Motorradsaison 2018: Die Flop 5

Am Ende einer Saison ist es immer ganz gut, mal kurz inne zu halten und zu reflektieren: Was hat in Sachen Motorrad und Ausrüstung gut funktioniert, was war ärgerlich und wird besser ausgetauscht? In diesem Jahr lag mein Schwerpunkt eher auf der Erneuerung meiner Schutzausrüstung als auf Basteleien an den Maschinen, dementsprechend sind die Listen sehr Textillastig.

Heute: Die Flop 5

5. Gasgrifffeststeller von Time2Ride

Ein 3d-gedrucktes Ding um den Gasgriff festzustellen.

Funktioniert wie beworben, war mir dann aber für die Benutzung doch zu gefährlich. Ich wollte es eigentlich im Ausland nochmal länger testen, aber anscheinend war mein Unterbewusstsein dem gegenüber so abgeneigt, dass ich das Ding verbaselt und bis heute nicht wiedergefunden habe.

4. Alpine Stars Web Goretex-Stiefel, Modell 2016

Jahrelang war ich mit meinen Alpine Stars hoch zufrieden: Leichte, aber sehr sichere Stiefel, die zum Fahren wie auch zum Herumlaufen taugen. Leider verschleißt die neue Generation von Alpine Stars Brot- und Butter Tourenstiefel im Zeitraffer: Nach nur zwei Saisons Sohle abgelaufen, ausgelatscht in den Knöcheln, Oberflächen an der Spitze verkratzt und zerrödelt. Besonders Schlimm aber: Wassereinbruch nach einer Stunde Starkregen. Der Vorgänger war besser verarbeitet und hundert Prozent wasserdicht. Geht gar nicht, sowas.

3. Alpine Stars Tech Air


Jacke mit integeriertem Airbag. Schwer, für Reisen nicht wirklich geeignet, nach wenigen Wochen kaputt. Andererseits: Spitzenservice des Herstellers, Außenjacke von erstklassiger Qualität und vom Gewicht halt gerade doch so eben noch tragbar. Deshalb auch in den Top 5 auf demselben Platz vertreten.

2. Alpine Moto Gehörschutz 2018


Die neue Generation des besten Gehörschutzes für Motorradfahrer ist da, und sie ist… nicht zugebrauchen. Vorher wurden Filter aus Hartplastik in Silikonpilze eingesetzt. Jetzt sind die Filter auch nur aus Silikon gegossen und fest am Silikonpilz angebracht. Gefühlt dämpft das nich so gut wie früher, vor allem aber sind die Ohrstöpsel jetzt kürzer und schlanker – was dazu führt, das sie mir mehrfach so tief in den Gehörgang gerutscht sind, dass ich sie nicht mehr raus bekam. Die kürzeren und weicheren Enden kann ich mit den Fingerspitzen nicht mehr greifen. Die Materialeinsparung beträgt vielleicht gerade mal 3 mm – aber das reicht für den Flop Platz 2. Größe zählt eben doch.

1. Nolan N100.5

Die neueste Generation des Tourenhelms von Nolan. Eine echte Schönheit, über den die Presse schrieb, er sei unheimlich leise. Vermutlich haben die aber nur aus der Pressemitteilung von Nolan abgeschrieben, denn: Der 100.5 ist ab 80km/h wirklich ohrenbetäubend laut, selbst mit Gehörschutz. Grund: Kleinere Polster, die die Ohren zur Hälfte freilassen. Praktisch unbrauchbar.

Sonderpreis für physikalischen Unfug: Vanucci Summer Dry Handschuhe

Sommerhandschuhe mit einer absolut luftdichten Versiegelung, in der man sich tot schwitzt.

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Familiäre Dialoge -IX-

Am Telefon:

„Sohn, ich habe da ein Problem mit dem KBA und Hyundai. Die Verbrecherbande will mir mein Auto stillegen!“

Ich: „Hä? Vater, Du fährst doch gar keinen Diesel. Wieso wollen die Dir das Auto stillegen?“

„Na, Hyundai schickt immer so Briefe, schon das ganze Jahr! Und jetzt macht das Kraftfahrzeugbundesamt Werbung für Hyundai! Eine Behörde! Das geht doch nicht, das ist Lobbyismus! Verbrecher! Alle!“

„Nun mal langsam. Was stand denn drin in den Briefen von Hyundai?

„Na, da stand drin… murmelmurmel [unverständlich] …aber dass das KRAFTFAHRZEUGBUNDESAMT Briefe mit dem Logo von Hyundai verschickt und droht mir das Auto stillzulegen, das ist NÖTIGUNG!“

„Ich habe den ersten Teil jetzt nicht ganz verstanden, wieso nötigen die Dich jetzt?“

„Sohn, hör doch mal zu! Wegen des Airbags! Aber was mache ich jetzt mit dem Kraftfahrzeugbundesamt, kann ich die anzeigen oder was?“

„Langsam! Was ist denn mit dem Airbag?“

„Ach, der kann von allein auslösen wenn Feuchtigkeit irgendwo drankommt und deshalb soll ich in eine Werkstatt und das ist unverschämt! Die nötigen mich doch!“

„Moment, der Hersteller hat eine Rückrufaktion gestartet, weil der Airbag während der Fahrt auslösen kann, und Du ignorierst das? Seit einem Jahr?“

„Na, ist doch mein Airbag! Geht doch keinen was an! Das habe ich der Frau im Kraftfahrzeugbundesamt auch gesagt!“

„Du hast im Kraftfahzeugbundesamt angerufen und Dich mit einer Sachbearbeiterin gestritten?!“

„Ja, wenn die nur Blödsinn redet! Die hat das rausgefordert!“

„Was hat sie denn gesagt?“

„Das der Airbag auslösen kann wenn Feuchtigkeit irgendwo eindringt.“

„Warum ist das Blödsinn?“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Wie stellste Dir das denn vor? Es hat seit April nicht geregnet! Wir hatten Dürre, überall! Wo soll denn da Feuchtigkeit herkommen? Ist doch völliger Quatsch!“

„…“

„Na, jedenfalls, kann ich die jetzt anzeigen oder wie umgehe ich das? Was meinst du, was soll ich machen?“

„Vater, ich fasse das jetzt mal zusammen: Dein Fahrzeug ist potentiell gefährlich. Der Hersteller ordnet einen Rückruf an. Du ignorierst das. Dann schaltet der Hersteller das Kraftfahrzeugbundesamt ein, damit die die Kiste stillegen, wenn Du nicht was machen lässt. Darüber empörst Du Dich so, dass du im Bundesamt anrufst und Dich mit einer Sachbearbeiterin über das Wetter streitest. Und nun willst Du von mir wissen, wie Du Dich aus der Sache rauswieseln kannst?“

„Ja!“

„NEIN! FAHR IN EINE WERKSTATT! Warum hast Du das nicht schon längst gemacht?! Das kostet Dich doch nichts!“

„Mensch Sohn, denk doch mal nach! Wir sind hier auf dem Dorf, die nächste Werkstatt ist 30 Kilometer weg! Und außerdem habe ich viele Termine!“

„Vater, Du bist Rentner! Oder meinst Du mit „Termine“ den täglichen Besuch im Baumarkt, der auch 30 Kilometer weg ist?“

„…“

„Das habe ich gerade akustisch nicht verstanden“

„Nein, mit Termine meine ich auch Kaffeetrinken mit der Ruth, das ist auch wichtig. Also meinst Du, ich muss wirklich in eine Werkstatt?“

„JA!!“

„Dann muss ich der Ruth das sagen.“

„Mach das“.

