Motorrad

Ich habe Dein Motorrad beschädigt.

„Du, ich habe Dein Motorrad beschädigt“, sagt der Meister und guckt traurig.  Meine Augen verengen sich zu Schlitzen. Was hat er mit der Barocca angestellt? Umgeworfen? Kratzer beim Rangieren reingefahren? Was am Fahrwerk kaputt gewürgt? Ist die Suzuki am Ende vielleicht sogar von der Bühne gefallen?!

Nein, es ist was ganz anderes. „Hier, der Topcaseschlüssel, der hat sich irgendwie verhakt und dann ist er abgebrochen“, sagt der Meister und fuddelt nervös mit einem Givi-Set herum. „Aber ich habe hier schon ein komplett neues Schlossset, das tausche ich Dir gleich aus“, sagt er ernst und betreten. Ich gucke ihn erst groß an, dann platzt ein Lachen der Erleichterung aus mir raus. Meine Güte, diese uralten Givischlüssel sind fragil, das passiert schon mal. Ist doch egal sowas. Weiter hinten ein Loch durchgebohrt, fertig.

Nicht egal war die Wartung, die an Suzuki durchgeführt wurde.

Das war die Mutter aller Inspektionen. Die V-Strom DL650 hat einen Wartungsintervall von 6.000 Kilometern, den hatte ich nun schon um das doppelte überrissen. Und nicht nur das, die nächste anstehende Fahrt wird gleich wieder fünfstellig lang werden. Deswegen war es mir wichtig, dass jetzt alle anstehenden Inspektionsarbeiten gemacht wurden, plus Austausch von Verschleißteilen. Auch solche, die noch nicht aus dem letzten Loch pfiffen. 

„Vorbeugende Instandhaltung“ heißt sowas. Die tut immer auch ein Bißchen weh, denn sowohl in den Reifen als auch in der Kette wären noch ein paar Tausend Kilometer drin gewesen. Die hätte ich noch ausnutzen können, aber für die nächste lange Reise hätte das schon wieder nicht mehr gereicht.

Da ich weder das Wissen noch die Fähigkeiten und auch weder Zeit noch Lust habe diese Arbeiten selbst durchzuführen, muss ich mich auf eine Werkstatt verlassen. In ganz Göttingen gibt es nur noch zwei Motorradwerkstätten. Da ist es leicht die Beste zu sein, aber meine Werkstatt ist wirklich gut. Das zwei Mann/Frau-Unternehmen gibt sich Mühe, die denken mit, die gehen die Extrameile, und das Wichtigste: Sie erzählen keinen Scheiß. Haben die als Markenwerkstatt auch nicht nötig, dafür sind sie halt nicht günstig.

Ich war leicht beunruhigt, als die V-Strom statt der angepeilten 8 Stunden auch nach 3 Tagen noch nicht fertig war. Stellte sich raus: Eines der Radlager passte nicht und der Ersatz kam nicht an Land. Ansonsten gab es aber keine Probleme.

Gemacht wurden:

  • Komplette große Inspektion
  • Neue Reifen (Metzler Tourance Next, nach 12.000 km hatten die alten noch 4,5 und 3 mm Profil, also die Hälfte runter)
  • Neuer Kettensatz (DID525VM-X, die alte hatte jetzt binnen zwei Jahren 23.000 km runter)
  • Radlager hinten (64.000 km)
  • Radlager vorne (64.000 km)
  • Bremsbelag hinten (nach 28.000 km)
  • Luftfilter
  • Öl, Brems- und Kühlflüssigkeit
  • Zündkerzen (24.000 km)
  • Kettenradlager
  • Ventilspiel eingestellt (24.000 km)
  • Umlenkhebel getauscht
  • Gabelrohre durchgesteckt
  • Motorschutzbügel montiert
  • Hauptständer montiert
  • Seitenständer getauscht

Radlager? Ja. Ich hatte bei der letzten Reise plötzlich mahlende Geräusche am Hinterrad, deshalb wurde das ganze Gelump jetzt ausgetauscht. Ich habe nämlich schlicht keinen Bock mir Sorgen zu machen. Ich hatte schon so einige Motorradtouren, bei denen mich Quietschen, Klappern oder Klingeln aus dem Motorrad vor Sorge fast irre gemacht hat. Das möchte ich nicht noch einmal, und wenn sich das jetzt mit einem Teil für 20 Euro und 10 Minuten zusätzlicher Arbeitszeit erschlagen lässt, dann bitte!

Genauso hat mir eine ruckelnde Kette mal eine lange Fahrt versaut. Bevor ich so einen hanebüchenen Mist nochmal mitmache, lasse ich die alte Kette lieber austauschen, auch wenn Sie noch vor der Verschleißgrenze ist.

Unsicher war ich ja, ihr habt´s mitbekommen, was das Rausnehmen der Tieferlegung anging. Tatsächlich steht die Maschine jetzt gefühlt 5 Zentimeter höher, und, was soll ich sagen? Das fühlt sich…

… GROßARTIG AN!

Ja, gewöhnungsbedürftig, sicher. Ich komme jetzt halt nicht mehr mit beiden Füßen gleichzeitig und vollflächig auf den Boden, sondern nur noch mit einem Fuß. Oder mit beiden Fußballen.

Obwohl sich die Sitzposition nicht geändert hat, fühlt sich allein die veränderte Sitzhöhe nach ganz anderem Motorrad an. In den Kurven setzt sie nicht mehr auf! Hach. Cool. Außerdem habe ich wieder einen Hauptständer und kann die Kiste vernünftig aufbocken – auch, wenn das überraschend schwer geht. Ich muss schon mein ganzes Körpergewicht auf das Pedal stellen, um die Kiste hochzukriegen. Zum wieder aufsteigen muss ich anschließend über die Fußraste hochklettern. Schon spannend. Aber die richtige Entscheidung, da bin ich mir jetzt sicher.

Dieser ganze Werkstattkram war jetzt nicht unteuer. 600 Euro nur die Teile, genauso viel nochmal an Arbeitszeit, Märchensteuer obendrauf… das ist nicht ohne und tut schon weh. Aber gemacht werden hätte das alles sowieso, irgendwann.

Das nun alles auf ein Mal gemacht wurde, hat neben dem Loch im Portemonnaie aber noch einen positiven Effekt. Viel Zeit zum Fahren habe ich in diesem Jahr absehbar nicht mehr. Die V-Strom ist jetzt in einem Zustand, wo sie schon wieder fit ist für die große Motorradreise im nächsten Jahr. Das ist supergut, denn bei nur zwei Werkstätten vor Ort kann man sich vorstellen wie schwer es ist, im März/April einen Werkstatttermin zu bekommen.

Ich könnte die Barocca jetzt also einwintern, und müsste im nächsten Frühjahr quasi nichts mehr machen, um wieder mit ihr auf große Fahrt zu gehen. Auch ein gutes Gefühl.

„Eigentlich bräuchtest Du mal eine VerSys“, sagt der Meister. „Die neue 1000er wäre das Richtige für Dich“.

Ich gucke ihn an, grinse und sage „Wieso, ich habe doch jetzt eine praktisch neue V-Strom“.

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DAS soll ein Strafzettel sein?

