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Archiv der Kategorie: Motorrad

Reisetagebuch (12): Alles neu

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute geht es nach Norden, wo alles neu ist, und dann knackt es auch noch.

Dienstag, 03. Oktober 2017, Carpineto, Siena

Die vier Tage in Siena und Umgebung sind wie im Flug vergangen. Ich habe es genossen, die V-Strom auf Schotterwegen und Feldern auszuprobieren und sie in der Crete Senesi über die Straßen zu schicken, von denen ich mittlerweile als „meiner Hausstrecke“ denke. Das soll keine Angeberei sein. Die Gegend ist nur so dünn besiedelt und es gibt so wenige Straßen, dass ich mich hier wirklich schon gut auskenne und eine Lieblingsrunde habe.

Getrübt wurde die Er-Fahrung immer wieder durch die ruckelnde Kette, aber sei´s drum. Ich habe mich entschieden sie nicht tauschen lassen. Für den Weg nach Hause hält die noch, sagen alle Mechaniker. Sobald ich zurück in Deutschland bin kommt dann meine Wunschkette drauf. Bis dahin heißt es: Zähne zusammenbeißen und nicht dran denken, Ruckelei hin oder her. Ich halte das jetzt schon so lange aus, das geht jetzt auch noch drei Tage länger.

Ablenkung gab es genug. Das Wetter hat einigermaßen mitgespielt, es war bedeckt und kühl, aber richtig geregnet hat es nur wenig. Bei Abstechern nach Monteriggioni und Greve in Chianti bin ich in lustige Dorffeste geraten und habe mir Aufführungen von örtlichen Vereinen angeguckt, unter anderem dieses herzerwärmende Re-Enacting von Spielbergs „Unheimlicher Begegnung der dritten Art“. Man beachte die kleinen Wissenschaftler an der Orgel und das Pedalgetriebene UFO:

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Verfasst von - 20. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch (11): Gefangen im Kloster

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Dieses mal gibt es neue Entdeckungen in einem bekannten Gebiet, dann werde ich meiner Freiheit beraubt und HA-Chr-Chr-Chr.

Samstag, 30. September 2017, Carpineto, Siena

Schlaftrunken tappe ich in das Wohnzimmer des großen Appartements. Durch die große Glasfront kann man auf die dahinterliegenden Gärten schauen. Ich blinzele. Was ist das denn? Ist der Tisch auf der Terrasse ist gedeckt? Schnell ziehe ich mir was an, dann gehe ich nach draußen. Tatsächlich! Eine Kanne mit dampfend heißem Kaffee, Saft, Zwieback, Joghurt – ein komplettes Frühstück hat Cecilia mir hier hingestellt!

Es ist kühl, aber ich genieße das Frühstücken an der frischen Luft. Dann schmeiße ich eine Maschine Wäsche an und nutze die Zwischenzeit, um mal alle Daten und Videos, die das Motorrad in den letzten zwei Wochen gesammelt hat, auf eine kleine USB-Platte zu sichern. Nebenbei mümmele ich ortsansässiges Obst weg.

Traube mit einem Lebendgewicht von 3 Kilo.

Als die Hausarbeit erledig ist, packe ich die üblichen Sachen ins Topcase, werfe mich in die Motorradmontur und sattele die V-Strom. Wo wollen wir denn mal hin? Siena? Nein, nicht jetzt. Ah, hier, Anna hat noch eine Tour vom letzten Jahr im Speicher. „La Scarzuola“, ein altes Kloster in Umbrien, rund 80 Kilometer von hier. Das klingt doch gut!

Bevor es nach Süden geht, suche ich aber erst die Tankstelle von Fausto, dem alten Benzinaio, der mir was über italienische Sprache beigebracht hat, auf. Im vergangenen Jahr was sie geschlossen, und ich freue mich, dass sie nun wieder geöffnet ist.

Allerdings ist Fausto nicht da. Der Mann, der jetzt an den Zapfsäulen arbeitet, ist wesentlich jünger, vielleicht in den 40ern. Er hat die gleichen schiefen Zähne wie Fausto. Das muss Faustos Sohn sein, aber anders als sein Vater macht er seinen Job nicht mit Liebe, sondern hat offenkundig überhaupt keinen Bock.

Erst ignoriert er mich fast eine Minute lang und plaudert mit einer Kundin, dann kommt er rüber und haut die Zapfpistole so unsanft in den Tank der Suzuki, dass der Rüssel auf den Tankboden schlägt. Arschloch, denke ich.

Die Kunst eines Benzinaos ist es, ein Fahrzeug zuvorkommend und perfekt zu betanken, dass heißt: Möglichst voll, trotzdem auf einen runden Betrag. Hat Sohnemann wohl nicht verstanden, nach 17 Euro will er nicht mehr, obwohl der Tank nicht mal ansatzweise voll ist. „Ancora,“ sage ich, „pieno!“ – Volltanken, da geht noch was rein. „Nee, ist gut so“, sagt er, dreht sich um und geht einfach weg. Arschloch! Da hätten mindestens noch zwei Liter reingepasst, was 50 Kilometer mehr Reichweite bedeutet hätte. Erbost starte ich den Motor und fahre weiter. Diese Tankstelle hat mich das letzte Mal gesehen, so lange der Typ hier arbeitet.

Ich fahre nach Süden. Die Sonne scheint und er Himmel ist blau, aber es ist nicht das gleiche Licht wie im Sommer. Es ist fahler, weniger kraftvoll. Die Felder rechts und links der Strada Statale sind bereits alle umgepflügt und der Boden ist grau, was zu dem fahlen Eindruck der Landschaft beiträgt. Leichter Dunst liegt über allem, und die Toskana wirkt… ausgeblichen. Das ist ein Zeichen des Herbstes, der hier erst langsam beginnt. An den Pflanzen hätte ich das nicht gemerkt, die sind bis auf wenige Ausnahmen immer noch satt grün.

Am meisten gefällt mir an der Landschaft, wie weit man sie überblicken kann. Dieses Gefühl von Weite, bei dem ich zu spüren meine wie sich der eigene Geist wieder öffnet, nachdem er den Rest des Jahres in zu beengten Verhältnissen eingesperrt war.

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Verfasst von - 13. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (10): Ab nach Hause

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute habe ich eine kleine Sinnkrise, kämpfe ich mit einem langen Ständer und werde erkannt.

Freitag, 29. September 2017, Hotel Elisabeth Due, Fano, Marken

Ich muss einen Workshop oder eine Unterrichtstunde moderieren. Nicht freiwillig, sondern weil der Kollege Didaktiker meint sich zurücklehnen zu müssen. Nichtstun und alle anderen machen lassen, das sei sein didaktisches Konzept. Weil ich das dumm finde, nehme ich die Sache in die Hand und komme so zu Ergebnissen.

Ich wache ich auf, weil sich jemand neben meinem Hotelbett übergibt. Obwohl, nee, zum Glück nicht: Der Nachbar im Nebenzimmer übergibt sich in sein eigenes Klo, aber er tut das sehr geräuschvoll. Es ist kurz nach sechs, und als sich meine Gedanken anfangen um Kette & Co. zu drehen, ist an nochmaliges Einschlafen nicht mehr zu denken.

