Ganz Kurz

Prioritäten

Ab und zu stöbere ich durch Shops, die gebrauchte Armeeware verhökern. Das Zeug, was da so verkauft wird, ist meist so 20, 30 Jahre alt und ausgemustert worden. Manchmal finden sich da Sachen, die sich für den eigenen Garten oder Camping nutzen lassen – Falthocker, Kocher, Schlafsackhüllen, sowas.

Manche dieser Shops haben sich auf die Armee eines Landes spezialisiert, andere bieten Gebrauchtzeug aus mehreren Ländern an, und DIE finde ich lustig, zumindest wenn ich mir vorstelle, dass die Angebote die Prioritäten der jeweiligen Nationen widerspiegeln.

Deutschland ist relativ langweilig, die mustern hauptsächlich Anoraks und komische Hüte aus.

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Die Schweizer dagegen sind schon ganz lustig, die bieten neben den unvermeidlichen Schweizer-Armee-Taschenmessern auch alte Gefechts-Velos an. Man stelle sich vor, wie die Schweizer Armee in den Verteidigungsfall radelt, und dafür ewig braucht, weil sie die Berge nicht hochkommen…

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Ausserdem legen die Schweizer VIEL Wert auf gepflegtes Schuhwerk. Wo andere Armeen eine kleine Segeltuchtasche mit drei Bürsten ausgeben, ist das Schweizer Schuhputzzeug in einer Rolltasche mit neun Fächern, 5 Bürsten und zwei Zusatzhüllen untergebracht. Das Ganze ist selbst so groß wie ein kleiner Rucksack. Sehr ordentlich!

Den Vogel schießen aber die Italiener ab. Guckt man durch deren B-Ware, springt einen das hier auf Seite 1 an:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Parmesandöschen der Luftwaffe! Espressotässchen! Fischgabeln! Glaskaraffen! Auf Seite zwei ein ähnliches Bild:

Bild: Räer Ausrüstungen, http://www.raeer.com

Teetassen! Kaffeelöffel! Weiche Merinounterwäsche! Rasierspiegel! Und so geht das weiter: Gewürzsets! Kännchen für Aceto Balsamico! Und so weiter.

Abgesehen davon, das Krieg immer schlecht und keine Lösung ist: Die Prioritäten der Italienischen Armee, so man sie denn an den Surplus-Shops festmachen will, gefallen mir.

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Dankeschön!

Blogpinguin Huhu und das Wiesel haben kurz vor Weihnachten jede Menge Fanpost bekommen, dafür soll ich stellvertretend „Dankeschön“ sagen. Huhu freut sich über Pinguinkarten, eine Pinguinlampe, singende Kristallpinguine und geht jetzt mit seinem Pinguinbadezusatz in die Wanne, und das Wiesel hat sich schon an die Arbeit gemacht um die insgesamt 1,5 Kilo(!) Sternchenkekse zu vernichten, die hier aufgeschlagen sind. Liebe Leserschaft: Ihr seid leider verrückt, aber sehr lieb.

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Die dicke Agathe 2020

Da staunt der Huhu: Selbst im Corona-Jahr verwandelt sich die dicke Agathe, die den Rest des Jahres aussieht wie ein Haufen Küchenabfälle, in einen pinken Wasserfall aus Blüten. Und das auch noch pünktlich zu Weihnachten. Ein sehr pflichtbewusster Weihnachtskaktus.

Frühere Agathes:

Die dicke Agathe 2019

Die dicke Agathe 2018

Die dicke Agathe 2017

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London ist…

„The way we see it, London is just one massive money-laundering scheme attached to an impressive public transport system and a few museums, of which even the most honest has more stolen goods than a lock-up garage in Worcester rented by a guy I know called Chalky.“

Schönes Zitat aus „The Constant Rabbit“ von Jasper Fforde. Mehr schöne Zitate auf der Seite oben unter „Zitate“.

(So wie wir das sehen ist London nur eine Große Geldwaschanlage mit angeschlossenem ÖPNV und einigen Museen, von denen selbst die ehrlichsten auf mehr gestohlener Ware sitzen als dieser eine Typ den ich kenne namens Chalky“ )

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Wie ich einst Englisch lernte

„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“
„Piong! -WushWush – Brrrrrhhh – Piong!“

Beim Aufräumen hinter der ersten Reihe Bücher meine alten Musik-CDs gefunden. Jetzt sitze ich schon das ganze Wochenende daran, eine Scheibe nach der anderen in den letzten Rechner zu stopfen, der hier noch ein optisches Laufwerk hat.

Immer die gleichen Handgriffe. CD in die Lade, WushWush, Rechner holt sich Titelinformationen und rippt Brrrrrhhh, Programm meldet Vollzug Piong! und wieder von vorn.

Die Musik geht direkt in den Wohnzimmerserver, von wo aus sie dann überall – auch über das Internet – zur Verfügung steht. Willkommen in der Zukunft.

