dream ist aus Alu und sehr leicht, total klein und das Meßgerät daran ist recht genau. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein Spielzeug, aber das täuscht: Der Hub ist sehr ordentlich, das Ding schafft was weg. Fünf Mal Treten entspricht ca. 0,1 Bar, damit ist selbst die Befüllung eines ganzen Reifens kein Ding der Unmöglichkeit.

Zusammengelegt:

Anders als ein kleiner Kompressor, wie ihn manche Tourenfahrer mit sich führen, braucht die Pumpe keinen Strom und ist – auch nicht ganz unwichtig – quasi lautlos. Sehr geiles Ding und vom Volumen her mit 17x8x8 cm kaum größer als die Sammlung Pressluftpatronen aus dem Reifenset, die es nun ersetzt. Das Gewicht von 600 Gramm (inkl. Adapter) ist im Reisegepäck auch verkraftbar.

Wertig und praktisch ist auch der CNC-gefräste Adapter. Mit dem großen goldenen Rändelrad schraubt man ihn auf das Reifenventil, mit dem kleinen roten öffnet man es. Das heißt: Kein Luftverlust beim An- und abdocken, es macht nicht Zisch.

Den Adapter habe ich jetzt immer unter der Sitzbank, der leistet in Deutschland nämlich auch an Tankstellen gute Dienste: Draufschrauben, schon hat man keine Probleme mehr mit der Zugänglichkeit des Rüsselteils oder Stabs der Luftstation.
Pumpe und Adapter sind deutsche Liebhaberqualität, käuflich zu erwerben auf http://www.bikersdream.de oder bei Louis oder Polo.

Platz 1: Sitzbank von Designwerkstatt Schmidt
Mir war vollkommen klar, dass eine Sitzbank mit Geleinlagen gut für Hintern und Rücken sein würde. Das die in Kombination mit der aufrechten Sitzhaltung aber SO toll werden würde, hatte ich nicht geahnt. 700 Kilometer am Stück lässt sich damit fahren ohne auch nur die leichteste Verspannung. Meine extremste Etappe waren 1.065 Kilometer am Stück – und am nächsten Tag hatte ich keinen Muskelkater. Meister Bernhard hat genau den Sweetspot getroffen, sowohl was die Härte der Polsterung als auch die Position des Übergangs, die Höhe und die Breite angeht. Rutschfest, haltbar, ergonomisch – beste Investition bislang!

 
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Verfasst von - 24. Oktober 2017 in Motorrad, Reisen

 

Hier kommt der Herbst! – Saisonende 2017

Also höret und lobet das Herbstwiesel, das Euch wissen lässt, dass nun die Zeit für lange Abende bei Netflix und guten Büchern und Heißgetränken der eigenen Wahl angebrochen ist! Auf das alles kuschelig sein möge und gemütliches Einmuckeln zelebriert werde! Auf der Couch rumliegen und Videospiele spielen ist nun keine Sünde mehr, denn die Zeit des Motorrads ist für dieses Jahr vorbei! Preiset das Herbstwiesel, das die Blätter bunt anmalt und alles gemütlich werden lässt!

Die Motorradsaison 2017 ist damit offiziell beendet. Wer jetzt nicht mehr fährt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Für mich war es die längste und aufregendste Saison seit langem, aber auch die frustrierendste. Es ist viel passiert, fassen wir mal zusammen.

Im Januar kam ich auf die Idee, unbedingt die Tremola fahren zu wollen. Und erstaunlicherweise sah ich mich da nicht auf meiner treuen Kawasaki ZZR 600, der Renaissance, sondern auf einer Reiseenduro.

Folgerichtig verliebte ich mich im Februar spontan in eine fünf Jahre alte V-Strom, die hier in der Gegend bei einem Händler rumstand.

Den ganzen Februar hindurch hibbelte ich rum, wann ich die große Schwarze mit den 36.000 Kilometern auf der Uhr endlich probefahren dürfte. Als die Temperaturen über den Nullpunkt kletterten und der Schnee weg war, erlaubte es der Händler endlich.

Am Tag des Kaufs.

Noch am gleichen Tag unterzeichnete ich den Kaufvertrag, und eine Woche später, am 03. März, stand die V-Strom bei mir vor der Tür. Wenige Tage später war sie schon in der Werkstatt meines Vertrauens und wurde umgebaut: Tieferlegung, automatisches Ölsystem, anderer Sturzbügel, Erweiterung des Gepäcksystem usw. usf.

Im April dann eine unerwartete Überraschung und DIE Freude des Jahres: Ich konnte ganz unverhofft eine ganze Garage unter dem Haus übernehmen. Garagen sind hier auf dem Dorf Mangelware, und dann auch noch direkt unter meinem Wohnzimmer eine zu bekommen, da wurde ein Traum wahr. Seitdem stehen ZZR und V-Strom nicht mehr an der Straße, sondern schön im Trockenen.

Netter Nebenffekt: Ich habe einen Rückzugsort, an dem ich einfach ungestört und geschützt vor den Blicken der Nachbarn rumbasteln kann. Wenn man an der Straße stehend schraubt, kommt alle fünf Minuten ein Otto vorbei und versucht einem ein Gespräch aufzuzwingen. Die Garage erlaubt Zen-artige Ruhe.

Der Juni war hart. Zu Beginn der ersten, großen Reise wurde die V-Strom von einem Auto umgefahren. Der Trottel von Unfallgegner meldete den Vorfall nicht seiner Versicherung, und so zog sich die Reparatur. Den Großteil des Sommers stand die V-Strom in der Werkstatt, erst Mitte Juli kam sie wieder raus. Immerhin war sie reparabel, und immerhin war es nur Blechschaden. Das war mein erster, echter Unfall mit einem Auto, und ich bin froh, dass mir nichts passiert ist.

Im Juli war das Wetter mies und ich hatte nicht viel zu tun. Ein Regennasser Nachmittag in der Garage bescherte der Renaissance schwarze Leuchten.

Die Maschine hat jetzt kein farbiges Teil mehr an sich und wirkt, als sei sie aus einem Schwarz-Weiß-Film gefallen. Wenn man drauf guckt, hat man das Gefühl, dass die Augen nicht richtig funktionieren, weil in den Grenzen eines ZZR-förmigen Umrisses alles nur grau ist.

Später im Monat kam die V-Strom wieder aus der Werkstatt, und die erste Tour führte nach Bad Orb und von da aus gemeinsam mit Freunden durch den Spessart.

Im August machte ich einen kleinen Ausflug mit der ZZR, der zu einer 1.400 Kilometer langen Tour durchs Saarland, Frankreich und Belgien ausartete. Highlight war der Besuch von Verdun und die dortigen Geschichtslektionen.

Im September ging es dann endlich mit der V-Strom auf Tour, über Österreich nach Italien und Retour. Das war toll, fühlte sich aber eher wie eine erweiterte Probefahrt an. An deren Ende wusste ich genau was alles noch an der Maschine geändert werden musste bis wirklich alles passte – aber The Real Thing war es bis dahin noch nicht. Das die Kette völlig fertig war minderte den Fahrspaß erheblich – am Ende wollte ich nur noch nach Hause.

Im Oktober ging die V-Strom wieder in die Werkstatt und bekam einmal alle Verschleißteile neu. Reifen, Kette, Bremsbeläge, Öl, Zündkerzen, Luftfilter, Bremsflüssigkeit, Ventilspiel eingstellt, usw.

Seit vorgestern ist sie wieder zurück, heute wurde sie geputzt und für die Einwinterung fertig gemacht. Die ZZR steht bereits abgedeckt und mit abgelassenen Vergasern daneben.

Die beiden dürfen jetzt vom Sommer träumen. In fünf Monaten wecke ich sie dann aus dem Winterschlaf und präsentiere ihnen neue Pläne für gemeinsame Touren, die ich über den Winter aushecke.

In der Summe: Neues Mopped, Garage, Unfall, Reise mit angezogener Handbremse – die Saison 2017 war teuer und unbefriedigend, aber kein Komplettausfall.

Zeit, mal die Daten der Maschinen auszulesen und auszuwerten. Das war die Motorradsaison 2017 in Zahlen:
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Verfasst von - 23. Oktober 2017 in Momentaufnahme, Motorrad

 

Anfragen nur per Post

Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als man einfach auf Bahn.de ging, sich eine Verbindung aussuchte, auf „buchen“ klickte und dann die Fahrkarte drucken konnte? Das geht so nicht mehr, zumindest bei Fernverbindungen ins Ausland. Statt eines Preises und einem „buchen“-Button steht da aktuell bei den meisten Verbindungen:

Man muss den Preis anfragen. Aber nicht bei allen Verbindungen, und nicht an allen Tagen. Und was passiert nach einer Anfrage? Vermutlich wird der Preis nach dann im Reisezentrum ausgewürfelt. Aber nicht sofort, denn zunächst muss man sich nach dem Klick auf „Anfragen“ durch 5 SFormularseiten arbeiten, die fast genauso aussehen wie der Buchungsprozess einer Fahrkarte – inkl. Festlegung auf Reservierungen und Zahlungsmittel, und einer der Schritte ist sogar mit „Buchen“ überschrieben.

Das verwirrt nicht nur, das erschreckt auch – ich will doch nicht buchen, ich will doch erstmal nur den Preis wissen! Im kleingedruckten steht dann aber, dass man, April, April, noch nicht wirklich bucht, sondern erstmal per Mail ein Angebot bekommt, von dem man dann entscheiden kann ob man es annehmen will oder nicht. Nur: Diese Angebotserstellung DAUERT. Aktuell warte ich schon satte 4 Tage, und hatte jetzt die Nase voll.

Ich habe einfach eine Verbindung gebucht, die tatsächlich bepreist war UND sich sofort buchen liess. Aber was zeigt mir das System nach dem Bezahlvorgang?


Jetzt wird mir die Fahrkarte allen Ernstes PER POST zugestellt. Echt jetzt? Vor 6 Jahren waren wir da schon mal weiter, da liess sich auch bei Auslandsreisen alles sofort buchen, zahlen und ausdrucken. Aber hey, vielleicht mach die Bahn ja jetzt Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Reisezentrumsmitarbeiter/-innen und Briefträger/-innen?

 
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Verfasst von - 20. Oktober 2017 in Rant

 

Die Diskussion um die Diskrimierung von… Nazis?

„Wolfenstein“ ist eine Videospielreihe. Inhalt: In einer alternativen Zeitlinie haben die Nazis den Krieg gewonnen und beherrschen die Welt, nur der Spielercharakter leistet noch Widerstand und kämpft gegen das Regime. Wolfenstein ist ein klassischer First-Person-Shooter, dementsprechend kommen beim Widerstandskampf Schrotflinten, Kettensägen und Plasmagewehre aus der Ich-Perspektive zum Einsatz. Das ist nicht unblutig und in Deutschland eh´ aufgrund der verfassungswidrigen Symbole geschnitten. Der besondere Reiz des Spiels liegt in der Kombination aus adrenalinpumpender Action und wohligem Grusel, den alternative Nazizeitlinien auslösen.

Das ist alles nicht neu, die erste Version von Wolfenstein datiert auf das Jahr 1981. Mittlerweile gibt es mindestens 7 Nachfolger, der neueste wird in zwei Wochen veröffentlicht. Teil der Werbekampagne ist ein TV-Spot, der zeigt, wie Nazitruppen durch die Straßen einer amerikanischen Stadt marschieren. Dazu gibt ein Overlay mit dem Text „Not my America“. Der Spot wurde auf Twitter mit dem Text „Make America Nazi-Free again“ und dem Hashatg #NoMoreNazis gepostet.

