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Archiv der Kategorie: Ganz Kurz

Goodbye

Für eine Leistung, die ich nicht in Anspruch nehme, sind auch 8,99 Euro im Monat zu viel. Ich komme einfach nicht mehr dazu, lang und breit Filme und Serien zu schauen. Folgerichtig habe ich vergangenen Freitag mein Watchever-Abo gekündigt. Und heute steht das hier in der Zeitung:

2016-07-22 11_36_17-Vivendi schließt deutschen Videodienst Watchever _ heise online

Eine Woche hat es nur gedauert zwischen meiner Kündigung und der Ankündigung der Schließung. Verdammt. Die armen Mitarbeiter. Ich versprechem, mit Kündigungen von anderen Mitgliedschaften zukünftig sehr vorsichtig zu sein. Nicht, dass nachher noch der ADAC dichtmachen muss, nur weil ich austrete.

 
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Verfasst von - 22. Juli 2016 in Ganz Kurz

 

Unwohl

Es gibt so Orte, an denen fühle ich mich sofort unwohl. Die jagen mir einen Schauer über den Rücken. Ich rede nicht von Burgen in den Karpaten, Friedhöfen oder Höhlen. Ich meine Orte, bei denen ich sofort weiß, dass es da Menschen gibt mit denen ich nichts gemein habe und nichts zu tun haben will.

Das hier ist so ein Ort:

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Vermutlich hat es viel Zeit Geld gekostet das zusätzliche „N“ für den Ortsnamen anzuschaffen. Der Grund des Unwohlseins ist aber weniger der Name als vielmehr die Erscheinung des Ortes.

Fährt man die Hauptstraße entlang, steht in nahezu jedem Vorgarten – vermutlich in 90 Prozent – ein Fahnenmast. Kein Miniding, sondern das ausgewachsene 4-Meter-Modell, mit dem sich eine amtliche Beflaggung realisieren lässt. Wie am vergangenen Wochenende. Der ganze Ort war voller schwarzrotgoldender Fahnen, die vor fast jedem Haus wehten.

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Gut, am Samstag war auch noch EM. Und sicher, das sagt letztlich nichts über die Bewohner aus. Dennoch vermittelt es einen Einblick in die Geisteshaltung, wenn sich jeder einen Monsterfahnemast in den Vorgarten stellt und die blitzblanke Hauptstraße so beflaggt wird, das man unweigerlich darauf wartet, dass jeden Augenblick eine Militärparade um die Ecke biegt.
Hier würde ich nicht wohnen wollen. Oder auch nur anhalten.

 
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Verfasst von - 12. Juli 2016 in Ganz Kurz

 

Das Regieren der Kartoffel

Er wuchs in den 60ern in Polen auf, in armen Verhältnissen. Ein Bild von 1961 zeigt ihn und seinen Zwillingsbruder. Die Kinder sitzen  auf einem Feld. Die Kleidung der beiden scheint aus dem Mittelalter zu stammen: Grobgewebter Stoff, Sackhemd, ausgefranste Hosen.

Er hat nur einmal Urlaub außerhalb von Polen gemacht. Das war in den 60ern, als er mit seiner Mutter Verwandte in der Urkaine besucht hat. Außer polisch spricht er keine andere Sprache, kennt keine anderen Länder. Er besitzt bis heute keinen Computer. Das Internet nutzt er nicht. Sein erstes Bankkonto hat er 2009 eingerichtet. Bis dahin hat er das Geld in der Matratze versteckt. Für Geld interessiert er sich genauso wenig wie für Frauen. Er war sein Leben lang Jungeselle.

Wichtig waren ihm nur seine Mutter und sein Bruder. Seit beide tot sind, trägt er nur noch schwarz und redet kaum noch, selbst langjährige Weggefährten haben sich von ihm abgewandt.

Heute sitzt er in seinem Büro hinter einem großen Schreibtisch. Dort suchen ihn andere auf, Minister und Bittsteller und Lobbyisten. Er lässt sich ihnen berichten, über die Welt. Über das draußen. Über Polen. Polen ist das einzige, was ihn interessiert. Es ist sein Land, und seine Herrschaft über das Land ist absolut. Er hört den Ministern und Lobbyisten zu und fällt dann Entscheidungen. Diese Entscheidungen sind entgültig.
So regiert Jaroslaw Kaczyński Polen.

