Ganz Kurz

Ausrüstungsodyssee

Der November ist grau und kalt, da bietet sich ein Ausflug in den Süden an. Leider konnte ich den nicht selbst antreten, aber immerhin Teile meiner Motorradbekleidung.

Das Innenleben der TechAir-Jacke zieht es alle zwei Jahre nach Asolo, im Veneto. Dort wird die Airbagweste auf Dichtigkeit geprüft, die Treibladungen getauscht, die Sensoren gecheckt, die neueste Steuersoftware aufgespielt und – das ist am Wichtigsten – das Teil wird gewaschen.

Gönnt man sich als TechAir-Besitzer diesen Service für 99 Euro, bekommt man dafür nicht nur ein überholtes und duftendes Kleidungsstück und Seelenfrieden zurück, auch die Herstellergarantie verlängert sich um zwei Jahre. Versand und Rückgabe wird vom Händler organisiert, und über Louis geht das reibungslos und schnell. Im Retourenportal druckt man sich ein Versandlabel, legt einen Brief bei, dass man bitte eine TechAir-Wartung möchte und schickt das Ganze nach Hamburg. Dort wird das Ganze dann behandelt wie eine Reklamation, aber die Mails á la „Es tut uns so leid, dass Du mit uns nicht zufrieden bist“ und „Wir tauschen Deine Ware um“ kann man allesamt ignorieren. Die zeigen nur an, dass der Airbag unterwegs nach Italien ist, und binnen 10 Tagen war die Klamotte wieder hier.

Der Helm war nicht ganz so weit weg und hat trotzdem etwas länger gebraucht, was aber am Lieferdienst lag. Der N104 war nicht im Stammhaus von Nolan in Bergamo, sondern nur in Stuttgart, wo er in der deutschen Niederlassung von Nolan neue Visiermechaniken und Dichtungen bekam und die Verschlüsse gängig gemacht wurden.

Zusammen mit dem neuen Innenfutter und den Wangenpolstern lebt der Helm nun noch etwas länger.

Ich bin nur froh, dass ich ihn wiedergefunden habe – mitten in der Göttinger Innenstadt lag er rum, ganz allein. Das kam so: Mitte letzter Woche kam eine SMS von einem Versanddienstleister, das ein Paket für mich unterwegs sei. In der SMS: Ein Link auf eine kaputte Trackingseite. In Zeiten von Massenphishing über Fake-SMS unbedingt eine vertrauenssteigernde Maßnahmen.

Dann passierte: Nüscht.

Irgendwann habe ich mit die kaputte Trackingseite genauer angeguckt und konnte aus ihr eine Versandnummer rausschütteln, die dann auf einer anderen Trackingseite funktionierte. Stand der Dinge war da: Angeblich war ein Zustellversuch unternommen worden (stimmt nicht), aber ich wäre nicht da gewesen (stimmt auch nicht), und nun sei das Paket bei einem Nolte abgegeben worden. Nett. Nur: Hier gibt es weit und breit keinen Nolte.

Mein erster Gedanke: OK, der Fahrer hatte zu viel zu tun, und um sein Tagespensum zumindest für die Statistik zu erfüllen, hat er selbst das Paket als ausgeliefert unterschrieben und bringt das morgen oder übermorgen.

Doch es passierte: Nüscht.

Für heute hatte ich mir dann vorgenommen, sämtliche Lager des Versanddienstleisters anzurufen. Schon im nächstgelegenen hatte ich Glück. Das Lager selbst, ein Fahrradladen in der Göttinger Innenstadt, sah aus wie das Lagerhaus am Ende von „Jäger des verlorenen Schatzes“ – kein Wunder, wenn die Zusteller nicht mal Benachrichtigungen hinterlassen und die Pakete gleich da hinbringen, dann sammelt sich halt was an.

Wie auch immer: Der N104 ist wieder da. Und mit den Ersatzteilen des upgegradeten Modells ist er besser als an dem Tag, als ich ihn gekauft habe.

