N7adelwerk

Ab und zu habe ich auch einen Mach-Deine-Scheiße-Tag. Dann reisse ich mich zusammen und mache den Kram, der schon schon lange liegt und doch endlich mal gemacht werden muss.

Normalerweise fällt es mir nicht schwer auch unliebsame Dinge anzupacken. Augen zu und durch und fertig, das ist normalerweise meine Devise.

Was aber wirklich immer liegen bleibt sind Nähsachen. Übers Jahr hat halt diese Jackentasche ein Loch bekommen und hier hat sich eine Naht gelöst und da will ein Reissverschluss nicht mehr und hier müsste mal eine Gurtschnalle erneuert werden…

Einmal im Jahr, meist vor Beginn der Motorradsaison, setze ich mich dann hin und greife zu Nadel und Faden. Nadelwerk, eben. Ich kann nicht besonders gut oder sauber nähen, aber ich kriege die Sachen hin, die gemacht werden müssen.

In diesem Jahr was das nicht nur lästige Pflicht. Klar gab es die doofen Löcher und blöden Nähte…

Aber es gab auch Dinge mit Nadel und Faden zu tun, die mir Spaß machen: Optimierung und De-Branding.

Optimierung heißt meistens: Unpraktische Dinge an Kleidung und Gepäck ändern und leichter machen. So habe ich zum Beispiel richtig gute Packing Cubes geschenkt bekommen. Das sind diese Einsätze, die man in größeren Gepäckstücken nutzt um Ordnung zu halten. Superleicht und wirklich praktisch. Die wären sogar noch leichter, wenn der Hersteller nicht drauf bestanden hätte, auf JEDEN Cube ein dickes Gummidings mit dem Markennamen aufzunähen.

Dieses Gumidings wiegt fast so viel wie einer der kleinen Packingcubes. Also zur Nähschere gegriffen und die Cubes davon befreit. Zack, wieder Gewicht gespart. Und es sind diese kleinen und kleinsten unnötigen Gewichte, die sich addieren die in der Summe darüber entscheiden, wie schwer und handhabbar am Ende das gesamte Reisegepäck ist.

So ganz nebenbei sehen die Cubes ohne Branding auch noch besser aus.

De-Branding betreibe ich übrigens sehr gerne, gerade bei Taschen und Ruckssäcken. Gefühlt gibt es bei Gepäckstücken nur zwei Extreme:

  1. No-Name-Sachen ohne Branding. Die fallen meist in China direkt so aus der Fabrik raus. Ist aber meist billiger Mist, der nach zwei Mal angucken auseinanderfällt.

  2. Relativ gute und wertige Taschen und Backpacks, die aber auf´s heftigste gebrandet sind und bei denen das Herstellerlogo mindestens drei Mal auf jeder kleinen Lasche steht.

Ich mag Qualität, aber ich weigere mich, mit Rucksäcken rumzulaufen, auf denen fett „Jack Wolfskin“ oder „The North Face“ oder sowas steht. Ich habe keinen Bock Werbung für diese Marken zu laufen, und deshalb habe ich vor einige Jahren angefangen den Herstellerschriftzug zu übernähen und Anhänger und Zipperlaschen mit dem Firmenlogo einfach abzuschneiden oder gegen was Neutrales zu ersetzen.

Ehrlich, ich habe eine fast schon körperliche Aversion gegen diese Outdoormarken. Wenn ich durch die Fußgängerzone gehe und jeder Zweite hat ein fettes „Wolfskin“ oder sonstwas-Logo auf der Schulter, ich möchte mich auf selbige erbrechen.

Leider machen die Outdoorhersteller aber oft ganz cooles und hochwertiges Zeug. Dieser Zwiespalt hat bei mir zu einer De-Branding-Obsession geführt. Echt, bevor ich mir irgendwas Neues zulege, schaue ich sogar, wie gut sich die Herstellerlogos entfernen oder abdecken lassen.

Zum Übernähen der ersten Logos hatte ich nichts anderes als Flauschband von Klettverschlüssen. Hier stand zum Beispiel mal fett „Jack Wolfskin“, mitten auf dem Brustgurt, und an dem Reissverschluss hing ein murmelgroßer und -schwerer Anhänger mit Tatzenlogo.

Hm. Sieht nicht so ganz supi aus. Was könnte man da mal draufkletten? Sollte am Besten was sein, was mir was bedeutet. Ah, ja:

Nun kann ich nicht auf jeden Rucksack drei Mal das EU-Logo draufmachen. Irgendwann kam mir der Gedanke, das es nett wäre, aus der No-Logo-Haltung einen Nerd-Gag zu machen. Sprich: Die bekannten Marken auszutauschen gegen eine, die es in der wirklichen Welt nicht gibt, die Insider aber erkennen würden.

So kam es, dass die besten meiner Rucksäcke und Taschen den Schriftzug „N7“ tragen. Das ist ein Insidergag für die Fans von Science Fiction. Im fiktiven Universum der „Mass Effect“-Reihe bezeichnet N7 die höchste Qualitätsstufe. Die beste Ausrüstung trägt bei Mass Effect immer das N7-Logo.

Die meisten dieser Patches sind immer noch mit Klett aufgebracht. An Orten, wo ich seriös auftrete, sind die schnell entfernt. Ansonsten freue ich mich über diesen kleinen Gag, der mich nicht in eine laufende Litfaßsäule für Outdoorhersteller verwandelt und der dafür sorgt, dass meine Gepäckstücke unverwechselbar sind. Wenn Sie also einmal auf einem Bahnhof umgerannt werden, und der davon Eilende trägt einen Rucksack mit einem N7-Logo, dann wissen Sie, wer das war.

Hier einige Stücke aus der aktuellen N7-Kollektion:

Ist das bescheuert? Vielleicht. Aber ich habe meinen Spaß dran, und beim diesjährigen Nadelwerk-Tag wurde auch wieder massiv De-Branding betrieben. Adieu, Osprey-Geier, hallo neutraler Patch.

Neutral zumindest so lange, bis das Gepäckstück sich bewährt und es verdient hat, mit einem N7-Schriftzug geadelt zu werden.

Kategorien: Ganz Kurz | 12 Kommentare

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12 Gedanken zu „N7adelwerk

  1. rudi rüpel

    Bekloppt!

    hahahaha, daß mit dem Etiketten entfernen kenne ich, mach ich auch sehr gerne. Aber die Markenlogos gegen eigene auszutauschen finde ich ganz härrrrlich bekloppt und sehr kreativ. Einfach großartig!
    LIEBEn Gruß
    rudi rüpel

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  2. etwas schrullig allenthalben, am Ende aber nur konsequent sich der Logos zu entledigen. Du bist nicht alleine, auch hier werden Sachen nicht gekauft wenn das Branding zu aufdringlich daher kommt und/oder nicht entfernt werden kann.

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  3. Hmm, Hans Wolfpelz kauft man doch aber sowieso nicht. 😛

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  4. @Rudi und @Rüdiger: Danke, mit Schrullig und bekloppt kann ich sehr gut leben 🙂 und ich bin froh, dass ich nicht allein bin.

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  5. Ich finds nicht bekloppt 🙂

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  6. DL650R

    Gefällt mir. Ich mag auch nicht für Jack Wolfskin Werbung laufen (und das NICHT, weil Idioten meinen Jack-Wolfskin-Träger wären alles Pegida-Mitläufer!) aber deren Treckingschuhe gibt’s nun mal in echter Größe 15 (deutsch: 50) und nicht wie bei Keen, wo US-15 dann auf eine deutsche 48 hinausläuft. Leider ist mir das Logo-Abprökeln nur zu aufwendig, weil bei meinem Fußweg von der Bahn und zurück die Schuhe nach spätestens vier Jahren durchgelaufen sind.

    Jetzt überlege ich mir aber wirklich ernsthaft, ob ich meinen Deuter-Rucksack debranden sollte. Hm. Wäre aber ein Stück weit unfair anderen gegenüber, denn mir passten meist die Bauchgurte nie, bis ich herausfand, dass es auch (wenige) Rucksäcke in lang für extra lange Rücken gibt. Plötzlich geht das. Ne, den lasse ich so, vielleicht nutzt es ja einem anderen Großen, wenn er mich mit dem Ding sieht. Mache ich ja auch so, wenn ich mal jemand über 2m sehe (also schnell scannen was der so trägt, wenn es gut und nicht verboten aussieht).

    Aber vielleicht widme ich ja meinen Packtaschen. Daher mal die Frage, wo lässt du denn deine N7-Logos sticken? Könnte ich mir mit dem DL650R-Logo, passed zur Maschine, wirklich vorstellen.

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  7. DL650R: Da hast Du was verwechselt. Jack Wolfskin trägt das altlinke Lehrerehepaar. Lonsdale ist kritisch 🙂

    Logosticker findest Du im Internet an jeder Ecke. Vermutlich gibt es sogar einen Laden, der sowas macht, in einem Einkaufszentrum in deiner Nähe.

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  8. DL650R

    Hm, so Bedruck- und Aufnäheranbieter waren bestimmt auch wieder auf den HMT. Leider war ich den Sonntag vom grippalen Infekt noch zu schlapp da mal hin zu fahren dieses Jahr. Macht ja keinen Spaß, wenn man nicht begeistert durch die Hallen turnt sondern gegen die Müdigkeit kämpft. Muss das halt noch etwas warten.

    Was die Jack-Wolfskin-Einstellung betrifft, habe ich mir das nicht ausgedacht. Der Spiegel hatte das 2016 ins Spiel gebracht (und die meinen so etwas dann wirklich ernst): https://de.blastingnews.com/wirtschaft/2016/11/jack-wolfskin-in-der-krise-schulden-enttauschte-kunden-und-pegida-001232053.html

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  9. DL650R: Habe ich im Nachgang auch gesehen. Manchmal fragt man sich, ob die nicht heimlich Lack saufen. Die Beobachtung, dass Leute insb. bei schlechtem Wetter Outdoorklamotten tragen ist in etwa so sinnvoll wie die, dass alle Schuhe anhaben. Und darunter bestimmt viele der Marke Adidas.

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  10. interessant wo das manchmal so hinführt und dabei war meine Anspielung weder auf das eine noch das andere bezogen 😂
    Vielleicht hilft das Stichwort dawanda auf die Sprünge

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  11. Stephan

    Ich habe Anfang der Woche jemanden mit einem N7- Rucksack gesehen (sah allerdings nach einem „billigen“ Marketing- Hinterschmeißling aus)…ich war allerdings zu langsam, um ein ordentliches Foto davon zu machen.
    Sie, Herr Silencer, sind am Ostermontag nicht zufällig mit einer Gruppe anderer Leute an den „Orgelpfeifen“ herum gekraxelt…und haben sich auf englisch unterhalten

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  12. Hehe, nein, das war ich nicht. Ich bin am Ostermontag war ich in Hessen und Niedersachsen unterwegs 🙂

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