Echt jetzt, Kreis Göttingen, DAS soll ein Beweisfoto sein? Nicht im Ernst, oder? Ich könnte mich da in Nullkommanix rauswieseln, immerhin haben wir in Deutschland keine Halterhaftung. Ein wenig „Mimimi, ich kann mich da gar nicht erkennen, und wer am 19.07. um 16:32 Uhr mit meinem Motorrad unterwegs war, weiß ich nicht“, und schon wäre ich aus der Nummer raus.

Mache ich aber nicht. Ich habe Mist gemacht und mich dabei erwischen lassen, also stehe ich auch dazu.

Spielt ja auch keine große Rolle: In Deutschland hat die Autoindustrie nicht nur den Klimaschutz sabotiert, neue Technologien unterdrückt, beim Diesel behummst und dafür gesorgt, dass unsere Bahninfrastruktur in erbärmlichem Zustand ist, nein, Dank ihr tun Verkehrsvergehen auch praktisch nicht weh.

Das ist der Grund, warum jeder Vollpfosten whatsappend durch die Gegend fährt, und ein echt relevanter Geschwindigkeitsverstoß innerorts, wie meiner hier, nur den Gegenwert eines Kinobesuchs kostet.

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Soll ich oder soll ich nicht?

Herr Silencer hadert mich sich und der Höhe seiner V-Strom

Die V-Strom 650 ist groß. Das merkt man sofort, wenn man sich in den Sattel schwingt. Die Scheibe und alle Instrumente sind eine Armeslänge weg, und man hat das Gefühl mehr in als auf dem Motorrad zu sitzen.

Damit einher geht auch eine ganz ordentliche Sitzhöhe. Nun bin ich nicht der Größte. Mit 1,70m Körpergröße komme ich auf einer normalen V-Strom zwar mit beiden Füßen auf die Erde, aber nur mit dem Vorderfuß, Zehen und halber Fußballen. Die Hacken kriege ich nicht auf den Boden.

Folgerichtig fuhr ich meine Barocca nur drei Wochen auf Normalhöhe. Das ging, aber gerade beim Rangieren war das unbequem und ich fühlte mich unsicher. Drum wurde die Maschine tiefergelegt. Das geht bei der Kiste recht einfach, in dem längere Umlenkhebel eingesetzt werde. Die ziehen die Maschine tiefer runter.

Dann noch die Gabel etwas weiter durchgesteckt, Zack, fertig, 3 Zentimeter tiefer. Angeblich drei Zentimeter, anfühlen tut sich das nach mehr. Durch diese Tieferlegung komme ich nun mit beiden Füßen flächig auf den Boden. Damit habe ich die dicke Strom immer im Griff, kann sie gut im Stand manövrieren und kriege sie selbst aus Schotterkuhlen heraus.

Also alles gut?

Nee. Für den bequemen und sicheren Stand war ein hoher Preis zu zahlen. Nicht nur musste der Seitenständer gekürzt werden, auch der Hauptständer war plötzlich nutzlos. Aufbocken ging nicht mehr, also ab damit. Ebenfalls ab kam der Motorschutz, denn mit dem setzte ich in Kurven auf. Beim letzten ADAC-Training stellten findige Beobachter außerdem fest, dass ich nun mit dem Seitenständer auf der einen und dem Auspuff auf der anderen Seite aufsetze. Das passiert im normalen Straßenverkehr nur in Kreiseln, wenn ich in den Bergen unterwegs bin aber sehr häufig.

Noch schlimmer: Die Kiste setzt nun, wenn sie mit Gepäck beladen ist, in Bodenwellen mit den Umlenkhebeln auf und gelegentlich schlägt sogar der Reifen von Innen gegen den Radkasten.

Anfangs störte mich das alles nicht, aber mittlerweile bin ein besserer Fahrer und auch in Regionen und Gelände unterwegs, das nur aus Schlaglöchern und Hindernissen besteht. Gerade die letzte Sommertour im Juni war Durchzogen von ständigen Aufsetzern und Reibereien zwischen Fahrwerk und Straße.

Deshalb nun die Überlegung, die Tieferlegung wieder rausnehmen zu lassen. Eigentlich spricht alles dafür – abgesehen von den besseren Fahreigenschaften ist gerade Unterwegs ein Hauptständer wichtig, und der Motorschutz war eigentlich auch nett. Aber dafür die Sicherheit aufgeben, dass ich sofort beide Füße am Boden und damit in kippeligen Situationen, z.B. auf losem Untergrund oder am Berg, die Kiste sofort halten kann?

Gerade schwanke ich im Tagestakt zwischen „Raus mit der Tieferlegung! Die macht nur Ärger“ und „Mimimi, was ist, wenn ich dann umfalle?“.

Werkstatttermin ist am 14.08.
Bis dahin kann ich noch ein wenig mit mir hadern.

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Ausfahren in der Gruppe – wie man es nicht macht (und wie es richtig geht)

Neulich, auf der Großglockner Hochalpenstraße: Eine Gruppe Motorradfahrer kommt mir entgegen, offensichtlich gemeinsam auf Tour. Vorneweg zwei mit hoher Geschwindigkeit, aber in perfekter Linie in den Kurven. Die beiden versuchen sich gegenseitig zu überholen und haben offensichtlich ihren Spaß dabei.

Dahinter das Mittelfeld. Drei Bikes, ebenfalls zügig unterwegs, aber nicht ganz so schnell wie die Rennfahrer und deutlich weniger auf Ideallinie. Am Ende der Gruppe dann noch drei Kräder, erkennbar mit den ungeübtesten Fahrern. Die drei können weder Anschluss an die Gruppe halten, noch können sie die Kurven fahren. Im Gegenteil, die Kombination aus panischem „Die fahren mir weg!“ und fahrerischer Ungeübtheit führt dazu, dass der letzte der drei sogar die Kurven schneidet und dabei auf die Gegenfahrbahn kommen, also auf meine Spur.

Passiert ist nix, aber in dem Moment habe ich mich wieder an den Kopf gepackt und laut geseufzt. Die beschriebene Gruppe war nicht die einzige an dem Tag, die so aufgestellt war. Vorneweg die Schnellsten, weil „Wir wollen Spaß!“, „Wir langweilen uns sonst!!“ und „Reisende soll man nicht aufhalten, wir treffen uns dann an der nächsten Kreuzung, tschööööö!“. Folgerichtig fahren in solchen Gruppen vorneweg die schnellsten und besten Fahrer, die gemütlichen und ungeübten am Ende.

Um es mal ganz deutlich zu sagen: Das geht so nicht.

Ein solches Konzept mag für die Schnellen OK sein, für Mittelfeld ist es Stress und für die Schlusslichter ist es frustrierend, wobei die dann oft noch, siehe oben, den Verkehr gefährden.

Wer gerne schneller unterwegs sein möchte fährt allein und nicht in der Gruppe. In einer Gruppe gibt der Langsamste die Geschwindigkeit vor. Und wenn gewisse Personen das nicht akzeptieren, DANN SOLLTE MAN BESSER NICHT MIT DENEN IN EINER GRUPPE FAHREN. So einfach ist das.