Der Großteil meiner CDs stammt aus den Neunzigern. Davor gab es für mich keine CDs, danach habe ich nicht mehr viel gekauft.

Beim Durchschauen musste ich schon manchmal sehr schmunzeln. In der Sammlung finden sich frühe Sampler-Perlen wie die „Teenage Mutant Ninja Turtles Power Hits“ oder „Max Headroom Dance Compilation“, Verirrungen wie Shanks & Bigfoots „Sweet like Chocolate“ oder Puff Daddys „Come withe me“, aber auch Raritäten wie das Duett von Bono und Frank Sinatra mit „Under my Skin“.

Der Anzahl der Alben nach bin ich Tori Amos, Alanis Morisette und Sheryl Crow lange Zeit treu geblieben, zumindest so lange bis die entweder verrückt oder langweilig geworden sind.

Einen besonderen Platz in meinem Herzen wird immer Roxette haben. Nicht nur, weil Marie Fredriksson das Rolemodel einer starken Frau und nebenbei das heißeste war, was die 80er zu bieten hatten, sondern auch, weil ich ausgerechnet mit den strunzdummen Texten von Per Gessle Englisch gelernt habe.

Hatte ich fast vergessen, aber zwischen zwei Piongs fiel das da oben aus einer CD-Hülle: Ein Liedzettel aus der Bravo. Und die Erinnerung kam wieder: Ich habe tatsächlich langweilige Erkdundestunden und Freizeit investiert, um die englischen Texte ins Deutsche zu übersetzen, um dann mit den Übersetzungen die die Bravo damals noch abdruckte zu vergleichen ob ich richtig lag. Darüber, und über englische Computerspiele, habe ich meinen Englischen Wortschatz aufgebaut.

Genutzt hat das in der Schule freilich erstmal recht wenig. Meine erste Englischlehrerin auf dem Gymnasium mochte mich so dermaßen nicht, dass sie mir in Klassenarbeiten Vokabeln, die nicht offiziell im Lehrmaterial vorkamen, als Fehler anstrich und mir so eine Unterwertung nach der nächsten reindonnerte. Oh, what a joyride. Piong!

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Ungeschickte Betrüger

Was mir gerade passiert ist:

Ich habe etwas über eine Marketplace bestellt. Nach einigen Tagen erinnerte die Plattform daran, dass der Verkäufer die Ware noch nicht versendet habe und ich ihn doch mal fragen solle wo die bleibt.

Habe ich nicht gemacht, und wenige Tage später wurde die Bestellung vom Verkäufer storniert und der Kaufbetrag erstattet.

Und jetzt kommt es: Die Ware wurde trotzdem verschickt. Also, wenn das eine Betrugsmasche ist, dann vermutlich die dümmste der Welt. Oder so schlau, dass ich den Kniff nicht verstehe.

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Die heilige Corona

Funfact am Rande: Heute ist Tag der heiligen Corona, der Schutzpatronin der Fleischer, des Geldes, der Schatzgräber und Beschützerin… vor Seuchen!

Corona und Viktor. Paris, 1840.

Zur Zeit der Christenverfolgung zog sie sich die Ungnade eines römischen Statthalters zu, der sie zwischen zwei gespannten Palmen anbinden ließ. Als die Bäume auseinanderschnellten, wurde sie in Stücke gerissen.

Zuvor durchlebte sie ein Martyrium mit dem Soldaten Victor von Siena, den sie tröstete, als er gefoltert wurde. Was für eine nette Doppeldeutigkeit das doch für die heutige Benennung einer Hügelkette rund um die Stadt Siena bedeutet, die Einheimischen auch als die „Corona di Siena“, die Krone von Siena, bekannt ist.

In Niederösterreich gibt es sogar den Ort St. Corona, von dort stammt das Lied „Corona hoch erhoben aus diesem Erdental“. Bezüglich der Verehrung in Deutschland waren Bayern und Bremen sozusagen Corona-Hotspots. Knochen der St. Corona liegen im Aachener Münster.

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„Männer an Maschinen verdienen mehr als Frauen an Menschen“

Starke Worte heute im ZEIT-Podcast „Was jetzt“: „Männer an Maschinen verdienen mehr als Frauen an Menschen“.

Hintergrund: Im medizinischen Bereich und im Pflegesegment steigen weder die Löhne des Personals noch wird der Personalstand aufgestockt, und das, obwohl die Nachfrage seit Jahren hoch ist und immer weiter steigt.

Stattdessen beobachtet man das Gegenteil, auch der Arztberuf wird im Vergleich schlechter entlohnt als früher. Der Autor der ZEIT macht das auch daran fest, dass mehr Frauen den Beruf ergriffen haben, und kommt zu dem Schluss, dass das das Ergebnis patriarchaler Kultur in Tateinheit mit Kapitalismus ist.

Oder anders ausgedrückt: Wo Alte-Männer-Strukturen Hand in Hand mit gewinnfixierten Wirtschaft laufen, kommt nichts Gutes bei raus. Stattdessen werden Marktmechanismen durch Machtmechanismen ersetzt, es steigen die Profite, aber nicht die Löhne.

Die Theorie das „Die unsichtbare Hand des Marktes“, Preise und Löhne durch Angebot und Nachfrage regelt, kann so langsam als falsifiziert gelten. Also, sie KÖNNTE falsifiziert werden, wenn es sowas wie eine WirtschaftsWISSENSCHAFT wirklich gäbe. Aber BWL und VWL ist nunmal keine Wissenschaft, sondern eher Religion.

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Corona (7): Gabenzäune


Weltweit: 495.086 Infektionen (+98.837), 22.295 (+5.043) Todesfälle
Deutschland: 41.519 Infektionen (+10.149), 239 (+106) Todesfälle

Die Lage der Welt

Die USA sind absehbar das neue Epizentrum der Pandemie, mit aktuell schon 70.000 Fällen. Dabei gibt es bei denen praktisch keine Tests, weil der faschistische Trickbetrüger im Präsidentenamt die Tests der WHO abgelehnt hatte und eigene, „Made in America“ wollte. Die gibt es aber nicht. Genauso wenig wie das Heilmittel, das er vor wenigen Tagen verkündete. Doof nur das, während er sein Schlangenöl anpries, der Leiter der Gesundheitsbehörde stand und im nächsten Moment sagte „Nein, das funktioniert nicht“. Das die USA jetzt dabei sind den Spitzenplatz einzunehmen, liegt schlicht daran, dass es ein Land der dritten Welt ist, was die medizinische Versorgung angeht, und das die Führung das Problem zwei Monate ignoriert hat.

Und nicht nur das, es geht weiter: Mittlerweile verkünden altgediente Republikaner, sie würden gerne sterben, um ihren Enkeln eine funktionierende Marktwirtschaft zu hinterlassen. Prompt kündigte Trump an, nach Ostern alle Einschränkungen aufheben zu wollen, weil „Da muss es ja dann auch mal gut sein“. Während Newy York leergefegt ist und der dortige Gouverneur sagt „Das Leben wie wir es kenne ist vorbei“, rufen liberale Colleges rufen jetzt schon ihr Lehrpersonal und die Studierenden zurück. Gut, um BWLer ist es nicht schade, aber das ist doch wirklich Kapitalismus im Endstadium.

Oder, wie es jemand auf Twitter im Rollenspieljargon ausdrückte: „Die USA sind jetzt chaotic evil. Kann sein, dass sich nun die Länder an einer Führungsmacht orientieren, die zumindest Lawful Evil ist: China“.

Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir später einmal auf diesen Punkt der Geschichte zurückblicken und zu dem Schluss kommen, dass die Aushöhlung der Demokratien durch Rechtspopulisten und die Pandemie für einen Zusammenbruch westlicher Staatsysteme und Wirtschaftsordnungen gesorgt haben.

In Ungarn wird der Umbau zur Diktatur vorangetrieben, der Faschist Orban will per Notstandsverordnungen und mindestens für ein Jahr Parlament und Grundrechte aushebeln

In Brasilien stellt sich der Faschist Bolsonaro hin, tut Corona als Erfindung der Medien ab und lässt sich von seinen Anhänger dafür feiern, keine Maßnahmen zu verhängen. Faschistische Politik ist eben immer menschenverachtend und kostet am Ende Leben. Und nein, ich verwende den Begriff „Faschist“ nicht pauschal und inflationär, sondern kann das immer begründen. Faschismus hat viele Gesichter, aber er erfüllt immer Grundmerkmale, und die sind aktuell in den USA genauso vorhanden wie in Brasilien, Ungarn oder der Türkei.

In Italien geht mancherorts das Benzin aus. Warum? Weil viele Tankstellen von Selbstständigen betrieben werden, und deren Umsätze sind so eingebrochen, dass sie es sich nicht leisten können, neue „Ware“ zu bestellen – denn das Benzin müssen die Pächter im Voraus bezahlen.

In Deutschland gibt es auch viel Angst, aber auch viel Solidarität. In Kiel und anderen Städten gibt es „Versorgungszäune“ oder „Gabenzäune“, an die Menschen Nahrung, Kleidung, usw. hängen, und Wohnungslose können sich bedienen. Das ist wichtig, weil nach der Schließung der Tafeln und der Sozialstationen die Obdachlosen wirklich Hunger leiden.

Bild: SHZ.de

Bild: SHZ.de

In der Schweiz muss man übrigens zwei Meter Abstand voneinander halten, in Deutschland nur 1,50 Meter. Warum ist das so? Wegen der Kehllaute. Das Grunzen und Gurgeln der Eidgenossen verschleudert die Viren weiter als menschliche Laute. Odr.