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Über rote Ford Fiestas

„Das eine Fahrzeug, vor dem selbst die Fahrer der nobelsten Limousinen Respekt hatten, und mit dem anzulegen sich nicht einmal die PS-Stärksten Fahrzeuge trauten, waren rote Ford Fiestas. Vor roten Ford Fiestas zitterten alle. Dafür gab es einen einfachen Grund: Rote Ford Fiestas hatten schlicht nichts mehr zu verlieren, und genau so wurden sie auch im Straßenverkehr bewegt. Von Fahranfängern, Senioren oder eben auch Fahrern, denen alles egal war. Einem roten Ford Fiesta ging man aus dem Weg, wie man einem tollwütigen Hund aus dem Weg geht. Das war ein ungeschriebenes Gesetz der Straße – auch, wenn es im ungeschriebenen Gesetzbuch eher weiter hinten stand.“

So oder so ähnlich stand der Absatz über rote Ford Fiestas in einem Buch, dessen Namen und Auto ich leider vergessen habe. Vermutlich war es was von Douglas Adams. Würde jedenfalls passen, den der Text enthält einen wahren Kern, wenn auch ins Absurde verdreht: In den Neunzigern war der Ford Fiesta in Großbrittannien eines der meistverkauften Modelle, die beliebteste Farbe war rot, und dementsprechend führten die Karren auch die Unfallstatistik an. „Cause of death: Little old lady in a blue rinse and a red Ford Fiesta“.
Dadurch war „Red Fiesta“ bald ähnlich konnotiert wie die der stehende Begriff der „White Van Man“, die mit ihren weißen Lieferwagen aus dem Nichts auftauchen um einen zu schneiden. Kennt jeder, auch in Deutschland, man muss der Empirie manchmal nur einen Namen geben.

Anyway, als ich das in den 90ern las und dabei an die Arbeitskolleginnen dachte, die einen roten Ford Fiesta fuhren, erkannte ich die tiefe und universelle Wahrheit in diesen Zeilen.

Ich habe diese wahren Worte nie vergessen (anders als halt Buchtitel und Autor), und als ich neulich auf diesen Ford Fiesta stieß, fand ich sie wieder bestätigt. Das ist so eine „hat-nichts-mehr-zu-verlieren-Karre“, und Daimlerfahrer fürchten um ihren Lack, wenn die auf den Straßen unterwegs ist.

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Maximale Verwirrung

Gerade sind hier die Unterlagen für die Briefwahl in Stadt und Land eingegangen. Abgesehen davon, dass die quadratmetergroßen Wahlzettel vor Versand in kunstvollstem Origami gefaltet werden müssen, ist das Prozedere an sich nicht ganz unkomplex. Wahlzettel ausfüllen (jeder nur drei Kreuze!), kleinfalten, in einen Wahlumschlag stopfen, Stimmzettel ausfüllen, Unterschreiben und mit Wahlumschlag in einen Stimmumschlag und dann ab die Post.

Eigentlich einfach, aber wenn man vor dem Berg Papier steht und dann versucht das krasse Behördendeutsch des Stimmzettels zu verstehen, kommt man sich schon ein wenig überfordert vor. Immerhin, man will ja nichts falsch machen, jede Stimme zählt und so, wissen schon.

Weil die Wahlleitung weiß, wie geschraubt und unverständlich die Sprache ihrer Schreiben ist, hat sie eine bebilderte Anleitung in einfacher Sprache beigelegt:

Vorbildlich! Doof nur: Es gibt keinen roten oder blauen Umschlag, nur einen gelben und einen grünen. Vermutlich führt das bei einige Wählerinnen zu maximaler Verwirrung – und bei Schreibwarenläden vor Ort zu erhöhter Nachfrage nach roten und blauen Briefumschlägen….

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Ruby No. 5

Kurze Notiz mich selbst: Ab jetzt ist Ruby-Lampe Nr. 5 im Einsatz. Die letzte hat 21 Monate gehalten und in der Zeit 2.216 Betriebsstunden angesammelt.

Ja, der Röhrenfernseher steht immer noch hier rum. So kurz vor seinem 25. Geburtstag kann ich den einfach nicht wegwerfen…

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Wahre Größe

Wie groß ist eigentlich… Griechenland? Dieses weitläufige, zerklüftete Sehnsuchtsland mit seinen endlosen Küsten?

Stellt sich raus: Lässt man mal die ganzen Inseln weg und zählt das Wasser zwischen denen nicht mit, ist die Festlandfläche von Griechenland mit 107.000 Quadratkilometern gerade mal so groß wie Niedersachsen (47.709), Mecklenburg-Vorpommern (23.295) und Nordrhein-Westfalen (34.112) zusammen.

