8.124

So, ich wäre dann auch mal wieder da.

8.124 Kilometer habe ich den den letzten dreieinhalb Wochen mit dem Motorrad zurückgelegt. Das war vor allem eines: Absurd heiß. Auch Deutschland hat unter einer Hitzewelle gestöhnt, aber ich sage mal so: 1.800 Kilometer weiter südlich war es noch etwas wärmer als hier.

Zum Glück hat das Motorrad gut durchgehalten, und selbst die Airbagjacke hat dieses Mal die Hitze überstanden. Mit anderer Ausrüstung war ich nicht so glücklich. Daytonas in 41 sind zu klein, in 42 habe ich mir aber Blasen gelaufen bis auf´s rohe Fleisch. Aber nun, irgendwas ist ja immer, und besser ein paar Blasen als ein Unfall. Vor sowas blieb ich zum Glück verschont – trotz Neapel!

Bild: Google Earth 2019

Ja, es ging noch einmal nach Italien. Zum einen, weil ich die letzten Ecken erkunden wollte, in denen ich noch nicht jedes Dorf kenne, zum anderen, weil in diesem Jahr noch eine mächtig weite Reise ansteht, und ich deswegen im Sommer ein wenig in meiner Komfortzone bleiben und nicht das ganz große Abenteuer aufmachen wollte. Spannend und interessant war es aber trotzdem. Der Süden Italiens unterscheidet sich vom Norden so stark, dass er praktisch ein anderes Land ist.

Es ist ein raues Land, voller herzlicher Menschen und spannender Geschichten. Warum Roberta sich über Honig freut, wieso Maria der Meinung ist, das alle Maria heißen, wie Toni Feigenblätter am liebsten mag und was aus dem Dorf Riace geworden ist, nachdem Italiens Faschistenführer Salvini den Bürgermeister hat verhaften lassen, weil er Menschen geholfen hat, das gibt es dann ausführlich demnächst im Reisetagebuch.

Für mich war es auch ein wenig ein Abschluss mit Italien. 2012 habe ich mich das erste Mal mit dem Motorrad dahin aufgemacht, weil ich mehr über das Land und die Menschen lernen wollte. Mittlerweile weiß ich mehr über Italien als die meisten Italiener. Ich war in jeder Region, nahezu jeder Provinz, kenne fast alle Städte und die größeren Sehenswürdigkeiten.

Diese Reise hat die letzten, weißen Flecken beseitigt und das meiste an „unfinished business“ ist erledigt – sogar auf den Großklockner, bzw. die Hochalpenstraße dort, habe ich es im dritten Anlauf geschafft. Yay!

Dreieinhalb Wochen on the Road, bei sengender Hitze, das kann schon tough sein. Am Ende freute ich mich schon wieder auf zu Hause.
Jetzt muss ich erstmal auspacken und Wäsche waschen und sowas. Dabei genieße ich, wie kühl es hier im direkten Vergleich ist.

2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

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Reisetagebuch 2019 (5): Harry Potter vs. The Avengers

Im Februar 2019 steht der Brexit wieder mal ganz kurz bevor. Herr Silencer macht sich auf, das Unvereinigte Königreich ein letztes Mal zu besuchen, bevor sich alles in rauchende Ruinen verwandelt. Dies ist das Tagebuch der „Last Chance to See“-Tour. Heute gibt es den Rest von einer Woche London. Mit dabei: Harry Potter, Hamilton, die Avengers und Chris.

Mittwoch, 06. Februar 2019, London
Die Nächte sind gerade etwas kurz. Ich koste Londons Kultur- und Unterhaltungsangebot bis zur Neige aus und gebe mir die volle Dröhnung: Jeden Abend ein Theater- oder Musicalbesuch.

Wenn ich davon gegen 23:00 Uhr nach Hause komme, bin ich so aufgekratzt, dass ich noch bis fast halb zwei irgendwas machen muss um runterzukommen. Zum Beispiel Reisetaschenreviews zum Sojourn studieren oder die britische Version von Frauentausch gucken.

Heute Morgen schlafe ich etwas länger und stehe erst gegen 8:30 auf. Dann fahre ich in die Stadt, zum Picadilly Square. Etwas die Shaftesbury Avenue hoch steht ein riesige Backsteinbau, der fast ein wenig wie eine Burg wirkt. Der absolut passende Ort, um den achten Teil von Harry Potter aufzuführen!

Moment mal, den ACHTEN Teil? Es gibt doch nur sieben Bücher! Ja, das stimmt. Aber es gibt wirklich einen achten Teil, der 19 Jahre nach dem Ende des letzten Buchs spielt. Diesen achten Teil gibt es aber nur als Theaterstück, und das wird gerade nur hier, im Palace-Theatre, gespielt. Das ist so, als ob es einen neuen Star Wars-Film gäbe, der nur in einem Kino auf der ganzen Welt gezeigt wird. Dementsprechend schwer ist es, an die Karten zu kommen. Meine habe ich im April 2018 gebucht, was gar nicht so einfach war. Dass das Theaterstück so lang ist, dass man zwei Vorstellungen besuchen muss um alles zu sehen, macht die Sache weder einfacher noch billiger. Fast 400 Euro haben mich die Karten gekostet, und als mir der Portier die Eintrittskarten überreicht, nehme ich die mit einem Anflug von Ehrfurcht entgegen.

So, das Wichtigste ist erledigt, jetzt gibt es Frühstück. Ich fahre zur North Gowern Street und frühstücke bei Speedys. Das kleine Café ist gerammelt voll, aber routiniert und schnell arbeiten Besitzer Chris und seine Helferinnen die Bestellungen ab.


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Reisetagebuch 2019 (4): Outbound II

Im Februar 2019 steht der Brexit wieder mal ganz kurz bevor. Herr Silencer macht sich auf, das Unvereinigte Königreich ein letztes Mal zu besuchen, bevor sich alles in rauchende Ruinen verwandelt. Dies ist das Tagebuch der „Last Chance to See“-Tour. Heute geht es nach Ochsenfurt, ich mache wieder mal mit Duschköpfen rum und gucke Tina Turner unter den Rock.

