Motorrad

Herbst! Saisonende 2020

Eigentlich ist das jetzt die Stelle, an der jedes Jahr das Herbstwiesel verkündet, dass nun der offizielle Teil der Motorradsaison rum ist und sich ab jetzt niemand mehr dafür schämen muss auf dem Sofa rumzuliegen und Netflix zu gucken. Nur: In 2020 ist auf der Couch rumlümmeln, die Wohnung nicht verlassen und zusehen das es einem gut geht eigentlich alles, was man überhaupt sinnvoll tun sollte. Von daher sparen wir uns jetzt die Ode an das Herbstwiesel und gehen gleich zur persönlichen Rückschau auf das Moppedjahr 2020 über.

Das Pandemiejahr 1 hatte natürlich auch auf die Motorradsaison Auswirkungen. Die begann eigentlich recht früh, was vor allem daran lag, dass es keinen richtigen Winter gab.

So freute ich mich deshalb schon im Februar darauf, endlich wieder auf ein Mopped zu steigen, zumal die Ausrüstung wieder in 1A-Zustand war: Die Maschinen waren ohnehin komplett gewartet in den Winterschlaf gegangen, die Airbag-Jacke hatte im Dezember in Italien eine Wartung erfahren und selbst der früher ungeliebte N104 Nolan-Helm ist mir so an s Herz gewachsen, dass er über den Winter im Werk mit einer neuen Sonnenblende und einem neuen Federmechanismus ausgestattet worden ist.

Damit hält der N104 hoffentlich noch ein wenig, denn der Nachfolger, der Nolan N100-5, ist, mit Verlaub, Dreck aus der Hölle.

Aus Zeitgründen kam ich trotzdem erst Mitte März dazu, zumindest die nachtschwarze Suzuki DL 650 V-Strom, Rufname „Barocca“, mal wieder auf die Straße zu bringen.

Als dann aber klar wurde, dass COVID-19 eine echte Pandemie wird, mottete ich im April die Motorräder wieder ein. Ich hielt es nämlich für keine gute Idee, einem nicht ungefährlichen Hobby ausgerechnet zu dem Zeitpunkt nachzugehen, an dem die Intensivstationen mit COVID-Patienten völlig überlastet waren.

Schweren Herzens sagte ich denn Ende April auch den geplanten Urlaub ab. Die vierwöchige Fahrt mit der V-Strom hätte nämlich eine Schiffspassage bedingt, und mehrere Tage zusammengepfercht mit Hunderten anderen Menschen auf einem Schiff unterwegs zu sein, das konnte ich mir beim Besten Willen nicht vorstellen.

Als sich im Juli die Lage wieder etwas entspannte und auch die innereuropäischen Grenzen wieder geöffnet wurden, holte ich die Barocca und die Kawasaki ZZR 600 Renaissance aus dem Dornröschenschlaf.

Eine kurze Tour mit der V-Strom führte nach Tschechien und Polen. Das war sehr cool, denn damit erfüllte ich mir gleich mehrere, lang gehegte Wünsche: Ich kam ins Erzgebirge, ins Riesengebirge, nach Kutna Hora und Guben und ich lernte NachtPhil in Dresden endlich mal persönlich kennen. Das war super.

Mit der ZZR und gab es lediglich einige Tagesausflüge an Orte, an denen nicht viel los oder viiiiel Raum zum Abstandhalten war. Einer davon war Bergen-Belsen, genauer: Die dortige KZ-Gedenkstätte.

Das zog eine längere Beschäftigung mit der Geschichte von Anne Frank nach sich, und währenddessen kam die Idee auf, einen Ausflug nach Osteuropa zu machen und neben Auschwitz in Polen auch einen Ort zu besichtigen, den ich von Herzen gern in meinem Leben sehen würde: Den Transfăgărășan-Pass in Rumänien.

Quelle: Internet.

Also voller Vorfreude eine dreiwöchige Reise im Herbst bis ans Schwarze Meer geplant. Doch wie alles in diesem Jahr kam auch das hier anders. Kaum war ich Anfang September mit der Planung fertig, wurde Rumänien zum Risikogebiet erklärt. Ich wäre schon noch da hingekommen, aber nicht mehr aus dem Land raus – Ungarn, Österreich und Deutschland hatten Quarantäne für Personen aus Rumänien eingeführt.

Also wieder alles abgeblasen. Stattdessen einfach ein wenig mit der Renaissance um Götham herumgefahren. Lächerliche 700 Kilometer. Eine Schande für die wunderschöne ZZR, die schon halb Europa gesehen hat.

Ende September hielt ich es dann aber endgültig nicht mehr aus. Ich wäre irre geworden, hätte ich nicht eine längere Pause von der Arbeit eingelegt. Ich musste raus, und so sattelte ich die Barocca und fuhr gen Süden und an Orte die ich kannte und von denen ich wusste, dass ich dort alleine war, fernab von Menschen.

So ging es noch einmal nach Italien, was stellenweise auch etwas abenteuerlich war. Ich sage nur: Sieben Stunden im Dauerregen, teils im Gebirge und bei null Grad.

Dort erwischte mich dann, was statistisch gesehen irgendwann passieren musste: Eine Reifenpanne, verursacht durch einen geschenkwilligen Hund.

Davor lief auch alles nicht ganz so supi, das Motorrad machte erst einen unfreiwilligen Ausflug und kippte dabei um, dann zog es sich bei einem weiteren Umfaller Schäden an der Bremse und am ABS zu. Die Folge war ein Ausflug mit einem unfähigen Abschlepper in eine Werkstatt, die keinen Bock hatte zu helfen, worauf hin ich eine Irrfahrt mit plattem Reifen in den Stadtverkehr einer italienischen Großstadt machte.

Die Barocca hat zum Glück nur dort minimalst gelitten, und nur dort wo sie im Vorjahr zusätzlich verstärkt wurde. Die Handschützer und der Motorschutzkäfig haben ihre Funktion erfüllt, wie die Einschläge zeigen.

Am Ende habe ich es doch wieder unbeschadet nach Hause geschafft, und das ist es ja, was letztlich zählt.

Außerdem die Erkenntnis: Seit dem Moment, als ich Ende 2016 das erste Mal beim Händler auf der damals schon 5 Jahre alten V-Strom saß, bin ich in sie verliebt. Sie ist eigentlich zu groß für mich, sicher keine Schönheit, ihr Motor rappelt wie ein Traktor und ihre 70 PS ziehen keine Wurst vom Teller, aber ich liebe sie, weil sie so perfekt für Reisen ist.

Mit der V-Strom habe ich dieses Jahr zumindest 9.000 Kilometer zurückgelegt, was die Werkstatt gar nicht glauben wollte – „Du hast doch zwischendurch die Reifen gewechselt!“ nee, habe ich nicht.

Die Metzeler Tourance Next haben tatsächlich 9.000 Kilometer mitgemacht, davon 3.500 Autobahn, und hatten trotzdem noch 4 bzw. hinten 6 mmm Profil – das bedeutet, dass sie gerade mal etwa 2 mm Profil verloren haben.

Dabei sind das keine extrem harten Reifen, im Gegenteil – gerade auf nasser Fahrbahn haften die hervorragend. 9.000 km und eigentlich noch mehr als gut – trotzdem wurden die Reifen jetzt gewechselt. Die nächste Tour wird hoffentlich wieder genauso lang, und 18.000 Kilometer mit nur einem Satz Reifen – nein, das will ich nicht.

Was mir dieses Jahr viel Freude gemacht hat ist eine kleine Tasche von Enduristan (Danke Olpo für den Tip!). Auf den Soziaplatz geschnallt, fahre ich darin die Regenkombi spazieren – und man, hat sich das in diesem Jahr bewährt! Klein, wasserdicht, einfach super.

Sehr gut – wie immer – auch die Arbeit von Sattler Bernhard.

Die V-Strom liegt ja nun wieder normal hoch, nachdem die Tieferlegung in den vergangenen Jahren nur Probleme gemacht hat: Aufsetzen in den Kurven, kein Hauptständer möglich, Funkenschlag am Motorschutz, you name it. Also raus damit.

Eigentlich sollte die Barocca nur drei Zentimeter höher liegen, tatsächlich sind es aber satte fünf Zentimeter ohne die Tieferlegung. Das hört sich nach nicht viel an, sind aber in Sachen Handling Welten. Bei Motorrädern entscheidet manchmal schon ein Zentimeter darüber, ob einem die Hände einschlafen, die Knie lange Fahrten mitmachen oder ob der Fahrer die Maschine noch einparken kann oder schlicht im Stand umfällt.

Das ich die Barocca noch im Stand manövrieren kann, liegt neben mehr Geschick meinerseits auch an der Sitzbank, die Bernhard, der Mann, der die „Hallo, Spencer!“-Puppen gebaut hat, an den Seiten schlanker und einen Zentimeter weniger hoch gestaltet hat. Damit ist sie immer noch bequem genug für 12 Stunden fahren am Stück, trotzdem falle ich mit der Riesenkiste an der Ampel nicht um.

2020 war auch das Jahr, in dem beide Maschinen erstmals Tuningteile ohne jeglichen Nutzwert bekamen: Metallringe um die Anzeigen, handgefertigt in einer kleinen Manufaktur in Polen.

Hier die Renaissance ohne Verzierung:

Und hier mit polierten Aluringen im Cockpit:

Sieht doch fast aus wie der Klassiker, der sie nun mal ist!

Ebenso die Barocca im Orginalzustand:

Und mit gebürsteten Aluringen um Drehzahlmesser und Tacho:

Wie gesagt, kein Nutzwert, nur Optik. Ich persönlich finde die aber so toll, dass ich gleich noch ein paar verschenkt habe.

Nun ist es wieder Zeit für Statistik, einfach mal die Daten der Maschinen angucken und wirken lassen.

Die Detailaufstellungen folgen nach dem Klick. Wer sich Einzelheiten angucken möchte, findet die Daten beider Maschinen online:

ZZR 600 Renaissance bei Spritmonitor.de
DL 650 Barocca bei Spritmonitor.de
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5.575

Ich habe es Ende September nicht mehr ausgehalten, bin einfach auf´s Motorrad gestiegen und losgefahren. Dorthin, wo mehr Schafe, Bären und Wölfe leben als Menschen: In die Abruzzen. Und noch ein wenig in die Toskana. Und die Marken.

Ich weiß, das mag inkonsequent klingen, weil ich doch vergangenes Jahr lang und breit erklärt habe, das ich Italien nun durchgespielt hätte und es 2020 woanders hingehen sollte. Aber dann kam die Pandemie, und als ich jetzt spontan weg wollte, kamen als Reiseziele nur Orte in Betracht, für die ich das Infektionsrisiko sehr genau abwägen konnte. Also doch nochmal auf den Stiefel und an Orte, von denen ich weiß, dass dort wenig Menschen unterwegs sind und ich dort meine Ruhe habe.

Das war durchaus nicht unabenteuerlich: Neben unfreiwilligen Ausflügen unter einen Berg und in einen Graben hat mich endlich auch das erwischt, was statistisch gesehen früher oder später kommen musste: Eine Reifenpanne. Dazu habe ich, trotz aller Menschenvermeidungsversuche, nette und interessante Personen kennengelernt, von denen sich schön skurril erzählen lässt.

Dazu demnächst mehr. Jetzt erst mal wieder zu Hause ankommen.

Image

Fünftausendfünfhundert Kilometer, das ist eine nette Tour – wenn auch eine der kürzesten der vergangenen Jahre.

2019: 8.124
2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

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Reisetagebuch: Japan (1)

Im Herbst 2019 verschlägt es Herrn Silencer nach Japan. Die Reise findet ohne Motorrad statt, weswegen die nächsten Teile, die immer Samstag erscheinen, nicht im Motoblogger-Reddit auftauchen werden. Auch ohne zwei Räder: Abenteuerlich wird es trotzdem.

Donnerstag, 31. Oktober 2019, Götham

Man, bin ich müde.

Müde, weil ich wenig geschlafen habe und schon seit 6:30 wach bin.

Dabei ist heute Feiertag, Reformationstag, der 31. Oktober. Ich habe also frei und könnte ausschlafen. Aber das wäre erstens nicht gut und zweitens bin ich jetzt doch ein wenig aufgeregt.

Zum wiederholten Male checke ich Webseiten.
Bus? Fährt.
Bahn? Fährt, wenn auch verspätet, was für eine Überraschung.
Flieger? „Heute ist ein hohes Reiseaufkommen, planen Sie mehr Zeit für den Checkin ein“, meldet der Flughafen, sonst aber alles gut.

Ich mache den Rechner aus, stelle die Heizung ab und klicke dann die Sicherungen der Wohnung raus. Dann zippe ich den Rucksack zu. Alles, was ich für drei Wochen brauche, ist da drin.

Verreisen mit möglichst minimalistischem Handgepäck, das habe ich ursprünglich mal von Kalesco und Modnerd gelernt. Während Modnerds Gepäck dann im Laufe der Jahre immer voluminöser wurde, entlang den immer handgepäckfreundlicheren Regeln von Ryan Air, ist meines immer noch weiter geschrumpft.

Nach jeder Reise gucke ich genau, was ich nicht gebraucht habe und was beim nächsten Mal zu Hause bleiben kann. Hier was weglassen, da ein paar Gramm einsparen, dort ein Teil durch etwas leichteres ersetzen.

Zwei Erkenntnisse daraus:
1. Aus vielen, wenigen Gramm, die man hier und da einspart, wird irgendwann ein Kilo und das kann entscheidend sein.
2. Ich brauche unterwegs nicht viel.

Die Bonuserkenntnis: Ich bin kein Rollkoffertyp.

Ich habe es echt versucht, aber ich kann mich mit den Dingern nicht anfreunden. Griffmechanik und Rollen sind zusätzliches Gewicht und nehmen Platz weg, was mir schon in der Seele weh tut. Und man hat die Hände nicht frei, wenn man ein Köfferchen ziehen muss. Deshalb bin ich mit einem Gepäckstück unterwegs, das leicht ist, und mit dem ich – anders als bei Rollkoffern – die Hände frei habe.

Zum ersten Mal verwende ich Packing Cubes, ultraleichte Reißverschlusstaschen, um Klamotten im Rucksack nach Ober-/Unterbekleidung und Schmutzwäsche zu trennen. Sowas hatte ich bislang nicht, nach alter Moppedfahrermanier habe ich bislang meine Klamotten immer in Müllbeutel verpackt, weil die wasserdicht und superleicht sind. Aber gut, ich muss zugeben, mit den Cubes sieht es ordentlicher aus.

Ich bin auch deshalb müde, weil ich ein wenig kränkele. Ich werde ja nie krank, aber vorgestern Nacht bin ich stundenlang bei Temperaturen nahe Null und viel zu leichter Bekleidung durch die Gegend gerannt. Eine Hausmeisterin fand es wohl witzig, den Parkplatz der Volkshochschule abzuschließen, während die Schüler noch drauf standen, nur um dann Feierabend zu machen. Fast eineinhalb Stunden bin ich durch die Kälte gerannt bis ich endlich jemanden gefunden hatte, der mein Auto vom Parkplatz lassen konnte. Scheiß Aktion. Die Quittung dafür: Husten und verschnupfte Nase. Mist.

Ein letzter Blick zurück. Huhu, der Blogpinguin, wird in meiner Abwesenheit auf alles aufpassen. Jetzt hat er es sich auf der Couch bequem gemacht und winkt zum Abschied.

Ich schließe die Wohnung ab und mache mich auf den Weg zum Bus.
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Teaser

Kleiner Vorgeschmack auf die Orte, an die es das Reisetagebuch in den kommenden Wochen verschlägt. Die neuen Episoden erzählen das Abenteuer, wie der Dorfmensch Herr Silencer versucht sich in einer 38 Millionen-Metropole zurecht zu finden, dabei Dinge über Roboter und Idole lernt, Banden von kriminellen Hochqualitätsbambis begegnet und irgendwann völlig nackt und fiebrig auf einem herbstlichen Berg steht. Nun, vielleicht nicht beides gleichzeitig.

All das und mehr ab Samstag. Hier im Blog.


Frühere Meisterwerke der Videokunst:

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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (18): Ich bin ein menschlicher Tintenfisch

Sommerreise mit der V-Strom. Heute geht´s hoch hinaus, dann nach Hause.

Freitag, 28. Juni 2019, Großglockner Hochalpenstraße

Die Hochstraße ist jetzt nicht mehr ganz so voll, und die Motorräder fahren schön gereiht hintereinander her. Also, die meisten.

Die Parkverwaltung bittet darum langsam, vorsichtig und leise zu fahren. Das tun auch fast alle, aber selbstverständlich gibt es Ausnahmen. Einige Kradfahrer sehen in der Hochalpenstraße wohl sowas wie eine Rennstrecke, auf der sie eine neue persönliche Bestzeit aufstellen müssen. Ich hatte schon befürchtet, dass alle paar Meter so ein Held hinter mir hängt und drängelt, und obwohl ich zügig unterwegs bin, ist es natürlich genau so.

Sogar noch schlimmer, es gibt auch jede Menge unzivilisierte Gruppen, wo einer vorne weg rast (Held) und die dahinter krampfhaft versuchen Anschluss zu halten. Die letzten, das sind dann die schwächsten Fahrer, und die versuchen verzweifelt Anschluss zu halten und fahren sich haarsträubenden Scheiß zusammen, schneiden Kurven und gefährden dabei sich und andere. Das, meine Damen und Herren, ist nicht wie Gruppenfahrten funktionieren sollten.

Ohnehin sind viele richtig schlechte Motorradfahrer unterwegs. Insbesondere Niederländer fallen dadurch auf, dass sie ihre Maschinen um die Kurven tragen. Dieses Prachtexemplar hier eiert zum Beispiel völlig ohne jede Schräglage und in Schrittgeschwindigkeit um die Kurven.

Trotzdem ist die Fahrt durch diese großartige Landschaft fantastisch. Links und rechts tun sich immer wieder Ausblicke auf, die ich ganz tief in mir aufsaugen und nie vergessen möchte. Schneefelder bedecken sattgrüne Wiesen, Seen stehen in kleinen Tälern und Wasserfälle aus Schmelzwasser sprudeln über Felswände.


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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (17): Die große Poperze

Sommerreise mit dem Motorrad. Heute geht es in die Alpen, ein lang gehegtes Vorhaben gelingt und endet in Wut.

Freitag, 28. Juni 2019, Villa Maria Luigia, Veneto

Ich sitze an meinem Tisch im Frühstücksraum der Villa Maria.

Vor drei Jahren habe ich exakt hier, an diesem Tisch, die Nachrichten aufgemacht und völlig geschockt lesen müssen, dass die Briten für einen Austritt aus der EU gestimmt haben. Was mich wohl heute morgen für Horrornachrichten erwarten?

Oh. Sowas. Naja, ist ja halb so schlimm. Ives Besessenheit hat in den letzten Jahren Apples Produkte eher schlechter als besser gemacht.

Sara steckt den Kopf durch die Tür. „Es tut mir leid, es gibt keinen Kaffee heute Morgen.“
Nnnnnnnooooooooiiiiiiiinnnnnn!!!!!!!!!

„Sorry, die Maschine ist kaputt“, sagt Francesco. Söhnchen Carlo sitzt auf dem Bartresen und sieht mit großen Augen zu, wie sein Vater an der schrankwandgroßen Espressomaschine herumschraubt, die aber keinen Mucks tut.

Na, dann keinen Kaffee, nur Abschied. „Bis zum nächsten Mal?“, fragt Sara. Ich ziehe die Schultern hoch. „Wir werden uns sicher wieder sehen. Aber ich weiß noch nicht wann“, sage ich.

Ich spüre das schon die ganze Fahrt über: Ich habe Italien durchgespielt. Auch wenn ich manche Menschen hier wirklich sehr in mein Herz geschlossen habe und sie am Liebsten ständig besuchen würde, ich brauche jetzt mal was anderes.

Das Motorrad ist bereits beladen und steht vor der Tür in der Morgensonne.
Sara, Francesco und Carlo stehen vor der Villa und winken mit nach, als das Motorrad startet und über den Gartenweg hinaus auf die Landstraße rollt.

Der Berufsverkehr im Veneto ist wie immer dicht und klebrig, aber Motorräder dürfen in Italien ja zum Glück fast alles. Mit dem üblichen und tolerierten an-roten-Ampeln-bis-ganz-nach-vorne-fahren, im-Überholverbot-überholen usw. komme ich leidlich schnell voran.

Anna hilft nach Kräften mit. Die MOtorrad-KI hat Baustellen und Unfallmeldungen aus dem Netz gefischt, die sie mir nun ins Ohr sagt. Wir einigen uns darauf, dass wir ein kurzes Stück Autobahn fahren, um nicht stundenlang auf irgendwelchen Dörfer an Ampeln zu warten. Die 3,60 Euro für die Maut kann ich mir gerade noch leisten.