Ich mache mich fertig, dann trage ich die ersten Koffer zum Motorrad. Das hat die Nacht vor dem Elisabeth Due verbracht und ist noch naß vom Morgentau. Bevor es heute losgeht, löse ich einmal mehr die Hinterachse und lockere die Kette wieder etwas. Denn wenn etwas passieren kann, habe ich gestern gelesen, dann nur, wenn man eine verschlissene Kette zu fest anspannt. Oh, und apropos Anspannung: Gestern hatte ich auch noch die Federung der V-Strom härter eingestellt. Ich drehe die wieder auf weich zurück. Der Maschine bringt das exakt gar nichts, aber ICH bekomme damit vielleicht weniger von der Ruckelei mit, die die ungleichmäßig gelängte Kette veranstaltet.

Ein schnelles Frühstück im rosa-weißen Speisesaal, dann geht es in den Berufsverkehr von Fano und auf die Autobahn. Es gibt zwei Wege jetzt nach Norden zu kommen: Entweder die mautpflichtige Autobahn oder wieder Stop-and-Go durch endlose Orte. Dann doch lieber freie Fahrt, zumal bei Geschwindigkeiten ab 110 die Ruckelei auch nicht so auffällt.
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Verfasst von - 6. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (9): Nee, so nich´

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Lügenbildchen, Wolkenhörner und Verkehrschaos.

Donnerstag, 28. September 2017, Agriturismo Lo Smeraldo, Castreccioni, Marken

Die Luft über dem Bergsee ist klar und kalt, als ich die Koffer an die V-Strom hänge und mich zur Abfahrt bereit mache.

Kurze Zeit später ruckelt die Maschine über die Brücke, die die Halbinsel im Norden mit dem Festland verbindet. Ja, die Suzuki ruckelt. Gerade im Rollen, also wenn sie nur die Geschwindigkeit gleichbleibend halten soll, dann merke ich wie sie schiebt und ruckelt. Die verschlissene Kette mindert den Fahrspaß jetzt ganz erheblich. Eigentlich macht das Fahren mittlerweile gar keinen Spaß mehr.

Die gestrige Bergetappe hat der Kette nicht gut getan, und das Nachspannen hat praktisch nichts gebracht, es allenfalls noch schlimmer gemacht. Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass das alte Ding reißt? Komme ich damit noch nach Hause? Das Ruckeln schüttelt mich durch und erinnert mich auf jedem Meter daran, dass die Kette jetzt wohl vollkommen hin ist. Dabei könnte ich jetzt echte Freude am Fahren haben, denn die Landschaft der Marken ist wunderschön, an diesem frischen Morgen ganz besonders.

Nach 40 Minuten komme ich in Osimo an, einem kleinen Ort auf – natürlich – einem hohen Berg. Heute ist Markttag, was ich vorher nicht wusste, und alle Parkplätze außerhalb der hohen Stadtmauer sind ausnahmslos belegt. Da sehe ich schon mein Ziel, das Touristenbüro von Osimo, das in die Stadtmauer eingelassen ist. Und Glückes Geschick, direkt gegenüber ist eine kleine Fehlfläche, auf die ganz genau, aber auch GANZ genau die Barocca passt, und die sogar das nötige Gefälle hat, damit die Kiste mit ihrem zu langen Seitenständer nicht umkippt! Fein!


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Verfasst von - 30. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (8): Campo Imperatore


Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Mopped mit Kängurubenzin und der Tag des Fieseler Storchs.

Mittwoch, 27. September 2017, Agriturismo Cupello, in der Nähe von L´Aquila

Über dem Ort liegt ein Schleier, eine Mischung aus Morgennebel und dem Rauch von Holzheizungen. Es ist kalt, und obwohl im Agriturismo Cupello die Heizungsanlage ordentlich bullert, bin ich doch froh über die leichte Fleecewäsche, die sich auch wunderbar als Schlafanzug tragen lässt.

Um kurz nach Acht trage ich den den ersten Koffer zum Motorrad, das die Nacht vor dem Haus verbracht hat.

Von Signora Patrizia, der Besitzerin des Hofs, ist noch nichts zu sehen. Im Speisesaal herrscht gähnende Leere.

Na gut, dann schlage ich halt die Haustür geräuschvoll zu und klötere lautstark im Treppenhaus rum, dann gehe ich wieder auf mein Zimmer. Als ich Geräusche im Haus höre warte ich noch zehn Minuten und lese in der Zeit Morgennachrichten. Es ist 2017, was bedeutet, dass man jeden Morgen nachgucken muss, ob nicht über Nacht der dritte Weltkrieg ausgebrochen ist oder ein Naziaufstand angefangen hat. Nein, heute scheint noch alles OK zu sein. Beruhigt trage ich die beiden anderen Koffer zur V-Strom, die in der Morgensonne schon abenteuerlustig auf mich wartet.

Im Frühstücksraum flitzt mittlerweile Signora Patricia herum. Sie ordnet sich gerade noch die Haare, hat aber schon den Kamin angeheizt und einen Caffé bereitgestellt. Wir plaudern ein wenig über dies und das während ich frühstücke. Brot, Butter und Konfitüre – alles hat sie selbst gemacht, und alles schmeckt hervorragend. Dann mache ich mich auf die Socken.

Zehn Minuten vom Agriturismo halte ich auf einem Parkplatz am Straßenrand an, nehme die Koffer von der Suzuki ab und sprühe dann sehr sorgfältig die Kette ein.

Perfekte Haltestelle.

Durch die ungleichmäßige Längung der Kette ruckelt und schiebt die Maschine mittlerweile während der Fahrt. Das ist mir erst gar nicht groß aufgefallen, aber seit gestern ist es deutlich spürbar. Als hätte die V-Strom Kängurubenzin getankt, wie mein alter Fahrlehrer immer zu sagen pflegte. Das ist zum einen sehr unangenehm, zum anderen beschäftigt mich das praktisch ununterbrochen. Den Großteil der Fahrzeit drehen sich meine Gedanken um Fragen wie: Wird die noch bis nach Hause durchhalten? Werden durch das ständige Geruckel noch andere Dinge kaputtgehen, Ruckdämpfer oder Getriebe?

Ach, es ist ein Elend. Ich gebe echt viel Geld für vorbeugende Instandhaltung aus, und das mir die Fahrt ausgerechnet dadurch vermiest wird, das ein Verschleißteil nicht rechtzeitig gewechselt wurde, das ist schon Ironie. Ich versuche den Gedanken zu verdrängen und stattdessen die Berglandschaft der Abruzzen zu genießen, aber das ist nicht leicht – ständiges Ruckeln erinnert mich daran, dass das Motorrad nicht in Form ist.

Über die Berge hinter L´Aquila kommt man schnell zum Campo Imperatore, der Hochebene mitten im Bergmassiv des Gran Sasso. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis stehe ich nach kurzer Zeit vor einer Straßensperre. Ich fluche laut, denn der Besuch dort oben war eigentlich das Herz dieser Reise.

Straßensperre wegen Erdrutsch.

