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Star Wars Episode VIII: The last Jedi (Review)

Vor zwei Jahren lief „The Force Awakens“ im Kino. Der erste Star Wars Film aus dem Hause Disney zupfte stark an den Nostalgienerven, beschränkte sich ansonsten aber auf eine Nacherzählung von „A new Hope“. Das schürte starke Zweifel, ob die JJ-Abrams-Bande es wirklich schafft, Star Wars gut fortzusetzen. Episode 8 stellt also die echte Bewährungsprobe dar.

Eines vorweg: Ich habe im Kino selten so viele Emotionen durchlebt wie während dieses Films. Ich habe laut gelacht, bin vor Spannung im Sessel nach vorne gerutscht, und ich hatte sogar stellenweise Tränen in den Augen. „The last Jedi“ hat mich umgehauen, ich kam total geflasht aus der Mitternachtspremiere.

Die 501th war auch da.

Volles Haus: Das Cinemaxx Göttingen zeigte die MItternachtspremiere in 8 Sälen gleichzeitig.

„Last Jedi“ ist Beweis dafür, was Kino immer noch leisten kann wenn ein Film eine Geschichte erzählen will und wenn er sich für seine Charaktere interessiert. Beides ist hier gegeben, und das ist mehr, als viele aktuelle Blockbuster hinbekommen – man erinnere sich an die DC-Debakel wie „Justice League“, wo nicht mal die Charaktere Bock auf die Story haben. Nicht so hier: Die Story ist dicht gepackt und wird ständig vorangetrieben, und die Charaktere sind allesamt interessant und machen eine Entwicklung durch – selbst solche, die in „Force Awakens“ als Nullnummern daherkamen, und ja, ich gucke hier in Richtung Dameron Poe.

Dazu kommt der fantastische Cast. Daisy Ridley ist eine Naturgewalt auf der Leinwand, sie dominiert durch ihre Präsenz ausnahmslos jede Szene. Mark Hamill macht eine ebenso gute Figur und rockt das Haus, und Neuzugänge wie Kelly Marie Tran sind eine echte Bereicherung. Ebenso eine Bereicherung ist, das die wichtigen Rollen im Geschlechterverhältnis auf ca. 50:50 kommen dürften. Das allein die ganze Führungscrew der Rebellen aus Frauen besteht, ist eine schöne Abwechselung, und Laura Dern als Admiral liegt vom Coolnessfaktor her ca. 8,5 auf der Mon-Mothma-Skala. Einziger Ausfall ist ausgerechnet Adam „Kylo Ren“ Driver, was aber wieder eher an der Rolle als am Darsteller liegt.

So ganz nebenbei räumt Regisseur und Autor Rian Johnson einiges an George-Lucas´schem Schwachsinn weg (Hoch-Machtbegabt darf jetzt wieder jeder sein) und dreht Star Wars in eine neue Richtung. Das Mantra des Films ist „Überwinde das Alte“. Das muss man nicht unbedingt mögen, es ist aber erfrischend.

Damit kommen wir zu spoilerhaltigen Kritikteil, denn obwohl „Last Jedi“ ein anschauenswerter und gut gemachter Film ist, der mich ziemlich weggeblasen hat, ist er keinesfalls perfekt.

ACHTUNG, SPOILER NACH DEM KLICK.
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Wolverine: Nach dem Abspann

Hu, ich komme gerade aus einem zweistündigen Hugh-Jackman-Werbespot. Hugh Jackman in engen Jeans, Hugh Jackmann in Feinripp, Hugh Jackman halb entblösst, Hugh Jackmann in heroischen Posen, Hugh Jackmann wie er den Kopf in den Nacken legt, gen Himmel schaut und brüllt „Neeeeeeiiiiiiiin“ (kommt 3 Mal vor) und Hugh Jackman, wie er ganz nackig über eine Wiese hoppelt.

Beweisstück A: Hugh Jackman.

Beweisstück A: Hugh Jackman.

OK, wo gibt es Hugh Jackman zu kaufen?

