Maximale Verwirrung

Gerade sind hier die Unterlagen für die Briefwahl in Stadt und Land eingegangen. Abgesehen davon, dass die quadratmetergroßen Wahlzettel vor Versand in kunstvollstem Origami gefaltet werden müssen, ist das Prozedere an sich nicht ganz unkomplex. Wahlzettel ausfüllen (jeder nur drei Kreuze!), kleinfalten, in einen Wahlumschlag stopfen, Stimmzettel ausfüllen, Unterschreiben und mit Wahlumschlag in einen Stimmumschlag und dann ab die Post.

Eigentlich einfach, aber wenn man vor dem Berg Papier steht und dann versucht das krasse Behördendeutsch des Stimmzettels zu verstehen, kommt man sich schon ein wenig überfordert vor. Immerhin, man will ja nichts falsch machen, jede Stimme zählt und so, wissen schon.

Weil die Wahlleitung weiß, wie geschraubt und unverständlich die Sprache ihrer Schreiben ist, hat sie eine bebilderte Anleitung in einfacher Sprache beigelegt:

Vorbildlich! Doof nur: Es gibt keinen roten oder blauen Umschlag, nur einen gelben und einen grünen. Vermutlich führt das bei einige Wählerinnen zu maximaler Verwirrung – und bei Schreibwarenläden vor Ort zu erhöhter Nachfrage nach roten und blauen Briefumschlägen….

Kategorien: Ganz Kurz, Gnadenloses Leben, Politik | 3 Kommentare

Stabilitätsprobleme bei Motorrädern und wie sie beseitigt werden können

Bild: Continental

Drüben im V-Strom-Forum berichtet ein Fahrer davon, wie bei Tempo 160 der Lenker seiner 2019er DL 650 plötzlich zu schlagen anfing und das ganze Motorrad binnen Sekunden so stark zu pendeln begann, dass er sie nicht mehr halten konnte und beide den Abflug machten. Der Fahrer hat´s offensichtlich und zum Glück überlebt, statt Ursachenforschung zu betreiben möchte er sich aber einfach einen Lenkungsdämpfer ans Motorrad tackern.

Lenkungsdämpfer? Sowas haben die meisten Motorräder nicht. Mit Absicht, weil eine schwergängigere Lenkung in den allermeisten Fällen mehr behindert als nützt. Ausnahmen bilden sehr starke Maschinen, aber die haben dann serienmäßig eine gedämpfte Lenkung.

Aber woher kam nur diese Pendelbewegung? Ausgerechnet der Reifenkonzern Conti hat ein lesenswertes Paper dazu veröffentlicht. Darin wird neben dem Shimmy, dem leichten Lenkerflattern in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen, das jeder Fahrer kennt, auch erklärt, was Kick Back und Hochgeschwindigkeitspendeln sind, was die Ursachen sein können und was man dagegen tun kann.

Ursachen für all diese Phänomene können verschlissene Reifen, falscher Reifendruck, kaputte oder falsch eingestellte Lager oder Dämpfer sein. Bei einer Reisemaschine neueren Datums würde ich das ausschließen, möglicherweise reichten für das Eingangs geschilderte Unglück aber tatsächlich die Dinge aus, vor deren Verlockung kein Tourenfahrer gefeit ist: Anbauteile!

Laut Conti kann nämlich die Fahrstabilität auch durch hohe Windschilder oder Gepäcksysteme beeinträchtigt werden. Für die meisten Fahrer von Reisemaschinen ein Schlag ins Kontor, denn Koffer brauchen wir nun mal, und viele von uns LIEBEN Topcases, in die eine Einbauküche passt, oder schrankwandgroße Scheiben. Vermutlich weil sie denken dahinter werden sie nicht nass oder sowas.

Ursache kann aber auch eine ungleichmäßige Beladung sein, und das habe ich bei meiner Maschine auch schon erlebt. Bedingt durch den Auspuff auf der rechten Seite der V-Strom stehen die Koffer ungleich weit von der Fahrzeugmitte ab, der rechte 10 Zentimeter weiter als der linke. Wenn ich den rechten Seitenkoffer nicht mit genau 1 Kilogramm weniger belade als den linken, beginnt auch die Barocca bei 140 das Pendeln. Als das zum ersten Mal auftrat, hat mich das wirklich erschreckt, aber zum Glück habe ich die Kiste wieder in den Griff bekommen bevor sie unkontrolliert zu keilen begann. Das ist der Grund, warum ich nun immer eine Gepäckwaage dabei habe und allen Ernstes vor jeder Fahrt die Seitenkoffer auswiege.

Das sehr lesenswerte und kurze Paper mit dem sperrigen Namen „Stabilitätsprobleme bei Motorrädern und wie sie beseitigt werden können“ findet sich HIER und ist Pflichtlektüre für alle Tourenfahrer:innen.

Der Fall und das Paper zeigen auch mal wieder sehr deutlich die Unterschiede zwischen Motorrad und Auto. An ein Mopped kann man nicht einfach alles dranschrauben was der Zubehörkatalog hergibt und fahren bis zur letzten Rille. Teile eines Motorrads müssen genau aufeinander und auf den Fahrer oder die Fahrerin abgestimmt sein, und der ganze Kram muss gut und vorbeugend gewartet sein. Sonst passieren… Dinge.

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Corona-Tagebuch (35): Zurück in der Fußgängerzone

Weltweit: 210.073.348 Infektionen, 4.404.573 Todesfälle
Deutschland: 3.855.150 Infektionen, 96.104 Todesfälle
528 Days Gone

Delta on the rise, die Kurve steigt, und es sind vor allem junge Menschen, die sich jetzt infizieren.

Nach eineinhalb Jahre das erste Mal wieder in der Innenstadt und im stationären Einzelhandel gewesen, und ich sach mal so: Ich kann Menschen nicht mehr leiden.

Dabei ist es es nicht mal so sehr die Masse an Menschen, die sich schon wieder dicht gedrängt durch die A-Lagen schiebt. Oder die eng zusammenhockenden Gruppen in den Restaurants, die offenbar beschlossen haben, dass die Pandemie vorbei ist. Sowas nervt mich auch, aber dem kann ich aus dem Weg gehen.

Am meisten gernervt haben mich tatsächlich die seltsamen Attitüden im Einzelhandel. Ich dachte eigentlich, dass der nach Monaten im Lockdown froh über Normalbetrieb ist. Aber weit gefehlt, anscheinend war Kurzarbeit so geil, das jetzt alle angenervt sind vom Kundenverkehr.

Im Schreibwarengeschäft war keine Bedienung zu finden, und die Dame an der Kasse schaffe es nicht, sich in diese einzuloggen.

Im Optikgeschäft stand eine Optikerin herum, die den Wunsch nach einer günstigen Sonnenbrille mit einem Kunststoffgestell mit der Vorführung von Luxus-Titanmodellen und der Auskunft beantwortete, Sonnenbrillen seien nicht unter 600 Euro zu bekommen.

Im Buchladen hatte die Verkäuferin es eilig. „Das brauchense nicht“, gewitterte sie, vermutlich weil es ihr zu lange dauerte, dass ich am Stehtisch im Eingang des Geschäfts den QR-Code der ungeliebten Luca-App scannen wollte.

Karstadt Sport gibt es nicht mehr, in dem Gebäude am Marktplatz ist nun anscheinend ein anderes Sportartikelgeschäft beheimatet. Wie gut deren Beratung ist weiß ich nicht, ich habe über einen Zeitraum von 45 Minuten über vier Etagen exakt nur einen Verkäufer gefunden, der natürlich völlig umlagert war.

Dafür standen vier Damen an der letzten verbliebenen Kasse im Erdgeschoss, unterhielten sich lautstark und angeregt und glotzten lediglich wie die Eulen, als ich einen Zahlungswunsch äußerte. „BEI MIR SICHER NICHT!“ gröhlte die erste Eule, während sich zwei andere sofort verpissten. Ja wo denn dann? „KOLLEGIN KOMMT GLEICH AUSSE PAUSE WIEDER“.

Ähnliches Bild im Galeria-Haupthaus. Immerhin fand ich dort eine Verkäuferin, aber nur, weil die mir im Vorbeigehen mit einem Sack Verpackungsmaterial einen Bodycheck verpasste und ohne ein Wort der Entschuldigung davonrumpelte. An den Kassen dann wieder: Geschnatter mit den Kolleginnen, aber kein „Guten Tag“, kein „Bitte“, kein „Danke“, kein „Auf Wiedersehen“. Nicht mal Blickkontakt.

Sowas nervt mich. Ich war selbst lange im Service tätig, ich weiß, wie man mit Kunden umgeht. Das man Seitengespräche einstellt, wenn man mit Kunden interagiert, ist sicher nicht zu viel verlangt.

Ich weiß nicht, ob es an mir liegt – der Tatsache das ich älter und ungeduldiger werde oder das Klamotten kaufen mich sowieso anstrengt – aber ehrlich gesagt ist Onlinekauf mittlerweile einfach die angenehmere Shoppingerfahrung. Einzelhandel, das sind Verkäuferinnen die besseres zu tun haben als sich um Kunden zu kümmern, das sind bestenfalls lachhafte Produktsortimente („Herrenbadehosen? Ham wa nur das was da hängt“ – und da hing Zeugs in Neorosa in Größe XXXL), das sind schmuddelige und kaputte Umkleidekabinen mit nicht schließenden Vorhängen und dreckigen Teppichen, das sind hohe Preise. Das sind auch nicht stattfindende Beratung, das sind Kräfte ohne Ahnung von dem was sie da tun, das sind Fachkräfte die nicht zuhören und nur ihren Stiefel machen.

DAS ist die Einkaufserfahrung, die der Einzelhandel so zu bieten bereit ist, und ich sach mal so: Die kann er gerne behalten.

Immerhin lustig: Der EinEuroShop hat jetzt die Preise erhöht. Alles im EinEuroShop kann man nun für EinEuroZehn kaufen.

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Corona-Tagebuch (34): Falsch übersetzt

Weltweit: 205.611.815 Infektionen, 4.338.593 Todesfälle
Deutschland: 3.815.683 Infektionen, 91.863 Todesfälle
521 Days Gone

So viel Impfstoff, dass er an andere Länder abgetreten werden muss. Gleichzeitig die hoch ansteckende Delta-Variante, überall. Es gelten weiter Drostens Worte aus dem April: „In einem Jahr werden wir alle gegen Corona Immun sein. Die einen, weil sie geimpft sind, die anderen, weil sie COVID hatten.“

Delta verbreitet sich wie die Windpocken, hat es einer im Raum, haben es alle. 14 Prozent der ungeimpft Erkrankten entwickeln einen schweren Verlauf, 20 Prozent behalten durch Long Covid Beschwerden wie Demenz zurück. Trotzdem stagniert die Anzahl der Impfungen, auch wenn nun schon 63 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten haben. Warum ist das so?

Der echte Aufwand kann es nicht sein, selbst im örtlichen Real kann man sich mittlerweile im Vorbeigehen und ohne Termin impfen lassen. Nein, es ist vermutlich eher eine Mischung aus geistiger Bequemlichkeit der Marke „Was soll mir schon passieren?“.

Heute Runde bei Lieferanten gemacht. Acht Personen getroffen, drei davon nicht geimpft. Warum?

Eine Antwort: „Die Ansteckungszahlen sind so gering, da KANN mir gar nichts passieren, das wäre wie ein Sechser im Lotto, und den krieg ich ja auch nicht, haha“

Einmal kam die Antwort: „Die Inzidenzzahlen sind so niedrig, die Pandemie ist praktisch vorbei. Ich lass mich aber sofort impfen wenn die wieder drastisch steigen“.

Einmal kam die Antwort: „SIE SIND GEIMPFT??? Halten Sie bitte Abstand und tragen sie ihre Maske, ich habe auf Youtube gesehen das geimpfte MRA ausatmen, an dem werden alle im September sterben!!!!“

Tja. Darwin, der mit der Evolutionstheorie, wird ja gerne falsch übersetzt. Im Deutschen wird er häufigmit „Evolution bedeutet das Überleben des Stärkeren“ zitiert, tatsächlich hat er aber gesagt „Survival of the fittest“. „Fit“ kann auch bedeuten: Besonders gut angepasst an widrige Umstände, oder besonders Clever. Vielleicht sehen wir ja hier die Evolution bei der Arbeit, und diese ganz Impfverweigerer sind einfach mental nicht fit genug.