Klar sind das Anspielungen auf die Trump-Kampagne. Das ist nicht bemerkenswert. Bemerkenswert war der Ausbruch an Reaktionen der amerikanischen Nazis, der sog. Alt-Right-Bewegung. Die meinten nämlich im Juni kund tun zu müssen, dass es ja voll unfair sei, dass jetzt sogar schon Computerspiele gegen Nazis hetzen, weil, nun, da sei doch auch nicht alles schlecht gewesen.

Und überhaupt, warum können sich Computerspiele nicht aus Politik raushalten?

Andere fanden die Bilder von marschierenden Nazis so motivierend, dass sie Nachahmungseffekte befürchten:

In der Folge gab es einen lautstarken Shitstorm. Die Herstellerfirma von Wolfenstein wurde als Unterstützer der Antifa (und damit als Terrorhelfer) und als „SJW“, (Social Justice Warrior, das amerikanische Pendant zu „Gutmschenschen“) beschimpft, und es wurde eine „differenzierte und tolerante Haltung“ gegenüber Rechtsextremen gefordert.

Das ist also der Einfluß der neuen Rechten, der Alt-Right, und soweit ist er schon gekommen: Es wird ernsthaft und offen darüber geklagt, dass Nazis in Videospielen die Bösen sind. Das Nazis nicht die guten sein können war bislang gesellschaftlicher Konsens und stand NIE zur Disposition. Bis jetzt. Im Jahr 2017 wird das als politisches Statement wahrgenommen, und zwar als eines, das Rechte diskriminiert.

Produzent Pete Hines sah sich schließlich zu einem Statement veranlasst:

„Wolfenstein has been a decidedly anti-Nazi series since the first release more than 20 years ago. We aren’t going to shy away from what the game is about. We don’t feel it’s a reach for us to say Nazis are bad and un-American, and we’re not worried about being on the right side of history here.“
– Pete Hines, Bethesda

Die Reaktion von Bethesda ist natürlich fraglos richtig. Das hier gar nicht erst der Versuch gemacht wird, auf die Toleranzschiene zu gehen und sich in eine Diskussion verwickeln zu lassen, muss man ihnen hoch anrechnen. Denn Rechte haben das Recht auf Toleranz und Meinungsfreiheit verwirkt, und wer es ihnen zubilligt ist dumm. Das sage ich, und das sagten selbst die Nazis.

Hier ein Ausschnitt aus einer Rede von Goebbels, der gerade auf Twitter rumgereicht wird. Er hielt sie 1935 unter lautem Gelächter und Beifall seiner Parteigenosseen, und was er sagt ist bemerkenswert.

„Wenn unsere Gegner sagen: Ja, wir haben EUCH doch früher die Meinung – die Freiheit der Meinung – zugebilligt, ja IHR uns, das ist ja kein Beweis, dass wir das EUCH auch tuen sollen! Eure Dummheit braucht doch nicht auf uns ansteckend zu wirken! Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis dafür, WIE DUMM Ihr seid!“

In diesem Sinn: Keine Toleranz gegenüber „Neue Rechten“, „Identitären“, „besorgten Bürgern“ oder wie sich Neo-Nazis sonst nennen, weder auf der Buchmesse noch in Talkshows oder bei so trivialen scheinenden Themen wie Computerspielen.

 
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Verfasst von - 16. Oktober 2017 in Betrachtung

 

Saisonnachsorge: Motorradbekleidung richtig reinigen

Für die meisten neigt sich das Motorradjahr so langsam dem Ende zu. Saisonkennzeichen (Buahaha!) laufen ab, die Maschinen werden nochmal sorgfältig geputzt und dann eingewintert. 

Auch die Bekleidung will und braucht jetzt Pflege. Wer eine Lederkombi trägt, weiß das in der Regel. Nutzer von Textilkombinationen dagegen hängen meist ihre Klamotten im Herbst in den Schrank und tragen sie genauso im nächsten Frühling weiter. Dabei sind es gerade diese Kleidungsstücke, die mit ein wenig Pflege wesentlich länger halten.

Fahreranzüge aus Cordura und ähnlichen Materialien haben eine Membran. Ganz egal ob die aus Goretex, Sympatex, Polotex oder sonstwas ist, die Funktionsweise ist immer gleich: Die Klimambran soll Regen von Außen abhalten, Feuchtigkeit vom Körper aber nach Außen abgeben.

Was ist Körperfeuchtigkeit? Schweiß. Was ist in Schweiß enthalten? Salz. Dieses Salz setzt sich in die Poren der Klimamembran, und Salz hat die Eigenschaft alles anzugreifen. Das Ergebnis: Nach ein paar Jahren wird die ist die Membran so porös, dass sie auseinanderbröckelt. Und zwar wörtlich. Erst wird sie undicht, dann zerfällt sie einfach. Bekommt man meist nicht mit, weil die Membran halt in anderen Stoff einlaminiert ist, aber es ist so.

Daher sind Mebranklamotten sehr dankbar für eine ordentliche Wäsche am Ende der Saison, die das Salz rausspült und die Atmungsaktivität erhält. Auch um Handschuhe, Stiefel und Unterwäsche kann man sich bei der Gelegenheit mal kümmern. Dabei sind aber ein paar Dinge zu beachten.

Textilkombis
Kleidung aus Cordura oder ähnlichen Stoffen kann man einfach in der Waschmaschine waschen. Auch Materialmixe aus Textil und Leder, wie bei meiner Mohawk, können das problemlos ab.