Und nun? Anna findet keinen anderen Weg zum Campo Imperatore. Mist, muss ich mir das wohl abschminken. Nur einen Kurs um die Berge herum findet das Navi, und so steuere ich die V-Strom mehrere Stunden lang durch tiefe, felsige Täler.

Die Straße ist extrem kurvig, aber mit meiner ruckelnden Kette habe ich da nur wenig Spaß dran. Das hier ist kein flüssiges Fahren, kein Dahingleiten und eins werden mit Motorrad und Straße. Das hier ist unbequem und ätzend. Toll aussehen tut die Landschaft natürlich trotzdem:


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Verfasst von - 23. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (7): Die Geisterburg


Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Glorreiche Eigenleistungen im Themenkomplex Scheißeparken und Verfahren auf Sperrgebiet.

Dienstag, 26. September 2017, Il Faggio Rosso, Pescasseroli

Der Tag ist schon länger angebrochen, aber im Tal von Pescasseroli herrscht ein seltsames, farbloses Zwielicht. Erst als sich gegen halb neun die Sonne über die Berggipfel schiebt wird es hell. Sie vertreibt auch in kürzester Zeit die Wolken, die in den Tälern hängen.

Seltsames Zwielicht: Es ist Tag, aber die Sonne ist noch nicht übern Berg.

Zehn Minuten später: Sonne ist da, Wolken verschwinden.

Draußen Bimmeln die Rinder in den Bergen rum. Der Frühstückssaal des Faggio Rosso, der roten Buche, könnte problemlos eine Hundertschaft aufnehmen, und vermutlich tut er das im Winter auch. Heute bin nur ich hier. Das Hotel hatte heute Nacht noch zwei andere Gäste, aber die schlafen noch.

Einen Caffé Doppio später bin ich abreisebereit. Als ich die Koffer zum Motorrad trage, macht sie das kleine Mädchen von gestern gerade für die Schule fertig. Sie trägt einen Schulranzen, der viel zu groß für sie ist, und nörgelt an dem Apfel rum, den ihre Mutter ihr noch zustecken will. Schulkinder sind überall gleich.

Die Rotte weißer Hunde beobachtet, wie ich die V-Strom startbereit mache. Welcher von denen ist wohl Clara? Ach, egal.

Zum Abschied sagt die Hotelierin „Einen Moment noch“, und verschwindet im Hinterzimmer der Rezeption. Dann kommt sie mit einer Flasche Wein wieder und will sie mir schenken. Mei, wie lieb! Ich habe echte Probleme ihr klarzumachen, dass ich die leider nicht mitnehmen kann – ich habe keinen Platz, sage ich und verschweige, dass ich heute einfach keine Glasflasche mit Flüssgkeit an Bord haben möchte, weil heute ein komischer Tag ist und alles mögliche passieren kann. „Ich dachte, wenn sie die vielleicht ein wenig irgendwie reinschieben“… ach, wie lieb die Frau ist! Aber nein, ich lehne ab und sage, dass ich die beim nächsten Mal gerne mitnehme.

Es geht die üble Zufahrtstraße vom Hotel den Berg runter, raus aus Pescasseroli und nach Süden, eine wundervolle Landstraße voller perfekter Kurven entlang.

Auf dem Weg liegt Barrea, von wo aus man einen tollen Ausblick auf den gleichnamigen See hat. Das Panaorama der Berge spiegelt sich im blauen Wasser, und ich verstehe, wieso das hier die „Perle der Abruzzen“ genannt wird.

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Verfasst von - 16. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (6): Speed Kills Bears

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Ein Ausflug in den siebten Kreis der Hölle.

Montag, 25. September 2017, San Vincenzo

Der Wecker soll um 7 Uhr klingeln, aber schon vorher wache ich aus einem erholsamen Schlaf auf. Sechs Tage habe ich auf I Papaveri verbracht, und in dieser Zeit kaum mehr gemacht als auf der Terrasse zu sitzen und zu lesen, kleine Ausfahrten in die Umgebung zu unternehmen und am Meer spazieren zu gehen. Die Auszeit hat mir gut getan, ich bin mit dem Kopf wieder im hier und jetzt, habe Energie und bin wieder neugierig auf Neues.

Das Neue beginnt direkt vor der Haustür, denn heute geht es nach weiter und in unbekanntes Territorium. Die „Principessa“, das große Appartment im Erdgeschoss von I Papaveri, habe ich gestern schon abreisefertig gemacht, und auch die Koffer sind auch schon so gut wie gepackt.

Ich brauche 20 Minuten, dann schiebe ich die Barocca durch das Tor von I Papaveri und hänge ich die Koffer ein. Abfahrtbereit steht die V-Strom in der Morgensonne.

Ich klingele noch bei Licio und Franca, um mich zu verabschieden und zum Dank für die Gastfreundschaft eine Flasche Wein zu überreichen. Die beiden sind niedlich, wie immer: Ich soll vorsichtig fahren. Und natürlich Merkel grüßen, zumindest ein Bißchen. Franca ist großer Fan von Merkel. Ja, ja.
Ich mag keine langen Abschiede, und deshalb schwinge ich mich wenige Minuten später schon auf das Motorrad und schiebe das Garmin in seinen Platz im Cockpit. Sofort bootet sich Anna in meinen Helm und verkündet, das die heutige Fahrt mindestens 7 Stunden dauern wird, aber verkehrstechnisch alles OK sei. Sogar das Wetter entlang der Strecke sei ideal, findet sie.

Anna sagt: Perfektes Reisewetter entlang der Route.

Ciao, I Papaveri!

Wenn es nur nicht so kalt wäre! Das notorisch ungenaue Thermometer am Mopped zeigt 15 Grad, aber Anna zieht eine wesentlich glaubwürdigere Lokaltemperatur von 9 Grad aus dem Netz. Meine Finger sind geneigt letzterem mehr Glauben zu schenken. Die Fahrt geht über die SS1, die sich durch die Berge entlang der Küste zieht. Olivenhaine säumen die Berghänge entlang der Strecke, und im Sonnenlicht ist ein feiner Morgennebel zu sehen. Denke ich zumindest, bis ich merke, dass das Rauch ist. Die Bauern verbrennen Olivenschnitt, und aufgrund der Wetterlage klebt der Rauch in in Tälern.

Morgensonne um kurz nach Acht.

Bis Grossetto ist es eine unspektakuläre Fahrt, weil die Strada Statale ausgebaut ist wie eine Autobahn. Dann wird sie zu einer Dorfstraße, auf der die erlaubte Geschwindigket ständig zwischen 50 und 70 wechselt – nervig. Das bleibt auch so, bis die Toskana aufhört und das Latium anfängt.


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Verfasst von - 9. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (5): Quallenkuscheln

Drei Wochen auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Dieses Mal gibt es einen Strand mit Werbeunterbechungen, Touristen Tai-Chi und Schwänke aus der Jugend.

September 2017, San Vincenzo

Ich stehe am Strand und blicke auf´s Meer hinaus. Der Moment ist unheimlich friedlich, und ich fühle mich wohl. Sanfte Wellen rollen an den Strand. Nur ich bin hier, sonst sehe ich kilometerweit keine Seele.