Dienstag, 05. Februar 2019, Bahnhof Paddington, London
Um kurz vor neun fährt der Zug der GWR, der Great Western Railway. Wie der Name schon andeutet, verlässt der Zug London „Outbound“ in Richtung Westen. Eine Stunde später hält er in einem kleinen Ort, und ich falle aus dem Wagen und bin etwas erstaunt: Das ist ja winzig hier! Das soll das weltberühmte Oxford sein?

Bild: Google Earth 2019

Sieht mehr aus wie ein Dorf in der Provinz.

Am Bahnhof steht ein Bulle, dem eine besorgte Omi einen Schal gestrickt hat. Richtig so, es ist wieder schweinekalt. Neben dem Bullen hängt ein Stadtwappen. Es zeigt einen Ochsen, der einen Fluss quert. Ja, dann kommt der Name Oxford wohl von einer Ochsenfurt, die hier mal war.

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Reisetagebuch 2019 (3): All about Eve

Im Februar 2019 steht der Brexit wieder mal ganz kurz bevor. Herr Silencer macht sich auf, das Unvereinigte Königreich ein letztes Mal zu besuchen, bevor sich alles in rauchende Ruinen verwandelt. Dies ist das Tagebuch der „Last Chance to See“-Tour. Heute geht es unter die Royal Albert Hall und zu Gillian Anderson.

Montag, 04. Februar 2019, Norfolk Square, London
96 Stufen sind es vom Frühstücksraum im Keller des Belvedere bis zum meinem Zimmer im 4. Stock. Die Treppen werden nach oben werden immer enger, die Stufen immer höher und durch den Teppich immer runder. Das ist anstrengend, aber gutes Training – ich bin total außer Form, und die nächste Motorradreise kommt bestimmt!

Früh frühstücken ist Pflicht im Hotel Belvedere. Im Frühstücksraum im Keller gibt es nur zwischen 6:30 Uhr und 09:00 Uhr was zu essen.

Nachdem ich die Treppen des Todes wieder bis ganz unters Dach hochgestiefelt bin, stelle ich mich erstmal unter die Dusche. Das dauert etwas länger, denn die tröpfelt gerade nur noch. Das liegt am Duschkopf. Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, einen Duschkopf mit weiten Kammern voller Tonkügelchen und Kohledingsbumms zu installieren, sollte geschlagen werden. Der ohnehin nicht dolle Wasserdruck schafft es nicht durch das esoterische Gedöns.

Ich lungere noch etwas im Zimmer rum. Draußen regnet es, und der Wind pfeift über die Dächer. Ungemütlich. Hier drinnen im Warmen ist es viel netter. Ich liege auf dem Bett und lese Twitte., Vor dem Haus hupen Autos, LKW fahren dröhnend vorbei und Müllwagen piepen sich durch eine Nebengasse. Ich habe Urlaub, warum soll ich mich freiwillig früher als nötig in das Mistwetter begeben.

Kurz nach halb 10 stehe ich wirklich auf, packe meine Sachen und trete hinaus in den Nieselregen. Bäh. das ist nicht mal richtiger Regen, das ist mehr so… hohe Luftfeuchtigkeit. Ganz fisseliger Nieselregen, der in der Luft rumschwebt. Igitt.

Ich laufe ein wenig durch den Hydepark, der sich gleich südlich von Paddington befindet. Der Nieselregen macht die blattlosen Bäume, die sich vor dem grauen Februarhimmel abheben, gleich noch ein Stück deprimierender.


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Reisetagebuch 2019 (2): Outbound

Im Februar 2019 steht der Brexit wieder mal ganz kurz bevor. Herr Silencer macht sich auf, das Unvereinigte Königreich ein letztes Mal zu besuchen, bevor sich alles in rauchende Ruinen verwandelt. Dies ist das Tagebuch der „Last Chance to See“-Tour.

Sonntag, 03. Februar 2019, London, Norfolk Square
Ich mag das Belvedere, dieses kleine, etwas schrullige Hotel im Norfolk Square am Bahnhof Paddington in London. Im Keller des Hauses ist der Frühstücksraum, in der zwei Polinnen und eine Koreanerin den Frühstücksservice schmeißen. Heute Morgen ist der eng bestuhlte Raum noch leer, aber das ist nicht oft so. Auch wenn es nur 16 Zimmer im Belvedere gibt, übernachten bis zu 50 Personen hier. Dementsprechend voll ist es hier an den meisten Morgenden.

„Do you like english breakfast?“ ist immer die erste Frage. Die richtige Antwort lautet „Ja“, ansonsten wird man freundlich auf eine leicht staubig wirkende Schachtel Frühstücksflocken auf einer kleinen Anrichte hingewiesen. Antwortet man richtig, rumort es kurz in der Küche, und wenig später steht ein Klacks Bohnen, zwei Eier, ein Stück Frühstücksschinken, ein Würstchen und ein Stück Toast vor einem.

Verhandlungen sind übrigens Zeitverschwendung. Ich muss immer schon grinsen, wenn jemand „Ich hätte gerne etwas mehr Bohnen und zwei Würstchen, dafür kein Ei“ oder sowas bestellt. Dann nickt die Koreanerin freundlich, und die Küche macht trotzdem exakt das Standardfrühstück.

Ich frühstücke zu Hause nie, aber im Urlaub passe ich mich an. So, wie ich in Italien morgens an einem Stück Zwieback rumknabbere und dazu Espresso trinke, schlinge ich hier mit Genuss das Warme Frühstück mit ordentlich HP-Sauce hinunter.

Kurz darauf sitze ich in der U-Bahn. An der Wand wirkt eine Bank mit dem Brexit. „An alle 7.643 Personen, die ein monatliches Essenbudget mit dem Titel „Brexit Überlebens Rücklage“ eingerichtet haben: Haltet durch!“ – Und sowas, liebe Kinder, passiert, wenn man bei einer dieser modernen Internetbanken ist. Die werten die privatesten Daten aus und machen Werbung damit.