Wer mich kennt weiß, dass ich am Liebsten allein unterwegs bin. Selten fahre ich mal in einer Gruppe, und wenn ich das tue, hält die sich an ein paar sehr simple Regeln. Eine gute Gruppe ist so aufgebaut:

  1. Vorneweg der Tourguide. Er kennt die Strecke und gibt die Geschwindigkeit vor. Der Tourguide hat vorher alle Regeln klar kommuniziert und Tankstops und Pausen mit den Gruppenteilnehmern abgesprochen. Der Tourguide wechselt nicht während der Fahrt. Der Tourguide wird niemals überholt.
  2. Hinter dem Tourguide fahren als erstes Anfänger und weniger geübte Fahrer. Der Guide behält die im Auge und richtet seine Geschwindigkeit an ihnen aus.
  3. Dahinter folgen die anderen Fahrer in aufsteigender Fähigkeit, am Ende fährt der geübteste und sicherste Fahrer.
  4. Der letzte Fahrer kennt auch die Route und hat für Notfälle die Telefonnummer des Guides. Er achtet darauf, dass niemand verloren geht.

Darüber hinaus gibt es noch ein paar wichtige Regeln, die man vorher mit allen besprechen sollte:

  1. Die Reihenfolge bleibt während der Fahrt fix, es wird sich nicht gegenseitig überholt.
  2. Auf gerade Strecken wird versetzt gefahren, immer einer links, einer rechts. Vor und in Kurven wird diese Formation aufgelöst, danach gleich wieder eingenommen.
  3. Die Gruppenmitglieder behalten sich im Rückspiegel im Auge. Verliert ein Gruppenmitglied den Anschluss, wird der Vorausfahrende langsamer und signalisiert im Zweifelsfall durch Blinken oder Handzeichen, dass was nicht stimmt. Der Tourguide sucht eine geeignete Stelle, wo der vordere Gruppenteil gefahrlos in einer Reihe halten und warten kann. Findet man sich nicht wieder, übernimmt der letzte Fahrer den hinteren Gruppenteil und fährt zu einem vorher ausgemachten Treffpunkt oder bringt die Tour allein zu Ende.
  4. Abstand halten. Immer. Innerorts weniger, damit man gemeinsam über Ampeln rutschen kann, außerorts mehr.
  5. Überholen: Der Tourguide überholt Fahrzeuge vor ihm nur dann, wenn gefahrlos mindestens noch zwei weitere Gruppenteilnehmer mit überholen können. Danach überholt jeder für sich allein, so, wie es ihm sicher ist. Kommen von hinten schnellere Fahrzeuge, lässt man denen genügend Platz zum Überholen.
  6. Es sollte gemeinsam getankt werden – alle paar Kilometer individuelle Tankstopps einlegen müssen, das geht gar nicht.

Zehn simple Punkte, die klare Regeln aufstellen. Klar, das kann man jetzt noch beliebig verkomplizieren („fliegender Marshall-Prinzip“ oder ähnliches) oder ausschmücken (Tourguide und Letzter tragen Warnwesten, man verschaltet sich mit Bluetooth, etc.), aber im Kern sind das da oben die einfachen Spielregeln für eine sichere und für alle stressfreie Gruppenfahrt.

Sollten am Ende dann Teilnehmer permanent rummosern, dass sie sich unterfordert fühlten und man beim nächsten Mal doch die Schnellen nach vorne lassen sollte – dann sollte es mit genau diesen Personen kein nächstes Mal geben. Die können eine eigene Gruppe aufmachen, ganz für sich allein.

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Blogparade: Tanken

Drüben bei 600ccm.info fragt X-Fish nach unserem Tankverhalten und macht daraus eine Blogparade. Mein erster Gedanke: Das ist Thema ist absurd, was kann man über´s Tanken schon schreiben, da mache ich nicht mit.
Dann ist mir aber doch was eingefallen. Ich habe nämlich tatsächlich einen etwas eigenen Ablauf an der Tankstelle UND ich zahle gerne mehr Geld für Benzin, zumindest in Italien.

Mein Tankprozedere

Zunächst mal: Ich tanke wo und wann es gerade passt oder nötig ist. Ich bevorzuge in Deutschland keine Marke, ich vergleiche keine Preise. Wenn ich anhand des Tageskilometerzählers sehe, dass die Restreichweite unter 50 Kilometer liegt, fahre ich die nächstgelegene Tanke an. Bei der ZZR ist das nach rund 250 Kilometern, bei der V-Strom um die 400.

Wenn ich die Wahl habe, fahre ich die Tankstelle so an, dass ich links stehe und die Zapfsäule rechts ist. Motor aus, Seitenständer runter. Dann greife ich mit der rechten Hand die Zapfpistole und tanke, während ich auf dem Motorrad sitzen bleibe. Ich bocke die Kiste nie auf den Hauptständer. Ist der Tank voll, stelle ich die Maschine auf den Seitenständer und mache mit dem Telefon Bilder von Kilometerzähler und Zapfsäulendisplay. Dann nehme den Helm ab (weil sonst einige Tankstellen Schnappatmung kriegen UND weil ich es den Kassierern gegenüber höflicher finde), ziehe das Navi aus der Halterung und gehe bezahlen.

Die Fotos haben folgenden Grund: Am Abend übertrage ich Kilometerstand und getankte Menge in eine Tank-App. Die schmeißt mir dann den Verbrauch raus und überträgt die Daten in eine Online-Plattform, wo ich sie mit anderen Maschinen vergleichen kann.

Ich mache das seit 5 Jahren, und es ist echt interessant, was man daraus ablesen kann. Dadurch, dass man mitbekommt wie krass sich der Verbrauch nach Fahrweise und Geschwindigkeit unterscheidet, kann man das eigene Fahrverhalten ein wenig im Auge behalten. Außerdem bekommt man mit, ob mit der eigenen Maschine alles OK ist. Meine Renaissance ist übrigens die Sparsamste aller auf ZZR600 auf der Onlineplattform. Die Barocca liegt dagegen nur auf Platz 65 und damit im Mittelfeld aller DL 650.

Tanken in Italien

Ich habe jetzt schon mehrfach in Blogs gelesen, dass das Tanken in Italien irritierend gewesen sei. Einigen hat es sogar die Zornesader schwellen lassen. Grund: An der Zapfsäule näherte sich plötzlich jemand dem Fahrzeug und wollte es unbedingt betanken. Das sind Tankwarte, ein nostalgisches Relikt aus den 50ern.

Ich finde das immer wieder lustig, wie manche Deutsche darauf reagieren. Ich habe schon völlig verzweifelte Urlauber an Tankstellen gesehen, die unter Handtaschengefuchtel und lauten Rufen (Starker sächsischer Akzent: „Der Mann will an unserem Fahrzeug rumfummeln!“) versuchten, Tankwarte von ihren Autos fernzuhalten. Die wiederum verstanden die Welt nicht mehr, denn warum fahren die Deutschen an eine der speziellen Service-Zapfsäulen und wollen dann keinen Service?

Die Irritation bei den Urlaubern kann ich verstehen, die Wut nicht. Andere Länder, andere Sitten, wenn da was anders läuft als zu Hause: Deal with it, Du reist auch in andere Länder um ZU LERNEN.

Um das mal kurz zu erklären: An italienischen Tankstellen, wenn es nicht reine 24h Automatentankstellen sind, steht auf großen Schildern am Kopf der Zapfsäuleneinfahrt entweder „Self“ bzw. „Fai da te“ (Mach´s Dir selbst) ODER „Service“ bzw. „Servizio“. Beim Einfahren in die Tankstelle muss man sich für eines von beiden entscheiden.

Bei „Self“ fährt man ran und tankt selbst. Manchmal muss man vorher mit Karte die Säule freischalten, manchmal geht man hinterher bezahlen. Das tut man entweder im Gebäude oder bei dem Mann oder der Frau, die da rumläuft. Das ist der Benzinaio, der Tankwart.