Quelle: Truesizeof.com

Übertragen auf eine Deutschlandkarte wie oben ist eine Reise durch ganz Griechenland also nicht mehr als eine Fahrt von Nürtingen über Castrop-Rauxel nach Achim, von dort nach Rostock und zurück über Neustadt am Rübenberge nach Schwäbisch Hall. Ernüchternd.

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Prioritäten

Ab und zu stöbere ich durch Shops, die gebrauchte Armeeware verhökern. Das Zeug, was da so verkauft wird, ist meist so 20, 30 Jahre alt und ausgemustert worden. Manchmal finden sich da Sachen, die sich für den eigenen Garten oder Camping nutzen lassen – Falthocker, Kocher, Schlafsackhüllen, sowas.

Manche dieser Shops haben sich auf die Armee eines Landes spezialisiert, andere bieten Gebrauchtzeug aus mehreren Ländern an, und DIE finde ich lustig, zumindest wenn ich mir vorstelle, dass die Angebote die Prioritäten der jeweiligen Nationen widerspiegeln.

Deutschland ist relativ langweilig, die mustern hauptsächlich Anoraks und komische Hüte aus.

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Die Schweizer dagegen sind schon ganz lustig, die bieten neben den unvermeidlichen Schweizer-Armee-Taschenmessern auch alte Gefechts-Velos an. Man stelle sich vor, wie die Schweizer Armee in den Verteidigungsfall radelt, und dafür ewig braucht, weil sie die Berge nicht hochkommen…

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Ausserdem legen die Schweizer VIEL Wert auf gepflegtes Schuhwerk. Wo andere Armeen eine kleine Segeltuchtasche mit drei Bürsten ausgeben, ist das Schweizer Schuhputzzeug in einer Rolltasche mit neun Fächern, 5 Bürsten und zwei Zusatzhüllen untergebracht. Das Ganze ist selbst so groß wie ein kleiner Rucksack. Sehr ordentlich!

Den Vogel schießen aber die Italiener ab. Guckt man durch deren B-Ware, springt einen das hier auf Seite 1 an:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Parmesandöschen der Luftwaffe! Espressotässchen! Fischgabeln! Glaskaraffen! Auf Seite zwei ein ähnliches Bild:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Teetassen! Kaffeelöffel! Weiche Merinounterwäsche! Rasierspiegel! Und so geht das weiter: Gewürzsets! Kännchen für Aceto Balsamico! Und so weiter.

Abgesehen davon, das Krieg immer schlecht und keine Lösung ist: Die Prioritäten der Italienischen Armee, so man sie denn an den Surplus-Shops festmachen will, gefallen mir.

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Dankeschön!

Blogpinguin Huhu und das Wiesel haben kurz vor Weihnachten jede Menge Fanpost bekommen, dafür soll ich stellvertretend „Dankeschön“ sagen. Huhu freut sich über Pinguinkarten, eine Pinguinlampe, singende Kristallpinguine und geht jetzt mit seinem Pinguinbadezusatz in die Wanne, und das Wiesel hat sich schon an die Arbeit gemacht um die insgesamt 1,5 Kilo(!) Sternchenkekse zu vernichten, die hier aufgeschlagen sind. Liebe Leserschaft: Ihr seid leider verrückt, aber sehr lieb.

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Die dicke Agathe 2020

Da staunt der Huhu: Selbst im Corona-Jahr verwandelt sich die dicke Agathe, die den Rest des Jahres aussieht wie ein Haufen Küchenabfälle, in einen pinken Wasserfall aus Blüten. Und das auch noch pünktlich zu Weihnachten. Ein sehr pflichtbewusster Weihnachtskaktus.

Frühere Agathes:

Die dicke Agathe 2019

Die dicke Agathe 2018

Die dicke Agathe 2017

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London ist…

„The way we see it, London is just one massive money-laundering scheme attached to an impressive public transport system and a few museums, of which even the most honest has more stolen goods than a lock-up garage in Worcester rented by a guy I know called Chalky.“

Schönes Zitat aus „The Constant Rabbit“ von Jasper Fforde. Mehr schöne Zitate auf der Seite oben unter „Zitate“.

(So wie wir das sehen ist London nur eine Große Geldwaschanlage mit angeschlossenem ÖPNV und einigen Museen, von denen selbst die ehrlichsten auf mehr gestohlener Ware sitzen als dieser eine Typ den ich kenne namens Chalky“ )

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Wie ich einst Englisch lernte

„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“
„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“

Beim Aufräumen hinter der ersten Reihe Bücher meine alten Musik-CDs gefunden. Jetzt sitze ich schon das ganze Wochenende daran, eine Scheibe nach der anderen in den letzten Rechner zu stopfen, der hier noch ein optisches Laufwerk hat.

Immer die gleichen Handgriffe. CD in die Lade, WushWush, Rechner holt sich Titelinformationen und rippt Brrrrrhhh, Programm meldet Vollzug Piong! und wieder von vorn.

Die Musik geht direkt in den Wohnzimmerserver, von wo aus sie dann überall – auch über das Internet – zur Verfügung steht. Willkommen in der Zukunft.

Der Großteil meiner CDs stammt aus den Neunzigern. Davor gab es für mich keine CDs, danach habe ich nicht mehr viel gekauft.

Beim Durchschauen musste ich schon manchmal sehr schmunzeln. In der Sammlung finden sich frühe Sampler-Perlen wie die „Teenage Mutant Ninja Turtles Power Hits“ oder „Max Headroom Dance Compilation“, Verirrungen wie Shanks & Bigfoots „Sweet like Chocolate“ oder Puff Daddys „Come withe me“, aber auch Raritäten wie das Duett von Bono und Frank Sinatra mit „Under my Skin“.

Der Anzahl der Alben nach bin ich Tori Amos, Alanis Morisette und Sheryl Crow lange Zeit treu geblieben, zumindest so lange bis die entweder verrückt oder langweilig geworden sind.

Einen besonderen Platz in meinem Herzen wird immer Roxette haben. Nicht nur, weil Marie Fredriksson das Rolemodel einer starken Frau und nebenbei das heißeste war, was die 80er zu bieten hatten, sondern auch, weil ich ausgerechnet mit den strunzdummen Texten von Per Gessle Englisch gelernt habe.

Hatte ich fast vergessen, aber zwischen zwei Piongs fiel das da oben aus einer CD-Hülle: Ein Liedzettel aus der Bravo. Und die Erinnerung kam wieder: Ich habe tatsächlich langweilige Erkdundestunden und Freizeit investiert, um die englischen Texte ins Deutsche zu übersetzen, um dann mit den Übersetzungen die die Bravo damals noch abdruckte zu vergleichen ob ich richtig lag. Darüber, und über englische Computerspiele, habe ich meinen Englischen Wortschatz aufgebaut.

Genutzt hat das in der Schule freilich erstmal recht wenig. Meine erste Englischlehrerin auf dem Gymnasium mochte mich so dermaßen nicht, dass sie mir in Klassenarbeiten Vokabeln, die nicht offiziell im Lehrmaterial vorkamen, als Fehler anstrich und mir so eine Unterwertung nach der nächsten reindonnerte. Oh, what a joyride. Piong!

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Ungeschickte Betrüger

Was mir gerade passiert ist:

Ich habe etwas über eine Marketplace bestellt. Nach einigen Tagen erinnerte die Plattform daran, dass der Verkäufer die Ware noch nicht versendet habe und ich ihn doch mal fragen solle wo die bleibt.

Habe ich nicht gemacht, und wenige Tage später wurde die Bestellung vom Verkäufer storniert und der Kaufbetrag erstattet.

Und jetzt kommt es: Die Ware wurde trotzdem verschickt. Also, wenn das eine Betrugsmasche ist, dann vermutlich die dümmste der Welt. Oder so schlau, dass ich den Kniff nicht verstehe.

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Die heilige Corona

Funfact am Rande: Heute ist Tag der heiligen Corona, der Schutzpatronin der Fleischer, des Geldes, der Schatzgräber und Beschützerin… vor Seuchen!

Corona und Viktor. Paris, 1840.

Zur Zeit der Christenverfolgung zog sie sich die Ungnade eines römischen Statthalters zu, der sie zwischen zwei gespannten Palmen anbinden ließ. Als die Bäume auseinanderschnellten, wurde sie in Stücke gerissen.

Zuvor durchlebte sie ein Martyrium mit dem Soldaten Victor von Siena, den sie tröstete, als er gefoltert wurde. Was für eine nette Doppeldeutigkeit das doch für die heutige Benennung einer Hügelkette rund um die Stadt Siena bedeutet, die Einheimischen auch als die „Corona di Siena“, die Krone von Siena, bekannt ist.

In Niederösterreich gibt es sogar den Ort St. Corona, von dort stammt das Lied „Corona hoch erhoben aus diesem Erdental“. Bezüglich der Verehrung in Deutschland waren Bayern und Bremen sozusagen Corona-Hotspots. Knochen der St. Corona liegen im Aachener Münster.

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„Männer an Maschinen verdienen mehr als Frauen an Menschen“

Starke Worte heute im ZEIT-Podcast „Was jetzt“: „Männer an Maschinen verdienen mehr als Frauen an Menschen“.

Hintergrund: Im medizinischen Bereich und im Pflegesegment steigen weder die Löhne des Personals noch wird der Personalstand aufgestockt, und das, obwohl die Nachfrage seit Jahren hoch ist und immer weiter steigt.

Stattdessen beobachtet man das Gegenteil, auch der Arztberuf wird im Vergleich schlechter entlohnt als früher. Der Autor der ZEIT macht das auch daran fest, dass mehr Frauen den Beruf ergriffen haben, und kommt zu dem Schluss, dass das das Ergebnis patriarchaler Kultur in Tateinheit mit Kapitalismus ist.

Oder anders ausgedrückt: Wo Alte-Männer-Strukturen Hand in Hand mit gewinnfixierten Wirtschaft laufen, kommt nichts Gutes bei raus. Stattdessen werden Marktmechanismen durch Machtmechanismen ersetzt, es steigen die Profite, aber nicht die Löhne.

Die Theorie das „Die unsichtbare Hand des Marktes“, Preise und Löhne durch Angebot und Nachfrage regelt, kann so langsam als falsifiziert gelten. Also, sie KÖNNTE falsifiziert werden, wenn es sowas wie eine WirtschaftsWISSENSCHAFT wirklich gäbe. Aber BWL und VWL ist nunmal keine Wissenschaft, sondern eher Religion.

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Corona (7): Gabenzäune


Weltweit: 495.086 Infektionen (+98.837), 22.295 (+5.043) Todesfälle
Deutschland: 41.519 Infektionen (+10.149), 239 (+106) Todesfälle

Die Lage der Welt

Die USA sind absehbar das neue Epizentrum der Pandemie, mit aktuell schon 70.000 Fällen. Dabei gibt es bei denen praktisch keine Tests, weil der faschistische Trickbetrüger im Präsidentenamt die Tests der WHO abgelehnt hatte und eigene, „Made in America“ wollte. Die gibt es aber nicht. Genauso wenig wie das Heilmittel, das er vor wenigen Tagen verkündete. Doof nur das, während er sein Schlangenöl anpries, der Leiter der Gesundheitsbehörde stand und im nächsten Moment sagte „Nein, das funktioniert nicht“. Das die USA jetzt dabei sind den Spitzenplatz einzunehmen, liegt schlicht daran, dass es ein Land der dritten Welt ist, was die medizinische Versorgung angeht, und das die Führung das Problem zwei Monate ignoriert hat.

Und nicht nur das, es geht weiter: Mittlerweile verkünden altgediente Republikaner, sie würden gerne sterben, um ihren Enkeln eine funktionierende Marktwirtschaft zu hinterlassen. Prompt kündigte Trump an, nach Ostern alle Einschränkungen aufheben zu wollen, weil „Da muss es ja dann auch mal gut sein“. Während Newy York leergefegt ist und der dortige Gouverneur sagt „Das Leben wie wir es kenne ist vorbei“, rufen liberale Colleges rufen jetzt schon ihr Lehrpersonal und die Studierenden zurück. Gut, um BWLer ist es nicht schade, aber das ist doch wirklich Kapitalismus im Endstadium.

Oder, wie es jemand auf Twitter im Rollenspieljargon ausdrückte: „Die USA sind jetzt chaotic evil. Kann sein, dass sich nun die Länder an einer Führungsmacht orientieren, die zumindest Lawful Evil ist: China“.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir später einmal auf diesen Punkt der Geschichte zurückblicken und zu dem Schluss kommen, dass die Aushöhlung der Demokratien durch Rechtspopulisten und die Pandemie für einen Zusammenbruch westlicher Staatsysteme und Wirtschaftsordnungen gesorgt haben.

