Ganz Kurz

Einen Monat ohne (8): Müde

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit, das auszuprobieren.

Woche zwei und Tag 15 des Fahrverbots.
Mein Gott bin ich müüüüüüüde. Ist halt doch ein Unterschied, ob ich morgens aus dem Bett direkt unter die Dusche rolle, ins Auto falle und acht Minuten später am Schreibtisch sitze oder, wie jetzt, nach dem Aufstehen zum Bus laufen muss, dort 5-10 Minuten warten darf (der Stadtbus kommt nie pünktlich), dann 30 Minuten fahre (geplante Fahrzeit ist 20 Minuten, aber das schafft der Bus nie) und dann nochmal 15 Minuten laufen muss.

Der längere Weg bedingt ein früheres Aufstehen, eine ganze Stunde eher, und DAS bedeutet, dass ich Abends eigentlich wesentlich eher ins Bett muss und DAS kriege ich gerade nicht hin. Deshalb: Müüüüüde. Gähn.

Ist echt erstaunlich, aber ich muss trotz des recht guten ÖPNV tatsächlich meinen ganzen Tagesablauf umstellen.

Lacher am Rande: Heute war Post vom Landkreis Pyrmont im Briefkasten. Ich habe meinen Lappen ja im Kreis Gütersloh verloren, als ich auf der Rückfahrt von einem Kunden war. Nun hat es einen Kollegen von erwischt. Gleicher Kunde, gleicher Mietwagen, zum Glück unterhalb der Schwelle wo es richtig weh tut. Trotzdem: Diesen speziellen Kunden zu besuchen ist offensichtlich ebenso teuer wie gefährlich.

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Einen Monat ohne (6): Post aus Gütersloh

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit das auszuprobieren.

Post aus Gütersloh? Heute? Was wollen die denn jetzt noch?

Ah, Frau Webermann schreibt, dass mein Führerschein eingetroffen ist und jetzt bei ihr in der Schreibtischschublade liegt. Bis zum 02. Februar. „Er wird Ihnen rechtzeitig übersandt“, schreibt sie und gibt mir mit auf den Weg: „Vor Ablauf dieser Frist dürfen Sie kein Kraftfahrzeug führen, folglich auch kein Mofa.“ Aha. Auf diese seltsame Idee, die hier auch schon mehrfach in den Kommentaren genannt wurde, kommen wohl viele. Ein Verstoß gegen diese Anordnung sei eine Straftat, nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, werde ich noch belehrt. Na dann.

Der Brief ist hoffentlich der vorletzte, den Frau Webermann in der Sache versenden muss. Sie hat nämlich schon ganz viele geschrieben. Als es mich erwischt hat, war ich ja in einem Mietwagen auf Dienstreise.

Der Ablauf war dann, nun, etwas komplexer:

  1. Frau Webermann schickt einen Anhörungsbogen an den Halter des Fahrzeugs, in dem Fall das Mietwagenunternehmen. Das erklärt, das eine Firma den Wagen gemietet hatte, weiß aber nicht, wer gefahren ist.

  2. Frau Webermann schickt einen Anhörungsbogen an meine Firma. Die erklärt, dass sie wohl den Wagen gemietet habe, aber wer da gefahren sei… da müsse man erstmal in den Akten nachgucken. Zeit vergeht. Dann stellt sich raus, dass tatsächlich ein Mitarbeiter gefahren ist, ein gewisser Herr Silencer.

  3. Frau Webermann schickt einen Anhörungsbogen an mich. Ich erkläre, das ich gefahren bin und nur zu schnell war, weil ich geträumt habe, und ob das nicht reiche um 1 km/h weniger und damit vielleicht kein Fahrverbot…?

  4. Frau Webermann amüsiert sich, bedankt sich für die „ausführlichen Angaben zur Sache“ und fragt, ob ich ein Härtefall sei. Ich verneine.

  5. Frau Webermann verhängt ein Bußgeld und ein Fahrverbot und schickt mir das per Brief. Ich schicke ihr Geld und meinen Führerschein. Sie gibt mir zwei Punkte in Flensburg. Geben und Nehmen.

  6. Frau Webermann bescheinigt mir den Eingang des Führerscheins und sagt ich darf kein Moffa fahren. Dabei würde ich selbst mit Führerschein kein Moffa fahren wollen.

Ach ja, und zwischendurch habe ich noch zwei Mal mit ihr telefoniert. Frau Webermann ist wirklich nett. Und fleißig muss sie sein. Wenn jeder rasende Trottel im Westfalenland nur halb so viel Aufwand verursacht wie ich, hat sie gut zu tun.

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Einen Monat ohne (4): Verlängert

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit das auszuprobieren.

Gestern noch gefreut: Der erste Tag nach der Weihnachtspause, und trotzdem war der morgendliche Bus leer.

Tja.
Stellt sich raus, dass erst heute wieder Schule ist. Warum auch immer, Allerheiligen oder Dreikönige oder Maria Hilf oder wie auch immer das hieß, was die südlichen Länder gestern als seltsamen Feiertag hatten, kennen wir ja in Niedersachsen nicht.

Unschön: Deshalb heute morgen erstmals Menschenmassen an der Bushaltestelle im Dorf. Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur zweiten Stunde, Studentinnen und Studenten auf dem Weg zur Bibliothek* und jede Menge Erwachsene, die meisten davon im Omi- und Opi-Alter.

Schön: Die Stadtwerke skalieren mit und haben ihren Bus verlängert, eingesetzt wird jetzt einen Langbus mit Gelenk. Deshalb fanden alle einen Sitzplatz.

Unschön: Ich fand Platz neben einem Opa, der sich alle zwei Sekunden feucht räusperte und mir dabei auf Hand und Ärmel speichelte. ÖPNV ist halt auch unhygienisch.

Unschön: Es ist nass und kalt. Bewegung am Morgen ist ja nett, aber nicht bei 2 Grad durch Nieselregen, das ist bäh. Notiz an mich selbst: Ab jetzt immer Schirm mitnehmen.

Schön: DHL lässt ausrichten, dass mein Führerschein tatsächlich vergangenen Freitag in Gütersloh eingegangen ist. Immerhin. Das Tracking war sich da lange uneins, und ich hatte schon befürchtet der dreht eine Feiertagsrunde oder sowas und wird Montag erst zugestellt. Damit hat das Fahrverbot aber tatsächlich am Freitag begonnen, und das heute ist Tag 5.


  • Streber. Zu meiner Studentenzeit bin ich nur so früh aufgestanden wenn ich wirklich musste, und nicht, weil „um vor 8 die Bib so schön leer ist, da kann man so gut lernen“. Bah.
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Einen Monat ohne (3): Transportprobleme

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit das auszuprobieren.

Der Bus um 07:13 Uhr ist noch angenehm leer, die Straßen auch. Gefühlt 90 Prozent aller Menschen sind noch im Winterurlaub.

Heute ist der erste Tag des Fahrverbots, falls alles geklappt hat und mein Führerschein in Gütersloh angekommen ist. Passend dazu: Heute die erste reguläre Fahrt mit dem Bus.

Vom Dorf bis mitten in die Innenstadt, von da sind es dann noch einmal 15 Minuten zu Fuß bis zur Arbeit. Kleiner Unterschied zum normalen „Ich rolle aus dem Bett, falle an der Dusche vorbei und bin 8 Minuten später am Schreibtisch.“ Aber gut, habe ich morgens gleich mal Bewegung.

Fahrradfahren ist übrigens gerade nicht meine bevorzugte Option, Elektrodienstrad hin oder her. Es regnet, und zwischen Dorf und Stadt liegt ein Bergrücken mit steilen Flanken und unbefestigten Waldwegen, die bei dem Wetter zu Schlammpisten werden.

Unvermittelt tut sich ein neues Problem auf. Ein Baumarkt hat sich dazu herabgelassen, endlich die Magnettafel zu liefern, die ich Anfang Dezember bestellt habe. Die ist nicht schwer, aber sperrig. Dazu kommen noch die Bodenmatten, die ich gestern gekauft habe.

Sonst denke ich nie darüber nach, wie ich solchen Kram transportieren kann – einfach in den Kofferraum schmeißen und gut is. Jetzt muss ich mir tatsächlich Gedanken machen, wie ich das transportiert bekomme. Kriege ich die Teile im Bus mitgenommen? Auf ein Mal ganz bestimmt nicht.

Unvermittelt tut sich auch dafür eine Lösung auf, ein Arbeitskollege wird mir die Sachen am Wochenende vorbeibringen. Sehr schön.

Unschön: Zukünftig muss ich darauf achten, keine sperrigen Gegenstände mehr zur Arbeit zu bestellen. Obwohl… Nach Hause geht ja auch nicht. Da ist ja nie jemand, und wenn eine Zustellung auf dem Dorf nicht möglich ist, werden die Pakete zur Zentralpost am Hauptbahnhof gebracht und müssen dort abgeholt werden. Eine Packstation gibt es auf dem Dorf auch nicht. Die einzige Lösung wäre: Sperrige Sachen so bestellen, dass sie Samstags ankommen.

Das ist eine interessante Erkenntnis: Ich dachte immer, Onlinebestellungen seien super für Leute ohne Auto. Wenn man aber berufstätig ist, sieht das schon ganz anders aus. Hatte ich mir nie Gedanken drum gemacht, aber tatsächlich hat Mobilität auch Auswirkungen darauf, was und wie man online bestellen kann.

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Unweihnachtlich

Seltsam unweihnachtlich ist es in diesem Jahr im Hause Silencer.

Ich kam Ende November von einer Reise zurück und trage seither das Gefühl mit mir herum, dass jetzt eigentlich Januar sein und dieses ganze Weihnachtskram doch lange vorbei sein müsste. Das ist vermutlich das größte Jetlag, was jemals jemand hatte: Das Gefühl, dass hier nicht um ein paar Stunden was nicht stimmt, sondern um zwei Monate.

Wie dem auch sei, ich fühle mich dieses Jahr unweihnachtlich und zelebriere das auch. Kein Weihnachtsbaum, dafür eine blühende Agathe. Keine ausufernden Weihnachtsbesuche, sondern nur den wichtigsten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mich nicht darüber freue, dass so viele von Euch an mich gedacht haben – die Anzahl an Karten, Mails und was hier sonst noch so in den vergangenen Tagen eintrudelte ist erstaunlich. Ihr seid die Besten!

Und auch wenn eigentlich Januar ist: Euch allen ruhige Festtage!

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Schön war aus (3)

Nach der Barocca und der Renaissance hat auch das Kleine Gelbe Auto tatsächlich noch einmal die schmutzig-gelbe und Plakette bekommen.

Es ölt zwar ein wenig herum und hat Wasser im Blinker, aber noch trennt uns die Hauptuntersuchung nicht. So hässlich die Farbe der Plakette auch sein mag: Das freut mich sehr.
Damit wäre dann der Fuhrpark für dieses Jahr abgefrühstückt.

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Notiz an mich selbst: Spülmittel gehört nicht in die Mikrowelle

Wenn ich länger als ein paar Tage unterwegs bin, mache ich meist die Heizung in der Wohnung aus. Anfang November war es nun sehr kalt, und als ich wieder kam, musste ich erstaunt feststellen, dass das Spülmittel in der Küche nicht mehr transparent und flüssig war, sondern trüb und dickflüssig und irgendwie plockig, wie wir Norddeutschen sagen. Es war durch die Kälte auskristallisiert!

Sowas! Ich wusste gar nicht dass das geht! Wieder was gelernt.

Finde ich erstaunlich. Zumal das ja bedeutet, dass Spüli Energie speichert, die es nun verloren hatte. Aber wenn dem so ist, dann müsste doch durch Zuführung von Energie der Kristallisationseffekt rückgängig zu machen sein, oder?

Gesagt, tun getan. Also Flasche mit Spülmittel in lauwarmes Wasserbad gestellt und siehe da, es wurde zu einem kleinen Teil wieder dünnflüssig und transparent. Aber wirklich nur zu einem kleinen Teil, der Großteil blieb kristallin. Die Wärme reichte wohl nicht aus.

Also ab damit in die Mikrowelle. Aber nur ganz kurz, maximal 15 Sekunden.
Summm-Summ-BING, fertig. Spülmittel wieder brauchbar.

Ich sage mal so: Der zweite Lerneffekt ist, das Spülmittelflaschen nicht mikrowellengeeignet und auch 15 Sekunden schon zu lang sind. Die Flasche sah unmittelbar nach der Runde in der Mikrwowelle noch ganz normal aus, aber dann blähte sie sich auf und der Boden wurde zu einer Blase. Jetzt sieht sie ein wenig schief aus und wie geschmolzen, was ja auch stimmt. Spülmittel von Dalì, quasi.

Also: Nicht nachmachen, Spümittel gehört nicht in die Mikrowelle.

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Ruby No. 4

Ich habe es immer noch nicht geschafft den alten Röhrenfernseher mal zu entsorgen. Zum einen, weil der irre schwer ist, zum anderen, weil ich mir dann was neues ausdenken müsste wo ich die Fritzbox draufstelle. Den außer als Standmöbel für den Router wird der Uralt-TV nicht mehr genutzt.

Der Beamer dagegen wird fast täglich benutzt, zum Filme gucken genauso wie zum Spielen. Mit 1.950 Stunden Laufzeit in zwei Jahren wurde nun die Lampe langsam dunkler und wurde darum ausgetauscht. Vermutlich wären da noch ein zwei, dreihundert Stunden dringewesen, aber es muss ja nicht jeder Film wie Twilight aussehen.

Das wäre dann Lampe Nummer 4. Natürlich wieder eine Ruby, die Erstausrüsterqualität zum halben Preis des Hersteller-gebrandetetn Teils bietet und bei denen man sicher sein kann, dass sie einem nicht um die Ohren fliegt. Wie immer schnell und gut von HCinema geliefert. Deren Website sieht zwar immer noch aus wie durch ein Zeitloch aus den 90ern gefallen, aber mit Beamer kennen sie sich aus.

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Beleidigt

Es begab sich einmal, vor vielen, VIELEN Jahren, dass ich in diesem Blog über eine Person A schrieb, die einer Person B sehr ähnlich sah.

Person A war in der Bezirkspolitik für die CSU tätig, Person B war eine Größe im Satiregeschäft. Im Wahlkampf 2008 fiel dann irgendjemandem auf, das Person A der B wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sah, und weil ich das lustig fand, machte ich einen Screenshot von der Wahlkampfwebsite von Person A und fragte in einem kurzen Blogeintrag „Unterwandert Komiker B die CSU?“.

Das war so mittellustig und würde ich heute auch so nicht mehr machen. Zum einen war damals das Blog Sammelstelle für alle möglichen Webfundstücke, und über die Jahre hat sich die Ausrichtung doch deutlich geändert. Bildchen mit Sprüchen oder so lustiger KLeinkram, das gibt es hier heute nicht mehr.

Zum anderen haben wir aktuell gerade ein Klima, in dem sich gewählte Volksvertreter oft übelsten Hasskampagnen ausgesetzt sehen. Solchen Entwicklungen will ich keinen Vorschub leisten, nicht mal mit lustig gemeinten und, wie im damaligen Fall passiert, als „Satire“ und „Fun“ gekennzeichneten Beiträgen.

Oktober 2008, das war eine andere Zeit. Das Internet war noch unbelastet von der Güllegrube des Hasses (aka Facebook), und nicht nur ich fand die Ähnlichkeit von A und B damals zum Schmunzeln: Noch heute gibt es rund 130 Beiträge im Netz, auf Seiten wie der Münchner Abendzeitung oder der Titanic, mit Titeln wie „schlecht geklont“ oder „die besten heimlichen Zwillinge“, auf denen Person A und B miteinander verglichen werden.

Um diese Beiträge heute noch zu finden muss man aber schon sehr gezielt nach Person A und B suchen, und anscheinend hat genau dieses die Person A nun gemacht. Owley hinterließ damals den letzten Kommentar, wo er sinngemäß schrieb „Sind die beiden schon mal in einem Raum gesehen worden? Müsste man mal fragen“.

Heute Nacht um 01:37 Uhr (SIC!) tauchte ein neuer Kommentar unter meinem 11 Jahre alten Artikel auf. Autor: Person A. Inhalt:

„Ich bin nicht Person B und ich beantworte keine Fragen. Ich habe diesen Schwachsinn satt!“

Echt jetzt? Elf Jahre später googelt jemand mitten in der Nacht seinen Namen und wird dann dünnhäutig? Zweifel an der Echtheit der Person habe ich übrigens nicht. Niemand außer konservativen Politikern, Rechtsanwälten und Handwerksbetrieben nutzt heute noch Mailadressen von AOL. (Ja, die gibt´s noch und ja, so habe ich auch geguckt).

Ich habe den Artikel offline genommen, weil: Siehe oben. Trotzdem bin ich einigermaßen überrascht, und zwar zuvorderst von der Instinktlosigkeit und der digitalen Inkompetenz, die es unter Politikern immer noch gibt. Jede Person, die irgendwie im öffentlichen Leben steht, sollte schon mal etwas vom Streisand-Effekt gehört haben. Der besagt, dass eine Sache nur noch größer wird, je mehr man versucht sie aus dem Netz zu bekommen.

Zum Zweiten: Die Faschisten von der AFD haben es allen Ernstes geschafft, in den letzten Wochen das Thema „Meinungsfreiheit“ auf sämtliche Agenden zu setzen. „Man darf in Deutschland ja nichts mehr sagen“, ist deren Behauptung. Das ist natürlich Quatsch, aber aus unerfindlichen Gründen haben alle großen Zeitungen diesen groben Unfug aufgegriffen. Und in diesem Klima nun geht ein Politiker rum und klopft beleidigt an Blogs an, weil ihm die, von der Meinungsfreiheit gedeckten, Beiträge über ihn nicht gefallen? Wirklich? Sollte die Person das eskalieren wollen, wäre das ein wahrhaft katastrophales Signal.

Ich will mal stark hoffen, dass der beleidigte Kommentar nicht die Vorstufe zu rechtlichen Schritten war. Ich habe keine Lust meine Zeit in eine Auseinandersetzung um einen 11 Jahre alten Satireartikel zu investieren. Was aber weitaus Schlimmer wäre: Ich müsste dann wirklich die Meinungsfreiheit gegen einen gewählten Politiker und eine Person des öffentlichen Lebens verteidigen. Das so eine Konstellation überhaupt möglich ist, noch dazu im aktuellen Klima, das hätte ich vor 11 Jahren nicht geglaubt und bis vergangene Nacht auch nicht.

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Burned Hand

„Burned Hand teaches Best“ sagen die Engländer, „die verbrannte Hand lehrt am Besten“. In meinem Fall ist das umgekehrt.

Neulich, an einem Samstag Abend: Ich bin mit der Renaissance auf dem Weg ins Theater. Das Motorrad summt durch die warme Abendluft, als ich plötzlich denke: Ich müsste mal in der Firma vorbeigucken. Da hat eine neue Kollegin angefangen. Heute ist Samstag, und sie war das erste Mal ganz alleine. Sie müsste jetzt schon Feierabend gemacht haben, aber vielleicht sollte ich mal gucken ob alles OK ist?

Kurz an die Jackentasche gefasst: Kein Schlüssel für die Arbeit dabei. Ach egal, denke ich mir, wird schon alles OK sein. Theater fängt immerhin in 45 Minuten an.

Doch der Gedanke lässt mir keine Ruhe. Ist wohl wirklich alles OK? Kurz vor dem Ziel halte ich die ZZR an, wende und flitze 10 Kilometer zurück nach Hause, hole die Schlüssel zur Firma und fahre dort vorbei.

Sieht alles OK aus, die neue Kollegin ist schon weg, aber alles ist in Ordnung. Im Rausgehen komme ich an der Kaffeeküche vorbei. Da drin steht so eine kleine Pantryküche, wie man sie aus Studentenbuden kennt. So ein altes Ding, eine Kombination aus oben Spüle und zwei Kochplatten und unten Kühlschrank und Putzmittelschrank. Was ist das denn? Glimmt da ein kleines Licht auf der Vorderseite? Ist das immer an?

Ich gehe näher ran und schirme die Leuchte mit der Hand ab. Doch, die glimmt. Tut sie das immer, wenn der Kühlschrank läuft? Habe ich noch nie drauf geachtet. Oder ist eine der Kochplatten an? Beide Platten werden nie benutzt und sind mit Edelstahlabdeckungen versehen. Sieht alles normal aus, zumindest glüht da nichts oder so. Ich sehe mir die Regler der Kochplatten auf der Vorderseite des Herds an. Beide stehen auf Null.

Mit einer schnellen Bewegung berühre ich mit einer Fingerspitze die Vordere der beiden Platten und ziehe dann sofort die Hand zurück zurück. Heiß ist die Platte nicht. Ich berühre sie schnell mit zwei Fingern, dann lege ich die ganze Handfläche auf. Nein, die ist nur Lauwarm. Das kann vom laufenden Kühlschrank kommen. Vermutlich ist das bei der hinteren Platte auch so, denke ich und lege die Handfläche auf die größere der beiden Herdplatten.

Noch bevor die Nerven den Schmerz ans Hirn weitergemeldet haben, hören die Ohren das Zischen, das die Handfläche auf der heißen Herdplatte verursacht. Dann kommt der Schmerz. Ich höre mich selbst laut schreien, unkontrolliert und tief, wie ein Tier, dann reiße ich die Hand zurück und torkele vom Herd weg. Ich begreife, was da gerade geschehen ist, springe zum Wasserhahn und drehe das kalte Wasser auf.

Die Handfläche, die ich in den Wasserstrahl halte, ist knallrot. Sofort fliessendes Wasser ist wichtig, denn sonst verbrennt die Haut im Inneren weiter, auch wenn sie schon von der Hitzequelle getrennt ist. Jetzt stellt sich ein pulsierender Schmerz ein. Noch kann ich klar denken. Ich fummele das Handy aus der Tasche, lasse die Sprachassistentin meine Abendverabredung anrufen und sage den Theaterbesuch ab.

Dann besehe ich mir die Drehregler am Herd. Der von der hinteren Platte ist ganz locker und fällt ab, als ich dagegenstupse. Anscheinend ist der schon mal abgefallen, und jemand hat ihn verkehrt wieder aufgesetzt. Und zwar so, dass er um 180 Grad versetzt war. Er stand auf null, die Herdplatte lief aber auf drei. Vorsichtig schütte ich Wasser auf die Edelstahlbdeckung. Es zischt, als das Wasser augenblicklich verdampft. Ich drehe am Reger herum, bis die kleine Lampe ausgeht. Dann stehe ich eine weitere Minute an der Spüle und kühle die schmerzende Hand, bis ich das Wasser abdrehe und zum Motorrad laufe. Vielleicht bleibt nicht viel Zeit bis der Schock einsetzt, dann will ich lieber zu Hause sein.

Den Handschuh wieder anzubekommen ist kein Problem, Gas geben aber schon. Jeder Dreh am Gasgriff tut höllisch weh. Zum Glück muss ich nur 10 Minuten fahren. Zu Hause stelle ich die ZZR in die Garage und laufe in meine Wohnung. Dort angekommen, versuche ich so vorsichtig wie möglich den Motorradhandschuh wieder auszuziehen. Die Hand ist schon stark angeschwollen, und vor Schmerzen steigen mir die Tränen in die Augen, während ich langsam den Handschuh abziehe. Hautfetzen bleiben am Leder zurück. Dann halte ich die Hand so schnell wie möglich wieder unter fließendes Wasser und ziehe mir einen Küchenstuhl heran, während ich auf das Einsetzen des Schocks warte.

Der bleibt weitgehend aus, nur ganz kurz wird mir jetzt ein wenig schwindelig. So, und nun? Jetzt stehe ich hier, die Hand tut wie irre weh, sobald ich sie unter dem fließenden Wasser weg nehme. Soll ich ins Krankenhaus fahren? Vorsichtig besehe ich mir die Handfläche. Die ist in voller Fläche verbrannt und knallrot, bis auf da, wo sich bereits Blasen bilden. Das ist gut. Blasen sind gut.

Ich habe 10 Jahre in der Systemgastronomie gearbeitet und alle Arten von Verbrennungen gesehen. Blasen sind gut, denn dann ist noch Haut da, die Blasen werfen kann. Ernsthaft. Verletzungen durch Friteusenfett, bspw, sind viel schlimmer, denn dann wird die Haut nicht verbrannt, sie verschmort einfach. Da ist dann nichts mehr was Blasen werfen oder später heilen könnte. Da hta man dann einfach ein Loch im Körper. Gerade weil ich schon so viel gesehen habe, Verbrennungen, Verschmorungen und Verätzungen, kann ich auch sehen, dass das hier viel schlimmer aussieht, als es ist.

Die Verbrennung ist großflächig, ja, aber nicht tief. Krankenhausbesuch lohnt nicht. Alles, was ein Arzt jetzt machen könnte, wäre das Kühlen mit fließendem Wasser zu empfehlen. Fließend übrigens deswegen, weil das Bewegungsgefühl die Nerven beruhigt. Gefühlt schreit nämlich gerade jeder Nerv vor Schmerz, und nur die Ablenkung durch kühles, bewegtes Wasser hilft dabei, ihn fast auf Null zu bringen. Eiskalt darf das Wasser übrigens auch nicht sein, weil man sonst Gefahr läuft, die Körpertemperatur zu stark zu senken. Und Eiswürfel wären ganz falsch, weil man sich damit zusätzlich zu Verbrennungen auch noch Erfrierungen einhandeln könnte.

Irgendwann schlafe ich vor Erschöpfung auf dem Küchenstuhl ein, die verbrannte Hand immer noch in der Spüle.


Die folgende Woche ist die Hölle. Erst ist die ganze Handfläche und alle Fingerspitzen eine einzige Ansammlung von Blasen, dann hinterlasse ich überall abgefallene Hautfetzen. Aber immerhin hatte ich recht, es war nur die oberste Hautschicht. Die Schmerzen sind schon am nächsten Tag nicht mehr schlimm und schon nach wenigen Tagen ganz weg.

Trotzdem: Scheißspiel. 10 Jahre Systemgastronomie, in denen ich an und in 180 Grad heißen Friteusen und riesigen Clamshell-Grills rumhantiert habe. 10 Jahre, in denen ich Leute an diesen Geräten und deren Reinigung ausgebildet habe. Unburned hand teached best. Und seit 25 Jahren bügele ich Hemden. NIE habe ich mich so riesig verbrannt, und jetzt, in einem Moment der Unachtsamkeit, habe ich quasi diese eine Szene da aus Indiana Jones nachgespielt. Schön Blöd.

Trotzdem, so eine verbrannte Hand ist ein geringer Preis im Gegensatz zu dem, was die laufende Herdplatte noch hätte anrichten können.

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Erschüttert

Ich bin gerade einigermaßen erschüttert. Grund: Ich habe gerade mal Fotos verglichen, die auf der letzten Reise entstanden sind.

Eines dieser Bilder ist mit dem iPhone8 entstanden, eines mit einer brandneuen 4K-Postfokus-Lumix TZ 81. Und nun raten Sie mal, welches Gerät welches Bild gemacht hat.

Die Lösung ist natürlich klar, sonst wäre es ja keine Überraschung: Das rechte Bild stammt aus der Handyknipse.

Genau.
So habe ich auch geguckt.

Warum soll man sich noch eine Kamera kaufen, wenn dabei so ein Murks im Vergleich zu Handybildern rauskommt?

Die TZ81 steht in der langen Tradition der Panasonic-Travelzoom-Kameras. Von denen hatte ich schon die TZ11, die TZ41, die TZ61 und nun die TZ81. Und, was soll ich sagen: Obwohl die 81er fast doppelt so groß ist wie die TZ41 von vor sieben Jahren, macht sie deutlich schlechtere Bilder, insbesondere bei schwieriger Beleuchtung.

Ich will nicht ausschließen, dass ich bei den Auto- und Postfokuseinstellungen was verkehrt gemacht habe. Das würde zumindest die Unschärfe erklären, ist aber eigentlich auch keine Entschuldigung, denn die Kamera lief im „Intelligent Auto“-Modus, der sowas eigentlich von allein machen sollte.

Tja. Die nächste Reise mache ich dann lieber nochmal mit der alten Kamera. Und mit dem Handy.

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Osterkaktus

Die dicke Agathe ist ja ein unsäglich hässliches Gemüse aus dem Weltraum, das 2014 von seinem Vorbesitzer zurückgelassen wurde und seitdem bei mir sein Dasein fristet. Ein Mal im Jahr, im Dezember, erblüht Agathe und verwandelt sich in eine, nun, rosafarbene Schönheit.

So auch vor einem halben Jahr, als sie kurz vor Weihnachten förmlich explodierte. Da war ich noch beeindruckt, wie gut diese Pflanze den Kalender draufhat. Als Weihnachtskaktus punktgenau kurz vor Weihnachten blühen, diese logistische Leistung muss man ja auch mal würdigen.

Agathe ist aber gerade dabei ihre Street Credibility als Weihnachtskaktus zu verspielen, denn sie blüht schon wieder! Das ging vor drei Wochen los. Fährt sie jetzt zweeigleisig? Ist sie jetzt auch ein Osterkaktus? Oder leistet sie schon mal das Soll für 2019 ab und macht sich Weihnachten einen Lenz? Man weiß es nicht.

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Superalbtraum Passat

Man stelle sich vor, man fährt in Zeitlupe auf ein anderes Fahrzeug auf. Man sieht das Meter entfernt, tritt auf die Bremse und NICHTS passiert. Immer weiter und weiter fährt man auf das Auto vor einem zu, bis es rummst.

Sowas ist mir gerade passiert. IN EINER WASCHSTRASSE. Unglaublich, aber wahr.

Als ich um die Ecke kam, stand ein nagelneuer Passat irgendwie komisch auf dem Schleppband der Waschanlage. Anscheinend hatte der Fahrer es geschafft, sich vom Personal einweisen zu lassen und dann, als er auf dem Band stand, hat er entweder den Motor ausgemacht und vergessen den Gang einzulegen ODER er hat nicht dran gedacht, dass diese neuen Passats von selbst die Handbremse anziehen.

Jedenfalls hing der komisch auf dem Band, und ein Mitarbeiter musste ihn nochmal einweisen. Ich fuhr direkt hinter ihm rein, schon dichter, als mir lieb war. Weil mir das ganze komisch vorkam, stellte ich das Handy auf´s Armaturenbrett und ließ eine Videoaufzeichnung laufen.

Alles lief normal, bis der Wagen vor mir in den Trocknungsbereich kam. Da ging die Waschstraße plötzlich aus. Eine Bürste war wohl aus der Halterung gesprungen. Ein Angestellter kam und drückte die wieder rein.

Die Anlage lief wieder an, das Laufband ruckte weiter. Der Wagen vor mir aber nicht.

Der Fahrer hatte zwischenzeitlich den Motor an- und wieder aus gemacht, und nun bewegte sich seine Kiste keinen Millimeter. Ich konnte sehen, wie sich der Passat schüttelte, als das Laufband versuchte ihn gegen den Widerstand der Bremse weiter zu ziehen. Währenddessen bewegte sich mein Wagen immer weiter auf das stehende Hindernis zu.

Ich krallte mich ins Lenkrad. Irgendwann musste der doch merken, was da gerade passierte, oder??!? Nein, tat er nicht. Passatfahrer sind merkbefreit. Sollte ich eigentlich wissen (1,2).

Ich bin schon seit Jahren der Überzeugung, dass mich irgendwann ein Passat erwischen wird. Auf meinem Grabstein wird einst stehen „Der Passat war sein Schicksal“.

Ich latschte auf die Bremse und merkte, wie sich nun mein Wagen gegen die Bewegung der Schleppkette stemmte. Ich konnte hören, wie das Metall des Laufbands (und hoffentlich nicht meines Wagens) ächzte und stöhnte, aber trotzdem ging es unaufhaltsam weiter. Auffahrunfall in Zeitlupe, und ich konnte überhaupt nichts dagegen tun – eine Situation wie aus einem Albtraum.

Der Passatfahrer bekam das nicht mit. Mein Wagen wurde weiter geschoben. Ich stemmte den Fuß in die Bremse und murmelte nur „Neinneinnein“, weil ich nicht glauben konnte, dass das hier wirklich passiert. Dann hing ich ihm im Heck.

10, 20, 30 Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, dann starte der Passatfahrer vor mir seinen Motor und fuhr einfach durch die restlichen Stationen durch und aus der Anlage raus.

Ich löste die Bremse und wartete bis mein Wagen am Ausgang war.

Passiert ist nichts, außer einer kleinen Beule am Nummernschild und einem Kratzer am Spiegel, der aber nichts mit dem Passat zu tun hat. Ich werde darauf verzichten irgendwen anzuzeigen. Trotzdem: Traumatisches Erlebnis, so zur Tatenlosigkeit verdammt zu sein.

Und was lehrt uns die ganze Sache? Autowaschen ist gefährlich. Sollte man ganz sein lassen.

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Pinguin-Card

Apple führt jetzt eine eigene Kreditkarte ein. Verfügbar nur in den USA. Aber aus Alooominum! Mit ohne Unterschrift! Was den Fanboys gerade einen Pflaumensturz beschert, über das kann Huhu nur müde lächeln. Was ich gerade erst rausgefunden habe: Huhu, der Pinguin, der hier im Blog hinter dem Kommentarkasten wohnt, hat längst seine eigene Kreditkarte!

Die Pinguin-Card ist, genau wie die Apple-Card, ebenfalls exklusiv nur in einem Land verfügbar. Statt aus billigem Cola-Dosenmaterial ist die Pinguin-Card aber aus edlem Titan. Natürlich ist sie auch Unterschriftsfrei.

Huhu steckt voller Überraschungen. Und er ist uns allen weit voraus.

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Schön war aus

Sonnengelb, Bananengelb, Zitronengelb, Butterblumengelb, Limonengelb, Kanariengelb, Goldgelb, Maisgelb, Honiggelb… Es gibt sooo viele schöne Gelbtöne. Sogar Schwefelgelb ist noch nett.

Aber irgendwie schaffen es die Macher der HU-Plaketten, JEDE Farbe scheiße aussehen zu lassen. Nach Schorfbraun, Ferkelrosa, Hustenschleimorange, Erbrochen-Grün und Dreckigblau ist der Reigen der Terrorfarben wieder bei schmutzigem Popelgelb angekommen.

Naja, wurscht. Hauptsache die Plakette noch bekommen, bevor die ganzen Saisonkennzeichenfahrer wieder die Untersuchungsstationen fluten.
Ein Fahrzeug ist damit durch, zwei sind dieses Jahr noch dran.

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