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Neun Dinge, ohne die ich nie verreise

Ich habe schon ewig nicht mehr bei Aktionen in der Blogcommunity mitgemacht. Heute ist es mal wieder soweit: Bei Marco von Blindschleiche.ch bin ich auf die Blogparade von 2ontheGo.de aufmerksam geworden. Thema: 9 Dinge, die nicht selbstverständlich sind (wie Reisepass o.ä.) und die mit auf jede Reise kommen.

Einige Dinge, die mir wichtig sind (Ersatzbrille! Zweitschlüssel! EBookreader!“) sind in der Blogparade schon häufig genannt worden und deshalb hier nicht vertreten, obwohl sie recht weit oben auf meiner Liste rangieren. Übrig bleiben diese neun Dinge, ohne die ich nicht aus dem Haus gehe. Zumindest nicht für mehrere Tage.

Bei mir sind das:

1. Smartphone mit Hülle

Hört sich trivial an, aber das ist mein allerwichtigstes Reiseutensil. Im Gerät selbst sind Landkarten, Reiseführer, Buchungen, Eintrittskarten, Zugriff auf den Heimserver, es ist Kommunikationsmittel usw.

Die Hülle ist keine spezielle Hülle, einfach eine ganz simple aus Leder, ohne Magnetverschluss. Darin ist mein Personalausweis, eine Kreditkarte, medizinische Kontaktdaten und ein Organspendeausweis. Hört sich doof an, aber: Man darf mir alles klauen, Gepäck, Motorrad, Portemonnaie… so lange ich noch das Smartphone, Kreditkarte und Ausweis habe, bin ich noch handlungsfähig.

2. Ohrenstöpsel

Niemals ohne! Brauche ich praktisch ständig, deshalb habe ich immer mehrere Paare Ohropax dabei. Ja, ich bin ein Ohrenbär. Mich nervt schon das Ticken einer Uhr im Zimmer. Zusammenrollen, in den Gehörgangstecken, warten,… Ruhe.

3. Müll- und Gefrierbeutel

Vergesst die teuren Kompressionsbeutel der Outdoorhersteller, Müllsäcke tun es genauso und sind viel leichter! Wäsche rein, Luft raus pressen, schon sind die Klamotten wasserdicht verpackt, nehmen weniger Platz ein und sorgen für Ordnung im Rucksack. Außerdem kann man die als alles mögliche verwenden, sogar um Müll rein zu tun! (vorher Wäsche entnehmen)

Die Gefrierbeutel haben einen Ziploc-Verschluss und sind perfekt geeignet für Kleinteile wie Speicherkarten, Kabelgedöns oder Hygieneartikel.

4. Mehrfachstecker

Es gibt nie genug Steckdosen. NIE. Dieser superkleine und -leichte Stecker von Kopp mit selbst abgeschliffenen Kanten macht aus einer Steckdose drei. Der landesspezifische Reiseadapter hinten drauf fällt gar nicht weiter auf.

5. Selbstaufrollende Multikabel

Für jedes Dingelchen muss man ein Ladegerät mitschleppen, und jedes Gerät will ein eigenes Kabel, die sich im Reisegepäck unentwirrbar verknoten. Mit den Multikabeln passiert das nicht. Sie bringen Mini-USB-Anschluss, Mikro-USB und Lightningstecker mit und ersetzen damit bis zu drei Kabel. Nach der Benutzung zupft man kurz dran, zack, rollen sie sich von selbst auf. Sehr cool.

6. Spork

Wenn ich unterwegs bin, halte ich mich oft nicht lange mit Essen auf. Das Schälchen Tabouleh oder kalte Fertigsuppe aus dem Supermarkt reicht mir, dafür brauche ich den Löffel-Gabel-Hybriden.

7. Reiseapotheke

Nie ohne Reiseapotheke. In dem kleinen Beutel sind sorgfältig ausgesuchte Zutaten für fast jede Situation, u.a. Blasenpflaster, Wundverschluss, Aspirin, Antikotz, Antidurchfall, und einiger exotischerer Kram wie ein Stichheiler. Damit kann ich vom Pickel über einen Sonnenstich bis hin zum Haifischbiss alles verarzten.

8. Schallzahnbürste

Ich lege sehr viel Wert auf Zahnhygiene. Allerdings neige dazu, mir mit normalen Handzahnbürsten das Zahnfleisch kaputt zu machen. Zu Hause habe ich daher eine elektrische Zahnbürste mit mechanischem Bürstenkopf, die ist für Reisen aber viel zu groß und zu schwer. Für unterwegs begeistert mich seit neuestem eine Schallzahnbürste von NewGenMedicals. Kaum größer als die manuelle Klappzahnbürste ich ich vorher hatte, nur 45 Gramm leicht, Aufladung per Mikro-USB-Anschluss. Eine Akkuladung hält über einen Monat(!).

Der Bürstenkopf vibriert 28.000 Mal in der Sekunde – die Zähne werden damit ordentlich sauber, und das Zahnfleisch bleibt heil. Und für 16 Euro ist das Ding praktisch geschenkt.

9. Nagelschere

Eine zusammenfaltbare Nagelschere von Coghlans, mit der man alles schneiden kann. Auch Klebeband, lose Fäden, den eigenen Bart, fremde Bärte, Verpackungen, you name it. Hat bislang auf Flügen keine Probleme bereitet, und selbst wenn: Für knapp 6 Euro wäre das ein lässlicher Verlust.

 

 
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Verfasst von - 20. März 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London 2017 (7): Verwunschenes Grün

Durch ein literarisches Stilmittel machten Silencer und das Wiesel einen Zeitsprung von London im Februar 2016 in den Februar 2017. Heute wird Klein-Venedig besucht, verwunschene Ecken entdeckt und Bridget Christie sagt über den Brexit: „Ihr habt das so gewollt“. Außerdem: Pinguine! Kängurus! Und Babyflußpferde!!!

Montag, 06. Februar 2017, London

Aua-Aua-Aua was ist DAS denn?
Meine Füße tun weh! Als ich sie aus dem Bett schwinge und in Kontakt mit dem Teppich komme, brennt es an den Fußsohlen – ich kann kaum auftreten. Ein Blick auf die Unterseite der Füße verrät was hier los ist: Ich habe an beiden Fußballen riesige Blasen. So riesig, das beide schon aufgegangen sind. Igitt.

Ich weiß auch woher das kommt. Ich habe gestern 8 Stunden in überheizten Zügen gesessen, die Füße die ganze Zeit in geschlossenen Schuhen. Sicherlich waren dann die Socken zumindest leicht feucht, und die Haut an den Füßen dadurch ganz weich.

Und was mache ich Depp? Anstatt bei meiner Ankunft im Hotel mal die Schuhe auszuziehen oder die Socken zu wechseln bin ich dann direkt fast 20 Kilometer durch das nächtliche London spaziert. Klar, dass ich mir dabei den Fußballen in Fetzen gelaufen habe.

So ein Mist. Ich krame im Rucksack nach der roten Tasche mit der Reiseapotheke. Darin sind Blasenpflaster. Habe ich bislang selten gebraucht, aber immer dabei. Ich puhle die Folie ab und lege sie über die offenen Stellen. Sofort verbindet sich das Pflaster mit der Haut und wird fast unsichtbar. Es versiegelt die Blase nicht nur, sondern wird auch die Heilung unterstützen.

Eigentlich ist es kein richtiges Pflaster, sondern eine dicke, labberige, klebrige Folie, die mit einem Gel gefüllt ist. Das Gel besteht zum Großteil aus Wasser, ist luftdurchlässig und fast unsichtbar:

Die Stellen mit den Blasen ist jetzt geschützt und belastbar. Nach ein paar Tagen wird das Pflaster weiß werden und abfallen, vielleicht wird dann schon alles verheilt sein.