Wichtig dabei:

  • Vor dem Waschen alle Protektoren entfernen (was der leichte Teil ist, die Dinger wieder einzubauen ist dagegen die Härte)
  • Alle Reißverschlüsse und Klettriegel schließen.
  • Keinen Weichspüler verwenden! Weichspüler macht die Mebran sofort kaputt. Darauf achten, dass auch das Waschmittel keinen Weichspüleranteil und keine Bleiche enthält. Wer auf Nummer sicher gehen will: Von Dr. Wack gibt es S100 Waschmittel (bei Louis oder Polo für ca. 11 Euro/Flasche) für Motorradbekleidung. Das Zeug ist spitze und enthält garantiert nichts, was die Klamotten angreift.

  • Waschanleitung beachten! Ich stelle die Waschmaschine auf einen Schonwaschgang, Handwäsche, 30 Grad.
  • Nur minimal Schleudern! Maximal 400 Umdrehungen, dann nass aufhängen. Aber bitte nicht direkt an der Heizung.
  • Nach dem Trocknen baue ich meine Textilkombi gleich wieder zusammen. Bis alle Protektoren wieder richtig sitzen dauert es ein wenig. Dann imprägniere ich den Kram gleich wieder, meist mit S100. Ich mache zwei Durchläufe: Zuerst wird alles eingesprüht, dann trocknen gelassen. Dann gehe ich mit einem Föhn drüber und erwärme alles ganz leicht, dadurch verbinden sich die getrockneten Imprägniermitteltropfen zu einer dichten Oberfläche. Der zweite Durchlauf erfolgt genauso.

Regenkombis
Klassische Regenkombis aus dickem Polyamid brauchen keine spezielle Reinigung. Sind sie dreckig, einfach mit Seifenwasser drüberwischen, fertig. Moderne Regenklamotten wie meine Stormchaser haben aber auch eine Membran, weshalb ich die auch mit S100 im Handwaschgang wasche, bei 400 Umdrehungen schleudere und dann nass aufhänge.

Unterwäsche
Klar, Moppedunterwäsche wäscht man, versteht sich von selbst. Hier zwei kleine Tips:

1. Funktionsunterwäsche ist meist aus Polyester. Das ist nicht schlimm, stinkt aber sehr schnell. Spätestens am Saisonende sollte man deshalb der Wäsche einen guten Schuß Hygienespüler zusetzen. Der eliminiert alles was riechen kann.

2. Unterwäsche aus Merinowolle ist so ziemlich das geilste was es gibt. Das Zeug ist sowas wie die Funktionsfaser der Natur: Sehr leicht, trocknet in Nullkommanix, hält bei Kühle warm, hält bei Hitze trocken. Und: Es riecht nicht! auch nach tagelangem Tragen in großer Hitze reicht es meist, die Klamotten über Nacht auszulüften. Das liegt u.a. an Eiweißmolekülen in der Wolle, die den Bakterien, die das Müffeln verursachen, das Leben schwer machen. Merinounterwäsche mag es, so wenig wie möglich gewaschen zu werden. Wenn dann aber doch, dann entweder ganz ohne oder mit einem sehr milden Waschmittel, Schonwaschgang, Schleudern bei max. 1.000 Umdrehungen, NICHT in einen Trockner stecken.

Handschuhe
Handschuhe aus Leder lassen sich gut mit Lederseife schamponieren. Textil/Lederkombinationen und Handschuhe mit Membran lassen sich genauso in der Maschine waschen wie Textilkombis s.o.)

Stiefel
Meine Alpine Stars Web sind aus Leder. Die werden ordentlich feucht abgewischt, dann dick mit „Floral“-Paste eingeschmiert. Sobald das getrocket ist, wird der alles, was nicht eingezogen ist, mit einem weichen Lappen abgewischt. Danach sehen die Stiefel wie neu aus und sind imprägniert, ohne das die Atmung des Leders beeinträchtigt wäre.

Helm
Der Helm wird von außen ordentlich mit Seifenwasser abgewaschen, tote Insekten aus den Lüftungsöffnungen gepuhlt. Anschließen gehe ich mit NIGRIN Politur/Wachs über die Helmschale. Dadurch strahlt der Metalliklack nicht nur, sondern Dreck setzt sich wesentlich langsamer daran ab. Wenn im nächsten Frühjar alles voller Selbstmordinsekten ist, reicht meist ein drüberwischen und alles ist wieder sauber.

Bei meinen NOLAN-Helmen nehme ich das Visier ab und mache die Dichtungen sauber, anschließen gehe ich mit einem Gummipflegemittel darüber. Verkratzte Visiere werden ersetzt.

Wenn das Jahr so richtig heftig war, mit Reisen in den Süden, ist meist das Innenutter mit mehreren Litern Schweiß getränkt, dazu gelb von Sonnencreme und Insektenschutzmittel. Beim NOLAN N90 baue ich das Innenfutter einfach aus und schmeiße es in den Handwaschgang der Waschmaschine, mit S100 Membranwaschmittel. Wichtig: Es darf NICHT geschleudert werden. Das Innenfutter tropfnass entnehmen und bei Raumtemperatur trocknen. Beim N104 geht das wegen des Notbremslichts so einfach nicht mehr, da beschränke ich mich in diesem Jahr auf ordentlich einschamponieren und abwischen – den Horror DAS Ding auseinanderzubauen spare ich mir für nächstes Jahr auf.

 
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Verfasst von - 7. Oktober 2017 in Motorrad, Service

 

5.908

So, ich wäre dann auch wieder da. Drei Wochen und 5.908 Kilometer war ich mit der V-Strom unterwegs, in Österreich und Italien. Es war die unentspannteste Reise, die ich bislang mit einem Motorrad gemacht habe. Bis zum Ende war nicht klar, ob ich die Kiste wieder heil nach Hause bekomme – oder es schlimmstenfalls zum Totalschaden kommen wird.

Grund dafür war die Antriebskette, die nach der Fahrt über die Alpen einfach komplett hin war – und das, obwohl sie vorher von gleich zwei Werkstätten geprüft worden war.