„Das wird die aber nicht gut finden!!!“

Oh man. Vermutlich erzählt er ihr, dass das Kraftfahrzeugbundesamt den gemeinsamen Konsum von Windbeuteln verhindert.
Echt, diese familiären Dialoge werden mit den Jahren immer schlimmer. Abgründe tun sich da auf. ABGRÜNDE.

Frühere Dialoge:
Kostenloskulturdialog
Poststornierungsdialog
Nötigungsdialog
Tantenmonolog
Mehr Dialog
Noch ein Dialog
Anderer Dialog
Noch ein anderer Dialog

Kategorien: Familienbande | 2 Kommentare

Anschau-Tip: Kulenkampffs Schuhe

Fernsehen in den 60er Jahren: Samstag Abend sitzt die Familie vor dem Fernseher. Die frisch gebadeten Kinder auf dem Teppich, der Vater mit einem Bier und die Mutter mit einem Mosel auf dem Sofa. Der Samstag Abend gehört den Showmastern: Peter Alexander verzaubert, Hans-Joachim Kulenkampff ist der Inbegriff des höflichen Gentleman und Hans Rosenthal ist der quirlige Wirbelwind.

Regina Schilling war eines der Kinder auf dem Teppich vor dem Fernseher. Erst sehr viel später las sie darüber, dass Kulenkampff im Krieg war, und sich an der Ostfront vier Zehen selbst amputieren musste. Neugierig geworden, geht Schilling den Geschichten der Showmaster nach und findet ihre Geschichten: Catherine Valentes Schicksal im Internierungslager, Hans Rosenthal, der sich unter einer Couch versteckte, Kulenkampff, der Teile von BD-Mädchen einsammeln musste, Alexander, der das zerstörte Berlin erlebte.

Der Vater der Regisseurin war selbst im zweiten WeltKrieg und wurde später Drogist. Schilling zeichnet seinen Werdegang nach und legt die Biografien der Showmaster daneben und beleuchtet ihre Rolle im Kontext der Zeit. Die Showmaster waren für Ihren Vater und das Land ein Heilmittel und Balsam, trotz ihrer Biografien, die sich immer wieder in ihren Moderationen widerspiegeln.

„Kulenkampffs Schuhe“ ist eine vielgelobte Dokumentation, die von der ersten Minute an fesselt und sehr eindrücklich ist. Sei es durch Kulis Kriegsanspielungen, die anhand historischem Materials belegt wird, sei es durch Rosenthals sachliche Schilderungen von Suizidgefährdung, sei es durch Sätze wie die des Bundestagsabgeordneten in den 60ern, der auf eine AfD-ähnliche „Jetzt muss aber mal gut sein mit diesem Schuldgetue“-Aussage eines Kollegen antwortet: „Ich bin mit in der Schuld, denn ich war nicht auf der Straße und habe laut geschriehen, als die Juden Lastwagenweise aus unserer Mitte abtransportiert wurden. Es geht darum, diese […] Last und Bürde auf uns zu nehmen.“

Das ist berührend und beeindruckend. Gleichzeitig erfährt man viel über Drogerien. Definitiv ansehen, die 90 Minuten sollte man sich gönnen, das lohnt sich.

„Kulenkampffs Schuhe“ ist aktuell in der HR-Mediathek zu finden: KLICK.

Und zerstückelt auf Youtube: Klick.

Kategorien: Service | 11 Kommentare

Reisetagebuch Motorradtour (2): Die geheime Festung

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht´s tief in die Berge, eine Wurst geht auf den Sack und wir erfahren den wahren Grund für die V-Strom.

Samstag, 16. Juni 2018, Gotthard-Pass, Schweiz
„Prooobleeeeme?“, sagt eine Stimme mit einem einem langsamen, schweizer Einschlag. Diesem Einschlag, der das „R“ rollt und jeden Digraph (das ch, den reibungslosen Stimmlaut im Hochdeutschen) in krächzige Hustlaute verwandelt. Ich blicke unter der V-Strom hoch. Über mir steht ein großer Mann mittleren Alters. Unter einem grauen Stoppelhaarschnitt gucken zwei Augen hervor, deren Lider auf Halbmast gezogen sind. Der Mann spricht nicht nur wie in Zeitlupe, er guckt auch ein wenig wie ein Rindvieh. Er trägt eine neongelbe Warnweste, in deren Brustfenster eine Pappkarte mit dem Logo des Motorradherstellers Triumph gesteckt.

Ohne den Blick von mir abzuwenden, beißt der Mann in eine fette Bratwurst, Seine Kiefer beginnen mit Mahlbewegungen, die aussehen, als wollte er die Wurst wiederkäuen. Bratwurst zum Frühstück, interessante Wahl.

„Nee“, sag ich. „Keine Probleme“. Dann wende ich mich wieder der V-Strom zu, ziehe die letzte Schraube fest und gehe zur anderen Seite hinüber. Sofort steht ein kleiner Mann neben dem Motorrad und deutet auf einen Schraubendreher, den ich auf der anderen Seite habe liegen lassen. Aufgeregt hüpft er auf uns ab und deutet auf das Werkzeug. „Aber den nich´vergessen, nä?“. „Nein, den vergesse ich schon nicht. Danke.“, sage ich durch zusammengebissene Zähne. Der kleine Mann hoppelt mit einem seltsamen Hüpfgang davon.

Derweil hat sich das Rindvieh in eine eigene Welt hineingekäut. In dieser Welt führen wir offensichtlich eine Konversation, denn unvermittelt und für Außenstehende völlig zusammenhanglos bricht es aus ihm hervor „Du, wenn du Käse magst, empfehle ich Dir das Muggschä.“

Ich blicke in irritiert an und sage „Danke“.