Vorsichtig mache ich ein paar Schritte. Doch, das wird gehen.

Direkt hinter meinem Hotel am Norfolk Square liegt der Bahnhof Paddington. Der ist umgeben von einer Betonwüste. Das große St. Marys Hospital ist hier, aber auch Bürokomplexe und Hochstraßen. Der Bahnhof ist kaum zu sehen: Direkt vor die prächtige Brunel-Front des Bahnhofs hat man ein Hilton-Hotel gebaut und ihn so in die zweite Reihe zurückgedrängt. Wirklich, der Bahnhof ist praktisch nicht mehr zu sehen und nur über eine lange, hässliche Rampe an der Seite des Hotelgebäudes zu erreichen.

Das klotzige Hilton (links) verdrängt den Bahnhof.

In London wird halt jeder nutzbare Quadratmeter bebaut. So ist es fast ein Wunder, dass es bis heute das Paddington Basin gibt. Das ist ein schmaler Kanal an der Seite des Bahnhofs, an dem Hausboote liegen.

Es ist ein sonniger, kalter Morgen. Besser geht es im Februar kaum. Der Atem der Jogger, die am Kanal entlanglaufen, kondensiert in der Winterluft. Ich jogge nicht, ich spaziere nur den Kanal entlang und sauge die Atmosphäre ich mich auf. Alles hier ist groß und anders und ich bin neugierig, was mich hinter der nächsten Ecke wohl erwartet.

Nach einem guten Stück führt der Wassergraben unter einer den riesigen Stützpfeilern einer Hochstraße hindurch. Dahinter weitet er sich zu einem See, der aus der Kreuzung zweier Kanäle entstanden ist. Am Ufer recken Bäume ihre kahlen Zweig ein den blauen Himmel. Hier sieht es aus wie in einem Park. Die Wohnhäuser dahinter sind kleiner. Fast wirkt es wie ein ganz andere Stadtteil: Eben noch Betonmoloch, hier alte, englische Wasserstraßen und Stadthäuser aus der Gründerzeit.

An der Seekreuzung liegen weitere, bunte Hausboote, sorgfältig restauriert und liebevoll bemalt. An manchen stehen noch Dinge wie „Wasserbus London“. Die Schrift lässt vermuten, dass der Einsatz als Bus im 19. Jahrhundert stattgefunden haben muss. Was diese Boote in den vergangenen 150 Jahren alles gesehen haben müssen!

Das hier ist „Little Venice“, was sich nur jemand ausdenken konnte, der noch nie in Venedig war. Stattdessen hat das hier mehr von niederländischen Städten, in deren Grachten ja manchmal auch Boote liegen sollen.


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Verfasst von - 17. März 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Murmeltiertag

Merkel ernennt Steinmeier zum Bundespräsidenten, Steinmeier ernennt Merkel zur Bundeskanzlerin. Und egal was man wählt, am Ende kommt eine GroKo bei raus. Murmeltiertag in Deutschland.

Es.
Ist.
Zum.
Haareraufen.

Wenn ich nicht resistent dagegen wäre, JETZT würde ich Politikverdrossen werden.

Wirklich, ich fasse es einfach nicht, dass wir schon wieder eine Große Koalition haben. Das Merkel nur auf Machterhalt aus ist, ist dabei wenig überraschend. Das ist ihr ganzes Konzept der Politikgestaltung seit 2005 – sie handelt nur dann und dann so, wie es dem Erhalt ihrer Macht dient. Keine Vision, kein Gestaltungswillen, nicht im eigenen Land, nicht in Europa.

Die letzten Jahre der GroKo haben diesen Stillstand zementiert, denn wie der Grüne Konstantin von Notz richtig sagte: Faktisch gab es keine Opposition in Berlin. Umso mehr freute mich die Ankündigung von Schulz am Abend der Wahl, jetzt mal wieder ordentliche Oppositionsarbeit zu machen.

Denn davon lebt Demokratie. Demokratie braucht gegeneinander arbeitende Kräfte, die ein gemeinsames Wertesystem eint. Kleinster gemeinsamer Nenner ist dabei im Zweifel die Wertschätzung für die Demokratie selbst, und genau aus diesem Grund fällt für mich die AFD da raus. Die Partei – oder zumindest laute Teile davon – arbeiten auf die Abschaffung der Demokratie hin. Aber das ist ein anderes Thema.

Was mich so frustriert, ist der nun wieder in einem Koalitionsvertrag festgeschriebene Stillstand. Damit, dass die SPD in eine Große Koalition eingewilligt hat, dürfte sie sich selbst in die Bedeutungslosigkeit demontiert haben. Das wäre mir egal, denn das ist nur ein Kollateralschaden. Was aber viel schlimmer ist: Durch die GroKo wird SCHON wieder die Demokratie nachhaltig beschädigt.

Die Quittung bekommen wir bei den nächsten Wahlen. GroKos stärken IMMER die extremen Positionen an beiden Rändern. Entweder die AFD wird 2021 stärkste Kraft im Bundestag – oder jemand wie Macron kommt in der Zwischenzeit vorbei und dreht die Parteienlandschaft auf links.

So oder so, die erneute GroKo und nochmal vier Jahren Merkel werden niemandem gut tun. Also, außer Merkel.

 
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Verfasst von - 14. März 2018 in Meinung

 

Reisetagebuch: Das Omaschaf und der vergessene Luxuszug

März 2018: Unterwegs in Frankfurt Oder/und Słubice. Dabei treffe ich auf Touristenmöwen, einen sprachlosen Stadtführer und finde das Denkmal der Wikipedia.

Neulich saß ich in einem Zug. Der hielt in Berlin. Zum Glück fahren da ganz viele Züge ganz schnell wieder weg.

Einen davon nahm ich und fuhr damit nach Frankfurt. Aber nicht das Frankfurt am Main, das jeder kennt, sondern das andere Frankfurt. Das an der Oder, wo niemand jemals hinkommt. Das liegt eine Bahnstunde östlich von Berlin. Das ist soweit im Osten, dass es schon fast Polen ist.

Frankfurt an der Oder ist nicht besonders groß. Eigentlich ist es sogar recht klein, es hat gerade mal knapp 60.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt ist recht jung, gerade mal 700 Jahre alt.

Backsteingothik und Plattenbau sind die vorherrschenden Baustile und mittendrin steht, wie ein gerade gelandetes UFO, eines dieser Standard-Einkaufszentren, die sich überall finden und die nirgendwo hinpassen. One Size fits none.

Die Straßen und Plätze in FF sind ausladend breit, tragen Namen wie „Karl-Marx-Straße“ und zeigen deutlich, dass dieses Frankfurt in der DDR aufgewachsen ist.


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Verfasst von - 13. März 2018 in Reisen

 

Hirn sagt nein

Der zweite Märzsonntag. Vor einer Woche hatten wir noch 10 Grad Minus, nun plötzlich fast 20 Grad plus und Sonnenschein. Das Herz jubelt, die Moppedfinger kribbeln.

Raus, raus auf die Straße!

Wie ist der Ladestand der Batterien? Alles super. Gleich mal alles zusammenpacken was ich brauche um die Barocca aus dem Winterschlaf zu wecken. Aber vorher könnte ich noch auf dem Balkon frühstücken, muss nur mal schnell durchfegen und die Balkonmöbel aufstellen…

Aber ach.

Während ich die Schutzplane vom Balkongestühl fummele, schaltet sich plötzlich das Hirn ein und fängt an zu dozieren.