Das Fahren war damit komplett unspaßig. Das Motorrad ruckelte als hätte es Kängurubenzin getankt. Als die Kette dann noch anfing zu knacken und zu schlagen, war es mit dem Spaß ganz vorbei. Eine so fertige Kette kann im Extremfall reißen und dann Löcher in den Motorblock schlagen oder das Hinterrad zerlegen. Damit fuhr ständig die Angst mit: Tagesausflüge wurden gestrichen, Touren auf das Nötigste beschränkt, was auch die niedrige Gesamtkilometerzahl erklärt. Am Ende war ich deswegen so unentspannt, dass ich die Tour abkürzte und an einem Stück die 1.065 Kilometer von Venedig bis nach Göttingen gefahren bin, ganz piano, nur mit maximal Tempo 110.

Über tausend Kilometer und 13 Stunden Non-Stop, damit dürfte ich mir das „Iron Butt“ „Eisen Arsch“*-Abzeichen redlich verdient haben.

Zuhause angekommen!

Ich bin froh es überstanden zu haben, und die V-Strom ist bereits für eine Beauty- und Wellnesskur in der Werkstatt, wo sie ganz viel Liebe erfahren wird. Abseits von dem FuckUp mit der Kette hat sich die V-Strom glänzend geschlagen.

Ich habe mich in die Maschine in dem Moment verliebt, als ich im Verkaufsraum das erste mal darauf saß. Damals hatte ich gehofft, dass sie die Reisemaschine ist, die ich mittlerweile brauche. Die Suzuki hat mich nicht enttäuscht, im Gegenteil. Sie hat nicht nur alle Erwartungen in Punkto Komfort, Belastbarkeit und Geländegängigkeit erfüllt, sie hat sie in Sachen Handling und Sparsamkeit sogar weit übertroffen. Von daher bin ich mit ihr sehr, sehr glücklich – und die jetzige Tour nehmen wir einfach mal als erweiterte Probefahrt, als Test Drive vor dem richtigen Reiseabenteuer, das im kommenden Jahr startet.

Es war aber nicht alles schlecht. Ich habe tolle Orte besucht und interessante Leute kennengelernt. Wieso ich auf einer Forellenfarm im Gebirge übernachtet habe, wie tödlich Rom sein kann, wie man mitten im Land des guten Essens hungern kann, warum Bären den Verkehr gefährden, wer Nicoletta, Franca, Cecillia und Claudia sind, warum mich ein Irrer in seinem Anwesen eingesperrt hat, das alles und noch vieles mehr wird dann demnächst hier erzählt, im ausführlichen Reisetagebuch. Es gibt sogar ein Wiedersehen mit Fabio, dem Wundermechaniker.

Ach ja, und der Sturm, gestern? Ich steckte da mitten drin, 6 Stunden lang. Erst kurz hinter Würzburg hörte das auf:

6.605
5.479
7.187
6.853
4.557


* Nicht zu verwechseln mit dem echten Iron Butt-Abzeichen der Iron Butt Association mit ihrem absurden Regelwerk

 
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Verfasst von - 6. Oktober 2017 in Motorrad, Reisen

 

Ran out of Road

Mir ist die Straße ausgegangen…

…nun ist der Himmel das Limit.

 
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Verfasst von - 4. Oktober 2017 in Motorrad

 

Momentaufnahme: September 2017

Herr Silencer im September 2017
„Ich werde mir den Urlaub sowas von verdient haben, aber SOWAS von!“

Wort des Monats:
„Verlikung“

Wetter: Schon zum Monatsanfang reden alle davon, dass der Herbst kommt. Mich nervt das an, ich will nicht, dass der Sommer schon vorbei ist. Tatsächlich schwankt das Wetter zwischen Sonnenschein und 8 Grad, Regen und 17 Grad, und allem dazwischen. Dann wird es kühler.

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Lesen:

Eoin Colfer: And another Thing [Kindle]
Der sechste Teil der Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“, ca. 30 Jahre später: Trillian besteht nur noch aus kybernetischen Ersatzteilen, Arthur Dent lebt wie ein Einsiedler auf einer einsamen Insel und freut sich, dass ihn keiner anschreit, ihre gemeinsame Tochter Random Dent ist Präsidentin der Galaxis und verliebt in ein Wiesel, und Ford Prefect malträtiert seine Leber. Also alles gut? Mitnichten, denn der bösartige Hitchhikers Guide Mark 2 spielt mit Zeit und Raum herum, um ein für alle Mal die Erde auszulöschen – in ALLEN Paralleluniversen.

Vor sieben Jahren zuletzt gelesen, aber auch heute noch finde ich die Fortsetzung großartig. Anders als der, nach eigenem Bekunden schlampige und faule, Douglas Adams hat sich der von den Erben engagierte Eoin Colfer wirklich Gedanken um eine ordentliche Story gemacht, und dann exakt die Tonalität der frühen Bücher getroffen. Das ist erwachsen, witzig und gut gemacht. Schade, dass Colfer dafür einen Shitstorm der Fanboys abbekommen hat, der ihm die Lust an weiteren Fortsetzungen gründlich verleidet hat.

Jason Schreier: Blood, Sweat and Pixels [Kindle]
„Hier ist eine andere Theorie: JEDES Videspiel wird unter Ausnahmebedingungen produziert. Wie auch sonst? In Videospielen kommt Kunst und Technik zusammen, und beides ändert sich zu schnell um planbar zu sein. Es ist, als ob man jedes Mal, bevor man einen Film dreht, eine neue Kamera erfinden muss. Und während man filmt, wird jeden Tag das Drehbuch umgeschrieben.“

„Kotaku“-Autor Jason Schreier erzählt aus der Games Industrie und wirft einen Blick hinter die Kulissen. In 13 Kapiteln erzählt er Anekdoten aus der Entstehung von 13 Spielen, darunter „Pillars of Eternity“, „Uncharted 4“, berichtet von den Katastrophen in der Entwicklung von „Mass Effect: Andromeda“ oder „Dragon Age Inquisition“ und beleuchtet, warum „Star Wars 1313“ nie erschienen ist. Unmenschliche Crunchtimes, Eitelkeiten, durchdrehende Produzenten und fremdgehende Autoren inklusive. Wer schon immer mal wissen wollte was geschah nachdem Amy Henning Naughty Dog verließ, wo die Ballsaal-Szene mit Nathan und Elena in „Uncharted 4“ hin ist, warum „Shovel Knight“ immer noch nicht fertig ist und wie es zu „Witcher III“ kam, der wird dieses Buch nicht aus der Hand legen können. Nebenbei lernt man was über Softwareprojektmanagement.