Was ist nur mit den Moppedfahrern los, dass die sich immer in Gruppen zusammeklumpen müssen? Ich meine, es ist ja schön, wenn Gleichgesinnte sich zuammenfinden und gerne Touren gemeinsam machen, aber diese spontane Rudelbildung ist es, die mir missfällt. Ich will nicht bei jedem Halt von fremden Leuten angequatscht werden, nur, weil wir zufällig beide benzingetriebene und zweirädrige Fahrzeuge dabei haben. Das reicht nicht für eine tiefere Verbindung. Zumal meine Vorstellung vom Moppedfahren eh eine andere ist als die der meisten anderen.

Habe ich heute morgen erst wieder gemerkt, als ich vom Brünigpass aufgebrochen bin. Dort hatte ich mich in aller Frühe von Gaby verabschiedet, um vor allen anderen – so dachte ich – auf der Straße zu sein.

Die Barocca hatte die Nacht, in der es ordentlich gestürmt hatte, gut hinter dem Gasthaus verbracht.

Der Brünigpass liegt zwar nur auf 1.000 Meter Höhe, aber 9 Grad war es nicht gerade warm (vom Motorradthermometer muss man immer 4 Grad abziehen).

Spielte aber keine Rolle, denn kalt war mir keinen Moment – die Sonne schien schon aus allen Knopflöchern. Sie blendete geradezu vom Himmel herab, im wahrsten Sinne des Wortes: Gegen die Sonne zu fahren, das kam an diesem Morgen an einigen Stellen einem Blindflug gleich. Trotz Sonnenschild im Helm.


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Kategorien: Motorrad, Reisen | 9 Kommentare

New Gear 2018: Bäh, Handschuhe

„Zwei Paar Handschuhe und ein Paar Stiefel soll man als Moppedfahrer haben, das ist die goldene Regel“.

Gut, die Regel ist nicht golden. Sie ist nicht mal in Stein gemeißelt. Sie ist von mir selbst gemacht, also vermutlich eher aus Sperrholz oder so. Bislang fuhr ich immer gut mit der Regel, bis ich dieses Jahr gegen sie verstoßen habe. Was natürlich doof war, Regeln gibt es immerhin nicht aus Spaß an der Freud.

Die Strafe folgte auf dem Fuß: Ich war gezwungen Handschuhe zu kaufen. Ausgerechnet! Dabei war ich SO froh, dass nach dem unsäglichen Jackendrama und dem Albtraumhosenkauf das Thema Moppedbekleidung für dieses Jahr eigentlich durch sein sollte. Aber es kam, natürlich, anders. Handschuhe kaufen, BÄH!

Bislang hatte ich immer zwei Paar Handschuhe zum Motorradfahren: Ein Paar von Reusch, ungefüttert, aber mit starken Protektoren und Nietenbesatz, für Temperaturen über 20 Grad.

Das zweite Paar von der Eigenmarke „Vanucci“ von Louis. Membran, Thermofutter, aber nicht zu dick. Die Dinger deckten die unglaubliche Bandbreite zwischen 5 und 20 Grad ab und waren absolut wasserdicht. Die beiden Paare deckten bislang praktisch alle Eventualitäten ab. BTW: Die Ansage mancher Handschuhersteller, dass ein Handschuh für alle Jahreszeiten gleichermaßen tauge, ist Marketinggewäsch. Das funktioniert nicht. Aber zwei Paare, das taugt.

Den ersten Fehler beging ich, als ich dachte „Hm. Wenn nun Sommer ist, und es regnet – wäre doch nett leichte, ungefütterte und trotzdem wasserdichte Handschuhe zu haben, oder?“

Ich suchte und suchte und landete wieder mal bei Vanucci. Die „Summer Dry“ haben großzügige Mesheinsätze, eine wasserdichte Membran und kein Innenfutter.

Sowas gibt es nicht all zu oft, und das hat einen Grund, wie ich bald merkte: Diese Kombination funktioniert einfach nicht.

Das merkte ich aber erst, als ich auf Sommerreise war, und das Gefühl hatte, mich darin verrückt zu schwitzen. Ich konnte die echt nie lange tragen, die waren totes Gewicht im Reisegepäck. Tja, hätte ich mal meine eigene Regel befolgt. Zwei Paar Handschuhe reichen, das dritte ist Unfug.

Der Grund, warum die „Summer Dry“ unerträglich sind: Die Membran verhindert zuverlässig, dass die Lüftungslöcher ihren Job machen können. Im Handschuh bekommt man vom Fahrtwind nichts mit, die Mesheinsätze sind völlig sinnlos.

Membranen funktionieren zudem nur dann, wenn zwischen Innen und Außen, sprich Körper und Umwelt, ein ausreichend starkes Temperaturgefälle herrscht. Das tut es im Sommer aber nicht. Resultat: Die Membran wirkt wie eine Plastiktüte. Man schwitzt sich darin tot, nach 10 Minuten baden die Hände im eigenen Schweiß und bekommen nicht mal Fahrtwind ab.

Ich habe das mal als Lehrgeld verbucht. Sommerhandschuhe mit Mebran können physikalisch schon nicht funktionieren. Die Summer Dry von Vanucci taugen auch bei kühlerem Wetter nichts: Die Outdry-Membran so schlecht laminiert, das sie sich in den Fingern löst. Beim Ausziehen zieht man de Membran dann gleich mit raus.

Aber egal, ich hatte ja immer noch meine beiden bewährten Paare. Dachte ich. Bis X-Fish von durchgerödelten Handinnenflächen bei seien Sommerhandschuhen berichtete. Da inspizierte ich meine geliebten Reusch etwas näher, und was soll ich sagen… 10 lange Sommer, in denen ich das Leder in meinem Schweiß getränkt habe, haben ihren Tribut gefordert. Abnutzung und Hautschweiß haben das Leder ganz dünn und mürbe gemacht.

Unmittelbar vor der Sommerreise mussten daher schnell neue Sommerhandschuhe her, am besten wieder gute mit Protektoren. Problem dabei: Ich habe lange, schlanke Finger, aber breite Handteller. Für sowas schneidern die Markenhersteller nicht. Alpine Stars sowieso nicht, die verkaufen nur Kindergrößen (im ernst, unter „XXL“ muss man bei denen gar nicht erst anfangen zu gucken). Ich war Willens es mit Held zu probieren, aber eine Probefahrt später merkte ich, dass die zu eng saßen und eine Naht vorne so auf die Fingerkuppen drückte, dass die Hände einschliefen.

Offensichtlich habe ich Vanucci-Hände, denn hier passten die Sommerhandschuhe am besten. Zähneknirschend kaufte ich die. Zähneknirschend deshalb, weil ich Vanucci in Punkto Abriebfestigkeit und Haltbarkeit der Nähte bei einem Unfall kein Stück traue. Mit ihren Lederdoppelungen und dem keramischen Superfabric sind die hoffentlich besser als der ganz billige Chinamist, aber mit Sicherheit sind die qualitativ weit von Alpine Stars oder Dainese. Aber was soll ich machen, wenn die nicht passen?