Es gibt auch reine Automatentankstellen, ganz ohne Personal. Diese Automatentankstellen, insbesondere auf dem Land und an Sonntagen, können für Motorradfahrer ein echtes Problem sein. Die nehmen nämlich meist keine Kreditkarten, sondern nur die italienische „Carta Bankomat“, die wir Deutschen nicht haben, oder Bargeld. Das ist aber tückisch: Oft ist der Banknoteneinzug defekt, und einige Tankstellen akzeptieren nur 20er und 50er Banknoten, Wechselgeld gibt es nicht. 20 Euro sind selbst bei hohen Spritpreisen meist zu viel, so viel bekommen die meisten Moppeds gar nicht in den Tank.

Immerhin, es wird besser. Moderne Tankstellen von Q8, IP und ENI, gerade wenn sie an größeren Straßen liegen, nehmen mittlerweile auch Kreditkarten. Trotzdem sehe ich immer zu, dass ich rechtzeitig tanke und so fahre, dass ich nicht in der Mittagszeit von 13 bis 17 Uhr und nicht am Sonntag tanken muss. Denn dann arbeiten die Benzinaios nicht.

Benzinaios

Fährt man an eine „Service“-Säule, kommt der Benzinaio zu einem, um die Betankung zu übernehmen. Man teilt ihm mit, ob man für einen bestimmten Betrag tanken möchte (5 Euro= cinque, 10 = dieci, 20 = venti) oder ob man volltanken möchte („Il pieno, per favore“).

Dann braucht man nur den Tank zu öffnen, der Benzinaio übernimmt die Betankung des Motorrads. Er tut das meist kunstfertig, denn ein guter Benzinaio tankt, ohne einen Tropfen zu verschütten und genau so, wie man es möchte.

Ich frage meist während des Tankvorgangs, ob ich per Karte zahlen kann („Posso pagare con carta credito?“). Natürlich kann man das, Benzinaios akzeptieren immer Kreditkarten. Aber durch diese Frage weiß er, dass er wirklich den Tank vollmachen kann, egal wie krumm der Euro-Betrag ist. Ansonsten wird ein guter Benzinaio versuchen auf einen glatten Betrag zu tanken, damit man mit möglichst wenig Kleingeld hantieren muss. Bezahlen tut man nämlich auch bei ihm, er hat die Hosentaschen voller Bargeld und ein mobiles Kartenterminal in Reichweite. Bei den Tankwarten gilt schon lange Gleichberechtigung, gut 1/3 der sind Frauen, die Benzinaias.

Vorteil des Servicemodells: Man kann währenddessen auf dem Motorrad sitzen bleiben, braucht nicht mit Helm und Handschuhen rumfuddeln UND man muss sich nicht mit Tankautomaten aus der Hölle auseinandersetzen. Ranrollen, bedienen lassen, andiamo, weiter geht´s.

Der Nachteil: Der Sprit kostet zwischen acht und 20 Cent pro Liter mehr als an den Säulen zum Selberzapfen. Selbst wenn man den Tankwart mit lauten Rufen und Gefuchtel erfolgreich vertreibt und selbst tankt, kostet es trotzdem mehr. Das regt viele Deutsche sehr auf. Aber dafür hat man sich bewusst entschieden, als man an die „Servizio“-Säule gefahren ist.

Ich zahle gerne mehr. Nicht nur, weil ich bedient werde. Darum geht´s mir nicht. Es ist mir das Geld wert, weil diese 20 Cent einen Arbeitsplatz sichern.

In Italien wird der Wert einer guten Arbeit geschätzt und entsprechend bezahlt. Selbst die Frau, die in einer Käserei den ganzen Tag nur den roten Pecorino mit Tomatenmark einreibt, geht am Ende mit einem würdigen Gehalt nach Hause. So ist es bei den Tankwarten auch. Sie haben einen Beruf mit Tradition, sie erbringen eine Dienstleistung die Geschick erfordert, und dieser ehrenwerte Beruf soll sie und ihre Familien ernähren. Mich kostet das pro Tankfüllung vielleicht zwei, drei Euro mehr. Das kann ich verschmerzen, und der Mann oder die Frau kann davon leben. DAS habe ich im Hinterkopf, wenn ich voller Absicht an die „Servizio“-Zapfsäule rolle.

Mal ganz abgesehen davon, dass sich manchmal auch nette Gespräche entwickeln. Benzinaios quatschen oft gerne, und da sie ALLES weitergetrascht bekommen, wissen sie auch alles und sind, weil meist ältern Semesters, sehr lebenserfahren. So ein guter, alter Benzinaio ist quasi ein Quell unendlichen Wissens. Wie Fausto.

Fausto

Ich tanke in Italien am liebsten bei AGIP bzw. ENI (Gelb, Logo: Feuerspeiender Hund mit sechs Beinen. Die sechs Beine stehen für die vier Räder eines Autos plus die zwei Beine des Fahrers). Die sind sehr gut sichtbar beschildert, und die Benzinaios sind sehr gut.

Auf meiner ersten Fahrt nach Italien fuhr ich in Siena an die ENI-Tankstelle von Fausto. Ein stämmiger Mitsechziger, sonnenverbrannt. Er fragte wieviel ich tanken wollte, ich gestikulierte und sagte sowas wie „tutti completi“, weil ich nicht wusste was „voll“ hieß. Faustogrinste und sagte „Wenn Du „voll“ meinst, sagst Du „Pieno“. „Ah, danke!“, sagte ich.

Während er die ZZR betankte, fragte er „Auf der Durchreise?“. Er sprach leicht verwaschen, was evtl. daran lag, dass er den Mund voller Zahnstummel hatte, aber er sprach so langsam, dass ich ihn verstehen konnte. „Bin ich in Ferien“, erwiderte ich. „Woher kommst Du?“, fragte Fausto. „Bin ich aus Deutscheland“, sagte ich und schob meinen Standardsatz hinterher „Entschuldigung, mein Italienisch ist schlecht, ich lerne das erst seit einem halben Jahr und kann nicht gut sprechen“.

Fausto lachte und sagte: „Die meisten Italiener können auch nicht vernünftig sprechen. Die wenigsten sagen bitte und danke“. Er gluckste, was bei einem so vierschrötigen Mann seltsam wirkt, und meinte dann „Außerdem gibt es ja nicht nur EIN italienisch. Jede Region hat einen leicht unterschiedlichen Dialekt. Hier sprechen wir Sienesisch. Das ist noch einigermaßen zu verstehe, aber im Süden…“. Er rollte die Augen.

In den folgenden Jahren war ich immer mal wieder für ein paar Tage in Siena, und Fausto erinnerte sich jedesmal an mich, und darüber freute ich mich. Immer wechselten wir ein paar Worte während des Tankens, über Wetter, über Politik, und Fausto lobte, wenn er Fortschritte bei meinen Sprachfähigkeiten entdeckte. Bevor ich losfahren durfte, säuberte er die SCheinwerfer von Insekten. Ich tankte nie woanders als bei Fausto.