Nur so ein Gedanke.

Kategorien: Corona-Tagebuch | Ein Kommentar

Momentaufnahme: Juli 2021 (2)

Herr Silencer im Juli 2021
Erstaunlich viel Medienkonsum diesen Monat, deshalb dieses Mal in zwei Teilen. Das hier ist Teil 2, Teil 1 erschien vor zwei Wochen.

Wort des Monats: „Halssalz“

Wetter: Nass und kühl. Nach der Sintflut zur Monatsmitte nun zwar etwas trockener und wärmer, aber immer noch bedeckt/regnerisch und meist Temperaturen zwischen 14 ud 21 Grad.


Lesen:


Hören:

Cui Bono: WTF happend to Ken Jebsen? [ARD Mediathek oder sonst überall wo es Podcasts gibt]
Ken Jebsen war mal ein innovativer, frischer, geradezu avantgardistischer Radiomoderator, bis er sich in Verschwörungsgeschichten verstrickte. Als „KenFM“ erreichte er mit denen auf Youtube ein breites Publikum, bis er dort gesperrt wurde.

Von einem antisemitischen Verstolperer über erste Verschwörungsmythen und Werbeshows für Russland hin zum Coronoaleugner und selbsternannten Verfolgten, der die Demokratie in Deutschland brennen sehen will: Der Podcast zeichnet nicht nur Aufstieg und Abdriften Jebsens nach, er sucht auch nach Vorbildern in der US-Medienszene und verknüpft Jebsens Fall mit rechten Akteuren und Einflussnahme durch Russland.

Darüber hinaus geht er der Frage nach, was diese Verschwörungsmythen eigentlich für Auswirkungen auf unser aller Alltag haben – etwa, wenn ein Familienmitglied nach Jebsens Videos in Youbes Kaninchenbau fällt und als Impfverweigerer oder Reichsbürger wieder rauskommt.

Mir persönlich ist der Podcast zu verspielt und kumpelhaft, dabei hätte er Audiogimmicks gar nicht nötig und könnte sich rein auf Erzählung, Recherche und O-Töne verlassen. Aber gut, Zielgruppe sind auch deutlich jüngere Hörer als ich. In der Summe ist der sechsteilige Podcast mit seinen je ca. 40minütigen Folgen sehr informativ und kurzweilig. Klare Hörempfehlung für Podcast-Fans!


Sehen:

Black Widow [2020, Disney+]
Während der „Civil War“-Nachwehen und vor dem „Infinity War“: Scarlett Johannson taucht in Osteuropa unter und stolpert darüber, dass die „Black Widow“-Organisation, die junge Frauen entführt, missbraucht und zu Killerinnen indoktriniert, immer noch im Verborgenen existiert.

Hätte so schön sein können: Ein Marvel-Film mit einer weiblichen Heldin, der statt auf bombastischen Bumm-Bratz auf Thrillerspannung im Agentenmilieu setzt. Tatsächlich fühlt sich „Black Widow“ zu Beginn an wie ein „Bourne“-Film oder wie „Red Sparrow“: Kalt, schmutzig, brutal.

Statt dann aber wirklich den „Red Sparrow“ zu machen und auf eine clevere Story um Überbleibsel des KGB zu setzen oder ein Psychogramm der Protagonistin zu zeigen, versteigt sich der Film dann doch wieder in Krach-Bumm.

Das Scarlett Johannson offensichtlich keinen Bock hat und ihre Rolle nur durchtelefoniert, macht das nicht besser. Der Film ist so leer wie die Blicke der Protagonistin, während sie Oneliner aufsagt.

How to Sell Drugs online (fast), Staffel 3 [2021, Netflix]
Schüler Moritz hat Stress: Er steckt mitten im Abi, hat Knatsch mit seinem besten Freund, trauert seiner Verflossenen hinterher und hat einem Drogenring versprochen, einen sensationellen Onlineshop in neuer Version an den Start zu bringen. Leider will vue.JS nicht so wie er will, die Polizei ist ihm auf den Fersen und „die Holländer“ werden immer ungemütlicher. Moritz hat also allen Grund kleine Brötchen zu backen, dabei würde er doch so gerne mit seinem geheimen Doppelleben prahlen.

Dritte und vermutlich letzte Staffel über einen Schüler, der aus dem Kinderzimmer zum Drogenbaron Europas wird. In sechs Episoden kurzweilig und mit tollen Dialogen, die aus tollen Schauspieler fallen, zu einem runden Ende erzählt.


Spielen:

Metro Exodus [2018, PS4]
Im Jahr 2035: Drei Jahrzehnte nach einem Atomschlag über Russland verstecken sich die letzten Überlebenden in der Moskauer U-Bahn. Jede größere Metrostation hat eine eigene gesellschaftliche Ordnung, die einzelnen Linien bekriegen sich untereinander, alle zusammen wehren sich gegen mutierte Tiere. Die Oberfläche gilt als lebensfeindlich, der Rest der Welt als tot. Bis eines Tages der Soldat Artyom entdeckt, das dem nicht so ist. Gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe macht er sich in einer Dampflokomotive auf die Suche nach neuem Lebensraum.

Das ukrainische Entwicklungsstudio 4A Games hat aus den russischen „Metro“-Romanen einen Shooter gemacht und den in eine faszinierende, morbid-schöne Welt gepflanzt. Grafikassets, Artdesign, Lichtstimmungen, das steht alles westlichen Triple-A-Großproduktionen in nichts nach und schafft eine faszinierende Atmosphäre. Dazu kommt die interessante Idee mit dem Dampfzug, der Episoden in unterschiedlichen Gegenden möglich macht und als social Hub dient, um die anderen Figuren kennen zu lernen.

Hört sich super an, das Problem ist nur: Das macht alles überhaupt keinen Spaß. Die Story ist schlecht erzählt, überhastet und voller Lücken. Die Orientierung ist durch das Fehlen von Markern schwierig. Die Munition ist ständig aus. Die Shootermechaniken sind quirky. Stealth funktioniert schlecht.

Und: Die Charaktere labern einem bei jeder Gelegenheit ein Wurstbrot ans Ohr. „Metro“ ist das erste Spiel, von dem ich sagen würde, das es „overwritten“ ist. Schön, das man sich zu jedem Nebencharakter eine Backgroundstory ausgedacht hat. Aber warum müssen die mir das als Expositionsdump alles auf einmal und denkbar ungeschickt an den Kopf kotzen?

Beispiel: Wenn in einem Feuergefecht ein NPC ruft „Spring in das Auto“ und dann erstmal nostalgisch wird und anfängt verträumt zu erzählen, dass sein Großvater, damals, in Smolansk, auch so ein Auto hatte, mit dem er jeden Samstag auf den Markt gefahren ist um Birnen für Tante Marta zu kaufen und wie die Sitze im Sommer dufteten, dann ist das so unpassend, dass es die Immersion bricht.

Und so geht das bei jeder Kleinigkeit, alles ist overwritten und leidet unter schlechtem Pacing. Selbst über ein simples Feuerzeug erzählen die Charaktere einen Roman von Tolstoi. Dafür braucht man sie nicht mal ansprechen, manchmal quasseln NPCs auch von sich aus los und erzählen ungefragt ihre halbe Lebensgeschichte, gerne auch während eines Feuergefechts, bis man nur noch „Halt´s Maul“ schreien möchte.

Dealbreaker ist aber das schlecht balancierte uns lökerige Gameplay. Schon auf normalem Schwierigkeitsgrad steht man permanent ohne Munition da. Die liegt nämlich selten einfach in der Landschaft rum, jede Patrone will an einer Werkbank von Hand gefertigt werden. Da Rohmaterial knapp, die Tragekapazität begrenzt, die Werkbänke sehr selten und manche Gegner Bullettsponges sind, die auch mal mehrere Kopfschüsse einfach wegstecken, ist man häufig „out of ammo“ und stürzt sich mit den Fäusten in den Kampf.

Das geht so weit, dass man selbst in gescripteten Gefechten neben seinen dauerfeuernden Computerkollegen steht und praktisch nicht mitspielen kann, sondern nur traurig Klick-Klick macht und zuguckt.

Ich verstehe schon, was das Spiel möchte: Es will signalisieren, das Überleben ein Kampf ist gewaltfreies und heimliches Vorgehen belohnen, was in der Theorie auch nett ist, in der Praxis aber auch dort scheitert. Denn Schleichen ist kaum möglich, wenn einen Gegner auch im Dunkeln aus 100 Metern Entfernung ausmachen oder gescriptet Rudel mutierter Tiere oder Bossgegner auftauchen. Gerade auf letztere bereitet einen das Spiel nicht vor und sorgt nicht dafür, dass man eine Chance hat – und wenn man einmal ohne Munition einem mutierten Killerbären gegenübersteht, geht´s nicht mehr weiter.

Dass man mangels Missionsmarkern oft gar nicht weiß, wo man hin muss oder was man tun soll, macht das Ganze nicht besser.

Dem Spielspaß abträglich sind zudem die Ladezeiten. Bis die Welt initial geladen ist, dauert es auf der Standard PS4 fünfeinhalb(!) Minuten, das Laden eines Spielstands dann jedes mal rund zwei Minuten. Sowas geht nicht. (Auf der PS5 sind es initial 2 Minuten und beim Reload 30 Sekunden, immer noch viel aber erträglich).

So stolpert man planlos durch dunkle Levels und wird dabei von Monstern angegriffen, gegen die man sich nicht wehren kann, während gleichzeitig über Funk ein NPC gerade wieder von seinem schönsten Ferienerlebnis erzählt. Nach nach ständigem, plötzlichem und sehr schnellem Ableben wartet man dann minutenlang bis es weitergeht.

„Metro: Exodus“ ist atmosphärisch eine Wucht, aber es ist leider vom Gameplay so schlecht und narrativ so dumm, dass das in Summe eine Sperrigkeit ergibt, mit der ich nichts anfangen kann. Sicherlich können sich geduldigere Gamer damit anfreunden, denn wenn man das Spiel als Stealth mit ständigem Backtracking spielt und viel Zeit in Erkundung und das auswendig lernen der Macken investiert – dann ist „Metro“ sicher nett. Aber wenn man so viel Zeit in der Hand eines quirky Games verbringt, entwickelt man auch eine Art von Stockholm-Syndrom, und ich möchte mit einem simplen Game nicht so viel Zeit verbringen wie mit „Krieg und Frieden“.

Spider-Man: Miles Morales [2020, PS5]
Peter Parker macht Ferien, aber das bedeutet nicht, das New York ohne Spider-Man ist: Auch der Teenager Miles Morales wurde von einer Spinne gebissen und hat jetzt Superfähigkeiten. Die sind auch dringend nötig, denn ein sinisterer Energiekonzern und eine High-Tech-Anarcho-Gang bekriegen sich in den Straßen der Großstadt.

Das 2018er „Spider-Man“ für die PS4 war wegen seiner Gameplay-Mechaniken herausragend: Stealth und Freeflow-Combat funktionierten fast auf dem Niveau der „Arkham“-Spiele, und die Fortbewegung per Spinnennetz durch die Straßenschluchten machte auch nach dutzenden Spielstunden noch einen Heidenspaß. Diese Mechaniken sowie die Großstadt und viele andere Assets werden hier 1:1 recycled, weshalb sich „Miles Morales“ eher wie ein sehr großer DLC als ein eigenes Spiel anfühlt.

Eigenständige Ideen sucht man hier vergebens, aber immerhin ist die Umsetzung wieder schön gemacht, die Charaktere sind OK und die Story gewinnt zwar keinen Literaturpreis, geht aber in Ordnung. Auf der PS5 fällt auf, das es praktisch keine Ladezeiten gibt, die Stadt viel detaillierter ist und dank Raytracing auch hübscher aussieht als auf der alten Konsole.

Mass Effect [2007, PS5]
Die Menschheit fliegt zum Mars und findet dort ein seltsam Ding, das mittels eines „Masseneffekts“ überlichtschnelles Reisen ermöglicht. Fünfundzwanzig Jahre später haben die Menschen Kontakt zu einer Allianz aus dutzenden Spezies aufgenommen, die ebenfalls dank der überall verstreuten und uralten Artefakte das All erobert haben.