Vom Tragekomfort her sind die „Vanucci Summer Touring III“ auf jeden Fall prima. Sie sind leicht, und durch die Mesheinsätze auch gut belüftet. Sie haben keine Hartschalenprotektoren auf den Knöcheln, nur Superfabric. Am Anfang fusseln sie etwas und machen die Hände schwarz, das ist aber nach der zweiten, dritten Fahrt vorbei.

Den Sommer über habe ich die Dinger echt zu schätzen gelernt. Also alles gut, wieder zwei Paare vernünftige Handschuhe am Start, die Qual des Einkaufs überstanden? Nee, natürlich nicht.

Auf der Rückfahrt aus dem Sommer kam ich in Starkregen, und guess what? Genau, meine absolut wasserdichten, dickeren Handschuhe waren plötzlich undicht. Nach fast 10 Jahren hat sich hier die Membran verabschiedet. Dummerweise gibt es die Vanucci V-Tech nicht mehr. Glücklicherweise gibt es einen Nachfolger, den VC1. Und den gab es jetzt gerade im Angebot.

Die Protektoren sind immer noch genauso weich wir früher, aber sowas verbauen jetzt alle Hersteller. Die Zeiten der martialischen Carbonschalen auf Tourenhandschuhen sind bei den meisten vorbei.

Auf den Innenseiten ist, wie bei den Sommerhandschuhen auch, Superfabric eingelassen.

Das Futter ist nicht superdick, aber warm, und die Outdry-Membran ist ordentlich verarbeitet und absolut wasserdicht.

Damit habe ich sie wieder, die beiden Handschuhpaare, die jeder Moppedfahrer braucht.

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Die dicke Agathe 2018

Das ganze Jahr über steht dieser große Kübel im Weg. Eine wirklich schwerer Bottich von einem Blumentopf. Im Winter steht er im Gang und stört permanent. Echt, ich habe schon ein Rollbrett besorgt, um das Ding einfacher hin- und herbewegen zu können. Im Sommer steht er auf dem Balkon rum. Einen schönen Anblick bietet er nie, denn in dem Topf wohnt Agathe.

Agathe war mal ganz klein, als ich sie vor vier Jahren vom Vormieter erbte. Damals war das eigentlich der Topf von so einem großen, zauseligen Palmengewächs, aber das hat mal den, äh, Kopf verloren. Da sah Agathe ihre Chance und hat den Blumenpott übernommen. Seitdem wächst sie wie Zeng und ist mittlerweile riesig. Problem dabei: Agathe ist hässlich wie die Nacht. Ihre Triebe sind grün wie Schnodder und hängen fleischig und schlapp wie die Finger eines Aliens über den Topfrand. Kein schöner Anblick, zumindest für 11 Monate im Jahr.

Und dann passiert seit vergangenem Jahr kurz vor Weihnachten das hier: Agathe… blüht!

Über Nacht verwandelt sie sich in eine farbenfrohe Schönheit, als wollte sie mir damit danken, dass ich sie den Rest des Jahres nicht zum Strauchschnitt gebe. Die Strategie funktioniert. Für diesen tollen Anblick, auch wenn er nur zwei Wochen anhält, schiebe ich Agathe und ihren Monsterblumentopf gerne von links nach rechts.

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Reisetagebuch Motorradtour 2018 (1): Das Vitra, der Muger und die Gaby

Freitag, 15.06.2018, Klein-Kems bei Basel

Klein-Kembs? Kleinkems? Klein Chems? Lustig, allein an der Verwirrtheit des Ortes über seinen Namen lässt sich schon ablesen, wo ich hier bin: In der Nähe von Basel, genau im Dreiländereck zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Hier ist nicht nur alles mehrfach benamst, es ist auch das Bermudadreieck der Telekommunikation, wahlweise weißer Fleck auf der Karte der Funkabdeckung oder schwarzes Loch, was Empfang angeht.

In der Gaststube des „Blume“, in der gestern Abend die Einheimischen noch launig die Bierhumpen weggezecht haben, gibt es ein bodenständiges Frühstück. Dazu bodenständiges WLAN, das heute sogar am Internet hängt. Ich halte mich nicht lange auf, schlinge ein Brötchen herunter, kippe einen Kaffee hinterher und schwinge mich dann sofort auf die V-Strom. Es ist nicht mal acht Uhr, als die Maschine aus Klein-Kembs(?) herausrollt.

Anna bootet sich in meinen Helm und meldet Einsatzbereitschaft. Anna ist die Stimme des Garmin-Navigationsgeräts, das vor mir an der Gabelbrücke befestigt ist. Es kann ein wenig mehr als normale Navis. Unter anderem ist es mit Sensoren an den Reifen vernetzt, es hat crowdgesourcte Datenbanken über Verkehrsüberwachungen eingepatcht, und es hängt am Internet, aus dem es Verkehrs- und Wettermeldungen entlang der Reiseroute fischt und diese bei Bedarf anpasst. Dieses Level an „Intelligenz“ und die Tatsache, dass die Stimme des Navis manchmal Tage- und wochenlang die einzige ist, die mit mir deutsch spricht, führt dazu, dass ich dazu neige, das ZUMO zu vermenschlichen und von der Stimme in meinem Helm als virtuelle Copilotin zu denken. Die nenne ich, nach der Bezeichnung der deutschen Stimmsynthese, eben Anna.

Ich lasse Anna nach einer Tankstelle suchen. Sie findet eine, die 2,5 km Luftlinie entfernt ist. In der Gegend wird aber sehr viel gebaut, weshalb ich gestern schon recht lange durch die Weinberge zirkuliert bin, bis ich endlich die einzige noch offene Straße nach Klein_Chems(?) gefunden hatte. Auch heute muss ich einen riesigen Umweg fahren, erst 16 Kilometer nach Norden, dann wieder 15 nach Süden – so werden aus 2,5 km Luftlinie schnell über 30 Kilometer Wegstrecke.

Wurscht, der kleine Umweg führt über die alte Weinstraße, und die verläuft, wie der Name schon andeutet, durch Weinberge am Rhein entlang. Ich muss ans Büro denken und bin froh, dass ich heute an einem sonnigen Morgen an grünen Berghängen entlangfahren kann und nicht am Schreibtisch sitzen muss.

Frisch aufgetankt stürze ich mich dann in den Baseler Stadtverkehr. Der ist eine ziemliche Katastrophe, denn auch in der Stadt sind viele Straßen gesperrt, auch hier wird überall gebaut. Zwar findet Anna souverän immer neue Wege, aber ich habe Mühe, den Vorgaben des Navis zu folgen – die Straßen in Basel sind durchzogen von Straßenbahnschienen, und ich muss immer wieder aufpassen, dass mir das schlanke Vorderrad der V-Strom nicht in eine Schiene oder Weiche hineingerät.