Auch ansonsten verwirrt der Film. Bzw.: Er ist verwirrt, weiß er doch bis zum Ende nicht, wo er eigentlich hinwill. Die Story plätschert so mal nach links, mal nach rechts und bremst sich durch Absurditäten (DER BLOB! UH!) aus. Wolverine ist unterhaltsam und kurzweilig, aber nie wirklich gefährlich, spannend oder emotional berührend. Hier setzt aktuell Heroes Maßstäbe, die aber für Wolverine unerreichbar sind. Sei´s drum: 3 große WTF-Momente werden geboten, und das reicht für einen Popcorn-Blockbuster allemal, wenn die Hauptrolle von Hugh Jackmann gespielt wird.

Apropos Ende: Ich stelle mir gerade vor, wie dem Regisseur kurz vor dem Release eingefallen ist, dass er noch eine Brücke zu den X-Men-Filmen schlagen muss:

„Ey, wir brauchen noch diesen Dings, diesen Captain Picard im Film“
„Das geht nicht, Chef, Patrick Stewart ist ein vielbeschäftigter und sehr teurer Schauspieler“
„Mir do´egal. Wir haben doch noch Bilder aus dem letzten Film, dann machen wir den halt digital.“

Leider sieht der Gastauftritt von Professor X aus, als hätte der Praktikant des Praktikanten von ILM einen Patrick-Stewart-Homunkulus mit Microsoft Paint zusammengelökert. In seiner Mittagspause. Im Ernst, ich habe mich erschreckt, als ich diesen digitalen Frankenstein gesehen habe. Angeblich ist das der echte Schauspieler in einer Uncredited Cameo mit digitalem Make-Up um ihn zu verjüngen, aber trotzdem: Geht ja gar nicht, sowas.

Überhaupt: Erschreckend. Da wird der Film geschnitten und nochmal geschnitten, damit nur ja kein Tröpfchen Blut zu sehen ist – und dann stellen die da mit „Waffe XI“ ein Viech hin, dass mir noch einige Zeit Alpträume bereiten wird. Aber Hauptsache kein Blut. Und keine Nippel.

Szenen nach dem Abspann
Wer übrigens nicht lange genug sitzen bleiben konnte hat auch nichts verpasst. Nach dem Abspann sieht man Wolverine in einer Bar in Japan sitzen. Es folgt ein Dialog zwischen ihm und der Bardame, wie man ihn auch schon aus X-Men kennt. „Trinken Sie um zu vergessen?“ „Nein, ich trinke um mich zu erinnern.“
Ha, ein Brüller. Und evtl. eine Brücke zu einem zweiten Wolverine-Film, da einige der Comicstories in Japan spielen.
So weit, so lame.

ABER: Je nach Filmkopie gibt es ein zweites, alternatives Ende. In diesem gleitet die Kamera über Schutt, unter dem Waffe XI liegt und verharrt auf dessen abgetrennten Kopf. Plötzlich fingert eine Hand (seine eigene?) nach dem Schädel. Hinweis auf einen Deadpool-Film?

Egal, ich gucke jetzt erst einmal, ob es Hugh Jackman über Amazon gibt. Oder ich warte, bis die Wirkung des Werbespots nachgelassen hat.

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Review/Meinung: Rock Band 2 (PS2)

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Prolog: Wo bekommt man Rock Band 2 für die PS2 her?
Die PS2-Fassung von RB2 erschien schon im Dezember 2008, allerdings nur in den USA. Ende März sollte es in Europa rauskommen, allerdings ist es bis zum heutigen Tag in Deutschland nicht erhältlich. Vertrieb und Hersteller geben keine Auskunft über einen möglichen Erscheinungstermin.

Eine mögliche Lösung: Das Spiel im Ausland bestellen. Da PS2-Spiele nach Regionen codiert sind und zudem Ausgabe (NTSC/PAL) unterschiedlich ist, scheiden die USA hier aus. Möglich ist eine Bestellung in England oder Frankreich. Ich habe über Amazon.fr bestellt und war angenehm überrascht: Meine Nutzerdaten aus dem deutschen Amazon funktionierten auch auf der französischen Plattform, innerhalb von 2 Werktagen war das Spiel geliefert und läuft komplett in Deutsch. Der Nachteil: Zur Bestellung ist eine Kreditkarte notwendig, Bankeinzug oder Nachnahme gib es nicht. Die rund 5 Euro Versandkosten lassen sich dagegen leicht verschmerzen.