Die Menschen sind die „Neuen“ in diesem Weltenbund, müssen sich erst noch beweisen und werden auf skeptischer Distanz gehalten. Da ist es nicht verwunderlich, das erstmal kollektiv mit den Augen und Sehstielen gerollt wird, als ausgerechnet ein Mensch mit schier unglaublichen Nachrichten kommt: Innerhalb der Allianz soll es eine Verschwörung geben, die eine 50.000 Jahre alte Maschinenrasse wiederbeleben will. Beweise gibt es für diese ungeheuerliche Behauptung nicht, und so macht sich der Mensch allein auf die Suche nach den Hintergründen.

„Mass Effect“ als dreiteiliges Gesamtwerk ist ein Meilenstein der Erzählkunst, der immer wegen seines vergurkten Endes in schlechter Erinnerung bleiben wird. Aber bis zu diesem Ende zog sich eine fantastische Geschichte über drei Spiele hin, die ursprünglich für die XBOX 360 erschienenen sind. Nun liegt die Reihe in einer remasterten Version für aktuelle Konsolen und PCs vor, und der Überarbeiteten Version hätte zumindest in Bezug auf Teil 1 mehr Liebe gut getan.

Zwar gibt es signifikante Verbesserungen in der Optik und kleinere im Gameplay, aber richtig schlimme Dinge wurden nur kosmetisch behandelt und nicht grundlegend überarbeitet. So ist das Inventar immer noch ähnlich fummelig wie 2007, Physik und Steuerung des Bodenfahrzeugs „Mako“ sind nach wie vor ein ärgerlicher Witz und die automatische Deckung funktioniert nach wie vor eher selten – was für ein Spiel, das in seinen Actionsequenzen ein Deckungsshooter sein möchte, ziemlich schlecht ist.

Wäre nicht schlimm, denn groß ist „Mass Effect“ immer dann, wenn es um die Geschichte und Charaktere geht. Letztere sind zwar immer noch blockig animiert, sehen aber mit höher aufgelösten Texturen in den Gesprächssequenzen wenigstens besser aus. Nur: Auf der PS5 gibt es einen Bug, durch den, wenn die Konsole per HDMI an einem AV-Receiver mit 5.1/7.1-Lautsprechersetup hängt, Gesprächsdialoge aus den hinteren Boxen kommen. Das macht das Spiel unerträglich, und manche Gamer werden auch das Ende nie sehen.

Es gibt nämlich nach wie vor einen Bug, durch den sich das Game mitten im Endkampf (ich hasse Bosskämpfe!) reproduzierbar weghängt. Absturz! Auf einer Konsole! Durch einen Gamestopper-Bug, der SEIT VIERZEHN JAHREN BEKANNT IST!

So gut Mass Effect 1 also als große Sci-Fi-Geschichte immer noch ist, die remasterte Version ist lieblos und bestenfalls halb gar.


Machen:
Planen, für einen Moppedherbst.


Neues Spielzeug:
Eine Regenkombi. Wieder eine Stormchaser von FLM, aber dieses Mal als Einteiler.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

Momentaufnahme: Juli 2021 (1)

Herr Silencer im Juli 2021
Erstaunlich viel Medienkonsum dank schlechtem Wetter und neuem Spielzeug, deshalb der Rückblick auf den Monat in zwei Teilen. Das hier ist Teil 1.

Sprachbild des Monats:„Das war ein Feigenblatt, aus dem sich manche Leute Lorbeerkränze geflochten haben“

Wetter: Erstaunlich viel Regen, Temperaturen bis Monatsmitte Nachts 15, tags um 20 Grad. Mitte des Monats Sintflut in Westdeutschland.


Lesen:

Mitzi Irsaj: Nix mit Amore [2019, Kindle]
Wahre Geschichte: Ehrgeizige Studentin zieht zu ihrem Freund nach Italien. Dort angekommen zerbricht die Beziehung, und sie muss sich entscheiden: Allein Fuß fassen in dem fremden Land, oder zurück zu den Eltern? Sie entscheidet sich zu bleiben, und verzweifelt bald an der Sprache, italienischen Behörden, Parkgewohnheiten und Wohnungen ohne Fenster.

Originelle und erfrischender Bericht einer Auswandererin, der humorvoll die Hindernisse und Schwierigkeiten beim Aufbau eines neuen Lebens in einem anderen Land beschreibt. Locker zu lesende 128 Seiten Kulturclash, sehr kurzweilig.


Hören:


Sehen:

Veronica Mars: Spring Break Forever [2019, Joyn]
Veronica Mars arbeitet wieder als Privatdetektivin in der Küstenstadt Neptune, Kalifornien. Neben Fällen für reiche Klientinnen kümmert sie sich um ihren Vater, der fürchtet Demenzkrank zu sein. Als während der Spring Break-Partys Bombenexplosionen und mexikanische Killerkommandos für Chaos sorgen, ist es mit der Ruhe vorbei.

15 Jahre nach der dritten Staffel und 5 Jahre nach dem crowdfinanzierten und eher mittelmäßigem Kinofilm nun noch eine neue Staffel Veronic Mars – kann das gut gehen? Braucht es das?

Um es kurz zu machen: JA! Ich bin völlig begeistert von dieser Eigenproduktion des Streamingkanals Hulu. Die acht Episoden sind straff durchinszeniert und schaffen das, was der Kinofilm nicht hin bekam: Genau den richtigen Ton zu treffen, um den alten „Veronice Mars“-Zauber zurückzubringen und eine neue Geschichte spannend zu erzählen. Es ist eine Freude, der stoischen und oft einsilbigen, aber immer kompetenten Veronica beim Lösen der komplexen Fälle zuzusehen. Das die Serie eine deutlich feministische Botschaft hat, macht sie nur besser – das hier ist eine zeitgemäße und sehr spannende Krimiserie.

„Veronica Mars“ hat eine treue Fangemeinde, die mit der Serie erwachsen geworden sind. Das wissen die Macher und nutzen das auch. Die Serie war schon immer ernst und sogar düster, aber die neue Staffel bedient sogar Sehgewohnheiten, die von Serien wie „Breaking Bad“ oder „Sherlock“ oder Filmen wie „Saw“ abgehärtet sind.

Das Ergebnis ist überaus erwachsen, spannend, unterhaltsam, überraschend und emotional. Wer Ms. Mars früher schon mal gut fand, sollte hier auf jeden Fall reingucken.

Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes und Die Rückkehr des Dr. Phibes [1971/1972, DVD]
London, 1921: Mehrere Ärzte kommem unter seltsamen Umständen ums Leben. Einer wird in seinem Schlafzimmer von Fledermäusen ausgesaugt, ein anderer von einer todbringenden Froschmaske zerquetscht, wieder ein anderer wird inmitten seines Blutes gefunden – hübsch abgefüllt in Flaschen.

Tatsächlich ist es ein Rachefeldzug des genialen wie skrupellosen Dr. Phibes, der neun Ärzten die Schuld am Tod seiner Frau gibt und diese nun nach den alttestamentarischen Motiven der 10 Plagen ermordet. Scotland Yard kommt hinter das Geheimnis, kann Phibes aber nicht stoppen.

Fünf Jahre später reist Phibes nach Ägypten, um dort in einem Pharaonengrab seine geliebte Frau wieder zu beleben. Dabei kommt ihm eine Gruppe Briten in die Quere, die wiederum auf originelle Arten aus dem Leben scheiden.

Uh, was habe ich mich als Kind vor Dr. Phibes gegruselt! Aber wie befriedigend war es damals schon, auf welche geniale Weise er seine Pläne umsetzt! Retrospektiv sind die Filme immer noch der Wahnsinn. Das Art Deco-Design und die surreale Inszenierung haben nicht von ihrer verstörenden Kraft verloren.

So wird in den ersten 10 Minuten des ersten Filmes kein Wort gesprochen, minutenlange Tanz- und Orgeleinlagen schaffen eine morbide Atmosphäre und Vincent Price spielt teils nur über seine Augen – großartig! Das sich die Filme dabei nicht zu ernst nehmen, macht sie fast zeitlos. Das merkt man auch daran, dass sie Vorbild für spätere, erfolgreiche Filme waren. Mindestens „Sieben“ und alle „Saw“-Filme, aber auch die „Final Destination“-Filme sind deutlich durch „Phibes“ inspiriert.


Sörensen hat Angst [2020, ARD, Netflix]
Polizist Bjarne Mädel hat eine Angststörung. Um seine Ruhe zu haben, lässt er sich in ein Kaff nach Friesland versetzen. Da hat er aber sofort einen Mord am Hals.

Ich mag Bjarne Mädels irritiertes und irritierendes Spiel (Tatortreiniger, Stromberg) ja sehr, und da er diesen Film mit produziert und die Regie geführt hat, kommt das voll zum Tragen. Zusammen mit unprätentiös norddeutschem Flair in mild absurden Situationen hat der Film ab Minute eins einen spröden wie erfrischenden Charme.


Neues Spielzeug:
Eine PS5! Ein kleines Einzelhandelsgeschäft bei Passau hat das geschafft, was die großen Handelsketten nicht hinbekommen: Eine Warteliste für die rare Konsole zu führen. Über die konnte ich nun eine der wenigen ausgelieferten Konsolen bekommen. Leider nur als riesiges Bundle mit allen möglichen uninteressanten Spielen und Headset, aber der überflüssige Kram ist schon wieder auf Ebay verkauft.

Erster Eindruck: Die Konsole ist RIESIG, über 40 cm hoch, und wenn man sie horizontal aufstellt, sieht sie aus wie ein gelandetes Raumschiff. Außer HDMI und LAN gibt es keine Anschlüsse mehr. Betriebsgeräusche produziert sie praktisch keine. Die Benutzeroberfläche ist komplizierter als beim Vorgängermodell, nahezu jede Aktion benötigt mehr Klicks als auf der PS4. Liebgewonnene Funktionen wie Ordner, Medienserver und Webbrowser fehlen (noch).

Performance und Ladezeiten sind toll, und davon profitieren dank Abwärtskompatibilität auch PS4-Titel – „Metro Exodus“ lädt hier statt fünfeinhalb nur zwei Minuten.

Der Controller mit seinem haptischen Feedback ist der Wahnsinn. Was nervt: Die Lightshow von Steuer- und Statusanzeigen an Konsole und Controller, die sehr hell sind und sich nicht abschalten lassen.

Nicht gut ist das 3D-Pulse Headset, das wirkt billig und der 3D-Sound ist zwar präzise im Raum verortbar, aber mangels Bass wenig druckvoll.


Spielen:

Astros Playroom [2020 PS5]
Ein knuddeliger Roboter hüpft und springt durch das Innere der PS5 und sammelt Artefakte aus früheren Playstation-Zeiten.

„Astro“ liegt jeder PS5 bei und ist eigentlich ein Showcase für die Fähigkeiten des neuen Controllers. Der kann Dank Motoren den Widerstand der Triggertasten anpassen und taktiles Feedback geben, und zwar wesentlich genauer als die „vibriert oder vibriert nicht“-Funktionen früherer Generationen. Die Wirkung ist wirklich erstaunlich, man meint tatsächlich in der Hand die Beschaffenheit der Untergründe zu spüren, über die Astro läuft, von Metall bis hin zu Gras.

Das Game selbst ist ein knapp drei Stunden kurzes und sehr gelungenes 3D-Hüpfspiel, das liebevoll und niedlich inszeniert ist und einen zum Schmunzeln und Staunen bringt.

Ratchet & Clank: Rift Apart [2020, PS5]
Roboter Clank baut ein Gerät, mit dem man Risse in andere Dimensionen öffnen kann. Doof nur, dass das fast augenblicklich vom bösen Dr. Nefarious geklaut wird. Der stellt damit Unfug an und lässt die Dimensionen zersplittern. Clank und sein Kumpel, der Weltraumfuchs Ratchett, müssen versuchen den Schaden rückgängig zu machen.

Knallbunter 3D-Shooter, richtet sich an eine kindliche/jugendliche Zielgruppe. Hier sind die Bösen noch böse und sehen auch so aus, und da Armin Shimermann (Quark aus Deeps Space 9) die spricht, hören sie sich auch so an.