Ich zucke zusammen, als sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter legt und eine tiefe Stimme fragt „Haben Sie nicht was vergessen?“ Ich schließe die Augen und erwidere mit fester Stimme: „Nein, habe ich nicht“.

Ich wache kurz auf, drehe mich um und schlafe weiter. Immerhin, vor einer Woche noch wäre ich um 5 Uhr hellwach im Bett gesessen, mit dem kribbelnden Gefühl unter der Schädeldecke WIRKLICH etwas vergessen zu haben. Ich werde langsam ruhiger und merke, wie ich mich Stück für Stück entspannen kann.

Dazu tragen auch die kleinen Ausflüge mit der V-Strom bei. Nichts Spektakuläres – mal besuche ich ein Einkaufszentrum im Nachbarort, mal gehe ich am Hafen von San Vincenzo spazieren, mal schlendere ich über einen Wochenmarkt in den Bergen. Längere Ausflüge machen ich nicht. Ich rede mir selbst ein, dass ich die Kette der Suzuki schonen will, aber die Wahrheit ist: Ich habe keine Lust und keine Energie für weitere Fahrten oder Wanderungen in den umliegenden Bergen.

Gerade noch aufraffen kann ich mich zu einer kleinen Fahrt nach Pisa. Das ist nicht weit weg und die Stadt ist nicht anstrengend. Heute ist das Wetter mal nicht eisekalt und windig, im Gegenteil: Die Sonne scheint aus allen Knopflöchern über den Feldern rund um die Stadt.

Wie immer gibt es Stop&Go-Verkehr, der sich langsam durch die Stadt und über die Brücken über dem Arno schiebt. Ich parke im Univiertel und staune, wie stark die Stadt vor Leben summt. Eine vibrierende Geschäftigkeit liegt in der Luft. Das kann nur an einem liegen: Die Studierenden sind wieder da. Im Sommer ist Pisa wie ausgestorben, abseits der „Wunderwiese“ mit dem schiefen Turm sind die Gassen der Stadt leer, und alles macht den Eindruck in einem Dornröschenschlaf zu liegen. Aber sobald die Uni Mitte September wieder losgeht steppt hier der Bär.


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Verfasst von - 2. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (4): Kettenhäftling

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Piepsende Straßen, Probleme mit Catena und ein Wiedersehen mit dem Wundermechaniker.

Mittwoch, 20. September 2017, San Vincenzo

Ich schrecke aus einem unruhigen Schlaf auf. In einem wirren Traum haben mich Faschisten durch eine nächtliche Innenstadt verfolgt. Trump-Anhänger, mitten in Europa. Was für ein Albtraum… Wenigstens habe ich nicht von der Arbeit geträumt. Oder… Moment mal… doch, es kamen Arbeitskollegen darin vor, aber wenigsten nur in einer Rahmenhandlung und nicht als Faschos. Wäre ja auch noch schöner.

Zumindest weiß ich schon beim Aufwachen wo ich bin und denke nicht mehr, ich wäre noch zu Hause und müsste gleich zur Arbeit. Das verbuche ich mal als Fortschritt. Ich bin in San Vicenzo, und ich muss absolut NICHTS machen. Zufrieden lächelnd drehe ich mich um und schlafe nochmal 6 Stunden weiter.

Erst ganz spät stehe ich auf und beäuge mißtrauisch das wechselhafte Wetter. Es ist zum Heulen. Das ganze Jahr war das Wetter hier in San Vincenzo spitze und so warm, das selbst die Einheimischen von einem Rekordjahr sprachen. Eigentlich kann man hier problemlos auch im September Sommerurlaub machen. Aber nicht jetzt.

Jetzt bin ICH hier, und in meinem Schlepptau folgt eine Kaltfront aus Norden, die die warme Luft aus Afrika verdrängt und für Temperaturstürze. „Kältester September seit 40 Jahren“ schlagzeilt der Wetterdienst, und „völlig unnormales Wetter für diese Jahreszeit“

Mit 14 bis 18 Grad ist es wirklich nicht warm, außerdem ist es windig und es gibt Regenschauer. An Baden im Meer ist nicht zu denken. Das ist schade, ich hatte mich das ganze Jahr so auf die paar Tage am Strand gefreut.

So erkunde ich ein wenig die Gegend auf dem Motorrad. Ich stöpsele am Netbook eine Route durch die Berge östlich von San Vincenzo zusammen, schicke die an Anna und fahre los.

Die Straße ist eine winzige Kommunalstraße, alle paar Meter kommt eine Kurve – und ich bin fast allein hier. Zum ersten Mal seit ich sie habe kann ich mit der V-Strom wirklich ungestört Kurven fahren üben.


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Verfasst von - 25. November 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorrad 2017 (3): Ölspurensucher für ein Motorradgespenst

Im September 2017 ging es mit der V-Strom 650 auf Tour. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Geister, funkensprühende Aufsetzer, generelle Unlust und die Taufe eines bis dato namenlosen Motorrads.

Die Konferenzgäste stehen in kleinen Grüppchen in einem Wald und unterhalten sich. Es ist Nacht und dunkel, aber die Gäste scheinen gar nicht zu merken wie absurd das ist – warum sind die nicht in am Konferenzort? Ich laufe auf eine Gruppe Gäste zu um sie zum richtigen Ort zu geleiten, als es hinter mir knackt. Ich drehe mich um und sehe, wie etwas auf mich zugerast kommt. Ich renne los, weiche Bäumen aus und stolpere über Büsche. Dann schrecke ich hoch.
Nur ein Traum. Es rauscht. vermutlich hat die Nachbarin von oben wieder ein nächtliches Bad genommen und lässt gerade das Wasser ab. Wie lange noch, bis ich aufstehen und zur Arbeit muss?

Montag, 18. September 2017, Collagna, Italien

Wieder sickert nur ganz langsam die Erkenntnis in mein Bewusstsein: Ich muss heute gar nicht zu Arbeit. Und das hier ist auch nicht meine Wohnung. Ich bin nicht zu Hause, sondern 1.200 Kilometer entfernt in einer Blockhütte auf einer Forellenfarm. Das Rauschen ist das vom Wind in den Bäumen, nicht das Badewasser der Nachbarin.

Ich rutsche halb und falle mehr aus dem Bett und tappe ins Bad. Es ist erst kurz nach sechs. Offensichtlich fällt mir die Entspannung sehr schwer, anders ist das dauernde Träumen von der Arbeit und die kurzen Schlafphasen nicht zu erklären. Nach einem Tag wie gestern, an dem ich es bei schlimmsten Wetter über die Alpen geschafft habe, hätte ich erwartet, dass das Hirn andere Dinge zu sortieren hat. Stattdessen spielt es mir im Traum Gespräche mit Arbeitskollegen vor, über Dinge, die lange erledigt sind.

Ich lüpfe den Vorhang an der Tür. Ja, die V-Strom steht immer noch draußen und mit der Nase fast im Zimmer.

„Guten Tag, ich würde mit Ihnen gerne über Motorräder sprechen.“

Es regnet nicht, es stürmt nur. Der Wind reißt wir irre an den Bäumen. Ich lege mich nochmal ins Bett und mache die Augen zu, da höre ich, wie neben mir ein Schlüssel im Schloss gedreht wird und sich jemand räuspert. Ich bleibe still liegen und lausche ins Dunkel.

Ich bin nicht erschreckt, ich weiß, was das ist. Als ich am Vorabend gefragt hatte wo das Frühstück serviert wird, hatte Nicoletta auf eine Tür am Ende des Zimmers gedeutet und gesagt „einfach da durch“. Mein Blockhüttenzimmer ist keine richtige, alleinstehende Hütte, sondern hat eine Verbindung zum Haupthaus.

Gestern Abend hat keiner der drei Schlüssel, die sie mir gegeben hat, diese Tür geöffnet. Ich wette, jetzt ist das anders.

Trotzdem bleibe ich noch ein wenig liegen und genieße die Bettwärme, die sich wie ein Kokon um mich legt und das Rauschen des Sturms noch gemütlicher macht. Um kurz vor acht packe ich dann meine Sachen, ziehe mich an und probiere die Schlüssel. Jetzt lässt sich einer im Schloss drehen, die Tür geht auf und ich stehe in einem fantastischen Frühstückszimmer.

Sechs Tische für je vier Personen stehen darin, eine Wand wird von einem großen Panoramafenster eingenommen, dass auf die Berge hinausblick. Daneben ist das zweitgrößte Süßes-Frühstück-Buffet aufgebaut, dass ich je gesehen habe. Harte Kuchen mit Konfitüre in 5 Ausführungen, 10 Variationen Kekse, süßer Zwieback, mit Nutella garnierte Törtchen… ein Diabetiker würde allein beim Anblick dieses Tresens einen Zuckerschock bekommen.

Hinter dem Tresen steht eine mollige Frau unbestimmbaren Alters und guckt mich an wie eine Eule. Italien produziert ja einen nie versiegenden Strom an Eulenfrauen, und die hier ist ein Prachtexemplar. „Moin“, sage ich auf italienisch, dann mache ich große Augen und lobe die Auswahl des Süßtresens als fantastisch und so noch nie dargewesen. Die Dame atmet hörbar auf. Sie hilft hier nur aus, weil Nicoletta die Kinder zur Schule bringt, erklärt sie, und hatte befürchtet, dass sie mit mir englisch reden müsste. Nee, muss sie nicht. Das bricht das Eis, sie lächelt und fragt, was ich trinken möchte. Espresso, natürlich. Ich muss heute noch weit fahren und habe keine Zeit und keine Lust auf Pinkelpausen.

Aus dem Kariessortiment suche ich mir was aus von dem ich hoffe, dass es mit Pudding gefüllt ist. Italiener haben es drauf Sachen fluffig und locker aussehen zu lassen, aber meistens sind die Kuchen oder das Brot dann hart wie Stein. So mögen sie das, ich nicht. Jetzt lande ich aber einen Volltreffer, das Ding, das ich zum Tisch getragen habe, ist voller Vanillepudding. Geil.

Die Frau guckt mich an und fragt „sind sie mit dem Motorrad unterwegs“? Ich nicke. „Dummes Wetter dafür“, sagt sie. Ich muss grinsen, denn sie vermeidet anscheinend echte Schimpfwörter. Ich finde das niedlich. Sie guckt aus dem Fenster, vor dem die Bäume vom Wind nach links und rechts gepeitscht werden. Sieht ein wenig aus als ob sie rumhampeln. Wie weiland der singende Busch in „Drei Amigos“: Beim Gedanken an die Szene muss ich grinsen. Vielleicht bringen die Bäume draußen ein Ständchen, und wir hören es nicht, weil das Fenster schalldicht ist?

„Der Sturm ist heftig“, sagt die Frau und wieder finde ich ihre Wortwahl niedlich, denn sie sagt wörtlich „Der Wind ist wütend“.
„Ja“, mümmele ich zwischen zwei Bissen, „Aber wenigstens regnet es nicht“.

In diesem Moment fängt es an zu regnen.
Als hätte jemand vor dem Panoramafenster eine Dusche angestellt.
Ich schließe die Augen und bin leicht genervt.

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Verfasst von - 18. November 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour 2017 (2): Twin Peaks-Forellen

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Fahle Leichentücher, Fische an ungewöhnlichen Orten und Probleme mit… der Lichtmaschine?

Die Konferenz ist in vollem Gange. Gerade ist Kaffeepause. Ich sehe meine Kolleginnen und Kollegen unter den Gästen. Warum fällt niemandem auf, dass es keinen Kaffee gibt? Ich laufe durch die Lobby. Wo ist die Cateringcrew? Wo sind die Kellner? Ich sehe an mir herunter und erschrecke, als ich merke, dass ICH der Kellner bin. Stimmt ja! In meiner Hand ist plötzlich ein leeres Tablett. Es ist Kaffeepause, und ich habe vergessen Kaffee zu kochen. Zweihundert Leute werfen mir wütende Blicke zu an und schütteln tadelnd die Köpfe.

Ich wache mit klopfenden Herzen auf. Zum Glück nur ein Traum. Ich blicke auf die Armbanduhr. Kurz nach 6, viel zu früh. Bis ich zur Arbeit muss kann ich noch eine Stunde schlafen. Ich drehe mich um und lausche ins Dunkel.

Dann schrecke ich hoch. Was ist das für ein Geräusch? Das gehört hier nicht her, in meiner Wohnung gibt es nichts, was so ein Geräusch macht. Und dann fällt es mir wieder ein. Das hier ist nicht meine Wohnung. Ich bin unterwegs. Ich bin auf Motorradtour!

Sonntag, 17. September 2017, Sölden im Ötztal, Österreich

Ich schlafe tatsächlich nochmal ein, bis um 7:30 Uhr der Wecker quengelt. Im Bad glotzt mich wieder das müde Tränentier an. Man, muss ich fertig sein, wenn ich nach einem SO langen und aufregenden Reisetag wie gestern nicht davon, sondern von Konferenzen und Meetings und Arbeitssmalltalk träume. Irgendwie fehlte in diesem Jahr bislang die Zeit die natürliche Schutzschicht ums Hirn wieder zu erneuern. Wenn die Wände zu dünn werden, sickern Dinge in tiefe Regionen des eigenen Selbst, die da nicht hingehören.

Ich packe mein Kram zusammen und schmeiße mich schon in komplette Motorradmontur, dann trete ich auf den kleinen Balkon hinaus. Das Zimmer war gut beheizt, draußen ist es arschkalt, vielleicht drei Grad.

Ich gehe hinunter zum Frühstücksraum. Die Wirtin kommt herbeigewuselt, eine schlanke, sportliche Mittvierzigerin. „Ich hab ihnen da schon den Fernseher angestellt“, sagt sie. Tatsächlich, es läuft ein Lokalsender. Sölden-TV oder so, bringt nur Werbung lokaler Geschäfte und Infos über das Skigebiet. Oder, wie jetzt, das Timmelsjoch.

Gestern hatte Frau Wirtin noch gefragt wo ich hin wolle. Zum Brenner, hatte meine Antwort gelautet. „Sie wissen aber schon, dass hierherobn das Timmelsjoch ist, das sind´s viel schneller in Italien“. Klar weiß ich das. Deshalb hatte ich hier die Unterkunft gebucht. Morgens auf´s Motorrad und los geht´s, Berg hoch, übers Joch und schon in Meran. Wird nur nix draus, seit einer Woche steht das Wetter auf Schneefall, und heute Morgen schneit es wirklich. Sölden TV zeigt die Bilder der Webcams vor Ort und bestätigt, was die Wetter-App mir schon gesagt hat.

„Habens schon gesehen? Da herob´n geht heute nix, oder?“, sagt Frau Wirtin. „Nee, da geht nix“, sag ich und nehme noch einen Schluck Espresso. „Wollens´ nicht richtigen Kaffee?“, fragt sie. „Nein, danke, ich mag Espresso“, sag ich. Stimmt auch. Und der andere Vorteil von Espresso: Man muss danach nicht soviel auf´s Klo. Das ist wichtig heute.

Nach dem Frühstück bringe ich die Koffer zum Motorrad, dass die Nacht in der Garage neben dem Haus verbracht hat. Sicher steht die V-Strom da. Ich klippe die Koffer an, dann kehre ich zu meinem Zimmer zurück und lege sorgfältig mehrere Schichten Kleidung an. Die Merinounterwäsche und die Fahrerkombi trage ich ja schon, jetzt kommt darüber noch der Nierenprotektor und darüber die Regenkombi. Bis ich mich hineingewunden habe und alles sitzt bin ich schweißgebadet. Verschwitzt raus in die Kälte ist eigentlich nicht gut, aber ich mache mir keine Sorgen. Der Merinokram leitet Schweiß vom Körper weg, die restlichen Kleidungsschichten haben Membranen und sind atmungsaktiv. Die Gefahr sich zu verkühlen ist echt minimal.

Ich fahre die Suzuki rückwärts aus der Garage in den strömenden, kalten Regen und starte den Motor. Sofort röhrt der V-Twin auf, dann geht es hinaus auf die Straße.


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Verfasst von - 10. November 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour 2017 (1): Komm´, wir fahr´n ins Ötzi-Land!


Nachdem der Versuch einer Motorradreise im Juni spektakulär gescheitert ist, unternimmt Herr Silencer im September einen neuen Anlauf. Erstaunlicherweise fehlt die Lust auf Urlaub, und verreisen will er auch nicht. Das Schnee angesagt ist, ist nur einer der Gründe.

Samstag, 16. September 2017, Mumpfelhausen bei Göttingen.

Schon vor dem Weckerklingeln bin ich wach. Wieder schlecht geschlafen, wieder wirre Träume. So geht das schon seit Wochen. Kaum eine Nacht mehr als fünf, sechs Stunden Schlaf, dafür lange Arbeitstage und durchgearbeitete Wochenenden. Selbstausbeutung. Aber ich weiß wofür ich das tue und das es gut ist. Und ab heute ist Urlaub.

Ich tappe ins Bad und sehe mich im Spiegel an. Ein sehr weißes, verquollenes Etwas blickt zurück. Ich sehe müde aus. Die letzten Wochen haben ihren Tribut gezollt, und zu viele Essenstermine und wenig Zeit und Muße für Sport haben mehr als die normalen 5 Kilo zu viel auf den Rippen hinterlassen. Ich bin ziemlich am Ende mit der Bereifung, nervlich und körperlich. Ein Hustenanfall lässt die Wände wackeln. Werde ich jetzt auch noch krank? Die letzten Tage habe ich auf einer Konferenz mit Dutzenden von hustenden und schniefenden Leuten verbracht.

Ein Schwall kaltes Wasser ins Gesicht, dann eine halbe Tasse löslichen Kaffee und der Blick aufs Thermometer. Draußen sind gerade mal 5 Grad. Will ich wirklich daraus? Ich hab ein ganz ganz schlechtes Gefühl. Wann bin ich das letzte Mal gefahren, als es so kalt war? Früher, mit der Honda, da galt die Faustregel: Bis fünf Grad geht´s, alles darunter wird schmerzhaft. Nun, das ist 20 Jahre her. Seitdem ist die Schutzkleidung besser und wärmer geworden. Aber meine Knochen älter.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich gerade gar keine Lust weg zu fahren. Keine Lust auf Urlaub. Eine Motorradreise ist anstrengend und fordernd, und ich bin gerade einfach nur müde. Die Welt soll mich in Ruhe lassen, ich will mich einfach wieder in mein warmes Bett kuscheln. Der Gedanke ist verlockend: Einfach hier bleiben, drei Wochen lang die Raufasertapete angucken und bloß nicht aus dem Haus gehen. Wirklich verlockend.

Drei Wochen unter der Kuscheldecke, das wär´s jetzt.

Während ich diesen Gedanken nachhänge gucke ich aus dem Küchenfenster in den grau-kalten Morgen, der sich mehr nach November als nach September anfühlt.
Hier bleiben. Nichts tun.
Das sollte ich machen.

In genau diesem Moment kommt die Sonne raus. Gleich wirkt die Welt etwas energiereicher. Ich horche tief in mich hinein, aber da ist immer noch keine Urlaubslust. Kein Reisefieber. Keine Vorfreude auf neue Orte und Menschen. Da ist nichts, was mich antreiben würde. Ich spüre nur Leere.

Lediglich ein fernes Echo deutet eine Vermutung von Fernweh an. Ich konzentriere mich auf dieses Echo, aber es wird nicht stärker. Ich habe in den letzten Monaten alles gegeben, und jetzt ist nichts mehr in mir. Hier bleiben. Nichts machen.
Einfach ins Bett legen und drei Wochen pennen.

Dann bricht eine meiner weniger guten Charaktereigenschaften durch. Ich werde ungeduldig, mit mir selbst. Ich verliere die Geduld mit dieser waschlappigen Rumjammerei, die mich gerade befallen hat. Selbst wenn dieses ferne Echo nur eine Vermutung von Fernweh ist, warum gehst Du dem nicht nach? Und zwar JETZT. Was sollen diese Gedanken an ein Absagen der Reise? Du wirst ohnehin fahren, früher oder später, also krieg den Hintern hoch und mach Dich auf den Weg! Jetzt!

Ich ziehe langsam die Motorradklamotten an und mache die Wohnung abreisefertig.

In der Garage unter dem Haus steht die V-Strom, vollgetankt und mit gepackten Koffern. Seit Tagen schon.


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Verfasst von - 4. November 2017 in Motorrad, Reisen

 

Teaser

Frühere Teaser:

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Verfasst von - 1. November 2017 in Motorrad, Reisen, video

 

Moppedzubehör: Gold vs. Mist

Ich hatte an der V-Strom ja so einiges dran- und umgebastelt. Dinge, die ich für sinnig und angebracht hielt. Am Saisonende ist jetzt die Zeit mal zu evaluieren: Was hat gut funktioniert, was nicht? Was hat mich glücklich gemacht, was hat am Ende mehr genervt als genutzt?

Ich bin kein Freund von überflüssigem Nervkram. Was sich nicht bewährt, wird gnadenlos entsorgt oder radikal geändert, denn: „Ain´t nobody got time for that“. Die gute Nachricht: Der Großteil der Sachen tut einfach wie er soll und wie erwartet, aber es gab ein paar Dinge, die unerwartet viel besser oder schlechter sind als gedacht.

Flops

Flop-Platz 3: Givi Trekker Koffer
Lange hatte ich mit den „Trekker“-Koffern von Givi schon geliebäugelt, und nach dem Unfall stellte mir die Versicherung so welche vor die Tür. Freude! Aber nicht lange.

Stellt sich nämlich raus, dass die Dinger irre breit sind – und noch schlimmer: Irre schwer. Der kleine Koffer wiegt leer 5 Kilo, der große 6 Kg. Klar, die sind robust gebaut und haben doppelte Scharniere im Deckel, das kostet Gewicht. Leider geht das auf Kosten der Zuladung. Der Träger am Motorrad möchte maximal mit 12,5 Kilo pro Seite behängt werden. Links ist schon die Tooltube mit 1,5 Kilo, dann der Koffer mit 6 Kg, bleiben also gerade mal 5 Kg Zuladung. Bisschen wenig, ich bräuchte 8kg. Außerdem muss ich das zusätzliche Gewicht ja auch schleppen, abends zur Unterkunft und wieder zurück.

Nee, da habe ich mir lieber alte, gebrauchte E45 gekauft. Die wiegen nur 3 Kg und halten es auch aus, wenn ein ganzes Mopped auf sie drauf fällt (für sie getestet). Was ich nun mit dem 33 und dem 46 Trekker mache? Weiß ich noch nicht. Zum Verkaufen finde ich sie zu cool, aber ich sehe bislang nicht wann und wie ich sie nutzen sollte.

Flop-Platz 2: Seitenständer
Durch die Tieferlegung der Maschine um 3 cm musste der Seitenständer um 2 cm gekürzt werden, außerdem wollte ich gerne eine Standfußverbreiterung von SW-Motech nutzen. Hat beides nicht funktioniert: Die Kürzung war zu zaghaft, dadurch stand die Maschine zu aufrecht und drohte bei leichtester Abschüssigkeit des Untergrunds nach rechts, insb. mit Gepäck, umzufallen. Ich musste dauernd nach links abschüssige Halteplätze suchen oder eine Kuhle in den Boden scharren, damit die Kiste sicher stand. Und auf der Rückfahrt, als ich in diesen Orkan geriet, drohte der Wind die Maschine bei Pausen umzupusten. Eine Katastrophe, sowas.

Die Standfußverbreiterung hat es geschafft Riefen in den Boden zu kratzen – auch in Stein und Beton. Keine Ahnung wie das geht, das Teil ist nämlich nur aus Alu, da hätte ich gedacht, dass das weicher ist als Stein. Vermutlich hat der falsche Winkel das ausgelöst. Einige Gastgeber waren mit Sicherheit nicht amused darüber, dass ich auf ihren Parkplätzen Kratzer hinterlassen habe.

Ist schon geändert. In der Werkstatt wurden nochmal 1,5 Zentimeter vom Seitenständer entfernt (was m.E. nicht den nötigen Effekt gebracht hat, aber wir werden sehen). Und die Verbreiterung wurde abgeschliffen und im Winkel angepasst. Damit sollte sich das erledigt haben.

Flop-Platz 1: Unterfahrschutz
Der handgeschweißte, tschechische Unterfahrschutz war so ein Ding, von dem ich dachte: OK, kann cool sein, kann auch Mist sein.
Ist Mist, zumindest an meiner V-Strom. Das liegt an zwei Dingen.

Grund 1: Vibrationen. Ab 5.000 Touren war das Ding am Dröhnen wie sonstwas. Bei der Drehzahl erreicht der Auspuff seine Resonanzfrequenz und schlägt gegen den Motorschutz. Ich hatte schon Unterlegscheiben drunter gepackt um den Abstand zu erhöhen. Hat aber nichts gebracht, der Auspuff hat eine regelrechte Delle ins Alu vibriert:

Grund 2: Aufsetzen. In engen, abschüssigen Kehren setzen allen Ernstes die hinteren Ecken des Unterfahrschutzes auf der Fahrbahn auf. Das ist doof und gefährlich. Deshalb trenne ich mich jetzt von dem Teil, auch, wenn es tatsächlich zwei Mal auf der letzten Fahrt den Motor vor Treffern durch herumfliegende Metallteile/Steine geschützt hat. Das ist aber nicht den Preis geringerer Bodenfreiheit wert. Vermutlich ist das übrigens nur ein Problem MEINER V-Strom, wegen der Tieferlegung, wissen schon. Schade. Ist die größte Enttäuschung. Ich fand das Teil cool, aber wenn es keinen Nutzen hat, weg damit. Mein Mopped soll nicht cool aussehen, es soll funktionieren.

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Top3:
Es gab aber auch Dinge, die mich sehr glücklich gemacht haben.

Platz 3: Givi-Sturzbügel
Was soll ich sagen? Er funktioniert. Beim Unfall ist das komplette Mopped darauf gelandet und über den Asphalt gerutscht, und das Ding hat nur einen Kratzer abbekommen. Ich hätte erwartet, dass er sich bei der Belastung auch verbiegt, aber: Nada, dass Ding ist keinen Zentimeter verformt. Sowohl die Verkleidung als auch der Tank – und vor allem mein Bein! – wurden perfekt geschützt.

Patz 2: Bikers Dream Luftpumpe
Dieses kleine Ding macht mich echt glücklich: Eine Luftpumpe! Und eine winzig kleine noch dazu! Luft ist nämlich, anders als man immer denkt, nicht immer und überall an jeder Tankstelle vorhanden. Zumindest nicht im Ausland. An vielen Tankstellen jenseits der deutschen Grenze gibt es gar keine Luft, und wenn es doch Luftstationen gibt, kostet das Geld oder die Luftautomaten sind kaputt. Meistens ist beides der Fall. Oder die Ventilenden passen nicht. Oder man kommt mit dem Stab oder Rüssel nicht ans Ventil am Reifen. Oder irgendein anderer Kram nervt. Generell ist nie Luft vorhanden wenn man gerade welche braucht.

Die Luftpumpe von Bikers Dream ist aus Alu und sehr leicht, total klein und das Meßgerät daran ist recht genau. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein Spielzeug, aber das täuscht: Der Hub ist sehr ordentlich, das Ding schafft was weg. Fünf Mal Treten entspricht ca. 0,1 Bar, damit ist selbst die Befüllung eines ganzen Reifens kein Ding der Unmöglichkeit.

Zusammengelegt:

Anders als ein kleiner Kompressor, wie ihn manche Tourenfahrer mit sich führen, braucht die Pumpe keinen Strom und ist – auch nicht ganz unwichtig – quasi lautlos. Sehr geiles Ding und vom Volumen her mit 17x8x8 cm kaum größer als die Sammlung Pressluftpatronen aus dem Reifenset, die es nun ersetzt. Das Gewicht von 600 Gramm (inkl. Adapter) ist im Reisegepäck auch verkraftbar.

Wertig und praktisch ist auch der CNC-gefräste Adapter. Mit dem großen goldenen Rändelrad schraubt man ihn auf das Reifenventil, mit dem kleinen roten öffnet man es. Das heißt: Kein Luftverlust beim An- und abdocken, es macht nicht Zisch.

Den Adapter habe ich jetzt immer unter der Sitzbank, der leistet in Deutschland nämlich auch an Tankstellen gute Dienste: Draufschrauben, schon hat man keine Probleme mehr mit der Zugänglichkeit des Rüsselteils oder Stabs der Luftstation.
Pumpe und Adapter sind deutsche Liebhaberqualität, käuflich zu erwerben auf http://www.bikersdream.de oder bei Louis oder Polo.

Platz 1: Sitzbank von Designwerkstatt Schmidt
Mir war vollkommen klar, dass eine Sitzbank mit Geleinlagen gut für Hintern und Rücken sein würde. Das die in Kombination mit der aufrechten Sitzhaltung aber SO toll werden würde, hatte ich nicht geahnt. 700 Kilometer am Stück lässt sich damit fahren ohne auch nur die leichteste Verspannung. Meine extremste Etappe waren 1.065 Kilometer am Stück – und am nächsten Tag hatte ich keinen Muskelkater. Meister Bernhard hat genau den Sweetspot getroffen, sowohl was die Härte der Polsterung als auch die Position des Übergangs, die Höhe und die Breite angeht. Rutschfest, haltbar, ergonomisch – beste Investition bislang!

 
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Verfasst von - 24. Oktober 2017 in Motorrad, Reisen

 

Hier kommt der Herbst! – Saisonende 2017

Also höret und lobet das Herbstwiesel, das Euch wissen lässt, dass nun die Zeit für lange Abende bei Netflix und guten Büchern und Heißgetränken der eigenen Wahl angebrochen ist! Auf das alles kuschelig sein möge und gemütliches Einmuckeln zelebriert werde! Auf der Couch rumliegen und Videospiele spielen ist nun keine Sünde mehr, denn die Zeit des Motorrads ist für dieses Jahr vorbei! Preiset das Herbstwiesel, das die Blätter bunt anmalt und alles gemütlich werden lässt!

Die Motorradsaison 2017 ist damit offiziell beendet. Wer jetzt nicht mehr fährt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Für mich war es die längste und aufregendste Saison seit langem, aber auch die frustrierendste. Es ist viel passiert, fassen wir mal zusammen.

Im Januar kam ich auf die Idee, unbedingt die Tremola fahren zu wollen. Und erstaunlicherweise sah ich mich da nicht auf meiner treuen Kawasaki ZZR 600, der Renaissance, sondern auf einer Reiseenduro.

Folgerichtig verliebte ich mich im Februar spontan in eine fünf Jahre alte V-Strom, die hier in der Gegend bei einem Händler rumstand.

Den ganzen Februar hindurch hibbelte ich rum, wann ich die große Schwarze mit den 36.000 Kilometern auf der Uhr endlich probefahren dürfte. Als die Temperaturen über den Nullpunkt kletterten und der Schnee weg war, erlaubte es der Händler endlich.

Am Tag des Kaufs.

Noch am gleichen Tag unterzeichnete ich den Kaufvertrag, und eine Woche später, am 03. März, stand die V-Strom bei mir vor der Tür. Wenige Tage später war sie schon in der Werkstatt meines Vertrauens und wurde umgebaut: Tieferlegung, automatisches Ölsystem, anderer Sturzbügel, Erweiterung des Gepäcksystem usw. usf.

Im April dann eine unerwartete Überraschung und DIE Freude des Jahres: Ich konnte ganz unverhofft eine ganze Garage unter dem Haus übernehmen. Garagen sind hier auf dem Dorf Mangelware, und dann auch noch direkt unter meinem Wohnzimmer eine zu bekommen, da wurde ein Traum wahr. Seitdem stehen ZZR und V-Strom nicht mehr an der Straße, sondern schön im Trockenen.

Netter Nebenffekt: Ich habe einen Rückzugsort, an dem ich einfach ungestört und geschützt vor den Blicken der Nachbarn rumbasteln kann. Wenn man an der Straße stehend schraubt, kommt alle fünf Minuten ein Otto vorbei und versucht einem ein Gespräch aufzuzwingen. Die Garage erlaubt Zen-artige Ruhe.

Der Juni war hart. Zu Beginn der ersten, großen Reise wurde die V-Strom von einem Auto umgefahren. Der Trottel von Unfallgegner meldete den Vorfall nicht seiner Versicherung, und so zog sich die Reparatur. Den Großteil des Sommers stand die V-Strom in der Werkstatt, erst Mitte Juli kam sie wieder raus. Immerhin war sie reparabel, und immerhin war es nur Blechschaden. Das war mein erster, echter Unfall mit einem Auto, und ich bin froh, dass mir nichts passiert ist.

Im Juli war das Wetter mies und ich hatte nicht viel zu tun. Ein Regennasser Nachmittag in der Garage bescherte der Renaissance schwarze Leuchten.

Die Maschine hat jetzt kein farbiges Teil mehr an sich und wirkt, als sei sie aus einem Schwarz-Weiß-Film gefallen. Wenn man drauf guckt, hat man das Gefühl, dass die Augen nicht richtig funktionieren, weil in den Grenzen eines ZZR-förmigen Umrisses alles nur grau ist.

Später im Monat kam die V-Strom wieder aus der Werkstatt, und die erste Tour führte nach Bad Orb und von da aus gemeinsam mit Freunden durch den Spessart.

Im August machte ich einen kleinen Ausflug mit der ZZR, der zu einer 1.400 Kilometer langen Tour durchs Saarland, Frankreich und Belgien ausartete. Highlight war der Besuch von Verdun und die dortigen Geschichtslektionen.

Im September ging es dann endlich mit der V-Strom auf Tour, über Österreich nach Italien und Retour. Das war toll, fühlte sich aber eher wie eine erweiterte Probefahrt an. An deren Ende wusste ich genau was alles noch an der Maschine geändert werden musste bis wirklich alles passte – aber The Real Thing war es bis dahin noch nicht. Das die Kette völlig fertig war minderte den Fahrspaß erheblich – am Ende wollte ich nur noch nach Hause.

Im Oktober ging die V-Strom wieder in die Werkstatt und bekam einmal alle Verschleißteile neu. Reifen, Kette, Bremsbeläge, Öl, Zündkerzen, Luftfilter, Bremsflüssigkeit, Ventilspiel eingstellt, usw.

Seit vorgestern ist sie wieder zurück, heute wurde sie geputzt und für die Einwinterung fertig gemacht. Die ZZR steht bereits abgedeckt und mit abgelassenen Vergasern daneben.

Die beiden dürfen jetzt vom Sommer träumen. In fünf Monaten wecke ich sie dann aus dem Winterschlaf und präsentiere ihnen neue Pläne für gemeinsame Touren, die ich über den Winter aushecke.

In der Summe: Neues Mopped, Garage, Unfall, Reise mit angezogener Handbremse – die Saison 2017 war teuer und unbefriedigend, aber kein Komplettausfall.

Zeit, mal die Daten der Maschinen auszulesen und auszuwerten. Das war die Motorradsaison 2017 in Zahlen:
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Verfasst von - 23. Oktober 2017 in Momentaufnahme, Motorrad

 
 
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