Das Spiel
Rock Band 2 ist kein vollkommen neues Spiel. Die Optik ist nur geringfügig anders als bei RB1, ansonsten sind hauptsächlich kleine Verbesserungen im Spielablauf und in Details zu bemerken. Die Kalibrierung funktioniert etwas anders, bei Songs werden Schwierigkeitsgrade für jedes einzelne Instrument angezeigt u.v.m.
Ebenfalls nett sind neue Optionen, wie etwa der „Kein Pfusch Modus“, in dem man nicht von der Bühne fliegen kann, oder der „Hyperspeed Modus“ in dem das Notenband doppelt so schnell läuft. In den Tutorials ist der Drumtrainer dazu gekommen, in dem man das freie Spiel in Drumfills beigebracht bekommt.

Spielmodi
Auffallend ist die Überarbeitung des Karrieremodus. Der unterscheidet nicht mehr zwischen Single- und Bandkarriere, sondern erlaubt jederzeit den Wechsel zwischen Einzel- oder Gruppenspiel. Bspw. ist es möglich alleine oder mit der Band auf Tour zu gehen oder mittendrin zwischen Single- auf Bandkarriere zu wechseln. Der Spielfortschritt geht dabei nicht verloren.

Spielte man in Teil 1 die Sets in der vorgegebenen Reihenfolge, kann man sich nun weitgehend aussuchen was man wie und wo spielen möchte.
Zu Beginn des Spiels ist man noch eine unbekannte Newcomerband und spielt nur in schäbigen Kaschemmen. Das Spiel bewertet die Solo- oder Bandleistung anhand von Sternen, 3 bis 5 kann man pro Song verdienen.

Hat man genügend Sternchen gesammelt, wird ein Gig freigeschaltet. Ein Gig besteht aus 3 bis 8 Songs, die zum Großteil frei wählbar sind und am Stück gespielt werden müssen. Schafft man dies ohne von der Bühne zu fliegen, gibt es eine Belohnung. Die besteht z.B. in einem alten Lieferwagen, der Auftritte in umliegenden Städten möglich macht, später in einem Flugzeug, das der Band andere Kontinente erschliesst. So werden nach und nach weitere Städte auf einer hübsch animierten 3D-Karte freigeschaltet. In jeder Stadt sind 3 bis 5 Songs zu finden, und die Spieler entscheiden selbst, in welcher Reihenfolge sie welche Songs spielen. Es ist durchaus möglich einen Teil der Songs auszulassen. Wer Metallica partout nicht mag, muss sie nicht spielen

Songs, die im Karrieremodus freigespielt wurden, tauchen auch im Spielmodus „Schnelles Spiel“ auf.

Ein neuer Modus ist „Herausforderung“. Hier gibt einem das Spiel Sets von Songs vor, die man in einer bestimmten Reihenfolge abarbeiten muss. Die Sets sind z.T. thematisch sortiert, z.B. „Die besten Hits der 90er“. Dazwischen gibt es immer wieder sog. Herausforderungen für einzelne Instrumente, d.h. einen Song, der auf einem bestimmten Instrument zu spielen ist. Hat man eine gewisse Anzahl an Sternen erreicht, geht es weiter. Der Modus ist nett für Solospieler, mehr aber auch nicht. Interessant wird er auf anderen Konsolen, denn auf denen kann man weitere Herausforderungen herunterladen und neue Songs integrieren. Dies geht auf der PS2 nicht.

Songauswahl
Die Songauswahl ist, hm, so naja und gemischt quer durch den Garten. Highlights sind sicherlich alte und moderne Klassiker (Fleetwood Mac: Go your own way, Alanis Morissette: You oughta know, Red Hot Chilli Peppers: Give it away), dazwischen gibt es viele Songs die kaum einer kennt. Das ist nicht unbedingt schlimm, denn bei einem Musikspiel lernt man ja durchaus auch neue und schöne Dinge kennen, und die Songs lassen sich allesamt sehr gut spielen und singen. Die Heavy Metal Fraktion kommt in den letzten Städten der Tour auf ihre Kosten: In Rio, Moskau und Istanbul wird schlimm geschrammelt. Eine Liste der 84 Songs findet sich unter diesem Artikel.