Technisch kracht es auf der PS5 so richtig, sowohl der neue Controller mit seinem taktilen Feedback als auch Grafik und das Speichermanagement werden gut eingesetzt. So wechselt man ohne Ladezeiten durch Dimensionsrisse von einem Level in den nächsten, und in großen Schlachten sind so viele detaillierte Objekte und Effekte auf dem Bildschirm, dass man fast die Übersicht verliert. Dabei läuft alles stets butterweich und ohne ins Stocken zu kommen. Ein schöner Launchtitel, der zeigt, wo bei der neuen Konsolengeneration die Reise hingeht.

Das Gameplay ist ok, nervig ist nur die ständige Munitionsknappheit. Klar, die soll dazu führen, dass man mit dem gesamten, skurrilen Waffenarsenal experimentieren muss – in dem sich so seltsame Dinge befinden wie eine Bombe, die Gegner in blühende Büsche verwandelt. Trotzdem nervt es, wenn man zum Ende hin mit einem Schraubenschlüssel auf den Bossgegner einschlagen muss, weil alle Kniften leer sind.


Machen:
Zweite Impfung, und planen für einen Moppedherbst.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 4 Kommentare

Corona-Tagebuch (33): Delta Force

Weltweit: 188.504.500 Infektionen, 4.060.516 Todesfälle
Deutschland: 3.747.072 Infektionen, 91.326 Todesfälle

492 Days Gone.

Ich lag falsch, und ich freue mich darüber.

Seit dem letzten Eintrag im Coronatagebuch sind schon wieder sechs Wochen vergangen. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan.

Die schlimmen Nachrichten zuerst: Durch exponentielle Ausbreitung ist die hoch ansteckende Deltavariante zur vorherrschenden Art geworden. Das Zeug ist so ansteckend, das es schon ausreicht, an einem Infizierten vorbei zu gehen um, sich anzustecken. Auch Geimpfte können sich infizieren – zwar gibt es weniger schwere Verläufe, aber andere Schädigungen können trotzdem auftreten… bis hin zu den Hirnschäden, die sog. Long-Covid-Symptome hervorrufen.

Da will es nicht so recht passen, dass Gastronomie und Innenstädte wieder proppenvoll sind und bei der EM bis zu 60.000 Zuschauer in einem Stadion hocken. Und tatsächlich prallen hier Ansteckungsraten der neuen Virusvariante und das Gefühl von „Pandemie muss vorbei sein“ so aufeinander, dass Inzidenzzahlen und R-Wert hochgehen, während gleichzeitig weiter gelockert werden soll.

Die Politik macht, wenn man so will, die gleichen Fehler wie im vergangenen Jahr. Und während andernorts schon wieder Länder zu Risikoregionen deklariert und alles geschlossen wird, fabuliert man in Deutschland noch von weiteren Öffnungen.

Impfstand und Durchseuchung

Immerhin, jetzt sind 47 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal geimpft. Das bedeutet: 42,6% der Bevölkerung haben zwei Impfungen erhalten, 15,9 Prozent eine Impfung, 41,5 Prozent sind nicht geimpft.

Unter den nicht Geimpften sind viele Kinder, für die die Impfung von der Stiko nicht empfohlen wird. Allerdings fordern Politiker, nach dem Sommerferien die Schulen regulär zu öffnen. Das kommt bei der Übertragungsrate von Delta einer gezielten Durchseuchung gleich. Geht man davon aus, dass 5 Prozent der infizierten Kinder langfristige und bleibende LongCovid-Schäden davonträgt und wir 10 Millionen Kinder unter 12 Jahre haben, dann sind das rund 500.000 Kinder, die man vorsätzlich schädigt.

Syptome

Die Symptome von Covid haben sich geändert, bei Delta sind die anders als beim Wildtyp. Der WDR hat das mal schön als Schaubild aufbereitet:

Wer also Symptome einer Erkältung an sich entdeckt, auch als geimpfter Mensch, sollte mal einen Test machen.

Ich lag falsch

Die Priorisierung ist weggefallen, und es gab keine Verteilungskämpfe. Im Gegenteil, es wird überall vermeldet es gäbe Impfstoff im Überfluss. Da lag ich falsch, und das ist gut. Es hat freilich nicht dazu geführt, dass man über das Impfportal des Lande im Impfzentrum der Stadt Göttingen schneller Termine bekommt. Das dauert nach wie vor sehr lange. Aber immerhin gibt es Impfstoff für die Zweitimpfung.

IchIchIch

Vergangene Woche hatte ich meine zweite Impfung mit Cominarty, dem Impfstoff von Biontech. Das Impfzentrum war quasi leer, was mich sehr gewundert hat – eigentlich hätten all diejenigen hier wieder auflaufen müssen, die mit mir zusammen die Erstimpfung bekommen haben. Damals stand die Schlange einmal um den Block, dieses Mal… nüscht. Sind die alle lieber in Urlaub gefahren als sich zum zweiten Mal impfen zu lassen?

Aufgeregt war ich auch dieses Mal wieder, ich denke ja immer ich hätte mich im Datum vertan oder ein Dokument vergessen oder sowas. Tatsächlich hatte ich alles dabei, nur waren zwischenzeitlich neuere Formulare ausgegeben worden, die es dann handschriftlich auszufüllen galt. Wer meine Handschrift kennt, kann sich den Spaß vorstellen.

Die zweite Impfung soll ja heftiger sein, deshalb hatte ich mir für den Tag danach nichts vorgenommen und war auf Kopfschmerzen und Müdigkeit eingestellt. Stattdessen: Wohnung aufgeräumt und geputzt, Aktenordner ausgemistet, Blogbeitrag verfasst, Beamerlampe gewechselt, Blumen beschnitten, Garage aufgeräumt. WAS SIND DENN DAS BITTE FÜR NEBENWIRKUNGEN?

Und auch im weiteren Verlauf: Keine unerwünschten Nebeneffekte.

Nach der Impfung war die Erstellung der Zertifikate über das Impfportal sehr einfach. An der Seite anmelden, Chargennummer und Name und Geburtsdatum eingeben, schon bekommt man einen QR Code, den man ausdrucken und im Handy in der Corona-Warn-App oder der App „CovPass“ speichern kann. Damit kommt man durch Kontrollen und vermeidet (noch) Quarantäne, wenn man das vorzeigen kann.

Wer beim Hausarzt geimpft wurde, kann u.U. nicht das Impfportal nutzen, aber zur Erstellung eines Zertifikats einfach mit dem Impfpass in eine Apotheke gehen und sich dort ein Zertifikat machen lassen.

Und nun?

„Vollständer Impfschutz in 10 Tagen“ sagt die App, und das ist gut. Wenn ich vollständig geimpft bin, werde ich das tun, von dem ich schon seit 18 Monaten fantasiere: Einen dicken Dönerteller essen.

Ansonsten werde ich mich weiterhin vorsichtig verhalten. Massenveranstaltungen, Dienstreisen, Bahnfahren oder große Treffen kommen weiterhin nicht in Frage, und auch Abstand halten und das Tragen der Maske werde ich weiterhin praktizieren.

Die Impfung bedeutet leider nicht das Ende der Pandemie, auch wenn ich mir das immer so vorgestellt hatte.

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Frischluftlaternen

Eine der besseren Auswirkungen des pandemiebedingt eingeschränkten Soziallebens: Viele Leute haben angefangen sich Hobbies zu suchen, probieren Dinge aus oder interessieren sich einfach mal für Neues. Nicht selten führte das zu großen Mengen Bananenbrot, bei mir zu Petroleumlampen.

Keine Ahnung wann genau, aber irgendwann während der dritten Welle begann ich, Petroleumlampen schick zu finden. Ich meine diese klassischen Blechlaternen, die in meiner frühen Kindheit allgegenwärtig waren. Auf dem Dorf hatte JEDER so welche zu Hause, und teils wurden sie sogar noch bis Anfang der 80er als Baustellenbeleuchtung benutzt. Ich habe mich immer gewundert, warum in meiner Kindheit die Lampen an Baustellen nur schwach glommen, und das ist die Erklärung: Weil darin entweder ein Teelicht brannte oder ein Petroleumbrenner auf Sparflamme lief! Ernsthaft!

Petroleumlampen sehen fast alle aus wie oben auf dem Bild, und das ist das Modell 276 Baby Special des Herstellers Feuerhand. Die saßen ursprünglich mal seit 1880 als „Firma Nier“ im dunklen Erzgebirge und schraubten dort von ihnen erfundene Sturmlaternen zusammen.

Die Bauform war so erfolgreich, dass sie trotz Patents praktisch von jedem Hersteller kopiert wurde und bis heute hergestellt wird. Zum Millionenfachen Einsatz kommen diese Laternen noch überall dort, wo es keine oder nur eine lökerige Stromversorgung gibt – in großen Teilen Afrikas, etwa.

In Deutschland dienten die Laternen bis in die 80er Jahre neben der Baustellensicherung auch als Bestandteil der Katstrophenvorsorge. Die Bundeswehr hatte große Mengen davon in der „Beleuchtungskiste Standard“ eingelagert. Heute nimmt man Petroleumlaternen eigentlich nur noch als Notfall- oder als Gartenbeleuchtung. Genau für letzteren Zweck wollte ich so eine Latüchte haben, weil ich das warme, flackerfreie Licht mag.

So fing an mich damit zu beschäftigen, und stieß neben der Geschichte der Firma Feuerhand auch darauf, dass diese Lampen viel cleverer sind, als es auf den ersten Blick wirkt.

Eigentlich ist es ganz einfach: Unten ist ein Tank, in dem ist Petroleum. Kein Lampenduftöl oder sowas, sondern hochwertiges Petroleum, am Besten Paraffinöl. Das ist so rein, dass es kaum riecht, nicht rußt und der Docht nicht verschleißt.

In den Tank hängt ein Docht aus Baumwolle, der durch eine Halterung – den Brenner – in das hochhebelbare Lampenglas geführt ist. Dort ist er vor Wind geschützt und lässt sich über ein Rädchen in der Höhe verstellen. Je weiter der Docht rausgedreht ist, desto höher die Flamme und desto heller das Licht – je nach Einstellung zwischen 5 und 30 mal heller als eine Kerze.

Und nun kommt das Clevere: Damit trotz des Rundum-Schutzes Sauerstoff zur Verbrennung in das Glas kommt, gibt es eine Luftleitung, die von der Kappe an der Spitze über die seitlichen Ärmchen in den Tank und von dort in den Brenner führt. Gefördert wird das Ansaugen von Luft durch die aufsteigende warme Luft von der Flamme. Die Laterne saugt also oben Luft durch den Kamineffekt an und leitet sie nach unten, um die Verbrennung am Laufen zu halten. Durch dieses Zuführen frischer Luft heißen die Dinger auch „Frischluftlaternen“ oder „Kaltluftlaternen“.

Das wusste ich bis dahin nicht – ich hatte angenommen, die Ärmchen seien halt Deko oder so.

Der Tank einer normalen 276 Baby Special fasst etwas mehr als 300 ml Petroleum, das reicht für rund 20 Stunden Licht. Das ist recht lang, reichte aber z.B. nicht, um eine Baustellenbeleuchtung über ein Wochenende am Laufen zu halten. Aus diesem Grund gab es Sonderformen mit größeren Tanks, die für 70 oder sogar 120 Stunden Brenndauer reichten.

Das ist so eine „STK 70“, eine 276 mit einem zusätzlichen Windschutz („Sturmkappe“ oder eben abgekürzt STK) oben an der Luftzuführung und einem Tank für 1,1 Liter Petroleum. Ein Ebay-Kauf.

Doof nur: Als sie hier ankam, brannte sie nicht ordentlich und ging dauernd aus. Also mal auseinandergebaut, was schnell und ohne Werkzeug geht…

…und da haben wir den Übeltäter. Der Docht war nicht nur uralt und hart, er war auch abgebrannt und viel zu kurz.

Normalerweise verschleißen Dochte nicht, wenn ordentlicher Brennstoff verwendet wird, aber das hier ist auch definitiv nicht der richtige für eine STK 70.

Wegen des großen Tankinhalt muss der Docht länger sein, damit er bis zum Boden reicht. Zum Glück gibt es das Zeug als Meterware:

Das allein reicht aber nicht. Das Öl zieht ja durch den Kappilareffekt den Docht hoch, und das geht nur bis zu einer gewissen Höhe.

