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Garmin Zumo 590: Akkuprobleme beheben – und warum überhaupt noch ein echtes Navi?

21 Jun

Motorradnavigation ist ein Thema für sich. Navigationsgeräte für Moppeds sind auch im Jahr 2017 groß, schwer, langsam und teuer. Nur mal als Beispiel: Mein Garmin Zumo 590 wiegt 400 Gramm, kostet 700 Euro und braucht für die Berechnung einer Route von hier bis Italien über Österreich ohne Mautgebühren und Vignette satte 8 Minuten.

In Zeiten von Google Maps fragt man sich da „WTF???“ und kommt natürlich sofort auf den Gedanken: Wäre es nicht viel effizienter, einfach das Smartphone ans Zweirad zu klemmen? Wasserdichte Halterung, USB-Anschluss, fertig ist die Laube?

Leider ist es nicht so einfach. Die Lösung mit dem Smartphone am Lenker funktioniert genau so lange gut, wie man bei norddeutschen Temperaturen mit einem kleinen Android-Handy und nicht allzu lange unterwegs ist. Denn so verlockend die Navigation mit dem Handy auch ist: Dafür ist es nicht gemacht, und das merkt man.

Zunächst: Das Handy muss wasser- und staubdicht eingepackt werden, in eine wasserfeste Tasche, eine Halterung oder das transparente Fach eines Tankrucksacks. Darin bekommt es aber keine Luft, und wenn die Sonne drauf scheint wird das Handy schnell zu heiß. Meint: Die innere Temperatur bewegt sich in Regionen, in denen sich bessere Geräte abschalten und nicht ganz so tolle schlicht schmelzen. Kein Witz.

Kälte tut den Dingern aber auch nicht gut: Iphones bis zum 6s gehen auch gerne mal aus, wenn ihnen nur ein Bißchen zu kühl ist, und das kann im Regen und bei Fahrtwind schnell passieren.

Auch die Stromversorgung ist ein Problem. GPS verbraucht viel Strom, nur auf Batterie kommt man nicht weit. Kleine Android-Geräte lassen sich gerade noch über eine Bordsteckdose mit Strom versorgen, aber schon ein normales iPhone zieht mehr Saft als die Steckdose der meisten Moppeds liefert und lädt deshalb nicht.

Schließlich ist die Bedienung umständlich: Man kann Handys in wasserdichten Hüllen meist nicht oder nur umständlich bedienen. Und zum Schluss: Was die stetigen und oft heftigen Vibrationen mit den Telefonen machen, will ich lieber gar nicht wissen.

Also: Für kurze Strecken bei gemäßigtem Wetter kann man schon mal auf ein Smartphone als Navi zurückgreifen, für echte Reisen taugt das aber nicht. Alles Gründe, die für ein dediziertes Navigationsgerät sprechen – und gleichzeitig erklären, warum die Dinger groß und schwer sind: Sie sind wasserdicht, halten Vibrationen, Hitze und Kälte aus und lassen sich auch mit Handschuhen bedienen. Normalerweise.

Hersteller TomTom hat es tatsächlich geschafft, Motorradnavigation seiner 4er-Serie mit einem kapazitiven Touchscreen zu kreuzen, wie er in Handys verbaut ist. Das hört sich erstmal gut an, aber das Ergebnis ist ein Navi für Schönwetterfahrer. Die fizzeligen Iconslassen sich schlecht treffen und Wischgesten sind mit Handschuhen auch unpräzise zu machen. Viel schlimmer aber: Wenn Regentropfen über das Display rollen, lösen die es aus!

Das waren für mich die auschlaggebenden Gründe um vor zwei Jahren zu Garmin zu wechseln, zumal deren ZUMO-Reihe auch als Bordrechner dient und sich Kameras und Reifendruckkontrollsystem anschließen lassen, ein Tank- und Servicebuch drin ist und das Ding so ganz nebenbei noch als Hub und Medienzentrale zwischen Smartphone und Helm funktioniert.

Mein ZUMO 590 hatte allerdings von Anfang an das Problem, dass der Akku kaum 30 Minuten durchhielt. Nun ist das 590 explizit auf den Anschluss ans Bordnetz ausgelegt, aber dafür, dass Garmin eine Akkulaufzeit von 4 Stunden versprach, war das doch ein Bißchen wenig.

Jetzt, zwei Jahre nach dem Kauf, funktionierte der Akku praktisch gar nicht mehr. Ein neuer kostet um die 50 Euro, weshalb ich die Anschaffung vor mir hergeschoben habe. Nun bin ich durch Zufall im V-Strom-Forum über eine wichtige Info gestolpert: Die Akkus der Generation 2015 waren angeblich OK, nur die Stecker waren fehlerhaft. Die fehlerhaften 2015er Akkus sind übrigens weiß (s. Bild) und aus Korea. Später kamen die ZUMO-Akkus aus Japan, die sind grau und haben das Problem nicht.

Mangelnder Kontakt führt dazu, dass das Navi die Kapzität des Akkus verkehrt berechnet und ihn nicht nutzt. Das lässt sich aber leicht beheben, einfach in dem mann die Steckkontakte nachbiegt.

1. Navi öffnen: Einfach den D-Ring auf der Rückseite drehen und den Deckel abheben.

2. Den Stecker hier zusammendrücken und nach oben abziehen.

3. Mit einem sehr kleinen Schraubendreher oder einer Nadel die Kontakte des Steckers vorsichtig von oben nachbiegen:

4. Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge.

Mein Akku hält nun mehrere Stunden durch, was er vorher noch nie geschafft hat. Einen Versuch ist es also allemal wert!

Übrigens: Wenn man das Batterieicon in der Statusleist am oberen Bildschrimrand drei Sekunden lang drückt, bekommt man Diagnoseanzeigen. Unter anderem zum Batteriestatus:

oder auch einen psychedlischen Screentest:

und wenn man auf das Empfangsbalkenicon drei Sekunden drückt, bekommt man GPS-Ortungsdaten angezeigt.

Aber das nur als Skurrilität am Rande. Wichtig ist: Besitzer eines ZUMO 590 LM mit Akkuproblemen sollten den Trick mit dem Nachbiegen der Steckerkontakte probieren!

—-
Mit Dank an AlterSchwede aus dem V-Stromforum, der auf ein niederländisches Youtube-Video zum Thema aufmerksam gemacht hat.

 
8 Kommentare

Verfasst von - 21. Juni 2017 in Motorrad

 

8 Antworten zu “Garmin Zumo 590: Akkuprobleme beheben – und warum überhaupt noch ein echtes Navi?

  1. Max

    21. Juni 2017 at 12:05

    Ich habe ja den kleinen Bruder, das zumo 390. Das kann zwar etwas weniger und der Akku ist fest verbaut, aber der hält seit Anfang locker 4-6h.

    Handy war bei mir auch immer Mist auf Langstrecke, ganz früher bin ich mit einem Outdoor Navi, Garmin Legend HCx, gefahren, das ging gerade so und daher war der Weg zu einem dedizierten Moppednavi begründet und nicht weit.
    Ich mags und kann mich bei der Streckenwahl nicht beschweren, obendrein kann ich recht einfach auch OSM-Material nutzen und eigene POI, in meinem Fall Geocaches, drauftun.

    Gefällt 1 Person

     
  2. Silencer

    21. Juni 2017 at 12:52

    Das 390 ist ein feines Gerät und bringt alles mit was man braucht. Ich habe auch nur das 590, weil ich auf das RDKS scharf war 🙂

    Im Nachhinein war aber schon die Möglichkeit zur Nutzung von OSM ein Grund, um von TomTom zu Garmin zu wechseln – auch wenn ich das Urban Rider II geliebt habe, der Nachfolger kann mich nicht begeistern.

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  3. typ3typ

    21. Juni 2017 at 16:46

    Dann werde ich wohl auch mal die Kontakte nachbiegen. Danke für den Tip!

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  4. Silencer

    22. Juni 2017 at 12:15

    Lass mich bitte mal hier wissen ob es was gebracht hat. Wichtig: Die fehlerhaften Akkus sind aus Korea und weiß. Spätere Generationen und Ersatzakkus sind aus Japan und grau, die haben das Problem nicht mehr.

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  5. ralf0809

    22. Juni 2017 at 13:54

    Ist ein schwarzer Akku, aus Japan (finished in China) und vom Datum 07/21/15
    Habe das Gerät gebraucht gekauft, mit Rechnung des Vorbesitzers aus 04/16. Der hatte es zwei mal gebraucht und kam nicht klar damit.

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  6. Silencer

    22. Juni 2017 at 13:59

    OK, dann sollte das Problem der viel zu kurzen Akkulaufzeit bei Dir gar nicht auftauchen.

    Gefällt 1 Person

     
  7. typ3typ

    22. Juni 2017 at 14:01

    Wahrscheinlich muss es nur mal wieder richtig voll geladen werden. Bin in letzter Zeit eher Kurzstrecken damit gefahren…

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  8. kalesco

    23. Juni 2017 at 16:28

    Diesen Artikel solltest du richtig gut taggen und benennen, Metainfo etc – denn damit machst du sicher vielen eine Freude, wenn sie den in den Weiten des Netzes finden!! (mein iPhone Backup Artikel ist noch immer Spitzenreiter und die Anleitung funktioniert wohl auch noch, Stand iOS 3 😀 )

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