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Corona (3): Die Stunde der Prepper

Weltweit: 254.996 Infektionen, 10.444 Todesfälle
Deutschland: 18.361 Infektionen (+5.258), 52 (+10) Todesfälle

Schon am vergangenen Wochenende kamen mir gleich mehre große Geländewagen auf der Bundesstraße entgegen. Also, keine SUVs von der Marke „Stadtpanzer“, die nicht mal über einen Bordstein fahren können, sondern ECHTE Geländewagen.

Jeeps, ein alter Bundeswehr „Wolf“ und einen Unimog in Tarnfarben habe ich bei einem kurzen Ausflug gesehen. Sind das Fahrzeuge von „Preppern“, also von Leuten, die sich schon zu normalen Zeiten auf die Zombieapokalypse vorbereitet haben? Die Bunker bauen, Lebensmittel horten, Überlebenstechniken üben und eben auch Geländefahrzeuge vorhalten? Leute, die so veranlagt sind, müssen sich doch jetzt echt bestätigt und ihre große Stunde kommen sehen.

Andere werden jetzt noch schnell zu Preppern. Wie der Nachbar, bei dem gestern mehrere große Erdtanks für Wasser geliefert wurden. Der legt sich jetzt im Garten eine Zisterne an. Sicherlich generell keine schlechte Idee, Wasser zu sparen und Regenwasser zu sammeln. Zum Blumen gießen kann man das immer brauchen.

Bayern hat jetzt als erstes Land Ausgangsperren verhängt.
Geht nicht anders. Freiwillige Selbstbeschränkung passt wohl nicht zu der hedonistischen Lebenskultur in München und Umgebung.

Auch die Arbeitskultur ist da stellenweise hinterher. Während in unserem kleinen Betrieb immer schon darauf geachtet wurde, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter die Arbeitsmittel bekommt, die sie oder er möchte und die den eigenen Vorlieben entsprechen und alle mobil arbeiten können, ist das in den Konzernen um München noch nicht angekommen. Das erzählte mir gestern eine Münchnerin, die bei einem großen Unternehmen arbeitet. Das verkauft es seinen Mitarbeitenden immer noch als Incentive und große Ehre, wenn sie ein Firmenhandy bekommen, oder ein Notebook, oder mal Homeoffice machen durften. Eine Ehre, stets erreichbar zu sein? Homeoffice als Belohnung?
Das ist die Old Economy. Die lernt gerade mit Gewalt um.

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Corona (2): Part-eeey!

Weltweit: 227,743 Infektionen, 9.218 Todesfälle
Deutschland: 13.093 Infektionen, 42 Todesfälle

Es gibt sie wirklich, die Flitzpiepen, die sich am schönen Wetter freuen und in Gruppen am Fluss liegen oder im Park grillen oder in Eiscafés sitzen. „Part-eeey! Wir lassen uns den Spaß nicht vermiesen!“ An diese Arschgeigen richtete sich auch die Ansprache des Bundeskanzlers Frau Merkel, als sie gestern Abend im Fernsehen verkündete, dass das hier die ernsteste Krise seit dem zweiten Weltkrieg ist, und man das bitte gefälligst auch ernst nehmen soll.

Die unausgesprochene Drohnung: Wenn ihr das nicht selbst ernst nehmt, gibt es Ausgangsperre.

Ausgangssperren gibt es schon in anderen Ländern. Seit gestern ist die Außengrenze der EU dicht. Praktisch kein Flugverkehr mehr. So ernst ist es.

Geilster Spruch auf Twitter: „Okay, wir können aufhören auf Twitter zu sagen, dass man zu Hause bleiben soll. Es ist Facebook was draußen rumläuft.“. von @miguelrausa

Wohl war. Bleibt nur noch Galgenhumor.

Zum Glück sind die meisten vernünftig und bleiben zu Hause oder wagen sich nur noch zum Kauf von Klopapier, Seife oder Nudeln raus. Manche Märkte haben versucht zu rationieren.

Ich bin noch im Büro, aber ich bin hier auch praktisch allein. Fast alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Homeoffice. Unsere Firma kann das. Meine Horrorvorstellung war immer, das uns das Firmengebäude mal abbrennt. Unter anderem deshalb haben alle ein Notebook ihrer Wahl, um dezentral arbeiten zu können.

Kontakt mit anderen Menschen hatte ich heute das erste Mal wieder. Mit einem älteren Herr hier im Bürohaus, ein typischer „auf die Pelle Rücker“, der im Gespräch immer näher und bis auf 10 Zentimeter an einen ranrückt und versucht, einem die Schulter zu tätscheln. Davon lässt er auch jetzt nicht ab und reagierte pikiert, als ich vor ihm zurückwich. Ansonsten: Nicht mal mehr auf dem Gerät von DHL-Man muss man unterschreiben, der notiert nur noch das Geburtsdatum.

Mittlerweile ist klar, dass uns diese Situation noch Wochen, vielleicht Monate begleiten wird. Allein die Aussicht ist stimmungsdämpfend.