Unterschiede zu anderen Plattformen
Die PS2-Fassung konzentriert sich ganz auf das eigentlich Musikspiel und lässt einiges am Drumherum weg.
So haben die freischaltbaren Personen (Werbeexpertin, Tontechniker, Roadies) keinen spürbaren Einfluss auf das Spiel, da die Managerkomponenten, die es auf den anderen Konsolen gibt, in der PS2-Fassung weggefallen sind (Auch wenn zwischendurch ein Zwischenbildschirm auf diesen Manager hinweist – wahrscheinlich stammt dieser Text aus einer anderen Fassung und wurde vergessen). Eine Herausforderung nach dem Motto „Entscheide Dich, ob Du um doppelt Geld spielst oder um doppelte Fanzahlen“ gibt es nicht, auch der Accessoire-Shop oder der Spielfiguren- und Banddesigner fehlen. Ein Onlinemodus um gegen andere Bands zu spielen oder neue Songs aus dem Netz herunterzuladen gibt es ebenfalls nicht.

Die fehlende Möglichkeit eigene Figuren zu erstellen erlaubt den Entwicklern einen anderen Trick. Anstatt, wie in Guitar Hero: World Tour die Hintergrundgrafik und die Figuren permanent berechnen zu müssen, laufen in RB2 vorgerenderte Filme mit den Standardfiguren ab. Das sieht auf der PS2 nicht nur besser aus, sondern senkt auch drastisch die Ladezeiten und spart Rechenressourcen. Ein Song ist in ca. 15 Sekunden geladen und startbereit. Ruckler, wie sie im Bandspiel in GHWT leider an der Tagesordnung sind, finden sich in RB2 so gut wie gar nicht.

Fazit
Von der Entwicklung her ist Rock Band 2 eher ein Rock Band 1.5, in der PS2-Fassung ist es Rock Band 1.5 light.
Sinnvolle Verbesserungen finden sich vor allem im Design der Spielmodi, die jetzt flexibler und einfacher zu handhaben sind. Naturgemäß fehlt der PS2-Fassung einiges an drumrum. Das meiste davon lässt sich verschmerzen, wenn man RB2 hauptsächlich als Partyspiel betreibt – dann ist es nämlich von Vorteil, wenn nicht erst 5 Leute Ihre Figuren basteln, sondern sofort losrocken.
Eine heftige Einschränkung ist natürlich die fehlende Online-Anbindung, die es auf anderen Konsolen ermöglicht, aus einem riesigen Shop weitere Songs herunterzuladen. Aber dafür ist die Playstation 2 mit ihren eingeschränkten Online- und Speichermöglichkeiten schlicht nicht mehr geeignet.

Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, findet auch in der PS2-Fassung von Rock Band 2 ein verdammt feines Musikspiel, mit dem sich jede Party rocken lässt. Für das gelegentliche Spielen zwischendurch taugt die PS2-Version also auf alle Fälle. Wer Online-Modi, Downloadmöglichkeiten für neue Songs oder den Figurendesigner haben möchte, muss perspektivisch den Wechsel auf eine andere Plattform, wie XBOX oder PS3 ins Auge fassen.
Aber der steht ohnehin irgendwann an.

Übrigens ist Rock Band 2 der direkte Konkurrent zu Guitar Hero World Tour. Hierzulande wurde immer RB1 gegen GHWT verglichen, was Quatsch ist. Ich wage mal zu behaupten: Im direkten Vergleich von RB2 und GHWT auf einer NextGen-Plattform zieht GHWT noch deutlicher den kürzeren als gegen das 1,5 Jahre alte RB1.

Liste der Songs mit Videos nach dem Klick
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Watchmen (2009)

Nach langen Jahren der Vorbereitung und diversen Rechtsstreitigkeiten gibt es nun doch eine Verfilmung des unverfilmbaren Graphic Novels Watchmen – und der Regisseur wird nicht müde zu beteuern, wie sehr er doch versucht hat, der Vorlage gerecht zu werden. Tatsächlich sahen die Trailer und Poster sehr stimmungsvoll aus, aber ist dabei nun DIE Comicverfilmung herausgekommen, die jeder gesehen haben muss?
Ich meine: Nein. Obwohl der Film besser ist, als man nach dem Hype erwarten durfte.