Das hat jetzt nicht wirklich einen Sinn, oder? Heute ist Sonntag. Und der erste schöne Tag des Jahres. Wir sind im Harzvorland. Hier und heute wird JEDER seine Kiste wiederbeleben und sich in den Sattel schwingen. Alle Straßen werden voll sein mit Moppedfahrern, die nach dem langen Winter fahren wie die letzten Wildschweine. Dazu noch die üblichen Sonntagsfahrer in ihren Autos. Das willst Du nicht wirklich, oder? Das wird Dir keinen Spaß machen.

Ich beiße mir auf die Zunge, aber das Hirn quasselt weiter.

Mal ganz abgesehen davon: Du bist die nächsten Wochen unterwegs. Das heißt: Wenn Du jetzt ein Motorrad wiederbelebst, hast Du vielleicht heute eine kleine Rundtour vor Dir – aber die nächsten Wochen kommst Du nicht zum Fahren. Außerdem: Schon mal einen Blick auf die Wettervorhersage geworfen? Es wird nochmal kalt, und regnen tut es auch.

Ich lasse die Schultern sinken und seufze. Dann lege ich die Plane wieder auf die Möbel. Das Herz ballt die Fäuste und stampft mit den Füßen auf. Es hasst es, wenn das Hirn recht hat.

Heute wird es also nichts mit dem Saisonstart. Aber bald.

 
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Verfasst von - 12. März 2018 in Motorrad

 

Reisetagebuch London 2016 (6): Das Herz des Empire ist eine Bruchbude

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute geht es mit mir rapide bergab, das Empire zerfällt und der Quantensprungzeitbeschleuniger des Blogs wird für billige literarische Kniffe missbraucht.

Freitag, 12.02.2016
Die Erkältung hat mich jetzt voll erwischt. Ich bekomme die verquollenen Augen kaum auf, die Nase ist zu und die Stimme weg. In meinem Kopf ist eine Rotte Zwerge mit Presslufthämmern am Werk und meißelt mein Hirn in die Wandung des Schädels. Ich rolle mich aus dem Bett und muss mich am Schreibtisch abstützen. Gut, dass das Zimmer so klein ist, hier kann ich nicht umfallen.

Ich schleppe mich zum Rucksack und wühle den roten Stoffbeutel mit der kleinen Reiseapotheke heraus. Nasenspray stoppt den steten Schleimfluß und macht ein Durchatmen möglich, Aspirin wird gegen die Kopfschmerzen helfen, und Salbeibonbons wirken gegen den schlimmsten Hustenreiz.

So aufmedikamentiert mache ich mich auf dem Weg nach Westminster, genauer: Zum Palast von Westminster.

Den Uhrenturm des Palasts mit Big Ben, der berühmten Glocke mit dem markanten Klang, kennt jeder.

Sieht man aus der Entfernung kaum: Der Uhrenturm ist ein über und über verziertes, prächtiges und sehr teures Bauwerk.

Den Palast hinter dem Uhrenturm zu besuchen gelingt aber den wenigsten. Er ist eine Ansammlung von Hallen, Kammern, Gängen und Gebäudeflügeln, in die man als Normalsterblicher kaum reinkommt.

Selbst ich habe noch Probleme als ich durch die Sicherheitsschleuse am Cromwell Green, dem nördlichen Palasteingang, will. Zwar kann ich eine Eintrittserlaubnis vorweisen, aber den Beamten an den Metallscannern kommt es komisch vor, dass ihre Geräte nicht anschlagen als ich hindurchgehe. Ja, wieso auch? Jacke und Rucksack gehen separat durch eine Röntgenanlage, und alles, was ich dann noch am Leib habe, ist aus Kunststoff. Absichtlich.

Genau wegen dieser ganzen Securitychecks habe ich mir einen Gürtel und eine Uhr aus Kunststoff zugelegt, damit ich nicht dauernd… „Sir, bitte legen Sie Gürtel und Uhr ab und ziehen Sie die Schuhe aus“, sagt der Sicherheitsmann.

Ja, genau DESWEGEN trage ich den Kunststoffkram, damit genau das nicht passiert und ich mich dauernd an- und ausziehen muss. Angesäuert pfriemele ich den Gürtel aus der Hose und hüpfe auf Socken vor den Sicherheitsleuten rum. Unwürdig, dieses Theater.

Kurz darauf bin ich wieder angekleidet und betrete eine hohe, offene und sehr kalte Halle.

Cromwell Green und Westminster Hall.

Das ist Westminster Hall, die große Empfangshalle des Palastes. Die erinnert mich spontan eher an die Halle von Wikingern oder eine dieser großen Versammlungshallen aus „Game of Thrones“ als an einen Palast. Damit liege ich auch gar nicht so daneben, lese ich später. Westminster Hall ist der älteste Teil des Komplexes und fast 1.000 Jahre alt, sie datiert auf das Jahr 1.097. Das ist von den Wikingern nicht weit weg. Wahnsinn.


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Verfasst von - 10. März 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London 2016 (5): Custard. Geschüttelt, nicht gerührt.

Donnerstag, 11.02.2016
Uh, was ist das denn? Warum tut mein Gesicht weh? Bäh, und die Nase läuft. Mist, ich habe mir eine Erkältung gefangen.

Ich werde ja selten krank, deshalb kommt das jetzt etwas überraschend. Hätte ich auch nicht unbedingt gebraucht, so mitten im Urlaub. Etwas wackelig auf den Beinen tappe ich zum Frühstücksraum. Das der im Keller des Hotels liegt, mein Zimmer aber unter dem Dach, und dazwischen 152 schmale und schiefe Stufen liegen, macht die Sache nicht besser.

Ich stehe vor der Tür und schaue den fleißigen Polinnen zu, die darin Spiegelei mit Bohnen zubereiten. Das Frühstück im Hotel ist wenig, aber kostenlos. Ich überlege einen Moment, dann drehe ich um und laufe zum Bahnhof Paddington hinüber. Heute möchte ich mir was gönnen, deshalb setze ich mich in die U-Bahn und fahre bis zum Euston Square. Dort frühstücke ich bei Speedys. Ein echtes Full English Breakfast mit Würstchen, Speck, Bohnen, Ei und mit Kaffee, viel besser als im Hotel.

Aus irgendeinem Grund liegt auch eine gekochte und gehäutete Tomate auf dem Teller, aber das passt ins Bild. Engländer kochen alles, bis jeglicher Geschmack und alle Vitamine sorgfältig vernichtet sind.
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Verfasst von - 3. März 2018 in Reisen, Wiesel

 

Momentaufnahme: Februar 2018

Herr Silencer im Februar 2018
„Nicht noch mehr Brillenmädchen!“

Wetter: Am Monatsanfang kühl, mit vereinzeltem, heftigen Schneefall. Um den 19. herum wird es eiskalt, mehr als eine Woche wird es tagsüber kaum wärmer als -2 Grad, nachts geht es bis -8 Grad. In der letzten Woche, zum meteorologischen Frühling hin, legt der Winter richtig los: -14 Grad nachts, tagsüber -6.

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Lesen:

Stadtpläne und Kunstführer, aber das zählt nicht.

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Hören:

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Sehen:

Bladerunner 2049 [PSN]
Das Jahr 2049: Sämtliche Ökosysteme der Erde sind zusammengebrochen, es gibt keine Tiere oder Pflanzen mehr. Die Menschheit sucht ihr Heil in der Kolonisierung fremder Planeten. Damit das gelingt, werden für schwierige Aufgaben und Kampfeinsätze künstliche Menschen, die Replikanten, eingesetzt. Die werden mittlerweile nicht mehr von der Tyrell Corporation gebaut, die vor 30 Jahren nach den Skandalen um geflohene Replikanten dicht gemacht wurde. Polizisten die Replikanten jagen, die sog. „Blade Runner“, gibt es aber immer noch. Einer von ihnen, selbst ein Replikant neuerer Bauart, entdeckt etwas, was eigentlich nicht sein kann: Die Überreste eines Kunstmenschen, der anscheinend schwanger war. Diese Entdeckung hat die Macht, die Gesellschaft umzuwälzen – denn die Fortpflanzung ist es, die Menschen und Replikanten bislang eindeutig voneinander unterscheidet.