Damit die großen Sturmlaternen ihren Tank auch wirklich leerrüsseln können, braucht der Docht eine Saughilfe. Das kann einfach ein Streifen Filz sein, der an den Docht getackert wird und dabei hilft, die letzten Petroleumreste aufzusaugen und den Docht zu versorgen.

So, besser. Damit brennt die 276 wieder ordentlich und 70 Stunden lang.

Noch ein Reflektor oben druff, den Schmiedin Linda in ihrer kleinen Edelstahlmanufaktur gefertigt hat…

…und fertig ist das Gartenlicht, dass sich so hell stellen lässt, dass ich dabei sogar im Dunkeln lesen kann.

Ich freu mich über diese Antiquität. Definitiv besser als Bananenbrot.

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Ruby No. 5

Kurze Notiz mich selbst: Ab jetzt ist Ruby-Lampe Nr. 5 im Einsatz. Die letzte hat 21 Monate gehalten und in der Zeit 2.216 Betriebsstunden angesammelt.

Ja, der Röhrenfernseher steht immer noch hier rum. So kurz vor seinem 25. Geburtstag kann ich den einfach nicht wegwerfen…

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Ich will nicht mehr duften

Neulich, vor der Pandemie: Ich sitze im ICE, neben mir eine junge Frau. Durch den Gang gockelt eine Teenagerin und zieht eine Spur aus Vanille-Gurken-Geruch hinter sich her, der in der Nase beißt. Vermutlich der Duft „Donut“ von irgendeiner Influencerin. Meine Sitznachbarin verzieht das Gesicht und meint: „Das war wohl früher nicht so heftig.“ Ich muss lächeln und denke: Du hast ja KEINE AHNUNG. Früher war die olfaktorische Belästigung schlimmer. VIEL schlimmer.

Bis Mitte der 80er stanken die Straßen stanken vor Abgasen, außerdem wurde überall geraucht – in Restaurants, Kneipen, zu Hause, im Zug. Um all diese Stinkerei zu überdecken, und weil es Mode war, benutzten die Frauen neben einem Deo auch Eau de Toilette oder Parfüm, die Männer Deo plus mindestes After Shave. Letzteres gerne mit Moschus, dass sind schwere, alles erstickende Gerüche.

Ich weiß noch, dass mein erstes Deo „City Man“ war, ein „Axe“-Abklatsch, weil ich die Verpackung toll fand. Als dann nicht nur die Schweißdrüsen, sondern auch der Bartwuchs seine Arbeit aufnahm, wurde „Tabac“ mein bevorzugtes After Shave.

Zum Glück ist der massenhafte Gebrauch von so vielen Düften stark zurückgegangen. Gerade als Mann noch Eau de Cologne oder After Shave oder gar Parfüm zu benutzen, das verbietet sich im Alltag. Das macht man einfach nicht mehr. Tatsächlich riecht man heute so wenig, dass es Ausreisser extrem auffallen – wie etwa der Teenager, der getan hat, was ihm die Werbung beigebracht hat: Dass man sich Deo MINUTENLANG unter jede Achsel sprühen muss, aus einem Meter Entfernung.

Mittlerweile will ich gar nicht mehr „duften“.

Wie bei so vielen Dingen war auch meine Entscheidung, nicht mehr nach künstlichen Düften riechen zu wollen, keine bewusste, sondern ein schleichender Prozess. Erst verzichtete ich auf After Shave, einfach weil es nicht mehr zeitgemäß war und ich den Duft eh´ über hatte. Dann wurden die Deos immer dezenter, weg vom krassen Billigdeo á la Axe und Konsorten, hin zu sanfteren Nivea Roll-Ons.

Auch die dezenten Düfte wurden mir irgendwann zu viel, also bin ich zu etwas gewechselt, das ich aus meiner Veganer-Studienzeit kannte: Deokristalle. Sie bestehen aus Aluminiumsalz und werden wie ein Roll-On verwendet.

Die Bezeichnung „Deo“ ist eigentlich falsch, die Kristalle sind Anti-transpiranzien und unterscheiden sich damit von normalen Deos, die den Köpergeruch durch Duftstoffe überdecken. Stinken tut ja nicht der Schweiß, sondern die Ausscheidungen der Bakterien auf unserer Haut, die den Schweiß verdauen.

Diese Bakterienpupse kann man nun entweder versuchen mit Duftstoffen zu überdecken, was die klassischen Deos tun, oder man verwendet ein Antitranspiranz, um das Schwitzen zu vermindern. Das tun diese Kristalle, die aus Alaun bestehen, das sind Aluminiumsalze in Kristallform. Dieses Aluminiumsalz verstopft, vereinfacht ausgedrückt, die Schweißporen. Kein Schweiß = Keine Baktierenpupse = Kein Schweißgeruch. Das funktioniert supergut, zumindest bei mir, und duftet halt überhaupt nicht.

Nun stand Aluminium zwischenzeitlich in dem Verdacht sich im Körper anzusammeln und Hirnschäden zu verursachen. Das wurde mitlerweile von höchster Stelle widerlegt, trotzdem habe ich eine Zeitlang auf Deokristalle verzichtet – zumal Schwitzen ja auch natürlich und notwendig ist und es vielleicht nicht so die ganz supergute Idee ist, die eigenen Schweißdrüsen dauerhaft lahm zu legen.

MaxED09 hatte mich auf ein Mittel aufmerksam gemacht, das ebenfalls keine Duftstoffe enthält, aber anders funktioniert. „Nuud“ ist eine Art Paste, die auf der Hautoberfläche ansetzt und dort die Ausbreitung der Schweißfressenden und pupsenden Bakterien verhindert. Das tut es mit einer Mischung aus Mandel- und Kokosöl und Silberpartikeln. Die Silberpartikel sind antibakteriell und nicht groß genug um in den Körper zu gelangen oder Poren zu verstopfen. Die Öle sorgen dafür, dass das Silber wirklich dort bleibt wo es wirken soll und auch mehrere Duschen übersteht.

Die Dosierung und der Wirkzeitraum ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei mir ist die Wirkzeit recht lang, ich muss pro Achsel nur ca. alle drei Tage eine linsengroße Menge auftragen. Der geringe Verbrauch ist auch gut so, denn eine kleine Tube von dem Zeugs kostet satte 13 Euro. Die hält bei mir zwar 7 Monate, aber so ein Nivea-Rollon für 3,99 Euro hält halt auch 9 Monate, und ein Deokristall für 10 Euro fällt eher runter und zerbricht, als das er aufgebraucht ist.

Abgesehen vom Preis ist der einzige Nachteil von „Nuud“ tatsächlich der Marketingbullshit. Vom unerträglich fröhlichen Newsletter über knallige Nullnummern Website inkl. esoterischer FAQ ist alles dabei, was in Agenturkreisen gerade hip ist.

Für völligen Quatsch halte ich die Info aus der FAQ, dass zu Beginn der Nuud-Benutzung der Körper „entgiften“ muss und man deshalb am Anfang der Nuud-Benutzung erstmal andere riecht als sonst. Richtig ist, dass – falls man vorher ein Deo mit Duftstoffen genutzt hat – man sich erst an deren Abwesenheit gewöhnen muss. Das die Nuud-Website dagegen davon fabuliert, dass erst die Poren des Körpers befreit werden und darin angestaute Giftstoffe in den ersten Wochen für einen stärkeren Körpergeruch sorgen, das halte ich schlicht für eine Erfindung. So funktioniert der menschliche Körper nicht.

Sei´s drum. Lange Rede, kurzer Sinn: Man muss heutzutage nicht mehr nach Parfüm, After Shave oder Deo duften, das sich die Nasen von Personen in der Nähe zusammenrollen. Man muss gar nicht mehr duften, ohne das man stinken muss. Und das ist ein großer Fortschritt, denn früher war eben nicht alles besser.

Kategorien: Meinung, Service | 19 Kommentare

Wahre Größe

Wie groß ist eigentlich… Griechenland? Dieses weitläufige, zerklüftete Sehnsuchtsland mit seinen endlosen Küsten?

Stellt sich raus: Lässt man mal die ganzen Inseln weg und zählt das Wasser zwischen denen nicht mit, ist die Festlandfläche von Griechenland mit 107.000 Quadratkilometern gerade mal so groß wie Niedersachsen (47.709), Mecklenburg-Vorpommern (23.295) und Nordrhein-Westfalen (34.112) zusammen.

Quelle: Truesizeof.com

Übertragen auf eine Deutschlandkarte wie oben ist eine Reise durch ganz Griechenland also nicht mehr als eine Fahrt von Nürtingen über Castrop-Rauxel nach Achim, von dort nach Rostock und zurück über Neustadt am Rübenberge nach Schwäbisch Hall. Ernüchternd.

Kategorien: Ganz Kurz, Motorrad, Reisen | 4 Kommentare

Momentaufnahme: Juni 2021

Herr Silencer im Juni 2021

Gefühl des Monats: Delta? ECHT JETZT? Hört das nie auf?!

Wetter: Monatsanfang Nachts immer noch einstellige Temperaturen, aber immerhin tagsüber Sonne und an 20 Grad. Ab der ersten Woche plötzlich schlagartig Temperaturen von 25 bis 35 Grad – vom Herbst direkt in den Hochsommer, was recht erschöpfend ist. Ab der vierten Woche dann plötzlich über Nacht wieder nur noch 12 bis 14 Grad und Wolken.


Lesen:

Erik Peters: Oman – Island
Erik Peters mag es zu reisen, und einige Jahre nach seiner ersten großen, aber motorradtechnisch gescheiterten, Reise von Köln nach Shanghai soll es nun von Oman am persischen Golf bis nach Island gehen.

Mit Kumpel Carsten reist Peters auf die arabische Halbinsel, aber dort nimmt das Ungemach schon seinen Lauf: Motorradpannen und Temperaturen um die 50 Grad machen die Reise zur Qual, Visaprobleme sorgen für tagelangen Arrest in Dubai und unwillige Fährschiffer verkrüppeln die Bikes. Später wird es nicht besser, zu technischen Problemen, vergessenen Papieren und einem Diebstahl kommen persönliche Dinge, die dazu führen, das Carsten irgendwann völlig derangiert ist und fast ums Leben kommt. Dass die beiden es dennoch bis nach Island schaffen, zeugt von einer enormen Zähigkeit.

Trotz all dieser Widrigkeiten beschreibt Erik Peters seine Reise als etwas, das vor kleinen, glücksseligen Momenten strotzt – etwa, wenn er im Iran einen leidenschaftlichen Moppedschrauber trifft, es in der Türkei ein kaltes Bier gibt oder wenn er auf den Azoren Papageientaucher entdeckt. Ein sehr spannendes, gut geschriebenes und nur stellenweise adjektivüberladenes Buch, das die Licht- und Schattenseiten einer Motorradfernreise genau beschreibt, dabei aber immer – anders als bei anderen Motorradreiseberichten – einen positiven Grundton beibehält.


Hören:


Sehen:

Clarksons Farm [Amazon Prime]
Jeremy Clarkson, der pöbelnde, ungehobelte, erzkonservative ehemalige Moderator von „Top Gear“ und „Grand Tour“, kauft sich eine Farm in den Cotswolds, im Südwesten Englands. Die will er selbst bewirtschaften. Das Problem ist nur: Der bekennende „Petrolhead“ hat zwar von Supersportwagen Ahnung, aber nicht von Landwirtschaft.

Man kann ja vieles über Jeremy Clarkson sagen, aber nicht, das er kein Gespür für Timing hat. Benzintriefende und Abgaslastige Automagazine im TV sind nicht mehr zeitgemäß, und Clarkson hat genau im richtigen Moment den Absprung geschafft. Nun steht er also in Gummistiefeln auf seiner Farm und versucht als Stadtmensch mit dem Landleben klarzukommen.

Ein Jahr lang begleitet ihn dabei die Kamera, von den ersten Versuchen Traktor zu fahren im Oktober 2019 bis zum Erntedankfest im September 2020. Dabei herausgekommen sind 8 kurze Episoden, in denen Clarkson sich unterschiedlichsten Herausforderungen gegenüber sieht – mal versinken Maschinen im Regen, mal versucht er Schafe mit einer Drohne zu hüten, mal vernichten Dürre und Käfer ganze Felder.

