RSS

Archiv der Kategorie: Motorrad

New Ride: Suzuki DL 650 V-Strom

img_0216

Wann ist die schlechteste Zeit sich ein neues Motorrad zu kaufen? Richtig, im Februar. Herr Silencer probiert es trotzdem.

Irgendwann kommt im Leben eines jeden Motorradfahrers der Punkt, an dem er sich fragt: Ist der fahrbare Untersatz noch das richtige für mich? Er war es mal, vor Jahren, aber Zeiten ändern sich…

Das schrieb ich im Oktober 2011, als ich die Honda CB 450N in Rente schickte und ziemlich spontan eine Kawasaki ZZR 600 kaufte. Genau die Maschine, die regelmäßige Blogleser inzwischen als Renaissance kennen. Diesen Namen hatte sich die Sportourerin schon nach unseren ersten Abenteuern mehr als verdient.

P1000231

Seit 2012 bin ich nun mit dem Motorrad in Europa unterwegs gewesen, jedes Jahr sechs- bis achttausend Kilometer und mehrere Wochen am Stück. Mit der ZZR habe ich dabei Dinge angestellt, die die meisten BMW GS oder andere „Abenteuermotorräder“ niemals erleben. Es machte mich auch schon ein wenig stolz, wenn die oft straßenköterig aussehende Kawasaki den überdimensionierten Reiseenduros zeigte, was eine Harke ist.

Bis auf das letzten Jahr, wo es sie ziemlich zerschüttelt hat. Mittlerweile ist sie wieder repariert und so gut wie neu, aber nun, Zeiten ändern sich. Die Erlebnisse im vergangen Sommer haben sehr deutlich gezeigt, dass ich mittlerweile Dinge mit einem Motorrad mache, für die die ZZR nicht ausgelegt ist und für die sie sich auch nicht umrüsten lässt. Sie ist für Asphalt und Kurven gemacht, und auf solchen Strecken kann sie ihre Stärken ausspielen.

Was sie aber nicht gut ab kann sind schwierige Straßenverhältnisse mit Kopfsteinpflaster, Schlaglöchern, Absätzen oder gar Schotter oder Schlammfeldern. Ja, ich BIN mit ihr solche Strecken gefahren, aber das war jedesmal die Hölle. Was auch nicht wegzudiskutieren ist: Die ZZR 600 hat kein ABS. Was das für einen Unterschied macht, merkt man sehr schnell, wenn man auf Schotter bremsen muss. Wie groß der Unterschied wirklich ist, habe ich im vergangenen Jahr gemerkt, als ich bei einem Fahrsicherheitstraining gegen Maschinen mit ABS angetreten bin. Mein Bremsweg war, trotz aller Bemühungen, um bis zu 40% länger als der der anderen.

Der geneigte Leser Albrecht versuchte mir dann hier in den Kommentaren eine Suzuki schmackhaft zu machen, aber ich wischte das erstmal beiseite. Nein, ich wollte nicht wechseln, auch wenn mir – unabhängig von seinen Empfehlungen – die Suzuki V-Strom schon mehrfach im Straßenbild positiv aufgefallen war. Dann kam der Januar.

Januar und Februar sind ohnehin kaum auszuhalten. Draußen ist es kalt und nass und das Motorrad schläft noch im Winterlager. Ich gucke dann immer Filme von Motorradreisen und habe ganz schlimm Fernweh. Um dagegen was zu tun grase ich Google Maps nach Reisezielen ab.

Bis ich eines Tages den Gedanken im Kopf hatte: Mich interessieren in Zukunft Fahrziele, bei denen mit schlechten Straßenverhältnissen zu rechnen ist. Und: Schön wäre es, wenn ich ein Motorrad hätte mit einem längeren Federweg hätte. Eine, mit dem man auch mal über Schotterstrecken fahren kann, die nicht ganz so anfällig ist. Und ABS hat. Und für die Gelenke wäre eine etwas aufrechtere Sitzhaltung auch nicht schlecht. Die etwas größer ist.

Ehe ich es mich versah las ich Testberichte und guckte im Netz nach Reisemaschinen, die meine Wünsche erfüllen könnten. Nach einigen Abenden vor dem Internet war mir klar: Ich hätte gerne ein anderes Motorrad. Nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur Renaissance. Denn mich von der ZZR trennen, das wollte ich nicht.

Als neue gebrauchte kamen zwei Modelle in Frage: Die Kawasaki Versys oder die Suzuki V-Strom. Von beiden stand eine Ausgabe bei Händlern in der Nähe, und so kam es, dass ich eines Januarnachmittags ganz spontan mit einem motorraderfahrenen Freund loszog und mir beide mal anguckte und probesaß.

Die VerSys, merkte ich sofort, war es nicht. In dem Moment, in dem ich auf der Maschine saß, wusste ich: Die VerSys ist genau wie meine ZZR. Eine wendige, kleine Maschine mit kurzem Radstand, gemacht für die Straße. Dort sicherlich als Tourer genauso zu gebrauchen wie als Spaßmaschine, aber genauso etwas habe ich ja schon. Außerdem ist die VerSys pottenhässlich, selbst in gelb.

Die isses nicht: Kawasaki VerSys.

Die isses nicht: Kawasaki VerSys.

Mitten im Solling stand bei einem Händler eine V-Strom rum, ein älteres Ding der vorletzten Generation mit ordentlich Kilometern auf der Uhr, aber zum Probesitzen würde es reichen.

Die Sitzprobe nötigte mir sofort Respekt ab, denn die DL 650 ist GROß. Zumindest für meine Verhältnisse, denn ich kam kaum mit den Füßen auf den Boden, und die Frontscheibe war so weit weg, dass ich kaum mit dem Arm dranreichte. 

Groß ist wichtig, denn das ermöglicht langes und entspanntes Teisen mit viel Gepäck. Die V-Strom ist eine echte Reisemaschine, dafür ist sie gemacht. Hauptsächlich auf der Straße, für´s Gelände taugt sie nicht. Aber sie erweitert die Definition von Straße, denn mit dem soliden Fahrwerk, den großen 19-Zoll-Rädern und der aufrechten Sitzposition sind Feldwege und Schotterstrecken für sie genauso Straße wie Asphalt oder Kopfsteinpflaster. Allerdings gewinnt die V-Strom auch keinen Schönheitspreis, das Design ist, nun, gewöhnungsbedürftig. Mindestens.
img_0103

Das Sitzen auf der Riesenkiste fühlte sich seltsam und ungewohnt an, aber auch spannend und irgendwie… richtig. Immerhin fühlte sich vor sechs Jahren das erste Sitzen auf der vollverkleideten ZZR auch unheimlich an. Im Gegensatz zur kleinen 450er schien mir die 600er riesig zu sein, und heute kommt sie mir klein vor. Die V-Strom hatte mein Interesse geweckt.

Die Maschine in Uslar liess ich mir für eine Probefahrt reservieren, für den Kauf kam sie aber nicht in Frage. Zum einen war das ein 2010er Modelljahr, und ich wollte ein neueres Modell ab 2012. Außerdem hatte die Alte mit 36.000 Kilometern deutlich zu viel auf der Uhr, Motorräder kauft man gebraucht am Besten mit 12.000 bis 20.000 Kilometern Laufleistung. Das Schlimmste aber: Sie hatte kein Checkheft, es könnte also sein, dass der Motor nie gewartet wurde.