Ich hatte im Vorfeld davon gelesen, dass der Film mit seinen 165 Minuten zu lang sei, zu langsam inszeniert, insgesamt langweilig. Hielt ich alles für glaubhaft, weil schon die Standbilder zeigen, dass „2049“ dem ersten Teil treu bleibt. Warum sollte das nicht auch auf´s Erzähltempo zutreffen? Zur Erinnerung: Der erste „Blade Runner“ ist von 1982 und er galt schon vor 35 Jahren, in einer Zeit als Filme generell langsamer waren, als lahmarschig.

Umso größer war meine Überraschung als ich merkte, dass in der 2018er Auflage nun nicht nur nicht der mediokre Roman „Blade Runner II“ von K.W. Jeter verfilmt wurde, sondern eine wesentlich bessere Geschichte, und dass 2. der zweite Teil seine Laufzeit wirklich jede Sekunde nutzt – wenn auch nicht für Dialoge. In entsetzlich schönen Bildern betreibt der Film World-Building, in jeder Szene. Er erzählt uns nicht, wie schlimm verwüstet die Erde ist und wie runter die Gesellschaft – er zeigt es uns. Und das in einer kohärenten Version, die -anders als das Original- in jeder Szene einen Sinn ergibt.

Wie überhaupt jetzt alles in ein einheitliches Bild passt. Angefangen bei den komischen Geräten bis hin zu den Blade Runnern an sich ist „2049“ ist sehr sorgfältig inszeniert. Dabei beschädigt er das Original nicht, sondern macht es durch seine visuellen Erläuterungen sogar noch besser. Das die eigentliche Handlung komplex und verwoben ist und durch seine Rückbezüge deutlich macht, WIE speziell die Beziehung des Blade Runners Deckard zur Replikantin Rachel war, macht „2049“ zu einem herausragenden Film, der nahtlos in die Visionen von Philip K. Dick passt. Aber er spinnt sie noch weiter: Die Frage nach Menschlichkeit wird von einer DNA aus vier Buchstaben auf eine mit zwei Ziffern erweitert – was in der kompliziertesten Sexszene mündet, die je für einen Film gemacht wurde und zeigt, wie erfinderisch künstliche Intelligenzen sein können. Ich ziehe meinen Hut und sage leise: Wow. Dieser Film ist ein Ereignis.

Black Panther [Kino]
Irgendwo in Afrika: Im kleinen Drittweltland Wakaluba gibt es nur Schafhirten und Korbflechter. Denkt zumindest der Rest der Welt. Tatsächlich ist das nur eine sorgfältig gepflegte Fassade, hinter der sich das fortschrittlichste und reichste Land der Erde verbirgt. Hier herrscht seit neuestem König Fallera, nach alter Tradition auch „Black Panther“ genannt. Als ihn eines Tages ein Fremder herausfordert, sieht Fallera erst alt aus und sich dann mit der Frage konfrontiert, was für ein Herrscher er eigentlich sein will.

Schon sehr cool, dieser Marvel-Film. In den USA wird er megamäßig dafür abgefeiert, dass der Cast fast ausschließlich farbig ist, und es thematisch um Afrika, seine Traditionen und die Ausbeutung des Kontingents geht. Das ist auch für europäische Augen und Ohren erfrischend, und dass der Main Cast zum überwiegenden Teil aus wunderschönen und starken Frauen besteht, stört dabei auch nicht.

Das ausgerechnet der Black Panther Pläne stoppt, die eine Befreiung schwarzer Minderheiten vorsehen, mag seltsam klingen, ist aber innerhalb der Geschichte gut hergeleitet. Die ist zwar stellenweise etwas langatmig, bringt aber so nebenbei einen der besten Antagonisten des Marvel-Universums mit: Killmongers Motive sind nachvollziehbar und in Teilen sogar ehrenwert, was ihn zu mehr macht als der üblichen Schablone des Evil Overlords. Da zudem die Austattung sorgfältig, Landschaftsaufnahmen toll und die Stunts auf einem irren Niveau sind, kann ich nur sagen: Ins Kino gehen, es lohnt sich.

Taschenspieler [ThoP]
Drei Personen treffen sich an einem Strand. Sie scheinen sich zu kennen, sind sich dessen aber nicht bewusst. Charakterlich sind sie grundverschieden. Während Ida sich vor dem Inhalt ihrere eigenen Handtasche fürchtet, kann man es der aggressiven Dia nie recht machen. Adi spielt derweil lieber Kegeln oder beobachtet ein Huhn.

Ein Stück, bei dem man am Ende immer noch nicht weiß, ob der Autor eine Vision und eine echte Deutung hat, oder ob das Ganze in einem Fiebertraum oder durch assoziatives Schreiben zustande gekommen ist. Spielt aber auch keine Rolle, ich mag sowas.

„Taschenspieler“ steht in der Tradition der besseren Stücke von René Polleschs. Bei denen ist auch der affektive Dialog der Weg und das Ziel, und der unterhält in diesem Stück sehr. Das liegt daran, dass die Gespräche gut geschrieben sind, vor allem aber an den sehr guten Schauspielerinnen: Anja Kütemeyer, Anja Kramer und Martin Liebetruth sind auf den Punkt besetzt und machen Ihre Sache ausgezeichnet.
Trailer https://vimeo.com/246705025

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Spielen:

Assassins Creed Syndicate [PS4]
London, 1860: Zwillingspaar mischt Unterwelt auf. Vor zwei Jahren zuletzt gespielt. Arbeitet man zuerst den ganzen Open-World-Kram weg und macht dann die Story am Stück, ist sie zwar immer noch meh, aber etwas dichter. Aber mei, was ist das viktorianische London schön. Ausführliche Besprechung hier.

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Machen:
Eine Städetreise: Verona, Genua, Turin und Venedig an 9 Tagen. Dabei rund 150 Kilometer gelaufen.
Wieder Zuhause: Bei den kalten Temperaturen im Wohnzimmer übernachten, das schlecht isolierte Schlafzimmer lässt sich nicht mehr wirtschaftlich auf zweistellige Temperaturen bringen.
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Neues Spielzeug:
Eine elektrische Schall-Reisezahnbürste. Sehr cooles Teil. Ach ja, und zwei gebrauchte VIRB XEs.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. Februar 2018 in Momentaufnahme

 

Mein erster MP3-Player: RIO PMP300

„Du kommst sofort hier her! Und überleg Dir unterwegs schon mal, wie Du die Verstärkeranlage und ungefähr 30 Bose-Lautsprecher bezahlen wirst, die sind nämlich alle durch“, brüllte der Supervisor in den Hörer, dann legte er auf.

Mit einem Schlag war ich hellwach. Ich war um 06:00 Uhr morgens erst ins Bett gegangen, nun zeigte die Uhr kurz nach 9. Ja, wir hatten in der Nachtschicht und nach Geschäftsschluss das normalerweise laufende Dummradio abgeklemmt und stattdessen eigene Musik über den Verstärker laufen lassen. Ist doch viel angenehmer in den kurzen Stunden der Nacht, zwischen 1 und 4 Uhr, was Fetziges zu hören und nicht so Milchbubimusik, bei der man gleich einschläft. Als ich den Laden verlassen hatte war noch alles gut gewesen, und nun sollte die ganze Soundanlage kaputt sein?

