Ganz Kurz

Momentaufnahme: April 2022

Herr Silencer im April 2022

Trööt des Monats:

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt mit Temperaturen nachts bis zu -9 Grad und tagsüber um den Gefrierpunkt. In der zweiten Monatswoche Sturm, Schnee und Regen bei einstelligen Temperaturen. Monatsmitte Sonne, bei Nachts um Null Grad, tagsüber um die 17. In der letzten Woche regnet es das erste Mal seit Anfang März. Die Äcker sind schon wieder trocken wie sonstwas. Letzte Monatswoche wieder trocken und 5 bis 15 Grad.


Lesen:

Stephen King: Billy Summers [2021]
Der Auftragskiller. Der berühmte letzte Job. Das Mädchen.

Diese Geschichte gab es schon in einigen Variationen. Stephen King findet hier aber einen ganz eigenen Dreh, um eine Geschichte von zwei Menschen zu erzählen, die unter seltsamsten Umständen zusammenfinden und eine merkwürdige Beziehung aufbauen.

Dieser Dreh ist aber kein wirklich guter. Zum einen braucht das Buch ewig um in Fahrt zu kommen: Ein Drittel der rund 650 Seiten sind Vorspiel. Dann nimmt die Geschichte Fahrt auf, wirkt aber hingebogen und konstruiert, um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. Das dann die Story noch dauernd eine Vollbremsung bis zum Stillstand macht, um in einem Buch-im-Buch die Vergangenheit des Auftragskillers im Irakkrieg zu zeigen, macht die Sache nicht besser.

Das klingt jetzt kritischer als es gemeint ist. Trotz der anfänglichen Länge und den Einschüben ist die Geschichte von Billy Summers spannend genug, um stets wissen zu wollen wie es weiter geht. Schön auch zu sehen, das King auf seine alten Tage hier noch mit Genres, Perspektiven und Erzählstilen jongliert und ganz viel ausprobiert. Er schmeißt viel an die Wand, nicht alles davon bleibt kleben, aber es reicht noch für ein spannendes und innovatives Buch.


Hören:


Sehen:

The Brits are Coming! [BluRay]
Uma Thurman verzockt Geld einer Freundin und nötigt Tim Roth dazu Drogen für Stephen Fry zu schmuggeln.

„Weißte was? Die Thurman, die fand ich schon immer geil! Die muss im Film sein, und ihr sexy Ding machen. Und diese Dings aus Star Trek, Alice Eve, die auch! Und diese Sängerin, wo ich immer so gern höre, diese Sophia Vergara, die soll auch mitspielen! Oh, oh, oh! Und Maggie Q!“
„Und für die männlichen Rollen?“ – „Brauchen wir die wirklich? Na… da nehmen wir diesen unheimlichen da, diesen Crispin Clover. Oh, und Tim Roth, den finde ich witzig, der sieht so fertig aus. Und Stephen Fry finde ich lustig, den besetzen wir als schwulen, pädophilen Priester. Weil er selbst schwul ist, das ist lustig, kennste, kennste?!“

„Und wie soll die Handlung sein?“
„Handlung? Wieso braucht es eine Handlung? Na gut. Also: Stehen Fry will immer Leuten Sachen in den Arsch schieben, Tim Roth soll komisch gucken und dauernd bedröhnt sein, und die Ladies tragen sexy Swag und baggern sich gegenseitig an. Mehr Handlung brauchen wir nicht!“

…So oder so ähnlich muss es abgelaufen sein, als einige zugekokste Millionäre zusammen saßen und beschlossen, diesen Film zu machen. Die Darstellerriege ist beeindruckend, mit denen einen völligen Totalausfall zu produzieren muss man auch erstmal hinbekommen. „Brits are Coming“ schafft das aber – das Drehbuch ist so wirr, dass ich am Ende nicht mal verstanden habe, was da passiert.

All is lost [2014, BluRay]
1.700 Seemeilen vom nächsten bewohnten Festland bummst ein Boot in einen verlorenen Seecontainer und bekommt ein Loch. Robert Redford versucht so gut es geht alles zu flicken, aber dann kommt ein Sturm.

Interessanter Film. Praktisch keine Musik, keine Dialoge, nur ein Darsteller. Von dem wissen und erfahren wir: Nichts. Was macht der alte Mann da allein auf dem Meer? Wie heißt er? Warum ist er allein? Das bleibt der Fantasie überlassen, denn außer „MistMistMist“ und „Komm schon!“ sagt Redford den ganzen Film über kein Wort und spielt sehr reduziert. So guckt man ihm 105 Minuten dabei zu, wie er an seinem Boot rumfrickelt und sich immer neuen Problemen stellen muss.