Anders als bei Clarksons Kollegen Richard Hammond, der in seiner Solo-Serie auf Amazon Prime nur dummen, geskripteten Quatsch macht, ist „Clarksons Farm“ auf berührende Weise authentisch. Es ist immer zu merken, dass Clarkson es Ernst meint mit diesem Projekt, und er sich wirklich Mühe gibt. The Struggle is real, und wird unterhaltsam durch die auftauchenden Nebencharaktere, bei denen Clarkson Hilfe sucht und die schon ziemliche Originale sind. Der unverständlich brabbelnde Gerald, der respektlose Traktorist Kaleb, die starke Schäferin Ellen und Clarkson Freundin Lisa sind die eigentlichen Stars der Show.

Besonders faszinierend ist aber, Clarkson bei einer Veränderung zu beobachten. Der großmäulige Egomane wird im Laufe des Jahres durch die harte Arbeit nicht nur dünner, sondern auch – demütig. Wenn Clarkson den Klimawandel auf dem eigenen Boden erlebt und begreift was das bedeutet, wenn er sich über Kleinigkeiten wie bunte Hühnerställe freut oder traurig ist, wenn ein Lamm stirbt, dem er auf die Welt geholfen hat – dann wirkt das echt, und der Clarkson am Ende der Serie ist ein bescheidenerer Mensch, dem man abnimmt, dass er begriffen hat, dass sich die Welt nicht nur um ihn dreht. Fast schon rührend das Fazit: „Es war das härteste Jahr meines Lebens, aber nie war ich glücklicher als hier“.

Zusammengefasst: Clarksons Farm ist das beste Stück TV-Unterhaltung, was sich seit sehr langer Zeit gesehen habe.

Luca [Disney+]
Italien in den 50er Jahren: Vor der ligurischen Küsten, tief im Meer, verstecken sich humanoide Meerwesen vor den Menschen an Land. Eines Tages gelangt der Meeresjunge Luca aus Versehen an Land und stellt fest, das er dort wie ein normaler Mensch aussieht – so lange er nicht mit Wasser in Berührung kommt. Die Welt der Landbewohner ist so faszinierend, das Luca von zu Hause ausreisst und sich mit dem an Land lebenden Meerjungen Alberto und dem Menschenmädchen Giulia anfreundet. Ihr größter Traum: Ein Mal eine Vespa fahren!

Feiner, unspektakulärer Coming-of-Age Film. „Unspektakulär“ ist hier aber positiv gemeint, denn Zeichentrickproduktionen neigen gelegentlich zu solcher Überdrehtheit, dass man ihnen Ritalin verpassen möchte. Das passiert hier nicht, „Luca“ hat ein sehr angenehmes Erzähltempo und lässt seinen Charakteren Raum, um sich zu entfalten. Außerdem ist „Luca“ ein überlanger Werbesport für Piaggio – ich hoffe, die haben das gut bezahlt.


Spielen:

Resident Evil 5 [PS4]
Irgendein weißer Muckimann wird in einem Kaff in Afrika abgesetzt, schlurft mit einer Knarre in der Hand durch die Gegend und knallt die schwarze Bevölkerung ab.

Das Spiel ist 2009 für die PS3 erschienen und wurde damals als sehr gutes Spiel bejubelt. Aus heutiger Sicht ist es erzählerisch und spielerisch eine Katastrophe. Es bedient die kulturell tief verwurzelte Xenophobie vieler Japaner auf denkbar unangenehmste Weise: Jeder Farbige im Spiel ist automatisch böse (bzw. mit einem Virus infiziert) und kann sofort erschossen werden. Das ist rundheraus rassistisch.

Spielerisch ist RE5 eine Katastrophe, weil hier eine Engine genommen wird, die ursprünglich für enge Räume und langsame Schleichbewegungen gemacht wurde, die aber hier für einen 3rd-Person-Shooter eingesetzt wird. Resultat: Die eigene Spielfigur steuert sich so lahm, als hätte sie Betonbrocken an den Füßen. Selbst in hektischen Bosskämpfen bewegt sich der angebliche Held gerade mal so schnell wie der Auszubildende beim Fliesenleger und schlufft gemütlich um das Monster herum.

Dazu kommt anderes Gedöns, das den Spielspaß verleidet: Zum Waffenwechsel muss man dann ins Inventar, was so fummelig ist, dass man während des Waffenwechsels tausend mal stirbt. Nachladen und gleichzeitig laufen ist undenkbar. Texturen sind matschig, die Grafik hässlich, Animationen blockig und das seltsame Buddy-System ist für zwei Spieler vielleicht interessant, für Solo-Abenteurer aber maximal irritierend. In der Summe: Resident Evil 5 ist Grütze aus der Hölle, die heute niemand mehr braucht.

Resident Evil 6 [PS4]
Der Muckimann aus Afrika kann jetzt etwas schneller laufen und strolcht erst durch diverse Schauplätze. Dann kommt ein egaler Lockenträger, der an exakt den gleichen Schauplätzen rumstrolcht und teils sogar den Muckimann beobachtet. Dann kommt eine Frau mit einem egalen Glatzkopf, die an den exakt gleichen Schauplätzen rumstrolchen und den Muckimann und den Lockenträger treffen. Dann komme eine egale Frau die…usw.

Kein Scherz: Resident Evil 6, das sind 4 Spiele, die die gleiche Story aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Immer wieder kreuzen sich die Handlungsstränge und die insgesamt 7 Spielcharaktere begegnen einander, helfen sich oder machen sich das Leben schwer. Mit jedem Handlungsstrang werden Lücken in der Geschichte geschlossen, und erst nach der 4. Kampagne ergibt alles einen Sinn. Das klingt erzählerisch superinteressant, dem entgegen steht leider eine unterkomplexe Geschichte, die diese Strukturen nicht zu tragen vermag.

Spielerisch ist das ermüdend, weil halt immer die gleichen Schauplätze vorkommen und Bosskämpfe (ich HASSE Bosskämpfe!) teils mehrfach bestanden werden müssen. Zumindest ist das Gameplay besser, anscheinend kommt eine Engine zum Einsatz, die nicht für langsame Bewegungen konzipiert war. Das macht es aber nicht besser, denn RE6 dreht alle Regler auf 11. Statt Horror- oder Gruselstimmung möchte das Game ein Shooter im Stile der frühen „Medal of Honor“ sein und verkommt darüber zu Actionschießbude. Dauernd explodieren Dinge, es gibt Verfolgungsjagden mit Autos, Motorrädern, Helikoptern und Flugzeugen, Die Monster sind gigantisch und die Helden fallen dauernd irgendwo runter, so das man kaum noch weiß wo oben und unten ist. Dazu kommen nervig-doofe Passagen, die man auch bis zu vier Mal spielen muss. Schön gemachte, aber seelenlose, inhaltsarme und repetitive Blockbusteraction mit einem schrägen Storykonzept.


Machen:
Warten, auf das Ende der Pandemie.


Neues Spielzeug:

Eine Lampe, eine Feuerhand Baby Special 276 STK 70 von 1965. Macht mit einer Tankfüllung 70 Stunden flackerfreies Licht, das wärmer und schöner ist als das von LEDs. Als ich gaaaanz klein war, hingen Lampen von Feuerhand, befeuert mit Öl oder Kerzen(!), noch als Beleuchtung an Baustellen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Corona-Tagebuch (32): Plötzlich ging´s doch ganz schnell

Weltweit: 172.226.125 Infektionen, 3.703.470 Todesfälle
Deutschland: 3.703.468 Infektionen, 89.026 Todesfälle

449 Days Gone.

Lage der Welt

Nicht so supi. In Afrika, Indien und UK drehen neuen Varianten wild und sorgen für mehr Infektionen. In Südamerika geht in den Kliniken der Sauerstoff aus.

Für die Mutanten gibt es jetzt Codenamen nach dem griechischen Alphabet, was sich leichter merken lässt als die kryptischen Zahlenkürzel und keine Diskrimierung auslöst, wenn die Mutante nach dem Land des ersten Auftauchen benannt wird. Die Namen sind nun:

  • Alpha: B.1.1.7, früher „britische Variante“, bekannt seit September 2020.
  • Beta: B.1.351, früher „südafrikanische Mutante“, bekannt seit Mai 2020.
  • Gamma: P.1, früher „brasilianische Variante“, bekannt seit November 2020.
  • Delta: B.1.617.2, früher „indische Variante“, bekannt seit Oktober 2020.

In Vietnam wurde gerade eine neue Variante entdeckt, die eine Mischung aus Alpha und Delta ist, die hat noch keinen Namen.

 

Lage der Nation

Das Bundesministerium handelt zunehmend populistisch und untergräbt damit ganz klar die Stellung der Ständigen Impfkommission und der wissenschaftlichen Berater:innen. So ist bspw. bekannt, dass Astra umso besser wirkt, je größer der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung ist. Empfohlen werden 12 Wochen. Das BMG verkürzt nun auf sechs Wochen, weil Jens Spahn der Meinung ist, die Leute wollten ja gerne in Urlaub fahren.

Zeitgleich wird verkündet, dass nun jeder und seine Mudder impfen dürften, also auch Betriebsärztinnen usw., und das ab dem 07.06.21 die Priorisierung fällt – dann darf jede und jeder ab 16 Jahren sich auf die Warteliste der Impfwilligen setzen lassen.

Ist ja generell alles nicht verkehrt, nur: Es gibt halt immer noch nicht in ausreichender Menge Impfstoff. Da nützt es nichts, wenn Betriebsärztinnen impfen dürfen, aber nicht können. Und die Wartelisten selbst sind gigantisch, mit beruflicher Indikation und im März angemeldet bedeutet, dass man in Niedersachsen jetzt so langsam für Mitte/Ende Juni einen Termin bekommt.

Aber hey, das kommt vermutlich bei den Leuten nicht an. Zumindest bei einem Teil der Leute kommt die als gute Nachrichten verpackte heiße Luft aus dem Hals von Jens Spahn als „Die Pandemie ist vorbei!!“ an. Anders sind die nächtlichen Massenparties in Innenstädten oder die Öffnung von Schulen oder Unis nicht zu erklären.

Immerhin, die Inzidenz sinkt immer weiter. Spahn gibt sich darüber völlig erstaunt, dabei haben genau das die Vertreter:innen von Zero-Covid bei einem R-Wert kleiner 0,7 vorhergesagt, und mit ein wenig politischen Willen hätte man genau diese niedrigen Ansteckungs- und Todesraten schon vor Wochen haben können. Aber das wollte man ja nicht. Weil: Wirtschaft.

Verteilungskampf

Der Wegfall der Priorisierung wird absehbar eine hausgemachte Denial of Service-Attacke auf die Impfportale auslösen. Und dann? Nehmen die internetaffinen Jüngeren den Älteren die Impfplätze weg? Werden Junge neidisch auf Ältere werden? Wohl kaum. Ältere stehen meist schon auf Wartelisten, die sind aber kilometerlang. Und der Neid wird vermutlich nicht in erster Linie zwischen Alterskohorten ausgetragen, sondern innerhalb einer Kohorte. Warum gibt es bereits jetzt geimpfte 16jährige, die nun mit Mama und Papa in Urlaub fliegen, fragen sich verblüffte Mitschüler:innen und sind zu Recht sauer auf das wirkende Vitamin B, wie die Vorsitzende der Schulsprechervereinigung im Radiointerview zu Protokoll gab.

IchIchIch

Vergangene Woche hatte ich mich an dieser Stelle noch über das unfassbar komplizierte Prozedere beklagt, das man in Niedersachsen jedes mal durchlaufen muss um überhaupt nur zu erfahren, ob es freie Termin im Impfzentrum gibt. Am selben Tag geschah das Wunder: Eine Kollegin gab mir Bescheid, dass in einem privaten(!) Onlineportal gerade freie Plätze für das Göttinger Impfzentrum angezeigt wurden – und ich konnte einen davon ergattern! Und zwar nicht für irgendwann im August, sondern für Übermorgen!

