Motorrad

Reisetagebuch (12): Cabin in the Woods

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht von Kroatien nach Slowenien und erst an den See, dann in den Wald.

Sonntag, 01. Juli 2018, Kaštel Lukšić, Kroatien
Ich wache von meinem eigenen Bauchgeräuschen auf. Schon den zweiten Tag. Durchfall. Hätte besser doch nichts von dem Leitungswasser auf dem Schiff trinken sollen. Aber was wäre die Alternative gewesen? Verdursten?

Ich blicke aus meinem Zimmer in der „Villa Cezar“ über die Dächer des kleinen Orts. Das Wetter gleicht meiner Stimmung. Es ist grau und bewölkt und es regnet.

Würstchen, Rührei, gutes Brot, verschiedene Konfitüren, fetter Käse – das Frühstück ist sehr gut, und das sage ich auch. Das zaubert der grummeligen Oma, die im Familienbetrieb offensichtlich für das leibliche Wohl der Gäste zuständig ist, ein Lächeln ins Gesicht.

Es regnet, und deshalb steige ich gleich vor der Abfahrt in die Regenkombi und steuere die V-Strom erst vom Hof, als ich wasserdicht in die StormChaser-Kombi eingepackt bin. Es ist Sonntag, und die Landstraße noch wie ausgestorben. Es geht die Küstenstraße entlang, erst Richtung Westen, dann nach Norden. Das ist nur so mittelspannend, auch wenn die Straße spektakulär gut und toll zu fahren ist. Sie ist halt auch ein wenig langweilig.

Bild: Google Earth 2018

Es gibt immer wieder stärkere Regenschauer, dazwischen Trockenphasen. Heute stehen 6 Stunden Fahrt an, das gefällt mir. Nur fahren, fahren, fahren, mehr will ich auch gar nicht. Die V-Strom rollt durch kleine Orte, duckt sich durch weite Kurven und schrubbt über leere Graden. Zwischendurch gibt es immer wieder stellen mit tollen Ausblicken, wie diesen spektakulären Brücken.

Im Laufe des Tages wird die Straße interessanter. Je weiter ich nach Norden komme, desto mehr Kurven gibt es und desto spektakulärer werden die Ausblicke auf die Felsenküste und die vorgelagerten Inseln.

Auf Höhe des Ortes Zengg biege ich ab ins Landesinnere. Es geht über die Berge, die hinter dem Küstenstreifen beginnen, und dann in das Hinterland. Das ist lauschig grün und sieht eher aus wie das Alpenvorland.

Bild: Google Earth 2018


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Reisetagebuch (11): Split

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es von Dubrovnik nach Split und dabei ganz kurz durch Bosnien-Herzegowina.

Samstag, 30.06.2018, Dubrovnik
Die „Villa Dubrovnik Gardens“ heißt nicht umsonst so. Das Steinhaus liegt in einem großen Garten, der mit seinen Bäumen und hohen Büschen das Äußere zuverlässig abschirmt. Ein kleiner, grüner Urwald, bevölkert von Gartenzwergen und Katzen, direkt über der Altstadt von Dubrovnik.

Was den Garten noch besser macht: Hier servieren Anita und Marjana, die beiden Haushälterinnen, das Frühstück. Ein „Alles, was man sich wünschen kann“-Frühstück. Es gibt Rührei, gebratene Würstchen und Pilze, dazu Toast, eine Aufschnittbuffet, und am Platz wartet ein warmes Schokocroissant. Garten Eden? Dicht dran!

Eine kleine Katze guckt mir beim Frühstück zu und versucht zwischendurch mit einem gezielten Sprung in den Joghurtteller etwas davon zu erhaschen.

Danach schleppe ich die Koffer zum Motorrad und stelle dabei erstaunt fest, dass die Frühstückskatz noch eine Schwester hat. Auf dem Rückweg sind es schon drei. Diese Katzen vermehren sich schneller als Tribbles!

Ich verabschiede mich von Anita und Marjana, dann stürze ich mich in den Stadtverkehr von Dubrovnik.

Geht nicht anders. Eigentlich will ich ja nur raus aus der Stadt, und die Ausfallstraße liegt nur eine Straße und damit 50 Meter über der, in der ich mich gerade befinde… aber leider hat Dubrovnik ein superkomplexes System aus Einbahnstraßen.

So muss ich erst einmal ganz hinunter in die Stadt und um die Festung herum, durch den Busbahnhof, über den LKW-Zubringer zum Hafen und bin dann FAST wieder da wo ich vorher war – nur, dass ich jetzt auf die Küstenstraße stadtauswärts einbiegen kann.

Bild: Google Earth 2018

Der Verkehr auf der Küstenstraße ist recht dicht, aber das gibt sich bald. Je weiter ich nach Norden komme, desto weniger wird der Verkehr.

Ich kann der V-Strom die Sporen geben, und auf dieser Straße ist das Fahren die wahre Wonne. Tief duckt sich die Maschine in die Kurven, während sie auf den wenigen geraden Abschnitten geradezu dahingleitet. Schneller als 80 ist zwar nicht erlaubt, aber das ist auch gut so – ab und an sind hier Wohnmobile unterwegs, die tauchen auch gerne mal unvermittelt hinter Kurven auf. Es ist ein sportliches, aber entspanntes Fahren. Herrlich!


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Reisetagebuch (10): Game of Schweiß

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute betrete ich ein neues Land, treffe einen alten Freund und merke, wie meine Zeit sehr schnell abläuft.

Freitag, 29.06.2018, adriatische See
Das tiefe Dröhnen der Schiffsdiesel wirkt sich positiv auf meine Nachtruhe aus. Ich schlafe ausgezeichnet, bis gegen 5:30 Uhr die Morgensonne durch das Bullauge meiner Kabine an Bord der DubrovniK scheint.

Ich dämmere noch ein wenig im Halbschlaf vor mich hin, aber kurz nach 6 stehe ich doch auf, kleide mich an und gehe an Deck. Zu meiner großen Überraschung ist das Schiff schon kurz vor der Küste.

Ist das schon Kroatien? Muss es sein, oder? Aber wir sollten doch erst um 8 Uhr hier sein, das ist doch noch zwei Stunden hin!

Von Bari nach Dubrovnik in einer Nacht.
Bild: Google Earth 2018

Kein Irrtum möglich – die Dubrovnik läuft tatsächlich schon in Dubrovnik ein! Vor einer großen Brücke dreht das Schiff und legt dann Rückwärts am Hafen an.

Bild: Google Earth 2018


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Reisetagebuch (9): Die Hölle vor Tor 3

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute gibt es Furbo, es geht es unter die Erde und am Ende wird es sehr kalt.

Donnerstag, 28.06.2018, Grotta Castelana, Apulien

Oh, wie sie mir auf die Nerven gehen! Die Hölle, das sind die anderen.

Diese anderen und ich, wir warten vor Tor 3. Tor 3 ist der Einlass für alle, die an der nächsten Führung auf italienisch durch die Grotta Castellana, eine der größten Höhlen Italiens, teilnehmen wollen. Tor 2 ist für englischsprachige Besucher, Tor 1 für Gruppen aus Reisebussen. Vor den Toren ist ein kleiner Platz, auf dem schon mehr als 50 Menschen dicht gedrängt stehen, hauptsächlich Familien mit Kindern.

Neben mit steht ein Typ im besten Midlife-Crisis-Alter. Er hat einen blauen Lacoste-Pulli um die Schultern geknotet und hält von hinten eine überschminkte Blondine in den Armen, die er geradezu agressiv hin- und herwiegt. Freundin? Sekretärin? rätsele ich noch, da haut mir der Schunkler schon einen Ellenbogen in die Seite. Ich gehe ich ein Stück weg, er schunkelt hinterher und haut mir wieder den Arm in die Seite. Was stimmt mit dem nicht, denke ich noch, da rammt mir von vorne eine Frau ihren Rucksack in den Bauch. Von hinten hustet mir ein älterer Herr in den Nacken.

Von links schrammelt ein Opa auf einer Gitarre undefinierbares Zeug. Vermutlich bildet er sich ein, dass er ein Musik macht und dazu singt, aber aus dem Gitarrengequietsche lässt sich ein Lied nur erahnen, während der „Gesang“ klingt, als ob er sporadisch Stichworte ruft und zwischendurch hustet.

Von rechts hält ein anderer Opa dagegen. Allerdings ist bei ihm nicht mal mehr rudimentär eine Melodie zu erkennen, er brüllt und schreit nur wild vor sich hin und schlägt dabei mit den Fäusten auf seine Gitarre ein. Alle irre hier.

Es geht den beiden Opas gar nicht darum die Gunst des Publikums zu erringen. Es geht nur darum lauter zu schreien, lauter zu klampfen und lauter zu husten als der Kontrahent auf der anderen Seite der wartenden Menschen, die ihrerseits wegen des Lärms immer lauter reden und immer gereizter werden.

Grotta Castellana. Der Ort heißt so wie die Höhle.
Karte: Wikimedia, Nutzer NordNordWest, CC BY-SA 3.0, Ort von mir.

Zur Gereiztheit trägt auch das Wetter bei. Es ist mit über 25 Grad sehr warm, gleichzeitig ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Urwaldklima. Außerdem kommen immer mehr Menschen auf den Platz, alles drängt sich zusammen und reibt sich aneinander und schubst und redet laut aufeinander ein und dazu brüllen und schreien die Opas von beiden Seite. Eine Kakophonie des Grauens.
ALLE IRRE HIER. Viele, laute Menschen, die sich benehmen wie eine Herde Affen auf einem Felsen. Meine persönliche Hölle.

Zum Glück öffnet sich jetzt Tor 3, noch viel länger hätte ich das nicht ausgehalten ohne dem Schunkler seinen Pulli über die Ohren zu ziehen und die „Musiker“ umzuschubsen.

Jetzt geht es also durch den Eingang, und der Schunkler erweist sich als das, was Italiener Furbo nennen, einen Schlaufuchs. Er umrundet einfach die Schlange der Eintretenden und mogelt sich an den Anfang der Gruppe. Das ist Furbo: Immer andere austricksen, immer Löcher im System finden. Italiener können Furbos nicht leiden, bewundern sie aber dennoch insgeheim. Seine Aktion bringt ihm zwar nichts, aber das ist Furbo egal.

Eine Gruppe von bestimmt 70 Personen steigt nun hinab in die Grotta Castellana. Furbo und seine Freundin stehen ganz vorn und labern die Höhlenführerin zu, was den Start der Tour verzögert. Die Tour sei den beiden irgendwie zu lang, ob die Führerin das mal abkürzen könnte. So eine halbe Stunde würde ihnen gut passen. Die Nerven von dem Typen! Es gibt so Menschen, die denken, dass sich die ganze Welt nur um sie dreht. Ich hasse den Furbo inbrünstig. Zum Glück winkt die Höhlenführerin ab und meint, sie wird hier nach Stunden bezahlt.

Nach ewigem, umständlichen Rumgeeumele geht sie dann doch los, die schlechteste Tour, die ich je erlebt habe. Leider führt diese schlechteste aller Touren durch die zweitschönste aller Höhlen, die ich je gesehen habe. Fotografieren darf man leider nur in der Vorhöhle, nicht in der eigentlichen Höhle. Aber schon der Vorraum ist beeindruckend: Ein hoher Felsendom, dessen Decke eingestürzt ist. Durch das Loch scheint Licht hinab. Funfact: Die Leute hier in der Region kennen das Loch schon seit Ewigkeiten, und verwendeten es als Müllhalde. Erst 1938 kam jemand auf die Idee mal nachzugucken, ob darunter vielleicht noch eine Höhle ist.


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Reisetagebuch (8): Wenn der Regen Blasen wirft

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es nach Lecce, eine Frau wird hysterisch und ich erfinde die komplizierteste Methode der Welt um den den Ölstand zu messen.

27.06.2018
„Wenn der Regen Blasen wirft, ist er bald vorbei“, wird mehrfach in dem Buch „Herr Lehmann“ behauptet. Das fällt mir in dem Moment ein, wo die Fahrbahn nur noch aus Blasen zu bestehen scheint. Der Regen fällt mit solcher Heftigkeit in das Wasser, dass es aussieht, als ob die ganze Fahrbahn kocht und brodelt. Dann geht die Welt richtig unter, und die Sintflut schwappt über mir zusammen.

Tricase in Apulien.
Karte: Wikimedia, Nutzer NordNordWest, CC BY-SA 3.0, Ort von mir.


„Schon 10 Tage schlechtes Wetter hier“, hatte am Vorabend Salvatore, der Kellner im „Grotta Matrona“ gesagt. „Aber morgen wird es besser, glaube ich.“

Nun, das Glauben hat nicht viel gebracht. Das denke ich schon am Morgen, als ich auf der Terrasse des Lavaturi frühstücke. Adelheid macht Omelette und zeigt mir dann, wie man es auf italienisch isst: Um eine Scheibe Brot gewickelt. Dazu gibt es frisches Obst aus dem Garten. Ich bin als erster am Frühstückstisch und zum Glück schon fast fertig, als die anderen Gäste eintreffen.

Die anderen, das sind zwei ältere Damen und ein Mann in den Siebzigern mit einem riesigen Schnäuzer im Gesicht. Offensichtlich wohlsituiert, aber anstrengend. Die Frauen sehen verhärmt aus und machen aus allem eine Wissenschaft und ein Drama. Schon als sie die winzige Knuddelkatz von Adelaide sehen, fängt eine der beiden an zu kreischen und zu zucken, die andere möchte über jedes Stück Obst diskutieren und genau wissen, wie Adelaide ihr Omelett macht.

Der Schnäuzermann ist dagegen ruhig und abgestumpft bis an den Rand der Debilität. Der kriegt nix mit. Das weiß ich, weil er gestern Abend plötzlich bei mir im Zimmer stand, während ich mich gerade umzog. Hat er halt nicht mitgekriegt, dass das nicht seins war. Und auch meine lauten Rufe „Signore! DAS HIER IST NICHT IHR ZIMMER“, nahm er lange nicht zur Kenntnis und war dann regelrecht erstaunt, als ich ihn am Arm packte und kurzerhand rauswarf.

Egal, die drei Vollpfosten bin ich ja gleich los. Ich verabschiede mich von Adelaide und trage die Koffer zur V-Strom, die die Nacht unter einem Pflaumenbaum verbracht hat. Dabei spüre ich erste Regentropfen auf dem Kopf. Nicht schon wieder. Egal. Los jetzt. 


Da ich die Grotta Zinzulusa, die einzige große Sehenswürdigkeit in dieser Gegend, gestern schon gemacht habe, fahre ich heute morgen einfach die Küstenstraße entlang nach Norden und um den Hacken Italiens herum. Die Straße ist schön geschwungen und bietet einige tolle Ausblicke.

Bild: Google Earth 2018

Was traumhaft sein könnte, artet schnell in Arbeit aus, denn es stürmt wie irre, und ich muss mich sehr auf´s Fahren konzentrieren. Meine Kopf-Jukebox spielt „Riders of the Storm“. Wie passend.

Bei Otranto halte ich an und mache einen kleinen Spaziergang an der Küste entlang. Der Wind peitscht das Meer gegen die Klippen, Gischt nebelt bis weit in die Landzunge hinein. Ich stehe kurz am Wasser und lasse mich vom Wind durchschütteln, dann gehe ich zurück zum Motorrad.

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Reisetagebuch (7): StormChaser

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute fällt der Tag ins Wasser.

Dienstag, 26.06.2018, Pomarico, Basilikata
Ein Fauchen und Rauschen weckt mich aus dem Schlaf. Uh, das hört sich aber gar nicht gut an. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt die Befürchtung: Es regnet, und die Bäume vor dem Haus werden von einem heftigen Sturm hin- und hergepeitscht.

Ein schnelles Frühstück später trage ich die Koffer zur V-Strom und mache dann die Vakuumrolle mit den Regensachen auf. Ist das erste Mal, das ich die auf dieser Fahrt brauche. Immerhin. Ein schlechter Tag kann gerne mal dabei sein.

Sorgfältig lege ich die „StormChaser“-Regenkombi an und ziehe die Riemen fest, dann streife ich die wasserdichten Handschuhe über. Jetzt kann es losgehen. Die V-Strom röhrt aus dem Unterstand, in dem sie die Nacht verbracht hat, und schlittert über den unbefestigten Hinterhof, der sich über Nacht in ein Schlammfeld verwandelt hat. Außerdem ist er übersät von Maschinenteilen: Alte Quads, Kühlmaschinen aus der Gastronomie und landwirtschaftliches Zeug in verschiedenen Stadien der Zerlegung stehen und liegen hier rum. Sieht mehr wie eine Müllhalde aus hier als wie ein Hotelbetrieb. Egal, das Colle di Siesto ist eine tolle Unterkunft, lass es doch unterm Sofa wie bei Hempels aussehen.

Dann geht es hinaus auf die Bergstraßen und runter von dem Felsmassiv, auf dem Pomarico liegt.


Bild: Google Earth 2018

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Von weiter unten kann ich den Berg sehen, auf dem der Gasthof liegt.

Der Himmel ist dunkel und der Regen wird immer stärker. Ich lasse das Garmin die Wettervorhersage für die geplante Route anzeigen. Die sieht so gemischt aus, leichte und schwere Schauer sollen sich abwechseln. Ich fahre erstmal weiter, ein Auge immer am Horizont. Der sieht dunkel aus.

Dann meldet sich meine virtuelle Copilotin im Helm. „Es wurden Meldungen für die aktuelle Route gefunden“, verkündet Anna und fängt an vorzulesen, was sie an Infos aus dem Netz gezogen hat. „Straßensperrung auf E90. Stau auf 5 Kilometern Länge auf Strada Statale 57. Unsicherer Fahrbahnzustand auf Strada Statale 57. Unfall auf Strada Provinziale 359. Der Verkehr wird einseitig umgeleitet, Staulänge 7 Kilometer. Unsicherer Fahrbahnzustand auf Strada Provinziale 359. Unfall auf…“ Ich breche die Tirade ab. Mittlerweile regnet es stark, und es ist so dunkel als wäre späte Dämmerung.

Ich lasse Anna das Wetterradar starten. Der Bildschirm im Cockpit der V-Strom springt von der Navigationsansicht auf eine Karte der Region um, über die sich langsam Wetterdaten legen, die die rudimentäre KI des Geräts aus dem aus dem Netz holt. Je nach Stärke des Niederschlags färbt sich die Karte ein. Blaue Einfärbungen sind Nieselregen, grüne und gelbe leichter bis mittlerer Regen, und so weiter. Die Umgebung auf der Karte glüht tiefrot, teilweise sogar lila! Offensichtlich ein Starkregengebiet, das über Tarent dreht – ausgerechnet der Stadt, in die ich jetzt eigentlich wollte.

Starkregen erklärt auch die etwas kryptische Meldung des „unsicheren Fahrbahnzustands“, die Anna so gehäuft gefunden hat. Die Straßen, die ich geplant hatte, sind nicht groß und vermutlich stark von LKW frequentiert. Das bedeutet: Spurrinnen und Gummiabrieb, dazu der Staub des süditalienischen Sommers. Das ergibt in Kombination mit Regen eine glitschige Mischung. Wenn dann die Fahrbahn noch mit Bitumen geflickt wird, hat sie ähnliche Reibwerte wie Glatteis. Die zahlreichen Unfälle auf der Strecke legen nahe, dass ich mit diesen Überlegungen nicht ganz falsch liege.

Nein, so ein Abenteuer brauche ich nicht. Ich lasse Anna alternative Wege zur heutigen Unterkunft suchen, und unter den drei Routen, die sie rechnet, ist auch eine, die über die großen und gut ausgebauten Strada Statales führt. Langweilig zu fahren, aber wenigstens sicher. Bei dem Wetter will ich nicht durch Orte und über kurvige und kaputte Regionalstraßen gurken. Bei so einem Wetter will ich mir auch nichts ansehen. Lieber liege ich den Rest des Tages in der Unterkunft auf dem Bett und lese, als das ich mir hier weiter den Regen um die Ohren klatschen lasse. Ich gebe Gas und steuere die Barocca zügig in das Regengebiet. Der Wind frischt weiter auf. “ So muss es sich anfühlen, durch einen Tropensturm zu fahren“, denke ich, während das Motorrad ordentlich durchgeschüttelt wird.
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Reisetagebuch Motorradtour (6): Mach Deine Hausaufgaben

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es durch die Basilicata, die V-Strom sprüht Funke, eine Straße geht steil und nebenbei werden die Lieblingswerkzeuge zu Reisevorbereitung vorgestellt.

Gott, bin ich müde! Beim Schreiben dieser Zeilen fallen mir die Augen zu. War aber auch ein langer Tag und vorher schon klar. Ich plane ja sowas. Intensiv. Always do your resarch, mach Deine Hausaufgaben! Je mehr Zeit man in die Vorbereitung investiert, desto weniger Stress hat man später, und umso mehr hat man von der Reise. Ich nehme mir damit keine Spontanität, ich steigere mit Planung die Intensität. Bis zur Erschöpfung.

25.06.2018, Monte Sant´Angelo, Apulien
Zwölf Stunden früher: Im Zimmer ramentert es, was mich aus dem Schlaf reisst. Ich bin nicht ganz sicher, ob mich das Ehepaar im Zimmer nebenan geweckt hat, das sich anscheinend über das Fernsehprogramm streitt, oder ob es das Wiesel ist, das seine verfilzte Nase in die Morgenluft über dem Golf von Manfredonia hält.

Zu meiner Überraschung hat sich die Geburtstagsgesellschaft, die bis spät in die Nacht vor meinem Hotelzimmer gefeiert hat, komplett aufgelöst und ist verschwunden. Im Frühstückssaal bin ich nämlich allein. Interessant, die die haben gefeiert bis in die Puppen, aber übernachtet hat hier anscheinend keiner der Partygäste.

Sind die etwa alle letzte Nacht noch besoffen nach Hause gefahren? Ich lasse die Kuchengabel fallen und renne vor´s Haus. Puh, die V-Strom steht noch in der Zufahrt des Parkplatzes, ohne einen Kratzer. Hätte mir noch gefehlt, das ein Partygast die Karre umfährt.

Zwischen Monte Sant´Angelo und meinem ersten Ziel an diesem Tag liegen nur 30 Kilometer. Es ist warm, und die V-Strom summt in einem Tal im Bergmassiv des Gargano entlang und zum nächsten größeren Ort. Die Gegend hier ist ziemlich verlassen, nur ein paar Schafe gucken dem Motorrad hinterher.

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Bei dem Ort, zu dem ich nun will, handelt sich um San Giovanni Rotondo. Das ist eine kleine Stadt, aber einer der bekanntesten Orte Italiens. Kennt aber außerhalb des Landes kaum jemand. Solche Orte findet man, wenn man seine Hausaufgaben macht. So nenne ich die Vorbereitung einer Reise.

Von Monte Sant´Angelo im Osten nach San Giovanni Rotunda, rund 30 Kilometer.
Bild: Google Maps

Unter „Hausaufgaben machen“ gehört die Beschäftigung mit Land oder Region und den jeweiligen Eigenarten. Dabei helfen mir oft klassische Reiseführer, also gedruckte Bücher auf Papier(!). In den vergangenen Jahren haben sich aber auch Bild- und Fotobände bewährt, um Ziele zu finden, wo ich dann spontan sage: Da möchte ich hin!

Bei den elektronischen Medien nutze ich das bekannte Trip Advisor witzigerweise so gut wie gar nicht. Zu verschieden sind meine Vorlieben und die Empfehlungen der Masse, die Trip Advisor abbildet, darum finde ich nur selten Orte und Aktivitäten darin, die mich ansprechen.

Sehr cool und von mir gerne benutzt ist hingegen der Atlas Obscura, eine Sammlung von Orten, die von ungewöhnlich über skurril bis hin zu eklig reichen. Mein allerwichtigstes Planungstool ist Google Maps. Damit berechne ich nicht nur Etappen, damit suche ich auch, in der Satelitenansicht, nach interessanten Orten. Spätestens damit wäre mir San Giovanni Rotondo aufgefallen, denn mitten in dem Dorf steht das hier:

Bild: Google Maps 2018

Das will ich mir jetzt ansehen!

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Reisetagebuch Motorradtour (5): Das platte Land

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es in den Mezzogiorno und in den Umbrawald, wo die Umbrahexen wohnen.

Sonntag, 24.06.2018, Hotel Tremonti, Popoli
Es ist kurz nach sechs, und die beiden alten Männer im Nebenraum ratschen wie die Waschweiber. Kaum sind sie wach, was leider sehr früh ist, quatschen sich die beiden eine Naht zusammen. Durch die Verbindungstür zwischen unseren Zimmern klingt es, als ob die beiden links und rechts an meinem Bett stehen und sich über mir unterhalten. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, das Gesabbel geht selbst durch die Ohrenstöpsel. Ich seufze, setze mich auf und blicke auf die Uhr. Scheiße. Ich wollte zwar früh los, aber doch nicht SO früh.

Als ich in den Frühstücksraum komme, wartet die nächste unangenehme Überraschung. Trotz der frühen Uhrzeit ist das Buffet schon leergefressen. Die Buslandung Rentner, die gestern Abend eingetroffen ist, hat sich wie ein Schwarm Heuschrecken darüber hergemacht und in Rekordzeit alles vertilgt. Jetzt stehen überall widerlich gutgelaunte, sportlich aktive und in Membranklamotten eingeschweißte Senioren herum und schnattern. Mißmutig ignoriere ich die letzten Kuchenkrümel, die wie die Überbleibsel eines Schlachtfelds auf verwüsteten Tellern herumliegen, nehme mir einen Espresso, stürze den runter und trage dann die Koffer zum Motorrad.

Sofort steht eine Traube Senioren um das Motorrad und inspiziert meine Startvorbereitungen. Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen und gehe meine Pre-Start Checkliste durch.

Koffer fest in Halterung und gesichert? – Check.
Topcase verschlossen und fest in Halterung? – Check.
Bremsscheibenschloss ab? – Check.
Navi fest in Halterung? – Check.
Helm eingeschaltet? – Check.
Jacke geschlossen und Kalibrierung läuft? – Check.
Handy, Portemonnaie, Schlüssel und Tracker sind alle da und stecken in den richtigen Taschen? – Check.

Jeder Handgriff sitzt, kein prüfender Blick ist überflüssig. Ich brauche dieses bewusste Durchgehen, nur für mich selbst. Wenn ich jetzt nicht bewusst diese Sachen prüfe, werde ich spätestens nach einem Kilometer auf der Straße denken „Sitzt das Topcase WIRKLICH fest?“ oder „Habe ich den Schlüssel wirklich dabei?“ – und dann werde ich wieder anhalten, absteigen und nachgucken. Besser jetzt all dieser Sachen versichern und beruhigt losfahren.

Ich lasse den Motor an und hebe das Motorrad vom Ständer.

Seitenständer weg? – Check.
Navi läuft und Route für heute ist geladen? – Check.
Bluetoothverbindungen zwischen Motorrad, Navi und Helm stehen? – Check.
Jacke ist kalibriert und Airbagsystem läuft? -Check.
Reifendruck OK? – Meeep, nein.

Anna meldet sich in meinem Helm. Der Reifendruck ist zu niedrig, signalisiert sie. Ich ignoriere das und fahre los, steuere um die Absperrung der Hoteleinfahrt und lasse die Aktivsenioren hinter mit zurück.

Das mit dem Reifendruck ist OK so. Ich habe den eingestellt als draußen 25 Grad waren. Diese Temperaturen werden ich in den kommenden Tagen auch wieder erleben. Aber heute Morgen, hier oben in den Bergen, haben wir gerade 10 Grad. Da darf der Druck etwas zu niedrig sein. Sobald ich aus den Bergen raus bin und es wieder wärmer wird, passt alles wieder.

Popoli liegt zwar nur 250 Meter über dem Meeresspiegel, aber in den Ausläufern der Abbruzzen, des großen Gebirges in der Mitte Italiens. Karte: Wikimedia, Nutzer NordNordWest, CC BY-SA 3.0

Ich gebe Gas und fahre die Staatsstraße Richtung Pescara. Das Navi besteht darauf, auf die Autobahn zu wollen, aber ich bleibe stur auf der SS05. Das beschert uns schöne Anblicke von Weinbergen und eine nette Kurverei. „Sie befinden sich nicht auf der schnellsten Route. Bitte wenden sie“, nörgelt mir die virtuelle Copilotin ins Ohr. „Anna, sie haben eindeutig zu wenig Sinn für Romantik“, erwidere ich und ziehe die V-Strom der Morgensonne entgegen.

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Immer neben der Autobahn her: Kurvige und schöne Staatsstraße. Bild: Google Earth 2018.

Vor Pescara biege ich ab. Jetzt geht es nach Süden, die Küste hinunter.

Bild: Google Earth 2018.

Das macht so mittelviel Freude, wie fast überall in Italien ist auch hier die Küste so eng bebaut, das man vom Meer nur selten etwas sieht. Dafür fährt man an endlosen Reihen von Restaurants und Fertighäusern vorbei. Aber manchmal blitzt doch das Meer zwischen ihnen durch, und dann fühlt sich das hier auch an wie eine Küstenstraße.

Bei Marina di San Vito halte ich an und stelle die Barocca an der Strandpromenade ab.


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Reisetagebuch Motorradtour (4): Ich war im Himmel, dort ist es sehr kalt

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Nach einer Woche Pause geht es heute weiter, in einer Gewalttour von der nördlichen Toskana bis hinter die Abbruzzen.

Samstag, 23.06.2018
Und dann ist die Woche auf I Papaveri schon wieder vorbei. Sieben Tage lang „Alls kann, nichts muss“. Sieben Tage, in denen ich hauptsächlich am Strand rumlag, ein wenig Motorradfahren geübt und ansonsten nichts getan habe, aber das bei strahlendem Wetter. Jetzt packe ich meine Sachen zusammen und verstaue sie sorgfältig in den Seitenkoffern. Die Koffer werden in die Kofferhalter am Motorrad eingeklickt, und dann mit Rok Straps gesichert. Die Gurte sind neu, eine Last Minute Ergänzung vor der Abreise.

Givi Koffer, hatte ich immer gedacht, können schon aufgrund ihrer genialen, selbstsicherenden Konstruktion gar nicht währen der Fahrt abhanden kommen. Bis X-Fish mich eines bessern belehrte, anscheinend ist es unter gewissen Umständen doch möglich, Givis zu verlieren.

Ob das nun stimmt oder nicht spielt keine Rolle: Die neuen Gurte geben mir mehr Sicherheit. Ich muss nun auf Rumpelstrecken nicht dauernd in die Rückspiegel gucken, ob das Gepäck noch da ist. Und da die Gurte am Motorrad bleiben, macht die zusätzliche Sicherung wenig Aufwand, und ich kann sie sogar verwenden, um damit Dinge auf der Sitzbank festzuzurren.

Es ist Samstag, und schon um kurz vor Sieben steht die Barocca fertig beladen vor dem Tor.

Ein kurzer Blick zurück, dann geht es los. Von Franca und Licio habe ich mich gestern schon verabschiedet. Die alten Herrschaften sind zwar Frühaufsteher, aber so früh dann doch nicht. Freiwillig wäre ich auch nicht um 6 Uhr aufgestanden, aber nach einer Woche Stillstand liegt heute eine lange Reiseetappe vor mir. Die ist selbst nach meinen Maßstäben ordentlich.

Das frühe Unterwegs sein hat noch einen anderen Nebeneffekt: Um diese Zeit ist es noch nicht so brütend heiß, dass macht es einfacher, die fast leere SS01 zu fahren. Parallel zu Küste geht es nach Süden, 130 Kilometer, an Grossetto vorbei und auf der Höhe von Capalbio von der Schnellstraße runter und ins Landesinnere.

Es ist sehr stürmisch, und die Fahrt dementsprechend unruhig. Immer wieder wird die Barocca von Windböen gepackt und durchgeschüttelt. Die große Maschine bietet dem Sturm ordentliche Angriffsflächen, bleibt aber immer beherrschbar. Dunkle Wolkenbänder ziehen über den Himmel, aber regnen tut es zum Glück nicht.

Sonnig, aber stürmisch.

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Motorradsaison 2018: Die Top 5

Am Ende einer Saison ist es immer ganz gut, mal kurz inne zu halten und zu reflektieren: Was hat in Sachen Motorrad, Reisen und Ausrüstung gut funktioniert, was war ärgerlich und wird besser ausgetauscht?

In diesem Jahr lag mein Schwerpunkt eher auf der Erneuerung meiner Schutzausrüstung als auf Basteleien an den Maschinen, dementsprechend sind die Listen sehr Textillastig. (hier die Flop 5)

Heute: Die Top 5

5. Flexible Wäscheleine

Zwei vertüddelte Gummibänder mit Haken an den Enden, das ist alles. Dieses Simpelding hat mir auf den letzten Reisen viel Freude bereitet.

In die verdrehten Gummisehnen kann man die Wäsche direkt einklemmen, man braucht keine Wäscheklammern. Dadurch, dass ich nun unterwegs mehr trocknen kann, muss ich noch weniger Klamotten mitnehmen. Völlig super. Auf dem Bild ist noch die Bungee Clothesline von Coghlans zu sehen, mittlerweile nehme ich aber eine von Pearl mit. Die ist leichter und nimmt weniger Platz weg, außerdem liegt ein Universalstöpsel für Waschbecken bei. Für 6,90 Euro die beste Anschaffung des Jahres.

4. „Adventurescheibe“ von Powerbronze

Die V-Strom ist ein tolles Motorrad, aber nicht ohne Probleme. Sie ist groß, und man sitzt mehr in als auf ihr. Die Kanzel ist meterweit weg, und dadurch gibt es Luftwirbel, die dem Fahrer auf den Helm ballern. Das gibt Kopfschmerzen und taube Ohren. Die meisten V-Strom-Fahrer nutzen deshalb schrankwandgroße Scheiben von Drittanbietern, hinter denen es windstill ist. Das sieht nicht nur seltsam aus, sondern verhindert auch zuverlässig die Belüftung des Helms.

Mein Bestreben war es deshalb, eine Scheibe zu finden, die den Windstrom über die Schultern, aber unter dem Helm durchleitet. Nach mehreren Fehlversuchen mit Sportscheibe und Originalscheiben habe ich nun die ideale Scheibe für mich gefunden: Die Adventurescheibe der britischen Manufaktur Powerbronze. Extra für mich gemacht und importiert. Leider nicht besonders kratzfest, aber von der Form her genau das, was ich wollte. Die kurze Scheibe ist sicher nicht für jeden was, zumal nun auch das Navi ungeschützt dem Regen ausgesetzt ist, aber für mich und in wärmeren Gefilden genau das Richtige. Danke für den Tip, Leser DL650R.

3. Alpine Stars Tech Air

Hä? Die Alpine Stars Airbagjacke taucht doch auch in den Flop 5 auf, odr? Stimmt. Sie ist schwer, für Reisen kaum zu gebrauchen und meine hatte nach einigen Wochen Fehler. Aber: Es ist eine f…ing Jacke mit einem rundum-Airbag! Sie ist völlig autark: Kein Rumfummeln mit Reissleinen, keine Anbauteile am Motorrad. Wenn die Kalibrierung funktioniert, tut sie das so zuverlässig, dass man völlig vergisst, was man da trägt. Während der Fahrt sowieso, und wenn man nicht gerade bei 30 Grad auf Berge klettert, ist sie völlig OK. Dazu kommt die exzellente Verarbeitung der Jacke an sich sowie die Tatsache, dass sie der Airbag auch in andere Alpine Stars-Jacken einklippen lässt. Verdienter dritter Platz.

2. Vanucci VC1 Handschuhe

Absolut wasserdicht, leicht, so gefüttert, dass sie zwischen 5 und 20 Grad nutzbar sind. Die neuen sind ein wenig steifer als die Vorgänger, aber das kann auch daran liegen, dass ich die alten acht Jahe lang getragen habe.

1. Daytona Touring Star GTX

Jeder ernsthafte Moppedfahrer schwört auf Daytonas, die Stiefel aus der gleichnamigen Manufaktur in Bayern. Ein Daytona-Stiefel besteht aus bis zu 185 Einzelteilen, die per Hand zusammengebaut werden. Die Stiefel haben eine Metallplatte in der Sohle und sind absolut wasserdicht. Geht ein Stiefel kaputt, auch nach Jahren, kann man den einschicken, und Mitarbeiter von Daytona versuchen den nach der eigentlichen Arbeitszeit in Handarbeit zu reparieren.

Als ich mit dem Motorradfahren wieder anfing, waren mir Daytonas viel zu teuer. Dann musste ich von Nürnberg mit den Füßen in eiskaltem Wasser fahren und erkannte, dass Napoleon recht hatte: Es gibt kaum etwas wichtigeres als trockene und warme Füße! Die Alpine Stars Web Goretex war danach meine erste Wahl, weil die sicher, leicht und wasserdicht waren. Die kaufte ich dann 2016 noch einmal, weil mir wegen einer Fuß-OP andere Stiefel nicht passten. Leider ist die Alpine Stars Qualität nicht mehr so supi, und deswegen sind es nun Daytonas geworden, der Touringstar GTX von Louis, der Baugleich ist mit dem normalen Road Star GTX. Erster Eindruck: Geil. Fest, wertig, ein echter Kracher. Auch kilometerweit durch Städte laufen geht damit, auch wenn sie deutlich schwerer sind als die Alpine Stars und so steif, das es irgendwann Blasen gibt. Aber vielleicht ändert sich das noch.

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Reisetagebuch Motorradtour 2018 (3): Interludium

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Eigentlich. Heute gibt es eine Unterbrechung.

17.-22.06.2018, „I Papaveri“, San Vincenzo
Eine Woche werde ich auf I Papaveri sein. Ging nicht anders, so kurz vor der Hauptsaison vermieten Licio und Franca ihr Appartement „La Conchiglia“ nur noch wochenweise. Fand ich erst ein wenig doof, weil ich dieses Mal gerne nur kurz Zwischenstation hier gemacht hätte. Drei, vier Tage Pause würden reichen, dachte ich.

Denkste.

Mein Körper sagt jetzt etwas anderes. Er erinnert mich daran, wie anstrengend die letzten Monate waren, und dass es gerade alles genug war und ein wenig Ruhe nicht schlecht wäre. Ich gebe dem nach, und bevor ich mich versehe, schlafe und schlafe und schlafe ich.

Ich schlafe morgens lange und quäle mich erst gegen Mittag aus dem Bett, dann fahre ich an den Strand im Nachbarort Castagneto Carducci. Kaum dort angekommen und einmal ins Wasser gehüpft, schlafe ich unter dem Sonnenschirm ein.

Wieder auf I Papaveri bin ich so kaputt, dass ich auf der Couch einschlafe. Dabei träume ich oft und viel und am Anfang von der Arbeit, aber das wird immer weniger. Es ist, als ob ich den Stress der letzten Monate im Unterbewusstsein aufarbeite und wegschlafe.

Wenn ich wach bin, mache ich nur profane Dinge, wie zum Markt fahren und einkaufen oder kochen oder lesen.

Kochen ja, aber nichts Aufwendiges.

Anfangs kommt mir das ein wenig wie Verschwendung vor. Ich habe Urlaub, bin mit dem Motorrad in Italien, und was tue ich? Pennen und Hausarbeit. Erst langsam dämmert mir, dass ich diese Ruhe bitter nötig habe. In den vergangenen Wochen fühlte ich mich oft schlagartig hohl und leer, und in diese Leere schlichen sich Traurigkeit und ein tiefes Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung.

Für diese Gefühle gab es objektiv keinerlei Grund, privat und auf der Arbeit läuft alles super, und dennoch kamen diese Attacken aus dem Nichts immer häufiger. Jedes Mal hatte ich trotzig die Lippen zusammengepresst und die Traurigkeit Mal um Mal beiseite geschoben. Aber oft genug hätte ich einfach losweinen können. Dazu kam die andauernde Müdigkeit. Das ganze erste Halbjahr war ich müde und kraftlos und musste mich oft zusammenreissen, um morgens überhaupt aufzustehen.

So ein Mix aus tiefer Erschöpfung und den Gefühlen von Hoffnungslosigkeit, Leere und Trauer gibt es in der geistigen Welt jedes Menschen. Es ist die Grenze zwischen normalem und zu viel Stress. Ich stelle es mir wie ein graues Band vor, das in der Peripherie lauert, ganz am Rand der eigenen Wahrnehmung. Wenn ich dauerhaft Stress ausgesetzt bin, wächst das graue Band, es wird breiter und verengt erst meinen Blick, dann mein Leben.

Am Ende schaue ich wie mit einem Tunnelblick in die Welt. Das ist natürlich nicht gesund, aber das Schlimme ist: Ich merke das manchmal nicht. Dann sagt mir mein Körper irgendwann, dass es jetzt reicht. Ich werde zwar so gut wie nie krank, aber wenn ich sowas passiert wie die Panikattacke neulich, dann weiß ich: Jetzt ist das Limit erreicht, noch Bißchen weiter, und ich bin über die Grenze. Soweit war es jetzt zum Glück noch nicht, aber an dieser Grenze war ich viel zu dicht und ungesund lange.

Aaah, schwimmen im Meer.

Ab dem dritten Tag fühle ich mich fitter und schlafe weniger. Jetzt schwimme ich viel im Meer, und das warme Wasser und die Wellen spülen über meinen Körper. Jeder Schwimmzug wäscht die Gedanken und Sorgen, die Traumfetzen und die Verspannungen Stück für Stück weg. Ich muss an nichts denken, niemand zwingt mich irgend etwas zu tun. Entscheiden muss ich nur, was es heute zum Abendessen gibt.

Jedes Mal, wenn ich aus dem Wasser steige, bin ich ein Bißchen mehr wieder ich selbst. Ich finde meine Ruhe wieder, und mein Selbstvertrauen, und meine Souveränität wieder.

Wie ich dieses Wetter genieße! In den vergangenen drei Jahren war das Wetter in San Vincenzo immer schlecht, wenn ich hier war, nun ist es fantastisch: Bei fast 30 Grad brennt die Sonne herab, aber am Strand wird die Hitze durch eine angenehme Brise erträglich, und das Appartement ist auch kühl.

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Motorradsaison 2018: Die Flop 5

Am Ende einer Saison ist es immer ganz gut, mal kurz inne zu halten und zu reflektieren: Was hat in Sachen Motorrad und Ausrüstung gut funktioniert, was war ärgerlich und wird besser ausgetauscht? In diesem Jahr lag mein Schwerpunkt eher auf der Erneuerung meiner Schutzausrüstung als auf Basteleien an den Maschinen, dementsprechend sind die Listen sehr Textillastig.

Heute: Die Flop 5

5. Gasgrifffeststeller von Time2Ride

Ein 3d-gedrucktes Ding um den Gasgriff festzustellen.

Funktioniert wie beworben, war mir dann aber für die Benutzung doch zu gefährlich. Ich wollte es eigentlich im Ausland nochmal länger testen, aber anscheinend war mein Unterbewusstsein dem gegenüber so abgeneigt, dass ich das Ding verbaselt und bis heute nicht wiedergefunden habe.

4. Alpine Stars Web Goretex-Stiefel, Modell 2016

Jahrelang war ich mit meinen Alpine Stars hoch zufrieden: Leichte, aber sehr sichere Stiefel, die zum Fahren wie auch zum Herumlaufen taugen. Leider verschleißt die neue Generation von Alpine Stars Brot- und Butter Tourenstiefel im Zeitraffer: Nach nur zwei Saisons Sohle abgelaufen, ausgelatscht in den Knöcheln, Oberflächen an der Spitze verkratzt und zerrödelt. Besonders Schlimm aber: Wassereinbruch nach einer Stunde Starkregen. Der Vorgänger war besser verarbeitet und hundert Prozent wasserdicht. Geht gar nicht, sowas.

3. Alpine Stars Tech Air


Jacke mit integeriertem Airbag. Schwer, für Reisen nicht wirklich geeignet, nach wenigen Wochen kaputt. Andererseits: Spitzenservice des Herstellers, Außenjacke von erstklassiger Qualität und vom Gewicht halt gerade doch so eben noch tragbar. Deshalb auch in den Top 5 auf demselben Platz vertreten.

2. Alpine Moto Gehörschutz 2018


Die neue Generation des besten Gehörschutzes für Motorradfahrer ist da, und sie ist… nicht zugebrauchen. Vorher wurden Filter aus Hartplastik in Silikonpilze eingesetzt. Jetzt sind die Filter auch nur aus Silikon gegossen und fest am Silikonpilz angebracht. Gefühlt dämpft das nich so gut wie früher, vor allem aber sind die Ohrstöpsel jetzt kürzer und schlanker – was dazu führt, das sie mir mehrfach so tief in den Gehörgang gerutscht sind, dass ich sie nicht mehr raus bekam. Die kürzeren und weicheren Enden kann ich mit den Fingerspitzen nicht mehr greifen. Die Materialeinsparung beträgt vielleicht gerade mal 3 mm – aber das reicht für den Flop Platz 2. Größe zählt eben doch.

1. Nolan N100.5

Die neueste Generation des Tourenhelms von Nolan. Eine echte Schönheit, über den die Presse schrieb, er sei unheimlich leise. Vermutlich haben die aber nur aus der Pressemitteilung von Nolan abgeschrieben, denn: Der 100.5 ist ab 80km/h wirklich ohrenbetäubend laut, selbst mit Gehörschutz. Grund: Kleinere Polster, die die Ohren zur Hälfte freilassen. Praktisch unbrauchbar.

Sonderpreis für physikalischen Unfug: Vanucci Summer Dry Handschuhe

Sommerhandschuhe mit einer absolut luftdichten Versiegelung, in der man sich tot schwitzt.

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Reisetagebuch Motorradtour (2): Die geheime Festung

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht´s tief in die Berge, eine Wurst geht auf den Sack und wir erfahren den wahren Grund für die V-Strom.

Samstag, 16. Juni 2018, Gotthard-Pass, Schweiz
„Prooobleeeeme?“, sagt eine Stimme mit einem einem langsamen, schweizer Einschlag. Diesem Einschlag, der das „R“ rollt und jeden Digraph (das ch, den reibungslosen Stimmlaut im Hochdeutschen) in krächzige Hustlaute verwandelt. Ich blicke unter der V-Strom hoch. Über mir steht ein großer Mann mittleren Alters. Unter einem grauen Stoppelhaarschnitt gucken zwei Augen hervor, deren Lider auf Halbmast gezogen sind. Der Mann spricht nicht nur wie in Zeitlupe, er guckt auch ein wenig wie ein Rindvieh. Er trägt eine neongelbe Warnweste, in deren Brustfenster eine Pappkarte mit dem Logo des Motorradherstellers Triumph gesteckt.

Ohne den Blick von mir abzuwenden, beißt der Mann in eine fette Bratwurst, Seine Kiefer beginnen mit Mahlbewegungen, die aussehen, als wollte er die Wurst wiederkäuen. Bratwurst zum Frühstück, interessante Wahl.

„Nee“, sag ich. „Keine Probleme“. Dann wende ich mich wieder der V-Strom zu, ziehe die letzte Schraube fest und gehe zur anderen Seite hinüber. Sofort steht ein kleiner Mann neben dem Motorrad und deutet auf einen Schraubendreher, den ich auf der anderen Seite habe liegen lassen. Aufgeregt hüpft er auf uns ab und deutet auf das Werkzeug. „Aber den nich´vergessen, nä?“. „Nein, den vergesse ich schon nicht. Danke.“, sage ich durch zusammengebissene Zähne. Der kleine Mann hoppelt mit einem seltsamen Hüpfgang davon.

Derweil hat sich das Rindvieh in eine eigene Welt hineingekäut. In dieser Welt führen wir offensichtlich eine Konversation, denn unvermittelt und für Außenstehende völlig zusammenhanglos bricht es aus ihm hervor „Du, wenn du Käse magst, empfehle ich Dir das Muggschä.“

Ich blicke in irritiert an und sage „Danke“.

Was ist nur mit den Moppedfahrern los, dass die sich immer in Gruppen zusammeklumpen müssen? Ich meine, es ist ja schön, wenn Gleichgesinnte sich zuammenfinden und gerne Touren gemeinsam machen, aber diese spontane Rudelbildung ist es, die mir missfällt. Ich will nicht bei jedem Halt von fremden Leuten angequatscht werden, nur, weil wir zufällig beide benzingetriebene und zweirädrige Fahrzeuge dabei haben. Das reicht nicht für eine tiefere Verbindung. Zumal meine Vorstellung vom Moppedfahren eh eine andere ist als die der meisten anderen.

Habe ich heute morgen erst wieder gemerkt, als ich vom Brünigpass aufgebrochen bin. Dort hatte ich mich in aller Frühe von Gaby verabschiedet, um vor allen anderen – so dachte ich – auf der Straße zu sein.

Die Barocca hatte die Nacht, in der es ordentlich gestürmt hatte, gut hinter dem Gasthaus verbracht.

Der Brünigpass liegt zwar nur auf 1.000 Meter Höhe, aber 9 Grad war es nicht gerade warm (vom Motorradthermometer muss man immer 4 Grad abziehen).

Spielte aber keine Rolle, denn kalt war mir keinen Moment – die Sonne schien schon aus allen Knopflöchern. Sie blendete geradezu vom Himmel herab, im wahrsten Sinne des Wortes: Gegen die Sonne zu fahren, das kam an diesem Morgen an einigen Stellen einem Blindflug gleich. Trotz Sonnenschild im Helm.


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New Gear 2018: Bäh, Handschuhe

„Zwei Paar Handschuhe und ein Paar Stiefel soll man als Moppedfahrer haben, das ist die goldene Regel“.

Gut, die Regel ist nicht golden. Sie ist nicht mal in Stein gemeißelt. Sie ist von mir selbst gemacht, also vermutlich eher aus Sperrholz oder so. Bislang fuhr ich immer gut mit der Regel, bis ich dieses Jahr gegen sie verstoßen habe. Was natürlich doof war, Regeln gibt es immerhin nicht aus Spaß an der Freud.

Die Strafe folgte auf dem Fuß: Ich war gezwungen Handschuhe zu kaufen. Ausgerechnet! Dabei war ich SO froh, dass nach dem unsäglichen Jackendrama und dem Albtraumhosenkauf das Thema Moppedbekleidung für dieses Jahr eigentlich durch sein sollte. Aber es kam, natürlich, anders. Handschuhe kaufen, BÄH!

Bislang hatte ich immer zwei Paar Handschuhe zum Motorradfahren: Ein Paar von Reusch, ungefüttert, aber mit starken Protektoren und Nietenbesatz, für Temperaturen über 20 Grad.

Das zweite Paar von der Eigenmarke „Vanucci“ von Louis. Membran, Thermofutter, aber nicht zu dick. Die Dinger deckten die unglaubliche Bandbreite zwischen 5 und 20 Grad ab und waren absolut wasserdicht. Die beiden Paare deckten bislang praktisch alle Eventualitäten ab. BTW: Die Ansage mancher Handschuhersteller, dass ein Handschuh für alle Jahreszeiten gleichermaßen tauge, ist Marketinggewäsch. Das funktioniert nicht. Aber zwei Paare, das taugt.

Den ersten Fehler beging ich, als ich dachte „Hm. Wenn nun Sommer ist, und es regnet – wäre doch nett leichte, ungefütterte und trotzdem wasserdichte Handschuhe zu haben, oder?“

Ich suchte und suchte und landete wieder mal bei Vanucci. Die „Summer Dry“ haben großzügige Mesheinsätze, eine wasserdichte Membran und kein Innenfutter.

Sowas gibt es nicht all zu oft, und das hat einen Grund, wie ich bald merkte: Diese Kombination funktioniert einfach nicht.

Das merkte ich aber erst, als ich auf Sommerreise war, und das Gefühl hatte, mich darin verrückt zu schwitzen. Ich konnte die echt nie lange tragen, die waren totes Gewicht im Reisegepäck. Tja, hätte ich mal meine eigene Regel befolgt. Zwei Paar Handschuhe reichen, das dritte ist Unfug.

Der Grund, warum die „Summer Dry“ unerträglich sind: Die Membran verhindert zuverlässig, dass die Lüftungslöcher ihren Job machen können. Im Handschuh bekommt man vom Fahrtwind nichts mit, die Mesheinsätze sind völlig sinnlos.

Membranen funktionieren zudem nur dann, wenn zwischen Innen und Außen, sprich Körper und Umwelt, ein ausreichend starkes Temperaturgefälle herrscht. Das tut es im Sommer aber nicht. Resultat: Die Membran wirkt wie eine Plastiktüte. Man schwitzt sich darin tot, nach 10 Minuten baden die Hände im eigenen Schweiß und bekommen nicht mal Fahrtwind ab.

Ich habe das mal als Lehrgeld verbucht. Sommerhandschuhe mit Mebran können physikalisch schon nicht funktionieren. Die Summer Dry von Vanucci taugen auch bei kühlerem Wetter nichts: Die Outdry-Membran so schlecht laminiert, das sie sich in den Fingern löst. Beim Ausziehen zieht man de Membran dann gleich mit raus.

Aber egal, ich hatte ja immer noch meine beiden bewährten Paare. Dachte ich. Bis X-Fish von durchgerödelten Handinnenflächen bei seien Sommerhandschuhen berichtete. Da inspizierte ich meine geliebten Reusch etwas näher, und was soll ich sagen… 10 lange Sommer, in denen ich das Leder in meinem Schweiß getränkt habe, haben ihren Tribut gefordert. Abnutzung und Hautschweiß haben das Leder ganz dünn und mürbe gemacht.

Unmittelbar vor der Sommerreise mussten daher schnell neue Sommerhandschuhe her, am besten wieder gute mit Protektoren. Problem dabei: Ich habe lange, schlanke Finger, aber breite Handteller. Für sowas schneidern die Markenhersteller nicht. Alpine Stars sowieso nicht, die verkaufen nur Kindergrößen (im ernst, unter „XXL“ muss man bei denen gar nicht erst anfangen zu gucken). Ich war Willens es mit Held zu probieren, aber eine Probefahrt später merkte ich, dass die zu eng saßen und eine Naht vorne so auf die Fingerkuppen drückte, dass die Hände einschliefen.

Offensichtlich habe ich Vanucci-Hände, denn hier passten die Sommerhandschuhe am besten. Zähneknirschend kaufte ich die. Zähneknirschend deshalb, weil ich Vanucci in Punkto Abriebfestigkeit und Haltbarkeit der Nähte bei einem Unfall kein Stück traue. Mit ihren Lederdoppelungen und dem keramischen Superfabric sind die hoffentlich besser als der ganz billige Chinamist, aber mit Sicherheit sind die qualitativ weit von Alpine Stars oder Dainese. Aber was soll ich machen, wenn die nicht passen?

Vom Tragekomfort her sind die „Vanucci Summer Touring III“ auf jeden Fall prima. Sie sind leicht, und durch die Mesheinsätze auch gut belüftet. Sie haben keine Hartschalenprotektoren auf den Knöcheln, nur Superfabric. Am Anfang fusseln sie etwas und machen die Hände schwarz, das ist aber nach der zweiten, dritten Fahrt vorbei.

Den Sommer über habe ich die Dinger echt zu schätzen gelernt. Also alles gut, wieder zwei Paare vernünftige Handschuhe am Start, die Qual des Einkaufs überstanden? Nee, natürlich nicht.

Auf der Rückfahrt aus dem Sommer kam ich in Starkregen, und guess what? Genau, meine absolut wasserdichten, dickeren Handschuhe waren plötzlich undicht. Nach fast 10 Jahren hat sich hier die Membran verabschiedet. Dummerweise gibt es die Vanucci V-Tech nicht mehr. Glücklicherweise gibt es einen Nachfolger, den VC1. Und den gab es jetzt gerade im Angebot.

Die Protektoren sind immer noch genauso weich wir früher, aber sowas verbauen jetzt alle Hersteller. Die Zeiten der martialischen Carbonschalen auf Tourenhandschuhen sind bei den meisten vorbei.

Auf den Innenseiten ist, wie bei den Sommerhandschuhen auch, Superfabric eingelassen.

Das Futter ist nicht superdick, aber warm, und die Outdry-Membran ist ordentlich verarbeitet und absolut wasserdicht.

Damit habe ich sie wieder, die beiden Handschuhpaare, die jeder Moppedfahrer braucht.

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Reisetagebuch Motorradtour 2018 (1): Das Vitra, der Muger und die Gaby

Freitag, 15.06.2018, Klein-Kems bei Basel

Klein-Kembs? Kleinkems? Klein Chems? Lustig, allein an der Verwirrtheit des Ortes über seinen Namen lässt sich schon ablesen, wo ich hier bin: In der Nähe von Basel, genau im Dreiländereck zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Hier ist nicht nur alles mehrfach benamst, es ist auch das Bermudadreieck der Telekommunikation, wahlweise weißer Fleck auf der Karte der Funkabdeckung oder schwarzes Loch, was Empfang angeht.

In der Gaststube des „Blume“, in der gestern Abend die Einheimischen noch launig die Bierhumpen weggezecht haben, gibt es ein bodenständiges Frühstück. Dazu bodenständiges WLAN, das heute sogar am Internet hängt. Ich halte mich nicht lange auf, schlinge ein Brötchen herunter, kippe einen Kaffee hinterher und schwinge mich dann sofort auf die V-Strom. Es ist nicht mal acht Uhr, als die Maschine aus Klein-Kembs(?) herausrollt.

Anna bootet sich in meinen Helm und meldet Einsatzbereitschaft. Anna ist die Stimme des Garmin-Navigationsgeräts, das vor mir an der Gabelbrücke befestigt ist. Es kann ein wenig mehr als normale Navis. Unter anderem ist es mit Sensoren an den Reifen vernetzt, es hat crowdgesourcte Datenbanken über Verkehrsüberwachungen eingepatcht, und es hängt am Internet, aus dem es Verkehrs- und Wettermeldungen entlang der Reiseroute fischt und diese bei Bedarf anpasst. Dieses Level an „Intelligenz“ und die Tatsache, dass die Stimme des Navis manchmal Tage- und wochenlang die einzige ist, die mit mir deutsch spricht, führt dazu, dass ich dazu neige, das ZUMO zu vermenschlichen und von der Stimme in meinem Helm als virtuelle Copilotin zu denken. Die nenne ich, nach der Bezeichnung der deutschen Stimmsynthese, eben Anna.

Ich lasse Anna nach einer Tankstelle suchen. Sie findet eine, die 2,5 km Luftlinie entfernt ist. In der Gegend wird aber sehr viel gebaut, weshalb ich gestern schon recht lange durch die Weinberge zirkuliert bin, bis ich endlich die einzige noch offene Straße nach Klein_Chems(?) gefunden hatte. Auch heute muss ich einen riesigen Umweg fahren, erst 16 Kilometer nach Norden, dann wieder 15 nach Süden – so werden aus 2,5 km Luftlinie schnell über 30 Kilometer Wegstrecke.

Wurscht, der kleine Umweg führt über die alte Weinstraße, und die verläuft, wie der Name schon andeutet, durch Weinberge am Rhein entlang. Ich muss ans Büro denken und bin froh, dass ich heute an einem sonnigen Morgen an grünen Berghängen entlangfahren kann und nicht am Schreibtisch sitzen muss.

Frisch aufgetankt stürze ich mich dann in den Baseler Stadtverkehr. Der ist eine ziemliche Katastrophe, denn auch in der Stadt sind viele Straßen gesperrt, auch hier wird überall gebaut. Zwar findet Anna souverän immer neue Wege, aber ich habe Mühe, den Vorgaben des Navis zu folgen – die Straßen in Basel sind durchzogen von Straßenbahnschienen, und ich muss immer wieder aufpassen, dass mir das schlanke Vorderrad der V-Strom nicht in eine Schiene oder Weiche hineingerät.

Am Rand von Basel, auf der anderen Seite der Stadt, liegt der Campus des Vitra-Designmuseums. Das ist ein großes Areal mitten im Grünen, auf dem skurril anmutende Gebäude herumstehen. Die hat die Firma Vitra, ein Möbelunternehmen, hier von einigen der bedeutendsten Designerinnen und Architektinnen der Welt hinbauen lassen, u.a. Frank Gehry und Zara Hadid.

Die Feuerwache von Zara Hadid:

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Kategorien: Motorrad, Reisen, Wiesel | 9 Kommentare

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