Marc-Uwe Kling: Quality Land [Kindle]
In der Zukunft: Das Leben der Menschen wird von Algorithmen bestimmt. Peter nimmt an, dass es Systemfehler gibt. Aber wer glaubt ihm das?

Marc-Uwe Kling wirft einfach mal alles auf einen Haufen: Gesellschaftskritik, Kapitalismuskritik, Superintelligenztheorie, Plattformkritik, Filterbubblephänomene und Schirrmachersche Algorithmenangst. Nichts bahnbrechend neues, alles woanders schon tiefer und besser dargestellt worden, aber so nett und gesammelt erklärt hat man Netztheorien selten gelesen. Leider kommt keine gute Geschichte dabei raus. Die Charaktere sind erratisch-egal, die Handlung belanglos und unspannend – und unkomisch. das überrascht nicht wirklich, abseits des Kängurus ist Klings schaffen dann doch eher so meh.

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Hören:

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Sehen:

Fast & Furious 8 [PS Network]
Dominik Touretto fährt Auto, dann Bumm, dann Charlize Theron, dann The Rock, dann irgendwas mit U-Booten im Schnee.

Hä? Ach, egal. Unterhaltsam, wie immer, aber fragen Sie mich nicht worum es da ging. Irgendwas mit Autos, vermutlich.

The Founder [PS Network]
Ray Croc ist Vertreter. Mit einem Kofferraum voller fünfarmiger Multimixer fährt er durch die USA und hält sich gerade so über Wasser, denn kein Schnellrestaurant der Welt will fünf Milchshakes gleichzeitig herstellen. Dann bestellt ein Kunde aber gleich ein halbes Dutzend Mixer. Und dann nochmal. Neugierig, wer so viele Shakes verkauft, besucht Croc das Restaurant der Brüder McDonald und lässt sich ihr „Speedy System“ zeigen. Begeistert von der Idee einer neuen Art von Fast Food macht Croc aus „McDonald´s“ ein Franchise und wird dabei immer skrupelloser – bis er sogar die Brüder ausbootet.

Die Geschichte von Croc und McDonalds ist eine der großen Legenden der Businesswelt und wird hier wunderbar ausgspielt. Weder wird Croc als Bösewicht gezeichnet, noch die Brüder McDonald als die Hinterwäldler, als die sie oft dargestellt werden. Ein interessanter und spannender Film über die Gründung des größten Franchises der Welt. Für ehemalige „McD“-Mitarbeiter (wie mich) ist es spannend zu sehen, wie alles begonnen hat und was sich seit Restaurant Nr. 1 getan hat. Alle anderen lernen nebenbei die Grundprinzipien kennen und woher die „Standards“ kommen.

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Spielen:

Uncharted: The Lost Legacy [PS4]

Chloe Frazer ist eine Diebin, und jetzt hat sie sich entschieden, etwas sehr wertvolles zu stehlen: Den Stoßzahn der indischen Gottheit Ganesha. Hinter der Reliquie ist auch eine Rebellengruppe her, die ausgerüstet ist wie eine Armee. Zum Glück ist Chloe bei der Schnitzeljagd durch indische Großstädte und den Dschungel nicht allein: Sie hat die Söldnerin Nadine Ross engagiert. Das Muskelpaket, das zuletzt den Drake-Brüdern ordentlich einheizte, soll der Diebin den Rücken frei halten. Das tut sie auch – bis Chloe, ganz ihrer Natur entsprechend, alle verrät.

Ursprünglich als DLC zu „Uncharted 4“ konzipiert, ist „The Lost Legacy“ nun in ein Standalone-Spiel mutiert. Und das hat es in sich: Mit Frazer und Ross sind die beiden interessantesten Nebencharaktere aus allen Uncharted-Teilen am Start. Die beiden stellen nicht nur geballte Frauenpower dar, sondern unterhalten vor allem durch ihre unterschiedlichen Sichten auf die Welt.

Die kleinen Gespräche und Wortgeplänkel während Kletter- und Entdeckungspassagen machen die Figuren lebendig. Der dritte Star im Bund ist die Umwelt. Selbst Uncharted 4 kann nicht mit so lebendiger Flora und Fauna und so spektakulären Schauplätzen aufwarten. dazu sehen die Hauptfiguren nahezu lebensecht aus:

Dazu kommt die spannende Geschichte, der interessante Widersacher und ein perfekt balanciertes Gameplay. Dass die Spielzeit kürzer ist als bei den großen Uncharteds ist verkraftbar, dafür gibt es keine Hänger. In der Summe: Ein in jeder Hinsicht großartiges Actionadventure, dass stolz neben den „großen“ „Uncharteds“ und den letzten „Tomb Raiders“ stehen kann.

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Machen:
ArbeitArbeitArbeit… ah, Urlaub!

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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. September 2017 in Momentaufnahme

 

Ich habe mir Wetter gekauft!

…und es sollte besser GUTES erweitertes Europawetter sein, sonst gibt es keine gute Bewertung auf itunes.