Am vergangenen Samstag bin ich also zum Impfzentrum getöffelt, das hier mitten in einem Industriegebiet liegt. Ich bin eineinhalb Stunden vorher losgefahren – den wichtigsten Termin meines Lebens wollte ich nicht wegen eines zickigen Autos oder überlanger Parkplatzsuche verpassen. Das ich dann eine Stunde vor Termin da war, stellte sich als perfektes Timing heraus – die Warteschlange stand nämlich einmal um den Block herum, und es dauerte schon eine Stunde, bis ich überhaupt einen Fuß in die heiligen Hallen setzen konnte.

Dort war dann alles perfekt organisiert, alle sehr freundlich und der Ablauf zügig. Weil ich alle nötigen Dokumente, wie Einwilligungserklärung und Anamnsebogen, schon ausgefüllt mitgebracht hatte, war ich schon 30 Minuten später dran und eine Beobachtungsviertelstunde später konnte ich das Impfzentrum wieder verlassen. Ich habe tatsächlich eine Injektion mit Comirnaty zugeteilt bekommen, dem Impfstoff von BionTech/Pfizer, aber es gab auch Astra Zeneca und Moderna.

Ungewünschte Effekte gab es bei mir keine, sieht man von Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle am ersten Tag und gelegentlich ultrakurz aufblitzenden, stechenden Kopfschmerzen am 5. Tag ab (aber die können auch vom schwülen Wetter gekommen sein).

Übrigens stellte sich im Nachgang raus: Statt der üblichen maximal 900 Impfungen pro Tag hatte das Impfzentrum an diesem Samstag fast doppelt so viele durchgeführt, weil gerade eine dicke Lieferung Impfstoff gekommen war – ein weiterer Beleg dafür, dass die Infrastruktur zur Verimpfung durchaus vorhanden ist, es fehlt nur an Material.

Umfeld

Diese Woche haben tatsächlich alle meine Kolleg:innen einen Termin für eine Impfung bekommen. Aber: So gut wie nie auf einem regulären Weg. Vorgedrängelt haben wir uns aber auch nicht.

Drei von uns haben über das private Portal „Impfsuche.de“ von freien Plätzen in unserer Nähe erfahren und dank der vorher im Firmenchat kommunizierten Anleitung und Druck der Kolleg:innen einen Platz bekommen. Zwei hatten das Glück bei einem Hausarzt zu sein, der unerwartet viel Stoff bekommen hat, aber auf Fortbildung musste. Der hat dann einfach jeden geimpft der zur Tür rein kam. Und der Rest kam tatsächlich bei Hausärztinnen regulär unter oder stand aufgrund besonderer Indikation schon seit drei Monaten auf Prioritätslisten und hat nun Termine für Mitte/Ende Juni bekommen.

Meine Leute haben damit sicher ihre Termine, und das erleichtert mich ungemein und eröffnet Perspektiven. Auch, wenn der Ausnahmezustand erst in drei Monaten so langsam ausschleicht.

So kann´s gehen. Eben dachte ich noch, es bewegt sich gar nichts, und nun ist binnen einer Woche alles anders. Positive Überraschungen sind zur Abwechslung auch mal etwas schönes.

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Momentaufnahme: Mai 2021

Herr Silencer im Mai 2021

Gefühl des Monats: Fernweh

Wetter: Die erste Maiwoche ist noch so einstellig-kalt, dass die Heizung weiter laufen muss. Die Natur bekommt nicht mal ihr Maigrün pünktlich zum 01. hin, das verzögert sich um satte 10 Tage. Dann kommt überfallartig der Sommer, mit fast 30 Grad – aber nur an zwei Tagen, dann regnet es. Dann stürmt es. Dann wird es kalt. Dann regnet es noch mehr. Warum ist das so? Weil die Sommerhochs in der Arktis weilen und dort für 30 Grad(!!!) sorgen. Aber hier: Bis zum Monatsende nachts einstellige Temperaturen und tagsüber dunkler Himmel. Der Winter schein nicht enden zu wollen, aber immerhin: Endlich, endlich haben die Bäume wieder grüne Blätter.


Lesen:

Jason Schreier: Press Reset
Die Vidogamesindustrie ist geprägt von ständigem Kommen und Gehen. Studios werden eröffnet, wachsen, werden verkauft und dann oft ohne Vorwarnung geschlossen. Jason Schreier, DER Journalist der Spieleszene, beschreibt die Schließungen von etablierten Studios wie Origin, Ion Storm, Mythic oder 38 Studios. Dabei gewährt er Einblick hinter die Kulissen und geht der Frage nach, was diese Hire&Fire-Politik mit den Menschen in der Branche macht und ob es Alternativen gibt.

Für den Nachfolger zu „Blood, Sweat and Pixels“, dem sehr gutem Erstlingswerk über die Hintergründe großer Spieleproduktionen, hat sich Schreier ein Thema ausgesucht, dass eine Nummer zu groß für ihn ist. Seine Stärke ist das Erzählen von persönlichen Geschichten, die von der Einzelperson zum großen Ganzen führt. Das funktioniert in „Press Reset“ aber nicht besonders gut.

Zum einen geben die Einblicke von einigen, wenigen Personen, die in einer Firmenhierarchie maximal in der Mitte der Leiter standen, keinen gesicherten Einblick in die Geschehnisse, sondern erlauben bestenfalls „educated guesses“. Die reichert Schreier immerhin mit Fakten an, trotzdem wird daraus bestenfalls eine subjektiv geprägte Geschichte, aber keine neutrale Berichterstattung.

Zum anderen passt sein Erzählstil nicht zu den Erfordernissen des Themas. Ein Buch aus persönlichen Geschichten funktioniert nur schwer, wenn es zu viele davon gibt und nebenbei noch Abstecher ins Land der Zahlen gemacht werden müssen. So ist man als Leser gezwungen sich in jedem neuen Kapitel durch einen Wust an Namen, Zahlen und Daten arbeiten. Die Stories dahinter mäandern etwas ziellos in der Gegend herum, und das letzte Kapitel – in dem die Frage nach Alternativen zum Schweinesystem aufgeworfen wird – wirkt angeflanscht, hingeschludert und gezwungen, als hätte Schreier eine Idee gehabt, die er für so brillant hält, dass er sie unbedingt noch reinbiegen will. Ein durchaus interessantes Buch, wenn man sich für die Spiele- oder Softwareindustrie interessiert, aber deutlich schwächer und weniger packend als der Vorgänger.


Hören:


Sehen:

972 Breakdowns [2020, DVD]
Eine Künstlerkommune macht sich von Halle an der Saale auf den Weg nach New York, auf dem Landweg und auf Ural-Motorrädern. Was die jungen Schöngeister können: Zeichnen, singen, klatschen. Was sie nicht können: Auf Erfahrungen mit Motorrädern zurückgreifen oder Ortskundigen zuhören, die ausdrücklich sagen „da geht´s nicht weiter“.

Das hier ist nicht die normale Doku einer Weltreise. Dieser Film will Kunst sein, das tropft ihm aus jeder Pore. Stellenweise gelingt das sehr gut, etwa wenn plötzlich die Risszeichnungen im Bordbuch der Ural zum animierten Leben erwachen oder eine toll gestaltete Weltkarte auf sehr originelle Weise stückweise aufgedeckt wird.

Meist gelingt das aber weniger gut, denn eine geradezu präteniöse Bildauswahl und Erzählung führt dazu, dass einem die Protagonistinnen nicht nahegebracht werden. Wir lernen die handelnden Personen nie wirklich kennen, erfahren nichts aus ihrem Leben oder was sie fühlen oder wie es ihnen geht.

Man erfährt auch wenig über die besuchten Orte. Nicht mal über die Ural, die hier eine Protagonistin ist, erfährt man etwas. Immer bleibt der Film an der Oberfläche der Dinge, er taucht nie in irgendwas ein, und durch diese Distanz fühlt er sich leblos an. Da die Motivationen nicht deutlich werden, scheinen manche Dinge einfach grenzenlos… dumm.

Beispiel: Wenn man die „Road of Bones“ in Sibirien fährt, weiß man spätestens seit „Long way round“ wie schlimm es dort ist. Wenn man dann noch beschließt die Straße zu verlassen und querfeldein zu fahren, dann ist das… dumm.

Originell sind immerhin die Konstruktionen. Schwimmende Urals hat noch niemand gesehen, aber schwimmende Urals mit einem Antrieb aus Fahrradteilen zu versehen ist halt auch schon wieder ein Bißchen… dumm.

Nun habe ich ein großes Herz für naive Biker, aber was hier gemacht wird grenzt an Cringe und ist mir persönlich etwas zu Artsy auf Kosten dessen, was eine gute Reiseerzählung ausmacht. Aber das hier ist halt auch eher ein Kunstprojekt als ein Reisebericht. Wer keine Angst vor Fremdscham hat guckt mal rein, wobei das gar nicht so einfach ist: Weil der Film erst noch bei Kunstfestivals laufen soll, bekommt man ihn aktuell nur in Deutschland und nur auf DVD.

Ausgerechnet Alaska [1990-95, BluRay]
Joel Fleischman kommt gerade frisch von der Uni, wo er seinen Doktor in Medizin gemacht hat. Das Studium wurde ihm finanziert vom Staat Alaska, und im Gegenzug hat sich Fleischman verpflichtet dort vier Jahre zu praktizieren. Als er statt in die Großstadt Anchorhead in das abgelegene Kaff Cisely versetzt wird, rastet Fleischman aus. Der neurotische New Yorker kommt nicht mit der ruhigen Art der Einwohnern zurecht. Das unter denen so verschrobene Gestalten wie ein Millionär und Ex-Astronaut, ein filmverrückter Indianer, ein metaphysischer Radiomoderator oder ein Sternekoch, der sich barfuß im Wald versteckt sind, macht die Sache nicht einfacher.

„Ausgerechnet Alaska“ oder „Northern Exposure“, wie es im Original hieß, ist eine liebevolle und fast Twin-Peakseske kleine Serie von Anfang der 90er. Ich hatte mir die vor Jahren mal auf DVD importiert, aber die nordamerikanische Fassung hat ein mieses, verrauschtes Bild und nur englischen Ton. Das spielt bei der Serie durchaus eine Rolle, denn die deutsche Synchro ist hier besser als das Original: Die Stimme von Fleischman überschlägt sich und kiekst, wenn er wieder einmal einen cholerischen Anfall bekommt, während Maggie ruhig und rauchig gesprochen ist. Im Original ist es andersrum, und das wirkt seltsam.

Die BluRay-Box von Turbine Media rettet die Serie. Hier gibt es scharfes SD-4:3 Bild, mehrere Tonspuren und Outtakes aus jeder Folge. So macht Alaska wieder Spaß – Danke an Mittenmank für den Tip!


Spielen:

Days Gone [PS4, 2019]
Eine globale Pandemie tötet drei Viertel der Menschen, fast der gesamte Rest wird zu reißenden, bösartigen Bestien. Zwei Jahre später streift Deacon St. John mit seinem Motorrad durch die Wälder Oregons und versucht zu überleben und herauszufinden, wie seine Frau gestorben ist.

„The Last of Us“ mit Motorrädern? Count me in!

Auf Metacritic dümpelt die PS4-Fassung von Days Gone bei 71 Punkten rum, und nachdem ich es jetzt durch habe muss ich sagen: Unverdient! Das Spiel bietet zusammen mit „Horizon Zero Dawn“ locker die schönste Open World dieser Konsolengeneration und gehört zu den Top-3-Games auf der PS4. Der schlechte Score lässt sich auf drei Dinge zurückführen:

  1. Irreführende Werbung: Vor dem Release wurde Days Gone als Actionlastiger Shooter promotet. Das ist es nicht, das Gameplay ist sehr entschleunigt. Wer eine agile Zombiemezelei erwartet hat, wurde enttäuscht.

  2. Ein verhunzter Einstieg: Das Spiel wirft einen zu Beginn in eine Region, die keinen Spaß macht, setzt einem Charaktere vor die Nase, die einem zu dem Zeitpunkt völlig egal sind und haut einen mit langweiligen Aufträgen zu. Erst nach rund 10 Stunden wird das schlagartig besser, und danach völlig großartig – aber soweit muss man erstmal kommen.

  3. Technische Probleme: Zum Start war das Game buggy as hell und auf normalen PS4 kaum lauffähig. Das hat sich mittlerweile geändert.