Was wäre wenn? Aus diesem Ansatz baut Alan Moore, der von mir sehr geschätzte Autor des Graphic Novels, die Parallelwelt auf, in der Watchmen im Jahr 1985 spielt. Diese Welt gleicht unserer, nur kleiden sich dort in den 40er Jahren einige Menschen in absurde Kostüme und nehmen als „Superhelden“ das Gesetz in die eigene Hand. Die zweite Generation dieser Männer und Frauen in Strumpfhosen formiert sich in den 60er Jahren und nennt sich Watchmen. Wirkliche „Superkräfte“ hat nur einer von Ihnen, ein blauer Muskelschlumpf namens Dr. Manhattan, der durch einen Unfall mit irgendwas zu einem gottgleichen Superwesen mit Kifferattitüde wurde. Er schert sich nicht wirklich um die Menschheit oder irgendwas anderes, sondern denkt in kosmischen Maßstäben, was dazu führt, dass er permanent Blödsinn redet und nackt rumrennen muss.

Auch seine Watchmen Kollegen machen nicht mehr viel, denn Ende der 70er erklärt die Regierung Superheldentum für illegal. Die Welt hat auch ohne die selbsternannten Helden genug Probleme: Es ist 1985, und da es in der Was-wäre-wenn-Welt kein Watergate gab, ist Nixon noch Präsident. Der kalte Krieg mit den Russen ist auf seinem Höhepunkt, der Ausbruch eines Atomkriegs steht bevor. Die Menschen leben in ständiger Angst. In diesem Klima wird einer der ehemaligen Watchmen ermordet, und die Geschichte beginnt.

Viel wurde schon über „Watchmen“ geschrieben, die literarische Vorlage als der großartigste Grafik Novel aller Zeiten gelobt und als unverfilmbar deklariert.

Nun, die wenigsten, die sowas zusammenschreiben, haben das Buch wirklich gelesen, sondern einfach nur die Pressemitteilung zum Film abgepinnt. Tatsächlich ist das Comic was Besonderes – wegen der Mischung aus Gesellschaftskritik und Dekonstruktion von Superhelden, wegen seiner Erzählweise und seiner zynischen Grundhaltung.

Aber: Es ist beim ersten Lesen auch ziemlich zäh und langweilig. Typisch für den Autor Alan Moore ist eine lange Exposition, ohne das der Leser überhaupt erfährt, wohin die Reise eigentlich geht. Über mehrere hundert Seiten werden Charaktere eingeführt, teils auf unterschiedlichen Zeitebenen, ohne das man wirklich einen Plan hat, was da eigentlich gerade passiert.

Ein der letzten, noch illegal arbeitenden, Watchmen ist Rohrschach, der nach dem Mörder seines Kollegen fahndet und eine Verschwörung wittert. Was nicht viel zu sagen hat, denn Rohrschach ist ein paranoider Psychopath, der als einziger noch die Watchmen im Auge behält. Er warnt seine ehemaligen Mitstreiter vor einem Killer, der es auf Ex-Superhelden abgesehen hat. Aber weder das verweichlichte Bruce-Wayne-Imitat Nite Owl, noch die Latexfetischistin Silk Spectre glauben ihm. Die beteuern lieber, das ihnen das Superheld sein nicht fehlt, sind aber ohne ihre Fetisch-Anzüge nicht in der Lage ein Nümmerchen zu schieben.

Ein Nacktschlumpf-Kiffer, ein ungewascherner Psycho, ein liberales Weichei und eine Fetischistin – um diesen Haufen Kaputter, die nun wirklich überhaupt kein Identifikationsmaterial abgeben, vorzustellen, braucht das Buch mehrere Hundert Seiten inkl. Zeitsprünge und Rückblenden. Das ist verwirrend, langatmig und stellenweise auch langweilig – einer der Gründe, warum Watchmen NICHT der „größte Graphic Novel aller Zeiten“ ist, auch, wenn er durch Zufall auf irgendwelchen Bestsellerlisten gelandet ist. Der große Verdienst der Vorlage ist das Durchschütteln eines Genres: Ein Buch über Superhelden, das ohne wirklichen Bösewicht auskommt, und die Protagonisten als selbstgefällige Saubeutel mit „Wir wissen was gut für Euch ist“-Attiüde zeigt, die sich am Ende die Frage stellen müssen, ob sie den Preis der Freiheit zu zahlen bereit sind.

Der Film folgt der Erzählstruktur der Vorlage sehr genau, und absurderweise muss man ihm genau das vorwerfen: Das er zu eng an der Vorlage klebt.

Was im Graphic Novel gut funktionierte, erweist sich beim Kinobesuch als Bruch mit den üblichen Sehgewohnheiten. Statt nach dem üblichen Blockbusterschema mit 1-3 Höhepunkten vorzugehen, nimmt sich der Film Zeit, um seine Figuren vorzustellen. Viel Zeit.

Rund 100 Minuten lang sehen wir, wie aus einem Physiker der Muskelschlumpf wird, was für Probleme die Mutter der Fetischistin hatte undundund. Der Spannungsbogen um den Mord an dem alten Watchmen wird nur zögerlich und mit vielen, langen Einschüben verfolgt. Das ist durchaus unterhaltsam, wenn man als Zuschauer begreift, dass hier der Weg das Ziel ist. Aber selbst wenn man die Vorlage kennt, wünscht man sich (und dem schmerzenden Hintern im Kinosessel), dass die Geschichte um die große Verschwörung etwas stringenter und straffer erzählt wird. Zum Vergleich: Die „Herr der Ringe“-Filme waren auch deshalb gut, weil die Elemente der Geschichte verwürfelt wurden und eben NICHT jedes Frühstück der Hobbits zelebriert wurde.

Wenn es dann endlich losgeht und die Story um den Mord wieder in den Vordergrund tritt, dürften 2/3 der Kinobesucher schon weggedämmert oder verwirrt unter ihre Sitze gekrochen sein.

Das liegt nicht an der Umsetzung, die z.T. wirklich gut ist, auch wenn die Effekte einen nicht vom Hocker reissen. Nur: Die memorablen Bilder sind nicht unbedingt der Verdienst des Filmes. Fast jedes Bild, teilweise sogar die Kamerawinkel, entstammen der Vorlage. Jeder coole Einfall (abspritzendes Eulenschiff) stammt aus dem Buch. Dialoge sind meist eins zu eins übernommen.

Die einzigen Bereiche, in denen der Film ein wenig Selbstständigkeit entfaltet, sind der Soundtrack, die exzessive Ausführung der Gewaltszenen und das geänderte Ende der Geschichte. Die beiden erstgenannten Punkte sind dabei nicht wirklich gut gelungen. Die eingespielten Musikstücke sind im Filmkontext nervig, abgenudelt oder nur skurril (Bob Dylan, Nena). Die Darstellung von Gewalt, die im Buch nur angedeutet wird, ist so widerlich und übertrieben, als hätten die Macher des Filmes sich noch mal auf die Schnelle überlegt, hier ein Meta-Irgendwas in SAW-Manier transportieren zu müssen. Lediglich das neue Ende passt besser als der Originalschluss.

Muss man das jetzt gesehen haben?
Nein, nicht unbedingt.
Watchmen ist ein wirklich guter und unterhaltsamer Film geworden, aber beileibe kein must-see-for-everyone.
Das Festhalten an den mäandernden Erzählstrukturen und die übertriebene Gewaltdarstellung werden viele abschrecken. Wer die Vorlage kennt und mag, wird begeistert sein, auch wenn viel von der Mooreschen Gesellschaftskritik fehlt und das wichtige Element der atomaren Krisenangst sehr cheesy umgesetzt ist.
Wer gänzlich unvorbereitet einen klassischen Superheldenfilm a la „Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ erwartet, wird sein blaues Wunder erleben. Auch in Form eines nackten Pimmelschlumpfs.

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Review: „The Dark Knight“ (2008)

(Test & Preisvergleich)

Quelle: whysoserious.com

Viel ist über diesen Film schon geschrieben worden – manch Richtiges, viel Falsches, wenig Relevantes. Der Film läuft in den USA schon ein paar Wochen und bricht dort alle Rekorde. Warum eigentlich, fragt man sich nach dem Kinobesuch unweigerlich. Denn „The Dark Knight“, die Fortsetzung von „Batman Begins“, verlangt den Zuschauern körperlich und geistig so Einiges ab. Körperlich, weil es gilt 152 Minuten abzusitzen – da schmerzt schonmal die Rückseite. Mental ist der Streifen fordernd, weil es für eine Comicinterpretation verhältnismäßig wenige Actionsequenzen gibt. Stattdessen gibt es Handlung satt: Politik, Plotwists und sogar eine Lektion über Moral und Wirtschaftskriminalitität in einer globalisierten Welt. Ob wohl mit den Amerikanern alles OK ist, dass die solche Filme machen und gucken?