Nette Nachrichten gibt es aber auch, die Umweltverschmutzung geht zurück, die Luft wird sauberer, und in Venedig ist in den Kanälen das Wasser klar. Yay.

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Warum der Corona-Virus besonders in Italien wütet

Hinweis: Der folgende Text wurde zu Beginn der Corona-Pandemie verfasst und soll einen Sachverhalt darstellen, den viele nicht kennen: Dass es mitten in Europa eine große Anzahl chinesischer Unternehmen gibt, die einen regen Austausch mit dem Heimatland pflegen. Das ist eine Tatsache und kann ein Faktor sein, der die Ausbreitung des Virus massiv begünstigt hat. Die Verbreitung aber ganz allein Chinesinnen und Chinesen anzulasten oder sie sogar anzufeinden oder auszugrenzen ist falsch und rassistisch. Rassismus ist dumm und scheiße. Immer.


Hat sich eigentlich mal jemand gefragt, warum ausgerechnet Italien das Land in Europa ist, das am Schlimmsten von Corona-Infektionen betroffen ist? Und dann ausgerechnet im Norden, dem Wirtschaftsmotor des Landes? Eine mögliche Antwort ist sehr naheliegend: Die Zahl der Infektionen könnte deshalb in Norditalien so hoch sein, weil es dort die meisten Chinesen in Europa gibt. Und warum sind die da? Weil dort tausende von chinesischen Fabriken stehen.

Nehmen wir Prato, die zweitgrößte Stadt der Toskana, weil die ein leicht zu recherchierendes Beispiel ist. Prato liegt 20 Kilometer vor den Toren von Florenz, lebt von der Textilindustrie und hat 195.000 Einwohner, davon sind 50.000 aus China.

Wie kommt das? Nun, vor ein Paar Jahren rollten Firmen wie Primark und Co den Bekleidungsmarkt mit einem neuen Konzept auf: Superbillige Klamotten, zu Hungerlöhnen genäht in Schwellenländern wie Bangladesch, verhökert in schnell drehende Kollektionen, die teils schon nach wenigen Wochen wechseln.

Mit diesem Konzept konnten die klassischen Bekleidungsproduzenten, von denen es in Norditalien viele gab, nicht mithalten. Manche versuchten sich mit illegalen Mitteln über Wasser zu halten. Sie holten chinesische Schwarzarbeiter ins Land, die zu sehr geringen Löhnen in den Fabriken schufteten.

Nutzte nicht viel, die italienischen Unternehmen gingen trotzdem reihenweise pleite. Das sprach sich in China herum, besonders in der Turbokapitalistenprovinz Wenzhou, südlich von Shanghai. Textilunternehmer von dort nutzten nun die Gunst der Stunde und übernahmen die italienischen Firmen. Dort machten sie das Primark-Konzept nach, in dem sie „Pronto Moda“ etablierten, schnelle Mode, billig produziert und schnell in den Markt gedrückt. Um das hin zu bekommen, flogen sie Männer und Frauen aus China ein, um in den Fabriken in Italien arbeiten. Teilweise zu Hungerlöhnen und unter schlimmen Bedingungen wie 18-Stunden-Tagen. Akkordarbeit gehört dazu, und in manchen Fabriken schlafen die Arbeiter in Zwischendecken, die in die Werkshallen eingezogen sind. Bekannt wurde das erst, als Ende 2013 eine Fabrik abbrannte, dabei sieben Arbeiter verbrannten und endlich die Nachrichten über diese Zustände berichteten.

Die Verhältnisse haben sich mittlerweile gebessert, zumindest in einem Teil der chinesischen Betriebe. Dort gibt es bessere Arbeitsbedingungen und eine ordentlichere Bezahlung, in denen Arbeiter mit Akkordarbeit pro Monat bis zu 4.000 Euro verdienen. Einige Arbeiter reisen nur kurz ein, arbeiten einige Wochen und kehren dann nach China zurück. Andere versuchen sesshaft zu werden, holen ihre Familien nach, mieten Wohnungen, zahlen Steuern und schicken ihre Kinder in italienische Schulen.

Sesshaft zu werden ist aber nicht einfach. Italien ist ein klassisches Auswanderungsland, auf Einwanderung ist man dagegen nicht eingestellt. Entsprechend gibt es auch keine Einwanderungsgesetze, und von der Zuzugswelle der Chinesen wurde man kalt überrascht. Das zwingt die chinesischen Gastarbeiter praktisch in die Illegalität, wenn sie beschließen zu bleiben. Läuft ihr Touristenvisum ab, tauchen sie einfach unter, leben bei Verwandten oder halt in den Fabriken. Es wird geschätzt, dass von den 50.000 Chinesen in Prato ungefähr 20.000 Schwarzarbeiter sind.