War sie natürlich nicht. Wie sich herausstellte, hatte die Kollegin aus der Frühschicht auch eigene Musik hören wollen, aber dann am Verstärker was verkehrt umgestöpselt. Jetzt klemmte das Radio am Mikro-In-Eingang, deshalb knarzte und rauschte alles. War mit einem Handgriff behoben, hatte aber zur Folge, dass der wutschnaubende Supervisor uns eine Erklärung unterschreiben ließ, in der wir uns verpflichteten, keine privaten CD-Player mehr an die Soundanlage im Geschäft anzuschließen.

Die Anweisung befolgte ich gerne, denn der altersschwache Discman war mir eh inzwischen zu doof. Stattdessen klemmte ich in den folgenden Nachtschichten ein anderes Gerät an den Verstärker, das nicht verboten worden war Vermutlich, weil der Supervisor nicht mal wußte, dass es sowas gab: Einen MP3-Player, einen der ersten seiner Art.

Inspiriert von Rüdigers Beitrag im Thatblog (und weil ich ihn gerade beim Aufräumen wiedergefunden habe), zeige ich ihn hier: Den RIO PMP 300 von Diamond, einen der ersten MP3-Player überhaupt.
Den muss ich gebraucht gekauft haben, wie und woher und für wieviel weiß ich nicht mehr. Auch das wann ist mir nicht ganz klar, vermutlich habe ich ihn irgendwann 1999 oder 2000 gebraucht gekauft. Und ich habe ihn geliebt.

Der RIO war ungefähr so groß wie eine Zigarettenschachtel, nur etwas flacher und leichter. Auf seiner Vorderseite hat er ein Steuerkreuz für Play, Pause und Skip. Dazu die Funktionen, die man wirklich immer braucht, als echte Knöpfe, also Repeat one/all, Shuffle und die Lautstärketasten. Das lässt sich exzellent und blind bedienen, nur die silberne Farbe vom Steuerkreuz rubbelte sich im Lauf der Zeit ab.

Auf der Oberseite hatte der Player Einstellmöglichkeiten für unnütze Funktionen. Was „menu“ machte weiß niemand so genau, „EQ“ waren TonPresets, die aber alle gleich klangen, und „Intro“ benutze niemand, da skippte man einfach.

Der RIO wurde mit einer normalen 1,5 V Mignon-Batterie betrieben. Das war ganz praktisch, aber das federgetriebene Batteriefach war eine notorische Schwachstelle. Passte man nicht auf, brach man schnell die Scharniere ab. Passte man auf, und die Klappe blieb dran, sorgte die Federspannung im Laufe der Zeit dafür, dass das umliegende Gehäuse wegbröckelte.

Im Auslieferungszustand hatte der RIO 32MB Speicher (Ja, MEGABYTE!). In dem konnte er MP3-Dateien mit bis zu 128KB/s speichern. Klingt nicht nach viel, aber da ich den Player hauptsächlich am Autoradio betrieb, reichte auch eine Auflösung von 64 Kb/s. In 32MB passten dann rund 20 Songs, mehr als auf eine CD.

Über eine papierdünne Smartmedia-Karte konnte die Speicherkapazität auf 64 MB erweitert werden, dann passten fast 3 CDs in den Speicher des Rios.

Links: Smartmediakarte von 1998 mit 32 Megabyte Speicher. Mitte: SD-Karte von 2008 mit 8 Gigabyte. Rechts: Mikro-SD-Karte von 2016 mit 128 GB.

Die Musik kam über eine proprietäre Software vom PC auf den Player. Zur Übertragung gab es einen Dongle, der in den Parallelport des Rechners gesteckt wurde und mittels einen proprietären Kabels mit dem Rio verbunden wurde. Man bedenke: Im Jahr 2000 waren USB-Ports noch nicht weit verbreitet, und bei Der Veröffentlichung des RIOs im Jahr 1998 gab es die praktisch gar nicht.

Datenanschluss an der linken Seite des Geräts.

Auf der Rückseite gab es eine Metallkrone, in die ein Gürtelclip eingeschraubt werden konnte. Der fiel aber immer ab, genauso wie bei manchen Nutzern das Steuerkreuz an der Vorderseite. Ich hatte deshalb eine schicke Ledertasche für den RIO. Stabil, unkaputtbar und mir Staufächern für weiterer Smartmediakarten.

Mein RIO tut sogar noch. Batterie rein, Kopfhörer dran und schon erklingt Evanescences „Bring me to Life“ vom Album „Fallen“ von 2003. So lange habe ich den RIO also mindestens in Benutzung gehabt. Der Ton ist auch heute noch sehr gut, mit ordentlich Wumms.

War schon ein schönes Gerät, der RIO. Handlich, robust, sympathisch. Leider siechte er recht bald vor sich hin. Die Software zur Übertragung der Musikstücke wurde von Diamond irgendwann nicht mehr gepflegt. Es gab dann zwar eine Open-Source-Alternative, die war aber nicht gut. Dann verbreitete sich rasend schnell USB, und Flashspeicher wurde günstiger, so dass schlanke MP3-Player mit USB-Anschluss und mehr Speicher zum Standard wurden.

So einen Stickplayer hatte ich dann auch, und da ich wenig Musik höre sogar sehr lange. Erst 2008 wurde der Billig-MP3-Player von einem iPod-Touch abgelöst. Als die Rechner dann ihre Parallelports verloren, war der RIO gar nicht mehr nutzbar und wanderte in die Schublade.

Aber bis dahin hatte er mir viele, viele Nachtschichten mit guter Musik erträglich gemacht. Bei mindestens zwei Gelegenheiten sogar in Anwesenheit des Supervisors, der das gar nicht merkte, denn der kleine Rio klemmte unsichtbar auf der Rückseite des Verstärkers.

 
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Verfasst von - 26. Februar 2018 in Historische Anekdoten, Historisches

 

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Reisetagebuch London 2016 (4): Zauberhaft

Mittwoch, 10. Februar 2016, London
Wenn ich für eine Woche in einer Stadt bin, nehme ich mir gerne einen Ausflug nach Außerhalb vor. Von Florenz aus kommt man mit der Bahn gut nach Vinci, von Paris ist man schnell in Versailles, und von London aus ist man mit der Midland Bahn* vom Bahnhof Euston aus in 20 Minuten in Watford Junction.

Watford Watt? Gut, das muss man jetzt nicht kennen, lange bleiben die meisten Besucher dort eh´ nicht. Watford Junction hat viel Publikumsverkehr, aber die meisten Besucher sehen vom Ort gar nichts. Sie steigen aus dem Zug und direkt in einen der großen Busse auf dem Bahnhofsvorplatz, die von oben bis unten mit „Warner Bros.“-Motiven beklebt sind. Die bunten Busse fahren in das 10 Minuten entfernte Leavsden.

Leavsden? Das sagt Filmfreunden was! Hier steht schon lange ein Filmstudio. Das wurde in den 90ern so richtig groß, als George Lucas hier Teile der Star-Wars-Prequels drehen ließ. Dann siedelte sich die Produktion der Harry-Potter-Filme hier an. Für die wurden ganze Hallen neu gebaut, und als 2010 der letzte Harry-Potter-Film abgedreht war, ließ Warner Bros. die Gebäude stehen, dekorierte ein wenig um und machte sie dann der Öffentlichkeit zugänglich.

Die gesamten Filmstudios aus der Luft.

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Verfasst von - 24. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

Die seltsame, aber ideale Actioncam für Motorradreisen

„Woher kommen die Aufnahmen?“
„Vorn am Mopped ist eine Actioncam angebracht“
„Ah, eine Gopro!“

Nee, eben nicht. Keine GoPro.