Diese Infos stammen aus „Politico EU„, dem seit 2015 erscheinende Politikmagazin. Das verblüfft mich immer wieder. Wie jetzt, denn allein durch das Zusammentragen von Fakten über Kaczyński wird absolut klar, warum Polen heute so erratisch wie aggresiv in der EU auftritt. Es erklärt auch, weshalb die Regierung, die er aus den Reihen seiner PIS-Partei handverlesen hat, das Land gerade wieder in eine Autokratie aus dem 19. Jahrhundert zurückbaut. Weil das genau die Regierungsform und das Zeitalter ist, die maßgeschneidert auf Kaczyński passen.

Polen wird von jemandem regiert der informationstechnisch so lebt wie vor 150 Jahren und der außer seinem Land nichts kennt. Eine traurige, graue, weltfremde Kartoffel. Das schlimmste: Der Mann ist nicht mal gewählt. Er steuert die Regierung aus einem Hinterzimmerbüro.

Zum Beitrag „Polands Powerholic“ auf politico.eu

 
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Verfasst von - 9. Juli 2016 in Ganz Kurz

 

Istanbul Flowmotion

Einen zu Istanbul habe ich noch, dann ist aber auch gut. Hier ein Werbefilmchen. Beeindruckend ist es, weil es in einer Einstellung gedreht zu sein schein und damit hirnschmelzende Dinge macht. Die Technik dahinter heisst Flowmotion und ist irre aufwendig – aber das Resultat rechtfertigt alles.

 
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Verfasst von - 4. Juli 2016 in Ganz Kurz

 

Vielen Dank f�r Ihren Auftrag.

Der produzierende Mittelstand im Jahr 2016: Ihm ist schon irgendwie klar das man irgendwas mit Internet machen muss, kosten darf es aber nichts.

Aktuelles Beispiel: Das metallverarbeitende Unternehmen, dass neue Teile für die Renaissance fertigen soll. Die haben eine Website, aber die sieht aus, als wäre sie durch ein Zeitloch aus dem Jahr 1997 gefallen. Es gibt einen Katalog, aber der ist exakt so wie der auf Papier: Wer was bestellen möchte, macht das bitte schriftlich per Mail, zahlt per Nachname oder Vorkasse und darf dafür Skonto vom Rechnungsbetrag abziehen. Skonto! Deutsche Mittelständler sind gefühlt nur fünf Minuten vom Jahr 1960 entfernt.

Der Katalog des Metallbetriebs besteht aus einer langen Liste an kryptischen Zahlen und Abkürzungen, da steht dann sowas wie:

Artikel 7077 T KA BRB LOL ZZR600

Gut, die Abkürzung für mein Motorrad erkenne ich noch. Alles andere muss man nachschlagen. T steht für verchromt, KA für Seitenträger, BRB für Beifahrer-Rack, LOL für Abdeckung aus Edelstahl, usw. Was die Abkürzungen bedeuten steht aber nicht direkt am Artikel, oder wenigstens auf der Katalogseite, sondern auf einer eigenen Webseite, weit entfernt vom Katalog.

Eine Suche gibt es auch nicht, also muss man die kryptische Katalogliste durchgehen und dabei die andere Liste mit den 48(!) Abkürzungen abgleichen, bis man das Passende gefunden hat.

Bei manchen Artikeln kann man über einen separaten Link immerhin ein Bild aufrufen. Das ist dann ein Foto von… der Anbauanleitung. Kein Witz, das hier ist die ganze Produktpräsentation.

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Immerhin ist es präzise und auf den Punkt, aber mal ehrlich: Schön ist anders.

Ein Shopsystem gibt es nicht. Wer etwas bestellen möchte, wechselt auf die Seite „Bestellungen“ und tippt dann die kryptischen Zahlen und Abkürzungen händisch in ein Mailformular ein, dass dann schlicht eine Mail an info@Firmenname.de schickt.

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Eine Bestellbestätigung kommt dann zwei Tage später, muss ja auch händisch verschickt werden. Keine Ahnung auf welchem exotischen Mailprogramm aus den 90ern die Firmenmails verfasst werden, auf jeden Fall gehen die Umlaute allesamt kaputt;
„Vielen Dank f�r Ihren Auftrag“, steht dann da.

Einige Tage später trudelt dann eine „Pro forma-Rechnung“ ein, die man bezahlen soll, bevor der Artikel versendet wird.

Wählt man als Zahlungsweise Überweisung, darf man Skonto abziehen. Bei Zahlungen per Paypal oder Kreditkarte aber nicht. Ich war, ehrlich gesagt, etwas irritiert. Skonto, dass kenne ich nur vom Kolonialwarenhändler aus meiner Kindheit, aber hey, das kann auch an mir liegen. In der Internetwelt gibt es halt kein Skonto.

Bei aller Häme über diese sehr unelegante Art der Internetnutzung muss ich natürlich eines zugeben: Das System funktioniert. Es ist unbequem, aber es funktioniert. Und vermutlich sichert es in der Firma 3 Arbeitsplätze, von daher habe ich überhaupt keinen Grund mich zu beklagen. Aber ein bißchen lustig machen darf ich mich.

 
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Verfasst von - 1. Juli 2016 in Ganz Kurz, Motorrad

 

Hilfe, bitte! (Gelöst)


Einmal Followerpower, bitte! Ich habe eine Pflanze im Billigmarkt gekauft, einfach, weil ich sie hübsch fand. Es steht nicht dran was das ist, und jetzt habe ich keine Ahnung wie die gegossen wird und was für ein Licht die mag. Weiß jemand was das ist?
Edit: Danke an das Ferienhaus, das schon nach wenigen Minuten mit der Antwort kam: es ist eine Taglilie! Danke!

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Taglilien

 
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Verfasst von - 30. Juni 2016 in Ganz Kurz

 
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Sendepause

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Verfasst von - 27. Juni 2016 in Ganz Kurz

 

Unsichtbare Hand

Kommen Sie und staunen Sie, meine Damen und Herren! Sehen sie hier die unsichtbare Hand bei der Arbeit!

Der Milchpreis ist viel zu niedrig, weil ein Überangebot vorhanden ist? Kein Problem, der Bundeslandwirtschaftsminister sagt Hilfen zu, um das auch noch  zu belohnen.

Roboterhersteller soll von einem chinesischen Unternehmen übernommen werden? Aber nicht mit dem Bundeswirtschaftsminister! Der versucht den Verkauf der Roboterfirma zu verhindern, notfalls auch gegen deren Willen.

Ja, meine Damen und Herren! DAS ist die berühmte „unsichtbare Hand des Marktes“! Jahrhundertlang war sie ein Phantom, aber nun ist das Rätsel gelöst! Die unsichtbare Hand sitzt am Ende von Politikerarmen!

(Bitte im Hinterkopf behalten, wenn das nächste Mal Konzerne Regularien aufweichen wollen und dabei was von „Der Markt wird´s regeln“ faseln.)

 
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Verfasst von - 2. Juni 2016 in Ganz Kurz

 

Streik

Februar 2014.
Ich fahre nach London. Die Tube streikt.

Juni 2014.
Ich fahre durch Frankreich und stehe fast einen Tag auf einer Autobahn im Stau. Die wird von streikenden Taxifahrern lahmgelegt.

Oktober 2014.
Ich will nach Paris. Die Gewerkschaft der Lokführer bestreikt die Deutsche Bahn.

November 2015.
Ich möchte mit einer Fähre nach Griechenland. Die Seeleute streiken genau an diesem Tag.

Februar 2016.
London. Die Tube streikt. Zum ersten Mal seit zwei Jahren.

Mai 2016.
Ich will nach Frankreich. Die Raffinierien werden bestreikt.

JA BILD ICH MIR DAS EIN ODER ZEICHNET SICH DA EIN MUSTER AB????

 
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Verfasst von - 27. Mai 2016 in Ganz Kurz

 

Nicht geklaut

Auf´m Dorf, da wo Autoradios nicht geklaut werden, sondern nach langem, erfüllten Leben sanft in der Nacht entschlafen. Oder anders: Gestern Morgen ging das SEAT Brisa einfach nicht mehr an.

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Wobei das Uralt-Ding freiwillig ohnehin keiner geklaut hätte. Diebe hätten sich eher kaputt gelacht über die Konstruktion mit der Adapterkassette, an die per Kabel das iPhone angeschlossen war. Aber hey, das hat immerhin funktioniert, und für Podcasts reichte die Qualität.

Sei´s drum, also los und das billigste Autoradio geshoppt was das Internet im Angebot hatte. Ausgerechnet ein AEG.

Das AR 4027 kann nix, reicht mir aber. Wann habe ich das letzte Mal an Autoradios rumgeschraubt? Das muss so 1996 gewesen sein, bei meinem ersten Auto, Baujahr 1978. DamalsTM war das ja alles ganz schlimm, da gab es ja noch keine genormten Anschlussstecker. Heute, zwanzig Jahre später, GIBT es genormte Anschlussstecker.

Isostecker (alt, VW-Version).

Isostecker (alt, VW-Version).

Damit müsste ja alles ganz einfach sein.

Dachte ich. Nur leider hält sich keiner an die ISO-Norm. Alles aus dem Hause VW, beispielsweise, vertauscht gerne Erhaltungs- und normale Stromversorgung. Resultat: Das Radio geht mit der Zündung nicht an und danach nicht wieder richtig aus. Und auch beim guten, alten Antennenanschluss gibt es Iso-Alt und ISO-Neu. Seufz. Also Steckerbelegungen nachschlagen, Herstellerinfos recherchieren, Pins zählen, passenden Adapter besorgen. Wie haben wir das eigentlich ohne Internet gemacht? Dann basteln: Kabel auftrennen und neu zusammenschrauben.

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Formtechnisch ist es auch nicht besser geworden. Zwar sind Breite und Höhe des Radioschachts genormt, aber z.B. nicht wie TIEF das ganze sein soll oder wie groß die Blende. Ergebnis: Das neue Radio verschwindet so tief im Armaturenbrett des Kleinen Gelben AutosTM, dass der SD-Kartenschacht gar nicht erst nutzbar ist, und drum rum ist mehrere Zentimeter alles offen.

Fragt noch wer, warum die Autoindustrie langsam von smarten Startups der Rang abgelaufen wird? Unter anderem weil die klassischen Autobauer sich immer noch benehmen wie Klempner, bei denen nichts passt und alles erst zurechtgedengelt werden muss. Anders die Neuen, die den Autobau wie die Konstuktion eines Rechners angehen: Standardkomponenten, einfach zusammensteck- und austauschbar.

Ach egal, jetzt ist das hässliche AEG halt befestigt, und Hauptsache es kommen Podcasts raus.

 
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Verfasst von - 26. Mai 2016 in Ganz Kurz

 

Kein Schwein ruft mich an…

Das komplette Log der Festnetzanrufe seit Jahresbeginn:

2016-05-13 21_05_48-FRITZ!Box

Den Zustand find ich höchst fatal,
für heut’ge Zeiten nicht normal,
wo jeder nur darüber klagt,
das Telefon an Nerven nagt.
Ich trau mich kaum mehr aus der Tür,
denn stets hab ich vermutet,
daß, kaum daß ich das Haus verlass‘
Es klingelt oder tutet.

Doch…

Kein Schwein ruft mich an.
Keine Sau interessiert sich für mich.
Solange ich hier wohn‘,
ist es fast wie Hohn,
schweigt das Telefon.

(Comedian Harmonists) Max Raabe

Nein, Quatsch, Spaß. Ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass das alte Festnetztelefon vom Mobiltelefeon verdrängt wird. Und warum auch nicht? Ich nehme jetzt erstmal die Batterien aus dem Festnetz. Lohnt nicht, das am Strom zu lassen.

 
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Verfasst von - 19. Mai 2016 in Ganz Kurz

 

Toxic Mothers Day

Kleiner Nachklapp zum Muttertag. Machen wir uns nichs vor, nicht jede Mutter ist die beste der Welt. Es gibt leider mehr als genug Mütter, die ihre Kinder physisch oder psychisch fertig machen. Im englischen gibt es dafür sogar den Begriff der „Toxic Mothers“, der vergiftenden Mütter.

Drüben bei Jezebel bin ich gerade über einen Artikel zu dem Thema gestolpert.

Some moms beat their kids and berate them. Others say things like, “Am I hurt that you’re still gay? Yes, because I feel responsible.” Others post on social media that they hate their kids, or think they’re ugly. There’s a long history of mothers exploiting their children for profit.

So weit, so wenig neu. Der Dreh bei Jezebel: Sie haben zum Muttertag all denen gratuliert und ihnen Stärke zu gesprochen, die es geschafft haben sich von ihren toxischen Müttern loszusagen. Den Kontakt abzubrechen. Eine Linie zu ziehen. Eine Trennung vorzunehmen, so schwer es auch fällt. Zu diesem Mut und Durchhaltevermögen gratuliert Jezebel, und ich finde diesen Blickwinkel auf so ein Thema bemerkens- und erwähnenswert.

Hier gibt es den ganzen Artikel.

 
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Verfasst von - 10. Mai 2016 in Ganz Kurz

 

​ ¯\_(ツ)_/¯

Ich habe nur einen Moment nicht aufgepasst, und schon war es aus der Tür raus und wieder auf Reisen… Tut mir echt leid! ¯\_(ツ)_/¯

Spiegel Online am 30.04.16.

Spiegel Online am 30.04.16.

Anders als behauptet geht es dem Wiesel übrigens gut. Es hat eine Postkarte gefaxt.

 
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Verfasst von - 30. April 2016 in Ganz Kurz

 

Reisetagebuch (6): Durch den wilden Westen

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf eine Reise. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Am sechsten Tag könnten sie überfallen werden, es geht ins Kloster und über die lange Ebene. .

Donnerstag, 5. November 2015, Ioannina, Griechenland
Es ist bitterkalt an diesem Novembermorgen. Das Thermometer zeigt 2 Grad minus, und der See von Ioannina liegt unter klammem Nebel. Bloss weg hier!

Kalt. Grau. November halt.

Kalt. Grau. November halt.

Modnerd scheucht den kleinen Toyota über eine Autobahn Richtung Westen. Die Schnellstraße ist nicht so spektakulär wie die alte Bergstraße, die sich parallel dazu über die Berge windet und auf die ich immer wieder sehnsüchtige Blicke werfe. Aber das Bergabenteuer habe ich mir abgeschminkt, das kostet viel zu viel Zeit, denn die alte Straße ist kurvig bis zum Abwinken, und es kann passieren, dass man lange hinter einem Mauleselgespann herzuckeln muss. Wie ich gleich lernen werden, können aber auch auf einer griechischen Autobahn merkwürdige Dinge passieren.

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Fast allein zieht der Toyota über den Asphalt, als plötzlich ein blau uniformierter Mann am Straßenrand steht und wild signalisiert anzuhalten. Dabei springt er uns fast vor den Wagen. Ich halte den Uniformierten für einen Polizisten und rufe Modnerd zu „halt an!“, worauf er den Wagen auf den Seitenstreifen lenkt und stoppt. Im Rückspiegel sehe ich wie der Uniformierte auf uns zugelaufen kommt. Auf dem Seitenstreifen steht schon ein LKW und davor ein weiterer Wagen, ein kleines rotes Auto. Ich hatte angenommen, dass die ebenfalls von dem Polizisten angehalten worden sind. Aber wo ist der Streifenwagen?

Plötzlich wird mir klar, dass es sich bei dem Uniformträger um einen Mitarbeiter einer Pannenhilfe handeln muss. Er kommt zum Fahrerfenster und fragt etwas auf griechisch. Englisch kann er nicht, aber anhand seiner Gesten wird klar, dass er… einen Wagenheber will? Welcher Pannendienst hat denn keinen Wagenheber dabei?

Im Rückspiegel sehe ich drei Frauen, die auf unseren Wagen zugelaufen kommen. Offensichtlich gehören die zu dem kleinen roten Auto, das vermutlich gerade nicht mehr weiterfahren will. Ich steige aus, gehe um den Wagen herum und öffne den Kofferraum. In dem liegt unser Gepäck, das ich rausräume, dann wühle ich ein wenig im Kofferraum des Toyotas herum. Kein Wagenheber zu sehen. Außerdem wird mir die Situation unheimlich. Mittlerweile stehen zwei Pannenhelfer und drei schnatternde Frauen um uns und unser Gepäck an der Straße herum. Wir kommen hier nicht einfach schnell weg, und einer der Pannenhelfer beginnt selbst im Kofferraum rumzuwühlen. Was ist das hier für eine Nummer?

Als amtliches Endergebnis wird festgestellt, dass auch wir keinen Wagenheber an Bord haben. Modnerd und ich verabschieden uns und fahren schnell weiter. Als wir in sichererEntfernung sind bemerkt Modnerd ganz richtig: „Das war einer der ältesten Tricks überhaupt. Leute zum Anhalten bringen, sie das Gepäck aus dem Kofferraum holen lassen… da hätte gerade sonstwas passieren können.“ Ich schweige betreten. Er hat vollkommen recht. Das ist mir erst aufgegangen, als es schon zu spät gewesen wäre. Wieder was gelernt.

