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Momentaufnahme: Mai 2016

31 Mai

Herr Silencer im Mai 2016
Ich fand das „Happy Chewbacca“-Video nicht lustig. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?

Wetter: In der ersten Monatshälfte warm, kurz sogar hochsommerlich, mit Temperaturen um die 26 Grad. Nach zwei Tagen dann der Absturz wieder in den einstelligen Bereich, mit Heizung an und so. Insgesamt viel zu trocken, Waldbrandgefahr. Nur in den letzten Maitagen wird es noch mal ordentlich warm, dann gibt es aber gleich Gewitter und Starkregen.

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Lesen:

Eoin Colfer: The Hangman´s Revolution [Kindle]
Nach dem Zeitreiseausflug ins viktoriansche England kommt FBI-Agentin Chevron zurück in die Gegenwart. Eine Gegenwart, in der ihr Gegenspieler, der abtrünnige Special Forces Colonel Box, als Gott verehrt wird und ein globales Imperium aufgebaut hat. Also zurück in die Vergangenheit und verhindern, dass Soldaten aus dem Jahr 2016 den Grundstein für die Weltherrschaft im London des 19. Jahrhunderts legen.

So langsam wird klar wohin Colfer mit dieser Serie will. Und die Idee ist wirklich originell. So düster und teilweise grausam verdreht die Story ist, eignet sie sich für Erwachsenenliteratur ab 18. Dummerweise ist Colfer auf ein jüngeres Publikum festgelegt und streut darum immer wieder Kinderdarsteller ein. Das tut der Geschichte genauso wenig gut wie ihre Lahmarschigkeit. Viel zu lang werden hier innere Monologe in 19–Jahrhundert-Englisch beschrieben, viel zu umständlich werden Szenen inszeniert. Das Buch ist für den Inhalt mindestens 50 Prozent zu lang. Selten haben ich mich bei Colfer gelangweilt, hier ist es soweit.

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Hören:

Medienkuh [Podcast]

Herr Körber und Herr Hammes sind beide medienaffin und unterhalten sich über die Szene. Das tun sie ebenso kenntnis- wie temporeich, mit vielen Einblicken in die Hinter- und Untergründe insb. des Fernsehens.

Den Podcast gibt es schon ewig, bislang hatte ich den aber igrnoriert. Mein Fehler. Er ist spitze und hat es auf Anhieb in die Top3 meiner wöchentlichen Podcasts geschafft.

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Sehen:

Captain America: Civil War [Kino]
Robert Downey Jr. gefällt Steve Rogers Nase nicht, darum gibt´s auf die Ommel.

Gut, die Beschreibung ist jetzt arg kurz für einen Zweieinhalbstundenfilm. Tatsächlich nehmen sich die Regiegebrüder Russo viel Zeit, um den Konflikt herzuleiten. Das tut dem Ganzen gut, die Geschichte ist komplex und kann auch schon verwirren, wenn man mal nicht aufpasst. Definitiv kein Blockbuster zum Hirn abschalten. Die Charaktere werden zum Teil sehr gut ausgearbeitet und vorangetrieben (Cap und Iron Man), zum Teil telefonieren die Schauspieler ihre Rolle auch nur durch (erschreckend langweilig: Daniel Brühl als Baron Zemo). Aufgrund der ähnlichen Thematik könnte man sagen, „Civil War“ ist der bessere „Batman v. Superman“. Außerdem bündelt er die Essenz der vorangegangenen Filme und legt Grundsteine für die nächsten. Ein Knoten- und Wendepunkt im Marvel-Leinwanduniversum. Allerdings bleibt er gegen Ende erstaunlich Mut- und Konsequenzlos, was einen faden Geschmack zurücklässt.

The Night Manager [Amazon Prime]
Tom Hiddleston arbeitet als Nachtmanager in einem Hotel. Als Dr. House seinen One-Night-Stand umbringt schwört er Rache. Dummerweise ist House internationaler Waffendealer. Glücklicherweise ist Loki Ex-Marine oder sowas, kennt keine Skrupel und wen beim britischen Geheimdienst. Dummerweise steckt der bis zum Hals im Rektum der Amerikaner, die den Waffenhändler brauchen. Glücklicherweise gibt es eine 1,90 Meter-Blondine, die Cocktailkleider trägt. Dann machen Dinge Bumm.

Es ist die Zeit der Miniserien. Acht Folgen, wie schon bei „Der Anschlag“, bieten mehr Raum als ein Spielfilm, um Charaktere zu entwickeln und Geschichten zu erzählen. Die Story kann dabei gleichzeitig besser kondensiert werden als bei herkömmlichen Serienformaten mit 22 Folgen. Dennoch fühlt sich „Night Manager“ so an, als wäre die Serie zu lang. Das liegt auch an dem typischen John Le Carre-Ballast mit langwierigen Expositionen um Anwälte im Geheimdienstapparat. Die Geschichte kommt erst nicht aus dem Quark, hängt in der Mitte und am Ende passiert auch nicht viel. Warum man sie trotzdem gut ansehen kann: Die Locations (London, Istanbul, Kairo) sind schön in Szene gesetzt, die Kameraarbeit super, und die Schauspieler einfach großartig. Der sonnenverbrannte Tom Hiddleston macht eine gute Figur, Hugh Laurie kann als gerissener Verbrecher noch sadistischer sein als in „House“ und die Blonde trägt ihre Cocktailkleider mit großer Eleganz. Wenn man ohnehin Amazon Prime hat: Angucken.

24 – Live another day [Amazon Prime]
Jack Bauer rettet den Tag, diesmal durch Vereitelung eines Terroranschlags in London.

Ach, was soll man dazu noch sagen? „24“ war in seiner ersten Staffel die innovativste TV-Serie seit „Twin Peaks“. Eine schnell und spannend erzählte Geschichte, interessante Figuren. Im Verlauf der nächsten Staffeln verkamen die Figuren zu Karikaturen und die Serie insgesamt zu reaktionärem Mist und feuchtem Traum von Republikanern. Folterung wurde als legitime und dauernd angewendetes Mittel zur Informationsbeschaffung präsentiert, Jack Bauer überlebte Atomschläge, Vergasung und Schlimmeres, und die Bösen sind meist die Muslime.

So auch in der 9. Staffel, die nicht mehr aus 24, sondern nur noch aus 8 Folgen besteht. Das ist auch gut so, denn selbst die sind schwer zu ertragen. Jack Bauer und Chloe O´Brian nuscheln und motzen sich durch eine hanebüchene Handlung als wollten sie hier Satire abliefern, Jack überlebt einen Raketeneinschlag und die Böse ist diesmal zwar Britin, trägt aber einen arabischen Nachnamen und wurde von ihrem Ehemann, einem Muslim, indoktriniert. Noch Fragen? Diese Serie bitte ab Staffel 3 weiträumig umfahren, das ist ganz großer Mist. Da reisst es selbst London als Kulisse nicht raus.

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Spielen:

Uncharted 4 [PS4]
Nathan Drake hat sein Abenteuerleben an den Nagel gehängt. Statt Schätze zu bergen sitzt er in einem Reihenhaus neben Elena auf der Couch. Der Versuch normales Leben zu simulieren wird jäh unterbrochen, als sein Bruder Sam auftaucht. Der sollte eigentlich tot sein und wird das auch in Kürze sein, wenn er nicht einen legendären Piratenschatz findet. Was natürlich nur mit Nates und Sullys Hilfe geht.

Die letzten beiden „Uncharted“-Teile waren die besten Action-Adventures, die es PS3-exklusiv gab. Ein vierter Teil wurde schon für 2013 erwartet, zum Start der Playstation 4. Daraus wurde nichts, und dann geriet die Kreativmannschaft mit dem Abgang von Lead Writer Amy Henning und Regisseur Justin Richmond in heftige Schieflage, denn ohne diese beiden war ein „Uncharted“ schwer vorstellbar. Richten sollten es Straley und Druckmann, die gerade „The Last of Us“ abgeschlossen hatten und damit erzählerisch Maßstäbe gesetzt hatten. Zwei Jahre lang wurde alles umgeschmissen und neu entwickelt (zumindest hat es den Anschein), und was dabei herausgekommen ist, ist… Wahnsinn.

Noch nie hat es bislang ein Spiel gegeben, was so gut aussah. Egal ob Schottland oder Madagaskar, Wüste oder Urwald, die Grafik ist nahezu fotorealistisch und die Anzahl der verbauten Assets unvorstellbar hoch. Ich habe nicht EIN Hintergrundelement in der riesigen Welt entdeckt, wo sich Bausteine wiederholt hätten. Die Charaktere sind unglaublich detailliert: Haut schimmert transparent im Sonnenlicht und schwitzt, auf Pulloverstoff sind Fusseln aus der Waschmaschine zu sehen.

Die grafische Pracht ist das eine, was einen wirklich umhaut ist die Geschichte. Wirkten Uncharted 2 und 3 machmal so, als habe man coole Actionpieces notdürftig mit ein wenig Story aneinandergeklebt, ist bei Uncharted 4 alle aus einem Guß. Die Geschichte entwickelt sich glaubwürdig, und mit ihr adrenalintreibende Actionsequenzen und die Beziehung der Charaktere untereinander.

Oh, die Charaktere. Definitiv, wie bei „the Last of Us“, das Highlight. Nathan und Elena, Sam und Sully – ihnen wird genug Zeit und ruhige Momente eingeräumt, dass man als Spieler mit Ihnen fühlen kann. Die bessere Grafik hilft dabei, das zu transportieren – wenn Elena entdeckt, dass Nate sie hintergangen hat, kann man an ihren Augen des exakten Moment ablesen, in dem ihr Herz bricht. Auch der Abschluss ist rührend. Es ist zu merken, dass Naughty Dog die Geschichte von Nathan Drake abschließen möchte – und tut das auf respektvolle und herzergreifende Art, aus der man als Spieler zutiefst zufrieden herausgeht.

„Uncharted 4“ ist erzählerisch und optisch eines der besten Spiele das bislang gemacht wurde. Wer eine PS4 hat und Action nur ein wenig mag, kommt darum nicht herum.

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Machen:
Reisevorbereitungen. Routen austüfteln, Sehenswürdigkeiten suchen. Und Sport machen. Erfolgserlebnis: Fünf Kilogramm weniger in den letzten 8 Wochen weniger und wesentlich kräftiger untwerwegs.

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Neues Spielzeug:
Da gab es so einiges. Eine Garmin Virb XE, eine Lumix TZ61 Kamera, ein AEG Autoradio und diverser Kleinkram für die Motorradtour. Dazu neue Stiefel, ein Steißbeinprotektor, was man halt so braucht. Und unsexy Investitionen in das Motorrad: Reifen, Bremsen, Inspektion. Aber nun kann es wieder losgehen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
7 Kommentare

Verfasst von - 31. Mai 2016 in Momentaufnahme

 

7 Antworten zu “Momentaufnahme: Mai 2016

  1. natira

    31. Mai 2016 at 12:38

    Eine Freundin zeigte mir den Clip und Ich saß eher verwirrt vor der Chewbacca-Frau und dachte: Hng?!

    Statt Colfer also lieber Fforde? 😉

    Gefällt mir

     
  2. Silencer

    31. Mai 2016 at 14:27

    Fforde ist immer super, aber der schreibt so laaaaaaangsam (im Sinne von: Es gibt viel zu selten was neues von ihm)

    Gefällt 2 Personen

     
  3. zimtapfel

    31. Mai 2016 at 22:28

    „Ich fand das „Happy Chewbacca“-Video nicht lustig. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?“

    Eindeutig.

    (Ich habe es mir gar nicht angesehen. Es interessiert mich irgendwie nicht ein winziges bißchen.)

    Gefällt mir

     
  4. modnerd1138

    31. Mai 2016 at 23:57

    Ich habe es mir angesehen. Und fand es erschrenderweise witzig. Ich muss das als Zeichen sehen, dass es mit der Menschheit den Bach runter geht. Mich eingeschlossen.

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  5. kalesco

    4. Juni 2016 at 20:02

    Bin bei Frau Zimtapfel: habe es nicht angesehen.
    Bis Shades of Grey II uns endlich erreicht, wird der Novitätsfaktor dahin sein, bis dahin habe ich so viele (interessante) Dystopien gelesen, dass Fforde sich echt bemühen muss. Mit Thursday bin ich noch immer nicht warm geworden, das erste Buch ist durch, aber ich habe nicht gleich mit dem nächsten begonnen, was bei mir auch schon viel aussagt. Über den nightmanager haben wir uns ja schon ausgetauscht 🙂

    Gefällt 1 Person

     
  6. modnerd1138

    5. Juni 2016 at 10:03

    @kalesco Der erste Band von Thursday hatte bei mir auch noch nicht so vollständig verfangen. Wahrhaft episch ist hingegen die Trilogie in Band 2-4. Lohnt sich also, noch ein klein wenig weiterzulesen.

    Gefällt 1 Person

     
  7. Silencer

    5. Juni 2016 at 12:32

    Was Modnerd sagt: ab Teil 2 wird es total irre 🙂

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