Auch wenn sich der Name mittlerweile als Synonym für eine ganze Geräteklasse in den Köpfen festgesetzt hat wie „Tesa“ für Klebeband und „Tempo“ für Taschentücher: Es gibt auch noch andere Actioncams.

Nichts gegen GoPro, das sind feine Allrounder. Aber für Motorradfahrer, oder spezifischer: Für Tourenfahrer, gibt es Kameras die besser geeignet sind. Eine davon ist die seltsame VIRB XE, ich mittlerweile seit zwei Jahren im Einsatz habe und über die ich erstaunlicherweise hier noch nie was geschrieben habe. Aus aktuellem Anlass und akuter Langeweile hole ich das hiermit nach.

Die VIRB XE ist ist für meinen Anwendungsfall einer klassischen Actioncam in zwei Bereichen überlegen:
1. durch die Bauform und
2. was Vernetzungsmöglichkeiten angeht.

Aber der Reihe nach.

Der „klassische“ Anwendungsfall für eine Actioncam ist die Aufzeichnung einer ziemlich genau definierten Situation. In den Werbevideos der Hersteller sieht man, was ich mit „Situation“ meine: Die Actioncam wird genutzt um eine Skiabfahrt aufzuzeichnen oder eine Fahrt im Kanu, oder sie klemmt am Helm eines Mountainbikers usw. usf.

All diesen Situationen ist gemein, dass sie zeitlich und Umständetechnisch relativ klar definiert sind und man sich beim Setup der Kamera darauf einstellen kann. Die Skiabfahrt dauert in der Regel nicht stundenlang und hat mehrfach Pausen drin, sondern geht nur bis zum Fuß des Bergs. Man kann die Kamera vor der Abfahrt manuell einschalten und hinterher wieder aus. Beim Kanufahren ist klar: Es wird nass, also kommt die Kamera in das zusätzliche, wasserdichte Gehäuse. Beim Motorradfahren auf kurzer Strecke ist es ähnlich: Man sich auf das Wetter einstellen, und für die Runde auf der Renne oder die zwei-Stunden-Tour durch den Harz lässt man die Kamera einfach so laufen.

Der Anwendungsfall beim Touren, zumindest bei mir, ist etwas anders: Ich stecke Morgens die Kamera an die Nase des Motorrads und belasse sie dort bis zum Abend. Wenn ich unterwegs was interessantes sehe oder die Strecke spaßig wird, schalte ich sie per Fernbedienung ein, ansonsten bleibt sie aus.

Den ganzen Tag über unterwegs zu sein heißt auch, in unterschiedlichste Klimazonen und Wetterlagen zu geraten. Man fährt einen Pass hoch, und es wird eisekalt. Auf der Abfahrt wird es wieder wärmer, dafür gerät man in einen Regenschauer. In Abgrenzung zu den klassischen Actioncamszenarien bedeutet das: Ich habe keine klar definierte Aufnahmesituaion, auf die ich mich austattungstechnisch einstellen könnte, und eine zeitliche Definition habe ich auch nicht – ich muss die Kamera also zuverlässig und spontan aus der Ferne ein- und ausschalten können.

Natürlich kann man nun fragen: Und? Wo ist das Problem? Man kann eine Kamera doch einfach immer im wasserdichten Gehäuse belassen, und Fernbedienungen bringen die meisten Actioncams auch mit.

Die Probleme dabei: Unterwassergehäuse sind schwer und vibrieren dadurch mehr. Gleichzeitig dämpfen sie durch die Bauform den Ton, und im schlimmsten Fall klappert die Kamera während der Fahrt darin herum. Außerdem Beschlagen sie bei kühlem Wetter, denn so eine Actioncam wird unter Umständen recht warm.

Bei der Fernbedienung liegen die Probleme an der Schludrigkeit der Hersteller, insbesondere, aber nicht nur, in unteren Preissegmenten. Die Dinger sind häufig nicht zuverlässig, und längst nicht alle sind wasserdicht. Mit Grauen erinnere mich an meine Rollei 3s, bei der die Fernbedienung nur an ungraden Wochentagen bei Südwind funktionierte, und die bei jedem Schauer ganz schnell abmontiert und eingepackt werden musste.

Genau diese beiden Punkte hat Garmin aber bei der VIRB XE gelöst, und dazu noch einige andere. Herausgekommen ist dabei eine Kamera, die ihresgleichen sucht – weil sie so seltsam ist.

Sie ist nämlich ein echtes Ingenieursstück. Ingenieursstücke sind, lt. Definition von Modnerd, jene Geräteserien, in deren Konstruktion die Ingenieure all ihre Liebe und ihr Können eingebracht haben, und die rauskommen bevor die BWLer den Rotstift ansetzen und alles billiger machen. Oder die Marketingfuzzis unbedingt irgendeinen Hypekram als Selbstzweck drinhaben wollen.

Nein, an der VIRB XE ist (fast) nichts billig, und sie kommt ohne Blockchain-Anbindung aus. Man merkt, dass hier Ingenieure zusammen saßen, die eine Liste von Problemen klassischer Actioncams lösen wollten. Das ist ihnen auch gelungen, aber das Ergebnis ist halt seltsam, weil es stark anders ist als das, was man von GoPros kennt.

Das fängt schon beim Äußeren an. Die VIRB XE ist von der Bauform her kein kleiner Würfel, sondern hat eine etwas in die Breite gezogene Form, die einige Besonderheiten aufweist.

Was als erstes auffällt: Die gesamte Frontseite ist eine große Klappe, die mit einem seitlichen Riegel verschlossen wird. Die Klappe schützt das komplette Innenleben der Kamera und lässt sich austauschen wenn sie verkratzt ist. Sie ist wasserabweisend beschichtet, Regentropfen und Wasserschleier perlen einfach davon ab.

Die Klappe hat eine umlaufende Dichtung. Das Gehäuse der VIRB ist von sich aus wasserdicht bis zu 50 Metern, ein zusätzliches, wasserdichtes Gehäuse wird nicht benötigt. Das ist praktisch und löst das Problem mit den nicht definierten Wetterbedingungen: Die Kamera kann einfach immer am Motorrad bleiben, so wie sie ist. Dafür wiegt sie mit 150 Gramm etwas mehr als eine „nackte“ Actioncam, aber weniger als eine mit Unterwassergehäuse.

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Verfasst von - 19. Februar 2018 in Motorrad

 

Reisetagebuch London 2016 (3): Die seltsame Begegnung mit der Frau in der Nacht

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute geht es in den Park, das Wiesel boxt mit einem Schwan und lernt eine Bombe zu lieben und eine Frau will kein Eis von mir.

Dienstag, 09.02.2016
Wenn man vom Norfolk Square, wo ich gerade wohne, rechts um die Ecke geht, kommt man zum Bahnhof Paddington. Geht man links rum, landet man im Hydepark. Der ist riesig, zusammen mit dem anschließenden Kensington Garden ist die Grünfläche größer als Monaco.

Hyde Park. Ja, der ist ganz schön groß.

Hier wandere ich durch den Morgennebel und bin an allen Ecken überrascht von der Vielfalt der Flora und Fauna. Eichhörnchen hüppeln durch Gebüsch, überall hocken verschlafen aussehende Wasservögel. Das erklärt die Möwenschreie, die ich manchmal nachts höre. Das ist voll die Wildnis hier!

Berühmt ist der Hyde Park ja wegen der Speakers Corner. In der darf übrigens jeder zu jeder Zeit über FAST alles öffentlich reden. Was man hier nämlich nicht macht: Reden über die königliche Familie schwingen, die ist tabu.