Irgendeine Pflanze, die aussieht wie Unkraut aus dem Weltraum.

Außerirdisches Unkraut aus dem Weltraum.

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Verfasst von - 30. April 2016 in Ganz Kurz, Reisen, Wiesel

 

Abendessen auf der LKW-Rampe


Meine Italienischlehrerin arbeitet bei einem Importeur italienischer Delikatessen. Das Unternehmen beliefert Restaurants und Geschäfte mit Dingen, die man sonst nur in Italien bekommt. Sardellenwasser von der Amalfitana, Pecorino aus der Toskana, Pasta aus den Marken – alles von kleinen Bauernhöfen und Familienbetrieben. Schon vor ein paar Jahren habe ich angefangen, diese Lieferanten zu besuchen – die Metzgerei Falorni in Grewe gehört genauso dazu wie die Käserei von Dottoressa Lara. Der Besuch dieser Betriebe gehört zu den schönsten Reiseerinnerunen. Ich habe da viel gelernt, was die Wertschätzung von Lebensmitteln angeht.

Und nun hatte ich die Chance den Importbetrieb mal von Innen zu sehen. Vor zwei Jahren sind die umgezogen, in ein ehemaliges Logistikzentrum der Telekom. Die hatte kurz nach der Fertigstellung eines riesigen Gebäudes festgestellt, dass sie es gar nicht braucht. Fortan stand es da unbenutzt rum, in seinem Inneren ein gigantisches Hochregallager. Ein Teil ist vollautomatisiert – Roboterarme ziehen Kisten aus den Regalen, bringen sie an eine Kommissionierstation und fahren sie wieder weg. In einem anderen Teil flitzen Menschen mit Rechnergesteuerten Gondeln an den Regalen entlang und entnehmen Ware aus den bis zu 10 Meter hohen Regalen.

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Als der Importeur da eingezogen ist, mußte die ganze Anlage einem Retrofit unterzogen werden. Telefonen und Kabeln ist es egal wie sie gelagert werden, aber Lebensmittel müssen in einer bestimmten Reihenfolge aus den Regalen genommen und verschickt werden. Entweder FIFO (First in, First out – was zuerst reinkommt, geht auch als erstes raus) oder FEFO (First expires first out – was zuerst abläuft, muss als erstes raus).

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Die Umprogrammierung der riesigen Lagermaschinen war nicht einfach, weil die Komponenten schon sehr alt sind und kaum ein Programmierer deren Sprache noch beherrscht. Aber mit Geduld und VIEL Geld hat es dann doch hingehauen, heute lagern fast 3.000 unterschiedliche Artikel in der alten Maschine.

Brandneu ist eine Kälteanlage, die die große Halle trotz Fensterfronten 12 Grad kühl hält – ohne mördermäßig Energie zu verbrauchen. Möglich wird das durch neueste Klimatechnik und einen Pool im Keller des Gebäudes. Das Wasser dort unten ist ein großer Kältespeicher, über den die Luft aus der Halle zirkuliert und sich abkühlt.

Wo ich schon mal da war, lies sich der fast 80jährige Seniorchef des Unternehmens nicht lumpen und kredenzte Focaccia nach Rezept seines Heimatorts Pietre Liguria, dazu Pecorino, Ziegenkäse, Feigenmostarda, Salami, Corizo, gefüllte Tomaten und dazu sizilianische Weine mit den kuriosen Namen „Halleluja“ und „The Cure“. Daran merkt man, dass die von ehemaligen Musikern gekeltert werden.

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So kam es zu einem Abendessen auf der LKW-Rampe des Warenausgangs. Ein kurioser Abend. Aber lehrreich.

Übrigens kommen viele Lieferanten des Importeurs Ende Mai nach Göttingen. Auf dem Firmengelände bauen sie Pavillions auf, und als Besucher des „Food Festivals“ kann man von Stand zu Stand laufen und dort alles probieren. Noch gibt es Tickets – wer in er Nähe ist, sollte sich diese einzigartige Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Hier geht es zum Festival.

 
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Verfasst von - 26. April 2016 in Ganz Kurz

 
 
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