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Der Tod des Rechenzentrumsbären

Der Tod des Rechenzentrumsbären

Die Schweizer.
Ja, wir müssen mal über die Schweizer sprechen.
Gemütlich sind sie, die Eidgenossen, und eigen. Besonders eigengemütlich sind die Mitarbeiter der schweizerischen IT. Da stehen auch schonmal Server rum, die gar nicht ans Netz angeschlossen sind – aus Sicherheitsgründen, versteht sich. Also brummt der Rechner im Leerlauf unter, der IT-ler hinter dem Schreibtisch vor sich hin.

Die Äuglein hinter dem Schnauzbart fast gänzlich verborgen grinst er breit, als ich ihn nach Zugang zu seinem Netz frage. Das tut nämlich so, als wäre es da, lässt einen aber dank Reverse-Proxies weder ins Internet noch sonst wohin. Was doof ist, weil ich ohne Internet nicht viel machen kann. Wegen der Präsentation einer Software im Internet bin ich aber eingeladen worden.

“Tjaaaa. Zu welcher Abteilung gehören´s denn?”, fragt der Schnauzbart.
“Zu gar keiner. Ich bin hier zu Gast.”
“Und welches Laptop wollen´s da benutzen?”
“Meins.”
“Uiii. Da hen´s bestimmt a Externes.”
“Wenn Sie damit meinen das es meins ist: ja.”
Der Schnauzbart zuckt. “Na, des geht nicht.”

Ohje. Hier haben wir es offensichtlich mit einem “Ursus Rechenzentriis” zu tun. Einem IT-Bären, der in den 70ern noch mit Begeisterung Lochkarten gestanzt hat und jetzt der Pension entgegedöst. Der überhaupt keinen Bock darauf hat, irgendwas zu tun, geschweige denn, “Externe” in “sein Netz” zu lassen.

“Wir sind in einem Schulungsraum. Kann ich den dortigen Dozentenrechner benutzen um ins Netz zu kommen?”
“Na, des geht nicht.”

Oh, noch schlimmer: einer von der Sorte, die an Ihre Rechner und Netze NIEMANDEN lassen. Wegen der Sicherheit. Ist klar. Nutzer sind immer unsicher. Keine Nutzer bedeutet für den Rechenzentrumsbären Risikominimierung.

Darauf habe ich gerade gar keinen Bock.
“Hören Sie, ich bin um fünf Uhr aufgestanden, habe eine grauenvolle sechstündige Zugfahrt hinter und in 30 Minuten die Live-Demo einer Internetsoftware vor mir. Wenn ich jetzt nicht irgendwie Internetzugang auf IRGENDEINEM Rechner bekomme, setze ich mich jetzt wieder in den Zug zurück gen Heimat, und Sie erklären Frau $Oberboss wieso die heißerwartete Präsentation nicht stattfindet.”

Das erzeugt ein Absinken der Mundwinkel und ein leichtes Zittern des Schnauzers. Offensichtlich hat der Bär Angst vor zierlichen Frauen in teuren Kostümen und Manolo Blahniks an den Füßen. Er greift zum Telefon um sich Rückendeckung herbeizutelefonieren.

“Chef, da will einer in unser Netz.” Joa, ein Externer. Der hat auch ein externes Notebook dabei. Joa. Joa. Moment, Ich frag ihn”.
Er bedeckt die Sprechmuschel mit einer Pranke, lupft die Augenbrauen und fragt: “Was haben´s denn für einen Virenscanner drauf?”
Ich starre ihn an. Was will der?
“Es handelt sich um einen Mac.”
Er reagiert nicht und sieht mich weiter erwartungsvoll an, die Augenbrauen verharren in luftigen Höhen.
“Von A-p-p-l-e” sage ich ganz langsam.

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