Wildhund.

Hm, ja, mit dem Namen hat man es auch nicht leicht, oder?

Mitten im „Serpentine See“ baden alten Männer, bei Lufttemperaturen knapp über Null Grad. Das Wiesel versucht mit einem Schwan zu spielen, aber der ist nicht zu Scherzeken aufgelegt. Als ich weiter gehe, höre ich hinter mir die typischen Geräusche eines No-Nonsense Schwans, der zum Angriff übergeht.


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Verfasst von - 17. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London 2016 (2): The Full Monty

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute fällt Karneval aus, was aber niemand bemerkt, es gibt eine Tour durch Dungeons und Museen, und am Ende des Tages steht Nudelsalat.

Montag, 08. Februar 2016
Es stürmt das ganze Wochenende durch, und auch am Montag ist es windig. Aber nicht nur in London, auch auf dem kontinentalen Festland stürmt es. Die Natur verhindert damit in Deutschland eine von Menschenhand geschaffene Katastrophe: Den Karneval. Der fällt wegen des Wetters aus.

Aber das kümmert in London niemanden. London ist ohnehin Hauptstadt von Geh-mir-nicht-auf-den-Sack-Land. Bestes Beispiel: U-Bahn. Londoner unterhalten sich nicht in der Tube. Unterhalten tun sich nur Touristen. Der Londoner sitzt da und macht die Augen zu, liest Zeitung oder notiert handschriftlich Dinge in seinem, Leder gebundenen, Organizer. Mitreisende werden ignoriert und nicht mal angesehen.

Das macht sich auch in den U-Bahnhöfen bemerkbar: In keiner anderen Stadt kollidiere ich so oft mit Leuten. Der Trick ist nämlich, ganz deutlich in die Richtung zu gucken, in die man tatsächlich gehen will. Schaut man links oder rechts an ihnen vorbei, nehmen andere Menschen nehmen das unbewusst wahr und gehen aus dem Weg. Das ist ein ganz unbewusster Vorgang, eine zwischenmenschliche Kommunikation, die wir gar nicht bewusst mitbekommen- außer, wenn das System mal nicht funktioniert. Das ist z.B. dann der Fall, wenn wir uns versehentlich direkt angucken – zack, stehen wir plötzlich voreinander und trippeln anch links und rechts und sind verlegen. Das „Ich guck an Dir vorbei und du bemerkst das“ klappt eigentlich überall – nur in London nicht, weil die Leute hier einander nicht ins Gesicht sehen. Jeder ist ganz in seiner eigenen Welt. Es ist, als sei man von Geistern umgeben.

An der Haltestelle Embankment spuckt mich der Underground an die Oberfläche. Ein kurzer Spaziergang über die Golden Jubilee Brücke und vorbei am London Eye, dem Riesenrad, dann stehe ich vor der ehemaligen County Hall. Das riesige Gebäude direkt an der Westminster Bridge wird heute nicht mehr von der Verwaltung genutzt. Es beherbergt verschiedene Geschäfte, ein Aquarium und den London Dungeon.


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Verfasst von - 10. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London 2016 (1): Strike!

Samstag, 06.02.2016

Der Februar ist in diesem Jahr zwar trocken, aber auch kalt und grau. Ich sitze am Schreibtisch, blicke raus in das winterliche Zwielicht und muffele vor mich hin. Bis sich der Frühling blicken lässt, wird es noch mindestens zwei Monate dauern. Ich will diese grauen Suppe da draußen nicht mehr. Ich brauche Abwechselung. Es muss ja nicht Sonne und Wärme sein, aber Winter in Deutschland, das ist wie ein halbes Jahr lang Rauhfasertapete anstarren. Das macht auf die Dauer dullig im Kopf. Ich will Input, was zum Ansehen, wenn es gar nicht anders geht würde ich mir jetzt sogar Kultur angucken!

Um den winterleeren Kopf wieder zu füllen bietet sich eine Städetreise an, zumal einer der großen Vorteile meines Wohnortes die Verkehrsanbindung ist. Hier kommt man schnell weg, was durchaus ein taktischer Vorteil ist. Ich brauche hier nur in den Bus zu steigen, der vor meiner Haustür abfährt, und nach maximal drei Mal umsteigen bin ich in Paris, Mailand oder… London.
Hm.
London.

Warum eigentlich nicht? Da war ich zwar schon mal, aber die Stadt ist groß. Und da ist es wärmer als hier UND es gibt mehr zum Ansehen. Geringfügig zumindest.

So kommt es, dass ich an einem Samstag Morgen das verschlafene Wiesel in den großen Rucksack setze, dann in den Bus steige und es mir dann in einen ICE gemütlich mache.

Es ist 2016, und am Frankfurter Bahnhof sind gerade Schilder zur Begrüßung von Flüchtlingen aufgestellt worden. Wird auch Zeit.

Kurzer Aufenthalt in Frankfurt bietet Gelegenheit für einen Kaffee. Beim Bäcker beugen sich Indiana Jones und eine Hexe über die Auslage. Klar, ist ja bald Karneval! Ganz vergessen. Kenne ich ja praktisch nicht, in Südniedersachsen bemerkt man Karneval nur daran, dass man im Rest der Republik niemanden erreicht.
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Verfasst von - 3. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Momentaufnahme: Januar 2018

Herr Silencer im Januar 2018
„…“

Wetter: Anfang des Monats irrsinnig warm, in der ersten Woche pendeln die Temperaturen zwischen 6 und 16 Grad. Dazu Regen, Regen, Regen. Dann kommt am 18. Orkan Friederike und legt Norddeutschland lahm, kurz drauf pendelt das Thermometer um Null Grad, dazu Schnee, Schnee, Schnee, der aber immer gleich wieder taut. Ab der dritten Woche klettern die Temperaturen wieder auf plus 5 bis 10 Grad.

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Lesen:

Michael Wolff: Fire and Fury – Inside the Trump White House
Dieses Buch ist vermutlich bald das auflagenstärkste nach der Bibel, und das ist verständlich – jeder würde gerne bei Trump Fliege an der Wand spielen, und nach eigenem Bekunden hat der Autor genau das getan: Er lungerte im Weißen Haus rum, wurde größtenteils ignoriert und hat zugehört. Dazu noch ein paar Interviews mit Staffern und Bannon, ordentlich atmosphärische Beschreibungen dazu und fertig ist das Erfolgsbuch.

Ich bin mir sehr sicher, das Wolff auch eine Prise Fantasie in den Details hat einfließen lassen – und warum auch nicht, wenn es der Lesbarkeit dient und die wichtigen Dinge stimmen.

Ob das so ist, kann niemand außerhalb des Weißen Hauses prüfen, aber fest steht: Wolffs Schilderungen erklären eine Menge Phänomene, die man von Außen beobachten kann. Damit meine ich nicht die Cheeseburger-im-Bett-Stories, auf die das Buch in den Medien reduziert wird, sondern die Schilderung der Machtzirkel um Trump herum.

Das Ziehen und Zerren von Jared Kushner und Ivanka Trump auf der einen Seite, Bannon auf der anderen und Reince Priebus irgendwo dazwischen. Die Schilderungen der Aktionen dieser Gruppen sind der Kern des Buchs. Beim Lesen insbesondere der Schilderungen von Bannons Doktrin bin ich doppelt dankbar, das der Kerl bei Trump in Ungnade gefallen ist – der hätte sonst noch richtig gefährlich werden können. Empfehlenswerte Lektüre, spannend zu lesen!