Die Gefahr erwischt zu werden ist gering, und Italien hat eine Besonderheit: Wenn irgend etwas lange genug illegal ist, wird es irgendwann legal. Das gilt für Hausbau in Naturschutzgebieten genauso wie für illegale Migranten. Alle paar Jahre gibt es eine „Sanatoria“, eine Legalisierung, und mit etwas Glück bekommen die Schwarzarbeiter dann Papiere und dürfen bleiben. Das ist natürlich Wasser auf den Mühlen der rechten Faschisten um Salvini.

Im Januar 2020 gibt es 5.000 chinesische Betriebe in und um Prato, das sich dadurch verändert hat. Heute hat Prato die zweitgrößte „Chinatown“ Europas. Italienische Bäckereien bieten Neujahrsfestkuchen an, und Plakate für Veranstaltungen werden auf italienisch und chinesisch gedruckt. Das größte chinesische Viertel Europas ist übrigens nur 300 Kilometer entfernt, in Mailand.

Wirtschaftlich brummt die Region Prato durch den Zuzug, die Arbeitslosigkeit ist niedriger und die Wirtschaftsleistung höher als in anderen Regionen. Die Chinesen haben Italienern keine Arbeitsplätze weggenommen, sie haben neue geschaffen.

Viele Italiener sind trotzdem angepisst, aus unterschiedlichen Gründen. Die Rechten beklagen sich über den Zuzug von Ausländern, klar. Was aber fast noch schlimmer ist: Die Pronto Moda ist eigentlich chinesische Arbeit, darf aber trotzdem das Label „Made in Italy“ tragen. DAS geht gegen die italienische Ehre! Zumal sie in der Vergangenheit oft qualitativ minderwertig war, aber das hat sich geändert. Die Qualität ist deutlich gestiegen, und die ersten chinesischen Unternehmer bereiten den Sprung ins Luxussegment vor, den letzten Teil der Textilindustrie, in dem die Italiener noch die Nase vorn haben. Mal gucken, wie lange noch.

So wie in Prato läuft es noch an anderen Orten in Italien. Im ganzen Land leben und arbeiten heute legal 300.000 Chinesen. Sie liegen dem Staat nicht auf der Tasche, sondern sind findige Unternehmer in verschiedensten Handels- und Dienstleistungsbereichen unterwegs. Sie übernehmen alte Betriebe und möbeln sie auf oder eröffnen neue Geschäfte und schaffen so Jobs. Italien, mit seiner überalterten Gesellschaft, profitiert davon.

So wie auf dem Stiefel geht es auch in anderen Ländern zu. Im Iran haben chinesische Investoren ebenfalls reihenweise Fabriken übernommen oder gebaut und lassen dort Landsleute arbeiten.

Was lehrt uns das nun? Mehrere Dinge. Zum einen, und das war mir überhaupt nicht klar: Globaler Kapitalismus sorgt nicht nur dafür, dass das Geld dorthin geht, wo sich billig produzieren lässt. Er sorgt auch dafür, das Menschen für Arbeit um den Globus ziehen.
Und zum zweiten, bezogen auf Corona: Die Spielform des Turbokapitalismus, wie er in der Bekleidungsindustrie zu finden ist, führt zu ungesunden Clusterbildungen und begünstigt Pandemien. Letztlich, und das ist die dritte Erkenntnis, die man schon vor Corona gehabt haben sollte: Wenn ein Land nicht vernünftig mit Einwanderung umgeht indem es legale Wege der Migration schafft und Integrationsangebote bereitstellt, kann es zu illegaler Einwanderung und Parallelgesellschaften kommen. Dagegen hilft kein nationalistisches „Grenzen zu!“ Gedröhne, die Lösungen sind vielschichtiger und komplexer und – richtig umgesetzt – eine Bereicherung für die Gesellschaft, und zwar ohne Ausbeutung und Rassismus.

Material zum Thema:
– „Made in Italy aus China“ auf meinitalien.info
– „Klein-China in Italien“ auf Deutsche Welle.com
– „Made in Italy – der Etikettenschwindel“ auf Der Tagesspiegel
– „Wohnen in der Fabrik“ auf ZEITonline
– „Chinesische Sklavenarbeit in der Toskana“ auf diepresse.com

Anm.: Das auf dem Bild ist übrigens nicht Prato. Das ist Florenz.

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Einen Monat ohne (13): Wieder da

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit gehabt, das auszuprobieren.

Bis Sonntag lief mein Fahrverbot, am vergangenen Freitag kam schon ein Einschreiben aus Gütersloh mit meinem Führerschein drin sowie den mahnenden Worten, ich solle mir bewusst sein, dass ich erst nach Sonntag, 24:00 Uhr wieder fahren dürfe, weil sonst: Straftat.

Seit Montag bin ich also wieder motorisiert. Und, wie war der autofreie Monat nun?
Interessant war er, und erstaunlich unkompliziert.
Am Herausforderndsten war noch der erste Tag, weil ich quer durch die Stadt zu einem Ladengeschäft und dann rechtzeitig morgens bei der Arbeit sein musste. War machbar, aber stressig. Zum Glück ging es so nicht weiter.

Der Rest des Monats war nahezu völlig unkompliziert und die Gewöhnung recht schnell, nachdem ich erstmal meinen ganzen Tagesablauf umgestellt hatte.

Das alles recht unkompliziert war lag zum einen daran, dass der ÖPNV zwischen Stadt und Dorf im Falle von Mumpfelhausen doch besser ist als ursprünglich befürchtet, zum anderen natürlich an der Vorbereitung. Ich hatte für den Monat keine Dienstreisen angenommen, und auch schwere oder große Dinge wollten nicht eingekauft oder von A nach B bewegt werden. Einzig die Geburtstagsbesuche bei der Familie waren nicht drin, die wohnen auch auf Dörfern, und das wären Tagesreisen gewesen.

Ansonsten hat mir der Monat sogar gut getan. Ich hatte mehr Bewegung, bin früher ins Bett gegangen, habe mehr geschlafen, hatte interessante Erlebnisse und habe tatsächlich so gut wie immer pünktlich nach acht Stunden Feierabend gemacht.

Mein Leben hat sich entschleunigt, und das war gut. Ohne die Möglichkeit ständig überall hin zu können und vielleicht auch zu müssen, habe ich mir mehr Zeit genommen. Für mich selbst, aber auch um einfach mal lange liegen gebliebene Dinge zu tun. Und günstig war der Monat auch noch – 53 Euro für die Busfahrtkarte ist nur die Hälfte von dem, was ich normalerweise allein an Benzin ausgebe.

Was bleibt? Das Wissen, dass es auch ohne Auto geht. Ideal wäre es, gäbe es jetzt im Dorf noch eine Car Sharing-Station. Für den Alltag der Bus, zum Einkaufen und bei Bedarf ein günstiges Leihauto. Das wäre perfekt, dann würde ich tatsächlich auf ein eigenes Auto verzichten wollen.

Außerdem habe ich ernsthaft überlegt, in Zukunft öfter mal den Bus zu nehmen. Das wird vermutlich aber letztlich doch wieder an Bequemlichkeit und Kosten scheitern. Denn wo die Monatskarte mit umgerechnet rund 1,20 Euro pro Fahrt sehr günstig war, kostet das normale Fahrticket dann doch gleich mal 2,20 Euro, und da überlege ich dann doch zweimal ob ich das wirklich will. Milchmädchenrechnung, ich weiß, das Auto ist da nicht günstiger. Es fühlt sich nur anders an.

In der Summe: Die autofreie Zeit hat viel mehr verändert als ich dachte, und sie war gut für mich. Erstaunlich, was aus so einem Geschwindigkeitsverstoß für Erkentnnisse erwachsen können, oder?

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Einen Monat ohne (12): Mach-Deine-Scheiße-Tag-2020

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit, das auszuprobieren.

Der erste Sonntag im Februar ist der MDST, der „Mach Deine Scheiße Tag„. Also der Tag, an dem man endlich den Hintern hoch kriegt und Dinge macht, die schon ewig getan werden müssten und die man schon lange vor sich her schiebt.

Bei mir waren das jetzt eher „Mach Deine Scheiße Wochen“. Klar, konnte ja Abends oder am Wochenende nirgends spontan hin. Wetter war auch meist nicht so dolle, also konnte ich auch mal Dinge tun, für die mir sonst nie die Zeit genommen habe.

Jetzt ist also…

  • …das NAS einem Tip von 1ninesixthree folgend endlich mit Fliegengitter vor Staub geschützt (s.o.)
  • …die Steuererklärung fertig und verelstert
  • …der Keller entrümpelt und aufgeräumt (dabei wurden zwei Kisten alte Kabel entsorgt. War klar, das unmittelbar darauf was kaputt ging und ich von exakt diesen Kabeln was gebraucht hätte)
  • …die Regale im Wohn- und Arbeitszimmer um insgesamt sechs Böden erweitert (Was komplizierter war als es sich anhört, weil dafür alles möglich um- und ausgeräumt werden musste)
  • …die Bibliothek aufgeräumt (wobei sich erstaunlich viele Bücher entdeckt habe, die ich noch gar nicht kannte. Ich glaube, die vermehren sich, wenn keiner hinguckt)
  • …die Filmsammlung aufgeräumt, was ein wenig wie Memory war (weil ich tatsächlich mehrere Filme schlicht doppelt besitze, wie ich erstaunt feststellte.)
  • …die Filmsammlung inventarisiert (720)
  • …im Bad eine neue Lampe angebracht.
  • …das Arbeitszimmer entrümpelt (3 Müllsäcke voller Zeugs, was noch nie Joy sparkte)
  • …die Sommertour recht weit geplant.
  • …und sogar Großvaters Kabeltrommel hat einen neuen Stecker bekommen. Das wollte ich schon seit 11 Jahren machen.