Dann, vor zwei Jahren, war Fausto plötzlich nicht mehr da. An seiner statt war ein anderer Benzinaio unterwegs. Jünger, aber ebenfalls stämmig und mit schlechten Zähnen. Faustos Sohn? Vielleicht. Aber anders als sein Vater hatte der Junior offensichtlich keinerlei Bock, Benzinaio zu sein. Erst ignorierte er mich an der „Servizio“-Säule, dann haute er die Zapfpistole so tief in den Tank, dass er vermutlich dessen Beschichtung beschädigte UND DANN tankte er mir die Kiste trotz mehrfacher Aufforderung nicht voll, weil er irgendwann der Meinung war, dass sei jetzt genug. Dabei hätten noch einige Liter mehr reingepasst.

Ich fuhr noch ein paar Mal an der Tankstelle vorbei, aber Fausto war nie zu sehen, immer nur der Nichtskönner. Ich tankte da nie wieder. Vor zwei Wochen bin ich mal wieder an der Tankstelle vorbeigefahren. Sie läuft jetzt selbst innerhalb normaler Öffnungszeiten nur noch auf Automatenbetrieb.

Ein Benzinao weniger in Italien.

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8.124

So, ich wäre dann auch mal wieder da.

8.124 Kilometer habe ich den den letzten dreieinhalb Wochen mit dem Motorrad zurückgelegt. Das war vor allem eines: Absurd heiß. Auch Deutschland hat unter einer Hitzewelle gestöhnt, aber ich sage mal so: 1.800 Kilometer weiter südlich war es noch etwas wärmer als hier.

Zum Glück hat das Motorrad gut durchgehalten, und selbst die Airbagjacke hat dieses Mal die Hitze überstanden. Mit anderer Ausrüstung war ich nicht so glücklich. Daytonas in 41 sind zu klein, in 42 habe ich mir aber Blasen gelaufen bis auf´s rohe Fleisch. Aber nun, irgendwas ist ja immer, und besser ein paar Blasen als ein Unfall. Vor sowas blieb ich zum Glück verschont – trotz Neapel!

Bild: Google Earth 2019

Ja, es ging noch einmal nach Italien. Zum einen, weil ich die letzten Ecken erkunden wollte, in denen ich noch nicht jedes Dorf kenne, zum anderen, weil in diesem Jahr noch eine mächtig weite Reise ansteht, und ich deswegen im Sommer ein wenig in meiner Komfortzone bleiben und nicht das ganz große Abenteuer aufmachen wollte. Spannend und interessant war es aber trotzdem. Der Süden Italiens unterscheidet sich vom Norden so stark, dass er praktisch ein anderes Land ist.

Es ist ein raues Land, voller herzlicher Menschen und spannender Geschichten. Warum Roberta sich über Honig freut, wieso Maria der Meinung ist, das alle Maria heißen, wie Toni Feigenblätter am liebsten mag und was aus dem Dorf Riace geworden ist, nachdem Italiens Faschistenführer Salvini den Bürgermeister hat verhaften lassen, weil er Menschen geholfen hat, das gibt es dann ausführlich demnächst im Reisetagebuch.

Für mich war es auch ein wenig ein Abschluss mit Italien. 2012 habe ich mich das erste Mal mit dem Motorrad dahin aufgemacht, weil ich mehr über das Land und die Menschen lernen wollte. Mittlerweile weiß ich mehr über Italien als die meisten Italiener. Ich war in jeder Region, nahezu jeder Provinz, kenne fast alle Städte und die größeren Sehenswürdigkeiten.

Diese Reise hat die letzten, weißen Flecken beseitigt und das meiste an „unfinished business“ ist erledigt – sogar auf den Großklockner, bzw. die Hochalpenstraße dort, habe ich es im dritten Anlauf geschafft. Yay!

Dreieinhalb Wochen on the Road, bei sengender Hitze, das kann schon tough sein. Am Ende freute ich mich schon wieder auf zu Hause.
Jetzt muss ich erstmal auspacken und Wäsche waschen und sowas. Dabei genieße ich, wie kühl es hier im direkten Vergleich ist.

2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

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Schön war aus (2)

Nein, das ist kein Elektromotorrad.

Das ist eine zusätzliche Batterie, die da an der ZZR600 klemmt. Der kleine Powerboost war nötig, weil die Maschine ein wenig zickig war, als ich sie am Wochenende am gestrigen Maifeiertag (Mittwoch) aus dem Winterschlaf wecken wollte. Es brauchte minutenlanges Gerödel und Geröchel, Stoßgebete und Flucherei und einen glühenden Starter, bis sie endlich kam.

Echt, das wird jedes Jahr schlimmer. Die Renaissance wird zu einer kleinen Diva. Vermutlich war sie neidisch, weil die Barocca schon seit Februar auf der Straße ist. Aber der Einspritzer V-Twin startet halt einfach so, während der 4-Zylinder Vergasermotor der ZZR viel Choke und Stoßgebete braucht.

„Die läuft aber ruhig!“
„Die steht ja gut da!“
„Meine Güte, da ist ja NICHTS dran!“

…was sich anhört wie das Geschwärme eines Fanboys, waren die Worte eines DEKRA-Prüfers, der eigentlich sauschlechte Laune hatte. Schön, dass die alte Dame auch mit 90.000 Kilometern auf der Uhr noch einen jungen Mann für sich vereinnahmen kann. Dafür gab es dann auch prompt die rotzegelbe Plakette.

Als ich das Garagentor zuziehe, halte ich kurz inne, blicke auf die Kawasaki und denke: „Recht hatte er“. Die steht gut da.

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Impressionen eines Wochenendes (26): Fahrsicherheitstraining, Umfaller, GPS Rollover & Fulda

Lose Impressionen eines Wochendendes: Am freien Freitag die V-Strom gewartet. Alles durchgecheckt, eingestellt, was man halt so macht. Dazu gehört auch: Neue Leuchtmittel für die Scheinwerfer der Dicken. Von Night Racern 50 (angeblich 50 Prozent heller als normales H4-Licht) nun auf die Night Racer 110. Die haben nicht so eine lange Lebensdauer, mal gucken, wie lange die in der Praxis halten. Ist auch egal, wenn ein Scheinwerfer ausfällt. Die V-Strom hat von allem zwei. Montiert wurden sie bei 55.200 Kilometern.

Night Racer 50
Night Racer 110

Schön zu sehen: Die 110er sind von der Farbtemperatur merklich kühler. Das fällt eher auf. Sie sind auch deutlich heller, das kommt aber auf den Bildern nicht rüber.

Was bei meiner V-Strom am beschissensten einzustellen ist, ist die Uhrzeit. Dafür muss man die Knöppsche im Cockpit gleichzeitig drücken und 10 Sekunden halten, und wenn dann Dienstag, Vollmond und Ostwind ist UND man den Ententanz singt, dann kommt man in den Einstellmodus. Schaffe ich erstaunlicherweise nie. Jeder Knopf für sich funktioniert perfekt, aber beide zusammen lassen sich nicht drücken.

Alternative: Batterie ab. Klemmt man die wieder an, startet die Uhr bei 01:00 Uhr. Dooferweise Ante Meridiem, AM.
Also mitten in der Nacht aufgestanden, in die Garage geschlichen, Strom ab, um 1:00 Uhr Strom dran, Uhr geht richtig, fertig.

Am Samstag, während sich die ganze Welt und ihre Mudder in Super- und Baumärkten gegenseitig auf den Sacque ging, dödelte ich bei bestem Wetter die B27 runter in den Spessart. Genauer: Nach Gründau. Das liegt bei Lieblos. In der Nähe von Linsengericht. Das liegt hinter Hosenfeld-Schlitz. Ich muss schon wieder grinsen, wenn ich nur an diese seltsamen Ortsnamen denke.