Am Bahnhof Kings Cross steige ich auch und schlendere zu den hinteren Gleisen. Wieder mal fällt mir auf wie paranoid die Briten sind. Displays und Plakate fordern überall auf, alles und jeden sofort zu verpetzen. Orwells Albtraum, hier ist er Realität geworden.


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Ich kann das einfach nicht: Osprey Sojourn vs. Cabin Max.

Eine der kommenden Reisen führt mich weit weg, und das für fast drei Wochen. Grund genug, mir mal neues Reisegepäck zuzulegen. So ein richtiges, mit Rollen. Dachte ich. Aber ich kann das einfach nicht.

DamalsTM, 2010, stand mein erster Flug ins Ausland an. Dafür legte ich mir ein kleines Rollköfferchen zu. Kaufargumente waren ein supergünstiger Preis und die Tatsache, dass das Köfferchen mit 55x40x20 Zentimetern Größe exakt die Maße des erlaubten Handgepäck bei Billigfliegern hatte. Was mir erst nach dem Kauf bewusst wurde: Natürlich nimmt die ganze Mechanik für den ausziehbaren Griff und die Rollen Platz weg, und zwar nicht wenig. Aber nun, wenn man auf Reisen geht, braucht man ein Rollköfferchen. Dachte ich zumindest.

Cabin Max

Bis mich Kalesco 2014 eines Besseren belehrte, und mich auf den Cabin Max aufmerksam machte. Das ist ein 600 Gramm leichter Rucksack aus dünnem Nylon, der ebenfalls Billigfliegermaße besitzt, durch seine Bauweise und das fehlen jeglicher Verstärkungen aber das maximale Transportvolumen komplett ausschöpft. Über 40 Liter passen in den Sack.

Ja, der ist personalisiert. Statt dem Cabin Max-Logo ist ein anderes aufgenäht. Ich finde es spannend zu beobachten, welcher der Mitreisenden den kleinen Nerd-Gag erkennt.

Der Cabin Max ist absolut spartanisch, und deswegen so leicht. Es gibt nahezu keine Aufteilung im Inneren, und auch die Gurte sind in Sachen Komfort weit von denen echter Wanderrucksäcke entfernt. Nachteil der Leichtbauweise ist natürlich, dass er sich labberig und nicht besonders fest anfühlt. Dabei ist das Material fest und gut verarbeitet, und auch nach sechs Jahren im Einsatz geht nicht mal eine Naht auf. Aber der Cabin Max ist als Handgepäck konzipiert. Als solches ist er spitze, aber Aufgeben möchte man so ein Gepäckstück nicht, dazu fühlt es sich zu labil an. Außerdem lassen sich die Tragegurte nicht abnehmen, was beim Ver- und Entladen am Flughafen bestimmt ein Problem ist.

Der Cabin Max hat mich lange Zeit sehr glücklich gemacht. Seitdem ich ihn habe, wurde das kleine Rollköfferchen von 2010 nie wieder benutzt. (Letztes Jahr wollte ich es mal wieder benutzen, aber mittlerweile waren die Weichmacher darin ausgehärtet. Es stank erbärmlich Chemie und die Innenwand zerbröselte bei Berührung wie Zartbitterschokolade. Gestern wurde es entsorgt.)

Was ich am meisten mag: Bislang habe ich den Cabin Max wirklich immer als Handgepäck genutzt, d.h. ich verlor nie Zeit mit dem Einchecken und Wiedereinsammeln von Gepäck, und verloren gehen konnte er so auch nicht. Ein Dutzend Flug- und Bahnreisen hat er ohne den kleinsten Schaden überstanden. Ich packe mittlerweile sehr leicht, und für eine Sommerreise passen in den Cabin Max problemlos Klamotten und Elektronikgeraffel für bis zu 10 Tage UND der kleine Daypackrucksack noch oben drauf.

Die im Herbst anstehende Reise geht aber satte drei Wochen und in ein Land, aus dem ich vielleicht auch das ein oder andere Souvenir mitbringen möchte. Eine willkommene Ausrede, um mir mal neues Reisegepäck zuzulegen.

Osprey Sojourn 60

Schon seit Ewigkeiten liebäugelte ich mit einem „Sojourn“. Das ist ein Gepäckstück von Osprey.

Das Format gleicht einem Duffelbag, mit rund 65 Zentimetern Höhe und 30-35 Zentimetern in Breite und Tiefe. Wie eine normale Tasche hat der Sojourn drei Griffe, einen oben, einen an der Seite und einen an der Unterseite. Die Griffe sind gut gepolstert.

Wie ein Rollkoffer hat das Ding aber auch einen Teleskopgriff und zwei großen Gummirädern.


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Kategorien: review | 6 Kommentare

Das eigene Facebook-Werbeprofil bearbeiten

Facebook sammelt Daten, und daraus erstellt es ein Profil. Werbetreibende können dann anhand dieses Profil auswählen, ob sie mich umwerben wollen.

Das Profil kann man zum Teil selbst einsehen. Es hört auf den schönen Namen „Deine Werbepräferenzen“. Darin: Informationen, an denen man von Werbetreibenden ausgewählt werden kann (Beziehungsstatus, Arbeitgeber, Ausbildung, …), aber auch Interessen, die Facebook meint erkannt zu haben. Dazu gehören Dinge, die man mal geliked hat oder Themen, zu denen man in Gruppen ist, aber auch Promis, denen man folgt.

In meinem Fall finden sich fast 200 „Interessen“ im Profil, und das, obwohl ich Facebook kaum nutze. Anhand der Absurdität mancher Interessen vermute ich, das Facebook Daten zukauft und einen Lernalgorithmus einsetzt, der hochgeladene Bilder auswertet. Dadurch kommen seltsame Datenpunkte zusammen, nach denen ich mich angeblich für schwangere Frauen, Microsoft Word die 60er Jahre, Molkereien und Kassel interessiere. Ausgerechnet Kassel!

Man kann sogar Werbethemen verbergen. Aber auch hier ist die Auswahlmöglichkeit bestenfalls absurd. Neben Werbung für Alkohol kann ich bei mir nur die Themen „Kindererziehung“ und „Haustiere“ ausblenden. WTF?