Wer bereit ist, sich durch den leicht dummen Anfang zu kämpfen, wird mit einer großartigen und wendungsreichen Geschichte belohnt, die ähnlich sorgfältig geschrieben ist wie „Horizon“ und Charaktere aufführt, die man nie wieder vergessen wird. Klare Empfehlung, ab diesem Monat gibt es „Days Gone“ auch für den PC.

Ryse:- Son of Rome [2013 XBOX One]

Der Römer Marius Dingenskirchen wird Legionär und als solcher nach Brittanien entsendet. Dort erlebt er, wie scheißig sich Kaiser Nero und seine verzogenen Söhne benehmen. Zurück in Rom muss er die ewige Stadt gegen Barbaren verteidigen und nimmt sich Nero persönlich vor.

Mangels Nachschub an neuen Konsolen oder Spielen hole ich gerade altes Zeug nach. „Ryse“ gehörte 2013 zum Start-Lineup der XBOX One. Produziert wurde es von den Frankfurter Unternehmen Crytek, und das sieht man: Das Game wirkt wie eine überlange Demo der Cry Engine und sieht grafisch immer noch überwältigend gut aus. Gerade in den Zwischensequenzen wirken die Figuren Fotorealistisch -da fällt dann umso mehr auf, dass der Sprecher der Hauptfigur bei einem Teil der Aufnahmen offensichtlich schweren Schnupfen hatte. Das Gameplay ist leider repetitiv, man verprügelt einfach immer die gleichen vier Gegnertypen mit einer Kombination aus Angriff und Blocken.

Spaß macht es trotzdem, denn das Game ist mit 6-8 Stunden kurz genug um nicht langweilig zu werden, die Geschichte ist gut geschrieben und wird in großen Actionsequenzen erzählt. Das sie am Ende eine verblüffende gelungene Ellipse ergibt, macht den Abschluss noch befriedigenderer.

Resident Evil 7: Biohazard [XBOX One]
Drei Jahre, nachdem sie spurlos verschwunden ist, erhält Ethan Winters einen Hilferuf von seiner Frau Mia. Er macht sich sofort auf die Suche und reist nach Louisiana. Dort findet er ein heruntergekommenes Herrenhaus, in dem eine verrückte Hillbilly-Familie haust.

Kannte ich noch gar nicht, dieses Resident Evil Kram, obwohl es die japanische Spieleserie schon seit 25 Jahren gibt. „Biohazard“ gilt als Reboot und schien mir deshalb ein guter Einstiegspunkt zu sein. Mich hat die Mischung überrascht. Das Spiel ist zum Teil gruseliger Walking Simulator, zum Teil Survival Horror, zum Teil Shooter. Eines ist es während der rund 9 Stunden Spielzeit aber immer: Spannend. Das liegt an der extrem gut geschriebenen Geschichte, von der man immer wissen will, wie sie weitergeht, aber auch an den Gruselmomenten und der Optik: Die Sümpfe des Bayou und das Spukhaus wirken so echt, dass man meint den Verfall und den Moder durch die Leinwand zu riechen. Sehr feines Spiel.

Resident Evil Village [PS4]
Nach den Ereignissen von Resident Evil 7 ist Ethan Winters untergetaucht und lebt nun mit Frau Mia und Töchterchen Rose in Europa. Die Familienidylle wird abrupt gestört, wenig später findet sich Winters in einem verlassenen Dorf in den Karpaten wieder. Hier macht er schnell Bekanntschaft mit Werwölfen und Vampiren.

Gut, ich gebe es zu, Teil 7 haben ich nur gespielt um die Vorgeschichte zu „Village“ zu erfahren, und mit dem ganzen Resident Evil Kram habe ich mich nur beschäftigt, weil ich das Marketing mit einer drei Meter großen Vampirgräfin so toll fand. Das ist zwar ein wenig eine Mogelpackung – Lady Dimitrescu ist gar nicht die große Bösewichtin (no pun intended) – aber das Spiel spaßiger Abenteuerquatsch. Skurrile Figuren, Mutationen, ein Schuß Wolfenstein, dazu ein wenig Van Helsing – Capcom bedient sich bei Gruselklassikern des Filmgenres. Horror ist das nicht mehr, aber spannend gemacht und dank Fotogrammetrie sieht alles selbst auf der alten PS4 super aus. Rund 12 Stunden gepflegter Grusel mit einer tollen, wenn auch untererklärten Geschichte.


Machen:
Warten, auf das Ende der Pandemie.


Neues Spielzeug:

Neue Batterie für die ZZR, eine Yuasa YTX12-BS, die neuerdings ohne den Zusatz „BS“ verkauft wird. Und gucke an, die Renaissance springt jetzt viel besser an. Die alte Batterie, die mir damals die Werkstatt in Nizza aufgeschwatzt hat, hatte also entweder von Anfang an einen Hau wegen der kaputten Lichtmaschine, oder die war nach 5 Jahren einfach fertig.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Gnadenloses Leben, Momentaufnahme | 4 Kommentare

Corona-Tagebuch (31): Maximal kompliziertes Gelotter

Weltweit: 168.502.092 Infektionen, 3.500.383 Todesfälle
Deutschland: 3.671.057 Infektionen, 87.995 Todesfälle

Tag 441 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Die Impfstofflage wird langsam besser, ist aber immer noch nicht gut. Das Johnson&Johnson faktisch ausfällt, von Moderna und Biontech viel weniger geliefert wird als erwartet und jetzt erst einmal die Zweitimpfungen dran sind, macht es nicht besser. Immerhin, etliche Personen aus meinem Bekanntenkreis bekommen mittlerweile Impfangebote über ihre Hausarztpraxen.
Ich nicht.
Und warum das so ist, weiß ich seit heute.

Hausarztgelotter

Erst dachte ich ja, es läge daran, dass meine Hausärztin, bei der ich seit 20 Jahren war, vor sechs Wochen unvermittelt in Rente gegangen ist. Zu genau dem Zeitpunkt, an alle ihre Patient:innen sie dringend gebraucht hätten.

Ein neuer, mir unbekannter Arzt hat die Praxis übernommen, sie umbenannt und dann…. geschlossen. Im Ernst, der hat die Praxis übernommen und sie sofort zugemacht, um erstmal drei Wochen in Urlaub zu fahren.

Jetzt ist er wieder da, trotzdem kein Impfangebot. Weil: Die haben vergessen meine Anmeldung in DIE LISTE einzutragen. Wobei DIE LISTE aus zwölf speckigen, eselsohrigen Papierblättern besteht, die jeweils in drei Spalten eng und handschriftlich bekritzelt sind. Ernsthaft, auch unter dem neuen Arzt gilt der Einsatz von Excel wohl als Raketenforschung. Erschütternd.

Nun stehe ich immerhin auf DER LISTE, auf Seite 12, ganz unten rechts. Vor mir mehrere hundert Leute. Und für Erstimpfungen gibt es pro Woche zwei Ampullen, das sind 10 Dosen. Ginge es in dem Tempo weiter, bin ich ca. in zwei Jahren dran. Da geht es vermutlich im Impfzentrum schneller, oder?

Impfzentrum

Dieser Tage rollte die Meldung durch, es gäbe nun eine „Impfstoffbörse“ in Niedersachsen. Seltsamer Begriff, „Impfstoff-Lotterie“ passt besser. Der Gedanke dahinter: Sollte ein Impfzentrum freie Plätze haben, lassen die sich ad hoc buchen. In der Praxis ist das jedoch maximal kompliziert. Ich dokumentiere das mal hier, weil es so absurd. ist. Die Probleme sind:

  1. Man muss immer noch impfberechtigt sein, also entweder eine berufliche oder medizinische Indikation aufweisen. Die Indikationen sind genau definiert, eng gesteckt und müssen schriftlich nachgewiesen werden.

  2. Das Impfportal in Niedersachsen gibt die Termine nicht einfach so bekannt. Um zu erfahren ob etwas frei ist, muss man das gleiche Registrierungsverfahren durchlaufen wie bei der Anmeldung zur Impfung, auch wenn man das schon einmal für einen Eintrag in die Warteliste getan hat. Das schreckt schon mal die meisten ab, weil sie denken, sie seien hier verkehrt. „Impfbörse? Hier ist keine Impfbörse. Nur sie Seite wo ich mich doch schon für die Warteliste angemeldet habe!“

WEr sich doch traut, muss die folgenden 7 Schritte durchlaufen:

1. Formular Datenschutzerklärung, ->
2. Formular: Angabe, ob man einen Einzel- oder einen Gruppentermin vereinbaren oder eine Buchung stornieren möchte. (Wobei es gar nicht möglich ist Gruppentermine zu buchen) ->
3. Formular Alterseingabe, ->
4. Formular: Angabe ob berufliche Indikation vorliegt ->
5. Formular: Angabe ob medizinische Indikation vorliegt,
6. Formular: Belehrung und Hinweise, Warndialog.

Auf dem 7. Formular erfährt man nun, ob gerade Termine frei sind.

Wohl gemerkt, dass ist keine einmalige Sache – das Importal Niedersachsen kennt nämlich keine Accounts, weshalb man dieses Prozedere JEDES Mal machen muss, wenn man nach freien Terminen gucken möchte.

Sollten doch Termine frei sein, heißt es schnell handeln, denn befindet man sich im Rennen um die Zeit mit Dutzenden anderen Impfwilligen und auf einem maximal komplizierten Hinderniskurs.

Als erstes muss eine Mobiltelefonnummer angegeben und ein Captcha abgetippt werden, so ein ganz klassisches mit verdrehten Zahlen und Buchstaben und Groß- und Kleinschreibung. Hat man das geschafft, ohne sich in der Aufregung zu vertippen, bekommt man einen Code per SMS.

Den muss man auf der Seite eingeben und kommt dann auf ein Registrierungsformular für Name, Adresse, Schuhgröße.

Spätestens bei der Adresseingabe wird es richtig hakelig, denn das Feld für die Straße akzeptiert scheinbar keine Eingabe. Tippt man da etwas rein und geht weiter zum nächsten Feld, verschwindet die Eingabe und es kommt der Hinweis „Pflichtfeld nicht ausgefüllt“. Zarte Gemüter geben hier bereits auf, dabei ist das nur ein fiese Falle in Form eines schlecht designten Formulars.

Was hier passiert, ist aber auch perfide: Tatsächlich lädt die Website im Hintergrund ein Straßenverzeichnis vor Ort. Das soll Fehleingaben verhindern und ist gleichzeitig als Komfortfunktion gedacht, aber in diesem Fall superschlecht implementiert: Es dauert 5 bis 10 Sekunden bis das Straßenverzeichnis geladen ist und als Vorschlagsfeld erscheint. Dann liegt es aber UNTER dem Autocomplete-Feld des Browsers UND es ist es nicht an der richtigen Stelle, sondern fängt immer bei „A“ an.

In der Praxis sieht das so aus: Wohne ich im Zukowski-Weg und beginne mit der Eingabe, lädt ab dem dritten Buchstaben der Eingabe („Zuk“) unebemerkt im Hintergrund das Straßenverzeichnis. Bin ich zu schnell und springe weiter bevor es fertig geladen ist, gibt es einen Fehler. Bleibe ich lange genug in dem Feld, erscheint das Verzeichnis als Drop-Down und bietet mir als Vorschlag zur automatischen Ergänzung von „Zuk“ den Beginn des Alphabets an, also den „Aaron-Droschke-Weg“. Davon lässt es sich auch nicht mehr abbringen, weitere Eingaben per Tastatur ignoriert das Feld. Lösung: Man muss dann per Hand durch das Verzeichnis ALLER STRAßEN DES WOHNORTS scrollen bis zur richtigen Straße und die anklicken. Erst dann geht es weiter… und nun kommt in der Regel dann die Meldung „Leider keine Termine mehr frei“ – Rennen verloren.

Impfsuche.de

Damit man den ganzen Quatsch zumindest bis zum SMS-Captcha abkürzen kann, bietet sich für Niedersachen die Seite „Impfsuche.de“ an. Keine Ahnung, woher die private Seite ihre Daten hat, aber die Seite aktualtisiert sich selbst und zeigt zeitnah an, wenn irgendwo Termine frei werden. Sehr praktisch. Zumindest bekommt man mit, wenn wieder eine Lotterie im Rennen um einen Impfplatz startet.

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Kategorien: Corona-Tagebuch | 9 Kommentare

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