Die Inszenierung ist zwar stellenweise sehr behäbig, und weder Kameraführung noch Schnitt werden in manchen Szenen der Dramatik der Ereignisse gerecht, trotzdem ist der Film spannend. Das liegt auch am Sound, der ziemlich gewaltig daherkommt. Wenn ein Sturm gegen das Glasfaserboot donnert und Wellen gegen den Rumpf klatschen, dann hat das Wucht.

Reduziert, spannend und dabei ruhig – eine seltsame Mischung. Nicht funktioniert hat für mich das Ende, das dem Ton des Films und der Setzung, die gleich in den ersten Minuten (immerhin per Voiceover) geschieht, nicht gerecht wird. Vermutlich wurde das nach Fokusgruppentests nachgedreht und rangepfriemelt.

Léon, der Profi [1994, BluRay]
Léon stammt aus einer der ärmsten Provinzen Italiens. Er ist ungebildet, kann nicht lesen und ist im Umgang mit Menschen so unerfahren, dass er fast zurückgeblieben wirkt. Aber in einer Sache ist er ungeschlagen geschickt: Als Profikiller. Als solcher arbeitet er im New Yorker Viertel Little Italy. Dort treiben sich auch korrupte Polizisten herum, die die Familie von Léons Nachbarin Mathilde abschlachten. Die Zwölfjährige überlebt, findet bei Léon Unterschlupf und bittet ihn, sie sein blutiges Handwerk zu lehren.

Ein Film, wie er heute nicht mehr gedreht werden könnte. Eine Zwölfjährige, die sich in einen Erwachsenen verliebt? Damals provokant, heute undenkbar. Dabei ist der Gegensatz des emotional erwachsenen, aber instabilen Kindes und des kindlichen Erwachsenen durchaus interessant – er wird hier nur etwas naiv angegangenen, ergeht sich zwischendurch in seltsamen Lolita-Szenen und versandet am Ende, ohne das der Konflikt wirklich thematisiert würde.

Abseits dieser Problematik ist „Léon“ ein sehr besonderer Film, weil er so viele Ausnahmetalente vereint. Zwar ist ausgerechnet Jean Reno als Protagonist ein ziemlicher Ausfall und ergeht sich in seinem üblichen Mondkalb-Blick, aber meine Güte, was sind Nathalie Portman und Danny Aiello hier gut.

An die Wand gespielt werden alle von Gary Oldman, der als drogensüchtiger und völlig durchgeknallter Cop hier so dermaßen abliefert, das man Angst bekommt. Oldman war die Inspiration für Heath Ledgers „Joker“, da bin ich mir sicher – Gesichtsausdrücke und Körpersprache findet man an vielen Stellen in „Dark Knight“ wieder.

Dazu kommen die visuellen Experimente eines noch nicht völlig in Selbstreferenzialität versunkenden Luc Besson in Kombination mit der tollen Kameraarbeit von Ausnahmefilmer Thierry Arbogast und der fantastische Production Value, der sich in der Ausstattung widerspiegelt: Man kann das Bohnerwachs der Altbaudielen geradezu durch die Leinwand riechen. Alles atmet Style und das Wollen, das Innenleben der Protagonisten zu visualisieren.

Ein alter Film, aber immer noch mehr als sehenswert, weil ein Ausnahmewerk.


Spielen:

Cyberpunkt 2077 [PS5]
V. ist Söldnerin auf den Straßen der dystopischen Megastadt Night City. Bei einem schiefgelaufenen Einsatz als Diebin gegen einen Megakonzern bekommt sie das KI-Abbild von Keanu Reeves in den Kopf gepflanzt. Der erscheint ihr fortan als Halluzination – und bringt sie langsam um. V.´s Persönlichkeit wird langsam, aber sicher von dem KI-Konstrukt überschrieben, das sich auch noch verhält wie das letzte Arschloch.

„Cyberpunk 2077″ ist ein dampfender Haufen und wird das auch bleiben.“ sollte hier eigentlich stehen. Tatsächlich ist auch 18 Monate nach Release, gefühlt 100 Patches und dem Wechsel auf neue Hardware (PS5 statt PS4) längst nicht alles gut.

Beispiele: NPCs glitschen, zucken und fallen durch Wände. Ab einer gewissen Geschwindigkeit verschwinden alle Autos von den Straßen. Meine Spielfigur stolpert in eine Badewanne und kommt da nie wieder raus. Ein Motorrad fährt gegen einen Müllsack, überschlägt sich und explodiert. Mein eigenes Auto spawned über meiner Spielfigur und erschlägt sie. Animationen werden nicht abgespielt. Audio hängt oder kommt in falscher Lautstärke aus der verkehrten Richtung. Keanu Reeves Tonspur ist deutlich leiser und anders aufgenommen als alle anderen. Wenn meine Spielfigur heimlich späht, beginnt sie zu schweben, bis sie meterhoch über der Deckung hovert und alle sie sehen.

Zwar stürzt „Cyberpunk“ nicht mehr alle drei Minuten ab, aber gut laufen tut es immer noch nicht. Die proprietäre und hauseigene RED-Engine kommt einfach hinten und vorne nicht klar, und in „Cyberpunk“ sind sogar Dinge kaputt, die in „Witcher 3“ noch funktionierten.

Aber selbst wenn technisch alles rund laufen würde: Dieses Spiel ist auch inhaltlich an vielen Stellen kaputt. Vieles wirkt wie auf Koks designt und nicht zu Ende gedacht. Allein die Bedienung ist auf Konsolen eine Frechheit. Menüs sind superwinzig, kaum lesbar und völlig überladen, das Perksystem überkomplex und untererklärt, das Inventar eine Müllhalde und das Craftingsystem habe ich bis zum Ende nicht verstanden und nicht benutzt.

Ich hatte ja schon ein schlechtes Gefühl, als CD Projekt Red 2014 ankündigte, „Cyberpunk 2077“ wäre ein First-Person-Adventure. Es gab noch NIE ein gutes Action-Adventure aus der Egoperspektive, und das hat Gründe. Springen und Klettern sind kaum möglich, das Customizing der eigenen Spielfigur ist völlig für die Katz (weil man sie nie sieht), und eine starke Erzählung oder Charakterzeichung kann mit einer Figur, die man nicht sehen kann, nicht wirklich gelingen.

Storytechnisch ist CP77 interessant, hat aber Open-World-typische Pacing-Probleme. Das Spiel baut viel Zeitdruck auf und drängt darauf der Hauptgeschichte zu folgen. Tut man das aber und konzentriert sich auf die story, plätschert die vor sich hin, nur um einem dann ohne Vorwarnung einen Bossgegner vor die Nase zu setzen, den man ohne ein bestimmtes Level nicht mehr besiegen kann – Zack, Storystopper. Unmittelbar nach dem Boss kommt schon der Point of no Return – wer hier weiterspielt, sieht schon nach 20 Stunden das Ende der Geschichte.

Die Nebenmissionen sollte man also unbedingt machen. Nur: Zu kaum einem Zeitpunkt weiß man, warum und wieso man welche machen sollte oder ob das alles nicht völlig egal ist. Die Nebengigs sind von der Qualität her ein ziemlicher Pralinenkasten. Ignoriert man den üblichen Open-World-Füllstoff, also die dummen Fetchquests, Autorennen und Faustkampfturniere, bleiben größtenteils nur Baukastenmissionen (gehe zu Punkt A und hau alle um) übrig.

Dabei gibt es durchaus drei, vier schön geschriebenen Nebenquestketten mit gelungenen Charakteren. Die sind aber oft so schludrig inszeniert, das sie antiklimaktisch enden. So zum Beispiel die Questkette um einen Polizisten, der Hilfe bei einem Serienmörder braucht. Der liegt im Koma, aber die entführten Opfer sind noch irgendwo in der Stadt und haben nicht mehr lange Zeit. V. muss in die Gedankenwelt des Killers einsteigen und herausfinden, wo er die Menschen verssteckt hat. Was superspannend geschrieben ist und in ein „The Cell“-Szenario führen könnte, verpufft hier einfach. Man untersucht eine Akte, fährt zu einem Ort und drückt einen Knopf – das war´s. Die durchgehende Egoperspektive verhindert, dass Zwischensequenzen filmisch inszeniert werden könnten – damit verschenkt Cyberpunk so viel.

Dieses verschenkte Potential aufgrund irriger Designentscheidungen ist überall zu spüren. So ist die Atmosphäre und Architektur von Night City und die grafische Erscheinung des Megasprawls faszinierend gut geworden. Irre Gebäude, Neonlichter… Das sieht toll aus, wirkt aufgrund des spärlichen Straßenverkehrs und weniger NPCS (die Engine!) aber auch oft leblos. Die Schwächen bei Technik, Story und Inszenierung arbeiten aber gegen die Atmosphäre, und das Spieldesign versteckt auch noch viele Möglichkeiten und Einzigartigkeiten vor einem.

Ich hatte am Ende aber doch Spaß an dem Game. Ich habe einfach alles ignoriert was ich nicht verstanden habe (wozu neben dem Crafting auch das Perksystem gehört, also vermutlich den ganzen Rollenspielanteil) und habe mich einfach über Hirn-aus-Simpelmissionen in der tollen Stadt und Missionen mit den wenigen Charakteren gefreut, die gut geschrieben sind. Auch die verschiedenen Enden sind allesamt berührend, kommen aber etwas abrupt und willkürlich um die Ecke.

„Cyberpunk 2077“ ist also kein dampfender Haufen, aber es ist auch kein supertolles Spiel. Abseits der netten Grafikassets ist sehr viel irreparabel verkehrt designt, technisch schlecht umgesetzt und die Narration erreicht an keinem Punkt „Witcher“-Niveau. An der Erwartungshaltung und den Versprechen im Vorfeld gemessen, ist es entäuschendste Spiel der letzten Jahre. Nach genügend Zeit in dieser Ruine findet sich dann aber doch eine gewissen Faszination des Morbiden – vielleicht das ist ja auch fast Punk.

The Kaito Files [PS5, 2022]
Tokio: Kaito Masaharu ist ein Ex-Yakuza und der Sidekick von Privatdetektiv Yagami. Als der aus der Stadt ist, wird ein neuer Klient bei Kaito vorstellig. Er soll eine Frau suchen, die eigentlich schon seit Jahren tot sein sollte. Zufällig ist diese Frau früher einmal Kaitos große Liebe gewesen.

Schöner DLC zu „Lost Judgment“. Keine Nebenaufgaben, kein Füllstoff, nur gut geschriebene und sehr spannende Thrillerstory. Deshalb schon nach rund 8 Stunden vorbei, aber da es in denen keiner Hänger und keinen Grind gibt, ist das mehr als verzeihlich. Ist im Season Pass zu Lost Judgment enthalten, auch wenn Sony Deutschland auch nach mehrfachem Hinweis zu dumm ist das auf die Website zu schreiben.


Machen:

ADAC-Training in Gründau,
Mastodon ausprobieren.


Neues Spielzeug:

Neue Tourenkombi. FLM Touren Leder-/Textil 4.0, der Nach-Nach-Nachfolger meiner Mohawk von 2012. Wieder Cordura/Ledermix mit Sympatex-Membran, Protektoren sind gegen bessere ausgetauscht.

Ist ordentlich verarbeitet, lediglich die Anordnung der Innentasche und die Reißverschlüsse an den Ärmeln sind Banane. Qualitativ gibt es deutlich besseres, aber diese Kombi passt mir perfekt, und darauf – und die schnelle Verfügbarkeit – kam es jetzt an. Ich kann gar nicht sagen, wie froh und glücklich ich bin, die Matata von Held endlich wegpacken zu können und stattdessen wieder eine Hose zu tragen, die mir nicht nach dem dritten Schritt vom Hintern rutscht (eine Nummer kleiner schnürte bei de Held dagegen die Extremitäten ab). Irgendwann mache ich mich dran mal eine gute Revvit Kombi zu finden, aber dieses Jahr habe ich von Hosenanprobieren die Nase voll.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Silencers Blog wünscht frohe Weihnachten

Und ganz besonders vielen Dank an alle, die Karten und Päckchen für Huhu und das Wiesel geschickt haben 🙂

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Agathe 2021

Da freut sich der Herr Silencer und der Huhu wundert sich: Agathe blüht wieder!

Elf Monate im Jahr sieht Agathe aus wie monströses Gemüse aus dem Weltraum, mit knotigen, fleischigen Blättern, die bei der sanftesten Berührung sofort abbrechen. Aber einen Monat im Jahr, von Ende November bis Ende Dezember, verwandelt sie sich in einen rosafarbenen Wasserfall aus Blüten. Dafür lohnt es sich, ihren Anblick den Rest des Jahres zu ertragen.

Sieht man übrigens auf den Bildern nicht, aber Agathe ist wirklich ein Mopped: Gut über einen Meter bringt sie im Durchmesser mit.

Frühere Agathes:

Agathe 2020
Die dicke Agathe 2019
Die dicke Agathe 2018
Die dicke Agathe 2017

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Zwei weitere Jahre

Schon lustig. Ich musste echt drauf achten nicht mehr von „TÜV“ zu reden, wenn ich „Hauptuntersuchung“ meine. Früher musste man halt „TÜV und ASU machen“, dann „HU und AU“, und mittlerweile ist es halt nur noch die Hauptuntersuchung.

Und was sagt am Empfang der DEKRA die dortige Angestellte auf meine Frage, ob ein Prüfer im Haus sei? „Ach, sie wollen zum TÜV?“

Wie auch immer: Das Kleine Gelbe AutoTM musste zur HU. Es ist inzwischen zwanzig Jahre alt, hat einen leicht verölten Motor, ein Rad quitscht, aber sonst ist alles in Ordnung… oder?

„Schweller verbeult“, sagt der Prüfer. Hö? Tatsächlich, die sind punktuell regelrecht eingerollt. Oh man, da hat in der letzten Werkstatt irgendjemand den Wagen angehoben und damit nicht auf die Ansatzpunkte geachtet. Ärgerlich. Ansonsten hier und da ein wenig Rost, aber: Alles Top in Ordnung. So mag ich meine Fahrzeuge: Machen nicht viel her, sind aber unter der alten Oberfläche TipTop in Ordnug. (bzw. im Falle des Autos: Der Bemoosten Oberfläche. Ja, da wächst Moos aus den Spalten).

Lange Rede, rosa Sinn:

Ich freue mich. Sehr.

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Ausrüstungsodyssee

Der November ist grau und kalt, da bietet sich ein Ausflug in den Süden an. Leider konnte ich den nicht selbst antreten, aber immerhin Teile meiner Motorradbekleidung.

Das Innenleben der TechAir-Jacke zieht es alle zwei Jahre nach Asolo, im Veneto. Dort wird die Airbagweste auf Dichtigkeit geprüft, die Treibladungen getauscht, die Sensoren gecheckt, die neueste Steuersoftware aufgespielt und – das ist am Wichtigsten – das Teil wird gewaschen.

Gönnt man sich als TechAir-Besitzer diesen Service für 99 Euro, bekommt man dafür nicht nur ein überholtes und duftendes Kleidungsstück und Seelenfrieden zurück, auch die Herstellergarantie verlängert sich um zwei Jahre. Versand und Rückgabe wird vom Händler organisiert, und über Louis geht das reibungslos und schnell. Im Retourenportal druckt man sich ein Versandlabel, legt einen Brief bei, dass man bitte eine TechAir-Wartung möchte und schickt das Ganze nach Hamburg. Dort wird das Ganze dann behandelt wie eine Reklamation, aber die Mails á la „Es tut uns so leid, dass Du mit uns nicht zufrieden bist“ und „Wir tauschen Deine Ware um“ kann man allesamt ignorieren. Die zeigen nur an, dass der Airbag unterwegs nach Italien ist, und binnen 10 Tagen war die Klamotte wieder hier.

Der Helm war nicht ganz so weit weg und hat trotzdem etwas länger gebraucht, was aber am Lieferdienst lag. Der N104 war nicht im Stammhaus von Nolan in Bergamo, sondern nur in Stuttgart, wo er in der deutschen Niederlassung von Nolan neue Visiermechaniken und Dichtungen bekam und die Verschlüsse gängig gemacht wurden.

Zusammen mit dem neuen Innenfutter und den Wangenpolstern lebt der Helm nun noch etwas länger.

Ich bin nur froh, dass ich ihn wiedergefunden habe – mitten in der Göttinger Innenstadt lag er rum, ganz allein. Das kam so: Mitte letzter Woche kam eine SMS von einem Versanddienstleister, das ein Paket für mich unterwegs sei. In der SMS: Ein Link auf eine kaputte Trackingseite. In Zeiten von Massenphishing über Fake-SMS unbedingt eine vertrauenssteigernde Maßnahmen.

Dann passierte: Nüscht.

Irgendwann habe ich mit die kaputte Trackingseite genauer angeguckt und konnte aus ihr eine Versandnummer rausschütteln, die dann auf einer anderen Trackingseite funktionierte. Stand der Dinge war da: Angeblich war ein Zustellversuch unternommen worden (stimmt nicht), aber ich wäre nicht da gewesen (stimmt auch nicht), und nun sei das Paket bei einem Nolte abgegeben worden. Nett. Nur: Hier gibt es weit und breit keinen Nolte.

Mein erster Gedanke: OK, der Fahrer hatte zu viel zu tun, und um sein Tagespensum zumindest für die Statistik zu erfüllen, hat er selbst das Paket als ausgeliefert unterschrieben und bringt das morgen oder übermorgen.

Doch es passierte: Nüscht.

Für heute hatte ich mir dann vorgenommen, sämtliche Lager des Versanddienstleisters anzurufen. Schon im nächstgelegenen hatte ich Glück. Das Lager selbst, ein Fahrradladen in der Göttinger Innenstadt, sah aus wie das Lagerhaus am Ende von „Jäger des verlorenen Schatzes“ – kein Wunder, wenn die Zusteller nicht mal Benachrichtigungen hinterlassen und die Pakete gleich da hinbringen, dann sammelt sich halt was an.

Wie auch immer: Der N104 ist wieder da. Und mit den Ersatzteilen des upgegradeten Modells ist er besser als an dem Tag, als ich ihn gekauft habe.

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Über rote Ford Fiestas

„Das eine Fahrzeug, vor dem selbst die Fahrer der nobelsten Limousinen Respekt hatten, und mit dem anzulegen sich nicht einmal die PS-Stärksten Fahrzeuge trauten, waren rote Ford Fiestas. Vor roten Ford Fiestas zitterten alle. Dafür gab es einen einfachen Grund: Rote Ford Fiestas hatten schlicht nichts mehr zu verlieren, und genau so wurden sie auch im Straßenverkehr bewegt. Von Fahranfängern, Senioren oder eben auch Fahrern, denen alles egal war. Einem roten Ford Fiesta ging man aus dem Weg, wie man einem tollwütigen Hund aus dem Weg geht. Das war ein ungeschriebenes Gesetz der Straße – auch, wenn es im ungeschriebenen Gesetzbuch eher weiter hinten stand.“

So oder so ähnlich stand der Absatz über rote Ford Fiestas in einem Buch, dessen Namen und Auto ich leider vergessen habe. Vermutlich war es was von Douglas Adams. Würde jedenfalls passen, den der Text enthält einen wahren Kern, wenn auch ins Absurde verdreht: In den Neunzigern war der Ford Fiesta in Großbrittannien eines der meistverkauften Modelle, die beliebteste Farbe war rot, und dementsprechend führten die Karren auch die Unfallstatistik an. „Cause of death: Little old lady in a blue rinse and a red Ford Fiesta“.
Dadurch war „Red Fiesta“ bald ähnlich konnotiert wie die der stehende Begriff der „White Van Man“, die mit ihren weißen Lieferwagen aus dem Nichts auftauchen um einen zu schneiden. Kennt jeder, auch in Deutschland, man muss der Empirie manchmal nur einen Namen geben.

Anyway, als ich das in den 90ern las und dabei an die Arbeitskolleginnen dachte, die einen roten Ford Fiesta fuhren, erkannte ich die tiefe und universelle Wahrheit in diesen Zeilen.

Ich habe diese wahren Worte nie vergessen (anders als halt Buchtitel und Autor), und als ich neulich auf diesen Ford Fiesta stieß, fand ich sie wieder bestätigt. Das ist so eine „hat-nichts-mehr-zu-verlieren-Karre“, und Daimlerfahrer fürchten um ihren Lack, wenn die auf den Straßen unterwegs ist.

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Maximale Verwirrung

Gerade sind hier die Unterlagen für die Briefwahl in Stadt und Land eingegangen. Abgesehen davon, dass die quadratmetergroßen Wahlzettel vor Versand in kunstvollstem Origami gefaltet werden müssen, ist das Prozedere an sich nicht ganz unkomplex. Wahlzettel ausfüllen (jeder nur drei Kreuze!), kleinfalten, in einen Wahlumschlag stopfen, Stimmzettel ausfüllen, Unterschreiben und mit Wahlumschlag in einen Stimmumschlag und dann ab die Post.

Eigentlich einfach, aber wenn man vor dem Berg Papier steht und dann versucht das krasse Behördendeutsch des Stimmzettels zu verstehen, kommt man sich schon ein wenig überfordert vor. Immerhin, man will ja nichts falsch machen, jede Stimme zählt und so, wissen schon.

Weil die Wahlleitung weiß, wie geschraubt und unverständlich die Sprache ihrer Schreiben ist, hat sie eine bebilderte Anleitung in einfacher Sprache beigelegt:

Vorbildlich! Doof nur: Es gibt keinen roten oder blauen Umschlag, nur einen gelben und einen grünen. Vermutlich führt das bei einige Wählerinnen zu maximaler Verwirrung – und bei Schreibwarenläden vor Ort zu erhöhter Nachfrage nach roten und blauen Briefumschlägen….

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Ruby No. 5

Kurze Notiz mich selbst: Ab jetzt ist Ruby-Lampe Nr. 5 im Einsatz. Die letzte hat 21 Monate gehalten und in der Zeit 2.216 Betriebsstunden angesammelt.

Ja, der Röhrenfernseher steht immer noch hier rum. So kurz vor seinem 25. Geburtstag kann ich den einfach nicht wegwerfen…

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Wahre Größe

Wie groß ist eigentlich… Griechenland? Dieses weitläufige, zerklüftete Sehnsuchtsland mit seinen endlosen Küsten?

Stellt sich raus: Lässt man mal die ganzen Inseln weg und zählt das Wasser zwischen denen nicht mit, ist die Festlandfläche von Griechenland mit 107.000 Quadratkilometern gerade mal so groß wie Niedersachsen (47.709), Mecklenburg-Vorpommern (23.295) und Nordrhein-Westfalen (34.112) zusammen.

Quelle: Truesizeof.com

Übertragen auf eine Deutschlandkarte wie oben ist eine Reise durch ganz Griechenland also nicht mehr als eine Fahrt von Nürtingen über Castrop-Rauxel nach Achim, von dort nach Rostock und zurück über Neustadt am Rübenberge nach Schwäbisch Hall. Ernüchternd.

Kategorien: Ganz Kurz, Motorrad, Reisen | 4 Kommentare

Prioritäten

Ab und zu stöbere ich durch Shops, die gebrauchte Armeeware verhökern. Das Zeug, was da so verkauft wird, ist meist so 20, 30 Jahre alt und ausgemustert worden. Manchmal finden sich da Sachen, die sich für den eigenen Garten oder Camping nutzen lassen – Falthocker, Kocher, Schlafsackhüllen, sowas.

Manche dieser Shops haben sich auf die Armee eines Landes spezialisiert, andere bieten Gebrauchtzeug aus mehreren Ländern an, und DIE finde ich lustig, zumindest wenn ich mir vorstelle, dass die Angebote die Prioritäten der jeweiligen Nationen widerspiegeln.

Deutschland ist relativ langweilig, die mustern hauptsächlich Anoraks und komische Hüte aus.

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Die Schweizer dagegen sind schon ganz lustig, die bieten neben den unvermeidlichen Schweizer-Armee-Taschenmessern auch alte Gefechts-Velos an. Man stelle sich vor, wie die Schweizer Armee in den Verteidigungsfall radelt, und dafür ewig braucht, weil sie die Berge nicht hochkommen…

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Ausserdem legen die Schweizer VIEL Wert auf gepflegtes Schuhwerk. Wo andere Armeen eine kleine Segeltuchtasche mit drei Bürsten ausgeben, ist das Schweizer Schuhputzzeug in einer Rolltasche mit neun Fächern, 5 Bürsten und zwei Zusatzhüllen untergebracht. Das Ganze ist selbst so groß wie ein kleiner Rucksack. Sehr ordentlich!

Den Vogel schießen aber die Italiener ab. Guckt man durch deren B-Ware, springt einen das hier auf Seite 1 an:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Parmesandöschen der Luftwaffe! Espressotässchen! Fischgabeln! Glaskaraffen! Auf Seite zwei ein ähnliches Bild:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Teetassen! Kaffeelöffel! Weiche Merinounterwäsche! Rasierspiegel! Und so geht das weiter: Gewürzsets! Kännchen für Aceto Balsamico! Und so weiter.

Abgesehen davon, das Krieg immer schlecht und keine Lösung ist: Die Prioritäten der Italienischen Armee, so man sie denn an den Surplus-Shops festmachen will, gefallen mir.

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Dankeschön!

Blogpinguin Huhu und das Wiesel haben kurz vor Weihnachten jede Menge Fanpost bekommen, dafür soll ich stellvertretend „Dankeschön“ sagen. Huhu freut sich über Pinguinkarten, eine Pinguinlampe, singende Kristallpinguine und geht jetzt mit seinem Pinguinbadezusatz in die Wanne, und das Wiesel hat sich schon an die Arbeit gemacht um die insgesamt 1,5 Kilo(!) Sternchenkekse zu vernichten, die hier aufgeschlagen sind. Liebe Leserschaft: Ihr seid leider verrückt, aber sehr lieb.

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Die dicke Agathe 2020

Da staunt der Huhu: Selbst im Corona-Jahr verwandelt sich die dicke Agathe, die den Rest des Jahres aussieht wie ein Haufen Küchenabfälle, in einen pinken Wasserfall aus Blüten. Und das auch noch pünktlich zu Weihnachten. Ein sehr pflichtbewusster Weihnachtskaktus.

Frühere Agathes:

Die dicke Agathe 2019

Die dicke Agathe 2018

Die dicke Agathe 2017

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London ist…

„The way we see it, London is just one massive money-laundering scheme attached to an impressive public transport system and a few museums, of which even the most honest has more stolen goods than a lock-up garage in Worcester rented by a guy I know called Chalky.“

Schönes Zitat aus „The Constant Rabbit“ von Jasper Fforde. Mehr schöne Zitate auf der Seite oben unter „Zitate“.

(So wie wir das sehen ist London nur eine Große Geldwaschanlage mit angeschlossenem ÖPNV und einigen Museen, von denen selbst die ehrlichsten auf mehr gestohlener Ware sitzen als dieser eine Typ den ich kenne namens Chalky“ )

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Wie ich einst Englisch lernte

„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“
„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“

Beim Aufräumen hinter der ersten Reihe Bücher meine alten Musik-CDs gefunden. Jetzt sitze ich schon das ganze Wochenende daran, eine Scheibe nach der anderen in den letzten Rechner zu stopfen, der hier noch ein optisches Laufwerk hat.

Immer die gleichen Handgriffe. CD in die Lade, WushWush, Rechner holt sich Titelinformationen und rippt Brrrrrhhh, Programm meldet Vollzug Piong! und wieder von vorn.

Die Musik geht direkt in den Wohnzimmerserver, von wo aus sie dann überall – auch über das Internet – zur Verfügung steht. Willkommen in der Zukunft.

Der Großteil meiner CDs stammt aus den Neunzigern. Davor gab es für mich keine CDs, danach habe ich nicht mehr viel gekauft.

Beim Durchschauen musste ich schon manchmal sehr schmunzeln. In der Sammlung finden sich frühe Sampler-Perlen wie die „Teenage Mutant Ninja Turtles Power Hits“ oder „Max Headroom Dance Compilation“, Verirrungen wie Shanks & Bigfoots „Sweet like Chocolate“ oder Puff Daddys „Come withe me“, aber auch Raritäten wie das Duett von Bono und Frank Sinatra mit „Under my Skin“.

Der Anzahl der Alben nach bin ich Tori Amos, Alanis Morisette und Sheryl Crow lange Zeit treu geblieben, zumindest so lange bis die entweder verrückt oder langweilig geworden sind.

Einen besonderen Platz in meinem Herzen wird immer Roxette haben. Nicht nur, weil Marie Fredriksson das Rolemodel einer starken Frau und nebenbei das heißeste war, was die 80er zu bieten hatten, sondern auch, weil ich ausgerechnet mit den strunzdummen Texten von Per Gessle Englisch gelernt habe.

Hatte ich fast vergessen, aber zwischen zwei Piongs fiel das da oben aus einer CD-Hülle: Ein Liedzettel aus der Bravo. Und die Erinnerung kam wieder: Ich habe tatsächlich langweilige Erkdundestunden und Freizeit investiert, um die englischen Texte ins Deutsche zu übersetzen, um dann mit den Übersetzungen die die Bravo damals noch abdruckte zu vergleichen ob ich richtig lag. Darüber, und über englische Computerspiele, habe ich meinen Englischen Wortschatz aufgebaut.

Genutzt hat das in der Schule freilich erstmal recht wenig. Meine erste Englischlehrerin auf dem Gymnasium mochte mich so dermaßen nicht, dass sie mir in Klassenarbeiten Vokabeln, die nicht offiziell im Lehrmaterial vorkamen, als Fehler anstrich und mir so eine Unterwertung nach der nächsten reindonnerte. Oh, what a joyride. Piong!

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Ungeschickte Betrüger

Was mir gerade passiert ist:

Ich habe etwas über eine Marketplace bestellt. Nach einigen Tagen erinnerte die Plattform daran, dass der Verkäufer die Ware noch nicht versendet habe und ich ihn doch mal fragen solle wo die bleibt.

Habe ich nicht gemacht, und wenige Tage später wurde die Bestellung vom Verkäufer storniert und der Kaufbetrag erstattet.

Und jetzt kommt es: Die Ware wurde trotzdem verschickt. Also, wenn das eine Betrugsmasche ist, dann vermutlich die dümmste der Welt. Oder so schlau, dass ich den Kniff nicht verstehe.

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