Wer sein eigenes Werbeprofil mal prüfen möchte und sehen will, das Facebook denkt, welche Interessen man so hat: Hier ist es.

https://t.co/uShNcGPYO2

P.S.: Woran erkennt man, das einer der Entwickler der Seite von südlich des Weißwurstäquators kommt?:

Kategorien: Service | Ein Kommentar

10 Jahre rauchfrei

Heute vor zehn Jahren rauchte ich meine letzte Zigarette. Das es meine letzte Kippe sein würde, wusste ich in dem Moment aber nicht. Ich hatte nicht vor aufzuhören. Klar, irgendwann – wie jeder Raucher – aber noch nicht heute.

Dann sah ich das Video „Nichtraucher in 5 Stunden“. In dem sehr unaufgeregt die Funktionsweise der Nikotinsucht erklärt wird. Nach dem Video dachte ich mir: Ach, guck an. So geht das also, deshalb rauche ich. Na, wenn das SO funktioniert, dann ist mir jetzt klar warum ich wie fühle. Und Zack, ab dem Abend am 02. Juni 2009 habe ich nie wieder geraucht.

Quasi die Mechanismen der Sucht verstanden und ihr einen Stock zwischen die Speichen gesteckt, und von Jetzt auf Gleich war es vorbei.

In den ersten Tagen war ich mir noch unsicher. Wenn ich gefragt wurde, ob ich nicht mehr rauche, dann habe ich immer gesagt „Nein, HEUTE rauche ich mal nicht“.

HEUTE war überschaubar. Das setzte mich selbst nicht so unter Druck. Immerhin hatte ich – wie lange? Dreizehn Jahre? Mit zunehmender Intensität geraucht. Zuletzt hielt ein Päckchen Tabak nur noch zwei Tage, was 30 bis 35 Zigaretten pro Tag entspricht. Außerdem rauchte meinte Freundin und auch praktisch jeder meiner Arbeitskollegen. Wenn ich stolz verkündete jetzt nie wieder zu rauchen, wäre Häme im Fall eines Rückfalls sicher. Nein, so hoch wollte ich das Ziel gar nicht hängen. Aber nur HEUTE nicht zu rauchen, das würde ich hinbekommen.

Klar gab es am Anfang Japp auf eine Zigarette. Besonders in Situationen, die mit einer Kippe fest im Hirn verdrahtet waren – Kaffeetrinken, zum Beispiel. Zum Kaffee gehörte die Zigarette. Aber da ich verstanden hatte, dass diese Verdrahtung sich auch wieder lösen ließ, setzte ich mental den Seitenschneider an.

Geholfen haben mir Apps, die ganz simpel mitzählen wie lange ich nicht mehr rauchte, wieviele Zigaretten ich nicht geraucht habe und wieviel Geld ich dadurch gespart habe. Da guckte ich zwischendurch immer wieder drauf. Es machte mich stolz, schon so weit gekommen zu sein, und zugleich machte es mir bewusst, dass die Uhr wieder bei Null anfangen würde, würde ich rückfällig.

Eine der Apps läuft heute noch. Laut der habe ich rund 127.000 Zigaretten nicht geraucht und damit den Gegenwert eines Kleinwagens für 20.000 Euro gespart – mit 2009er Zigarettenpreisen, wohlgemerkt. Bis das Risiko für Lungenkrebs wieder auf dem Niveau ist, als hätte ich nie geraucht, wird es aber nochmal 10 Jahre dauern.

Rückfällig wurde ich nie. Nicht mal in Versuchung kam ich. Denn von vornherein war klar, dass ich wirklich nie wieder eine Zigarette würde anfassen dürfen. Auch nicht „mal eine auf ner Party“ oder so. Als ich aufhörte, hatte ich schon Schmerzen in der Brust und chronischen Husten und eine Mordsangst, schon bleibende Schäden zu haben. Hatte ich zum Glück nicht.

Dafür war ich genauso dankbar wie für die neugewonnene Lebensqualität. Mein Geruchssinn kam zurück, ich hatte mehr Energie, dafür keine Krämpfe mehr in den Füßen. Zugenommen habe ich übrigens nicht.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine regelrechte Sorge, doch versehentlich wieder zu rauchen. Noch Jahre später träumte ich davon, dass mich jemand ansprach nach dem Motto „Ich dachte, Du rauchst nicht mehr?“ und ich guckte dann irritiert und sagte „Tue ich doch auch nicht“ – und in dem Moment sah ich die Zigarette in meiner Hand und wusste, ich war rückfällig geworden. Aber das blieben immer wirre Albträume.

Vor 10 Jahren wurde noch überall geraucht, selbst in der Bahn und in Restaurants. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Möchte man aber auch nicht. Unmittelbar nach mir haben erst Freundin, dann fast das ganze Kollegium aufgehört zu rauchen. Es musste nur erstmal jemand ausprobieren und vormachen.

Gut, das die Raucherzeiten vorbei sind.

Kategorien: Meta | 10 Kommentare

Reisetagebuch 2019 (1): Bahn Fuck-up

Im Februar 2019 steht der Brexit wieder mal ganz kurz bevor. Herr Silencer macht sich auf, das Unvereinigte Königreich ein letztes Mal zu besuchen, bevor sich da alles in rauchende Ruinen verwandelt. Dies ist das Tagebuch der „Last Chance to See“-Tour.

Samstag, 02. Februar 2019, Mumpfelhausen bei Götham
Der Wecker klingelt in genau dem Moment, als ich gerade wildestes Zeug träume. Noch matschig im Kopf blinzele mit einem Auge auf die Uhrzeit. 5:15 Uhr. Dreieinhalb Stunden Schlaf, mehr war nicht drin.

Ich quäle mich aus dem Bett, stecke mir die Zahnbürste ins Gesicht und mache mich fertig. Im Flur steht schon, fertig gepackt, der große Reiserucksack.

Noch schnell die Sicherungen rausgedreht, die Heizung runtergefahren, ein Blick zurück, dann wird das Gepäck geschultert und los geht´s.