Schnell geht es in die Berge. San Biagio di Callalta liegt nicht weit vom Alpenrand entfernt, und als ich von der Autobahn abfahre, bin ich schon mittendrin in den Bergen.

Bild: Google Earth 2020.


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Wieder da! Gewartet, gereinigt, überholt, angepasst.

Ach, guck mal an, wer wieder da ist. Es wird Frühling, die Klamotten trudeln wieder ein. Die hatten ja im Dezember einen Ausflug gen Süden gemacht, nun sind sie wieder da.

Ich hatte mich ja schon mal darüber ausgelassen, dass ich gerne Sachen von kleinen und Familienbetrieben kaufe, weil die sich meist noch mit echtem Stolz auf ihr Produkt um die Sachen kümmern, auch nach dem Kauf. Auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht.

Der N104 Helm von Nolan hatte ja nach den Stauborgien in Kampanien ein verklemmtes Sonnenvisier. Die italienische Firma hat in der Nähe von Stuttgart eine Werkstatt, dort hat man die Visiermechanik sorgfältig gereinigt und wieder flott gemacht und ihm ein neues Sonnenvisier verpasst. Ungefähr 10 Tage hat das gedaeuert, dann war der Helm wieder da. Von mit hat er dann noch ein neues Außenvisier mit Pinlockeinsatz bekommen. Zusammen mit dem, schon im vergangenen Jahr ersetzten, Innenfutter ist er damit so gut wie neu.

Der Airbageinsatz der Jacke war bei Alpinestars in Italien. Dort wurde er auf Dichtigkeit geprüft, die Zünder gewechselt und gründlich gereinigt.

In Kürze wird er sicher wieder nach Schweiß stinken, für den Moment freue ich mich aber am blütenfrischen Duft. Schön auch: Das Ganze war jetzt gar kein Akt. Ich hatte den Kram ja bei Louis gekauft, und deren Support hat kostenlos den Transport nach Italien übernommen und für die Wartung nur die 99,00 Euro weiterberechnet, die Alpine Stars dafür aufruft. Sehr fair, und dafür verlängert sich die Herstellergarantie um 24 Monate. Im Serviceportal kann ich sogar sehen, was genau gemacht wurde, welche Teile getauscht wurden und wer „mein“ Techniker ist, der immer an meinen Sachen arbeitet. Sehr cool. Der Service hat vom Versand bis das Teil wieder da war rund drei Wochen gedauert, mit Weihnachten dazwischen.

Last but not Least: Die Sitzbank der V-Strom. Die hat sich am längsten Zeit gelassen, weil Meister Bernhard von der Designwerkstatt Schmidt einen ganz neuen Bezug fertigen musste. Meine alte Sitzbank war zwar perfekt, darauf konnte ich 12 Stunden am Stück fahren, wenn es sein musste, aber seit dem letzten Herbst liegt die Strom ja höher und ich kam nur noch mit den Fußspitzen auf den Boden. Deshalb musste die Sitzbank ein wenig abspecken, und da sollte sie in Holzminden Hameln bei Schmidt Design.

Die Sitzbank sieht fast so aus wie vorher, aber die „Stufe“ zum Soziasitz ist 5 Zentimeter weiter nach hinten gerückt, die Seiten sind abgespeckt und die Sitzfläche ist ein wenig tiefer gelegt.

Ich hatte Bernhard am Ende gebeten nicht zu viel tiefer zu legen, weil ich den großen Kniewinkel der V-Strom schon sehr schätze und nicht auch noch mit Fußrastentiefergebastel anfangen möchte. Nach ersten Probefahrten muss ich sagen: Bernhard hat wieder mal einen sehr guten Job gemacht.

Auch wenn ich nicht sicher bin, ob das Gelkissen wirklich noch an der richtigen Stelle ist, ist doch die Sitzposition und der Komfort wieder völlig großartig UND ich komme jetzt gut mit den Füßen an den Boden und kann die große Schwarze gut rangieren. Meiner Meinung nach ist eine handbezogene Gelsitzbank von Bernhard das allerbeste, was man seinem Moped an „Tuning“ antun kann.

Eigentlich hätte dieser Blogeintrag jetzt schließen sollen mit dem Satz: „So, und jetzt fehlt mir nur noch die Zeit. Der ganze März ist gefüllt mit Tagungen und Kongressen, da bleibt keine Zeit zum Moppedfahren.“

Aber das hat sich geändert. Und wo wäre man isolierter vor anderen als unter einem Helm auf einem fahrenden Motorrad?

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Frühling!

Höret und preiset das Frühlingswiesel! Das Frühlingswiesel sorgt dafür, dass auch in diesem Jahr wieder Frühling ist! Hiermit verkündet es den Beginn der Motorradsaison! Der Winter war lang und kalt und dunkel, aber nun macht das Wiesel Frühling und gutes Wetter, dass es nur so kracht! Passt auf Eure morschen Knochen auf, fahrt vorsichtig und huldigt dem Frühlingswiesel!

Das Frühlingswiesel konnte seinem Kollegen, dem Herbstwiesel, quasi noch die Pfote schütteln zur Verabschiedung. Denn einen Winter hatten wir in diesem Jahr nicht, weder wurde es irgendwann richtig kalt noch gab es länger als einen Tag Schnee.

Von daher hätte ich eigentlich durchgehend Moppedfahren können. Aber ach, im November war ich nicht im Land, im Dezember gab es zu viel zu tun, im Januar war dann Wetter schlecht und im Februar lag ich auf der Nase. Nun also Saisonstart wie üblich, Mitte März. Und das Frühlingswiesel pflanzt Blumen auf die Wiesen und malt das blaue Band ans Firmament usw. usf.

Am heutigen Nachmittag zumindest mal die V-Strom ausgewintert. Die sprang sofort an, dann ging sie sofort wieder aus und hustete und spotzte danach nur noch. Eine Minute zog sich das unwürdige Spiel hin, bis sie mitten auf der Dorfstraße eine gigantische Rauchwolke auspustete und danach klaglos lief. Keine Ahnung, was das nun war.

Die Strom ist ja im Herbst aus der Inspektion gekommen und direkt ins Winterlager gegangen. Jetzt mit einem perfekt gewarteten Mopped in die Saison starten zu können ist einfach nur schön. Und die Barocca läuft auf den neuen Reifen, mit der neuen Kette, mit gemachten Bremsen und allen Verschleißteilen ausgetauscht wie eine Göttin.

Das ist auch gut so. Zwar ist nicht klar, ob wegen der Viruspandemie unsere Sommerreise überhaupt stattfinden kann, aber wenn, dann geht es richtig weit weg.

Noch ein ernsthaftes Wort: Nach einem halben Jahr Pause muss man sich erst wieder an die völlig andere Fahrphysik und Handling gewöhnen.

Für Moppedfahrer heißt das: Sich langsam und vorsichtig rantasten und wieder eingewöhnen, nicht gleich wie geisteskrank am Hahn reissen und Augen auf die Straße, die Dosenfahrer leiden an Aufmerksamkeitsdefizit und ihr seid nicht fit.

Für Autofahrer heißt das: Augen doppelt offen halten. Zweiräder sind wieder unterwegs, und mit ihrem Fehlverhalten ist zu rechnen – die Schergen sind zum Teil noch so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass man doppelt aufpassen muss. Achja, und blinken, blinken ist auch gut. Das gilt für alle.
Ich wünsche allen eine unfallfreie Saison!

Ich starte mit folgenden Kilometerständen in ein Jahr, das hoffentlich nicht so seltsam weitergeht, wie es begonnen hat.

Kawasaki ZZR600 Renaissance: 91.129
Suzuki DL650 V-Strom Barocca: 64.963

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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (16): L´Arsenale

Auf Sommertour mit dem Motorrad. Heute schmelze ich.

Donnerstag, 27. Juni 2019, San Biagio di Callalta
„Hast du wieder Unterricht genommen? Dein Italienisch ist besser geworden.“ Ich verschlucke mich vor Lachen fast am Kaffee, blicke Sara mit hochgezogenen Augenbrauen an und sage „Adulatrice“, Schmeichlerin. „Nee, für Volkshochschule habe ich keine Zeit gehabt. Aber ich hatte in den vergangen drei Wochen jeden Tag Gelegenheit zum Sprechen. Jetzt spreche ich zwar kein besseres Italienisch, aber mein schlechtes Italienisch spreche ich schneller und flüssiger“. Sara lächelt. „Und, wo geht es heute hin?“, fragt sie.

„Ich will mir mal das Arsenale ansehen“, sage ich. Sara verzieht das Gesicht. „Warst Du da noch nicht?“ Ich schüttele den Kopf. „Noch nie. War immer zu.“ „Dann lass es heute sein. Es ist einfach zu heiß. Bei dem Wetter stinkt Venedig. Das ist auch nicht gesund.“

Ich muss grinsen ob der Fürsorglichkeit. „Ich bleibe nur kurz in der stinkenden Stadt, und dann komme ich zurück und verbringe den Rest des Tages mit Schlafen.“ Sara lächelt und sagt „Klingt nach einer Soluzione ottima„.

Ich sattele die V-Strom und fahre kurz darauf über den breiten Gartenweg von Saras „Villa Maria Luigia“ hinaus auf die Landstraße.

Eine Stunde führt die Fahrt quer durchs Veneto. Statt der Schutzhose und Stiefeln trage ich heute morgen nur Jeans und Trekkingschuhe zur Motorradjacke, aber es ist schon so warm, das ich die Ärmel der Jacke bis zum Ellenbogen aufmache, um mehr Fahrtwind ab zu bekommen. Meine Güte, wenn das um kurz vor 8 schon so warm ist, was soll das im Laufe des Tages noch werden?

Sechzig Kilometer südlich San Biagio di Callalta und im Westen der Lagune von Venedig liegt Punta Sabbioni, Sandspitze. Hier gibt es schattenspendende Wellblechbauten, unter denen ich die Barocca parke. Gegen ein kleines Entgelt von fünf Euro passt eine Dame den ganzen Tag auf das Motorrad auf.


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Reisetagebuch 2019 (15): La Stamperia

Auf Sommerreise mit dem Motorrad. Heute mit einem Besuch beim zweitältesten Gewerbe der Welt.

Mittwoch, 26. Juni 2019, Agriturismo Cupello, Cagnano AmiternoA
Tag zwei der Transitreise gen Norden. Schon um kurz nach 8:00 Uhr ist die Barocca, die die Nacht neben dem schicken Tiger verbracht hat, wieder beladen und wenig später auch auf der Straße.

Weiter geht es nach Norden, aber weiterhin ausschließlich auf Landstraßen und durch die Berge. Viele Straßen gibt es hier nicht, weshalb ich wieder durch Rieti und Terni komme, wie schon auf der Fahrt in Richtung Süden. Ist das wirklich erst neun Tage her? Kommt mir viel vor, als wäre ich Wochen in Süditalien unterwegs gewesen. So fühlt sich das an, wenn es so viel zu sehen gibt und man jeden Tag woanders ist.

Bild: Google Earth 2020.

Über die gewundenen Straßen geht es nur langsam voran, besonders in Umbrien. Hier sind die Straßen kaputt und haben teils riesige Schlaglöcher. Es ist ratsam, hier vorsichtig und mit bedacht zu fahren. Zum einen wegen der Schlaglöcher selbst, in denen man sich leicht die Ränder ruinieren kann, zum anderen, weil die Straße stellenweise voller Metallteile liegt, die Autos beim Durchfahren der Löcher verloren haben. Überall liegen Schrauben, Bolzen, abgerostete Auspuffteile und an einer Stelle sogar ein Scheinwerfer eines Fiat Panda.

Erst gegen Mittag erreiche ich die Marken. Die Landschaft besteht hier aus grünen Hügeln, die aber steiler sind als in den Regionen weiter westlich, wie Umbrien oder der Toskana. Von oben sieht die Landschaft aus, als hätte jemand ein Blatt Papier genommen, zusammengeknüllt und dann wieder glattgestrichen.

Wenn man mitten drin ist, wirkt sie wie eine Toskana auf Steroiden, alles etwas übertriebener und stellenweise mit schroffen Felskämmen durchzogen.

Der Nordteil der Marken.
Bild: Google Maps 2020.

Auf einem dieser Felskämme, dem Monte Titano, liegt San Marino, das aus der Ferne grüßt.

Jetzt bin ich in der Emilia Romagna, der motorradtechnisch zweitlangweiligsten Region Italiens, gleich nach Apulien. Normalerweise bin ich froh hier durch zu sein, denn die Region ist nicht nur langweilig zu fahren, sie ist auch eines der Wirtschaftszentren des Landes, mit entsprechend dichtem und schlimmen Verkehr. Heute freue ich mich auf den Besuch, denn in Gambettola werde ich schon erwartet. Der kleine Ort liegt nur 10 Kilometer von der Stadt Cesena entfernt und ist einfach ein schmuckes Örtchen. „Schmuckes Örtchen“ ist hier synonym für: Modern, sauber, ein netter Platz zum Leben – und sterbenslangweilig.

Ich stelle das Motorrad auf dem Platz vor dem Rathaus ab. Es ist 14:00 Uhr, die Sonne brät vom wolkenlosen Himmel herab und es ist einfach pervers heiß.


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Reisetagebuch Motorradtour im Kurzvideo

Ein kurzer Schnelldurchlauf der letztjährigen Sommertour, drei Wochen im Juni 2019 zusammengefasst in vier Minuten.

Ausführlicher gibt es das jeden Samstag im Reisetagebuch. Die bisher erschienenen Folgen finden sich hier:

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Reisetagebuch 2019 (14): Italian Highway

Sommertour mit dem Motorrad. Heute mit einer Wiederholung.

Dienstag, 25. Juni 2019, Pomarico

So.
Das war also Süditalien, denke ich, als ich in der Morgensonne auf der Dachterasse stehe und über die Weite der Basilicata schaue.

Den Norden Italiens kenne ich ja ohnehin quasi auswendig, und mit den Fahrten im vergangenen und diesem Jahr war ich nun auch in jeder Region im Süden. Nicht nur Kreuz und quer und mittenmank, sondern auch ein Mal ganz drum rum. ich bin jetzt zusammengenommen zwischen 2012 und 2019 auch einmal ganz um die gesamt Küstenlinie des Stiefels gefahren, von Ventimiglia im Nordwesten einmal ganz runter, um die Stiefelspitze herum, an der Schuhsohle entlang, um den Hacken und dann an der Ostküste wieder zurück. Diese Tour hat die letzte Lücke geschlossen, und nun war ich zumindest in jeder größeren Stadt in Kampanien, Kalabrien, Basilicata und Apulien. Gut, bis auf Potenza, aber da will auch niemand freiwillig hin.

Heute geht es wieder gen Heimat, und ehrlich gesagt bin ich darüber ein kleines Bisschen froh. Seit fast drei Wochen bin ich auf Tour, jeden Tag bei Temperaturen zwischen 32 und 40 Grad. Das laugt auf die Dauer ein wenig aus und dämpft die Lust am Entdecken von Neuem. Nein, heute ist ein guter Zeitpunkt, um nicht noch weiter weg zu fahren (was auch geografisch gar nicht ginge), sondern so ganz langsam den Heimweg anzutreten.

Wobei… „langsam“ gen Heimat ist gut. Ich habe mir vorgenommen, bis morgen Abend 1.000 Kilometer zurückzulegen. Heute bin ich ganz am Ende des italienischen Stiefels, morgen will ich in der Nähe von Venedig sein. Und das alles ohne Autobahnen zu benutzen, nur über Landstraßen. „16 Stunden und 43 Minuten“, rechnet Anna mir als Dauer der Fahrt vor. Na dann. Heutige Etappe fast 500 Kilometer, rund siebeneinhalb Stunden. Netto, ohne Pause.

Ich kicke den Seitenständer weg, starte den V-Twin und steuere die Barocca vom Hof des Colle di Siesto. Mach´s gut, Gasthof, ich komme bestimmt irgendwann mal wieder.

Vom Berg runter, auf dem Pomarico liegt, und drauf auf die Landstraße. Ich fahre ganz bewusst ziemlich genau in der Mitte des Stiefels nach oben, das kenne ich noch nicht.

Der erste Abschnitt führt durch Apulien. Die Region ist ja größtenteils flach wie ein Brett und damit eigentlich in Sachen Motorradfahren die langweiligste Region Italiens, aber ich muss sagen: Die goldenen Kornfelder, die Höfe und winzigen Orte auf ihren Hügelchen und diese Straße, die schnurgerade bis zum Horizont führt, das hat schon was.

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Reisetagebuch 2019 (13): Der niesende Wächter

Montag, 24. Juni, Pomarico
Müde quäle ich mich aus dem Bett. Ich kann nicht schlafen, wenn es hell ist, und seit Sonnenaufgang strahlt die Sonne wie ein Todeslaser ins Zimmer. Die Vorhänge, die nur die Größe und Dichte von gehäkelten Topflappen haben, halten sie nicht wirklich davon, ab mir die Netzhaut durch die geschlossenen Lider zu verbrennen.

Als ich aufstehe, ist es noch angenehm kühl. Pomarico liegt 500 Meter über dem Meer, und das merkt man. Außerdem ist es ist erst kurz vor Sieben, das kann auch ein Grund für die Frische der Luft sein. Sieben Uhr. Zuhause stehe ich freiwillig nicht so früh nicht auf. Aber ich bin ja auch nicht zum Spaß hier.

Im Restaurant im Erdgeschoss des Colledisiesti ist ein einzelner Tisch gedeckt, für den einzigen Übernachtungsgast – mich. Es gibt ein frisch gebackenes, mit Nütella gefülltes Blätterteig-Ding, Kekse, einen Joghurt, Birnensaft und einen Caffé Doppio. So fängt der Tag gut an, aber was fange ich jetzt mit dem Tag an?

Erst einmal checke ich das Motorrad kurz durch. Immerhin sind wir nun schon seit drei Wochen unterwegs und haben seither gut 4.000 Kilometer zurückgelegt, da sollte man mal nachsehen, ob noch alles OK ist.

Ölstand ist OK, Öl im Kettensystem ist auch noch genug, Profil der Reifen ist OK und ohne Beschädigung, alle Lampen leuchten wie sie sollten, Gabel ist dicht und auch sonst suppt nirgendwo irgendwas raus, alle Teile am Gepäckträger sind fest… sieht alles gut aus. Ich verspüre eine gewisse Dankbarkeit, dass mich die V-Strom bislang noch nie im Stich gelassen hat. Sie ist schon etwas älter, aber gut gewartet und hat bislang noch nie auch nur die kleinsten Anzeichen von Zicken gezeigt.

Die Kette ist etwas zu fest für meinen Geschmack, aber das hat die Werkstatt schon so eingestellt, das muss gut sein. Sorgen bereitet mir nach wie vor das mahlende Geräusch am Hinterrad. Anfangs trat das nur bei lockerer Fahrt bergab auf, mittlerweile höre ich es dauernd. Nicht so toll, aber ich beschließe, mich davon nicht nerven zu lassen. Falls es das Radlager ist, muss das halt entweder noch bis nach Hause halten oder sich wirklich mal entschließen kaputt zu gehen, dann kann ich mit der V-Strom beim nächsten Dorfschmied vorstellig werden. Aber dieses nichts-Halbes-und-nichts-Ganzes, damit braucht es mir nicht zu kommen.

Dann geht es los, zuerst Landstraße vom Berg runter. Eine Halbe Stunde lang genieße ich das Dahingleiten alleine auf der Bergstraße, bei dem mir kaum ein Auto begegnet. Aus der Ferne kann ich den Gasthof neben dem großen Funkmasten sehen.

Aus Annas Speicher habe ich die Tour vom vergangenen Jahr gezerrt, die mich von hier in die Städte Tarent und Gallipoli führen sollte. Das ist dann aber wegen Wetters ausgefallen, statt Städte zu besichtigen habe ich Stürme gejagt. Aber heute ist Wetter super, also warum nicht den Ausflug nachholen?

Tarent liegt genau am Ansatz des Hackens vom Stiefel:

Die Altstadt von Tarent liegt auf einer Insel in der Mündung zu einem See. Die Brücke wird von einer mächtigen Aragonerfestung bewacht.

Lage von Tarent. Bild: GoogleMaps 2020

Das hört sich voll romantisch an, ist es aber leider nicht.

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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (12): Die Geisterstadt auf dem Wabbelberg

Sommertour mit dem Motorrad. Heute mit einem spannenden Ausflug in die Welt der Symbologie.

Sonntag, 23.06.2019, Fabrizio, Kalabrien
Um 07:30 springe ich schon im Zimmer rum und packe die Sachen. Um diese Uhrzeit ist wenigstens die Temperatur noch halbwegs erträglich, zumal ich im Zimmer des kleinen Hotels von der Morgensonne nicht viel mitbekomme. Die Fenster sind bedampft und filtern die Sonne, und die Klimaanlgae läuft auch schon.

Die Hemden und Unterwäsche, die ich gestern Abend auf den Balkon gehängt habe, sind heute Morgen knochentrocken. Oh, und der Opa, der letzte Nacht vor dem Fernseher auf dem Balkon am Haus gegenüber eingeschlafen ist, sitzt da schon wieder da. Oder immer noch? Man weiß es nicht. Immerhin hat er jetzt wieder ein Feinripphemd und Unterbuchsen an und sitzt nicht mehr völlig nackig vor der Kiste.

Ich packe meinen Kram zusammen. Das ist ein immer gleich ablaufendes Prozedere und in Minuten erledigt. Alles hat seinen Platz, alles passt tetrismäßig ineinander, und am Ende haben beide Koffer das genau richtige Gewicht, um austariert an der V-Strom zu hängen. Der rechte Koffer ist ein Kilo leichter als der Linke, weil er wegen des Auspuffs weiter außen hängt. Wären beide Koffer genau gleich schwer, fängt die Maschine ab 140 an zu pendeln. Musste ich auch erst lernen und mich an die richtige Verteilung rantasten, das war die große Erkenntnis im vergangenen Jahr.

Frühstück findet im Freien statt, auf der Terrasse vor dem Haus.

Die Dame des Hauses zeigt mir das große Frühstücksbuffet, das in einem Nebenraum im Keller aufgebaut ist: Frische Feigen neben Äpfeln, Trauben und Bananen, und auch Rührei gibt es und satte sechs Sorten Kuchen. Darunter so interessante Sorten wie Topfkuchen mit Minze, Apfelkuchen und Ricotta-Schokoladenkuchen. Die hat die Chefin selbst gebacken, und die muss ich leider alle probieren, auch wenn ich danach Sodbrennen haben werde.

Unter den Augen der anderen Hotelgäste belade ich kurz darauf die Barocca, die nur wenige Meter von der Frühstücksecke die Nacht verbracht hat, dann lasse ich den Motor an und rolle an Frühstückstischen und Hollywoodschaukeln vorbei auf die Straße.

Hier halte ich noch einmal kurz, nehme eine Plastiktüte von der Rückbank und stopfe deren Inhalt in einen Müllbehälter an der Strandpromenade. Es sind die eklig nach Chemie stinkenden Badelatschen, die ich in San Vincenzo gekauft habe. Gestern war die letzte Gelegenheit zum Baden, und jetzt will ich die Chemiepest keine Sekunde länger mit mir rumfahren. Die Teile haben nicht nur viel Platz weggenommen, sie haben auch alle anderen Sachen im Koffer vollgestunken.

Als das erledigt ist, mache ich mich so richtig auf den Weg. Die V-Strom rollt aus dem kleinen Ort Fabrizio und auf eine größere Landstraße. Oh, was ist das denn? Der rechte Blinker tackert viel zu schnell. Vorne funktioniert die Lampe, also ist wahrscheinlich die hinten rechts durch. Naja, egal. Wir sind in Italien, hier braucht kein Mensch einen Blinker.

80 Kilometer geht es auf der Strada Statale an der Küste unterhalb der Fußsohle des italienischen Stiefels lang, dann führt uns Anna ins Landesinnere.


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Reisetagebuch Motorradtour 2019 (11): Die ungleichen Schwestern

Sommertour mit dem Motorrad. Heute geht´s weiter durch Hitze und Staub.

Samstag, 22.06.2019, San Sostene, Kalabrien
Es ist erst kurz vor 08:00 Uhr, aber die Sonne brennt schon wieder wie ein Heizstrahler vom Himmel herab. Die Hitze liegt bereits wie eine Decke über der staubigen Landschaft von Kalabrien.

Unter meinen Stiefel knirscht der Sand, als ich die Koffer zum Motorrad bringe. Ein Windstoß fegt eine Staubwolke durch die Einfahrt.

„Il Cipresso al Mare“, der Hof der beiden Schwestern Riccarda und Raffaela, besteht aus einem winzigen Häuschen, in dem die Schwestern wohnen, und mehreren, uralten Stallgebäuden aus Natursteinen. In einem davon ist die kleine Wohnung, in der ich übernachtet habe.

Ein Stück dahinter ist eines, das früher vielleicht mal eine Backstube war, und in dem sich nun eine der Frühstücksraum und eine kleine Küche befinden. Die Wände sind grob verputzt, der Raum ist gemütlich eingerichtet mit Möbeln aus dunklem Holz und Korbgeflecht.

Als ich den Raum betrete, begrüßt mich Riccarda, mit Ende Zwanzig die jüngere der beiden Schwestern. Sie zeigt mir den Tisch, den sie für mich gedeckt hat. Auf italienisch erläutert sie: „Und hier ist Butter, das da links auf dem Tisch ist Marmelade, und da rechts Wurst und Käse und ein Joghurt. In dem kleinen Kühlschrank auf der Ablage ist Milch und Saft, falls Du möchtest. Ich hole dir einen Caffé“, sagt sie und verschwindet hinter einem Vorhang aus Holzperlen. „Doppio, bitte“, rufe ich ihr hinterher.

Das Frühstück ist… Wow. Sogar Bruschetta gibt es, frisch angebratenes Brot mit Tomatenschnitzen und Knoblauch, und eine aufgeschnittene und schön in Form gelegte Kiwi. Ich bewundere alles ausgiebig. Das ist toll, Riccarda hat sich echt Mühe gegeben.

In dem Moment kommt Raffaela, Riccardas Schwester, zur Tür hereingesprungen. Sie trägt Hotpants und ein bauchfreies Hemdchen, das sie unter der Brust verknotet hat. „Guten Morgen!! Ich zeig dir alles!!!“, ruft sie, wedelt eine Hand in Richtung des Kühlschranks mit dem Saft drin und ruft „Hier, da, da ist Joghurt und Wurst und sowas!“

„Da ist KEIN Joghurt drin“, tönt es von hinter dem Perlenvorhang, aber Raffaela ist nicht zu stoppen. „Und hier ist Honig, selbstgemacht! Wir haben nämlich auch Bienen! Ich bin gut im Honig machen! Und hier ist Marmelade!“ „Ich weiß“, nuschele ich und deute auf das Marmeladenbrot, dass ich gerade zwischen den Zähnen habe. „Du hast die Marmelade ja schon entdeckt!“, ruft Raffaela. „Und? Ist sie gut??“

„Sehr gut“, sage ich. Raffaela quietscht, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und dreht sich einmal um sich selbst. „Er mag meine Marmelade“, ruft sie und hüpft auf und ab. In ihrer überbordenden Freude erinnert sie ein wenig an einen jungen Hundewelpen. „Ich bin voll gut in sowas! Ich kann Marmelade und Honig und Wein machen und Rasenmäher reparieren und Häuser renovieren! Hat Dir Dein Zimmer gefallen?“, fragt sie. Ich nicke. „Das ist total schön“, sage ich. Raffaela quietscht wieder und hüpft auf und ab. „Das habe ich renoviert und eingerichtet!“, ruft sie.

Unvermittelt beugt sie sich vor, stützt beide Hände auf die Tischplatte und hält mir dadurch ihr Dekolleté direkt vor die Nase. „Und der Honig? Wie ist der?“ In diesem Moment kommt ihre Schwester mit dem Kaffee zurück und sagt „Nun lass ihn doch mal in Ruhe frühstücken!“ Als sie mir die Espressotasse hinstellt, wirft sie ihrer Schwester einen augenrollenden Seitenblick zu.

„Wir sind sehr… ungleich“, sagt sie auf deutsch, wohl wissend, dass ihre Schwester keine Fremdsprachen spricht. „Ist mir gestern schon aufgefallen“, sage ich.

Raffaela kramt neben dem Kamin in einer Kiste herum, in die sie sich schon fast demonstrativ hineinbückt und dabei die Hotpants einer Belastungsprobe unterzieht. Ich tue so, als ob ich das nicht bemerke. Riccardas Seitenblicke auf ihre Schwester sind jetzt eher peinlich berührt, was mich wiederum grinsen lässt. „Intelligence is sexy“ sage ich. Jetzt lächelt Riccarda, während Raffaela sich aufrichtet, verwirrt guckt und fragt „Was?“. Dann hört sie ein Geräusch in der Einfahrt und eilt nach draußen.

„Habt ihr schon immer hier gelebt?“, frage ich. Riccarda schüttelt den Kopf.“Nein, meine Familie ist eigentlich aus Sizilien, aus der Nähe von Agrigent“, sagt sie und verschwindet in der Küche. Die Region um Agrigent kenne ich, da….

„…da ist nicht viel“, beendet Riccarda meinen Gedanken. Sie taucht wieder aus dem Perlenvorhang auf, lehnt sich an den Türrahmen und hat nun selbst eine Tasse Kaffee in der Hand. „Viel Arbeitslosigkeit, schlechte Jobs. Darum haben wir beschlossen es hier zu versuchen. Wir haben diesen alten Bauernhof übernommen. Wir renovieren ihn, Stück für Stück, Gebäude für Gebäude, ganz allein.“ -„Wow“, sage ich und meine es auch so.

Gestern sind mir die vielen Bauruinen an der Küste aufgefallen – Rohbauten von mehrgeschossigen Wohnhäusern, von denen nur die Skelette stehen und aus denen der Baustahl rausragt. Das sieht nicht nach den üblichen Mafia-Förderabschreibungen aus. Die Mafia baut Autobahnen ins Nichts, Brücken ohne Straßen und Polostadien ohne Pferde, aber keine Wohnhäuser. Wo kommen die her? Warum werden die nicht weitergebaut, will ich von Riccarda wissen.

Sie zuckt mit den Achseln. „Die meisten Leute haben sich einfach verzockt. Kalabrier sind nicht so gut im Planen. Da wird ein Bau plötzlich teurer als gedacht, und dann wird erstmal alles auf Eis gelegt, bis wieder Geld da ist um weiter zu bauen. Manchmal dauert das dann zu lange, und irgendwann sagt die Behörde dann: Der Rohbau ist zu alt, abreissen. Macht natürlich keiner, kostet ja viel Geld. Deshalb steht die Küste voller Ruinen“.

„Danke für die Erklärung“, sage ich. Eine Sache noch: Du studierst ernsthaft deutsch, weil Du die Sprache so schön findest?! Echt jetzt?“
„Jaaa!“, sagt Riccarda und strahlt jetzt förmlich. „Deutsch ist klasse, so eine tolle Sprache!“

„Verstehe ich nicht“, sage ich. „Gegenüber der Sprachmelodie von Französisch oder Italienisch klingt Deutsch doch wie Hundegebell! Ich meine, hör mal…“, sage ich und trage dann meine beste Imitation von Copycats Sprachvideo vor, „Englisch: The Hospital. Französisch: L´Hopital. Italienisch: L´Ospedale. Deutsch: KRRRRANK-EN-HAUS„. Riccarda lacht und verschluckt sich fast an ihrem Kaffee.

„Oder hier“, sage ich, „Englisch: Butterfly. Französisch: Le Papillon. Italiensch: La Farfalla. Deutsch: SCHMETTERRRRRR-LING„.

Schmetterling ab Sekunde 20:

Riccarda japst nach Luft. „Schmetterrrr-ling“, sagt sie, als sie sich wieder eingekriegt hat, „Soo schöööön! Hört sich doch toll an, viel schöner als Farfalla

Nunja. Hier ist offensichtlich Hopfen und Malz verloren. Ich blicke auf die Uhr. „Ich muss leider los“, sage ich, lege die Serviette beiseite und stehe auf, als Riccarda um den Tisch herum auf mich zueilt, mich ganz fest umarmt und ihre Wange an meine Brust schmiegt. Äh?

Sie hält mich weiter fest, als sie den Blick hebt und dabei ihr Kinn auf meinem Oberkörper abstützt. „Kommst Du wieder? Und dann vielleicht für mehr als nur eine Nacht?“, fragt sie und sieht mir von unten tief in die Augen. Ihre sind von einem so tiefen Braun, dass man die Pupille nicht von der Iris unterscheiden kann. Solchen Augen kann ich nichts abschlagen. „Öh, Ok“, sage ich, leicht überfahren. „Wirklich?“, fragt sie. „Versprochen“, sage ich. „Vielleicht nicht nächstes Jahr, aber irgendwann, und dann für länger“.

„Na gut. Dann will ich Dich mal gehen lassen. Warte, ich hole Raffie zur Verabschiedung.“ Aber Raffaela springt schon in der Einfahrt und um das Motorrad herum. Da fällt mir was ein. „Darf ich ein Foto machen?“, frage ich. „Klar!“, quietscht Raffaela, „Und dann Booking stellen!“

„Ne, von Euch“, meine ich. „OK“, sagt Raffaela, löst ihr Haarband, schüttelt eine feuerrote Mähne aus, zuppelt ihr Hemdchen in Position, stützt dann die Hand auf die Hüfte und wirft sich in eine sexy Pose. Riccarda stellt sich mild lächelnd daneben, und ich mache ein Bild von den Beiden.

„Aber DAS nicht auf Booking einstellen!“, ruft Raffaela. „Und ich will ein Selfie! Selfie! Selfie!“

Jetzt bin ich verwirrt. Ich mache sehr selten Selfies mit meinem Telefon und finde erst nicht die richtige Funktion, aber zum Glück weiß Raffaela, wie das geht. Während des Fotos drückt sie ihre Wange an die ihrer Schwester, während Riccarda ihren Kopf an meine Schulter lehnt.

Kurze Zeit später grollt die V-Strom los und fährt, eine Staubfahne hinter sich herziehend, vom Hof der ungleichen Schwestern. Im Rückspiegel sehe ich die Silhouetten der beiden Frauen, die in der Einfahrt stehen und mir hinterher winken.

Es geht über langweilige Autobahnen nach Cantanzaro, der Hauptstadt der Region Kalabrien. Kurz vor dem Ort passiere ich ein riesiges Gebäude. Weiterlesen

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