Am Rand von Basel, auf der anderen Seite der Stadt, liegt der Campus des Vitra-Designmuseums. Das ist ein großes Areal mitten im Grünen, auf dem skurril anmutende Gebäude herumstehen. Die hat die Firma Vitra, ein Möbelunternehmen, hier von einigen der bedeutendsten Designerinnen und Architektinnen der Welt hinbauen lassen, u.a. Frank Gehry und Zara Hadid.

Die Feuerwache von Zara Hadid:

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Kategorien: Motorrad, Reisen, Wiesel | 9 Kommentare

Teaser

Der Herbst geht, das Reisetagebuch kehrt zurück. Hier ein kleiner Ausblick auf die Orte, an die es das Motorrad und mich in den kommenden Wochen verschlägt.

Der Prolog ist schon online, richtig los geht´s am kommenden Samstag.

Verpassen Sie nicht spannende Folgen wie:
Teil 1: Das Vitra, der Muger und die Gaby
Teil 2: Die geheime Festung
Teil 3: Interludium
Teil 4: Im war im Himmel, dort ist es sehr kalt
Teil 5: Das flache Land
Teil 6: Mach Deine Hausaufgaben
Teil 7: Sturmjäger
Teil 8: Wenn der Regen Blasen wirft
Teil 9: Die Hölle vor Tor 3
Teil 10: Game of Schweiß
Teil 11: Küstenträume
Teil 12: Linker Schulter Fehler
Teil 13: Cabin in the Woods
Teil 14: Disneylands Unterwelt
Teil 15: In heiligen Hallen
Teil 16: Das Ende einer Reise

Mit besten Dank an ssuchi für die Drohnenaufnahmen!

Frühere Werke der Videokunst

Kategorien: Motorrad, Reisen, Trailer | 5 Kommentare

Reisetagebuch (Prolog): Nur in meinem Kopf

Dienstag, 12.06.2018
Plötzlich beginnt meine Haut zu kribbeln. Wie eine kalte Welle breitet sich die Erkenntnis aus: „Der Kupplungszug ist fertig, der muss getauscht werden!“. Gleich darauf beginnt sich das Karussell in meinem Kopf zu drehen „….ich muss nochmal in die Werkstatt… wie bringe ich das jetzt noch unter, zwischen der Projektbesprechung und der Telefonkonferenz und…“.

Ich stehe in der Garage neben der V-Strom. Es Juni und hochsommerlich heiß, aber schlagartig ist mir kalt. Ich zittere und Gedankenfetzen zucken durch meinen Kopf. Wie mache ich das… wie kriege ich das unter… kann ich überhaupt wegfahren… Brauche ich noch ein Ersatzteil….

Ich springe zum Werkstattcomputer, rufe eine Ersatzteilseite von Suzuki auf und klicke mich hektisch durch die Baupläne der V-Strom bis zum Kupplungszug.

Als ich auf „bestellen“ klicke, weiß ich eigentlich schon, dass es zu spät ist. Der Kupplungszug wird nicht mehr rechtzeitig vor Reisebeginn ankommen. Was soll ich nur machen?

Wieder fühle ich kalte Schauer auf der Haut. Meine Knie werden weich. Es ist gerade zu viel. Alles.
Ich halte mich an der Werkbank fest und sinke langsam in die Hocke, bis ich schief an der Wand lehne. Mein Herz hämmert. Das Blut rauscht mir in den Ohren. Ich schließe die Augen.

Langsam sickert die Erkenntnis durch: Es reicht.
Jetzt. Reicht. Es.

Die letzten Wochen, ach was, das ganze erste Halbjahr dieses Jahres hatte ich viel zu tun. So viel, dass die Wochen und Monate einfach durchgerauscht sind. Plötzlich war es März, jetzt ist es Juni. Wo ist die Zeit bloß hin? Dabei kann ich mich eigentlich nicht beklagen. Im projektgetriebenen Geschäft muss man nun mal mehr arbeiten, wenn Gelegenheiten vorbeikommen. Meine Mehrarbeit hielt sich dabei zeitlich sogar in Grenzen. Anders als manch andere Leute musste ich keine 70 oder 80 Stunden die Woche kloppen, aber es war halt immer viel zu tun, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. In den letzten Wochen kamen dann zu meiner normalen Arbeit noch Urlaubsvertretungen und parallel Vorbereitungen für den Herbst hinzu.

Das alles habe ich selbst nicht bewusst als Stress wahrgenommen. Aber jetzt gerade erlebe ich einen echten Kontrollverlust, mit dem mein Körper mir sagen will: Es reicht.

Ich habe meine innere Ruhe verloren. Irgendwie liege ich seelisch gerade so schief, dass ich bei einem so kleinen Anlass wie einem lökerigen Kupplungszug mit Panik reagiere. Dabei gibt es dazu objektiv gar keinen Grund. Ja, der Kupplungszug mag schon 50.000 km runter haben und jetzt etwas zu lang sein. Na und, so what?

Damit kann man problemlos fahren, sagt mein Verstand.
PANIK PANIK PANIK sagt der Körper.

Fast vier Wochen will ich in diesem Jahr unterwegs sein. 6.000 Kilometer soll die Tour mindestens lang werden, vermutlich werden es am Ende fast 9.000. Das wäre die bisher längste Motorradreise. Außerdem hat sie einige komplizierte Abschnitte drin. Das ist doch Irrsinn, was ich da vorhabe! Was da alles passieren kann, ruft eine Stimme in mir. Es passiert doch immer was! Unfälle, Umfälle, Defekte am Motorrad!

Ich kann nur noch daran denken, wie mir im vergangenen Jahr dieser Auffahrunfall passiert ist, oder wie mir das Motorrad vor einigen Jahen umfiel, oder die Kette ruckelte und Tacho und Lichtmaschine kaputt gingen. Sorgen, Nöte, Notfälle, Werkstätten. Jetzt habe ich Angst. Eigentlich möchte ich am liebsten sogar zu Hause bleiben.

Überhaupt war ich dieses Jahr gar nicht besonders motiviert eine Reise zu planen. Auch bedingt durch Arbeit war ich mit den Gedanken immer woanders, ich hatte kaum Lust und mir fast keine Zeit genommen, Reiseziele und -routen raus zu suchen. Keine Motivation im Vorfeld, und jetzt auch noch fertig mit den Nerven und voller Angst.
Das kann ja was werden.