Es ist der 02. Februar. Es sind knapp unter Null Grad, und als ich zur Bushaltestelle trabe nieselt kalter Regen herab.

Außer mir sind nur zwei Menschen am Bushalt. Minutenlang stehen wir im Nieselregen, versunken in unsere eigenen Welten. Ich gucke grimmig ins Dunkel, voller Sehnsucht nach meinem warmen Bett. Dann kommt der Bus in einem Gischtnebel die Hauptstraße entlanggepflügt.

Am Hauptbahnhof steige ich aus und gehe die letzten Meter zu Fuß. Woah, der Gehweg ist leicht glatt.

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Kategorien: Reisen | 12 Kommentare

Vertrauenswürdig

Wie wenig Vertrauen hat ein Speicherkartenhersteller in sein Produkt, wenn er gleich eine Lizenz für ein Recovery-Tool beilegt?

Kategorien: Berufsleben | 3 Kommentare

Momentaufnahme: Mai 2019

Herr Silencer im Mai 2019

Zeit rast

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt: Nachts 0, tagsüber 5 Grad, dazu Schneeregen und Hagel im Wechsel mit Sonnenschein. Mitte des Monats ergiebiger Regen und immer noch kalt. In der dritten Woche vereinzelt Sonnenschein und ein wenig wärmer, mit 6 bis 15 Grad aber immer noch kühl.


Lesen:

Matt Ruff: The Mirage [Kindle]
Die Welt in einer alternativen Zeitlinie: Die Abkürzung USA steht für die United States of Arab, während der nordamerikanische Kontinent aus zerstrittenen, religiös geführten Einzelstaaten besteht. Radikale Splittergruppen von christlichen Fundamentalisten verstecken sich in den Rocky Mountains und planen von dort aus Terroranschläge gegen die muslimische Welt. Einer davon gelingt: Am 11. September 2001 steuern christliche Fanatiker Flugzeuge in zwei Wolkenkratzer in Baghdad. Diese Anschläge verändern die Welt für immer. Die Araber gehen mit aller Härte gegen die christlichen Terroristen vor, und jagen sie bis in den schwäbischen Teil von Israel, dem früheren Deutschland. Eine Antiterror-Spezialeinheit nimmt in Baghdad christliche Terroristen fest, die steif und fest behaupten, dass die ganze Welt ein Trugbild, eine Mirage, sei – in Wirklichkeit wären an 9/11 Flugzeuge von Muslimen in amerikanische Wolkenkratzer geflogen worden. Als Beweis dafür zeigen die Verhafteten Ausschnitte von seltsamen Zeitungen vor. Wer hätte schon je von der „New York Times“ gelesen?

WTF, was für eine coole Idee. Leider wird aus der Ausgangslage wenig mehr gemacht als die Handlung einer üblichen Staffel „24“. Das die Terroristenjäger dieses mal muslimischen Glaubens sind, macht kaum einen Unterschied. Im Gegenteil, Matt Ruff nervt gelegentlich mit seinen Übertragungen, und an einigen Stellen überspannt er den Bogen völlig. Das z.B. die Miranda-Belehrung („Sie haben das Recht zu Schweigen, alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden“) im arabischen genauso existiert, nur vor jedem Satz Allah als Gott der Allmächtige gepriesen werden muss, ist nicht nur unfreiwillig komisch, es bricht auch meine Suspension of Disbelief und lässt mich aus der Geschichte fallen.

Noch keine abschließende Meinung, außer: Das Buch ist VIEL zu lang. Hätte mal eine TV-Serie werden sollen, für den Raum zwischen zwei Buchdeckeln mäandert Ruff zu sehr rum und macht auf jeder zweiten Seite eine Nebenhandlung auf. Laaaaangweilig.


Hören:


Sehen:

Hidden Figures [Homekino]
Wahre Geschichte: Katherine Goble, Dorothy Vaughan und Mary Jackson arbeiten bei der NASA. Goble ist eine brilliante Mathematikerin, Vaughan eine Führungsopersönlichkeit, und Jackson eine begabte Ingenieurin. Das Problem dabei: Alle drei sind farbig, und das Jahr ist 1961. Es herrscht nach wie vor Rassentrennung, und Diskriminierung ist völlig normal. So muss Katherine Goble jeden Tag ihre Arbeit fast 40 Minuten unterbrechen und bei Wind und Wetter über den Campus in Langley laufen, weil das nächste Klo für Farbige kilometerweit weg ist. Die drei Damen sind Teil der „Computers“, wie zu der Zeit Menschen genannt wurden, die Flugbahnberechnungen per Hand durchführten. Als Teil des NASA-Teams haben die drei maßgeblichen Anteil am Erfolg der Missionen von Friendship 7 und Apollo 11.

Der Film wurde mir von mehreren Seiten empfohlen, und das zu recht. Toll ausgestattet erzählt er ruhig die Geschichte der drei Heldinnen, die immer wieder die absurdesten Hindernisse überwinden müssen. Der Film basiert auf einem Sachbuch und ist sicherlich in Details etwas überdramatisiert (etwa, wenn Kevin Kostner als NASA-Chef persönlich mit einer Brechstange die Kloschilder abschlägt), aber das mindert das Vergnügen nicht. Die überaus tollen Protagonistinnen tun das Übrige dazu, dass man „Hidden Figures“ nicht so schnell vergisst.

Fahrenheit 11/9 [Prime Video]
Es war so sicher, dass Hillary Clinton Präsidentin werden würde. Noch in der Wahlnacht standen die Umfragen bei 85 zu 15 für sie. Und dann wurde es Trump. Warum? Michael Moore geht dieser Frage nach und zeigt auf, wie Jahrzehnte verfehlter Politik die Menschen so wütend machten, dass sie entweder nicht wählten oder für Trump stimmten. Natürlich steht auch Flint, Moores Heimatstadt und sozialer Brennpunkt, dabei immer wieder im Fokus.

Kaum eine Stadt demonstriert besser, was in den USA passiert ist: Ein geldgieriger Gouverneur setzt per Notstandsgesetz Kumpel von sich auf wichtige Posten. Die bereichern sich, in dem sie die Wasserversorgung von Flint ändern, so dass Kinder und Erwachsene mit dreckigem, verbleiten Trinkwasser vergiftet werden und bleibende Schäden davontragen. Erst als das giftige Wasser Metallteile in einem Autowerk angreift, gibt es wieder sauberes Wasser – aber NUR für das Werk, nicht für die Menschen. Schließlich kommt Präsident Obama, der Hoffnungsträger der leidenden Bevölkerung. Er trinkt vor laufender Kamera Wasser aus Flint, dann unternimmt er – nichts.

Später ist Wahlkampf, und der einzige Kandidat, der sich in Flint blicken lässt, ist Donald Trump. Damit sammelt er selbst die Stimmen der schwarzen Bevölkerung ein. Wenig später bombardiert die Air Force Flint – die Stadt ist mittlerweile so abgewrackt, dass sie als Truppenübungsplatz herhält.

Moore verzichtet über weite Strecken auf seine üblichen, fremdschäm-peinlichen Provokationsaktionen. Nicht ganz, natürlich, auch hier finden sich wieder Szenen wo er den Vorgarten des Gouverneurs mit Wasser aus Flint flutet. Aber das ist die Ausnahme, meist ist „Fahrenheit 11-9“ ruhig erzählt. Das schockiert fast noch mehr, aber es gibt auch immer wieder Hoffnung. Die Frage nach „Wo ist das andere Amerika“ wird mit Hoffnung machenden Beispielen von Jugend- und Frauenbewegungen oder Alexandria Ocasio-Cortez (die ich für eine kommende Präsidentin der USA halte) belegt.

Der Film endet aber auf einer düsteren und unversöhnlichen Note, wenn er aufzeigt, wie Donald Trump sich der Methoden der Faschisten bedient, um seine Macht auszuweiten. „Fahrenheit“ kommt dem Phänomen Trump etwas näher und zeigt seinen Werdegang auf interessante Weise, wirklich neu ist daran aber kaum etwas. Moore-typisch ist die Zusammenstellung wie immer effektiv und schockierend.


Spielen:

Innocence: A Plague Tale [PS4]
1342, im finstersten Mittelalter: Die Pest geht um und verschont auch Frankreich nicht. Schlimmer noch als der Schwarze Tod ist für die Adelsfamilie de Rune die kirchliche Inquisition, die ohne Vorwarnung den Familiensitz überfällt und alle Bewohner abschlachtet. Nur das Mädchen Amicia kann mit ihrem kleinen Bruder Hugo entkommen. Gemeinsam schlagen sie sich hinter die Linien des Kriegs mit den Engländern und versuchen den Häschern der Inquisition zu entkommen. Aber Hugo ist schwer krank, und die allgegenwärtigen Ratten setzen den beiden schwer zu.

Ui, was ist DAS denn? „Innocence“ kam aus dem Nichts und hat die Welt verzaubert. Die Geschichte von Hugo und Amicia ist ein sehr schön erzähltes Soloabenteuer, das ganz auf seine Gameplaymechaniken zugeschnitten ist. Es gibt einige simple Regeln: Ratten mögen kein Licht, Wächter gucken immer in eine Richtung, die Spielfigur stirbt nach einem einzigen Treffer oder wenn sie das Licht verlässt. Daraus baut „Innocence“ aber erstaunlich vielfältige Schleich- und Rätselszenarien. Ob Amicia mit Hugo an der Hand in einem Lager der Engländer herumschleicht oder allein rattenverseuchte Katakomben erkundet, das Spiel bleibt über seine gesamte Laufzeit von 12 Stunden abwechselungsreich und interessant. Dabei ist es nicht mal besonders schwer, was gut ist: So machen selbst die Schleichsequenzen Spaß.

Zum Spielerlebnis trägt maßgeblich auch die Geschichte bei, die stark geschrieben und gut inszeniert ist. Eine dermaßene Bindung und Mitgefühl wie für Amicia und Hugo hatte ich zuletzt für Joel und Ellie in „The Last of Us“. Das es sich bei Innocence „nur“ um eine französische Doppel-A-Produktion handelt, ist gelegentlich an den Gesichtsanimationen zu merken, aber das wird durch den Schnitt der Zwischensequenzen gut kaschiert. Nicht gespart wurde an der Welt, die wunderschön und beängstigend Detailreich in Szene gesetzt ist.

Tolle Welt, tolle Geschichte, tolles Gameplay, tolle Charaktere – für die schlappen 40 Euro, die das Spiel aktuell neu kostet, definitiv eine Kaufempfehlung.


Machen:


Neues Spielzeug:

Neues Dienstfahrzeug: Ein e-Bike, ein Giant Explore E+2 GTS.

Bild: Giant Bicycles

Ich war ja sehr skeptisch, als der Arbeitgeber damit um die Ecke kam. Aber: Das ist schon cool!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 5 Kommentare

Teaser

Ab kommenden Samstag: Reisetagebuch der „Last Chance to See“-Tour.

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Kategorien: video | Schlagwörter: | 3 Kommentare

Europawahl 2019

Grüße gehen raus an Axel Voss und Katarina Barley!

Insbesondere auf das Wahlverhalten von jungen Wählerinnen und Wählern dürfte das EU-Urheberrechtsreformdebakel einen erheblichen Einfluss gehabt haben. Das herablassende Verhalten, die Pöbeleien der Politikerinnen und Politiker, das Erleben von Ohnmacht trotz Protesten auf den Straßen – das hat den Boden bereitet für das Rezo-Video und letztlich für ein Ergebnis, bei dem bei den unter-30jährigen die Grünen stärkste Partei geworden sind und Union und SPD nur noch auf 10 Prozent kommen. Insgesamt war die Wahl in Deutschland sehr erfreulich: Hohe Wahlbeteiligung, recht eindeutiges Signal.

Können Parteien, die nur noch 2 Prozentpunkte vor DER PARTEI liegen, eigentlich noch den Anspruch erheben, Volksparteien zu sein?

In der Summe haben Union und SPD krass Stimmen verloren, die zum überwiegenden Teil zu den Grünen gewandert sind. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der jahrzehntelange Unwille, Politik tatsächlich zu gestalten, hat eine tiefe Unzufriedenheit in der Bevölkerung hinterlassen.

CDU/CSU und SPD, das sind die Parteien der Besitzstandswahrer, der Gutsituierten, des gehobenen Mittelstands. Nur: Von dem gibt es immer weniger. Schere zwischen Arm und Reich und so, wissen schon. Hat man lange Zeit nicht bemerkt, weil: „Uns geht´s ja gut“. Nein, tut es nicht, und es waren zuerst die Rechten, die die Unzufriedenen an der Wahlurne eingesammelt haben. Die, die Veränderung wollen. Die, die bei einem „Weiter so“ fürchten, unter die Räder zu kommen. Das erklärt den überragenden Wahlerfolg der AfD in den Ostländern, wo sie teils stärkste Kraft wurde.

Gewählt wurden die ehemaligen Volksparteien primär von den älteren und Alten.

Nach den Unzufriedenen haben es die bürgerlichen Parteien mit ihrem deutschen Einheitsbrei nun auch geschafft die Jugend zu verlieren. Auch das nicht erst seit eben, sondern mit Ansage. Selbst wenn man der SPD extrem wohlgesonnen ist, muss einem klar sein, dass die zur jetzigen Situation maßgeblich beigetragen hat und die Rechten von Wahlerfolg zu Wahlerfolg mit trägt. Denn Demokratie lebt von Opposition, von Streit, vom Interessenausgleich. Durch ihren Entscheid für eine Große Koalition hat die SPD faktisch die Opposition im deutschen Bundestag eliminiert, und schnürt so kontinuierlich der Demokratie die Pulsadern ab, und sich selbst gleich mit.

Dabei wollen die jungen Leute gehört werden. Sie gehen auf die Straßen, sie nutzen ihre Medien um ihre Botschaften zu verbreiten.

Leider ist unwahrscheinlich, dass Union und SPD das jetzt noch verstehen. Stattdessen steht zu befürchten, dass die AKK-Union weiterhin tut, was Springer und VW ansagen, während die Nahles-SPD sich auf die letzten drei Kohlekumpel konzentriert. Man möchte ihnen zurufen: Geht sterben. Aber dank der modernen Medizin werden die noch lange genug leben, um richtig Schaden anzurichten.

Und nun? Für die SPD wäre das Beste, sofort aus der GroKo zu gehen, sich vier Wochen einzuschließen und anschließend mit einem Programm zurückzukommen, dass sich nicht an 100 Jahre alten Vorbildern orientiert. Die Union muss der Versuchung widerstehen, mit Blick auf die Landtagswahlen im Osten noch weiter am rechten Rand rumzufischen. Wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann ist es, dass flirten mit den extremen Rechten nur diese stärkt.

Die Grünen haben dagegen einen klaren Auftrag. Bei dieser Wahl waren sie Projektionsfläche für alle, die eine zukunftsoffene, gestaltende, sozialere, pro-Europäische, antifaschistische und ökologische Politik wollen. Dieser Vertrauensvorschuss wird aber nicht lange halten, wenn die Partei es nicht schafft, ihn zu verwandeln. Wenn bis zur nächsten Bundestagswahl nicht das Profil der Grünen klar an diesen Positionen ausgerichtet wird oder sich stattdessen die wirtschaftsfreundlichen Besitzstandswahrer – von denen es VIELE bei den Grünen gibt – durchsetzen, wird hier die dritte Volkspartei den Bach runtergehen.

Die Grünen haben einen klaren Auftrag, und für dessen Wahrnehmung wird es mehr brauchen als einen traurig guckenden Robert Habeck.

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Reisetagebuch Sardinien (10): Au Vaia

Herbstreise nach Sardinien. Heute ist das Land gesperrt, die Stadt auch, und ich mache Bekanntschaft mit Vaia, die mich fast nicht mehr weg lässt.

Sonntag, 28. Oktober 2018, Portoscusa
Das Wohnzimmer meiner Unterkunft ist ein ehemaliges Restaurant. Der Raum ist bestimmt 30 Meter lang und 10 Meter tief. Zu drei Seiten ist er verglast, rundrum ist das Meer zu sehen. Der Himmel ist grau. Es ist windig, und hohen Wellen schlagen an die Felsen der Küste.

Den großen Raum ganz für mich allein zu haben ist fast etwas unheimlich. Wie kommt es, das aus einem Restaurant ein Wohnzimmer wurde?, frage ich die Gastwirtin. „Ach, lange Geschichte“, sagt sie. „Meine Familie hat das Gebäude hier gebaut, genauer gesagt: Mein Bruder. Das Restaurant wurde dann verpachtet, aber das lief nicht gut. Im Sommer, Juli bis August, ja, da gibt es hier viel zu tun! Aber den Rest des Jahres nicht, und irgendwann konnten wir das Restaurant nicht mehr verpachten. Also dachten wir, ok, man kann ja hier auch wohnen. Aber es sollte in der Familie bleiben, und deshalb wohne ich jetzt hier, mit meinem Mann und meinen Kindern.“ Ich nicke.

Wenig später summt der Fiat 500 durch die rostenden Industrieanlagen der Peripherie, dann über eine Straße, die sich immer weiter dem Meer annähert und in Kürze zu einer tollen Küstenstraße wird. Aber denkste, irgendwann stehe ich vor einer Polizeisperre. Was soll das denn? Irgendein Event, oder eine Treibjagd? Unwahrscheinlich wäre das nicht, es ist Sonntag und überall ziehen Männer in Tarnfleckklamotten und mit Schrotflinten durch die Felder.

Meh. Aber gut, muss ich halt außen rum. Eine Stunde kostet der Umweg, aber nun. Bald bin ich an der Küste, denke ich, als ich unvermittelt WIEDER vor einer Straßensperre stehe. Hier stehen Leute in Orangefarbenen Westen herum und passen auf, dass sich niemand um die Absperrung herummogelt. „Was issen hier los?“, frage ich eine der Westenfrauen. „Giro“, bekomme ich zur Antwort.
Eine Radsportveranstaltung!

Ich hasse Radfahrer. Ich darf nicht mal umdrehen, weil ich dann ja einen Radfahrer gefährden könnte, sagt eine Frau, die den Streckenposten macht. Wir diskutieren das aus, lautstark und mit viel dramatischem Armgefuchtel. Schließlich gibt sie auf, ich darf wenden und komme zumindest aus dem Stau raus. Aber was nun? Anscheinend haben die die ganze verdammte Küstenstraße gesperrt. Leider ist das die einzige Straße hier um nach Westen zu kommen. Im Hinterland erhebt sich ein mächtiges Gebirge.

Genervt: Ich will an die Küste, muss aber erst bei Sant´Anna (1) umdrehen, dann bei Teulada (2), dann hinter Teulada (3) und am Ende muss ich ganz in den Norden und um die Berge herumfahren (4).
Bild: Google Earth 2019

Ach, so ein Mist. Jetzt muss ich einen WIRKLICH langen Umweg fahren, einmal um die Berge herum. Das dauert mehrere Stunden.

Bild: Google Earth 2019

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Kategorien: Reisen | 5 Kommentare

Nicht politikverdrossen genug

Ein junger Mann setzt sich hin, guckt sich mal die Politik der letzten 20 Jahre an, und was er findet, regt ihn einigermaßen auf. Darüber macht er ein Video, in dem er über die, in seinen Augen, wichtigsten Verfehlungen spricht. Da ein Großteil davon die CDU/CSU zu verantworten hat, trägt das Video den Titel „Die Zerstörung der CDU“, Jugendsprache für „Kritik an der CDU“. Sechs Tage später und drei Tage vor der Europawahl hat das Video fast acht Millionen Aufrufe und 150.000 Kommentare.

Auch SPD und AfD bekommen darin ihr Fett weg, aber tatsächlich dreht sich er Großteil um die CDU. Die Kritik bezieht sich auf Klimaschutz, Umverteilung und die offensichtliche Inkompetenz von Politikerinnen, die nicht mal rudimentäres Verständnis von ihrem Aufgabengebiet mitbringen und dennoch Ministerin sind. Das trägt Rezo, wie sich der junge Mann nennt, sachlich und ruhig vor. Jede einzelne Aussage, die er trifft, ist mit einer Quelle hinterlegt und verlinkt, die meisten Aussagen sind mit einem entsprechenden Videausschnitt versehen.

Und obwohl das Video mit einer Stunde Laufzeit eigentlich zu lang ist für die Plattform Youtube, wo Videos meist nicht länger als 8 Minuten dauern, erreicht es innerhalb von 6 Tagen sieben Millionen Aufrufe. Hier ist es:

Interessant ist die Reaktion der CDU. Die reagiert nämlich, für Internetverhältnisse, lange Zeit gar nicht. Als die Reichweite des Videos steigt und es immer öfter geteilt wird, beginnen einzelne Politiker damit rumzupöbeln, beschimpfen das Video als „Fake News“ und machen sich über Rezos blaue Haare lustig, nach dem Motto „Der Youtube-Vogel hat doch eh keine Ahnung“. Das war erwartbar, denn das ist auch einer der Punkte, die Rezo beklagt: Der respektlose Umgang der CDU mit politikinteressierten Jugendlichen, wie er gerade erst in der EU-Urheberrechtsdebatte zu bemerken war. Statt Argumente auszutauschen, fingen gestandene Politikerinnen von CDU und sogar den Grünen an, laut und hysterisch herumzupöbeln und persönlich zu werden.

So machte es auch die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer, die nicht inhaltlich auf das Video eingeht, sondern miesepetrig raunzte „Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab.“ Für eine CHRISTLICHE Politikerin ein erstaunliches Unwissen, es waren immerhin 10 Plagen.

Nach 5 Tagen kündigte die CDU an, mit einem eigenen Video antworten zu wollen. Man setzte den jüngsten Bundestagsabgeordneten vor die Kamera, drehte einen Tag lang, Schnitt eine ganze Nacht durch – und warf das Ergebnis am Ende in die Tonne. Das „Amthor-Video“ wird auf Twitter schon als ähnlich mysteriös besprochen wie das Bernsteinzimmer: Niemand wird es jemals sehen.

Stattdessen veröffentlichte man einen offenen Brief, in dem in typischen Nullsätzen geschwurbelt und Rezo „zum Dialog“ eingeladen wurde. Kann man machen, muss man aber ganz klar sehen: Thema verfehlt. Denn das ist genau der Punkt von Rezos Video: In Dingen wie dem Klimawandel gibt es keine zwei Meinungen, die man ausdiskutieren kann. Damit macht er sich unangreifbar, und die CDU kann dagegen nicht an – wie genau soll sie denn begründen, dass sie Kohlekraftwerke bis 2038 laufen lassen will, um 20.000 Arbeitsplätze zu retten, wenn sie in den letzten Jahren durch ihre Politik 80.000 Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien vernichtet hat?

Interessant ist jetzt die Reaktion der klassischen, CDU-nahen Printmedien. Die FAZ stellt Rezo in die rechte Ecke und spricht von „Propaganda“. Damit unterstellt sie direkt mal, dass das Video aus Falschinformationen besteht, und Rezos Handeln gelenkt wird. Noch besser aber ein Kommentar, in dem Autor, der das Video offensichtlich nicht gesehen hat, sinngemäß herumheult, das „Immer der Beifall bekäme, der rumpöbelt, und wer am lautesten pöbelt, der kommt ins Fernsehen“.

Rezos Video hat aktuell fast acht Millionen Aufrufe. Darauf kommt die Tagesschau an sehr guten Tagen. Aber das Jugend von heute sich tatsächlich für Politik interessiert und dafür weder Fernsehen noch gedruckte Zeitungen braucht, das kommt im Weltbild von Politikern und Journalisten wohl nicht vor.

Kategorien: Meinung | 2 Kommentare

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