 
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Verfasst von - 27. September 2017 in Ganz Kurz

 

Bundestagswahl 2017

„Wir werden sie jagen. Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen und uns unser Land und unser Volk zurückholen!“

– Alexander Gauland, Führer der Nazi-Partei AfD, kurz nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen

Das Ergebnis der Bundestagswahl ist da, und es ist leider so ausgefallen wir befürchtet. Die AfD zieht zweistellig in den Bundestag ein und beginnt gleich mit Nazidrohungen (s.o.),  auch die FDP ist mit über 10 Prozent dabei. Bei der letzten Wahl 2013 waren beide an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Zugelegt haben auch die Linken und die Grünen. Letztere hatten Beobachter bei unter 5 Prozent gesehen, ich dagegen hatte mit noch stärkeren Zuwächsen gerechnet.

Der Grund dafür: Es war klar, dass es keine Wechselstimmung im Land gibt, weil Merkel sich tatsächlich alternativlos gemacht hat. Es gibt unter ihr keinen frischen Nachwuchs in der CDU, und die SPD hat sich durch die Zusammenarbeit mit der CDU und einen desaströs fehlgelaufenen Wahlkampf selbst demontiert. Martin Schulz ist dabei noch die geringste Schuld anzulasten, er war die Idealbesetzung, denn als Europapolitiker trug er keine Schuld an dem, was Gabriel, Oppermann und Konsorten mit der SPD angerichtet hatten. Die hatten 2013 schon die SPD versenkt, sich dann in die Regierung gelogen und die Zwischenzeit kein Stück genutzt um sich sauber aufzustellen.

Nun also Schulz. Seine Schuld ist es, dass er sich auf diesen Uralt-Wahlkampf eingelassennhat. Er, ein glühender Verfechter von Europa, thematisierte dies im Wahlkampf  kein Stück – genausowenig wie z.B. die Verteidigung der Grundrechte oder Digitalisierung. Stattdessen machte er lieber Wahlkampf für… ja, wen eigentlich? Nach meinem Gefühl für Bergleute und Kohlekumpels, also einem Milieu, was so schon seit zwei Jahrzehnten nicht mehr vorhanden ist.

„Soziale Gerechtigkeit“ ist nett, aber zu abstrakt, und ich würde mal behaupten, dass die SPD einen Großteil der Leute in ihrer Lebenswirklichkeit schlicht nicht erreicht hat.

Dass nun die Randparteien, und insbesondere die Nazis von der AfD, so abgeräumt haben, ist ein sehr deutliches Signal. In meinen Augen ein Signal, dass eine quasi oppositionslose Große Koalition, die tun und lassen konnte was sie wollte und das auch gemacht hat, gerade NICHT dem Wählerwillen entsprach. Das hätte man der SPD auch schon sagen können, als Gabriel sich diese irre Idee aus dem Hintern zog. Es ist außerdem ein Signal dafür, dieses visionslose, pragmatische und vollkommen entkoppelte Reagieren von Merkel so nicht weiter laufen darf. Das wurde schon bei der letzten Wahl deutlich, und diese hier ist ein extrem lauter Schuß vor den Bug. 

Was schon sehr lange gebraucht wird ist eine Politik mit einer Vision, die alle einbindet – national und international. Genau das kann Merkel nicht. Sie steht für den Erhalt des Status Quo, für ein von-links-nach-rechts verwalten und etwas tun, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden. Eine Machtfrau in ihrem Machtvakuum.

Das kann nicht gesund sein und ist es auch nicht. Die Visionslosigkeit der deutschen Politik und die Weigerung, die Integrationsrolle auszufüllen, hat erst Europa an den Rand des Zerbrechens gebracht, und nun Nazis in den Bundestag.

Fassen wir zusammen: Die CDU wird visionslos bleiben, die SPD ist mit dem jetzigen Personal komplett unglaubwürdig und liegt auf absehbare Zeit in rauchenden Trümmern. Die Grünen sind personell mit einem nicht vermittelbaren Hofreiter schlecht aufgestellt, haben aber einen guten Stand. Genauso wie diese Partei, die nur noch aus Sarah Wagenknecht besteht. Oder diese andere Partei, die nur noch aus diesem miesepetrigen Fotomodell und dem Graubart aus Schleswig-Holstein besteht. Und wir haben nun Nazis im Parlament. Damit sollte die Demokratie wieder erheblich spannender werden, und alle Beteiligten müssen sich endlich mal wieder richtig anstrengen. Von daher: Auch wenn das Wahlergebnis niederschmetternd und nicht schön zu saufen ist: Im großen Zusammenhang ist es ein guter Tag für die Demokratie.

Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Politik und Gesellschaft zwei Systeme sind, die einander bedingen und beeinflussen, aber nicht 1:1. Was das gute Abschneiden der Nazis über unsere Gesellschaft aussagt, dass müssen jetzt meine Kollegen von den Sozialwissenschaften schnellstens aufarbeiten und Empfehlungen an die Politik weitergeben. Politischer Unterricht als Pflichtfach sollte dazugehören. was ich nicht hoffen will, ist, dass die Nazis auch in der Gesellschaft schamlos wiedererstarken. Denn unsere Erinnerungskultur ist eine der größten Stärken der Deutschen, und wenn die Nazi-AfD ihr erklärtes Ziel umsetzt und es schafft die auszuhöhlen, lächerlich zu machen und letztlich abzuschaffen, DANN haben wir ein echtes Problem.

 
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Verfasst von - 24. September 2017 in Betrachtung, Event, Politik

 

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[Gelöst] Was ist das?

Hier, ich schon wieder, der Typ der Pflanzen hybsch findet, aber keine Ahnung davon hat. Deshalb eine Frage an die geneigten LeserInnen: Was´n das, was hier so herbstlich bunt in form einer Hecke rumsteht?

Lösung: Frau B. Hat´s gewusst: Feuerdorn muss das sein. Dankeschön!

 
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Verfasst von - 24. September 2017 in Ganz Kurz

 

Auf die Barrikaden!