In den kommenden Nächten suchte ich das Netz nach Angeboten ab, und stellte überrascht fest: Auch wenn die DL 650 neu im Vergleich zu anderen Maschinen gar nicht so teuer ist, sinkt sie im Wert nicht wirklich schnell. Der Grund: Die Dinger halten einfach ewig und gehen nie kaputt. Maschinen mit 20.000 Kilometern Laufleistung kosten deshalb noch immer 2/3 des Neupreises, und viel tiefer geht es dann lange nicht mehr.

Ich dachte noch mal über die V-Strom nach, auf der ich Probe gesessen hatte. Der Alten, mit den vielen Kilometern. Eigentlich machte die doch einen ganz guten Eindruck. Außerdem hatte sie ein paar Anbauteile, die ich an der Renaissance schätze und die ein neues Motorrad auch haben sollte. Einen Sturzbügel. Einen Hauptständer. Einen Gepäcksystem, an dem ich sogar meine jetzigen Koffer benutzen könnte.

Gepäcksystem, und zwar eines der besten: SW Motech Quicklock Evo.

Gepäcksystem, und zwar eines der besten: SW Motech Quicklock Evo.

Ich sah mir nochmal die Fotos an, die ich im Ausstellungsraum gemacht hatte. Was war das denn? Da waren ja fast neue und sehr gute Tourenreifen drauf! Und Heizgriffe! Und hier, Nebelscheinwerfer – und eine Sitzbank, die ganz bestimmt kein Standard war.

Ich recherchierte den Einzelteilen nach und kam darauf, dass an der alten V-Strom Teile im Wert von über 1.500 Euro verbaut waren. Teile, die ich ohnehin bräuchte. Das machte sie gleich nochmal ein ganzes Stück attraktiver, und es zeigte vor Allem: Checkheft hin oder her, der Vorbesitzer hat die Kiste echt geliebt und bestimmt für die Wartung gesorgt. Ich suchte im Netz nach einer Maschinen mit ähnlichen Ausstattungen und Laufleistungen, gab es aber nach einigen Abenden auf. Eine V-Strom zu dem Preis und mit der Ausstattung gab es in ganz Deutschland und Österreich nur genau ein Mal. Und die war auf meinen Namen für eine Probefahrt reserviert.

Echt jetzt?! Eine Baehr Seat4 AIR-Sitzbank?! Das Ding ist unfassbar teuer!

Echt jetzt?! Eine Baehr Seat4 AIR-Sitzbank?! Das Ding ist unfassbar teuer!

Vier quälend lange Wochen wurde und wurde das Wetter einfach nicht besser. Entweder es regnete oder schneite, oder es war so kalt, dass der Händler keine Probefahrt erlaubte.

Bis zum 21. Februar. An dem Tag schien die Sonne, die Temperaturen kletterten auf 8 Grad. Die Motorradkleidung fuhr ich mittlerweile im Kofferraum spazieren, in der Hoffnung, dass sich spontan mal genau so ein Wetter ergeben würde – und heute war es soweit! Eine ausgedehnte Mittagspause wurde dazu genutzt die V-Strom Probe zu fahren. Der erste Eindruck: Wow, das ist ja alles ganz anders. Sie ist groß. Der Motor ist ein Zweizylinder und ruckelig und unruhig im Vergleich zur ZZR. Dafür ist die Kupplung weich und präzise, aber die Bremsen fühlen sich viel schwammiger an, ABS hin oder her.

Am Tag des Kaufs.

Am Tag der Probefahrt.

In der Summe fühlte sich aber auch alles so… richtig an. Als würde die V-Strom zu mir passen.
Eine Stunde später hatte ich mich mit dem Händler auf einen Preis geeinigt (plus ein Sixpack Bier als Trost für ihn). Und so kam es, dass ich nun Besitzer einer sechs Jahre alten Suzuki DL 650 V-Strom bin, die seit vergangenen Freitag auch tatsächlich vor dem Haus steht.

img_0199

Gestern war dann der Tag des ersten Bastelns und der ersten Ausfahrt. Das Gepäcksystem war im Handumdrehen auf Givi-Koffer und -Topcase umgerüstet, und statt der zu hohen Tourenscheibe ist nun eine gebrauchte Sportscheibe montiert.

img_0213
Die erste Ausfahrt führt gleich mal 200 Kilometer durch die Wallachei. Die erste Erkenntnis: Obwohl der Rahmen der Maschine recht groß ist, fährt sie sich superhandlich. Das sie ein Drittel weniger Leistung hat als die ZZR 600 ist zu merken, aber auf der Landstraße ziemlich egal. Beschleunigen geht trotzdem fix. Am Schönsten aber: die aufrechte Sitzhaltung ist sehr bequem, und das Fahrwerk interessiert schlechten Fahrbahnbelag einfach nicht. SO hatte ich mir das erträumt. Die Renaissance wird nicht vergessen, aber die Frau Strom und ich, wir werden vermutlich Freunde.

Einiges muss noch gemacht werden, bis die Touren-Suzuki auch nur halbwegs das Ausstattungsniveau der Kawasaki erreicht. Die Scheibe hat nicht die richtige Höhe, Strom wird vielleicht noch etwas tiefer gelegt, ein Kettenschmiersystem kommt noch dran und das Navi muss auch untergebracht werden. Aber das findet sich alles und ach, was freue ich mich auf diese Basteleien!

Jetzt muss nur noch das Wetter besser werden.

P.S.: Danke, Albrecht, für den Floh im Ohr!

 
22 Kommentare

Verfasst von - 5. März 2017 in Betrachtung, Motorrad

 

Motorradtour 2016 (15): Irrfahrt nach Hause

DCIM100_VIRB

Sommerreise mit der Renaissance.

Sonntag, 26. Juni 2016, in der Nähe von Graz

Kalesco zaubert ein wunderbares Frühstück, das wir auf der Terrasse genießen. Die Sonne scheint, hinter dem Haus rauscht der kleine Bach, und die Landschaft scheint vor Grün zu bersten. Die Steiermark ist ein wundervolles Stück Welt, und das nicht nur weil Kalesco hier wohnt.

Zwei Herzen schlagen heute morgen, ach, in meiner Brust.
Es fällt mir schwer Abschied zu nehmen, zu gerne würde ich noch ein wenig länger hier bleiben. Andererseits will ich aber auch das lädierte Motorrad endlich zu Hause und damit den unangenehmen Teil der Reise hinter mir haben. Ich habe mich entschieden die Koffer nicht per Post gen Heimat zu schicken. Die Bruchstelle am Gepäckträger scheint zu halten, zumindest ist das Knetmetall nicht weggebröckelt. Wenn ich jetzt vorsichtig und nicht schneller als 100 km/h fahre und keine fiesen Schlaglöcher in den Weg kommen, dürfte das halten.

p1020497

Ich verabschiede mich von meiner Gastgeberin, die sich anschickt den sonnigen Sonntag lesend in der Hängematte zu verbringen. Ganz kurz beneide ich sie ein Bisschen, aber dann fällt mir ein, dass MEIN Tag ja aus Motorradfahren durch Österreich besteht. Das wird auch toll. Aber NICHT nochmal über die Bröckelstrecke von der Herfahrt, denke ich, als das Navi am Ende von Kalescos Einfahrt nach rechts will. Folgerichtig fahre ich nach links und dann nochmal ganz komisch und plötzlich merke ich, dass ich in der völlig verkehrten Richtung unterwegs bin. Das Navi will hartnäckig zurück. Mumpitz, denke ich mir. Wir fahren jetzt erstmal nach Graz, von da aus geht es irgendwie nach Norden.

Geht es natürlich nicht, und jetzt werde ich leicht ungehalten. Hilft aber nix, zu sehr habe ich mich jetzt schon verfranzt.Noch nichtmal die Gegend ist schön, es geht durch viel Wald mit wenig Aussicht, und die Staßen sind oft nicht die besten. Das auch noch die ganzen Sonntagsfahrer unterwegs sind, um u.a. ihre Kids zu einem der zahlreich stattfindenden Sportfesten zu bringen, macht die Sache nicht besser. Nein, das macht alles keinen Spaß, das kostet nur Zeit.

Am Ende bin ich eine riesige Schleife einmal um Graz herumgefahren, um dann 80 Kilometer von meinem Startpunkt wieder eine Straße nach Norden zu finden. Nur: Bis hierher habe ich keine 80, sondern schon satte 240 Kilometer gefahren und dafür 4 Stunden gebraucht. Eine rechte Irrfahrt. Super gemacht, Herr Silencer.

240 Kilometer gefahren, nun bin ich gerade mal wieder 80 Km vom Startpunkt entfernt. Ein Umweg von 160 Kilometern, das muss man auch erstmal hinkriegen >:-/

240 Kilometer gefahren, nun bin ich gerade mal wieder 80 Km vom Startpunkt entfernt. Ein Umweg von 160 Kilometern, das muss man auch erstmal hinkriegen >:-/


Read the rest of this entry »

 
4 Kommentare

Verfasst von - 28. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (14): Die Nebelhöhle

2016-12-11-14_13_14-program-manager

Sommerreise mit der Renaissance.
Freitag, 24. Juni 2016, San Biagio di Callalta

Ein letztes Mal setze ich mich zum Frühstücken an den kleinen Einzeltisch im Restaurant der „Villa Maria Luigia“. Sara lächelt, als sie mich sieht, verschwindet kurz und kommt dann mit einem doppelten Espresso wieder. Der ist auch das einzige, was ich heute Morgen runter bekomme. Der Grund: Die Nachrichten kennen heute Morgen nur ein Thema. England hat dafür gestimmt aus der Europäischen Union auszutreten.

Der Brexit wird Wirklichkeit. Mich trifft diese Schlagzeile wie ein Eimer kaltes Wasser. David Cameron hat hoch gepokert, als er die Bevölkerung über den EU-Austritt abstimmen ließ, in dem sicheren Glauben, dass die Menschen nicht so dumm sein würden ihre eigene Zukunft zu vernichten. Der Schuß ging nach hinten los. Menschen sind dumm, deshalb hat sich ja die Politik rausgemendelt um sie zu vertreten. Ich bin wie benommen. Hier, in diesem Moment, beginnt es. An diesem Tisch in diesem Haus wird in den Nachrichten gesagt, dass die EU zerbricht.

img_8460

Sara erkundigt sich nach dem Motorrad, ob jetzt alles OK sei und wie weit ich wohl noch unterwegs sein werde? Ich verziehe das Gesicht bei dem Thema, denn die ZZR ist alles andere als OK. Der gebrochene Gepäckrahmen ist kein Spaß, und eigentlich es ist zu gefährlich damit weiter zu fahren. Das sage ich ihr aber nicht, sie soll sich keine Sorgen machen. Stattdessen nuschele ich was von einer Werkstatt in Udine. Sara guckt erschrocken. Stimmt, Udine ist ja auch fast 100 Kilometer entfernt, eine Weltreise.

„Alles gut“, sage ich. „Das liegt auf dem Weg“. Das stimmt auch. Was nicht stimmt: Ich werde mir nicht den Stress geben, dort eine Werkstatt zu suchen, die mir den Träger schweißt. Ich habe keine Ahnung ob das überhaupt geht und wenn, dann wird es Stunden dauern. Nein, ich werde stattdessen die nächste Etappe sehr vorsichtig fahren, und morgen die Motorradkoffer verpacken und von Österreich aus per Post nach Hause schicken. Für die heutige, letzte Etappe muss der Träger noch halten. Die Bruchstelle ist mit Knetmetall ummantelt, und für zusätzliche Entlastung habe ich die seitlichen Träger mit Gurten umwickelt. Ob das halten wird? Keine Ahnung. Zumindest werden die Koffer so nicht einfach abfallen, ich werde merken, wenn was nicht stimmt.

p1020490

Eine warme Brise aus Richtung Meer lässt die leichten Vorhänge durch die Bar im Vorraum des Restaurants wehen. Ich versuche ein wenig von der Ruhe aufzusaugen, die Sara ausstrahlt und die das ganze Haus zu umfassen scheint. Die alte Offizieresvilla scheint Ruhe und Entspannung zu atmen, und davon möchte ich ein Stück in meinem Herzen mitnehmen. Sara scheint meine Gedanken zu erraten. Zum Abschied nimmt sie meine Hand in ihre und sagt „Wir werden uns wiedersehen. Du bist nicht nur ein Gast, Du bist unser Freund, also pass auf Dich auf.“

p1020479

„Tu sei nostro amico“, dieser Satz macht mich ein wenig stolz und bringt mich zum Lächeln, als ich die Renaissance aus ihrem Luxusparkplatz herausbugsiere und vorsichtig durch den Gartenweg und aus dem Haupttor der Villa steuere. Ein letzter Blick zurück zum Haus, ein letztes Winken, dann fädele ich das Motorrad in den Verkehr ein und bin verschwunden.

Im nächsten Ort halte ich an und entsorge an einem öffentlichen Parkplatz eine prall gefüllte Tüte. Darin sind Dinge, die ich nicht unbedingt brauche. Eine Flasche Sonnenspray. Der Rest Waschmittel. Eine halbe Tüte Äpfel. Eine Flasche Wein, die ich eigentlich als Andenken mit nach Hause bringen wollte. Ein paar Sandalen, die ich in San Vincenzo gekauft hatte. Zur großen Empörung des Wiesels geht auch der Sternchenkeksvorrat über Bord. Der Koffer auf der Seite, wo der Träger gebrochen ist, muss so leicht wie möglich werden. Es hilft ja nichts. Gute drei Kilogramm an Ballast habe ich gerade verklappt. Jedes eingesparte Gramm hilft, denn das kann darüber entscheiden, ob das Heck des Motorrads auseinanderbricht oder nicht.

Dann geht es weiter. Die Fahrt durch das Veneto ist langweilig. Die Gegend besteht praktisch nur aus plattem Land und Feldern. Fast 100 Kilometer geht es nur schnurgerade aus nach Westen, vorbei an Orten mit lustigen Namen wie Piramidi, das ägyptisch klingt, oder Muscletto, was sich sportlich anhört, oder Malafesta, was eine ansteckede Krankheit vermuten lässt.

Bei Udine halte ich nicht an, obwohl ich die Stadt gerne mal kennenlernen würde. Das lasse ich aber heute lieber sein, da bin ich nicht in der Stimmung zu und außerdem werde ich nicht schneller als maximal hundert fahren, da kann ich mehr Zeit gut brauchen. Vor der Stadt biege ich nach Norden ab und steuere auf die Bergkette der Alpen zu, die sich blau schimmernd am Horizont abzeichnet.

Es geht erst Richtung Tarcento, dann nach Gemona. Ich tanke noch einmal, dann schwenkt die SS13 in eine tiefe Kluft in den Bergen ein, und schon ändert sich die Strecke von langweilig und doof in eine der launigsten, die man sich wünschen kann. Ich kenne diese Durchfahrt schon. Die Straße schwingt sich in weiten Kurven in dem engen Tal entlang, an dessen Seiten steil Felswände aufragen. Die Berghänge sehen aus, als wären sie mit Urwald bedeckt. Ich stelle mir vor, dass es in Südamerika stellenweise ähnlich aussieht. Ein schmaler Fluss ringelt sich durch das, mit Felsbrocken übersäte, Talbett. Der Wind rauscht mir um die Nase, als das Motorrad über die Landstraße fliegt, und ich hole tief Luft und bin ganz ergriffen ob der Schönheit dieser Landschaft.

2016-12-11-14_13_14-program-manager

2016-12-11-14_12_11-program-manager

Read the rest of this entry »

 
8 Kommentare

Verfasst von - 21. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (13): Nackt in Venedig

p1020301

Sommerreise mit der Renaissance.
Mittwoch, 22. Juni 2016, San Biagio di Callalta

Auch das platte Land kennt Rushhour. Das Veneto, dass muss man sich so vorstellen: Plattes Land und weite Felder, auf denen neben Getreide und Salat auch Reis und Nüsse angebaut werden. Dazwischen: Straßen, bestens ausgebaut, von der Güte unserer Bundesstraßen. NIcht dem Schrabbelkram aus den alten Bundesländern, sondern den WIRKLICH guten Bundesstraßen, in den neuen Ländern.

Über all diese vielen schönen Straßen schiebt sich eine Blechlawine über das platte Land. Man stelle sich zur verdeutlichung Ostfriesland vor, eine spiegelglatte Fläche voller grünem Nichts, endlose Weiten, und mittendrin eine Karawane von Auto an Auto, die mit wenigen Zentimetern Abstand und im Schritttempo hintereinander her zuckeln. Ein leicht albernes Bild. Folgerichtig ziehe ich mit dem Motorrad an dem Stau vorbei. Italienisch fahren? Kann ich.

Plattes Land: Veneto. Hier von San Biagio nach Punt a Sabbioni.

Plattes Land: Veneto. Hier von San Biagio nach Punta Sabbioni.

Von der Villa Maria Luigia aus geht es rund 60 Kilometer nach Sünden, bis nach Punta Sabbioni. Der Name bedeutet übersetzt „Sandspitze“, und besser kann man den Ort nicht beschreiben. Punta Sabbioni ist eine kleine Landzunge, die in die Lagune von Venedig hineinragt und praktisch nur aus staubigen Parkplätzen besteht. Die Renaissance bekommt von einem freundlichen Parkopa einen überdachten Platz zugewiesen, und einen Unterleger für den Seitenständer gibt es noch dazu.

p1020476

p1020478

Der Helm kommt ins Topcase, und dann bleibt das Motorrad für den Rest des Tages hier. Das kostet 5 Euro, und DAS ist es mir wert. Die Alternative wäre unvorstellbar: Mit dem Motorrad nach Venedig? NIEEE!

Stattdessen besteige ich die Linie 14 der Vaporetti von Vendig, nachdem ich mir vorher eine Tourikarte für die Nutzung des ACTV gekauft habe. 20 Euro für eine 24-Stunden Karte sind ein stolzer Preis, aber auch das ist alternativlos.

p1020194
Read the rest of this entry »

 
28 Kommentare

Verfasst von - 14. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (12): Der Hund vom Cima Grappa

p1020076

Die Sommerreise mit der Renaissance.
Mittwoch, 22. Juni 2016, San Biagio di Callalta

„Und, wo geht es heute hin?“, fragt Sara. Ich habe gerade einen Keks im Mund und nuschele „Treviso“. Sara lächelt und sagt „Das taugt aber nicht für lange. Treviso ist nicht groß. Hast Du noch ein anderes Ziel?. Die Worte klingen sanft wie Musik. Sara könnte das Telefonbuch vorlesen, und es würde mir wohlige Schauer über den Rücken jagen, allein wegen ihrer angenehmen Stimme. Ich liebe die italienische Sprache ja ohnehin für ihren melodischen Klang, aber so wie Sara es spricht, trifft es mich direkt ins Herz.

„Bassano del Grappa“, sage ich, inzwischen ohne Keks im Mund. „Gut, die Brücke ist schön“, sagt Sara. „Aber wenn Du wirklich was erleben willst, gibst Du im Internet mal Cima Grappa ein“. Ich fummele das iPhone raus und tue wie mir geheißen. Ein kurzer Blick auf die Bildersuche und ich weiß: Da muss ich hin.

Alles, was Sara tut, macht sie mit Stil und Eleganz. Selbst aus trockenen Kekse und Fertigcroissants macht sie mit etwas Liebe und Puderzucker was Besonderes.

Alles, was Sara tut, macht sie mit Stil und Eleganz. Selbst aus trockenen Kekse und Fertigcroissants macht sie mit etwas Liebe und Puderzucker was Besonderes.

Ich mache die ZZR startfertig und manöveriere sie rückwärts aus ihrem Luxuspavillion, in dem sie die Nacht verbracht hat.

p1020479

Dann drücke ich auf den Startknopf und es passiert – nichts. Der Starter klackt, aber dreht nicht. Die Batterie ist leer. Ich verfalle in einen Schockzustand, mit ungläubig aufgerissenen Augen und runterhängender Kinnlade. Instinktiv prüfe ich ob der Seitenständer unten ist. Ist er nicht. Ist der Killswitch aus? Ist er. Ich schalte die Zündung aus, warte kurz und schalte sie wieder ein. Startknopf. Nichts.

Ich will es nicht wahrhaben und drücke nochmal auf den Startknopf.
Nichts.
Nochmal.
Nichts.
Nochmal.
Der Starter dreht mit voller Kraft, und der Motor springt mit einem Brüllen an.

Ich manövriere über den Prachtweg der Villa auf die Landstraße und beiße mir dabei vor Wut auf die Unterlippe. Anscheinend hing der Starter, oder das Mopped wollte mich einfach nur ärgern.

Als die Maschine auf der Straße vor sich hinsurrt brülle ich so laut ich kann „UND WAS WAR DAS JETZT FÜR EINE VERFICKTE SCHEISSE?“ , dann hole ich tief Luft und schreie „EIGENTLICH WOLLTE ICH DICH ZU HAUSE ÜBERHOLEN LASSEN,ABER WENN DU WEITER SO EINEN DRECK HIER ABZIEHST, VERHÖKERE ICH DICH AN EINEN ERSATZTEILHÄNDLER UND KAUFE MIR EINE VESPA!!“ Am Straßenrand gucken ein paar Arbeiter hoch, deren Motorsensen ich mit meinem Gebrülle im Vorbeifahren wohl übertönt habe. Die ZZR surrt als würde sie kichern.

Eine Stunde später quält sich das Motorrad durch den Landverkehr des Venetos. Hier ist DAS der Wirtschaftszentrum Italiens, und das merkt man nicht nur an den Unabhängikeitsflausen hiesiger Politiker. Riesige und brandneue Firmengebäude stehen in der Landsschaft rum, darunter viele Factoryaoutlets. Viele Outdoormarken wie Salewa oder North Face produzieren hier, aber auch Motorradausrüster wie Alpine Stars.

Das hohe Aufkommen an Firmen macht sich natürlich im Verkehr bemerkbar. LKW an LKW schieben sich die Kolonnen über die Straßen, schneller als 70 ist nirgendwo erlaubt. Es ist heiss, der Verkehr die Hölle, und dann verfahre ich mich auch noch.

p1020038

Cima, das klingt so ähnlich wie Cimitero, und also muss das wohl eine Abkürzung sein, denke ich mir. Ich hatte nur Bilder von einem seltsamen Bauwerk gesehen, aber nicht nachgeschaut wozu das gebaut wurde oder WO das Ding zu finden ist. Diese Arbeit soll mal schön das Navi machen. Das verfährt sich aber prompt erstmal und lotst mich einen steilen Berg hoch, um dann vor einer kleinen Kirche stolz zu verkünden „Sie haben ihr Ziel erreicht“. Nee, habe ich nicht.

p1020035

Im Schatten des Glockenturms suche ich im Internet und Navi nach neuen Koordinaten. Das dauert erstaunlich lange, dieses Cima-Ding ist nicht leicht zu finden. Als ich weiterfahre, befallen mich sofort Zweifel, ob das hier alles so richtig ist. Wo baut man einen Friedhof hin? Genau, in die Nähe eines Ortes. Die Straße, die ich gerade fahre, führt aber immer höher und höher die Berge hinauf. Runde 20 Kehren und 1.000 Meter Höhenunterschied in kurzer Zeit sind erst der Anfang. Es ist brennend heiß, über 30 Grad, und bei langsamer Fahrt den Berg hinauf läuft der große Kühlerlüfter der Renaissance fast dauernd.

2016-12-04-18_29_21-google-earth

Aus 1.500 Metern Höhe blicke ich auf das Veneto hinab. Ein toller Anblick, auch wenn die Landschaft im blau-weiß des Himmels verschwimmt. Hier oben ist die Fahrerei nur noch Qual. Die Straße ist eng, und windet sich in irren Steigungen an Felswänden entlang. Die Baumgrenze haben wir bei 1.300 Metern schon lange hinter uns gelassen. Hier oben ist nicht mehr als vereinzelte Nadelhölzer und Steine und Gras und Hitze. Aber bin ich hier überhaupt richtig? Wegweiser gibt es nicht.

p1020042

p1020043
Read the rest of this entry »

 
3 Kommentare

Verfasst von - 7. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (11): Zerbrochen

p1020023

Sommerreise mit der Renaissance.

Dienstag, 21. Juni 2016, Grisciano

Die Gaststube des Kuhhof-Agriturismo ist noch leer, als ich sie an diesem Morgen um kurz vor Acht betrete. Vermutlich liegt die unsympathische Lehrerbande noch mit einem Weinschädel im Bett. Ist mir sehr recht.

Das Frühstück besteht aus einem Espresso und einem Cornetto mit hausgemachtem Honig, dann belade ich das Motorrad und mache mich abreisefertig. Die Pre-Start-Routinen habe ich in Fleisch und Blut, die geht der Körper einfach durch ohne das ich mich darauf konzentrieren muss. Navi in Betrieb nehmen – Tagesroute aufrufen – Helm aufsetzen – Helm einschalten – Bluetooth-Verbindung zwischen Reifen, Navi und Helm prüfen – Jacke zu – Handschuhe an – nochmal gucken ob alle Koffer wirklich fest sind – checken ob Portemonnaie und Handy in den richtigen Taschen sind – Motorrad starten – Choke einpegeln – Seitenständer hoch – und los!

p1020494

Ist ist noch kühl, als ich den steilen Bergweg vom Kuhhof hinab auf die Strada Statale steuere.

2016-12-04-16_21_59-program-manager

Der Weg ist buckelig, und auch wenn das Motorrad gut läuft, höre ich doch bei jedem Huckel wieder das laute Klingeln irgendwo aus dem Inneren der Maschine. Das macht mich noch irre! Jede Schelle, jede Schraubverbindung habe ich nachgeprüft, so gut das eben durch die Verkleidung geht, und trotzdem ertönt bei jedem Schlagloch ein helles Klingeln von irgend etwas Losem.

Der Weg führt wieder in Richtung Norcia. Skurril: Eben fahre ich noch im Sonnenschein, als plötzlich eine weiße Wand auftaucht. Das ist kein Nebel; Das sind Wolken, die wie ein Band über dem Tal liegen. Für einen Moment fährt das Motorrad über den Wolken, dann ist die Decke von unten zu sehen.
DCIM100_VIRB

DCIM100_VIRB

p1010975
Read the rest of this entry »

 
2 Kommentare

Verfasst von - 31. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (10): Seepferde, Schweine und jede Menge Kühe

p1010882
Die Sommerreise mit der Renaissance.
Montag, 20. Juni 2016, Siena

Der Nachteil, wenn man eine Reise tut und Unterbringungen im Vorfeld bucht: Man muss am nächsten Tag auch wirklich an dem vorher festgelegten Ort sein. Auch dann, wenn schon klar ist, dass das Wetter dort eine Katastrophe sein wird. Spontanes Umdisponieren ist nicht mehr drin.

Dummerweise ist heute so ein Tag. Eigentlich würde ich gerne nach Süden fahren und einen weiten Schlenker über die Berge in den Abbruzzen machen, aber dort tobt eine Regenfront mit Gewittern. Die Pässe auf der Strecke sind auch unter idealen Bedingungen nicht ganz einfach, aber bei Unwetter will ich nicht allein durch die am dünnsten besiedelte Region Europas fahren.

Also wähle ich eine einfachere Route, aber auch die führt durch eine Regenfront. Einen Weg drum rum gibt es nicht. Von Siena aus geht es nach Südwesten, durch die Bergkette hinter Asciano und dann um den Trasimenischen See herum. Am Horizont ballen sich schwarze Wolken zusammen.

2016-12-04-12_48_07-neue-benachrichtigung

Kurz vor der Grenze zu Umbrien halte ich an einer Tankstelle und ziehe ich Regenhose und -Jacke über den Fahreranzug. Die weitere Schicht ist aus dünnem, aber wasserundurchlässigem und atmungsaktivem Material und hält Regen und Wind fern. Wasser findet immer einen Weg, aber diese Kleidung hält es sehr lange davon ab.

Tatsächlich beginnt es bei Perugia zu regnen und hört nicht mehr auf. Im Gegenteil, schlimmer und schlimmer wird es. Der Regen wirft Blasen in den Pfützen auf der Straße, und anders als im Roman „Herr Lehmann“ behauptet, bedeutet das nicht, dass es bald aufhört zu regnen.

DCIM100_VIRB

Es geht in die Berge zwischen Umbrien und den Marken. Hier gibt es viele, tiefe Täler, in denen die dunklen Regenwolken hängen. Die Täler sind mit Tunneln verbunden, und immer wenn ich in einen hineinfahre, hoffe ich darauf, dass an seinem Ende das Wetter besser ist. Was leider nicht passiert.

Bei Norcia halte ich an. Ich brauche eine Pause, und Glückes Geschick: An dem Parkplatz, den ich hier kenne, liegt das Gebäude eines Restaurants. Vor zwei Jahren war das noch nicht eröffnet, nun steht es schon wieder leer. Was allerdings noch vorhanden ist: Ein großes, gebogenes Vordach, das wohl als Wetterschutz dienen sollte.

2016-12-04-13_06_59-program-manager

Ich lenke die Renaissance zwischen Betonkübeln mit vertrockneten Blumenresten hindurch und in den offenen Blechtunnel.

p1010856

Ein trockenens Plätzchen zum Verschnaufen. Der Regen prasselt auf´s Blech, während ich mir einen Müsliriegel und einen Schluck Wasser aus dem Vorrat des Motorrads gönne.

p1010855

Read the rest of this entry »

 
5 Kommentare

Verfasst von - 24. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (9): Der Riese am Teich und der Zug der toten Ritter

img_8343

Sommerreise mit der Renaissance.

Sonntag, 19. Juni 2016

Florenz liegt direkt vor einer Bergkette. Von den kleinen Orten, die sich in die Bergflanken schmiegen, hat man einen tollen Blick über die Stadt: Ein, gar nicht mal so großes, Meer von braunen Dächern, aus deren Mitte sich die Kuppel des Domes erhebt wie ein Fels aus einer Brandung.

Florenz, von Fiesole aus gesehen.

Florenz, von Fiesole aus gesehen.

Von Pratolino aus bleibt einem diese Aussicht verwehrt, dafür ist der winzige Ort schon zu weit von der Stadt entfernt. Interessant ist er aber trotzdem, denn hier liegt die Villa Demidoff, und um sie herum ein weitläufiger Park mit einigen Kuriositäten.

2016-12-12-19_23_17-neue-benachrichtigung

Kurios ist schon der Eintritt. Der ist nämlich frei, aber dennoch stehen gleich zwei Männer und eine Frau vom Heimatschutz am Eingang und springen auf mich zu. Einer reisst ein Ticket von einem Block und sagt: „Hier, ihr Ticket! kost nix!“

Ingresso Ridotto steht darauf, ermäßigter Eintritt. Keine Ahnung, was dieses Theater soll. Vermutlich steuerliche Gründe.

Der Park ist groß, zum Teil gepflegt, aber auch mit wilden Ecken. Gleich am Eingang steht der „Diamant“.

p1010591

Read the rest of this entry »

 
2 Kommentare

Verfasst von - 17. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (8): Der geheime Tempel

p1010538

Die Sommerreise mit der Renaissance.


Samstag, 18. Juni 2016, Siena

Rund 200 Kilometer westlich von Siena liegt der Ort Genga. Das ist schon lange nicht mehr Toskana, sondern die Marken. Die Marken sind eine winzigen Provinz, die zu Unrecht niemand kennt. In einigen Monaten werden die Marken traurige Berühmtheit erlangen, denn dann werden Erdbeben die Region verwüsten. Aber im Moment ist Juni, und jetzt sind die Marken noch voller Schönheit.

Die Region hat alles: Meer und Berge, grüne Hügel und felsige Täler. Hier liegt die auch die Gola del Furlo, der tiefe Felseinschnitt mit der kurvigen Einbahnstraße, und die Frassassihöhle, die ich 2013 schon besucht und dort Carlo und sein Regenbogenhaus kennengelernt habe. Hätte ich damals schon gewusst, was ich jetzt weiß, hätte ich mir den erneuten Weg hierher sparen können. So muss ich wieder fast drei Stunden hier her holpern.

genga

Ja wirklich, holpern: Der Weg führt durch Umbrien, und dort sind die Straßen legendär schlecht. Erst als es in die Marken geht, werden die Landstraßen im Schatten der sie säumenden Bäume und Prostituierte wieder besser. Italien ist wirklich manchmal seltsam. Prostitution ist erlaubt, aber Bordelle verboten. Als Folge stehen mancherorts, auch in Gottverlassen wirkendenen Gegenden, an jedem Feldweg eine Dame mit käuflicher Zuneigung. Aber wie gehen die ihrem Gewerbe eigentlich nach? Haben die irgendwo im Gebüsch eine Matratze liegen? Oder wird das alles im Stehen abgehandelt? Ach, eigentlich will ich das gar nicht wissen.

Die Schlucht sieht man schon von Weitem.

Die Schlucht sieht man schon von Weitem.

DCIM100_VIRB

DCIM100_VIRB

Die Sonne glüht vom Himmel, als ich die Renaissance auf einem kleinen Parkplatz in der Frassassi-Schlucht abstelle. Links und rechts erheben sich steil die Felswände. Der Parkplatz heisst „Presepio Vivente“ – Die Wiege des Lebens. Hä?

p1010571

Read the rest of this entry »

 
2 Kommentare

Verfasst von - 10. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (7): Sommer in Siena

p1010412-e1478447592744

Die Sommerreise mit der Renaissance.

Donnerstag, 16. Juni 2016, San Vincenzo

Schon ist eine ganze Woche in San Vincenzo vorbei. Ich verabschiede mich von Licio und Franca und I Papaveri, dann geht es mit der, wieder bepackten, Renaissance gen Norden.

p1000979

p1010203

p1010202

Ungefähr 40 Kilometer vor Pisa gibt es eine weite Hügellandschaft mit Feldern, umschlossen von Bergketten. Da will ich hin, denn auf Luftbildern habe ich da einen See entdeckt, der da eigentlich nicht sein dürfte.

orciano

p1010212
Read the rest of this entry »

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 3. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (6): Von der Bildfläche verschwunden

p1000956

Die Sommerreise mit der Renaissance.

Dienstag, 14. Juni 2016, San Vincenzo

Es stürmt, und zwar so richtig. Die Bäume im Vorgarten von „I Papaveri“ biegen sich, und die Jasminhecke wird ordentlich durchgeschüttelt. Gelegentlich gibt es sogar Regenschauer, und das aus blauem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein. Sehr seltsame Kombination. An Strand ist bei dem Sturm nicht zu denken, da wird man sandgestrahlt.

Ich schwinge mich auf das Motorrad und fahre von San Vincenzo aus nach Norden, am Küstenort Cecina vorbei und durch hügelige, sonnengelbe Felder. In der Ferne schimmern blaue Berge, und nach einer Stunde bin ich in Pisa. Im Vorort Pontedetra liegt das Werksmuseum von Piaggio. Es ist nicht groß, bietet aber einige Kuriositäten. Die sind nicht aufwendig erklärt, die stehen da einfach nur etwas lieblos rum. Dafür kostet das Museum keinen Eintritt.

Seit 1884 gibt es die Piaggio Werke. Die meisten Ausstellungsstücke sind aus den letzten 70 Jahren. Zu sehen sind merkwürdige Sondereditonen von Piaggos größtem Hit, der Vespa, aber auch Apes (gesprochen Ah-Pe, das heisst „Biene“) oder Porters, die besonders in Indien gerne als „Tuk-Tuks“ eingesetzt werden. Daneben gibt es Schienenbusse, Flugzeuge und das Firmenarchiv mit tausenden von Akten zu sehen. Alles keine tagesfüllende Beschäftigung, aber für Vespa-Fans das Mekka.

p1010169

p1010108

p1010109

p1010111

Ein Schienenbus.

Ein Schienenbus.

Das Werksarchiv mit tausenden von Akten.

Das Werksarchiv mit tausenden von Akten.


Read the rest of this entry »

 
2 Kommentare

Verfasst von - 26. November 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (5): Cinque Terre

p1000995


Sommerreise.
Montag, 13. Juni 2016, San Vincenzo

Im Slalom schießt die ZZR über die Autobahn. Die Strada Statale 01 ist gefährlich. Nicht, weil sie kurvig ist oder unübersichtlich oder rutschig. Nein, das ist es nicht. Sie führt schnurgerade von Süd nach Nord, die maximale Geschwindigkeit ist 110, und die Verkehrsdichte ist übersichtlich.

Die SS 01 ist gefährlich, weil man allein vom Drüberfahren ein Halswirbelschleudertrauma bekommen kann. Vielleicht auch schon, wenn man die Straße nur ansieht. Durch die heißen Sommer und die oft kühlen Winter ist der Asphalt an vielen Stellen zerbrochen, Unterspülungen haben tiefe Kuhlen und Löcher im Belag hinterlassen, und das die vielen LKW handtiefe Spurrinnen hinterlassen haben, macht die Sache nicht besser. Ich versuche so gut es geht um die größten Schlaglöcher rumzukurven, aber alle zu vermeiden ist schlicht unmöglich. Immer wieder kracht die Renaissance in Löcher und Querrillen, jedesmal tut es einen heftigen Schlag durchs ganze Fahrwerk, jedesmal leide ich mit zusammengebissenen Zähnen mit.

Leider kommt man in der Nordtoskana nur auf der SS01 wirklich voran. Die Alternative wäre, bei Tempo 50 über Dorfstraßen zu schleichen, die in ähnlichem Zustand sind wie die Strada Statale. Die Sonne ist hier unerbittlich und zerbröselt selbst die besten Straßen in wenigen Jahren.

Egal. Ich genieße die Fahr trotzdem. Es ist warm, die Sonne scheint und das Beste: Das Motorrad springt nach der gestrigen Reparatur völlig problemlos an und läuft wie eine Eins.

Nach 80 Kilometern, kurz vor Pisa, geht die SS 01 fast nahtlos in eine mautpflichtige Autobahn über, und ab da ist der Straßenbelag allererste Sahne. Kann man für den Preis auch verlangen, die 140 Kilometer zwischen Cecina und Levanto kosten mich fast 17 Euro Maut.

DCIM100_VIRB

An der Ausfahrt kommt es zu unerwarteten Problemen. Der Mautautomat will das Ticket nicht annehmen, und ich muss das Motorrad rückwärts aus der Mautspur herausschieben. Hinter der Maschine steht bereits ein SUV, darin eine Frau mit Sonnenbrille, die guckt wie eine Eule. Italien produziert anscheinend eine nie versiegende Anzahl an sonnenbebrillten Eulen in großen Autos, und alle fahren mir hinterher.

Sei´s drum. Ich bin von San Vincenzo aus fast 200 Km nach Norden gefahren. Hier liegen die Cinque Terre. Das sind fünf kleine Fischerdörfer, die hier in die Felsen der Steilküste kleben.

5terre

Read the rest of this entry »

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 19. November 2016 in Ganz Kurz, Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (4): Kein Held, ein Retter & die Eulenfrau

IMG_8181

Die Sommerreise mit der Renaissance.

Donnerstag, 09. Juni 2016, Ferrada, 40 Kilometer südlich von Genua, Italien.

Oma Normas Frühstück ist das beste, und ich habe gute Laune. Wenn meine heldenhafte Reparatur am gestrigen Tag hält, was sie versprach, dann ist das Motorrad wieder in Ordnung. Nach dem Tausch des mutmaßlich defekten Lichtmaschinenreglers und den vielen Autobahnkilometern gestern müsste die ZZR heute morgen sofort anspringen.

IMG_8174

Ich verputze die letzten, öltriefenden Foccaciareste. Heute morgen bin ich der  einzige Gast, und Oma Norma guckt besorgt. „Junge, ohne einen zweiten Caffé kannst Du doch nicht auf die Straße!“ – Recht hat die alte Dame.

Nach dem zweiten Espresso trage ich dann die Koffer zum Motorrad, mache mich fertig und drehe den Schlüssel. Alle Kontrollleuchten sind sofort da und leuchten hell. Sehr gut. Ich drücke auf den Startknopf. Statt eines fröhlichen Orgelns höre ich genau

– nichts.

Nicht mal ein Klacken gibt der Starter von sich.
Die Kiste ist vollkommen leer.

Verdammt.

Ich bugsiere das Motorrad unter Anstrengungen rückwärts auf die Straße hinaus. Die ist gaaanz leicht abschüssig, aber nicht abschüssig genug um die ZZR anrollen zu lassen. Kalt braucht der Motor einen Moment und viel Choke, und den Moment bekomme ich hier nicht hin. Das merke ich aber erst, als ich unter den Augen erstaunter Hausfrauen, die am Straßenrand stehen und ein morgendliches Schwätzchen halten, die Straße runterollere und beim Anlassversuch fast umfalle. Ich steige ab und wende die Maschine, dann schiebe ich sie zurück die Straße hinauf.

Die Fuhre ist schwer, voll betankt und mit Koffern rund 260 Kilogramm, das muss man auch erstmal bewegen. Auch einer der Gründe, weshalb ich vor so einem Urlaub wochenlang intensives Krafttraining mache. Das kommt mir jetzt zugute, bilde ich mir ein, aber auch so bin ich in Minuten schweißdurchtränkt. Die Täler von Ligurien sehen nicht ohne Grund aus wie tropischer Urwald. Das Klima hier ist feucht und warm, und dieses Klima zusammen mit dem ungewollten Frühsport in den dicken Klamotten macht, dass mir der Schweiß in Bächen über das Gesicht rinnt, die Fahrerkombi durchsuppt und in den Handschuhen steht.

Ich mache die Koffer ab und stelle sie bei Oma Norma in die Einfahrt, dann rolle ich auf der ZZR eine Seitenstraße hinab. Die ist zwar steiler, aber zu kurz. Die Kawasaki bockt und schüttelt sich als ich einkuppele, springt aber nicht an. Die Seitenstraße endet auf der Hauptstraße des Orts. Die ist absolut eben. Kann ich die Maschine vielleicht anschieben? Ich schiebe und laufe neben der Kawasaki her, komme aber nicht auf die nötige Geschwindigkeit. Sobald ich die Kupplung loslasse, blockiert einfach das Hinterrad und das Motorrad steht sofort, ohne das sich auch nur ein Zylinder bewegt. Verdammt, mit einer Simson war das einfacher! Aber die hat auch nur gefühlt 50 kg gewogen. Vollgetankt.

Ein Stückchen weiter ist eine Tankstelle. Ob man mir dort helfen kann? Ich schiebe das Motorrad an der Straße entlang und auf die Tankstelle zu. Ein Dorfhund sieht mir hechelnd nach. Nein, die Zapfsäulen wurden schon vor langer Zeit auf Automatenbetrieb umgerüstet, der Schalter der Tankstelle ist geschlossen. Auf einem kleinen Parkplatz versuche ich neben dem Motorrad herzulaufen und es dadurch zu starten. Keine Chance. Und ich bin am Ende meiner Kräfte. Jetzt habe ich nur noch die Wahl entweder den ADAC anzurufen oder Oma Norma um Hilfe zu bitten. Letzteres bringt die alte Dame vermutlich vor Aufregung an den Rand des Herzinfarkts, ist also keine Option.

Ich stelle die Maschine ab und gehe ein Stück die Durchgangsstraße entlang. Was ist das denn? Hinter der Tankstelle, in einem verlassen aussehenden Gebäude, stehen Leute mit den Händen in den Hosentaschen um die offene Motorhaube eines kleinen Transporters herum. Ist da doch eine Werkstatt? Mit neuem Mut greife ich mir das tote Motorrad und schiebe auf die Gruppe zu.

2016-10-04-09_55_45-program-manager
Read the rest of this entry »

 
9 Kommentare

Verfasst von - 11. November 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (3): Schmutzige Hände

alice

Sommerreise.

08. Juni 2016, Aspremont, in den Bergen hinter Nizza

„Ich will nicht hier weg. Ich muss“, sagt Sabine. Es fällt mir schwer einzuschätzen wie alt sie ist. Ende Vierzig vielleicht? Mit den hochgesteckten, blonden Haaren, dem roten Sommerkleid und dem weißen Tuch, das sie um die Schultern geschlungen trägt, sieht sie aus wie eine Leinwandgöttin der 50er.

Ich sitze auf einem Barhocker, vor mir der vermutlich stärkste Kaffee von Nizza, hinter mir der Frühstücksraum für 50 Leute. Er ist leer, Sabine und ich sind ganz allein im Hotel.

P1000807

Die Leipzigerin hat nach dem Mauerfall viele Jahre als Reiseleiterin in ganz Europa gearbeitet, bis sie sich mit der Liebe ihre Lebens einen Traum erfüllt hat: Ein eigenes, kleines Hotel in einer der schönsten Regionen Frankreichs. „Scheiß Frankreich“, sagt Sabine jetzt.

p1000834

„Es ist das System“, sagt sie. „Der französische Staat ist pleite und denkt sich immer neuen Scheiß aus. Scheiß-Frankreich, das sagen meine deutsche Freundin und ich immer, Scheiß-Frankreich! Bürokratie bis zum Abwinken, unfaire Rechtsprechung, immer neue Gängelungen… Neulich flogen hier Leute in Hubschraubern über die Berge. Wissen sie, was die gemacht haben? Die Grundstücke aus der Luft vermessen! Es gibt nämlich ein neues Gesetz, nachdem man alles über 450 Quadratmeter als Bauland freigeben MUSS. Will man das nicht, muss man horrende Strafsteuern zahlen. Gibt man es frei, muss man eine Freigabesteuer an den Staat zahlen. Aber hier kauft doch niemand, nicht bei all den Auflagen für´s Bauen!“

Sie nimmt einen Schluck Kaffee.

„Wissen Sie, Ich zahle in den Fond Commerciale ein. Ich habe das Hotel gekauft, quasi. Aber nur so lange ich es betreibe, danach geht es an die Besitzerin zurück. Oder bis die meinen Pachtvertrag nicht mehr verlängert. So lange aber muss ich hier alles instandhalten, alle Auflagen erfüllen. Neue Fenster, neue Türen, Brandmeldeanlagen unununund, jedes Jahr was neues. Und wenn ich hier aufhöre ist alles weg. Für die Investitionen bekomme ich dann keinen Cent. Schlimm ist das.“ Sie guckt kurz in die Ferne, verschränkt die Arme und fährt fort:

„Die ganze Bürokratie lässt das Land erstarren. Wissen sie, was ich gerade für einen Ärger habe, weil ich das Haus gestrichen habe? Jedes Jahr streichen wir das Hotel, seit Jahren schon, damit immer alles hübsch und ordentlich ist. Nie hat einer was gesagt – weil wir das immer am Wochenende gemacht haben. Diesmal haben wir die Handwerker in der Woche kommen lassen, und sofort stand der Bürgermeister auf der Matte. Wir hätten keinen Antrag gestellt. Man muss nämlich bei der Verwaltung beantragen sein Haus streichen zu dürfen. Den Antrag gibt es im Internet. Er ist 27 Seiten lang. 27 Seiten! Deshalb sieht in Frankreich oft alles so schrabbelich aus. Wer füllt denn 27 Seiten Antrag aus um zu streichen? Da lässt man es doch lieber schrabbelich.“ Die Leipzigerin hat sich in Rage geredet, als das Telefon klingelt. Sie nimmt den Hörer ab, horcht kurz hinein, dann haut sie ihn wortlos wieder auf die Gabel. Ich gucke irritiert.

„Das war die Stadtverwaltung“, sagt Sabine. „Das war aber unfreundlich“, sage ich. „Da war kein Mensch dran“, sagt Sabine und rührt wütend in ihrem Kaffee. Ich wusste nicht, dass man wütend Kaffee umrühren kann, aber Sabine macht das gerade. „Die Verwaltung nutzt Telefonmaschinen, die einen JEDEN TAG ANRUFEN und einem mitteilen, dass man mit einer Antragstellung in Verzug ist. Oder einen Termin vereinbaren soll, wegen was-weiß-ich. Und manchmal sagen die Maschinen auch nur, dass der Vorgang nicht bearbeitet wurde. Acht Anrufe bekomme ich pro Tag von Maschinen aus der Stadtverwaltung! Das ist unmenschlich! Aber die Franzosen kennen das ja kaum anders. Schlimme Bürokratie, dazu ein Bildungsniveau bei den 35 bis 55jährigen, dass weit unter euopäischem Schnitt liegt… das kommt dabei raus! Ich will hier nur noch weg.“

Read the rest of this entry »

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 5. November 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (2): Nicht mein Tag

P1000730

Sommerreise mit dem Motorrad.

Dienstag, 07.06.2016, St. Firmin, Provinz Hautes-Alpes, Frankreich

„Et un Café pour toi!“, ruft die Wirtin des „Trinite“ und lacht und albert hinter dem Tresen rum. Eine echte Fohnatur, wie sie mir morgens vor dem ersten Kaffee normalerweise auf den Saque geht, aber hey, die Welt braucht mehr Menschen wie sie. Die Laune der Wirtin passt zum Wetter, die Sonne strahlt aus allen Knopflöchern. Das Bergmassiv Trinité, das gestern noch dunkel und drohend aufragte, wirkt heute fast freundlich und ist von weißen Flauschewölkchen umkrönt.

P1000729

Kurz nach dem Kaffee bin ich schon auf der Straße und auf dem Weg durch die Berge. Hinter Saint Firmin geht die Straße, die zuvor so reich an nervig-engen Minikurven war, in eine schöne Landstraße voller weit ausholender Schwünge über.

Das Fahren macht Spaß, und die Kulisse könnte besser nicht sein: Die großen Berge der Seealpen erheben sich in den blauen Himmel, leicht verschleiert von weißen Wölkchen, zu ihren Füßen grüne Getreidefelder mit jeder Menge Mohnblumen. „Dieses Bild“, denke ich, „ist zu schön um wahr zu sein!“ und komme mir vor wie in einem Gemälde.

P1000719

P1000728
Read the rest of this entry »

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. Oktober 2016 in Motorrad, Reisen

 
 
%d Bloggern gefällt das: