RSS

Intensivstation

Am Sonntag war die NDR-„Intensivstation“, der „satirische Monatsrückblick“ im PS-Speicher in Einbeck zu Gast. Da ich war noch nie bei der Aufzeichnung einer Fernsehsendung dabei, bin ich da mal hingefahren. War schon interessant, die ganze Orga zu sehen und die Technik und wie man eine Sendung so aufzeichnet, dass man sie am Ende für Radio und Fernsehen verwursten kann.

Das Programm ist inhaltlich nicht zur Gänze schlecht, das Publikum ist gewogen und auch in meine Gesichtszüge schleicht sich ab und zu ein Schmunzeln. Die meisten Gags sind aber eher slow-clap würdig, vorausgesetzt, die „Satiriker“ kommen überhaupt bis zur Pointe und verstammeln die nicht vorher, was des öfteren passiert.

Gut, Livesituationen sind nicht einfach, aber generell muss man doch mal die Frage stellen, was wirklich der Anspruch an aktuelle und lustige Satire ist. Satire im Öffentlich-Rechtlichen, das sind auch im Jahr 2017 noch stotternde Pullunderträger, die durch ein Zeitloch direkt aus Heinz-Erhardt-Zeiten gefallen sind, Moderatoren in glänzenden Jacken und Komiker, die aussehen als wären sie technische Zeichner und hätten nur sich auf die Bühne verlaufen – was direkt auf den Humor durchschlägt. Über Berliner Eigenarten zu referieren hat halt außerhalb des selbstreferenziellen Berlins nur begrenzten Unterhaltungswert, und das als Ausrede für das Absingen eines, mindestens 3 Strophen zu langen, Lobeslieds auf Bad Harzburg herzunehmen, tut den Ohren schon arg weh. Gerechterweise muss man sagen, dass das in der Pre-Show war und im Fernsehen nicht zu sehen sein wird.

Der amerikanische Gast hatte einen guten Einstieg, liess dann aber stark nach und verstolperte seine Pointen. Er sollte zukünftig als Mitch McConnell-Lookalike gehen, damit wäre er der Hit. Lichtblick war Antonia von Romatowski, die nicht nur ihre Paraderolle, die Frau Merkel, gab, sondern auch gleich noch als Hannelore Kraft, Flintenuschi, die Pretzel-Petry und die Wagenknecht auftrat. Äußerlich zum verwechseln ähnlich zurechtgeschminkt, inhaltlich leider auch sehr platt – eine Politikerin macht mehr aus als nur ein nerviger Nöhlton. Wäre Romatowski keine Frau, man würde ihr Frauenfeindlichkeit vorwerfen.

Öffentlich-rechtlicher Humor verlangt leider auch immer zwingend eine Jazzband, die zwischen den Akts röddelt und knötert und „lustige“ Jingles spielt. „Warum???“, möchte man da rufen, „Wer hat das erfunden? Warum findet das jemand gut?“. In der „Knoff Hoff Show“ in den 80ern war das schon irritiertend, 30 Jahre später versteht man es gar nicht mehr.

Ich verstehe es nicht, die Redakteure der Sendung sind alle so Mitte 40, machen aber Satire, die eine Patina aus den 50er Jahren trägt. Woher kommt das? Wird man im Rundfunk so sozialisiert? Oder richtet sich das Progamm nach der Zielgruppe? Das würde einiges erklären, ich war nämlich tatsächlich einer der jüngsten an dem Abend. Der Rest des Publikums war im Schnitt weit schon über die Pensionierung hinaus. So wie dieser Ü-Wagen:

Die Sendung „NDR Intensivstation“ mit der Aufzeichnung aus Einbeck läuft am Donnerstag, den 06.04. um 23.30 Uhr im NDR.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 4. April 2017 in Event

 

Betriebserlaubnis erloschen

Samstag morgen, super Wetter, was macht man denn da mal? Eigentlich war eine kleine Ausfahrt mit der V-Strom geplant. Das wird aber nun nichts, denn die Betriebserlaubnis für die Maschine ist erloschen. Ernsthaft.

Und zwar deswegen:

Die Frau Strom wurde vergangene Woche in der Werkstatt des Vertrauens nach meinen Vorstellungen ein wenig umgebaut. Die länglichen Metallstücke auf dem Bild wurden neu eingesetzt. Die machen, dass die recht große Maschine nun drei Zentimeter tiefer liegt. Dadurch hat sie nun die perfekte Größe für mich. Dummerweise muss man so einen schwerwiegenden Eingriff ins Fahrwerk beim TÜV abnehmen und in die Papiere eintragen lassen, sonst erlischt die Betriebserlaubnis.

Eigentlich hatte ich angenommen, dass die Werkstatt sich um sowas kümmert, die haben eh jeden Tag den TÜV im Haus. Stattdessen habe ich nur ein Teilegutachten mitbekommen, und deswegen muss ich mich den ganzen Samstag Vormittag mit einem stinksaueren Prüfingenieur rumschlagen. Der ist angepisst, weil 01. April ist und der ganze Hof voller Saisonkennzeichenfahrer mit Hauptuntersuchungsbedürfnissen steht, und nun komme ich und will, dass er das Teilegutachten LIEST, die Ausführung begutachtet und DANN auch noch bestätigt, dass alles OK ist.

Das dauert, und Bock hat er darauf auch nicht. Aber was soll ich machen, ohne seine Begutachtung darf ich die V-Strom nicht im Straßenverkehr bewegen. Das ändert natürlich nichts an der schlechten Laune des Prüfers. Vielleicht glaubt er deswegen nicht, dass der Seitenständer wirklich auseinandergeflext, um zwei Zentimeter gekürzt und dann wieder zusammengeschweißt wurde. Wie auch immer, drei Stunden und 40 Euro später habe ich meine Eintragung, und die V-Strom darf wieder auf die Straße.

Zwei Schritte vor, einer zurück

Aber will ich wirklich mit der Maschine unterwegs sein? Bei der Fahrt zur Prüfung fing die Kiste plötzlich an zu stinken und zu qualmen. Ich habe natürlich sofort angehalten und die Sitzbank runtergerissen, konnte aber nicht erkennen woran es liegt. Vorsichtshalber stelle ich beim nächsten Anlassen einen Feuerlöscher bereit.

Am Samstag nachmittag entdecke ich dann auch, woher es raucht. Die Werkstatt hat es tatsächlich geschafft, einen neuen Ölschlauch direkt über den Auspuff zu legen. Der Schlauch ist natürlich geschmolzen, was sowohl die spontane Rauchentwicklung als auch den Ausfall des Ölsystems und in Folge die gammelig aussehende Kette erklärt.

Seufz.

Ein Genuss ist das Fahren mit der Strom im Moment ohnehin aber nicht. Die Tieferlegung sorgt dafür, dass der Hauptständer in Linkskurven superschnell aufsetzt. Der muss also runter. Zu gebrauchen ist er eh nicht mehr, denn durch den steileren Winkel ist es nun unmöglich geworden die Strom alleine aufzubocken. Dummerweise bekomme ich alleine die Halteschraube nicht ab. Genausowenig wie die vom Seitenständer, die einmal getauscht werden müssen. Also nochmal ein Werkstatttermin. Obwohl die bis Mai ausgebucht ist und ich gerade erst eine vierstellige Summe dort gelassen habe. Ich könnte kotzen.

Aktuell fühlt es sich wirklich an, als würde ich für jedes Stückchen vorwärts wieder einen Schritt zurück machen. Trial-and-Error, für jedes gelöste Problem tut sich mindestens ein neues auf. Gut, das war bei der ZZR 600 genauso, aber da hat sich das zeitlich stärker verteilt. Drei Jahre habe ich an der rumgebaut, bis alles genau so war, wie ich das wollte. Die V-Strom habe ich jetzt gerade mal 4 Wochen, und in der Gesamtschau ist sie schon recht weit. Muss sie auch, in zwei Monaten geht es auf Reisen. Kleiner Haken: Vor lauter Rummacherei an der Kiste weiß ich noch nicht, wo ich mit ihr überhaupt hinfahren will.

 
15 Kommentare

Verfasst von - 3. April 2017 in Motorrad

 

Reisetagebuch Sizilien (9): Rosalia

Samstag, 15. Oktober 2016, Palermo

Für Thanatouristen gibt es eine Art „Bucket List“. Pflichtorte, die man unbedingt gesehen haben sollte. Jeder, der wie ich von besonderen Sepukralbauten fasziniert ist, hat auf den vorderen Stellen dieser Liste die Kirche von Horta Kudna bei Prag, die Katakomben von Paris, die Kapuzinergrüfte von Rom und die Kapuzinergruft von Palermo. Genau dahin bin ich heute Morgen auf dem Weg.

Ich wandere durch die staubigen Straßen. Fußwege gibt es nicht, die alten Häuser stehen direkt an der Straße. Farbe haben die Hauswände das letzte Mal vor 30 oder mehr Jahren gesehen. An vielen Stellen ist der Putz so weiträumig abgebröckelt, dass man auch das Mauerwerk durchsehen kann, was in manchen Häusern selbst auch Löcher hat.

Die Straßen sind von Müll übersät, vielleicht Überbleibsel des Sturms von letzter Nacht. Die Hauseingänge dagegen sind blitzsauber. Es ist Samstag Morgen, und ich sehe etliche Leute, die voller Hingabe die Stufen zu ihren Haustüren scheuern. Menschen sind seltsam. Alles hier verfällt, für die Straßen ist niemand zuständig, aber was sollen die Nachbarn sagen, wenn die Hausschwelle schmutzig ist?

Irgendwann heute Nacht hat es wohl ein paar Tropfen geregnet, und diese Tropfen haben aus dem heißen Wind des Scirocco den Wüstensand gewaschen, den er als Gastgeschenk aus Afrika mitgebracht hat. Ausnahmslos alles ist verdreckt. Auch die beiden frisch gewaschenen Hemden, die ich zum Trocknen auf den Balkon gehängt hatte, sind mit einer ockerfarbenen Sandschicht überzogen. Die kann ich gleich nochmal waschen.

Der Scirocco hat sich beim Besuch aus Afrika nicht die Füße abgetreten.

Nach einer halben Stunde Fußweg erreiche ich den Eingang zum Kapuzinerkloster der Stadt, und dort den Eingang zur Gruft des Ordens.

Hinweis: Bilder von Skeletten und einem toten Kind nach dem Klick.

Read the rest of this entry »

 
4 Kommentare

Verfasst von - 1. April 2017 in Reisen, Wiesel

 

Momentaufnahme: März 2017

Herr Silencer im März 2017
„Du wirst Dich setzen wollen, ich muss Dir mal nen Stuhl anbieten.“ -„Warum? Damit ich von selbigem fallen kann?“

Wetter: Monatsanfang bis -mitte durchwachsen mit Temperaturen zwischen 2 und 12 Grad, Sonne, Regen und Schnee. Im letzten Drittel Sonne, Temperaturen klettern in moppedfreundliche und sogar sommerliche Regionen. Und in den letzten 5 Tagen fangen die Bäume an zu blühen.

——————————————————————————————————————————————————-
Lesen:

Ben Aaromovitch: Rivers of London
Ein junger Polizist in London hofft zur Kripo zu kommen, stattdessen stolpert er in die Abteilung Magie der MET Police. Die besteht nur aus einem Mann, der anscheinend Zauberer ist und nach einem Azubi sucht.

Was´n das? Verquickung von Krimi, Harry Potter und Horror? Seltsame Mischung, und keine der drei Seiten bedient das Buch richtig. Der Plot ist aufgrund deftiger Szenen nichts für Kinder oder zartbesaitete, für einen spannenden Krimi zieht sich die Handlung zu lange, und die Magieelemente um alte Götter und seltsame Wesen sind direkt von Neil Gaiman „Neverwhere“ entliehen. Polizeiarbeit wird so frei von jeglicher Kenntnis beschrieben, dass man sicher sein kann, dass der Auto nie auch nur eine Folge „CSI“ gesehen hat. Wer die Verbindung von Magie und Polizei reizvoll findet, sollte sich lieber Eoin Colfers „Artemis Fowl“-Bücher zu Gemüte führen, die „Lower Elements Police Recon Unit“ (Kurz: „LEP Recon“ oder „Leprechaun“) ist immer noch um Klassen besser als „Rivers of London“.

——————————————————————————————————————————————————–

Hören:



Johnny Cash: American IV: The Man comes Around

Durch den Trailer zu „Logan“ drauf gekommen. Johnny Cash singt Nine Inch Nails, U2 und anderes. Interessant.


Caro Emerald: Emerald Island

Eigentlich wird es ja mal wieder Zeit für ein neues Album, das letzte erschien bereits 2013. Aber wenn man ein eigenes Label betreibt, dauernd auf Tour ist und nebenbei noch Kinder bekommt, ist dafür wohl keine Zeit. Oder nur so halb. Und nur so halb ist „Emerald Islands“, eine gerade mal 18 Minuten lange EP mit 6 Songs. Alle perfekt arrangiert und gemischt, aber leider alle total belanglos. Gehört – vergessen.