In Ungarn wird der Umbau zur Diktatur vorangetrieben, der Faschist Orban will per Notstandsverordnungen und mindestens für ein Jahr Parlament und Grundrechte aushebeln

In Brasilien stellt sich der Faschist Bolsonaro hin, tut Corona als Erfindung der Medien ab und lässt sich von seinen Anhänger dafür feiern, keine Maßnahmen zu verhängen. Faschistische Politik ist eben immer menschenverachtend und kostet am Ende Leben. Und nein, ich verwende den Begriff „Faschist“ nicht pauschal und inflationär, sondern kann das immer begründen. Faschismus hat viele Gesichter, aber er erfüllt immer Grundmerkmale, und die sind aktuell in den USA genauso vorhanden wie in Brasilien, Ungarn oder der Türkei.

In Italien geht mancherorts das Benzin aus. Warum? Weil viele Tankstellen von Selbstständigen betrieben werden, und deren Umsätze sind so eingebrochen, dass sie es sich nicht leisten können, neue „Ware“ zu bestellen – denn das Benzin müssen die Pächter im Voraus bezahlen.

In Deutschland gibt es auch viel Angst, aber auch viel Solidarität. In Kiel und anderen Städten gibt es „Versorgungszäune“ oder „Gabenzäune“, an die Menschen Nahrung, Kleidung, usw. hängen, und Wohnungslose können sich bedienen. Das ist wichtig, weil nach der Schließung der Tafeln und der Sozialstationen die Obdachlosen wirklich Hunger leiden.

Bild: SHZ.de

Bild: SHZ.de

In der Schweiz muss man übrigens zwei Meter Abstand voneinander halten, in Deutschland nur 1,50 Meter. Warum ist das so? Wegen der Kehllaute. Das Grunzen und Gurgeln der Eidgenossen verschleudert die Viren weiter als menschliche Laute. Odr.

Alle Einträge im Corona-Tagebuch

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Corona (3): Die Stunde der Prepper

Weltweit: 254.996 Infektionen, 10.444 Todesfälle
Deutschland: 18.361 Infektionen (+5.258), 52 (+10) Todesfälle

Schon am vergangenen Wochenende kamen mir gleich mehre große Geländewagen auf der Bundesstraße entgegen. Also, keine SUVs von der Marke „Stadtpanzer“, die nicht mal über einen Bordstein fahren können, sondern ECHTE Geländewagen.

Jeeps, ein alter Bundeswehr „Wolf“ und einen Unimog in Tarnfarben habe ich bei einem kurzen Ausflug gesehen. Sind das Fahrzeuge von „Preppern“, also von Leuten, die sich schon zu normalen Zeiten auf die Zombieapokalypse vorbereitet haben? Die Bunker bauen, Lebensmittel horten, Überlebenstechniken üben und eben auch Geländefahrzeuge vorhalten? Leute, die so veranlagt sind, müssen sich doch jetzt echt bestätigt und ihre große Stunde kommen sehen.

Andere werden jetzt noch schnell zu Preppern. Wie der Nachbar, bei dem gestern mehrere große Erdtanks für Wasser geliefert wurden. Der legt sich jetzt im Garten eine Zisterne an. Sicherlich generell keine schlechte Idee, Wasser zu sparen und Regenwasser zu sammeln. Zum Blumen gießen kann man das immer brauchen.

Bayern hat jetzt als erstes Land Ausgangsperren verhängt.
Geht nicht anders. Freiwillige Selbstbeschränkung passt wohl nicht zu der hedonistischen Lebenskultur in München und Umgebung.

Auch die Arbeitskultur ist da stellenweise hinterher. Während in unserem kleinen Betrieb immer schon darauf geachtet wurde, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter die Arbeitsmittel bekommt, die sie oder er möchte und die den eigenen Vorlieben entsprechen und alle mobil arbeiten können, ist das in den Konzernen um München noch nicht angekommen. Das erzählte mir gestern eine Münchnerin, die bei einem großen Unternehmen arbeitet. Das verkauft es seinen Mitarbeitenden immer noch als Incentive und große Ehre, wenn sie ein Firmenhandy bekommen, oder ein Notebook, oder mal Homeoffice machen durften. Eine Ehre, stets erreichbar zu sein? Homeoffice als Belohnung?
Das ist die Old Economy. Die lernt gerade mit Gewalt um.

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