War also erstaunlich produktiv, der autofreie Monat.

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Einen Monat ohne (11): Und dann war da noch…

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit das auszuprobieren.

Und dann war da noch…

… die Feststellung, dass ich bis zu 480 Tweets auf dem Weg zur Arbeit lesen kann.

… die Frau, die beim Einsteigen in den Bus ihre Wochenkarte hochhielt. Normalerweise gucken die Fahrer da nicht hin und wir Fahrgäste gehen einfach durch. Aber diese Frau war der Typ „pensionierte Lehrerin“ und wollte sich damit nicht zufriedengeben. „JUNGER MANN!“, sagte sie in diesem typischen Lehrerinnentonfall, der selbst in erwachsenen Männern noch sofort das Schulkind strammstehen lässt. „Sie müssen schon hingucken, wenn ich ihnen meine Karte zeige! Und auf diese Entfernung können sie doch gar nichts erkennen!“ Damit hielt sie ihm das Ding direkt vor die Nase. Der 50jährige Fahrer kriegte rote Ohren und guckte angemessen schuldbewusst.

… die Tatsache, dass alle Pendler gerne in ihre Smartphones gucken. Manche lesen darin Bücher, manche spielen ein Spiel, andere lesen Zeitung, gucken Nachrichten oder chatten. Wenn diese morgendliche Routine der inneren Einkehr gestört wird von, sagen wir mal, einer älteren Dame Typ „pensionierte Lehrerin“, die der Meinung ist, das sei soziale Vereinsamung und man müsse sich doch jetzt mal unterhalten und dann damit beginnt über ihre nicht vorhandenen Gewichtsprobleme und das therapeutische Trommeln ihres Mannes zu berichten, dann reizt das die Nerven aller Menschen in Hörweite nicht unerheblich.

… die alte Dame, die dem gerade eingeschulten Tobi mit großem Ernst erzählte, wie sie nach Mumpfelhausen gezogen ist und er ihr im Gegenzug berichtete, welche Umstellungen das Konzept „Schule“ für ihn bedeutet. Die Geschichten spielen keine Rolle, bemerkenswert war, wie konzentriert und ernsthaft die beiden ins Gespräch vertieft waren und das die Dame im Omaalter den Tobi nicht wie ein Kind behandelte, sondern ganze und komplizierte Sätze sprach und er interessiert zuhörte, und umgekehrt.

… der Busfahrer, der 100 Meter vor der Endhaltestelle stoppte, die Türen des Busses öffnete, rausprang… und verschwand. Die Fahrgäste waren erst irritiert, begannen sich dann aber zu berappeln und zögerlich auszusteigen und nach Hause zu gehen. Vom Fahrer keine Spur mehr, der Bus blieb auf der Dorfstraße stehen, zumindest so lang wie er in meiner Sicht war.

… der Typ, der sich breitbeinig auf den einen und seinen Rucksack auf den anderen Sitz wuchtete und sofort auf einem Handy mit aktivierten Tastentönen rumtippte. Aus den Augenwinkeln sah ich nagelneue Jeans, geölten Hipsterbart und Seidenschal und dachte „Ah, Jurastudent. Arschloch.“ Dann nahm ich den Manbun und die Nickelbrille wahr und dachte „Ah, BWL-Student. Arschloch.“ Aber dann stieg der gar nicht an der Uni aus. Ich muss zugeben, meine Schubladeneinordnung ist an dem Typen zerschellt. Ein Arschloch ist er trotzdem.

… die Überraschung, das die Fußgängerzone morgens keine Fußgängerzone ist, sondern eine große Parkfläche für hausgroße SUV und alten Männern in riesigen Mercedessen. Manche haben sich verfahren, andere sind Ladenbesitzer, wieder andere haben so viel Kohle, dass es ihnen schlicht egal ist, wenn das Ordnungsamt sie erwischt, weil ein Strafzettel sie quasi nichts kostet. Hauptsache, sie können direkt vor dem Geschäft parken. Boomer, halt.

… das Mädchen, das plötzlich anfing sich auszuziehen. Mitten im Bus und bei Außentemperaturen von 3 Grad minus. Sie wollte wohl an der nächsten Haltestelle Laufen gehen und trug unter den langen Hosen Shorts, trotzdem erntete sie irritierte Blicke.

… der Typ, der am Telefon sein Gehalt und seine Joblage herumtrötete. Der ganze Bus weiß jetzt, was er brutto verdient, was er netto verdient, was er von seinen neuen Kollegen hält und in welcher Abteilung er im Klinikum arbeitet. Und noch etwas weiß der Bus nun: Das der Typ zwar einen Doktortitel hat, aber nicht besonders helle ist.

… die Erkenntnis, dass es auf dem Markt immer noch einen Scherenschleifer gibt! Und das es noch einen Markt gibt!

Kategorien: Ganz Kurz, Gnadenloses Leben | 23 Kommentare

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