Auch italienische Innenstädte werden jetzt mit Barrikaden gegen Terrorismus geschützt. Man stellt am Eingang der Fußgängerzonen das Härteste auf, was es in diesem Land gibt: Nonnas, Großmütter. Denen entgeht nichts, an denen kommt keiner vorbei.

 
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Verfasst von - 23. September 2017 in Ganz Kurz

 

Reistagebuch Shorties (4): Man isst deutsch

In italienischen Supermärkten gehen seltsame Veränderungen vor sich. Meine geliebten Reiskekse oder die guten Sternchenkeksriegel gibt es nicht mehr, dafür jede Menge Kram der zumindest deutsch klingt.

Der Morgen stirbt nie, er kriegt nur schnell Druckstellen.

Anscheinend hat man entweder die deutschen Touristen als Zielgruppe für Lebensmitteleinkäufe entdeckt, oder die Italiener finden gefallen an Essen, dass sich irgendwie deutsch anhört. Ich tippe auf letzteres, denn etliche der Waren sind im Eigenmarkensegment angesiedelt und auch dort erhältlich, wo es keinen Touristen hin verschlägt.

Ein Klassiker ist natürlich das unkaputtbare Würstel, das auch gerne mal Bestandteil der Pizza Wurstel wird. Ja, mit Umlauten ist es halt nicht so leicht.

Schwäbische Nudelen gibt es nun auch, liegen in trauter Einsamkeit neben den einheimischen Sorten. Bei der Benamsung hat man offensichtlich den Punkten auf dem „a“ nicht getraut und sie deshalb gleich mal weg gelassen. Nachher fallen die da noch runter und verletzen jemanden.

Gebäck ist einfacher, da kann man sich einen Namen ohne Umlaut aussuchen. Krapfen, zum Beispiel:

Und wenn man gar nicht um Umlaute rumkommt? Vielleicht macht man es sich dann einfach und macht statt der gefährlichen Punkte auf den Vokal einfach ein „e“ hinten dran? Ach scheiß drauf, wir machen BEIDES! Es lebe das MÜESli!

Den umgekehrten Fall gibt es natürlich auch. Besonders elegant ist neulich der LIDL bei mir um die Ecke an Weintrauben aus Italien gescheitert. „Herkunft: Ferrovia“ stand auf dem Schild darüber. So schön sich der Name auch anhört: Ferrovia ist kein Ort, den man auf irgendeiner Landkarte finden würde. Das Wort beschreibt, wie die Weintrauben nach Deutschland gekommen sind: Mit dem Zug. Ferrovia bedeutet einfach „Eisenbahn“ und stand groß auf der Verpackung der Trauben.

 
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Verfasst von - 21. September 2017 in Reisen

 

Zünglein an der Waage

Ich bin gerade nicht da, aber wählen war ich schon.

Warum eigentlich? Die Wahl ist doch gelaufen, oder? Mutti Merkel macht´s nochmal, Schulz sieht kein Land. Ist doch so, oder?

Sicher. Regierungen werden in Deutschland nur abgewählt, wenn wirklich massive Wechselstimmung herrscht. Das ist im Moment ganz sicher nicht der Fall, in weltpolitisch so unsicheren Zeiten SEHNEN sich die Leute nach Muttis „Weiter so“ und halten daran fest.

Wählen muss man aber trotzdem, denn sonst passieren komische Dinge. Die SPD könnte z.B. wieder auf die Idee kommen, dass ihr „Auftrag“ darin besteht, große Koalitionen zu bilden anstatt ordentliche Opposition zu machen und die Regierung zu kontrollieren. Oder die faschistische AfD wird überproportional stark, denn je mehr Leute nicht wählen gehen, umso stärker werden die Extremisten, die ihre Wähler zu mobilisieren verstehen.

Übrigens sind nicht nur Nichtwähler ein Problem. Auch die Wahl von Kleinstparteien, die keine Chance auf den Einzug in den Bundestag haben, wie „Die grauen Panther“ oder eben auch „Die Partei“ kann nach hinten losgehen. Denn deren Stimmen werden bei Verfehlen der 5-Prozent-Hürde den anderen zugeschlagen. Wenn in den Bundestag also CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne, Linke und die Faschisten kommen, und die Stimmen für die Kleinstparteien werden auf diese 6 umgelegt, dann hat jeder PARTEI-Wähler zu einem sechstel AFD gewählt. Ist ein krudes Beispiel, ich weiß. Aber wenn das eigene Ziele das Verhindern der Faschisten ist, sollte man das wissen.

Bei dieser Wahl geht es insgesamt nicht darum, wer den Kanzler stellt (das steht fest), sondern wie die kleinen Parteien abschneiden und wer am Ende wie koaliert. Es geht um den dritten Platz, der diesmal wichtiger ist als der erste. Und es geht darum, die Schande, dass 72 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs wieder Nazis in den Bundestag einziehen werden, möglichst klein zu halten.

Darum: Dieses Wochenende wählen gehen!

 
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Verfasst von - 19. September 2017 in Betrachtung, Politik

 

Hauptsache unterwegs

Ich bin unterwegs. Endlich wieder. Wie ich das vermisst habe, das Motorradfahren mit dem Blick am Himmel und der Straße unter den Reifen. Urlaubsreif war ich schon im Juni, und seitdem ist es nicht besser geworden. Jetzt also raus aus allem und rauf auf die Straße.

Die V-Strom und ich haben es dieses Mal schon weiter als nur bis zum ersten Tankstop geschafft. Sogar über die Alpen sind wir schon, trotz Schnee und Sturm. Leider ist Regen ein ständiger Begleiter. Wo auch immer ich bin fallen die Temperaturen und der Himmel öffnet seine Schleusen. Egal, Hauptsache unterwegs.

 
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Verfasst von - 18. September 2017 in Motorrad, Reisen

 
 
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