In Bad Orb, mitten im Spessart, mit Freunden getroffen. Nett gespeist, Spaß gehabt. Am Ostersonntag um unmenschliche 06:30 Uhr aufgestanden, Kaffee reingeschüttet und zu viert nach Lieblos (gnihihihi) gefahren.

In Gründau-Lieblos liegt ein großes Fahrsicherheitszentrum des ADAC. Hier war ich schon drei oder vier Mal, aber noch nie mit der V-Strom. Das letzte Training hatte ich 2017 im Juli. Zu dem Zeitpunkt besaß ich die Barocca gerade vier Monate, aber zwei davon stand sie schon wieder in der Werkstatt, weil sie auf dem Weg in den Süden von einem Auto abgeschossen worden war.

Nun also das erste Mal Bremsübungen mit ABS und Schrägfahrten mit einem tiefergelegten Mopped. Bei bestem Wetter, die Temperaturen stiegen von 5 Grad am Morgen auf über 20 am Vormittag.

Erkenntnisse:
1. ABS ist genau so, wie ich es erwartet habe. Völlig geil. Nie wieder ein Motorrad ohne.
2. Die große V-Strom lässt sich leichter durch Lagsamkeitsparcours oder Slaloms fahren als die kleinere ZZR 600.
3. Die Kurventauglichkeit ist durch die Tieferlegung MASSIV eingeschränkt. (Oder ich bin einfach viel besser im Schräglagen fahren geworden, kann auch sein).

Angeblich sind das ja nur 3 Zentimeter, aber die machen, dass die Kiste gefühlt sehr schnell mit dem Seitenständer oder dem Auspuff aufsetzt. Wäre ich nicht schon zwei Mal auf Sommerreise und in Summe fast 20.000 Kilometer mit der Kiste unterwegs gewesen, ich würde jetzt wirklich zweifeln, ob die Tieferlegung richtig war. Egal. Spätestens, wenn ich die Frau Strom das nächste Mal rückwärts aus tiefem Schotter schieben muss, werde ich wieder feststellen, dass es durchaus richtig war sie abzusenken. Es geht nichts darüber, mit beiden Füßen an den Boden zu kommen. Apropos:

Bonuserkenntnis:

Meine neu gekauften Daytonas sind zu eng. Nach dem ganzen Tag auf dem Platz waren die Füße geschwollen und schmerzten. Viel Geld ausgegeben für The Stiefel to End all Stiefel, und nun das. Sehr ärgerlich. Im Geschäft passten sie nicht nur, sondern hatten sogar Luft für dicke Socken. Aber bei warmem Wetter müssten sie eine Nummer Größer oder breiter sein. Vielleicht auch höher. Mal gucken. Ach, ich hasse Schuhe kaufen. Was anderes: Braucht hier jemand Touring Stars GTX in 41?

Schmerzende Füße, durch von 24 Grad in praller Sonne und 8 Stunden durchgehender Konzentration – daran lag es wohl, dass ich BEIM LETZTEN STOP DES TAGES den Seitenständer nicht erwischt habe, während ich die V-Strom schon in einer fließenden Bewegung auf die Seite senkte. Und plopp, lag sie da. Scheiße. Das ist mir schon ewig nicht mehr passiert. Am Mopped ist nichts passiert, für solche Situationen hat sie ja nun mal den Sturzbügel. Aber gute Laune macht das nicht, zumal ich mir beim wieder Aufrichten was im Rücken gezerrt habe. Grrrrh. Ein beschissener Abschluss eines ansonsten sehr erfolgreichen Trainingstages. Aufheben wollte ich nämlich nicht trainieren.

Auf dem Rückweg dann viel Zeit gelassen und Fulda besucht. Toller Barockdom. Barock, wie erinnern uns, ist das mit den fetten Kinderengeln und dem Zuckerguß überall.

Orangerie und Stadttor auch hübsch, aber alles gerade Baustelle.

Alles in allem eine sehr gute Art, das Wochenende zu verbringen. Zu Hause dann festgestellt, dass der Triprecorder, der BT 747, Opfer des GPS-Rollovers geworden ist. Er loggt noch, aber die Daten sind alle kaputt. Goodbye, kleiner Logger, du warst mir seit 2012 ein treuer Begleiter.

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Review: Nolan N100-5 mit N-Com B901L

Nolan hat 2018 einen neuen Tourenklapphelm rausgebracht, den N100-5. Dazu passend: Das B901L, die nächster Iteration des Kommunikationslösung mit Rücklicht im Helm. Ich habe mir beides im August vergangenen Jahres zugelegt und eine Meinung dazu.

Was jeder von einem Helm erwarten kann:

  1. Sicherheit
  2. Bequemer Sitz

Was ich persönlich noch möchte:

  1. Klappmechanismus
  2. Pinlock-Visier
  3. Sonnenblende
  4. Bluetooth
  5. möglichst leise

Bei Klapphelmen gelten allgemein die teureren Helme der Firma Schuberth als Referenz. Leider habe ich keinen Schuberth-Kopf, die Dinger passen mir einfach nicht. Perfekt passen dagegen die Helme der italienischen Traditionsfirma Nolan. So landete ich 2012 bei einem N90, einem günstigen Klapphelm, der aber eigentlich für die Stadt und nicht für Touren gemacht ist. 2016 waren dessen Visierdichtungen hinüber, und so gesellte Sich ein N104 Tourenhelm der zweiten Generation, der N104 Evo mit einem B5L N-Com, dazu (Review dazu hier). Fortan nutzte ich den N90 für kurze Strecken, den N104 für Reisen.

Richtig warm geworden bin ich mit dem N104 aber nie. Das liegt nicht nur an dem gewöhnungsbedürftigen Design der Front, mit dem der Helm irgendwie aussieht wie ein Fisch, der bekifft vor sich hin grinst.

Vor allem mag ich den N104 deswegen nur so mittel, weil ich gerne mit leicht offenem Visier fahre. Das geht mit dem N104 ab einer bestimmten Geschwindigkeit schlicht nicht. Dessen Visier ist nämlich riesig und rund und instabil. Ab ca. 80 km/h beginnt es zu schwingen. Dann wird die Sicht so verzerrt, dass man es komplett schließen muss. Macht man das nicht, schlägt es irgendwann mit einem Knall von alleine zu.

Nolan hat den N104 seit 2012 in drei Revisionen angeboten (Original, Evo und Absolute), wobei bei jeder Iteration die Schalldämpfung verbessert wurde. Anfang 2018 kam nun der echte Nachfolger des 104, der N100-5. Wieder ein Tourenklapphelm, aber in neuem Design, mit neuer Technik und vor allem, so Hersteller und Fachpresse: Noch leiser! Aber: Stimmt das?
(Hinweis: Wenn in Überschriften von Zeitungsartikeln Fragen gestellt werden, lautet die Antwort in 99 Prozent aller Fälle: Nein. Hier verhält es sich ähnlich.)

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Reisetagebuch 2018 (15): Der Weg nach Hause

Mit der Barocca auf Sommertour. Die Reise ist fast vorbei, aber vor der Frage, auf welchem Weg es nach Hause geht, gibt es noch einen Abstecher nach Venedig. Dann geht die Welt unter.