———————————————————————————————————————————————————

Sehen:

Logan [Kino]
Ausführliche Besprechung hier.

Die Schöne und das Biest [Kino]
Frankreich, kurz nach dem Mittelalter. Belle ist unabhängig, clever und belesen – und genau deswegen eine Außenseiterin. Durch Umstände endet sie als Gefangene im Schloss des Biests, dessen verzauberter Hofstaat darauf hofft, dass sie den Fluch lösen kann.

Der Trickfilm von 1991 ist ein Meisterwerk, die Realverfilmung von 2017 ist bestenfalls seltsam. Auf der Haben-Seite ist hier ein hoher Production-Value und eine strahlende Emma Watson zu verbuchen. Der Film hat aber schwere Probleme: Ausnahmslos jede Figur benimmt sich entweder teilnahms- und farblos (Dorfbewohner, Belles Vater) oder wie eine überdrehte Arschgeige (alle anderen). Die Inszenierung ist vollkommen gefühllos. Wo im Zeichentrickfilm große Gefühle wogten, passiert hier genau – nichts. Eine Geschichte um Liebe, in der nur über Liebe gesprochen, sie aber nicht gezeigt wird – das ist uncool. Dazu kommt das digitale Makeup des Biests, das es zwar in Nahaufnahmen beeindruckend scheinen lässt, aber schon in der Halbtotalen wirkt wie ein Charakter aus einem Computerspiel – Animationsprobleme inklusive. Oder die Ballsaalszene! Die war 1991 ein Meisterwerk der 3D-Animation und ein Höhepunkt des Films! In der 2017er Auflage ist sie sinnlos, platt und einfach so vorbei. Nee, so ein emotionsloser Streifen wird dem Stoff nicht gerecht.
Aber hey, Emma Watson! Ich würde sogar Tatort gucken, wenn Miss Watson da mitspielt!

Ghost in the Shell [Kino]
In naher Zukunft, in Hong Kong: „Major“ ist eine Soldatin mit Roboterkörper, hat aber keine Ahnung wo sie herkommt. Daneben quält sie die Frage: Was unterscheidet sie noch von einer reinen Maschine?

Ein Gehirn im Körper von Scarlett Johannson! Diese verrückten Filmemacher, was fällt denen bloß als nächstes ein! Leider verbessert das ihr Schauspiel nicht, wobei das ausdruckslose Gesicht natürlich schon wieder gut zu einem Roboter passt. Die Geschichte ist ebenfalls vom Fließband, der große Konflikt „Was macht einen Menschen aus?“ wird nur desinteressiert tangiert. Wirklich interessieren tut sich der Film mit seiner bierdeckellangen Handlung ohnehin für nichts, er will nur schöne Bilder zeigen. Scarlett Johannson in einem Siliconanzug, Stattansichten, dunkle Keller voller Kabel. Die Bilder kommen direkt aus der Comicvorlage, und das merkt man.

Die Inszenierung ist gewaltig, alles wirkt wie Blade Runner auf Amphetaminen. Die Action ist dagegen nur mittelmäßig. Irgendwie findet es ja jeder Regisseur seit „Iron Man“ es geil, wenn Johannson im knappen Fummel einen Gang langrennt und dabei Leute verhaut. Das macht sie auch hier, und viel mehr passiert halt auch nicht.

———————————————————————————————————————————————————

Spielen:

Horizon: Zero Dawn [PS4]
„Du sollst Sie aufziehen! Sie zu lieben haben wir Dir nicht befohlen!“, keift die Matriarchin den Jäger Rost an. Der kann aber nichts dafür – das Baby, dass seiner Obhut überlassen wurde, hat sein Herz erobert, auch wenn ihre bloße Existenz die beiden zu Ausgestoßenen macht. Rost gibt dem verstoßenen Kind den Namen Aloy und zieht sie ohne Unterstützung des Stammes auf. Er zeigt ihr die Welt, in all ihrer Schönheit – die Wälder und Wiesen der Berge, die überwucherten Städte und eingestürzten Wolkenkratzer der Vorfahren. Er lehrt sie Stammesriten, das Sammeln, das Überleben und das Jagen. Er bringt ihr bei, was es heisst allein zu sein. Und er zeigt ihr die Maschinentiere, die die Welt bevölkern.

Wenn Postapokalypse nicht reicht, dan kommt die Post-Postapokalypse. In Horizon: Zero Dawn hat die Welt und die Menschheit die Auslöschung schon lange hinter sich. Unsere Zivilisation ist nur ein noch eine Sage, ein Nachhall einer Erinnerung. Es gibt noch Menschen, aber die leben wie in der Steinzeit, und teilen sich die Welt mit riesigen Maschinenwesen, die wie Roboterdinos aussehen.

Die Menschen leben wie in der Steinzeit und haben die Technologie vergessen, während überall um sie herum Maschinen sind? Eine total skurrile Situation, aus der das Spiel genauso seinen Reiz zieht wie aus dem asymetrischen Wissensstand von Spielfigur und Spieler: Aloy will wissen, wer ihre Eltern waren, warum sie ausgestoßen wurde und warum die Maschinentiere immer agressiver werden.

Als Spieler interessiert einen das schon auch, aber die wirklich große Motivation ist, herauszufinden, was mit unserer alten Welt – die Aloy nicht kennt – passiert ist. Überall sieht man noch Zeichen unserer Zivilisation – aber warum ist sie untergegangen, und woher kommen die Maschinentiere? Wenn man alte Militärbasen erkundet, ist das für Aloy eine geheimnisvolle Höhle der Vorfahren – für den Spieler ein Zeichen des Untergangs. Wenn Aloy uralte Artefakte findet, die sie als „Windspiel“ oder „Rituelle Vase der Gottheit Miriam“ identifiziert, dann weiß der Spieler, dass es sich dabei um einen Schlüsselbund und eine Kaffeetasse einer gewissen Miriam handelt. Als Spieler ist man gewissermaßen die Brücke in die Zukunft, und das ist… seltsam. Gleichzeitig weiß man als Spieler nicht, was Aloy eigentlich kann und wie ihre Stammesgesellschaft funktioniert – das Spiel erklärt viele Mechaniken auch einfach nicht. Aloy weiß das aber schon, und überrascht so ein ums andere mal.

Allein die großen Fragen und die Welt des Spiels zu erforschen ist spannend, und die Hauptgeschichte ist ausgezeichnet geschrieben und inszeniert, so ziemlich das Beste, was ich seit sehr langer Zeit im Bereich SciFi gesehen/gelesen habe. Das H:ZD dazu noch eines der schönsten Spiele überhaupt für die PS4 ist, mit Grafik auf Animationsfilmniveau – das macht es noch mehr zu einem Vergnügen. Richtig bei Laune hält einen aber Aloy. Ich habe noch NIE einen so gut geschriebenen und weiblichen Charakter in einem Spiel erlebt. Sie hat ihren eigenen Kopf, sie kann und weiß Dinge, von denen ich nichts weiß, sie überrascht mich, und sie tut und zeigt mir Dinge, statt sie nur zu behaupten. Das macht nicht nur die Protagonistin, sondern auch die Welt um sie herum fühlbar – und damit spannend.

Nervig sind lediglich manche Designentscheidungen. Es gibt keine Gesundheitsregeneration, Aloy muss Pflanzen sammeln um bei Kräften zu bleiben. Das Reisesystem hängt von Consumables ab, und freies Speichern gibt es auch nicht, das geht nur an Lagerfeuern. Das alles nervt anfangs kolossal, ergibt im Kontext der Welt aber einen Sinn und macht H:ZD am Ende zu einem besseren Spiel. In der Summe haben wir es hier mit nicht weniger als einem der schönsten und vermutlich dem besten Open-World-Spiel auf der PS4 zu tun.

Um mal einen Eindruck zu geben: Die folgenden Bilder sind keine Artworks oder vorgerenderte Bilder, das ist die Spielegrafik. Mit Dank an Hispanicguy, Vladesthelm, That_kid_chris und SikorskyUH60 für die Bilder.

Rise of the Tomb Raider [PS4]
Niemand glaubte Lord Croft. Der Brite suchte nach einer „göttlichen Quelle“, wurde dafür von der Öffentlichkeit für verrückt erklärt und in den Selbstmord getrieben. Seiner Tochter Lara geht es nicht besser. Die hat nach den übernatürlichen Erlebnissen auf der Insel Blut geleckt und will beweisen, dass ihr Vater nicht verrückt war. Ihre Reise führt sie auf die Spuren alter Geheimorden, eines seltsamen Propheten und ins äußerste Sybirien.

Vor ein einhalb Jahren kamen schon die XBOX-Versionen als Timed Exclusive raus, Ende 2016 erschien der zweite Teil des Tomb Raider Reboots endlich auch für die PS4. Das sieht auf der neuen Konsole hübscher aus als auf der XBOX360-Version, die ich seinerzeit in den Fingern hatte. Fast fotorealistisch präsentieren sich Höhlen, Ruinen, Dschungel und das verschneite Sibirien. Unverändert stark ist die Geschichte, die sich langsam entfaltet, einen starken Sog entwickelt und bis zum Ende durch Kohärenz, Liebe zu Details und gelungenes Pacing überzeugt. Ganz, ganz große Videospielkunst.

———————————————————————————————————————————————————

Machen:
Dienstreisen, Tagungen, noch und nöcher. Abends manchmal: Basteln.

———————————————————————————————————————————————————

Neues Spielzeug:
Eine V-Strom!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
4 Kommentare

Verfasst von - 31. März 2017 in Momentaufnahme

 

#Umfallera: So schnell geht das

Die weitaus häufigste Art ein Motorrad zu verbeulen ist nicht der Unfall, sondern der gemeine UMFALL. Der ist deshalb besonders doof, weil man fast immer niemandem außer sich selbst die Schuld geben kann. Nur durch eigene Dummheit fällt das Mopped um, und im schlimmsten Fall entsteht ein Schaden von vielen hundert Euro. Da wird nicht nur das Möpp verbeult, sondern auch gleich noch das Ego. Eben noch war man ein Held, jetzt ist man ein Doof.

Mädchenmotorrad hat eine 10-Schritte-Anleitung geschrieben, wie man das Motorrad an den Boden bekommt. Daraus hat Griesi unter dem Hashtag #Umfallera einen Trend auf Twitter gestartet, unter dem z.B. Mr. Transalp oder Ernie Troelf und 55Achim von ihren schönsten Umfallern erzählen. 10 Schritte? Ich schaffe das schneller. Hier die bisherigen Highlights meines Motorradlebens:


Der Umfaller mit der längsten Ansage:
Wochen im voraus war mir klar, dass ein Wendemanöver mit der ZZR 600 auf dem abschüssigen und tief geschotterten Parkplatz der Pension in der Nähe von Livorno echt schwer werden würde. Zu meinem eigenen Erstaunen ging das aber dann doch recht gut – ich kriegte die Karre rückwärts rausgewuchtet, und irgendwann stand sie quer zum Hang. Jetzt musste ich nur noch vorsichtig Gas geben und eine weite Rechstkurve fahren. Tja. „Nur noch“.

Dummerweise gab ich zu wenig Gas um aus dem Kiesbett zu kommen, die Maschine kippelte noch im Stehen, ich versuchte mit den rechten Fuß zu stützen. Auf der Seite war aber das Gefälle, und als der Fuß Bodenkontakt hatte, war der Neigungswinkel schon zu groß zum Abfangen, und außerdem rutschte ich im Schotter weg. Zack, lag die Kiste mit dem Sattel bergab im Kiesbett. Allein bekam ich die nicht mehr hoch, zum Glück war ein Harleyfahrer in der Nähe. Schäden gab es wenige, nur Kratzer an der Verkleidung und am Auspuff, aber mein Ego leidet daran bis heute.
Benötigte Schritte: 5 (Gas geben, rumkippeln, mit dem Fuß rumrudern, ausrutschen, Peng)

Der tiefste Umfaller: Die Honda CB 450 N parkte auf einer bröckeligen Parkbucht. Links Straße, rechts Böschung, fast senkrecht, zwei Meter tief, an einem Zaun endend. Irgendwann hatte ich es wohl zu eilig. Vielleicht bin mit zu viel Schwung von links aufgestiegen, jedenfalls bin ich gleich rechts die Böschung runtergefallen. Das Motorrad hat sich dabei überschlagen, einer der Hepco&Becker-Koffer hat einen Riss bekommen. Sonst ist nichts passiert. Das Ganze muss aber so traumatisch gewesen sein, dass ich den Vorfall wirklich komplett verdrängt hatte. Als meine Schwester neulich meinte „Weisst Du noch, damals, als wir zu zweit das schwere Mopped aus der Böschung bergen mussten?“ konnte ich ehrlich mit „Nö“ antworten. Das sind die Selbstheilungskräfte des Geistes.
Benötigte Schritte: 3. (Aufsteigen, Gleichgewicht verlieren, Peng)

Der schnellste Umfaller: Fahrschule. Ich wartete auf den Fahrlehrer, einen ehemaligen Bundeswehrbullen mit dem Benehmen eines Dampfhammers. Während ich wartete, saß ich ganz locker und lässig mit einer Arschbacke auf der Virago XV535. Das war das Schulungsmotorrad und die geliebte Privatmaschine des Fahrlehrers („MACHSTE DA AUCH NUR EINEN KRATZER REIN REISS ICH DIR DEN KOPP AB!“). Als der Fahrschulwagen um die Ecke kam, stand uch zur Begrüßung lässig auf Virago und ging in seine Richtung, als ich es hinter mir plötzlich Scheppern hörte. Schaden weiß ich gerade nicht mehr, er war aber auf jeden Fall deutlich sichtbar und der Rest der Fahrschulzeit kein Vergnügen.
Benötigte Schritte: 2. (Aufstehen, Peng)

 
17 Kommentare

Verfasst von - 30. März 2017 in Motorrad

 

Trauriger Tag: Goodbye, UK

„Und hier befinden Sie sich im Oberhaus, im House of Lords“, sagt der Butler.

Er ist natürlich kein echter Butler,  mit seiner steifen Haltung und der grauen Uniform wirkt er nur so. Er ist ein Guide, der mich durch den Westminster Palace führt.  In dessen Nordflügel liegt das House of Commons. Genau gegenüber des Gebäudezentrums, am Ende eines langen Gangs, liegt das House of Lords.

Im „Unterhaus“, den Commons, arbeiten Berufspolitiker, erläutert der Butler. „Aber hier“, sagt er und schwenkt den ausgestreckten Arm über die roten Ledersofas, „hier arbeiten Experten“. Ich gucke ihn schief an, was er bemerkt und seine These ausführt. „Ich weiß, was Sie denken. Im allgemeinen werden die Lords für Snobs gehalten. Das war früher vielleicht mal so, heute sind es einzigartige Experten. Lords werden auf Lebenszeit ernannt, können aber ihren Titel nicht vererben. Hier, im Oberhaus, beschäftigen Sie sich dann mit Themen, die ihrer Profession nahestehen. Mit anderen Worten: Hier kommen Leute hin, weil sie auf ihrem Gebiet außergewöhnliches geleistet haben, und hier können sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zum Wohle des Königreichs einsetzen. Für musikbezogene Fragen haben wir z.B.Sir Andrew lloyd WEbber, für bauliche Fragen Sir Norman Foster, und Sir Richard Attenbourough hat in allen möglichen Ausschüssen mitgearbeitet.“

Außerdem, so führt er weiter aus, sind Lords nicht weisunggebunden. Es gibt keinen Fraktionszwang und keine feste Parteizugehörigkeit.Vielleicht genau aus diesen Gründen – kein Fraktionszzwang, nicht vom Volk gewählt – können die Lords nach Wissen und Gewissen entscheiden. Und tatsächlich waren es ausgerechnet die Lords, die gegen den Brexit gestimmt haben, dann an Art. 50 Garantien für die Bürger knüpfen wollten. Damit sind sie gescheitert und haben auch noch Schelte bekommen, aber dennoch muss man in diesem Brexit-Irrsinn mal deutlich sagen: Die Adeligen waren die EINZIGEN, die sich hier anständig verhalten haben.

„Ich unterzeichne dieses Dokument an diesem historischen Tag, weil das der Wille des Volkes ist“, sagte Theresa May, als sie den Austrtittsbrief an die EU unterzeichnete und Artikel 50 damit heute auslöste.

Nur: Das Volk ist scheissend dumm. Das ist genau der Grund, warum wir eine represenative Demokratie haben: Damit hochbezahlte Spezialauskenner Dinge aushandeln, und nicht, das der Kalle von der Trinkhalle über Europapolitik entscheidet. „Das Volk hat es so gewollt“ wird Großbritannien zerreissen, und die dortigen Politiker sind zu feige zu sagen „Schön, das etwas mehr als die Hälfte des Volks aus der EU will, aber das machen wir jetzt mal nicht, das ist nämlich dämlich“. Tja. Übrigens hantiert gerade noch einer laufend mit der „Das Volk will es so“-Argumentation herum. Kollege Erdogan hat angekündigt, sich dem Volkswillen zu beugen, wenn die Todesstrafe verlangt wird.

Volkes Willen, my Ass.

Ich werde in ein paar Jahren die Insel wieder besuchen. Vermutlich sind von Großbritannien dann gerade noch Wales und England übrig, beide wirtschaftlich am Ende. Ein lebendes Mahnmal, wohin Isolationismus führen kann.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. März 2017 in Betrachtung, Historische Anekdoten

 

Konfirmandenmode

Meist merkt man ja erst Jahre später, wie doof die Mode früher wirklich war. Die End-90er waren einigermaßen dezent, aber neulich, beim Gucken von „Friends“, fiel mir auf, wieviel Stoff MANN damals am Körper trug. Der Schnitt mancher Anzüge schlackerte und schlotterte geradezu am Körper rum.

Aber das sah immer noch besser aus als das, was es im Moment zu kaufen gibt. Da brauchen keine Jahre dazwischen zu liegen um zu erkennen, das die aktuelle Herrenmode… nun, ALBERN ist.

Mal ernsthaft, WER außer Hipsterchen zieht Anzüge an, die 3 Nummern zu klein sind? Damit sieht man aus wie ein Clown. Das passt natürlich zum restlichen Clownsoutfit der Hipstcherchen, mit ihren Riesenbrillen, Vogelnestern auf dem Kopf und Skinnyjeans. Irgendwo lacht sich ein Mugato darüber kaputt.

Nein, spätere Generationen werden nur zurückgucken, kichern und sagen „Mit was habt ihr damals gewaschen, dass euch alle Klamotten eingelaufen sind? Oder gab es keine passenden Klamotten zu kaufen?“

 
2 Kommentare

Verfasst von - 29. März 2017 in Ganz Kurz

 

Frühling!

Höret und preiset das Frühlingswiesel! Das Frühlingswiesel sorgt dafür, dass auch in diesem Jahr wieder Frühling ist! Hiermit verkündet es den Beginn der Motorradsaison! Der Winter war lang und kalt und dunkel, aber nun macht das Wiesel Frühling und gutes Wetter, dass es nur so kracht! Passt auf Eure morschen Knochen auf, fahrt vorsichtig und huldigt dem Frühlingswiesel!

Nach Frühling gerochen hat es ja schon vorvergangene Woche, aber irgendwie kam er dann doch nicht in den Quark. Kalt und regnerisch präsentierte sich der März, und erst in den letzten Tagen kam ein wenig die Sonne raus und die Temperaturen kletterten in den zweistelligen Bereich. Jetzt gibt der Frühling richtig Gas, denn das Frühlingswiesel proklamiert ihn hiermit!

Motorrad fahren konnte man eigentlich schon seit Anfang des Monats, denn Schnee und Minustemperaturen gab es da schon nicht mehr. Meine persönliche Saison hat tatsächlich am 03. März begonnen, denn da habe ich die V-Strom aus dem Solling geholt. Die kam gerade gestern aus der Werkstatt wieder, die mehre Tage an der neuen alten Maschine rumgeschraubt und -geflext hat, aber dazu später mehr.

Der Frühling hat mich aber eine erstaunliche Entdeckung machen lassen. Ich dachte, die V-Strom sei schwarz. Ist sie nicht. Wenn die Sonne auf den Lack scheint, beginnt sie blau zu glitzern! Ich fahre ein Glitzermotorrad!

Noch ein ernsthaftes Wort: Nach einem halben Jahr Pause muss man sich erst wieder an die völlig andere Fahrphysik und Handling gewöhnen. Motorradfahren ist so anstrengend wie Leistungssport, damit muss man erst mal wieder klarkommen. Für Moppedfahrer heißt das: Sich langsam und vorsichtig rantasten und wieder eingewöhnen. Für Autofahrer heißt das: Augen doppelt offen halten. Zweiräder sind wieder unterwegs, und mit ihrem Fehlverhalten ist zu rechnen.

 
11 Kommentare

Verfasst von - 26. März 2017 in Motorrad, wetter, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (8): Palermo!

Freitag, 14. Oktober 2017, Cefalù

Das B&B „Villa Rosa“ in Cefalù liegt auf einem Felsen, an dessem Fuß eine stark frequentierte Bahnstrecke und eine vielbefahrenen Straße vorbeiführen. Davon bekomme ich in der Nacht aber nichts mit und wache erst auf, als Dario seinen altersschwachen Citroen anlässt um zum Bäcker zu fahren.

Wenig später hustet sich der Citroen zurück den Berg hinauf, und als ich gerade aus der Dusche komme klappert Dario auf der Terrasse vor meinem Zimmer mit Tellern. Der Ausblick vom Frühstückstisch auf der Veranda ist fantastisch: Über eine Jasminhecke (und eine Fernsehantenne) blicke ich auf´s offene Meer hinaus, während eine frische, aber warme Brise weht.

Ein kleines Buffet bietet nicht nur Käse, Wurst und Konfitüre, sondern auch Feigen, Tomaten und Kaktusfrüchte aus dem eigenen Garten. Während ich Kaktus kaue, bringt Dario eine Macchina, einen Espressozubereiter, an den Tisch. Ein ganzes Kännchen Espresso, nur für mich! Fantastisch!

Das Wiesel verpennt das Frühstück.


Erst als ich schon die Sachen gepackt habe, blickt es träge um die Ecke.

Ich werfe den Rucksack ins Auto und verabschiede mich von Dario und von Cefalù. Heute geht es zurück auf Start, zurück zu dem Punkt, von dem aus ich meine Sizilienerkundung begonnen habe: Nach Palermo. Aber nicht auf direktem Weg. Weit in der Peripherie der größten Stadt auf der Insel beginnt eine Ringstraße, die ich nutze um zu einem Viertel um die Stadt herum zu fahren.
Read the rest of this entry »

 
3 Kommentare

Verfasst von - 25. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Technikgestützter Fail

Aus einem Prospekt:

„Unsere Dash Cams sind ultrakompakt und diskret, können aber unterwegs eine große Hilfe sein. Sie zeichnen während der Fahrt hochwertige Videos auf und bieten (…) den Go!-Alarm. Der Go!-Alarm kommt zum Einsatz, wenn haltende Fahrzeuge vor Ihnen wieder losfahren.“

OMG das darf doch nicht war sein! Wir haben tatsächlich das Problem, dass immer mehr Autofahrer das rote Licht einer Ampel als „STOP! HandyTime“! interpretieren, ihr Ding rausholen und daran rumspielen und dann das Anfahren verpeilen. Und jetzt gibt es auch noch Technik, die diesen Fail unterstützt? ARGH. So war das irgendwie alles nicht gedacht.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 24. März 2017 in Ganz Kurz

 

Quark Express

Mir wurde gerade vorgehalten, ich sei “passiv-aggressiv”.

Das ist natürlich Quark.

ICH BIN NICHT PASSIV, VERDAMMTE SCHEIßE!

 
4 Kommentare

Verfasst von - 22. März 2017 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch Sizilien (7): FahrenFahrenFahren

13. Oktober 2016, Taormina

„Darf ich jetzt bezahlen?“, frage ich. Prompt kommt von hinter dem Tresen der Rezeption ein „No.“ Valentina guckt mit demonstrativ gespitzen Lippen in ihren Computer und muss dann schließlich selbst lachen.

Es ist ein grauer und bedeckter Morgen in der Bucht von Taormina, und es fallen sogar einige Tropfen. Das ist aber vollkommen OK. Bisher habe ich mit dem Wetter ein Riesenglück gehabt. So trocken und wüstengleich heiß die Sommer aus Sizilien auch sind, im Oktober fällt normalerweise sehr viel Regen und gibt dem ausgedörrten Land das Leben wieder. Meist ist die Regenzeit Mitte bis Ende Oktober, also ziemlich genau jetzt. Aber in diesem Jahr hat es schon im September monsunartig geregnet, was die ganzen gesperrten Straßen und Erdrutsche erklärt. Das ich bislang jeden Tag strahlenden Sonnenschein hatte ist wirklich pures Glück.

Bedecktes Wetter, aber als Aussicht beim Frühstück immer noch zu gebrauchen.

Noch mehr Glück habe ich, dass das Tetrisspiel des Einparkmeisters meinen Twingo ganz nach vorn ans Tor befördert hat. Er steht sogar mit der Schnauze zur Ausfahrt, so dass ich gar nicht lange rangieren muss, sondern einfach einsteigen und vorsichtig aus der winzigen Auafahrt rollen kann. Es ist nicht zu glauben, aber auf der Fläche von vielleicht vier Behindertenparkplätzen sind gerade neun Autos und ein Motorrad untergebracht!

Durch den morgendlichen Rushhourverkehr geht es ein wenig an der Küste lang, dann ins Inland. Nach knapp 40 Minuten erreiche ich die Alcantara-Schlucht. Die ist bekannt für ihre seltsamen Gesteinsformationen und den Fluss, der durch sie durchrauscht. Früher was das Ganze ein Geheimtipp, jetzt steht hier ein riesiges Touristenzentrum, in dem man jede Art von Vergnügung buchen kann. Von Nordic Walking über Steilwandklettern bis hin zum Bodyrafting mit GoPro auf dem Kopf ist hier alles möglich. Sogar ein Maskottchen gibt es: ZazzaMike, ein Lurch-Ding, dass aussieht als stünde es unter Drogen.

Die Alcantara-Schlucht.

Es nieselt, und ich habe keine Lust darauf durch die Schlucht zu klettern oder sonstigen, von ZazzaMike empfohlenen, Aktivitäten nachzugehen. Also setze ich mich wieder in den Twingo und fahre weiter. Fahren, dass ist es, was ich heute will. Nur fahren, ein Mal quer durchs Land, ohne Route, und dabei die Insel auf mich wirken lassen. Und genau das mache ich dann auch.

Meist nicht schneller als 50, 60 km/h tuckert der Twingo über die SS120, die der Reiseführer als eine der schönsten Straßen Siziliens beschreibt. Recht hat er, die Straße schlängelt sich durch die Berge und an ihnen entlang, und dabei eröffnen sich immer wieder großartige Ausblicke.

Das Land ist zunächst Grün und hügelig und voller Wälder. Als ich die Region des Ätna hinter mir lasse, bleiben auch die Wälder zurück. Die Hügel sind jetzt grasbewachsen, und Schafe weiden darauf herum.


Read the rest of this entry »

 
2 Kommentare

Verfasst von - 18. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Wer keine Rettungsgasse bildet, hat einen extrem kleinen Pimmel

„Die haben mich gefragt, was ich mir einbilden würde, wer ich überhaupt sei, und ich soll nicht so einen Zirkus machen.“

Der Satz ist nicht an der Theke eines Schnellrestaurants gefallen, sondern wurde genau so einem Stadtbrandinspektor ins Gesicht gesagt – WÄHREND er auf dem Weg zur Rettung eines Schwerverletzten war.

Was war passiert? Unfall auf der Autobahn, Stau, Rettungskräfte kommen nicht durch, weil irgendwelche Bematschten die Rettungsgasse verstopfen. Passiert in Deutschland leider dauernd.

Jetzt könnte man natürlich sagen: Was soll man denn bitte erwarten? Die Deutschen sind zu doof sich ans Rechtsfahrgebot zu halten, begreifen nicht wie das Reißverschlusssystem funktioniert und sind sogar von Kreiseln überfordert, wen wundert es da, dass sie Rettungsgasse nicht können?

In obigen Fall haben Idioten tatsächlich vorsätzlich eine vorhandene Rettungsgasse verstopft und dann die Retter angepöbelt. Dafür werden sie jetzt hoffentlich derbe zur Rechenschaft gezogen. Aber viele Autofahrer WISSEN gar nicht wie Rettunggasse geht, weil sie es nicht in der Fahrschule gelernt oder nicht mehr präsent haben. Rettungsgasse? Wo bildet man die bei mehrspurigen Straßen? Zwischen der Linken und mittleren Spur? Oder zwischen der rechten und mittleren? Oder ist der Standstreifen die Rettungsspur?

Um sich das ganz einfach zu merken, gibt es seit Anfang des Jahres die „Rechte-Hand-Regel“. Der Daumen ist die linke Spur, die Finger alle anderen, und ZWISCHEN Daumen und Fingern wird die Rettungsgasse freigehalten. Das sieht dann so aus:

Die Regel gilt übrigens auch in Österreich und der Schweiz.
Ach, nochwas: Wer keine Rettungsgasse bildet UND DANN auch noch die RETTUNGSKRÄFTE DUMM ANMACHT hat einen einen extrem kleinen Pimmel. Und wählt in 94% aller Fälle auch noch AFD.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 17. März 2017 in Service

 

Amercia First

„America First“ ist die Devise von Trump. Dazu gehört wohl auch, dass man die kostbaren, eigenen Waren gar nicht mehr außer Landes lässt. Oder wie ist das sonst zu erklären, dass mein Paket erst eine Woche durch die Südstaaten dümpelt und sich nun in Fort Worth häuslich eingerichtet hat?

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 14. März 2017 in Ganz Kurz

 

Review: Logan (2017)

I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that’s real

Try to kill it all away
But I remember everything
What have I become
My sweetest friend
Everyone I know
Goes away in the end


And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

Logan übersteht den Tag nicht mehr ohne große Mengen an Schmerztabletten und Alkohol. Vom einstigen Wolverine, der wütenden, kraftstrotzenden Kampfmaschine, ist nur noch ein Wrack übrig. Sein Körper heilt nicht mehr richtig, er ist gezeichnet von alten Kampfspuren, einer chronischen Krankheit und Narben, die viel tiefer gehen als nur unter die Haut.

Krank und kaputt schlägt er sich als Uber-Fahrer durch. Nebenbei versorgt er noch Charles X. Xavier, den er in der mexikanischen Wüste versteckt. Xavier, einst der mächtigste Mutant und größte Geist der Welt, ist mittlerweile dement und dämmert als abgemagertes Skelett seinem Ende entgegen.

Logan gesteht es sich nicht ein, aber er und Xavier warten nur noch auf den Tod, und der wäre für die beide eine Gnade. Die Warterei wird aber je unterbrochen, als ein junges Mädchen auftaucht. Sie wurde aus Logans DNA gezüchtet, und das Unternehmen, das dafür verantwortlich ist, hätte gerne sein Eigentum zurück. Logan will aber nicht mehr kämpfen, deshalb bereitet er sich auf seine letzte Tat vor: Er rennt weg.

Superheldenfilme sind seit 10 Jahren DAS DING im Kino. Dominiert wird das Genre durch die Filme im Marvel Cinematic Universe, die beispiellos die Solofilme ihrer Superheldenfiguren zu größeren Geschichten verweben. Die Studios, die das zu Kopieren versuchen, scheiterten bislang scheppernd: Weder das DCU um Batman und ca. kommt aus dem Quark, noch hat King Kong-Universe einen guten Start. Auch das X-Men-Universe ist bislang er so meh.

Umso schöner, dass es jetzt einzelne Filme gibt, die nur für sich stehen wollen und dadurch die Freiheit haben andere Wege zu gehen. Die Möglichkeit dafür hat ausgerechnet der trashige „Deadpool“ freigekämpft, seit dessen Überrachungserfolg Non-Kanon-Superheldenfilme mit R-Rating überhaupt erst möglich sind.

Seit 17 Jahren spielt Hugh Jackmann Wolverine, den Mutanten mit den Krallenhänden. Neben Ensemblefilmen der „X-Men“ mit stark schwankender Qualität gab es auch schon zwei „Wolverine“-Einzelfilme auf. „Wolverine Origins“ war eine unfassbar dumme Origingeschichte ohne Origin, und der zweite Film wird nur in Erinnerung bleiben als „der mit der Atombombe und dem Robotersamurai, der Wolverine das Mojo klaut“. Mit der Geschichte von Logan werden neue Wege erkundet.

Die Story spielt in einer Situation und einer Zeit, in der die klassischen Superheldengeschichten auserwählt sind. Die Helden haben verloren, sie sind tot oder gebrochen, besiegt von der Banalität der menschlichen Angst vor dem anderen. Was mit den alten Helden passiert ist, wird in „Logan“ nicht ausführlich erklärt. Man erfährt es wenn man aufpasst, aber es gibt im Film nie einen Erklärbärmoment, in dem das Schicksal der X-Men oder die Geschichten von Xavier oder Logan explizit aufgerollt werden. Im nicht-erklären ist das Drehbuch so konsequent und brutal wie das Setting und die Story. In „Logan“ wird nichts behauptet oder erklärt, es wird gezeigt. Über weite Passagen verlässt sich der Film auf die Macht der Bilder, wenn er uns zitternde Hände, ausgezehrte Körper und heruntergekommene Wüstengegenden zeigt. Trotz der eigentlich ausgelutschten Story verfehlt das seine Wirkung nicht. Der Film atmet Hoffnungslosigkeit aus jeder Pore, und die legt sich wie ein Mantel auf die Stimmung der Zuschauer.

Wer einen kurzen Blick auf die Tonalität von Logan erhaschen möchte, kann sich dieses Kunstwerk von Trailer ansehen. Wie hier Johnny Cashs´ Intonation von „Hurt“ von den Nine Inch Nails druntergschnitten wurde, ist wirklich ganz, ganz groß. Als wäre der Song in dieser Version nur dafür gemacht.


Mit seinem „Show, don´t tell“ macht „Logan“ es genau anders als die lauen Filme, die zuletzt im X-Men-Universum spielten. In „Apokalyse“ wurde beispielweise immer wieder behauptet, dass der namensgebende Mutant voll mächtig und böse sei, den Beweis dafür blieb der Film aber schuldig – wodurch er so beliebig wurde, dass man die Handlung scon beim Verlassen des Kinosaals vergssen hatte.

Nein, „Logan“ behauptet nichts, was er nicht beweisen kann. Der Hauptcharakter vegetiert dahin, und vom ersten Moment an ist klar, dass sein Traum – ganz Aussteigen und auf einem Boot leben – nur eine unrealistische Illusion ist. Dieser Logan hat alles verloren und wird nichts mehr gewinnen, die Frage ist nur, wer mit ihm untergeht. Eine so abgefuckte Geschichte zu erkunden ist mutig und deprimierend zugleich. Logan ist definitiv kein Feelgood-Movie, sondern das genaue Gegenteil. Wenn man mal zu gute Laune hat und gerne wieder runter möchte, ist das genau der richtige Film. Hier gibt keinen Hoffnungsschimmer, nirgends. Auch das Auftauchen von Logans 11jährigem und weiblichen Klon ist eher frustrierend als ein ein Lichtstrahl. Es kann nur schlimmer werden, und das wird es auch.

Ebenfalls dank „Deadpool“ dürfen Superheldenfilme jetzt brutal und blutig sein, und das nutzt „Logan“ voll aus. Während die früheren „Wolverine“-Filme absolut jugendfrei waren, was angesichts eines Charakters mit Metalldolchen als Händen nachgerade albern ist, geht es in Logan hart und schmutzig zur Sache. Die Actionsequenzen sind nicht häufig, aber wenn Logan nochmal die Krallen auspackt, geht es äußerst brutal zur Sache. Da werden Körperteile abgehackt, Köpfe durchbohrt und Adern aufgerissen, dass einem ganz anders werden kann. Und mittendrin dieses Kind, dass aber nicht nervt, sondern tatsächlich den Film mit trägt und einige der coolsten Bad-ass-Momente überhaupt hat.

Dass die Drehbuchautoren das hinbekommen haben, muss man ihnen hoch anrechnen. Dafür verzeiht man ihnen auch, dass die Story um den verbitterten, alten Einzelgänger, der aus seiner Lethargie gerissen wird, eigentlich total ausgelutscht ist und genauso auch in „Lego Batman“ erzählt wird. Nerven tut allenfalls die Laufzeit, denn mit 132 Minuten ist „Logan“ ungefähr 20 Minuten zu lang. Das die aufwendige Exposition notwendig ist sehe ich ein, aber die Sequenzen auf der Farm sind zu lasch genschnitten. Nicht wirklich gelungen ist, zumindest in der deutschen Synchro, Patrick Stewarts jammernder und dementer Professor X – aber auch das gibt am Ende einen Sinn.

Wie überhaupt alles zum Ende geführt wird, und zwar zum einzig möglichen. Wirklich, der ganz große Verdienst von „Logan“ ist es, schlechte Laune und deprimierende Geschichten in das Genre der Superheldenfilme injiziert zu haben. Von der ersten Minute an atmet der Film Schmerz und Hoffnungslosigkeit, und er geht diesen Weg konsequent zum einzig möglichen Ende. Für das Kinopublikum ist das eine mitnehmende, aber auch eine tief befriedigende Erfahrung. Die Geschichte von Logan lässt einen mit Tränen in den Augen im Kinosessel zurück, und schon deshalb wird man sie so schnell nicht vergessen.

P.S.: Großes Lob an das Publikum im Regensburger Kino. Ich habe selten erlebt, dass in einem Multiplex am Freitag Abend ein ganzer Saal so konzentriert einen so langen Film schaut. Ihr habt gezeigt, dass selbst in einem Cinemaxx das Publikum nicht aus quatschenden, telefonierenden Volldeppen bestehen muss.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 13. März 2017 in Film, review

 
 
%d Bloggern gefällt das: