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Archiv der Kategorie: Motorrad

Reisetagebuch: Wispern, Wellen, Wale

Nachts und am Wochenende sind Hochschulen seltsame und friedliche Orte. Geisterhafte Korridore, alte Wachmänner, lange Stunden. 

Das Arbeitswochenende war nett, aber nun ist es vorbei. Es ist Sonntag Morgen, und  die übernächtigten Teilnehmer sitzen noch kurz beim Frühstück zusammen, dann brechen sie zum nahegelegenen Bahnhof auf oder beladen Autos für die Fahrt nach Hause.
Ich nicht.

Nach Hause will ich nicht, und statt eines Dienstwagens steht die Renaissance vor der Tür, noch nass vom Tau der Nacht.

Ich klippe die kleinen Koffer an, in denen die Arbeitssachen für die letzten Tage waren, und starte den Motor. Dann geht es im morgendlichen Sonnenschein hinaus auf die Landstraße.

Kurz hinter der Hochschule liegt, auf einer Fläche so groß wie das Saarland, das Saarland.
Die ZZR summt über die noch leeren Landstraßen. Es ist Sonntags, kurz nach 8 Uhr, da ist noch nicht viel los. Ich sauge die kalte Morgenluft tief in die Lungen. Es ist Juli, aber während Südeuropa unter Dauertemperaturen über 40 Grad ächzt, sind sie hier mit 9 Grad einstellig.
Egal.

Frische Luft, leere Straßen, das Motorrad. Mein Gott, wie habe ich das vermisst. War mir gar nicht so klar, wie sehr die Sommerreise mit dem Mopped schon zum festen Bestandteil meines Lebens geworden sind. Dieses Jahr ist sie ausgefallen, und jetzt wird mir klar, wie sehr mir das fehlt.

Die ZZR schnurrt dahin und läuft absolut makelos. Keine Unwucht, nirgends. Keine merkwürdigen Geräusche. Einfach nur perfekt, elegant, kraftvoll.
Wie ich diese Kiste liebe!

Nach einer Stunde komme ich in einem kleinen Ort an. Die Straßen sind hier jetzt nicht mehr leer, sondern voller Motorradfahrer und SUVs. Auf den Motorrädern hocken dicke alte Männer, in den SUVs Großeltern mit den Enkeln.

Allen gemein ist, dass sie zur Saarschleife wollen. Und so stehen wir alle kurz darauf auf einer Plattform aus Natursteinen und gucken von oben auf das Tal der Saar.

Auch ein Arboretum gibt es hier, eine riesige Holzkonstruktion, in der man zwischen den Baumwipfeln rumlaufen kann. Aber so hoch will ich heute nicht hinaus.


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Verfasst von - 12. August 2017 in Motorrad, Reisen

 

Hallo, hier spricht Anna

Die Stimme, die mich so zuverlässig und manchmal wochenlang begleitet, hat tatsächlich einen Namen. Keinen besonders coolen, sie heißt einfach Anna. Habe ich neulich erst rausgefunden.

Anna sagt mir wo es lang geht, Anna passt auf den Reifendruck auf, Anna nervt, wenn ich nur ein paar Km/h über der zulässigen Geschwindigkeit liege, Anna weiß immer wo die nächste Tankstelle zu finden ist oder der nächste Blitzer lauert, wie das Wetter entlang der Reiseroute wird und wo ich zuletzt das Motorrad geparkt habe. Anna könnte sogar die Wartungspläne der Renaissance oder der V-Strom runterbeten, wenn ich sie an die Daten ranlassen würde. 

Anna ist also ein wenig mehr als ein normales Navi und liegt nur knapp unter einer kleinen KI. Vor allem ist Anna manchmal für Wochen die einzige deutsch sprechende Stimme die ich höre. Man kann sich an so eine körperlose Stimme als Begleitung tatsächlich gewöhnen. Eine Zeit lang war sie für mich die Stimme der ZZR. Deshalb fühltest sich erst ganz falsch an, das die V-Strom genauso klang. Aber „Marie“, die zweite deutsche Stimme des Zumo590, ist keine Alternative. Marie klingt wie ein Roboter und vollkommen unnatürlich, sie kann wirklich nur Sachen sagen wie „in-300-Metern-links-abbiegen“,  während Anna in der gleichen Situation sagt „an der Ampel neben der Tankstelle nach links“. Sowas erleichtert die Orientierung ungemein und klingt viel natürlicher.

Heute hat Anna jedoch dafür gesorgt, dass ich geblitzt wurde. dabei bin ich ganz brav 70 gefahren. Doof nur, dass die 70-Zone kurz von einem Abschnitt mit 50 km/h unterbrochen wurde. Habe ich nicht mitgekriegt, denn Anna war eingefroren. Das passiert sehr, sehr selten, aber es kommt vor, und während ich damit beschäftigt war sie neu zu starten, blitzdingste es auch schon.

Genau in dem Moment bootete sich Anna zurück in meinen Helm. Das erste Lebenszeichen? „Ding-Ding-Ding, Achtung, Du bist zu schnell! Und hier wird geblitzt“. Tja Anna, das hatte ich dann auch ohne Dich schon bemerkt.

 
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Verfasst von - 7. August 2017 in Motorrad

 

Die Rückkehr der Wickelmumie

Manche haben sich vielleicht gefragt, was in der riesigen Wickelmumie von neulich eigentlich drin war.

Das hier:

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Verfasst von - 3. August 2017 in Motorrad

 

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Wieder da

Schau mal an wer wieder da ist!

Die V-Strom ist endlich wieder komplett auf der Straße!

Aus dem Krankenbett ist sie schon länger, aber bis wirklich alles wieder in Ordnung war, hat es bis jetzt gedauert. Der Unfall war ja am 02. Juni. Dann kam die Suzuki in die Werkstatt und blieb da fast sechs Wochen.

Weil der Vollidiot von Unfallgegner den Unfall nicht meldete, dauerte es fast einen Monat bis die Reparaturfreigabe durch die Versicherung da war, und dann nochmal zwei Wochen bis die wichtigsten Ersatzteile an Land gekommen und verbaut waren. Anfang Juli kam sie dann aus der Werkstatt. Fahrtüchtig zwar, aber immer noch mit kleinen Defekten wie kaputten Nebellampen und Abdeckungen.

Ersetzt wurden der Sturzbügel, das komplette Gepäcksystem, das hintere Schutzblech, das Kennzeichen, die Handprotektoren, der Lenker, der linke Spiegel, die Koffer und noch ein wenig Kleinkram wie kaputte Glühbirnen und Abdeckgläser. Von wegen „ist ja nur ein verbogenens Metallteil, das zahle ich aus eigener Tasche“, wie der Unfallgegner meinte. Der Schaden betrug nun fast zweieinhalbtausend Euro, und ich kann froh sein, dass nicht Achse, Rahmen oder Felgen bei dem Einschlag beschädigt wurden.

Die letzten Teile kamen erst letzte Woche, aber nun ist sie wieder fit und brummt wie vor dem Unfall! Kleinigkeiten fallen jetzt noch zuhauf an. Ich habe erst jetzt gemerkt, wieviel es doch einzustellen gibt, bis so ein Motorrad richtig passt. Die Neigung des Lenkers, der Winkel der Armaturen, die Einstellungen der Spiegel… das muss alles passen, und das wieder richtig hinzukriegen ist Feinarbeit.

Was auch noch nicht ganz passt sind die Spiegel. Der neue Spiegel ist ein Originalspiegel Marke „Bratpfanne“, den die meisten V-Strom-Fahrer ob seiner Hässlichkeit innig hassen. Der Kaputte war ein kleinerer, ästhetischerer, aus dem Zubehörhandel. Mir gefällt aber, dass man in dem Kuchenblech mehr sieht:

Also werde ich wohl nochmal investieren und auch rechts einen Originalbratpfannenspiegel montieren.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die neuen Koffer, die die Versicherung bezahlt hat. Das Set ist asymmetrisch, damit das Mopped links und rechts gleich breit ist. Die Koffer sind chique:

Aber sie sind schwer, was die Nutzlast einschränkt, und das Asymmetrische sieht seltsam aus:

Der rechte Koffer fast 33 Liter und damit 12 Liter weniger als der alte. Er sieht aus wie ein Aktenkoffer:

…während der linke Koffer 46 Liter fasst, aber absteht wie ein Bauklotz:

Verwenden werde ich die für lange Reisen nicht, dafür habe ich mir ja die guten Gebrauchten zugelegt. Aber die wollte die Versicherung ja nicht zahlen. Ebensowenig übrigens wie die Rückholkosten für mein Gepäck oder Nutzungsauswahl oder auch nur die Heimfahrt. Begründung: „Wären Sie tatsächlich in Urlaub gefahren, hätten sie ja auch irgendwann zurückfahren müssen“. Tja. Nur das durch die Matschbirne von Unfallgegener halt drei Wochen Urlaub mal einfach so ausgefallen sind, ne? Egal, darum kümmert sich meine Anwältin, deren Ehrgeiz nun geweckt ist.

Ich freue mich erstmal darüber, das die Vrau Strom wieder unterwegs ist.

 
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Verfasst von - 2. August 2017 in Motorrad

 

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Generationen


Helme im Wandel der Zeit. Immer leichter, immer besser.

Von oben nach unten: 

  • Nolan N104 Evo (2016-heute)
  • Nolan N90 (2012-2016)
  • Nexo Touring II (2010-2012)

Nicht im Bild:

  • Caberg Unlimited II (1996-2003)
  • Uvex noname (1993-1996)

 
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Verfasst von - 23. Juli 2017 in Motorrad

 

Bastelstunde

Die Reparatur der V-Strom zieht sich dahin. Ein ganzer Monat ist schon vergangen, seitdem ein Autofahrer die Stabilität der Suzuki getestet hat. Während die Motorradsaison langsam verstreicht, steht die Maschine doof in der Werkstatt rum. Zuerst gab es keine Freigabe von der gegnerischen Versicherung, schlicht weil der Unfallgegner den Unfall nicht gemeldet hat.

Mittlerweile danke ich jeden Tag der Tatsache, dass ich nicht meinem Vertrauen in die Menschheit nachgegeben habe, sondern darauf bestanden habe, dass der Unfall von der Polizei aufgenommen wird. Das machte das Ganze jetzt zumindest etwas einfacher, und nachdem die gegnerische Versicherung sowohl von meiner Werkstatt als auch meiner Anwältin Druck bekommen hat, liegt seit vergangener Woche zumindest die Reparaturfreigabe vor. Jetzt heißt es warten auf Ersatzteile, was nochmal zwei oder mehr Wochen dauern kann.

Mila, die Werkstatmechanikerin. Im Warten auf Ersatzteile ist sie sehr gut.

Die Zwischenzeit habe ich mir mit Basteleien vertrieben. Dank der weltbesten Vermieter kann ich jetzt eine Garage direkt unter dem Haus nutzen. Die wollte erstmal aufgeräumt werden, aber nun habe ich einen Platz wo ich ganz in Ruhe, ungestört und vor allem geschützt vor Wind und Wetter an Sachen rumbauen kann.

Ein akutes Projekt gab es nicht, also habe ich mich mal um die Beleuchtung der Renaissance gekümmert. Die Birnen der Blinker sind altersschwach und mussten eh mal getaucht werden, damit man sie noch ordentlich sieht. Am Liebsten hätte ich auf LED umgerüstet, aber solche Leuchtmittel sind in der EU nicht erlaubt.

Irgendwann im vergangenen Jahr hatte mich die fixe Idee ereilt, dass weiße Blinkergläser doch ganz witzig wären, weil man dann in der silbernen Verkleidung die Blinker kaum sehen würde. Dann fiel mir auf, dass zum schwarzen Windschild und dem schwarzen Motorschutz vielleicht schwarze Blinkergläser besser wären. Damit legte ich den Gedanken auch wieder beiseite, denn farbige Blinker – das ist prollig und unnütz, warum dafür teuer Geld ausgeben.

Dann begab es sich aber, dass ein ZZR-Fahrer einen Unfall hatte. Motorradfahrer sind heute nach Marke und Modell in Internetforen organisiert. Dort tauscht man sich aus, über Technik und Touren, Tips und Tricks und auch über Glück und Pech.

Der andere Fahrer hatte das Glück, dass ihm nichts passiert war. Aber auch das Pech, dass seine ZZR komplett hinüber war. Lediglich Blinker und Rücklicht, alles in schwarz, waren noch intakt, und über das Forum bot er sie sehr günstig an.

Ich kaufte die Teile auf und packte sie erstmal ins Regal, denn zum einen hatte die ZZR im vergangenen Sommer ganz andere Probleme, zum anderen muss man für den Anbau das ganze Heck auseinanderbauen. Das bedeutet im Fall der Renaissance: Das komplette Gepäcksystem, bis runter zu den Auspuffhalterungen, muss demontiert werden. Bislang fehlte mir dazu die Motivation. Aber da jetzt eh gerade schlechtes Wetter war, die Garage zum Basteln einlud und ich eh nichts besseres zu tun hatte, legte ich dann doch mal los.

Erstmal Gepäcksystem und Verkleidungen runter, bis die ZZR ganz nackt ist. Die Seitenverkleidungen sind ein wenig tricky, neben 4 Schrauben ist die Verkleidung vorne, am Tank, in eine Öse eingeknöpft und über dem Kennzeichen in eine Lasche eingeschoben. Mann muss sie also vorne anziehen und dann nach hinten rausschieben. Wusste ich nicht, als ich an der Autobahn stand und das erste mal da ran musste. Prompt hattee ich die hintere Halterung abgebrochen.

Einknöpfung vorne

Haltelasche hinten.

Dann die hinteren Blinker aus den Verschraubungen lösen und die neuen einsetzen.

Der Trick bei diesen Blinkern ist in der Tat, dass das Glas getönt und die Birne farbig ist. Das Glas ist so speziell, dass es das Licht der Birne problemlos durchlässt. Zugelassene Blinker tragen das „E“-Zeichen, und das nicht ohne Grund. In Foren sind immer wieder Komiker unterwegs die irre stolz drauf sind, dass sie ihre Blinkergläser selbst angemalt oder lasiert haben. Das ist nicht nur verboten, sondern auch dumm. Durch bemalte Blinker kommt weniger Licht, und im Falle eines Unfalls kann sich die Versicherung weigern zu zahlen.

Das Rücklicht ist mit drei Schrauben befestigt und lässt sich problemlos tauschen.

Dann kann alles wieder in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut werden. Das Resultat gefällt mir ganz gut:

Die Blinker vorne sind in der Theorie einfacher zu tauschen, weil man nur eine Schraube lösen und dann Birne und Glas wechseln kann. In der Praxis ist es so leicht dann doch nicht, weil die schwarzen Gläser von Lights4All eine schlecht ausgeformte Halterung haben, die nur so lala oder gar nicht hält. Hier muss man ein wenig nachfeilen, dann hält das irgendwann auch.

Vorher.

Nachher.

So, fertig. Schöner Zeitvertrieb für einen verregneten Nachmittag. Ist das jetzt prollig? Vielleicht ein Bißchen, zumindest empfinde ich diese Art der Verschlimmschönerung von Moppeds so. Aber egal. Zum einen ist das noch MEILENWEIT entfernt von, sagen wir mal, giftgrün aufgedonnerten Kawasakis mit Schlangenlederoptik und Monster-Aufklebern, zum anderen gefällt es mir. Und nur darauf kommt es an.

 
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Verfasst von - 2. Juli 2017 in Motorrad

 

Reflexion auf Steroiden: Passivlichtsystem

Eine Joggerin, mitten in der Nacht, auf der unbeleuchteten Waldstraße. Zum Glück hat sie reflektierende Nähte an ihrer Laufhose, die sehe ich aus 300 Metern Entfernung. Als ich sie mit dem Auto überhole, plötzlich der Schreck: Da ist noch eine Läuferin! Ganz in schwarz, praktisch unsichtbar. Zum Glück läuft das Leuchtwunder außen, trotzdem habe ich einen mittleren Herzkasper.

Sichtbarkeit ist im Straßenverkehr ist ein extrem wichtiges Thema. Es gibt keine andere Möglichkeit, mit so wenig Mitteleinsatz die eigene und die Sicherheit von anderen so deutlich zu erhöhen. Reflektierende Elemente und Signalfarben an Kleidung und Fahrzeug kosten quasi nichts, erhöhen aber die Sichtbarkeit signifikant.

Auch als Motorradfahrer kann man so einiges tun, um die Sichtbarkeit zu erhöhen. Was sinnvoll ist, ich persönlich aber nicht trage, sind diese neongelben Warnwesten. Meine (schwarze) Textilkombi hat rundherum reflektierende Besätze, aber in so eine grellfarbene Weste bekommt mich keiner rein.

Was ich dagegen super finde ist mikroprismatisches Markierband. Das ist ein selbsttklebendes, reflektierendes Geweband. Wer bei dem Stichwort an die die Reflektoraufkleber denkt, die wir in den 80ern an Schulranzen hatten oder an Reflektoren, wie man sie von Fahrrädern kennt, der ist auf dem Holzweg. Mit diesen Funzeldingern hat mikroprismatisches Band nichts gemein. Zum einen ist es technisch anders aufgebaut, zum anderen reflektiert es um ein vielfaches stärker. Normale Reflektoren wirken gegen die Leuchtkraft von Mikroprismen wie Kerzen, die mit einem Flutlichtscheinwerfer verglichen werden. Das Zeug ist Reflexion auf Steroiden.

Mikroprismatisches Band reflektiert Licht in mehreren Ebenen und aus unterschiedlichsten Winkeln, wie ein Prisma eben. Die reflektierenden Flächen sind, anders als bei normalen Reflektoren, fast spiegelnd und daher viel heller. Selbst schwaches Streulicht wird von diesem Band eingefangen und so zurückgeworfen, das es wirkt, als wäre es selbst eine Lichtquelle. Diese Art von Band wird zur Markierung von LKW-Silhouetten gedacht, kommt aber nicht bei flächendeckend zum Einsatz. Was vermutlich an den Kosten liegt. Das Kram ist teuer. Auf Ebay kostet der laufende Meter zwischen 6 und 10 Euro, das ist mal nicht ohne.

Ich habe dieses Band vor Jahren entdeckt, als ich mich über meine GIVI-Koffer geärgert habe. Der italienische Hersteller geht normalerweise immer die Extrameile bei seinen Produkten, aber bei den Koffern hatte man statt echter Reflektoren nur silberfarbene Aufkleber verwendet. Sollen sowas? Diese Fake-Reflektoren sind auch an den neuen Koffern dran, die ich neulich erst erstanden habe:

Da reflektiert genau gar nichts. Das geht deutlich besser, also Scotch 3M Diamondgrade Konturmarkierung nach ECE 104 bestellt.

Das Band ist schwer zu verarbeiten. Gemacht ist es halt, um auf LKW-Planen und Aufbauten zu kleben, also auf einem flexiblen, Wind- und Wetter ausgesetzten Untergrund. Dementsprechend stark ist die Klebeseite. Als ich vor 4 Jahren zum ersten Mal mit dem Band arbeitete, habe ich eine Schere verwendet. Die musste alle 20 Zentimeter mit Aceton gereinigt werden, so dermaßen klebt das. Dieses Mal war ich schlauer und hatte vorab ein Skalpell und ein Metalllineal besorgt.

Mit diesem Werkzeug heißt es dann: Messen, anzeichnen, schneiden. Messen, anzeichnen, schneiden. Immer und immer wieder.

Das Band ist 55 Milimeter breit. Die äußeren Ränder sind für mich auf einer Breite von 1mm nicht zu gebrauchen, vom Mittelteil brauche ich Streifen zu 23mm Für den kleinen Koffer und 35mm für den großen. Jede Kofferbeklebung besteht aus 7 Teilen, die Milimetergenau passen müssen. Ich habe nicht auf die Uhr gesehen, aber allein diese Mess- und Schneidarbeiten werden so um die 8 Stunden gedauert haben.

Ergebnis Zwischenstand.

Die Reflektoren-Fakes habe ich auf den Koffern gelassen, die bekommt man nicht ab. Ich habe allerdings Lufteinschlüssen und Falten aus denen rausgeschnitten.

Dann wird alles gründlich mit Alkohol gereinigt.

Danach kommt die Fummelarbeit. Das Aufkleben des Bandes muss absolut präzise passieren, und weil der Klebstoff so stark ist, lässt es sich von Sekunde 1 an nicht mehr korrigieren. Versucht man es doch, bricht das Band. Ist mir mehr als einmal passiert, zum Glück war der Verschnitt eingeplant.

Auch die schmalen Zierstreifen an den Seiten der Koffer werden entfernt und durch Reflexband ersetzt.

Nach insgesamt ca. 10 Stunden und lauten Fluchorgien ist alles fertig beklebt, allerdings sehen die Stoßkanten unschön aus.

Um die zu kaschieren und das Ganze etwas edler zu machen, wird scharzes Ducttape auf einen Reststreifen Markierband geklebt.

Daraus werden schmale Streifen geschnitten…

…die dann auf die Übergänge gesetzt werden:

Fertig! Die nach hinten gerichteten Flächen sind rot, die vorderen und die Zierstreifen an den Seiten sind weiß.

So, und was bringt das Ganze nun? Wie eingangs beschrieben: Das mikroprismatische Band fängt selbst schwächstes Streulicht ein und wirft das so zurück, als würde es selbst von innen leuchten. Meine so veredelten Koffer haben also quasi ein Passivlichtsystem. Auf Fotos lässt sich das nur sehr schwer einfangen, aber hier der Versuch mit dem Unterschied vorher/nachher. Ist ein wenig plakativ, weil halt doch ein Blitz verwendet wurde, aber auch der macht die Wirkung deutlich:

Vorher:

Foto mit Blitz.

Nachher:

Die Arbeit war nervig und hat keinen Spaß gemacht, aber das Ergebnis spricht für sich: Wie breit das Motorrad mit den Koffern ist, lässt sich so viel besser erkennen – und die Sichtbarkeit insgesamt wird auch deutlich erhöht.

 
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Verfasst von - 23. Juni 2017 in Motorrad

 

Zweite Version

„Wie kommt es denn, das ihr Kennzeichen so kaputt ist?“, fragt die Frau auf der anderen Seite der Scheibe. Die Scheibe ist albern, das wirkt so, als müsste man die Bedienstete der KFZ-Zulassungstelle hinter Glas halten. Dabei ist das bei der netten Frau bestimmt nicht nötig. Sie ist Anfang dreißig, ein wenig korpulent und trägt ein Sommerkleid mit Blumendruck und eine Pagenfrisur, die sie ein wenig mädchenhaft scheinen lässt. Das passt alles zu ihrem strahlenden Lächeln und ihren freundlichen Augen.

Ich winke ab. „Ist ne lange Geschichte“, sage ich. Sie lacht und fragt „Wollen Sie wissen, was meinem Sohn passiert ist?“. „Klar“, sage ich.

„Der kam letzten Freitag jubelnd nach Hause, der hatte seinen Führerschein für die 125 bestanden. Das Mopped stand schon seit einem halben Jahr bei uns zu Hause. Jetzt durfte er es offiziell fahren“.

Sie nimmt Plaketten von einem Stapel und dreht die so, dass sie die richtige Position haben, dann zieht sie die Schutzfolien ab. „Zwei Stunden hat die Freude gehalten. In einer Kurve lag wohl Dreck oder sowas, darauf ist er weggerutscht, Motorrad Totalschaden.“ Sie klebt die Plaketten auf, dann nimmt sie einen Spachtel. „Ihm ist zum Glück nichts passiert. Wir sind dann auch noch zur Werkstatt gefahren, weil wir nicht gesehen hatten, dass die Gabel vorne gebrochen war. Ist nichtmehr zu reparieren, und 125er sind richtig teuer.“

„Das tut mir leid“, sage ich. Sie nickt und kratzt mit dem Spachtel auf dem Siegel am alten Schild herum. Ich sage: „Aber wenn es sie tröstet: JEDER Motorradanfänger baut im Übermut einen Abflug oder einen Unfall, früher oder später. Und ALLE benutzen die die Ausrede „da lag Dreck/Rollsplit/Kuhscheiße“, oder die Straße war naß oder sonstwas war Schuld. Dabei war es ein derber Fahrfehler, meistens im Übermut zu doll am Hahn gerissen. Ihr Sohn hat diese Lektion jetzt sehr schnell hinter sich gebracht, aber wenigstens ist er OK. Zukünftig wird er vorsichtiger sein.“

„Echt? Jeder Anfänger?“, fragt sie und reicht mir die Schilder durch das Ausgabefenster. Ich nehme das alte und das neue Kennzeichen der V-Strom entgegen und sage „Ja, jeder. Der erste Unfall ist unvermeidlich, die Frage ist nur, wie er ausgeht.“

„So habe ich das noch gar nicht gesehen“, sagt sie und wünscht mir noch einen guten Tag.

In Göttingen ist die KFZ-Zulassung echt gut. Auch ohne Termin und inklusive Wartezeit hat die ganze Aktion „Ersatzkennzeichen“ nur 15 Minuten und 4,10 Euro an Verwaltungegbühren gekostet. Plus 10 Euro für das Blech, aber nun. Wollen wir mal hoffen, dass Version 2.0 des Kennzeichens länger hält als drei Monate.

Version 1.0:

Version 1.1:

Version 2.0:

 
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Verfasst von - 22. Juni 2017 in Motorrad

 

Garmin Zumo 590: Akkuprobleme beheben – und warum überhaupt noch ein echtes Navi?

Motorradnavigation ist ein Thema für sich. Navigationsgeräte für Moppeds sind auch im Jahr 2017 groß, schwer, langsam und teuer. Nur mal als Beispiel: Mein Garmin Zumo 590 wiegt 400 Gramm, kostet 700 Euro und braucht für die Berechnung einer Route von hier bis Italien über Österreich ohne Mautgebühren und Vignette satte 8 Minuten.

In Zeiten von Google Maps fragt man sich da „WTF???“ und kommt natürlich sofort auf den Gedanken: Wäre es nicht viel effizienter, einfach das Smartphone ans Zweirad zu klemmen? Wasserdichte Halterung, USB-Anschluss, fertig ist die Laube?

Leider ist es nicht so einfach. Die Lösung mit dem Smartphone am Lenker funktioniert genau so lange gut, wie man bei norddeutschen Temperaturen mit einem kleinen Android-Handy und nicht allzu lange unterwegs ist. Denn so verlockend die Navigation mit dem Handy auch ist: Dafür ist es nicht gemacht, und das merkt man.

Zunächst: Das Handy muss wasser- und staubdicht eingepackt werden, in eine wasserfeste Tasche, eine Halterung oder das transparente Fach eines Tankrucksacks. Darin bekommt es aber keine Luft, und wenn die Sonne drauf scheint wird das Handy schnell zu heiß. Meint: Die innere Temperatur bewegt sich in Regionen, in denen sich bessere Geräte abschalten und nicht ganz so tolle schlicht schmelzen. Kein Witz.

Kälte tut den Dingern aber auch nicht gut: Iphones bis zum 6s gehen auch gerne mal aus, wenn ihnen nur ein Bißchen zu kühl ist, und das kann im Regen und bei Fahrtwind schnell passieren.

Auch die Stromversorgung ist ein Problem. GPS verbraucht viel Strom, nur auf Batterie kommt man nicht weit. Kleine Android-Geräte lassen sich gerade noch über eine Bordsteckdose mit Strom versorgen, aber schon ein normales iPhone zieht mehr Saft als die Steckdose der meisten Moppeds liefert und lädt deshalb nicht.

Schließlich ist die Bedienung umständlich: Man kann Handys in wasserdichten Hüllen meist nicht oder nur umständlich bedienen. Und zum Schluss: Was die stetigen und oft heftigen Vibrationen mit den Telefonen machen, will ich lieber gar nicht wissen.

Also: Für kurze Strecken bei gemäßigtem Wetter kann man schon mal auf ein Smartphone als Navi zurückgreifen, für echte Reisen taugt das aber nicht. Alles Gründe, die für ein dediziertes Navigationsgerät sprechen – und gleichzeitig erklären, warum die Dinger groß und schwer sind: Sie sind wasserdicht, halten Vibrationen, Hitze und Kälte aus und lassen sich auch mit Handschuhen bedienen. Normalerweise.

Hersteller TomTom hat es tatsächlich geschafft, Motorradnavigation seiner 4er-Serie mit einem kapazitiven Touchscreen zu kreuzen, wie er in Handys verbaut ist. Das hört sich erstmal gut an, aber das Ergebnis ist ein Navi für Schönwetterfahrer. Die fizzeligen Iconslassen sich schlecht treffen und Wischgesten sind mit Handschuhen auch unpräzise zu machen. Viel schlimmer aber: Wenn Regentropfen über das Display rollen, lösen die es aus!

Das waren für mich die auschlaggebenden Gründe um vor zwei Jahren zu Garmin zu wechseln, zumal deren ZUMO-Reihe auch als Bordrechner dient und sich Kameras und Reifendruckkontrollsystem anschließen lassen, ein Tank- und Servicebuch drin ist und das Ding so ganz nebenbei noch als Hub und Medienzentrale zwischen Smartphone und Helm funktioniert.

Mein ZUMO 590 hatte allerdings von Anfang an das Problem, dass der Akku kaum 30 Minuten durchhielt. Nun ist das 590 explizit auf den Anschluss ans Bordnetz ausgelegt, aber dafür, dass Garmin eine Akkulaufzeit von 4 Stunden versprach, war das doch ein Bißchen wenig.

Jetzt, zwei Jahre nach dem Kauf, funktionierte der Akku praktisch gar nicht mehr. Ein neuer kostet um die 50 Euro, weshalb ich die Anschaffung vor mir hergeschoben habe. Nun bin ich durch Zufall im V-Strom-Forum über eine wichtige Info gestolpert: Die Akkus der Generation 2015 waren angeblich OK, nur die Stecker waren fehlerhaft. Die fehlerhaften 2015er Akkus sind übrigens weiß (s. Bild) und aus Korea. Später kamen die ZUMO-Akkus aus Japan, die sind grau und haben das Problem nicht.

Mangelnder Kontakt führt dazu, dass das Navi die Kapzität des Akkus verkehrt berechnet und ihn nicht nutzt. Das lässt sich aber leicht beheben, einfach in dem mann die Steckkontakte nachbiegt.

1. Navi öffnen: Einfach den D-Ring auf der Rückseite drehen und den Deckel abheben.

2. Den Stecker hier zusammendrücken und nach oben abziehen.

3. Mit einem sehr kleinen Schraubendreher oder einer Nadel die Kontakte des Steckers vorsichtig von oben nachbiegen:

4. Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge.

Mein Akku hält nun mehrere Stunden durch, was er vorher noch nie geschafft hat. Einen Versuch ist es also allemal wert!

Übrigens: Wenn man das Batterieicon in der Statusleist am oberen Bildschrimrand drei Sekunden lang drückt, bekommt man Diagnoseanzeigen. Unter anderem zum Batteriestatus:

oder auch einen psychedlischen Screentest:

und wenn man auf das Empfangsbalkenicon drei Sekunden drückt, bekommt man GPS-Ortungsdaten angezeigt.

Aber das nur als Skurrilität am Rande. Wichtig ist: Besitzer eines ZUMO 590 LM mit Akkuproblemen sollten den Trick mit dem Nachbiegen der Steckerkontakte probieren!

—-
Mit Dank an AlterSchwede aus dem V-Stromforum, der auf ein niederländisches Youtube-Video zum Thema aufmerksam gemacht hat.

 
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Verfasst von - 21. Juni 2017 in Motorrad

 

Ich packe meine Koffer….

Die Überschrift ist irreführend. Ich packe meine Koffer leider nicht, zumindest nicht im Moment. Zwar bringt mich das Fernweh gerade um, und in der Freizeit dreht sich jeder zweite Gedanke um „wo wäre ich jetzt gerade, wenn nicht…“ aber die Sucht nach Orten in der Ferne muss gerade noch ein wenig zurückstehen. Jetzt ist nicht die Zeit um weg zu fahren. Zum einen sind meine bevorzugten Ziele in den kommenden Wochen schon lange ausgebucht, zum anderen beginnt die Ferienzeit, und damit ist mir zu viel los auf den Straßen.

Außerdem lässt die Reparatur der V-Strom auf sich warten, denn bis zum heutigen Tag – fast drei Wochen später – hat mein Unfallgegner seiner Versicherung den Schaden noch nicht gemeldet, und ohne kann die Werkstatt nicht anfangen. Die Versicherung hat den Typen schon versucht anzurufen und zu -schreiben, aber der rappelt sich nicht und stellt sich tot.
Was für ein Arsch.

Wenn er sich weiterhin nicht rührt, nimmt seine Versicherung übrigens an, dass meine Ansprüche berechtigt sind und holt sich dann die Polizeiakte, um den Mann final anzuzeigen. Mein Recht bekomme ich auf jeden Fall, aber sowas daaaauert. Würde ich auf die Strom angewiesen sein, ich würde mich schwarzärgern.

Gut, dass ich hier eine Bürgemeinschaft mit der besten Verkehrsanwältin der Stadt habe. Tip von der ist übrigens: Unfälle, an denen man keine Schuld trägt, NICHT der EIGENEN Versicherung melden. Denn sonst würde man prophylaktisch hochgestuft. Interessant, oder?

***

Aber es gibt Hoffnung. Im September, wenn die Ferienzeit durch ist und es wieder ruhiger wird, wollte ich eigentlich für einige Tage Sardinien angucken. Ich merke aber gerade wie sehr mir die Reise mit dem Motorrad fehlt, und deshalb werde ich die Flugtickets verfallen lassen und mit der, dann hoffentlich wieder reparierten, V-Strom losfahren.

Bis dahin freue ich mich, dass ich jetzt überhaupt wieder Koffer zum zukünftigen Packen habe. Wir erinnern uns: Beim Auffahrunfall war die V-Strom auf der Seite und damit auf dem linken Seitenkoffer gelandet. Der unverwüstliche Givi E45 hat das zwar überlebt, ist aber nun zerschrammt, und wer weiß, ob nicht die Monokey-Halterung was abbekommen hat.

Doof nur: Die Dinger gibt es nicht mehr neu zu kaufen, und WAS es neu zu kaufen gibt, ist in allen Belangen schlechter. Vielleicht bezahlt mir die Versicherung des Unfallgegners brandneue Abenteuerkoffer. Die will ich aber gar nicht. Ich hätte gerne wieder einen E45, aber was man da so gebraucht zu kaufen bekommt, ist nicht nur sauteuer, sondern sieht meistens erbärmlich aus: Ausgeblichen, zerkratzt, verbastelt.

Bild: Nutzer Constantin auf Ebay-Kleinanzeigen.

Selten hat man Glück und bekommt gebrauchte E45s in gutem Zustand. Und dieses Glück hatte ich nun! Ein junger Mann hatte drei GIVI-Koffer von seinem Vater geerbt, der die praktisch nie benutzt hatte. Bei einer der ersten Fahrten hatte der junge Mann dann einen Unfall, dabei wurde einer der Koffer zerstört. Die beiden restlichen stellte der Mann in den Keller. Dort standen sie jahrelang, geschützt vor Witterung und Verfall. Bis jetzt.

Der junge Mann war sich sicher, dass kaum jemand die Koffer haben wollte, denn das übriggebliebene Duo ist asymmetrisch: Einer der Koffer ist ein E45, der andere ist schmaler und fasst nur 36 Liter. Genau DIESE Kombination passt aber perfekt an die Vrau Strom, die selbst auch asymmetrisch ist. Auf die Seite mit dem Auspuff kommt der kleinere Koffer, und zack, ist die Maschine auf beiden Seiten (fast) gleich breit. Das beide Koffer das gleiche Schließsystem haben und ein Schlüssel beide öffnet, ist ein sehr willkommener Bonus.

Ironie des Schicksals: Die Koffer mussten im Odenwald abgeholt werden, was bis auf 50 Kilometer genau dort ist, wo mich der Autofahrer aus dem Sattel geschossen hat. Also bin ich am vergangenen Samstag um 6 Uhr aufgestanden und SCHON WIEDER 300 Kilometer A7 und A45 gefahren, habe die Koffer eingeladen und bin die gleiche Strecke 300 Kilometer zurückgedüst. Damit habe ich den Weg innerhalb von zwei Wochen 6 Mal zurückgelegt. Kleine Abwechselung dieses Mal war ein Kaffee bei IKEA in Hanau.

Die langweilige Fahrt hat sich aber gelohnt, denn nun stehen sie hier: Zwei praktisch neue GIVIs, ein E45 und ein E36.

Die beiden sind so gut erhalten, dass sogar noch die Original-Gepäckgummis drin sind, die normalerweise nach der zweiten Benutzung reissen:

Ich freue mich wie Bolle. Hitzschutzbleche werden die beiden nicht verpasst bekommen, weil die an der V-Strom, anders als an der ZZR, nicht nötig sind. Aber ein Passivlichtsystem kommt auf alle Fälle dran, denn die silbernen Aufkleber, die Givi statt echter Reflektoren da dran geklebt hat, sind eine unreflektierende Frechheit:

„Die im Dunkeln sieht man nicht“:

Die Bastelei mit dem LKW-Markierungsband wird zwar wieder Pain in the Ass-ige Fleißarbeit, aber ohne fahre ich keine schwarzen Koffer mehr. Außerdem hilft die Bastelarbeit die Zeit bis zur Herbstreise zu überbrücken.

Lange Rede, folgender Sinn: Ich habe gerade Fernschmerz, ganz heftig, und nutze die Zeit bis zur nächsten Fahrt um mich über neue Koffer zu freuen.

 
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Verfasst von - 20. Juni 2017 in Motorrad

 

Noch zu retten

Wow, ich bin gerade ein wenig überwältigt. Ganz dicken Dank für die vielen lieben und aufmunternden Kommentare und die Anteilnahme in Mails und Tweets! Die haben mich wirklich gefreut und aufgebaut. Im Moment geht es mir ganz okay – traurig, aber okay.

Mittlerweile gibt es auch gute Nachrichten zu vermelden. Ich hatte zwei Tage nach dem Unfall mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Fühlte sich an wie Muskelkater. Fand ich erstmal nicht unlogisch, immerhin hatte ich beim Aufprall nicht nur einen Schlag in den Nacken bekommen, sondern das vollbepackte Motorrad auch alleine hochgewuchtet. Das kann die Muskeln schon mal strapazieren. Als nach 4 Tagen aber Kopfschmerzen dazukamen, suchte ich mal Tante Doktor auf – die mich prompt in die chirurgische Notaufnahme des örtlichen Klinikums verwies.

Dort habe ich dann den Freitag Vormittag verbracht. Nach mehrfachem Röntgen dann aber die Entwarnung: Alles OK, nur eine leichte Prellung an der Schädelbasis.

Die zweite gute Nachricht: Nach einer Woche des bangen Wartens kam ein Anruf von der Werkstatt. Die V-Strom wurde dort zerlegt und vermessen, mit dem Ergebnis: Weder Rahmen noch Schwinge, Achse oder Hinterrad sind verzogen. Anscheinend hat das Auto die Frau Strom genau so erwischt, dass zwar möglichst viel eingedrückt wurde (hinterer Kotflügel und Kennzeichen hatten sich ein Mal um die Strebe des Kofferhalters gewickelt und klebten oben auf dem Hinterrad), aber dadurch, dass der Treffer in den „Weichteilen“ landete, wurde die Energie des Aufpralls nicht direkt über das Hinterrad in das Fahrwerk geleitet. Glück im Unglück, könnte man sagen. Die Strom ist kein Totalverlust, sie wird wieder fahren.

Der Unfallgegner war niedlicherweise der Überzeugung, dass er „das verbogene Metallding“ (die Strebe des Kofferträgers) aus eigener Tasche bezahlen würde. Nun, mit dem Metallding ist es nicht getan. Der ganze Kofferhalter ist verzogen und muss komplett getauscht werden, ebenso Sturzbügel, Lenker und Handprotektoren. Hinzu kommen Stornokosten für Hotels und Kosten für die Rückholung meines Gepäcks aus dem Odenwald. Alles in allem wird der kleine Bumser über 2.200 Euro kosten. Was ich mit dem beschädigten Koffer mache weiß ich noch gar nicht, denn die guten Givi E45 gibt es gar nicht mehr neu zu kaufen, und andere will ich nicht.

Aber das wird sich finden. Jetzt warte ich erstmal darauf, dass die gegnerische Versicherung sich meldet. Das dauert, sagt die Werkstatt, gerne mal zwei bis drei Wochen. Dann werden die einen Gutachter schicken wollen, weil der Schaden größer als 1.000 Euro ist. Bis dann die Freigabe zur Reparatur kommt, wird es Mitte/Ende Juli sein.
Aber egal, ich will gerade eh nirgendwo hin.

Und so habe ich wenigstens genug Zeit, um das Andenken hier gegen ein gültiges Kennzeichen auszutauschen: Read the rest of this entry »

 
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Verfasst von - 12. Juni 2017 in Motorrad

 

Abgeschossen

So, bin wieder da. Die diesjährige Sommerreise verlief etwas anders als geplant. Statt nach 8.000 Kilometern und 25 Tagen endete sie nach exakt 348 Kilometern und 6 Stunden in Wiesloch, einem Kaff kurz hinter Heidelberg. Das kam so.

Der vergangene Freitag war eigentlich der perfekte Starttag für eine Reise. Es war warm, und während ich auf dem Balkon frühstückte, spielten Nachbars Hühner auf der Wiese vor dem Haus im Schein der Morgensonne.

Im Flur standne schon die gepackten Koffer, und um kurz nach 9 zog ich die Haustür hinter mir zu.

Die Wohnung war im Abwesenheitsmodus, der Kühlschrank abgetaut, Heizung aus, alle Sicherungen raus. Ich trug die Motorradkoffer zur Garage, in der die V-Strom schon seit Tagen startbereit stand. Ich hatte sie zuletzt gar nicht mehr gefahren – fehlte mir noch, dass kurz vor der 3-Wochen-Reise eine Umfaller oder ein unachtsamer Autofahrer das Motorrad ruinierten, an dem ich nun seit 3 Monaten rumbaute.

Ich schob die große Suzuki auf die Straße, klippte die Koffer daran und checkte die Maschine. Alles OK. Schnell noch den Gehörschutz in die Ohren, dann den Helm auf, Bluetoothverbindung angeschmissen und los ging´s!


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Verfasst von - 6. Juni 2017 in Motorrad

 

V-Strom (5): Elektrik & Gedöns

In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt eine Suzuki DL 650 V-Strom so herzurichten, dass ich damit auf Touren gehen kann. In einer Miniserie werden die Änderungen an der Maschine vorgestellt. Im letzten Teil: Gedöns!

Elektrik
Keine Ahnung wie lange die Batterie in der Maschine war. Vermutlich war es noch die erste. Zwar war die noch gut, aber nach 7 Jahren darf mal eine neue her. Wieder eine Yuasa.

Licht
Der Vorbesitzer hat Givi S310 „Trekker“ Zusatzscheinwerfer an den Sturzbügel gebastelt. In meinen Augen eine Spielerei, weil die Dinger trotz Halogen recht funzelig sind und die V-Strom schon zwei große Hauptscheinwerfer hat. Aber hey, wenn es die Sichtbarkeit erhöht, warum nicht.

Um die Sichtbarkeit WIRKLICH zu erhöhen, hat die V-Strom Osram Nightracer 50-Lampen bekommen. Wie der Name schon sagt, sind die 50 Prozent heller als andere H4-Lampen, halten dafür aber weniger lange. Ist ein Kompromiss. Eine Alternative wäre die Nightracer 110 gewesen, die irre hell sind, aber nur 160 Stunden halten. Das war mir ein Bisschen zu wenig.

Auch die anderen Leuchtmittel wurden einmal durchgetauscht. Sowohl die Blinker als auch die Standlichtbirnchen sind gegen neue ausgetauscht wurden, und gleich viel sichtbarer. Richtig sichtabr wäre man natürlich mit hellen LED-Birnchen. Die gibt es am Markt, die Nutzung ist aber in Deutschland verboten.


Heizgriffe

Hätte ich auch nicht missen wollen, hat sich zum Glück schon der Vorbesitzer drum gekümmert: Heizgriffe. Die Guten, von Daytona. Dazu Handprotektoren von Suzuki. Geschützte und warme Hände, was will man mehr.


Reifen, Reifendruckkontrolle und Ventile

Ein Reifendruckkontrollsystem ist normalerweise ein Luxus, der den ganz dicken BMWs vorbehalten ist. Aber nicht bei mir. Von Garmin gibt es Ventilkappen, in denen Bluetooth-Sensoren stecken. Die vernetzen sich mit dem Navi und zeigen den jeweiligen Status an. Das ist ein gutes Maß an Beruhigung, wenn man zwischendurch mal den Reifendruck checken kann, besonders, wenn man gerade über spitze Dinge gefahren ist.

Die Reifendruckradkappen sind zwar mit 9 Gramm recht leicht, aber an einem schnell laufenden Rad reicht das Gewicht, um normale Gummiventile aus der Felge zu reissen. Deshalb wurden Metallventile verbaut, die diese Kräfte aushalten.

Das Reifendruckkontrollsystem in den Ventilkappen wurde allerdings von der Renaissance transferiert. Die kleinen Dinger sind mittlerweile mehr als doppelt so teuer wie früher, ein Satz kostet aktuell 180 Euro. Das tut nicht not.

In dem Zug kamen gleich mal neue Reifen drauf. Statt meiner geliebten Angel GTs fährt die V-Strom auf Tourance Next von Metzler. Das Marketing nennt die „Straßen-Enduro-Reifen“, aber Enduro ist daran mal gar nichts. Tourentauglich sind sie aber, und bringen dazu Spitzenwerte für Haftung auf nassem Asphalt mit. Ich bin gespannt wie die sich machen, bislang gefallen mir die Eigendämpfung, das Kurvenverhalten und die Tastache, dass der Reifen nicht dazu neigt Längsrillen nachzulaufen.

Vom Vorbesitzer: Kotflügelverlängerung.

Die Metallventile sind übrigens recht lang, was das Nachfüllen der Reifen noch schwerer macht als ohnehin schon. Winkelventile wären ideal, um das etwas leichter zu machen, aber die funktionieren nicht im Zusammenspiel mit den Reifendruckkappen.

Eine gute Alternative ist dieses Ding hier: Ein Winkeladapterdapter.

Sehr wertiges, CNC-gefrästes Teil, das mit der großen Rändelschraube aufs Ventil geschraubt wird. Das rote Drehrad öffnet und schliesst das Ventil dann. Damit kann man ganz bequem und ohne Luftverlust den Reifen nachfüllen.

Luft stellte sich in der Vergangenheit ohnehin gelegentlich als Problem raus. Gerade im Ausland haben Tankstellen oft gar keine Luftstationen, und wenn doch, dann sind sie häufig defekt. Sehr glücklich macht mich gerade diese kleine, aber sehr leistungsfähige Fußluftpumpe von Bikers Dream.

Die ist minifuzziklaan, wie wir Kölner sagen, und wiegt so gut wie nix. Mal gucken, vielleicht nehme ich die mit, damit wäre die nervige Suche nach Tankstellen mit funktinierender Luft Geschichte. Dafür könnten auch die Pressluftpatronen aus dem Reifenreparaturset zu Hause bleiben. Denen traue ich ohnehin nicht, und vom Gewicht nehmen sich Pumpe und Patronen nichts.

Navigation
Natürlich wird an der V-Strom auch das Garmin Zumo 590 verwendet. Da die Originalhalterung fest an der ZZR 600 verbaut ist, wurde in der V-Strom eine zusätzlich beschaffte Cradle verlegt.

Testaufbau im Winter.

Die ist nun fest eingebaut und versorgt das Navi mit Strom über geschaltetes Plus. Meine V-Strom hat das eine oder andere Relais mehr als eine Standardmaschine, da liess sich das gut anklemmen.

Die Cradle sitzt übrigens am Lenker. Die meisten V-Strom-Piloten bevorzugen eine Position an der Frontscheibe, weil dann der Blickweg nicht so weit ist. Geht bei mir aber nicht, zum einen komme ich während der Fahrt nicht mit den Armen bis an die Scheibe, zum anderen ist der Madstad-Scheibenhalter dafür nicht geeignet.

Gedöns
In die Rubrik Gedöns fallen noch der GPS-Tracker und der WLAN-Access-Point, die nun auch der V-Strom stecken. Genauso wie das kleine Thermometer, das nun im Cockpit klebt. Ist ja immer wieder erstaunlich… Es gibt keine kleinen, wasserdichten und batteriebetriebenen Thermometer mit Fühler für Motorräder. Das hier ist selbstgebaut, aus einem Termomodul, einem Elektronikgehäuse und Teilen eines Mini-Kamerastativs.

Ebenfalls Gedöns: Die Kamerahalterungen. Erstaunlicherweise hat die V-Strom gar nicht so viele Punkte, wo man eine Kamera sicher und vibrationsarm anbringen kann. Ich probiere es mal so:
Die VIRB XE klebt mit einem Saugnapf auf der vorderen Verkleidung. Sie zeichnet nicht nur Bilder, sondern auf, sondern auch Position, Lage, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Temperatur (über einen Sensor im Heck).

Gesteuert wird sie mit einer kleinen Fernbedienung am Lenker.

Davon unabhängig gibt es noch die kleine Rollei, die im Fahrwerk hängt.

So. Damit wäre das Motorrad dann soweit. Ich will hoffe, dass die Frau Strom genauso zuverlässig ist wie die ZZR 600. Wie sie sich schlägt, werde ich ab kommender Woche erfahren – dann geht es auf Tour. Mehrere Wochen lang.

 
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Verfasst von - 26. Mai 2017 in Motorrad

 

V-Strom (4): Gepäck

In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt eine Suzuki DL 650 V-Strom so herzurichten, dass ich damit auf Touren gehen kann. In lockerer Folge werden die Änderungen an der Maschine vorgestellt.

SW-Motech Evo QuicklLink Koffersystem
Die gebrauchte V-Strom hatte schon einen Kofferhalten montiert. Zuerst habe ich mich total gefreut, als ich gesehen habe, dass es sich dabeium ein SW-Motech-Teil handelt. Die deutsche Zubehörschmiede geniesst einen ausgezeichneten Ruf, und das „Evo“-System ist wirklich ein Meisterstück. Mit Adapterkits lässt es sich so umrüsten, dass sowohl meine Givi-Koffer als auch Hepco & Becker, Steed und andere Koffer an die Maschine passen. Super, das spart den Kauf eines Kofferträgers, und ich kann meine Koffer weiterverwenden.

Die Kehrseite: Das Evo ist ein Quicklink-System. Man dreht die Schraubverbindungen um 90 Grad und zack, hat man den Träger demontiert. Ist für Leute, die Kofferträger unästhetisch finden.

Ist ja auch eine nette Idee, wenn man den Träger nicht dauernd dranhaben möchte. Allerdings lässt er sich ohne spezielles Werkzeug lösen. Auch dann, wenn die Koffer dran sind. Für Diebe ist es daher sehr einfach, durch Lösen von vier Clickverschlüssen eben mal das Gepäck wegzutragen.

Suboptimal. Abhilfe schaffen spezielle Haltebolzen mit Schlössern drin, die ich nachträglich montiert habe.

Wesentlich fester ist da schon die Halteplatte von Givi. Die wird mit fummeligen Halterungen direkt auf die Gepäckbrückde der Suzuki geschraubt und ist ohne passendes Werkzeug und ausgerenkte Finger nicht mehr abzubekommen. Dummerweise ist sie recht dicht an der Sitzbank moniert, geht aber nicht anders.

Die V-Strom hat nur einen Auspuff, der an der rechten Seite weit hochgezogen ist. Dadurch ist die ohnehin breite Maschine asymetrisch, und der rechte Koffer steht 6 Zentimeter weiter nach Außen ab als der linke.

Ich hatte erst überlegt ein asymetrisches Kofferset zu montieren. Nachdem ich mir einige Sets genauer angesehen habe muss ich sagen: Diese Art von Koffer sind meist irre teuer und lenken erst recht den Blick auf die Asymetrie. Und noch schlimmer: Bei manchen muss man echt den Nutzwert anzweifeln, anscheinend zählt die Optik mehr als der praktische Nutzen.

So ein Fall sind die „Trekker“ von Givi. Mit denen hatte ich heftig geliebäugelt, als ich dann aber einen der 46 Liter-Modelle zu Hause hatte, war ich ziemlich negativ überrascht. So schön die neuen auch sind, mit ihren schwarzen Aluminiumplatten und dem geteilten Deckel: Sie sind am Ende des Tages halt auch nur Plastikkoffer, und dafür mit 6 Kilogramm Gewicht einfach zu schwer.

Der Motech-Träger kann 12,5 Kilo pro Seite tragen, wenn die Koffer schon 6 davon mit Eigengewicht belegen, bleibt nicht mehr viel für den eigentlichen Inhalt übrig. Nach reiflicher Überlegung bin ich tatsächlich zu dem Schluss gekommen: Meine alten E45-Givis sind tatsächlich das Beste, was es in dem Bereich gibt. Sie machen vielleicht optisch nicht so viel her, aber sie sind stabil, leicht ( wiegen 3 Kg) und dicht.

Ein weiterer Punkt für die Weiterverwendung der alten E45 ist das selbstgebaute Passivlichtsystem, das für die Sichtbarkeit unschlagbar ist. Das umlaufende Diamond Grade Markierungsband, das ich in mühsamer Handarbeit nachgerüstet habe, macht, dass die Maschine selbst in finsterster Nacht bei geringstem Streulicht leuchtet wie ein Weihnachtsbaum.

Ganz zu schweigen vom Topcase, das im doppelten Boden nicht nur eine Warnweste mitbringt, sondern in sich nochmal ein Gepäcksystem mit Wasserflaschen und Kleinteiletaschen hat.

Das Topcase fahre ich übrigens meistens genauso leer durch die Gegend. Dann passt nämlich der Helm rein. Ich erlaube mir den Luxus, denn Helm durch die Gegend schleppen ist doof.

Vermutlich brauche ich die 90 Liter Stauraum der beiden E45 Givis gar nicht mehr. Bei den Reisen mit der ZZR war der rechte Koffer zum Großteil mit Werkzeug und Ersatzteilkram beladen. Das brauchte wenig Volumen, brachte aber viel Gewicht auf die Waage. Bei der V-Strom kann ich mir das Mitführen von Ersatzteilen hoffentlich sparen. Anders als die ZZR ist die Suzuki dafür gemacht auch mal Umfaller wegzustecken. Bei einem Sturz brechen nicht sofort die Fußrastenhalter, sondern verbiegen sich und lassen sich vom Dorfschmied wieder in Form dengeln. Und das Werkzeug lässt sich anders unterbringen:

Tooltube

Auf der rechten Seite der V-Strom verläuft zwischen Hinterrad und Kofferträger der Auspuff, aber links war da – nichts. Bis jetzt. Ein Dokumentenzylinder aus einem John-Deere-Traktor wurde zu einer Tooltube, einer Werkzeugröhre.

Halterungen bringt das Plastikding schon mit, und nach einigem Experimentieren und mit Alberts Hilfe (Geht´s nicht M8 und V2A?“) hatte ich dann auch irgendwann die passenden Schrauben zur Verbindung mit dem Gepäckrahmen gefunden, der praktischerweise noch unbenutzte Löcher hatte.

In der Röhre befinden sich nun Ersatzhebel, Werkzeug, ein Warndreieck und eine starke Taschenlampe. Abschließen kann man sie nicht, aber ich würde mich stark wundern, wenn da wer dran geht.

Rechts Auspuff, links Tooltube.

Fällt kaum auf, das Ding:

Sitzbank
Die beste Investition in die ZZR 600 die ich JEMALS getätigt habe war die Sitzbank, die eine kleine Sattlerei in Hameln für mich gefertigt hat. Durch die Form und die Geleinlage kann ich 8 Stunden am Stück fahren ohne das mir der Hintern abfällt. Die V-Strom hat eine 4Seat Sitzbank von Baehr mitgebracht.

Das Teil kostet mit 500 Steinen mehr als drei Mal so viel wie das Unikat aus der Sattlerei. Ob das Ding die viele Kohle, die ich persönlich nicht ausgegeben hätte, wirklich wert ist, muss sie erst noch beweisen. Sehr vertrauenserweckend ist der erste Eindruck nicht: Einer der Haltehaken zum Chassis ist schon gebrochen. Der Vorbesitzer hat sich wohl draufgesetzt, als das Kunststoff-Ding nicht richig eingerastet war. Das dürfte aber keine Rolle spielen, solche wichtigen Teile müssen aus Metall sein und dürfen nicht brechen, nie! Schon gar nicht an einem 500 Euro-Sitz.

Unter der Sitzbank bringt die V-Strom auch noch erstaunlich viel Stauraum mit. Da lagern bei mir jetzt Papiere (Eintragungen, Zulassungen, Unfallbericht, grüne Karte), ein Verbandskasten sowie das, was man als Moppedfahrer immer für Reperaturen braucht: Klebeband und Kabelbinder.

Mit Tooltube und Sitzbankstauraum kann ich mir jetzt tatsächlich die Werkzeugtasche im Koffer sparen.

 
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Verfasst von - 25. Mai 2017 in Motorrad

 

V-Strom (3): Schutz & Scheibe

In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt eine Suzuki DL 650 V-Strom so herzurichten, dass ich damit auf Touren gehen kann. In lockerer Folge werden die Änderungen an der Maschine vorgestellt.

Sturzbügel
Endlich wieder ein Sturzbügel! Mögen viele ja nicht, wegen Ästhetik und so, aber da kann man bei der V-Strom ja eh nicht viel versauen. Ich muss aber zugeben: Ich stehe total auf Sturzbügel. Hatte ich schon an der 450er Honda, und der hat mir bei zwei Stürzen das Bein gerettet und die Maschine vor Schaden bewahrt. Wegen der Vollverkleidung passte kein Sturzbügel an die ZZR 600, deshalb hat die Maschine Sturzpads. Aber in so einen richtigen Rohrrahmen habe ich mehr Vertrauen als in einen Metallpilz.

Als ich sie gekauft habe, hatte die V-Strom einen Sturzbügel aus dem Suzuki-Zubehörprogramm. Der ist ziemlich winzig.

Sturzbügelchen von Suzuki. Doof.

Albrecht merkte an, dass der im Falle eines Umfalls oder Sturzes lediglich den Motor schützt, während der Tank und das Bein des Fahres in Mitleidenschaft gezogen wird. Recht hat er, der Albrecht, zahllose V-Strom-Besitzer mit zerstörten Tanks und Verkleidungen können da ein Lied von singen! Also ab mit dem Suzuki-Mist und stattdessen einen Sturzbügel verbaut, der den Namen auch verdient. Sieht ein wenig martialisch aus, aber der neue Sturzbügel von Givi bietet wirklich die beste Schutzwirkung.

Martialisch: Struzbügel von Givi.


Unterfahrschutz

Die V-Strom ist kein Geländemotorrad, in erster Linie wegen fehlender Bodenfreiheit. Nun bin schon öfter ungewollt in Situationen gekommen, wo ich über Felsen oder Absätze huppeln musste. Macht man das mit der V-Strom, kann man sich dabei den Kühler beschädigen oder den Ölfilter abreissen. Die sind nämlich etwas seltsam, direkt hinter dem Vorderrad, positioniert.

FKK: Kühler und Ölfilter baumeln nackig im Wind.

Deswegen verkaufen sich Motorschutzbleche so gut. Leider passen weder die originalen noch die von Drittherstellern mit den Sturzbügeln von Givi zusammen. Die Lösung: Handarbeit.

Marselus, eine Manufaktur in Tschechien, baut auf Anfrage Zubehörteile für die V-Strom – auch einen Motorschutz, der direkt am Givi-Sturzbügel montiert werden kann.

War ein wenig seltsam, auf einer tschechischen Seite nur nach Bild was zu bestellen, aber der darauffolgende Mailkontakt war sehr nett, und 14 Tage nach Bestellung kam das Stück hier an.

Lasergschnittenes, dickes Aluminium, handgeschweißt, pulverbeschichtet und perfekt passend. Ein wirklich schönes Stück Handwerkskunst, bei dem es ob seiner WErtigkeit schon Freude bereitet, es zu berühren.

Vorn wird es am Sturzbügel montiert, hinten an den Schrauben von Seitenständer und Auspuffhalterung. Damit ist der Motor rundum geschützt, und wenn man doch mal dran muss, kann man den Korb durch das Lösen von vier Schrauben abnehmen.

Sportscheibe
Als ich die V-Strom bekam, trug sie eine riesige Tourenscheibe mit einem zusätzlichen Spoiler oben drauf. Das Ding war so hoch, dass die Kante und der Spoiler direkt in meinem Blickfeld war, totzdem hatte ich Verwirbelungen am Helm. Dasist bei den V-Stroms ein bekanntes und echtes Problem: Hinter der hohen Scheibe gibt es Wirbel, die einem bei höheren Geschwindigkeiten den Helm nach links und rechts reißen oder Luftwellen, die direkt auf den Kopf ballern. Im Schlimmsten Fall gibt das ein verwackeltes Seefeld und Kopfschmerzen beim Fahrer. Das ist der Grund, weshalb man V-Stroms so gut wie nie mit der Originalscheibe sieht.

Viele Fahrer bauen nun riesige Tourenscheiben an, hinter denen sie komplett vor Wind und Wetter geschützt sind. Das wirft aber gleich mehrere Probleme auf. Zum einen wird die Maschine anfällig für Wind und maacht dann u.U. Pendelbewegungen, zum anderen muss man als Fahrer durch die Scheibe schauen oder hat zumindest die Kante im Blickfeld. Besonders unangenehm bei Reisen in warme Länder: Der Helm wird nicht mehr belüftet, weil der Luftstrom von vorne fehlt.

Eine Schrankwandgroße Scheibe ist nicht mein Ding. M.E. besteht der Sinn einer Scheibe am Mopped NICHT darin, den Fahrer vollflächig vor Wind und Regen zu schützen. Nein, normalerweise dient die Scheibe der Minderung des Windrucks auf der Brust, während der Helm frei im Windstrom liegt. Also weg mit der zu hohen Toruenscheibe und auf Ebay eine Originalscheibe zum Testen gekauft. Die ist aber auch recht hoch und produziert Wirbel.

Glücklicherweise fand sich in Wien eine gebrauchte Sportscheibe. Die Dinger sind selten, weil Suzuki sie nur kurz im Programm hatte. Unverständlich, denn sie erfüllt ihren Zweck nicht nur besser als die Standardscheibe, sondern sieht dabei auch noch cool aus!

Sportscheibe vs. Standardscheibe.

Problem war nur: Der Winkel stimmte nicht. Auch die Sportscheibe produzierte Luftwirbel. Aber auch da gibt es was, wenn man bereit ist, die Extrameile zu gehen.

Madstad-Scheibenhalter

Der Originalscheibenhalter lässt eine Verstellung der Scheibe in der Höhe zu, in zwei festen Positionen. Glücklicherweise gibt es Mark Stadnyk. der fährt selbst eine V-Strom und hat 2006 eine Scheibenhalterung zurechtgetüfelt, die super verstellbar ist und Luftwirbel durch andere Neigungswinkel eliminiert.

Mark produziert diese Halterungen in einer kleinen Manufaktur „Madstad“ in Brooksville, Florida, und von dort haben sie ihren Weg an meine V-Strom gefunden (nach einem wochenlangen Irrweg von Fort Worth, Miami und den deutschen Zoll).

Aus den USA importiert: Scheibenhalterung.

Höhe und Winkel der Scheibe lassen sich über zwei Rändelschrauben schnell einstellen, damit sollten Windböen der Vergangenheit angehören. Jetzt muss ich nur noch die richtige Einstellung finden.
Man munkelt übrigens in düsteren Forenecken, dass der Madstad-Scheibenhalter nicht an deutschen Moppeds montiert sein darf, weil er keine E- oder KBA-Nummer hat. Ich habe mal direkt den Dekra-Prüfer gefragt. Antwort: Das Ding braucht weder eine Zulassungsnummr noch eine Einzelabnahme, weil es nicht Sicherheitsrelevant ist oder die Fahreigenschaften ändert.

Wo ich gerade am Tauschen der Scheiben war, habe ich den den vorderen Halter Neodym-Magnete eingeklebt.

Die sieht man nicht, wenn das Teil montiert ist…

…aber eine passende Hülle für Parkscheine klebt bombenfest daran:

Und ja, das wird nötig sein. Die Frau Strom hat nämlich einen dicken Hintern und ist fast so breit wie ein Twingo. Sowas parkt man nicht unauffällig auf einem Fußweg, die wird schon mal auf kostenpflichtigen Parkplätzen stehen müssen.

 
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Verfasst von - 24. Mai 2017 in Motorrad

 
 
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