Donnerstag, 05.Juli 2018
Die Villa Maria Luigia liegt kurz hinter Treviso. Von hier ist man in 30 Minuten in Mestre oder in 60 Minuten in Punta Sabbioni. Von beiden Orten aus ist man ratzfatz in Venedig. Ich entscheide mich für Punta Sabbioni, schon weil ich die Überfahrt mit dem Wasserbus so gerne mag.

Bild: Google Earth 2018

Ohne die monströse Airbagweste passt meine Jacke sogar in einen Seitenkoffer des Motorrads, so dass ich mich ohne Gefahr eines Hitzekollers in der Stadt frei bewegen kann.

Wobei „bewegen“ relativ ist. Das Boot ist selbst morgens um kurz vor Neun schon randvoll voll mit Menschen, und die Stadt ist an den beliebten Plätzen völlig verstopft mit Tagestouristen.

Amerikanerinnen erkennt man übrigens daran, dass sie sich alle zwei Minuten gegenseitig dran erinnern, auch ja genug zu trinken. „Stay hydrated“, sagen sie zwischen zwei Schlucken aus monströsen Wasserflaschen, die sie überall mit herumschleppen.

Auch aus einer Gruppe Frauen am Bahnhof Santa Lucia klingt ein lautes „Girls, stay hydrated!!“, und auf dieses Kommando hin heben alle gleichzeitig die Wasserflaschen an den Hals und trinken hektisch. Synchronsaufende Prachtexemplare von Wasserbüffeln! Das ist ja fast olympisch! Ich hole den Fotoapparat raus, in der Hoffnung, dass sie das nochmal machen. Aber dann kann ich vor Lachen nicht mehr an mich halten, was die Damen nicht lustig finden.

Spot the Americans!

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Reisetagebuch 2018 (14): In heiligen Hallen

Mit der Barocca auf Sommertour. Heute geht es in die Suppe, weit übers Land und schließlich in heilige Hallen.

04. Juli 2018, Bohinji Bistrica, Slowenien

Ich bin mit dem ersten Hahnenschrei wach. Der ist zum Glück erst um 05:00 Uhr. Dieser Hahn ist zivilisiert, anders als das Kackvieh, das bei mir zu Hause um 01:30 Uhr unter meinem Schlafzimmerfenster anfängt auf voller Lautstärke loszulegen.

Draußen klatscht Regen auf die Dächer der Holzhäuser. Ich drehe mich noch einmal um, kann aber nicht mehr einschlafen. In Gedanken bin ich schon auf der Straße. Heute habe ich eine große Tour vor mir.

Irgendwann halte ich es nicht mehr aus, klettere aus dem Bett, spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht und mache mich abreisefertig. Für Frühstück ist es noch zu früh, das Hotel schläft noch. Um kurz vor sechs trage ich die Koffer zum Motorrad. Es regnet nicht mehr, aber dunkle Wolken hängen über dem Ort. Das sieht alles nach schwerem Wetter aus.

Wie komme ich jetzt hier weg?, überlege ich, während ich den Sattel und die Spiegel der Barocca trocken wische. Zwischen meinem Ziel und mir liegt das Gebirge des Triglav-Nationalparks, das den Ort hier wie ein Halbkreis nach Westen abschirmt. Soll ich auf Nummer sicher gehen und die breite, gut ausgebaute Straße durchs Tal nehmen, und um die Berge herum fahren? Dieser Weg wäre unspektakulär, aber sicher.

Oder soll ich es wagen mitten durch die Berge zu fahren, über winzigste Straßen und mehrere Pässe? Ich entscheide mich für die Bergausläufer. Wenn schon, denn schon. Anna meldet sich im Helm und bestätigt die Route. OK, Klamotten an und los geht´s.

Als ich die Jacke schließe, bin ich irritiert. Die LED-Anzeige am Ärmel springt nach kurzer Zeit auf Grün. Das Airbagsystem ist aktiviert. Was soll das denn jetzt? Vor zwei Tagen war das wegen eines Sensorfehlers nicht benutzbar, und nun, kurz vor dem Werkstatttermin, funktioniert es wieder?

Das Ding mit Wetter im Gebirge ist ja, dass es selten überall gleich ist. Wolken bleiben an den Bergen hängen und sorgen für schlechte Sicht, im einem Tal regnet´s, im nächsten nicht. Und: Berge sind hoch. Manchmal höher als die Reisehöhe der Wolken, die dann in ihnen hängenbleiben. So auch jetzt.

Ich fahre plötzlich in eine weiße Wattewand, und sofort wird es kalt und klamm und Wassertropfen benetzen Motorrad und Fahrer.

Ich verziehe das Gesicht und grummele vor mich hin, aber dann passiert etwas wunderbares: Die Straße geht noch höher, und plötzlich bin ich oberhalb der Wolkendecke und sehe auf sie hinab! Die Morgensonne scheint hier oben, und die Wolken wirken wie ein Meer, das in den Tälern herumschwappt. Hier und da erheben sich Bergspitzen aus dem weißen Weich, wie Inseln.

Mit besser Laune fahre ich weiter. Die hält aber nur so lange, bis ich wieder runter ins Tal und damit mitten in die Suppe muss. Darin ist es dunkel und kalt.

Ich brettere mit der V-Strom über die kaputten und bröckeligen Straßen. Es ist kurz nach sechs, und ich bin ganz alleine hier unterwegs. Naja, fast. Lediglich ein Kleinlaster mit Milchkannen dreht seine Runde in der Nebelsuppe und mäht mich fast um. Alles ländlich hier. Vorsichtig taste ich mich weiter.

Gegen 09:00 Uhr bin ich bei Tolmin, eine halbe Stunde später quere ich die Grenze nach Italien, die hier wirklich abgebaut und unbemannt ist. Halt, doch nicht: Hinter einem Busch versteckt sich ein slowenischer Streifenwagen, aber der Polizist bohrt mit einem Finger in der Nase und hat nur Augen für sein Smartphone.

Bild: Google Earth 2018

Der Frühnebel ist in den Bergen zurückgeblieben, und jetzt wird auch langsam das Wetter wach. In einem Tal halte ich kurz an und trinke einen Schluck Wasser aus der Feldflasche, dazu gibt es einen Apfel als Frühstück. Das Grün der umliegenden Wiesen und Wälder leuchtet in Technicolor. So übersättigt sind die Farben, dass sie fast unwirklich wirken.

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Reisetagebuch 2018 (13): Unterirdisches Disneyland

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute wird es unterirdisch, in der zweitgrößten Schauhöhle der Welt und unter einer Höhlenburg.

Dienstag, 03.07.2018, irgendwo im Wald, Slowenien
Ich wache auf und bin für einen Moment ohne Orientierung. Ein holzgetäfelter Raum mit einem Tisch in der Mitte ? Das ist doch kein Hotelzimmer, wo bin ich denn hier?! Dann fällt es mir wieder ein: Ich bin in einer kleinen Hütte, mitten im Wald, in Slowenien.

Schnell springe ich aus dem Bett und packe meine Sachen. Vor dem Cottage steht die V-Strom.

Etwas oberhalb führt der Weg aus dem Wald heraus. Schilder machen darauf aufmerksam, dass der Campingplatz über eine eigene Höhle verfügt, die man nach Absprache besichtigen kann. Ich muss Schmunzeln. Höhlen hat HIER wohl jeder in seinem Hinterhof.