Langsam klingt der Panikanfall, falls das einer war, ab. Ich ziehe mich auf die Füße und schließe das Garagentor, hinter dem die ZZR und die V-Strom im Dunkel zurückbleiben.
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Kategorien: Motorrad, Reisen | 6 Kommentare

Momentaufnahme: November 2018

Herr Silencer im November 2018

Drei Kreuze wenn der Monat endlich rum ist.

Wetter: Erste Monatswoche mit 6-20 Grad viel zu warm und sonnig. In der zweiten und dritten Woche wird es kühler, unter 10 Grad, aber die Sonne scheint immer noch aus allen Knopflöchern. Ab der vierten dann Novemberwetter: Dunkel, grau, feucht, kalt. So muss November!


Lesen:


Bob Woodward Fear [Kindle]

Das weiße Haus unter Trump. Einsichten und Hintergrundinfos zu den Geschehnissen der ersten 18 Monate.

Watergate-Urgestein Bob Woodward präsentiert Fakten von Augenzeugen, die Hintergründe zu Geschehnissen wie dem Rausschmiss von FBI-Chef Comey liefern. Mit seinem trockenen, nüchternen Stil wirkt Woodward wie aus der Zeit gefallen. Aufmerksame Leser erfahren wenig mehr, als sie aus den Medien nicht ohnehin schon wissen. Dabei liest sich das Buch weniger interessant als vergleichbare Werke („A higher Loyalty“, „Fire and Fury“), die allerdings auch deutlich auf reisserische Effekt abzielen. Woodward größte Leistung ist es, Trumps White House akkurat zu dokumentieren und seinen Herrschaftsstil auf ein Wort einzukochen, das es genau trifft: Angst. Ein Fest für zukünftige Generationen von Historikern, aktuell aber nicht herausragend.


Hören:


Sehen:

Fantastic Beasts: Grindelwalds Verbrechen [Kino]
Nude Sacaramanga, der introvertierte Magie-Zoologe, wird von Zauberlehrer Dummelbart nach Frankreich geschickt um einen faschistischen Albino-Johnny-Depp auzuhalten.

Ich mochte den ersten „Fantastic Beasts“ von 2016 sehr gerne. Das war eine erwachsene Geschichte in den 1920er Jahren, tolle Charaktere, und das alles in der „Harry Potter“-Zauberwelt von J.K. Rowlings. Leider hat nun „Grindelwalds Verbrechen“ mit dem ersten Film nicht mehr viel zu tun. Er ignoriert praktisch alles, was im Vorgänger geschehen ist, drückt bei einigen Charakteren den Reset-Knopf, belebt Tote wieder und verbiegt Figuren entgegen ihrer eingeführten Wesenszüge (Queenie in der unglaubwürdigsten Szene seit Anakin Skywalker).

Die Story von Fantastic Beasts 2 benötigt den ersten Film schlicht nicht, auch hier wird alles auf Null gesetzt – und kommt dann nicht mehr von der Stelle. Die Gesamthandlung von „Fantastic Beasts“ ist auf 5 Filme ausgelegt, und „Grindelwalds Verbrechen“ ist größtenteils Füllmaterial. Eigentlich geht es hier nur darum, dass alle was suchen, dann große Enthüllung am Ende.

Allerdings eine Enthüllung, die weniger schockierend ist, als vielmehr eine von der Sorte, bei der man sich an den Kopf fast und sagt „oh, bitte, nicht DAS auch noch!“.

Ab und zu schleicht Johnny Depp durch die Kulissen, bleibt aber dabei so blass wie die Hautfarbe seines Charakters. Toll sind dagegen die Ausstattung (Paris der 20er Jahre!), einige Tierwesen (ein Seepferdchen aus Algen!) und die Schauspielerische Leistung von Eddie Redmayne (Scamander), Allison Sudol (Queenie) und Zoe Kravitz (Letha Lestrange). Das gerade letztere am Ende völlig unmotiviert verheizt wird, wo sie vorher als der interessante Charakter aufgebaut wurde, versinnbildlicht das Problem: „Grindelwalds Verbrechen“ nimmt viel Anlauf, rennt dann aber mit voller Wucht gegen die Wand.
So kommt er nirgendwo hin.

Mary Poppins [Stage Theater an der Elbe]
Kindermädchen gibt Schützlingen halluzinogene Drogen und macht mit einem Obdachlosen rum.

Tolles Musical, das weniger durch große Emotionen oder mitreissende Musikstücke beeindruckt, als vielmehr durch die fantastische Inszenierung und Besetzung. Elisabeth Hübert IST Mary Poppins, und auch der Rest des Casts macht einen guten Job. Nicht mal die Kinder nerven, sondern spielen wirklich gut. Heimlicher Star der Show ist das Bühnenbild, das durch abgefahrene Tricks beeindruckt. Sei es ein ein Haus, das sich wie ein Pop-Up entfaltet, ein Park, der aus den Wolken herabfährt oder die Dächer von London, die sich langsam zusammensetzen – die Besucher staunen, und das ist es ja, was Mary Poppins letztlich schaffen will.

Der Gott des Gemetzels [Theater im OP]
Ein Junge hat einem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Eltern der Kinder setzen sich zusammen. Was als Austausch einer Entschuldigung und milder Worte beginnt, driftet schnell ab in Situationen, die den Kern der Personen und so einige Nerven freilegt. Das endet nicht in einem Gemetzel – aber ist dicht dran.

Die wechselnden Allianzen eines Nachmittags, der langsame Zusammenbruch von Lebenslügen, das wird schön gespielt und ist stellenweise wirklich sehr intensiv. Nur die Verwendung von echten Parfüm auf der Bühne, das hätte nicht sein müssen.


Spielen:

Assassins Creed: Odyssey [PS4]
Kassandra ist eine Mithios, eine Söldnerin im Griechenland des Jahres 430 v.Chr. Sie lebt ohne Familie und von Job zu Job. Das war nicht immer so: Sie kann sich noch an eine behütete Kindheit in Sparta erinnern. Bis zu dem Zeitpunkt, da ihr Vater, ein hochdekorierter Soldat, ihren Babybruder vom Berg Tygetos warf – und sie gleich hinterher.

Das Mädchen überlebte den Sturz und wurde zu einer muskulösen Kämpferin, die nun gegen Geld säumige Zahler auf der Insel Kefalonia zusammenschlägt oder für die Meistbietenden in deren Schlachten zieht. Das ändert sich, als sich ihr die Chance bietet, Kefalonia zu verlassen. Kassandra reist fortan durch Griechenland und begegnet Zeitgenossen wie dem Geschichtsschreiber Herodot oder dem Philosophen Sokrates. Allerdings ist die Reise nicht immer friedlich: Zwischen Athen und Sparta tobt der peloponnesische Krieg. In dessen Wirren findet Kassandra Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und Hinweise auf einen geheimnisvollen Kult, der im Hintergrund die Fäden zieht.

Eigentlich sollte hier eine längliche Rezension stehen, aber die muss nochmal verschoben werden. AC:O ist groß. ZU groß. Es gibt von allem zu viel: Zu viel zu erkunden, zu viel Quests, zu viele Charaktere. Ich spiele das jetzt seit Oktober und habe allen anderen Medienkonsum auf Null zurückgefahren, und dennoch bin ich vom Ende noch weit entfernt. Das bei Spielstunde 80 ein gamebreaking Bug auftauchte, wegen dem ich 20 Stunden zurückgeworfen wurde, macht die Sache natürlich auch nicht besser.

Es gibt es viele Gründe, das Spiel nicht zu mögen: Mal wieder zu wenig Handlung. Mitlevelnde Gegner (Todsünde! Dadurch wird jegliches Progessionsgefühl negiert!). Neue Systeme, die völlig unnütz sind (Schlachten, Söldner). Echtgeld XP-Booster, die das Durchspielen beschleunigen. (Das muss man sich mal reinziehen: Man kauft ein Spiel um unterhalten zu werden, und muss DANN noch Geld ausgeben, damit es kürzer wird!).

Aber: Griechenland inkl. der wichtigsten Inseln ist wunderschön modelliert, die Charaktermodelle sind eine Augenweide, und irgendwie macht es dann doch großen Spaß. Schade, dass aufgrund der zu langen Spielzeit nur wenige Menschen das Ende dieser Odyssee sehen werden. Kann man im Sale auf jeden Fall kaufen, mehr dazu dann in Kürze.


Machen:
Mal wieder das MKG besuchen.


Neues Spielzeug:

Ein neuer Kindle Paperwhite. Meinen alten habe ich 2012 gekauft, der hat also schon satte 6 Jahre auf dem Buckel. Und er war immer noch gut: Der Akku hält immerhin noch zwei Wochen (Hälfte von dem, als er neu war), das Display hat keine Kratzer, und obwohl ich ihn überall mit hinschleppe und sogar am Strand benutze, hat er keinerlei Verschleisserscheinungen.

Trotzdem nun der neue, der mich durch saftige Preisreduktion in der Cyberwoche verführt hat. Der neue ist nun wasserfest, bringt Bluetooth für Hörbücher mit und ist (spürbare) 30 Gramm leichter. Damit hat der Paperwhite jetzt alles, wegen dem ich mit dem Kindle „Voyage“, den es nun nicht mehr gibt, geliebäugelt hatte.

Der eInk-Bildschirm ist in der 4. Generation wesentlich besser ausgeleuchtet als bei meinem alten Modell, zum direkten Vorgängermodell von 2016 sieht man aber keine Änderung. Enttäuschend: Das Display hat immer noch keinen Nachtmodus mit wärmeren Farben. Das Gerät strahlt so weiß-blau, wie der interne Modellname („Moonshine“) es vermuten lässt.

Unschön: Der Kontrast ist nicht mehr so hoch – statt gestochen scharf und schwarz wirkt die Schrift bei niedriger Beleuchtungseinstellung und Standardschriftart nun grau und etwas verwaschen, und das trotz einer Retinaauflösung von 300 Bildpunkten. Das sei normal so, sagt der Amazon-Kundendienst. Ebefalls unschön: Das Display schließt jetzt plan mit der Vorderseite ab. Das sieht hübsch aus, bedeutet aber auch: Legt man das Gerät mit dem Display nach unten ab (damit es nicht einstaubt), gibt es Kratzer. Schön ist dagegen die Geschwindigkeit – der neue Paperwhite lässt sich flüssig bedienen, mein alter brauchte bei jedem Tipp außerhalb eines Buches 5 bis 10 Sekunden, bis er die Aktion ausführte.

Insgesamt ist die 4. Generation ein nettes Update, das aber zu kurz gesprungen ist und mich etwas enttäuscht zurücklässt. Besitzer des direkten Vorgängers bleiben besser bei ihrem Gerät, wenn sie nicht dauernd in der Badewanne lesen oder Hörbücher hören wollen. Ansonsten wartet man besser auf die nächste Generation, die dann sicher einen Warmlicht-Modus für Nachts mitbringt.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

MKG: Otto. Die Austellung.

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hat aktuell neben „68. Pop & Protest“ noch drei weitere, temporäre Ausstellungen. Eine davon heißt schlicht: Otto.

Otto? Otto Waalkes? Das ist doch dieser etwas überdrehte, ältere Herr, der keinen Satz sagen kann ohne „Holla-dah-iti“ oder sowas hinten dran zu hängen, oder?
Stimmt schon.

Vor ungefähr hundert Jahren, im Jahr 1971, als Otto noch mit den unbekannten Musikern Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in einer WG lebte, da war sein schneller Wortwitz und seine überdrehte Art revolutionär komisch. Von der WG hatte er als erstes seinen Durchbruch, vornehmlich mit Shows im Fernsehen in den 70ern. In den 80ern folgten die Otto-Kinofilme, dann eine Serie in den 90ern, in den frühen Zweitausendern wieder Kino mir „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“ und „Ottos Eleven“, dazwischen sprach er Sid, das Faultier(?) in den Ice Age Filmen, und und und.

Otto hat sich zwar inhaltlich seit den 70ern nicht weiterentwickelt und macht immer noch die gleichen Gags wie damals, aber irgendwie war er auch nie ganz weg – und nie erfolglos. Selbst dieser Zwergenfilm ist noch unter den Top-10 der erfolgreichsten deutschen Kinofilme.

Die Ausstellung im Museum für Kunst & Gewerbe zeigt nun eine ganz andere Ausdrucksform des Siebzigjährigen und macht deutlich, was für ein vielfältiger Künstler hinter dem ganzen „Holla-da-hiti“ steckt. Otto Waalkes, der Sohn eines Malers, malt nämlich auch, und das so gut, dass er sogar andere Künstler imitieren kann. Von Klassikern bis zur Pop-Art reicht seine Bandbreite, qualitativ unheimlich gut und immer, wirklich IMMER ist irgendwo ein Ottifant versteckt – und sei es nur auf dem Druck von Sophia Lorens Kleid.

Ich bin ehrlich beeindruckt. Wer hätte gedacht, das ausgerechnet Otto einfach still sitzen und konzentriert malen kann? Und dann noch in der Qualität?

Funfact am Rande: Die sepiabraune Grundierung vieler Werke ist getrockneter Friesentee. Was auch sonst?

Albert Füssli.

Madonna

Sophia Loren.

Marylin Monroe.

Henri Toulouse-Lautrec.

PinUp-Style.

Keith Haring.

Dalì

Japanische Kunst

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MKG: 68 – Pop & Protest

Wenn ich in Hamburg bin, führt mich mein Weg häufig in das Museum für Kunst und Gewerbe, kurz MKG.

Das MKG in Worte zu fassen ist nicht leicht, denn einerseits ist es ein Designmuseum mit faszinierenden Sammlungen an Möbeln und Kleidung von der Renaissance über Jugendstil bis zur Jetztzeit, andererseits stellt es z.B. auch bildhafte Kunst aus Asien, oder religiös geordnete Werke des Buddhismus und des Islam aus.

So bunt und vielfältig die Daueraustellung ist, so auf den Punkt sind oft die temporären Ausstellungen. Die sind in der Regel fein kuratiert und ziehen einen sofort in ihr Thema. Das ist die hohe Kunst eines Museums: Ausstellungsstücke so einzuordnen und ihnen so viel Kontext mitzugeben, dass man als Besucher das Gefühl hat, minütlich schlauer zu werden.

Eine solche Ausstellung ist „68. Pop und Protest“.

Hm, die 68er… das sind doch die Leute mit den Schlaghosen gewesen, die freie Liebe forderten und ansonsten ziemlich rumgenervt haben, oder?

Die Ausstellung führt sehr eindrücklich vor Augen, dass Schlaghosen und Hippiekultur nur die etwas bizarren Auswüchse einer gesellschaftlichen Veränderung waren, die quasi aus Verzweifelung entstand. Ein kultureller Backlash, wie man heute sagen würde, gegen die damaligen politischen Agenden.

Betritt man die Ausstellungshalle, steht in einem dunkeln Raum, in dem das melancholische „The Times, they are a-changing“ läuft. Auf großen Videowänden wird die Welt Mitte der 60er gezeigt. Die Nachrichten sind voll von Gräueltaten: Die „Kulturrevolution“ in China forderte mindestens 400.000 Tote. In Nigeria verhungern Kinder, der Vietnamkrieg nimmt kein Ende, John F. Kennedy wird erschossen, Rudi Dutschke ermordet. Allein dieser Einstieg versetzt einen sofort in eine andere Zeit.

Als Reaktion auf die offene und oft staatliche Gewalt erhalten Ideen Auftrieb, die eine freiere und gerechtere Gesellschaft erträumen, und das weltweit. Eine besondere Rolle spielen die Universitäten, an denen diese Ideen geboren werden und aus denen heraus sie sich verbreiten.

Friedlich geht es freilich nicht überall zu. In den USA versuchen die „Black Panther“ Gleichberechtigung mit Waffengewalt zu erreichen und scheitern daran. In Frankreich dagegen streiken die Arbeiter friedlich. Währen der Arbeitsniederlegung gehen sie an die Kunsthochschulen, diskutieren dort mit Akademikern, wie Ideen zu formulieren sind und lernen, wie sie Plakate herstellen und Demos organisieren können. Plakate sind die Kommunikationsform dieser Zeit, und die Straße wird zum Schauplatz.

Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie die Ideen der kulturellen Revolution in sämtliche Bereiche einsickerten. Anfangs drückte ungewöhnliche Kleidung eine politische Haltung aus, nach kurzer Zeit fand man sie aber schon in Kaufhauskatalogen.

In Theater, Film und Musik bildeten sich schnell stilbildende Werke heraus, viele davon sind uns bis heute geläufig. Nur der Kontext ist uns verloren gegangen, weshalb die Werke skurril und befremdlich wirken.

Im Design traute man sich, das Bauhaus-Mantra von „Form follows Function“ zu durchbrechen und mit „Form follows Ideas“ zu experimentieren.

Ein Kind seiner Zeit und eine Überleitung zur Dauerausstellung des MKG ist die Kantine des SPIEGEL, die hier den Abschluss bildet. Das gesamte Spiegelgebäude wurde farblich von dem Künstler Verner Panton durchgestylt, die orangene Hölle der Kantine ist das letzte Überbleibsel seiner Arbeit.

Die Ausstellung „68. Pop und Protest“ läuft noch bis zum 17.0 März 2019 im MKG Hamburg.

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Impressionen eines Wochenendes (24): Hamburg 2018

Eine liebgewonnene Tradition im November: Erst zwei Tage Kongress mit viel Arbeit und anschließenden Gesprächen mit potentiellen Kunden, dann noch etwas in der Stadt an der Elbe verschnaufen. Dieses Jahr habe ich es sogar auf die Elbphilharmonie geschafft.

Arbeitszimmer von Dieter Rahms. Er hatte in Bett da drinnen, und einen Stuhl, der aus einem Block Alu gefräst ist.

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Lesen Sie unsere Artikel, sie sind sehr relevant.

Aus dem Blogbriefkasten:

Guten Tag,
Ich hatte vor einiger Zeit eine Anfrage betreffend einer Publikaiton auf Ihrer Homepage gesendet.

Wir würden Ihnen gerne einen sehr relevanten redaktionellen Artikel anbieten, der für Ihre Leser zugleich interessant und aktivierend ist und auf natürliche Weise zur Website meines Partners verlinkt ist.

Wir sind offen für verschiedene Arten von Kooperationsmöglichkeiten, um einen Artikel zu platzieren. Ich freue mich auf Ihre Antwort, falls dies für Sie interessant ist.
Leder habe ich noch keine Rückmeldung gekriegt und möchte deswegen auf diesem Anfragen, ob die Mail gut angekommen ist und ob es bereits eine Rückmeldung gibt?
Allerbesten Dank im Voraus und freundliche Grüsse, ….

(Alle Fehler im Original)

Sehr geehrte Werbemenschen,

Ne.
Einfach nur: Ne.

Zwar ist hier im Blog mangels Zeit gerade wenig los, aber ich bin mit Sicherheit nicht so verzweifelt, dass ich „sehr relevante redaktionelle interessante und aktivierende Artikel“ von Außerhalb einladen müsste. Mal ganz abgesehen davon, dass es gegen meine eigenen Regeln wäre. (ich bezahle viel Geld, um die Kiste hier komplett werbefrei zu halten).

Was mich aber schon mal interessieren würde: Ob diese hochwertigen Publikaitonen (SIC) von der gleichen, sehr relevanten Redaktion verfasst werden, die auch diese Mails schreibt. Falls ja, hier ein Tip: Macht die Schule zu Ende. Lernt was Vernünftiges. In Influencermarketing liegt leder (SIC) keine Zukunft, nicht allgemein und für Euch speziell mal gar nicht.

Allerbeste Grüsse,

Ihr aktivierender und sehr interessanter
Silencer

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Voll die Action

Der Veranstaltungskalender in meiner Stadt rockt wie Sau.

Sage niemand, in Göttingen sei nichts los. Nicht im Bild übrigens: Die vielen Veranstaltungen, die laut Website am 01.01.1970 stattfinden.

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