„Let´s put a smile on this face!“

Zur Handlung sage ich nicht viel. Jeder, der nicht die letzten Wochen auf einem Baum verbracht hat, weiß, dass in dem Film Batman, der Joker, das (schlecht-)organisierte Verbrechen und Harvey Dent vorkommen. Worauf das hinsteuert weiß jeder, der nicht die letzten Jahrzehnte auf einem Baum verbracht hat. Das Thema der Handlung hat zudem das Ende von „Batman Begins“ vorgegeben:
Eskalation.
Und wie es eskaliert:

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Indiana Jones 4: Review (Test & Preisvergleich)

„Tomb Raider“, „National Treasure“, „Sahara“ – ich habe mir alles davon angeschaut, den Großteil mag ich sogar. Mir ist auch klar wo das herkommt: ich war immer auf der Suche nach dem authentischen Indiana Jones Feeling. Nach einem würdigen Nachfolger.

Und heute also die Fortsetzung der Kindheitsabenteuer? Das Original tritt noch einmal gegen all diese jungen, frischen Nachfolger an?
In „Indiana Jones und der bescheuertste Filmtitel aller Zeiten“? Was würde das werden, außer der Demontage eines Helden der Kindheit?

Indiana Jones ist einer meiner absoluten Kindheitshelden.

Ich war das, was man heute einen Fanboy nennt. Wörtlich genommen. Als ich den ersten Indiana Jones Film sehen durfte, war ich vielleicht neun Jahre alt. Ich hatte großen Spaß im Kino und liebte den Film auch später – je älter ich wurde, desto mehr Ebenen entdeckte ich.

Dann kam „Temple of Doom“, von dem ich zuerst das Buch las. Das war großartig, ich habe es immer und immer wieder durchgeschmökert.

Irgendwann durfte ich den Film sehen (war frei ab 16) – und befand: das ist NICHT Indiana Jones. „Temple“ ist ein schwachsinniger und doofer Film. Jeder erinnert sich in der Nachschau nur noch an „Affenhirn auf Eis“ – kein gutes Zeichen. Und kein Vergleich mit dem großartigen „Raiders“.

Als „Crusade“ 1989 in die Kinos kam war ich zarte 14 Jahre alt. Ich mochte den Film. Die Tricks waren unterirdisch, die Story so lala – aber Sean Connery und Harrison Ford machten ihn zu einem echten „Jones“, ganz in der Tradition von „Raiders“.

„Crusade“ lief noch vor dem Fall der Mauer. Und jetzt eine Fortsetzung?
Der Fanboy in mir will die natürlich unbedingt sehen, der Erwachsene warnt: Das kann doch nur eine Beinahe-Katastrophe werden.

Ein klappriger Indy auf der Suche nach seinem Gebiss, Shia LaBoeuf als Wesley Crusher und über allem ein irrer George Lucas, der die Story kaputtgespielt hat. Ob sowas funktioniert hängt letztlich auch von der eigenen Erwartungshaltung ab.

Wenn in den letzten Tagen etwas über „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ zu lesen war, dann hautpsächlich Interviews mit Beteiligten. Oder was Harrison Ford am Buffet in Cannes gegessen hat.
Oder Verrisse.
Die generell mit Vorsicht zu genießen sind, weil der Jäger, der als Erster den Elefanten erlegt, Ruhm erntet. Gerade auf Popcorn-Filme lässt sich leicht eindreschen.

Vor dem Kinobesuch hatte ich eine Checkliste im Kopf, was passieren müsste um den Film für mich zur Katastrophe zu machen:
1. Der junge Sidekick führt sich auf wie Wesley Crusher
2. Die Besetzung tattert durch die Gegend und ist zu alt
3. Nackte Eingeborene machen so was wie in „Temple“
4. Spielberg wäre anzumerken das er keinen Bock hatte (was er oft genug betont hat)
5. Lucas hat die Story verpfuscht

Um es vorweg zu nehmen: der Film ist keine Katastrophe.
Keiner der Kill-Break-Punkte tritt ein.

Ganz im Gegenteil: Er ist echt, wirklich gut.

Wer ihn noch nicht gesehen hat möge jetzt bitte ins Kino gehen, alle anderen klicken weiter.
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