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Gewerkschaft der Lokführer

Das Streikrecht ist ein hohes Gut, und wenn es darum geht, dass Arbeit so gestaltet wird, dass sie Menschen nicht kaputtmacht und man von ihr Leben kann, haben Streiks -auch wenn sie mich selbst treffen- meine uneingeschränkte Sympathie.

Wovon ich kein Fan bin: Wenn Gewerkschaften aus eher, sagen wir mal, merkwürdigen Gründen streiken und Infrastruktur lahmlegen. Verkehsinfrastruktur gehört da für mich sogar zu den kritischen Infrastrukturkomponenten, mit der vorsichtig umgegangen werden sollte. Am Mittwoch nun standen 85% aller Züge in Deutschland still. Warum? Weil die GDL die Senkung der Arbeitszeit auf 37 Stunden und 5% mehr Lohn verlangt. Aber nicht nur für ihre Mitglieder, und nicht nur für ihre Klientel – die Lokführer- sondern auch für anderes Zugpersonal.

Die Lohnerhöhung finde ich prinzipiell super. Der Bahnverkehr in Deutschland ist so schlimm, der wird nur noch vom persönlichen Einsatz und den starken Nerven der Zugbegleiterinnen und -begleiter zusammengehalten. Die haben mehr Geld, Orden und Frührente verdient. Problem dabei: Das Zugpersonal wird zum Großen Teil von einer anderen Gewerkschaft vertreten. Die Deutsche Bahn hat nach eigenem Bekunden die Senkung der Wochenarbeitszeit angeboten sowie 2% mehr Lohn, und dazu gesagt, die Gewerkschaften mögen sich jetzt bitte erst mal einigen, wer jetzt wen vertritt.

Ich finde das Verhalten der GDL aus mehren Gründen befremdlich.

  • Warum streikt die GDL, bevor eine Verhandlung überhaupt stattfindet? Normalerweise wird erst gestreikt, wenn es in Verhandlungen nicht weiter geht.
  • Findet die GDL die 37-Stunden-Woche tatsächlich noch zeitgemäß? In den 80ern konnte man für sowas auf die Straße gehen, aber heute? Wenn das Ziel der Abbau der Überstunden beim Personal ist, ist die Senkung der Regelarbeitszeit eher nicht das geeignete Instrument. Das schreibt jemand, der bei 40 Stunden Regelarbeitszeit in den vergangenen 9 Jahren über 3.000 Überstunden angesammelt hat.
  • Warum streikt die GDL für eine Klientel, die zu einem Guten Teil woanders organisiert ist? Die GDL pocht darauf, dass Tarifeinheit „ein frommer Wunschtraum der Bahn“ sei, der mit nicht nicht zu machen ist. Ist natürlich aber supi, wenn Menschen, die die gleiche Arbeit machen, unterschiedlich bezahlt werden, oder wie?
  • Die GDL stellt sich auf den Standpunkt, dass sie aktuell ja nur unter schlechter Presse zu leiden habe. Die Bahn stelle sich in den Medien als die Guten dar, würde aber inhaltlich nicht gesprächsbereit sein. Hergott, das mag sein – aber dann möge die GDL doch bitte auch mal die Medien vernünftig bespielen und erklären, wie ihre Sicht der Dinge ist. Ruhig und sachlich. Stattdessen gibt sich der Führer der GDL, Claus Weselsky, in Interviews so erregt, dass man befürchtet, dass ihm gleich eine Ader platzt. Dabei verwendet er Blut- und Bodenrethorik, und antwortet nie stringent auf Fragen. Stattdessen schwafelt er nur, dass es nicht ums Was, sondern ums wie ginge, und dass das Überleben der GDL auf dem Spiel stünde, weil die Bahn nichts weniger wollte als deren Existenz auslöschen.

    Gewerkschaften sind Machtstrukturen, und Menschen an der Spitze von Machtstrukturen werden manchmal etwas… merkwürdig. Ich will noch gar nicht mal unterstellen, dass hier jemand eine Minigewerkschaft benutzt um seine persönliche Profilneurose auszuleben. Ich möchte nur feststellen, dass sich die GDL keinen gefallen tut, wenn ihr Vorsitzender sowas in stark erregt Mikros bellt, die man ihm eins hinhält. In den Medien wird das dann so verkürzt, dass es es wirkt, als wäre hier ein Verschwörungtheoretiker am Werk, der nicht mehr ganz knusper ist und der den Bahnverkehr in Deutschland lahmlegt, weil er es kann.

    Damit haben wir auch das Hauptproblem: Die Wahrnehmung der Situation. Ich bni ja nicht allein mit meinem Befremden. Schon denkt die Politik, erstaunlicherweise zuvorderst die traditionell gewerkschaftsnahe SPD, darüber nach das Streikrecht einzuschränken. Gut, vielleicht sollte Frau Nahles jemand erklären, dass wir kein eigenes Streikrecht in Deutschland haben, das leitet sich nur aus der Vereinsfreiheit des Art. 9 des Grundgesetzes ab. Aber ERNSTHAFT, das Verhalten von GDL (und aktuell noch den Piloten, die dafür streilen mit 55 in den Ruhstand zu dürfen) sorgt dafür, dass darüber nachgedacht wird, Streiks für kleine Gewerkschaften gesetzlich zu beschränken.

    Sollten solche Regelungen kommen, werden sie auch angewendet. Wenn dann das nächste mal Erzieherinnen und Altenpfleger auf die Straße gehen, um dafür zu streiken, dass sie von ihrer 60 Stunden Woche runterkommen und so bezahlt werden, dass sie davon wenigstens die Miete bezahlen können, dann werden diese Regelungen auch auf sie angewendet. Und damit hätte die GDL dann dreifachen Schaden mit ihrem Verhalten angerichtet: Den unmittelbaren, durch die Zugausfälle, den mittelfristigen, das Versielen sämtlicher Sympathien für ihre Arbeit, und langfristig eine Beschädigung der Arbeitskampfmöglichkeiten. Glückwunsch.

    Nachtrag: Der SPIEGEL ist weniger Zimperlich und titelt „Deutschlands dümmste Gewerkschaft“.

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    Dienstreise mit der Bahn: Undisziplinierte Reservierungen

    Dienstreise war heute mal wieder angesagt. Der Termin führte in den Norden.

    Deichtorhallen

    Mit der Bahn. Bin gut hin- und zurückgekommen. Habe keinen wütenden Mob mit Fackeln und Mistgabeln gesehen. Hätte ja sein können, immerhin wurde gestern die jährliche Fahrpreisanhebung bekannt gegeben
    .
    Natürlich werde ich als Firmenkunde auch zukünftig mit der Bahn fahren und nicht, wie gestern ein Fahrgastverband radebrechte, die „Bahn als immer mehr weniger attraktiv“ ansehen (Tip: Das gesuchte Wort heisst „unattraktiv“). Fahrpreiserhöhungen machen nie Spass. Besonders wundern muss ich mich in dem Zusammenhang aber über die Preissteigerung bei den Sitzplatzreservierungen.

    „Jahaa“, sagt die Bahn „Das müssen wir machen, weil die Fahrgäste oft mehrere Sitzplatzreservierungen auf verschiedenen Zügen vornehmen.“

    Ja klar machen wir das. Nicht gerne, weil es auch jetzt schon Geld kostet, aber wir tun es. Aus zwei Gründen: Um flexibel zu sein und um einen Sitzplatz zu bekommen. Beides ist in der Ära Mehdorn bei der Bahn nämlich kontinuierlich zurückgebaut worden.

    Die Fahrgäste sollen, wie in der Flugbranche üblich, auch bei der Bahn am Besten schon drei Wochen vorher eine Karte mit Reservierung kaufen. Dann wird´s (theoretisch) auch ein wenig günstiger. So vernünftig das scheint: Leider hat die Bahn die Umsetzung versiebt. Anders als bei Flügen nutzt die DB die Anmeldedaten nicht oder nicht wirklich gut zur Anpassung der Kapazitäten. Stattdessen hat man sich ein System zusammengewurschtelt, dass das Schlechteste aus allen Welten vereint. Lange Vorlaufzeiten bei der Reisplanung gehen hier Hand in Hand mit unzureichender Kapazitätsplanung. Anders als bei Flügen ist z.B. beim Erreichen einer gewissen Kapazitätsgrenze nicht einfach Schluss mit dem Fahrkartenverkauf. Schließlich hat man ja noch, hihi, Stehplätze zu vergeben. Im Flugzeug undenkbar, bei der Bahn Usus:
    Zeitweilig sagte das Wort auf den Strassen, dass die Bahn angeblich bis zu 150% Überbuchungen wünschte.

    Gleichzeitig wurden Zugkapazitäten abgebaut. Mit dem Ergebnis, dass man auf manchen Strecken bei spontanem Fahrtantritt schon froh sein kann wenn man einen Sitzplatz auf dem Boden bekommt und nicht stehen muss. Wer einmal an einem Freitag Nachmittag zwei Stunden lang neben abfeiernden Bundeswehrsoldaten stehen durfte weiß was ich meine.

    Natürlich gebe ich, bei unsicherer Terminlage, lieber nochmal zwei Euro aus und mache eine zusätzliche Reservierung auf einem anderen Zug, als das ich von Freiburg nach Göttingen 5 Stunden stehe. Dazu zwingt mich die Bahn.
    Und nun hebt sie also die Preise an, um genau dieses anerzogene Verhalten zu unterdrücken? Als erzieherische Maßnahme uns undisziplinierten Fahrgästen gegenüber? Oh man, ehrlich mal, Bahn: Ist ja nicht so, dass wir Fahrgäste zu viel Geld hätten und nur deshalb wie wild kostenpflichtige Reservierungen machen um Dich zu ärgern.
    Ein Wagon mehr hier und da, die Rückkehr zur Flexibilität – und die Doppelbuchungen gäbe es gar nicht.

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    Spass im Reisezentrum

    Die Bahn und ich haben eine, uhm, längere gemeinsame Geschichte. In deren Episoden meisten ich derjenige bin, der geärgert wird.
    Heute nicht.

    Im Reisezentrum.

    Bahnangestellter: „So, und hier hätten wir die Tickets. Kann ich sonst noch was für Sie tun?“
    Ich: „Ja. Wenn Sie so freundlich wären mir zu sagen, was ich hier mit machen soll?“
    BA: „Das ist doch ihre Bahncard?“
    Ich: „Die alte Bahncard. Frisch abgelaufen. Was soll ich damit machen?“
    BA (mit verwirrtem Blick): „Wie, was sie damit machen sollen? Haben Sie denn schon die neue?“
    Ich: „Ja.“
    BA: „Dann können Sie die alte wegwerfen oder den Kindern geben. Oder sonstwas mit machen.“
    Ich: „Wegwerfen? Kann ich die Erlaubnis dazu dann bitte schriftlich bekommen?“
    BA: „WAS?!“
    Ich: „Na, hintendrauf steht doch ganz groß: „Diese Karte ist Eigentum der Deutschen Bahn AG“. Und ich vergehe mich doch nicht ohne Erlaubnis an fremden Eigentum!“
    BA: „Öhm. Achso. Das ist genauso wie bei Rechnungen, wo so drauftsteht „Ware bleibt bis zur Bezahlung Eigentum des Verkäufers“. So müssen Sie das verstehen.“
    Ich: „Das steht da aber nicht.“
    BA: „Sehen Sie, die Karte ist doch nicht mehr gültig. Was sollte die Bahn denn mit einer alten Karte?“
    Ich: „Keine Ahnung was sie mit alten Karten wollen. Ich verstehe doch sowieso nicht, was die Bahn so macht.“
    BA: „Ungültige Karten sind nicht mehr unser Eigentum.“
    Ich: „Das steht da aber nicht.“
    BA: „Herrje, geben Sie her, ich werfe die für Sie weg!“
    Ich: „Bekomme ich dann bitte schriftlich die Bestätigung, dass ich die Karte bei Ihnen zurückgegeben habe?“
    BA: „WARUM??“
    Ich: „Nun, ich weiß ja nicht, ob nicht irgendwann die Bahnpolizei vor meiner Tür steht und die Herausgabe von Bahneigentum verlangt.“
    BA: „ARGH! Jetzt hören Sie mal: Wenn Sie uns einen ICE von den Gleisen klauen, DANN wird Herr Mehdorn bestimmt sauer. Aber doch nicht, wenn sie ihre alte Bahncard wegwerfen!“
    Ich: „Das ist nicht meine. War auch nie meine. Das ist Ihre. Steht hinten drauf.“
    BA: „GNAAH!“
    Ich: „Und Mehdron ist Schwabe, der achtet auf jeden Cent. Sind Sie sicher, dass der die Bahncard nicht irgendwann wieder haben will? Kunststoff ist ein wichtiger Recyclingwertstoff…“
    BA: „Wollen Sie mich hier eigentlich veralbern?!“
    Ich: „Hm. Nein….ich möchte nur, das die Bahn mit mir als Kunden zurfrieden ist. Diese Kundenzufriedenheit liegt mir sehr am Herzen, wissen Sie?“
    BA: „…“

    Kategorien: Fun, Gnadenloses Leben | Schlagwörter: , , , | 12 Kommentare

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