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Hören:

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Sehen:

The Good Place (Season 2) [Amazon Video]
Eleanor (Kristen Bell, „Veronica Mars“, „Assassins Creed II“) stirbt bei einem Unfall und wacht im „Good Place“ auf. So erklärt es ihr zumindest Michael (Ted Danson, „Cheers“, „CSI“), aber am Ende von Staffel 1 erfahren wir: Alles gelogen, in Wirklichkeit ist die Dauergrinsende-Glücklich-Nachbarschaft ein Versuch des Bad Place. Die Dämonen wollen mehr Freizeit und versuchen deshalb eine Konstellation schaffen, in der Menschen sich gegenseitig die Hölle bereiten. Nur: Das funktioniert nicht so wie geplant, und nach 816 Neustarts des „Good“ Place muss Michael sich auf einen Deal mit Eleanor einlassen.

Bright [Netflix]
Los Angeles in der Gegenwart, aber einer alternativen Welt: Menschen sind nicht die einzigen Humanoiden, und schon gar nicht die herrschende Spezies. Die Welt wird beherrscht von den schönen und reichen Elfen, die Menschen stehen gesellschaftlich knapp über den in Gangs organisierten Orks. Um deren Inklusionsfähigkeit zu testen, wird ein Ork versuchsweise zum Polizeioffizier gemacht und geht mit Will Smith auf Streife. Das klappt überhaupt nicht und eskaliert, als die beiden Cops in ein magisches Drogenhaus gerufen werden.

Fängt langsam und leicht langweilig an, entfaltet dann einen unheimlichen Sog und lässt einen nicht mehr los: Bright ist ein Film, der voller netter Ideen steckt. Problem dabei ist, dass er sich nicht so ganz entscheiden kann wo er hinwill. Actionthriller? Copmovie? Sozialkritische Dystopie? Am Ende macht er von allem etwas. Die dabei entstehende Mischung ist etwas unfokussiert, aber nett anzuschauen. Dazu tragen auch die wirklich guten Schauspieler bei. Und das Noomi Rapace hier als Ivank-Trump-Lookalike so richtig böse sein darf, ist eine sehr charmante Idee.

Birdman [BluRay]
Riggan Thomas war in den 90ern mal ein Star. In Superheldenfilmen spielte er den „Birdman“, dann ging es mit seiner Karriere bergab. Heute versucht er sich an einer Off-Broadwayinszenierung eines selbstverfassten Theaterstücks. Kurz vor der Premiere geht alles drunter und drüber: Der Hauptdarsteller wird von einem Scheinwerfer erschlagen, der Ersatz ist offensichtlich verrückt, Riggan geht das Geld aus und eine Kritikerin schwört, ihn zu vernichten – weil Leute die Figuren wie „Birdman“ spielen keine Schauspieler seien, sondern lediglich unbegabte Promis. Während Riggan unter dem Druck anfängt zu bröckeln, wird Birdman immer stärker.

Der Film wirkt, als wäre er komplett in einer Einstellung gedreht. Das ist aber schon der eine Trick des Ponys, der Rest ist so Artsy-Fartsy (inkl. Jazzuntermalung!!) das es nervt.

A Kurdish Movie [Vimeo]
Claudio von Planta ist der Kameramann, dem wir „A long Way Round“ und „A long way South“ zu verdanken haben. Dank einer Corwodfundingaktion fährt er jetzt mit einem knorrigen Iren auf Moppeds durch Nordsyrien. Die Reise hat durchaus bewegende Momente, etwa wenn die beiden von einem Polizeipräfekten alte Hondas geschenkt bekommen, oder wenn sie in Frontnähe durch verlassene Geisterorte fahren, an denen man noch sieht, wie viel die syrischen Flüchtlinge zuückgelassen haben.

Was mir nicht gefällt ist der Mangel an Narration. Von Planta hält einfach drauf und schneidet einzelne Szenen zusammenhanglos aneinander. Es gibt kein Voiceover, keine Erklärungen, nicht mal eine Übersichtkarte. Und nach 45 Minuten ist der Film einfach abrupt vorbei. Daran sieht man, dass ein Kameramann noch keinen guten Film macht. Für die 2,95 Euro Leihgebühr, die Vimeo dafür haben möchte, kann man sich das aber durchaus angucken.

Foto: Britta Korkowsky (http://www.thop.uni-goettingen.de)

Shirley Valentine [Theater im OP]
Shirley Bradshaw leert eine Flasche Wein und redet mit der Wand, während sie das Abendessen zubereitet. Donnerstags muss es immer Hackbraten geben, und der muss genau in dem Moment auf dem Tisch stehen, wenn ihr Mann nach Hause kommt. Das ist eigentlich schon alles, was man über das Leben der englischen Unterschichtenhausfrau wissen muss, alles andere kann man sich vorstellen.

Mit Mitte 40 ist sie zu alt für Neues, die Kinder sind aus dem Haus – Shirley Bradshaw wird nur noch für den Hackbraten gebraucht. Da bietet sich plötzlich eine Gelegenheit, dem Stumpfsinn für zwei Wochen zu entfliehen. Eine Freundin bietet Shirley an, sie 14 Tage nach Griechenland zu begleiten. Sie zaudert, aber dann erinnert sie sich an eine Zeit vor der Ehe, als sie noch Shirley Valentine hieß. Am Ende findet sie nicht nur die Kraft, ohne ihren Mann zu verreisen – sie kehrt auch nie in ihr Hackbratenleben zurück.

Das ThoP startet mit einer kleinen, aber sehr feinen Produktion ins neue Jahr. „Shirley Valentine“ ist ein tragkomisches Einpersonenstück, das die Darstellerin Birthe Schulz-Kolling tatsächlich ganz allein stemmt und zwei Stunden lang trägt. Der Stoff überrascht – denkt man nach dem ersten Akt man wüsste, wie alles weitergehen wird, ist die Freude um so größer, wenn Shirley den Ausbruch aus ihrem selbstgemachten Käfigleben schafft.

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Spielen:

Dishonored: Death of the Outsider [PS4]
Billie Lurk, die Kapitänin der „Dreadful Whale“ aus Dishonored II, bekommt von ihrem alten Mentor Daud einen letzten Auftrag: Sie soll für ihn den Outsider töten, jenes allmächtige Wesen, das den „Dishonored“-Protagonisten stets ihre Kräfte gibt. Nur: Wie tötet man einen Gott?

Schön: Dieser Stand-Alone DLC beantwortet Kernfragen der beiden „Dishonored“-Spiele und erklärt, was der Outsider ist und woher er kommt. Serientypisch geschieht das über eine locker in Zwischensequenzen erzählte Geschichte, zwischen der Level voller Schleichen und Erkunden eingeschoben sind. Was zunächst nach billiger McGuffin-Jagd aussieht, entpuppt sich als Stealth-Adventure mit vielen Details und Nebenmissionen.

Unschön: Auch im DLC ist man mehr mit Quicksave und Quickload beschäftigt als mit Spielen. Immersion gibt´s nicht, hier läuft alles auf Trial& Error hinaus, was Geduld erfordert. Dazu kommen Glitches und Designschwächen: NPCs können teilweise durch Wände gucken, was zumindest teilweise mit einer absurden Über-powerung des Spielercharakters ausgeglichen wird.

Netter letzter Teil, reicht jetzt aber auch. Mehr muss nicht.

Außerdem als Wiederholung: Horizon: Zero Dawn Hauptspiel, Assassins Creed Syndicate

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Machen:
Müde sein. Ich freue mich morgens beim Aufstehen schon darauf, abends wieder früh ins Bett zu gehen. Da passt es eigentlich nicht, dass das Dschungelcamp so spät kommt.
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Neues Spielzeug:
Ein weiterer Sensor für Anna. Gebraucht gekauft, ist aber leider in der Post verschütt gegangen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Januar 2018 in Momentaufnahme

 
 
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