Auf einem asphaltierten Platz stehen mehrere Häuschen. Eines beherbergt einen winzigen Supermarkt, eines die Anmeldung des Campingplatzes und ein größeres ein Restaurant, in dem nun Frühstück für die Gäste bereit steht. Dort stürze ich einen Kaffee hinunter.

Der Campingplatz schläft noch, als ich zurück zum Motorrad marschiere. Neben der Maschine steht schon ein Wagen voller Putzmittel, und im Cottage klötert es. Die Reinigung des Häuschen hat schon begonnen.

Warum ich hier, mitten im Wald überachtet habe? Nun, in der Nähe einer Touristenattraktion übernachten und morgens gleich als Erster da sein, das hat ja gestern an den Plitvicer Seen schon gut geklappt. Also mache ich das heute doch gleich noch einmal. Ich schwinge mich in den Sattel der Barocca und steuere sie aus dem Wald heraus und den Berg hinab.

Dann fahre ich einmal links rum, und ZACK stehe ich vor DER Sehenswürdigkeit Sloweniens: Der Postojna-Höhle.

Das unterirdische Höhlensystem, das auch als Adelsberger Grotte bekannt ist, ist die zweitgrößte Besuchshöhle der Welt, nach einer in den USA.

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Saisonstart, dieses Jahr ohne Frühling

Die Moppedsaison startete dieses Jahr ohne viel TammTamm und ohne viel Frühling. Normalerweise läutet das Frühlingswiesel den Saisonstart ein und macht dafür vorher die Bäume grün und die Blumen blühen, aber 2019 war es im Februar einfach schon so warm, dass zumindest die V-Strom raus wollte. Die ZZR ist eine kleine Diva und zickt nach dem Winter immer etwas, aber die große Schwarze sprang sofort an und wurde erstmal 50 Kilometer auf der Hausrunde bewegt. Bei 17 Grad. Am 23. Februar. Unfassbar.

Wir starten mit folgenden Kilometerständen in die Saison 2019:

Kawasaki ZZR600 Renaissance: 90.002
Suzuki DL650 V-Strom Barocca: 54.892

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Reisetagebuch (12): Cabin in the Woods

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht von Kroatien nach Slowenien und erst an den See, dann in den Wald.

Sonntag, 01. Juli 2018, Kaštel Lukšić, Kroatien
Ich wache von meinem eigenen Bauchgeräuschen auf. Schon den zweiten Tag. Durchfall. Hätte besser doch nichts von dem Leitungswasser auf dem Schiff trinken sollen. Aber was wäre die Alternative gewesen? Verdursten?

Ich blicke aus meinem Zimmer in der „Villa Cezar“ über die Dächer des kleinen Orts. Das Wetter gleicht meiner Stimmung. Es ist grau und bewölkt und es regnet.

Würstchen, Rührei, gutes Brot, verschiedene Konfitüren, fetter Käse – das Frühstück ist sehr gut, und das sage ich auch. Das zaubert der grummeligen Oma, die im Familienbetrieb offensichtlich für das leibliche Wohl der Gäste zuständig ist, ein Lächeln ins Gesicht.

Es regnet, und deshalb steige ich gleich vor der Abfahrt in die Regenkombi und steuere die V-Strom erst vom Hof, als ich wasserdicht in die StormChaser-Kombi eingepackt bin. Es ist Sonntag, und die Landstraße noch wie ausgestorben. Es geht die Küstenstraße entlang, erst Richtung Westen, dann nach Norden. Das ist nur so mittelspannend, auch wenn die Straße spektakulär gut und toll zu fahren ist. Sie ist halt auch ein wenig langweilig.

Bild: Google Earth 2018

Es gibt immer wieder stärkere Regenschauer, dazwischen Trockenphasen. Heute stehen 6 Stunden Fahrt an, das gefällt mir. Nur fahren, fahren, fahren, mehr will ich auch gar nicht. Die V-Strom rollt durch kleine Orte, duckt sich durch weite Kurven und schrubbt über leere Graden. Zwischendurch gibt es immer wieder stellen mit tollen Ausblicken, wie diesen spektakulären Brücken.

Im Laufe des Tages wird die Straße interessanter. Je weiter ich nach Norden komme, desto mehr Kurven gibt es und desto spektakulärer werden die Ausblicke auf die Felsenküste und die vorgelagerten Inseln.

Auf Höhe des Ortes Zengg biege ich ab ins Landesinnere. Es geht über die Berge, die hinter dem Küstenstreifen beginnen, und dann in das Hinterland. Das ist lauschig grün und sieht eher aus wie das Alpenvorland.

Bild: Google Earth 2018


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Reisetagebuch (11): Split

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es von Dubrovnik nach Split und dabei ganz kurz durch Bosnien-Herzegowina.

Samstag, 30.06.2018, Dubrovnik
Die „Villa Dubrovnik Gardens“ heißt nicht umsonst so. Das Steinhaus liegt in einem großen Garten, der mit seinen Bäumen und hohen Büschen das Äußere zuverlässig abschirmt. Ein kleiner, grüner Urwald, bevölkert von Gartenzwergen und Katzen, direkt über der Altstadt von Dubrovnik.

Was den Garten noch besser macht: Hier servieren Anita und Marjana, die beiden Haushälterinnen, das Frühstück. Ein „Alles, was man sich wünschen kann“-Frühstück. Es gibt Rührei, gebratene Würstchen und Pilze, dazu Toast, eine Aufschnittbuffet, und am Platz wartet ein warmes Schokocroissant. Garten Eden? Dicht dran!

Eine kleine Katze guckt mir beim Frühstück zu und versucht zwischendurch mit einem gezielten Sprung in den Joghurtteller etwas davon zu erhaschen.

Danach schleppe ich die Koffer zum Motorrad und stelle dabei erstaunt fest, dass die Frühstückskatz noch eine Schwester hat. Auf dem Rückweg sind es schon drei. Diese Katzen vermehren sich schneller als Tribbles!

Ich verabschiede mich von Anita und Marjana, dann stürze ich mich in den Stadtverkehr von Dubrovnik.

Geht nicht anders. Eigentlich will ich ja nur raus aus der Stadt, und die Ausfallstraße liegt nur eine Straße und damit 50 Meter über der, in der ich mich gerade befinde… aber leider hat Dubrovnik ein superkomplexes System aus Einbahnstraßen.

So muss ich erst einmal ganz hinunter in die Stadt und um die Festung herum, durch den Busbahnhof, über den LKW-Zubringer zum Hafen und bin dann FAST wieder da wo ich vorher war – nur, dass ich jetzt auf die Küstenstraße stadtauswärts einbiegen kann.

Bild: Google Earth 2018

Der Verkehr auf der Küstenstraße ist recht dicht, aber das gibt sich bald. Je weiter ich nach Norden komme, desto weniger wird der Verkehr.

Ich kann der V-Strom die Sporen geben, und auf dieser Straße ist das Fahren die wahre Wonne. Tief duckt sich die Maschine in die Kurven, während sie auf den wenigen geraden Abschnitten geradezu dahingleitet. Schneller als 80 ist zwar nicht erlaubt, aber das ist auch gut so – ab und an sind hier Wohnmobile unterwegs, die tauchen auch gerne mal unvermittelt hinter Kurven auf. Es ist ein sportliches, aber entspanntes Fahren. Herrlich!


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Kategorien: Motorrad, Reisen | 6 Kommentare

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